Freiheit gibt es nicht geschenkt


Richard-Wagner-600x300Wir definieren Freiheit meist politisch. Dabei ist sie das Ziel unseres Daseins, indem wir den Egoismus überwinden und als selbstbestimmte, freie Menschen Gott gegenüberstehen.

„Denn selbst muss der Freie sich schaffen;
Knechte erknet` ich mir nur!“
                                                                                                                    (Wotan in: „Die Walküre“)

Ein Mensch, der nicht merkt, dass er ein gut genährter Sklave ist, wird nicht nach Freiheit streben. Sein Ich, das nur sich selbst bestimmend in Erscheinung treten kann, ist im äußeren Wohlbehagen eines empfangenden Konsumenten erstickt. Er lässt sich als Kreatur, als Objekt behandeln. Fühlt er sich darin auch noch glücklich, wird er gar zum erbittertsten Feind der Freiheit, die seine dumpfe Ruhe gefährden könnte. Er versäumt, ja verrät sein eigentliches Menschsein, seine innere Würde.

Vieles in der Gegenwart wird daraus verständlich. Die Entwicklung der Freiheit und ihre gesellschaftliche Realisierung setzen daher das Erfassen und die Erkenntnis des inneren Wesens des Menschen voraus, auf das jeder mit dem Wörtchen „Ich“ hindeutet. Wo kommt es her, und was ist seine Bestimmung?

Der innere Mensch hat sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Innere Entwicklung, die sich im äußeren kulturellen Geschehen ausdrückt, ist der Schlüssel zum Geschichtsverständnis. Die heute herrschende Form der äußeren Geschichtserzählung ist noch nicht sehr alt. Ihr ging in allen Völkern das Erzählen volks- und menschheitsgeschichtlicher Vorgänge in mythischen Bildern voraus, die einer Zeit entstammen, in der das Bewusstsein der Menschen nicht auf die äußere sinnliche Welt beschränkt war, sondern im Natur- und Menschenleben noch das Wirken höherer göttlicher Wesen wahrnahm. Diese höhere Erkenntnis wurde schließlich noch in den alten Mysterienstätten der Völker geschult und gepflegt. Und aus ihnen sind die mythischen Götter- und Heldensagen unter das Volk gebracht worden.

„Die Mythologie eines Volkes ist die exoterische Darstellung dessen, was in den Mysterienstätten an esoterischer Weltendramatik erlebt wurde“, war Richard Wagner überzeugt.[1]

Richard Wagners in Musik gehobene Entwicklungs-Dramatik

Wagner wusste, dass in den Mysterien diese Vorgänge auch in dramatische Handlungen, in heilige „Mysteriendramen“ umgesetzt wurden. In Griechenland traten diese noch mit einem Nachklang dieses Charakters in den Dramen von Aischylos und Sophokles in die Öffentlichkeit, woraus sich das heutige weltliche Drama entwickelt hat. Wagner erkannte, dass auch die Sagen der germanischen Mythologie tiefste geistige Entwicklungsvorgänge der Menschheit schildern, die in einzelnen mythischen Helden exemplarisch dargestellt werden. Sie in gleichsam musikalische „Mysteriendramen“ zu formen, die er daher nicht profan Opern, sondern „Bühnenfestspiele“ nannte, war sein tiefstes Anliegen.

Er konzentrierte in einer Neudichtung sprachlich und musikalisch die wesentlichen mythologisch-geistigen Ereignisse in dramatische Handlungsabläufe. Diese müssen natürlich mit sinnlichen Mitteln und Personen dargestellt werden; sie aber deshalb als platte psychologische oder symbolisch-politische Handlungsabläufe zu deuten, ist das große Missverständnis, dem die meisten Regisseure der Werke Richard Wagners in den heutigen Opernhäusern unterliegen und damit deren eigentlichen Sinngehalt mit oft absurden Ideologien zustellen.

Alles Wirken der Götter und widerstrebenden Mächte, das in der Mythologie geschildert wird, dreht sich um die Bildung und Entwicklung des Menschen zu einem freien Wesen. Aus der Substanz der Götter ist der Mensch hervorgegangen. Er ist ein Sohn der Götter, die ihre Kräfte hergaben und – eine deutliche Parallele zur biblischen Schöpfungsgeschichte – den Menschen sich ähnlich machten.

Der Ring der Persönlichkeit

Aber um selbständig zu werden, musste der Mensch in einen Prozess geführt werden, durch den ersich sukzessive von der heimatlichen göttlichen Welt absonderte. Dies geschah mit Hilfe des Zwerges Alberich und seines unterirdischen Nibelungengeschlechts, die selbst schon einen gewissen vormenschlichen Abschnürungs- und Verdichtungsprozess durchgemacht hatten, der aber mit einer gewissen Eigensucht verbunden war. Alberich, der lieblose Eigensüchtige, schmiedete aus dem Rheingold der Urweltweisheit einen Ring, durch den ihm „maßlose Macht“ und „der Welt Erbe“ verhießen ward: „das in sich selbst rundende, von der Umwelt sich abschließende Wesen der Egoität.“ (Oberkogler S. 67) Dies wurde von den Göttern benötigt, die Alberich den Ring abnahmen, wie es in dem Vorabendspiel „Das Rheingold“ zum dreiteiligen Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ geschildert wird. Der Ring der Egoität musste sich um den Menschen legen, ihn von der Umwelt abgrenzen, damit aber im Inneren der Persönlichkeit ein eigenes Bewusstsein aufleuchten konnte für das Unbegrenzte.

Alberich spricht in seinem Zorn einen Fluch über den Ring aus, der aber nichts anderes ist als die Prophezeiung der Folgen, die notwendig aus dem Egoismus hervorgehen werden: Machtgier, Furcht, Neid, Hass, Elend und Tod:

 „Wer ihn besitzt,
den sehre die Sorge,
und wer ihn nicht hat,
den nage der Neid!
Jeder giere
nach seinem Gut,
doch keiner genieße
mit Nutzen sein.
…Dem Tode verfallen,
fessle den Feigen die Furcht;
solang er lebt,
sterb` er lechzend dahin,
des Ringes Herr
als des Ringes Knecht. …“

Wotan (Odhin), der führende der Asen-Götter, verliert auch bald den Ring im Streit an die beiden Riesen Fafner und Fasold, die ihm Walhall bauen. Und auch diese zerstreiten sich. Fafner tötet Fasold und reißt den Ring nebst weiteren Schätzen an sich. Er verwandelt sich in einen furchtbaren Drachen, der sich in einer Höhle auf den Nibelungenschatz legt, um ihn gegen jedermann zu verteidigen.

Mit dem Abstieg in die irdische Persönlichkeit hat der Egoismus Einzug in den Schöpfungsprozess der Menschheit gehalten, kann aber sein ganzes zerstörerisches Potential noch nicht voll entfalten, solange die Menschen noch in göttlich inspirierten Blutsgemeinschaften gehalten und geführt werden, um ihr inneres Wesen allmählich zu stärken und auf die volle Selbständigkeit vorzubereiten. Einen deutlichen Einschlag zur weiteren Individualisierung beschreibt Richard Wagner in „Die Walküre“, dem ersten Hauptteil vom „Ring des Nibelungen“.

Der Noch-Nicht-Freie

Wotan zeugt als Wälse mit einer Menschenfrau Siegmund, den er zur kraftvollen Individualität heranerziehen will, damit er das Gruppenbewusstsein der Blutsbande überwinde. Schließlich verlässt Wotan ihn, auf dass er frei umherstreifend ganz auf sich allein gestellt sei. Gegen die Übermacht einer Sippe verliert Siegmund Waffen und Wehr und flüchtet im Dunkeln in ein Haus, das aber Hunding, einem seiner Feinde gehört, der des heiligen Gastrechts wegen dem Waffenlosen erst für den Morgen den Kampf ansagt. Da erinnert sich Siegmund, dass ihm sein Vater einst für die Not eine sichere Waffe verhieß. Hundings Frau, die sich als Siegmunds verschollene und verschacherte Zwillingsschwester Sieglinde entpuppt, zeigt ihm ein Schwert, das einst Wotan vor den versammelten Männern bis zum Heft in den Stamm einer Esche stieß: dem Stärksten allein sei es bestimmt. Doch niemand habe es herausziehen können. Siegmund zieht das Schwert mit einem gewaltigen Ruck aus dem Stamm und nennt es „Nothung“.

Der Vorgang ist von tiefer sinnbildlicher Bedeutung. Das Schwert ist in Sagen und Märchen immer Bild für die geistigen Fähigkeiten der Trennung und Unterscheidung, sowie der Entschlossenheit, des Mutes und der Initiative. In der modernen Rechtsprechung ist das Schwert daher Sinnbild objektiven Urteilens, Richtens und Entscheidens. So steht das Schwert für Bewusstsein und Kraft des menschlichen Ichs. Das Ziehen des Schwertes aus dem Stamm des Baumes versinnbildlicht so die Herauslösung des Ich-Bewusstseins aus dem Stammbaum des Blutes, der Blutsgemeinschaft (vgl Oberkogler S. 119). Wotan will Siegmund veranlassen, sein Denken und Handeln nicht mehr aus den Gesetzen der Sippe, sondern aus dem eigenen Ich zu bestimmen.

Die Geschwister verbinden sich in tiefer Liebe miteinander. Auf den Hintergrund dieser seltsamen, von Wotan herbeigeführten Geschwisterliebe einzugehen, würde hier zu weit führen. Noch in der Nacht fliehen sie gemeinsam aus dem Hause Hundings. Wotans Gattin Fricka, die Hüterin von Sitte und Gesetz, stellt in der Zwischenzeit Wotan wegen dieses Ehebruchs, der zudem noch mit einer Blutschande verbunden ist, heftig zur Rede. Wotan hält ihr die Notwendigkeit entgegen, den freien Menschen zu schaffen, das nicht ohne Brechung des Alten möglich sei:

„Not tut ein Held, der, ledig göttlichen Schutzes, sich löse vom Göttergesetz.“

Doch Fricka hält ihm vor, dass Siegmund gar nicht frei sei. Er tue nur, was Wotan an Kraft und Mut in ihn hineingelegt habe:

In ihm treff ich nur dich, denn durch dich trotzt er allein.“

Auch das Schwert, die Ich-Kraft, stamme von ihm, und die Not, die Siegmund zwang, sich seiner zu bemächtigen, habe er, Wotan, mit List herbeigeführt. Siegmund spricht in der Folge auch nie von seinem Schwert, er benutzt es als helfende Gabe des Vaters. Siegmund ist trotz aller Not nie „ledig des göttlichen Schutzes“, er hat sich noch nicht „gelöst vom Göttergesetz`“.

Wotan muss sich eingestehen: Siegmund ist noch nicht der Freie, den er sich ersehnte. Anlage und Keim des Ich kann er ihm verleihen, aber sich damit identifizieren, es im Inneren als er selbst kraftvoll erwecken und zum Bewusstsein bringen, kann nur der Mensch selbst. Doch wie soll aus einer Welt, in der alles Wesensoffenbarung und Werk der Gottheit ist, der Freie entstehen, der die Gottsubstanz zwar in sich trägt, aber nicht durch sie bestimmt wird? Wie soll er ein Sich-selbst-Bewegender sein, außerhalb des göttlichen Willens stehen, und doch diesen Willen aus Einsicht in die Weltenweisheit als den eigenen vollziehen? (Vgl. Oberkogler S. 141) In einem ergreifenden Monolog geht Wotan mit sich zu Rate und fragt sich schließlich:

Wie schüf` ich den Freien,
den nie ich schirmte,
der in eigenem Trotze
der trauteste mir?
Wie macht` ich den andren,
der nicht mehr ich,
und aus sich wirkte,
was ich nur will? – …
Zum Ekel find` ich
Ewig nur mich
In allem, was ich erwirke!
Das andre, das ich ersehne,
das andre erseh ich nie:
denn selbst muss der Freie sich schaffen;
Knechte erknet` ich mir nur!

Das höhere Selbst

Wotan beauftragt seine Lieblingstochter, die Walküre Brünnhilde, im bevorstehenden Kampf mit dem herannahenden Hunding Siegmunds Tod herbeizuführen und seine Seele in die Götterburg Walhall zu bringen. Nach dem germanischen Mythos hatten nur die tapferen Helden die Begegnung mit dem Todesengel, der sie nach Walhall leitete. Wer daheim auf dem Strohsack starb, musste zur Hel, in die Schatten der Unterwelt. Dies ist das Geschehen von außen betrachtet. Es besagte im Inneren, dass der Einzelne durch Tapferkeit, für die der Wert der Seele mehr bedeutet als Leib und Leben, die Unsterblichkeit erwarb, die ihm in der Gestalt der Walküre entgegenkam.

Er begegnete im Tode gleichsam seinem eigenen unsterblichen Wesen, seinem höheren Selbst, mit dem er sich vereinigte. Denn der Sündenfall, der auch in der germanischen Mythologie eine entscheidende Rolle spielt, hat den Menschen geteilt: in einen irdischen, Sünde, Krankheit und Tod unterliegenden Menschen, der nur ein wesenhaftes Abbild des in der göttlichen Welt verbliebenen höheren Wesensteiles ist, zu dem er nach dem Tode zurückkehrt.

In Brünnhilde herrscht ein großer Zwiespalt. Sie hat sich im Zuge der Evolution bereits von der unbedingten Hingabe an Wotans Willen zu lösen begonnen:

„Den du zu lieben stets mich gelehrt, … – gegen ihn zwingt mich nimmer dein zwiespältig Wort.

Hin und her gerissen folgt sie indessen bangen Herzens Wotans Befehl:

„Weh, mein Wälsung! Im höchsten Leid muss dich treulos die Treue verlassen.“

Sie verkündet Siegmund den Tod. Verzweifelt darüber, dass Sieglinde weiterleben und er so von ihr getrennt werden soll, sagt sich Siegmund von Wotan los. Dann will er lieber zur Hel als nach Walhall. Als er schließlich die schlafende Sieglinde und sich selbst töten will, verspricht ihm Brünnhilde tief ergriffen und voller Mitgefühl den Sieg über Hunding.

