Causa Natascha Kampusch: Aufklärer Johann Rzeszut von Gericht freigesprochen!


GUIDO-KOLUMNE-MIX

♦ No.  495 (33/2015) ♦



 

Einer der ersten und engagiertesten Aufklärer in der Causa Kampusch, der die zahlreichen Ungereimtheiten erst auf den Tisch brachte, ist der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofs in Wien, Johann Rzeszut.  Er war auch zeitweise Mitglied der eingesetzten Evaluierungskommission.

Von Anfang an zweifelte der ehemals oberste Richter Österreichs die offizielle Darstellung des Falles an und lieferte Fakten.

Kein Wunder, dass er dadurch selbst ins Visier derjenigen geriet, die seit Jahren versuchen, den sprichwörtlichen Deckel zuzumachen.

Der Vorwurf gegen Johann Rzeszut lautet auf den Verdacht einer Falschaussage:  “Im März 2012, also fast sechs Jahre nachdem Natascha Kampusch die Flucht gelungen war, hatte ein niederösterreichischer Polizist auf eigene Faust so etwas ähnliches wie stark verspätete Nachforschungen in einer niederösterreichischen Volksschule durchgeführt. Als die Sache aufflog, wurden Erhebungen gegen den Beamten geführt. Dabei wurde auch Rzeszut befragt, weil sich herausgestellt hatte, dass es telefonische Kontakte zwischen dem Beamten und Rzeszut gegeben hatte. Nach dieser Befragung hatte die Staatsanwaltschaft Linz den Verdacht, dass Rzeszut falsche Angaben gemacht haben könnte. Rzeszut bestreitet dies entschieden.”

Quelle: Die Presse v. 03.04.14

Auf meinem Blog schrieb ich diesbezüglich bereits:

Ob es diese “telefonischen Kontakte” allerdings je gab und/oder nicht “inszeniert” wurden, bleibt weiterhin sehr fraglich für mich. Auch der Richter selbst bestreitet die Vorwürfe entschieden.

Strafandrohung: bis zu drei Jahren Haft. Damit wäre einer der profiliertesten Kritiker kalt gestellt. Und das ist letztlich das Ziel derjenigen, die hinter dem Entführungsfall stecken!

Dennoch geben sich viele Kenner und Insider – des weltweit einzigartigen Entführungsfalles – aus Politik, Justiz und Medien keineswegs mit den abschließenden Ermittlungsergebnissen zufrieden, die eine Mehrtäter-Theorie und ein elitäres Pädäophilennetzwerk ausschließen.

Ganz im Gegenteil. Der durch (scheinbaren) Selbstmord umgekommene Ermittlungsleiter Oberst Franz Kröll jedenfalls hat viele Hinweise gefunden, die genau in diese Richtung gehen.

Genauso wie ich selbst bei meinen monatelangen Recherchen, die ich verschiedenen Büchern zusammengefasst habe.

Das elitäre Netzwerk, von dem Kröll sprach, existiert weiter. Und momentan schlägt es zurück, um Kritiker mundtot zu machen und seine Verbrechen zu vertuschen!

Natascha Kampusch ist damit kein gewöhnlicher Kriminalfall – nein, er ist zur Staatsräson geworden!

siehe beispielsweise: https://guidograndt.wordpress.com/2014/04/12/fall-natascha-kampusch-das-imperium-schlagt-zuruck-2/

Doch die Hintermänner in der Causa Kampusch haben sich verschätzt!

Gestern wurde Johann Rzeszut vor dem Wiener Straflandesgericht von den Vorwürfen freigesprochen!

Mit einem Freispruch ist am Freitag im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen den pensionierten Präsidenten des Obersten Gerichtshofs (OGH), Johann Rzeszut, zu Ende gegangen. Ihm war falsche Zeugenaussage vorgeworfen worden. Richterin Claudia Geiler sagte in ihrer Begründung, im Zweifel liege keine “subjektive Tatseite” vor.

Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, weshalb der Freispruch vorerst nicht rechtskräftig ist. Der ehemalige Spitzenjurist, dem im Fall eines Schuldspruchs bis zu drei Jahre Haft gedroht hätten, wollte nach der Verhandlung gegenüber den Medien keine Erklärung abgeben…

Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4673196/Fall-Kampusch_ExOGHPraesident-Rzeszut-freigesprochen

Damit sind die hanebüchenen Vorwürfe gegen den einstigen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs ad absurdum geführt worden.

Der Versuch, den völlig integren Juristen mundtot zu machen, sind gescheitert. Vorerst jedenfalls.

Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt.

Denn die “Staatsaffäre” Natascha Kampusch ist längst noch nicht geklärt.

Das elitäre Netzwerk, von dem der (meines Erachtens) ermordete Chefermittler berichtete, ist nach wie vor aktiv und wird alles tun, um die schmutzigen Geheimnisse zu bewahren, die schon einige Tote gefordert haben!

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Kommando: Russlands Raketentruppen bereit zu Atomwaffeneinsatz auf Befehl


300393649Russlands Strategische Raketentruppen sind laut dem Chef des Zentralkommandos, Andrej Burbin, bereit, einen Befehl über einen Einsatz von Atomwaffen „ohne Zögern“ zu erfüllen.

„Die Aufgabe wird ohne Zweifel und Zögern erfüllt werden“, antwortete der General am Samstag auf die Frage des Radiosenders RSN, ob die diensthabenden Soldaten bereit wären, auf den Atomknopf zu drücken, wenn ein entsprechender Befehl  kommen sollte. Wie Burbin weiter mitteilte, werden die Raketentruppen planmäßig modernisiert. Bis 2020 soll der Anteil der neuen Atomraketen auf 98 Prozent steigen.Die Strategischen Raketentruppen Russlands dienen mit ihren landgestützten atomaren Interkontinentalraketen der Abschreckung: Sie sollen den Gegner von einem nuklearen Erstschlag auf Russland abhalten. Etwa 6000 Soldaten der Raketentruppen sind rund um die Uhr im Dienst.

Gegenwärtig verfügen die Strategischen Raketentruppen über silogestützte Atomraketen der Typen Wojewoda RS-20W (Satan), RS-18 Stillet und Topol aber auch über die fahrzeuggestützten Raketen Topol-M und Jars. Vor dem Hintergrund der Spannungen mit der Nato kündigte Moskau im vergangenen Jahr eine Wiederbelebung der Raketenzüge an. Der neue Raketenzug „Bargusin“ soll als Weiterentwicklung des sowjetischen „Molodez“ bis 2018 gebaut werden.Im Kalten Krieg waren die so genannten Eisenbahn-Raketenkomplexe der Sowjetunion eine bedrohliche Waffe, denn die mit Interkontinentalraketen ausgerüsteten Schienenfahrzeuge waren aus der Luft und dem Weltall kaum von zivilen Reise- und Güterzügen zu unterscheiden. Russland musterte 2005 seinen letzten Raketenzug aus, wie dies der 1993 unterzeichnete  START-II-Vertrag mit den USA vorschieb. Der Nachfolgevertrag Start III untersagt den Bau neuer Raketenzüge nicht.

Gruß an den Frieden
TA KI

2017 soll der erste Kopf transplantiert werden


Eine medizinische Sensation: Ein Arzt plant, den Kopf eines Todkranken auf den Rumpf eines anderen zu setzen. Kann das funktionieren – wer ist dann wer? Das Innenministerium hat eine Antwort.

Neurochirurg-Professor-Sergio-Canavero

Bislang wussten die Ärzte in der Regel noch immer, was sie bei einer Transplantation verpflanzten: Niere, Leber, Herz oder anderes, klar Umrissenes. Bei dem, was ein Turiner Neurochirurg jetzt vorhat, ist es nicht mehr so klar: Wird es sich um eine Kopfverpflanzung oder um eine Rumpfverpflanzung handeln? Genau genommen ist nicht einmal ausgemacht, wer der Empfänger und wer der Spender sein wird.

Es ist, wie so oft, eine Definitionsfrage. So oder so: Sergio Canavero plant einen medizinischen Eingriff, der wie keiner zuvor seit den ersten Amputationen von Neandertalern vor etwa 50.000 Jahren ethische, rechtliche und auch philosophische Fragen („wer bin ich, und warum?“) aufwerfen dürfte. 2017 soll es losgehen. Doch bis dahin sind es zunächst einmal ganz praktische medizinische Probleme der Chirurgie, die noch gelöst werden müssen.

Canavero plant Ungeheuerliches: das Haupt eines Menschen mit einem todkranken Körper auf den Rumpf eines Anderen zu setzen, der an einer unheilbaren Kopfverletzung leidet. Mit anderen Worten: Die überlebensfähigen Teile zweier im Sterben Liegender werden zusammengeflickt.

Im kommenden Juni will Canavero, wie er jetzt der Wissenschaftszeitschrift „Science“ für ihre kommende Ausgabe verriet, seine Pläne in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland vorstellen, bei der Jahreskonferenz der American Academy of Neurological and Orthopaedic Surgeons (AANOS). Vor allem will er dort noch kundige Teilnehmer für sein Projekt gewinnen. Neugierige könnte er vielleicht rekrutieren, erfahrene Fachkräfte gibt es noch nicht, Canavero betritt weitgehend Neuland.

Unzählige Nervenstränge müssten verknüpft werden

Der Knackpunkt des Vorhabens wird darin bestehen, von beiden Patienten das Rückenmark in der Wirbelsäule so zu verbinden, dass die Befehle aus dem Kopf unterhalb des Halses ankommen und umgekehrt die Empfindungen, die der Körper wahrnimmt, im Kopf registriert werden. Es geht um unzählige Nervenstränge, die korrekt verknüpft werden müssen.

„Wie zwei dicht gepresste Packungen Spaghetti“, zieht der „New Scientist“ seinen Vergleich. Hierbei in jedem Einzelfall das zusammenwachsen zu lassen, was zusammengehört, ist noch lange nicht möglich. Könnten es die Chirurgen, so wären sie schließlich in der Lage, Gelähmten zum Gehen zu verhelfen.

Dabei ist Canavero nicht einmal der erste, der auf die Idee kam. Jahrzehnte lang ging der US-amerikanische Neurologe Robert White von der University of Cleveland in seinen Fachkreisen damit hausieren. 1970 soll ihm so etwas sogar schon einmal geglückt sein – mit einem Rhesusaffen. Der Affe konnte sich zwar nicht mehr bewegen und starb auch nach einer Woche, als beide zusammengefügten Systeme sich gegenseitig abstießen. Die Immunabwehr war in jenen Jahren in der Tat noch ein größeres Problem, dem etwa auch die ersten Patienten des südafrikanischen Herzverpflanzers Christiaan Barnard zum Opfer fielen. Inzwischen hat die Transplantationsmedizin es weitgehend im Griff.

White verfolgte daher seinen Plan, auch einen menschlichen Kopf zu verpflanzen, jahrzehntelang weiter. Der deutsche Journalist Christian Jungblut besuchte ihn während der Zeit, führte häufig Gespräche mit ihm über die chirurgischen Implikationen, aber auch über Menschen, Medizin und Machbarkeit. 2001 schrieb Jungblut darüber das Buch „Meinen Kopf auf deinen Hals“.

Was wird eigentlich verpflanzt – Kopf oder Körper?

In dem Zusammenhang ging „Die Welt“ damals bereits der Frage nach: Was würde hier eigentlich verpflanzt, Kopf oder Körper? Das Geburtsdatum von welchem Teil gilt fortan? Das Bundesinnenministerium antwortete auf Anfrage: „Die Identität ist an den Kopf gebunden – bei allem Respekt vor den vielfältigen und wichtigen Funktionen des Körpers.“ Entscheidend sei, wo die Erinnerung, die Persönlichkeit und damit die Person ihren Sitz habe, und das sei das Gehirn.

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Der Kopf macht vielleicht fünf Prozent der Körpermasse aus, ein geringes Gewicht mithin, das mancher Diätfreund in ein paar Wochen abmagert. Ist der Kopf dennoch so etwas wie der Identitätsausweis? Wie die Fahrgestellnummer von heillos verrosteten Oldtimern, ein keines Stahlplättchen, um das herum im Jahr 2015 Karosserie, Motor und Innenraum neu gebaut werden, und das Baujahr bleibt bei 1930?

Bekannte Neurologen meldeten gegenüber der einfachen Definition der Bundesregierung durchaus Bedenken an. Detlef Linke, inzwischen verstorben, sagte der „Welt“, für die Persönlichkeit sei der soziale Umgang des Menschen entscheidend, und „der Begegnungsort des Menschen ist nun mal der Körper, denken sie an die Sexualität“. Verstand und Gefühl machen die Identität aus. Und wenn der Volksmund dies mit „Kopf und Bauch“ gleichsetzt, ist diese nur allzu populäre Weisheit gänzlich unberechtigt? Linke meinte: Sollte nur der Kopf die Identität vorgeben, so sei das nicht weniger als ein „Bruch der abendländischen Tradition seit Aristoteles“. Schließlich gingen wir davon aus, dass der „Körper beseelt ist.“

Neurologen sprechen längst von einem „zweiten Hirn im Bauch“. Allein im Darm sind mehr Neuronen zu finden als im Rückenmark. Sie lösen autonom Bewegungen und Reaktionen aus, auch die Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin werden im Bauch hergestellt. „Diese Entdeckung wird vielleicht einmal für unser Menschen- und Weltbild so wichtig werden wie jene des Kopernikus“, meint Michael Gershon, Professor für Anatomie und Zellbiologie an der Columbia-Universität in New York.

Was alles noch ohne Kopf geht

Und was alles, wenn es hart auf hart geht, auch ohne Kopf funktioniert, zeigen die Beispiele gleich mehrerer Hingerichteter. Der Seeräuber Klaus Störtebeker rannte noch nach dem Schwerthieb an mehreren Spießgesellen vorbei und rettete ihnen so – nach einer damaligen Konvention – das Leben. Dass ihm der Henker dann ein Bein stellte, konnte er allerdings ohne Kopf nicht mehr erkennen.

In Marseille erhob sich 1875 ein Geköpfter, worauf öffentliche Hinrichtungen verboten wurden. In Montpellier beobachtete ein Arzt bei einem Delinquenten nach dem Fall der Guillotine, dass sein Auge noch etwa 30 Sekunden weiter blinzelte – was wiederum beweist, dass es auch ohne Körper gehen kann. In den 40er-Jahren wurde in den USA der Farmer Lloyd Olsen reich mit Vorführungen seines Hahns Mike, dem er für seinen Festtagsbraten den Kopf abgeschlagen hatte, der aber einfach weiterlebte.

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Canavero macht geltend, er kenne bereits mehrere Kandidaten, die an ihren Kopf einen anderen Körper anschließen lassen wollten. Von den dafür nötigen „Counterparts“ sagte er allerdings nichts. Auch er erkennt, dass sein Vorhaben sehr kompliziert werden könnte. Um die Nervenstränge zu verbinden, will er eine chemische Substanz in das Rückenmark injizieren: Polyethylenglycol. Dass das Mittel das Zusammenwachsen fördert, habe er in Tierversuchen festgestellt, sagt er.

Erst einmal kommt der Körper in das Frost-Koma

„So wie heißes Wasser Spaghetti zusammenkleben lässt“, zieht der „New Scientist“ seine Parallelen weiter, „regt Polyethylen die Zellmembranen an, aneinanderzukleben.“ Aber was wächst da zusammen? Zufällig die richtigen Stränge? Canavero scheint sich da nicht so sicher zu sein, denn zunächst will er jede Bewegung des Körpers ausschließen. Quasi um Kurzschlüsse zu vermeiden, will er beide Teile erst mal stark herunterkühlen, für mehrere Wochen in eine Art Frost-Koma versetzen. Damit sie sich nach und nach an die neuen Verbindungen gewöhnen können.

Die ethischen Fragen und solche der persönlichen Identität stehen für den Italiener nicht im Vordergrund. „Sie sind der größte Hemmschuh für das Ganze“, sagt er sogar. Die AANOS will nach eigenen Angaben Canavero die Möglichkeit geben, sein Projekt vorzustellen, fördern will man es nicht. Der „New Scientist“ bat eine ganze Reihe von Neurologen um Stellungnahmen zu dem Vorhaben. Die meisten antworteten gar nicht. Harry Goldsmith, Neurochirurg von der University of California, reagierte immerhin: „Das ist ein so überwältigendes Projekt – dessen Realisierung aber sehr unwahrscheinlich ist.“ Er glaube nicht, dass es funktionieren kann.

Und so wird es wohl auch nichts mit der Vision von Thomas Mann in seinem Roman „Die vertauschten Köpfe“, in dem es um ein Dreiecksverhältnis geht: eine Frau und zwei Männer, deren Köpfe ausgetauscht wurden. Um Eifersucht geht es da, um Sex, und deshalb um die Frage: Kopf oder Unterleib? Weise Geister mussten konsultiert werden, die sich die Antwort nicht leicht machten: Letztlich meinten auch sie, wie die Bundesregierung, der Kopf sei das Entscheidende. Doch es half nichts. Die Verbindung von Kopf und Körper ging im Roman noch glatt. Letztlich aber waren es die Identitätsprobleme, die später beide Männer in den Tod trieben.

Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/article137912632/2017-soll-der-erste-Kopf-transplantiert-werden.html

Gruß an die „Verständnisvollen“ die offenbar völlig kopflos leben

TA KI

Wie nah war der Verfassungsschutz den NSU-Mördern? Der Ganze NSU- Sumpf


Die Aufklärung des NSU-Mordes in einem Kasseler Internetcafé 2006 könnte viele offene Fragen zur Terrorserie beantworten. Bisher unveröffentlichte Dokumente bringen Hessens Verfassungsschutz in Not.

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Es kommt nicht oft vor, dass Polizisten einen Verfassungsschützer abhören. Doch genau das taten Ermittler der Kasseler Mordkommission Ende April 2006 über Monate. Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen stand unter Mordverdacht. Am 6. April 2006 hatte sich der Beamte Andreas Temme in einem Internetcafé in Kassel aufgehalten, als dort der Besitzer Halit Yozgat mit zwei Kopfschüssen ermordet wurde.

Es war der neunte Mord der Serie, die dem NSU, dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund, zugeschrieben wird. Trotz eines laufenden Strafprozesses in München und mehrerer parlamentarischer Untersuchungsausschüsse sind die Hintergründe der Anschläge bis heute nicht vollständig geklärt.

Eine Schlüsselrolle im NSU-Komplex spielt offenbar der Verfassungsschützer, den die Fahnder im April 2006 im Visier hatten. Nach der Tat meldete er sich erstaunlicherweise nicht bei der Polizei als Zeuge. Und angeblich verlor er auch in seinem Amt kein Wort darüber, dass er am Tatort eines Mordes gewesen war – zwei Wochen lang, bis ihn die Polizei anhand von Computer-Daten identifizierte.

Die „Welt am Sonntag“ kann jetzt den Ablauf der Ereignisse vor und nach dem Mord in Kassel rekonstruieren und sich dabei auf Vermerke und Akten aus dem hessischen Innenministerium stützen, die bislang öffentlich nicht bekannt waren. Vor allem abgehörte Telefonate, die erst jetzt ausgewertet werden konnten, lassen den Mord von Kassel in einem anderen Licht erscheinen.

Diese Protokolle und weitere, bislang unbekannte Details, werden in mehreren Beweisanträgen aufgeführt, die die Anwälte der Hinterbliebenen des Opfers Halit Yozgat, Thomas Bliwier, Bilsat Top, Doris Dierbach und Alexander Kienzle, am vergangenen Freitag beim Oberlandesgericht in München eingereicht haben.

U-Ausschüsse in mehreren Ländern gestartet

Die Nebenkläger wollen unter anderem beweisen, dass Andreas Temme nicht zufällig am Tatort war, sondern bereits vor dem Mord „konkrete Kenntnisse von der geplanten Tat, der Tatzeit, dem Tatopfer und den Tätern hatte“. Und sie wollen anhand abgehörter Telefonate belegen, dass der Hessische Verfassungsschutz davon gewusst hat – und alles tat, die Polizei bei ihren Ermittlungen zu behindern und abzulenken.

So habe ausgerechnet der mit der Betreuung des mordverdächtigen Kollegen betraute Geheimschutzbeauftragte des Verfassungsschutzes Hess in einem Telefonat wörtlich gesagt: „Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so was passiert, bitte nicht vorbeifahren.“

Wie nah waren der Verfassungsschutzbeamte Andreas Temme und sein V-Mann aus der rechten Szene dem Umfeld des NSU? Der Name dieses V-Mannes stand schon auf einer Liste mutmaßlicher Mitglieder oder Unterstützer des NSU, die von der Bundesanwaltschaft an alle Sicherheitsdienste geschickt wurde, nachdem man am 4. November 2011 die Leichen der beiden NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in einem brennenden Wohnmobil in Eisenach entdeckt hatte. V-Mann „Gemüse“ mit Klarnamen Benjamin Gärtner war die Nummer elf. Auf dieser Liste finden sich alle Personen, die heute mit Beate Zschäpe in München vor Gericht stehen.

A-file-handout-photo-shows-members-of-neo-Nazi-group-NSU-Uwe-Mundlos-Beate-ZschaIn den Landtagen von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen sind im vergangenen Jahr neue Untersuchungsausschüsse eingerichtet worden, um die immer noch offenen Fragen um den NSU-Komplex zu beantworten. Die Aufklärung des Mordes im Internet-Café in Kassel könnte der Schlüssel zur Lösung vieler ungeklärter Fragen im Zusammenhang mit der beispiellosen Mordserie des NSU werden.

Er war das neunte Opfer, erschossen in seinem Internetcafé in der Holländischen Straße in Kassel: Halit Yozgat, 21 Jahre alt. Die ersten beiden Morde geschahen 2000 und 2001 in Nürnberg, dann folgten tödliche Schüsse in Hamburg, München, Rostock, wieder in Nürnberg und in München. Und immer war die Tatwaffe eine Ceska. Die Ermittler gaben der Sonderkommission den Namen „BAO Bosporos“ und suchten vor allem im Milieu des ausländischen organisierten Verbrechens nach den Tätern – ergebnislos. Offenbar war man seit Jahren auf der falschen Spur.

