Darum wurde die Flüchtlingsfamilie mitten in der Nacht weggebracht


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Weyarn- Im Morgengrauen wird eine Familie aus Nigeria in Weyarn von Polizei und Landratsamt aus dem Bett geholt und abtransportiert. Die Behörden erklären, warum es soweit kam.

 

Es war Martin Walch (SPD), der bei der Sitzung des Miesbacher Kreistags Aufklärung verlangte. Wie berichtet, hatte eine Helferin die abrupte Verlegung einer Familie aus Nigeria angeprangert. Um 6 Uhr morgens hatten Polizei und Landratsamt am Dienstag an der Asylbewerberunterkunft am Erlacher Weg in Weyarn geklingelt, um die Familie in den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zu verlegen. Von Behörden-Willkür war die Rede. Und: Der plötzliche Abtransport von Flüchtlingen ohne Vorwarnung ist kein Sonderfall. Bereits im Frühjahr hat sich ein ganz ähnlicher Fall ereignet – in der selben Unterkunft.

Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) verriet mehr über die Hintergründe. Dabei wurde klar: Der Familienvater war mehrfach als Aufrührer auffällig geworden. „Er hat eine enorme Ausstrahlung und die Gabe, Mitbewohner zu beeinflussen“, berichtete Löwis.

Schon bei dem Protestcamp nahe dem Holzkirchner Rathaus im Juli 2015 sei er einer der Aktivisten gewesen. Eingemischt hatte er sich auch, als es heuer Mitte August im Holzkirchner Asyl-Container zu einem Vorfall kam. Eine 32-Jährige aus Somalia schüttete einem Nigerianer (31) heißes Fett ins Gesicht, weil dieser ihr ans Gesäß gefasst haben soll. Die Frau muss sich wegen Körperverletzung verantworten. Das reicht dem jetzt mit seiner Familie verlegten Nigerianer offenbar nicht. Aus Solidarität zum verletzten Landsmann habe er angedroht, „die Dame entsprechend zu behandeln“, schilderte Löwis. Ein Aufruf zur Gewalt also.

Darum geschah die Verlegung so heimlich

„Solche Zustände können wir nicht dulden“, machte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) klar. Wenn einer meine, sein eigenes Regiment führen zu können, dann greife das Landratsamt ein. Eine solche Verlegung kündige die Behörde tunlichst nicht an, erklärte Stefan Köck als Verantwortlicher beim Landratsamt. „Das sickert sonst irgendwie durch. Und dann ist die Person nicht mehr da, wenn wir kommen.“

Sicherheitslage sonst stabil

Insgesamt sei die Sicherheitslage in Sachen Asyl aber stabil, berichtete der Holzkirchner Polizeichef Johann Brandhuber. Seine Inspektion ist für zwölf Unterkünfte mit 409 Asylbewerbern zuständig. Insgesamt sind 186 Polizeieinsätze verzeichnet, davon 80 in der Traglufthalle. Strafrechtlich verfolgt werden 99 Fälle. Insgesamt machen diese Fälle 8,5 Prozent aller Verfahren aus, die die Holzkirchner Polizei zu bewältigen hat. 

Fast alle Vorfälle hätten sich im Kreis der Flüchtlinge selbst und in deren Unterkünften ereignet, so Brandhuber. „Eine Wirkung nach außen gab es fast nicht.“ Lediglich am Bahnhof und auf dem Weg dorthin habe die Polizei schon eingreifen müssen. Unruhen in der Halle hatte die Polizei im Fastenmonat Ramadan zu verzeichnen. Durch laute Gebete schon um vier Uhr morgens hätten sich weniger gläubige Hallenbewohner gestört gefühlt, erklärte Brandhuber. Eine große Unterstützung für die Polizei sei der private Sicherheitsdienst.

Bevölkerung ist „ruhig und aufnahmefreudig“

Ein Auge habe die Polizei auf Radikalisierungstendenzen, vor allem auch in sozialen Netzwerke. Die Asylbewerberklassen stünden unter guter Beobachtung, erklärte Brandhuber. Bislang habe die Holzkirchner Polizei aber in dieser Hinsicht noch nichts feststellen müssen. Nicht bekannt seien auch Übergriffe von Einheimischen auf Flüchtlinge. Nur ein Flugblatt mit der Aufschrift „Refugees not welcome“ habe die Polizei erreicht. Die Bevölkerung, meinte Brandhuber, sei „ruhig und aufnahmefreudig“.

jm

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