Damit hat sie sich vom unbedingten, fraglosen Gehorsam zur göttlichen Vaterwelt gelöst und mit dem Schicksal des Erdenmenschen verbunden. Der göttliche Wesenskern des Menschen hat sich aus dem bis dahin fraglosen Eingebettet-Sein in die göttliche Welt als ein Selbst zu verselbständigen begonnen – eine Voraussetzung dafür, dass der Erdenmensch sein höheres Selbst als sein Ich finden und in seiner Seele ein Bewusstsein von ihm entwickeln kann, um sich immer stärker damit zu durchdringen.

Wotan, dem das Ganze nicht verborgen geblieben ist, kann den Ungehorsam Brünnhildes nicht zulassen. Als Brünnhilde in einem blendenden Lichtschein Siegmund mit dem Schilde deckt und dieser zum tödlichen Streich gegen Hunding ausholt, erscheint Wotan und hält dem Schlag Siegmunds seinen Speer entgegen, an dem dessen Schwert in Stücke zerspringt. Dem jetzt Unbewaffneten stößt Hunding seinen Speer in die Brust. Wotan schaut schmerzlich auf Siegmunds Leiche, und von seiner verächtlichen Handbewegung gegen Hunding sinkt dieser tot zu Boden. Brünnhilde hat rasch die Schwertstücke und die ohnmächtig hingesunkene Sieglinde auf ihr Ross gehoben und flieht mit ihr vor dem sie wütend verfolgenden Wotan.

Wotan stellt Brünnhilde und schließt sie von Walhall aus. Er bannt sie auf einen Berg, wo er sie in einen tiefen Schlaf versetzt, aus dem sie nur der auf der Erde lebende Mann erwecken wird, der die flammende Waberlohe, die sie umgibt und schützt, durchdringen kann. Es ist im Grunde keine Strafe, sondern die Konsequenz des eingeleiteten evolutionären Prozesses. Brünnhilde handelt letztlich doch im Willen Wotans:

„Durch meinen Willen warst du allein: Gegen mich doch hast du gewollt; meine Befehle nur führtest du aus.“

Es geht um die Abnabelung des höheren Selbst des Menschen aus dem Schoß der Götter zu einer eigenen Entwicklung, die zu einer stärkeren Verbindung mit dem Erdenmenschen nötig wird. Doch nur der kann von unten zu ihr vordringen, der die Waberlohe, das Feuer der Begierden und Leidenschaften, die aus dem Egoismus aufsteigen, überwinden und das Göttliche in sich erwecken kann.

Siegfried, der freie Held

Sieglinde, die von Brünnhilde in einem Walde versteckt wurde, trägt aus der Verbindung mit Siegmund ein Kind unter dem Herzen. In der Höhle des Zwerges Mime, der die Hilfsbedürftige fand, bringt sie Siegfried zur Welt. Sieglinde stirbt bei der Geburt, so dass der Schmied Mime sich des Knaben annimmt und ihn aufzieht. Mime ist der verfeindete Bruder Alberichs und giert auch nach dem Ring, den der Drache Fafner hütet. Er will Siegfried dazu bringen, den Drachen zu töten und ihm den Ring zu gewinnen. Doch die einzige Waffe, die dazu taugte, wäre das Schwert, das Siegmund von Wotan erhalten hatte. Mime weiß nicht, wie die Teile wieder zusammenzuschmieden wären. Von Wotan, der bei ihm auftaucht, erfährt er:

„Nur wer das Fürchten nie erfuhr, schmiedet Nothung neu.“

Der Furchtlose ist Siegfried. Mime hat schon immer gestaunt, dass Siegfried keinerlei Angst und Furcht hat. In kindlicher Reinheit weiß er nichts von der Trennung der Welt in Gut und Böse. Nur wer die Furcht nicht kennt, kann das Ich-Schwert schmieden, sich selbst in höchster Stärke entfalten.

Siegfried zerfeilt die Teile Nothungs in lauter Eisenspäne, schmilzt sie ein und schmiedet selbst daraus das Schwert vollkommen neu. – Ein grandioses Bild: Das Ich des Menschen, substanziell göttlichen Ursprungs, ergreift sich, abgesondert von der göttlichen Welt, und bildet sich von innen her selbst. Es kann so die Unabhängigkeit von den Göttern erlangen und ihnen als ein Sich-selbst-Bestimmender, Freier gegenübertreten. Siegfried erfüllt die Sehnsucht Wotans. Er ist nicht mehr der von ihm „geknetete Knecht“, sondern die realisierte Hoffnung:

„Nur selbst kann der Freie sich schaffen.“

Siegfried tötet den Drachen, die furchtbare mystische Gestalt des Egoismus selbst, nicht als bloße konventionell verpackte Eigenschaft in der Seele des Menschen, sondern, losgelöst von jeglichem beschränkenden Zusammenhang, als nach außen projizierte wesenhafte Gestalt der „Macht an sich“, die ihren letzten Sinn in der hasserfüllten Vernichtung alles dessen findet, was außerhalb ihrer steht. Durch diesen Sieg kann ihm die verderbliche Kraft des Ringes, den er sich selbst unwissend ansteckt, nichts anhaben. Sie bewirkt bei ihm das Zu-sich-selbst-Finden, die innere Geschlossenheit seiner Persönlichkeit, die aber den Fluch, die Schattenseite der Egoität, nicht kennt. Dadurch ist Siegfried vorbereitet, zu Brünnhilde, seinem höheren Selbst, das nur auf innerem Wege im Geiste erreicht werden kann, durchzudringen und sich mit ihm zu vereinigen.

Ihre höhere Einheit spricht Brünnhilde mit den Worten aus:

„Du selbst bin ich, wenn du mich Selige liebst. Was du nicht weißt, weiß ich für dich; doch wissend bin ich nur – weil ich dich liebe. … Dein war ich von je! Dein werd ich ewig sein!“

Was Siegfried eins werden lässt mit seinem höheren Wesensteil und ihm dessen Welten-Wissen verleiht, quillt aus der Kraft der Liebe.

„Ihre höchste Liebes-Intensität muss die Menschenseele aufrufen, will sie sich mit dieser Sonnensphäre verbinden. Und höchste Liebeskraft ist es auch, die ihr dort zum Erlebnis wird.“(Oberkogler S. 256)

Die Tragik des Helden

Doch so lange der Mensch in einem irdischen Leib lebt, kann er nicht dauerhaft in der Sphäre seines höheren Ich bleiben. Er muss wieder zurück. Brünnhilde gibt ihm ihr Ross, uraltes Symbol hoher Weisheitskräfte. Siegfried schenkt ihr den eroberten Ring, wodurch er ihr überirdisches Sein mit der Endlichkeit seines irdischen Menschenwesens verbindet. Es wird alles darauf ankommen, ob Siegfried im Erdenleben die Erinnerung an sein höheres Wesen mit dessen Weisheit bewahren und es immer wieder in sich zur Geburt bringen kann.

Aber Hagen, der Sohn des Nibelungen Alberich, sorgt dafür, dass Siegfried ein Trank gereicht wird, der ihn Brünhild vergessen lässt. Sein Bewusstsein wird durch den Einfluss böser Mächte auf das rein irdische Geschehen reduziert. Es ist auch dem größten vorchristlichen Menschen nicht möglich, dem Einfluss des Bösen zu entgehen, das schließlich durch die Hand Hagens seinen Untergang herbeiführt. Das Böse zu überwinden, das ist Richard Wagners Überzeugung, wird erst dem Menschen möglich, der sich aus der Aktivität seines Ichs heraus mit den Christuskräften vollkommen durchdringt. Ihn stellt er in seinem letzten Werk, dem Parsifal, dar.

Parsifal ist der verchristlichte Siegfried, der nach seinen Wegen durch die Taten und Leiden des Erdentales die Verhärtungen des Egoismus überwunden hat und ein „aus Mitleid und Liebe Wissender“ geworden ist, der dem Mensch gewordenen Gott als freier Mensch gegenübersteht. Christus hat es selbst prophetisch ausgesprochen:

„Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, das habe ich euch zu erkennen gegeben“ (Joh. 15,15).

Die Besinnung auf diese tiefen Fragen des Menschseins ist – anders als vielleicht mancher glauben mag – von großer Bedeutung für das alltägliche Leben. Wer sich nicht als ein Knecht Gottes empfindet, wird es im staatlichen und wirtschaftlichen Leben erst recht nicht hinnehmen, ein Knecht anderer Menschen zu sein. Er wird Gemeinschaftsformen freier Menschen anstreben, jenseits von zerstörerischem Egoismus, von Macht und Anarchie. Sie sind keine Utopie, sondern als Entwicklungsziele im Menschen tief begründet.

Quelle: http://www.geolitico.de/2016/05/14/freiheit-gibt-es-nicht-geschenkt/

Gruß an die freien Menschen

TA KI

Odins Runenlied


In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden. Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er als Belohnung die Einweihung in die Runenmagie. Er empfing achtzehn mächtige Zauberlieder, von denen jedes einer Rune entsprechen könnte. Die Namen oder Formen der Runen werden in dem Lied nicht erwähnt, aber wenn man die Bedeutung der Runen kennt, erkennt man sie im Runenlied (altnordisch: Rúnatal) wieder.

Auf der linken Seite wird hier das altnordische Original wiedergegeben, auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung.

erdenbaum
Veit eg, að eg hékk
vindga meiði á
nætur allar níu,
geiri undaður
og gefinn Óðni,
sjálfur sjálfum mér,
á Þeim meiði,
er manngi veit,
hvers hann af rótum renn.

Við hleifi mig seldu
né við hornigi,
nýsta eg niður,
nam eg upp rúnar,
æpandi nam,
féll eg aftur Þaðan.

Fimbulljóð níu
nam eg af inum frægja syni
BölÞórs Bestlu föður,
og eg drykk of gat
ins dýra mjaðar,
ausinn Óðreri.

Þá nam eg frævast
og fróður vera
og vaxa og vel hafast.
Orð mér af orði
orðs leitaði,
verk mér af verki
verks leitaði.

Rúnar munt Þú finna
og ráðna stafi,
mjög stóra stafi,
mjög stinna stafi,
er fáði fimbulÞulur
og gerðu ginnregin
og reist Hroftur rögna,

Óðinn með ásum,
en fyr álfum Dáinn,
Dvalinn dvergum fyrir,
Ásviður jötnum fyrir,
eg reist sjálfur sumar.

Veistu hve rísta skal?
Veistu hve ráða skal?
Veistu hve fáa skal?
Veistu hve freista skal?
Veistu hve biðja skal?
Veistu hve blóta skal?
Veistu hve senda skal?
Veistu hve sóa skal?

Betra er óbeðið
en sé ofblótið,
ey sér til gildis gjöf.
Betra er ósent
en sé ofsóið.
Svo Þundur um reist
fyr Þjóða rök,
Þar hann upp um reis
er hann aftur of kom.

Ljóð eg Þau kann
er kannat Þjóðans kona
og mannskis mögur.
Hjálp heitir eitt
en Það Þér hjálpa mun
við sökum og sorgum
og sútum gervöllum.

Það kann eg annað
er Þurfu ýta synir
Þeir er vilja læknar lifa.

Það kann eg Þriðja
ef mér verður Þörf mikil
hafts við mína heiftmögu.
Eggjar eg deyfi
minna andskota,
bítat Þeim vopn né velir.

Það kann eg ið fjórða
ef mér fyrðar bera
bönd að bóglimum.
Svo eg gel
að eg ganga má,
sprettur mér af fótum fjötur
en af höndum haft.

Það kann eg ið fimmta
ef eg sé af fári skotinn
flein í fólki vaða,
flýgura hann svo stinnt
að eg stöðvigak
ef eg hann sjónum of sék.

Það kann eg ið sjötta
ef mig særir Þegn
á rótum rásviðar,
og Þann hal
er mig heifta kveður,
Þann eta mein heldur en mig.

Það kann eg ið sjöunda
ef eg sé hávan loga
sal um sessmögum.
Brennurat svo breitt
að eg honum bjargigak,
Þann kann eg galdur að gala.

Það kann eg ið átta
er öllum er
nytsamligt að nema.
Hvar sem hatur vex
með hildings sonum,
Það má eg bæta brátt.

Það kann eg ið níunda
ef mig nauður um stendur
að bjarga fari mínu á floti.
Vind eg kyrri
vogi á
og svæfik allan sæ.

Það kann eg ið tíunda
ef eg sé túnriður
leika lofti á.
Eg svo vinnk
að Þeir villir fara
sinna heimhama,
sinna heimhuga.

Það kann eg ið ellefta
ef eg skal til orustu
leiða langvini.
Undir randir eg gel
en Þeir með ríki fara,
heilir hildar til,
heilir hildi frá,
koma Þeir heilir hvaðan.

Það kann eg ið tólfta
ef eg sé á tré uppi
váfa virgilná.
Svo eg ríst
og í rúnum fák
að sá gengur gumi
og mælir við mig.

Það kann eg ið Þrettánda
ef eg skal Þegn ungan
verpa vatni á.
Munat hann falla
Þótt hann í fólk komi,
hnígura sá halur fyr hjörum.

Það kann eg ið fjórtánda
ef eg skal fyrða liði
telja tíva fyrir.
Ása og álfa
eg kann allra skil,
fár kann ósnotur svo.

Það kann eg ið fimmtánda
er gól Þjóðrörir
dvergur fyr Dellings durum.
Afl gól hann ásum
en álfum frama,
hyggju Hroftatý.

Það kann eg ið sextánda
ef eg vil ins svinna mans
hafa geð allt og gaman.
Hugi eg hverfi
hvítarmri konu
og sný eg hennar öllum sefa.

Það kann eg ið sautjánda
að mig mun seint firrast
ið manunga man.
Ljóða Þessa
mun Þú Loddfáfnir
lengi vanur vera.
Þó sé Þér góð ef Þú getur,
nýt ef Þú nemur,
Þörf ef Þú Þiggur.

Það kann eg ið átjánda
er eg æva kennig
mey né manns konu,
allt er betra
er einn um kann,
Það fylgir ljóða lokum,
nema Þeirri einni
er mig armi ver
eða mín systir sé.

