Nie wieder Fleisch


nie wieder fleisch

Haben Sie schon gegessen? Denn gleich wird Ihnen der Appetit auf Fleisch vergehen. Diese ARTE-Doku über die industrielle Fleischproduktion zeigt, welche verheerenden Konsequenzen der globale Hunger nach Fleisch hat. Während man in Europa schon immer viel Fleisch gegessen hat, wächst die Lust darauf nun auch in Ländern wie China und Indien. Darunter leiden die Tiere, die ihr kurzes Leben zusammengepfercht in dreckigen Ställen verbringen.

Quelle: http://www.seite3.ch/Voll+krass+Doku+Nie+wieder+Fleisch+de+/570476/detail.html

Gruß an die, die darauf achten, woher das Fleisch kommt was zu verzehren

TA KI

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Gegen den globalen Interventionismus von USA und Nato!


Oskar Lafontaine, Fraktionsvorsitzender der Linken im saarländischen Landtag.

Kurden, Jesiden, Ukrainer – Frieden schaffen mit immer mehr Waffen? Wer heute US-geführte Militäreinsätze unterstützt, lässt sich in eine US-Außenpolitik einbinden, die seit dem Zweiten Weltkrieg eine Blutspur mit Millionen Toten um den Erdball gezogen hat. Ein Gastbeitrag des ehemaligen Linken-Vorsitzenden.

George F. Kennan, einer der Konstrukteure der Außenpolitik der USA nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb schon 1948: „Wir müssen sehr vorsichtig sein, von unserer Führungsrolle in Asien zu sprechen… Wir besitzen etwa 50 Prozent des Reichtums dieser Welt, stellen aber nur 6,3 Prozent seiner Bevölkerung… Unsere eigentliche Aufgabe in der nächsten Zeit besteht darin, eine Form von Beziehungen zu finden, die es uns erlaubt, diese Wohlstandsunterschiede ohne ernsthafte Abstriche an unserer nationalen Sicherheit beizubehalten… Wir werden unsere Aufmerksamkeit überall auf unsere ureigensten, nationalen Vorhaben konzentrieren müssen… Wir sollten aufhören, von vagen, unrealistischen Zielen wie Menschenrechten, Anhebung von Lebensstandards und Demokratisierung zu reden.

Der Tag ist nicht mehr fern, an dem unser Handeln von nüchternem Machtdenken geleitet sein muss.“

Zu den ureigensten nationalen Vorhaben der USA gehört die Sicherung von Rohstoffen und Absatzmärkten. Zwar haben die Vereinigten Staaten zur Rechtfertigung der vielen Kriege, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg geführt haben, entgegen dem Rat Kennans viel von Menschenrechten und Demokratisierung gesprochen, aber in Wahrheit ging und geht es immer um Absatzmärkte und Rohstoffquellen. Um diese Interessen auch militärisch durchzusetzen, verfügen die USA über den größten Militäretat der Welt. Nach den Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI für das Jahr 2013 liegen sie mit 685 Milliarden Dollar weiter deutlich vor China, 188 Milliarden Dollar, und Russland, 88 Milliarden Dollar. Die Nato-Mitglieder geben zusammen 1000 Milliarden Dollar für den Militärsektor aus und fühlen sich dennoch von Russland, das 88 Milliarden ausgibt, mächtig bedroht. Mit dieser Bedrohung wird die Kampagne für höhere Rüstungsausgaben, die zurzeit in den deutschen Medien läuft, begründet, wie schon zu Zeiten des Kalten Krieges.

 Auch im Ukraine-Konflikt geht es um Rohstoffe und Absatzmärkte

So erklärte US-Präsident Barack Obama am 24. September 2014 vor der UN-Vollversammlung in New York, dass der Konflikt in der Ukraine beweise, welch große Gefahr für den Westen von Russland ausgehe. Der ehemalige Staatssekretär Ronald Reagans, Paul Craig Roberts kommentierte diese Rede wie folgt: „Es ist absolut unbegreiflich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten sich vor die gesamte Weltgemeinschaft stellt, um Dinge zu erzählen, von denen jeder weiß, dass es sich um eklatante Lügen handelt… Wenn Washington Bomben wirft und in dreizehn Jahren ohne Kriegserklärung in sieben Länder einfällt, dann ist das keine Aggression. Eine Aggression findet erst dann statt, wenn Russland die mit 97 Prozent der Stimmen zustande gekommene Petition der Krim zur Wiedervereinigung mit Russland annimmt.“

Ex-Linkenchef Oskar Lafontaine spricht sich gegen US-Interventionismus aus.

Auch im Ukraine-Konflikt geht es um Rohstoffe und Absatzmärkte. So hat beispielsweise der US-Konzern Chevron das Recht erworben, in der Ukraine Fracking-Gas zu fördern, und Hunter Biden, der Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, sitzt im Direktorium einer ukrainischen Gasgesellschaft. Bei der Nato-Osterweiterung fehlte Kiew bisher im Einflussbereich der Vereinigten Staaten – und das konnte auf Dauer ja nicht so bleiben.

Diese seit Jahrzehnten von den USA betriebene Außenpolitik  kommentiert Willy Wimmer, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium der Regierung Kohl und langjähriger Vizepräsident der OSZE wie folgt: „Zunächst haben die USA die Vereinten Nationen genötigt, gleichsam die Nato als militärischen Dienstleister für ihre sicherheitspolitischen Maßnahmen zu akzeptieren. Das darüber verfolgte amerikanische Ziel ging und geht in eine völlig andere Richtung. Die Vereinten Nationen sollen soweit marginalisiert werden, dass sich baldmöglichst die von den USA dominierte Nato an die globale Stelle der Vereinten Nationen setzen kann.“

Als bloßes Instrument zur Durchsetzung amerikanischer Interessen hat die Nato keine Zukunft

Aufgrund ähnlicher Überlegungen antwortete Helmut Schmidt vor einiger Zeit auf die Frage, welchen Sinn und Zweck die Nato heute noch habe: „In Wirklichkeit ist sie überflüssig“, wie der ehemalige Leiter seines Planungsstabes im Verteidigungsministerium, Theo Sommer, berichtet. Objektiv gesehen handele es sich bei dem westlichen Bündnis letztlich um ein reines Instrument der amerikanischen Weltstrategie. Als bloßes Instrument zur Durchsetzung amerikanischer Interessen habe die Nato keine Zukunft. Weltweiter Interventionismus könne nicht ihr Auftrag sein.

Auch im Vorderen Orient geht es seit Jahrzehnten um Rohstoffe und Absatzmärkte. Vor allem um sich die Zugänge zu den Ölquellen zu sichern, haben die jeweiligen US-Regierungen in unterschiedlicher Form versucht, die Vorherrschaft der USA in Vorderasien zu sichern. Dabei waren sie bekanntlich in der Wahl ihrer Mittel alles andere als zimperlich. Sie rüsteten die Taliban, den Diktator Saddam Hussein oder den IS auf, um sie anschließend zu bekämpfen. Wenn US-Vizepräsident Joe Biden heute den US-Verbündeten im Nahen Osten die Schuld an der Aufrüstung des IS gibt und dafür die Türkei, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verantwortlich macht, verschweigt er, dass diese US-Verbündeten letztendlich als verlängerter Arm der US-Außenpolitik agieren.

