Wettstreit um Öl und Gas- Wem gehört der Nordpol?


nordpol

Von Christian Rothenberg

Dänemark schielt auf den Nordpol. Doch die Besitzansprüche der Arktis sind nicht geklärt. Auch Russland, Kanada, USA und Norwegen sind an der rohstoffreichen Region interessiert.

Dänemark will den Nordpol. Oder besser gesagt: Ein Gebiet von knapp 900.000 Quadratmetern, das 200 Seemeilen von Grönland entfernt liegt. An diesem Montag legte das skandinavische Land seine Forderung den Vereinen Nation vor. „Das Ziel dieses großen Projekts ist es, die äußeren Grenzen unseres Kontinentalsockels – und damit letztlich des Königreichs – festzulegen“, sagte Außenminister Martin Lidegaard. Ganz neu ist der dänische Besitzanspruch nicht.

Ziemlich genau vor zehn Jahren unternahmen die Dänen schon einmal einen Anlauf. Damals sollten geologische Untersuchungen zeigen, dass das Polargebiet, das rund 4000 Kilometer von Kopenhagen entfernt ist, zum Königreich gehört. Die Dänen begründeten ihren Anspruch damit, dass unterseeische Nordpol-Gebirge mit dem politisch zu Dänemark gehörenden Grönland verbunden seien. Das Gebiet verfügt über geschätzte 100 Milliarden Tonnen an Öl- und Gasvorräten. Dadurch weckt es auch bei den anderen Anrainerstaaten Begehrlichkeiten. Seit Jahren liefern sich Dänemark, Kanada, Russland, USA und Norwegen ein Wettstreit um die Region.

Aber wem gehört die Arktis? Die Antwort ist kompliziert. Bisher gibt es keine internationale Entscheidung über die Flächen. Die Ansprüche sind nicht geklärt. Nach der Meeresrechtskonvention der Vereinten Nationen dürfen alle Staaten die Ressourcen des Meeres innerhalb von 200 Seemeilen vor ihren Küsten nutzen. Über diese Grenze hinaus können die Staaten zusätzliche Hoheitsrechte beantragen. Dafür müssen sie jedoch Beweise vorlegen.

Fünffaches Säbelrasseln

Kaum-eine-Region-der-Erde-ist-unwirtlicherDie Zukunft des 26 Quadratkilometer großen Gebietes rund um den Nordpol ist in jeglicher Hinsicht unsicher. Aufgrund der starken Erderwärmung sagen Klimaforscher das Abschmelzen des Eises voraus. In einigen Jahrzehnten könnte das Gebiet im Sommer eisfrei sind. Das ermöglicht auch mehr Schiffsverkehr in der Nordwest-Passage. Handelsschiffe legen auf der Strecke durch den Suezkanal gut 21.000 Kilometer zurück. Durch eine eisfreie Nordmeer-Passage könnte sich der Weg zwischen Europa und Asien (Rotterdam-Tokio) dann von 21.000 auf 14.000 Kilometer verkürzen.

Russen, Kanadier, Norweger und Dänen beanspruchen ein „Tortenstück“ von ihrer Küste bis zum Pol. Russland machte seine Ansprüche bisher am eindrucksvollsten deutlich. Im August 2007 stießen russische Polarforscher mit einer Tauchkapsel auf den 4261 Meter tiefen Meeresboden des Eismeeres vor. Dort stellten sie eine russische Fahne aus Titan auf. Ziel der russischen Expedition sei es, so hieß es vonseiten der russischen Regierung, wissenschaftliche Beweise dafür zu sammeln, dass das Unterwassergebirge am Nordpol mit dem russischen Festland verbunden ist. Die Russen beanspruchen 1,2 Millionen Quadratkilometer, einschließlich des Nordpols. Dies begründet sie damit, dass der Festlandsockel unter dem Eismeer die Fortsetzung der eurasischen Landmasse ist.

Infolge der gehissten Russland-Fahne entbrannte ein heftiges Säbelrasseln. „Die Arktis ist kanadisch. Sie ist unser Eigentum. Unser Meer“, sagte der damalige kanadische Außenminister Peter G. MacKay. Die russische Flagge habe keine rechtliche Bedeutung. „Man kann heutzutage nicht einfach irgendwo eine Fahne hissen, wir leben nicht mehr im 14. und 15. Jahrhundert“, sagte MacKay. Dabei blieb es nicht. Die kanadische Regierung ließ sogar Patrouillenschiffe in der Arktis kreuzen. Russische Medien berichteten später über Pläne, wonach der Kreml seine Interessen mit paramilitärischen Polarstreitkräften schützen lassen wolle. Bis 2017 will der russische Inlandsgeheimdienst den Schutz der Arktis vor Eindringlingen verstärken.

„Auf ordentliche und zivilisierte Weise“

pngDie Dänen bekunden ihre Ansprüche weniger medienwirksam, aber nicht weniger energisch. „Wenn wir an die Bodenschätze dort unter dem Meeresgrund denken und an den derzeitigen Ölpreis, dann wissen wir, dass hier auch wirklich unglaublich viel Geld auf dem Spiel steht“ sagte Außenminister Per Stig Møller im Mai 2008. Damals berieten sich Politiker der Anrainerstaaten in Grönland über die Zukunft der Polregion – mit dem Ergebnis, dass alle fünf beteiligten Staaten erklärten, ihre konkurrierenden Territorialansprüche „auf ordentliche und zivilisierte Weise“ und auf Grundlage des Völkerrechts klären zu wollen.

Seitdem führen die fünf Bewerber Nordpol-Expeditionen durch. Kanadier und US-Amerikaner wollen über Echoschall und seismische Reflektionen Daten sammeln, um ihre Ansprüche zu untermauern und die Grenzen des nordamerikanischen Kontinents festzulegen. Dänemark und Kanada einigten sich vor zwei Jahren immerhin auf eine 3000 Kilometer lange Grenzlinie vor Grönland. „Dänemark und Kanada zeigen, dass man Meinungsverschiedenheiten friedlich regeln kann. Das würde man sich auch für den Rest der Welt wünschen“, sagte der Minister dänische Außenminister Villy Søvndal. Für beide Seiten sei nun klar, welche Rechte sie bei der Ausnutzung etwaiger Ölvorkommen sowie auch bei der Fischerei hätten.

Dennoch ist eine Entscheidung über die politische Zukunft der Polregion und ihrer zwischen 2 und 4 Millionen Bewohner weiterhin ungewiss. Russland, Kanada, Norwegen und Dänemark haben die Ausweitung ihres Gebiets innerhalb von zehn Jahren nach der Ratifizierung des Internationalen Seevölkerrechts beantragt, nur die USA nicht. Die Amerikaner erkennen die UN-Konvention von 1982 nicht an.

Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Wem-gehoert-der-Nordpol-article14162111.html

Gruß an in den Norden

TA KI

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