Im März 2006, nach immerhin sieben Morden, wandte sich das Bundeskriminalamt (BKA) an das Bundesamt und die Landesämter für Verfassungsschutz mit der Bitte um Unterstützung. Auch die Leiterin der Beschaffungsabteilung des Hessischen Landesamtes Dr. Iris Pilling wurde angesprochen – und reagierte umgehend. Am 24. März 2006 schickte sie eine launige Mail an ihre Mitarbeiter, vor allem die V-Mann-Führer des Verfassungsschutzes:

„Hallo und guten Morgen, hier komme ich endlich mal wieder und noch kurz vor meinem URLAUB, ich weiß noch, wie man das schreibt und wie man ihn macht!!!!!, mit ein paar Informationen rüber: Ausländer: … Seit 2000 gab es in Nürnberg, München, Rostock und Hamburg insg. 7 Tötungsdelikte gegen polizeilich nicht auffällige Türken mit einem geschäftlichen Bezug (nur ein Grieche war dabei)… Die Tatwaffe ist immer ein und die selbe – aber keiner weiß was darüber. Wird über diese Dinge geredet? Sind die Ermordungen – am helllichten Tag, in der Regel im Geschäft der Opfer – besprochen worden? Gibt es Dinge, die VM [V-Männer] dazu sagen könnten?!“

Sie fügte der Mail ein Schaubild des BKA bei, eine Übersicht über die Ceska-Morde – Details über die Ausführung und das jeweilige Opfer. Auch an ihren Mitarbeiter Andreas Temme wurde diese E-Mail versandt. Temme war damals seit über zehn Jahren beim LfV. Der frühere Postbeamte, über 1 Meter 90 groß, Mitglied eines Motorradklubs und begeisterter Sportschütze, war als Observateur geschult worden und führte inzwischen mehrere Quellen in der islamistischen und zumindest eine in der rechtsradikalen Szene.

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Einer der V-Männer, die er führte, war ein junger Skinhead: Benjamin Gärtner, VP 389, Deckname „Gemüse“. Der hatte Kontakte zum rechten Milieu im Osten, aber auch zu dem gewalttätigen rechten „Sturm 18“ in Kassel und Dortmund. Fünf Tage, nachdem Pilling die Mail verschickt hatte, traf sich Andreas Temme mit seinem rechtsradikalen V-Mann „Gemüse“. Was die beiden besprochen haben, ob die Morde und die Frage „ob über diese Dinge geredet“ bei den beiden ein Thema waren, ist bisher ungeklärt. Die Treffberichte sind unter Verschluss.

Temme verheimlichte 2006 Gespräch mit V-Mann

Am 4. April 2006, gerade zehn Tage nach der Mail der Beschaffungsleiterin Dr. Pilling an ihre V-Mann-Führer, wurde der 39-jährige Mehmet Kubasik um 12.50 Uhr in seinem Kiosk in Dortmund erschossen. Einen Tag später, am 5. April, stellten die Kriminaltechniker des BKA fest, dass die Kugeln aus der Ceska 83 abgefeuert wurden: der achte Mord der Serie.

Am 6. April 2006 kam der Verfassungsschutzbeamte Andreas Temme dem Auftrag, etwas über die Mordserie in Erfahrung zu bringen, sehr nahe. Vielleicht zu nahe.

Früh um sieben Uhr trat er seinen Dienst auf der Außenstelle des LfV Hessen in Kassel an und stempelte sich pflichtgemäß ein. Gegen 9.30 Uhr führte er ein Telefonat mit einer seiner Quellen mit der Tarnnummer „6625“, angeblich einer Person aus dem islamistischen Umfeld. Dann verließ er das Amt. Um 12.30 Uhr traf Temme einen weiteren Informanten zu Mittag. Das dauerte bis 15 Uhr. Zwischendurch, kurz nach 13 Uhr, rief Temme die Frau seines rechten V-Mannes Benjamin Gärtner an und konnte ihn dort erreichen.

Zu dieser Zeit, um genau 13.53 Uhr wurde in der Kasseler Ludwigstraße Nr. 1 der Pkw eines guten Bekannten des V-Mannes „Gemüse“, Swen Wendl, wegen Falschparkens polizeilich registriert. Später notierten die Ermittler: „Wendl ist ‚mehrfach‘ als ‚Mittäter‘ des Gärtner in Erscheinung getreten, u. a. wegen gef. KV (gefährlicher Körperverletzung) und Landfriedensbruchs“. Von der Ludwigstraße 1 bis zum Internet-Café in der Holländischen Straße 82 sind es zu Fuß knapp fünf Minuten. War ein rechter Kamerad des rechten V-Mannes Gärtner zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes?

Nach seinem Mittagessen ging Andreas Temme in ein Internetcafé an der Frankfurter Straße, surfte dort um 15.28 im Netz und überprüfte einen seiner vielen E-Mail-Accounts. Nach einer guten halben Stunde fuhr der Verfassungsschützer zurück zu seinem Büro. Er kam dort um 16.10 Uhr an und blieb nur eine halbe Stunde. Davon telefonierte er über elf Minuten lang mit seinem rechten V-Mann Benjamin Gärtner.

Dieses Gespräch verheimlichte Temme bei den Ermittlungen nach dem Mord 2006. Erst fünf Jahre später, nach dem Auffliegen des NSU, wertete die Polizei noch einmal Temmes Telefondaten aus und stieß auf dieses Gespräch, gerade mal eine Stunde vor dem Mord im Internetcafé in Kassel. Außerdem rekonstruierten die Ermittler anhand von Temmes Kalender und Telefondaten, dass der Verfassungsschützer auch an zwei weiteren Mordtagen mit Gärtner telefoniert hatte: am 8. Juni 2005 in Nürnberg und sechs Tage später in München. Es waren die Nummern 6 und 7 der Mordserie, und jedes mal war V-Mann Gärtner zur Tatzeit in der Stadt, in der der Mord passierte.

Als „wildman70“ im Kuppel-Chat

Nachdem Temme das Gespräch mit „Gemüse“ beendet hatte, verließ er sein Büro, stempelte sich aus und fuhr auf direktem Wege zur Holländischen Straße 82, wo er ebenfalls regelmäßig ein Internet-Café besuchte. Gegen 16.50 Uhr kam er dort an und loggte sich auf die Kuppelseite „ilove.de“ ein. Dabei benutzte er das Pseudonym „wildman70“. Nach elf Minuten loggt er sich aus und verließ das Café gegen 17.01 Uhr.

Gedenken-an-Kasseler-NSU-Opfer

Fast in derselben Minute wurde der Besitzer des Internetcafés Halit Yozgat mit zwei Kopfschüssen ermordet. Am frühen Abend will Temme dann zu Hause in einer kleinen Stadt bei Kassel angekommen sein – angeblich ohne zu erahnen, dass er am Schauplatz eines Mordes der Ceska-Serie gewesen war.

Drei Tage später, am Montag den 10. April, erschien Temme wieder bei der Arbeit im Landesamt. Gegen 10 Uhr traf er seine rechte Quelle Benjamin Gärtner alias „Gemüse“ in einem Burger-King-Restaurant, angeblich ging es um Geld.

Ebenfalls am Vormittag unterhielt sich Temme mit einer Kollegin über den Mord in dem Kasseler Internetcafé. Temme sagte dabei, dass die Tat „keinen regionalen Bezug“ habe, weil die Waffe bei einer bundesweiten Serie eingesetzt worden sei. Doch dass beim Mord im Internet-Café mit der Ceska geschossen wurde, war zu diesem Zeitpunkt öffentlich noch gar nicht bekannt. Die Polizei trat mit der Meldung, dass der Kasseler Mord zu der Ceska-Serie gehört, erst am Nachmittag vor die Presse. Woher Temme zu dieser Zeit vom Einsatz der Ceska in Kassel wusste, ist nach wie vor unbekannt. Ermittlungstechnisch gesehen war es Täterwissen, das Temme in dem Gespräch mit seiner Kollegin offenbart hatte.

An diesem Tag besuchte Temme auch die Polizei in Kassel – jedoch nicht, um sich als Zeuge zu melden. Er hatte einen Termin bei der Staatsschutzabteilung, wo er häufig zu Gast war. Es ging um die Mohammed-Karikaturen, die vor allem die islamistische Szene sehr beschäftigten – die Ceska-Morde waren kein Thema.

Am 12. April, fünf Tage nach dem Mord, vernahmen Kripobeamte noch einmal einen Jugendlichen, gerade 14 Jahre alt, der zur Tatzeitpunkt in dem Internetcafé war. Der Polizei sagte er, es sei noch jemand in den Internetraum gekommen: „Für mich sah der aus wie ein richtiger Deutscher. Ich schätze, er war so 30–35 Jahre alt. Der war groß und breit. Der hatte ganz kurz geschorene Haare, so zwei bis drei Millimeter lang. Die Haarfarbe war hell, rot oder blond … Ich glaube, der hatte eine Lidl-Plastiktüte in der Hand, als er reinkam … die war schon schwer, die hat nämlich nach unten gezogen … Ich habe was Eckiges gesehen, denn der Gegenstand zeichnete sich in der Tüte ab …“

Die Beamten waren elektrisiert: Hatten sie hier einen Hinweis auf den Täter oder einen Mittäter, der die Waffe in einer Plastiktüte ins Café gebracht hatte?

Temme schwieg zwei Wochen lang

Aufgrund dieser Aussage ließen die Ermittler die Computer aus dem Internetcafé untersuchen, vier Tage später hatten sie das Ergebnis: Eine unbekannte Person hatte von 16.50 Uhr bis 17.01 Uhr an dem PC im Internet gesurft – als „wildman70“ bei „ilove.de“. Die Mordkommission beantragte eine Durchsuchung bei dem Betreiber der Seite in Berlin und wurde dort auch fündig: „wildman70“ hatte zwar einen erfundenen Namen angegeben, aber eine reale, noch aktive Handynummer hinterlegt, zugelassen auf einen Andreas Temme. Die Kasseler Polizei wusste zunächst nicht, dass sie auf einen Kollegen von der Verfassungsschutzdienststelle Kassel gestoßen war, der wenige Tage zuvor noch den Staatsschutz in ihrem Dienstgebäude besucht hatte.

Am nächsten Tag, dem 19. April, beantragte die Polizei, Temmes Handy zu überwachen. Ab jetzt hörten die Mordermittler jedes Gespräch ab, das Temme von seinem Handy aus führte.

Zwei Tage später, am Nachmittag des 21. April, wurde der Kasseler Verfassungsschützer Temme von der Kasseler Polizei festgenommen. Jetzt offenbarte Temme ihnen, dass er doch ein Kollege vom LfV sei. Gegen 21 Uhr begannen die Mordermittler, sein Büro und seine Wohnungen zu durchsuchen. Sie fanden einen Revolver, zwei Pistolen und einen Wehrmachtskarabiner und knapp 240 Schuss Munition für verschiedene Kaliber.

Außerdem ein Buch: „Immer wieder töten – Serienmörder und das Erstellen von Täterprofilen“. Daneben beschlagnahmen die Ermittler bei ihm Literatur, vor allem aus der NS-Zeit. Dazu ein internes, als VS-Vertraulich klassifiziertes Handbuch des Bundesamtes für Verfassungsschutz über nachrichtendienstliche Gegenoperationen, ein geheimer, interner Leitfaden, wie man gegnerische Agenten enttarnt und umdreht.

Im Laufe des Abends gab Temme zu, dass er am Tattag in dem Internetcafé gewesen war – zwei Wochen lang hatte er das für sich behalten. Außerdem telefonierte er mit seiner Frau, während die Polizei mithörte. Temme entschuldigte sich bei ihr, dass er in dem Café war, die Frau sagt nur, dass sie doch wusste, dass er dienstlich im Café war. Es blieb das erste und einzige Mal, dass direkt davon die Rede war, dass Temme sich dienstlich am Tatort aufgehalten hatte.

Trotz der belastenden Indizien kam der Verfassungsschützer nach wenigen Stunden auf freien Fuß. Was sich damals hinter den Kulissen der Polizei und des Verfassungsschutzes, die beide dem hessischen Innenministerium unterstehen, abgespielt hat, ist bisher unbekannt. Temme wurde zwar vorübergehend vom Dienst freigestellt, es gab aber zunächst kein Disziplinarverfahren gegen ihn.

Ein verdächtiges Gespräch über Plastiktüten

Dass ein Verfassungsschutzbeamter über 14 Tage nicht meldete, dass er zur Tatzeit am Tatort eines Mordes gewesen war, schien im Verfassungsschutz ebenso wie im Innenministerium niemanden zu irritieren. Auch die Indizien über eine mögliche Verwicklung Temmes in den Mord, die Zeugenaussage, dass er mit einer Plastiktüte mit einem schweren Gegenstand gesehen worden war, erregte bei den Kollegen vom Geheimdienst offenbar keinerlei Verdacht. Temme selbst bestritt in allen Vernehmungen, eine solche Plastiktüte mit ins Internetcafé getragen zu haben.

Seine Frau war da offenbar misstrauischer. Auch deren Telefongespräche wurden mitgeschnitten, so konnten die Kriminalbeamten am 28. April hören, wie sich Temmes Frau gegenüber einer Freundin über die Fragen der Ermittler ausließ:

„Nächstens frage ich die Leute auch … , ob sie Schusswaffen besitzen und gebrauchen und ob sie irgendwie chatten oder ob sie gedenken, in der nächsten Zeit mal irgendwelche Türken niederzumetzeln

Temmes Ehefrau
in einem Telefonat mit einer Freundin

„Nächstens frage ich die Leute auch gleich als allererstes, ob sie Schusswaffen besitzen und gebrauchen und ob sie irgendwie chatten oder ob sie gedenken, in der nächsten Zeit mal irgendwelche Türken niederzumetzeln …“

Das Abhörprotokoll notiert auf der Gegenseite: „Gelächter“.

Dann Frau Temme: „Ist doch wahr, echt. Der findet das aber gar nicht so lustig … Oder dann ging es darum, er hat ja angeblich eine Plastiktüte gehabt, ne.“

„Wieso?“

„Na, dieser Mensch, der ihn da noch angeblich gesehen hat, hat doch gesehen, dass er eine Plastiktüte in der Hand hatte.“

„Ja, und?“

Temmes Frau antwortete: „Und ich hab dann zu ihm gesagt: Pass mal auf! Ich kann das nicht leiden, wenn wir einkaufen oder wenn er einkaufen geht und nimmt immer Plastiktüten.“

Sie habe ihrem Mann schon ein paar Mal gesagt, Männer die Plastiktüten tragen, sehen doof aus.

Kollege war über „Andys“ Verhalten verstimmt

Der Plastiktüten-Dialog veranlasste die Opferanwälte jetzt dazu, die Vernehmung von Temmes Ehefrau als Zeugin im Münchner Prozess zu beantragen:

„Gegenüber der Zeugin, so wird diese bekunden, habe der Zeuge Temme eingeräumt, eine Plastiktüte tatsächlich dabei gehabt zu haben. Sie habe ihm aufgrund der Tatsache, dass er eine Plastiktüte dabei gehabt habe, Vorwürfe gemacht und gesagt, dass sie ihm schon vielfach geraten habe, keine Plastiktüten mitzunehmen, weil das bei Männern auffällig sei.“

Der Verfassungsschützer Temme verbrachte nun die meiste Zeit zu Hause, telefonierte von dort aus regelmäßig mit Kollegen aus dem Amt. Schnell wurde den mithörenden Kriminalbeamten deutlich, dass Temme und die anderen Verfassungsschützer sich merkwürdig konspirativ verhielten. Am selben Abend, als sich Temmes Ehefrau über das „Niedermetzeln“ von Türken und Plastiktüten an Tatorten und anderswo ausließ, rief der Kollege Michael H. vom Verfassungsschutz an und ließ sich von Temmes Frau – sie hatte gerade aufgelegt – mit „Andy“ verbinden.

„Was machst du denn da für eine Scheiße?“, fragte er und ergänzte: „Ich will es gar nicht wissen.“

(…)

Kurz danach schilderte er, „was der Boss so gesagt hat. Äh, dass eben der Typ in dem Café da umgedaddelt worden wäre …“ So zitierte ein Verfassungsschutzbeamter aus Hessen seinen Vorgesetzten gegenüber dem unter Mordverdacht stehenden Kollegen.

(…)

Temme versicherte dem Kollegen: „Wenn der ganze Spaß rum ist, dann kann ich dir das mal erzählen, das ist am Telefon ein bisschen schlecht. Auch wegen dem ganzen anderen Drumrum, von wegen, dass ja auch niemand außerhalb auch nur irgendwas darüber erfahren darf.“

Der Kollege: „Ja ja, klar.“

Temme: „Da muss man ja bisschen uffpassen.“

Kollege: „Ja ja, ist schon ok.“

Ganz offenbar war Temmes Aufenthalt in dem Internetcafé doch nicht so privat, wie er und seine Vorgesetzten immer behaupteten.

Bemühen um konspirative Kommunikation ist erkennbar

Niemand schien ernsthaft verärgert über Temme zu sein oder sich auch nur darüber zu wundern, dass er in dem Café gewesen war. Temmes Chefin, Dr. Iris Pilling, die den Auftrag erteilt hatte, sich bei den V-Männern in Sachen Ceska-Morde umzuhören, versicherte ihm in einem Telefonat, dass er sich keine Sorgen machen müsse – im Gegenteil: Seiner Beförderung stehe nichts im Wege.

Wenige Tage später, am 2. Mai 2006 meldete sich Temme bei einem anderen Kollegen, Frank-Ulrich Fehling. Die beiden besprachen am Telefon unter anderem, wie es mit Temmes V-Leuten weitergehen sollte.

Fehling: „Das Dienstliche ist gar nicht so schlimm, Andreas. Das ist nicht so schlimm, das haben wir alles im Griff. Keiner weiß was, für alle bist du krank, und das ist nicht schlimm. … Aber dienstlich gehe ich davon aus, was ich so sehe, hier mit deinen V-Leuten, geht da nichts. Und in deine Berichte haben sie noch nicht geguckt. Ja, da wollen se reingucken, aber da kommt erst ein Jurist mit nach Kassel von Wiesbaden, der wird noch bestimmt, und ich führe jetzt erst Mal – ich führe die drei Kassler bzw. den 631, den 389 [Benjamin Gärtner] und den 650 weiter in deinem Sinne, ne.“

(…)

Ein klarer Hinweis darauf, dass „ein Jurist aus Wiesbaden, also vom LfV“ Temmes V-Mann-Berichte erst noch sichten – und möglicherweise aussieben – wollten, bevor die Polizei Einsicht nehmen durfte, wenn überhaupt.

Die Verfassungsschützer bemühen sich erkennbar, konspirativ und verklausuliert zu kommunizieren. Doch selten blieben die Agenten dabei diszipliniert. Am Ende des Gesprächs rutschte Temmes Kollegen Fehling ein Satz über eine von der Polizei geplante Tatrekonstruktion heraus: „Ich hatte gehört … dass sie … wie heißt das – [eine] Tatortprüfung gemacht haben, und da habe ich schon gedacht: Wenn sie ihn dahin mitnehmen, ist er tot. Aber sie haben dich – Gott sei Dank – da nicht mitgenommen, nä?“

Temme: „Mh.“

Fehling: „Alles klar, das ist schon mal wichtig.“

Offenbar hatte Fehling die Befürchtung, dass bei einer Rekonstruktion des Tatherganges schnell klar werden könnte, dass Temmes Geschichte nicht stimmen konnte. Einen Monat später stellte die Polizei dann tatsächlich mit Temme am Tatort die Abläufe entsprechend seiner Schilderung nach und filmte ihn dabei: Er steht an seinem Computerplatz auf, schaut nach dem Internet-Betreiber Yozgat, sieht ihn nicht, geht kurz nach draußen, kommt wieder herein und legt, als er Yozgat noch immer nicht entdeckt, 50 Cent auf den Tresen.

Dann verlässt er das Café. Doch die Rekonstruktion legt nahe, dass es für den großen Temme unmöglich gewesen wäre, die blutverschmierte Leiche hinter dem kleinen Tresen zu übersehen.

Im Dokument fehlt der entscheidende Part

Beim LfV Hessen kümmerte sich inzwischen der Geheimschutzbeauftragte Hess um den Fall. Vor allem war es offenbar seine Aufgabe, den Fall unter der Kontrolle des Verfassungsschutzes zu behalten.

Am Nachmittag des 9. Mai meldet er sich telefonisch bei seinem Kollegen:

„Hallo, Herr Temme, grüße Sie.“

Temme sagte: „Ich wollte mich bei Ihnen mal melden.“

(…)

Darauf Hess: „Ah, alles klar. Ja, keine einfache Situation für Sie.“

„Nee, das stimmt“, meinte Temme.

Und dann folgte ein Satz, der beim ersten Abhören der Aufzeichnung durch Polizeibeamte wahrscheinlich überhört, jedenfalls nicht protokolliert worden war.

Hess: „Ich sach ja jedem, äh, wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert: Bitte nicht vorbeifahren! Ja, es ist sch… Ja, wie sieht es bei Ihnen aus, wie fühlen Sie sich?“

Wusste Temme also, das in dem Internetcafé „so etwas passiert“? Warum sollte ein Verfassungsschützer „bitte nicht vorbeifahren“, wenn „er weiß, dass irgend so etwas passiert“?

(…)

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Im Beweisantrag der Anwälte im Münchner Verfahren heißt es dazu: „Es besteht also Konsens zwischen den Telefonierenden, dass Temme schon vor der Tat wusste, „dass … so etwas passiert“ und entgegen den Anweisungen trotzdem „vorbeigefahren“ ist. Diese Äußerung des Zeugen Hess bleibt durch den Beschuldigten Temme unwidersprochen.“

Das Telefonat wurde zwar in einem Dokument von einem Polizisten zusammengefasst, aber der entscheidende Part fehlt darin. So findet sich das zitierte Telefongespräch nur auf den originalen Abhörbändern bzw. -platten. Und tatsächlich stellt diese Äußerung fast alles, was bislang von Mitarbeitern des LfV Hessen zu dem Mord in Kassel ausgesagt worden ist, infrage.

