„Es wird keinen unblutigen Regimewechsel geben“


Über ein Jahr nach seiner Freilassung spricht Michail Chodorkowski, einst mächtigster Unternehmer Russlands, über Wladimir Putin und die Haftzeit. Seinem Land prophezeit er einen gewaltsamen Umbruch.

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Michail Chodorkowski kommt im Taxi vorgefahren, mit seinem Presseberater und einem Dolmetscher, ohne Sicherheitsleute. Auf diesem Kurzbesuch in Berlin präsentiert sich der frühere Oligarch nicht in Pullover und Jeans, sondern im blauen Anzug mit Krawatte. Der 51-jährige Unternehmer und Putin-Gegner, der jahrelang Russlands prominentester Gefangener war, spricht ruhig und leise. Er verliert für keine Sekunde die Selbstkontrolle. Seine Thesen sind provokant: Sogar zu Zeiten der Sowjetunion habe es mehr Gewaltenteilung und Rechtsstaat gegeben als im heutigen Russland. Chodorkowski selbst ist ein Kind des sowjetischen Systems: Der frühere Funktionär der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol profitierte in den wilden neunziger Jahren unter Präsident Boris Jelzin von seinen hervorragenden Kontakten in die Politik, seinem Gespür für Geschäfte und seiner kompromisslosen oder auch skrupellosen Art, wie ihm immer wieder vorgeworfen wurde. Zweimal wurde er von russischen Gerichten verurteilt – wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung. Etwas mehr als zehn Jahre verbrachte er in Haft. Amnesty International bezeichnete die Verfahren gegen den früheren Oligarchen und Chef des Ölkonzerns Jukos als politisch motiviert, was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im September 2011 nicht bestätigte. Chodorkowski lebt heute mit seiner Familie in der Schweiz und ist über seine Stiftung „Offenes Russland“ politisch aktiv.

Die Welt: In Russland konzentriert sich die staatliche Macht sehr auf Wladimir Putin. Wie stark ist der Präsident wirklich?

Michail Chodorkowski: Putin kann eine begrenzte Anzahl von Vorgängen direkt steuern. Er kann sich persönlich um eine große Krise kümmern, vielleicht sogar um zwei gleichzeitig, selbst wenn sie sehr ernsthaft sind. Das ist der Vorteil eines autoritären Systems, aber es hat auch enorme Nachteile. Putin ist nicht in der Lage, viele Probleme gleichzeitig zu lösen. In einem Land, in dem reguläre staatliche Institutionen vernichtet wurden – die unabhängige Justiz, das Parlament, die lokalen Selbstverwaltungen –, können die Machthaber keine komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen mehr managen. Unser Staat ist hoch zentralisiert, aber schwach.

Die Welt: Seit der Ermordung des Oppositionsführers Boris Nemzow spricht man in Russland von einem Konflikt zwischen dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow und Moskaus Sicherheitsstrukturen. Wie ernst muss man das nehmen?

Chodorkowski: Dieser Konflikt hat Systemcharakter. Wenn die Wirtschaft schrumpft, beginnen Konflikte zwischen unterschiedlichen Gruppierungen, die um Einflussbereiche und Geldquellen kämpfen. Kadyrow will mehr Unabhängigkeit für seine Vasallenstruktur in Tschetschenien, ohne seine persönliche Treue zu Putin aufzugeben. Dabei ist die Gruppe von Kadyrow eine ethnisch-kriminelle, die in Konflikt mit einem in sich schwachen russischen Staat tritt. Diejenigen, die eigentlich das Gesetz verteidigen müssten, können sich nicht einmischen, weil Kadyrows Leute von Putin geschützt werden. Er ist ihr oberster Patron.

Kondolenzbuch-fuer-Kremlkritiker

Die Welt: Hat Putin diese Gruppen noch unter Kontrolle, oder ist er in Wahrheit zu deren Geisel geworden?

Chodorkowski: Ich bin sicher, dass Putin mit dem Mord an Nemzow äußerst unzufrieden war. Ich glaube nicht, dass Kadyrow ohne Genehmigung von Putin zulässt, dass sich so ein Alleingang wiederholt.

Die Welt: Sie vermuten also, dass Kadyrow den Mord an Nemzow in Auftrag gegeben hat?

Chodorkowski: Nein. Ich bin mir ziemlich sicher, wer der Auftraggeber ist. Das ist nicht Kadyrow, sondern eine Person eine Ebene drunter.

Die Welt: Wusste Kadyrow, wer es ist?

Chodorkowski: Er hat es nachträglich erfahren. Ich bin überzeugt, dass er jetzt weiß, wer das getan hat.

Die Welt: Ist der Mord an Nemzow als Schwäche des Systems zu interpretieren?

Chodorkowski: Ohne Zweifel. Der Mord an einem Menschen aus der politischen Elite unweit des Kreml ist ein Schlag gegen die Unantastbarkeit der Machtstrukturen. Das führt zu einer weiteren Schwächung von Machtmechanismen. Jeder Beamte wird jetzt denken, wenn er Entscheidungen trifft: Putin kann mich entlassen, aber die Leute von Kadyrow können mich töten.

Die Welt: Was kann Putin gefährlich werden? Ist eine Palastrevolte möglich?

Chodorkowski: Eine Palastrevolte ist nur bei einem Konflikt möglich, an dem Sicherheitsstrukturen beteiligt sind. Andere Akteure sind dazu nicht fähig. Wie die Situation mit Kadyrow zeigt, kann ein solcher Konflikt durchaus entstehen.

Die Welt: Viele haben Angst, dass nach Putin alles noch schlimmer wird.

Chodorkowski: Ich glaube, Putin wird seine Sache noch selbst zu Ende führen. Nach ihm kann alles nur besser werden.

Die Welt: Aber bis dahin könnte das innenpolitische Klima noch härter werden.

Chodorkowski: Putin ist bereit, die Repression zu verstärken. Er will es aber nicht so sehr, wie manche fürchten. Er ist kein Monster. Er weiß, dass zu starke Unterdrückung negative Konsequenzen für ihn selbst hat. Dafür müsste er auch zu Säuberungen in den Eliten bereit sein. Unter Stalin fielen zwei Prozent der Bevölkerung den Zwangs- und Gewaltmaßnahmen des Staates zum Opfer, in den Sicherheitsstrukturen war es sogar jeder Vierte. Ist Putin zu so etwas bereit? Ich bezweifle das.

Die Welt: Ist ein gewaltfreier Machtwechsel im heutigen Russland möglich?

