„Du darfst“- Du darfst es aber auch einfach lassen


Du darfst nicht

Süßstoff soll gesünder sein als Zucker. Doch das ist eine Illusion. Neue Forschungen beweisen, dass künstliche Süße nicht beim Abnehmen hilft. Manche Forscher halten Lightprodukte gar für gefährlich

 

Cola oder Cola light? Die Frage hat Helen Hazuda jahrelang beschäftigt. Am Ende fand sie heraus, dass das die falsche Frage ist. Die Medizinprofessorin der University of Texas hat über zehn Jahre hinweg 474 Menschen untersucht, die Diät-Limonaden tranken. „Light-Getränke als gesunde Alternative anzupreisen wäre unklug“, musste sie feststellen.

Bei den Versuchsteilnehmern, die Cola light und Co tranken, nahm der Taillenumfang um 70 Prozent mehr zu als bei Menschen, die zu normalen Zuckerlimonaden griffen. Eine erschütternde Erkenntnis für alle Diätwilligen, die sich tapfer seit Jahren mit den künstlich schmeckenden Light-Limos quälen. Mit normaler Zucker-Cola wären sie womöglich heute schlanker.

Bisher galt die Entscheidung „Cola oder Cola light“ als Frage des Bewusstsein. Wer light wählt, der beweist Disziplin, entscheidet sich für Zuckerverzicht, also für Gesundheit und Figur. Süß soll es aber trotzdem schmecken. Das ist dank künstlicher Süßstoffe kein Problem. Ob Cola, Marmelade oder Schokoriegel – Produkte mit Zuckerersatzstoffen gibt es in allen Lebensmittelbereichen, ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert, weit über 6000 gibt es allein in den USA. Auf diesen Produkten ruhen die Hoffnungen Millionen gesundheits- und figurbewusster Menschen. Es ist ja das große Versprechen der Lebensmittelindustrie: Du darfst.

Doch nun zeigen Forschungen, dass dieses Versprechen nicht zu halten ist: Lebensmittel mit Zuckerersatz helfen nicht beim Abnehmen. Süßstoffe scheinen nicht nur nicht schlank zu halten, sondern dicker zu machen. Manche Forscher verdammen Light-Produkte sogar als gefährlich.

Dabei waren die Gesundheitsforscher zunächst voller Zuversicht. Ein Ausweg aus dem Süße-Dilemma schien gefunden. Denn der Zuckerkonsum steigt in vielen Ländern der Welt stetig. In Deutschland liegt er derzeit bei etwa 35 Kilogramm pro Kopf und Jahr, dreimal so viel wie zu Großmutters Zeiten. Mit dem Genuss aber steigt das Risiko für Übergewicht. An Diabetes, Herzproblemen, Krebs und anderen chronischen Krankheiten leiden übergewichtige Menschen wesentlich häufiger als schlanke.

Geht es um die Gesundheit, zählt jedes Kilo. Weil das jeder weiß, der Mensch aber vom Süßen nicht lassen kann, boomen die Light-Produkte. Sie behaupten, die gesünderen Leckereien zu sein. Winzige Mengen von Süßstoffen wie Aspartam, Cyclamat, Neotam und Sucralose reichen aus, um Bonbons und Cornflakes zuckersüß zu machen. Sorbitol, Maltit und Isomalt sind zwar weniger süß als Haushaltszucker, haben aber auch viel weniger Kalorien. Wie sollen sie da nicht gut für die Figur sein?

Die Medizinerin Helen Hazuda machte es argwöhnisch, dass trotz der kalorienreduzierten Lebensmittel so viele Menschen Übergewicht haben. Um herausfinden, was dick macht und was schlank hält, begann sie, die Diätlimonaden-Trinker zu untersuchen. Dabei kam nicht nur heraus, dass die zuckerfreien Getränke nicht schlanker machen als normale Softdrinks. Hazuda entdeckte auch etwas, das alle entmutigen wird, die stets ihr Süßstoffdöschen dabeihaben, um ohne Reue nachzusüßen: Der Bauchumfang derjenigen, die mehr als zwei Gläser Diät-Limonade am Tag tranken, nahm fünfmal mehr zu als bei Menschen, die ganz auf Limonaden verzichten. Die Botschaft ist eindeutig: Süßstoff macht dick. „Du darfst“, das lässt sich nicht mehr halten.

Fragt man die Behörden, scheint die Süßstoffwelt allerdings völlig in Ordnung. Was verkäuflich ist, gilt als „sicher“. Versuche an Mäusen und Ratten scheinen das zu belegen: Die Tiere bekamen drei Monate lang Wasser zu trinken, welches Süßstoffkonzentrationen enthielt, die dem regelmäßigen Konsum von Light-Produkten bei Menschen entsprechen. Reaktion: keine. Die Mäuse rennen wie eh und je in ihren Käfigen herum. Wie passt das zu der negativen Einschätzung von Süßstoffen in der wissenschaftlichen Literatur? Morando Soffritti vom Cancer Research Center in Bologna erklärt diesen Widerspruch mit den jeweils verschiedenen Perspektiven: „Die Behörden schauen nur, ob Süßstoffe akut schaden. Aber es ist eine andere Frage, ob diese nützen oder ob sie sogar langfristig ungesund sind.“

