Rotten Handystrahlen unsere Bienen aus?


Gemäß einer deutschen Studie könnte der Mobilfunk verantwortlich sein für das rätselhafte Verschwinden ganzer Bienenvölker.

Von: Sandra Walter-Wyss

„So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der kalifornische Bienenzüchter David Bradshaw schockiert einer amerikanischen Zeitung. „Ein Stock nach dem anderen war einfach leer. Es sind keine Bienen mehr daheim.“ Das spurlose Verschwinden ganzer Bienenvölker, das in vielen Ländern schon seit einigen Jahren anhält, rüttelt viele Menschen wach. Ganz besonders in den USA. In diesem Frühjahr haben dort die Bienenvolkverluste neue Rekordzahlen erreicht: Zeitungsberichten zufolge meldeten 25 bis 50 Prozent der US-amerikanischen Imker Verluste von 50 bis 90 Prozent ihrer Bienenvölker innerhalb der letzten sechs Monate. Und die verbliebenen Bienenvölker seien so schwach, daß sie kaum noch Honig produzierten.[1]

55_bienenDie Situation in Europa präsentiert sich nicht wesentlich besser: Auch hier gab es im Frühjahr aus zahlreichen Ländern Berichte über ungewöhnliche Verluste, insbesondere aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, dem Südtirol, Spanien und Polen. In der Schweiz bezifferte Daniel Charrière , wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Bienenforschung an der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) den landesweiten Verlust im Jahr 2003 auf etwa ein Viertel des Bestandes. 2004 bis 2006 gab es wieder ähnlich überdurchschnittliche Verluste, wobei diese je nach Region unterschiedlich stark ausfielen. „Ganze Bienenvölker verschwinden spurlos, das gab es früher nie“, äußerte etwa auch Ruedi Wermelinger, Imker und Steuerberater aus dem luzernischen Hasle gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung.[2] Wohin seine rund zehntausend Bienen geflogen sind, weiß er nicht.

Für das Phänomen hat die Wissenschaft inzwischen einen Namen: Colony Collapse Disorder (CCD). Arbeiter-Bienen kehren nicht mehr in ihren Bienenstock zurück, worauf die Königin mitsamt der Brut zugrunde geht – ein für Bienen völlig untypisches Verhalten. CCD ist somit eine bisher unerklärte Störung im Verhalten der Bienen und hat nichts mit einem Befall von Milben (etwa der von Imkern gefürchteten Varroa-Milbe) und anderen Parasiten zu tun. Auffallend dabei sei – gemäß Wissenschaftlern – daß sich auch andere Bienen von den Stöcken fernhalten würden, denn normalerweise werden verlassene Bienenstöcke geplündert.

Wo liegen die Ursachen?

Die britische Tageszeitung The Independent berichtete im April dieses Jahres über eine Studie der deutschen Universität Koblenz-Landau, welche besagt, daß die Strahlung von Mobiltelefonen am plötzlichen Verschwinden der Bienen in den USA und Europa schuld sein könnte. Die Wissenschaftler warnen, daß Mobiltelefone das hoch entwickelte Navigationssystem von Bienen massiv stören, was der Grund dafür sein könnte, daß Millionen von Bienen den Weg zurück in ihre Stöcke nicht mehr finden. Die verschwundenen Bienen werden nicht mehr gefunden. Es wird davon ausgegangen, daß sie alleine, weit von ihrem Stock entfernt, sterben.

Bereits im Jahr 1974 fanden die russischen Forscher Eskov und Sapozhnikov heraus, daß Bienen bei ihren Kommunikations-Tänzen elektromagnetische Signale mit einer Modulationsfrequenz zwischen 180 und 250 Hertz erzeugen.[3] In diesem Frequenzbereich bewegt sich auch der GSM Mobilfunk, welcher mit 217 Hertz moduliert ist. Hungrige Bienen reagieren auf diese Frequenzen mit der Aufrichtung ihrer Fühler. Ebenfalls in den Siebziger Jahren stellte der Biophysiker Ulrich Warnke fest, daß Bienen unter dem Einfluß niederfrequenter Felder Streßreaktionen zeigten, insbesondere eine erhöhte Aggressivität und ein stark reduziertes Rückfindeverhalten bei Signalen im Bereich von 10 bis 20 kHz.

