Zwei Vögel für ein Halleluja


Vögel sind auch nur Menschen – auch wenn sie nicht Auto fahren, kein Sparkonto haben und nicht jedes Wochenende shoppen gehen. Vielleicht sind sie etwas glücklicher und freudiger als wir. Und was wir schon gar nicht wahrhaben wollen: Sie sind zu unserer Freude da!

Von: Ursula Seiler

Einer der größten Philosophen der arabischen Welt heißt Abu Markub. Fast den ganzen Tag steht er irgendwo an den Ufern des Nil und denkt nach. „Ich stehe ganz friedlich, meist auf einem Bein, in der Gegend herum und lasse die Dinge um mich herum geschehen“, erläutert Abu. Dafür, dass er nur rumsteht und scheinbar nichts tut, hat er kein schlechtes Gewissen, im Gegenteil: „Große Denker waren niemals große Flitzer“, verteidigt er sich. „Wenn man in der Gegend rumflitzt, kann man nicht so gut nachsinnen.“

zuversicht

Abu steht also da – gern auch in den Papyrussümpfen und sinniert. Beispielsweise über die Zusammenhänge zwischen den Religionen – und ganz besonders innig über die Beziehung zwischen dem Judentum, dem Islam und dem Christentum. Das tut er, weil all diese Religionen gewissermaßen in seiner Heimatgegend entstanden sind. Hören wir einmal, zu welchen Schlüssen Abu Markub gekommen ist: „Ihr vergesst alle, bei diesen eher patriarchalischen Religionen, das Weibliche. Das Weibliche kommt in diesen Religionen fast nur im Jungfräulichen und im Hurenhaften vor. Die Frau hat in diesen Religionen keine sehr große Wertschätzung. Das ist nicht richtig. Das hatte die Kultur am südlichen Nil, am Weißen Nil, begriffen. Sie hat die matriarchalischen und die patriarchalischen Strukturen in einer guten Weise verknüpft. Darüber sinne ich nach.“

Abu Markub hat Kenntnis von der siebenhundertjährigen, matriarchalischen Kultur im Reiche Kusch, das in vorchristlicher Zeit im Bereich des heutigen Sudan am Nil blühte. Dort herrschten Pharaoninnen und es gab auch Pyramiden, wenn auch nicht ganz so große wie die patriarchalischen im Norden Ägyptens.

Abu Markub wüsste auch, wie die drei monotheistischen Weltreligionen sich mit dem Ur-Weiblichen wieder versöhnen könnten – würde man ihn nur um Rat fragen: „Indem ihr einen anderen Umgang mit der Sexualität lernt. Das wird das Entscheidende sein, denn Sexualität ist eine Angelegenheit, die weder nur heilig noch nur verwerflich ist, sondern sie gehört zu den normalen Lebensbedingungen der Menschen; und zwar noch eine ganze Weile. Durch eure Fixierung auf dieses Thema – entweder in der Ablehnung auf der einen Seite oder aber in der Gier auf der anderen – kommt die Missachtung der Frau in die Religion hinein, auch in das übrige Leben.“ Das Männliche und das Weibliche, so Abu Markub, müssten endlich als gleichwertig erkannt werden. „Dann würde die Fixierung auf die männliche Seite normalisiert und die Frau mehr wertgeschätzt werden. Dann würde es nicht mehr so wichtig sein, dass der Mann in Bezug auf die Frau behauptet: Sie ist mein! Eigentlich wird damit auch der Wert der Frau, wenn auch in übersteigertem Sinn, angedeutet. Denn wenn die Frau wertlos wäre, gäbe es keinen Grund, sie als Besitztum des Mannes zu bezeichnen. Insofern solltet ihr erkennen, dass die Frau sehr wertvoll ist, aber ihr solltet sie auf die gleiche Stufe wie den Mann stellen.“

Abu Markub kennt sich auch mit Tabus aus. Er sagt, die in Afrika noch immer weit verbreitete Genitalverstümmelung habe nichts mit dem Islam gemein, sondern stamme aus viel älteren Quellen. „Es geht darum, dass man das, was eigentlich einen hohen Wert hat, verstümmelt. Das kommt daher, dass die Frau und ihre Scheide als besonders magisch angesehen wurden. Da man der Frau aber diese Magie nicht gegönnt hat, hat man durch die Genitalverstümmelung die Magie auf den Mann übertragen. Die Genitalverstümmelung ist eine widerliche Praxis, die mit Kultur nichts zu tun hat.“