Wer heute US-geführte Militäreinsätze in der Welt mit eigenen Truppen oder mit Waffenlieferungen unterstützt, lässt sich in eine US-Außenpolitik einbinden, die seit dem Zweiten Weltkrieg eine Blutspur mit Millionen Toten um den Erdball gezogen hat. Es geht bei den Diskussionen um die Beteiligung der Bundeswehr an den Militärinterventionen der letzten Jahre nicht in erster Linie darum, Menschenleben zu retten, sondern im Kern um die Frage, ob die Bundeswehr diese Außenpolitik der USA zur Sicherung von Rohstoffen und Absatzmärkten unterstützt.

Mit Hightech um die Welt - an Bord des Flugzeugträgers "USS George Washington".

Kurden, Jesiden, Ukrainer – Frieden schaffen mit immer mehr Waffen? Wer heute US-geführte Militäreinsätze unterstützt, lässt sich in eine US-Außenpolitik einbinden, die seit dem Zweiten Weltkrieg eine Blutspur mit Millionen Toten um den Erdball gezogen hat. Ein Gastbeitrag des ehemaligen Linken-Vorsitzenden.

Die Systemparteien im Verein mit den deutschen Medien

Bisher hat sich nur die Partei Die Linke in Deutschland geweigert, dabei mitzumachen. Sie wurde und wird deshalb von den Systemparteien CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen im Verein mit den deutschen Medien seit Jahren angegriffen und aufgefordert, endlich eine „verantwortungsvolle“ Außenpolitik zu betreiben. Zur Rolle der Medien schreibt Peter Scholl-Latour in dem nach seinem Tod veröffentlichten Buch „Der Fluch der bösen Tat“: „Die weltumspannende Desinfomationskampagne amerikanischer Propagandainstitute, der es gelungen ist, die europäische Medienlandschaft gründlichst zu manipulieren, mag durchaus berechtigt erscheinen, wenn es darum geht, den Feind zu täuschen… Doch sie wird zum Verhängnis, wenn ihre Autoren sich im Netz der eigenen Lügen und Zwangsvorstellungen verstricken, wenn sie ihren eigenen Fantasmen erliegen.“

Das immer wieder vorgebrachte Argument, man könne doch nicht tatenlos zusehen, wenn Menschen leiden und sterben, ist heuchlerisch und verlogen. Die westliche Wertegemeinschaft sieht täglich mehr oder weniger tatenlos zu, wie Menschen verhungern und an Krankheit sterben. Flüchtlinge ertrinken und Seuchen wie Ebola breiten sich aus, ohne dass die Industriestaaten auch nur im Entferntesten daran denken, zur Rettung dieser Menschen ähnlich viel Geld auszugeben, wie sie dem Militär jährlich zur Verfügung stellen. Es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie Politikerinnen und Politiker, deren Mitleid plötzlich erwacht, wenn sie nach Militäreinsätzen rufen können, scheinbar ungerührt dem täglichen Verhungern, dem Tod durch Krankheit und dem Ertrinken Flüchtender auf den Weltmeeren zusehen.

Dabei hätte die politische Linke in Europa aufatmen müssen, als Papst Franziskus feststellte: „Diese Wirtschaft tötet.“ Diese Wirtschaft nennt die Linke Kapitalismus. Schon vor gut einem Jahrhundert wusste der französische Sozialist Jean Jaurès: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“ Anders formuliert: Zur Sicherung von Rohstoffen und Absatzmärkten wird in diesem Wirtschaftssystem immer wieder militärische Gewalt eingesetzt.

Die heutigen französischen Sozialisten haben Jean Jaurès ebenso aus ihrer Erinnerung verbannt wie die deutschen Sozialdemokraten Willy Brandt, dessen entscheidender Satz in seiner Friedensnobelpreisrede lautete: „Krieg ist nicht die ultima Ratio sondern die ultima Irratio.“ Mittlerweile sind Militäreinsätze wieder fester Bestandteil der Außenpolitik der SPD.

„Die Linke ist eine internationalistische Friedenspartei“

Die Linke hat ihre Parteizentrale im Karl Liebknecht Haus. Ihre  Mitglieder fühlen sich dem Erbe Karl Liebknechts verpflichtet: „Nieder mit dem Krieg!“ In dieser Tradition sieht sich die Linke, wenn sie in ihrem Grundsatzprogramm schreibt: „Die Linke ist eine internationalistische Friedenspartei, die für Gewaltfreiheit eintritt.“

Nun versuchen seit Jahren Gregor Gysi und einige von den Medien als „Reformer“ gewürdigte Politiker der Linken, das Vermächtnis Karl Liebknechts aus der Programmatik der Linken zu entsorgen. Dabei schielen sie auf eine Regierungsbeteiligung in einer rot-rot-grünen Koalition. SPD und Grüne haben ja die Bildung einer gemeinsamen Bundesregierung an die Bedingung geknüpft, dass die Linke ihre friedenspolitischen Grundsätze aufgibt.

Eine selbstbewusste Politik sieht anders aus. Mit Forderungen wie „raus aus Afghanistan“ und „keine Waffenexporte“ hat die Linke Wahlen gewonnen. Auch heute lehnt die Mehrheit der Bundesbürger Waffenexporte und Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland ab. Die Linke hat auf die Frage, wollt ihr tatenlos zusehen, wie Menschen sterben, die bessere Antwort. Helfen sollen statt Soldaten, Ärzte und Krankenschwestern, statt Waffen, Nahrungsmittel und Medikamente. In ihrem Grundsatzprogramm steht: „Wir schlagen die Einrichtung eines zivilen Hilfscorps vor, das Willy-Brandt-Corps für internationale Katastrophenhilfe. Es ist die friedliche Alternative zur Armee im Einsatz.“

Das ist auch ein Angebot an SPD und Grüne für die Bildung einer gemeinsamen Bundesregierung. Wenn die Sozialdemokraten zur Politik Willy Brandts zurückfinden, steht einer Regierungszusammenarbeit auf dem Gebiet der Außenpolitik nichts mehr im Wege. Eine solche Außenpolitik sucht im Geiste der Entspannungspolitik die Verständigung mit Russland, die im elementaren Interesse der Deutschen liegt. Gewaltverzicht, gute Nachbarschaft, Entspannung, gemeinsame Sicherheit sind allemal eher geeignet, den Frieden zu sichern, als Waffenexporte, Interventionskriege, Völkerrechtsbrüche oder Sanktionen.

Tausendfacher Drohnenmord zur Sicherung der geostrategischen Interessen des US-Imperiums

Selbst wenn das alles richtig ist, besteht dann nicht doch die Verpflichtung, Menschen wie den Jesiden oder den Kurden oder vielen anderen, denen in den letzten Jahren der gewaltsame Tod drohte, beizustehen, notfalls auch mit Militär? Aber welchen Militäreinsatz hätte die UNO anordnen können um die Bevölkerung im Vietnam Krieg zu schützen, als die USA Napalm einsetzten und Millionen Menschen ums Leben kamen? Welchen Militäreinsatz hätte sie im Irak Krieg, dessen Opferzahlen eine US-Studie mit einer halben Million angibt, anordnen können, um die Bevölkerung zu schützen?

