Von Kelten mit runden Häusern


keltenhaus

Wer sich mit Kelten befasst, stellt schnell fest, dass es wenig wirklich gesichertes umfassendes Wissen über sie gibt. Obwohl sie im Europa nach der Bronzezeit zwischen 1000 vor
bis zur Zeitenwende eine gewichtige Rolle spielten, herrscht relative Unklarheit über ihren Ursprung, ihre politischen und sozialen Gefüge und vor allem über ihre ethnologische
Struktur.
Ein Grund dafür ist, dass sie keine eigene Schrift entwickelt hatten. Das lag nicht an ihrer Unfähigkeit, sondern es bestand dafür keine Notwendigkeit. Alles, was ihren Glauben, ihre Götter und ihre Gebräuche anging, wurde nur mündlich weitergegeben. Sie hielten es für eine Sünde, ihr Wissen schriftlich niederzulegen. Nicht umsonst mussten ihre Druiden, die
eigentlichen Wissensträger, lange Jahre lernen. Man spricht von bis zu zwanzig Jahren. Für alles andere, die profanen Dinge des Lebens in Politik und Geschäft, benutzten Sie die griechische Sprache. Ein weiterer Grund liegt in der Betrachtungsweise durch die Wissenschaft. Es sind meistens regionale keltische Strukturen, die betrachtet werden. So kennen wir die Donaukelten in Süddeutschland, die Gallier in Frankreich, die Keltiberer in Spanien und die Kelten der britischen Inseln und Irland. Jeweils wurden sie von regionalen Forschern erklärt. Es fehlt der europäische Zusammenhang – wenn es diesen überhaupt gegeben hat.
Und hier komme ich zum eigentlichen heutigen Thema des Lokaltermins, den keltischen Häusern.
keltiberisches haus
Lachen Sie jetzt bitte nicht.
Ich unterscheide zwischen „Rundhauskelten“ und „Rechteckhauskelten“. Erstere bauten ausschließlich runde Häuser (siehe Bild 1). Letztere bauten rechteckige Gebäude (siehe Bild 2). Runde Häuser findet man im Westen der Iberischen Halbinsel und Wales. In den anderen Keltengebieten wird rechteckig gebaut.
Was könnte der Grund dafür sein? Die Archäologie meint, das hätte mit der Verfügbarkeit der Baumaterialien zu tun. Dort, wo viel Wald existiert, hat man die ersten Häuser aus Holzstämmen gebaut, Blockhausstil, rechteckig. Später wurde dann auch aus Stein weiter rechteckig gearbeitet.
kelten hausgrundriß