Das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat die Gefahr des Elektrosmogs für die Bienen offenbar erkannt. In einem Brief an Nationalrat Andreas Khol schrieb es im April 2006: „Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, daß sich niederfrequente elektromagnetische Felder negativ auf Bienen auswirken können.“ (…) Studien ergeben, daß Bienen in starken elektrischen Feldern von über 4 Kilovolt/m, z.B. unmittelbar unter einer 380 kV Hochspannungsleitung, weniger Honig produzieren, bzw. eine erhöhte Mortalität aufweisen. (Der Grenzwert zum Schutz der Menschen vor Einwirkung durch diese Felder liegt bei 5 kV/m).“[4]

Die aktuellste Studie nun, welche in diesem Frühjahr in den Medien europaweit ein großes Echo fand, stammt aus der deutschen Universität Koblenz-Landau. Wissenschaftler um Prof. Hermann Stever untersuchten im Jahr 2005 in einer Pilotstudie das Rückfindeverhalten von Bienen, sowie die Gewichts- und Flächenentwicklung der Waben unter Einwirkung von elektromagnetischer Strahlung.[5] Dabei stellten sie eindeutige Verhaltensänderungen fest. Mehrere Bienenvölker wurden pausenlos strahlenden Basisstationen von DECT-Schnurlostelefonen (1880 – 1900 MHz, 250 mW EIRP, gepulst mit 100 Hz, Reichweite 50 Meter) ausge set zt, vergleichbare Völker wurden als Kontrollgruppe am selben Standort untersucht. Jeweils 25 Bienen eines jeden Stockes wurden markiert und dann in einem Abstand von ca. 800 m zu ihrem Stock freigelassen. Dabei zeigte sich, daß die Anzahl der zurückkehrenden Bienen aus unbestrahlten Völkern deutlich höher war, zum anderen war die Rückkehrzeit der wenigen zurückkehrenden Bienen aus bestrahlten Völkern deutlich länger. Zu keinem Zeitpunkt der Untersuchung kamen mehr als sechs bestrahlte Bienen im Beobachtungszeitraum zurück, mehrfach sogar keine, während bei den unbestrahlten Bienen zu jedem Untersuchungszeitpunkt zurückkehrende Bienen beobachtet werden konnten.

Möglicherweise wären die Resultate noch deutlicher ausgefallen, wenn die bestrahlten Bienenstöcke von den unbestrahlten elektromagnetisch abgeschirmt worden wären, was verhindert hätte, daß auch die unbestrahlten Völker bestrahlt wurden, wenn auch nicht so stark, wie jene im Nahfeld der DECT-Stationen. Auch die Gewichts- und Flächenentwicklung der Völker mit DECT-Schnurlostelefon verlief merklich langsamer als jene der „unbestrahlten“ Völker.

In umfangreichen Folgeversuchen zur Pilotstudie 2005 untersuchte das Team um Prof. Stever im Jahr 2006 nochmals das Rückfindeverhalten DECT-bestrahlter Bienen. Diesmal wurden die Bienenstöcke mit engmaschigen Metallgittern voneinander abgeschirmt und unregelmäßig angeordnet, um ungewollte Einflüsse auszugleichen. Da die Flugdistanz jedoch auf 500 Meter verkürzt wurde, kann angenommen werden, daß die bestrahlten Völker durch die kürzere Flugstrecke weniger Mühe hatten, den Stock zu finden. Dennoch ergaben sich im Rückfindeverhalten statistisch signifikante Unterschiede zu den unbestrahlten Bienen.

Was meinen die Imker?