Nur wenn die USA sich den Entscheidungen einer reformierten UNO unterwerfen würden – davon sind sie zurzeit Lichtjahre entfernt – wäre der Aufbau einer Weltpolizei denkbar, die Gewalt ähnlich stoppen könnte wie die Polizei in den Nationalstaaten. So lange die USA die militärische Eroberung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten zum Ziel ihrer Außenpolitik machen, sind alle Überlegungen, mit Militäreinsätzen den Weltfrieden und das Recht wiederherzustellen, keine Realpolitik. Es sind Träumereien von Leuten, welche die Machtstrukturen der Welt nicht analysieren können und nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass die mächtigste Militärmacht des Erdballs von einem Präsidenten geführt wird, der zur Sicherung der geostrategischen Interessen des US-Imperiums den tausendfachen Drohnenmord befohlen hat und von sich selbst sagt: „Ich bin gut darin, Menschen zu töten.“

Kants kategorischer Imperativ: „Handele nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ ist eine geeignete Anleitung zum Handeln, wenn die Staaten der Welt in Frieden miteinander leben wollen. Die Beachtung des Völkerrechts, Gewaltverzicht, Abrüstung, gemeinsame Sicherheit und gute Nachbarschaft folgen diesem Imperativ, während eine Außenpolitik, die zum Ziel hat, Rohstoffe und Absatzmärkte notfalls mit militärischen Mitteln zu erobern, immer zu neuen Kriegen führt.

Der Autor ist ehemaliger Vorsitzender der SPD und später der Linkspartei. Heute ist er Fraktionschef der Linken im Saarland.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/meinung/die-linke-und-der-krieg-die-systemparteien-im-verein-mit-den-deutschen-medien/10822178-2.html

Danke an Denise

Gruß an die PO-litiker

TA KI

Totalverlust eines Grundrechts


Demo gegen Überwachung vor dem BND-Neubau

Jahrelang zapfte der deutsche Geheimdienst am Knotenpunkt in Frankfurt das Internet an – und gab dann geschützte Informationen an die USA weiter. Die Operation namens „Eikonal“ zeigt, wie der Staat das Grundgesetz veräppelt.

Kommentar von Heribert Prantl

Das G-10-Gesetz ist das Gesetz, mit dem das eigentlich unverletzliche Grundrecht nach Artikel 10 Grundgesetz beschränkt werden kann. Dieses Gesetz erlaubt den deutschen Geheimdiensten zum „Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ weitreichende Eingriffe ins Fernmeldegeheimnis, also auch in die Datenleitungen des Internets.

Von solchen „Beschränkungen“ ist im Grundgesetz tatsächlich die Rede; nicht die Rede ist aber dort von Tricksereien, Irreführungen und Manipulationen. Schon gar nicht steht da das derbe Wort, das auf einen hinteren Körperteil Bezug nimmt. Genau zu diesem Zweck aber wird offenbar das G-10-Gesetz eingesetzt.

Der Wesensgehalt des Artikels 10, Fernmeldegeheimnis, ist zerstört

Die Erkenntnisse über die Aktion „Eikonal“ zeigen, dass das G-10-Gesetz von den Geheimdiensten genutzt wird wie ein Generalschlüssel, wie ein Einbruchswerkzeug: Man sperrt damit auf, was man aufsperren will. Der BND schleift sich das G-10-Gesetz mit Billigung des aufsichtsführenden Kanzleramts so zurecht, wie es gerade passt. In den Jahren 2004 bis 2008 zapfte er damit den Internet-Knoten Frankfurt an, versuchte dann die Daten der Deutschen zu löschen, was aber nicht gelang, leitete die Daten an die NSA weiter, scherte sich wenig darum, ob und wie dort deutsches Recht eingehalten und was mit der Lieferung geschieht.

Wer kontrolliert, wer prüft einen solchen Fehlgebrauch des G-10-Gesetzes? De facto niemand. Irgendwann kommt der Massenzugriff ans Licht der Öffentlichkeit. Was passiert dann? Nichts. Die zuständigen Politiker üben sich in Schwindeleien und tun so, als sei nicht ihr Tun und das der Geheimdienste, sondern dessen Aufdeckung verfassungswidrig. Offenbar wurde bislang nicht einmal das Parlamentarische Kontrollgremium vom Projekt „Eikonal“ informiert.

Serverschrank mit Netzwerkkabeln

Späh-Affäre BND leitete Daten von Deutschen an NSA weiter

Das Ausmaß der geheimen Kooperation zwischen Bundesnachrichtendienst und NSA ist noch umfangreicher als bislang bekannt. Jahrelang zapfte der deutsche Geheimdienst am Knotenpunkt in Frankfurt das Internet an – und gab dann auch geschützte Informationen an die USA weiter. Das zeigen streng geheime Dokumente der Operation „Eikonal“.

Die rechtstaatliche Kontrolle existiert nicht

Kontrollgremium und G-10-Kommission sollen bei geheimdienstlichen Eingriffen in Grundrechte an die Stelle der Gerichte treten, um Recht und Gesetz zu garantieren. Weil die Bürger von den geheimdienstlichen Grundrechtseingriffen ja grundsätzlich nichts erfahren, können sie grundsätzlich auch nicht den ordentlichen Rechtsweg beschreiten. Also soll das Kontrollgremium dafür sorgen, dass die Aktionen der Geheimdienste rechtsverträglich sind. So will es das Grundgesetz.

Aber das funktioniert hinten und vorne nicht. Weil das so ist, weil sich fortlaufend zeigt, dass die von der Verfassung gebotene rechtsstaatliche Kontrolle praktisch nicht existiert, ist das G-10-Gesetz verfassungswidrig. Dieses Gesetz gibt es seit 1968. Die Bedenken gegen dieses Gesetz sind in den 46 Jahren nicht ausgeräumt, sondern durch zahlreiche Änderungen noch verschärft worden.

„In keinem Fall darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden.“ So steht es im Grundgesetz. Das gilt auch für die Geheimdienste, das gilt auch für das Kanzleramt, das die Geheimdienste zu beaufsichtigen hat. Der Wesensgehalt des Fernmeldegeheimnisses nach Artikel 10 Grundgesetz ist offensichtlich nicht nur angetastet, er ist schon ziemlich zerstört.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/operation-eikonal-totalverlust-eines-grundrechts-1.2157335

Danke an Denise

Gruß an die Gesetztesbrecher

TA KI

 

Seidhr und Völva


Kurt Oertel

Der Begriff Seidhr und die damit vorgeblich zusammenhängenden Techniken erfreuen sich im modernen Ásatrú zunehmender Beliebtheit. Allerdings scheint der Begriff anders aufgefasst zu werden, als die originalen Quellen ihn meinen. Dieses Problem versucht der folgende Artikel von Kurt Oertel aus quellenkundlicher Sicht zu lösen.

Der Begriff Seidhr (oder richtig: seiðr) und die damit angeblich zusammenhängenden Techniken erfreuen sich im modernen Ásatrú zunehmender Faszination und Beliebtheit, wobei der Begriff heute aber ganz anders verstanden zu werden scheint, als es die Quellenlage hergibt. Es scheint da einige Missverständnisse zu geben, die ich hier einmal richtigstellen möchte. Natürlich kann man den Begriff heute neu definieren und mit neuen Inhalten füllen. Man muss sich dann aber auch darüber klar sein, dass es sich um eine gänzliche Neudefinition handelt, die nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Begriff zu tun hat und das auch immer deutlich machen, um Missverständnisse bei Quellenkundlern zu vermeiden.

