McDonald’s-Affäre: Falsches Spiel mit Günter Wallraff


Workers Protest At Burger King With Guenter Wallraff

Dass RTL einmal mit neunzigminütigen Enthüllungsreportagen aus Politik und Wirtschaft Millionenquoten machen würde – damit hätte noch vor wenigen Wochen niemand gerechnet. Mehr noch, das „Team Wallraff“ ist vor allem bei jungen Zuschauern populär.

Dem 71-jährigen Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff ist damit ein erstaunliches TV-Comeback gelungen. Er selbst sieht seine Reportagen als Beiträge zur „Aufklärung“ der Bevölkerung über gesellschaftliche Missstände. Kritiker werfen ihm ideologische Verblendung vor. Und das Publikum: Kennt ihn seit fast 50 Jahren und hört immer wieder interessiert zu.

Sein bisher folgenreichster Einsatz für RTL war eine Recherche bei der Fast Food-Kette „Burger King“. Wallraffs Team fand bei dem deutschlandweit größten Franchise-Nehmer verdorbene Lebensmittel, falsch etikettierte Burgerzutaten und arbeitsrechtliche Missstände vor, die an Ausbeutung grenzen. Daraufhin brach der Umsatz in vielen Filialen ein, Burger King hat ein massives Imageproblem.

Eine Spiegel-Meldung sorgt für Aufregung

Auch deshalb sorgte eine Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ für Aufsehen: In den Jahren 2010 und 2011 soll Wallraff mit dem Burger King-Konkurrenten „McDonald’s“ zusammengearbeitet haben.

Für die Teilnahme an Diskussionsrunden und die Mitarbeit an einem Schulungsvideo habe Wallraff demnach Honorare in Höhe von insgesamt 13.000 Euro erhalten. 8.000 Euro seien an Wallraffs Stiftung überwiesen worden, der Rest an eine hilfsbedürftige Person. Die Kooperation sei 2010 zustande gekommen, als sich die Veröffentlichung des Buches „Ganz unten“ zum 25. Mal jährte. Wallraff beschrieb darin auch die damaligen Arbeitsbedingungen bei McDonald’s.

In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ bestätigte Wallraff nun die Zusammenarbeit mit McDonald’s. „Ich habe zweimal auf McDonald’s-Veranstaltungen referiert, das ist richtig. Aber beide Male habe ich meine grundsätzliche Kritik an der Fastfood-Unkultur zum Ausdruck gebracht und mich nicht zurückgehalten, McDonald’s zu kritisieren“, so der Journalist.

„Ich sehe nichts Verwerfliches darin, Honorare, die andere in der Regel für sich beanspruchen, an eine wegen ihrer Meinungsäußerung gekündigte Betriebsrätin weitergeleitet zu haben oder für gemeinnützige Stiftungszwecke zu verwenden. Es ist jederzeit möglich, dass McDonald’s sich auch wieder eine kritische Veröffentlichung gefallen lassen muss, wenn es dazu Anlass gibt. McDonald’s ist nicht aus der Schusslinie.“

Die Wirtschaftswoche berichtete bereits 2013 über die Missstände bei Burger King

Mit anderen Worten: Die Kooperation ist mehrere Jahre her und längst vorbei. Wallraff selbst hat kein Geld kassiert und ein paar Notleidende haben von der PR-Aktion profitiert.

Die Anschuldigungen gegen Burger King sind darüber hinaus nicht neu. Bereits 2013 hatte die der linken Ideologie relativ unverdächtige „Wirtschaftswoche“ darüber berichtet. Dank Wallraffs Reportage liegen nun die Beweise dafür vor. Damit könnte der „Skandal“ um ein angebliches Glaubwürdigkeitsproblem des Journalisten beendet sein.

Ist er aber nicht. Denn in der Diskussion geht es eigentlich nicht um die Enthüllungen über den Enthüller, sondern um steinalte politische Fronten, die ihre Wurzeln in der Zeit des Kalten Krieges haben. Für viele Konservative ist Wallraff seit Jahrzehnten eine Reizfigur, weil er gegen alles wettert, was dem gesetzten Bürgertum lieb und teuer ist.

Angefangen bei der Bundeswehr, wo Wallraff als Pazifist bei der Artillerie diente und so – beinahe unfreiwillig – zu seiner ersten Undercover-Reportage kam. Später war der Kapitalismus-Kritiker dann in den Industriegebieten des deutschen Westens unterwegs, wo er Missstände im Wirtschaftswunderland suchte und fand.

(…)
Bei der „Bild“-Zeitung war er Jahre später Hans Esser, sein Buch „Der Aufmacher“ brachte den Springer-Verlag in seine bis dato schlimmste Vertrauenskrise. Und 1985 gab er sich als türkischer Faschist aus, kam so auf den Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau und bekam von Franz Josef Strauß schließlich auch noch ein Autogramm: „Für Ali“. Der bayerische Ersatzkönig war blamiert.Gezielte Versuche, die Glaubwürdigkeit Wallraffs zu schädigenKritik an seiner Arbeit kam jedoch auch immer wieder von Seiten der Wirtschaft. Wallraff musste zahlreiche Prozesse führen. Dabei waren auch Versuche, gezielt die Glaubwürdigkeit Wallraffs zu beschädigen.Schon in den 60er-Jahren verteilten Fabrikchefs verleumderische Flugblätter, um zu verhindern, dass Wallraff bei ihnen anheuert. Mit dem Springer-Verlag stand er jahrelang in einer heftigen Auseinandersetzung um mögliche Stasi-Kontakte.Es ging um eine mögliche Tätigkeit als „IM“, die Wallraff von Springer-Journalisten unterstellt wurde. Der Verlag verlor den Rechtsstreit 2006 in letzter Instanz. Selbst ein ehemaliger Mitarbeiter hat versucht, Wallraff in Misskredit zu bringen. Geschadet hat es ihm langfristig nie.Vielleicht auch deshalb, weil Wallraff stets darauf geachtet hat, seine Anschuldigungen auch akribisch belegen zu können. Was fast schon vergessen ist: Der Kölner Journalist war ein Pionier in der Arbeit mit versteckten Kameras. Schon in den 70er Jahren liefen Enthüllungsfilme im Fernsehen, die Wallraff produziert hat.Auch deshalb wirkt die aktuelle Diskussion reichlich abseitig. Sie trifft nicht den Kern seiner Recherchen, sondern den Graubereich dessen, was einigen als „Glaubwürdigkeit“ gilt. Letztlich ist es ein aufgeregtes Fuchteln mit Haltungsnoten, wenn selbst der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nichts Besseres einfällt, als Wallraffs Arbeit einen „faden Beigeschmack“ zu attestieren.
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Quelle: http://www.huffingtonpost.de/2014/05/12/wallraff-mcdonalds_n_5308732.html?utm_hp_ref=germany
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Gruß an die Heuchler
TA KI

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