Lieber Bild-Redakteur: Meinungsfreiheit nur für Bild&Co, für den Rest Knast und Pest?


 
Philipp Laiko
 

Während Human Rights Watch und diverse Journalistenverbände vor dem Hintergrund einer abermaligen Festnahme eines Journalisten in der Ukraine Alarm schlagen, sieht es Herr Julian Röpcke von der „Bild“-Redaktion eher gelassen: Das Ganze habe mit Pressefreiheit nun mal nichts zu tun. Rein gar nichts.

Nicht in dem Sinne „nichts zu tun“, als ob damit die Untergrabung einer Freiheit gemeint sein könnte, nein. Der Herr Röpcke, wohl gemütlich in einem Sessel (sicherlich aus Leder, mit dem typischen Knautsch-Geräusch) vor seinem Apple-Powerbook sitzend, meint was anderes: Meinungsfreiheit sei keine Option für Menschen, die bei RIA Novosti Ukraine arbeiten.

Nicht deswegen, weil diese Option diesen Menschen verwehrt wird, was nach mehreren Morden an Journalisten und Festnahmen in dem „pro-europäischen“ Land auf der Tagesordnung zu stehen scheint. Nein. Das hat der Herr Röpcke nicht gesagt.

„Twitter-Feldherr“ gegen „Informationskrieger des Kreml“

Der „Political editor“ der „Bild“ hat ein ganz anderes Bild. Der sich selbst als „Twitter-Feldherr des Tages“ (anno…) feiernde Medienvertreter steht auf militärische Vergleiche: RIA Novosti stelle keine Journalisten an, behauptet Röpcke. Es seien „Informationskrieger des Kreml“. Deshalb habe das Ganze rein „gar nichts“ mit Pressefreiheit zu tun.

Dies will man dem Herrn auch nicht übel nehmen, wenn man bedenkt, dass die „Bild“-Zeitung öfters so übel beschimpft wird, dass die besagte Wortwahl gegenüber Sputnik und RIA Novosti gar hochachtungsvoll erscheint. Man wird immerhin als ein ebenbürtiger Gegner erachtet, könnte man glatt denken.

Praesumptio boni viri

Das Problem liegt aber auch woanders. Röpcke zieht einen Vergleich heran, der die Freiheitsberaubung eines Medienmitarbeiters als eine Art Normalität darstellt. Das Gericht (sowieso korrumpiert) hat sein Machtwort nicht gesprochen, doch scheint die Unschuldsvermutung in der Ukraine seit Langem nicht mehr zu gelten. Offenbar legt auch Herr Röpcke kaum Wert auf solche altertümlichen Prinzipien.

Der Journalist bläst nämlich ins selbe Horn wie der ukrainische Inlandsgeheimdienst: Nach der Festnahme von Redaktionschef Kirill Wyschinski wurde das, was in Europa als freie Meinungsäußerung gilt und durch die Grundrechte sämtlicher europäischer Staaten gesichert ist, von der Pressesprecherin des ukrainischen SBU als „hybrider Informationskrieg“ gegen die Ukraine bezeichnet. Wyschinski drohen nun bis zu 15 Jahre Haft wegen „Landesverrat“ durch journalistische Tätigkeit. Eine Behauptung, die an Absurdität kaum zu übertreffen ist und dazu anregt, unwillkürlich Parallelen mit Repressionen zu Zeiten des Nazi- und des Stalin-Regimes zu ziehen. „Stellt den Verräter an die Wand!“, hört man das Echo aus der Geschichte schallen. „Moskaljaku na giljaku“ (dt.: die Muskoviten an die Galgen) echoen heute glattrasierte junge Ukrainer mit seltsamen Tattoos vor dem Büro von RIA Novosti Ukraine in Kiew, „Ukraina ponad use“ (dt.: Ukraine über alles).

Krieg ohne Sieg

Während Wyschinski in Untersuchungshaft sitzt und sich solche Parolen anhören muss, flaniert ein Herr Roman Zimbaljuk, ukrainischer Journalist, in der Moskauer Innenstadt und darf sich an dem früher als sonst begonnenen Frühling erfreuen. Zimbaljuk gehört zum Pressepool des Kreml und darf Präsident Putin aus seiner Sicht „unbequeme Fragen“ stellen. Persönlich, worauf er auch unglaublich stolz ist. Man stelle sich vor, an Stelle von Putin wäre ein Herr Poroschenko. Absurd und kaum denkbar.