Es hat sich offenbar die Meinung herausgebildet, Seidhr sei eine spezielle Form magischer Praxis, die irgendwie „schamanisch“ geprägt sei, darüber hinaus etwas speziell weibliches an sich habe und ganz eng mit der Praxis der Seherinnen (Völven oder Völvas) zusammenhänge. Das wird dann oft von anderen Praktiken abgegrenzt, wie z.B. der Runenmagie oder dem „Galdr“ (wörtlich: Zaubergesang), die eher in „ritualmagischer“ Richtung aufgefasst werden, wo es also auf Beherrschung genauer Formeln oder strenger Ritualvorgaben ankäme, während Seidhr eher „aus dem Bauch“ heraus funktioniere und vor allem mit Geistreisen und veränderten Bewusstseinszuständen zu tun habe.

Diese Meinung ist schlicht und einfach falsch. Das Wort „seiðr“ ist im Altnordischen ganz eindeutig der völlig umfassende Oberbegriff für Magie insgesamt und fasst genau all jene (oft sehr unterschiedlichen) Praktiken zusammen, die wir auch heute unter dem Begriff „Magie“ verstehen. Es bezeichnet keine spezielle magische Unterabteilung, Sonderdisziplin oder Einzeltechnik. An dieser umfassenden Bedeutung des Wortes gibt es keinen Zweifel und darüber herrscht auch sprachwissenschaftlich völlige Einigkeit.

Gerade die schamanischen Techniken der vielfach bezeugten Seherinnen werden in den Quellen aber durchweg mit dem ganz anderen Begriff „spá“ bezeichnet, der als in scharfem Gegensatz zu „seiðr“ stehend erscheint.

Die Frage, wie es zu diesem populären Missverständnis kommen konnte, scheint dabei relativ einfach beantwortbar zu sein. Sie beruht vor allem auf der immer wieder zitierten Stelle von Snorri aus der Ynglinga Saga, Kap. 7, in der er seiner Meinung über Magie Ausdruck gibt:

„Odin praktizierte und beherrschte die Kunst, die am mächtigsten ist, und Magie („seiðr“) genannt wird, und dadurch kannte er das Schicksal der Menschen und die Gefahren der Zukunft und ebenso, wie man einem Menschen den Tod oder Unglück oder eine Krankheit bringt und wie man die Menschen um Kraft und Verstand bringt und sie jemand anderem gibt. Aber mit dieser Weisheit war so große Schande verbunden, dass die Männer meinten, sie könnten sie nicht ohne Schande ausüben und darum brachte man diese Kunst den Priesterinnen bei.“

In Kap. 4 erwähnt er weiterhin, dass es Freyja gewesen sei, die als Lehrerin der Magie diese erst zu den Asen gebracht hätte. Hier haben wir also in beiden Aussagen einen weiblichen Bezug, der ein weiterer Grund für das Missverständnis gewesen sein dürfte. Bereits aus Snorris Zitat geht aber hervor, dass hier eine große Palette von Magie gemeint ist, die hier (und das ist sehr bezeichnend) auch noch ausschließlich als Schadenszauber verstanden wird, nicht aber auf irgendwelche speziellen Techniken zu reduzieren ist. Wenn es überhaupt stimmt, dass Magie unter Männern verachtet war, dann aus dem Grund, weil der Einsatz von Magie als „Waffe“ gegen Menschen – und vor allem eben als Schadenszauber – ganz klar dem germanischen Ideal der Kriegerehre widersprochen hat, nicht aber etwa deshalb, weil sie mit irgendwelchen speziell weiblichen Mysterien verbunden gewesen wäre, wie es heute manchmal gerne hineingelesen zu werden scheint.

Wer die Ynglinga Saga kennt, wird sich angesichts all der dort von Snorri erzählten Seltsamkeiten sowieso wundern. Die ganze mythische Vorgeschichte ist hier eine solch krause Mischung aus mythologischer Überlieferung (die allerdings einige interessante Details enthält), vielleicht nicht richtig Verstandenem und von Snorri Zusammengeführtem, dass es kaum glaubhaft scheint, dass derselbe Autor auch Gylfaginning verfasst haben soll, wo inhaltlich krass Gegensätzliches behauptet wird. Hier werden die nordischen Götter nämlich als frühe menschliche Könige Schwedens geschildert, die sich mit List und Magie einen solchen Ruf erarbeitet hätten, dass sie als Götter verehrt worden seien. Natürlich könnte man argumentieren, dass Snorri hier rein schwedische Traditionen wiedergibt, die in dem Fall aber ganz erheblich von norwegisch-isländischen Mythen abgewichen sein müssten (was allerdings plausibel sein könnte). Als „Quelle“ ist den Angaben deshalb mit einigem Misstrauen zu begegnen, und zudem macht gerade das obige Zitat (erst recht im Zusammenhang) seine christliche Ablehnung dieser Praktiken klar. Unklar bleibt auch, wer „die Priesterinnen“ sein sollen, für die es in der Form keinen einzigen anderen Beleg gibt. Natürlich gab es Gyðjas, also weibliche Goden, aber es gibt keine einzige Stelle, in der Goden oder Gyðjas mit Seidhr oder Völventum in Verbindung gebracht werden. Vor allem steht die Angabe, dass die Fähigkeit der Zukunftsschau und Weissagung (Spá) ebenfalls dem Bereich der Magie (Seidhr) zuzurechnen sei, im Widerspruch zur Gesamtheit der übrigen Quellenlage. Leider findet sich nun auch in Simeks (sonst sehr empfehlenswertem) „Lexikon der germanischen Mythologie“ unter dem Eintrag „Seherinnen“ der folgenschwere Satz:

„Die in den Sagas beschriebenen Praktiken der Seherinnen werden als Seiðr „Zauber“ bezeichnet und unterscheiden sich nur unwesentlich von solchen des andernorts erwähnten Schadenszaubers“. (S. 347 der 1. Aufl.)

Diese Behauptung ist eine wörtliche Übernahme der oben zitierten Meinung Snorris, und sie ist mehr als problematisch. Wenn man sich nämlich einmal die Mühe macht, alle Stellen genau im Original zu prüfen, in denen von Seherinnen (Völven und „spákonur“) und Zauberinnen/Hexen (seiðkonur) die Rede ist, gerät diese Behauptung erheblich ins Wanken. Dazu später mehr. Zunächst weiter zum Thema Seidhr (Hexerei, Zauberei):

Gerade die Quellen machen klar, dass Seidhr keine rein weibliche Domäne gewesen sein dürfte, denn das Wort „seiðmaðr“ (Zaubermann, also Zauberer oder Magier) ist genauso belegt wie das weibliche „seiðkona“ (Zauberfrau). Richtig aber ist, dass sich der Begriff tatsächlich durchweg auf ausschließlich schadenszauberische Tätigkeiten beschränkt, die sich als psychischer Zwang auf andere Menschen äußert, der zu geistiger Verwirrung und sogar Tod führen kann. Wenn es dagegen z.B. um Beruhigung eines Unwetters, Schutz für einen Krieger oder ähnlich Positives ging, findet sich häufiger der Begriff „galdr“. Die Frage, ob es nun seinerseits eine solche strenge Trennung zwischen Seidhr und Galdr den damaligen Realitäten entsprach, sollte man zwar nicht zu voreilig heutigen Theoretisierungsversuchen unterwerfen, dennoch werden in den Quellen Seidhr-Leute fast durchgängig als boshaft und verabscheuungswürdig dargestellt. Nie wird der Begriff für Heilzauber oder andere positive Techniken benutzt. Als einzige Ausnahme könnte der Fall der Þuríðr sundafyllir stehen, die ihren Beinamen „Sundfüllerin“ deshalb trug, weil sie in Zeiten des Hungers Seidhr anwandte, so dass eine Meerenge im Hálogaland von Fischen nur so wimmelte. Aber auch hier finden wir das in anderen Belegen nachweisbare Muster psychischer Manipulation (auch wenn es hier nicht auf Menschen angewandt wird).

Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass die negative Darstellung von Seidhr bereits einen christlichen Einfluss widerspiegeln könnte. Aber Snorris spätere Einschätzung und Ablehnung finden sich auch schon in heidnischen Quellen, so in Völuspá 22, wo von der Zauberin Heiðr gesagt wird: „Sie praktizierte Seidhr, wo immer sie konnte, praktizierte Seidhr und verstörte die Sinne. Stets war sie die Wonne übler Weiber.“ Auch hier also wieder das Merkmal psychischer Manipulation als Merkmal von Seidhr und die eindeutige Aussage, dass der Dichter der Völuspá Seidhr offenbar als negativ und sogar verabscheuungswürdig empfand. Da die Entstehung des Gedichtes auf ca. 1000 n.d.Z. geschätzt wird und der Dichter hier alles Heidnische positiv darstellt, darf man daraus durchaus ableiten, dass sein Verständnis des Begriffes dem in der heidnischen Gesellschaft entsprochen haben dürfte. In dem Preislied Sigurðardrápa des Skalden Kormákr Ögmundarson (ca. 960 n.d.Z.) wird erwähnt, dass „seið Yggr til Rindar“ (Yggr Seidhr gegen Rindr anwandte). Da wir wissen, dass Yggr (Odin) Rindr in einen vorübergehenden Wahnsinn trieb, um sie zu vergewaltigen und Vali zu zeugen, dürfte auch diese Erwähnung nicht unbedingt als leuchtendes Vorbild gemeint sein. Beide Belege sprechen also gegen die Meinung, Seidhr sei eine in heidnischem Kontext positive Bezeichnung gewesen, die erst in den späteren Sagas durch christlichen Einfluss in Verruf geriet.

Die Stellung dieser Seidhr-Kundigen in der Gesellschaft dürfte dabei genauso ambivalent gewesen sein, wie zu allen Zeiten und in vielen Kulturen: Man bediente sich ihrer gerne, wenn man sie brauchte oder sie einem nützlich sein konnten. Andererseits waren sie auf Grund ihres Rufes auch gefürchtet und dadurch auch die naheliegendsten Sündenböcke, wenn einem das Vieh wegstarb, und sie wurden bei entsprechendem Verdacht genauso verfolgt und getötet (vorzugsweise verbrannt), wie die angeblichen Hexen der Neuzeit (nur das zutiefst christliche Mittelalter war weitgehend frei von „Hexenverfolgungen“). Dennoch ist das Gesamtbild eindeutig: Seidhr war nicht Teil irgendeiner religiösen Praxis, sondern zauberisches und im allgemeinen böswilliges Treiben gesellschaftlicher Außenseiter.

Bevor wir uns jetzt dem Thema „Völventum“ zuwenden, muss noch einmal deutlich gemacht werden, dass die „Quellen“ (die auch ich bisher so bezeichnet habe) zum Thema Seidhr und Völventum diesen Ausdruck eigentlich nicht verdienen, denn die spärlichen Hinweise finden sich fast ausschließlich in den Sagas. Das soll nicht heißen, dass die gänzlich ohne Quellenwert sind, aber man darf nie vergessen, dass es sich dabei eben nicht um historische Aufzeichnungen, sondern um „Romane“, um pure Unterhaltungsliteratur im besten heutigen Sinne handelt. So wertvoll und verlässlich sie in der Beschreibung gesellschaftlicher Zustände und Gegebenheiten auch sein mögen, so sind das Thema „heidnische Religionsausübung“ und erst recht die Details zu den uns hier interessierenden Themen stets hoch verdächtig, in vielen Einzelheiten der Fabulierlust der Dichter zu entspringen. Denn die Sagas sind ja erst sehr spät entstanden, als heidnische Praxis nur noch eine ferne Erinnerung war. Aber auch da muss man natürlich nach Einzelfall differenzieren.

Die glaubhaft klingenden Berichte sind an Zahl und Umfang leider sehr dünn. Die ausführlichste Quelle ist der Auftritt einer Völva namens Thorbjörg in der grönländischen Saga von Erich dem Roten (Eiríks saga rauða, Kap. 4), die ihrer Wichtigkeit wegen hier im Wortlaut vorgestellt werden soll. Die nachfolgende Übersetzung von Thomas Grothe wurde von mir noch einmal genau mit dem Originaltext verglichen und die entscheidenden Begriffe in Klammern im Original aufgeführt:

„Zu dieser Zeit herrschte eine große Hungersnot auf Grönland; die Männer, die zur Jagd und auf Fischfang gegangen waren, hatten wenig Beute gemacht, einige kamen sogar gar nicht zurück. Die Frau war dort in der Gegend, die Þorbjörg hieß; sie war eine Seherin [spákona] und wurde kleine Seherin [lítil-völva] genannt. Sie hatte neun Schwestern gehabt, die allesamt auch Seherinnen [spákonur] waren, aber nur sie allein lebte noch. Im Winter war es Þorbjörgs Gewohnheit, sich zu Festgelagen zu begeben, zu denen sie von den Menschen eingeladen wurde, die neugierig darauf waren, wie ihre Versorgung oder die Ernte sein würden. Und weil Þorkell der größte Bauer war, dachte man, man könne an ihm erkennen, wann diese Missernte, die andauerte, aufhören würde. Þorkell lud die Zauberin zu sich ein. Sie wird dort gut empfangen, wie es Gewohnheit war, wie eine Frau empfangen werden sollte. Für sie war ein Hochsitz errichtet worden, auf dem sich ein Kissen befand, das mit Hühnerdaunen gefüttert werden sollte. Und als sie und der Mann, der ihr entgegen geschickt worden war, am Abend eintrafen, war sie dergestalt gekleidet, dass sie einen blauen Mantel trug, der bis zum Rockschoß zur Gänze mit Steinen gesäumt war; sie trug Glasperlen am Hals und auf dem Kopf eine schwarze Lammfellhaube, die innen mit weißem Katzenfell gefüttert war; auch hatte sie einen Stab, auf dem sich ein Knauf befand. Er war aus Messing gemacht und auf dem Knauf befand sich ein Stein. Sie trug einen Zundergürtel, an dem eine große Ledertasche befestigt war, in der sie ihre Zaubergegenstände [töfr] aufbewahrte, die sie zur Zauberei [fróðleiks] benötigte. Sie trug zottelige Kalbfellschuhe mit langen Schnürriemen, an deren Enden sich große Zinnknöpfe befanden. An den Händen trug sie Handschuhe aus Katzenfell, die innen weiß waren. Und als sie eintrat, dachten alle Menschen, sie sollten ihr angemessene Begrüßungen gewähren. Sie nahm diese entgegen, je nachdem wie die Männer ihr nach dem Sinn waren. Der Bauer Þorkell nahm sie bei der Hand und führte sie zu dem Sitz, der ihretwegen errichtet worden war. Þorkell bat sie, einen Blick auf Leute und Vieh zu werfen und ebenso auf die Wohnstätte. Sie sagte wenig über alles. Am Abend wurde Tische aufgestellt, und es ist davon zu berichten, was für die Seherin zubereitet wurde: ihr wurden Ziegenmilchgrütze und Herzen von allen Tiere kredenzt, die dort vorhanden waren. Sie hatte einen Messinglöffel und ein Messer mit einem Griff aus Walrosszahn, eingefasst mit zwei Kupferringen und an der Spitze abgebrochen. Und als die Tische abgeräumt worden waren, trat der Bauer Þorkell vor Þorbjörg und fragt, wie angenehm ihr die Wohnstätten oder die Art und Weise der Männer erschienen, und wie schnell er Gewissheit darüber bekommen würde, wonach er sie gefragt hat und wonach es den Männern am meisten zu wissen verlangt. Sie sagte, sie werde es nicht vor dem Morgen kundtun, nachdem sie zuerst eine Nacht geschlafen hat. Und Tags darauf, am Ende des Tages, wurde ihr diese Vorbereitung erwiesen, derer sie bedurfte, um ihre Zauberei auszuüben [fremja seiðr]. Sie bat auch darum, solche Frauen herbeizuholen, die das Gedicht beherrschen, das Varðlokur heißt, und das für den Zauber [seiðsins] nötig war. Aber es fand sich keine einzige Frau. Dann wurde die Suche auf das ganze Gehöft ausgedehnt. Da sagt Guðríðr: ‚Ich bin weder zauberkundig [fjölkunnig] noch eine Seherin [vísindakona], aber doch lehrte mich Halldís, meine Ziehmutter, auf Island das Gedicht, das sie Varðlokur nannte. Þorkell sagt: “Dann besitzt du hilfreiches Wissen.‘ Sie sagt: ‚Es verhält sich aber so, dass ich nicht vorhabe, Beistand zu gewähren, da ich eine Christin bin.‘ Þorbjörg sagt: ‚Es ist doch möglich, dass du den Menschen hier helfen könntest und dadurch keine schlechtere Frau als zuvor würdest; und Þorkell gegenüber werde ich abwägen, die Unterstützung zu erhalten, die ich brauche.‘ Þorkell bedrängt nun Guðríðr solange, bis sie sich dazu bereiterklärt, das zu tun, was er wollte. Dann zogen Frauen einen Kreis um den Hochsitz, auf dem Þorbjörg saß. Guðríðr sagte dann das Gedicht so schön und gut auf, dass alle dachten, das Gedicht noch nie mit schönerer Stimme gehört zu haben, als jener hier. Die Spá-Frau dankte ihr für das Gedicht und sagte, viele Geister, ‚die uns vorher meiden und keine Untertänigkeit erweisen wollten‘, haben sie nun aufgesucht und ihnen schien es schön zu hören, dass das Gedicht so ausgezeichnet vorgetragen worden war.‘ Aber nun sind mir viele Angelegenheiten offensichtlich, die mir und manchen anderen zuvor verborgen waren. Und ich kann dir, Þorkell, sagen, dass diese Missernte nicht länger als den Winter über dauern und sich der Ertrag im Frühjahr verbessern wird.'“

Auch hier hat man Skepsis bei Details angemeldet und Fabulierlust des Dichters vermutet, aber dafür gibt es kaum plausible Argumente. Nichts an dem Bericht wirkt grell, übertrieben oder gar phantastisch, sondern er ist von nüchterner Genauigkeit und verzeichnet sogar solche Nebensächlichkeiten wie die abgebrochene Spitze ihres Messers. Weitere vernünftig klingende Berichte (wie z.B. in der Vatnsdœla saga) können in Details zwar nicht mit dem Auftritt der Thorbjörg mithalten, bestätigen ihn aber in Details.

Nun taucht allerdings auch in der Thorbjörg-Episode der Begriff „fremja seiðr“ (Seidhr betreiben) auf, was die Argumentation dieses Artikels angreifbar erscheinen lassen mag. Das sagt zunächst aber einmal nicht mehr aus, als dass bei Spá auch der zusätzliche Einsatz von Seidhr möglich war. Und in diesem Sinne hat auch Kveldulf Gundarsson das so zu erklären versucht, dass der Begriff hier gezielt deshalb gebraucht wird, weil Thorbjörg ein spezielles Gedicht benötigt, um externe Geistwesen zu befriedigen, die sich versammelt hatten, um Thorbjörg Wissen zu vermitteln, was er als speziellen Sonderfall einschätzt.

Ich neige zu einer anderen Erklärung: Der Kontakt zu Hilfsgeistern, der ja kennzeichnend für schamanische Trancetechniken ist, dürfte im Gegenteil gerade für Spá kennzeichnend gewesen sein, wohingegen Seidhr als Magie/Zauberei auf ganz anderen Techniken beruhte. Die germanische Magie funktionierte anders, als die orientalische, die so großen Einfluss auf das neuere magische Weltbild Europas genommen hat und Pate bei dem ritualmagischen Magieverständnis stand, das so typisch für die okkult-hermetischen Strömungen des 18. und 19. Jahrhunderts war und wie es praktisch als Konzentrat von einer Figur wie Crowley verkörpert wird. Während letztere häufig Geister, Dämonen oder andere übernatürliche Wesenheiten in den Dienst des Magiers zu zwingen versucht, geht die alte europäische Magie von einer Automatik der Kräfte aus, die die Welt bewegen. Hier ging es um rein handwerkliche Praktiken, mit denen die unsichtbaren Mechanismen beeinflusst werden sollten. Götter oder andere Wesenheiten spielten dabei keine Rolle, diese Magie basierte viel mehr auf quasi naturgesetzlicher Empirik. Sie war äußerst pragmatisch ausgerichtet, hatte also ausschließlich das Resultat vor Augen. Heutige Ansichten von Magie als Weg zu persönlicher Weiterentwicklung oder Welterkenntnis mögen ja gerne ihre Berechtigung haben, mit der germanischen Auffassung von Magie/Seidhr aber haben sie nichts zu tun.

Wenn Thorbjörgs Spá also mit Seidhr in Erwähnung gebracht wird (und das nur in einem einzigen beiläufigen Nebensatz), wird das möglicherweise überschätzt. Zwar sollte man das heute nicht besser wissen wollen, als damalige Zeitgenossen, dennoch sollte man bedenken, dass die grönländische Kolonie damals schon lange christianisiert war und der Bericht darüber noch viel später niedergeschrieben wurde.

Insgesamt lassen die Quellen nämlich vielmehr nur den Schluss zu, dass entgegen Snorris (und Simeks) oben zitierter Behauptung Spá und Völventum gerade eben nichts mit Magie und Zauberei (also Seidhr) zu tun hatten. Im Gegenteil. Die beiden Bereiche scheinen sich sogar gegenseitig ausgeschlossen zu haben. Die nun folgenden Indizien dafür springen in den Quellen geradezu ins Auge.

