Schweizer Währungsvolte weckt die D-Mark-Sehnsucht


Die Schweizer Notenbank hat mit ihrer Abkoppelung vom Euro Chaos an den Devisenmärkten ausgelöst. Viele Bundesbürger applaudieren aber, weil sie die Aktion an die eigensinnige Bundesbank erinnert.

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Ein Crash, zwei Wahrheiten. Das eigentlich bemerkenswerte der historischen Ereignisse vom Schwarzen Donnerstag sind die zwei vollkommen unterschiedlichen Bewertungen der Protagonisten. Während die Finanzmärkte in der überraschenden Abkoppelung vom Euro einen massiven Vertrauensverlust für die Schweizerische Nationalbank (SNB) sehen und von chaotischen Zuständen sprechen, interpretieren die meisten Deutschen und viele Experten die Lage grundlegend anders.

Sie bewundern fast schon die Eidgenossen für ihren Mut, im Zweifel auch Fehler einzugestehen und die Notbremse zu ziehen. „Ich muss den Hut ziehen“, wurde SNB-Chef Thomas Jordan in vielen Internetforen gelobt. Die SNB hatte am Donnerstag völlig überraschend den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben und damit panikartige Reaktionen an den Devisenmärkten ausgelöst. Der Euro brach daraufhin in der Spitze um fast 30 Prozent ein.

Es war der größte Kursverlust der modernen westlichen Währungswelt. Zeitweise drohte das elektronische Handelssystem, das auf tägliche Transaktionen von 5,3 Billionen Dollar ausgelegt ist, zu kollabieren. „Die SNB hat ihre Glaubwürdigkeit weitestgehend verloren“, sagt Lutz Karpov, Devisenstratege der Commerzbank, stellvertretend für die Finanzzunft. Den Marktteilnehmern stößt insbesondere negativ auf, dass die Währungshüter noch im Dezember wieder betont hatten, den Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen zu wollen.

Schlagartig ist vielen klar geworden, dass die Notenbanken nicht länger dazu da sind, die Akteure mit frisch gedruckten Euro, Dollar und Franken im Billionenwert zu beruhigen. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die großen Währungsbehörden nach Berechnungen der Deutschen Bank umgerechnet rund zehn Billionen Dollar in die Märkte gepumpt.

Die SNB hat für viele einen globalen Konsens aufgekündigt

„Die SNB hat ihren seit der Euro-Krise hart erarbeiteten Ruf aufs Spiel gesetzt“, sagt David Woo, Währungsstratege bei der Bank of America Merrill Lynch. Für viele Finanzmarktakteure hat die SNB einen globalen Konsens aufgekündigt und damit das weltweite Währungssystem noch fragiler gemacht. „Die Währungsvolte der Schweizer Notenbank konterkariert sämtliche Bemühungen der vergangenen Jahre, dass die Geldpolitik auf globaler Ebene transparenter und vorausschauender wird“, sagt beispielsweise Catalina Krauss vom französischen Anlagehaus Natixis.

Noch harscher lautet die Kritik des Chefberaters der Allianz, Mohamed El-Erian. Seines Erachtens hat die SNB mit ihrer Entscheidung andere Länder destabilisiert und die ohnehin schwierige Lage der EZB noch verschlimmert. „Die Historie hat gezeigt, dass größere Währungssprünge Schäden anrichten.“

Die Sichtweise der Finanzmarktprofis kontrastiert mit der Einschätzung vieler Ökonomen und vor allem der deutschen Öffentlichkeit. „Die Schweizer verstehen was von Geld“, schrieb beispielsweise Brigitte Lupo via Kurznachrichtendienst Twitter. Viele Bundesbürger deuten den radikalen Schritt als Misstrauensvotum gegenüber der Europäischen Zentralbank und dem Euro.

Denn die Bindung des Franken an die Gemeinschaftswährung sorgte für eine Art Schicksalsgemeinschaft zwischen Euro-Zone und der Schweiz. Der Franken sackte im weltweiten Währungsgefüge Hand in Hand mit dem Euro ab und drohte von einer international anerkannten Devise zur Schwachwährung zu verkommen.