Chodorkowski: Es wird keinen unblutigen Regimewechsel geben. Tausende Menschen wissen, dass sie sich persönlich werden verantworten müssen für das, was sie unter Putin getan haben. Aber der Umbruch in Russland ist nicht wirklich das Problem. Er wird ohne Zweifel noch zu unseren Lebenszeiten stattfinden. Viel gefährlicher ist die Lage, die durch die Politik des Regimes an den Grenzen Russlands entsteht. In der Ostukraine baut sich eine Armee von National-Chauvinisten auf, die auch in Russland immer mehr Anhänger finden, und weil Putin in der russischen Teilrepublik Tschetschenien seinen Vasallen Kadyrow gewähren lässt, erkämpft dieser sich immer mehr Autonomie. Wenn diese Kräfte in Russland aufeinanderprallen, wird es wirklich gefährlich, weil das zu einem Bürgerkrieg führen kann. Niemand will das.

Die Welt: Nach dem Tod von Nemzow ist die Opposition in Russland noch schwächer geworden. Ist sie so isoliert wie die Dissidenten der Sowjetunion?

Chodorkowski: Nein, sogar unter den aktuellen Umständen sagen noch 14 Prozent der Russen öffentlich, dass sie die Machthaber nicht unterstützen. Die Oppositionsbewegung hat eine feste Basis von 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung. Es können auch noch mehr werden.

Die Welt: Andererseits ist die Staatspropaganda in Russland sehr wirksam. Wie wollen Sie Menschen erreichen, die daran glauben?

Chodorkowski: Ich glaube, das System Putin wird länger existieren, als manche Oppositionelle meinen. Das Regime ist bereit zu schießen, die demokratische Opposition ist es nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Machtapparat in den nächsten zehn Jahren zusammenbricht, liegt meiner Meinung nach bei 50 Prozent. Es ist also nicht sicher. Deshalb konzentriere ich mich auf mein zivilgesellschaftliches Engagement, um den Anteil der Bevölkerung zu vergrößern, der demokratischen Werten gegenüber offen ist.

Die Welt: Der populärste Regimegegner in Russland ist im Moment Alexej Nawalny. Muss sich die Opposition um ihn scharen?

Chodorkowski: Es wäre wunderbar, wenn die Opposition zwar aus unterschiedlichen Kräften bestehen würde, sich aber vereinigen kann, wenn gemeinsames Handeln nötig ist.

Die Welt: Das klingt nicht nach einem starken Bekenntnis zu Nawalny. Welches Programm unterstützen Sie selbst?

Chodorkowski: Das größte Problem in Russland bleibt immer gleich – der fehlende Rechtsstaat. Was getan werden muss, um das zu ändern, kann man in eine einfache Formel fassen: Die Machthaber müssen regelmäßig bei ehrlichen Wahlen abgelöst werden können. Dann werden sie den Wählern zuhören, sie werden unabhängige Gerichte und Gesetze achten.

Die Welt: Manche glauben, die Russen wollten eben einen starken Mann an der Spitze und keine Demokratie.

Chodorkowski: Ich habe heute mit einigen Deutschen gesprochen. Sie versichern mir, dass viele Menschen hier sich ebenfalls eine starke Führungsfigur wünschen und trotzdem den Wert eines demokratischen Staates für sich selbst zu schätzen wissen. Starke Führung schließt starke demokratische Institutionen nicht aus.

Die Welt: Wie bewerten Sie die Lage in der Ukraine – hat sie sich beruhigt, oder ist das nur Schein?

Chodorkowski: Ich möchte glauben, dass es keine neue Eskalation gibt, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Die große offene Frage ist doch, ob die bewaffneten russischen Staatsbürger aus der Ostukraine abziehen und die Separatisten nicht mehr durch Moskau unterstützt werden. Aber genau das ist gefährlich für das Regime in Russland. Die Rückkehr der Kämpfer würde die Lage dort explosiv machen. Putin wird alles dafür tun, damit diese bewaffneten russischen Bürger so lange wie möglich in der Ostukraine bleiben.

Die Welt: Ist die Hoffnung auf das Minsk-2-Abkommen also vergebens?

Chodorkowski: Es gibt keine Alternative zu einem Friedensprozess. Aber er kann unter dem jetzigen Regime in Russland nicht stabil sein. Ob man den Konflikt einfrieren kann? Wahrscheinlich. Man muss es versuchen.

Die Welt: Wie sollte sich der Westen Putin gegenüber verhalten?

Chodorkowski: Wenn jemand im Westen sagt, dass man mit dem heutigen Regime eine langfristige Vereinbarung erreichen kann, ist er entweder dumm oder ein Betrüger. Jedes Abkommen wird jede Sekunde infrage gestellt werden. Man muss zwar weiter mit Russland im Gespräch bleiben. Aber die Hoffnung auf eine verlässliche Einigung ist illusorisch, weil die Führung so deinstitutionalisiert ist. Sogar zu Sowjetzeiten gab es ein Politbüro, der Generalsekretär war nicht frei in seinen Entscheidungen. Dadurch war das Regime berechenbar. Das ist nun anders: Putin hat die staatlichen Institutionen zerstört. Das hat dazu geführt, dass es in Russland keinerlei gegenseitige Kontrolle der Verfassungsorgane mehr gibt, keinerlei Gewaltenteilung.

Für Putins Machterhalt wäre ein eingefrorener Konflikt gut. Der hält seine Kräfte in der Ostukraine beschäftigt, ohne dass sie größer werden

Die Welt: Was für ein Interesse kann der Präsident daran haben, den Konflikt mit der Ukraine einzufrieren, statt weiter vorzurücken?

Chodorkowski: Putin will keine ständige Eskalation. Er hat verstanden, dass er für seine Kämpfer nicht mehr die ideale Führungsfigur ist. Für seinen Machterhalt wäre ein eingefrorener Konflikt gut. Der hält seine Kräfte in der Ostukraine beschäftigt, ohne dass sie größer werden. Das ist auch aus einem anderen Grund wichtig. Ein Erfolg der Ukraine wäre ein Vorbild für demokratische Veränderungen in Russland. Leider versteht das auch Putin. Deshalb ist eine seiner Prioritäten das Scheitern des ukrainischen Experiments.

Die Welt: Ist die ukrainische Regierung denn auf dem richtigen Weg?

Chodorkowski: Ich würde mir wünschen, dass die Führung angesichts der militärischen Konfrontation geschlossen handelt. Das wirkt nicht immer so. Und ich würde mir wünschen, dass die Ukraine in Sachen Korruptionsbekämpfung zu einem Modell für Russland wird. Im Moment sind mir aber noch keine Beispiele für entschlossenes Handeln im Kampf gegen die Korruption bekannt.

Die Welt: Was halten Sie von Präsident Petro Poroschenko?

Chodorkowski: Ich habe mich mit ihm getroffen. Ich verstehe, woher er kommt, wie er denkt, wie er handelt. Weiter möchte ich das nicht kommentieren. Ich gehöre ja nicht zur ukrainischen Opposition.