„Ein Komplex, der nicht ganz unwichtig ist“

Dann gibt Hess dem Kollegen Temme einen guten Rat: „So nah wie möglich an der Wahrheit bleiben.“ Also nah an der Wahrheit bleiben, aber nicht die ganze Wahrheit sagen? Danach wird es noch brisanter:

„Also, soweit ich hier mitbekommen habe, hat sich die Frage gestellt, die könnten sie sich noch mal überlegen: Ab wann auf der Außenstelle bzw. Sie als Person mit der Frage konfrontiert worden sind oder mitbekommen haben, da sind in der Bundesrepublik, das war also teilweise – weiß ich jetzt nicht – vor den Geschehnissen in Kassel, nach dem Geschehnis – sind da Morde passiert.“

Temme: „Mh.“

Ja, wie war denn das, ab wann – und – haben Sie das mitgekriegt, haben Sie das nicht mitgekriegt und wie haben Sie das bewertet. Das scheint so ein Komplex zu sein, der nicht so ganz unwichtig ist

Geheimschutzbeauftragter Hess
zu Andreas Temme

Hess: „Und, äh, ab wann ist Ihnen, äh, klar geworden, dass sie sozusagen, ob nun bewusst oder unbewusst, das müssen sie dann schreiben, äh, einen ja, einen [Mord] mitbekommen haben – oder, möglicherweise an einem Tatort anwesend waren.“

Temme: „Mhmh.“

Hess: „Ne, darauf wird man natürlich auch ein bisschen, äh, Wert legen und sagen, ne, ab wann war ihm das bewusst, ok, da stellt sich dann die nächste Frage: Hätte der Kollege sich dann vielleicht mal äußern müssen? – also, dem Amt gegenüber. Wenn Sie da irgendwie, äh, Stellung zu nehmen, nicht, zu dieser Frage; die ist so nicht ganz unwichtig und dann erspart man sich des auch, dann bei Ihnen noch mal nachzufragen: Ja, wie war denn das, ab wann – und – haben Sie das mitgekriegt, haben Sie das nicht mitgekriegt und wie haben Sie das bewertet. Das scheint so ein Komplex zu sein, der nicht so ganz unwichtig ist.“

Temme: „Mh.“

Hess: „Darauf würde ich also dann eingehen.“

Er bereitete Temme also auf die naheliegende Frage der Polizei vor: Hat er als Verfassungsschützer, der ja mindestens einen V-Mann in der rechten Szene führte, jemals etwas von der Ceska-Mordserie gehört?

Temme antwortete jedesmal mit „Mhmh.“

Er sagte nicht, dass er niemals von der Serie gehört hatte, er sagte auch nicht, dass seine Vorgesetzte Frau Pilling wenige Wochen vor dem Mord ihn und seine Kollegen mithilfe eines BKA-Informationsblattes über die ungeklärte Mordserie informiert und sie aufgefordert hatte, sich bei ihren V-Leuten umzuhören, was man darüber in der Szene spricht.

„Definitiv nicht unschuldig in diese Situation geraten“

Temme ging im weiteren Verlauf des Gespräches mit keinem Wort auf die Frage ein, ob und wann er vorher von der Mordserie gehört hatte, dass er von seiner Vorgesetzten darüber informiert worden war, dass er den Auftrag hatte, mit seinem V-Mann darüber zu sprechen.

Stattdessen schilderte er eine holprige Geschichte, wann er Tage nach dem Mord realisiert habe, dass er in etwa zeitgleich mit der Tat am Tatort war. Als würde er seine Aussage einüben, sagte Temme am Telefon seinem Betreuer vom Amt:

„… weil an dem Tag war es ja dann auch so, als ich da raus bin und es war für mich niemand von den Betreibern anwesend, beim Rausgehen, hatte ich ja noch mal draußen vor der Tür geguckt, auf der Straße und war dann noch mal kurz reingegangen, habe da noch mal geguckt und habe niemanden gesehen und dann hatte ich ja noch diese 50 Cent auf den Tresen gelegt und bin gegangen.“

Allein dem Verfassungsschutzchef Lutz Irrgang gegenüber offenbarte Temme mehr. Das geht aus einem weiteren Telefonat mit dem Kollegen Fehling hervor: „Und wie du das beim Irrgang gemacht hast und hast dich nicht so verhalten, wie mir gesagt wurde, nicht so restriktiv wie bei der Polizei, also du hast denen alles dargestellt. Ich darf es und will es nicht wissen. Ich hoffe, dass es gut für dich ausgeht …“

Die Anwälte der Familie des Mordopfers Halit Yozgat schlossen aus all diesen Telefonaten: „Dieses Verhalten seitens des Landesamtes ist nur auf dem Hintergrund erklärbar, dass der Beschuldigte Temme dienstlich an dem Tatort des Mordes war und es deshalb ein eigenes Interesse des Landesamtes daran gab, die Ermittlungen der Polizei in eine andere Zielrichtung zu steuern.“

Temmes Ehefrau erklärte in einem weiteren abgehörten Telefonat mit einer Bekannten, dass ihr Ehemann von seinen Vorgesetzten „den Arsch verhauen“ bekommen habe, vor allem, weil jetzt die „Kripo da im Amt rumlatscht, wo eigentlich keiner rein darf“. Sie sagte weiter, er hätte sich in dem Internetcafé nicht aufhalten dürfen, er sei „definitiv nicht unschuldig in diese Situation geraten“. Am Ende meinte sie: „Ach, was weiß ich denn, vielleicht war er es ja doch.“ Er habe auch nie gesagt: „Ich war es nicht.“

Nicht gerade eine Ermunterung an die mithörenden Ermittler, den Verdacht gegen Temme fallen zu lassen.

Verfassungsschutz traute eigenen Quellen vieles zu

Die Telefonate, die in den Wochen nach dem Mord an Halit Yozgat aufgezeichnet werden, zeigen, dass alle Mitarbeiter des LfV Hessen großen Wert auf Konspiration legten. Aus einem Telefonat entnahm die Polizei, dass sich Temmes Chefin Dr. Iris Pilling mit ihm treffen wollte. Ausgerechnet die Beschaffungsleiterin des Amtes, die ihn und seine Kollegen 14 Tage vor dem Mord beauftragt hatte, sich um die Ceska-Serie zu kümmern, wollte ihn in einer Autobahnraststätte treffen, nicht etwa im Büro. Die Polizei beschloss eine Observation des konspirativen Treffens der Verfassungsschutz-Abteilungsleiterin mit dem von der Polizei des Mordes verdächtigten Verfassungsschützers Temme.

Seit Wochen drängten die Mordermittler darauf, die V-Männer, darunter den Rechtsradikalen Benjamin Gärtner, verhören zu dürfen. Der Verfassungsschutz mauerte. Ende Juni trafen sich Mordermittler, der Staatsanwalt und der Geheimschutzbeauftragte. Hess hatte in Gesprächen mit der Polizei zuvor immer wieder besonders deutlich gemacht, wie wichtig der Quellenschutz für sein Amt sei und erklärte, dass „eine Vernehmung und der damit einhergehende Verlust der Quellen das „größtmögliche Unglück für das Landesamt“ darstellen würde – „wenn solche Vernehmungen genehmigt würden, wäre es für einen fremden Dienst ja einfach …, den gesamten Verfassungsschutz lahmzulegen. Man müsse nur eine Leiche in der Nähe eines V-Mannes bzw. eines V-Mann-Führers positionieren.“

Der Disput ging noch Wochen weiter. Am Ende des Jahres durften die Mordermittler nur Fragenkataloge für die V-Männer schicken, die dann von Verfassungsschützern mit den Quellen erörtert wurden. Die Antworten erhielten die Mordermittler dann erst im Januar 2007. Sie waren vollkommen nichtssagend.

Auch das Alibi des V-Mannes Gärtner für den Zeitpunkt des Mordes im Internetcafé war eher dürftig. Er habe zur damaligen Zeit als Gebäudereiniger gearbeitet, ohne feste Arbeitszeit, sagte er in einer Vernehmung. Manchmal sei er vormittags mit seiner Arbeit fertig gewesen und konnte nach Hause. „Deswegen weiß ich auch nicht, wann ich am 6. 4. 2006 nach Hause gekommen bin.“

Dass der Verfassungsschutz seinen eigenen Quellen vieles zutraute, geht aus einem weiteren Vermerk der Polizei hervor. Der Geheimschutzbeauftragte Hess informierte sich bei der Polizei am 1. September 2006, ob auch gegen V-Männer ermittelt würde. In einem Aktenvermerk heißt es: „Hess will ’nachdrücklich‘ wissen, ob neben den Theorien ‚Temme als Täter‘ und ‚Temme und VM [V-Mann] als Täter‘ auch die Theorie ‚VM als Täter‘ verfolgt werde“.

Bundesanwälte halten Kasseler Fall für „ausermittelt“

Hatte der Geheimschutzbeauftragte möglicherweise selbst den Verdacht, dass V-Mann Benjamin Gärtner in den Fall verwickelt war? Oder wollte man weiteren Ermittlungen vorbeugen? Einiges deutet darauf hin, dass man das lieber selbst nicht so genau wissen wollte. Als das Bundeskriminalamt den V-Mann „Gemüse“ im Jahre 2012 nach dem Auffliegen des NSU vernehmen durfte, führte der sich auf, als sei er unantastbar. Der Verfassungsschutz hatte ihm einen Anwalt zur Seite gestellt. Auf die Frage, mit welchem Mitarbeiter des LfV er seit 2001 zusammengearbeitet habe, antwortete der V-Mann: „Meine Aussagegenehmigung bezieht sich nur auf meine Tätigkeit für den LfV ab April 2006.“

Damit durfte er noch nicht einmal etwas darüber sagen, ob sein V-Mann-Führer Temme ihn entsprechend dem Auftrag seiner Vorgesetzten Dr. Pilling gefragt hatte, was man in der Szene über die Mordserie spricht – denn das war ja noch im März.

Auch durfte er nichts über das Umfeld sagen, in dem er als Spitzel tätig war. Er durfte nicht darüber befragt werden, was er am 8. Juni 2005, am Tattag des sechsten Mordes der Ceska-Serie am Tatort Nürnberg und sechs Tage später am Tatort des siebten Mordes in München gemacht hatte.

Dass es eine besondere Beziehung von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach Kassel gab, wird auch aus einem Fundstück aus dem Zwickauer Wohnhaus deutlich, das Beate Zschäpe ein Brand steckte, bevor sie floh. Das Asservat mit der Nummer 2.7.30. ist ein stark verkohlter Falk-Stadtplan von Kassel, 10. Auflage von 2002 bis 2006, mit handschriftlichen Markierungen und Notizen.

Der Nebenkläger-Anwalt Kienzle fand inzwischen heraus, dass alle Markierungen, bis auf eine, auf den täglichen Fahrtrouten von Temme zu finden sind.

Auf einem Zettel, der ebenfalls im Brandschutt der Frühlingsstraße gefunden wurde, stand auf der einen Seite die Notiz: „Hollä. Str. 82“ daneben sieben Zahlenreihen – die Funkkanäle des Polizeipräsidiums Nordhessen und der Leitstellen verschiedener Rettungsdienste in Kassel und Umgebung, wobei jeweils eine Null zu viel notiert war. Die Kanalbelegung lässt sich leicht im Internet recherchieren. Dann allerdings würde vermutlich keine zusätzliche Null hinzugefügt.

Einer der Kanäle war im Übrigen nicht so leicht herauszufinden: 168.040 oder eben 168.04 steht für zwei Funkmasten des Hessischen Ministeriums des Innern, mutmaßlich also auch ein Funkkanal für den Verfassungsschutz. Auf der Rückseite des Zettels war eine grobe Skizze des Internetcafés von Halit Yozgat. Irgendjemand hatte offenbar den Tatort vor dem Mord ausgekundschaftet, irgendjemand, der auch die Funkkanäle des Hessischen Innenministeriums kannte. Wieder nur ein Zufall? Ja, sagt die Bundesanwaltschaft, die den Kasseler Fall für „ausermittelt“ hält.

Wird Bouffier im NSU-Prozess geladen?

Nur ein Untersuchungsausschuss, der seinem Ermittlungsauftrag wirklich nachgeht, kann diesen Nebel aus Vertuschung und Desinformation lichten. Ein Ausschuss, der darauf besteht, dass alle Akten über den Verfassungsschützer Andreas Temme und seine V-Leute herausgegeben werden, dass Vernehmungen nicht verhindert werden mit dem fragwürdigen Hinweis auf das Wohl des Landes Hessen.

Da war Bayerns früherer Innenminister Günther Beckstein deutlich weiter, als er Anfang August 2006, vier Monate nach dem Mord in Kassel seinen hessischen Amtskollegen Volker Bouffier in einem Telefonat davon zu überzeugen versuchte, die Ermittlungen gegen den hessischen Verfassungsschutzmitarbeiter dadurch zu fördern, dass die Quellen Temmes zu Vernehmung freigegeben würden.

Die Anwälte des Ermordeten beantragten jetzt auch, den hessischen Ministerpräsidenten vor den Münchner NSU-Prozess zu laden. Er habe die Sperrerklärung zur Vernehmung der Quellen Temmes erlassen und damit weitere polizeiliche Ermittlungen verhindert.

Das könnte sogar ein Straftatbestand sein: Strafvereitelung im Amt. Ein mögliches Delikt, dass sich wie ein roter Faden durch den gesamten NSU-Komplex zieht, bei den Verfassungsschutzbehörden in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Thüringen und auch beim Bundesamt für Verfassungsschutz.

Drei neue und ein wieder aufgenommener Untersuchungsausschuss in Thüringen haben jetzt die Chance, zu klären, wie nahe die Geheimdienste den Mördern tatsächlich waren.

Bleibt eines nachzutragen: Nachdem am 4. November 2011 Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot in ihrem brennenden Camper aufgefunden worden waren, richtete der Generalbundesanwalt eine Anfrage an alle Sicherheitsbehörden, welche Erkenntnisse zu einer Reihe von Personen aus dem Umfeld des nationalsozialistischen Untergrundes vorlagen. Es waren 38 Namen auf der Liste, darunter stand: „Die unter Ziffer 1. bis 19. genannten Personen bitten wir wegen der besonderen Bedeutung vorrangig zu bearbeiten.“

Die Liste begann mit dem Namen Beate Zschäpe, Nummer zwei war Holger Gerlach, drei Andre Eminger, vier Ralf Wohlleben, sechs war Uwe Mundlos, sieben Uwe Böhnhardt, acht André Kapke, neun Mathias Dienelt – alle von ihnen heute entweder tote Täter wie Mundlos und Böhnhardt – oder als mutmaßliche Helfer des NSU in München als Angeklagte vor Gericht.

Die Nummer elf auf der Liste war Benjamin Gärtner, geb. am 23. November 1980 in Kassel, der V-Mann des Verfassungsschützers Andreas Temme.

Die Nummer 16 war Tino Brandt, Gründer des Thüringer Heimatschutzes, aus dem der NSU hervorgegangen war, nebenbei V-Mann des Verfassungsschutzes Thüringen.

Die Nummer 22 war Swen Dieter Wendl, der rechte Kumpel von Benjamin Gärtner, dessen Auto zur Tatzeit unweit des Tatortes im Kasseler Internetcafé registriert wurde.

Temme, ich glaube dir kein Wort

Halit Yozgats Vater
zu Andreas Temme

Es gibt einiges aufzuklären für den hessischen Untersuchungsausschuss.

Der Vater des ermordeten Halit Yozgat war beim Prozess in München, als Andreas Temme dort mehrfach aussagte. Zum Abschluss seiner Befragung stand der Vater auf und sagte zu dem ehemaligen Verfassungsschützer: „Temme, ich glaube dir kein Wort.“

Lesen nSie den ganzen Artikel mit Videos und Tonmitschnitten hier: : http://www.welt.de/politik/deutschland/article137918258/Wie-nah-war-der-Verfassungsschutz-den-NSU-Moerdern.html

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Offener Brief an Dr. Günther Beckstein – aus aktuellem Anlaß !

Brief Anfang:

Rudolf Heindl

Richter i. R.

PFINZINGSTRASSE 4

91239 HENFENFELD

 

13.05.2013

 

Herrn

Abgeordneten des Bayerischen Landtages

und Alt-Ministerpräsidenten                                                                                          Eilt sehr!

Dr. Günther Beckstein

über

Herrn Pfarrer Dr. Peter Baumann                                   durch persönliche Übergabe im Pfarrhaus

Evangelische Kirchengemeinde und Diakonieverein Henfenfeld

Kirchenstr. 3

91239 Henfenfeld

 

 

 

DIE ZEHN GEBOTE

Neuntes Gebot:

 

DU SOLLST NICHT BEGEHREN DEINES NÄCHSTEN HAUS

 

 

Sehr geehrter Herr Abgeordneter und Alt-Ministerpräsident Dr. Beckstein, lieber Günther,

 

als sei es erst gestern gewesen, erinnere ich mich, wie wir im Repititorium beim alten Amtsgerichtsrat Patschke im Nebenzimmer der Gaststätte “Deutsches Haus“ in Erlangen vor 47 Jahren uns auf das Erste Juristische Staatsexamen vorbereitet haben. Wir saßen dicht gedrängt an den zusammen geschobenen Wirtshaustischen und hatten den Bierkrug unter dem Stuhl stehen, da wir oben die Tischfläche zum Schreiben und für die aufgeschlagenen Gesetzbücher brauchten, in denen wir uns darin übten, die richtigen Paragraphen zu finden.

 

Da haben wir beide das gleiche Recht gelernt. Im Berufsleben dann sind unser Rechtsverständnis und unsere Rechtsanwendung sehr weit auseinander gegangen.

 

Wenn ich jetzt auf der einen Seite erlebe, wie Menschen zu mir kommen und mich um Hilfe gegen eine von Dir installierte Gewalt- und Willkürherrschaft (§ 92 Abs. 2 Nr. 6 StGB) bitten, die bei uns mittlerweile alle Bereiche des Lebens zersetzt hat, ja zuweilen förmlich um Schutz anflehen, weil es um ihre Existenz, ihre Freiheit und ihr Leben geht, und wenn ich auf der anderen Seite Dein Interview “Es ging, darum, ein Exempel zu statuieren“ zur Ausweisung des türkischen Jungen Mehmet vor 15 Jahren lese (siehe Süddeutsche Zeitung – online – vom 24. 04.2013), erkenne ich die Notwendigkeit, dass sich unser beiderseitiges Rechtsverständnis wieder annähern muss … und zwar dort bei dem Recht, das uns der alte Amtsgerichtsrat Patschke beigebracht hat.

 

Du hast ein Buch geschrieben: “Die Zehn Gebote“, und in einer Besprechung Deines Buches mit dem Redakteur Henning Röhl von BibelTV am 25.10.2011 hast Du gesagt:

 

„Ich wollte (mit dem Buch) bewusst machen, dass alle Entscheidungen sich an den Zehn Geboten messen lassen müssen.“

 

Und weiter:

 

„Niemand sollte sich allzu sehr den Heiligenschein aufsetzen!“

 

 

Lieber Günther,

der Heiligenschein, den Du Dir aufgesetzt hast, fällt Dir gerade vom Kopf.

 

Ich will zwei Koordinaten der Absturz-Parabel Deines Heiligenscheines in diesem Brief kurz festhalten.

 

 

I.

 

Du hast den Liedermacher und Sänger Hans Söllner angezeigt, weil er in einem seiner Lieder Dich in dem Lied “Mei Angst“ mit Hitler und Himmler verglichen habe. Der Text lautet:

 

„Früher hams Hitler ghoaßn oder Himmler,

wisst´s es no, heit hoaßns Beckstein und Haider,

früher warn´s de Juden, heit de Türken,

des kimmt echt aufs selbe raus.

Ihr schürt´s den Hass von Millionen

Und suachts für eure Fehler Leut,

die ma verhoazn ko wia damals

und koana merkt`s, was ihr da treibts.“

 

Der Liedermacher Hans Söllner hat jetzt, da er zum vierten Male wegen dieses Liedtextes vor Gericht stand, von seinem Anwalt Jürgen Arnold die Aussage des Rechtsanwalts Alexander Eberth über das Schicksal des türkischen Jungen Mehmet, dessen Heimat München ist, in den Prozess einführen lassen (mittlerweile ist Mehmet ein junger Mann, der Name ist verändert, der Fall ist unter diesem Namen durch alle Medien gegangen).

 

Rechtsanwalt Alexander Eberth, ein ehemaliges Mitglied des Bayerischen Senats, war der Anwalt des türkischen Jungen Mehmet, der als 14jähriger vor 15 Jahren von Dir als Innenminister in die Türkei ausgewiesen worden ist. Er berichtet, dass Du ihm am 04.07.1998 bei einem Empfang des Landtagspräsidenten folgendes anvertraut hast:

 

Im Frühjahr 1998 vor den Landtagswahlen hast Du einen Staatsanwalt in das Kreisverwaltungsreferat geschickt, um einen minderjährigen, straffällig gewordenen, in München aufgewachsenen Türken zu suchen. Dabei hast Du zu Rechtsanwalt Eberth gesagt:

 

„Wir mussten erst den Richtigen suchen und die Chancen der Abschiebung prüfen. Wer ist am geeignetsten? Aus einer größeren Anzahl von Jugendlichen ist vom Oberstaatsanwalt Mehmed ausgesucht worden. Es gab schlimmere, aber es musste ein Türke sein, in München geboren.“

 

Aus den Prozessen, die (zur Tarnung der Gewalt und Willkür) vorausgingen, bis der vierzehnjährige Mehmet abgeschoben worden ist, berichtet Rechtsanwalt Eberth, dass ein Richter zu ihm gesagt hat:

 

„Sie können sich gar nicht vorstellen, welchen Druck der Minister (Beckstein) persönlich gemacht hat.“

 

Ich habe davon gelesen, dass die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag Dich und Justizministerin Merk aufgefordert hat, im Landtag zu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Ich gebe Dir einiges Material, um Dein Gedächtnis zu stärken.

 

Ich füge dieses Schreiben an Dich dem Brief bei, den ich an Deine Fraktionsvorsitzende, Frau Abgeordnete Christa Stewens, und weitere Empfänger richte.

 

 

Du hast der Süddeutschen Zeitung (online) am 24.04.2013 dazu ein Interview unter dem Titel gegeben: „Es ging darum ein Exempel zu statuieren.“

 

In diesem Interview stellst Du nicht nur Deinen Standpunkt zur Abschiebung von Mehmet dar, sondern machst Aussagen, die – im Zusammenhang mit weiteren Fakten gesehen – Schlüsse auf Dein politisches Handeln zulassen.