Der deutsche Abenteurer und Extremsportler Rüdiger Nehberg hat sich bei diesem Thema besondere Verdienste erworben. Er reiste nach Äthiopien, rief alle islamischen Würdenträger und Stammesführer zusammen und erklärte ihnen, dass die Genitalverstümmelung überhaupt nichts mit dem Islam zu tun habe und dass auch nichts dergleichen im Koran enthalten sei – und erreichte damit, dass man offiziell feststellte, Genitalverstümmelung sei Gottesanmaßung. Schließlich hat Allah die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, und das Herumschnippeln am Menschen bedeutet, dass man sich über Allah erhebt. Nehberg erreichte sogar, dass dies von den obersten Geistlichen des sunnitischen Islam in Kairo an der Al-Azhar-Universität entsprechend festgestellt wurde. Die Stammesführer sind nun gehalten, dies den Menschen in ihrem Bereich mitzuteilen.

Abu Markub gibt preis, dass er versucht habe, Nehberg unbewusst für diese grandiose Leistung zu inspirieren. „Ich habe ihm die Zugänge zu diesem Thema und zu den entsprechenden Menschen geschaffen.“

Abu Markub ist für die Afrikaner ein Heiliger. Das ist auch der Grund, weshalb er nicht gejagt wird. Im Übrigen ist er ein „Mann“ der Tat, nicht nur der Worte. Selbst lebt er die Gleichberechtigung in vollkommener Weise: Einmal brütet er, einmal seine Frau. Denn Abu Markub ist von Beruf Schuhschnabel (das ist die deutsche Übersetzung seines arabischen Namens) und gehört zur Gattung der Schreitvögel.

Wenn Sie, lieber Leser, nun denken, die ZeitenSchrift spinnt, dann kann ich das gut nachvollziehen. Wobei ich den Ball weitergeben müsste und sagen, die Flensburger Hefte spinnen. Stammen die Informationen doch aus deren drittem Band der Gespräche mit Tieren. Eigentlich sind wir allen Kommunikationen mit höheren Wesen oder Welten gegenüber extrem kritisch – das meiste davon ist nicht, was es vorgibt zu sein. Einiges spricht dafür, dass Verena Staël von Holstein keine abgedriftete Spiritismus-Tante ist, hat sie doch so Bodenständiges wie Vermessungswesen und Hydrographie studiert und arbeitete als Programmiererin und in der Seevermessung. Dass sie schon als Kind Naturwesen sehen konnte, erschien ihr als normal und sie macht in keiner Form ein Geschäft aus ihrem „Gewerbe“ – auch nicht in Sachen Ruhm. Sie scheut jede Form der Öffentlichkeit und möchte ein so unbehelligtes Leben wie möglich führen.

Wenn sie mit einem Tier spricht, dann wendet sie sich an die Seele dieses Tieres, die bei höher entwickelten Spezies durchaus individuelle Züge aufweist. Eine Seele, die „eigentlich ein ziemlich hochstehendes geistiges Wesen“ ist. „Eine solche Seele“, so Staël von Holstein, „hat auch ein einzelnes Tier. Mit dieser Seele kann man sprechen. Und diese Seele kann auch nicht vergessen. Die äußere wissenschaftliche Forschung hat schon mehrfach belegt, z.B. bei Elefanten, dass Tiere nicht vergessen können. Das ist eigentlich der schlüssige Beweis, dass Tiere am Allwissen teilnehmen. Normalerweise brauchen sie, um ihren Alltag zu bewältigen, das Allwissen nicht.“ Denn natürlich denkt ein Schuhschnabel nicht pausenlos über die von ihm erwähnten Themen nach. „Wenn sie aber in eine solche Sondersituation kommen, dass sie für Menschen, sogar zur Veröffentlichung, interviewt werden, dann schließen sie sich blitzschnell an das Allwissen an, denn auch jedes höher entwickelte Tier ist nicht dumm. Jeder Besitzer einer Katze oder eines Hundes weiß, dass diese Tiere eigentlich ziemlich schlau sind. Mit einem Regenwurm funktioniert das allerdings nicht. Der hat zwar auch eine Seele, aber die ist fast genauso weit weg wie sein Ich. Wenn wir mit niederen Tieren sprachen, so hat sich meist das Tier-Ich, also das Große Tier oder der Engel eingeschaltet. Denn die einzelne Seele eines niederen Tieres bekomme ich nur sehr schwer zu packen.“