Die Welt: Sie saßen zehn Jahre im Gefängnis. Wie hat Sie das verändert?

Chodorkowski: Wenn man mir sagt, dass man mit irgendjemand keinen Dialog führen kann, dann erinnere ich mich an die vergangenen zehn Jahre meines Lebens und grinse. Einmal saß ich in einer Zelle mit dem Nationalisten Wladimir Kwatschkow, wir haben uns normal unterhalten und unsere Alltagsprobleme gelöst. In meinem früheren Leben habe ich nicht gedacht, dass ich einen Weg finden könnte, mit solchen Leuten zu kommunizieren. Aber man muss mit allen sprechen.

Die Welt: Sogar mit Putins Berater Igor Setschin, der einen großen Teil der Schuld für Ihre Haft trägt?

Chodorkowski: Ja, man muss mit allen sprechen. Aber das bedeutet nicht, dass man allen verzeihen muss. Verzeihen soll man denen, die bereuen. Setschin sollte vor Gericht gestellt werden. Ich bin gern bereit, als Zeuge aufzutreten.

Die Welt: Putin hat gesagt, seine Kindheit auf der Straße sei seine Universität gewesen. War Ihre Uni das Gefängnis?

Chodorkowski: Trotz meines komplizierten Verhältnisses zu Putin wünsche ich ihm nicht, dass er noch so ein Zweitstudium ablegen muss wie ich. Wir wuchsen unter gleichen Bedingungen auf. Wenn seine Erzählungen stimmen, hatten wir eine ähnliche Kindheit. Nur habe ich versucht, mir die „Straße“ systematisch auszutreiben. Putin dagegen hat angefangen, sie zu kultivieren, nachdem er Präsident wurde.

Die Welt: Was lernt man denn auf Russlands Straßen?

Chodorkowski: Erinnern Sie sich an den Film „Der Pate“? Das ähnelt dem, was Putin als seine Straßen-Universität beschreibt. Der prinzipielle Unterschied zwischen Putin und mir ist, dass ich berechenbar bin. Putin dagegen ist stolz auf seine Unberechenbarkeit. Viele Politologen glauben sogar, dass die Machthaber in Russland unberechenbar sein müssen. Ich bin damit nicht einverstanden. Russland ist ein Global Player und kann sich nicht erlauben, unberechenbar zu sein.

Die Welt: Da müssen wir Ihnen widersprechen. Ende der 90er-Jahre waren Sie für westliche Investoren auch unberechenbar.

Chodorkowski: Das sehe ich anders. Während der Rubel-Krise 1998 reiste ich nach Deutschland und habe den Banken detailliert berichtet, wie sich die Lage entwickeln wird. Ich habe gesagt: „Macht euch keine Sorgen, macht keine unüberlegten Schritte, und nach einer gewissen Zeit werdet ihr alle Investitionen zurückerhalten.“ Und alles kam genauso, wie ich es gesagt hatte. Wer mir geglaubt hatte, konnte hohe Gewinne erzielen.

Die Welt: Noch einmal zu Putin. Sie müssen dem Präsidenten trotz allem auch dankbar sein. Er hat Sie im Dezember 2013 freigelassen. Drei Monate später, nach der Krim-Annexion, hätte er es sich vermutlich anders überlegt.

Chodorkowski: Ich bin mir bewusst, dass die Chance für meine Freilassung mithilfe bestimmter Persönlichkeiten entstanden ist – Hans-Dietrich Genscher, Angela Merkel und unsere Menschenrechtler. Ich verstehe, dass die Zustimmung Putins wichtig war. Er hätte genauso gut einem dritten Prozess gegen mich zustimmen können, worum ihn Setschin mehrfach gebeten hatte. Alles das ist mir bewusst. Und es beeinflusst auch mein emotionales Verhältnis zu Deutschland und Frau Merkel – aber auch jenes zu Putin. Das missfällt einigen in der Opposition, die sagen, man müsse eine kompromisslose Position vertreten. Aber ich bin eben ein Mensch.

Ich erzähle öfter aus dem Gefängnisleben. Das war eine wichtige Erfahrung. Aber emotional berührt mich das nicht mehr

Die Welt: Wie oft erinnern Sie sich an die Haft?

Chodorkowski: Ich habe eine stabile Psyche und denke nicht zurück an die Zeit im Gefängnis. Ich erzähle öfter aus dem Gefängnisleben. Das war eine wichtige Erfahrung. Aber emotional berührt mich das nicht mehr.

Die Welt: Können Sie sich vorstellen, noch einmal Geschäftsmann zu werden?

Chodorkowski: Nein, das ist ausgeschlossen. Ich möchte den Rest meines Lebens einer neuen Sache widmen: Ich will helfen, dass sich Russland zu einer demokratischen Gesellschaft entwickelt.

Die Welt: Als Sie Ende 2013 aus dem Gefängnis kamen, kündigten Sie an, sich politisch zurückzuhalten. Nun können Sie sich sogar vorstellen, im Krisenfall Präsident zu werden– und sei es nur vorübergehend. Woher dieser Sinneswandel?

Chodorkowski: Das war eine ganz andere Situation. Damals bestand noch Hoffnung, dass sich unser politisches System öffnen würde. Diese Hoffnung hat der Ukraine-Krieg zunichtegemacht. Wir bewegen uns jetzt auf eine ganz andere Gesellschaftsordnung zu. Wir erleben den Zerfall der staatlichen Institutionen, der an die Auflösung der Sowjetunion erinnert. Sollte das Regime zerbrechen, muss jeder bereit sein, alles für sein Land zu geben.

Die Welt: Haben Sie ein politisches Vorbild?

Chodorkowski: Auf meinem Tisch stand ein Porträt von Margaret Thatcher. Darauf stand: „Wenn Sie wollen, dass über etwas geredet wird, beauftragen Sie damit einen Mann, aber wenn Sie wollen, dass etwas erledigt wird, dann beauftragen Sie damit eine Frau.“ (Lacht.) In diesem Satz steckt viel Wahrheit, auch in Russland.

Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article140750237/Es-wird-keinen-unblutigen-Regimewechsel-geben.html

Gruß an die „WELT“, die uns tiefe Einblicke gewährt in die Denke Schwerstkrimineller und ihrer Handlanger!

TA KI

Medizinforschung: Smartphone mit Mikroskop entdeckt Blutparasiten


Smartphone als Diagnosegerät: Handy-Mikroskop spürt Parasiten im Blut auf

Smartphones könnten zukünftig auch im medizinischen Bereich eingesetzt werden. US-amerikanische Forscher entwickelten einen Schnelltest, um Blutproben auf Parasiten zu untersuchen. Dafür wird das Smartphone mit einer Linse und einer speziellen App ausgestattet. Vor allem Entwicklungsländer könnten von der neuen Technik profitieren, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Science Translational Medicine”.