 

Eine der Fragen an Dich lautete: „1998 gab es dieses Plakat von den Grünen, auf dem stand: “Beckstein würde sogar Jesus abschieben“. Wie ging es Ihnen damit?“

 

Deine Antwort:

 

„Das Plakat halte ich heute noch für eine ganz große menschliche Gemeinheit. Es ist die Aufgabe eines Innenministers, Recht und Gesetz durchzusetzen, denn wenn das unterbleibt, verlieren die Gesetze ihre Wirkung.

Ich wollte Spitze in der Sicherheit werden, auch mit harten Maßnahmen.“

 

Lieber Günther,

Du hast sicher dieses Ziel gehabt, Du hast aber weder die intellektuellen noch die moralischen Voraussetzungen, um dieses Ziel je erreichen zu können. Deshalb hast Du Dich wie ein Streber in der Schule verhalten, der versucht durch Abschreiben der Klassenbeste zu sein.

 

Und was Du durch Leistung niemals erreichen konntest, hast Du versucht, durch Täuschung – durch manipulierte Fälle – zu erreichen.

 

Du hast den Polizei- und Justizapparat gezwungen, Verfahren vorzutäuschen, in denen Du den Täter ermittelt hast und gnadenlos verfolgst. In Wirklichkeit waren das Unschuldige, wie der Schwachsinnige Ulvi Kulac, dem Du von Deinem Dir hörigen Polizeiapparat den Mord an Peggy hast anhängen lassen.

 

Du bist Spitze in der Staatskriminalität geworden, die in einem demokratischen Rechtsstaat der transatlantischen Wertegemeinschaft ein Innenminister aus dem Amt heraus je begangen hat und Deine „harten Maßnahmen“ sind nichts weiter als eine Palette der schlimmsten Verbrechen.

 

Ich erinnere Dich an Deine Kampagne aus dem Frühjahr 2005, wo Du mit der Behauptung, Du hättest die “Terror-Moslems“ in der Moschee in der Hessestraße in Nürnberg enttarnt, an die Öffentlichkeit getreten bist. Ich füge den Artikel aus der Bild-Zeitung (Nürnberger Ausgabe) vom 13. Mai 2005 hier in den Text des Briefes ein:

 

„In dieser Moschee sammeln Islamisten für den Terror – von Innenminister Beckstein enttarnt“

 

……………

 

 

 

Nichts in diesem Artikel ist wahr!

 

  • Es gibt keine Moschee mit Terror-Moslems in Nürnberg.

 

  • Und es gibt erst recht keine Moschee in Nürnberg, hinter deren biederen Fassade Islamisten für den Terror gesammelt hätten.

 

  • Es gab und es gibt kein Geld in einer Moschee in Nürnberg, das für Terroristen-Camps im Sudan bestimmt wäre.

 

  • Es flog keine Verschwörung in der Fatih-Moschee in Nürnberg auf.

 

  • Es gab keine Sondereinsatzkommandos, die das vierstöckige Haus in der Nähe des Plärrers gestürmt hätten.

 

  • Es sind in keiner Moschee in Nürnberg Computer, Cassetten und CDs mit Haßbriefen und Geld beschlagnahmt worden.

 

  • Die Fahnder des Ministers waren bei dem Ausländerbeirat Hassan A. nicht erfolgreich.

 

Nur zwei kurze Anmerkungen zu Deinem Lügengebäude:

 

  1. Du hast von Deiner Spionin, die Du aus dem bayerischen Verfassungsschutz in den Vorstand der Moschee eingeschleust hattest, tatsächlich Belege stehlen lassen, aus denen hervorging, dass in der Moschee gesammelt worden ist: aber für die Opfer des Oder-Hochwassers und nicht für Terroristen-Camps im Sudan. Die Menschen wollten gerade zeigen, dass sie in Deutschland als ihrer neuen Heimat angekommen sind und sich bei deutschen Opfern solidarisch zeigen, und das hat Dir nicht in das politische Konzept gepasst.

 

  1. Du hast von Deiner Spionin weiter Belege stehlen lassen, die sich auf die Pilgerreisen von Muslimen nach Mekka bezogen, die sollten vom Verfassungsschutz und der spurenkundlichen Abteilung des Landeskriminalamts dahin umgefälscht werden, dass sie belegen, dass die Reisen von jungen Männern in Ausbildungscamps des Terrorismus finanziert werden.

 

 

Du lässt Dich als Innenminister und oberster Polizeichef für eine Großtat beweihräuchern, die überhaupt nicht stattgefunden hat!

 

Das ist für sich gesehen schon ein schreckliches Ereignis, das in einem demokratischen Rechtsstaat nicht hingenommen werden kann.

 

Wie sehr aber dieser Rechtsstaat zerstört ist, können wir erst dann erkennen, wenn wir den Spuren Deiner Propaganda-Lügen nachgehen und dabei feststellen müssen, dass gemordet worden ist, um die Propaganda-Lügen mit einem Anschein von Wahrheit zu versehen.

 

Ich werde in dem Teil III “Die Hintermänner der Mörder“ in meiner Post an Frau Fraktionsvorsitzende Stewens und Andere (siehe S. 5 im Teil I “Am Sonntag ist Muttertag und am Mittwoch wird die Mutter abgemurkst“) dazu Ausführungen machen.

 

II.

 

Zusammen mit Deinen politischen Freunden, die im Kreistag Nürnberger Land in der CSU-Fraktion das Sagen hatten, hast Du von klein auf und seit dem Beginn Deiner politischen Karriere denjenigen kriminellen Apparat aufgebaut, dem jetzt Frau Monika Brandl am Mittwoch zum Opfer fallen soll, indem sie durch Zwangsräumung aus dem Haus geworfen wird, das ihr gehört, und dessen Finanzierung durch die Sparkasse Nürnberg sie schon längst zurückbezahlt hat.

 

Deshalb habe ich Dir das Neunte Gebot als Titel über diesen Brief geschrieben:

 

Sorge dafür, dass das Neunte Gebot bei Frau Monika Brandl nicht verletzt wird.

 

Schütze die Frau so wie es Deine Christenpflicht ist!

 

 

In der Sparkasse (ursprünglich “Sparkasse Hersbruck“, dann setzt sich das durch Fusionen fort in “Kreissparkasse Nürnberg“ und nunmehr “Sparkasse Nürnberg“) habt Ihr einen kriminellen Apparat installiert, der so ähnlich funktioniert, wie dies von Rechtsanwalt Eberth und einem Richter aus den Verfahren gegen Mehmet beschrieben wird:

 

Es wird ein Opfer ausgesucht, und dieses Opfer hat dann keine Chance mehr. Es wird in pseudojuristischen Verfahren, in denen Du auf die Richter unglaublichen Druck ausübst, entrechtet, bis es reif ist, abgemurkst zu werden!

 

Mittlerweile hat sich der kriminelle Apparat in der Justiz so gut entwickelt, dass Du persönlich gar keinen Druck mehr auszuüben brauchst (dies auch nicht mehr kannst, da Du dafür kein Amt mehr inne hast), da dies die Spitzenfunktionäre des Rechtsstaats, die von Dir protegiert worden sind und deshalb häufig aus Hersbruck kommen, in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich selbst erledigen.

 

Im Falle von Frau Brandl lief das so:

 

Ihr Mann betrieb eine Dental-Firma (Lieferung von Praxiseinrichtungen und den Betriebsmaterialien für Zahnarztpraxen) und geriet mit dieser in Insolvenz. Inwieweit er in die Insolvenz getrieben worden ist, will ich an dieser Stelle dahingestellt sein lassen. Der Anwalt, Rechtsanwalt Pemsel, „rät“ den Familienmitgliedern – also Frau und Sohn – sozusagen aus Solidarität in der Familie in die Haftung mit einzusteigen, damit Herr Brandl saniert werden kann. Er stellt das als reine Formsache hin.

 

Dadurch hat beispielweise der Sohn, der damals Bundeswehrsoldat ohne nennenswertes Einkommen gewesen ist, eine selbstschuldnerische Bürgschaft für den Vater übernommen. In Wirklichkeit war es nicht “Rat“ sondern “Parteiverrat“.

 

Es sind mir durch die Berufstätigkeit als Richter in Hersbruck und dadurch, dass die Menschen hilfesuchend zu mir gekommen sind, weitere Fälle bekannt geworden, in die Rechtsanwalt Pemsel verwickelt gewesen ist und wo der Verdacht des Parteiverrats besteht. Einen dieser Fälle habe ich in den Einzelheiten untersucht. Das ist der Fall der Witwe Hirschmann. Dadurch konnte ich das in allen Fällen wirksame kriminelle System erkennen.

 

Rechtsanwalt Pemsel war Verwaltungsrat der Sparkasse und hat ihr seine Mandanten als Opfer ausgeliefert. Es geht in allen Fällen darum, erst eine Überschuldung herbeizuführen und dann im Wege der Zwangsvollstreckung billig an den Immobilienbesitz der Opfer heranzukommen.

Frau Brandl hat Unsummen bezahlt (im Ganzen ca. 600.000 Euro), aber das ist immer woanders angerechnet und verrechnet worden. Jetzt ist ein schönes Einfamilienhaus für 65.000 Euro verschleudert. Bei der Finanzierung der Immobilie selbst besteht eine angebliche Restschuld von 17.383,92 Euro.

 

Frau Brandl und ihre Anwältin hatten keine Chance, die Manipulationen auf dem Rechtsweg auch nur zur Sprache zu bringen.

 

Die rechtliche Verkleidung eines Räumungstermines soll vertuschen, dass es sich in Wahrheit um die Begehung der Verbrechen

  • des Verfassungshochverrats                                      §§ 81,82 StGB
  • der Bildung einer terroristischen Vereinigung            § 129a und
  • des erpresserischen Menschenraubes                       § 239a

handelt.

 

 

Lieber Günther,

Du wolltest vor einigen Tagen bei uns hier in Henfenfeld im Dorfwirtshaus eine Lesung aus Deinem Buch “Die Zehn Gebote“ veranstalten. Herr Pfarrer Dr. Baumann hat die organisatorischen Arbeiten für Dich übernommen.

 

Frau Brandl wollte zu der Lesung kommen und Dich um Hilfe bitten. Sie hatte Unterlagen dafür zusammengestellt.

 

Du hast im letzten Augenblick aus Gründen, die mir nicht bekannt sind, die Lesung abgesagt. Da hat Frau Brandl die Unterlagen Herrn Pfarrer Dr. Baumann übergeben und der hat ihr zugesagt, die Unterlagen Dir zu übergeben. Herr Pfarrer Dr. Baumann ist unser Gemeindepfarrer und der Vorsitzende unseres Diakonievereins, er ist sehr zuverlässig und sozial sehr engagiert. Er hat das sicher schon getan, und Du hast Dich nicht gerührt!

 

Lieber Günther,

die Menschen hier auf dem Land in Franken, die nicht wissen können, was Du wirklich treibst, glauben Dir und an Deine Worte, wenn Du von den zehn Geboten sprichst. Sie meinen, Du wirst Sie vor den Staatsverbrechen schützen und sie können dabei nicht erkennen, dass Du aus der ersten Reihe der Staatsverbrecher stammst. 

 

Sei ein Christ, erfülle die Pflicht aus Psalm 82,3 und hilf den Verfolgten zu ihrem Recht!

 

Sei Dir bewusst, in nächster Zeit wird die ganze Welt auf Dich und Dein Treiben bei Polizei und Justiz im Falle des Ulivi Kulac, des Matthias Frey und der Opfer der Zwickauer Terrorzelle schauen.

 

Ich sende Dir diesen Brief über Herrn Pfarrer Dr. Baumann zu. Ich lege Erinnerung nach § 766 ZPO beim Amtsgericht Hersbruck ein, so dass Du eine Plattform hast, zu handeln. Ich füge eine Ablichtung dieser Erinnerung bei. Ich füge eine Vollmacht von Frau Brandl bei.

 

Mit freundlichen Grüßen Dein Kommilitone

 

 

Rudolf Heindl

Richter i. R.

Brief Ende:

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….bitte den Brief sofort herunterladen und weit verbreiten !

….ohne Worte

Der Honigmann

Quelle: https://derhonigmannsagt.wordpress.com/2013/05/27/offener-brief-an-dr-gunther-beckstein/

049990816659Das Buch erhalten Sie hier: http://www.honigmann-shop.de/shop/article_002b/NSU%3A-Was-die-%C3%96ffentlichkeit-nicht-wissen-soll…-%5BBroschiert%5D.html?sessid=8Lmd2LJB0ZNdNTCYCDqZ0lagF5eQ2JB93PxoQGlomdKlwjCPpGDzC4mJtaqMY3No&shop_param=cid%3D2%26aid%3D002b%26

Gruß an die, die sehen wie Kriminaltiät vom „Staat“ gefördert und gefordert wird.

TA KI

 

Kommerzielles Tierfutter und Folgeschäden


Hunde, Katzen und Frettchen, die regelmäßig handelsübliche Tiernahrung bekommen, leiden unter einer Reihe unangenehmer Krankheiten. Tierbesitzer, denen die Gesundheit ihrer Tiere am Herzen liegt, sollten sich besser für naturbelassene, zähe Nahrung aus rohem Fleisch oder zumindest rohen Knochen entscheiden.

Stellen Sie sich vor, all die Big Macs, Happy Meals und Colas, die Morgan Spurlock während seines monatelangen Gelages für den Film Super Size Me1 verdrückt, würden stattdessen in einen Bottich geschüttet, zu Brei zerstampft und unter Druck gekocht. Stellen Sie sich vor, die Hälfte der so entstandenen Masse würde in Dosen gefüllt und versiegelt, während die andere Hälfte entwässert, zu Trockennahrung gepresst und in Tüten verpackt würde – mit knallbunten Aufschriften, die die gesundheitsfördernde Wirkung anpreisen.

Stellen Sie sich weiterhin vor, dass Spurlock sich seinen Weg durch die „McDosen“ und „McTrockenfuttertüten“ frisst. Und jetzt – und das ist ein wichtiger Punkt – stellen Sie sich vor, dass Spurlock keine Zahnbürste hat und dass er auch nicht in der Lage ist, danach zu fragen; dass er also seine Zähne für die Zeit dieses einmonatigen Experiments nicht putzen kann. Und nun frage ich Sie: Wie würden Spurlocks Zähne und seine körperliche und geistige Verfassung wohl nach einem solch wahnwitzigen Experiment aussehen? Würden Allgemeinärzte, Zahnärzte oder das Gesundheitsamt diese in Dosen oder als Trockenpellets verabreichte Nahrung befürworten? Wäre es wirklich denkbar, dass Spurlock solche Dosen und Tüten bei seinem Hausarzt oder seinem Zahnarzt erwerben könnte?

Für die Mehrheit aller Haushunde (modifizierte Wölfe), Hauskatzen (modifizierte Wüsten-Raubtiere) und Frettchen (modifizierte Iltisse) stellt diese Dosen- bzw. Trockenfutterernährung die tägliche Realität dar. Spurlocks Arzt wies ihn an, die unnatürliche Ernährung innerhalb von 30 Tagen einzustellen, da er sich sonst umbringen würde. Veterinärmediziner auf der ganzen Welt hingegen bestärken Tierhalter darin, Dosen- und Trockennahrung zu füttern, und zwar täglich. Ich weiß, wovon ich rede. Ich war selbst so ein Tierarzt.

Fünffach vergiftet

In den ersten 15 Jahren meiner Arbeit als Absolvent des Royal Veterinary College, University of London, war ich einer Meinung mit der konventionellen tierärztlichen Geisteshaltung. Ich riet meinen Klienten davon ab, Tiernahrung selbst zuzubereiten, weil sie, so nahm ich an, kaum in der Lage wären, die richtige Nährstoff-Balance zu finden. Rohes Fleisch, so erklärte ich, berge die Gefahr von Bakterien und Calciummangel. Und was die Knochen anging, so wusste schließlich jeder, dass die Zähne davon brechen konnten oder dass sie Verstopfungen verursachten. Und wer hatte je davon gehört, dass man Katzen Knochen füttern könnte? Die Hersteller hätten alle offenen Fragen beantwortet, versicherte ich meinen Klienten: „Die großen Unternehmen haben die wissenschaftlichen Kenntnisse und verfügen über die entsprechenden Mittel, um die beste Nahrung für Ihr Haustier herzustellen. Außerdem ist es für Sie viel praktischer.“

Nachdem die Ernährungsfrage auf diese Weise unter den Teppich gekehrt war, konnte ich zu den wichtigeren Problemen zurückkehren, nämlich zur Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Schließlich war es das, was ich gelernt hatte und was meine Klienten von mir auch erwarteten – doch der Strom von Haustieren, die unter Haut-, Herz- Leber-, Darm-, Zahn-, Krebs- und anderen Erkrankungen litten, riss nicht ab.

Es schaudert mich, wie falsch ich damals gelegen habe! Ganz egal, wie verschieden meine Patienten in Größe, Art, Alter, Geschlecht und Rasse auch waren – was sie alle miteinander verband, war dasselbe minderwertige Futter, das sie bekamen. Sie alle wurden mit Dosen- oder Trockennahrung großgezogen, und fast ausnahmslos war das der Grund, aus dem sie meine Hilfe brauchten. Es ist wirklich so simpel und gleichzeitig so dramatisch. Und zwar aus folgenden Gründen:

Weiches Dosenfutter und Trockenfutter auf Getreidebasis kann die Zähne nicht reinigen. Im Gegenteil bleibt der Futterbrei an den Zähnen kleben, was die Bakterienkulturen im Zahnbelag fördert. Das Immunsystem nun – die zweite Verteidigungslinie des Körpers – bietet seine ganzen Kräfte auf, um die bakterielle Invasion abzuwehren. Nicht nur entzündetes Zahnfleisch und schlechter Atem sind die Folge, sondern vor allem Bakterien und bakterielle Gifte, die den gesamten Körper angreifen.2,3

Katzen, Hunde und Frettchen haben nicht die nötigen Verdauungsenzyme, um die in Getreide und anderen Pflanzenteilen befindlichen Nährstoffe zu verarbeiten, ganz gleich, ob sie roh oder gekocht sind. Wenn das Getreide in der Tierfutterfabrik bei hohen Temperaturen gekocht wird, denaturieren die darin befindlichen Stärken, Proteine und Fette in unterschiedlich hohem Maße und entwickeln Giftstoffe.4 Das Fabrikfutter besteht aus lauter Farb- und Konservierungsstoffen, ist voller Befeuchtungsmittel und anderer chemischer Zusätze – und nichts davon besitzt einen Nährwert. Stattdessen sind diese Stoffe sogar in unterschiedlichem Maße toxisch.5 Einmal im Darm eines Fleischfressers, werden toxische Substanzen vom Blutkreislauf absorbiert und greifen das Körpersystem an.

Schlecht verdaute, minderwertige Tiernahrung auf Getreidebasis begünstigt die Ausbreitung von toxinerzeugenden, riesigen Bakterienkulturen im unteren Darmbereich. Kommt eine Darmschleimhaut aber permanent in unmittelbaren Kontakt mit Giften, wird sie geschädigt. Gifte dringen dann durch die Magenwand und gelangen in den Blutkreislauf, werden zu anderen Organen transportiert und verursachen auf diese Weise noch größere Probleme.

Ähnlich wie Morgan Spurlock weisen auch Haustiere, die über längere Zeit hinweg minderwertiges Futter bekommen, eine schwächere Gesundheit auf. Hundewelpen leiden beispielsweise häufig an schlechter Haut und Durchfall. Eine Langzeitbelastung durch die in Kategorie 1, 2 und 3 aufgelisteten ernährungsbedingten Toxine führt zu Organerkrankungen. Kranke Organe wiederum erzeugen mehr Toxine, die in den Blutkreislauf gelangen und den Teufelskreis nur noch beschleunigen.7

Tiere leiden meist still; in Worten können sie sich nicht ausdrücken. Wenn sie aber unter einem der in den obigen vier Kategorien aufgezeigten Gifte leiden, sollte allein ihre Körpersprache dem aufmerksamen Besitzer zu verstehen geben, ärztliche Hilfe einzuholen. Ein paar wenige Veterinärmediziner sagen dann: „Stopp! Hören Sie auf, schlechtes Futter zu verfüttern!“ Doch leider ignorieren die meisten Veterinärmediziner die Kategorien 1 bis 3 und diagnostizieren stattdessen nur die in Kategorie 4 aufgezeigten Organerkrankungen. Die Behandlungen beinhalten meist starke Arzneimittel, die ihrerseits das toxische Niveau im Körper erhöhen.8

Jetzt könnten Sie fragen: Und was ist mit Erbkrankheiten, mit Infektionen, Parasitenbefall, mit Knochenbrüchen, traumatischen und altersbedingten Erkrankungen? Ohne Zweifel sind all das Faktoren, die über das Befinden unserer fleischfressenden Haustiere bestimmen. Doch es ist nicht zu leugnen, dass durch schlechte Ernährung geschwächte Tiere anfälliger gegenüber anderen Krankheiten sind, und dass auch ihre Gesundungsphase länger dauert.9

Stopp!

Der beste Rat, den ich Ihnen für das Wohl Ihres Tieres geben kann, lautet: Hören Sie auf, Ihrem Haustier „Fast Food“ zuzumuten. Wenn wir aufhören, Schlechtes zu tun, sind wir schon einen Schritt weiter auf dem Weg zum Guten. In der dadurch gewonnenen Atempause können wir noch einmal unser Handeln überdenken, genauere Untersuchungen anstellen und die Ergebnisse des neu gefundenen Wissens nutzen.

Dabei ist dieses Wissen gar nicht so neu. Schon Hippokrates, der berühmte griechische Arzt des fünften Jahrhunderts, sagte: „Lass die Medizin im Gefäß des Apothekers, wenn du deine Patienten durch Nahrung heilen kannst.“ 10

Warum haben wir das antike Wissen aus den Augen verloren? Warum ignorieren wir die Lehre der Natur? Noch bedeutender aber ist: Warum ist es so schwierig, die gegenwärtige Auffassung zu diskutieren – ganz zu schweigen davon, sie womöglich zu widerrufen?