Dort, wo Holz knapp war, verwendete man steinerne Rundbauten.
Diese Erklärung halte ich zwar für praktisch, überzeugt mich jedoch nicht. Warum sollte man aus Stein notgedungen rund bauen? Es gibt übergenügend stabile rechteckige Gebäude aus Stein, die in der Keltenzeit gebaut wurden. Ich glaube, der Grund für die Bauweise liegt tiefer. Dafür muss man die Herkunft und Zusammensetzung der keltischen Kultur in Betracht ziehen.
Die Kelten waren kein einheitliches Volk. Sie hatten eine Sozialstruktur aus Clans aufgebaut, zusammengehalten durch gleiche Sprache und Glauben und ihre politische Struktur mit dem Druidentum im Mittelpunkt. Fichte hat bezüglich Volk gesagt: „Wo ein Volk ist, da ist auch eine Kultur, oder umgekehrt, von einer in sich geschlossenen Kultur kann man auf ein Volk schließen, das sie hervorbrachte.“ So gesehen kann man aus der typischen Kunst der Hallstatt- und Laténezeit durchaus auf das Vorhandensein eines keltischen Volkes
oder Nation sprechen, auch wenn die einzelnen Stämme eine unterschiedliche Geschichte hatten.
Das kann unter anderem dadurch erfolgt sein, dass die Urkelten auf ihrer Wanderung zu den späteren Siedlungsgebieten verschiedene Routen gingen.
Ich lege das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Kelten nach Anatolien und den Schwarzmeerraum. Von hier haben sie ihre Eisentechnologie mitgebracht. Die Aussiedlung von dort war aus klimatischen Gründen notwendig geworden.
Vielleicht war der Auslöser dafür der Vulkanausbruch des Santorin, der um -1640 stattfand. Durch diesen Ausbruch und dem nachfolgenden „klimatischen Winter“ wurde das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Kelten unbewohnbar. Sie migrierten (friedlich) nach Westen und Nordwesten.
Daraus ergab sich dann notgedrungen eine Vermischung mit verschiedenen anderen Volksgruppen, die auf ihrem Weg lagen. Die einen kamen möglicherweise über das Donautal aus dem Osten nach Mitteleuropa und mischten sich mit Venetern, Illyrern und Ligurien. Diese Gruppe baute rechteckige Häuser. Die anderen kamen über die Mittelostroute auf die Iberische Halbinsel und vermischten sich mit dem dort wohnenden Iberern. Diese Gruppe baut runde Häuser. Die Grenze zwischen „Rundhauskelten“ und „Rechteckhauskelten“
liegt aber nicht an den Pyrenäen, wie man denken könnte, sondern geht quer durch Spanien. In Zentralspanien und an der Ostküste wurde rechteckig gebaut, an der Westküste, in Galicien, wurde rund gebaut. Diese Siedlungen nennt man Castros (vom lateinischen Castros, Burg). In Wales wurde übrigens auch rund gebaut.

Sehen wir uns im Folgenden einige Beispiele von Castren an. Wir nehmen die Stadt Vigo an der galicischen Küste zum Ausgangspunkt. Hier in der relativ näheren Umgebung finden wir drei Castren (siehe Bild 7):
Castro de Castrolandin
San Cibran de Las

Monte Santa Trega

Zur Information: Wir nehmen diese drei Castren nur als Beispiel. Es gibt wesentlich mehr davon in Galicien, insgesamt 34.
Beginnen wir mit Castro de Castrolandin:
Der Ort ist nicht einfach zu finden, und auch das Oppidum muss man suchen. Sehen Sie daher das Bild 8 an.
Daraus ist auch erkennbar, dass das Castrum sehr klein ist. Der befestigte Ort liegt auf einem Felshügel oberhalb der heutigen Stadt Cuntis. Die Felskrone ist mit einem hohen Wall von ca. 7-10 m Höhe umgeben. Darauf war zur Keltenzeit eine Wallkrone aus Erde und Stein (siehe Bild 9). Die Fläche innerhalb des Wallbereiches ist nur sehr klein, ca. 80 x 100 m. Das ist sehr klein, gemessen an anderen Höhensiedlungen. Im Inneren waren Rundhaus-Grundmauern mit eigenwilliger Struktur zu sehen (siehe Bild 10). Man sieht verschachtelte runde Räume. Im innersten Raum befand sich offensichtlich ein größerer Ofen. Mich erinnert das eher an eine Produktionsstätte, als an ein Wohngebäude, vielleicht eine Schmiede oder Töpferei. Auch Bild 11 zeigt Rundhausgrundmauern, die am höchsten Punkt der Anlage zusammengeschachtelt waren.
Die Anlage wurde gerade erst ausgegraben, als wir den Besuch machten.
Archäologen und freiwillige Helfer waren dabei, Geländeteile freizulegen. Es wurde sehr viel Keramik gefunden. Eine Studentin war gerade dabei, Scherben im Boden zu sichern (siehe Bild 12). So, wie uns einer der Grabungsarchäologen mitteilte, fand man neben der Keramik auch Steinwerkzeuge und Eisenwerkzeuge. Man fand keine Knochen, Urnen oder Gräber. Das ist ein Rätsel, auch für die Ausgräber. Es war den Ausgräbern daher auch unklar, wer die Anlage gebaut oder betrieben hat, Kelten, Iberer?