Smartphone mit Mikroskop als vollständiges Diagnoseinstrument

Während hierzulande jeder Bürger Zugang zu medizinischer Versorgung hat, sind die Menschen in Entwicklungsländern häufig auf sich allein gestellt, wenn sie krank sind. Lange Wege bis zur nächsten Klinik, wenige moderne medizinische Geräte und Medikamente sowie teilweise nur unzureichend ausgebildete Pflegekräfte verhindern häufig, dass die Patienten die notwendige Behandlung erhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Regionen kaum sauberes Trinkwasser und keine sanitären Anlagen verfügbar sind, was das Infektionsrisiko erhöht und die Ausbreitung von Parasiten begünstigt. Deshalb arbeiten Forscher weltweit an der Entwicklung einfacherer und kostengünstiger Diagnose- und Behandlungsmethoden, die in Entwicklungsländern einsetzbar sind. Mittlerweile sind Schnelltests für Malaria und ein Mini-Labor für HIV- und Syphillis-Tests zum Aufstecken für Smartphones verfügbar. Dank der mobilen Technologie lassen sich die Untersuchungen praktisch überall durchführen.

Forscher um Daniel Fletcher von der University of California in Berkeley gelang es nun, ein medizinisches Mikroskop zu entwickeln, das die Kamera eines Smartphones nutzt. „Wir haben bereits gezeigt, dass Mobiltelefone für Mikroskopie verwendet werden können, aber dies ist das erste Gerät, das die bildgebende Technologie mit Hardware- und Software-Automation kombiniert, um eine komplette Diagnoselösung zu bieten“, wird Fletcher in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Smartphone erkennt Blutparasiten innerhalb weniger Minuten

Die Technologie funktioniert mit einer speziellen App. Diese kann den Blutparasiten Loa loa innerhalb weniger Minuten zuverlässig diagnostizieren. Der auch als Augenwurm bekannte Fadenwurm ist in den tropischen Regionen Afrikas verbreitet und verursacht Beulen unter der Haut. Manchmal wandert er auch bis ins Auge. Zwar ist die Infektion unangenehm und schmerzhaft, sie ist jedoch mit Medikamenten und gegebenenfalls einer Operation gut in den Griff zu bekommen. Patienten, die vom Fadenwurm befallen sind, haben aber dennoch einen großen Nachteil. Sie können nicht gegen die sogenannte Flussblindheit, eine wesentlich gefährlichere Erkrankung, behandelt werden, da das gängige Medikament mit dem Wirkstoff Ivermectin bei Loa loa-Befall tödliche Nebenwirkungen hat. Es ist deshalb zwingend erforderlich abzuklären, ob ein an Flussblindheit erkrankter Patient auch von dem Wurm befallen ist. Flussblindheit wird durch einen anderen, viel aggressiveren Fadenwurm (Onchocerca volvulus) ausgelöst, die auch die sogenannte Elephantiasis, ein schmerzhaftes extremes Anschwellen der Gliedmaßen, verursacht.

Smartphone könnte aufwendige Laboruntersuchen ersetzen

Normalerweise müssen Ärzte Bluttest durchführen, um festzustellen, ob sich Betroffene zusätzlich mit Loa loa infiziert haben. Dafür untersuchen die Mediziner das Blut unter dem Mikroskop und zählen die Larven des Wurms, die im Blut schwimmen. Da diese Methode aufwendig, langwierig und fehleranfällig ist und zudem ein entsprechend ausgestattetes Labor erfordert, könnte das neue Smartphone-Mikroskop hier einen wesentlichen Fortschritt bedeuten.

Die neue Methode heißt „CellScope Loa”. Die Wurmlarven werden von der App anhand ihrer typischen Bewegungen identifiziert. Bereits ein Tropfen Blut des Patienten reicht aus. Dafür muss die Blutprobe nicht aufbereitet werden. Der Arzt kann den Analyseprozess über den Touchscreen des Smartphones leicht steuern.

„Diese Forschung ist für wenig beachtete Tropenkrankheiten vorgesehen”, erläutert Fletcher. „Sie zeigt, was Technik für die Bevölkerung, die an schrecklichen, aber behandelbaren Krankheiten leidet, tun kann.”

In Kamerun wurde das Smartphone-Mikroskop bereits getestet. Im Einsatz gegen Flussblindheit erwies es sich als sehr genau und keinesfalls schlechter als die bestehenden Techniken.

„Einen Test vor der medikamentösen Behandlung direkt vor Ort zu haben ist ein großer Fortschritt zur Kontrolle solcher verheerenden Krankheiten”, erläutert Vincent Resh von der University of California, der seit 15 Jahren in Westafrika gegen Parasiten kämpft. „Die Smartphone-basierte App ist genial, praktisch und extrem notwendig.” In einer Folgestudie sollen rund 40.000 Menschen in Kamerun von dem Smartphone-Mikroskop profitieren. (ag)

Quelle: http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/smartphone-mit-mikroskop-entdeckt-blutparasiten-2015051034765

Smartphone schädigen aufgrund ihrer Frequenzen nachgewiesener Maßen die DNA mit fatalen Folgen für den Körper-

Gruß an die Denkenden

TA KI

Mitten in Wien: Abhörstation auf britischer Botschaft entdeckt


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Am Dienstag erst hat Innenministerin Johanna Mikl- Leitner im Zuge der BND- NSA- Affäre bei der Staatsanwaltschaft wegen „Geheimem Nachrichtendienst zum Nachteil Österreichs“ Anzeige gegen unbekannt eingebracht. Nun facht aber die Entdeckung einer weiteren Abhörstation mitten in Wien das Feuer rund um die aktuelle Spionageaffäre auch hierzulande weiter an.

Der höchst suspekte Dachaufbau steht auf dem Gebäude der britischen Botschaft in der Jauresgasse im dritten Wiener Gemeindebezirk. Laut einem ORF- FM4- Bericht sollen sich in dem mit Glasfasermatten verkleideten Bau Antennen sowie Sende- und Empfangsanlagen für alle Mobilfunkfrequenzen zur Funkspionage gegen österreichische Handynetze befinden. Auch diese Einrichtung dürfte bereits seit mehreren Jahren existieren, wie äußerliche Verwitterungsspuren vermuten lassen.

Mobilfunküberwachung in Echtzeit?

Der Aufbau des britischen Abhör- Häuschens ähnelt sehr den bereits bekannten Stationen im Wiener Stadtgebiet. Im Vergleich mit den US- Pendants auf der Botschaft der Vereinigten Staaten am Alsergrund und am IZD- Tower im 22. Bezirk  ist diese nun identifizierte Abhöranlage mit rund 15 Quadratmetern Grundfläche allerdings etwas kleiner geraten. Brisantes Detail: Sollten die Anlagen miteinander vernetzt sein, wäre laut ORF die „Mobilfunküberwachung nahe an Echtzeit“ kein Problem.

