Gewaltiges Loch am „Ende der Welt“ stellt Forscher vor ein Rätsel


Im äußersten Norden Sibiriens wurde ein fast 100 Meter großer Krater entdeckt. Experten spekulieren über seine Ursachen

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Auf der entlegenen Halbinsel Jamal im Norden Sibiriens wurde ein riesiges Loch im Erdboden entdeckt, über dessen Ursache Experten bislang nur spekulieren können. Der eindrucksvolle Krater mit einem Durchmesser von über 80 Metern liegt nach einem Bericht der „Siberian Times“ in einer menschenleeren waldreichen Gegend rund 30 Kilometer entfernt von Bowanenkowo, dem größten Erdgasfeld der Region.

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Wie tief der Schlund ist, lässt sich auch nach einem Hubschrauberflug nicht abschätzen, den Mitarbeiter des vom russischen Verteidigungsministerium betriebenen Fernsehsenders Zvezda TV kürzlich durchgeführt haben. Immerhin zeigen die unscharfen Bilder, dass es sich offenbar nicht um eine Falschmeldung handelt, wie zuvor behauptet wurde. Eine unabhängige Bestätigung für die Bilder lag zunächst nicht vor. Mittlerweile aber ist ein Team von Wissenschaftern am Ort des Geschehens eingetroffen, um das Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was zur Entstehung des riesigen, finsteren Kraters auf der Jamal-Halbinsel – der Name bedeutet übersetzt „Ende der Welt“ – geführt hat, dazu kursieren bereits zahlreiche Theorien. Einige halten den Einschlag eines Meteoriten für die Ursache. Doch Experten winken bereits ab. Vertreter der lokalen Behörden schlossen einen Impakt nach einer ersten Einschätzung der Lage aus.

Meteoriteneinschlag unwahrscheinlich

Ähnlicht sieht dies auch Christian Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien und Experte für Meteoriten-Forschung: Die wenig detailreichen Bilder, die bislang existieren, lassen einen Einschlag aus dem All aus heutiger Sicht nicht plausibel erscheinen, erklärte er gegenüber dem STANDARD. Insbesondere das Verhältnis zwischen Durchmesser zur mutmaßlicher Tiefe des Kraters würde auf eine andere Ursache hindeuten.

 

 

Möglicherweise steht der schwarze Abgrund, der bereits vor zwei Jahren entstanden sein dürfte, mit der globalen Erwärmung in Zusammenhang. Die Arktis-Forscherin Anna Kurschatowa von der russischen Tyumen State Oil and Gas University hält es für möglich, dass es infolge klimawandelbedingter Tauprozesse im Permafrostboden tiefer im Untergrund zu einer Vermischung von Salz, Eis, Wasser und Erdgas kam, die schließlich explodierte und dabei den Krater hinterließ.

Abgeschmolzener Pingo?

 

 

Auch der australische Polarforscher Chris Fogwill von der University of New South Wales wagte eine Ferndiagnose: Er glaubt, dass es sich bei dem Krater um ein Phänomen namens „Pingo“ handelt. Das sind größere unterirdische Eisstrukturen, die an die Erdoberfläche für frei stehende Bodenerhebungen sorgen. Schmelzen die Eisblöcke schließlich ab, hinterlassen sie Löcher, die dem Jamal-Krater gleichen.

 

 

Fest steht, dass das Loch von einem erhöhten Kraterrand umgeben ist, der im Inneren einige dunkle Stellen aufweist, was Fachleute für einen Hinweis auf nicht näher bezeichnete Prozesse halten, die in Zusammenhang mit höheren Temperaturen beziehungsweise Feuereinwirkung stehen könnten. Doch auch das bleibt reine Spekulation, bis das angeforderte Wissenschafterteam den Krater näher untersucht hat. Die nun veröffentlichten neuen Bilder erhärten jedenfalls den Verdacht, dass die Formation mit dem Aufschmelzen des Permafrostbodens zu tun haben könnte.

An der Expedition, die von den Behörden auf der Jamal-Halbinsel organisiert wird, nehmen unter anderen zwei Experten vom Forschungszentrum für Arktisstudien sowie ein Forscher vom Kryosphären-Institut der russischen Akademie der Wissenschaften teil. (tberg, derStandard.at, 17.07.2014)

Quelle: http://derstandard.at/2000003190351/Gewaltiges-Loch-am-Ende-der-Welt-stellt-Forscher-vor-ein

Gruß an Mutter Erde

TA KI

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