In einem Experiment hatte man versucht, den alten Keramik-Brand nachzumachen. Dazu wurden rohe vorgeformte und vorgetrocknete Keramiken in die Glut eines Holzfeuers
(Fichtenzapfen) gelegt, dann Sand darüber geschichtet und über 48 Stunden darin belassen, bis alles wieder abgekühlt war (siehe Bild 13). Danach wurde die fertige Keramik aus der
Asche geholt. Das Experiment schien gelungen, die Töpfe waren fest und brauchbar.
san criban
castrolandin
Die kleine Abmessung der Anlage und die Anzahl der Keramikscherben deutet eher auf eine kleine keltiberische Töpferei hin, denn auf eine Wohnanlage. Es fehlt ein Wasser- und
Abwassersystem, sowie Platz für Tiere. Die fruchtbare Ackerfläche liegt auf dem Talgrund. Wahrscheinlich hat man hier unten gelebt und auf dem Castrum nur gefertigt. Die Frage ist, warum man in der damaligen Zeit eine Töpferei durch hohe Wälle schützen musste.
keltische ausgrabungen

San Cibran de Las

Bei diesem Ort hat man schon eher den Eindruck einer Stadt, sogar einer großen. Sehen Sie sich Bild 14 an, ein Luftbild der Ausgrabungsstätte.
Klar zu erkennen ist ein großflächiges Oppidum auf einem Hügel mit einem zum Teil noch erhaltenen doppelten Mauerring. Die Stadt hat für damalige Verhältnisse eine erhebliche Größe, durchaus als keltische Großstadt einzuordnen. Ebenfalls gut zu erkennen ist eine innere Zone, eine Art „Akropolis“, und darum herum ein auf großer Fläche besiedeltes oder „Industriegebiet“. Vom Stadttor aus führt ein breiter direkter Weg zur Oberstadt. Dieser innere Stadtteil ist noch einmal durch einen Mauerring vom Rest der Stadt abgetrennt. Sehen Sie in Bild 15 diesen Weg in Karrenbreite. In Bild 16 sehen Sie wieder ein typisches rundes Gebäude, allerdings mit einem rechteckigen Anbau. Das zeigt, dass man durchaus
rechteckig bauen konnte, wenn es Sinn macht. Warum dann aber die runden Häuser? In Bild 17 sehen Sie einen Komplex von Rundhäusern, dicht zusammengebaut. Dazwischen war kein Platz für Transportkarren. Waren diese Komplexe vielleicht abgegrenzte Gebiete einzelner Clans? In den runden Häusern wurden Öfen gefunden (siehe Bild 18). Waren das Kochherde oder Töpferöfen oder Becken für Schmiedekohle?
In Bild 19 sehen Sie, dass die innere Zone oder Akropolis mit einer Verteidigungsmauer und an dieser Stelle mit speziellem Eingangstor versehen war. Das zeigt mir, dass es sich um eine Stadt handelte, die noch in der Laténezeit existierte. Diese Zeit ist geprägt durch Eliten, die sich vom Rest des Volkes abgrenzten und durch Handel und Sicherung der Handelswege reich geworden waren. Heute würde man sicherlich von „Neureichen“ sprechen. Äußerlich erkennbar an der beginnenden Dekadenz in der Kunst und der exzessiven Bestattungsriten zumindest der Führungsschicht.
keltische ausgrabungen 2
lochstein