Alle auftretenden Seherinnen werden entweder als Völva (wörtlich: Stabträgerin) oder aber als spákona (Seherin) bezeichnet, nie aber als seiðkona (also Zauberin). An keiner ernst zu nehmenden Stelle macht eine Völva irgendetwas anderes, als in die Zukunft zu sehen. Nirgendwo wird erwähnt, dass sie weitere Fähigkeiten besitzt, die etwas mit Seidhr zu tun hätten. Umgekehrt üben Personen, die als Seidhr Ausübende geschildert werden, nie die Funktion einer Seherin oder eines Sehers aus, und es wird auch nie von ihnen gesagt, dass sie die Fähigkeiten dazu hätten. Das wird auch durch die Wortwahl in der Thorbjörg-Episode gestützt. Dort antwortet Guðríðr auf die Frage nach Kenntnis des Gedichtes ja bezeichnenderweise, dass sie selbst „WEDER zauberkundig, NOCH eine Seherin sei“, woraus ebenfalls klar wird, dass Seidhr (also Zauberei und Magie) und Spá (Völventum) zwei völlig unterschiedliche Bereiche waren, die sich gegenseitig ausschlossen. Dieses Gesamtbild ist sehr eindeutig, auch wenn es in den sehr späten Sagas aus dem 14. Jahrhundert zwei einzelne „Ausrutscher“ gibt (Örvar-Odds saga and Hrólfs saga kraka), wo gesagt wird, eine Frau sei „Völva UND Seiðkona“. Aber bezeichnenderweise wird ja selbst hier noch genau unterschieden. Wäre die Bedeutung beider Begriffe deckungsgleich (wie es sich heute eingebürgert hat), wäre die getrennte Bezeichnung hier ja gar nicht nötig. Zudem sind es nur diese späteren und zu fantastischer Ausschmückung neigenden Sagas, die Seherinnen zusätzlich als „seiðkonur“ bezeichnen, so dass wir hier eine nachheidnische Übergangsstufe erkennen, die als Endpunkt in jene grelle Verzerrung mündete, wie sie das folgende Zitat aus der Thidreks Saga darstellt:

„Hierauf sammelte sich um König Hertnit ein großes Heer. Und seine Frau Ostacia ging hinaus und rief ihre Götter an, das heißt, sie ging hin zu beschwören, so wie es in der Vorzeit geschah, dass zauberkundige Frauen, die wir Völven nennen, zu beschwören pflegten. Und so weit trieb sie es in der Zauberkunst und Beschwörung, dass sie allerlei Tiere, Löwen, Bären und große fliegende Drachen beschwor. Die zähmte sie alle, bis dass sie ihr gehorchten und sie gegen ihre Feinde hetzen mochte. Und es wird gesagt […], dass ihr Heer dem bösen Feinde selber gleich war und sie selber erschien wie ein fliegender Drache.“

Hier haben wir also die für christliche Zeit typische Dämonisierung, wo die Seherin alter Zeiten mit der Hexe und Zauberin zu einer literarischen Standardfigur zusammengeflossen war, die offenbar mit dem Teufel verbündet ist und als Allround-Magierin daherkommt. Leider sind auch Snorris Erwähnungen in seinen pseudo-historischen Werken von dieser Sorte, wie sein obiges Zitat schon befürchten ließ, das von Unverständnis und christlicher Ablehnung geprägt ist. Und leider haben auch heutige „Hexen“ dieses rein christliche und undifferenzierte Bild übernommen und es lediglich mit positivem Selbstverständnis versehen.

Aus den Quellen geht ebenfalls hervor, dass Seherinnen im Gegensatz zu Seidhr-Leuten geachtete Mitglieder der Gemeinschaft waren und ihre Tätigkeit als „ehrbares Handwerk“ eben im Dienst und zum Nutzen dieser Gemeinschaft betrachtet wurde. Dieser Eindruck aus der Thorbjörg-Episode wird auch aus anderen Quellen deutlich, so in Nornagests þáttr, wo berichtet wird:

„Völven, die man auch als Seherinnen [spákonur] bezeichnete, zogen durch das Land und sagten die Schicksale [ørlög] der Menschen voraus, weshalb viele Männer sie auf ihre Gehöfte einluden, Feste für sie ausrichteten und sie zum Abschied reich beschenkten.“ (Flateyjarbók I, Ólafs saga Tryggvasonar).

In mythologischen Belegen steht das Wissen um die Zukunft mit Frigg und Gefion in Verbindung (Lokasenna, Gylfaginning), von denen gesagt wird, sie würden alle Schicksale kennen, die aber gerade keine Verbindung zu hexerischen Seidhr-Künsten à la Freyja aufweisen. Und wenn mythologische Details als weitere Indizien dienen dürfen, sollte man beachten, dass der Seidhr-kundige Odin entgegen Snorris Behauptung gerade nicht mit der Spá-Kunst in Zusammenhang gebracht wurde. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass er in der Unterwelt eine Seherin aufwecken musste, um Details über Baldrs Schicksal zu erfahren und dass er auch in Völuspá der Dienste einer Völva bedarf. Auch die darüber hinaus in der Edda auftretenden Seherinnen (Baldrs Träume, Hyndlalied) haben keinerlei Bezug zur Magie, der Begriff „Seiðr“ wird in Verbindung mit ihnen sorgfältig vermieden (mit Ausnahme der undurchsichtigen Heiðr in Völ. 22). Sie sehen in die Zukunft, sonst nichts.

Ganz im Gegensatz dazu steht die Beschreibung der Seidhr-Kundigen, die argwöhnisch als gesellschaftliche Außenseiter betrachtet wurden und deren Tätigkeit durchweg als Schadenszauberei dargestellt wird, die teilweise auch noch egoistischen Zielen diente. Trotz der besagten wenigen „Ausrutscher“ aus schon christlicher Sagazeit ist das Gesamtbild also eindeutig, dass es auch schon in heidnischer Zeit einen bedeutsamen Unterschied zwischen der positiv empfundenen Spá-Kunst und der negativ betrachteten Seidhr-Praxis gab. Und es gibt einen weiteren eddischen Beleg, der sehr aussagekräftig ist, und der die strikte Trennung der Bereiche endgültig belegt:

„Alle Seherinnen [völur] stammen von Viðólfr ab, alle Zauberer [vitkar] von Vilmeiðr, und alle Seidhr-Kundigen [seiðberendr] von Svarthöfði“ (Hyndlalied 33).

Hier werden also sogar ganz unterschiedliche Genealogien mit jeweils eigenen Urahnen postuliert, was bei der damaligen Bedeutungsfülle von Abstammungslinien ein deutliches Indiz für das zeitgeschichtliche Verständnis der Unvereinbarkeit (oder zumindest der strikten Trennung) dieser drei Bereiche war, die den Begriffen Spá, Galdr und Seidhr entsprochen haben dürften. Wie die Unterscheidung zwischen Seidhr und Galdr ausgesehen und ob sie lediglich in Schadens- und Gutzauberei oder in weiteren Details gelegen hat, kann und soll hier nicht erörtert werden. Ihre Trennung von Spá aber ist offensichtlich.

Beide Begriffe haben übrigens bis ins heutige Isländische überlebt, und auch heute noch steht „spá“ für Wahrsagung, Prophezeiung und „seiðr“ für Hexerei, Zauberei. Das ist angesichts der häufigen Bedeutungswandel von Begriffsinhalten für sich genommen zwar kein Beweis, im Fall der extrem konservativen isländischen Sprache aber immerhin ein weiteres und gewichtiges Indiz.

