Egon von Greyerz: Wann im Goldmarkt die Hölle losbrechen wird


Von Egon von Greyerz

Die teuerste Investition der heutigen Zeit ist Papiergold. Für $ 1.230 bekommt ein Investor ein Stück Papier, welches besagt, dass er 1 Unze Gold besitzt. Jedoch wird er dieses Gold wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommen.

Die meisten Investoren, welche Papiergold kaufen, haben keinerlei Verständnis für den wahren Grund Gold zu besitzen und werden folglich niemals erwägen, es ausliefern zu lassen. Und selbst wenn sie die Wichtigkeit echtes Gold zu halten verstünden, so sind sie doch recht glücklich mit der nicht vollwertigen Alternative, welche aus Papier besteht und nicht aus physischem Edelmetall.

Dies ist natürlich genau das, was die Herausgeber von Papiergold wollen. Diese Entitäten wissen, dass Papiergoldkäufer nicht die Absicht haben es ausliefern zu lassen. Für die Verkäufer ist dies perfekt, denn sie haben auch nicht die Absicht zu liefern. Und so funktionieren die Papiermärkte. Käufer und Verkäufer handeln Papierstücke, welche angeblich ein zugrundeliegendes Instrument repräsentieren, sei es nun eine Aktie, ein Bond, eine Währung oder ein Rohstoff. Doch Papiermärkte sind eine Illusion.

Sie machen den Eindruck, dass die Käufer einen echten Anteil am zugrundeliegenden Instrument erwerben. Dies wäre auch der Fall, wenn beispielsweise eine Währung oder Gold von echtem Geld oder echten Gold gedeckt wären. Aber in den heutigen unechten Märkten ist dies einfach nicht der Fall.

Wir leben in einer Welt, in welcher der Kaiser keine Kleider trägt. Die Menschen werden in dem Glauben gehalten, dass der Kaiser einen aus Gold gemachten Anzug trägt, während er in Wirklichkeit nackt ist. Und so funktionieren die Märkte heute. Shorts sind immer nackt, was bedeutet, dass es niemals ein zugrundeliegendes Anlagegut gibt, welches den Short deckt. Was der Käufer bekommt ist ein Stück Papier mit keinerlei innewohnendem Wert.

Für Zentralbanken, Banken und große Handelshäuser wie Hedgefonds ist dies eine perfekte Situation. Mit genügend Kapital können sie jeden Markt manipulieren, ohne sich jemals über die Auslieferung sorgen zu müssen. Die Folge sind Märkte, welche vollkommen fiktiv sind und keinerlei Ähnlichkeit mit dem gehandelten Instrument haben.

Deshalb hat der Preis eines Papierrohstoffes auch nichts mit dem zugrundeliegenden Instrument zu tun. Papierhandel kann hundertfach und mehr gehebelt werden und wo auch immer der Preis an den Papiermärkten gehandelt wird, bestimmt dies auch den Preis für den tatsächlichen Rohstoff. Folglich bestimmen die Papierpreise auch den Goldpreis.

Der Goldpreis ist der Papierpreis, zu welchem an den unechten Goldmärkten gehandelt wird. Dieser hat sehr wenig mit dem Goldpreis zu tun, zu welchem an physischen Märkten gehandelt werden würde, wenn es die manipulierten Papiermärkte nicht gäbe. Aber Käufer und Verkäufer kümmert der echte Goldpreis nicht, denn sie haben nicht die Absicht physisches Gold zu besitzen, weil sie seine Funktion nicht wirklich begreifen.

Eines Tages jedoch wird dieser kleine Junge daher kommen und rufen: “Der Kaiser ist nackt!“, und dann wird die Hölle losbrechen. In dem Moment werden alle Papiergold-Besitzer die Auslieferung fordern und genau wie der Kaiser werden sie dann feststellen, dass in den Tresoren kein Gold mehr vorhanden ist. Die Manipulatoren werden dann die Kontrolle über den Markt verloren haben und die Gold- und Silberpreise werden auf “No Offer“ gehen. Dies bedeutet, dass Gold zu keinem Preis angeboten werden wird, weil es keins zu verkaufen gibt.

