Hamsterkauf aus Terrorangst? Polizeigewerkschaft sieht „Informationskatastrophe“


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Als eine „Kommunikationskatastrophe“ bewertet Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft die in dem vom Innenministerium soeben veröffentlichten „Konzept für den Zivilschutz“ Empfehlung, für „besondere Fälle“ einen Vorrat an Lebensmitteln anzulegen. .“Das Konzept ist in Ordnung, die Kommunikation war mies“, meint er.

Herr Wendt, am Mittwoch will Bundesinnenminister de Maizière ein neues Konzept für den Zivilschutz in Deutschland vorlegen. Begrüßen Sie diese Maßnahme?

Ja natürlich. Thomas de Maizière macht das, was ein verantwortungsbewusster Minister tun muss. Er gibt der Bevölkerung Empfehlungen, wie sie beispielsweise im Fall einer Katastrophe Vorsorge treffen muss, um sich in einer Zeit unmittelbar nach einem solchen Ereignis versorgen zu können.

Grüne und Linke im Bundestag haben das Konzept schon jetzt als „Angstmache“ kritisiert. Entspricht das der Wahrheit, oder war das Konzept einfach nötig geworden?

Ich teile zumindest den Teil der Kritik, der die Kommunikationsstrategie der Regierung angeht. Diese Informationen sind in der vergangenen Woche bekannt geworden und dann wird fast eine Woche gewartet, bis man das Konzept offiziell vorstellt und den Hintergrund erläutert. Das ist schon eine Kommunikationskatastrophe. Denn beispielsweise in den sozialen Netzwerken toben die Gerüchte vom dritten Weltkrieg und dem Untergang Deutschlands. Das hätte vermieden werden müssen.

Und in der Tat wird spekuliert, dass es sich fast schon um ein Szenario des Kalten Krieges handelt…

Ja, denn diese Vorsorgekonzepte gehören in die Zeit des Kalten Krieges. Bis zur Wiedervereinigung war es völlig normal, dass man Vorräte hält und auch seine persönliche Ausstattung danach ausrichtet, dass so etwas wie ein Krieg passieren könnte. Heute sind noch mehr Szenarien vorstellbar. Beispielsweise ein Terroranschlag auf die Verkehrsinfrastruktur oder auf die Strominfrastruktur, die Wasserversorgung oder vieles andere mehr. Insofern ist es richtig, dass man ein solches Konzept neu auflegt, ohne die Bevölkerung in Panik zu versetzen.

Das Konzept für den Zivilschütz galt also zum Beispiel dazu, im Kriegsfall ausgerüstet und versorgt zu sein. Jetzt steht die Bedrohung durch einen Krieg nicht mehr im Fokus?

Wir haben nach der Wiedervereinigung geglaubt, jetzt brechen die Zeiten des ewigen Friedens und der Sicherheit an. Mittlerweile sind wir eines Besseren belehrt worden. Die Welt wird mit Terror überzogen, es gibt viele terroristische Gruppierungen, die überall Anschläge verüben — übrigens auch auf kritische Infrastrukturen. Es gibt Kriege und Bürgerkriege, die in vielen Ländern der Welt toben und die gar nicht weit von uns entfernt sind. Schauen Sie sich nur den Ukraine-Konflikt an. Und es gibt eben durchaus auch die Möglichkeit, dass unsere Strukturen, die ja sehr anfällig und verletzlich sind, durch Katastrophen beeinflusst werden könnten. Insofern leben wir in gefährlichen Zeiten und es ist richtig, hier eine angemessene Vorsorge zu treffen. Das Konzept ist in Ordnung, die Kommunikation war mies.

Gehen wir kurz auf das Konzept ein: Am meisten Aufmerksamkeit hat die Aufforderung ausgelöst, die Bevölkerung solle einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln für etwa zehn Tage lagern. Ist dies für Sie auch einer der wichtigsten Punkte?

Das ist schon mit das Wichtigste. Es gibt einen wichtigen Roman von Marc Elsberg mit dem Namen „Blackout“, dort beschreibt er ein sehr realistisches Szenario eines Terroranschlags auf die kritische Strominfrastruktur in Deutschland. Dort fällt für zehn Tage der Strom aus. Jetzt kann sich jeder überlegen, was dann in seinem persönlichen Lebensumfeld wichtig wäre. Da geht es tatsächlich um Wasser, um Essen, um ein batteriebetriebenes Radio, um überhaupt an irgendwelche Informationen zu kommen. Man würde kein Geld mehr bekommen, die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr, auch vieles andere funktioniert einfach nicht mehr. Für einen solchen Fall muss man Vorsorge treffen, ohne gleich in Panik zu verfallen. Im Grunde genommen ist das nicht mehr, als die Überprüfung des Vorrats, die sowieso jeder vernünftige Haushalt hat.

Wenn ich jetzt nun aber zum Beispiel Bargeld zuhause horte, ist das sicherlich auch für Einbrecher verlockend. Stellt das die Polizei nicht vor ganz andere Herausforderungen?

Dieses Phänomen haben wir leider schon lange, denn in der Null-Zins-Phase tun das leider viele Menschen. Es geht aber nicht darum, 100.000 Euro zuhause zu horten, sondern nur darum, sich mit dem Notwendigsten ein paar Tage über Wasser zu halten. Weil man davon ausgeht, dass innerhalb einer Woche, oder in 10 bis 15 Tagen, der Staat seine Institutionen wieder hergestellt hat und dann auch die Lage wieder im Griff ist.

Nun soll das neue Konzept die alten Richtlinien aus dem Jahr 1995 ablösen. Welche Änderungen müssen vor allem zeitgemäßer angepasst werden?

Wir leben im modernen Kommunikationszeitalter. Insofern müssen wir Antworten haben, wie man im Falle des Falles wechseln kann. Wie man zum Beispiel Informationen zuverlässig übermitteln kann. Ich glaube, dass in einem solchen Katastrophenfall tatsächlich das batteriebetriebene Radio das wichtigste Instrument ist. Denn es muss gewährleistet sein, dass die Menschen Informationen über die Lage und Verhaltensanweisungen beziehen. Das scheint mir das wichtigste zu sein, denn weder das Handy, noch der Fernseher funktionieren, wenn der Strom ausfällt.

Interview: Marcel Joppa

(…)

Quelle: http://de.sputniknews.com/gesellschaft/20160822/312226855/hamsterkauf-terrorangst.html

Gruß an die Klardenker

TA KI

3 thoughts on “Hamsterkauf aus Terrorangst? Polizeigewerkschaft sieht „Informationskatastrophe“

  1. Geht nach Ungarn,wenn ihr bißchen Kohle habt tut euch dort erst mal zu Wohngemeinschaften zusammen.War nur mein Tip Sobald die den Notstand ausrufen kommst nicht mehr weg.Viele billige Hâuser stehn hier leer!

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