Stehen wir kurz vor einem Konflikt zwischen China und den USA?


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von Robert Sasse. 

Klingt irrwitzig und ist es bei näherem Betrachten auch immer noch. Und trotzdem war es genau diese Schlagzeile, die weitere Unruhe in die ohnehin schon unruhige weltpolitische Gesamtlage brachte.

Denn Urheber dieser Nachricht war niemand geringer als der große amerikanische Think Tank RAND Corporation, die eine Studie unter dem Titel „Krieg mit China: das Undenkbare denken“ veröffentlicht hat, mit der eine klare Warnung der USA an die Nuklearmacht China einherging: „Falls China den prowestlichen Weg nicht wählt, kommt es zu einem großen Krieg.“

Die Spurensuche beginnt – Kommt der Krieg China vs. USA

Wir fragen uns also besorgt: Wollen die USA wirklich China angreifen und was steckt hinter dieser Meldung? Wir machen uns auf Spurensuche!

Vorausgeschickt sei, dass es ohnehin länger Gerüchte um eine bislang so kaum für möglich gehaltene machtpolitische Verbindung zwischen der Türkei, Russland und China gibt. China, so die Befürchtung, könnte so seine eigenen geostrategischen Interessen z.B. in Asien gegen den Westen durchsetzen.

Das bringt uns auf die asiatische Spur, wo doch noch bis vor kurzem die Zeichen auf Entspannung gerade zwischen den beiden Großmächten USA und China standen. Der Hintergrund waren die Spielchen von Nordkoreas Diktator und die gemeinsame Furcht vor nuklearen Problemen auf der koreanischen Halbinsel. Das wollten sowohl die Vereinigten Staaten als auch China aus eigenen machtpolitischen Erwägungen heraus verhindern und taten sich deshalb zusammen. Allerdings wurden auch hierbei bereits klare Beziehungsprobleme zwischen den beiden Giganten deutlich, etwa wenn China die USA für Spannungen in Korea mitverantwortlich machte und eine klare Aufrüstung der Amerikaner vor Ort beklagte. Auch wenn die Krise einstweilen nicht eskaliert, sei abschließend noch mit Blick auf die Zukunft erwähnt, dass die Drähte von Peking zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton alles andere als gut sind. Das betraf auch die schon in ihrer Zeit als Außenministerin akuten territorialen Streitigkeiten im Südchinesischen Meer, die uns später noch beschäftigen werden.

Donald Trump oder Hillary Clinton

Man mag sich gar nicht erst ausmalen, wenn statt der immerhin pragmatischen und konzeptionell nüchternen Clinton der republikanische Lautsprecher und Bauchmensch Donald Trump ins Weiße Haus einzieht und eine Außenpolitik im Stile seiner bisherigen Wahlkampf- und Medienauftritte hinlegt! Trump hat in dieser Hinsicht ja bislang keinen Zweifel daran gelassen, dass er eine Politik der Stärke und des America First betreiben wird, die aus der Sicht neutraler Beobachter gefährlich bis verheerend in den sicherheitspolitischen Minenfeldern dieser Welt einschlagen dürfte und zu einer weltweiten Explosion führen könnte.

Aber auch die aktuelle demokratische Regierung unter Obama hat die chinesische Führung bereits offen vor weiteren Expansionsbestrebungen im Südchinesischen Meer gewarnt. Denn dort beansprucht das kommunistische Regime mehr als vier Fünftel des rohstoffreichen und geostrategisch bedeutsamen Raumes für sich. Zu diesem Zweck hat das Reich der Mitte bereits fleißig aufgerüstet und militärische Einrichtungen gebaut.

Der Auslöser des größten Krieges der Menschheitsgeschichte

Und damit wären wir bei dem Zankapfel gelandet, der womöglich Auslöser eines auch militärischen Konfliktes zwischen den beiden Supermächten sein könnte. Denn selbst einen völkerrechtlichen Schiedsspruch dazu werden die Chinesen nicht akzeptieren, weil sie den Schiedsgerichtshof in Den Haag als nicht zuständig in dieser Frage betrachten. Unabhängig von der Richtigkeit dieser Argumentation geht es in Wahrheit um ganz andere Fragen, oder genauer gesagt eigentlich – wie fast immer in der Politik – nur um eine einzige Frage: es geht um die Machtfrage. Denn das Südchinesische Meer ist militärisch wie wirtschaftlich äußerst bedeutsam. Das Erstgenannte ergibt sich schon aus der geographischen Lage und sollte den USA eingedenk der Kuba-Krise seinerzeit auch relativ problemlos einleuchten. Außerdem ist diese Region eine immens bedeutsame Drehscheibe für die internationale Container-Schifffahrt. Das leitet über zur wirtschaftlichen Bedeutung, die sich auch noch aus einem anderen Faktor speist: Das Südchinesische Meer ist extrem fischreich und rund 12% des Weltfischfanges stammen von dort. Außerdem werden dort ganz erhebliche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Mit einem Wort: Die Amerikaner sind da im Wege. Und dahinter wiederum verbirgt sich ein noch viel größeres und ganz grundsätzliches Problem: „Das Reich der Mitte ist nicht länger bereit, die seit Jahrzehnten vom Westen diktierte weltwirtschaftliche und weltpolitische Ordnung zu akzeptieren.“

Ein neuer Systemkonflikt – USA vs. China!

Wir stehen hier also vor einem neuen Systemkonflikt, den viele Menschen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem vermeintlichen Sieg der freiheitlichen und marktwirtschaftlich geprägten Demokratie westlichen Zuschnitts schon fast gänzlich verdrängt und für unmöglich gehalten hatten. Doch nun zeigt sich, dass die Welt keineswegs davon erlöst ist. Das Südchinesische Meer ist dabei nur ein Konfliktherd, wo sich diese grundsätzliche Problematik zeigt. Darauf brauchen wir neue und vor allem konstruktive Antworten.

Keine Lösung stellen eine neue Konfrontation dar und isolationistische Tendenzen, die eine vermeintliche Sicherheit hinter hohen Mauern bis an die Zähne bewaffnet propagieren, wie es von Donald Trump in den USA bis zu den Führungsfiguren der Neuen Rechten in Europa zu vernehmen ist.

Das sind nur die Vorboten einer neuen Politik der alten Machtgelüste, bei denen es weniger um die Verbreitung von Demokratie und Humanismus geht, als vielmehr um die Durchsetzung eigener Machtansprüche und wirtschaftlicher Interessen. Stattdessen brauchen wir eine Politik des Gleichgewichts, der Krisenprävention und der Konfliktbewältigung. Nur so lassen sich die globalen Probleme lösen.

2 thoughts on “Stehen wir kurz vor einem Konflikt zwischen China und den USA?

  1. Mir stellt sich immer öfter die Frage womit die USA kein Problem haben. Jeder Staat welcher nicht zu 100% der Meinung aus Washington ist, und sich bedingungslos unterordnet wird gebombt. Die größte Bedrohung auf diesem Planeten geht für mich eindeutig von den USA aus.

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