Flüchtlinge in Aufruhr


Mehrere unbegleitete jugendliche Flüchtlinge sollen versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Das berichtet die Flüchtlingsinitiative. „Wir wissen von zwei Suizidversuchen, und die jugendlichen Flüchtlinge berichten von weiteren Versuchen“, sagt Anna Schröder von der Flüchtlingsinitiative. Einen Suizidversuch soll es in der Zentralen Erstaufnahmestelle in Habenhausen (Zast) und einen in der Eissporthalle Paradice in Walle gegeben haben.

1792201_1_dossierdetail_55a7f171329a3

Die Flüchtlingsinitiative kritisiert Bremens Umgang mit jungen Flüchtlingen. Sofia Leonidakis, flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken (Mitte), unterstützt die Kritik. Im Hintergrund sieht man einen der jungen Flüchtlinge, die in der Eissporthalle in Walle untergebracht sind. (Frank Thomas Koch)

Wo leben die Jugendlichen, die sich diese Selbstverletzungen zugefügt haben? Nachdem die Zast geräumt werden musste, weil die Zustände für Jugendliche dort vielfach kritisiert worden waren und es gesundheitliche Probleme gab, wurden Jugendliche auf andere Einrichtungen verteilt: In Zelte auf dem Stadtwerder und nahe der Uni, in eine Turnhalle in Arsten und in die Paradice-Eissporthalle in Walle.

 

Letztere ist immerhin ein festes Gebäude. Allerdings: Die rund 60 bis 70 Jugendlichen, die derzeit dort untergebracht sind, melden sich nun auch selbst zu Wort und kritisieren die Unterkunft. Sie haben einen Sprecher bestimmt, der gut Englisch spricht, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir sind in kleinen Boxen untergebracht, die in der Halle aufgebaut worden sind“, sagt der junge Mann aus Gambia. „Ich teile mir mit drei anderen eine solche Box, andere wohnen zu sechst in einem solchen Raum.“ Oft sei es laut bis um fünf Uhr nachts, durch das Glasdach sei es permanent hell in der Halle. „Es gibt keinerlei Privatsphäre, nirgends eine Tür, die man abschließen oder einen Ort, wo man seine persönlichen Gegenstände sicher aufbewahren kann“, sagt der Jugendliche.

Frustriert und verzweifelt

Er kritisiert auch das Essen: „Es gibt eine kleine Portion Reis mit Soße als Mittagessen – die meisten von uns versuchen, sich außerhalb über Freunde oder mit ihrem wenigen Taschengeld zu verpflegen.“ Die Jugendlichen seien frustriert, verzweifelt, wütend, beschreibt er. „Wir haben nach dem Umzug aus der Zast auf eine Verbesserung gehofft, vielleicht Zweier-Zimmer“, sagt er. „Wir wollen hier raus, wir wollen eine andere Unterkunft.“ Die Jugendlichen würden „da drin verrückt“, sagt er noch.

Seine Mentorin Susanne Spiller, die rechtlicher Vormund für den jungen Mann werden möchte, sagt, er wirke deutlich geschwächt, seit er in der Eissporthalle wohne. „Die Bedingungen der Unterbringung dort sind nicht akzeptabel“, sagt die 45-jährige IT-Administratorin.

Sofia Leonidakis, flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken, kritisiert, Bremen gefährde das Kindeswohl. „Die Situation in der Eissporthalle ist keinen Deut besser als in der Zast“, sagt sie. „Ein Drittel der Jugendlichen hat keinen Schulplatz, wir wissen von mehreren Suizidversuchen – das ist ein Hilferuf, sichtbarer geht es nicht.“

Und es gibt noch ein Problem: Der junge Gambianer, der von seinen Mitbewohnern zum Sprecher auserkoren wurde, gibt an, 17 Jahre alt zu sein. Doch das Jugendamt geht laut seiner Mentorin derzeit davon aus, dass er bereits 18 ist. Wer als 18 gilt, muss das Asylverfahren für Erwachsene durchlaufen. Und dabei haben junge Flüchtlinge gerade aus vielen afrikanischen Ländern kaum Chancen, so Schröder: „Als Minderjährige haben sie zumindest eine Perspektive auf ein Bleiberecht.“

Ein großer Teil der Jugendlichen, die in der Eissporthalle wohnen, werde auf über 18 geschätzt, gebe aber selbst an, jünger zu sein. „Die Jugendlichen legen eine Geburtsurkunde und Zeugnisse vor, aber dennoch wird vom Jugendamt angezweifelt, dass sie minderjährig sind“, sagt Leonidakis. Das Jugendamt habe seine Praxis geändert, so Schröder: Um der Überlastung zu entkommen, so viele Flüchtlinge unterzubringen, würden Jugendliche als Erwachsene eingestuft – auch weil sie durch ihre Fluchterfahrung bereits reifer wirkten.

Dem widerspricht die Sozialbehörde: „Wer eine Geburtsurkunde vorlegt, die beweist, dass er unter 18 ist, wird in Bremen in Obhut genommen“, sagt Behördensprecher Bernd Schneider. „Hier wird niemand, der erkennbar minderjährig ist, absichtlich zum Erwachsenen gemacht.“

Schneider äußert sich auch zur Kritik an der Unterbringung im Paradice: „Die Halle ist ein Provisorium, weil wir für die Räumung der Zast schnell Alternativen brauchten.“ Abschließbare Spinde für persönliche Gegenstände seien bestellt und nur noch nicht geliefert worden. Und das Essen für die Jugendlichen solle bereits ab kommender Woche „kulturgerechter“ werden. Der Träger, der mit 22 pädagogischen Mitarbeitern die Jugendlichen in Walle betreue, sei gehalten, den sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten, wenn es Hinweise gebe, dass sich Flüchtlinge selbst verletzten. „Die Jugendlichen werden fachkundig betreut“, betont Schneider. Die Sozialbehörde rechnet mit rund 1500 unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen, die in diesem Jahr nach Bremen kommen. Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr vervierfacht.

Die Vorbereitungen für neue Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt laufen unterdessen auf Hochtouren: Die Sozialbehörde plant, Zelte für bis zu 300 Flüchtlinge im Wohn-und Büropark in Oberneuland nahe der Louis-Leitz-Straße zu errichten. Das berichtete Karl Bronke von der Sozialbehörde am Mittwoch im Beirat Oberneuland. Der Beirat sprach sich für den Plan aus. Diese Notunterkunft wäre dann Bremens bislang größter Zeltstandort für Flüchtlinge.

Am Vinnenweg – ebenfalls in Oberneuland – sind zudem Modulbauten für 120 Erwachsene und Familien geplant. Zahlreiche weitere Flüchtlingsunterkünfte in Arsten, Woltmershausen, Huckelriede, Hastedt und Schwachhausen sind in Arbeit.

Quelle: http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Fluechtlinge-in-Aufruhr-_arid,1168915.html#null

Gruß an die Dankbaren und Bescheidenen

TA KI

4 Kommentare zu “Flüchtlinge in Aufruhr

  1. Gambia ist eines der sichersten Länder der Welt (kenne ich aus eigener Erfahrung)!!! Wieso ist so ein Sozialschmarotzer noch in D????

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.