Soweit die Quellenlage, die insgesamt sehr eindeutig ist. Natürlich kann man nicht kategorisch ausschließen, dass eine Völva auch in magischen Künsten bewandert war. Genauso wenig kann man ausschließen, dass die Grenze zwischen Völventum, Seidhr und Galdr vielleicht doch nicht so streng war, wie die Quellen diesen Eindruck vermitteln. Aber darum ging es ja ursprünglich auch gar nicht, sondern nur um das heutige Missverständnis, Seidhr sei ein vor allem oder gar ausschließlich mit dem Völventum zusammenhängendes magisches Spezialgebiet, das als Sonderform im Gegensatz zu anderen Formen der Magie stehe. Und das ist so eben in keiner Weise richtig.

Wie eingangs erwähnt, kann man das im deutschsprachigen Ásatrú gerne anders definieren, und das ist ja auch bereits in einem kaum mehr umkehrbaren Maß erfolgt. Das aber beruht vor allem darauf, dass der von Diana L. Paxson neu geschaffene Begriff „oracular seidh“ hierzulande durch geflissentliche Ignoranz des entscheidenden Adjektivs in seiner Bedeutung verfälscht wurde, denn dessen Betonung liegt klar auf dem ersten, nicht auf dem zweiten Wort. Und insofern will sich dieser Artikel auch weder als Haarspalterei noch gar als Polemik gegen heutige Seidhr-Praktizierende verstanden wissen. Man muss sich dabei hierzulande nur im Klaren darüber bleiben, dass ein solches Verständnis in völligem Gegensatz zu den Quellen steht.
Quod erat demonstrandum.

Quelle: http://www.eldaring.de/pages/artikel/seidhr/seidhr-und-voelven.php

Gruß an die Sagen

TA KI

Vom Ursprung der Sachsen


Dort, wo sich im wilden Watt die Wasser der Weser mit den Fluten des Elbstromes vermischen, liegt das Land Hadeln. Hier landeten vor nunmehr bald zweitausend Jahren die ersten Sachsen auf deutschem Boden. Dazumal hatten die Thüringer jene Grafschaft zu eigen und wollten keine fremden Zuwanderer dulden. Denn die Hufen waren aufgeteilt, und mehr Volk konnte die Marsch kaum ernähren, wenn sie auch dreifache Frucht trug. So griffen die Einwohner zu den Schwertern um die Sachsen wieder aus dem Land zu jagen. Die Zugereisten aber verstanden sich auf die Kriegskunst, und wenn sie auch in der Minderzahl waren so behaupteten sie dennoch den Hafen. Nach manchem blutigen Strauß ließen die Thüringer sich bewegen um einen Waffenstillstand zu unterhandeln. Eide wurden geschworen, Rechte und Pflichten abgegrenzt. Nun wurde ausgemacht, daß die Sachsen für Gold kaufen durften was ihnen beliebte, nur sollten sie abstehen vom Menschenmord und Länderraub. Lange galt dieser Friede als unverletzlich bis den Sachsen das Gold ausging und sie nicht mehr wußten wovon sie leben sollten. Da hielten sie den ganzen Frieden für unnütz.
Zu jenen Tagen geschah es, daß ein sächsischer Jüngling von großer Fahrt zurückkehrte. Der war behängt mit allerlei Goldschmuck, wie Ketten, Ringe, Spangen und Baugen. Da begegnete ihm ein Thüringer und verhöhnte ihn: „Was trägst du so viel Gold an deinem ausgehungerten Hals?“
„Such ich doch einen Käufer“, entgegnete der Sachse listig, „zu keinem anderen Zweck schleppe ich all mein Gold mit mir herum. Denn wie könnte ich Freude an meinem Besitz haben, wenn mich der Hunger auffrißt.“ Frug der Thüringer: „Was soll es gelten?“ „Gleichviel“, sagte der Sachse, „liegt mir doch wenig an all dem Glitzerkram.“ „Und wenn ich dir diesen Staub dafür gebe?“ fragte der Thüringer. Denn es war an dem Orte viel lockere Erde. Da öffnete der Sachse seine Taschen: „Deine Erde kaufe ich gern!“, ließ diese sich vollfüllen und gab sein gutes Gold dafür hin. Also schieden sie voneinander, beide dieses Handels froh.
Da der Thüringer so goldüberladen zu seinen Landsleuten kam und sie von dem Tausch erfuhren, lobten sie ihn über den grünen Klee. Dagegen der Sachse von seinen Brüdern den Schimpf der Torheit einstecken mußte. Er ließ sie schmälen und schelten, dann sprach er: „Gold kann ich nicht kauen, ihr könnt es auch nicht verdauen, und auf den Schiffsplanken wächst kein Brot.

Des Menschen Leib aber lebt von der Erde. Darum sollt ihr mir nun Folgschaft leisten.“ und er nahm den gekauften Staub, streute ihn fein dünn über die Fluren der Thüringer hin und bedeckte damit ein großes Feld. Das nahm er als Lagerplatz in das Eigentum seines Volkes. Da die Thüringer nun auf ihren Feldern die Zelte der Sachsen erblickten, schickten sie Gesandte. Die beklagten sich über den Vertragsbruch. Da sagten die Sachsen: „Den Frieden haben wir allezeit heilig gehalten. Das Land aber, welches wir mit unserem guten Golde erkauft haben, wollen wir ruhig behalten oder es mit der Waffe verteidigen.“ Nun verwünschten die Einwohner den sächsischen Goldhort und merkten wohl, daß der vorerst gepriesene Aufkäufer ein Verderber ihres Volkes war. In blinder Wut stürzten sie sich auf das Lager der Feinde. Die Sachsen aber fingen den Angriff mit ihren guten Schwertern auf, gingen zum Gegenangriff über und besetzten nach Kriegsrecht die umliegenden Orte. Hin und wieder tobte der Kampf, und die Thüringer merkten wohl, daß die Sachsen sie alle zusammenhauen würden. So sandten sie abermals Vermittler aus und verlangten, beide Teile sollten waffenlos an einem bestimmten Orte zusammenkommen um einen neuen Frieden zu beküren. Tag und Stunde wurde bestimmt. Da standen sie denn alle im Ring, und ihre Fürsten führten das große Wort. Die Sachsen aber hatten die Gepflogenheit, kurze Schlachtmesser zu tragen. Von dieser Sitte hatten sie auch diesmal Gebrauch gemacht und die Dolche, welche sie Sachse nannten, unter ihren Gewändern verborgen. Als sie nun sahen, wie wehrlos die Feinde waren, zogen sie, entgegen dem Rechtsbrauch, ihre tückischen Waffen, stürzten sich auf die ahnungslosen Unterhändler und tauchten den Mordstahl in ihre Herzen. Nach diesem schrecklichen Blutbad nahmen sie das ganze Land in Besitz und waren von Stund an bei allen Völkern ringsrum gefürchtet ob ihrer List und Gewalttätigkeit. Der Ruf ihrer Unwiderstehlichkeit breitete sich aus, und der Name Sachs wurde von den kurzen Messern auf ihre Träger übertragen, so daß sie hinfort nur die Sachsen hießen. Sie eroberten im Laufe der Zeit die Landschaften zwischen Nordsee und Harz, zwischen Ruhr und Diemel, und später erhielt auch das Volk der Angelsachsen seinen Namen von jenem verwegenen Volksstamm, der in grauer Vorzeit auf Schiffen vom Norden her in unsere Heimat gekommen war.

Quelle: Die schönsten Wesersagen von Karl Paetow

Quelle: http://www.mystic-culture.de/sagen/sachsen-sage.html

Gruß an die Alten Geschichten

TA KI