Als Erklärung lassen Sie mich bitte eine Geschichte erzählen, die, würde man die richtige Schlussfolgerung daraus ziehen, der Medizin, der Wissenschaft, der Gesellschaft und der Umwelt dienen könnte und Milliarden von Dollar wert wäre. Schon 1955, als Juliette de Bairacli ihr „Kräuterhandbuch für den Hund“ veröffentlichte, gab es die Befürchtung, Fabrikfutter-Ernährung könne für Hauskatzen und Hunde ungeeignet sein.11 In den späten 1980ern veröffentlichten die australischen Veterinärmediziner einen Kommentar, und in den frühen 1990ern erhoben sie offenen Protest. Dr. Breck Muir äußerte sich häufig über die faulen Dämpfe aus Maul und Gedärm eines mit Dosenfutter ernährten Hundes. In den Australian Vetenery Assocication News schrieb er im Dezember 1991:

„Der allgemeine Zustand der Tiernahrung beunruhigt mich seit Jahren, doch besonders argwöhnisch wurde ich durch die zunehmende Vermarktung von Zahnarztzubehör für Tierarztpraxen.
Eine bestimmte Szene, die ich vor Augen habe, läuft folgendermaßen ab: ‚Das hier ist das allerbeste Futter für Ihren Hund, Frau Jones‘, sagt der Tierarzt und reicht ihr eine Dose handelsüblichen Hundefutters oder Trockenfutter. ‚Allerdings könnte er ein paar Zahnprobleme bekommen. Deshalb habe ich hier für Sie eine Zahnbürste und Zahnpasta zum regelmäßigen Putzen. Wenn er trotzdem Parodontitis bekommen sollte … nun, wir verfügen hier über die allerneueste Technik, qualitativ mit der Ihres eigenen Zahnarztes vergleichbar, und wir können Ihrem Fido ein perfektes schneeweißes Lächeln zurückzaubern (… das er ohnehin gehabt hätte, wenn Sie ihn nicht von Anfang an mit dem handelsüblichem Futter gefüttert hätten …)‘

Hier haben wir den klassischen kommerziellen Kreislauf: Es gibt kein Problem? Dann schaffen wir eins! Und danach bieten wir Ihnen jede Menge Behandlungsmöglichkeiten an.“ 12

Im Dezember 1991 erschien auch mein Artikel „Oral Disease in Cats and Dogs“ im Newsletter der Sydney University Post Graduate Foundation für Veterinärwissenschaften:
„Der Gestank schalen Blutes, von Auswurf und Eiter, der aus den Mäulern so vieler meiner Patienten strömt, lässt mich nun endlich vehement protestieren.

Schließe ich von der Zahl derer, die ich in meiner Praxis behandelt habe, auf die allgemeine Situation, wird mir klar, dass die oralen Erkrankungen für unsere treuen Begleiter die Quelle hartnäckigsten Schmerzes und Leidens sind.

Diese Tatsache legt eine entsetzliche und unbekümmerte Tierquälerei offen, die wir an unseren eigenen Haustieren von klein auf bis hin zum Grab ausüben. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie selbst müssten ein ganzes Leben lang mit Zahnschmerzen oder einem Geschwür im Mund leben.“ 13

Obwohl die als Nährstoffe deklarierten chemischen Bestandteile in kommerziellem Tierfutter Hauptursache der Besorgnis sind, hat nun ein neuer Blickwinkel, der die Mundhygiene in den Vordergrund rückt, ein weiteres wichtiges Kapitel geöffnet – eins, das sich mit der physischen Form, der Konsistenz der Nahrung beschäftigt.

Unbestreitbar haben weder Löwen noch Tiger, Wölfe oder andere wilde Raubtiere Zahnbürste und Zahnpasta. Genauso wenig gehen sie zur regelmäßigen Kontrolluntersuchung zum Zahnarzt. Die Natur hat Fleischfresser mit den ihnen eigenen Werkzeugen ausgestattet, damit sie eine wichtige evolutionäre Funktion erfüllen: fressen. Auf diese Weise wird der Bestand an Pflanzenfressern auf der Erde reguliert. Solide und präzise Werkzeuge müssen aber scharf und sauber gehalten werden, und dies geschieht durch Nagen und Reißen an festen Tierhäuten, an Muskeln, Sehnen und Knochen, denn so werden Zähne und Zahnfleisch abgerieben, gebürstet und poliert.

Für Hunde, Katzen und Frettchen gelten genau die gleichen Prinzipien wie für ihre wilden Artgenossen. Da Nährstoffe frisch und leicht verdaulich sein müssen, muss eben das Futter roh sein, fest und zäh.14 Praktisch würde dies eine Fütterung von ganzen Hühnern, Kaninchen oder Fischen bedeuten. Eine Ernährung auf Basis fleischiger Knochen wäre die zweitbeste Lösung.

Bitte mal herhören!

Wenn unnatürliche Tiernahrung die Gesundheit von Haustieren gefährdet, dann bedeutet das auch, dass die lauschige Beziehung zwischen Tiernahrungs-Herstellern und dem Berufsstand der Veterinärmediziner sowohl den Tieren als auch den Tierhaltern und dem Berufsstand der Veterinärmediziner Schaden zufügt. Breck Muir beklagte:

„Der Einzug kommerzieller Tiernahrung in unser Leben stellt eine der größten Erfolgsstorys der Geschäftswelt dar. Die Brutto-Umsatzzahlen werden weltweit wahrscheinlich nur von Erdölprodukten übertroffen.

Unser Berufsstand ist durch bestimmte Interessengruppen an der Nase herumgeführt worden und findet sich nun in einer Situation wieder, in der die meisten jüngeren Veterinärmediziner – weil sie es einfach nicht anders kennen – tatsächlich handelsübliche Tiernahrung als bestmögliche Ernährungsform empfehlen. Noch bevor sie ihr erstes Tier behandelten, sind sie mit Werbung bombardiert worden, die ihnen eintrichterte, dass kommerzielle Tiernahrung der einzig richtige Weg sei, ein Tier zu füttern. Und nachdem sie die Universität beendet hatten und Aufbaukurse zum Thema Ernährung besuchten, wurde diese Vorstellung durch Dozenten bekräftigt, die in ihren Veröffentlichungen sogar Herstellernamen auflisten.“ 15

Breck und ich hatten geglaubt, wenn wir laut und vernehmlich Alarm schlügen, könnte eine Diskussion zum Thema „verarbeitete Tiernahrung“ ausgelöst werden. Wir hatten gehofft, dass der gegenwärtige Notstand auf diese Weise eine Neubewertung erfahren und vielleicht sogar aufgelöst werden könnte. Wir mussten jedoch die erste von vielen Lektionen einstecken: dass das Bündnis zwischen Tiernahrungsindustrie und dem Berufsstand der Veterinärmediziner sehr innig, sehr stark und vor allem kritikfeindlich ist.

Die höheren Ränge unseres Berufsstandes (tierärztliche Vereinigungen, Tierschulen und Forschungsinstitutionen) machen hinter den Kulissen Geschäfte mit den Tiernahrungs-Herstellern. Die Australian Veterinary Association leitete Brecks Brief umgehend an John Wingate weiter, den damaligen Direktor des australischen Verbands der Tiernahrungs-Hersteller (heute: Pet Food Industry Association of Australia Inc.). Wingate gab den Veterinärmedizinern in einer neben dem Brief Brecks veröffentlichten Erklärung folgenden Rat:

„Die beste Art, sein Haustier zu ernähren, ist die Fütterung mit Tiernahrung anerkannter Firmen […] Die Produkte erfüllen die Bedürfnisse des Tieres nach den Richtlinien, die der nationale Wissenschaftsrat der US Academy of Sciences festgelegt hat, und in denen die modernsten internationalen Kenntnisse zum Thema zusammengefasst sind.“ 16

Ja, es stimmt: Die Kultur minderwertiger Tiernahrung dehnt sich bis auf die Amerikanische Akademie der Wissenschaften aus. Und die Tierhilfsorganisationen, die Hunde- und Katzenzuchtverbände, Haustierzeitschriften, Bücher und elektronische Medien stimmen alle ein in das Lied vom gesunden Fast Food für unsere Tiere.

Doch als praktizierende Veterinärmediziner, die sich um die Nöte eines nicht abreißenden Stromes kranker Haustiere kümmern müssen, überzeugten uns der gesunde Menschenverstand und die tägliche Erfahrung, dass dieser sogenannte veterinärmedizinische Beweis falsch sein musste. Wir forschten weiter, lasen uns durch Lehrbücher und Belegarbeiten. Und wo immer wir strauchelten, stolperten und fielen, fanden wir neue Beweise für die schädliche Wirkung kommerzieller Tiernahrung.

Die meisten Haustiere werden mit dieser Fabriknahrung abgefüttert, ohne dass je ihre Zähne gereinigt werden. Säubert man aber erkrankte Zähne und Zahnfleisch und stellt das Tier auf natürlichere Nahrung um, verschwinden selbst hartnäckige Krankheiten – und zwar für immer. Penicillin, das als Wundermedizin gilt, wird zwar bei der Behandlung einiger bakterieller Erkrankungen eingesetzt, doch eine längerfristige vorbeugende Wirkung hat es nicht. Würden wir auf gute Zahnpflege und Ernährung achten, könnten viele Krankheiten unserer Haustiere geheilt und verhindert werden.

Die Fangarme des Ungeheuers

Die Verbreitung unserer Kenntnisse führte dazu, dass das Thema plötzlich zum Kardinalthema unter den anderen Veterinärmedizinern wurde, und so begann ein Katz-und-Maus-Spiel mit der australischen Tierärzte-Vereinigung AVA. Als zahlende Vereinsmitglieder konnten wir Briefe für die Forums-Seite der AVA News schreiben. Die AVA und die Sponsoren der Tiernahrungsindustrie waren nicht so begeistert. Nichtsdestotrotz gelang es einer Handvoll Mitgliedern, die sich für eine Fütterung mit rohen, fleischigen Knochen engagierten, von Dezember 1991 bis März 1993 zehn Briefe zu veröffentlichen – bis die AVA News bekannt gab, dass die Veröffentlichung von Briefen ab sofort eingestellt sei.17

Auf einen Schlag war es AVA-Mitgliedern untersagt, über fundamentale Gesundheitsfragen zu diskutieren. Wir verfassten daraufhin und im Hinblick auf die baldige Mitgliederversammlung einen Antrag zur Aufhebung des Korrespondenz-Veröffentlichungsverbots und baten um eine Untersuchung des Zusammenhangs von Ernährung und Krankheit. Nach einer „lebhaften“ Debatte wurden beiden Punkte des Antrags bewilligt.18

Der AVA-Bericht zu dieser Untersuchung wurde im Februar 1994 veröffentlicht, neun Monate nach der Mitgliederversammlung. Obwohl dem Untersuchungskomitee Dr. Barbara Fougere – eine Tierärztin der Tiernahrungskonzerne – und einige weitere Sympathisanten von Tiernahrungsunternehmen „zur Seite standen“, berichtete das Komitee, dass es, statt das ganze Ausmaß der Verbindung von Ernährung und Krankheit zu prüfen, seine Recherchen eingeschränkt habe:19

Das Komitee war überzeugt davon, dass die erhobenen Bedenken dringender Aufmerksamkeit und Stellungnahme bedürften. Innerhalb des von der AVA gesetzten Zeitrahmens würde es aber kaum möglich sein, jeden Aspekt der Verbindung zwischen Ernährung und Krankheit zu untersuchen.
Allgemeinere Fragestellungen würden kaum neue Erkenntnisse liefern.

Der Fokus der Untersuchungen sollte sich auf Parodontitis und Ernährung richten, weil hier die größte Besorgnis der Veterinärmediziner läge.

Man nahm an, dass durch die Verhinderung von Parodontitis auch die Folgeschäden verringert werden könnten.

„Es ist klar ersichtlich, dass die Besorgnis der Veterinärmediziner gerechtfertigt ist. Tierhalter müssen sich über die Wichtigkeit zusätzlicher „zäher“ Bestandteile zur normalen Kost ihrer Katze oder ihres Hundes bewusst werden.

Parodontitis ruft aller Wahrscheinlichkeit nach weitere Krankheiten hervor, nur gibt es noch keine eindeutigen Beweise dafür. Parodontitis ist die verbreitetste Krankheit in kleinen Tierarztpraxen. Ihre Auswirkung auf Zahnfleisch und Zähne kann Gesundheit und Wohlbefinden der betroffenen Tiere erheblich stören. Dies allein reicht als Grund zur Besorgnis schon aus. Der Nachweis weiterer Folgen auf das gesamte Körpersystem ist gar nicht nötig, um zusätzliche Schritte zu veranlassen. Die Verbindung zwischen einer bestimmten Ernährungsweise und der oralen Gesundheit von Hunden und Katzen sollte durch gründliche Untersuchungen genauer bestimmt werden. Die Prüfer sollten im Hinblick auf systematische Erkrankungen auch Ernährung und Nahrungskonsistenz einbeziehen – die Vielschichtigkeit der Auswirkungen von Ernährung und oralen Krankheiten muss in solchen Studien bedacht werden.“19

Das sind prophetische letzte Worte. Die praktische Arbeit in meiner Praxis hat bestätigt, dass Ernährung und Nahrungskonsistenz die ursächlichen Faktoren der meisten Krankheiten sind, die in vorstädtischen Tierarztpraxen behandelt werden. Eine ganze Bandbreite vorher nur schwer zu heilender Krankheiten verschwand wie durch Zauberhand, sobald wir unseren Behandlungsschwerpunkt auf die Zahnpflege verlegten und zugleich eine Ernährungsumstellung vornahmen. Untersuchungen an Tieren, die unter einer erworbenen Immunschwäche litten, zeigten, dass die allgemeine Verfassung sich phänomenal verbesserte und das Immunsystem sich wiederherstellte, nachdem die faulen Mäuler der Tiere behandelt und ihre Ernährung auf rohe, fleischige Knochen umgestellt wurden. Die Tragweite dieser Tatsache ist immens und gilt nicht nur für AIDS-Patienten.20 Sie ist nicht nur für jedes Wesen mit einem Immunsystem von grundsätzlicher Bedeutung, sondern, wie ich bereits in einem im Journal of Veterinary Dentistry erschienenen Aufsatz schrieb, vor allem für unser Verständnis der Ökologie von Gesundheit und Krankheit auf der Erde.21

Das Bündnis zwischen Tiernahrungsindustrie und dem Berufsstand der Veterinärmediziner, dem ein Multimilliarden-Dollar-Kapital den Rücken stärkt, war nicht gewillt zuzuhören, außer wenn seine Mitglieder ihre Positionen festigen wollten. Da minderwertige Tiernahrung so viele Probleme verursacht, haben sie eine große Geschicklichkeit darin erworben, Nachteile als Vorteile zu tarnen. Sie ergreifen ein Problem mit ihren Tentakeln; sie stecken Geld in Forschung und geben sich als Wohltäter aus. Genauso war es bei den Zahnerkrankungen, die plötzlich weltweit das heiße Thema in den Forschungslaboren der Tiernahrungs-Hersteller und Universitäten wurden. Ihre Lösung hieß: eine Schwemme an Dentalprodukten herzustellen, die übertriebene Gesundheitsversprechungen mit sich brachten und oft noch vom Veterinary Oral Health Council empfohlen wurden.22

Dass solche Produkte schließlich auch ihre Endverbraucher finden, setzt bereitwillige Verkäufer ohne selbstständiges Denken voraus. Veterinärmediziner genießen soziales Ansehen und Respekt, und einmal indoktriniert stellen sie die ideale Verkaufs- und Handelskraft dar. Dementsprechend werden sie auch per Post, durch Werbung und über Besuche von Vertretern für Tiernahrung geschult.

Veterinärmediziner, deren Köpfe mit solchen Tiernahrungs-Hersteller-„Fakten“ gefüllt sind, befürworten und unterstützen dann nämlich aus Überzeugung den „Monat der Zahngesundheit“ oder den „Monat des Lächelns für Ihr Haustier“ und ähnliche Aktionen. In solchen Monaten werden Tierhalter mit Reklame bombardiert, die ihnen eine „kostenlose“ zahnärztliche Kontrolle für ihr Tier anrät, und sie bekommen Tüten voller Probepackungen und Informationsmaterial mit diesen „Fakten“ geschenkt.23 Um den Werbefeldzug noch erfolgreicher zu gestalten, wird durch das geschickte Platzieren von Artikeln in sogenannten Fachzeitschriften eine Kampagne gestartet, in der selbst zubereitete und rohe Tiernahrung abgewertet und verunglimpft wird.24

Ich selbst war Opfer einer Reihe fingierter Disziplinarmaßnahmen des Veterinary Surgeons Board of NSW – einer Regierungsbehörde, die aus AVA-Mitgliedern zusammengesetzt ist. Konfrontiert mit dem Verlust meiner beruflichen Zulassung, einer einjährigen Gefängnisstrafe oder einer Geldbuße von 2.000 Dollar, begann ich mich auf legalem Weg zu wehren. Die in den Akten befindlichen Dokumente wiegen zusammen zwölf Kilogramm und spiegeln jahrelange harte Arbeit und zahllose in Rechtsanwaltsbüros verflossene Stunden wider. Glücklicherweise gelang es den Anwälten und mir, der Schikane standzuhalten. Ich bin noch immer als Veterinärmediziner zugelassen.

Der Preis, den wir zahlen

Die Mehrheit aller Haustiere weltweit leidet unter schlechter Gesundheit und Schmerzen, die von minderwertiger Tiernahrung herrühren. Eine Fülle wissenschaftlicher Beweise, Erfahrungswerte und gesunder Menschenverstand untermauern diese Tatsache.

Der Missbrauch wissenschaftlicher Paradigmen und betrügerische administrative Praktiken erzeugen einen riesigen Apparat gefälschter Wissenschaft, der im Dienste der kommerziellen Tiernahrungsindustrie steht. Die Haustier-Massenvergiftung beginnt schon mit der Lüge, dass verarbeitete Tiernahrung genauso gut oder gar besser sei als die natürliche Alternative. Sogenannte Forscher schlucken diese Lüge und missbrauchen wissenschaftliche Methoden und bereitwillige Fachzeitschriften, um die Lüge aufrechtzuerhalten und zu verstärken.

Folgende drei Methoden vereinen sich zu einem wissenschaftlichen Paradigma, das die kommerzielle Tiernahrungsindustrie unterstützt: a) Der Schwerpunkt wird auf die Behandlung, nicht aber auf die Vorbeugung gelegt. b) Die Theorie, dass Keime eine Krankheit verursachen, wird als allgemeingültiger Grundsatz anerkannt, obwohl Pasteur, einer der Begründer der Keim-Theorie, zu bedenken gab, dass Keime anderen prädisponierenden Faktoren untergeordnet sind. c) Reduktionistische Forschungsmethoden werden bevorzugt, obwohl eine ganzheitliche Herangehensweise unter Berücksichtigung sämtlicher wechselwirkender Faktoren weitaus zufriedenstellendere Nachweise erbrächte.

Bedenken Sie, dass eine natürliche Ernährung auf der Basis von rohen und fleischigen Knochen für Fleischfresser zugleich als Nahrung und Medizin dient. Wenn wir die Zeichen richtig lesen würden, die uns bei der Beobachtung von Gesundheit und Krankheit der am äußersten Ende des Ernährungsspektrums befindlichen Fleischfresser ins Auge springen, könnten wir Erkenntnisse von größter medizinischer, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und umweltpolitischer Bedeutung für uns alle erlangen. Wir brauchen eine neue Geisteshaltung und neue Paradigmen, werden jedoch durch eine vereinte Macht egomaner Interessengruppen blockiert.

Wirtschaftliche Konsequenzen werden in Milliarden von Dollar gemessen. In den 1860er Jahren eröffnete Jack Spratt unter Mitarbeit von Charles Cruft das erste Hundenahrungs-Geschäft in London und nutzte Hundeausstellungen als Marketinginstrument.25 Heute, im Jahr 2007, schätzte die Business Week, dass die Amerikaner erstaunliche 41 Milliarden Dollar für ihre „pelzigen Freunde“, für kommerzielle Tiernahrung und Tierarztbesuche ausgäben.26 Betankt mit riesigen Profiten treibt uns der Motor des Tiernahrungsmarkts immer dringlicher an, uns einen dieser „pelzigen Freunde“ anzuschaffen, minderwertige Tiernahrung zu kaufen und Tierarztbesuche in Anspruch zu nehmen.27 Zwischen dem bisschen Hundekot an der Sohle Ihres Schuhs und dem ökologischen Fußabdruck riesiger Tiernahrungskonzerne liegen gewaltige umweltpolitische Kosten, die in diesen Rechnungen nicht auftauchen. Auch jene Kosten, die durch kommunale Tierheime und Wohlfahrts-Zufluchtsstätten für ausgesetzte Tiere entstehen, werden uns unterschlagen. Hunde, die mit minderwertiger Tiernahrung aufgezogen werden, sind schwieriger abzurichten und beißen ihre Pfleger öfter, was mehr Unterrichtsstunden in der Hundeschule zur Folge hat und Arztkosten verursacht.28 Welchen Preis haben Narben auf dem Gesicht eines Kindes?

Das Scheitern von demokratischen, administrativen und juristischen Systemen – egal ob aufgrund einfacher Versehen, Inkompetenz oder Korruption – erleichtert den großen Tiernahrungs-Schwindel. Ungeachtet der moralischen und ethischen Fragen, die aufkommen, wenn Menschen mit unlauteren Mitteln dazu gebracht werden, ihre Tiere langsam zu vergiften; ungeachtet auch der eindeutigen Gesetzwidrigkeit einer solch grausamen Behandlung der Tiere, haben unsere Politiker und Anwälte bisher nur wenig bis gar nichts unternommen. Einige Wohlfahrtsvereine, die von sich behaupten, die Rechte von Tieren zu schützen, haben sich mit den kommerziellen Tiernahrungs-Herstellern verbündet und bilden damit eher einen Teil des Problems als seine Lösung.29

Unsere Wachhunde, die Medien, bleiben meist in ihren Hundehütten und sind viel zu verängstigt, sich zu äußern. Journalisten, die für die Tageszeitung Australian, für den in Sydney erscheinenden Sun-Herald und den britischen Sunday Independent arbeiten, schrieben ausführliche Artikel, die nie veröffentlicht wurden.30 Andere Medienkonzerne betreiben Selbstzensur und veröffentlichen nur lauwarme Berichte oder gleich gar keine.

