Allerlei vom Osterei


Von den vielen Oster- und Frühjahrsbräuchen, die man grundsätzlich in Feuer- und Fruchtbarkeitsbräuche einteilen kann, ist wohl am bekantesten der Ostereierbrauch, der ein ausgesprochener Fruchtbarkeitsbrauch ist. Damit das folgende Allerlei vom Osterei auch von jungen Leuten gelesen wird, beginne ich meine Schilderung mit der Beziehung zwischen Osterei und Liebe. Wir wissen, auf Ostern gibt das Deandl ihrem Buam a rot’s Ei, manchmal am Kammerfenster in der Nacht vom Ostersonntag auf Ostermontag (im Oberland), manchmal beim Hoagarscht (Heimgarten), manchmal auch beim abendlichen Ausgang. Die Zahl der gespendeten Eier wird von der Tiefe der Liebe bestimmt. Eins, drei, ja, wenn’s recht arg is’ auch 5 und 7 Oar, aber immer eine ungerade Zahl Eier wird gegeben. Eine gerade Zahl zu schenken, würde eine große Beleidigung, in Liebesangelegenheiten sogar eine Absage bedeuten. Wie die Zahl, so ist auch die Farbe bestimmt. Ursprünglich schenkten die Deandln nur rote Eier. Wenn im Laufe der Zeit auch andersfarbige Eier gespendet wurden, so ist dies eine Verwässerung des alten, ursprünglichen Brauches. Wie es in der Liebe nun einmal ist, manchmal wird der Bua, der sich am Fenster sein rotes Ei zu holen eingefunden hat, auch schwer enttäuscht. Statt eines guten Eies, bekommt er ein faules oder auch ein mit Sand gefülltes. Dann allerdings weiß er, wieviel’s g’schlag’n hot.

Doch in den meisten Fällen ist es anders, ja das verliebte Madl gibt nicht nur schöne, rote Eier, es versieht sie auch noch mit heißesten Liebesgrüßen, um gleich auf den ersten Blick seine große Zuneigung erkennen zu lassen. In mühevoller Arbeit werden die roten Eier mit Sprüchen versehen. Ein Zündholz oder eine Stricknadel werden in heißes Schmalz getaucht und damit vor dem Färben das Ei beschrieben. Bei der nachträglichen Färbung nehmen die mit Schmalz bestrichenen Stellen (das Schmalz ist inzwischen eingetrocknet) seine Farbe an, der Liebesspruch der Schönen glänzt dem Liebsten so feurig entgegen, wie ihm hinterm Mieder das Herzchen entgegenschlägt. Leider muß ich allerdings feststellen, daß dieser schöne Liebes- und Eibrauch sowohl in Ober- wie in Niederbayern und auch in der Oberpfalz in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Wenn auch viele dieser Eierverse nachgeschrieben waren, sie ließen doch tiefe Einblicke in die Volksseele zu, und es wäre zu begrüßen, wenn dieser Brauch wieder aufleben würde.
Von meinen vielen, seit Jahren gesammelten Eierversen will ich nun eine kleine Auswahl bringen:

Mein Herz brennt wie Feuer,
drum schenk i dir die Eier.
Dieses kleine Angedenken,
will ich dir zu Ostern schenken.
Dieses Ei ist kugelrund,
Ich denke Dein zu jeder Stund.
Liab’n und net hab’n,
is hirter wia Stoan trag’n.
Mein Herz brinnt als wie a Gluat,
es fragt, was das deine tuat?
Zum Dank der Lieb’und ewigen Treu’ Verehr’ ich dir das Osterei.
Wenn dein Herz ist wie das mein’, Wird die Lieb’ beständig sein.
Nimm hin dies kleine Osterei,
Denk’, das beste ist dabei.
Dieses Ei zeigt rosenrot,
Ich liebe dich bis in den Tod.
Das Ei zerbricht, meine Liebe nicht.
So klein auch diese Gabe scheint,
Sie ist doch gut gemeint.
Die 3 Eier schick ich dir,
Ein gutes Busserl möcht ich dafür.
Der Himmel ist blau, die Eier sind rot, ich will dich lieben bis in den Tod.
Lieben und sich nicht sehen,
Ist härter als auf Dornen gehen.