Nú eru Hávamál kveðin
Háva höllu í,
allÞörf ýta sonum,
óÞörf jötna sonum.
Heill sá er kvað,
heill sá er kann,
njóti sá er nam,
heilir Þeir er hlýddu.

Ich weiß, daß ich hing
am windigen Baum
neun lange Nächte,
vom Speer verwundet,
dem Odin geweiht,
mir selber ich selbst,
am Ast des Baumes,
von dem niemand weiß,
aus welcher Wurzel er wuchs.

Sie boten mir
nicht Brot noch Met,
da neigt‘ ich mich nieder,
auf Runen sinnend,
lernte sie seufzend,
endlich fiel ich zur Erde.

Hauptlieder neun
lernt‘ ich von dem weisen Sohn
Bölthorns, des Vaters Bestlas,
und ich trank einen Trunk
des teuern Mets
aus Odhrörir geschöpft.

Zu gedeihen begann ich
und begann zu denken,
wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort
verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk
verlieh mir das Werk.

Runen wirst du finden
und Ratestäbe,
sehr starke Stäbe,
sehr mächtige Stäbe,
Erzredner ersann sie
und Götter schufen sie
uns sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Odin den Asen,
den Alfen Dain,
Dwalin den Zwergen,
Alswid den Riesen,
einige ritzte ich selbst.

Weißt du wie man ritzen soll?
Weißt du wie man raten soll?
Weißt du wie man finden soll?
Weißt du wie man erforschen soll?
Weißt du wie man bitten soll?
Weißt du wie man opfern soll?
Weißt du wie man senden soll?
Weißt du wie man tilgen soll?

Besser nicht gebeten
als zu viel geboten,
die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nicht gesendet
als zu viel getilgt.
So ritzt es Thundr
zur Richtschnur den Völkern,
dann entwich er
dahin, wo er herkam.

Lieder kenn ich
die kann die Königin nicht
und keines Menschen Kind.
Hilfe verheißt mir das erste
denn helfen mag es
in Streiten und Zwisten
und in allen Sorgen.

Das kann ich als anderes
des alle bedürfen,
die heilkundig heißen.

Das kann ich als drittes
des ich bedarf
meine Feinde zu fesseln.
Die Spitze stumpf
ich dem Widersacher,
mich verwunden nicht Waffen noch Listen.

Das kann ich als viertes
wenn der Feind mir schlägt
in Bande die Bogen der Glieder.
Sobald ich es singe
so bin ich ledig,
von den Füßen fällt mir die Fessel
der Haft von den Händen.

Das kann ich als fünftes
wenn ich sehe einen Pfeil gefährdend fliegen
übers Heer daher,
wie hurtig er fliege
ich mag ihn hemmen
erschau ich ihn nur mit dem Sehen.

Das kann ich als sechstes
so wer mich versehrt
mit harter Wurzel des Holzes,
und den andern allein
der mir es antut,
verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.

Das kann ich als siebentes
wenn hoch der Saal steht
über den Leuten in Lohe.
Wie breit sie schon brenne
daß ich sie noch berge,
den Zauber weiß ich zu zaubern.

Das kann ich als achtes
das allen wäre
nützlich und nötig.
Wo Hader zu entbrennen scheint
mitten unter Helden
da vermag ich ihn schnell zu schlichten.

Das kann ich als neuntes
wenn Not mir ist
vor der Flut das Fahrzeug zu bergen.
Ich wende den Wind
von den Wogen ab
und beschwichtige rings alle See.

Das kann ich als zehntes
wenn ich sehe Zaunreiterinnen
durch die Lüfte lenken.
Ich wirke so
daß sie wirre zerstäuben,
zu Gespenstern werden
als Gespenster schwinden.

Das kann ich als elftes
wenn ich zum Angriff soll
die treuen Freunde führen.
In den Schild fing ich’s,
so zieh’n sie siegreich,
heil in den Kampf,
heil aus dem Kampf,
bleiben heil wohin sie ziehn.

Das kann ich als zwölftes
als ich sah am Zweige hängend
vom Strang erstickt ein Toter.
Wie ich ritze
das Runenzeichen
so kommt der Mann
und spricht mit mir.

Das kann ich als dreizehntes
soll ich ein Degenkind
in die Taufe tauchen.
So mag er nicht fallen
im Volksgefecht,
kein Schwert mag ihn versehren.

Das kann ich als vierzehntes
soll ich dem Volke
der Götter Namen nennen.
Asen und Alfen
kenn ich allzumal,
wenige sind so weise.

Das kann ich als fünfzehntes
das sang Volkrörir
der Zwerg vor Dellings Schwelle.
Den den Asen sang er Stärke
den Alfen Gedeihn,
hohe Weisheit dem Hroptatyr.

Das kann ich als sechzehntes
will ich schöner Maid
in Lieb und Lust mich freuen.
Den Willen ich wandel
der Weißarmigen
und daß sich mir ganz ihr Sinn gesellt.

Das kann ich als siebzehntes
daß schwerlich wieder
die holde Maid mich meidet.
Dieser Lieder
magst Du, Loddfafnir,
lange ledig bleiben.
Doch wohl Dir, weißt Du sie,
Heil dir, behältst Du sie,
selig, singst du sie.

Das kann ich als achtzehntes
das ich aber nicht singe
vor Maid noch Mannes Weibe,
als allein vor ihr
die mich umarmt,
oder sei es meiner Schwester,
besser ist was einer
nur weiß
so frommt das Lied mir lange.

Des Hohen Lied ist gesungen
in des Hohen Halle,
den Erdensöhnen not,
unnütz den Riesensöhnen.
Wohl dem, der es kennt,
wohl dem, der es kann,
lange lebt, der es erlernt,
Heil allen, die es hören.

.

Quelle: http://germanenherz.blogspot.de/2012/06/odins-runenlied.html

Gruß an die Geschichte

TA KI

Die germanische Mythologie


Die nordische Mythologie, so wie sie uns in der Edda (Sammlung germanischer Götter- und Heldenlieder) überliefert ist, entstand zum Großteil in den noch heidnischen skandinavischen Ländern, überwiegend auf Island. Es gibt allerdings auch einige Hinweise, auf christliche Einflüsse (z. B. Hel als höllenähnliche Unterwelt). Diese wurden zur Zeit der Niederschrift (um 1200 n. Chr.) von den bereits missionierten Dichtern eingestreut bzw. entstanden während der Zeit der Christianisierung.
Leider gingen durch den „Eifer christlicher Missionare“ so gut wie alle mündlichen Überlieferungen der südgermanischen Mythologie verloren. Im großen und ganzen kann man aber davon ausgehen, daß die verschiedensten germanischen Stämme mehr oder weniger identische Mythen ihr Eigen nannten. Gerade die germanischen Schöpfungsmythen dürften die ältesten Überlieferungen darstellen, weil das Szenario von der Entstehung der Welt stark an die Vorkommnisse während der letzten Eiszeit erinnern. Womöglich entstanden aus den Erinnerungen der Urahnen der germanischen Völker an diese schlimme Zeit die ersten Fragmente der heutigen germanischen Schöpfungsmythologie.

 

Die nordgermanische Schöpfungsmythologie

Über die Entstehung der Welten wird in der Völuspa der Älteren Edda und im Gylfaginning der Jüngeren Edda berichtet:

    Einst war das Alter, da Ymir lebte:
    Da war nicht Sand nicht See, nicht salz’ge Wellen,
    Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
    Gähnender Abgrund und Gras nirgend.

    Bis Börs Söhne den Boden erhoben,
    Sie, die das mächtige Midgard schufen.
    Die Sonne von Süden schien auf die Felsen
    Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.

    (aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung)

    Am Anfang gab es nur Ginnungagap (AN mit Kräften/Magie erfüllter Raum), das man sich als Schlucht des Nichts und der Windstille vorstellte.
    Im Süden von Ginunngagap entstand später Muspelheim (AN Reich des Muspel => Der Feuerriese Muspel (=Surtur) herrschte über diese Welt.), die Welt des Feuers und der Hitze.
    Nach Muspelheim entstand nördlich von Ginnungagap Niflheim (AN Nebelwelt), die Welt des Nebels und des Eises, wo Finsternis und Kälte herrschten.
    Im Zentrum von Niflheim befindet sich der Brunnen Hvergelmir (AN brodelnder Kessel). Aus dieser Quelle entsprangen 12 Flüsse, die alle zusammen Elivagar genannt werden. In der Urzeit überfluteten diese Wassermassen Niflheim bis sie zu Eis erstarrten. Dabei legte sich eine Eisschicht über die andere, bis sogar Ginnungagap erreicht wurde (Hinweise auf Eiszeit?!). Seitdem lagen im Norden von Ginnungagap große Eis- und Schneemassen, wo Stürme wüteten. Der südliche Teil von Ginnungagap wurde von den Feuerfunken, die von Muspelheim herüberflogen, erwärmt, wodurch das Eis im Norden zu schmelzen begann. Aus den Tropfen des geschmolzenen Reifs bildete sich der Urriese Ymir (AN Zwitter ?!) und die Urkuh Audhumbla (AN die Milchreiche) taute aus dem Eis auf. Ymir ernährte sich von Audhumla’s Milchströmen. Danach fiel er in einen tiefen Schlaf. Während Ymir schlief, entstand aus dem Schweiß seiner linken Achselhöhle ein männliches und ein weibliches Riesenwesen und durch das Aneinanderreiben seiner Füße entstand ein Sohn. Dieser, genannt Vafthrudnir, galt als Stammvater des Geschlechts der Hrimthursar (AN Frost- oder Reifriesen).

    Audhumbla schleckte das salzige Eis als Nahrung, weil es noch kein Gras zum Fressen gab. Durch das Lecken setzte sie den Urriesen und Stammvater der Götter Buri (AN Erzeuger, Vater) aus dem Eis frei. Buri zeugte aus sich selbst den Riesen Bör (AN Sohn, Geborener). Bör wiederrum zeugte mit der Riesin Bestla (AN Baumrinde) drei Söhne – Odin, Vili und Ve, die ersten göttlichen Asen. Bör und Bestla sind folglich Urvater und Urmutter der Götter. Bestla, Tochter des Hrimthursen Bölthorn, war aus dem Geschlecht der Reifriesen, das aus Ymir hervorging. Sie galt jedoch als besonders friedliebend, ganz im Gegensatz zu den sonst bösen, zerstörerischen Reifriesen.

    Die drei Brüder Odin, Vili und Ve erschlugen den Urriesen Ymir und in den Fluten seines Blutes ertranken alle Reifriesen bis auf Bergelmir und seine Gemahlin, die sich in einem Boot retten konnten (christl. Einfluß -> Arche Noah ?). Aus dem Riesenpaar ging später das neue Reifriesengeschlecht hervor.
    Die drei Brüder legten Ymir ins Zentrum von Ginnungagap und schufen aus seinem Körper die Welt: Aus seinem Blut machten sie das Weltmeer, aus seinem Körper die Erde, aus seinen Knochen die Berge, aus seinen Haaren die Bäume und aus den Zähnen und Knochensplittern Steine und Felsen. Aus den Maden in Ymir’s verrottendem Körper schufen sie die Zwerge. (Nach einer anderen Version wurden sie aus Brimirs Blut und Blains Gliedern geschaffen.) Aus seinem Schädel machten sie das Himmelsgewölbe mit Hörnern an den vier Ecken. Sie hoben ihn hoch und setzten je einen Zwerg unter jedes Horn, damit diese das Gewölbe halten konnten. Die vier Zwerge sind nach den vier Himmelsrichtungen benannt worden: Austri (Osten), Westri (Westen),  Nordri (Norden) und Sudri (Süden). Anschließend nahmen die drei Brüder Feuerfunken aus Muspelheim und hefteten sie als Gestirne an den Himmel – anderen wurde erlaubt, sich am Himmel frei zu bewegen.

    Um die Tag- und Nachtphase festzulegen erhielt der Gott Dag (AN Tag) und seine Mutter, die Jötun-Riesin Nótt (AN Nacht), jeweils einen mit Pferden bespannten Wagen von den Göttern. Mit diesen fahren sie im Abstand von einem Tag um die ganze Welt. Dadurch bestimmen sie den Beginn bzw. das Ende von Tag und Nacht.
    Der Riese Mundilföri wagte es, seine Tochter Sol1) (AN Sonne) und seinen Sohn Mani (AN Mond) mit den Göttern gleichzusetzen. Als Strafe wurden die beiden von Odin in den Himmel versetzt, wo seitdem Sol den Sonnenwagen und Mani den Mondwagen über das Himmelsgewölbe lenken, um die Erde zu erhellen. Die beiden Wagen schufen die Götter aus zwei größeren glühenden Brocken aus Muspelheim. Mani wird vom Wolf Hati (AN Verächter) verfolgt. Immer wenn er dem Mondwagen zu nahe kommt, entsteht eine Mondfinsternis. Analog dazu wird Sol vom Wolf Sköll (AN Spott) verfolgt, wobei sich die Sonne verdunkelt, wenn er ihrem Wagen zu nahe kommt.

    Die Erde war kreisrund und vom Meer umgeben. Das Land an den Küsten im Osten wird Jötunheim genannt und ist das Reich der Riesen. Zum Schutz vor den zerstörerischen Kräften der Thursen2) bauten die Götter einen Wall aus Ymirs Augenbrauen kreisrund um Midgard (AN Mittelerde). Midgard lag im Zentrum aller anderen Welten und sollte die Wohnstätte der Menschen werden. Nachdem dies alles geschaffen war, nahmen die drei Brüder Ymirs Gehirn und warfen es in den Himmel, woraufhin die Wolken entstanden sind.