Den Deutschen graut vor den Entscheidungen der EZB

Der Zeitpunkt der Abkopplung dürfte nicht zufällig gewählt worden sein. Denn in der kommenden Woche dürfte die EZB auf ihrer Sitzung den Aufkauf von Staatsanleihen in großem Stile verkünden. Das bedeutete eine weitere radikale Lockerung der Geldpolitik. Am Mittwoch hatte der Europäische Gerichtshof der EZB de facto grünes Licht gegeben. Die EZB habe eine große Entscheidungsfreiheit, und der Kauf von Anleihen ist keine verbotene Staatsfinanzierung.

Vielen Deutschen graut genau vor dieser Entscheidung. Zu tief sind die Ereignisse der Hyperinflation der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts den Deutschen im Gedächtnis eingebrannt, die auf die Staatsfinanzierung der Reichsbank nach dem Ersten Weltkrieg folgte. „Ich will die D-Mark zurück zum alten Umrechnungskurs“, twitterte etwa Commander-Flex. Tatsächlich hat der Schritt der SNB eine Art D-Mark-Nostalgie bei vielen Bundesbürgern ausgelöst. Zwar wollen nur die wenigsten Bundesbürger wirklich den Euro abschaffen, allerdings würden die meisten lieber heute als morgen die Reißleine bei der EZB-Rettungspolitik ziehen und wieder ihre solide Bundesbank zurückhaben.

In den Augen vieler erinnerte die Volte der Schweizer Währungshüter an die Bundesbank, die in ihrer Geschichte nicht selten mit fast schon sturem Agieren an den Märkten für Unruhe sorgte. So erhöhten die Bundesbanker wegen des Wiedervereinigungsbooms zu Beginn der 90er-Jahre die Leitzinsen und beschleunigten damit den Austritt der Briten aus dem Europäischen Währungssystem.

Außerdem zeigt die Schweizer Notenbank für viele Ökonomen, dass allein Gelddrucken nicht ausreicht. Um eine Ökonomie wieder flottzubekommen, braucht es wirkliche Reformen.

Der Franken würde heute fast 1,90 DM kosten

Ironischerweise lassen sich die heutigen Folgen der EZB-Rettungspolitik am weiter gerechneten Kurs der D-Mark zur Schweizer Währung ablesen. Mittlerweile müssten die Deutschen fast 1,90 D-Mark für einen Franken hinblättern. Zum Start des Euro im Jahr 1999 waren erst 1,20 D-Mark fällig. Damit haben die Bundesbürger zum Nachbarland Schweiz weit mehr als ein Drittel an Kaufkraft eingebüßt. Jeder Wintersporturlauber bekommt das zu spüren.

„Spätestens seit dem gestrigen Votum des Generalanwalts der EU steht fest, dass es für den Euro nur eine Richtung gibt: die zunehmende Aufweichung und Abwertung durch verzweifelte Rettungsmaßnahmen der EZB. Die SNB handelt rechtzeitig, bevor durch Staatsanleihekäufe der EZB der Euro endgültig zur Weichwährung wird“, sagt David Stelter, Ökonom und Buchautor. Den Kauf weiterer Euro zur Stützung des Mindestkurses habe die SNB offensichtlich nicht für eine sinnvolle Anlage von Volksvermögen gehalten.

„Der durch die starke Währung erhöhte Anpassungsdruck auf die Schweizer Industrie und den Tourismus wird zwar kurzfristig wehtun. Mittelfristig wird er aber den Produktivitätszuwachs verstärken und die Schweizer Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen“, sagt Stelter.

Ruiniert der Euro die Wettbewerbsfähigkeit

Genau hier liegt auch ein Risiko des Euro-Verfalls. Eine zu schwache Gemeinschaftswährung könnte langfristig die Wettbewerbsfähigkeit ruinieren, weil die Unternehmen wegen des billigen Euro ohne große Anstrengungen ihr Produkte losschlagen können. Auch auf der „Welt“-Wirtschaftskonferenz hatten deutsche Spitzenmanager vor einem weiteren Euro-Verfall gewarnt und auch den Kurs der EZB kritisch gesehen.