Befragt, ob die Seele eines solch höheren Tieres dann einfach in der ätherischen Welt, dem Allwissen und in der Akasha-Chronik nachschaue, wenn sie durch eine entsprechende Menschenfrage auf etwas verwiesen werde, antwortet Staël von Holstein, dass es sich dabei um drei verschiedene Bereiche handle: „Die ätherische Welt ist nicht unbedingt identisch mit der Akasha-Chronik, auch nicht identisch mit dem Allwissen. Das Allwissen und die Akasha-Chronik sind Geschwister. Die Akasha-Chronik ist das Archiv des Allwissens. Das Allwissen selbst ist die Sphäre des Wissens, die die Erde umgibt, die auf der einen Seite von den Menschen angezapft werden kann, andererseits genauso von den Menschen bestückt wird. Genauso wird die Sphäre des Allwissens aber auch von höheren Naturwesen und von geistigen Wesen – bildlich von oben – bereichert. In dieser Sphäre sind die Ideen, die um die Welt schweben und in das Bewusstsein einzelner Menschen treten – im Guten wie im Bösen. Die Sphäre des Allwissens ist moralfrei. Diese Sphäre kann sowohl von der guten als auch von der schlechten Seite genutzt werden. Moral bringen erst wir Menschen dort hinein. Die ätherische Welt ist diejenige Welt, in der die Lebenskräfte weben.“

„Viele Menschen haben an mich die Frage: Wie machen Sie das eigentlich? Dabei schwingt auch immer ein gewisser Zweifel mit. Wenn ich Besuch habe, kommen die Leute oft mit dieser Frage auf den Lippen. Wenn sie dann einmal miterlebt haben, wie ich mit den Naturwesen spreche, ist diese zweifelnde Frage verschwunden. Das habe ich bis jetzt niemals anders erlebt.“ Im Übrigen würden die Gespräche für sich sprechen.

Wenn sie mit einer einzelnen Tierseele spreche, so Staël von Holstein, dann geschehe es schon ab und zu, dass auch das „Große Tier“ hinzukomme. Als „Großes Tier“ bezeichnen wir jenes Wesen aus der Naturengel-Hierarchie, welches die Gesamtheit seiner Tierart beseelt, lenkt und leitet. Dieser Naturengel ist in Wahrheit das, was die Wissenschaft „Instinkt“ nennt. Der Naturengel – meist mit dem Sanskrit-Wort „Deva“ bezeichnet – ist es, der den Zugvögeln den richtigen Zeitpunkt vermittelt, wann und wo sie sich zu versammeln und gen Süden zu ziehen haben. Er begleitet sie auch auf ihrem Weg – und er, sein Wesen und seine Energie sind es, die sich auch im Einswerden des Schwarms manifestieren: Jeder Vogel ist dann nur noch eine zentral gelenkte Zelle im großen Schwarm-Organismus. Das ist auch der Grund dafür, weshalb Schwarmvögel sehr oft, wenn sie landen, sich schütteln und plustern – sie gehen von der Zelle im Gesamtorganismus wieder in ihre Individualität über. Die Schwarm-Kommunikation findet auf elektromagnetischer Ebene statt und kann daher durch eine gewisse Menge an Elektrosmog in der Luft auch gestört werden.

Wenn sich also ein Tier beim „Interview“ etwas überfordert fühlt, kommt das Große Tier hinzu und hilft beim Beantworten der Fragen. Wie beim Menschen ist die Intelligenz der Tiere unterschiedlich ausgebildet. Während beispielsweise der tanzbegabte Paradiesvogel und der Strauß nicht gerade Intelligenzbestien seien, sind Spechte oder Raben ziemlich klug, aber lange nicht so intelligent wie Papageien.