    Die ersten Menschen Ask (AN Esche) und Embla (AN Ulme) wurden von Odin, Hönir (= Vili: AN Wille) und Lodur (AN der Lodernde = Ve) aus zwei Bäumen geschaffen, die vom Meer an den Strand geschwemmt wurden. Odin gab ihnen als Luftgott Atem, Leben und Geist. Hönir gab ihnen als Wassergott klaren Verstand und Gefühl. Lodur gab ihnen als Feuergott das warme Blut, das blühende Aussehen, die Sprache und das Gehör. Ask und Embla bewohnten Midgard und aus ihnen ging das ganze Menschengeschlecht hervor. Auffallend im Vergleich zu Mythologien anderer Kulturen ist an der nordischen Version, daß die Menschen aus bereits lebendigem Material (Bäume) geschaffen worden sind.

      Gingen da dreie aus der Versammlung
      Mächtige, milde Asen zumal,
      Fanden am Ufer unmächtig
      Ask und Embla und ohne Bestimmung.

      Besaßen nicht Seele und Sinn noch nicht,
      Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
      Seele gab Odin, Hönir gab Sinn,
      Blut gab Lodur und blühende Farbe.

      (aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung)

       

      Yggdrasill – die Weltesche

      Es heißt in der Edda, Yggdrasill sei „der erste der Bäume“ – über seine Entstehung steht jedoch nichts geschrieben. Yggdrasill steht im Zentrum von Midgard und verbindet alle 9 Welten. Die 9 Welten sind in der nordischen Kosmologie auf drei Ebenen verteilt vorzufinden. Hierbei handelt es sich nicht unbedingt um eine „geographische“ Aufteilung anhand der Beschreibungen in den Schöpfungsmythen, sondern vielmehr um eine Schematisierung der germanischen Vorstellung vom Zusammenspiel des Kosmos: (Die strenge Unterteilung in Himmel und Hölle ist wohl auf christliche Einflüße zurückzuführen. Ursprünglich befand sich z. B. Walhalla in der Unterwelt und die Götterburg Asgard wurde auf Midgard erbaut.)

      1. Ebene („Himmel“):
      Asgard: Sitz der Götter, Wohnort der Asen
      Vanaheim3): Wohnort der Wanen
      Ljossalfheim: Wohnort der (Licht-)Alfen4)2. Ebene („Erde“):
      Midgard: Welt der Menschen im Zentrum aller anderen Welten
      Jötunheim: Reich der Riesen (im Osten)
      Svartalfheim: Wohnort der Dunkel-Alfen, (Zwerge) – unterirdisch
      Muspelheim: Reich des Feuers bzw. der Feuerriesen (südl. Midgard)

      3. Ebene („Unterwelt“):
      Hel(heim): Reich der Totengöttin Hel (Tochter Lokis)
      Niflheim: Reich des Nebels, Eises

      Der Weltenbaum Yggdrasill

       

      Bei näherer Betrachtung stellt man fest, daß die Welten immer Gegensätze bilden, Muspelheim – Niflheim (Feuer – Eis), Asgard – Hel (Himmel – Hölle), Ljossalfheim – Svartalfheim (Hell – Dunkel) und Vanaheim – Jötunheim (Friede – Zerstörung) übrig bleibt einzigartig Midgard im Zentrum, wo die restlichen 8 Welten aufeinandertreffen. Folglich ist in Midgard quasi „alles möglich“.

      „Diese Esche ist der größte und beste von allen Bäumen: seine Zweige breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf über den breiten Himmel. Drei Wurzeln halten den Baum aufrecht, die sich weit ausdehnen: die eine zu den Asen, die andere zu den Hrimthursen, wo vormals Ginnungagap war; die dritte steht über Niflheim, und unter dieser Wurzel ist Hvergelmir, und Nidhöggr nagt vonunten auf an ihr. Bei der anderen Wurzel hingegen, welche sich zu den Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind. ….. Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum Himmel geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: da haben die Götter ihre Gerichtsstätte, …“

      (Ausschnitt aus dem Gylfaginning)

      Außerdem sitzen die drei Nornen / Schicksalsgöttinnen (AN Raunende) Urd (Vergangenheit), Verdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft) an Urds Brunnen. Dort bestimmen sie das Schicksal aller Lebewesen.
      Auf der Spitze des Baumes sitzt der Jötunn-Riese Hräswelgr in Gestalt eines Adlers. Wenn er mit seinen Flügel schlägt, entsteht der Wind.

        Hräswelg heißt, der an Himmels Ende sitzt
        In Adlerskleid ein Jote.
        Mit seinen Fittichen facht er den Wind
        Über alle Völker.

        (aus dem Gylfaginning)

        Das Eichhörchen Ratatöskr läuft ständig am Stamm des Yggdrasill entlang zwischen dem Adler und dem Drachen Nidhöggr (AN Neiddrache) hin und her. Es galt als Sinnbild der ewigen Streitigkeiten zwischen den Menschen, weil es immer Zwietracht zwischen den beiden sät, indem es jeweils dem einen erzählt, was der andere schlechtes über ihn erzählt hätte.

        Wenn der immergrüne Lebensbaum zu welken beginnt, ist dies die Ankündigung von Ragnarök (AN Weltuntergang). Unter den Menschen herrscht Grausamkeit und moralischer Verfall. Darauf folgt eine Eiszeit und die alles vernichtende Endschlacht, bei der alle Götter und Menschen sterben werden. Nach einer langen Zeit wird die Welt neu entstehen. Der Lichtgott Balder wird zurückkehren und alle Wesen werden in Frieden miteinander leben.

          Brüder befehden sich und fällen einander,
          Geschwisterte sieht man die Sippe brechen.

          Unerhörtes ereignet sich, großer Ehbruch.
          Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen,
          Windzeit, Wolfszeit, eh die Welt zerstürzt.
          Der eine achtet des andern nicht mehr.

          Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,
          Vom Himmel schwinden die heitern Sterne.
          Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,
          Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

          Da seh’ ich auftauchen zum andernmale
          Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.

          Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder.

          (aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung)

           

          Der erste Krieg

          Um an den Reichtum der Wanen zu gelangen, begannen die kriegerischen Asen den allerersten Krieg, der erst endete, als die beiden Göttergeschlechter ewigen Frieden schlossen, indem sie Geißeln austauschten.
          Wahrscheinlich wurde hier ein geschichtlich bedeutendes Ereignis im Mythos verarbeitet: Nach der Entmythologisierung stellt man fest, daß es sich bei den Asen im Grunde um kriegerische indogermanische Stämme und bei den Wanen um die bäuerliche  germanische Urbevölkerung handelt. Zwischen denen etwa 2000 v. Chr. ein realer Krieg herrschte. Auch damals wird der Friede durch Heirat zwischen Angehörigen der zuvor verfeindeten Stämme gesichert worden sein. Nach der Vermischung der germanischen Urbevölkerung mit den indogermanischen Stämmen überwog nach und nach die Verehrung der eher kriegerischen Götter der Indogermanen, eben der Asen als der friedlichen Wanen. Wahrscheinlich aus dem ganz einfachen Grund, weil sich die indogermanischen Religionsvorstellungen durchsetzten und die der Urbevölkerung mehr oder weniger in den Hintergrund drängten. So ist es z. B. auch auffallend, daß die Herkunft der Wanen in den altnordischen Quellen nicht näher beschrieben wird.
          Eine andere Theorie verweist jedoch auf den sozialen Konflikt zwischen den Herrschenden und dem einfachen Volk. Erst nach dem Friedensschluß zwischen diesen beiden Gruppen war ein Leben in einer geordneten Gesellschaft möglich geworden.
           Anmerkungen1) Die Verehrung einer Licht und Wärme spendenden Sonnengöttin als Personifikation der Sonne läßt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen.

          2) An dieser Stelle ist es vielleicht notwendig, anzumerken, daß man die „Riesen“ eigentlich in verschiedene Arten unterteilen kann:
          Die Jötunen, auch genannt Etins, stellen sich entweder auf die Seite der Götter oder wenden sich zusammen mit den Thursen gegen sie. Oft besitzen die Jötunen ein enormes Wissen und verfügen über Zauberkräfte. Die Körpergröße spielt bei den Jötunen keine entscheidende Rolle. Ein gutes Beispiel für einen Jötun wäre z. B. der bösartige, aber hochintelligente Gott Loki, Sohn des Riesen Farbauti. (Loki wird den Weltuntergang Ragnarök heraufbeschwören.)
          Zusätzlich gibt es noch das Geschlecht der Thursen, die man sich als riesengroß, zerstörerisch und allgemein als dumm vorstellte. Ihre Bosheit treibt sie zu Handlungen, die den Menschen und Göttern oft schaden. Zu den Thursen zählen die Eis-, Stein-, Wasser- und Feuerriesen: Verkörperung der Naturgewalten.

          3) Wahrscheinlich stellten sich die Germanen Vanaheim als Reich im Erdinneren vor, die Wanen sind ja auch Erdgottheiten. Hier ist Vanaheimr in die erste Ebene gesetzt, da es letzlich auch ein „himmlischer“ Wohnort von Göttern ist.

          4) Licht-Alben (= Alfen/Elfen) sind geisterhafte, schöne Lichtwesen mit großer Weisheit. Sie sind den Menschen gegenüber freundlich und hilfsbereit und stehen den Göttern nahe. Dunkel-Alben hingegen sind pechschwarz, leben unter der Erde und sind eher bösartig gesinnt. Die Dunkel-Alben werden oft auch mit den Zwergen in Verbindung gebracht. Eine weitere Vorstellung war, daß es sich bei Elfen um die Seelen der verstorbenen Ahnen handelt.

          AN: altnordische Übersetzung oder Bedeutung
            

          Stammbaum der nordischen Gottheiten
          Stammbaum der nordischen Gottheiten

           

           Literaturhinweise Die Edda, (Übersetzung v. Karl Simrock), Manfred Stange (Hrsg.), Bechtermünz VerlagEdda, (Übersetzung v. Felix Genzmer), Max Thalmann, Eugen Diederichs VerlagHerder Lexikon / Germanische und keltische Mythologie, Herder VerlagLexikon der germanischen Mythologie, Rudolf Simek, Kröner VerlagLexikon der Mythologie, Gerhard J. Bellinger, Bechtermünz VerlagRunenkunde, Edred Thorsson, Urania Verlag 

           NMYTH.DOC & STAMBAUM.DOC (Word7)    NMYTH.RTF & STAMBAUM.RTF.

          Quelle: http://ingheim.tripod.com/nmyth.htm

          Gruß an die Ahnen

          TA KI

           

           

          Die Bräuche um die Stille Zeit (Weihnachten – Jul)


          Kreuz der heiligen Brigitta von Irland

          Wie zu keiner anderen Jahreszeit, verändert Weihnachten die Stimmung und das Verhalten der Menschen. Heute jedoch, nicht unbedingt positiv. Dem Rausch des Konsums und der Alltagshektik erlegen, vergessen immer mehr, die wahre Bedeutung der Bräuche um die Weihnachtszeit. Eines gleich vorweg: Die ursprüngliche Bedeutung hat nichts mit dem Geburtstag eines ominösen Herrn Christus in Betlehem zutun, sondern geht zurück auf den archaischen Sonnenkult der Urvölker.

          Bereits Jahrhunderte vor der Ausbreitung des Christentums war das Weihnachtsfest in allen indogermanischen Regionen und auch anderorts verbreitet. Die Griechen feierten die Geburt des Lichtgottes „Soter“, die Phrygier nannten ihren Sonnengott „Artis“, die Sryrer „Thamuz“, und die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und Sonnengottes „Mithras“. Die Römer drückten mit ihrem „Sol invictus“, was „unbesiegter Sonnengott“ bedeutet, besonders eindruckvoll ihre Ehrerbietung für das Starke und Kräftige aus. Bei unseren direkten Vorfahren, den Germanen und Kelten war dieses Fest unter den Namen „Jul“ bzw. „Yule“ bekannt, wobei konkret hier in Mitteleuropa der Begriff „Wintersonnenwende“ gebräuchlich war.

          Für die Nordgermanen hatte die Wiederkehr des Lichts jedoch eine ganz andere eindringlichere Bedeutung als für uns Mitteleuropäer. Bereits mit Samhain, der Nacht der Toten beginnt zu Ende Oktober die Dunkle Zeit des Jahres. Bedingt durch das raue, harte Klima und die strengen Winter bedeutete das Ende des Winters nichts anderes als das Überleben der Menschen im hohen Norden zu sichern. Denn die Vorräte gingen langsam zu Ende und ohne Sonnenlicht, lag der Ackerbau und Viehzucht, also die Lebensgrundlage der Nordmänner brach. Der bekannteste römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete im ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende, dass die Germanen die Weihnachtszeit für ein großes Festmahl mit allerlei Spielen nutzen. Der griechische Geschichtsschreiber Prokop berichtete dazu, dass im 6.Jahrhundert die Nordleute zu dieser Zeit Boten auf die höchsten Berge schickten, um nach der wiederkehrenden Sonne Ausschau zu halten. Am 21.Dezember hat die Nacht den Höhepunkt des Jahres erreicht, denn ab jetzt nimmt das Sonnenlicht wieder zu. Die Wiederkehr der Sonne wurde dann mit Julfeuern und brennenden Räder gefeiert, von denen letztere ins Tal gerollt wurden.

          Das heidnische Jahr, dass sich an Mond und Sonne orientierte hat jeweils 4 Hoch– und 4 Jahresfeste, wobei zwei davon immer, im Abstand von ungefähr einem halben Jahr zusammengehören. So entspricht die Wintersonnenwende, die bedingt durch den Stand der Gestirne traditionell auf den 21.Dezember fällt, der Sommersonnenwende am 21.Juni. Auch ist hier schon in der heidnischem Monatsbezeichnung „Julmond“ für Dezember, die immense Bedeutung des Lichtfestes für den germanischen Menschen erkennbar.