Die Ukraine ist ja auch längst Teil Europas, ein freier und unabhängiger Staat, der aber gezwungen ist, sich gegen „Informationskrieger“ zu wehren. Stimmt’s, Herr Röpcke?

Man erinnere sich nur an die 50 „Antimaidan“-Aktivisten, die am 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus in Odessa ihren Tod fanden. Sie wurden von Mitgliedern des extremistischen „Rechten Sektors“ und der Fußball-„Ultras“ mit Molotow-Cocktails beworfen. Viele der Leichen wiesen Anzeichen davon auf, dass ihre Schädel mit stumpfen Gegenständen eingeschlagen wurden. Während die noch atmenden Menschen auf dem Boden lagen.

Es waren aber sicher nur „Informationskrieger“, wurde in den ukrainischen Medien zum Jahrestag dieser Tragödie nun behauptet. Vermutlich waren auch „russische Spione“ mit dabei, die Opfer des von ihnen selbst entfachten „hybriden Informationskriegs“ geworden sind.

Dieselben Worte fielen auch heute, einen Tag nach der Festnahme von Wyschinski. Dieselbe Wortwahl auch in einem Twitter-Kommentar von Julian Röpcke.

Ein extremer Vergleich, nicht wahr, Herr „Bild“-Redakteur? Propaganda? An den Haaren herbeigezogen? Nein, eine bittere Realität, die Sie nicht wahrhaben wollen. „Bild dir deine Meinung“, eben.

P.S.: Sputnik besitzt kein Monopolrecht auf Wahrheit und Objektivität. Mehr noch: Wir sind uns sicher, dass diejenige Wahrheit, die beide Gegenparteien annehmen, nur in einem Dialog gefunden werden kann, nicht in einem Krieg. Dafür will unsere Redaktion auch werben, indem sie eine andere Sichtweise zeigt. Ist das noch erlaubt, oder schon ein Infokrieg?

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Quelle

Gruß an die Meinung

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TA KI

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10 Kommentare zu “Lieber Bild-Redakteur: Meinungsfreiheit nur für Bild&Co, für den Rest Knast und Pest?

  1. Was ist los? Die BILD sollte lieber ordentlich berichten. Was ist los, Arbeitsverweigerung?? Gut über Israel schreiben ist schließlich ihre Aufgabe!

    Wenn das israelische Verteidigungsministerium was bekanntgibt, muß das umgehend berichtet werden!

    Israel hat heute Donnerstag in Nordgaza bombardiert!!
    Dringende Selbstverteidigung!
    Man hat ein Existenzrecht!

    Das deutsche Volk muss informiert werden!
    https://de.sputniknews.com/panorama/20180517320746886-israel-hamas-luftwaffe-angriffe-gazastreifen/

    Außerdem ist es KEINE Kunstfreiheit, sondern antisemitisch, den Netanyahu in song contest Showklamotten mit einem Sechsstern auf einer Rakete zu zeigen, sondern antisemitisch!

    Es ist hingegen PURE Kunstfreiheit und keinesfalls eine Mohammed- oder Muslimbeleidigung, wenn man eine nackten Mohammed zeichnet, der am Boden liegt, seinen Hintern kess hoch in die von hinten fillmende Kamera hält und ruft.
    „Liebst du meinen Ar.sch, liebst du meinen Ar.sch?“

    https://www.google.at/search?q=Mohammed+karikatur+charlie+hebdo&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=-nwVZNUCcntJYM%253A%252CmRZAV8eahxKYyM%252C_&usg=___ZlG7bum6AC2kXChpTwfNIhfW_E%3D&sa=X&ved=0ahUKEwi4gvDX3YzbAhUKsKQKHVeJAQIQ9QEIMDAA#imgrc=dblP5d1_ulBccM:
    Und das „EIN-Auge“ filmt ihn.
    Alles klar?

    • Ich finde, ich habe mich viel zu wenig bemüht, den UNTERSCHIEDEN in dieser Sache gerecht zu werden:

      Ich will daher exakter sein, damit man den Unterschied, warum das eine grundfalsch und verboten das andere richtig und angemessen ist, auch wirklich gut erkennt und tief verinnerlicht.
      Selbst ein Anne Frank Institut ist nicht gründlich genug in der Aufbereitung dieses wichtigen Themas:.

