Die Verbindung zwischen Pflanzen und Weiblichkeit


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– ein Interview mit dem Schamanenwissenschaftler Terence McKenna

 

Ist die Verbindung zwischen Pflanzen und Weiblichkeit das neue Leitbild der Kultur?

Führt die Suche der psychedelischen Erfahrung, die zur intellektuellen Krise des 20. Jahrhunderts gehört zu einem Archaismus, zu einer Wiederbelebung vorgeschichtlicher Werte?
Auf die Fragen des deutschen Autorenkollegen Renèe Zucker antwortet Terence McKenna, die legendärste Person, die in den letzten 15-20 Jahren in Erscheinung getreten war, „als das poetischste Sprachrohr und die wohl radikalste philosophische Stimme, die uns unterstützt, die psychedelische Erfahrung mit den urzeitlichen Traditionen des Schamanismus zu verknüpfen“, wie Timothy Leary es ausdrückte.

„Der wohl wesentlichste und wirklichste Teil ‘Alten Wissens’, ist was Leute über Pflanzen wussten, weil sie in einer solch engen Verbindung zu Pflanzen lebten. Wir sehen uns gern als eine Spezies von Jägern, aber in Wirklichkeit war das Essen von Fleisch eher ein seltenes Ereignis, gemessen an der Zeit, die aufgewendet wurde, um Beeren, Nüsse, Wurzeln und Blätter zu sammeln. Diese Heilpflanzen , die mit Wesenheiten assoziiert werden, sind seit ewigen Zeiten eingebunden in den menschlichen Lebenszusammenhang; sie wurden ständig gesammelt, miteinander gekreuzt und wegen ihrer jeweiligen Wirkungsweisen beständig gesammelt. Lange Zeit bevor Nahrungspflanzen angebaut wurden, bestand bereits ein erhöhtes Interesse an psychoaktiven Heilpflanzen.

Diese Pflanzen symbolisieren das kulturelle Erbe tausender Jahre von Jäger- und Sammlerkultur; aber wir verstehen sie (noch) nicht als Produkt unserer Kultur, so wie wir ein Auto oder Flugzeug als Kulturgut betrachten. Wir wissen das diese tropischen Wälder voll von chemisch interessanten und medizinisch wirksamen Pflanzen sind. Die Wälder von Amazonas, Guatemala, Hawaii, Assam, West Iriam, Bali…. all diese Ökosysteme sind bedroht und wenn einmal eine Spezies ausgestorben ist, wird das für immer sein, denn… sie ist einzigartig im Universum.“

Ich habe meinen Uni-Abschluss über den Schutz natürlicher Ressourcen gemacht, wobei ich besonders den Schamanismus berücksichtigt habe. Je näher ich diese schriftlosen Kulturen kennen lernte, desto mehr sah ich, das in ihrem Zentrum ein hochentwickeltes System der Pflanzenmedizin stand. Und ich lernte die Ängste über die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage kennen. Ich meine, diese Menschen sind keine Museumsstücke und es wäre blauäugig zu erwarten, dass sie in Grashütten leben, wenn alle anderen Mercedes fahren. Also gilt es ihr Erbe und die damit verbundenen Pflanzen erhalten.. zumindest solange, bis das unsere Medizin sich genug entwickelt hat, um diese Kenntnisse einzubinden.

Wenn ich so oft von der Verbindung zwischen Pflanzen und Weiblichkeit spreche, dann denke ich dabei an die Suche nach einem neuen Leitbild, das zur intellektuellen Krise des 20. Jahrhunderts gehört. Diese Suche führte zu einem Archaismus, zu einer Wiederbelebung vorgeschichtlicher Werte. Ich glaube, dass die Vorgeschichte von partnerschaftlichen Gesellschaften – Rianne Eisner prägte diesen Begriff – gekennzeichnet war. Das heißt die Kraft des Femininen war der Kraft des Maskulinen gleichgestellt, woraus sich ein wesendlich angenehmeres und befriedigenderes kulturelles Leben entwickelte.

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Und dieser partnerschaftliche Stil war nicht zuletzt durch Pflanzen vermittelt, die wir Halluzinogene nennen würden. Pflanzen die eine psychologische Veränderung hervorrufen, ein Auflösen von Grenzen, von Kategorien und kulturellen Erwartungen. Es scheint mir sehr einleuchtend, dass unsere Vorfahren diese visionäre, pflanzenbezogene Rückverbindung zur Natur als Teil ihrer Erdgöttinnen-Religion erfuhren. Das ist die wirkliche Ur-Religion der Menschheit; sehr alt und weitverbreitet.

