Warum wir uns von unseren alten Mustern nur schwer lösen können…


13956973_1128796007158456_1531989303_n

Eine grandiose Kurzgeschichte von Jorge Bucay, die uns helfen kann über unseren Schatten zu springen.

„Ich kann nicht“, sagte ich. „Ich kann es einfach nicht.“ „Bist du sicher?“ fragte er mich. „Ja, nichts täte ich lieber, als mich vor sie hinzustellen und ihr zu sagen, was ich fühle… Aber ich weiß, dass ich es nicht kann.“

Der Dicke setzte sich im Schneidersitz in einen dieser fürchterlichen blauen Polstersessel in seinem Sprechzimmer. Er lächelte, sah mir in die Augen, senkte die Stimmer wie immer, wenn er wollte, daß man ihm aufmerksam zuhörte, und sagte:

„Komm ich erzähl dir eine Geschichte.“ Und ohne ein Zeichen meiner Zustimmung abzuwarten, begann er zu erzählen.

Als ich ein kleiner Junge war, war ich vollkommen vom Zirkus fasziniert, und am meisten gefielen mir die Tiere. Vor allem der Elefant hatte es mir angetan wie ich später erfuhr, ist er das Lieblingstier vieler Kinder. Während der Zirkusvorstellung stellte das riesige Tier sein ungeheures Gewicht, seine eindrucksvolle Größe und seine Kraft zur Schau. Nach der Vorstellung aber und auch in der Zeit bis kurz vor seinem Auftritt blieb der Elefant immer am Fuß an einen kleinen Pflock angekettet. Der Pflock war allerdings nichts weiter als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Und obwohl die Kette mächtig und schwer war, stand für mich ganz außer Zweifel, daß ein Tier, daß die Kraft hatte, einen Baum mitsamt der Wurzel auszureißen, sich mit Leichtigkeit von einem solchen Pflock befreien und fliehen konnte.

Dieses Rätsel beschäftigte mich bis heute. Was hält ihn zurück? Warum macht er sich nicht auf und davon?

Als Sechs- oder Siebenjähriger vertraute ich noch auf die Weisheit der Erwachsenen. Also fragte ich einen Lehrer, einen Vater oder Onkel nach dem Rätsel des Elefanten. Einer von ihnen erklärte mir, der Elefant mache sich nicht aus dem Staub, weil er dressiert sei. Meine nächste Frage lag auf der Hand: „Und wenn er dressiert ist, warum muß er dann noch angekettet werden?“

Ich erinnere mich nicht, je eine schlüssige Antwort darauf bekommen zu haben. Mit der Zeit vergaß ich das Rätsel um den angeketteten Elefanten und erinnerte mich nur dann wieder daran, wenn ich auf andere Menschen traf, die sich dieselbe Frage irgendwann auch schon einmal gestellt hatten. Vor einigen Jahren fand ich heraus, daß zu meinem Glück doch doch schon jemand weise genug gewesen war, die Antwort der Frage zu finden:

Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist.

Ich schloß die Augen und stellte mir den wehrlosen neugeborenen Elefanten am Pflock vor. Ich war mir sicher, daß er in diesem Moment schubst, zieht und schwitzt und sich zu befreien versucht. Und trotz aller Anstrengung gelingt es ihm nicht, weil der Pflock zu fest in der Eerde steckt.

Ich stellte mir vor, daß er erschöpft einschläft und es am nächsten Tag gleich wieder probiert, und am nächsten Tg wieder, und am nächsten… Bis eines Tages, eines für seine Zukunft verhängnisvollen Tages, das Tier seine Ohnmacht akzeptiert und sich in sein Schicksal fügt.

Dieser riesige, mächtige Elefant, den wir aus dem Zirkus kennen, flieht nicht, weil der ärmste glaubt, daß er es nicht kann.

Allzu tief hat sich die Erinnerung daran, wie ohnmächtig er sich kurz nach seiner Geburt gefühlt hat, in sein Gedächtnis eingebrannt. Und das schlimme dabei ist, daß er diese Erinnerung nie wieder ernsthaft hinterfragt hat. Nie wieder hat er versucht, seine Kraft auf die Probe zu stellen.