Rückrufaktion Tiernahrung

Während wir hier über den Tiernahrungsschwindel reden, sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, dass zwei riesige Schokoladenhersteller, nämlich Mars und Nestlé, um die Vorherrschaft im Tiernahrungssektor kämpfen. Sie erstrecken sich über den ganzen Globus und planen, bis nach Indien und China zu expandieren.31,32 In der zweiten Reihe buhlen weitere große Mischkonzerne um die Gunst der KäuferInnen, nämlich Colgate-Palmolive, Procter&Gamble, Heinz und Del Monte. Die Unternehmen scheinen zwar nach einer Unterscheidbarkeit ihrer Produkte von denen der anderen Konzerne zu streben, doch in Wirklichkeit, und das wissen wir, sind sie alle irgendwie gleich – das hat auch die Menu-Foods-Rückrufaktion im März 2007 eindeutig bewiesen.33 Zuerst hatte man angenommen, dass große Mengen Nahrungsmittel durch Rattengift verseucht worden waren, doch im Laufe der Geschichte stellte sich heraus, dass dem aus China kommenden Weizengluten, das von fast 100 Firmen verwendet wird, Melanin beigemischt wurde – eine Chemikalie, die zur Herstellung von Plastik-Thekenplatten, Kleber und Düngemittel dient.34

Akutes Nierenversagen mag ungewöhnlich sein, chronisches Nierenversagen jedoch nicht. Forschungen von Nestlé ergaben, dass die Lebensspanne von Katzen, die ausschließlich mit kommerzieller Tiernahrung versorgt wurden und regelmäßig beim Tierarzt waren, etwa zwölf Jahre betrug, wobei die Todesursache sehr häufig Nierenversagen oder Krebs war.35 Das Mars-Unternehmen erklärt Veterinärmedizinern in einer Reklame für Häppchen in Knochenform, dass „80 Prozent aller Hunde, die über drei Jahre alt sind, unter Zahnfleischerkrankungen leiden“ und „bekannt sei, dass Zahnprobleme mit dem Alter zunehmen und häufig mit Organerkrankungen einhergehen, vor allem mit Erkrankungen von Nieren und Leber.“ 36 „Chronische Nierenkrankheiten sind die Haupttodesursache bei Katzen und Hunden“ – sagt das Unternehmen Royal Canin.37

Zukunftsaussichten

Wer könnte sagen, was die Zukunft für uns bereit hält? Wenn ich in meine Kristallkugel blicke, sehe ich eine Zukunft unaufhörlicher Veränderung. In einer komplexen Welt, in der verschiedene Interessen miteinander im Wettbewerb stehen, werden einige Veränderungen gut und andere schlecht sein. Lassen Sie uns keine Illusionen hegen: Große und schlechte Kräfte streben danach, Gegenmeinungen zu verhindern, und wir sind vielleicht bloß Menschen guten Willens. Ich zitiere Edmund Burke: „Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen.“ 38 Lassen Sie uns etwas unternehmen. Lassen Sie uns alles unternehmen, was unseren Tieren helfen kann. Und fangen wir heute damit an.

Redaktionelle Anmerkung

Aufgrund von Platzproblemen konnten wir Dr. Lonsdales Artikel leider nicht in Gänze abdrucken. Für den vollständigen (englischen) Text gehen sie bitte auf folgende Website: http://www.rawmeatybones.com/articles/nexus.pdf.

Endnoten

  1. Spurlock, M.: „Super Size Me“, siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Super_Size_Me
  2. Harvey, C. E. und Emily, P.: „Periodontal disease“ in Small Animal Dentistry, Mosby, St. Louis, 1993, S. 92
  3. Garcia, R. I. u. a.: „Relationship between periodontal disease and systemic health“ in Periodontology 2000, 2001, 25, S. 21-36
  4. Sugimura, T.: „Nutrition and dietary carcinogens“ in Carcinogenesis, 2000, 21(3): S. 387-95
  5. Roudebush, P.: „Pet food additives“ in Journal of American Veterinary Medical Association, 1993, 203(12): S. 1667-70
  6. Garcia, R. I. u. a.: „Relationship …“
  7. Cresswell, K. M. u. a.: „Adverse Drug Events in Elderly“ in British Medical Bulletin, 18.06.2007
  8. Lonsdale, T.: „Periodontal disease and leucopenia“ in Journal of Small Animal Practice, 1995, Nr. 36, S. 542-6; www.rawmeatybones.com/pdf/periodontal-leuco.pdf
  9. Engel, C.: Wild Health: How animals keep themselves well and what we can learn from them. Phoenix, London, 2003; Kap. 3: „Food, Medicine, and Self-medication“, S. 26
  10. De Bairacli-Levy, J.: The Complete Herbal Book for the Dog. Faber & Faber, London, 2003
  11. Muir, B.: „Canned pet food not the healthiest“ in AVA News, Dezember 1991, S. 28
  12. Lonsdale, T.: „Oral disease in cats and dogs“ in Control and Therapy, Nr. 3128, Postgraduate Committee in Veterinary Science, University of Sydney; s. a.: www.rawmeatybones.com/No_3128.html
  13. AVA News, November 1994, S. 19
  14. Muir, B.: „Canned pet food …“
  15. Wingate, J.: „Far Fetched Claims“ in AVA News, Dezember 1991, S. 28
  16. AVA News, März 1993, S. 1, 9
  17. „Pet food produces lively AGM“ in AVA News, Juni 1993, S. 23
  18. „Diet and disease link – final report“ in AVA News, Februar 1994, S. 1, 6
  19. Lonsdale, T.: „Periodontal disease …“
  20. Lonsdale, T.: „Cybernetic Hypothesis of Periodontal Disease in Mammalian Carnivores“ in Journal of Veterinary Dentistry, 11(1): S. 5-8; s. a.: www.rawmeatybones.com/pdf/periontal-cyber.pdf
  21. Veterinary Oral Health Council; http://www.vohc.org
  22. UK Raw Meaty Bones: „Intro to (UK) Pet Smile Month“, 2006; www.ukrmb.co.uk/showcontent.toy?contentnid=111303
  23. „Reassurance for European pet owners following pet food recall in the USA“ in The Veterinary Record, 05.05.2007, 160(18): S. 602-3
  24. The Kennel Club: „The History of Crufts“, 2006; http://www.thekennelclub.org.uk/item/256
  25. Brady, D. und Palmeri C.: „The Pet Economy“ in Business Week, 06.08.2007; www.businessweek.com/magazine/content/07_32/b4045001.htm
  26. American Pet Product Manufacturers Association: „Industry Statistics & Trends“, 2007; www.appma.org/press_industrytrends.asp
  27. Mugford, R. A.: „The influence of nutrition on canine behaviour“ in Journal of Small Animal Practice, 1987, 28: S. 1046-55
  28. Lonsdale, T.: „There’s a cuckoo in the nest: a deceptive bird“ in: Raw Meaty Bones: Promote Health. Rivecto Pty Ltd, NSW, Australien, 2001, S. 263-7
  29. Lonsdale, T.: „Poison your pets multinational offerings“ in Crickey Media, 2001; www.rawmeatybones.com/Crikey_Media.htm
  30.  „Pet Food And Pet Care Products in China“ in Euromonitor International, August 2007; www.euromonitor.com/Pet_food_and_pet_care_products_in_China?DCMP=AFC-petfoodemail
  31. Mukherjee, A.: „Royal Canin relish for Indian pets“ in Business Line, 25.08.2001; http://hindu.com/businessline/2001/08/25/stories/14251803.htm
  32. Menu Foods Income Fund: „Menu Foods Income Fund Announces Precautionary Dog and Cat Food Recall“, 16.03.2007; www.menufoods.com/recall/Press_Recall_03162007.htm
  33. Londsale, T.: „Open Secret: Giant USA corporations poison pets“ in Raw Meaty Bones Newsletter, 2007, 7(1); http://secureshop.rawmeatybones.com/newsletter/view.epl?id=45
  34. Malik, R.: „Feeding cats for health and longevity“ (Clinical Review) in The Veterinarian, August 2007, S. 61-7; www.theveterinarian.com.au
  35. „Introducing The Pedigree Denta Range“ in Veterinary Times, 15.07.2002, 32: S. 27
  36. Elliot, D. A.: „Nutritional Management of Chronicle Renal Disease in Dogs and Cats“ in Journal of Small Animal Practice, November 2006, 36(6): S. 1377-84, viii
  37. zitiert auf dem Cover des The Whistle-Newsletters; www.uow.edu.au/arts/sts/bmartin/dissent/contacts/au_wba

Quelle: http://www.nexus-magazin.de/artikel/drucken/kommerzielles-tierfutter-und-folgeschaeden

Gruß an die, die ihre Tiere Artgerecht ernähren!

Alles andere IST Tierquälerei!

 

TA KI

Die kriminelle Geschichte des Papsttums


Im Namen des päpstlichen Amtes wurden im Laufe der Jahrhunderte so viele Straftaten begangen wie sonst kaum irgendwo, und die wahre Geschichte der Päpste ist voller Skandale, Grausamkeiten, Ausschweifungen, Schreckensherrschaften, Kriege und moralischer Verkommenheit.

Die meisten Katholiken gehen durchs Leben, ohne je ein Wort des Vorwurfs gegen irgendeinen Papst oder anderen geistigen Würdenträger zu hören. Doch die Geschichte der Kirche und ihrer Amtspersonen ist meilenweit von dem Bild entfernt, das heute normalerweise von ihr gezeichnet wird, und die Wahrheit darüber und über die Päpste im Besonderen ist eine der Tatsachen innerhalb der Religionsgeschichte, die am häufigsten verzerrt dargestellt wird.

Der katholische Historiker und Erzbischof von New York, John Kardinal Farley, gab einst spitzfindig zu, dass die „alten Legenden über ihr zügelloses Leben teilweise wahr sein könnten … dass sie nicht stur auf der körperlichen Tugend beharrten und Ungerechtigkeit ein grundsätzliches Merkmal des päpstlichen Gerichts war. Doch es ist wahrscheinlich, dass die moralische Besserung die Antriebsfeder ihrer Gedanken war“.1 Die wahre Natur der Päpste ist in der Regel so falsch dargestellt worden, dass zahllose Menschen gar nicht wissen, wie viele Päpste nicht nur dekadent waren, sondern auch die gewalttätigsten und heimtückischsten Militärstrategen, die es je gab. Kardinal Farley ergänzte:

„Die Päpste waren Herrscher auf Zeit über das Staatsgebiet, und selbstverständlich hatten sie die Mittel, die Wiederherstellung oder Erweiterung der Kirchenstaaten durchzusetzen, bis der Friedensbeschluss bestätigt war … Ihre Versuche, vor allem das Herzogtum Rom zu läutern, bereiteten ihnen beträchtlichen Kummer und führten zu der Notwendigkeit, auf Gewalt zurückzugreifen, jedoch immer im Namen der Gnade … Menschen ließen im Dienst der Wahrheit ihr Leben, doch die legale Grundlage, die die christliche Kirche brauchte, um Besitztümer gewinnbringend zu erwerben und zu veräußern, wurde ihnen [den Päpsten] von Kaiser Konstantin im Jahr 312 gegeben.“2

Kardinal Farleys Bemerkungen fordern unsere Aufmerksamkeit, denn in ihnen steckt die wenig bekannte Geschichte der Anführer der christlichen Religion, die enthüllt, dass die populäre Darstellung der Päpste als unerschütterliche moralische Instanzen unwahr ist. Die geheime Geschichte der Grundlagen der Lehren, die es den Päpsten ermöglichten, dem bewaffneten Kampf und der Lasterhaftigkeit zu frönen, und die Frage, in welchem Maße die Behauptung, die Dekadenz sei unter den Geistlichen weit verbreitet gewesen, „teilweise wahr“ ist, bietet eine ungewöhnliche Story – eine ohne Vergleich oder Parallele in der Geschichte der Weltreligionen. Im Vorwort zu einem Buch über die offizielle päpstliche Geschichte, das der Heilige Stuhl in Auftrag gab und das den Titel „The Popes: A Concise Biographical History“ trägt, wird der christliche Leser mit der folgenden Entschuldigungsrede taktvoll auf einige ihn erwartende unangenehme Fakten über die Päpste vorbereitet:

„Einige Katholiken werden vielleicht überrascht sein, wenn sie die päpstlichen Biographien in diesem Buch lesen. Unser Bild von der Rolle, die der Papst in der Kirche spielt, muss womöglich ein wenig korrigiert werden.“3

Diese Bemerkung ermahnt den Leser zur Vorsicht in Bezug auf die Geschichte der Päpste. Dennoch fand der Heilige Stuhl es nicht klug, in dieser biographischen Geschichte alle Details über die wahre Natur der päpstlichen Gerichtsbarkeit zu veröffentlichen. In der wahren Geschichte geht es nämlich um „Jahrhunderte andauernden Schacher um geistliche Ämter, Täuschung, Skandale, Unmoral, Gewalt, Betrügereien, Mord und Grausamkeiten, und die tatsächlichen Neigungen der Päpste werden von der Kirche heute wissentlich falsch dargestellt.“4

Jahrhundertelang fertigte die Kirche umfangreiche Berichte über das Leben der Päpste an, die sich bis zum elften Jahrhundert „ökumenische Patriarchen“ nannten, und dort sind erstaunliche Exzesse festgehalten. Offizielle katholische Niederschriften liefern außergewöhnliche Geständnisse über die Verruchtheit des gesamten christlichen Klerus, und die Konsequenzen dieses Wissens gewinnen an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die Mutterkirche an der Behauptung festhält, die Frömmigkeit der geistlichen Würdenträger sei unzweifelhaft.

Die Herausgeber der „Catholic Encyclopedia“ behaupten, ihre Bücher „zeigen die Wahrheit über die katholische Kirche“ (Vorwort), und was in diesem Artikel hier zusammengetragen wurde, stammt vor allem aus diesen Bänden, und zwar ohne Vorbehalte. Ebenso wurden verschiedene päpstliche Tagebücher, Briefe und Berichte ausländischer Botschafter im Vatikan an ihre jeweiligen Regierungen zu Rate gezogen, sowie Dokumente aus Klöstern und Niederschriften des römischen Senats. Zudem hatte ich Zugang zu den offiziellen, alten Registern der Kirchengerichte Londons. Von großer Hilfe war auch, dass ich eine Originalversion von Diderots „Encyclopédie“ einsehen konnte, einen Band, den Papst Clemens XIII. (1758-69) unmittelbar nach seiner Veröffentlichung vernichten ließ. Diese Dokumente bezeugen einhellig, wie die päpstliche Herrschaft jahrhundertelang von enormer moralischer Verderbtheit gekennzeichnet war. Und wenn man bedenkt, unter welchen Umständen sie entstanden, kann man diese Texte einfach nur als erstaunlich bezeichnen. Die vorgebliche Heiligkeit und Frömmigkeit der Päpste, wie sie heute offiziell propagiert wird, findet sich nicht in den historischen Niederschriften, was die Unaufrichtigkeit der Kirche in Bezug auf ihre eigene Geschichte belegt.

Der fromme katholische Historiker und Autor Bischof Frotheringham erweitert übrigens diese Liste christlicher Führer bis in seine eigene Zeit:

„Viele Päpste führten ein ausgesprochen liederliches Leben. Einige waren Magier (Okkultisten); andere sind bekannt für Aufruhr, Krieg, Blutbäder und Lasterhaftigkeit, auch für Habsucht und Simonie. Wieder andere waren nicht einmal Christen, sondern einfache Kriminelle und Gegner der Gottesfürchtigkeit. Manche waren die Kinder ihres Vaters, des Teufels; die meisten waren gewalttätige Männer; manche waren nicht einmal Priester; andere waren Ketzer. Und wenn der Papst ein Ketzer ist, dann ist er eo ipso kein Papst.“5

Und sie waren tatsächlich Ketzer, denn viele Päpste zweifelten öffentlich das Evangelium an, wie wir noch sehen werden. Diese Fakten sind den katholischen Geschichtsschreibern sehr wohl bekannt, die ihre Leser jedoch belügen und ihnen erzählen, die Päpste seien tugendhafte und fähige Männer gewesen mit „erhabenen religiösen Geistern“6. Die Wahrheit ist, dass sie nur ihre eigenen Interessen verfolgten, nicht die Gottes, und emsiger das Laster kultivierten, als katholische Chronisten wagten, offen zu beschreiben. Sie waren bei den Menschen verhasst, und als verbesserte wirtschaftliche Bedingungen zu einer neuen, kritisch denkenden Mittelschicht in Europa führten, entstand eine große Widerstandsfront. Christliche Aufzeichnungen zeigen, dass die Päpste alles andere waren als so, wie sie heute dargestellt werden, und indem die Kirche ihnen eine fromme Vergangenheit andichtete, baute sie eine Fassade aus Doktrinen, mit deren Hilfe sie in dreister Weise und fälschlich als gottesfürchtig präsentiert werden.

Mit dem Bild vom Papsttum im Kopf, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt wurde, ist es schwierig sich vorzustellen, wie die Welt im 16. oder 14. Jahrhundert aussah, geschweige denn im zehnten oder achten. Die Männer, die heute als Ausleger christlicher Lehren bezeichnet werden, waren brutale Mörder, und „Verstöße gegen die Glaubensregeln galten als Hochverrat und waren daher mit dem Tod zu bestrafen“7. Die Päpste wateten durch Ströme von Blut, um ihre weltlichen Ziele zu erreichen, und viele führten höchstpersönlich ihre bischöfliche Miliz in die Schlacht. Die Kirche befahl ihrem „weltlichen Arm“, den Menschen mit Hilfe von „Massenmord“ ihre Dogmen aufzuzwingen8, und „der Klerus, der in jedem Distrikt die Funktion der lokalen Staatsbeamten innehatte, hat ganz offensichtlich den religiösen Geist nie wirklich wiedererlangt“9. Christliche Geschichtsschreiber, die dies entschuldigen wollen, versuchen der Geschichte des Papsttums, die jahrhundertelang ganz Europa in Atem hielt und die alles andere als feingeistig oder erhaben war, einen Hauch des Intellektuellen anzudichten.

Da die Reihe der Päpste ein wenig im Dunkeln beginnt, fängt dieser Aufsatz mit dem Jahr 896 an, als „eine Gruppe von Adligen mit schweinischen und brutalen Gelüsten, von denen viele nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben konnten“10, den Heiligen Stuhl in Besitz nahm und für 631 Jahre bis 1527 behielt, als Rom durch die List von Papst Clemens VII. (1523-1534) von der Armee Kaiser Karls V. eingenommen wurde.

In der folgenden kurzen Abhandlung über einige wenige Päpste aus dieser Zeit lesen wir:

„Als Papst Formosus (896) starb, begann eine Zeit tiefster Demütigung für das Papsttum, so wie sie nie zuvor geschehen war, und auch danach nie wieder vorkam. Nachdem Formosus’ Nachfolger, Bonifaz VI., gerade mal 15 Tage an der Macht war, wurde Stefan VII. [VI.] auf den Heiligen Stuhl gehievt. In blinder Wut verunglimpfte Stefan nicht nur das Gedächtnis des Formosus, sondern behandelte auch seinen Körper in unwürdiger Weise. Papst Stefan wurde daraufhin im Sommer 897 im Gefängnis erdrosselt, und die sechs folgenden Päpste (bis 904) verdankten ihr Amt den Machtkämpfen zwischen rivalisierenden politischen Gruppierungen. Christophorus, der letzte in dieser Reihe, wurde von Sergius III. (904-911) gestürzt.“11

Solche Phasen „tiefster Demütigung“ des Papsttums traten immer mal wieder auf, sogar noch im 21. Jahrhundert, als öffentlich bekannt wurde, welche Ausmaße die Pädophilie unter Priestern besitzt.12 Es war Papst Stefan VII. (VI.), „ein gichtkranker, gefräßiger alter Priester“13, der anordnete, den verwesenden Körper von Papst Formosus nach acht Monaten zu exhumieren, an einen Stuhl zu binden und wegen Missachtung der kirchlichen Lehren vor Gericht zu bringen. Vor dem zerfallenen, mit purpurnen und goldenen päpstlichen Gewändern gekleideten Toten, standen der Papst, seine Bischöfe, die vornehmen Herrschaften von Rom und Lamberto von Toskana.

Der „Prozess“ war eine groteske und widerliche Farce. Der Papst schritt auf und ab und brüllte den Leichnam an, erklärte ihn für schuldig. Ein Diakon, der neben dem halb verwesten Körper des ehemaligen Papstes stand, antwortete an dessen Stelle. In diesem makaberen Prozess, der heute fromm die „Leichensynode“ genannt wird, wurde der verstorbene Papst ordnungsgemäß verurteilt. Man entkleidete ihn, schnitt drei Finger von seiner rechten Hand ab und warf seine sterblichen Überreste in den Tiber.

„Er (Papst Stefan VII. (VI.)) trägt auch die Verantwortung für die Konsequenzen dieser widerwärtigen Angelegenheit. Indem er den toten Papst aus dem Amt enthob, annullierte er auch all dessen Handlungen, einschließlich der Ordinationen. Papst Stefans grausame und schreckliche Tat rief heftige Reaktionen in Rom hervor, und Ende Juli oder Anfang August wurde er gefangen genommen und später erdrosselt.“14

Dieses morbide Verhalten zeigt, was für beschränkte Geister die Päpste dieser Zeit waren. Dieses und andere Ereignisse lassen uns verstehen, warum die Mönche des Klosters Eulogomenopolis, das heute Monte Cassino heißt, den Lateranpalast als „Sitz des Zorns, Leichenhaus … einen Ort skurriler Laster und Verbrechen“ bezeichneten.

Die unheilige Herrschaft der Huren

Bischof Liutprand von Cremona, dessen „Antapodosis“ sich mit der Papstgeschichte von 886 bis 950 beschäftigt, hinterließ ein bemerkenswertes Portrait der Laster der Päpste und ihrer kirchlichen Kollegen, womöglich geprägt von ein wenig Neid:

„Sie jagten auf Pferden mit goldenem Geschirr, veranstalteten nach der Jagd üppige Bankette mit Tänzerinnen, und zogen sich dann mit diesen schamlosen Huren in Betten mit Seidenlaken und goldbestickten Decken zurück. Alle römischen Bischöfe waren verheiratet, und ihre Ehefrauen stellten seidene Kleider aus den heiligen Gewändern her.“

Ihre Geliebten waren die vornehmsten der adligen Damen der Stadt, und „zwei wollüstige dominante Frauen“, Theodora und ihre Tochter Marozia, „herrschten über die Päpste des 10. Jahrhunderts“15. Der anerkannte Vatikanhistoriker Kardinal Caesar Baronius (1538-1607) nannte diese Zeit die „Herrschaft der Huren“, „die den Weg für die noch skandalösere Herrschaft der Zuhälter ebnete“16. Bischof Liutprand enthüllt einige Details über Theodora: So bewegte sie einen attraktiven jungen Priester dazu, ihre Leidenschaft zu erwidern, und sorgte dafür, dass er Erzbischof von Ravenna wurde. Später ließ Theodora ihren erzbischöflichen Liebhaber aus Ravenna zurückkehren und machte ihn zu Papst Johannes X. (Papst von 914-928, gestorben 928).

