Kanada erwägt Kriegsbeteiligung- Türkei vor Einsatz gegen IS-Terroristen in Syrien


Die IS-Miliz soll kurz vor dem Zentrum der nordsyrischen Grenzstadt Kobane stehen. Der Kommandant der Kurden fürchtet ein Massaker. Noch verzichtet die Türkei auf einen Truppeneinsatz – doch das Mandat ist eindeutig.

Über der schwer umkämpften Grenzstadt Kobani steigt immer wieder Rauch auf. Quelle: AFP

BeirutDie nordsyrische Grenzstadt Kobane steht offenbar kurz vor der Einnahme durch Kämpfer der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS). Die Dschihadisten rückten am Freitag nach kurdischen Angaben auf weniger als einen Kilometer an die Stadt heran.

„Wir befinden uns in einem kleinen, eingeschlossenen Gebiet. Wir haben keinerlei Verstärkung bekommen und die Grenzen sind dicht“, schilderte der Chef der kurdischen Verteidigungskräfte, Esmat al-Scheich, der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch die Lage. Er rechne mit viele Toten, Massakern und Zerstörung durch die Gruppe „Islamischer Staat“. Seine Kämpfer stünden unter Beschuss von Panzern, Artillerie, Raketen und Granatwerfern.

Die Türkei wird nach den Worten von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu alles unternehmen, um die Eroberung von Kobane unweit der Grenze zur Türkei zu verhindern. Ob dies allerdings auch ein militärisches Eingreifen bedeutet, ließ Davutoglu offen. Kanzlerin Angela Merkel rief die Staatengemeinschaft zu einem geschlossenen Kampf gegen die Dschihadisten auf: „Die ganze Welt ist gefordert.“

In ihrer Rede zum Tag der Deutschen Einheit bezeichnete sie die Gruppe „Islamischer Staat“ als eine Terrororganisation, deren „barbarischer Vormarsch“ in Syrien und im Nordirak gestoppt werden müsse. Sich der Gewaltherrschaft des IS entgegenzustellen, sei in Deutschlands Interesse – auch weil die Dschihadisten die Sicherheit hierzulande bedrohten.

Die USA und ihre Verbündeten hatten in den letzten Tagen versucht, mit Luftangriffen in Syrien und im Irak die IS-Milizen zurückzudrängen. Allerdings hat das offenbar wenig dazu beigetragen, die Lage im nordirakischen Gebiet um das vorwiegend von Kurden bewohnte Kobane zu entschärfen. Am Freitag waren zwei riesige Rauchwolken östlich von Kobane zu sehen und eine ganze Reihe von Explosionen im Stadtbereich zu hören, wie ein Reuters-Korrespondent berichtete, der sich auf der türkischen Seite der Grenze befand.

Kanada schickt Kampfflugzeuge, USA verlieren ersten Soldaten

Kanadas Premierminister Stephen Harper will sein Land am Kampf gegen die Terrormiliz beteiligen. Bis zu sechs kanadische Kampfflugzeuge könnten sich bis zu sechs Monate lang an Luftschlägen gegen die IS beteiligen, schlug Harper am Freitag nach kanadischen Medienberichten dem Parlament vor. Bodentruppen sollen nicht entsandt werden. Bislang hat Kanada nur Militärberater zur Verfügung gestellt.

„Wenn unsere Verbündeten eine Gefahr erkennen und darauf reagieren, dürfen wir Kanadier nicht an der Seite stehen“, schrieb Harper beim Kurznachrichtendienst Twitter. „Die höchste Verantwortung der Regierung ist, Kanadier zu schützen und unsere Bürger gegen diejenigen, die uns und unseren Familien schaden wollen, zu verteidigen.“ Das kanadische Parlament will den Plan Harpers am Montag diskutieren und darüber abstimmen.

Zudem haben die USA den ersten toten Soldaten im Kampf gegen den Islamischen Staat vermeldet. Das Mitglied der Marineinfanterie war am Donnerstag aus einem Flugzeug gesprungen, als dieses kurz nach dem Start von einem Schiff im Persischen Golf vorübergehend versagte und abzustürzen drohte. Der Truppentransporter des Typs V-22 Osprey konnte zwar sicher landen, doch der Soldat blieb verschollen und wurde für tot erklärt. „Alle Militäreinsätze sind offensichtlich riskant“, sagte Pentagonsprecher John Kirby am Freitag über den Vorfall, und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Ein weiterer Soldat war auch abgesprungen, konnte aber geborgen werden.

Der inhaftierte Chef der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in der Türkei, Abdullah Öcalan, hatte Mitte der Woche gedroht, sollte es den IS-Milizen ermöglicht werden, Kobane einzunehmen, werde dies das Ende der Friedensverhandlungen zwischen seiner Gruppierung und der türkischen Regierung bedeuten. Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU selbst als Terrororganisation eingestuft. Die mit der Gruppe verbündete YPG-Miliz kämpft gegen die IS-Miliz bei Kobane.

„Wir wollen nicht, dass Kobane fällt.“

Das türkische Parlament hat gerade erst grünes Licht für Militäreinsätze gegen die IS-Miliz in Syrien und dem Irak gegeben. Die IS-Kämpfer befinden sich inzwischen in Sichtweite zu türkischer Militärposten. Hunderte von Dörfern in der Umgebung werden bereits von der Miliz kontrolliert.

Das hat nach Davutoglus Worten dazu geführt, dass mittlerweile mehr als 180.000 Kurden in die Türkei geflohen sind. „Wir wollen nicht, dass Kobane fällt. Wir tun, was immer wir können, damit dies nicht geschieht“, sagte der Regierungschef am späten Donnerstagabend im TV-Sender „A Haber“.

Islamischer Staat: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Woher kommt die Terrormiliz:

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert die IS

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbedsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen.

Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Was ist die Hauptstadt des islamischen Staats:

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten herbei, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder an Kreuze gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS:

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni starken Zulauf bekommen haben. Die militärischen Geländegewinne im Irak und in Syrien ziehen vor allem jüngere Sunniten an.

Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20 000 und 31 500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50 000, davon etwa 20 000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand:

Die Terrormiliz kontrolliert faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag. Aktivisten berichten, die IS habe die Produktion teilweise aufgenommen und finanziere sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Neben dem Öl befinden sich drei größere Grenzübergänge sowie Getreidesilos und Syriens größter Staudam Al-Furat in den Händen der Extremisten.

(…)

Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/kanada-erwaegt-kriegsbeteiligung-wir-wollen-nicht-dass-kobane-faellt-/10791824-3.html

Gruß an die Geschichtsschreiber

TA KI

 

 

 

 

 

 

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„Kein anderes Land hat wie unseres die Möglichkeit die Entwicklung in Syrien und im Irak zu beeinflussen, kein anderes Land wird aber auch so davon betroffen sein“, gab Davutoglu zu Bedenken. Ein militärisches Eingreifen würde die Türkei noch tiefer in den Konflikt hineinziehen.

Verteidigungsminister Ismet Yilmaz hatte nach der Parlamentsentscheidung erklärt, eine rasche Militärintervention sei nicht zu erwarten. Die Regierung fürchtet, durch einen Militäreinsatz könnten sowohl Syriens Präsident Baschar al-Assad als auch die PKK gestärkt werden. Neben einem Militäreinsatz in Syrien und dem Irak billigte das türkische Parlament am Donnerstag, dass auch Soldaten anderer Länder im Kampf gegen die IS von türkischem Territorium aus zum Einsatz kommen dürfen.

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