Die Kinderärztin Cara Ebbeling wollte herausfinden, ob dicke Kinder ein paar Pfunde verlieren können, wenn sie statt zuckerhaltiger Softdrinks nur Light-Getränke zu sich nehmen. Am Kinderkrankenhaus in Boston teilte sie 103 Jugendliche in zwei Gruppen ein: Der einen riet sie, zuckerhaltige Softdrinks durch Light-Getränke zu ersetzen, die sie ihnen frei Haus liefern ließ. Die anderen sollten ihre üblichen Zucker-Limos trinken. 25 Wochen lief der Versuch, doch der erhoffte Effekt blieb aus: Trotz der Umstellung auf Light-Limonaden unterschied sich der Body-Mass-Index, der Indikator für die Leibesfülle, zwischen beiden Gruppen nicht. Erst als Ebbeling sich nur die dicksten Kinder anschaute, bemerkte sie eine geringfügige Gewichtsabnahme, wie sie in der Zeitschrift „Pediatrics“ berichtet. Immerhin ein kleiner Erfolg für die Süßstoffgetränke. Wer ganz viele Pfunde zu verlieren hat, darf manchmal doch?

In anderen Studien jedoch zeigte sich nicht einmal dieser winzige Schlank-Effekt. Im Gegenteil: Die Übergewichtigen legten teilweise sogar noch zu. „Widersprüchlich“ seien die Befunde, fasst die American Heart Association die Studienergebnisse 2012 zusammen.

Beim Süßstoff als Zuckerersatz sind noch viele Fragen offen. Die American Heart Association aber warnt mittlerweile vor der Illusion, dank der Ersatzstoffe ungestraft Süßes essen zu können. „Mit Süßstoffen isst man insgesamt mehr als ohne“, schreibt die American Heart Association. „Die leeren Kalorien werden kompensiert“, erklärt Christopher Gardener, einer der Autoren der Stellungnahme. „Nach der Light-Cola zu Mittag verdrückt man am Nachmittag ein Stück Torte.“ Aus psychologischen Gründen, weil man sich nach dem Diätprodukt ein paar Kalorien extra erlaubt.

Und weil der Stoffwechsel danach verlangt. Nach dem Verzehr des Massensüßungsmittels Aspartam etwa steigt der Hunger stark an. Das liegt vermutlich an den Vorgängen im Gehirn. Süßstoffe regen das Belohnungssystem nicht in gleichem Maß an wie Zucker. Das Sättigungsgefühl stellt sich nicht so schnell ein. Unter anderem Paul Smeets vom University Medical Center in Utrecht konnte das im Hirnscanner zeigen. Der Mandelkern, der über Lust und Hunger wacht, drosselt nach dem Genuss von Traubenzucker seine Aktivität. Der Kohldampf lässt nach. Süßstoffe aber befriedigen ihn nicht.

Der meistverkaufte Stoff für Süßmittel ist Aspartam. Er ist auch der meistuntersuchte Zuckerersatzstoff. Laut den Studien werden nicht alle Kalorien, die dank Aspartam eingespart werden, später wieder angefuttert. Bei fester Nahrung wurden rund 32 Prozent der eingesparten Energie mit anderen Lebensmitteln oder größeren Portionen wieder zu sich genommen. Bei Süßgetränken waren es im Schnitt rund 15 Prozent. Damit bleibt immerhin eine deutliche Reduktion der Energiezufuhr. Die Versuchspersonen sollten also eigentlich sukzessive abnehmen. Tun sie aber nicht.

Warum das so ist, wird unter Forschern heftig diskutiert. Schon heute ist klar: „Wer verlässlich abnehmen will, sollte sich weniger auf Süßstoffe verlassen als vielmehr Sport treiben und auf eine abwechslungsreiche Ernährung umstellen“, rät Christopher Gardener. „Alle Nahrungsmittel, in denen Süßstoffe enthalten sind, sind Junkfood. Gesund ist das nicht, selbst wenn es einen Hauch weniger dick macht als Junkfood mit Zucker.“ Gardener spricht aus tiefer Überzeugung. Keine Cola und kein Kaugummi kommen ihm je ins Haus. Er kocht selbst und hält sieben Hühner, die seine Familie jeden Morgen mit frischen Eiern versorgen.

Manche Forscher warnen sogar davor, dass Aspartam und andere Ersatzstoffe krank machen können. Morando Soffritti vom Collegium Ramazzini und dem Cancer Research Center in Bologna etwa rät Freunden und der Familie ausdrücklich von künstlich gesüßten Torten, Bonbons und Diätgetränken ab. Er warnt sogar vor Tabletten für Kinder, da diese nicht selten mit Aspartam gesüßt sind. Schlagzeilen machte er mit einer Hiobsbotschaft: Süßstoff könne Krebs verursachen.

Über viele Jahre hat Soffritti Tausende Ratten und Mäuse mit Aspartam im Futter versorgt. Nach dem Tod der Tiere sezierte er sie und entdeckte verschiedene Tumoren: Blut-, Leber- und Lungen- und auch Brustkrebs. Aspartam wird im Körper zu einem Teil zu Methanol umgewandelt, ein nachweislich krebserregender Stoff. Der könnte für die Geschwüre verantwortlich sein, glaubt Soffritti.