Prof. em. Ferdinand Ruzicka, selbst Imker und Autor von Beiträgen in diversen Imker-Fachzeitschriften, sammelte umfangreiche Erfahrungen durch eigene Beobachtungen und Umfragen unter Imkern: „Seit vielen Jahren betreibe ich zuerst in Wien und dann in Engelhartstetten Imkerei. Für Imker habe ich zahlreiche Kurse über Bienenpathologie abgehalten. Seit einigen Jahren habe ich selbst Probleme mit meinen Bienenvölkern, die ich nicht auf eine Krankheit oder eine Vergiftung durch Spritzmittel zurückführen konnte. Die Probleme sind aufgetaucht, seit in unmittelbarer Umgebung meines Bienenstandes mehrere Sendemasten errichtet wurden. (…) Bei meinen Bienenvölkern (anfangs ca. 40 Stück) waren eine starke Unruhe und ein stark erhöhter Schwarmtrieb zu beobachten. (…) Es kam zu unerklärlichen Zusammenbrüchen von Bienenvölkern im Sommer. Die Bienenbeuten wurden einfach von den Bienen verlassen. Im Winter konnte ich beobachten, daß die Bienen trotz Schnee und Minusgraden ausflogen und neben der Beute erfroren. Völker, die dieses Verhalten zeigten, sind zusammengebrochen, obwohl sie vor der Einwinterung starke, gesunde, weiselrichtige Völker waren.“

Aufgrund dieser Erfahrungen publizierte Prof. Ruzicka in der Imker-Fachzeitschrift Der Bienenvater 2003/9 eine Umfrage: Die Frage, ob im Umkreis von 300 Metern des Bienenstandes eine Mobilfunkantenne stehe, wurde in allen 20 Antworten bejaht. Die Frage nach einer höheren Aggressivität als vor der Inbetriebnahme der Sendeanlage bejahten 38%, jene nach einer höheren Schwarmneigung wurde von 25% positiv beantwortet und die letzte Frage nach unerklärlichen Völkerzusammenbrüchen wurde von 63% mit Ja beantwortet.

Ein Linzer Imker schrieb im Oktober 2003an Prof. Ruzicka: „Seit 37 Jahren habe ich Bienen. Vor fünf Jahren (1998) hat mein Nachbar wegen seiner Schulden einen Sendemast errichten lassen. Unser Schlafzimmer ist fünfzig Meter entfernt. Im Mai 2002 starb meine Frau plötzlich an Herzrhythmusstörungen. Im selben Jahr versuchte ich vergeblich Ableger zu machen. 2003 habe ich alle Völker verloren.“ Ruzicka gibt zu bedenken, daß Bienen bei der Nektar- und Pollenernte kilometerweit durch die von den Basisstationen des Mobilfunks bestrahlten Gebiete fliegen, auch durch „hot spots“, die infolge von Reflexionen und Interferenzen auftreten.

Es gibt noch andere Ursachen, die den Bienen schwer zu schaffen machen, wie der Artikel weiter ausführt. Welche Dimensionen das Bienensterben auch für uns Menschen hat, wird spätestens dann klar, wenn die Autorin aufzeigt, was das Fehlen der Bienen für die gesamte Landwirtschaft bedeuten würde. Was also können wir persönlich dagegen tun? Im vollständigen Artikel finden Sie einige Antworten darauf.

Quelle: http://www.zeitenschrift.com/artikel/rotten-handystrahlen-unsere-bienen-aus#.VBxO_Rb_wTx

Gruß an die Bienchen

TA KI

5 Kommentare zu “Rotten Handystrahlen unsere Bienen aus?

  1. Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Jürgen Peter Tessarz hat Joe Munzers Video geteilt: Jaw Dropping Science…..

    HAARP, Handy und das Wasser im Gehirnwindungen, seht Ihr nun das bienensterben und das Fehlen der Vögel, einzig Ratten und Räuber lassen sich die Zerstörung der Denke gefallen! Glück, Auf, meine Heimat! Und Grüße zu meinem Freund E.T.!

  2. Pingback: Rotten Handystrahlen unsere Bienen aus? | Der Honigmann sagt...

  3. Pingback: Honigmann – News – Fresh – 2016 | Wissenschaftsfactory

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