          Der Begriff „Weihnachten“ weist in dieser From bereits auf seine Mehrzahl hin und besitzt Assoziationen zum altdeutschen Begriff „wjh“, was „heilig“ bedeutet. Daher erfolgte auch die Ableitung zur „Heiligen Nacht“. Weihnachten umfasst einen Zeitraum von genau 11 Tagen und 12 Nächten. Diese „Stille Zeit“ liegt zwischen dem alten Mondjahr und dem neuen Sonnenjahr. Erklären läßt sich das astronomisch folgendermaßen: ca. 365 mal dreht sich die Erde um ihre eigene Achse, während sie die Sonne umkreist. Auch der Mond dreht sich um sich selbst, jedoch rascher als unser Heimatplanet. So braucht der Mond exakt 29,5 Tage für seine Umkreisung der Erde. Nun ergibt sich rein rechnerisch ein Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Denn 12mal 29,5 Tage ergeben 354 Tage anstatt 365. Deshalb wird die Zeit zwischen 21.Dezember und 1.Januar weder zum alten noch zum neuen Jahr hinzugerechnet, sondern stellt eine Art Zwischenstadium da. In dieser „Toten Zeit“ soll die Arbeit ruhen, die Menschen sich besinnen und im Kreise der Familie und Sippe die Wiederkehr des Lichts feiern.

          Diese „Zwölften“ wurden auch die Rauhnächte genannt, in denen sich z.B. die Mythen und Märchen der „Frau Holle“ und „die wilde Jagd Wotan – Odins“ abspielen. Aus dieser „Frau Holle“ wurde mit der Zeit die Totengöttin „Hel“, „Hella“ bzw. „Percht“, da Kälte und Winter mit dem Tod in Verbindung gebracht wurden. Wobei diese Verbindung nicht nur eine negative Seite hatte sondern auch eine äußerst positive, da so der Weg frei für neues Leben wurde. Hel ist somit nicht nur Toten– sondern auch Schutzgöttin ‚#150; doch woran wir bei ihr sind, bleibt uns verborgen, verhehlt.

          Das Märchen „Frau Holle“ von den Gebrüdern Grimm handelt von den Personen Goldmarie und Pechmarie. Die fleißige Spinnerin Goldmarie wird für ihre Taten belohnt, wobei im Gegenzug Pechmarie für ihre bequeme und oberflächliche Wesensart bestraft wird. Ab dem 10.Jahrhundert wurde dann das Wort „Hel“ zu einer synonymen Bezeichnung für die Unterwelt, wobei dieser Begriff nicht negativ missverstanden werden darf. Erst die Kirche deutete diese Welt zum Qualort um und formte daraus die grausame Hölle für die „Sünder“. Durch das massive Kirchengebimmel zu dieser Jahreszeit sollten die „bösen heidnischen Geister“ vertrieben werden. Im Gegenzug kann jeder klar erkennen, dass die Opfergaben unserer Vorfahren in Form von Äpfel, Nüsse und Honig wohl kaum geeignet gewesen wären zur Dämonenaustreibung.

          Bei der wilden Jagd reitet der einäugige Sturm– und Kriegsgott des Göttergeschlechts der Asen auf seinen weißen achtfüßigen Schlachtross Sleipnir durch die Lüfte auf der Jagd nach dem Wild, vorzugsweise einem Eber. Begleitet wird er hierbei von seinen Raben Mugin und Munin („der Gedanke und die Erinnerung“) und seinen beiden Wölfen Geri und Freki („der Gierige und der Gefräßige“). Auf dieser ewigen Jagd, die sich jedes Jahr wiederholt, benutzt er vorzugsweise seinen Speer Gungnir, der niemals sein Ziel verfehlt und wird sowohl von den gefallenen Krieger die in Walhalla residieren begleitet, genannt die Einherier, als auch von einigen wenigen auserwählten sterblichen Helden. Odins Wilde Jagd besitzt äußert vielseitige Züge auf die hier leider aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit und Lesbarkeit nicht ausführlicher eingegangen werden kann. Generell ist die Jagd jedoch als ein Sinnbild für die Toten– und Ahnenverehrung zu verstehen, die aber selbstverständlich auch den Fruchtbarkeitskult in Form von Streben nach Wachstum miteinschließt. Ebenfalls wurde zur Feier des Anlasses ein eignes Julbier für diese Jahrzeit hergestellt sowie mit reichlich Kerzen– und Lichterschmuck, Symbolgebäck, warmen Met und einem Festtagsschmaus (z.B. „Julgalt“ (Weihnachtseber) und „Jultupp“ (Weihnachtshahn) die Rückkehr der Sonne herbeigesehnt.

          Nicht zu vergessen ist natürlich auch der obligatorische Weihnachtsbaum. Unsere Vorfahren hatten sei jeher große Bewunderung für die einzigartige Baum– und Pflanzenwelt. So wurden in heiligen Hainen Feiern abgehalten, dem Donner– und Fruchtbarkeitsgott Thor die Eiche geweiht und die großen Versammlungen – Things genannt – unter einem großen Baum abgehalten. Auch in der nordischen Mythologie stellt der Baum als wunderbares Sinnbild für die Einzigartigkeit der Natur den Beginn des Menschengeschlechtes dar. Besondere Bedeutung fällt hier auch der Esche zu, denn der germanische Weltenbaum Yggdrasil stellt die Basis der nordischen Kosmologie da. Somit war es eigentlich nur logisch, auch zu solch einen bedeutenden Fest wie Jul, den Baumkult beizubehalten. Nebenbei bemerkt: Auch der Lichterkranz (bzw. Adventkranz) ist in seiner ursprünglichen Form ein heidnischer Kultgegenstand. Er ist in seiner Funktion vergleichbar mit einem Grabkranz und diente somit ebenfalls der Toten– und Ahnenverehrung. Auch die Vorgehensweise war eine andere: Heute wird am 1.Advent eine Kerze angezündet und dies gesteigert bis zum 4.Advent, wo dann alle vier Kerzen brennen. Früher war es jedoch genau anders herum: Es wurde mit 4 Kerzen begonnen und mit zunehmender Abnahme des Lichts erlosch jeweils eine weitere Kerze; um so die zunehmende Macht der Dunkelheit passend untermalen zu können, bevor dann an Jul, die Wiederkehr des Lichts in allen möglichen Formen gefeiert werden konnte.

          Zurück zu der Beziehung zum Christentum: Wie kam es dann eigentlich dazu, dass heute Weihnachten für ein christliches Fest gehalten wird? Ganz einfach: Die hohen Würdenträger der Kirche machten sich Gedanken, wie man die ungläubigen Heiden doch am besten zum Wüstengotte hin bekehren könne. Da kam ihnen die Wintersonnwendfeier, welche ja im ganzen Abendland verbreitet war, gerade recht. Entstehungsgeschichtlich wurde dann zum ersten mal im Jahre 325 Weihnachten im christlichen Festverzeichnis erwähnt. Papst Julius, welcher in den Jahren 337 bis 354 die Macht inne hat, legte den Geburtstag des Zimmermanns dann willkürlich auf den 25.Dezember. Willkürlich deshalb, da in den ältesten Urkunden der Christenheit, ganz andere Monate bzw. Tage in Erwähnung gezogen wurden. Also wieso nicht gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, dachte sich dann wohl auch die Kirche…

          Viele der obigen Mythen, Bräuchen und Geschichten sind nicht immer leicht zu verstehen. Um hier mit einem Zitat von Björn Ulbrich aus „Die geweihten Nächte“ zu schließen: «Wie nähern uns ehrfürchtig in Bildern von magischer, übersinnlicher Faszination. Übersinnlich bedeutet: mit den Sinn nicht vollständig zu erfassen. Das heißt nicht „übernatürlich“, denn es gibt nichts außerhalb der Natur. Die Natur ist allumfassend, ewig, göttlich.»

          Quellen:

          – Björn Ulbrich, Holger Gerwin, aus „Die Geweihten Nächte“
          – Manfred Gebhard
          http://www.asatru.de (Hermann Husstedt)
          http://www.bbv-net.de (Bocholter-Borkener Volksblatt)

          Quelle: http://www.runenkunde.de/rk/brauchtum/jul.htm

          Gruß an die Erfassenden

          TA KI

          Die Bräuche um die Stille Zeit (Weihnachten – Jul)


          julfest

          Wie zu keiner anderen Jahreszeit, verändert Weihnachten die Stimmung und das Verhalten der Menschen. Heute jedoch, nicht unbedingt positiv. Dem Rausch des Konsums und der Alltagshektik erlegen, vergessen immer mehr, die wahre Bedeutung der Bräuche um die Weihnachtszeit. Eines gleich vorweg: Die ursprüngliche Bedeutung hat nichts mit dem Geburtstag eines ominösen Herrn Christus in Betlehem zutun, sondern geht zurück auf den archaischen Sonnenkult der Urvölker.

          Bereits Jahrhunderte vor der Ausbreitung des Christentums war das Weihnachtsfest in allen indogermanischen Regionen und auch anderorts verbreitet. Die Griechen feierten die Geburt des Lichtgottes „Soter“, die Phrygier nannten ihren Sonnengott „Artis“, die Sryrer „Thamuz“, und die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und Sonnengottes „Mithras“. Die Römer drückten mit ihrem „Sol invictus“, was „unbesiegter Sonnengott“ bedeutet, besonders eindruckvoll ihre Ehrerbietung für das Starke und Kräftige aus. Bei unseren direkten Vorfahren, den Germanen und Kelten war dieses Fest unter den Namen „Jul“ bzw. „Yule“ bekannt, wobei konkret hier in Mitteleuropa der Begriff „Wintersonnenwende“ gebräuchlich war.

          Feuerrad_aus_Stroh

          Für die Nordgermanen hatte die Wiederkehr des Lichts jedoch eine ganz andere eindringlichere Bedeutung als für uns Mitteleuropäer. Bereits mit Samhain, der Nacht der Toten beginnt zu Ende Oktober die Dunkle Zeit des Jahres. Bedingt durch das raue, harte Klima und die strengen Winter bedeutete das Ende des Winters nichts anderes als das Überleben der Menschen im hohen Norden zu sichern. Denn die Vorräte gingen langsam zu Ende und ohne Sonnenlicht, lag der Ackerbau und Viehzucht, also die Lebensgrundlage der Nordmänner brach. Der bekannteste römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete im ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende, dass die Germanen die Weihnachtszeit für ein großes Festmahl mit allerlei Spielen nutzen. Der griechische Geschichtsschreiber Prokop berichtete dazu, dass im 6.Jahrhundert die Nordleute zu dieser Zeit Boten auf die höchsten Berge schickten, um nach der wiederkehrenden Sonne Ausschau zu halten. Am 21.Dezember hat die Nacht den Höhepunkt des Jahres erreicht, denn ab jetzt nimmt das Sonnenlicht wieder zu. Die Wiederkehr der Sonne wurde dann mit Julfeuern und brennenden Räder gefeiert, von denen letztere ins Tal gerollt wurden.

          Das heidnische Jahr, dass sich an Mond und Sonne orientierte hat jeweils 4 Hoch– und 4 Jahresfeste, wobei zwei davon immer, im Abstand von ungefähr einem halben Jahr zusammengehören. So entspricht die Wintersonnenwende, die bedingt durch den Stand der Gestirne traditionell auf den 21.Dezember fällt, der Sommersonnenwende am 21.Juni. Auch ist hier schon in der heidnischem Monatsbezeichnung „Julmond“ für Dezember, die immense Bedeutung des Lichtfestes für den germanischen Menschen erkennbar.

          Der Begriff „Weihnachten“ weist in dieser From bereits auf seine Mehrzahl hin und besitzt Assoziationen zum altdeutschen Begriff „wjh“, was „heilig“ bedeutet. Daher erfolgte auch die Ableitung zur „Heiligen Nacht“. Weihnachten umfasst einen Zeitraum von genau 11 Tagen und 12 Nächten. Diese „Stille Zeit“ liegt zwischen dem alten Mondjahr und dem neuen Sonnenjahr. Erklären läßt sich das astronomisch folgendermaßen: ca. 365 mal dreht sich die Erde um ihre eigene Achse, während sie die Sonne umkreist. Auch der Mond dreht sich um sich selbst, jedoch rascher als unser Heimatplanet. So braucht der Mond exakt 29,5 Tage für seine Umkreisung der Erde. Nun ergibt sich rein rechnerisch ein Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Denn 12mal 29,5 Tage ergeben 354 Tage anstatt 365. Deshalb wird die Zeit zwischen 21.Dezember und 1.Januar weder zum alten noch zum neuen Jahr hinzugerechnet, sondern stellt eine Art Zwischenstadium da. In dieser „Toten Zeit“ soll die Arbeit ruhen, die Menschen sich besinnen und im Kreise der Familie und Sippe die Wiederkehr des Lichts feiern.

          Frau_Holle

          Diese „Zwölften“ wurden auch die Rauhnächte genannt, in denen sich z.B. die Mythen und Märchen der „Frau Holle“ und „die wilde Jagd Wotan – Odins“ abspielen. Aus dieser „Frau Holle“ wurde mit der Zeit die Totengöttin „Hel“, „Hella“ bzw. „Percht“, da Kälte und Winter mit dem Tod in Verbindung gebracht wurden. Wobei diese Verbindung nicht nur eine negative Seite hatte sondern auch eine äußerst positive, da so der Weg frei für neues Leben wurde. Hel ist somit nicht nur Toten– sondern auch Schutzgöttin ‚#150; doch woran wir bei ihr sind, bleibt uns verborgen, verhehlt.

          Das Märchen „Frau Holle“ von den Gebrüdern Grimm handelt von den Personen Goldmarie und Pechmarie. Die fleißige Spinnerin Goldmarie wird für ihre Taten belohnt, wobei im Gegenzug Pechmarie für ihre bequeme und oberflächliche Wesensart bestraft wird. Ab dem 10.Jahrhundert wurde dann das Wort „Hel“ zu einer synonymen Bezeichnung für die Unterwelt, wobei dieser Begriff nicht negativ missverstanden werden darf. Erst die Kirche deutete diese Welt zum Qualort um und formte daraus die grausame Hölle für die „Sünder“. Durch das massive Kirchengebimmel zu dieser Jahreszeit sollten die „bösen heidnischen Geister“ vertrieben werden. Im Gegenzug kann jeder klar erkennen, dass die Opfergaben unserer Vorfahren in Form von Äpfel, Nüsse und Honig wohl kaum geeignet gewesen wären zur Dämonenaustreibung.