Sollte ein Stoff, der mittlerweile aus der Lebensmittelwelt kaum mehr wegzudenken ist, tatsächlich krebserregend sein? Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist dem Verdacht nachgegangen und hat nun den Wissensstand zu Aspartam neu bewertet. Die Daten des Italieners fielen dabei komplett durch: Weil seine Tiere alt waren, hält die EFSA die Tumoren für alters- und nicht für futterbedingt. Die verwendeten Schweizer Mäuse seien außerdem besonders anfällig für Leber- und Lungenkrebs. Methanol werde schließlich auch vom Körper selbst produziert und sei in den geringen Mengen nicht relevant. Überhaupt weise nur eine Studie am Menschen auf ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs durch Süßstoffe hin, sonst gebe es dafür keine Belege. Das Fazit der Behörde: Der Krebsverdacht ist haltlos.

Auf ähnliche Weise reagiert die EFSA auf zwei Studien, einmal aus Dänemark, einmal aus Norwegen, wonach sich Frühgeburten mit dem Süßstoffkonsum in Verbindung bringen ließen. Der Autor der dänischen Veröffentlichung, Thorhallur Halldorsson vom Statens Serum Institut in Kopenhagen, der diesen Zusammenhang entdeckt haben will, fordert nun weitere Untersuchungen. Die europäische Behörde dreht jedoch den Spieß um. Die vorliegenden Daten belegten noch keinen ursächlichen Zusammenhang, bemängelt sie. Aspartam gilt also bis auf Weiteres als sicher – auch für Schwangere.

Sollte man dennoch vorsichtshalber den guten alten Haushaltszucker nehmen? So viel schaden kann er ja nicht, schließlich essen ihn die Menschen seit über zweieinhalbtausend Jahren. Und schon bei Babys ist die Liebe zum Süßen angeboren. Das zeigt sich immer wieder auf Neugeborenenstationen, wo schreiende Babys mitunter beruhigt werden, indem ihnen ein mit dem Zucker Sucrose getränktes Wattestäbchen in den Mund geschoben wird. Das Kind saugt zufrieden an der Watte. Lange bevor der Mensch zu sprechen beginnt, existiert die Lust auf Süßes.

Doch die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt nun sogar vor ihm. Anfang März erst hat sie einen Entwurf vorgelegt, mit dem sie den Kampf gegen Fettleibigkeit und Diabetes verstärken will. Der bislang gültige Richtwert soll halbiert werden. Nur noch fünf Prozent der täglichen Energiezufuhr sollen nach dem Willen der UN-Organisation über die weißen Kristalle gedeckt werden. Auch Honig und Fruchtsaftkonzentrate, die zum Süßen verwendet werden, werden in den Zuckerkonsum eingerechnet. Mehr als sechs Teelöffel oder 25 Gramm Zucker sind demnach ungesund.

Du darfst nur sechs Teelöffel? Das ist ziemlich wenig: Schließlich lauert die süße Verführung überall, in Fruchtsäften, Süßungsmittel, Joghurt, Kuchen und Snacks. „Wenn man all das zuckrige Zeug aus den Supermärkten entfernt, bleibt nur noch ein Zehntel übrig“, sagt Simon Thornley, Biostatistiker von der neuseeländischen University of Auckland. Seiner Erfahrung nach bringen es die meisten Menschen auf vierzig Teelöffel Zucker pro Tag. Wer so viel isst, wird allmählich dick. Der Blutdruck steigt. Die Bauchspeicheldrüse kommt nicht mehr richtig mit dem Übermaß an Kohlenhydraten klar: das metabolische Syndrom setzt ein – eine Art Vorstufe zum Diabetes. Auch die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wächst.

Besonders tückisch sind Softdrinks. Diese Erkenntnis hat sich unter Wissenschaftlern inzwischen weitgehend durchgesetzt. Doch die Industrie will das nicht publik machen. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung und die spanische Universität Navarra konnten jüngst zeigen, dass 83,3 Prozent der Übersichtsartikel zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Limonadenkonsums zu dem Schluss kommen, dass Softdrinks dick machen. Allerdings nur, wenn die Studienautoren kein Geld von der Zuckerindustrie bekommen. Über 80 Prozent der Forschungen, die über solche Drittmittel finanziert werden, befanden, dass die pappsüßen Getränke nicht dick machen. Mit der Unabhängigkeit der Forschung ist es also nicht weit her. Thornley wundert das nicht: „Die Zuckerindustrie ist so mächtig wie die Ölindustrie.“

Nach bisherigem Konsens schadet Haushaltszucker nur indirekt, indem er Übergewicht begünstigt. Vielleicht richtet er aber auch auf direktem Weg Problematisches an. Nach einer Naschorgie zirkulieren nämlich mehr Entzündungssubstanzen im Blut. Diese bahnen wiederum der Zuckerkrankheit den Weg. Und noch ein Verdacht steht im Raum. Er wird keinen verwundern, der je mit dem dunklen Trieb Bekanntschaft machte, der einen spätnachts alle Küchenschränke durchwühlen lässt auf der Suche nach einem Schokoriegel: „Zucker macht süchtig“, sagt Thornley. „Wenn man einer Naschkatze die Süßigkeiten wegnimmt, entwickelt sie schwere Entzugserscheinungen. Sie ist unkonzentriert und denkt ständig daran, wie sie an den Stoff kommt. Typische Zeichen einer Abhängigkeit.“

Der süße Geschmack spricht im Gehirn die gleichen Belohnungssysteme wie Alkohol an. Die amerikanischen Entwicklungsbiologin Julie Mennella fand heraus, dass Kinder aus problematischen Familien mehr Zucker brauchen als Kinder aus harmonischen Elternhäusern. Kinder, deren Eltern Alkoholiker waren, löffelten sich bis zu vierzehn Teelöffel in ein Glas Wasser – doppelt so süß wie handelsübliche Cola.