Die Short-Seller, hauptsächlich Bullionbanken und Futureshändler, werden ausfallen, weil sie ihre Verträge nicht mehr erfüllen können und die Käufer werden kein Gold bekommen. Der Markt wird dann zu einem physischen Markt, in welchem der Preis von den Haltern physischen Goldes bestimmt wird.

Die wirtschaftliche Macht wird dann denselben Weg gehen, welchen auch das physische Gold in den vergangenen 10 bis 15 Jahren gegangen ist. Die Seidenstraßen-Länder wie China, Indien und Russland werden dann Schritt für Schritt mit ihrem Gold und ihren Währungen das Finanzsystem übernehmen.

Das Finanzsystem des mit Schulden überladenen Westens wird implodieren und dies wird den derzeitigen wirtschaftlichen und kulturellen Zyklus im Westen wahrscheinlich seinem Ende zuführen. Wie lange dies dauern wird, hängt von vielen Faktoren ab und ist schwer vorauszusagen. Von Mises drückte es sehr gut mit den Worten aus:

»Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion, oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.«

Wir sind bereits jenseits des Punktes, an welchem ein freiwilliger Verzicht möglich ist. Demnach scheint eine totale Katastrophe wahrscheinlicher. Mit der größten weltweiten Schuldenblase der Geschichte könnte es sehr schnell geschehen. Weltweite Schulden, Verbindlichkeiten und Derivate von über $ 2,5 Billiarden können sehr schnell implodieren. Wir müssen bedenken, dass das weltweite BIP nur $ 70 Billionen beträgt und die Gesamtschulden das 35-fache betragen.

Die wirtschaftliche Macht wird sich also schrittweise von den bankrotten westlichen Volkswirtschaften zu den Ländern verlagern, welche geduldig über lange Zeit große Mengen Gold gekauft haben. Ich sage nicht, dass die Seidenstraßen-Länder ohne Leid durch diesen Einbruch kommen werden. Die ganze Welt wird massiv betroffen sein, auch China, mit seinen massiven Schulden und seiner exportabhängigen Wirtschaft. Aber die Seidenstraßen-Länder werden als die dominante Kraft aus dem anfänglichen schweren Schock hervorgehen.

Zurück zum Goldpreis. Ich treffe mich regelmäßig mit unseren Partnern in den Goldmärkten, vornehmlich aus den Raffinerien und dem Tresorbereich. Es tut gut an die massive Menge an Arbeit und Fachwissen erinnert zu werden, mit welchem jede einzelne Unze Gold hergestellt und sicher gelagert wird. Vorher muss dieses Gold aber natürlich gewonnen werden, was bereits ein sehr arbeits- und kapitalintensiver Vorgang ist.

Die Goldgewinnung wurde bis 1970 von Südafrika dominiert, welches seinerzeit über ¾ allen Goldes, oder 1.000 Tonnen, produzierte. Heute produziert Südafrika nur noch 5 Prozent des weltweiten Goldes, oder 160 Tonnen. Der größte Goldproduzent ist jetzt China, mit 450 Tonnen.

Vor 40 bis 50 Jahren lag der durchschnittliche Goldanteil pro Tonne Erz bei bis zu 20 Gramm, heute sind es weniger als 5 Gramm. Dies hat, verbunden mit höheren Energiepreisen, die Kosten der Goldförderung dramatisch erhöht. Die Raffinerien bekommen von den Minen Doré-Barren, welche einen durchschnittlichen Goldanteil von irgendwo zwischen 10 und 70 Prozent enthalten. Der Rest ist hauptsächlich Silber.