          Wildejagd

          Bei der wilden Jagd reitet der einäugige Sturm– und Kriegsgott des Göttergeschlechts der Asen auf seinen weißen achtfüßigen Schlachtross Sleipnir durch die Lüfte auf der Jagd nach dem Wild, vorzugsweise einem Eber. Begleitet wird er hierbei von seinen Raben Mugin und Munin („der Gedanke und die Erinnerung“) und seinen beiden Wölfen Geri und Freki („der Gierige und der Gefräßige“). Auf dieser ewigen Jagd, die sich jedes Jahr wiederholt, benutzt er vorzugsweise seinen Speer Gungnir, der niemals sein Ziel verfehlt und wird sowohl von den gefallenen Krieger die in Walhalla residieren begleitet, genannt die Einherier, als auch von einigen wenigen auserwählten sterblichen Helden. Odins Wilde Jagd besitzt äußert vielseitige Züge auf die hier leider aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit und Lesbarkeit nicht ausführlicher eingegangen werden kann. Generell ist die Jagd jedoch als ein Sinnbild für die Toten– und Ahnenverehrung zu verstehen, die aber selbstverständlich auch den Fruchtbarkeitskult in Form von Streben nach Wachstum miteinschließt. Ebenfalls wurde zur Feier des Anlasses ein eignes Julbier für diese Jahrzeit hergestellt sowie mit reichlich Kerzen– und Lichterschmuck, Symbolgebäck, warmen Met und einem Festtagsschmaus (z.B. „Julgalt“ (Weihnachtseber) und „Jultupp“ (Weihnachtshahn) die Rückkehr der Sonne herbeigesehnt.

          christbaum-haus-gemalt

          Nicht zu vergessen ist natürlich auch der obligatorische Weihnachtsbaum. Unsere Vorfahren hatten sei jeher große Bewunderung für die einzigartige Baum– und Pflanzenwelt. So wurden in heiligen Hainen Feiern abgehalten, dem Donner– und Fruchtbarkeitsgott Thor die Eiche geweiht und die großen Versammlungen – Things genannt – unter einem großen Baum abgehalten. Auch in der nordischen Mythologie stellt der Baum als wunderbares Sinnbild für die Einzigartigkeit der Natur den Beginn des Menschengeschlechtes dar. Besondere Bedeutung fällt hier auch der Esche zu, denn der germanische Weltenbaum Yggdrasil stellt die Basis der nordischen Kosmologie da. Somit war es eigentlich nur logisch, auch zu solch einen bedeutenden Fest wie Jul, den Baumkult beizubehalten. Nebenbei bemerkt: Auch der Lichterkranz (bzw. Adventkranz) ist in seiner ursprünglichen Form ein heidnischer Kultgegenstand. Er ist in seiner Funktion vergleichbar mit einem Grabkranz und diente somit ebenfalls der Toten– und Ahnenverehrung. Auch die Vorgehensweise war eine andere: Heute wird am 1.Advent eine Kerze angezündet und dies gesteigert bis zum 4.Advent, wo dann alle vier Kerzen brennen. Früher war es jedoch genau anders herum: Es wurde mit 4 Kerzen begonnen und mit zunehmender Abnahme des Lichts erlosch jeweils eine weitere Kerze; um so die zunehmende Macht der Dunkelheit passend untermalen zu können, bevor dann an Jul, die Wiederkehr des Lichts in allen möglichen Formen gefeiert werden konnte.

          Zurück zu der Beziehung zum Christentum: Wie kam es dann eigentlich dazu, dass heute Weihnachten für ein christliches Fest gehalten wird? Ganz einfach: Die hohen Würdenträger der Kirche machten sich Gedanken, wie man die ungläubigen Heiden doch am besten zum Wüstengotte hin bekehren könne. Da kam ihnen die Wintersonnwendfeier, welche ja im ganzen Abendland verbreitet war, gerade recht. Entstehungsgeschichtlich wurde dann zum ersten mal im Jahre 325 Weihnachten im christlichen Festverzeichnis erwähnt. Papst Julius, welcher in den Jahren 337 bis 354 die Macht inne hat, legte den Geburtstag des Zimmermanns dann willkürlich auf den 25.Dezember. Willkürlich deshalb, da in den ältesten Urkunden der Christenheit, ganz andere Monate bzw. Tage in Erwähnung gezogen wurden. Also wieso nicht gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, dachte sich dann wohl auch die Kirche…

          julfest irminsul

          Viele der obigen Mythen, Bräuchen und Geschichten sind nicht immer leicht zu verstehen. Um hier mit einem Zitat von Björn Ulbrich aus „Die geweihten Nächte“ zu schließen: «Wie nähern uns ehrfürchtig in Bildern von magischer, übersinnlicher Faszination. Übersinnlich bedeutet: mit den Sinn nicht vollständig zu erfassen. Das heißt nicht „übernatürlich“, denn es gibt nichts außerhalb der Natur. Die Natur ist allumfassend, ewig, göttlich.»

          Quellen:

          – Björn Ulbrich, Holger Gerwin, aus „Die Geweihten Nächte“
          – Manfred Gebhard
          www.asatru.de (Hermann Husstedt)

          www.bbv-net.de (Bocholter-Borkener Volksblatt)

          Quelle: http://www.runenkunde.de/rk/brauchtum/jul.htm

          Danke an Denise

          Gruß an die alten Bräuche

          2009-12-21_julfest

          TA KI

          Die Götter Germaniens


          Wenn wir nach den Göttern Deutschlands suchen, so werden wir nur wenige Anhaltspunkte hier finden. Es hat sich die Gottheit eines gänzlich anderen Kulturkreises einen Teil Germaniens sehr frühe erobert und hat diesen Teil Germaniens in Verbindung mit anderen wirkenden Ursachen zu Deutschland gemacht. Indem die Bildungsstufe „gemeingermanisch“ bei uns erlosch, entweichend nach Norden, und die Bildungsstufe „deutsch“ begann, war davon auch die Götterwelt betroffen.

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          Geschrieben von: Prof. Dr. Hans Naumann
          Wenn wir nach den Göttern Deutschlands suchen, so werden wir nur wenige Anhaltspunkte hier finden. Es hat sich die Gottheit eines gänzlich anderen Kulturkreises einen Teil Germaniens sehr frühe erobert und hat diesen Teil Germaniens in Verbindung mit anderen wirkenden Ursachen zu Deutschland gemacht. Indem die Bildungsstufe „gemeingermanisch“ bei uns erlosch, entweichend nach Norden, und die Bildungsstufe „deutsch“ begann, war davon auch die Götterwelt betroffen.

          Eine Zeitlang lebte sie weiter im Volksglauben. Aber schon über tausend Jahre wirkt das Christentum prägend auf den deutschen Volksglauben ein, nicht mehr das Heidentum 1.

          Daß jedoch die hauptsächlich nur nordgermanisch bezeugte Götterwelt und das nordgermanische Weltbild in den großen und in vielen kleinen Zügen einst auch Besitz Südgermaniens war: mit dieser Annahme wird man heute getrost zur älteren Anschauungsweise zurückkehren dürfen. Denn wo nur immer einmal die stark verschütteten südgermanischen Quellen fließen, da werden sie auch sofort durch die nordischen Zeugnisse bis ins Unwesentliche hinein bestätigt und unterstützt. Ich nene rasch das Wichtigste in kurzen Formeln: Wodan und Frigg nicht nur einzeln, sondern in den der bekannten ehelichen Verbindung im Norden wie bei Paulus Diaconus. Friggs Bild in überraschender Weise schon südgermanisch. Ihr Sohn Balder mit den Eltern im Kreise besorgter Götter: nur die Torheit, in die sich einst heut unbegreiflicher Überkritizismus überschlug, konnte am Balder des zweiten Merseburger Zauberspruches irre gehen. Aber wer würde Fulla, die scheinbar so nebensächliche Schwester und Zofe der Frigg, aus dem Nordischen auch fürs Südgermanische zu erschließen wagen, wenn nicht eben dieser Merseburger Zauberspruch wäre? Oder Njörd, wenn nicht die Taciteische Nerthus wäre? Tyr = Teiwas, lebendig im Süden noch zur Zeit der Wochentagsnamengebung, ist jetzt schon aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. für Südgermanien durch die Inschrift von Negau bezeugt 2.

          Die Verbindung von Logathore = Lodurr, der Langform des Kurznamens Loki, und Vigithonar = Vingthorr mit Wodan auf der Nordendorfer Spange 3 läßt Außerordentliches im gemeinsamen religiösen Besitz vermuten. Die Worte, Gleichungen und Sachen Yngwi = Ingwaz im Namen der nach ihm benannten Amphiktyonie, Ingunar-Freyr, der ingwäonische Herr; Forseti = Fosete; Hludana = Hlodyn; idisi = disir; fairguni = Fjörgynn; irmin = iörmun; Fessel = hain4; Muspilli; Mittilagart; Erde und Oberhimmel; Yggdrasil und die Vorstellung von der Irminsul (universalis columna quasi sustinens omnia, Rudolf von Fulda), altsächs. reganogiscapu vgl. altnord. ragnarök und mindestens der Name, wenn auch nicht die Figur Aurvandill = Orendel kommen hinzu. Einiges von all diesem reicht, wie man sieht, bis weit über die Völkerwanderung hinab. Aus den gedeckten Einzelheiten dürfen wir getrost auf das ungedeckte Ganze schließen. Diese sonderbaren Relikttrümmer des Südens beweisen, daß die geschlossene mythologische Landschaft des Nordens einst bis zu uns gereicht hat. Allgemeine Erwägungen und Schlüsse aus anderen Gebieten, denen zufolge wir überhaupt in weitem Maße die nordgermanische Kultur als ein Echo und Spiegelbild schon vergangener südgermanischer auffassen dürfen, kommen hinzu. Norwegen war nicht sehr schöpferisch; daß sich Island noch neue Göttergestalten schuf, ist unwahrscheinlich. Das Gemeinskandinavische reicht mit tausend Maschen in das Gemeingermanische hinein. Die Götterwelt des Nordens war einst auch die unsrige, als wir uns noch nicht aus dem gemeingermanischen Kulturkreis losgelöst hatten. Wir werden sehen, daß es eine gemeingermanische aristokratisch-idealistische Hochreligion gegeben hat, die uns längst nicht so unbegreifbar bleibt, wie die Skeptiker gewöhnlich meinen.

          Aber nicht mehr die Naturkräfte und urmythich-kosmischen Bezüge, die in den Göttergestalten sich etwa symbolisieren, werden den Philologen von heute in erster Linie berühren, sondern die menschlichen, die ideellen, die geistigen Kräfte. Die Ideen, die die Namen germanischer Götter tragen, die seelischen Antriebskräfte, Willensziele und Lebensideale, die in göttlicher Gestalt verehrt werden, die menschlichen Lebensformen, Seinsweisen, Interessensphären, erfüllten oder unerfüllten Wünsche, die unter diesem oder jenem Namen vergöttlicht sind, zu erkennen, muß das Geschäft des Germanisten sein, damit er die Ergebnisse der dürftigen dichterischen und kunsthandwerklichen Denkmäler in etwas ergänze und die Wissenschaft vom germanischen Menschen vermehre. Eine Untersuchung de natura deorum Germaniae muß zuletzt zu einer Untersuchung de natura deorum Germanorum werden, so wie einst Ciceros „De natura deorum“ zu einem Stück antiker Geistesgeschichte geworden ist. „Der Mensch schafft sich seine Götter nach seinem Bilde“: so hieß einst die positivistische Wendung des Satzes: „In seinen Göttern spiegelt sich der Mensch“. Tiefer wäre vielleicht die Formulierung, daß die göttlichen Mächte, dereinst dem Geheimnis des magischen Weltbildes entsprungen, ihren Völkern stets diejenigen Ideale vorleben, deren sie auf ihrer jeweiligen Bildungsstufe bedürfen, um zu der Form sich lebend zu entwickeln, die ihnen vom Schicksal geprägt worden ist. In jenen allegorischen Erklärungen der Götter und ihrer Taten indessen aus gutem oder schlechtem Wetter verriet sich eine Zeit, die sich ein schöpferisches, bildhaftes Denken der Menschen nicht mehr vorstellen konnte. In Wirklichkeit schuf damals ein starkes Geschlecht weit über sich selbst hinaus, und sich steigernd, wiederholte es sich selbst in seinen Göttern.

          Die Götter Epikurs

          Aus den Äußerungen, die Citero in „De natura deorum“ seinem Epikureer Vellejus über die antiken Götter in den Mund legt, ergibt sich, wenn man sie zusammenzieht, etwa folgende Vorstellung von diesen 5:Die Götter sind ewig und glückselig. Sie tragen zwar menschliche Gestalt, weil keine Form schöner ist als die menschliche, indessen ist ihre Gestalt nicht körperlich, sondern nur gleichsam körperlich, ihr Blut nur gleichsam Blut. Ihr Leben verbringen sie in glückseligster Weise in allem nur erdenkbaren Überfluß, ohne Zorn, ohne Zuneigung, denn alles, was von Zorn oder Zuneigung ergriffen wird, ist unvollkommen. Sie tun nichts, sie leben in ewiger Ruhe der Seele, denn ohne Ruhe der Seele gibt es nicht Freiheit, nicht Glück. Sie sind in keine Geschäfte verwickelt, sie glühen nicht von Wollust, sie führen nicht Krieg, sie hassen einander nicht, sie jammern nicht, sie klagen nicht, sie erfreuen sich nur ihrer Weisheit und Tugend. Sie sind nicht wie jene geplagten Götter, die ohne Unterlaß sich um die Himmelsachse drehen, die Welt regieren, den Lauf der Gestirne, die Jahreszeiten, den Wechsel und die Ordnung der Dinge erhalten, für Meer, Erde, Menschen sorgen, in lästige und mühsame Geschäfte verwickelt. Die Welt? Die Welt ist von der Natur selbst geschaffen, ohne besondere Hilfsmittel und ganz leicht. Dazu benötigte sie keinen deus ex machina wie jene jämmerlichen Theaterdichter. Was glückselig und unsterblich ist, hat keine Arbeit und macht niemandem Arbeit. Quod beatum et immortale est, id nec habet nec exhibet cuiquam negotium.