Wenn die Finanzmärkte nun aber die SNB in die Kritik nehmen, mag das einen einfachen Grund haben. „Viele Investoren werden durch die SNB-Volte große Verluste machen, von denen einige echte Schwierigkeiten bereiten werden“, sagt Keith Pilbeam, Professor für Internationale Wirtschafts- und Finanzwissenschaften an der City University in London.

Insbesondere Hedgefonds stünden vor großen Verlusten und könnten gezwungen sein, Vermögenswerte zu verkaufen. „Einen solchen Tag wie den Donnerstag haben wir im Devisenmarkt seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen, und viele Menschen sind völlig überrascht worden.“ Kurzfristig erwartet Pilbeam erhebliche Störungen der Finanzmärkte und weitere Turbulenzen; die die Profis hart treffen werden, private Anleger und damit die deutsche Öffentlichkeit aber weniger.

Quelle: http://www.welt.de/finanzen/article136428346/Schweizer-Waehrungsvolte-weckt-die-D-Mark-Sehnsucht.html

Gruß an den Honigmann, der seit Jahren sagt, daß die DM geplant zurückkehren wird.

Werden wir „so“ dahingehend sensibilisiert??

TA KI

3 Kommentare zu “Schweizer Währungsvolte weckt die D-Mark-Sehnsucht

  1. Der EURO kann nur scheitern. Bei der vilelzahl an Unstimmigkeiten, und kulturell bedingter unterrschiede der arbeitsmoral und wertevorstellungen kann keine gemeinsame Waehrung funktionieren. Zu dieser Erkenntnis bedarf es aber auch keines Studiums der Wirtschaftslehre.
    Was soll denn zBsp der Grieche grossartig zum Europaeischen BIP betragen ? Oder der Geschichtlich Agrarkulturelle Franzose etwa ? Der weinsaufende pastaliebende italiener ?
    Der spanier der seine Umwelt schon vor ewig und zig Jahren total versaut hat ?
    Nur weil es gerne gesehen wird das ueberall die Wirtschaft boomt wie eben unkraut waechst,bedeutet das noch lange nicht das es auch so Funktioniert.
    Wie heisst es so schoen ? Ein Hund wird nicht zu einer Kuh, nur weil dieser im Kuhstall schlaeft. Gewachsenen Strukturen wie die auf „deutschen“ Gebieten haben nun mal vorteile, nicht alleine wegen der schon vorhandenen infrastruktur.
    Will man denn ueberhaupt Weltweit die gesamte Umwelt auf Wirtschaft trimmen ?
    Mir persoenlich ist Artenvielfalt lieber, mit der gruenen Umgebung.
    Dh aber noch lange nicht das ich wirtschaftsfeind bin.
    Aber eine vernuenftige Waehrung ist nur mit Einhaltung der Landestypischen „Marotten“ moeglich. und ob dann Gold als Standart gilt oder eben Backsteine ist vollends nebensaechlich. Nur funktioniert das nicht international.
    Gruss @all

  2. Entschuldigt , aber ich muss mal kräftig lachen.
    Erst kürzlich sagte ich zu meinem Mann „Die neuen Euroscheine kommen mir vor wie ein Cowndown“
    Wie komm ich darauf.
    Vor der Wende, wage ich mich zu erinnern wurden neue DDR- Mark Scheine gedruckt und natürlich auch verteilt. Ich glaube nur bis bis zum 20er Schein. Bin mir da jetzt nicht ganz sicher.
    Nach der Wende wurde doch auch von der alten zur neuen D-Mark gewechselt.Bis zu welchem Schein? Das weiß ich jetzt leider nicht.
    Und nun ist der Euro drann. Als nächstes kommt der 20 Euro- Schein. Vielleicht….

    Die D-Mark, wenn sie denn kommt, ist doch auch nur eine Schur, aber vom feinsten. 1 Euro gleich 50 Pfennig?

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