Wir sehen schon aus dieser Kostprobe, daß diese Eierverse volksechte Liebesgefühle widergeben. Besonders fällt auf, daß meistens von „roten“ Eiern die Rede ist. Wir erkennen eben, daß ursprünglich nur das rote Ei im Osterbrauch vorkam.Es gibt nun auch Eierverse, die gerade nicht von Liebe sprechen und alles andere sind als Liebeserklärungen. Zum Beispiel:

 

Dieses Ei hat die Henn’ gesch…..
Von dir will ich nix mehr wissen.“

„Die Liebe hat die Katz’ gefressen,
Auf dich hab’ich schon lang vergessen.“

 

Das Ei kommt weiter vor in der heimischen Volkssprache: „An Oa is a ganze Goa (Gab)“, sagt der Oberpfälzer und will damit ausdrücken, dass mit einem Ei etwas ausgerichtet ist, daß das Ei einen besonderen Nährwert hat. „Dem legt sogar der Gockel Eier“, sagt man bei einem, dem bei jeder Gelegenheit das Glück in den Schoß fällt. Im gleichen Sinne wird gesagt: „Dem seine Oar hab’n zwoa Dotter.“ „Wer’s Oa zum Fester raus wirft, braucht’s nimmer aufheben.“ Das heißt, wer sich so aufführt, daß er gleich alles von vornherein zerstört, braucht sich nicht zu wundern, wenn er keinen Erfolg hat.„Um a ung’legtes Oa soll man sich nicht kümmern.“ Damit will gesagt sein, man soll sich nicht schon um Sachen grämen, die noch in weiter Ferne liegen.„Jungfrau’n und Oar soll ma nöt lang aufheb’n.“ Hierzu ist keine Erklärung notwendig. Jeder Leser wird dem Spruch beistimmen. Unter den Ostereiern gibt es nun hinsichtlich ihrer Wertschätzung im österlichen Brauch ganz verschiedene Abstufungen. Die am Gründonnerstag gelegten Eier sind die „Antlaßeier“, auch „Olaßeia“ und „Dudlaseier“ genannt. Sie gelten als heilsam, dienen vielfach als Schutzmittel gegen Krankheit in Haus und Hof, sie kommen noch vereinzelt bei der Ernte in die erste Garbe und sollen niemals verderben. Ihnen wird besondere Kraft zugemessen. Man gibt sie Schwerarbeitern zum Schutz gegen Leibbruch. Auch das Feuer können sie bannen, und früher warf man sie vielfach in die lohende Brunst. Vergräbt man Antlaßoar unter der Türschwelle, kann weder die Drud noch die Hex in Haus und Stall. Antlaßeier einer Henne untergelegt, gibt Hühner, die alle Jahre neue und andersfarbige Federn bekommen. (Niedb.) Als die besten Olaßoar gelten die von den schwarzen Hennen. Im Isarwinkel gibt die Bäuerin den jungen Hühnern zerhackte Antlaßoar, damit sie der „Hennerstößer“, der „Hühnerhabicht“, nicht erwischen kann. Auch im Hausgebälk, besonders auch im First, werden solche Eier gegen Blitzschläge eingelassen. In Oberaudorf gelten die am Gründonnerstag gelegten Eier ohne weiteres als geweiht. Im Inntal wurden die Gründonnerstagseier erst am Ostermontag des folgenden Jahres verspeist. Bekannt ist, daß gerade die Antlaßoarschalen in den Felderecken zum Schutz gegen Hagel und Bilmesschneider neben dem „Palm“ vergraben werden. In der Umgebung von Passau fand ich, daß man um Ostern zwei gekreuzte Fadennudeln und ein Antlaßei in den Barren legt. In der Oberpfalz aß man diese Eier mit der Schale und schrieb dieser Übung besondere Körperkraft zu. Sie sollen auch gegen Sand- und Gries-Leiden gut sein. Bei Waldmünchen ist man der Meinung, daß viele Antlaßeier Unglück brächten. Die 30 übersteigende Zahl dieser Eier warf man