Johannes X. ist vor allem als militärischer Anführer in Erinnerung. Gegen die Sarazenen ritt er höchstpersönlich ins Feld und besiegte sie. Er betrieb rege Vetternwirtschaft und häufte Reichtümer für seine Familie an, und sein Verhalten ließ die Verkommenheit des Papsttums weiter wachsen. Er lud die Ungarn, die damals noch halbwilde Asiaten waren, ein, mit ihm gegen seine Feinde zu kämpfen, womit er eine neue, schreckliche Plage ins Land holte. Sein diplomatisches, politisches und privates Gebaren war vollkommen frei von Prinzipien. Er verstieß Theodora und umwarb die liebreizende junge Tochter von Hugo von Provence und lockte sie in sein päpstliches Schlafgemach. Die verstoßene Theodora heiratete daraufhin Guido, den Marquis von Toskana, und führte gemeinsam mit ihm einen Staatsstreich gegen Johannes X. durch. Theodora allerdings verstarb unerwartet, vermutlich durch Gift, und Johannes X. begann einen erbitterten Konflikt mit ihrer Tochter Marozia und den einflussreichsten Adligen Roms. Johannes hatte seinen Bruder Peter nach Rom geholt, ihm einen Adelstitel beschafft und ihm die profitablen Ämter besorgt, die die älteren Adligen für ihr Privileg hielten. Das Ganze war ein interner Machtkampf. Die Adligen drängten Peter, Papst Johannes und dessen Truppen unter der Führung von Marozia aus der Stadt. Der Papst und sein Bruder stockten ihre Armee auf und kehrten nach Rom zurück, doch eine kleine Gruppe von Marozias Leuten drang in den Lateranpalast ein und ermordete Peter vor den Augen des Papstes. Johannes wurde eingesperrt, im Mai 928 für abgesetzt erklärt und in der Engelsburg mit einem Kissen erstickt.

Marozia und ihre Leute erklärten daraufhin Leo VI. (928) zum neuen Papst, ersetzten ihn jedoch nach sieben Monaten durch Stefan VIII. (VII.). Er herrschte zwei Jahre lang. Dann übergab Marozia das päpstliche Amt ihrem Sohn, Johannes XI. (910-936, Papst von 931-935). Er war der illegitime Sohn von Papst Sergius III., wie es von „Flodoard, einem vertrauenswürdigen zeitgenössischen Geschichtsschreiber bestätigt wird“17. Sergius war mit Hilfe von Theodora, Marozias Mutter, gewaltsam an das Amt gekommen. Beide, Theodora und Sergius, spielten eine führende Rolle bei der Schändung von Formosus’ Leiche, und Sergius wurde später beschuldigt, seine beiden Vorgänger ermordet zu haben. Die Kirche verteidigte sich, doch dabei kam heraus, dass Sergius nicht der einzige Papst war, der sexuellen Umgang mit Marozia hatte:

„Es wird allgemein davon ausgegangen, dass Papst Sergius, obwohl er bereits in mittleren Jahren war, sich mit der jungen Marozia vereinigte und mit ihr einen Sohn hatte, den zukünftigen Papst Johannes XI. Alle Informationen, die wir über den Werdegang von Marozia und über die Skandale in Rom haben, in die sie und eine Reihe von Päpsten verwickelt waren, stammen jedoch aus feindlichen Quellen und könnte daher übertrieben sein.“18

Vom päpstlichen Kastell in der Nähe des Petersdoms aus regierte Marozia mit Hilfe der Papst-Diktatoren mehrere Jahrzehnte lang die Christenheit und kümmerte sich um alle Angelegenheiten, bis auf die Routineaufgaben. Sie konnte zwar keine Dokumente mit ihrem Namen unterschreiben, doch de facto war sie das Oberhaupt der christlichen Kirche – eine Tatsache, die allen Historikern, die zumindest über Grundwissen im Bereich der Kirchengeschichte verfügen, bekannt ist. Sie war aggressiv in ihrer Leidenschaft, abgebrüht, äußerst ignorant und vollkommen skrupellos. Sie berief unerschrockene, kriegserfahrene Bischöfe, ihr beizustehen und sie setzte sich erfolgreich gegen ihre Gegner durch. Wörtlich übersetzt wurde sie von den Römern die „Hure der Päpste“ genannt und sie war für die Einsetzung von mindestens vier Päpsten unmittelbar verantwortlich. Heutzutage heißt es zwar, ihre Schachereien seien „skandalös“ gewesen, doch die betroffenen Päpste werden von der Kirche als „legitime“ Nachfolger des heiligen Petrus akzeptiert. Im Laufe der Zeit verabscheuten immer mehr Menschen die widerliche Farce, zu der die päpstliche Religion verkommen war, und betrachteten sie mit Wut und Verachtung.

In den späteren Jahren seiner Amtszeit wurde Papst Johannes XI. krank, und Marozia setzte vorübergehend einen älteren Mönch auf den Heiligen Stuhl. Als der sich weigerte, wieder abzutreten, wurde er gewaltsam ins Gefängnis geworfen, wo man ihn verhungern ließ. Johannes XI. nahm seine Position wieder ein und verbrauchte den Rest seines Vermögens, indem er Soldaten anheuerte, die die Ordnung in Rom wieder herstellen sollten. In der ganzen Stadt herrschte Oppositionsstimmung gegen die Kirche und gegen die erschreckende Moral des Klerus in ganz Italien. Johannes XI. bemühte sich, die reichen Güter, die nur auf Zeit der Kirche gehörten, wiederzuerlangen und zu halten, doch im Jahr 936 starb er. Anhand dieser, sehr verkürzten Darstellung erfährt man voll Staunen etwas über die Zeiten, als leichte Mädchen über den Heiligen Stuhl herrschten und noch keine christliche Doktrin entwickelt worden war.

Die Verschacherung des Heiligen Stuhls und neue Ausmaße der Verruchtheit

So unglaublich, wie es scheinen mag, das Papsttum sank daraufhin noch tiefer in den Sündenpfuhl und blieb dort fast tausend Jahre lang. Christliche Historiker übergehen die wahre Natur der Päpste lässig, indem sie behaupten, sie hätten sie nie als „unfehlbar“ betrachtet, wobei sie übersehen, dass die Päpste Verbrechen begingen, die in jeder Hinsicht gegen den menschlichen Anstand verstießen.

Papst Johannes XII.19 war ein weiterer in der Reihe der gottlosen Päpste, und er begann seine ruhmlose Karriere, indem er beim Würfelspiel heidnische Götter und Göttinnen anrief. Während einer Sauforgie prostete er Satan zu und übertrug seiner berüchtigten Geliebten / Hure Marcia die Oberaufsicht über sein Bordell im Lateranpalast.20 Er „umgab sich gern mit einer Auswahl von Prostituierten“, berichtet der Mönch und Chronist Benedict von Soracte, und als er wegen des Mordes an einem Widersacher vor Gericht stand, schworen seine Priester feierlich, er habe inzestuöse Beziehungen zu seinen Schwestern gepflegt und seine Nonnen vergewaltigt.21 Bei einem Bankett machte er seine Gespielinnen so betrunken, dass sie aus Versehen das Gebäude in Brand setzten. Es ist schwierig, sich einen Pontifex Maximus vorzustellen, der von der Heiligkeit weiter entfernt wäre. Dennoch schaffte er es, in einem Zeitalter, in dem sich ein Papst durchschnittlich zwei Jahre im Amt hielt, zehn Jahre lang an der Macht zu bleiben. Schließlich kam er jedoch sehr plötzlich zu Tode, als, so berichten fromme Chronisten, der Teufel ihn tötete, während er eine Frau in einem Haus in der Vorstadt vergewaltigte. In Wahrheit wurde der heilige Vater so heftig vom wütenden Ehemann der Frau verprügelt, dass er acht Tage später an den Verletzungen starb. Kaiser Otto verlangte daraufhin, dass der Klerus einen respektablen Priester als Nachfolger Johannes XII. wählen solle, doch man konnte keinen finden. Der neue Papst, Leo VIII. (963-965), war ein Laie, ein Staatsbeamter, dem man „innerhalb eines Tages alle kirchlichen Weihen verpasste“22. Leo VIII. gilt bei der heutigen Kirche als „wahrer Papst“, doch „seine Wahl ist ein Rätsel“ – eins, das Kanoniker bisher nicht versucht haben, zu entschlüsseln.23

Die „Catholic Encyclopedia“ berichtet von weiteren päpstlichen Schandtaten:

„Die Päpste Benedikt vom IV. bis einschließlich zum IX. gehören zur dunkelsten Phase der päpstlichen Geschichte … Benedikt VI. (973) wurde vom Gegenpapst Bonifaz VII. (983) ins Gefängnis geworfen und 974 auf dessen Befehl hin erdrosselt. Benedikt VII. war Laie und wurde durch einen Gewaltakt zum Papst. Er vertrieb Bonifaz VII. Papst Benedikt IX. [1012-1055/65/85, Papst 1032-45, 1047, 1048] war wegen seines liederlichen Lebenswandels bereits für viele Skandale gut gewesen. Sein unmittelbarer Nachfolger, Papst Gregor VI. (1044-1046), hatte Benedikt IX. überredet, ihm den Heiligen Stuhl im Austausch gegen wertvolle Besitztümer zu überlassen.“24

Gegenpapst Bonifaz VII. wurde von Gerbert (aus dem später Papst Sylvester II., 999-1003, werden sollte) als „ein grauenvolles Monster, das in seiner kriminellen Energie die gesamte Menschheit überflügelte“ beschrieben, doch auch der „Skandal“ um Papst Benedikt IX. verdient besondere Aufmerksamkeit. Sein Name war Grottaferrata Teofilatto (manchmal auch Theophylact) und 1032 gewann er den mörderischen Wettlauf um den Heiligen Stuhl. Sofort exkommunizierte er Anführer, die ihm feindlich gesonnen waren und errichtete schnell ein Schreckensregime. Er öffnete offiziell die Tore des „Papstpalastes“ für Homosexuelle und verwandelte ihn in ein durchorganisiertes, profitables Bordell mit männlichen Prostituierten.25 Sein gewaltsames und ausschweifendes Verhalten erzürnte die Bevölkerung Roms, und im Januar 1044 wählten die Einwohner der Stadt Johannes von Sabine zum neuen Papst. Er trat das Amt unter dem Namen Sylvester III. an. Doch Sylvester wurde rasch von Benedikts Brüdern vertrieben und floh um sein Leben in die Sabiner Hügel.

Benedikt IX. verkaufte daraufhin das Papstamt an seinen Patenonkel Giovanni Graziano, der als Papst Gregor VI. den Heiligen Stuhl einnahm. Im Jahr 1047 allerdings kehrte Benedikt wieder und verlangte sein Amt zurück. Die Kirche sagt auch, er sei „unmoralisch…grausam und geistlichen Dingen gegenüber gleichgültig gewesen. Seine Verkommenheit wird durch sein Desinteresse an religiösen Angelegenheiten bestätigt, und seine Verachtung des asketischen Lebenswandels ist allzu gut bekannt. Er war der schändlichste Papst seit Johannes XII.26

Als er starb, weigerten sich die Totengräber, ihm einen Sarg zu zimmern. Er wurde heimlich im Schutz der Dunkelheit in einem Tuch beigesetzt. Ihm folgten vier Päpste, die das Amt nur kurz halten konnten, und der folgende Absatz aus der „Catholic Encyclopedia“ ist voller Belege für die moralische Verderbtheit der gesamten Priesterschaft:

„Als Leo IX. 1049 gewählt wurde, befand sich laut dem heiligen Bruno, dem Bischof von Segni‚ ‚die gesamte Kirche in einem Zustand der Verwerflichkeit, die Heiligkeit war verschwunden, Gerechtigkeit untergegangen und die Wahrheit verscharrt; Simon Magus spielte sich als Herr über die Kirche auf, deren Päpste und Bischöfe sich dem Luxus und der Unzucht hingaben. Die Bildung der Päpste, was Wissenschaft und Askese anging, war äußerst dürftig, und der moralische Standard bei vielen sehr niedrig. Das Zölibat wurde nicht überall beachtet. Bischöfe erhielten ihre Ämter auf unrechtmäßige Weise, und ihr Leben sowie ihre Reden widersprechen auf wundersame Art ihrer Berufung. Sie erfüllten ihre Aufgaben nicht im Namen Christi sondern aus weltlicher Gewinnsucht. Mitglieder des Klerus wurden vielerorts mit Empörung betrachtet, ihre Habgier, Genusssucht und Amoral verbreiteten sich schnell unter den Geistlichen. Als die kirchlichen Autoritäten schwach wurden, begann der Verfall logischerweise auch an anderen Stellen. Als die päpstliche Autorität bei vielen an Ansehen verlor, wuchsen die Vorbehalte gegenüber beiden, den Priestern und den Päpsten.‘“27

Papst Leo IX. (1002-1054) war ein skrupelloser Abenteurer, der sein Pontifikat damit verbrachte, mit einer Gruppe bewaffneter Ritter durch Europa zu reisen, und er hinterließ die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hatte. Die Kirche nannte Männer wie ihn „Lapsi“ (Gefallene) und gab bescheiden zu, dass er „vom Glauben abgefallen sei … er fiel ab, indem er falschen Göttern Opfer brachte … es ist nicht bekannt, warum er seinen Glauben widerrief“28.

Der heilige Peter Damian (1007-72), der strengste Kritiker seines Zeitalters, malte ein schauerliches Bild des Verfalls der priesterlichen Moral in seinem düsteren „Buch von Gomorrah“, eine bemerkenswerte christliche Aufzeichnung, die erstaunlicherweise die Jahrhunderte kirchlicher Vertuschung und Bücherverbrennung überlebte. Er sagte: „Unter den Päpsten herrscht eine naturgemäße Tendenz zu Mord und Grausamkeit. Sie haben auch nicht die geringste Lust, ihre abscheulichen Gelüste zu beherrschen; viele haben sich aus Fleischeslust der Unzüchtigkeit hingegeben, und begehen nun, da sie sich die Freiheit einmal genommen haben, jede Art von Verbrechen.“

Nachdem er sein ganzes Leben über den Lebenswandel der Päpste geforscht hatte, fasste Lord Acton (1834-1902), englischer Historiker sowie Gründer und Herausgeber von „The Cambridge Modern History“, ihre militaristische Haltung wie folgt zusammen:

„Die Päpste waren nicht nur Mörder in großem Stil, sie machten den Mord auch zu einem legalen Fundament der christlichen Kirche und zu einer Heilsbedingung.“29

Vielleicht nahmen sie sich ein Beispiel an Jesus Christus, der, nachdem er zum König erklärt worden war, folgenden mörderischen Befehl gab: „Bringt meine Feinde her, die mich nicht zum König wollten, und tötet sie vor meinen Augen“30. In der katholischen Bibel ist dies etwas behutsamer ausgedrückt: „Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringt her, und erschlagt sie vor meinen Augen“ (Lukas 19:27). Heutzutage tun die Päpste alles in ihrer Macht stehende, um Jesus als harmlosen religiösen Prediger und Friedenspropheten zu präsentieren, doch vermeiden es tunlichst, über diese Passage des Evangeliums zu diskutieren, in der alles, wofür das Christentum steht, für null und nichtig erklärt wird.

Päpstliche Kriegsschiffe und rivalisierende imperialistische Päpste

Etwa zur Zeit des heiligen Peter Damian muss es auch eine päpstliche Marine mit einer Crew aus christlichen Kriegern gegeben haben. Ursprünglich wurde sie wohl von Papst Johannes VIII. (Papst von 872-882, gestorben 882) gegründet, doch es existieren keine allgemein zugänglichen detaillierten Informationen über ihre Größe oder etwaige Missionen.31 Allerdings geht aus einem einzelnen späteren Verweis auf „Die Päpstliche kämpfende Flotte“ aus dem Jahr 1043 hervor32, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch aktiv war. Dieser außergewöhnliche Bericht wurde in einer Niederschrift gefunden, die einst der einflussreichen römischen Familie Crescenti gehörte, die von der Mitte des 10. bis zum Anfang des 11. Jahrhunderts eine wichtige Rolle bei den politischen Intrigen der Päpste spielte. Auch im 16. Jahrhundert, 700 Jahre nach ihrer Gründung, war die päpstliche Flotte noch aktiv, denn Papst Gregor XIII. (geboren 1502, Papst von 1572-1585) beauftragte Giorgio Vasari (1511-1574), ein Gemälde von ihr anzufertigen, während sie im Hafen von Messina auf Sizilien vor Anker lag.

Die wahre Bedeutung solcher Berichte über eine militärische Einheit im Dienst des Heiligen Stuhls ist, dass neuzeitliche, von der Kirche verbreitete Präsentationen des Christentums als die Religion, die „Nächstenliebe und Licht“ in die Welt gebracht habe, dadurch widerlegt werden.

Um Jahrhunderte der Lasterhaftigkeit der Päpste zu entschuldigen und ihre Taten ein wenig reinzuwaschen, hat der Vatikan inzwischen eingestanden, dass zur Zeit Papst Alexanders II. (1061-1073) „die Kirche von Spaltungsversuchen der Gegenpäpste, Simonie und Zügellosigkeit zerrissen war“33. Diese Phase, in der eine Vielzahl von Päpsten konkurrierten, ist eine wenig bekannte Episode der christlichen Geschichte, die beeindruckende Beweise für die Existenz unterschiedlicher Interessengruppen liefert, die mittels Intrigen versuchten, die alleinige Kontrolle über die päpstlichen Staaten zu gewinnen.

„Die Kirche wurde im Verlauf ihrer Geschichte viele Male durch rivalisierende Anwärter auf das päpstliche Amt in Unruhe versetzt … der Machtkampf, der daraus entstand, war immer ein Anlass für Skandale, manchmal auch für Gewalt und Blutvergießen.“34

Anfangs wählten adlige französische Familien einen Gegenpapst, um das Laster unter den römischen Klerikern auszumerzen, und in der Folge tauchten immer mehr solcher Gegenkandidaten auf, die auf unterschiedliche Weise zu diesem Amt kamen, eine Phase, die 400 Jahre andauerte.

In der Moderne hießen die Gegenpäpste bei der Kirche „Teufel auf dem Heiligen Stuhl“, womit sie sagen wollte, dass sie unrechtmäßig an das Amt gekommen waren.35 Diese Unterscheidung zwischen rechtmäßigen und unrechtmäßigen Päpsten ist jedoch vollkommen willkürlich, denn jeder dieser (Gegen-)Päpste wurde vorschriftsmäßig bei kirchlichen Konklaven gewählt. Es folgt ein ungewöhnliches Bekenntnis der Kirche:

„Zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichte der Kirche haben Personen illegale Ansprüche auf den Heiligen Stuhl erhoben und häufig sogar unter Missachtung der Rechte des legitimen Amtinhabers pontifikale Handlungen ausgeführt. [Kardinal] Hergenrother (gestorben 1890) zufolge war Felix V. (1439-1449) der letzte Gegenpapst. In dieser Quelle werden 29 weitere in der folgenden Reihenfolge aufgelistet… [Liste folgt].“36

Jede der konkurrierenden päpstlichen Fraktionen wurde von mächtigen militärischen Einheiten unterstützt, und das ganze Thema um die gegen einander Krieg führenden Päpste ist viel zu umfangreich, um es hier zu behandeln. Ihre Machtkämpfe wurden mit erstaunlicher Verbissenheit ausgetragen, und der Begriff „Schisma“ ist nicht stark genug, um die Intensität der Wut zu beschreiben, die jahrhundertelang innerhalb des Christentums tobte. Katholische Geschichtsschreiber gestehen ein, dass es „selbst heute wohl nicht ganz sicher ist, wer von den beiden Linien mit Päpsten und Gegenpäpsten nun tatsächlich jeweils der legitime Papst war, und wer der ‚legitime‘ Gegenpapst“37.

Das ist brillant argumentiert, doch es ist mehr an diesem merkwürdigen Aspekt der Geschichte des Heiligen Stuhls, wie man in dem Buch „Secrets of the Christian Fathers“ nachlesen kann, das 1685 von dem römischen Bischof Joseph W. Sergerus (gestorben 1701) verfasst wurde. Er liefert Beweise aus den kirchlichen Archiven, zu denen er Zugang hatte, aus denen hervorgeht, dass es Zeiten gab, in denen vier Päpste gleichzeitig den / die Heiligen Stuhl / Stühle besetzten, jeder in einem anderen Gebäude, in einer anderen Stadt oder in einem anderen Land. Sie agierten unabhängig voneinander, hatten ihre eigenen Kardinäle und Angestellten und hielten ihre eigenen kirchlichen Konzile ab. Er zählt sie alle auf, und ein Beispiel für die zwölf Sets mit je vier Päpsten ist das mit dem selbsterklärten Papst Benedikt XIV. (1425), der jahrelang mit Papst Benedikt XIII. (1427), Papst Clemens VIII. (1429) und Papst Martin V. (1431) wetteiferte. In jüngerer Zeit bezeichneten Kirchenhistoriker das vierte Mitglied dieser Gruppe einfallsreich als „Anti-Gegenpapst“38, und stellten fest, dass „dies nicht der Platz sei [kirchliche Quellensammlungen], die Verdienste oder Motive der vielen Anwärter zu diskutieren“39.