„So ist es, Demian. Uns allen geht es ein bißchen so wie diesem Zirkuselefanten: Wir bewegen uns in dieser Welt, als wären wir hunderte an Hunderte von Pflöcken gekettet.

Wir glauben, einen ganzen Haufen Dinge nicht zu können, bloß weil wir sie ein einziges Mal, vor sehr langer Zeit damals, als wir noch klein waren, ausprobiert haben und gescheitert sind. Wir haben uns genauso verhalten wie der Elefant, und auch in unser Gedächtnis hat sich die Botschaft eingebrannt: Ich kann das nicht, ich werde es niemals können. Mit dieser Botschaft, der Botschaft, daß wir machtlos sind, sind wir groß geworden, und seitdem haben wir niemals mehr versucht, uns von unserem Pflock loszureißen. Manchmal, wenn wir die Fußfesseln wieder spüren und mit den Ketten klirren, gerät unser Pflock in den Blick, und wir denken: Ich kann nicht, und werde es niemals können.“

„Genau dasselbe hast auch du erlebt, Demien. Dein Leben ist von der Erinnerung an einen Demien geprägt, den es gar nicht mehr gibt und der nicht konnte. Der einzige Weg herauszufinden, ob du etwas kannst oder nicht, ist, es auszuprobieren, und zwar mit vollem Einsatz. Aus ganzem Herzen!“

Bucay, Jorge (2013):  Komm ich erzähl dir eine Geschichte. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag. S.7-10)

Quelle: http://www.erhoehtesbewusstsein.de/warum-wir-uns-von-unseren-alten-mustern-nur-schwer-losen-konnen/

Gruß an die wahren Geschichten

TA KI

Advertisements

7 Kommentare zu “Warum wir uns von unseren alten Mustern nur schwer lösen können…

  1. Hat dies auf BildDung für deine Meinung rebloggt und kommentierte:
    Gute Nachrichten zum Welt-Elefanten-Tag: Neue Nutzungsrichtlinien schützen Wildtiere besser vor illegalem Online-Handel.

    Knapp 100.000 Afrikanische Elefanten wurden zwischen 2010 und 2012 von Wilderern getötet.

    https://geistblog.org/2016/08/13/gute-nachrichten-zum-welt-elefanten-tag-neue-nutzungsrichtlinien-schuetzen-wildtiere-besser-vor-illegalem-online-handel/
    😦


    Die Fessel im Kopf und die Freiheit – Trau dich !

    https://bilddung.wordpress.com/2012/06/07/der-domestizierte-mensch-ist-ein-arbeitselefant/
    https://bilddung.wordpress.com/2014/07/13/die-tiere-sind-unsere-bruder/
    https://bilddung.wordpress.com/2014/01/25/change-the-rules/

