Der Hund als Spiegel des Menschen


zweierbeziehung

In seinem neuen Buch fordert Kurt Kotrschal ein Menschenrecht auf Hundehaltung. Eine neue Erkenntnis irritiert aber auch Hundetrainer

Wien – „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.“ Diesen Satz von Mahatma Gandhi hat Kurt Kotrschal ein bisschen zu spät entdeckt, sonst hätte er das Zitat in seinem neuen Buch „Einfach beste Freunde“ an prominenter Stelle eingebaut, sagt der Verhaltenbiologe: „Das ist nämlich eine meiner Hauptbotschaften.“

Kotrschals neues Werk ist ein leidenschaftliches, mitunter auch provokantes Plädoyer für eine tiergerechtere Gesellschaft. Es geht ihm also weniger um unseren Umgang mit Nutztieren, die allzu oft auf unserem Teller landen. Im Zentrum stehen vielmehr unsere Beziehungen zu Hund, Katze und Co, die nicht nur wichtige Beiträge zur Entwicklung von Kindern leisten könnten. So sei außerdem erwiesen, dass Hundehalter im Schnitt gesünder seien als Menschen ohne Hund.

So ist es auch nur logisch, dass der an der Uni Wien tätige Kotrschal in seinem Buch für ein Menschenrecht auf Hundehaltung eintritt und das Werk Rolfi, Basko, Briska und Bolita gewidmet hat, seinen Hunden, die mit ihm den Buchumschlag zieren und ihn „so vieles gelehrt haben“.

Wolf und Hund im Vergleich

Der umtriebige Biologe und öffentliche Wissenschafter weiß aber nicht nur als Hundebesitzer, wovon er schreibt. Die Beziehungen zwischen dem Homo sapiens, dem Wolf (Canis lupus) und dessen domestizierten Nachfahren (Canis lupus familiaris) sind seit langem ein Schwerpunkt seiner Forschungen. So hat er gemeinsam mit Friederike Range und Zsófia Virány das im niederösterreichischen Ernstbrunn gelegene Wolfsforschungszentrum (WSC) gegründet. In dieser international einzigartigen Einrichtung werden die Fähigkeiten von gemeinsam aufgezogenen Wölfen und Hunden untersucht. Und die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse sorgen regelmäßig für internationales Aufsehen – nicht nur unter Forscherkollegen, sondern auch bei Hundetrainern.

Das jüngste Beispiel dafür sind Experimente, die Range und Virány am WSC über die Kooperationsbereitschaft von Wölfen und Hunden durchführten und im August bei einer Fachkonferenz in Princeton vorstellten. Bisher ging man davon aus, dass Hunde im Vergleich zu Wölfen kooperationsbereiter seien und von Menschen auch nach diesem Kriterium gezüchtet worden seien. Doch genau das Gegenteil sei der Fall, behaupten Range und Virány: Hunde würden in strengeren Hierarchien leben als Wölfe. Ganz oben steht für sie der Mensch, dem sie mehr oder weniger unterwürfig gehorchen, um mit ihm konfliktfrei leben zu können.

„Dass es bei Hunden eine Dominanzhierarchie gibt, hören Hundetrainer gar nicht gerne“, sagt Kotrschal, der bei Leinenspaziergängen mit Hunden und Wölfen ähnliche Beobachtungen gemacht hat. Dass es bei Hunden eine größere Unterwürfigkeit gibt, „bedeutet aber noch lange nicht, dass man Hunde prügeln darf“, stellt Kotrschal im selben Atemzug klar.

Entsprechend steht er auch den Methoden des Hollywood-Hundetrainers Cesar Millan skeptisch gegenüber, der am Samstag in der Stadthalle in Wien auftreten wird. Der „Hundeflüsterer“ aus den USA, der einige Vierbeiner von Filmstars abrichtete, wird da vor Publikum „schwer erziehbare“ Hunde auf offener Bühne therapieren. Tierschutzorganisationen riefen im Vorfeld der Veranstaltung zu deren Boykott auf.

Auch Kotrschal kritisiert Millans Methoden, weil sie auch physische Gewalt nicht ausschließen. Für den Verhaltensforscher sind solche Maßregelungen „nicht nur vom ethischen Standpunkt her problematisch“. Sie würden zudem zu hilflosen Hunden führen – und gewiss nicht zum bestmöglichen Verhalten der Tiere.