Darum meine Geschichte, in der ich davon ausgehe, dass unsere Evolution in bislang unberücksichtigtem Maße durch das Vorhandensein halluzinogener Pflanzen in der Nahrung der frühen Primaten voranbewegt wurde. Das mag anfangs vielleicht unbemerkt geschehen sein, aber sobald der Zusammenhang einmal bemerkt wurde,, wurde er wahrscheinlich auch maximiert… und daraus entwickelten sich schließlich die extatisch-orgiastischen, göttinnenorientierten Religionen der frühen Menschheit. Noch fehlt uns eine Tradition des rechten Umgangs mit jenen sakralen Drogen, eine Tradition der Integration von Halluzinogenen in das Leben der Gemeinschaft, wie das beim Schamanismus, wie er im Amazonas praktiziert wird, der Fall ist. Da geht es nicht um ein beiläufiges High werden oder Erholung, sondern es ist eine extrem fordernde spirituelle Disziplin.

Terences Lebenspartnerin Kat, die auch Redakteurin des (in den USA monatlich erscheinenden) Newsletters ‘Plantwise’ ist und mit ihrem gemeinsamen Sohn und ihrer Tochter zusammen – und mit Terence in Trennung lebt, fügt hinzu:
„Es sind keineswegs nur psychoaktive Pflanzenstoffe, die in den alkaloidhaltigen Schlingpflanzen der Botanical Dimensions-Anlage gleich tonnenweise vorhanden sind! Auch Pflanzen die nicht bewusstseins-erweiternd sind, wie z.B. das ‘Chiccuru Piri-Piri’; dass die Ureinwohner von Cupalca erfolgreich als Verhütungsmittel einsetzten, werden hier kultiviert.“

Und doch interessierte uns seinerzeit gerade die zeitgemäße Kernaussage des psychedelischen Forschungsunternehmens, die Terence – selbst kein Biologe oder Chemiker -, auf die Fragen des deutschen Autorenkollegen Renèe Zucker hin klar zu umschreiben begann.

Was das in Bezug auf den Umgang mit Halluzinogenen in unserer Kultur bedeutet, ist eine enorme Erziehungsaufgabe. Leute wurden belogen über das, was Drogen sind, man hat Drogen zum Dämon des modernen Lebens gemacht. Ich gehe davon aus, dass Menschen schon immer Drogen nahmen und auch weiter nehmen werden. Und dass genau wie es zu unserem Leben gehört, für unser sexuelles Leben Verantwortung zu übernehmen, es ebenso zu unserem Reifeprozess gehört, für unser psychedelisches Leben Verantwortung zu übernehmen. Deswegen lautet unsere Aufgabe Erziehung. Deswegen ist es wichtig, sorgfältig herauszufinden, was Drogen bewirken und vermitteln, was Drogen bewirken, was ihre Konsequenzen sind, basierend auf einer rationalen Sammlung von Beobachtungen. Wir können nicht länger jenes hysterische Pendel zum Maßstab nehmen, wo auf der einen Seite alle paar Jahre ein Drogen-Utopia proklamiert wird und auf der anderen Seite neuerliche Hexenjagden veranstaltet werden.

Das erstaunlichste an den psychedelischen Drogen ist, dass sich jeder Mensch, wo immer er sich befindet, zu einer Art Zauberer im eigenen Wohnzimmer verwandeln. Die Welt ist nicht ohne Herausforderungen, sobald man die Herausforderungen der Psychedelika akzeptiert hat. Jedes Apartment, jeder Grashügel kann zur Startrampe für eine ekstatische, visionäre Reise in eine andere Seinsebene werden. Das ist die große Wahrheit, die unsere Kultur vor uns verborgen hält; das wir von einem gewaltigen Nachlass von Information umhüllt sind, von einer anderen Dimension, deren einziger Fehler/Nachteil es ist, das sie vor unseren Kulturellen Werten keine Gnade findet. Und jetzt berichten uns die Anthropologen, das diese primitiven Leute mit ihren Pflanzen selige Reisen in unvorstellbare Welten unternehmen, in Welten voll Risiko und voll transzendenter Schönheit.