über’s Hausdach. Ähnliche brauchtümliche Bedeutung hat das am Karfreitag gelegte Ei. Dasselbe übers Haus geworfen, zerbricht nicht. Vielfach gehen in den Kartagen die Kinder mit kleinen Karfreitagsratschen (Holzklappern) und einem Korbe von Haus zu Haus und erbetteln sich „Oar“; z. B. in der Gegend von Tann in Niederbayern. In Oberbayern fand man 1902 n. übl. Ztr. noch, daß am Ostersonntag der erste Knecht vor dem Taganläuten im Auftrag der Bäuerin mit einem weißen Ei im Munde durch alle Stallungen, Schupfen und Kammern ging, damit die Hühner nicht verlegten. Ähnliches stellte ich einmal auch noch in Niederbayern fest. Daß das Ei beim „G’weichten“ am Ostersonntag nicht fehlen darf und dabei aufgeschlagen sein muß, damit die „Weicht“ hineingeht, ist in ganz Altbayern Brauch und nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt. Weniger mehr in Übung ist ein niederbayerischer Brauch. Dort bekommen die Firmlinge drei Jahre lang von ihren Paten an Ostern Eier geschenkt. Und nun zum Schluß noch etwas von den „Eierspielen“: Eierspiele kennt man fast überall. Wir selbst erinnern uns – vorausgesetzt, daß wir auf dem Lande aufgewachsen sind – an das „Eierspacken“, „Eierpicken“, wie wir gegenseitig mit einem Ei bewaffnet aufeinander lospickten, Eispitze gegen Eispitze, und wie wir dann vorher als richtige Lausbuben ein Ei ausbliesen und es mit Pech anlaufen ließen, damit wir immer dem anderen seine Eispitze einschlagen konnten. Gehörten doch alle diese angebrochenen Eier dem, der sie anpickte. In der Gegend von Grafenau heißt man das Spiel „Eierverebbsen“. Man spielt eben auf „ebbs“. In der Oberpfalz warf man die Ostereier in die Höhe, z. B. auf der Rödelwiese bei Nabburg und fing sie wieder auf. In Nieder- und Oberbayern kennt man dann das „Oarkugln“ bzw. „Oarringln“, das „Oarwoigln“ und „Oarscheiben“ oder „Oarwerfen“. Beim „Eierkugeln“ läßt man die Eier auf zwei schräggestellten Latten oder Regenstangen herunterlaufen. Stoßen die Eier unten an die dort liegenden anderen Eier an, gehören die angestoßenen Eier dem Spieler. Beim „Oarringeln“ wird in den Rasen im Halbkreis eine Anzahl Eier gelegt. Zwischen zwei schief gestellten Brettchen läßt man einen Ring ablaufen. Das Ei, welches der Ring berührt, gehört dem Spieler. Beim „Oarwoigln“ läßt man von einem schief gestellten Brett Geldstücke auf den Boden ablaufen. Am Boden liegen in Abständen Eier. Die Eier, die vom Spieler getroffen werden, gehören dem Spieler. Beim „Oarwerfen“ nimmt man in der Gegend von Oberaudorf ein Ei mit zwei Fingern in die Hand, so, daß die Hälfte des Eies hervorsteht. Der Spieler wirft nun mit einer Münze nach dem Ei. Trifft er das Ei, gehört es ihm.Image  Damit schließe ich meine Plauderei „Allerlei vom Osterei“, obwohl ich noch manches ausführen könnte. Doch ich möchte nicht einen alten Waldlerspruch auf mich angewendt haben, der da heißt: „Drei Wocha vor Ostern geht’s Weiberg’schmatz on,

Sagt oane zur andern:

„Leg’n deine Henna schon.“

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=64:allerlei-vom-osterei-&catid=6:jahreslauf&Itemid=25

Schöne Ostern

TA KI

Ein Kommentar zu “Allerlei vom Osterei

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