Der deutsche BND soll wie berichtet  dem US- Dienst NSA (National Security Agency) beim Ausspähen österreichischer Stellen geholfen haben soll. Mikl- Leitner forderte deshalb „volle Aufklärung“ von Berlin und Washington und brachte am Dienstag Anzeige bei der heimischen Staatsanwaltschaft ein.

Quelle: http://www.krone.at/Oesterreich/Abhoerstation_auf_britischer_Botschaft_entdeckt-Mitten_in_Wien-Story-452631

Gruß an die Belauschten

TA KI

Schwere Kämpfe in Mazedonien nahe Grenze zum Kosovo


Nato und EU rufen zur Ruhe auf

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Die EU und die Nato haben sich besorgt über die schweren Kämpfe in Mazedonien nahe der Grenze zum Kosovo gezeigt. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn forderte am Wochenende, jede weitere Eskalation zu vermeiden. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief zur Zurückhaltung auf. Bei dem Feuergefecht zwischen Polizisten und einer „terroristischen Gruppe“ in der Stadt Kumanovo starben nach Polizeiangaben acht Polizisten und 14 mutmaßliche Angreifer.

Hahn äußerte sich am Samstagabend „zutiefst besorgt“ über die Gewalt. Der EU-Kommissar rief die Behörden und die politischen Anführer zur Kooperation auf, um die Ruhe wiederherzustellen und eine vollständige und transparente Untersuchung der Ereignisse einzuleiten.

Mazedonien ist seit zehn Jahren EU-Beitrittskandidat und strebt auch eine Aufnahme in die Nato an. Deren Generalsekretär Stoltenberg forderte am Sonntag alle Beteiligten „im Interesse des Landes und der ganzen Region“ zur Zurückhaltung auf. Auch Albanien und das Kosovo verurteilten die Gewalt in Kumanovo.

Nach Polizeiangaben hatte eine Gruppe von mehr als 30 Angreifern einen Angriff in der nordmazedonischen Stadt Kumanovo verübt. Dabei seien acht Polizisten getötet und 37 weitere verletzt worden, sagte Polizeisprecher Ivo Kotevski am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP. Am Schauplatz des Gefechts seien 14 weitere Leichen gefunden worden. Der Polizeieinsatz sei mittlerweise beendet, die bewaffnete Gruppe „neutralisiert“.

Gegen einige Angreifer lagen den Angaben zufolge internationale Haftbefehle vor. Die Angreifer stammten vorwiegend aus Mazedonien. Außerdem seien mutmaßlich fünf ethnische Albaner aus dem benachbarten Kosovo beteiligt gewesen, die die Gruppe wahrscheinlich angeführt hätten. Auch ein Albaner sei dabei gewesen. Zuvor hatte es aus dem Innenministerium geheißen, die Angreifer stammten überwiegend aus dem Ausland.

Die Zusammenstöße hatten am Samstagmorgen mit einer Razzia in einem mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnten Viertel begonnen. Die Polizei verdächtigte die Gruppe, einen „Terroranschlag“ auf staatliche Einrichtungen und Zivilisten zu planen. Laut der Polizei war die Gruppe schwer bewaffnet und hatte in Kumanovo Unterstützer.

Bei der Razzia wurde die Polizei von Heckenschützen beschossen und mit Granaten und automatischen Waffen angegriffen. Laut Innenministerium war die Gruppe aus einem Nachbarland nach Mazedonien eingedrungen. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um das Kosovo. Innenministerin Gordana Jankuloska sagte am Samstagabend, rund 20 Mitglieder der Gruppe hätten sich der Polizei ergeben, andere würden aber weiter Widerstand leisten.

Gepanzerte Polizeifahrzeuge und Polizisten in Schutzwesten gingen in der ganzen Stadt in Stellung, während Helikopter die Stadt überflogen, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Dutzende Einwohner wurden aus dem betroffenen Viertel in Sicherheit gebracht.

Im Jahr 2001 hatte es im Norden Mazedoniens einen Aufstand ethnischer Albaner gegeben. Er endete mit einem Abkommen, das den Albanern mehr Rechte zusagte. Die Beziehungen zwischen den Volksgruppen in Mazedonien bleiben aber weiterhin angespannt. Rund ein Viertel der 2,1 Millionen Einwohner der früheren jugoslawischen Teilrepublik sind ethnische Albaner.

Erst vor drei Wochen hatten 40 Kosovo-Albaner die Kontrolle über eine Polizeiwache an der mazedonischen Grenze übernommen und die Bildung eines albanischen Staates in Mazedonien gefordert. Laut Ministerpräsident Nikola Gruevski waren einige der Angreifer in Kumanovo daran beteiligt. Nach dem jüngsten Angriff rief die Regierung eine zweitägige Staatstrauer aus.

Die politische Situation in Mazedonien ist ohnehin angespannt. Die Regierung ist mit einem Korruptionsskandal konfrontiert und sieht sich Vorwürfen der Opposition ausgesetzt, illegal 20.000 Menschen abgehört zu haben.

Quelle: https://de.nachrichten.yahoo.com/mazedonien-angreifer-t%C3%B6ten-f%C3%BCnf-polizisten-072029071.html

Gruß an die Menschen

TA KI

Patente in der Landwirtschaft


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Kontrolle über Lebensmittel

Weniger als zehn Konzerne dominieren heute den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide. Mittels der Patentierung von Pflanzen versuchen diese Unternehmen, ihren Einfluss auf die weltweite Nahrungsmittelproduktion auszudehnen. Es gibt dabei einen Unterschied zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren und solchen, die aus konventioneller Zucht entstanden sind. Die ersten dürfen patentiert werden, die zweiten eigentlich nicht – allerdings werden die Vorschriften dabei großzügig ausgelegt, wodurch die umstrittene Praxis der Patentierung von Leben vorerst weiter geht.

Patente schaffen Abhängigkeiten

Für Landwirte, die Gentech-Pflanzen benutzen wollen, bedeutet ein Patent, dass sie das Saatgut jedes Jahr kaufen oder Lizenzgebühren zahlen müssen. Im Fall des kanadischen Bauern Percy Schmeisser hat Monsanto sogar Lizenzgebühren verlangt, obwohl das transgene Saatgut ohne dessen Willen auf dem Feld des Bauern gelandet war. Dadurch, dass die Landwirte ihr uraltes Recht verlieren, das Saatgut selbst zu vermehren, geraten sie in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen, die immer mächtiger werden. Die Patente sind aber nicht auf Saatgut und Pflanzen beschränkt, sondern erstrecken sich in vielen Fällen über die Ernte bis hin zum Lebensmittel.