          Man sieht schnell, wie mit solchen Vorstellungen die idealisierte Lebensform des epikureischen Philosophen selbst in den Himmel versetzt ist. Lust, nicht Tätigkeit, ist das höchste ethische Prinzip. Untätig sind die vollkommenen Götter, ein schöner Luxus der Welt, denn alle Tätigkeit entspringt nur einem Mangel, einem Bedürfnis, einer Unvollkommenheit.

          Demgegenüber leben die Götter Germaniens ein tätiges, lebenerfülltes Edelingsideal in einer Welt, die ihrer bedarf. Unser Cicero, Snorri, hat leider versäumt, seinen Sprecher, den ,Hohen‘ in der ,Gylfaginning‘, rasch etwa folgende Züge zusammenstellen zu lassen:Natürlich sind die Götter den vitalen Funktionen unterworfen; Gestalt ist hier körperlich und Blut ist Blut: sie atmen, essen, trinken, schlafen, lachen, weinen, werden geboren und sterben sogar – nicht den Tod Balders meine ich jetzt, der dereinst wieder aufersteht, sondern den völligen unerbittlichen Tod am Ende der Weltperiode. Sie sind, wie rechte Fürsten, ewig unterwegs, sie reiten oder fahren; sie gehen zum Thing, wo sie auf ihren Gerichtsstühlen sitzen und raten und dichten; sie reiten zu kriegerischen oder Liebesabenteuern. Sie obliegen der Jagd und dem Fischfang, sie brauen Bier und berauschen sich gern. Sie sitzen bei Trunk in ihren Hallen beisammen und reden über ihr Tagewerk, ihre Waffen, ihre Tapferkeit. Störenfriede jagen sie hinaus in den Wald, der niemals sehr weit von der Halle ist, dann setzen sie sich wieder zum Trunk. Schwerter, Rosse, Ringe sind ihre kostbarsten Güter, Helme und Brünnen tragen sie gern. Sie schließen Blutsbrüderschaften. Sie haben ihre Diener. Sie können in Schwermut verfallen, z. B. aus Liebespein. Sie spielen Brett. Sie schmieden sich Waffen und Handwerkszeug. Sie befragen die Lose, z. B. wo es noch Essen gebe, wenn sie ihre eigenen Vorräte aufgezehrt haben und einmal zu bequem sind, von neuem jagen zu gehen. Ja – und hier vergißt sich gleichsam der Glaube – sie sind so vollkommen menschlich gedacht, daß sie Tempel haben in ihren Gehöften, selber Priester sind und Opfer vollziehen. Wem?: – dürfen wir nicht fragen, sondern nur: warum? Warum haben sie Tempel und opfern und sind Priester zugleich? Und wenn man hier nicht ganz letzte und tiefste Opferauffassungen und religionswissenschaftliche Hintergründe annehmen will, wozu keine Veranlassung vorliegt, kann die Antwort lauten: Weil die menschlichen Edeling und Häuptlinge dies Amt zu ihren Obliegenheiten zählten. Zur Vervollständigung ihres Bildes also! Und weil sie so durchaus Menschen sind, diese Götter Germaniens, Doppelgänger unserer eigenen Vorfahren, deshalb tragen ihre Geschichten jenen heiteren, menschlich ausgelassenen Charakter, der desto auffallender ist, als der Rahmen des Ganzen so tieftragisch und voll Untergangsstimmung erscheint.

          Vergleichend mögen wir erkennen, daß ganz grundsätzlich kein Unterschied besteht zwischen den Göttern Epikurs und den Göttern Germaniens in bezug auf ihren ideal-anthropomorphen Charakter. Nur in Grad und Art der Kultur liegt hier der Unterschied. Dort schon die Lebensform des epikureischen Philosophen – hier, kaum vergleichbar, noch die Lebensform kriegerischer Bauernedelinge. Gingen wir, wie wir eigentlich sollten, von den Göttern Epikurs zurück zu den Göttern Homers, so würden auch die Lebensformen, infolge ähnlicherer Kulturlage, bekanntermaßen, äußerlich wenigstens, gleicher werden, und bei anderen früheren außerhomerischen griechischen Komplexen möchte sich die Gleichheit womöglich noch erhöhen. Innerlich freilich offenbart sich schon hier ein tiefer Unterschied.

          Denn schon bei Homer sind die Götter die Selig-Vollkommenen, die in der ewigen Herrlichkeit ihres Göttersaales hoch über den Menschen leben, unberührt von deren Dürftigkeit und Leid. Schon bei Homer lassen sie sich ihre „Seligkeit nicht trüben durch allzu ernstliche Teilnahme am Menschen und seiner Qual“, wie Otto sagt 6. Denn die Menschen sind gar arme hilflose Geschöpfe, für die es keine Rettung gibt gegen Alter und Tod. Schon hier ist die Gottheit im Gegensatz zu anderen Religionen nicht ernstlich beschäftigt mit dem lebenden Menschen und seiner Not, und der Gang der Welt ist vorbestimmt durch die Moira, welche die Götter selbst nicht berührt. Sie stehen außerhalb der Welt und jenseits der Moira. Die Vorstellung von der ungestörten Vollkommenheit der Götter lag also, wie es scheint, schon vorgebildet vor Epikur im griechischen Geist, dem sie offenbar entspricht. Sie führt, wie wir sehen werden, zu einer noch völligeren Trennung der Gottheit vom Menschen nach seinem Tode. „Eins ist der Menschen, ein andres der Götter Geschlecht“ sagt Pindar; „das eine ist gar nichts, ewig fest aber bleibt die Burg des ehernen Himmels“. Die orphische Religion und esoterische Mysterienreligionen mögen sich in diesen Punkten freilich gänzlich anders verhalten als die olympische Religion. Uns interessiert hier nur diese.

          So tiefe Kluft trennt freilich die Götter Germaniens von ihren Menschen nicht. Sie sind eines Geschlechts und im Werte einander mehr angeglichen. Hier steht die Gottheit, weniger vollkommen gedacht, nicht außerhalb der Welt, sondern auch sie unterliegt wie der Mensch ihrem Schicksal, und mit dem Tode des Menschen erhöht sich, worauf wir noch kommen, beider Wesen Zusammengehörigkeit. Hier nähert sich germanisches mehr dem christlichen Empfinden im Zusammengehörigkeitsgefühl von Mensch und Gott. In sváso god „unsere ganz eigenen, unsere lieben Götter“ sagt der Germane, wie er vom Freund, dem Bruder vom Gefolgsgenossen, ja vom eigenen Kinde sagt 7 und wie dann der deutsche Christ wieder vom „lieben Gott“, vom „lieben Herrn Jesus“, von der „lieben Maria“, vom „lieben Kaiser“, vom „lieben Kinde“ spricht 8. Es ist die Verbundenheit von Fürst und Gefolgsmann, in der sich der Germane zur Gottheit sieht, welche er nicht für vollkommener und nur für relativ mächtiger als seinen eigenen Fürsten hält. Gleichsam wie aus dem jahrhundertelangen schöpferisch-prägenden Erlebnis der Völkerwanderung heraus, die Führer und Gefolgschaft nach heroischer Laufbahn früher oder später untrennbar dem gemeinsamen Untergang entgegenführte, so ist dies heroisch-tragische Erlebnisprinzip für Mensch und Gottheit aufs Weltganze bezogen und zur Grundlage des Weltbildes gemacht. Dem Griechen aber leben die olympischen Götter entfernt und unzerstörbar in olympischer Höhe und Geschiedenheit.

          Gewiß, es fehlt den germanischen Göttern die Atmosphäre von Amt, Gesetz, Schrift und bürgerlich-festlich geregeltem Jahr; Stadtkultur haben die germanischen Götter nicht mehr erlebt, sie zogen nicht mehr als Bürger in das gastliche Tor einer ihnen geweihten Polis ein. Ihr geistiger Raum ist noch der Großbauernhof und die Fürstenhalle. In den Händen von Hausvätern und Jarlen treffen wir sie, die nebenbei ihre eigenen Priester sind, noch nicht in den Händen von Druiden, fester und ausschließlicher Priesterkasten oder von Literaten, Philosophen, bildenden Künstlern. So wird uns ihre Schönheit und Plastizität nicht vor Augen geführt. Daß sie in der Vorstellung gleichwohl bestand, lehrt die mehrfach vorhandene Figur des geliebten schönen Götterjünglings. Aus tiefer Frühzeit teilt uns schon Vellejus Paterculus (2, 107) jene Äußerung eines alten Semnonen mit, der am Ufer der Elbe den Imperator Tiberius in seiner cäsarischen Pracht erblickte und sich staunend mit dem Ruf entfernte Hodie vidi deos, „Heut hab‘ ich, o Cäsar, die Götter gesehen“ – weil seine Vorstelung von der Gottheit so stolz, waffengeschmückt und schön bereits war. Und Jahrhunderte später berichtet die Landnáma (cap. 207) von den Hjaltisöhnen: als sie zum Thing kamen, waren sie so schön gekleidet, daß die Leute dachten, die Asen wären gekommen, at aesir vaeri komnir9. Oft ist, wie bei Heimdall, die göttliche Erscheinung ein Gemälde von Weiß und Gold. Leuchtender Glanz geht von ihr aus, „schimmernd“ ist ein Götterepithet, Ruhm und Schönheit werden immer betont.

          Freilich, wenn Poseidonios von Apameia als Lebensprinzip der nordeuropäischen Völker den thymos erkennt, jene ganz seelische Religion von „starken und wilden Kräften, deren Tugend, Pracht, Instinkte und Gefährlichkeit“, wie Reinhardt sagt, „der Ethiker als Energien des bloßen Zornes kennt“, so bewähren solchen thymos natürlich die Götter der nordeuropäischen Völker, als deren summierte Kräfte, erst recht. Man mag des prächtigen und gefährlichen Asenzorns gedenken, wie er Thor, wie er Freyja ergreift.

          Nur in der jüngeren Ersacheinungsform Wodans gestaltet sich das Prinzip der Südvölker, der logos, mehr und mehr aus, so daß der Mythos erzählen kann, Odin habe ihn dem toten Sohn noch ins Ohr geraunt. Eine reine Poliskultur hätte die Götter Germaniens genau so gezähmt wie die Olympischen. Die Dämonenstufe an sich liegt hinter den Göttern Germaniens freilich nicht anders wie hinter den Olympischen weit zurück.

          Keine Dämonen

          Die Dämonen sind noch als primitive Horde gedacht, ihnen fehlt der persönliche Charakter, aber die Götter Germaniens sind Individualitäten bereits mit bestimmten Funktionen, die die Dämonen nicht haben, mit einer Arbeitsteilung in der Weltgeschichte nach dem Abbild menschlicher Ordnung. Die Dämonen gehen noch nackt, zottig, tierhaft; die Götter gehen bekleidet, wehrhaft, jagdmäßig, sportsmäßig gerüstet einher.

          Die Dämonen brechen aus der Wildnis der Natur hervor, sie wirken inmitten der irdischen Welt und inmitten der Menschen; die Götter kommen aus ihren Hallen und Gehöften in entrückten Regionen, die ihre eigentliche Heimat sind, wenngleich noch sichtbar wird, daß Asgard zunächst nicht im Himmel, sondern irgendwo auf der Erde lag – ein Gehöft auf einer Höhe, wie eines Jarls Gehöft gern etwas höher gelagert ist über der unter ihm siedelnden Gemeinschaft. Dahinein aber glitt die Vorstellung von Asgard als himmlischer Götterburg – auch bei den Südgermanen.

          Die Dämonen sind visionär geschaut, versc hwommen, vielgestaltig, miß- und mischgestaltig, wandelbar, gräßlich, verstümmelt, alle Maße der Phantasie durchmessend, energisch in ihrer Funktion, scharf zufassend, selbst unfaßlich, leibhaftige Kollektivvorstellungen; sie scheinen immer wieder zurückzusinken in die Natur und den Boden, der sie ewig wieder erzeugt. Sie sind unberechenbar böse oder kindlich gut, oft beides zugleich, und sie sind stets so mißtrauisch, tückisch, beschränkt und dumm wie der primitive Geist, dessen Welt sie füllen 10.

          Die Götter Germaniens tragen vielleicht ein paar der dämonisch-verführerischen Züge mehr noch an sich als die Olympischen, denn die Natur ist verführerischer als die Stadt und bleibt dem Dämonischen näher. Aber im allgemeinen sind auch sie durchaus schon plastisch gesehen, scharf umrissen, eingestaltig, unwandelbar, weniger energisch zufassend, faßlich und berechenbar. Wodan hat seine mystischen Fähigkeiten und seine Verwandlungskunft, seine „ärgerliche Zauberei“, wie Snorri sagt, weniger mit den Dämonen als mit Zauberern und Medizinmännern gemein.

          Religionsgeschichtlich äußerst wertvolle Reste alter Tiergestaltigkeit sind noch vorhanden, aber kaum mehr als bei den Olympischen auch. In der Hauptsache ist hier wie dort das Heilige-Tier-Attribut an die Stelle der Tiergestaltigkeit getreten. Der Weg vom Dämon zur Gottheit hat hier wie dort über die Menschengestalt geführt. Man ersieht an den Göttern, wie der menschliche Geist von Element und Stoff und ungeheuerlichem Grausen primitivsten Weltbegreifens glücklich erlöst ist. Und nur in dem Maße, wie sich die Götter mit dem erlösten Geiste nur weiter wandeln, bleiben sie mit dem Menschen verwandt.

          Dem Urmythischen ist auch die gemeingermanische Religion wie die homerische längst entrückt, und hier wie dort ragen nur noch ein paar vereinzelte groteske Relikte aus der Urmythenzeit herein. Derlei Primitivitäten sidn für den Religionswissenschaftler wichtiger als für den Philologen, den sie vielleicht allzulange beschäftigt haben. Sie tragen zum Gepräge der Religion im Ganzen längst keine wichtigen Züge mehr; wir können sie hier übergehen.

