Momentane Beruhigung im Bahnhof München- Traumziel Deutschland


In München sind in der Nacht keine neuen Flüchtlinge angekommen. In Österreich wurde erneut ein verschlossener Lastwagen mit Afghanen entdeckt. Vor dem Eurotunnel in Calais sassen Passagiere stundenlang fest.

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Am Münchner Hauptbahnhof sind in der Nacht auf Mittwoch keine neuen Flüchtlinge angekommen. Der letzte Zug sei gegen 1 Uhr eingetroffen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Unter den Passagieren seien aber keine Migranten gewesen. Ab Mittwoch Morgen sollten wieder Züge aus Ungarn anrollen. Ob Flüchtlinge an Bord sind, war zunächst unklar. Ein Polizeisprecher meinte, es sei nicht möglich, eine Prognose abzugeben.

Bis zum Abend waren am Dienstag etwa 2500 Flüchtlinge in München angekommen. Sie wurden registriert und mit Bussen in Erstaufnahme-Zentren gebracht. Die Züge aus Ungarn lösten in der bayerischen Landeshauptstadt eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Hunderte von Spendern brachten Lebensmittel, Kleidung, Zahnbürsten, Windeln und andere Geschenke für die Asylbewerber zum Münchner Hauptbahnhof.

Afghanen rechtzeitig entdeckt

Unterdessen hat die Polizei in Wien erneut einen mit Flüchtlingen beladenen Kleinlastwagen gestoppt, bei dem die Türen und Fenster zugeschweisst beziehungsweise zugesperrt waren. 24 junge Afghanen, die darin unterwegs waren, sind wohlauf. Das teilte die Polizei nach einer Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Dienstagabend mit. Das Fahrzeug kam demnach vermutlich aus Ungarn. Vor gut einer Woche waren in einem Kühllastwagen in Österreich 71 erstickte Flüchtlinge entdeckt worden.

Flüchtlinge auf dem Weg zur Insel Kos ertrunken

Mindestens elf Flüchtlinge sind auf der Überfahrt von der türkischen Küste zur griechischen Insel Kos ertrunken. Die vermutlich aus Syrien stammenden Menschen seien in zwei Booten unterwegs gewesen, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Dogan. Demnach starben bei dem Untergang eines Bootes sieben der 16 Migranten an Bord. Vier konnten von der Küstenwache gerettet werden und fünf würden noch vermisst. Beim Untergang eines zweiten Bootes mit sechs Menschen an Bord starben eine Frau und drei Kinder. Zwei weitere Flüchtlinge schafften mit Hilfe von Schwimmwesten den Weg zurück zur türkischen Küste.

Der Fahrer des angehaltenen Lastwagens versuchte zu fliehen, konnte aber gestellt werden. Die seitliche Schiebetür des Fahrzeuges war von innen verschweisst worden. Auf der Aussenseite der Hecktür war ein Riegelschloss angebracht. Sämtliche Fenster waren von innen vergittert. Frischluft konnte nicht ins Innere gelangen. Die Afghanen im Laderaum hätten nicht die Möglichkeit gehabt, sich selbst zu befreien.

Ein Polizeisprecher sagte, die Ladefläche sei sehr klein gewesen (3,35 Meter lang, 1,75 Meter breit und 1,80 Meter hoch). Es habe akute Lebensgefahr für die mitfahrenden Afghanen bestanden. Da deren Gesundheitszustand gut gewesen sei, dürfte die Fahrt noch nicht lange gedauert haben.


Zugspassagiere blockiert

Hunderte von Zugspassagieren, die in der Nacht auf Mittwoch den Tunnel unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien passieren wollten, sassen stundenlang fest, weil Migranten auf die Schnellzüge kletterten und die Geleise blockierten. Insgesamt seien fünf Züge betroffen gewesen, teilte die Betreibergesellschaft Eurostar mit. Drei der Züge seien am frühen Mittwochmorgen nach London weitergefahren, die beiden anderen seien zu ihrem jeweiligen Ausgangsbahnhof in Paris oder London zurückgekehrt.

Am späten Dienstagabend hatte Eurostar mitgeteilt, dass die Züge angehalten worden seien. Die Behörden seien mit Eindringlingen beschäftigt, die auf den Gleisen am Bahnhof in Calais gesichtet worden seien. Die Züge müssten warten, bis die Menschen von den Gleisen entfernt worden seien, teilte Eurostar mit. Laut Medienberichten waren es Migranten, die wie Tausende vor ihnen versuchten, durch den Tunnel nach Grossbritannien zu gelangen.

In Dunkelheit und Hitze

In einem der Züge nach London, der gut eineinhalb Kilometer vor der Tunneleinfahrt bei Calais halten musste, wurden die Fahrgäste aufgefordert, sehr leise zu sein. Sie sollten auf Geräusche von Menschen achten, die versuchten, auf das Dach des Zuges zu klettern. Ein Helikopter überflog den Zug und suchte ihn mit einem Scheinwerfer ab. Sicherheitsleute überprüften die Gleise.

Die Passagiere dieses Zuges sassen fast vier Stunden fest, im Dunkeln und in zunehmender Hitze, da der Strom abgeschaltet war. Dann beorderte Eurostar den Zug nach Calais zurück. Wer versuchte, den Bahnhof zu verlassen und die Reise nach Grossbritannien per Fähre fortzusetzen, wurde von der französischen Polizei daran gehindert. Die Zoll- und Einreisebestimmungen erforderten es demnach, dass die Passagiere nach Paris zurückfahren müssten.