Patentierung von herkömmlichen Pflanzen und Tieren

Und Konzerne wie Monsanto, Syngenta oder Plant Bioscience machen nicht vor der konventionellen Pflanzenzucht halt. Egal, ob es sich um Schweine, Brokkoli oder eine bestimmte Tomatenart handelt, die Pflanzenzüchter wollen sich am liebsten alles patentieren lassen, um so ihre Marktmacht zu steigern. Es gibt erhebliche Widerstände gegen diese Patente auf „normal“ gezüchtete Pflanzen und Tiere.

Kritiker gehen davon aus, dass durch die Patentierung die Preise für Lebensmittel und Saatgut steigen, was Nahrungsmittelkrisen verschärfen kann. Außerdem wird ein freier Austausch von Saatgut zwischen Landwirten in armen Ländern durch die Patente behindert. Der beim Sortenschutz geltende Züchtervorbehalt gilt bei Patenten nicht: Züchter haben also ohne die Erlaubnis des Patentinhabers kein Recht, das Saatgut für ihre weitere Züchtung zu benutzen.

Probleme sind im Fundament angelegt

In Europa werden Patente vom Europäischen Patentamt (EPA) in München vergeben. Da es keine Institution der EU ist, unterliegt es keiner demokratischen oder gerichtlichen Kontrolle. Für Rechtsstreitigkeiten gibt es die Große Beschwerdekammer des EPA. Problematisch ist auch, dass das Amt sich über Gebühren der Antragsteller finanziert – es hat also ein Interesse daran, möglichst viele Patentanträge zu bearbeiten. Das EPA ist durch einen Vertrag der europäischen Staaten entstanden. Ein Wörtchen mitzureden haben daher die Regierungen, die im Verwaltungsrat des Amts sitzen. Für Deutschland ist dort das Bundesjustizministerium vertreten.

Der Arbeit des EPA liegt das Europäische Patenteinkommen (EPÜ) zugrunde. Patente werden demnach nicht erteilt für: „Pflanzensorten oder Tierrassen sowie im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren.“ Damit sind Bio-Patente eigentlich ausgeschlossen. Die Formulierung hat sich jedoch als zu weich erwiesen. Das EPA erteilt weiterhin Patente auf Leben, nur manche wurden von der Beschwerdekammer kassiert, z.B. eines auf die Züchtung von Schweinen. Nötig ist deshalb eine Klarstellung des EPÜ. Diese ist politisch aber umstritten.

In Deutschland konnte sich die schwarz-gelbe Koalition Mitte 2013 zu einer Änderung des deutschen Patentgesetzes durchringen. Zuvor hatte es lange Streit gegeben, vor allem die FDP lehnte Änderungen unter Verweis auf Innovation und internationale Abkommen ab. Mit der Änderung sollte die Patentierung von Pflanzen und Tieren, die mit biologischen Verfahren gezüchtet sind, erschwert werden. Der Opposition ging das aber nicht weit genug. Auch Umwelt- und Verbraucherschützer kritisierten „Schlupflöcher“. Wichtiger wäre außerdem eine Klarstellung auf europäischer Ebene.

Ab 2014: EU-Einheitspatent

Im Dezember 2012 beschloss das EU-Parlament mit deutlicher Mehrheit die Einführung eines einheitlichen Patents ab 2014 und die Einrichtung eines gesonderten Patentgerichtshofs. Damit können Erfindungen in fast allen EU-Ländern (Spanien und Italien beteiligen sich wegen Streitigkeiten um die Übersetzung in ihre Landessprachen vorerst nicht) rechtlich geschützt werden. Während sich Befürworter von der erleichterten Patentvergabe Vorteile für die Wirtschaft versprechen, befürchten Kritiker eine Zunahme der Patentierung von Pflanzen und Tieren sowie Gentechnik-Organismen.

Besonders kritisiert wird die Schaffung eines Patentgerichts, das keiner juristischen Kontrolle durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) unterliegt. Auch das Europäische Patentamt bekommt weitere Kompetenzen, obwohl es keine EU-Institution ist und eine demokratische Kontrolle nur schwer möglich ist.

 

Verhandlung über Tomaten- und Brokkoli-Fall

Im Jahr 2002 erteilte das Europäische Patentamt (EPA) der britischen Firma Plant Bioscience das Patent (EP 1069819) auf ein Verfahren, um Brokkoli mit einem erhöhten Anteil an einem bestimmten Inhaltsstoff (Glucosinolate) zu züchten. Die sogenannte Schrumpeltomate wurde 2003 patentiert. Bei den Patenten geht es nicht um gentechnisch veränderte Organismen sondern um konventionell gezüchtete Pflanzen. Beide Patente umfassen die gesamte Produktionskette von der Zucht bis hin zum Lebensmittel. Die Patentinhaber erhalten damit die Kontrolle über die gesamte Kette der Lebensmittelproduktion.

Beim Tomaten-Patent werden auch wilde Tomaten Unterarten beansprucht, die mit handelsüblichen Tomaten gekreuzt werden, um so Früchte mit geringerem Wassergehalt hervorzubringen. Beim Brokkoli-Patent geht es um den Anspruch auf ein markergestütztes Züchtungsverfahren, mit den die Anteile an Glucosinolaten (angeblich krebshemmend) in den Pflanzen erhöht werden sollen. Andere Unternehmen legten Einspruch ein. Im Brokkoli-Fall wurde entschieden, dass der Einsatz von biologischen Verfahren bei der Kreuzung von Pflanzen nicht patentiert werden darf. Unklar blieb allerdings die Frage, ob die Pflanzen, das Saatgut und die essbaren Teile des Brokkoli patentierbar sind. Im Tomaten-Fall steht die Grundsatzentscheidung durch die Große Beschwerdekammer des EPA noch aus.

 No Patents on Seeds: Who owns broccoli and tomatoes? (Press Release, 20.07.2010)

 No Patents on Seeds: Die Schrumpeltomate

 No Patents on Seeds: Der Brokkoli Fall

 Europäisches Patentamt: Historie: Brokkoli- und Tomatenfälle

Dieser Report von „No Patents on Seeds“ beschreibt den allgemeinen Trend der zunehmenden Patentanmeldungen von konventionellen Züchtung. Die Fälle der Brokkoli- und Tomaten-Patente zeigen nur beispielhaft, wie internationale Konzerne mehr und mehr die Kontrolle über die agrarische Vielfalt erlangen.
 No Patents on Seeds: Zunehmende Monopolisierung durch Patente und Marktkonzentration (April 2009)

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Brokkoli-Patent (EP1069819)

Inhaber: Plant Bioscience

Titel: Verfahren zur selektiven Erhöhung des antikarzinogenen Glukosinolate bei Brassica-Sorten

Anmeldung: 1999

Ansprüche: Verfahren zur Herstellung von Brassica oleracea (Brokkoli) durch Zucht und Selektion. Essbare Brassica Pflanze, essbare Teile, Samen. Brokkoli inflorescence. Keine gentechnisch veränderte Pflanzen.