  2. Günter Grimm
    Mit diesen ALTHERGEBRACHTEN SACHEN – eingeschweißten Verhaltensmustern –
    – usw. – usw. – ist es schon so ein Ding.
    Nach einem sehr bewegten Berufsleben ( teils staatlich und “ hochtrabend “ – teils selb-
    ständig und gefährlich ) führte mich die Liebe in meine alte Heimat zurück.
    Seit September 2015 lebe und wohne ich wieder in 95163 Weißenstadt im Fichtelgebirge.
    Eigentlich müßte ich schreiben: W…F…ichtelgebirge, da man hier recht viele Wichtel zu
    sehen und zu hören bekommt. Näheres später.
    Da ich beruflich – geschäftlich – als auch privat dieses Globus zum Großteil bereisen
    konnte, sind mir keine fremden Kulturen – wirklich – fremd.
    A B E R … nachdem ich inzwischen fast ein Jahr im meiner Heimat- und Geburtsstadt
    Weißenstadt – fest – lebe, kommen mir so langsam ernsthafte Zweifel, ob sich hier nicht
    inzwischen eine “ Kultur “ ( Bevölkerung ) angesiedelt hat, die in Richtung Aliens ten-
    dieren.
    Jahrzehnte lang kam ich nach Oberfranken in meine Heimat, wenn es möglich war.
    Es waren immer nur Kurzaufenthalte, um Familie, Verwandtschaft und Freunde kurz
    zu besuchen, zu sehen, zu sprechen und wieder einmal unserer herrliche Natur ge-
    nießen zu können.
    Zwei bis drei Tage ging es mir gut … aber … bereits am dritten Tag zog es mich wieder
    mit großer Macht von hier fort.
    In dieser 3.276-Seelen-“ Stadt “ laufen weibliche “ Aliens “ herum, die man hier wie
    folgt benennt: LEBENDE – ZWEIBEINIGE – ZEITUNGEN
    Bestehende Stammtische, nach oberfränkischer Art, tun ihr übriges, um hier ein
    ganz besonderes Klima zu erzeugen.
    Da ich inzwischen in meiner Heimatstadt als eine Art FREMDKÖRPER wahr genommen
    werde ( ich passe mich nämlich nicht an oberfränkische Gepflogenheiten an !!! ) werde
    ich zum Teil offen angefeindet.
    Die Hauptangriffe laufen natürlich hinten herum – und – ich erfahre es dann von einigen
    vernünftig denkenden Menschen hier, die diese seltsamen und gefährlichen ( Rufschä-
    digungen – Beleidigungen – usw. – ) Spielchen nicht mit machen.
    Sogar meine Lebensgefährtin ( eine tief hier verwurzelte Frau ) steckt mit diesen recht
    seltsamen “ Menschen “ ( sagen wir Wichtel und Wichteline ) zum Teil unter einer
    Decke.
    Oberfränkische Denkarten als Beispiel: 1) … zum Bäcker XY kann man nie und
    nimmer mit einer Einkaufstüte des anderen Bäckers betreten … DENN : des macht
    maa dooch need !!!
    2) Die allzu häufig verwendete Formel – Floskel – wie folgt: … Du mußt f e i …
    die dem Gesprächspartner siganlisiert, daß es sich gefälligst an die hiesigen Ge-
    pflogenheiten zu halten hat. Logik spielt hierbei keinerlei Rolle.
    3) Ein Satz der bis zum Erbrechen zu hören ist: D E E S K O N N S T F E I
    N E E D S O O M A C H N !!!!!!!
    Egal in welchem Zusammenhang … egal ob evtl. ein ernsthaftes – auch – emotionales-
    Thema betroffen sein mag. diese erschreckende Floskel greift Raum, wird von den
    Wichtels als NON-PLUS-ULTRA verkauft – und – derjenige, der sich ertreistet,
    anders zu denken, anders zu handeln, den verteufelt man umgehend.
    Wie lange ich es hier noch aushalte, das entzieht sich derzeit meiner Kenntnis.
    Jedenfalls ist klar wie folgt: Ich habe mich eindeutig und wissentlich für mein Leben
    hier in Oberfranken entschlossen.
    Also … ich werde mich hier nicht verbiegen lassen, auch wenn noch so viele Wichtel
    an meinen Ästen versuchen zu sägen.
    Da ich einige sensitive Begabungen mein eigen nennen kann, baue ich meinen
    Schutzschirm auf und lasse alles wie auf Teflon abprallen.
    Ich werde demnächst noch einiges hierzu schreiben und würde mich sehr freuen,
    wenn ich zu diesem Kommentar von mir, einige Reaktionen erhalten würde.
    Man kann mir rein privat unter: E-Mail: si12g.g.laksame@gmail schreiben.
    Herzliche Grüße und Wünsche
    an alle offenen Menschen
    und QUERDENKER im positiven Sinne
    Günter Grimm

  3. Hab grad einen Post zur gleichen Geschichte verfasst! Wie toll die Geschichten von Jorge Bucay doch sind… und wie sehr sie zum Nachdenken anregen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s