Wenn es nach dem Neuseeländer Thornley ginge, gäbe es ein radikales Verbot von Süßigkeiten an Schulen. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran. Seit fünf Jahren meidet er Süßes und gönnt sich maximal einen Teelöffel Zucker am Tag. „Am Anfang war es richtig hart. Aber dann fühlt man sich wie neugeboren.“

Helen Hazuda und ihre Kolleginnen aus der Süßstoffforschung stimmen ihm zu. Zumindest auf Limonaden, ob mit Zucker oder Süßstoff, solle man verzichten. „Klug wäre es, einfach Wasser zu trinken.“

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Quelle: http://www.welt.de/print/wams/wissen/article127344520/Du-darfst-nicht.html

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Gruß an die Lobby

TA KI

Darmkrankheiten: Forscher transplantieren gefrorenen Stuhl


 

Healthy digestive system, artwork

In Zukunft könnte es neben Blut- auch spezielle Fäkalienbanken geben: Forscher haben ein Verfahren erprobt, bei dem Darmpatienten gefrorenen Stuhl gesunder Menschen verpflanzt bekommen. Bisher waren frische Spenden notwendig.

Kleine Proben aus der Tiefkühltruhe könnten die Behandlung wiederkehrender Darminfektionen in Zukunft erleichtern: Wie eine Pilotstudie zeigt, können Ärzte bei einer Fäkalientransplantation statt frischen auch gefrorenen Stuhl nutzen. Dieser wird per Nasensonde in den Dünndarm der Patienten geleitet. Das Vorgehen sei so erfolgreich wie die konventionelle Therapie, schreiben die US-Mediziner um Ilan Youngster vom Massachusetts General Hospital in Boston im Fachblatt „Clinical Infectious Diseases“.

 

Bei einer Fäkalientransplantation wird Menschen, deren Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, Stuhl gesunder Spender verpflanzt. Ziel der Therapie ist, die Darmflora durch die gesunden Bakterien wieder zu beruhigen. Das Verfahren wird unter anderem – wie auch in der aktuellen Untersuchung – bei Patienten angewandt, denen der gefährliche Durchfallerreger Clostridium difficile immer wieder Probleme bereitet.

Infektionen mit dem Bakterium führen jährlich allein in den USA zu etwa 250.000 Krankenhausaufenthalten und 14.000 Todesfällen. In Deutschland sterben jährlich mehr als 400 Menschen am Clostridium-Durchfall. Antibiotika helfen den Betroffenen oft nicht – im Gegenteil: Durch das Abtöten nützlicher Bakterien können sie das Problem sogar verschlimmern.

Spezielle Fäkalienbanken schaffen

In der Studie behandelten die Mediziner 20 Patienten, die an wiederkehrenden Infektionen mit dem Darmkeim litten, darunter drei Kinder. Dabei verwendeten sie tiefgefrorenen Stuhl gesunder Spender. 14 der 20 Teilnehmer (70 Prozent) waren schon nach der ersten Behandlung geheilt, das heißt sie litten nach acht Wochen nicht mehr unter Durchfall. Vier der fünf übrigen Patienten kurierte eine zweite Transplantation. Die Heilungsrate betrug wie bei der konventionellen Anwendung 90 Prozent, berichten die Forscher, die auch keine unerwarteten oder schweren Nebenwirkungen dokumentierten.

Die Nutzung tiefgefrorenen Materials, das man in speziellen „Banken“ lagern könne, dürfte das Verfahren der Fäkaltransplantation deutlich vereinfachen, so die Autoren weiter. „Das Anlegen von Depots mit untersuchtem gefrorenem Spenderstuhl könnte diese Behandlung einer größeren Population zugänglich machen“, schreiben sie. Fäkalienspender werden zuerst auf HIV und Hepatitis getestet. Anschließend muss ihr Stuhl auf Parasiten, Bandwürmer und andere Krankheitserreger untersucht werden.

 

Abgesehen davon verglichen die Forscher auch zwei verschiedene Methoden miteinander, den Stuhl in den Darm zu verpflanzen: Ein Teil der Patienten erhielt den Stuhl rektal durch eine Koloskopie, also Darmspiegelung, ein anderer durch eine Nasensonde. Letztere scheine genauso erfolgreich zu sein wie die Koloskopie, sei aber wesentlich einfacher und günstiger, so die Forscher. In früheren Studien hatten Mediziner bereits Nasensonden zur Übertragung von Stuhl eingesetzt, dieser war allerdings mit Salzlösung verflüssigt worden.