Österreichs Wissenschafter des Jahres 2010 spricht dabei aus eigener Erfahrung – als Besitzer eines „schwierigen“ Rüden, mit dem es immer wieder Auseinandersetzungen gegeben habe. „Dem musste ich immer wieder zeigen, wer der Herr ist“, so der Biologe, der mit strengem Anherrschen das Auslangen gefunden habe.

Hund und Geschlecht

„Hunde sind so in gewisser Weise das Spiegelbild ihrer Besitzer“, sagt Kotrschal, der Schlüsse vom Umgang mit dem Vierbeiner auf die Persönlichkeit der Zweibeiner für durchaus legitim erachtet. In Planung hat er aber auch eine Vergleichsstudie darüber, wie sich das Geschlecht der Hundehalter auf die Persönlichkeit der Hunde auswirkt. Die ersten Vorstudien hätten übrigens ergeben, dass die Rüden von Hundehalterinnen etwas weniger entspannt seien.

Dass noch mehr als die 700.000 in Österreich angemeldeten Hunde in Städten zu Problemen führen könnten, schließt Kotrschal aus. Vielmehr sollte den Hunden Zugang zu Orten wie Museen oder Kirchen ermöglicht werden. Eine hundegerechte Stadt sei nämlich auch eine kindergerechte Stadt. Das Recht auf Hundehaltung würde aber natürlich auch Pflichten mit sich bringen. „Wenn man den Hund zehn Stunden am Tag lang allein in der Wohnung lässt, ist das natürlich eine Sauerei.“ (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 13.9.2014)

Quelle: http://derstandard.at/2000005528126/Der-Hund-als-Spiegel-des-Menschen

Gruß an die besten Freunde des Menschen

TA KI

 

6 Kommentare zu “Der Hund als Spiegel des Menschen

  1. Daß der Haushund vom Wolf abstamme, steht durchaus nicht unwidersprochen fest!
    Bereits vor dreißig Jahren habe ich in einer Fachzeitschrift beim Tierarzt einen bemerkenswerten Beitrag gelesen, in dem die Verfasserin an Hand von Körper- und Wesensmerkmalen von Wolf und Hund nachweist, daß der Wolf mit Nichten der Vorfahre des Hundes sein kann, sondern der WILDHUND, wie er in verschiedenen Gegenden der Erde noch beheimatet ist.
    Damit sind nicht etwa verwilderte Haushunde gemeint wie die australischen Dingos, sondern tatsächliche, echte Hunde, zu denen z.B. die indischen Rothunde gehören und die afrikanischen Löffelhunde.
    Zwar hat man auf russischen Pelztierfarmen auch Zuchtversuche mit Polarfüchsen gemacht, wobei immer die Zutraulichsten mit einander verpaart wurde.
    In der Folge traten bunte Fellverfärbungen, verstärktes Rutewedeln sowie Bellen auf, Eigenschaften, die beim Fuchs nicht oder kaum auftreten.
    Jedoch sind diese Ergebnisse nicht so ohne Weiteres auf den Wolf zu übertragen.
    Zwar sind Wolf und Fuchs Zivilisationsflüchter.
    Aber Während der Wolf eine Rudeltier ist, ist der Fuchs ein absoluter Einzelgänger!
    Das zu domestizierende Tier muß aus seiner Natur heraus bereits Anlagen mitbringen, die eine Domestikation überhaupt ermöglichen.
    Die sind beim Wolfe schlichtweg nicht vorhanden!
    Zwar gelingt es, einen Wolf zum Umgang mit Menschen zu erziehen, aber nur, weil dieser Mensch einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Hunden aufweist.
    Es muß jedoch zwangsläufig davon ausgegangen werden, daß es zu Beginn der Domestikation welches Tieres auch immer solche Erfahrungen nicht gegeben hat.
    Also muß das Tier selbst bereits im Wildzustand durch sein Verhalten gegenüber dem Menschen die Möglichkeit einer Domestikation offenbaren.
    Das aber ist beim Wolfe völlig ausgeschlossen!
    Im Gegensatze zu ihm leben auf der Insel Papua (Neuguinea) Rudel vollkommen wilder Hunde, echter Widlhunde, die mit den Ureinwohnern gemeinsam auf die Jagd gehen, ohne jedoch jemals domestiziert worden zu sein oder daß die Papuas jemals Versuche zur Domestikation unternommen hätten.

    Gunnar von Groppenbruch

  2. Pingback: Der Hund als Spiegel des Menschen | Der Honigmann sagt...

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