Einsprüche: 2003 durch Syngenta Participations AG (Basel/CH) und Groupe Limagrain Holding (Chappes/FR)

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Tomaten-Patent (EP1211926)

Inhaber: Israelisches Landwirtschaftsministerium

Titel: Verfahren zur Zucht von Tomaten mit niedrigem Wassergehalt und Produkt dieses Verfahrens

Anmeldung: 2000

Ansprüche: Verfahren zum Züchten von Tomatenpflanzen, die Tomaten mit verringertem Fruchtwassergehalt erzeugen, umfassend die Schritte:
–   Kreuzen von mindestens einer Lycopersicum esculentum-Pflanze mit einem Lycopersicon spp., um Hybridsamen zu erzeugen;
–   Sammeln der ersten Generation von Hybridsamen;
–   Züchten von Pflanzen aus der ersten Generation von Hybridsamen;
–   Bestäuben der Pflanzen der jüngsten Hybridgeneration;
–   Sammeln der Samen, die von der jüngsten Hybridgeneration erzeugt wurden;
–   Züchten von Pflanzen aus Samen der jüngsten Hybridgeneration;
–   Gestatten, dass die Pflanzen über den Punkt des normalen Reifens hinaus an dem Stängel verbleiben; und Durchmustern auf verringerten Fruchtwassergehalt, wie durch die verlängerte Konservierung der reifen Frucht und Faltung der Fruchthaut angezeigt.

Einspruch: 2004 durch Unilever N.V. (Rotterdam/NL)

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Nahrungsmittel aus dem Wald gegen das Hungerproblem


Wälder sind die wahren Schätze unserer Erde. Wälder könnten in vielen Teilen der Erde bittere Armut und quälenden Hunger bekämpfen. Denn Wälder sind die besten Lieferanten gesunder Nahrungsmittel. Jetzt hat auch die Forscher-Welt erkannt: Mehr Wälder würden nicht nur das Klimaproblem, sondern auch das Hungerproblem lösen. Natürlich nicht irgendwelche Wälder. Die Lösung hiesse: Waldgärten! Nahrungsmittel aus Waldgärten sind nährstoffreich, preiswert und gesund!

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Der Wald: Gesündeste Quelle für Nahrungsmittel

Einer von neun Menschen auf der Welt leidet an Hunger, meist in Afrika oder in Asien.

Zur Linderung des Hungerproblems erhalten die armen Nationen oft Nahrungsmittel in Form von Milch- und Getreidepulver. Damit kann man notfalls überleben, aber langfristig gesund ist es nicht – weder für die Menschen noch für ihre Zukunft.

Wälder hingegen könnten nicht nur das Hunger-Problem lösen, sondern noch viele andere Probleme mehr. Sie würden den Menschen nicht nur gesündestmögliche Nahrungsmittel schenken. Wälder würden auch wieder Perspektiven schaffen – wie jetzt eine ausführliche Analyse von mehr als 60 Wissenschaftlern aus verschiedenen Weltregionen ergab.

Der Wald-Bericht wurde vom weltweit grössten Netzwerk von Wald-Forschern – der International Union of Forest Research Organizations (IUFRO) – veröffentlicht.

Darin wird betont, wie wichtig es ist, den ärmsten Bevölkerungsgruppen der Welt den Zugang zum Wald zu bewahren oder wieder zu ermöglichen. Denn der Wald stellt die beste und gesündeste Quelle für Nahrungsmittel dar.

Und nicht nur das!

Wälder retten Leben!

Wälder bieten auch Lebensräume, Brennholz, Baumaterial, können den Klimawandel verlangsamen und schützen gleichzeitig vor Stürmen und der überall drohenden Erosion der Böden – was man von unseren herkömmlichen Feldern nicht im Geringsten sagen kann.

Im Gegenteil! Die Produktionskapazitäten von Feldern sind stets beschränkt, die Böden laugen immer mehr aus, der Wind pfeift ungebremst über sie hinweg, und paradoxerweise werden immer mehr Wälder vernichtet, um neue Felder zu schaffen.

Ganz konkret ist die Expansion landwirtschaftlich nutzbarer Anbauflächen für sage und schreibe 73 Prozent des weltweiten Waldverlustes verantwortlich.

Klar ist jedoch, dass allein mit der typischen Felder-Landwirtschaft die Weltbevölkerung nicht ernährt werden kann.

Wälder jedoch könnten in vielen von Hunger und Armut geplagten Landstrichen die Lebensmittelversorgung mit qualitativ hochwertigster Nahrung sicherstellen.

Wälder trotzen Klima und Wetter

„Die Massenproduktion landwirtschaftlicher Produkte ist höchst anfällig für extreme Wetterbedingungen, die angesichts des Klimawandels in der Zukunft häufiger auftreten könnten.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass Wälder hier viel weniger anfällig und viel einfacher zu bewirtschaften sind“, erklärte Christoph Wildburger, der Koordinator der Global Forest Expert Panel-Initiative (GFEP), die von der IUFRO angestossen wurde.

Und Bhaskar Vira von der Universität Cambridge, der dem Global Forest Expert Panel on Forests and Food Security vorsteht, fügt hinzu:

„In der Studie zeigen wir eindrucksvolle Beispiele, die anschaulich belegen sollen, inwiefern Wälder und Bäume eine hervorragende Ergänzung zur landwirtschaftlichen Produktion darstellen und – gerade in den vom Schicksal am meisten geplagten Weltregionen – zum Einkommen der dort lebenden Menschen beitragen können.“

Die vier Stockwerke eines Waldgartens

Natürlich ist hier nicht die Rede von den typischen Monokulturen, die man heute in den Industrieländern als Wald bezeichnet. Denn weder Fichtenwald noch Eichenhain können den Menschen ernähren.

Gefragt sind hingegen urtümliche Wälder, die man Waldgärten nennt. Es handelt sich um Mischkulturen, die über mehrere „Stockwerke“ angelegt sind und nur wenig Pflege verlangen.

Im ersten Stockwerk gedeihen Kräuter, Wildpflanzen und mehrjährige Gemüse.

Im zweiten Stockwerk Beerensträucher.

Im dritten Stockwerk niedrige Obstbäume und kleine Nussbäume, in den Tropen auch Bananen und Papaya.

Im vierten Stockwerk hohe Bäume (z. B. Nüsse, Avocados), Palmen (z. B. Kokosnuss, Dattel) sowie Kletterpflanzen (Trauben, Maracuja etc.), die über alle Stockwerke hinweg wachsen.