Kapseln mit Stuhl, die sich im Darm auflösen?

„Es gibt nicht viele Ansätze in der Medizin mit einer Erfolgsrate von mehr als 90 Prozent“, sagt Autorin Elizabeth Hohmann. „Versicherer wollen das vielleicht nicht bezahlen, aber es ist sehr wirksam, hilft Patienten sehr schnell und spart insgesamt Geld.“ Die Forscher prüfen nun, ob sich das gefrorene Material auch in Form einer Kapsel einnehmen lässt, die Patienten dann nur schlucken müssen und die sich im Dünndarm auflöst. Dies sei „der nächste logische Schritt, um Fäkalientransplantationen für mehr Patienten zugänglich zu machen“, schreiben sie.

Auch in Deutschland wird die Fäkaltransplantation bei Patienten mit Problemen durch den Durchfallerreger Clostridium difficile erprobt. Noch ist das Verfahren allerdings nicht offiziell zugelassen. Die Behörden rätseln, wie sie das Transplant einstufen sollen. Zudem weiß niemand genau, was die Bakterien im Empfänger anstellen. Aufgrund des großen Erfolgs bei bisherigen Anwendungen werben Mediziner jedoch dafür, die Methode zu erlauben. Bisher müssen Krankenkassen die Kosten von etwa 500 bis 1000 Euro nicht übernehmen.

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Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/faekalientransplantation-fortschritte-bei-durchfall-durch-chlostridium-a-966161.html

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Gruß an die, die “ jeden Scheiß“ ausprobieren

TA KI

Ukraine Situationsreport (1)


Ukraine SITREP April 24, 1405 UTC/Zulu
http://vineyardsaker.blogspot.co.uk/
Übersetzt von Katja Korun
Ukraine Situationsreport vom 24. April, 14.05 Uhr (1)

Ziemlich viele meiner gesamten Quellen bestätigen, dass die Junta in Kiew eine Offensive auf die Stadt Slawjansk eröffnet hat. Die meisten Quellen sprechen davon, dass nur der SBU(Sicherheitsdienst –d.Übs.) und die Kräfte des Rechten Sektors daran beteiligt sind, obwohl ein anderer Quellenbericht sagt, daß ‚Spezialtruppen‘ (keine Details) die auf dem Flughafen in der Nähe von Slawjansk gesehen wurden, auch teilnehmen. Mein persönlicher Eindruck ist, daß vom Militär höchstens etwas Unterstützung zur Verfügung gestellt wird, aber dass die wirklichen Kämpfe jetzt nur vom SBU und Rechten Sekktor geführt werden. Aus der Sicht der Junta ist das eine sehr kluge Entscheidung, weil im Unterschied zu den Fallschirmjägern oder regulären Streitkräften die SBU/RS Truppen mehr als angespornt sein werden, jeden zu töten, zu kidnappen, zu foltern oder zu verstümmeln, den sie als lokale ‚Separatisten und ‚Moskau-Unterstützer‘ ansehen. Hinzu kommt noch, daß im Gegensatz zu den Fallschirmjägern oder regulären Armeeeinheiten die SBU/RS- Kriminellen überhaupt keine Gnade von den Ortsansässigen erwarten können. Sie werden sich also nicht ergeben und schon gar nicht die Seiten wechseln.
Die einzige Frage ist daher jetzt, wie entschlossen die Russisch sprechende Bevölkerung in der östlichen Ukraine wirklich ist. Am 08.08.08 gelang es der lokalen Bevölkerung von Tskhinval, einen *weitaus* überlegenen Angreifer, unterstützt durch *massives* und *anhaltendes* Artillerie- und Zisterne-Feuer erfolgreich zum Stocken zu bringen (etwas, was in Slawjansk noch nicht eingetreten ist), aber sie taten das, weil sie keinen Zweifel daran hatten, was eine Übernahme des südlichen Ossetiens durch die wirklich völkermörderischen Kriminellen von Saakaschwili für sie bedeutete. Ich bin nicht ganz sicher, ob die meisten Menschen im Ostteil der Ukraine diese Art von Entschlossenheit überhaupt teilen.

Die guten Nachrichten – mindestens bis jetzt – sind, da der heutiger Angriff ziemlich lahm war und nichts vorzuweisen hat, um sich wirklich zu manifestieren. Alle Kämpfe fanden nur am Stadtrand von Slawjansk statt. Es wurde lediglich der Tod von zwei lokalen Miliz-Männer angezeigt. Einige Versuche den Stadteingang in Minikombis zu durchbrechen, scheinen abgefangen worden zu sein und am Ende des Tages mussten sich die Kräfte der Angreifer zurückziehen. Für eine Truppe, die, wie verlautet, aus 5 ‚000 Kämpfern bestand, die mit Rüstungen und schweren Maschinengewehren ausgestattet waren, ist das ein ziemlich erbärmliches Ergebnis.

Die schlechten Nachrichten sind, dass Slawjansk von allen Seiten, abgesehen von der Hauptstraße zwischen Slawjansk und Donetzk, umzingelt zu werden scheint.

Das Ergebnis ist: die Westpresse will zeigen, daß die Junta etwas Schlagkraft hat, während die russische Presse zeigen will, dass die Junta ein Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begeht. So haben beide Seiten ein ursprüngliches Interesse am Aufblasen der Situation.