Die schweizerischen Raffinerien produzieren 60 bis 70 Prozent der Goldbarren auf der Welt. Es gibt vier große Raffinerien in der Schweiz: Argor, Valcambi, PAMP und Metalor. Drei von diesen befinden sich in Ticino, was im italienischsprachigen Teil der Schweiz liegt. Der Hauptgrund für diesen Standort war die italienische Schmuckindustrie, welche lange Zeit die weltweite Schmuckherstellung dominierte.

Diese Zeiten sind vorbei, doch die Schweiz dominiert noch heute die Goldveredelung. Gold ist heute ein erheblicher Industriesektor in der Schweiz und stellt 29 Prozent der schweizerischen Exporte. Zusammen mit einer Anzahl großer Goldtresore und einem großen Goldhandel im Inland ist dies eine sehr wichtige Industrie. Deshalb ist es auch unwahrscheinlich, dass die Schweiz Gold jemals konfiszieren wird. Warum würden sie die Gans töten, welche solch wertvolle goldene Eier legt?

Die Goldveredelung ist eine Präzisionsindustrie. Es gibt null Toleranz für die Produktion eines 9999er Goldbarrens von exakt 1 Kilogramm Gewicht. Sobald das Gold raffiniert und die Barren gegossen und gestempelt sind, wird jeder Barren manuell gewogen und exakt so viel Gold abgenommen, dass der Barren einen kleinen Bruchteil mehr als ein Kilogramm wiegt. Um ihrer Reputation willen werden schweizerische Veredler stets leicht drüber liegen und alles, was auch nur einen Bruchteil zu leicht ist, wird offensichtlich abgelehnt und neu gegossen.

Wer schon einmal eine Goldraffinerie in der Schweiz besucht hat, wird die große Menge Arbeit und Präzision bei der Herstellung eines jeden einzelnen Barrens erkennen, ob er nun gegossen oder geprägt wird. Deshalb hat 9999er Gold aus der Schweiz auch den Ruf das beste der Welt zu sein.

Wie ich bereits erwähnte, ist der Goldpreis der Papierpreis, zu welchem Papiergold gehandelt wird; sagen wir $ 1.230. Abhängig vom Käufer und der Menge mag der Großhandelspreis für diesen Kilobarren $ 1 bis 2 über dem Papierpreis liegen. Dies ist eine lächerliche Preisdifferenz, wenn man sich die mit der Herstellung dieses Barrens verbundene Arbeit vor Augen führt.

In der Schweiz gibt es auch eine Reihe großer privater Goldtresore. Als eine der ältesten Demokratien der Welt, und zudem seit über 200 Jahren ohne Beteiligung an einem Krieg, ist die Schweiz eins der sichersten Länder überhaupt. Politisch ist die Schweiz vermutlich das beste Land der Welt und die einzig wahre Demokratie.

Dies macht die Schweiz ideal für die Lagerung von Gold und Silber. Es gibt eine Reihe sichere private Gold- und Silbertresore, darunter auch den größten und sichersten privaten Goldtresor der Welt. Es ist wichtig, sich für die besten Tresore zu entscheiden. Die wichtigsten Kriterien sind Menschen, Besitzer und Management. Dann kommt die physische und finanzielle Sicherheit.

Bedenkt man die überlegene Qualität der Veredelung und Lagerung von Gold in der Schweiz, ist es keine Überraschung, dass das Land in diesem Bereich eine derart hohe Reputation besitzt. Und an dem Tag, an dem der Goldpreis den wahren Wert von Gold widerspiegelt, kann die schweizerische Goldindustrie ihren Preis für Gold und Lagerung vorgeben. Es ist sicher, dass dieser Preis ein Vielfaches des heutigen Niveaus betragen wird.

***

>>> zum englischsprachigen Originalbeitrag

Übersetzung aus dem Englischen vom Nachtwächter

Quelle: http://n8waechter.info/2017/05/egon-von-greyerz-wann-im-goldmarkt-die-hoelle-losbrechen-wird/

Gruß an die Denkenden

TA KI

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3 Kommentare zu “Egon von Greyerz: Wann im Goldmarkt die Hölle losbrechen wird

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