In unserer Entwicklung als westliche Menschen haben wir zuerst die einfachen, dringlichen Fragen behandelt: was ist Luft?, was ist Erde?, was ist Feuer? Die liegen inzwischen hinter uns (obgleich geade das Wasser als Informationsträger neu entdeckt wird). Aber womit wir nun tatsächlich konfrontiert sind, sind die Fragen: was ist Geist?, was ist Selbst, was ist Identität? Diese Fragen haben sich die alten Schamanenkulturen nicht gestellt, jedenfalls nicht in der Weise/Form in der wir es tun, aber es sind Fragen, auf die psychedelische Drogen ein Licht werfen. Wenn wir uns auf eine reifere Kultur zu bewegen wollen, zu einer Gesellschaft, die fair ist und offen ist und jede Frage stellen kann, auch auf die Gefahr hin, dass diese Antworten sehr, sehr erstaunlich sein werden.

Damit klarzukommen, ist nicht einfach für unsere Kultur, und es wir eine Weile dauern, bis sie diese Tatsache assimiliert hat. Aber die Drogenfrage liegt in der kulturellen Entwicklung direkt vor uns.

Ich denke, dass, in der gleichen Weise, in der das 19. Jahrhundert eine allmähliche Abneigung gegen die Sklaverei empfand und sie schließlich abschaffte, auch die Frage der Drogen heute mehr und mehr als eine Sache von Bürgerrecht verstanden wird, als ein Prinzip menschlicher Freiheit.

So wie die menschliche Entwicklung dazu führte, das Gottesgnadentum der Könige abzuschaffen, in Anerkennung der menschlichen Freiheit, so müssen wir uns von der Vorstellung befreien, dass es eine Sache von Regierungen sei, zu entscheiden, welche Drogen die Leute nehmen dürfen.

Wir werden in den kommenden/nächsten 10-20 Jahren auf diesem Gebiet gemeinschaftlich umdenken. Die internationalen Drogenkartelle der Kokain- und Heroindealer sind in vielen Fällen schon so mächtig, dass sie ganze Regierungen kaufen (oder über die Industrie politische Entscheidungen beeinflussen) können Das musste die Regierungen, die das Entstehen dieses Drogenhandels und der Kartelle lange Zeit begünstigt haben, natürlich das Fürchten lehren.

Man erwägt ja inzwischen, sie aus dem Geschäft zu vertreiben, indem man den Drogenhandel legalisiert – auch um sich die lukrativen Steuereinnahmen zu sichern. Die staatlichen Institutionen zur Drogenbekämpfung unterscheiden zwischen Stoffen wie Heroin auf der einen und Psychedelika auf der anderen Seite, nur insofern, als das Psychedelika nicht zu den Drogen gehör/ten, mit denen jemand viel Geld verdienen kann/konnte.

Mit der Entstehung der elektronischen Musik erlebten die 90er Jahre einen neuerlichen Sommer der Liebe mitsamt seinen Acid-House, Techo-, Rave- und Trance Movements und nicht nur das synthetische LSD, sondern vor allem magische Zauber-Pflanzen und -Pilze, sowie entsprechenden Designerdrogen wie MDMA und MDE. Neue Drogengruppen wie Entaktogene, Entheogene wurden den psychedelisch Wirkenden Substanzen zugefügt; und für illegal erklärt.

Es gibt nur relativ wenig Leute die sie nehmen und deswegen sind sie weder für die Mafia noch für die Polizei von großem Interesse. Für das Gesetz sind die Psychedelika Nebensache, sie sind allerdings von großer Bedeutung unter dem Aspekt ihres kulturellen Einflusses.

Warum sind/waren sie dann vergleichsweise unpopulär?
Weil ihre Einnahme Mut erfordert, Intelligenz, Disziplin, Selbstkontrolle, Neugier, Aufmerksamkeit, derlei Qualitäten. Die meisten Leute nehmen Drogen /betrachten Rausch als etwas, um ihre Wahrnehmung abzustumpfen, um ihr Leiden wegzuwischen. Aus diesem Grund sind Alkohol und Nikotin (und in gew. Maß auch Kokain) die Drogen der Massen, sie töten den Schmerz, in einer leeren, hoffnungslosen Welt zu leben. Die Halluzinogene (und auch Marihuana) hingegen laden uns ein in eine höhere, weitere, tiefere Definition dessen, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Ich denke also, es gibt eine Zukunft für psychedelische Fragen, sogar eine sehr große Zukunft. Denn wenn es nicht die Erweiterung des Bewusstseins ist, die über der menschlichen Zukunft schwebt, was für eine Zukunft ist das dann !?

Quelle: Rave New World magazin 2000, S. 24, Das Interview mit Terence McKenna wurde 1993 auf dem Grundstück der Botanical Dimensions auf Hawaii von Renee’ Zucker geführt.

Quelle: http://www.dieneueenergiebewegung.de/shares/content/?conId=269

Gruß an Mutter Natur

TA KI

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