Persönlich sehe ich insgesamt keine Beweis dafür, daß es sich um eine Art des Angriffs wie am 08.08.08 gehandelt hat..
Ich möchte auch bemerken, dass die Reaktion von Putin heute sehr maßvoll war. Er drohte zwar ‚Konsequenzen‘ an, aber wenn man genau hingehört hat, drohte er damit den ‚involvierten Beamten ‚ und sagte, daß sich dies auch die ‚Beziehung‘ zwischen den zwei Ländern auswirken würde. Wichtig ist, daß er nicht auf Ossetien Bezug nahm, nicht sein Recht zu intervenieren erwähnte, und nicht, wie Lawrow es gestern getan hatte, vom Schutz der russischen Bevölkerung außerhalb Russlands sprach. Ich will damit keineswegs andeuten, daß Putin zögern, oder sein Versprechen nicht einlösen würde, die Russisch Sprechenden in der östlichen Ukraine zu schützen. Ich versuche nur aufzuzeigen, daß er sich auf der ‚Bedrohungsskala‘ insofern entschieden hat, erst einmal abzuwarten. In der Tat äußerte er sich dementsprechend. Jawohl, er drohte  wirklich ‚Konsequenzen an‘, aber bis jetzt nur den Entscheidungsträgern in der Junta, nicht den ca. 5000 Bodenkämpfern (welche das eigentliche Ziel eines russischen Eingreifens, sollte es denn stattfinden, sein würden). Soweit ist es aber noch nicht! Wir müssen einfach abwarten und dürfen uns nicht von der ständigen Hetze der Systemmedien verrückt machen lassen.
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Der Saker

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Diesen Beitrag können Sie ebenfalls bei http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2014/04/28/ukraine-situationsreport-vom-24-april-14-05-uhr-1/ lesen

…danke an Katja Korun

Gruß an die Besonnenheit

TA KI

Beipackzettel: Schwarzes Dreieck kennzeichnet Nebenwirkungen


Ein schwarzes Dreieck auf dem Beipackzettel soll Verbraucher von Medikamenten für Nebenwirkungen sensibilisieren. Was es mit dem Symbol auf sich hat und welcher Zweck sich dahinter verbirgt, erfahren Sie hier.

Symbol auf dem Beipackzetteln erkennen

Seit dem 01. September 2013 kennzeichnet ein schwarzes Dreieck einige Medikamente, die bestimmte Wirkstoffe enthalten. Das einprägsame Symbol stellt ein schwarz ausgefülltes Dreieck dar, dessen Spitze nach unten zeigt. Das schwarze Dreieck auf dem Beipackzettel soll die Verbraucher darauf hinweisen, besonders aufmerksam auf Nebenwirkungen zu achten.

dreieck auf beipackzetteln

Schwarzes Dreieck ist kein Grund zur Sorge

Wie die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker erklärt, sind bei Medikamenten, deren Beipackzettel mit dem Symbol gekennzeichnet sind, nicht zwangsläufig besondere Nebenwirkungen zu erwarten. Gekennzeichnet werden vielmehr Produkte, deren Wirkstoffe noch nicht lange auf dem Markt sind. Aktuell handelt es sich um 150 Wirkstoffe, bei denen das Symbol seit Neujahr auf dem Beipackzettel abgedruckt sein muss.

Instrument zur Erforschung von Nebenwirkungen

Davon, dass die Aufmerksamkeit der Verbraucher für mögliche Nebenwirkungen geschärft wird, erhofft sich die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker neue Erkenntnisse über die wenig erforschten Wirkstoffe. Wer in der Apotheke ein Medikament erwirbt, auf dessen Beipackzettel ein schwarzes Dreieck abgedruckt ist, sollte sich daher keine Sorgen machen, wenn er vom Apotheker darauf hingewiesen wird, auf Nebenwirkungen zu achten.

Dass mit dem Symbol gekennzeichnete Produkte häufiger Nebenwirkungen auslösen, ist nach Angaben der Arzneimittelkommission nicht der Fall. Treten tatsächlich Nebenwirkungen auf, sollten Betroffene diese aber in jedem Fall ihrem Arzt oder Apotheker mitteilen.

Quelle: http://www.t-online.de/ratgeber/gesundheit/heilmittel/id_68129130/beipackzettel-schwarzes-dreieck-kennzeichnet-nebenwirkungen.html

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Gruß an die Medikamentenverweigerer

TA KI

 

Red Bull- Fragwürdige Wirkung des Energy Drinks


Fragwürdige Wirkung des Energy Drinks Red Bull

Dem Bullen die Flügel gestutzt

Stimulation mit Schattenseiten: Eine Dose Red Bull enthält 80 mg Koffein.
Stimulation mit Schattenseiten: Eine Dose Red Bull enthält 80 mg Koffein. (Bild: imago)
Eine Dose Red Bull regt den Kreislauf an, vermindert aber auch die Blutversorgung des Gehirns. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Gefährlich sind Energydrinks mit einem erhöhten Gehalt an Koffein nicht – wenn man den Konsum im Griff hat.