Monte Santa Trega

Folgen Sie weiter zum „heiligen Berg“ der Galicier (heilig wegen der Wallfahrtskirche auf der Bergspitze), dem Monte Santa Trega. Dieser solo stehende Berg ist seit Urzeiten ein Heiligtum. Er steht zwischen Meer und der breiten Minho-Mündung mit kompletter Rundumsicht. Sehen Sie Bild 20, ein Blick vom Monte Santa auf die Stadt A Guarda und den Atlantik.
Dieser exponierte Berg war sicher vor den Kelten schon ein Heiligtum. Hier wurden typische Artefakte gefunden, die wir mit der Megalithzeit in Verbindung bringen (siehe Bild 21: ein Schälchenstein, Bild 22: ein Lochstein und Bild 23: ein Figurenstein). Danach bauten dann die Keltiberer ihre typischen Rundhäuser an den Berg (siehe Bild 24), ein Bereich auf dem Berg mit runden Grundmauern. Bild 25 zeigt an den Grundmauern die genaue Struktur eines Rundhauses mit Nebengebäude oder Anbau. Und Bild 26 zeigt, wie dicht die Gebäude nebeneinanderstanden. Nicht vorstellbar, dass man sich mit Lasten oder Lasttier einfach darin bewegen konnte. Warum diese Enge?
Platz war genug da. Damit endet unser Blick auf drei keltiberische Castren. Sie zeigen die typischen Rundhausstrukturen. Auch Bilder anderer Castren zeigen ähnliche Bauten. Irgendwie wirkt die Geschichte unbefriedigend. Warum wurde in engen Castren gebaut? Wer wohnte in den Flusstälern, am Meer und in den fruchtbaren Ebenen? Waren die
Kelten vielleicht doch nur ungeliebte Migranten, die sich in abgesonderten Höhensiedlungen oder Oppida verschanzten? Oder waren die Castren vielleicht nur Produktionsstätten, deren Know-how und Produkte man schützen wollte? Eine Erklärung könnte sein, dass diese Castren in der Zeit der karthagisch-römischen Kriege befestigt wurden. Die Keltiberer waren zum Teil mit den Karthagern verbündet, letztlich aber hat dann Rom gewonnen.
rundhäuser dorf
rundhäuser dorf.2 PNG
rundhäuser dorf.3 PNG

So kommen Sie hin:

Nehmen Sie die spanische Stadt Vigo an der Westküste Galiciens als Ausgang.
Nach Castrolandin nehmen Sie die Autobahn AP 9 nach Norden über Pontevedra bis zur Ausfahrt 110 Caldas de Reis. Von hier auf der N 640 nach Cuntis. Von Cuntis zum Castro (siehe Bild 8). Die Koordinaten für Ihr Navi: 42° 38 ́12,84“ N und 8° 33 ́08,09“ W.
Der Weg nach San Cibran de Las ist nicht ganz einfach. Fahren Sie von Vigo auf die A 52 nach Osten. Fahren Sie bis zur Abfahrt Val de Pereira/San Paio.
Von dort nach Nordost auf die OUR- CV-345. Auf dieser Straße über Cenlle Richtung San Amaro. Kurz vor San Amaro finden Sie San Cibran de Las.
Koordinaten: 42° 21 ́50,80“ N und 8° 04 ́32,30“ W. Der Weg zum Santa Trega ist einfach. Fahren Sie von Vigo aus die Küstenstraße PO 552 nach Süden bis A
Guarda an der portugiesischen Grenze. Sie sehen den Monte Trega schon von Weitem.
Koordinaten: 41° 53 ́33,52“ N und 8° 52 ́11,31“ W. (Wilfried Augustin)
.
Gruß an die Ahnen
TA KI

4 Kommentare zu “Von Kelten mit runden Häusern

  1. Da hatte früher als dort gelebt wurde, ein jeder einen längeren labyrinthischen Gang vor sich, um in seine Behausung zu gelangen. So sieht es jedenfalls aus, nichts für Leute ohne Orientierung 😉

  2. Pingback: Von Kelten mit runden Häusern | Der Honigmann sagt...

  3. Pingback: Keltische Bauwerke | Die Goldene Landschaft

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.