Quelle: http://www.nzz.ch/international/momentane-beruhigung-im-bahnhof-muenchen-1.18606215

Traumziel Deutschland

Ein Grossteil der Flüchtlinge möchte nach Deutschland. Das stellt die Behörden vor ganz praktische Probleme. Immer mehr Politiker sehen grosse Chancen darin. Nicht allen geht es schnell genug.

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Für einen Moment scheint es, als müsse sich niemand Sorgen machen über das Bild Deutschlands in der Welt. Tausende von Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, dem Westbalkan und Afrika, die in Europa nur ein Ziel, die Bundesrepublik, haben, lassen kurzzeitig die hässlichen Ausschreitungen in Heidenau, Freital und anderswo vergessen. Auf die doppelte Herausforderung – den Ansturm der Flüchtlinge und die rechtsradikalen Parolen und Demonstrationen dagegen – hat die deutsche Politik mit der Lethargie der politischen Sommerpause reagiert. Nach den entschiedenen Worten von Bundeskanzlerin Merkel ist nicht nur die Richtung des politischen Prozesses, sondern auch der gesellschaftlichen Aufgabe deutlicher.

Jonglieren mit Zahlen

Über die Aufnahmebereitschaft und die Überzeugung, Deutschland habe, sofern es sich nicht allzu bürokratisch gebe, die Kapazitäten dafür, besteht kein Zweifel. Das Gesamtpaket an Massnahmen, das Merkel am Montag ankündigte, soll bis Ende September vorliegen. Nicht allen geht das schnell genug. Sie fragen sich, wie die Kommunen, die mit der Unterbringung und Betreuung überfordert sind, so lange auf die Klärung der finanziellen Beteiligung des Bundes warten sollen und das Entgegenkommen der Bundesländer und der Bundesregierung beim Umgehen bürokratischer Hürden warten sollen. Die Sozialdemokraten sind zwar Regierungspartei. In ihrem zu Wochenbeginn veröffentlichten Beschluss zur Flüchtlingspolitik tun sie aber so, als seien sie an der angeprangerten Kleinteiligkeit der bisherigen Politik nicht beteiligt. Es stimmt, dass der Eindruck entstand, die Regierung hangle sich von «Flüchtlingsgipfel» zu «Flüchtlingsgipfel». Die Halbwertszeit von deren Ergebnissen war jeweils sehr kurz.

Das spiegelt sich besonders in den finanziellen Ansprüchen der Bundesländer, die für die Unterbringung der Flüchtlinge aufkommen müssen. Im Juli war die aufgrund der stark angestiegenen Flüchtlingszahlen notwendig gewordene zusätzliche Zuwendung Berlins auf eine Milliarde Euro verdoppelt worden. Nun ist auch diese Zahl schon überholt. Die Regierung rechnet mittlerweile nicht mehr mit 450 000 Asylsuchenden, sondern mit mindestens 800 000. Arbeitsministerin Andrea Nahles nannte am Dienstag allein für die zusätzlichen Sozialausgaben und Integrationsmassnahmen für den Arbeitsmarkt einen erhöhten Finanzbedarf von bis zu 3,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Gegenwärtig sind die Flüchtlingszahlen allerdings so sehr im Fluss und überbieten sich einzelne Landespolitiker derart mit immer neuen Höchstzahlen, dass die Gefahr der politischen Instrumentalisierung gross und die Prognostizierung schwierig ist. Die Probleme der Kommunen liegen nicht allein in mangelnden Mitteln, sondern in schlecht funktionierenden Absprachen mit den Bundesländern. Auch rund um die direkt von den Landesbehörden eingerichteten Erstaufnahme-Einrichtungen gibt es immer wieder Konflikte.

Unmut über Ungarn

Ideologische Diskussionen darüber, ob Deutschland dringend ein Einwanderungsgesetz benötige, erübrigen sich angesichts der nackten Tatsachen: Das Einwanderungsland Deutschland wird gerade gelebt. Das bedeutet aber auch, sich Gedanken über die möglichst schnelle Integration der Zugereisten zu machen, unabhängig von ihrer absehbaren Aufenthaltsdauer. Gezielte berufliche Ausbildung erleichtert nicht nur das Ankommen in der deutschen Gesellschaft. Die Industrie, das Gewerbe und zunehmend Politiker fast aller Couleur sehen darin auch Chancen , dringend benötigte Fachkräfte zu erhalten und der negativen demografischen Entwicklung gegenzusteuern.

Für viel Unmut sorgt in der deutschen Politik aber die Nonchalance, mit der Ungarn und Österreich die Dublin-Vereinbarungen der Europäischen Union interpretieren. Abgeordnete und Regierungsvertreter, auch die Kanzlerin , wiederholten, aus deutscher Sicht sei es weiterhin zwingend, dass das Land der Erstaufnahme die Flüchtlinge registriere. Die Haltung Berlins, syrische Kriegsflüchtlinge nicht nach Ungarn zurückzuschicken, auch wenn sie dort registriert worden waren, entspringt praktischen Überlegungen. Als Freipass dafür, die Flüchtlinge so schnell wie möglich nach Deutschland zu schicken, war sie nie gedacht. Merkel setzte sich an einer Pressekonferenz mit dem zu Besuch weilenden spanischen Ministerpräsidenten Rajoy erneut für eine gerechte Verteilung der Lasten ein, die aber auch die ökonomische Situation etwa der ostmitteleuropäischen EU-Mitglieder zu berücksichtigen habe.

Quelle: http://www.nzz.ch/international/deutschland-und-oesterreich/traumziel-deutschland-1.18605967

Gruß an die Vorbereiteten

TA KI

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