Red Bull verleiht nicht nur Flügel, der Energydrink belastet auch das Herz und beeinträchtigt die Blutversorgung des Gehirns. Zu diesem Schluss kommen Mediziner um Erik Grasser von der Universität Freiburg in einer neuen Studie, bei der sie die Wirkung des koffeinhaltigen Getränks mit jener von Wasser verglichen haben («European Journal of Nutrition», online).

Die Hersteller von Red Bull behaupten, dass ihr Drink «Geist und Körper belebt» – die Freiburger Forscher wollten wissen, was wirklich hinter solchen Marketingversprechungen steckt. Sie liessen 25 gesunde Menschen im Alter von 20 bis 31 Jahren entweder eine 355-Milliliter-Dose Red Bull oder Wasser trinken. «Anders als in bisherigen Studien haben wir nicht kurze Zeit nach dem Genuss oder bloss ein einziges Mal die Auswirkungen auf den Blutkreislauf untersucht, sondern kontinuierlich während zwei Stunden», erklärt Erik Grasser.

Nach dem Konsum des wohl beliebtesten aller Energydrinks stieg der Blutdruck während 80 Minuten an und blieb bis zum Ende der Messungen erhöht. Der Puls sank in der ersten halben Stunde, stieg dann aber nach 60 Minuten ebenfalls an. In der zweiten Stunde nach dem Genuss von Red Bull schlug das Herz im Durchschnitt vier Schläge pro Minute schneller, und es pumpte insgesamt mehr Blut durch den Körper, als wenn die Versuchsteilnehmer zuvor Wasser getrunken hatten.

Nicht besser im Rechnen

Dass insbesondere das Koffein in Energydrinks eine anregende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System hat, wurde schon in anderen Untersuchungen beobachtet. Erstaunt waren die Wissenschafter der Universität Freiburg aber, als sie mittels Ultraschallmessungen feststellten, dass Red Bull in der grössten der drei Hirnarterien auch den Widerstand erhöhte und dadurch die Fliessgeschwindigkeit des Blutes abnahm. «Obwohl wir das nicht direkt gemessen haben, könnte sich dadurch der eigentliche Blutfluss ins Gehirn um rund 10 Prozent verringern», erklärt Grasser.

Dieser Befund stellt zumindest die belebende Wirkung von Red Bull auf den Geist infrage. In einer noch nicht veröffentlichten Nachfolgestudie der Freiburger Forscher schlossen die Teilnehmer nach einer Dose Red Bull bei Kopfrechnungen jedenfalls nicht besser ab. «Die in der Werbung versprochenen Vorteile überwiegen nicht, und man muss wissen, dass der Konsum von Energydrinks wie Red Bull auch Nachteile haben kann», erklärt der Mediziner Erik Grasser.

«Die Studie zeigt keine Effekte, die über jene einer Tasse Kaffee hinausgehen würden», kommentiert Red Bull Schweiz auf Anfrage die Ergebnisse. Und es sei schwer zu verstehen, warum keine Koffein-Kontrollgruppe oder andere Getränke wie Kaffee oder Orangensaft in die Studie einbezogen worden seien. Red Bull sei nicht gesundheitsgefährdend, erklärt Grasser, und Energydrinks unterschieden sich in ihrer Wirkung tatsächlich nicht wesentlich von Kaffee. «Aber auch eine Tasse Kaffee ist für junge Menschen nicht geeignet.» Die amerikanische Akademie der Kinderärzte hat deshalb 2011 in einer umfassenden Analyse klipp und klar festgehalten, dass Energydrinks, die stimulierende Substanzen enthalten, in der Ernährung von Kindern nichts zu suchen haben.

Aus ethischen Gründen ist es nicht angebracht, an Jugendlichen Experimente mit koffeinhaltigen Getränken durchzuführen. Bei den unter 15-Jährigen hat der Konsum von Energydrinks in der Schweiz indessen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Das lässt sich in der Umgebung von Primarschulen beobachten, wenn sich Viertklässler mit ihrem Sackgeld heimlich Red Bull oder die billigeren Energydrinks von Coop oder Migros kaufen. Das zeigen aber auch die einzigen für die Schweiz verfügbaren Zahlen (siehe Grafik Seite 54).

Mehrere Drinks pro Tag

Laut einer Schülerbefragung von Sucht Schweiz, der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme in Lausanne, tranken 1998 lediglich 5,5 Prozent der 15-jährigen Knaben und 2,4 Prozent der gleichaltrigen Mädchen ein- oder mehrmals täglich solche Drinks. 2010 waren die entsprechenden Anteile bei den Knaben schon auf 14 und bei den Mädchen auf 7,6 Prozent angestiegen. Im gleichen Jahr gaben fast 60 Prozent der 15-jährigen Knaben und 38 Prozent der Mädchen an, sie konsumierten mindestens einmal pro Woche Energydrinks, die durchschnittlich 80 Milligramm Koffein pro 250-Milliliter-Dose enthalten.

Auch zwanzig Jahre nach der Einführung steigen die Verkaufszahlen beim Marktführer Red Bull in der Schweiz an – wenn auch nur noch langsam. 1995 setzte die Red Bull AG nach eigenen Angaben hierzulande 9 Millionen Dosen ab, 2012 waren es 119 Millionen und 2013 120 Millionen; das macht 15 Dosen pro Kopf. Weltweit verkaufte Red Bull letztes Jahr rund 5,3 Milliarden Dosen, mit den grössten relativen Zunahmen in Indien (plus 55 Prozent) und in Japan (plus 32 Prozent).

