»Lügen haben kurze Beine«


Dies pflegt der Volksmund zu sagen und jeder, der noch rechten Verstandes ist, weiß natürlich auch um den Wahrheitsgehalt dieses Sprichwortes. Dennoch ist die Lüge in unserer Gesellschaft etwas vollkommen Normales und sie wird in vielen Fällen auch als in Ordnung erachtet. Hier ist keineswegs die Rede von den großen Lügen, welche den Schafsmassen täglich von den LeiDmedien präsentiert werden, denn wenn Sie diesen Beitrag lesen, dann wissen oder spüren Sie bereits, in welchem Ausmaß wir alle belogen werden. Es geht vielmehr um ein gesellschaftliches Phänomen und dieses beginnt bereits im Kindesalter.

Die Lüge ist allgegenwärtig, “Notlügen“ werden in unserer Gesellschaft hingenommen und die Akzeptanz der Lüge hat nachhaltige Auswirkungen auf die mit persönlichen Erfahrungen verbundene Entwicklung eines jeden Kindes. Zu irgendeinem Zeitpunkt erkennt jedes Kind, dass es über dieses oder jenes Thema angelogen wurde und da der Missbrauch der Wahrheit in der Regel von den engsten Vertrauten begangen wurde, kann das Kind daraus nur schlussfolgern, dass es unter gewissen Umständen in Ordnung ist zu lügen.

So wird Kindern in unserem Kulturkreis beispielsweise die Mär vom Weihnachtsmann oder wahlweise vom Christkind erzählt, welches die Geschenke zu Weihnachten bringt – doch es ist eine Lüge. Die Zahnfee tauscht das unter das Kopfkissen gelegte Milchzähnchen während des Schlafes gegen eine Münze oder etwas anderes aus – auch dies ist eine Lüge. Der Osterhase … – eine Lüge.

Oder nehmen irgendein furchtbar hässliches Gekritzel, für welches ein kleines Kind von den Eltern gelobt wird, obwohl nicht einmal im Ansatz zu erkennen ist, was das Kind eigentlich gezeichnet hat – das Lob ist eine Lüge. Der wundervolle knallrote Strickpulli, ein Geschenk der lieben Oma, und Kindern wird gesagt, sie sollten sich anständig und möglichst freudig dafür bedanken, auch wenn es ihnen noch so widerstrebt – sie werden angehalten zu lügen.

Beispiele dieser Art gibt es sehr viele und sie zeigen deutlich auf, wie viel Wert der Wahrheit in unserer Gesellschaft tatsächlich beigemessen wird. Selbstverständlich hat die Oma Zeit und Mühe investiert, um diesen knallroten Pulli zu stricken, doch sollte einem Kind nicht besser gelehrt werden ehrlich zu sagen, dass es die getane Arbeit und Mühe sehr würdigt, es den Pulli jedoch nicht mag?

Die Wahrheit kann bisweilen durchaus schmerzhaft sein, dies nicht nur im bildlichen Sinne, wie ein Artikel des britischen Telegraph vom 1. Mai 2017 aufzeigt. Dieser berichtet von jüngsten Forschungsergebnissen des University College London, welche vollkommen überraschenderweise (Ironie aus) zu dem Schluss kommen, dass Anstand und Ehrlichkeit vom menschlichen Gehirn als “befriedigender empfunden wird“, als Täuschung.

Bezugnehmend auf eine im Nature Neuroscience-Journal veröffentlichte Studie wird die Studienleiterin Dr. Molly Crockett mit den Worten zitiert:

»Wenn wir Entscheidungen treffen, dann berechnet ein Netzwerk von Hirnregionen wie wertvoll unsere Optionen sind. Unrecht erworbene Vorteile rufen schwächere Reaktionen in diesem Netzwerk hervor, was erklären könnte, warum die meisten Menschen lieber nicht von der Schädigung anderer profitieren möchten. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass Geld einfach nicht so verlockend ist.«

Während der durchgeführten Experimente mit 28 Paaren wurden die Gehirne der Probanten gescannt, während sie die Entscheidung zu treffen hatten, ob sie sich selbst oder doch eher ihrem sich in einem anderen Raum befindlichen Partner einen kleinen Elektroschock verpassen wollen. Weiter wurde als zusätzlicher Anreiz eine monetäre Belohnung für das Auslösen des Elektroschock bei sich selbst oder dem Partner angeboten.

Die Forscher stellten dabei fest, dass die Entscheidung des Probanten einen speziellen Bereich im Gehirn stimuliert – das ventrale Striatum. Die Hirnscans zeigten weiter, dass diese Gehirnregion weit aktiver war, wenn die Probanten sich selbst einen Schock verpassten, als wenn sie sich für den Partner entschieden. Die Beobachtung belege, so der Artikel, dass diese Entscheidung als »instinktiv werthaltiger« empfunden wurde.

Dr. Crockett stellte in diesem Zusammenhang fest:

»Unsere Forschungsergebnisse deuten an, dass das Gehirn die moralische Beurteilung anderer verinnerlicht und simuliert, wie sehr jemand anderes uns ein etwaiges Fehlverhalten zum Vorwurf machen könnte, selbst wenn wir wissen, dass unsere Handlungen anonym geschehen.«

Offensichtlich besteht folglich eine moralische Programmierung in unserem Gehirn, welche uns eindeutig aufzeigt, was richtig und was falsch ist. Zwar kann diese Programmierung durch eine Anregung wie eine monetäre Belohnung übergangen werden, doch wird ein offensichtliches Fehlverhalten von uns instinktiv als solches erkannt und es regt sich Widerstand – zumindest bis zu einem gewissen Punkt, nämlich der bekannten Hemmschwelle.

Übertragen wir dieses Experiment auf die schlichte Wahl zwischen Lüge und Ehrlichkeit, so sind wir Menschen offenbar grundsätzlich in einer Weise programmiert, dass wir der Wahrheit deutlich zugeneigter sind und unser Gehirn eine Lüge als weniger werthaltig empfindet. Trotzdem ist die Lüge in unserer Gesellschaft Gang und Gäbe und es bedarf offenbar nur einer akzeptablen Erklärung, um sie als hinnehmbar oder gar werthaltig zu empfinden.

Die Konsequenzen einer Lüge können unter Umständen immens sein und zu einer ganzen Kette von Konflikten führen, sowohl äußerlich als auch in unserem eigenen Gehirn, wie die obige Forschung bestätigt. Ehrlichkeit hat natürlich ebenfalls Konsequenzen, doch steht sie für den entsprechenden Aspekt aufrecht und die Folgen sind im Außen wie auch im Inneren weit weniger konfliktträchtig. Unser Gehirn weiß dies von Natur aus, wie die oben erwähnte Studie bestätigt.

Dennoch wird sich in unserer Gesellschaft vielfach der Lüge bedient, um einem im Rahmen einer ehrlichen Aussage bereits im Vorfeld leicht berechenbaren Konflikt aus dem Wege zu gehen. Denn wir wollen doch die Oma nicht ent-täuschen – wo sich der Kreis dann auch schließt, denn eine Täuschung zu beenden ist doch letztlich der ehrlichere und aufrechtere Weg. Im Großen, wie auch im Kleinen.

Alles läuft nach Plan…

Der Nachtwächter

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Übersetzungen aus dem Englischen vom Nachtwächter

Quelle: http://n8waechter.info/2017/05/luegen-haben-kurze-beine/

Gruß an die Ehrlichen

TA KI

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Ein Kommentar zu “»Lügen haben kurze Beine«

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