Der Eber


Der Eber gehört zu den ausgezeichneten Symbolen der indogermanischen Völker und wurde vor allem der Kriegerschaft zugeordnet. Schon in den Gräbern von Mykene Griechische Schildbemalungfand man mit Eberzähnen besetzte Helme, die wahrscheinlich denjenigen ähnlich waren, die Odysseus und später Beowulf besessen haben sollen. Der Eber diente den Griechen auch als Schildzeichen, und auffällig ist die bis in die Zeit Alexanders des Großen nachgewiesene Sitte der Makedonen, einen Jungen erst dann in den Kreis der Männer aufzunehmen, wenn es ihm gelungen war, ein Wildschwein mit Netz und Speer zu töten; die Eberjagd als Kampfübung und adliges Privileg hatte bis in die Neuzeit hinein Bestand.

Eine ausgesprochene „Ebersympathie“ (Georg Scheibelreiter) fand sich aber vor allem bei Germanen und Kelten. Dafür sprechen sowohl Stammes- (bei den Germanen die sunuci, bei den Kelten die baetasii, eburones, eburovici) als auch Individualnamen (Ebbo, Eberhard, Ebroin, Eburgrim, Eburhelm, Eburroc, Eofor, Everhelm, Everman, zuletzt noch Sven = Schwein), oder Bezeichnungen, die das Wort Eber mit irgendeiner Art kriegerischer Bekleidung kombinierten (Eburgrim für Eberfell, außerdem Eburhelm, Everhelm, Eburroc); der legendäre irische Kämpfer Conan wurde mit einem Eber verglichen und der merkwürdige Beiname „Kampfzahn“ des dänischen Königs Harald verweist vielleicht auf die Hauer eines Wildschweins; im Altnordischen konnte Eber als Synonym für Krieger benutzt werden, und bezeichnenderweise hieß die keilförmige

eber mythologieSchlachtordnung der Germanen, die sie Wodan gelehrt hatte, „Eberschnauze“ oder „Keilerkopf“. Bei den Germanen können Helme mit Eberfiguren literarisch wie archäologisch nachgewiesen werden. Berühmt sind der Helm von Benty Grange (Derbyshire) und die Darstellungen auf den Preßblechen, die man im schwedischen Torslunda fand. Wahrscheinlich gehörten solche Helme Anführern. Kelten (wie auch Römer) kannten darüber hinaus den Eber als plastisch ausgeführten Standartenaufsatz. Dem entsprechend ist schon die Darstellung auf dem Triumphbogen von Orange zu werten, vor allem aber der Fund eines ausgezeichnet erhaltenen Stücks in der Nähe von Soulac-sur-Mer. Auch die Kriegstrompete der Gallier, der sogenannte carnyx, der gleichzeitig als Feldzeichen verwendet werden konnte, lief oft in einen stilisierten Eberkopf aus.

Bis ins Mittelalter galt der Eber als Symbol der Kampfwut. Aber trotz des Akzents auf dem Kriegerischen gab es auch einen Bezug zum Vegetativen, was zum Beispiel in der Zuordnung zum germnaischen Gott Freyr deutlich wird, den der Eber „Gullinbursti“ begleitete, vielleicht erklärt sich so auch die Vorstellung, daß der Eber dem gallischen Gott Lug und den Druiden heilig war, weil seine Weisheit sich darin äußerte, daß er die verborgenen Eicheln, die Früchte des heiligen Baumes, fand. Wie im Fall anderer germanischer und keltischer Symboltiere – vor allem Wolf und Bär – fiel auch der Eber nach der Christianisierung einer Umwertung zum Opfer. Das hatte ohne Zweifel damit zu tun, daß das Schwein schon aus israelitischer Sicht als unrein galt und die Hauptfeinde Israels – die Philister – nicht nur unbeschnitten waren, sondern bevorzugt Schweinefleisch verzehrten.eber 2

Ganz verdrängen ließ sich das Symboltier aber nicht und behielt in der adligen Heraldik des Mittelalters einen bevorzugten Rang. Der Eber oder der Eberkopf (auch direkt über den Helm gezogen) traten verhältnismäßig häufig als Wappenfiguren auf. Interessant ist auch, daß Arthur III., Herzog der Bretagne, einen Eber als persönliches Emblem führte und dasselbe Richard III. von England tat, der Eber später als Schildhalter des königlichen Wappens verwendete und nicht zuletzt in Shakespeares Königsdrama als „Eber“ apostrophiert wird.

 

eber 3Otto Höfler hat betont, daß gerade die mittelalterlichen „Eberwappen wirklich Sinn-Bilder, nicht `bloße Bilder´ waren“. Der ursprüngliche Bedeutungszusammenhang ging aber ohne Zweifel stückweise verloren. Das änderte sich erst mit der „Keltomanie“ des 19. Jahrhunderts, die in Frankreich zur Wiederentdeckung des Ebers als Symboltier führte. Historisierende Darstellungen der gallischen Antike zeigten seitdem regelmäßig Schmuckstücke oder Standarten mit dem Eber.

Dieser Hintergrund erklärt hinreichend, warum nationalistische Gruppen in Frankreich, die sich im April 2003 als Bloc identitaire organisierten, einen Eber in keltisierendem Stil als Abzeichen annahmen und seitdem auf Kleidungsstücken, Aufklebern und Plakaten verbreiten. Der Bloc ist weniger eine politische als eine propagandistische Einheit, zu deren bevorzugten Zielen die Agitation gegen die Globalisierung – von rechts her – und die Popularisierung ihrer Ideen durch die Rockmusik (vor allem der Gruppe Fraction) gehört. Ableger dieses neuartigen Mouvement identitaire haben sich mittlerweile auch in Belgien, in Deutschland und in Österreich gebildet. Der demonstrative Verzehr von Schweinefleisch durch die Identitären dient aber vor allem in Frankreich als hoch wirksame Provokation muslimischer Einwanderer und eber 4führte in den vergangenen Jahren zu Aufsehen erregenden Aktionen, bei denen öffentlich Schweinswürste gegrillt oder eine mit Schweinefleisch angesetzte Suppe – soupe identitaire – an Bedürftige verteilt oder zum Boykott sogenannter „Halal-Burger“ aufgerufen wurde, die wegen der muslimischen Speisevorschriften kein Schweinefleisch enthalten dürfen.

Quelle: http://www.karlheinzweissmann.de/eber.html

Gruß an die armen Schweine

TA KI

4 Kommentare zu “Der Eber

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