      Bei der Mohamedkarikatur steht auf französisch hinten oben:
      „der FILM, der die muslimische Welt in Flammern setzt“

      und der Mohammed am Boden ruft exakt die Worte
      „UND MEIN ARSCH, liebst du meinen ARSCH?“

      Der Mohammed meint damit wohl, der EINäugige, (der NICHT auf einer Pyramide sitzt), würde seinen, also des Mohammed (gierigen) Arsch beim Filmen übersehen haben und will ihn darauf aufmerksam machen.

      Das zur Klarstellung, warum DAS natürlich KUNST sein muß.

      Und beim Gaza-Artikel muss ergänzt werden, daß der BOMBEReinsatz auf Gaza deshalb dringend erforderlich wurde, weil von dort ein „BESCHUSS MIT GROSSKALIBRIGEN MASCHINENGEWEHREN “ stattfand.
      Leider wird nicht mitgeteilt, wohin von diesen perversen Gaza Großverbrechern geschossen wurde, aber es ist sicher: ein jeder Mensch der Erde ist felsenfest davon überzeugt, daß diese israelische REAKTION TOTAL ANGEMESSEN war!!!

      https://de.sputniknews.com/bilder/20180515320720374-gaza-proteste-fotos/

      • https://www.tagesschau.de/inland/hanitzsch-karikatur-presserat-101.html
        nun gut, die süddeutsche war immer schon verhaltensauffällig pro NWO..

        aber trotzdem staunt man
        Süddeutsche Zeitung wirft den Zeichner raus???

        Der Mann hat 4 Fakten, die alle stimmen, simpel und unkreativ zusammen gemalt:
        Netanyahu schoß Raketen ab,
        der israeli Sechsstern Netanyahu schoß israelische, Sechsstern, Raketen ab
        Israel gewann den Song Contest
        Man trifft sich nächstes Jahr in Jerusalem wieder

        Das ist doch nicht ANTIsemitisch.
        Auch wenn die Klamotten extrem hässlich sind, und er nicht gut zeichnet, aber die Höchststrafe?

        Warum macht das die Süddeutsche?
        Wird sie bedroht, schikaniert, fordert wer von ihr Kniefall und Netanyahu ist TOLL- Liebesbezeugungen??
        oder denkt sie das selber?
        Letzteres wohl nicht, sonst hätte sie es von vornherein nicht gedruckt…

        https://www.stern.de/politik/ausland/israel–das-dessert-kam-im-schuh—diplomatischer-gau-bei-abe-besuch-in-jerusalem-7975586.html

        Der Netanyahu hat vor kurzem den Japaner ABE unglaublich beleidigt, indem er einen SCHUH auf den Tisch stellen ließ.
        Das war mE ein unglaublicher diplomatischer Affront.
        Der Netanyahu glaubt offensichtlich, er kann sich alles leisten.

  2. EU will direkten Zugriff auf Internet-Daten für Staatsanwälte
    EU-Kommission: Staatsanwälte sollen direkten Zugriff auf Daten von Internet-Providern innerhalb der EU erhalten
    http://www.mmnews.de/politik/59921-eu-will-direkten-zugriff-auf-internet-daten-fuer-staatsanwaelte

    ALs ob die Ermittlungsbehörden nicht schon genug Zugriff durch die Vorratsdatenspeicherung hätten. Unfassbar!

    Hier noch eine Hammermeldung
    TLS-Standardisierung: Behörden und Banken wollen Verschlüsselung aushöhlen

    Trotz klaren Widerstands vieler Entwickler
    Banken und Behörden fordern einen Zugang zu verschlüsselten Verbindungen – angeblich der Fehlersuche wegen.
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/TLS-Standardisierung-Behoerden-und-Banken-wollen-Verschluesselung-aushoehlen-3999118.html

    Warum nicht gleich alle Informationen sofort an die FBI/CIA aus den VSA teilen?
    Oh aber ich hatte ja ganz vergessen, dass in den Vereinigten Staaten viele Staatsanwälte und Beamte der Ermittlungsbehörden an paranoidem Verfolgungswahn und schizophrenen Wahnvorstellungen leiden….Die sehen überall nur Terroristen und Straftäter. Deshalb kommt es nicht gerade selten vor, daß dort unschuldige für 30 Jahre im Knast landen.
    Aber so etwas darf man ja nicht laut sagen, denn psychisch kranke können in den Augen von Ermittlungsbehörden nur die ungebildeten Zivilisten und normale Passanten sein.

    • Die EU ist auch nur eine Art Gesangsverein, eine private Organisation, die sich selbst legitimiert hat.

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