Die Einführung des Begriffs „Gegenpapst“ war ein rückwirkender Schachzug der Kirche, um die Realität mehrerer gleichzeitig regierender Päpste zu negieren und eine einzige kontinuierliche Reihe von Päpsten vom heiligen Petrus bis zum heutigen Benedikt XVI. zu konstruieren. Eine Analyse der kircheneigenen Niederschriften enthüllt jedoch, dass die Behauptung, es existiere eine kontinuierliche päpstliche Linie, falsch ist. Bischof Bartolomeo Platina (1421-1481), ein christlicher Historiker und erster Vorsteher der damals noch winzigen Bibliothek des Vatikan (1475-1481), gab zu, dass die direkte Linie „nach Nikolaus I. (Papst von 858-867) mehrmals unterbrochen war; ein Interregnum von acht Jahren, sieben Monaten und neun Tagen etc. pp.“ Diese Unterbrechungen heißen fromm „Freizeiten“ und werden von Bischof Platina auf insgesamt „127 Jahre, fünf Monate und neun Tage“ zusammengezählt40. Platina versäumte es jedoch, die „Freizeiten“ festzuhalten, die in den etwa neun Jahrhunderten vor Nikolaus I. auftraten, denn „unglücklicherweise wurden nur wenige [kirchliche] Unterlagen aus der Zeit vor 1198 freigegeben“41. Kirchliche Insider wissen, dass Niederschriften, die angeblich eine einzige päpstliche Linie auflisten, falsch sind:

„Die angeblichen Kataloge mit aufeinander folgenden Bischöfen in den verschiedenen Konventen seit den Tagen der Apostel, so wie sie von einigen kirchlichen Schreibern aufgelistet wurden, sind voller Fälschungen und späterer Hinzudichtungen. So kamen Bischöfe hinzu, deren Position als Betrug oder fälschliche Darstellung betrachtet werden muss, so wie es von den Notwendigkeiten der Kirche oder von weltlichem Ehrgeiz diktiert wurde.“42

Der humanistische, biblische Forscher Desiderius Erasmus (1466-1436) hatte recht, als er offen eingestand, dass die „Folge reine Phantasie“ sei43 und dass die heutige Darstellung einfach den verbürgten historischen Fakten widerspreche.

Etwa 50 Jahre nach Papst Alexander II. (gestorben 1073) wählte eine einflussreiche Opposition Lamberto von Bologna zum Papst Honorius II. (1124-1130), und die Kirche besaß wieder zwei rivalisierende Päpste, beide erbitterte, streitsüchtige Gegner, die der eine wie der andere einen mordlüsternen, ausschweifenden, luxuriösen Lebensstil pflegten. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Honorius fest entschlossen war, sich den Heiligen Stuhl entweder zu erkaufen oder zu erzwingen, was ihm auch gelang. Er hielt diese Position für den Rest seines Lebens. Nach seinem Tod wurden zwei neue Päpste, Anacletus II. (1130-1138) und Innozenz II. (1130-1143) von zwei opponierenden kirchlichen Gruppierungen am gleichen Tag gewählt und geweiht. Vor seiner Wahl war Pietro Pierleoni, der Gegenpapst Anacletus II., militärischer Anführer einer Armee, mit deren Hilfe seine Familie seit (zusammengerechnet) 50 Jahren um die Kontrolle über den Heiligen Stuhl kämpfte – ein Konflikt, der von der Kirche heute subtil der „Fünfzigjährige Krieg“ genannt wird. Glauben wir seinen Feinden, dann entehrte er das päpstliche Amt mit seiner groben Unmoral und seinem gierigen Streben nach Profit. Als Pierleoni 1138 starb, wählten seine Anhänger Victor IV. zum Papst.44 Die Kirche befand sich weiterhin im erbitterten Konflikt, war nach wie vor unter der geteilten Kontrolle zweier Päpste, von denen keiner eine Bibel besaß und jeder vollkommen unabhängig vom anderen handelte.45

Das Ausmaß an päpstlichen Vergehen zeigt sich an den Worten der Kirche, wie man sie in Peccis Ausgabe (1897) der „Catholic Encyclopedia“ nachlesen kann:

„Als Gregor VII. den Papstthron bestieg (1073-1085), war die christliche Welt in einem erbarmungswürdigen Zustand. Während der trostlosen Zeit des Übergangs, der schrecklichen Zeit des Krieges und der Raubzüge, der Gewalt und Verruchtheit in hohen Positionen, die auf die Auflösung des Karolingerreichs folgte, eine Zeit, in der die Gesellschaft in Europa anscheinend zu Zerstörung und Verfall verdammt war, war die Kirche nicht in der Lage gewesen, der allgegenwärtigen Verderbtheit zu entrinnen, die sie so entschieden mitverschuldet, wenn nicht sogar verursacht hatte. Das 10. Jahrhundert, vielleicht das traurigste der christlichen Geschichte, charakterisiert sich am besten durch eine Bemerkung von Kardinal Baronius (Vatikanhistoriker, 1538-1607), die lautete, damals ‚habe Christus im Schoß der Kirche geschlafen‘.“46

Ein weiteres merkwürdiges Ereignis aus den Annalen der Christenheit führt uns in 12. Jahrhundert. Man fragt sich angesichts dieses Vorfalls, was in den Köpfen der Päpste eigentlich vor sich ging. Nach einem spannenden Konklave, das zehn Wochen dauerte, wurde im Jahr 1144 Gherardo Caccianemici zum Papst gewählt und nahm den Namen Lucius II. an. Moderne katholische Geschichtsschreiber betrachten ihn als „eine tragende Säule der römischen Kirche“47, die Wahrheit sieht jedoch ein bisschen anders aus. Mit Bestürzung sahen die Römer, wie Papst Lucius II. eine neue Strategie einführte und einen Kreuzzug gegen seine eigene Gemeinde in Rom anordnete. Elf Monate später führte er die päpstlichen Truppen höchstpersönlich in die Schlacht und stürmte die Stadt. Die Einwohner jedoch lehnten sich unter der Führung von Giordano Pierleoni gegen ihn auf und schlugen die päpstliche Armee unter großen Verlusten. Lucius II. wurde in der Schlacht schwer verwundet und starb am 15. Februar 1145.48

Die Inquisition und der Kreuzzug gegen die Katharer

Das „glorreiche 12. Jahrhundert“, das die Gläubigen aus unerfindlichen Gründen stolz vor allen anderen Jahrhunderten des Mittelalters preisen, wurde mit der grauenvollen Inquisition und dem 35-jährigen Kreuzzug gegen die Katharer (auch Albiganser genannt) eingeläutet. „Dieser Begriff [Inquisition] bezeichnet normalerweise eine spezielle kirchliche Institution, die die Häresie bekämpfen oder unterdrücken soll“49 – wobei „häretisch“ einfach „anders denkend“ bedeutet. Die Einführung der Inquisition war das einzige Ereignis in der Geschichte der Christenheit, bei dem die Kirche sich in ihrer Absicht einig war und in einer Stimme sprach. Sie wurde zu einer permanenten Einrichtung der Christen, und um die Prinzipien des Tribunals zu rechtfertigen, lieferten die Päpste ein schlagkräftiges Instrument in Form einer zusätzlichen Reihe von fiktiven Dokumenten, die als die „gefälschten Dekrete des Gratian“ bekannt sind. Diese Sammlung von Fälschungen ist der vielleicht größte Betrug der Menschheitsgeschichte, auf jeden Fall der erfolgreichste und dauerhafteste, was seinen Einfluss auf ungebildete Nationen angeht.

Die dunkleren Seiten dieser historischen Periode sind unter anerkannten Historiker unumstritten und hier sind genaue Unterscheidungen notwendig. In dieser Phase der christlichen Geschichte wurden hunderttausende von Menschen von der Kirche abgeschlachtet und die schönsten Gegenden Frankreichs verwüstet. Im Jahr 1182 gewann Papst Lucius III. (1181-1185; gestorben 1185) die Kontrolle über den Kirchenstaat. 1184 erklärte er die Katharer zu Häretikern und ordnete einen Kreuzzug gegen sie an. Ein Kreuzzug war ein von der Kirche angezettelter Krieg aus angeblich religiösen Gründen. Er wurde durch eine päpstliche Bulle autorisiert.

86 Jahre früher, im Jahr 1096, hatte Papst Urban II. (1042-1099; Papst von 1088-1099) den ersten von acht kirchlichen Kreuzzügen abgesegnet. Insgesamt sollten es 19 werden und sie wurden 475 Jahre lang (1096-1571) uneingeschränkt fortgesetzt. Häresie, so die Kirche, sei ein Schlag ins Gesicht des Herrn, und es sei die Pflicht eines jeden Christen, Häretiker zu töten. Jahre zuvor hatte Papst Gregor VII. (1020-1085; Papst von 1073-1085) bereits verlauten lassen, dass das „Töten von Häretikern kein Mord“ sei und es für die Kirche und ihre Streitkräfte als legal erklärt, Menschen zu töten, die nicht an die christlichen Dogmen glauben. Bis zum 19. Jahrhundert zwangen die Päpste christliche Monarchen, Häresie als Verbrechen zu ahnden und unter Todesstrafe zu stellen, doch es war keine Häresie, die den Kreuzzug gegen die Katharer auslöste: Sein Ziel war es, „dem Papsttum weiteres Land und zusätzliche Einnahmen zu beschaffen, und die Päpste wendeten Gewalt, Drohungen und die eine oder andere List an, um ihre Ziele zu erreichen“50.

Die christliche Obrigkeit plante, die Katharer, ein friedfertiges und frommes Volk, vollständig auszulöschen. Für uns ist heute schwer zu begreifen, wie viel Aufruhr die Christen auslösten und wie leidenschaftlich die verbitterten Schlachtzüge der Päpste gegen die Katharer, später gegen die Nachkommen Frederiks II. und die Tempelritter waren.

Papst Celestine III. (1106-1198; Papst von 1191-1198) teilte die Absicht seines Vorgängers Lucius III., jeden Katharer vom Angesicht der Erde verschwinden zu lassen. Im frühen 13. Jahrhundert befahl Papst Innozenz III. (Lotario di Segni, 1161-1216; Papst von 1198-1216), „einer der größten Päpste des Mittelalters“51, Dominic de Guzmán (1170-1223), eine Truppe unbarmherziger Anhänger um sich zu scharen und sie die „katholische Armee“ zu nennen52. Und so wurde eine erste Streitmacht aus 200.000 Fußsoldaten aufgestellt, die von 20.000 gepanzerten Rittern zu Pferde unterstützt wurde. In der Öffentlichkeit hießen sie die „Kehlenschlitzer“, doch Dominic betrachtete sie als „Miliz Jesu Christi“53. Später vergrößerte er die Armee um weitere 100.000 Mann. Der katholische Schreiber Bischof Delany (etwa 1227 verstorben) sagte, dass die Streitmacht der Kirche schließlich aus 500.000 Soldaten bestand, die gegen ein Volk von Unbewaffneten kämpften, das erkennen musste, dass die Religion der Päpste in Wahrheit grausam und falsch war.

Der Kreuzzug gegen die Katharer begann am 22. Juli 1209 und war eine brutale Machtdemonstration der Kirche. Arnaud Amaury (gestorben 1225), der Abbé von Cîteaux, befehligte die Truppen und trug dabei ein Banner mit einem grünen Kreuz und einem Schwert. Weitere Angehörige des französischen Adels, unter anderem der Herzog von Burgund und der Graf von Nevers, begleiteten ihn. Nachdem die Armee aufgestellt worden war, unterstand sie uneingeschränkt der Kontrolle der Kirche. Unter Leitung von Abbé Amaury führte die Kirche eines der grauenvollsten Massaker der Geschichte der Menschheit durch.

Was folgte, war unbeschreiblich. Der Kreuzzug begann in Béziers, und einige Chronisten berichten, alle Einwohner der Stadt seien innerhalb einer Woche abgeschlachtet worden. Manche beziffern die Zahl der Toten auf 40.000 Männer, Frauen und Kinder. Es heißt, während der ersten Tage seien 6.000 oder 7.000 Menschen systematisch ausgewählt und in der Kirche Sankt Magdalena einzeln ermordet worden. Es ist sehr schade, dass es keine zuverlässigen Unterlagen mit den Einwohnerzahlen von Béziers gibt. Man weiß nur, dass es eine der großen Städte des reichen und für damalige Zeiten dicht bevölkerten Languedoc war. Was man sicher über das Massaker vom 22. Juli 1209 weiß, sind seine schrecklichen Ausmaße und die Willkür, mit der es durchgeführt wurde. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Es ist erstaunlich, dass die Ausmaße der Gräueltaten, die die Kirche den Katharern angetan hat, bis vor kurzem kaum Beachtung fanden. Mit dem steigenden Interesse an den Katharern in den letzten Jahrzehnten, wuchsen auch die Versuche der Katholiken, das Ausmaß der Gewalttaten herunterzuspielen und den Umfang des Gemetzels auf eine unbedeutende Größe schönzureden. Solche Versuche, die Wahrheit über die Geschichte des Christentums zu unterdrücken, waren zwar nicht durchgängig erfolgreich, doch offensichtlich haben sie den Glauben derer, die glauben wollen, gestärkt. Die Art, wie katholische Berichterstatter diese entsetzlichen päpstlichen Schandtaten jetzt abtun, ist schändlich. Die Tatsache, dass die Päpste diese Morde im Namen Christi begingen, ist für die Christen besonders ungünstig. Wenn wir die Entschuldigung der Kirche akzeptieren, die Kreuzzügler seien Männer gewesen, die von tiefen religiösen Gefühlen erfüllt waren, die ausgezogen waren, um Menschen zu unterdrücken, die sich nicht zum christlichen Glauben bekannten, dann akzeptieren wir eine Lüge. Es steht zweifelsfrei fest, dass die von der Kirche mobilisierte katholische Armee die grauenvollste Tötungsmaschinerie war, die Europa je gesehen hat.

Die Folgen der Plünderung von Béziers waren erschreckend und lassen sich mit denen des Atombombenabwurfs über Hiroshima im Zweiten Weltkrieg vergleichen. Es war ein so gigantisches Grauen, dass es in der Erinnerung der Menschen des Mittelalters alles andere verblassen ließ. Dass Päpste in einem angeblich erleuchteten Zeitalter solche menschlichen Tragödien anordnen konnten, ist der bittere Beweis für die Kurzsichtigkeit, die „blinder Glaube“ auslösen kann.

Von Béziers aus marschierten die siegreichen Truppen nach Carcassonne, der größten Festung ihrer Zeit. Man hätte mit Recht davon ausgehen können, dass die Stadt ein Preis sei, der erst nach vielen Monaten oder Jahren in die Hände der Belagerer fallen würde, doch weniger als ein einziger Monat verging nach der Zerstörung von Béziers, bis auch Carcassonne fiel54. Die Europäer erschauderten, als sie erfuhren, dass am 26. September 1209 weitere 5.000 Menschen in Marmande abgeschlachtet worden waren. Guillaume de Tudèle beschreibt grauenvolle Vorgänge, bei denen Männer, Frauen und Kinder von der Miliz Jesu Christi in Stücke gehackt wurden. Dass ausgerechnet die Predigten Christi das Fundament solch überbordender Aggressionen gegen Menschen werden konnten, sollte zum Nachdenken anregen. Die Niederschriften und die Literatur der Katharer wurden von der Kirche ebenso rücksichtslos zerstört wie die lebenden Vertreter dieses Glaubens, was in der „Catholic Encyclopedia“55 unter der nichtssagenden Überschrift „Katharer“ nachzulesen ist.

Da die kirchlichen Truppen aufgrund der Stadtbefestigungen nicht ständig triumphale Siege davontragen konnten, verfielen die Päpste auf die Strategie, die Landgüter, sonstigen Außengebäude, Weinstöcke, Weizenfelder und Obstplantagen zu zerstören. Das Unheil, das die katholischen Truppen anrichteten, war enorm, und der Verlust für die Zivilisation kaum fassbar. Historiker schätzen, dass über 500 Städte und Dörfer als Resultat der Plünderungen von der Landkarte verschwanden. Nach dreieinhalb Jahrzehnten Brutalität und Grausamkeit, wuchs die Verachtung Europas weiter, als 1244 die letzte Schlacht gegen die Katharer bei deren Festung Montségur ausgetragen wurde.

In späteren Zeiten gestand die Kirche naiv, dass das Motiv für die beispiellose Abschlachtung der Katharer und die Verwüstung ihrer Städte „ihr Reichtum … und ihre Verachtung für den katholischen Klerus“ gewesen sei, was „zum einen durch deren Unwissen, zum anderen durch die allzu oft skandalöse Lebensführung des Letzteren ausgelöst“ worden sei.56

„Die Inquisition“, so meinte Bischof Bruno von Segni, ein katholischer Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts, „wurde erfunden, um den Reichen ihre Besitztümer zu rauben. Der Papst und seine Priester waren von Sinnenfreuden eingelullt; sie verachteten Gott, weil ihr Glaube in einem Erdrutsch aus Reichtum untergegangen war“57. Etwa zur gleichen Zeit beschwerte sich der päpstliche Legat Elmeric darüber, dass der Eifer der Päpste bei der Verfolgung nachlasse und dass es „keine reichen Häretiker mehr“ gebe.

Gibt es etwas Vergleichbares in der Geschichte der Religion? Man hält uns für unverschämt, wenn wir uns weigern, ehrfürchtig von der göttlich geführten „Heiligen Römischen Kirche“ zu sprechen. Christliche Geschichtsschreiber mit ihrer gewohnheitsmäßigen Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit, hätten es gern, wenn wir diese Fakten vergäßen und ihre Erfindung akzeptierten, die „Heiligen Väter“ seien Männer von frommer Integrität gewesen. Doch das Schlimmste sollte erst noch geschehen.

Fortsetzung folgt.

Anmerkung des Autors:

Einige Lebensdaten von Päpsten und sonstige historische Daten sind Schätzungen; sogar die Kirche gesteht das ein. Die Daten sind auch vor allem wegen der Änderungen, die Papst Gregor XIII. (Papst von 1572-85) am Julianischen Kalender vornahm schwieriger zu ermitteln.

Endnoten

  1. Pecci (Hrsg.): Catholic Encyclopedia. 1897, III, S. 207
  2. Ebd., II, S. 157-169
  3. John, Eric (Hrsg.): The Popes: A Concise Biographical History, Burns & Oates, Verleger des Heiligen Stuhls, London, 1964, S. 19, veröffentlicht mit Zustimmung von Georgius L. Craven
  4. McCabe, Dr. Joseph (1867-1955): A History of Popes. C.A. Watts & Co., London, 1939
  5. Frotheringham, Bischof: The Cradle of Christ. 1877; s. a.: Catholic Encyclopedia, XII, S. 700-3, passim, herausgegeben mit Erlaubnis von Erzbischof Farley
  6. The Papacy. George Weidenfeld & Nicolson Ltd., London, 1964
  7. Farley (Hrsg.): Catholic Encyclopedia. XIV, S. 768
  8. Sismondi, Simonde de: The Extermination of the Cathars. 1826
  9. Farley (Hrsg.): Catholic Encyclopedia. I, S. 507
  10. Annalen des Hincmar, Erzbischof von Reims, veröffentlicht um 905
  11. Farley (Hrsg.): Catholic Encyclopedia. II, S. 147
  12. Entschuldigung von Papst Johannes Paul II. im März 2002
  13. Bischof Liutprand von Cremona, 922-972
  14. John: The Popes, S. 160
  15. Bischof Liutprand von Cremona: Antapodosis.
  16. Annales Ecclecsiastici, Folio III. Antwerpen, 1597
  17. John: The Popes, S. 162
  18. Ebd.
  19. auch Octavian, 937-964, Papst von 955-964, ebd., S. 166-7
  20. Liutprand: Antapodosis.
  21. Annalen des Beneventum in Monumenta Germaniae, V
  22. Ebd.
  23. Ebd.
  24. Catholic Encyclopedia. I, S. 31
  25. Mann, Horace K.: The Lives of the Popes in the Early Middle Ages. Kegan Paul, London, 1925
  26. John: The Popes, S. 175
  27. Catholic Encyclopedia. VI, S. 793-4, passim
  28. Pecci: Catholic Encyclopedia. III, S. 117
  29. Acton, Lord (Hrsg.): The Cambridge Modern History. Band 1, S. 673-77
  30. Evangelium des Lukas, 19:27, Bibelmanuskript des Berg Sinai, Britisches Museum, MS 43725, 1934
  31. Encyclopaedia Britannica. Band 6, 1973, S. 572
  32. Diderot: Encyclopédie. 1759
  33. Catholic Encyclopedia. I, S. 541
  34. Catholic Dictionary. Virtue & Co, London 1954, S. 35
  35. Ebd.
  36. Catholic Encyclopedia. I, S. 582
  37. Pecci: Catholic Encyclopedia. III, S. 107; vgl. auch Catholic Dictionary
  38. John: The Popes.
  39. Pecci: Catholic Encyclopedia. III, S.107-8; Catholic Dictionary
  40. Bischof Platina: Vitae Pontificum. [Das Leben der Päpste] Erstveröffentlichung 1479; vgl. auch Catholic Encyclopedia. XII, S.767-8
  41. Encyclopaedia Biblica. Adam & Charles Black, London, 1899
  42. Hannah, J.: The Authentic and Acknowledged Standards of the Church of Rome. DD, 1844, S. 414
  43. Erasmus, in Anmerkungen zum Neuen Testament, Folio Basel, 1542
  44. Catholic Encyclopedia. I, S. 447
  45. Mathers: Confessions of a French Catholic Priest. New York, 1837
  46. Pecci: Catholic Encyclopedia. II, S. 289, 294, passim; siehe auch VI, S. 791-5
  47. John: The Popes. S. 215
  48. Bunson, Matthew: The Pope Encyclopedia: An A to Z of the Holy See. Crown New York, 1995
  49. Catholic Encyclopedia. VIII, S. 26
  50. McCabe, Dr. Joseph: The Story of Religious Controversy. 1929, S. 40
  51. Catholic Encyclopedia. VIII, S. 13
  52. Ebd., S. 107
  53. Ebd.
  54. Guirdham, Dr. Arthur: The Great Heresy. Neville Spearman, Jersey, 1977
  55. Catholic Encyclopedia. III, S. 435-7
  56. Ebd., I, S. 268
  57. McCabe: A History of Popes

Quelle: http://www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/die-kriminelle-geschichte-des-papsttums-teil-1

Gruß an die Scheinheiligen, die ohne jeden Hintergrund alles mitbeten, was ihnen diese Ausgeburten der Hölle ( Kirchenväter, Religions(z)-vertreter vor turnen. Menschen, fangt mit dem eigenständigen Denken an!

TA KI