Wie der Papagei plappern lernt

„Wir sind die klügsten Vögel“, sagt denn auch Ferdi, ein hellroter Ara, stolz von seiner Art. Wie hoch entwickelt Papageien sind, zeigt sich auch in ihrem Sozialverhalten. „Wir haben keinen Chef und benehmen uns auch ohne Chef gut. Wir sind der durchlichtete Freundesverband, wir sind alle Gleiche unter Gleichen. Wir ehren das Alter, lassen die alten Aras immer vor und trotzdem gibt es unter uns keine Streitigkeiten, weil jeder von uns genügend eigenständige Persönlichkeit hat und nicht dauernd etwas von einem anderen abgucken muss. Ein solches Sozialverhalten gibt es sehr selten unter Vögeln“. Aras haben auch kein festes Revier. Warum das so ist, erklärt Ferdi so: „Wir sind Weltbürger! Die ganze Welt ist unser Revier! Wir sind überall dort, wo das Licht hinscheint. Am liebsten sind wir aber dort, wo das Licht einmal am Tag direkt von oben kommt. Überall dort, wo die Sonne einmal am Tag den Boden küsst, sind die Aras zu Hause.“ Diese starke Lichteinstrahlung in der Äquatorgegend sei auch der Grund für die Buntheit seines Gefieders. „Da die Farbigkeit in den Tropen einmal pro Tag um die Mittagszeit direkt von oben in die Erde eintätowiert wird, ergeben sich bei den Aras diese wunderschönen Farben.“ Diese Beziehung zum Licht, das immer auch eine inspirative Qualität habe, sei auch der Grund dafür, dass die Aras „sprechen“ lernen können. Wobei es sich dabei lediglich um ein Nachahmen handelt.

Ferdi: „Ich kann auch einen Staubsauger nachmachen. Wenn ein Mensch eine Katze im Haus hat und ich einen Staubsauger nachmache, ist die Katze verschwunden. Katzen mögen keine Staubsauger. Katzen finden Staubsauger grässlich. Wenn wir einen Menschen sprechen hören und dies nachsprechen wollen, müssen wir üben. Wir beginnen immer mit Teilen des Lautgebildes und setzen mit der Zeit alles richtig zusammen. Wir können nicht gleich das gesamte Wortgeräusch nachahmen. Wir hören immer wieder hin, dann üben wir, wie es den Vögeln allgemein zu Eigen ist. Auch eine Amsel nimmt Melodien anderer Vögel oder Geräusche von Menschen in ihren Gesang auf, wenn sie diese regelmäßig hört.“ Wobei der Ara durchaus unterscheiden kann, ob er etwas richtig oder falsch nachspricht – „sonst könnte ich ja durch Üben nicht besser werden. Den Sinn verstehe ich nicht.“

Die Reaktion der Menschen ist ihm dabei keineswegs egal: „Nein, das ist mir nicht egal, weil ich ein geselliges Tier bin. Und so suche ich durch meine Äußerungen, die Wesen um mich herum zu motivieren, dass sie sich mit mir beschäftigen. Normalerweise sind wir ja viele, sitzen nebeneinander und kuscheln miteinander und deswegen schmusen wir auch mit Menschen. Wir brauchen Körperkontakt. Wie gesagt, den Sinn des Wortes verstehe ich nicht, ich merke aber schon, ob ein Mensch darauf positiv oder negativ reagiert. Wenn ihr mir ein übles Wort beibringt und darauf positiv reagiert, werde ich meinen, dass dies etwas Positives ist. Ich spreche nicht bedeutungs-, sondern nur situationsbezogen. Ich kann wissen, wenn ich jeden Morgen zu einem Menschen immer das Gleiche sage, dass er dann positiv reagiert.“ (Hierbei sei angefügt, dass die Kommunikation mit Verena Staël von Holstein auf einer Ebene stattfindet, die über der Wörtersprache liegt. Sie geschieht sehr schnell und in übersprachlichen Begriffen oder Gedanken. Es ist an ihr, das Empfangene jeweils in menschliche Sprache zu kleiden.)