Energydrinks enthalten neben Koffein in der Regel Taurin, den Abkömmling einer Aminosäure, die im menschlichen Körper vorkommt und auch in der Nahrung zu finden ist. Der Stoff soll die stimulierende Wirkung des Koffeins auf die Herzfunktion und den Kreislauf verstärken, wobei diese Wirkung unter Fachleuten umstritten ist. Ähnliches gilt für das Glucuronolacton, das entgiftende Eigenschaften aufweisen soll, aber den Stoffwechsel sowie die körperlichen Leistungen des Menschen wohl eher nicht beeinflusst. «Wahrscheinlich ist Koffein für sämtliche Effekte von Energydrinks verantwortlich», erklärt Erik Grasser.

Maximal 500 Milligramm Koffein pro Tag

Aber auch wenn Koffein natürlicherweise in Kaffee oder Tee vorkommt: Harmlos ist das Alkaloid nicht. Überdosierungen führen mitunter zu einer Koffeinvergiftung, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als eigenes Krankheitsbild definiert wird und sich in Symptomen wie Nervosität, Unruhe, Zittern, Schlaflosigkeit oder Herzrasen äussern kann. Laut einer Analyse von Ärzten um Chad Reissig von der Johns Hopkins University in Baltimore ist die Gefahr einer Überdosierung besonders gross bei Menschen, die den Konsum von Koffein nicht gewohnt sind – was bei Jugendlichen und vor allem Kindern die Regel sein sollte. Bezeichnend auch: Verzichtet ein gewohnheitsmässiger Konsument auf Koffein, treten Entzugserscheinungen auf, etwa Kopfweh oder Müdigkeit.

Erwachsene, die keine Empfindlichkeit auf Koffein aufweisen, sollten gemäss einer Empfehlung der amerikanischen Ärztegesellschaft nicht mehr als 500 Milligramm Koffein täglich zu sich nehmen. Das entspricht rund fünf Tassen Kaffee. Jugendliche sollten sich auf 100 Milligramm pro Tag beschränken. Weil auch Schokolade, Kakao oder Softdrinks wie Coca-Cola Koffein in geringeren Mengen enthalten, besteht aber die Gefahr, dass Heranwachsende das tägliche Quantum an Koffein mit Energydrinks viel schneller überschreiten.

«Es gibt gefährlichere Getränke als Energydrinks, aber Jugendliche sollten im Umgang damit eine gute Balance finden», sagt Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz. «Denn Energydrinks sind im Prinzip Dopingmittel – wenn auch legale. Sie haben viele Kalorien, ohne zu sättigen, sie greifen die Zähne an und sie wirken aufputschend.» Die Suchtexpertin rät deshalb den Eltern, mit ihren Kindern das Gespräch über den Gebrauch der Drinks zu suchen. Denn die Werbung für den Kick an Energie «überall und jederzeit» und das Propagieren von Helden richtet sich gezielt an das Lebensgefühl junger Menschen.

Im Prinzip müssen auf den Getränkedosen in der Schweiz die Hinweise stehen, dass Energydrinks für Kinder, Schwangere, Stillende sowie koffeinempfindliche Personen nicht geeignet sind und dass sie wegen des erhöhten Koffeingehalts nur in begrenzten Mengen konsumiert werden sollten. Doch wer am Wochenende unterwegs ist, stellt schnell fest: Energydrinks sind besonders mit Alkohol gemischt unter Jugendlichen äusserst beliebt. Sie kaschieren den für viele unangenehmen Alkoholgeschmack und überdecken die alkoholbedingte Schläfrigkeit. Und weil sich die Kids dann fitter einschätzen, als sie in Tat und Wahrheit sind, trinken sie noch mehr.

Da mag es befremdlich wirken, dass auf Energydrinks in der Schweiz seit dem Januar dieses Jahres die Warnung «nicht zusammen mit Alkohol mischen» nicht mehr obligatorisch ist, wie Mark Stauber vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bestätigt. Grund dafür ist eine Anpassung des Lebensmittels-Verordnungsrechts an internationale Bestimmungen zum Abbau von Handelshemmnissen. Denn zuvor war das Mischen von Energydrinks mit Alkohol verboten. Ein Verbot, von dem kaum jemand etwas wusste; daran gehalten hat sich niemand. Nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren muss dafür neu auf jeder Dose stehen, mit welcher Menge jene Ration an Koffein erreicht wird, die pro Tag nicht überschritten werden sollte.

«Wir sind uns der Problematik um die Energydrinks bewusst», sagt Mark Stauber. «Aber alles hängt von der Menge ab, welche die Jugendlichen konsumieren.» Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erarbeitet derzeit Empfehlungen für einen vernünftigen Konsum. Das ist gut gemeint, nützen wird es nicht allzu viel.

Quelle: http://www.nzz.ch/wissenschaft/uebersicht/dem-bullendie-fluegel-gestutzt-1.18291217

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Gruß an die Beflügelten

TA KI