Leben aus dem Wald: Nahrungsmittel, Baumaterial & Brennstoff

Wälder dieser Art liefern ganz unterschiedliche Nahrungsmittel und Hilfsmittel:

1. Baumfrüchte als Nahrungsmittel

Baumfrüchte sind nicht nur Früchte, so wie wir sie kennen. Sie sind ideale Nahrungsmittel, ja Grundnahrungsmittel.

So gehören zu den Baumfrüchten neben den gewöhnlichen Früchten auch Nüsse, Avocados, Johannisbrot, Durian, Brotbaumfrüchte, Sapoten, Safu und viele andere der oft fett- und proteinreichen Früchte der Tropen.

Baumfrüchte sind häufig ausserordentlich reich an Vitaminen und Mineralstoffen und können daher die Grundlage für eine abwechslungsreiche Ernährung bieten, die weitaus gesünder ist als eine Ernährung aus beispielsweise Getreide.

So ist zum Beispiel der Eisengehalt von getrockneten Samen des afrikanischen Johannisbrotbaums oder roher Cashewkerne vergleichbar bzw. erheblich höher als der Eisengehalt im Hühnerfleisch.

2. Tierische Nahrungsmittel – Fleisch von Wildtieren

Wo Wälder sind, gibt es auch viele Tiere. Wild findet wieder Lebensraum – und wo Gewässer sind, können Fische gefangen werden.

In Südostasien spielen auch Insekten eine grosse Rolle in der Ernährung. So ist beispielsweise die dicke Made des Sago-Palmrüsslers in manchen Regionen eine wichtige Proteinquelle.

Und verziehen Sie jetzt bitte nicht das Gesicht!

Eine Handvoll Maden zu essen, ist nicht mehr und nicht weniger eklig als ein Stück Fleisch zu verspeisen. Und wären Sie in Südostasien aufgewachsen, wäre es für Sie das Normalste der Welt – genau wie für einen Franzosen oder Spanier der Verzehr von Schnecken etwas Wunderbares darstellt.

Es ist also nur eine Frage der Gewohnheit. Und es würde den ökologischen Kollaps der Erde noch ein Weilchen hinauszögern, wenn auch in unseren Regionen verstärkt Insekten statt Säugetiere und Geflügel auf dem Tisch landeten.

Was wir allein an Pestiziden sparen würden…! 😉

Insekten stellen eine kostengünstige und im Überfluss erhältliche Quelle für Proteine, Fette, Vitamine und Mineralstoffe dar – kurzum ein ideales Nahrungsmittel.

Daher werden in Südostasien bereits viele Wälder und Forstgebiete von lokal organisierten Gemeinschaften bewirtschaftet, die ihr Hauptaugenmerk auf die Steigerung des Vorkommens essbarer Insekten legen.

3. Brenn- und Bauholz

Wälder sind natürlich auch Quelle für Brennholz und Holzkohle.

Damit können Menschen Wasser abkochen und sich somit vor Krankheiten schützen. Sie können sich Mahlzeiten zubereiten und natürlich auch ihre Häuser heizen.

Und Häuser bauen kann man ebenfalls aus Holz.

4. Nahrung und Lebensraum für Nutztiere

Wälder dienen auch Bienen und anderen Bestäubern als Lebensraum und garantieren somit eine gute Obst- und Gemüseernte.

Genauso können viele Laubbäume als Viehfutter genutzt werden, so dass Wälder in vielen Landstrichen überhaupt erst die Produktion von Fleisch und Milch ermöglichen würden.

Wälder als Einkommensquelle

Der Wald-Bericht gibt überdies an, dass nahezu jeder sechste Mensch in Sachen Lebensmittelversorgung oder gar Einkommen vom Wald abhängig ist.

In der Sahelzone stellen Bäume und die damit einhergehenden Ressourcen etwa 80 Prozent des Gesamteinkommens dar, was insbesondere auf die Sheanuss-Produktion zurückzuführen ist.

Da ferner gilt, je geringer das Wohlstandsniveau, desto höher der Anteil, den der Wald am Einkommen der Haushalte hat, ist es dringend erforderlich, in armen Regionen der Welt den Wald zu erhalten oder Wälder zu pflanzen – insbesondere solche, die auch mit Trockenheit und anderen Klimakapriolen zurecht kommen.

Im afrikanischen Tansania beispielsweise engagiert sich bereits eine Initiative für die Produktionssteigerung der sog. Allanblackia-Samen. Daraus kann ein verzehrbares Öl gewonnen werden, welches auf dem globalen Lebensmittelmarkt grosses Potenzial hätte.

Waldgärten für weltweit gesunde Nahrungsmittel

Der Wald sollte also in Zukunft eine überragend wichtige Rolle in der weltweiten Erzeugung unserer Nahrungsmittel spielen.

Seine Früchte sollten die üblichen Feldfrüchte so ergänzen, dass keine zusätzlichen Felder mehr angelegt werden müssen. Ja, ideal wäre es gar, Felder wieder in Waldgärten zu verwandeln.

Das jedoch ist gar nicht so einfach – zumindest nicht in europäischen Gefilden.

Falls Sie im Besitz eines Feldes sind, versuchen Sie eine Genehmigung für einen Waldgarten zu bekommen, um dann gesunde Nahrungsmittel zu erzeugen.

Es wird nicht leicht sein.

Und in Drittweltländern noch viel weniger. Denn dort herrschen Monsanto & Co, und im Wald lässt sich nun einmal weder Gen-Saat ausbringen noch Roundup versprühen…

Dabei könnten Wälder in Krisenzeiten die damit einhergehende Nahrungsmittelknappheit kompensieren.

Denn wenn Dürreperioden, sprunghafte Marktpreise, bewaffnete Konflikte und andere Krisen eintreffen, kommt die Produktion der üblichen Nahrungsmittel zum Erliegen. Wälder könnten hier auffangen und beschützen.

Vielleicht kann der Wald-Bericht auch dazu beitragen, dass die Wälder endlich wieder die Wertschätzung bekommen, die sie verdient haben!

Immerhin erschien er kurz vor der finalen Festlegung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die neben weiteren globalen Herausforderungen vor allem Armut und Hunger reduzieren sollen.

Der Wald-Bericht liefert wertvolle Einsichten, inwieweit die UN agieren kann, ihr Ziel zu erreichen – nämlich bis zum Jahr 2025 den weltweiten Hunger eliminiert zu haben.

Wie schön wäre es, wenn der Wald und seine Nahrungsmittel hierbei eine massgebliche Rolle spielen dürfte!

(…)

Quellen:

Quelle: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/nahrungsmittel-aus-dem-wald-ia.html

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Gruß an die Wissenden
TA KI