Da die Aras so gesellige Vögel sind, brauchen sie unbedingt Gesellschaft, wenn sie vom Menschen gehalten werden. „Deswegen sind Käfige mit einsamen Aras, um die sich niemand kümmert, etwas ganz Hässliches“, sagt Ferdi. „Dann beginne ich, mir die Federn auszureißen. Denn dann werde ich melancholisch und will nicht mehr schön sein. Wenn man mir aber einige Gesellen in den Käfig gibt oder ein Mensch sich sehr intensiv um mich bemüht und eine Freundschaft zwischen Papagei und Mensch entsteht, dann bin ich auch dem Menschen ein guter Gefährte – und der Mensch mir. Denn der Mensch tut viele verrückte und spannende Sachen für mich. Außerdem hat der Mensch keinen Schnabel. Warum habt ihr keinen Schnabel? Warum habt ihr einen so unpraktischen Mund?“

Wolfgang Weirauch (der Interviewer): „Das weiß ich nicht.“

Ferdi: „Ihr könnt euch nicht am Mund aufhängen, ihr könnt damit keine Nüsse knacken. Außerdem habt ihr nicht eine so kräftige Zunge wie wir. Wir sind nämlich sehr bewusste Vögel und ein Teil dieses Bewusstseins geht in unsere Zunge hinein.“

Papageienpärchen bleiben übrigens das ganze Leben zusammen. Und unter den Männchen gibt es auch keine Rivalenkämpfe. „Organisiert euch Menschen doch auch so, wie wir es tun“, rät Ara Ferdi. „Dann wird es unter euch kaum noch Streit geben. Unser einziger Feind ist der Mensch.“

Was die Amsel unanständig findet

raubvögelPapageienpärchen bleiben übrigens das ganze Leben zusammen. Und unter den Männchen gibt es auch keine Rivalenkämpfe. „Organisiert euch Menschen doch auch so, wie wir es tun“, rät Ara Ferdi. „Dann wird es unter euch kaum noch Streit geben. Unser einziger Feind ist der Mensch.“ Das ist besonders tragisch, da das Vogelreich dem Menschen ein Freund sein will und sein Lied meist für den Menschen singt. Zwar sind die Morgengesänge der Vögel eine Hymne an die Sonne – das Göttliche – das einen neuen Tag schenkt, doch ansonsten singt ein Vogel zu des Menschen Erquickung. Das sagt auch die Amsel, deren Gesang fast nur noch von der Nachtigall übertroffen wird. Meist ist es der Amselmann, der singt, weil das Weibchen ja mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt ist. Und singen und brüten geht nicht zusammen, jedenfalls nicht im Vogelreich. „Das Singen ist uns so wichtig, dass wir während dessen alles andere lassen. Nach euren wissenschaftlichen Vorstellungen ist das Singen sehr unnütz, nach unseren Vorstellungen ist alles andere unnützer als das Singen“, stellt Amseldame Nanine für ihre Gattung im Gespräch klar.

Die Amsel ist dem Menschen sogar aus dem Wald in seine Wohngebiete gefolgt, damit sich der Mensch an ihrem herrlichen Gesang erfreuen kann: „Mein Gesang wird erst dann richtig gut, wenn er wahrgenommen wird. Du würdest ja auch nicht im Wald einen Vortrag halten, da dort keine Menschen sind, die dir zuhören. Wir singen für das Herankommen des Ichs, und das Menschen-Ich ist gegenwärtiger als unser Ich.“ Sprich, die Amsel ehrt mit ihrem Gesang das im Menschen, was göttlich ist.

Wobei sie gelegentlich auch dem Schabernack nicht abgeneigt ist. Nanine beispielsweise ahmt gerne den Klang einer Fahrradklingel nach: „Ich wohne hier bei der Wassermühle und der Sohn dieses Hauses findet es sehr spannend, mit seiner Fahrradklingel zu klingeln. Ich habe gelernt, das Klingeln der Fahrradklingel nachzumachen. Deshalb singe ich inmitten meines Gesangs auch wie eine Fahrradklingel. Ich kann natürlich auch sehr amselig singen, vor allem auch sehr melodiös; aber immer wieder baue ich in meine Melodiebögen ein Fahrradklingeln ein. Das ist deswegen relativ nett, weil die Menschen sich dann immer umschauen und das Fahrrad suchen.“

— Ende des Artikelauszugs —
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2 Kommentare zu “Zwei Vögel für ein Halleluja

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