          Auch von den entlehnten und importierten Figuren und Einzelzügen in der germanischen Götterwelt kann hier nicht gesprochen werden. Niemand zweifelt mehr an solchem Import in der germanischen wie wie der der homerischen Religion. Die geistigen Grundkräfte indessen scheinen von ihm sehr viel weniger berührt, vielmehr: sie wirken sich stark an ihm aus.

          Die bäuerliche Sphäre

          Aber da hebt sich nun deutlich und für uns hier zugleich wichtiger eine bäuerliche Sphäre göttlicher Lebensumstände heraus. Die Welt mit ihren neun Heimen sieht bald wie ein Komplex von neun riesigen Einzelhofsiedelungen aus, wie ein weit auseinandergezogenes Haufendorf mit der Weltesche als Dorfbaum11, wo der Brunnquell entspringt und der Gerichtsanger liegt, auf dem die Götter täglich beraten, bald wieder ruft sie mehr den Eindruck von neun weit auseinanderliegenden Dörfern hervor. Wald- und flußreich ist auch dies mythische Dorflandschaftsbild, wie das natürliche es in Germanien war, Furten führen durch die Flüsse und müssen verteidigt werden. Haine und Büsche liegen stets dicht auch bei den mythischen Siedelungen, schaurige und liebliche. Verlockt man, so verlockt man aus der Siedelung in den Wald (so Loki die Idun); man verabredet das Stelldichein in den Wald, wird in den Wald verjagt. Grabhügel liegen vor den mythischen Siedelungen, wie sie vor den irdischen liegen. Auch von den mythischen Gehöften werden die großen Hallen am sichtbarsten, die Biersäle mit Zaun, Gattertor, Brücke, Bänken im Fleet. Auch der Hirte vorm Gehöft, Hahn und Hund am Gehöftbaum sind auf die metaphysischen Bezirke übertragen. Bricht der Gott auf, so rüstet er Roß oder Gefährt im Gehöft; mitten im Hof erwartet er, wenn’s eilig, den rückkehrenden Boten. Mühlen und Ingesinde sind im Gehöft, neben der Halle der Tempel. Gehöfte, Fluren, Flüsse und Haine tragen ihre Namen; es gibt hier eine göttliche Flurnamenkunde, in jeder Beziehung ein sauber und peinlichst geordnetes mythisches Weltinventar. Nicht alles hier ist Werk der Poeten; als Ganzes entspringt es der Sehweise, der Denk- und Lebensform des altgermanischen Bauern. Wo ist eine zweite Mythologie, die so bäuerlich pedantisch ein metaphysisches Siedelungsbild ausbaut und benamst, desgleichen die tägliche Lebensführung der Mythischen so bis ins kleinste angibt und regelt?

          Besonders eine bestimmte Riesengruppe ist in diese agrarische Perspektive gerückt und erscheint wie ein altes göttliches Großbauerngeschlecht. Zwar gibt es eine archaischere, kollektiver gedachte Riesen- und Riesinnengruppe, die in Felshöhlen haust und mit Steinen wirft. Schlechte Wege führen von hier über Menschenland zum Götterheim wie zwischen feindlichen Bauerngemeinden. Gern aber und oft sind die Häuptlingsgehöfte jener anderen Gruppe beschrieben, und sie erscheint überhaupt wie ein altes entthrontes titanisches Göttergeschlecht.

          Da sitzt der Riese wie ein großer Erbbauer auf dem Hügel vor seinem Gehöft oder auf dem Hochsitz in seiner Halle, weise, patriarchalisch und vornehm oder fröhlich und arglos wie ein Kind, „Knaben gleich, die ins Blaue sehn“ 12, dreht Goldbänder für seine Grauhündinnen, glättet den Pferden die Mähnen, goldgehörnte Kühe gehen zu seinem Hof und schwarze Stiere. Viele Kleinode besitzt er, Schwester oder Mutter und Gattin führen ihm den Haushalt. Knechte hat er, die seine Wiesen mähn, Odin kann sich unerkannt bei ihm als Erntearbeiter verdingen.

          Von den Göttern steht Thor in engster Beziehung zu dieser Riesengruppe, wesentlich und aktiv; er ist selbst der vergöttlichte Bauer, der ergrimmende Dorfheld, den die Gemeinschaft immer dahin postiert, wo es besonders gefährlich ist, plump, grobschlachtig und mit gewaltigem Zuschlagen, kein Gott des Gedankens und der Rede, sondern der großartigen, verläßlichen, aber manchmal auch allzu blind-ungehemmten Macht. Ritterlich sollte man den göttlichen Bauern nicht nennen, wenn er einmal dem Riesen gegenüber das selbstverständliche Gastrecht wahrt. Man empfand immer, daß Thor irgendwie nicht ganz zu den Asen gehört. Ihn hat eine andere Interessensphäre aus gestaltet. Thor, das ist Sippe und Heimat, Stamm und Blut, Dasein der heiligen bewahrten Bindungen. Thor ist das Heilige und die Idee des Blut-, Boden-, Sippe-verbundenen Daseins, der Gott der bäuerlichen Gemeinschaft, der eigentliche Gott der Frömmigkeit, Menschenlands Schützer und Freund des besiedelten Raums, der vielnützigen Erdflur. Thor ist das Herkommen, die Summe des Alten und der heimischen Überlieferung, das breite bejahte lebendige Dasein der bäuerlichen Sippen, der Nachbar und der Freund, geradezu das Volkstum. Thor ist der Stamm, wie er aus Sippen besteht.

          Die Wächterfähigkeiten Heimdalls sind, wiewohl märchenhaft, doch bäuerlich bemessen: das Gras hört er wachsen und die Wolle auf den Schafen.

          Der Urriese Ymir (Örgelmir) mit der Kuh Audumbla ist der riesische Häusler mit seiner einzigen Kuh, durch Alliteration ihr verbunden, wie „Kerl und Kuh“ nun einmal sprichwörtlich zusammengehören. Der Urriese Bergelmir, riesischer Bauer, kann sich im Kasten seiner bäuerlichen Handmühle aus der Sintflut retten. Die Wanin Gullveig kommt zu den Asen ganz sagamäßig wie eine Zauberfrau ins fremde Bauerngehöft, sie beredet die jungen Göttinnen wie unerfahrene neugierige Bäuerinnen. Daß man am Strande angetriebene Baumhölzer findet, sie zu Figuren zurechthaut, anmalt und bekleidet, ist ein Bild einfachen Lebens. Weil sichs um Götter handelt, so verleihen sie diesen Figuren auch Wärme und Leben, und so sind die ersten Menschen erschaffen. Zu besonderen Spekulationen bietet all dies keinen Anlaß. Irgendwelche Symbolisierungen liegen nicht vor. Die Kuh Audumbla bedeutet nicht die Regenwolke, ist auch keine Allegorie der Lebenskraft, sondern sie ist eben schlechtweg eine Kuh, eine mythische Kuh, nicht anders wie die griechische Wunderziege Amaltheia, die den jungen Zeus mit ihrer Milch ernährt, eben schlechtweg eine mythische Ziege ist.

          Denn Kuh – das ist der Beginn alles Guten, Inbegriff und Bürgschaft des Bäuerlich-Notwendigen, Milch, Zugkraft für den Pflug, warmer Stallduft und Geborgenheit, alles aus Erlebnis und erster Erfahrung heraus. Daß die Kuh schon mit da ist am Anfang der Dinge, ist ein Denkmal, das ihr der germanische Bauer gesetzt hat. Die Kuh und der Baum! Denn so entsprach es seiner Grundvorstellung von der Welt: der große Baum gehörte dazu, der alte mit den hochliegenden Wurzeln, wie der Blick des Kindes zu allererst ihn einst sah im Gehöft des Vaters und dann wieder im Dorf: Hofbaum, Dorfbaum, Weltbaum, um den sich die neun Heime ordnen, die realen und die mythischen, wie sich die Hofgebäude und die Dorfgehöfte ordnen um ihren Baum. –

          Die heroische Sphäre

          Darüber lagert sich nun jene andere Lebenssphäre mit den heroischen und den tragischen Lichtern. Zu den bäuerlichen Lebensumständen gesellen sich die Ideale des Kriegers. Diese Sphäre rettet uns einige alte Götter, vergißt deren Herkunft und uralt-heilige Funktion, verleiht aber ihnen und ihren uralten Zügen neuen Sinn, man kann sagen, im Stil und Geist des Heldenliedes.

          Diese heroische Lebenssphäre macht aus Tyr, uralt-ererbtem Himmelsgott, nicht eigentlich einen blutigen Mars oder wütenden Ares, sondern den verläßlichen stillen und beherzten Gefolgsmann, die verkörperte Idee der Unerschrockenheit, ungesellig, allein. Tyr ist der brave Krieger; aus fremder entlegener Sippe gekommen, unverheiratet und ohne Eigengehöft in Asgard, dient er seinen Herren nun treu, hält er für sie, ohne mit der Wimper zu zucken, die Hand in des Wolfes Rachen (die germanische Wendung der Geschichte des Mucius Scaevola!), und hilft er den Kessel zu holen aus der Sippe des riesischen Vaters, der jenseits der Eliowagar haust. Der alte Eingott ward in ein gruppenhaft verbundenes Dasein gestellt, er konnte noch nicht allein weiter gedacht werden, weil der Mensch noch nicht allein gedacht werden konnte; sein Amt ward das einfache treue zuverlässige Kriegertum. So waltete die Maschinerie der germanischen Denkgesetzlichkeit an dieser Gestalt.

          Die heroische Lebenssphäre machte aus Widar einen schweigsamen Dümmling, der aber später die große Tat tun wird, sie benötigt ihn für den Tag der Rache; sie vergißt auch von Wali alles Andre und macht die Rache für Balder zum alleinigen Sinn seines Daseins. Es ist damit in die weitgewanderte fremdländische Balderlegende vom getöteten Götterjüngling eine ganz neue spezifisch heroisch-germanische Rolle eingefügt worden. Tyr und Widar, „an dem die Götter einen guten Schutz haben in aller Bedrängnis“, wie Snorri sagt, sehen wie Patrone der Gefolgsmannen aus. Widar und Wali sind zu heroischen Mitteln geworden, im Sinne der Poesie.

          Man kennt die Rolle des Wächters aus dem Beowulfepos. So muß auch die Asenburg ihren göttlichen Wächter haben, Heimdall, den Markwart des Himmels. Da ist Ullr, der schöngerüstete Jäger und Bogenschütze; da ist die Göttin Skadi. Was ist lappisch oder finnisch an ihr außer den Skiern? Sie ist eine junge, frühgermanische Frau, dianahaft mit Bogen, Jagd, Brünne, Helm und mutigem schnellen Gang, ein kvennskörungr, ein Kernweib, wie die Saga das nennt. Ob schon die Südstämme, etwa die Langobarden, auch einen Dichter nach dem Vorbild der irdischen Königshalle in ihren Himmel Wodans und Freas versetzten, wissen wir nicht; der Norden gliederte sich, gewiß nicht ganz aus sich selbst, einen göttlichen Königsskalden seinem Himmel ein. Da ist Frija selbst, die himmlische Häuptlingsfrau, die ihrem Gatten zum Aufbruch den Reisesegen spricht, die manchmal nicht ganz dieselbe Politik wie der himmliche Häuptling treibt, besorgte Mutter des göttlichen Heldenjünglings zugleich, Balders, wie Helche in der Dietrichdichtung; sie preist die rasche beherzte Heldenhaftigkeit des Sohns, aber sie wird, wie es heißt, den Jüngling niemals wieder stolz am Abend ins Gehöft einreiten sehn – wie die Mutter der Etzelsöhne die ihrigen. Diese Götter bekommen wie Helden ihre Aristie, sie werden beritten, sie erhalten ihre wunderbare Geburt. Sie sehen aus wie Wesen aus der heroischen Sphäre. Der Geist des Heldenliedes hat diese Götter festgehalten für eine bestimmte Funktion der heroischen Idee im Himmel. Dunkel nur ist erkennbar, was sie vorher gewesen. Aber was sie sind, ist für uns wichtiger, als was sie waren.

          „Makelloser Männerfürst im hochgezimmerten Hause“ heißt gern auch der eine oder andre kleinere Gott. Großer Fürst, Großkönig ist bekanntermaßen Odin, mit den großartigen wie mit den bedenklichen Zügen etwa der Merowingerkönige ausgestattet, vornehm und ungerecht, galant, böse, rasch ungnädig, hochgesinnt und machiavellistisch-skrupellos, tatkräftig, verschlagen, klug, falsch, schneidenden Hohns, „so edel und schön von Ansehn, daß wenn er unter seinen Freunden saß, jedermann das Herz im Leibe lachte“, sagt Snorri. Besorgt um Schicksal und Zukunft der Welt wie ein Fürst um die Schlacht, geht er nur darauf aus, die Sturmfahne zu erheben, Speere zu röten, mit Frauen zu kosen. Nach Weisheit und Bildung fremder Mächte begierig vor allen Göttern wie die germanischen Könige allezeit vor ihren Völkern, setzt er Buchstaben wie die Merowingerfürsten13, prägt er die Dichtkunst, die Gesetzgebung, die keilförmige Schlachtordnung. Mächtig ist er der Rede und des Wortes, wie der Führer es sein muß und der germanische König es stets war. Der Mythos vergißt nicht, auch das Bild des rede-ohnmächtigen Königs in den Himmel zu versetzen: in Hönir, der hilflos ist, wenn ihm sein soufflierender Ratgeber fehlt.

          Odin, das ist der Staat, soweit er aus Gefolgschaften besteht, Herr der Elite, Führeridee und Großkönigsgedanke, Staatengründung, Tat, Loslösung, Nobilität, Führerglück, Erfolg bei Frauen, Glanz, Beute, Abenteuer, schimmernde Hochburg, fremde weite Welt. Hier ist die nichtbäuerliche Seite im germanischen Menschen göttlich verehrt, der Schritt vom Dasein zum Leben. Hier sind die Werte der Persönlichkeit, nicht die der Gemeinschaft, ewiger Wettbewerb, Zucht und Kriegerehre, Rede, Geist, Dichtung, Schrift, Strategie, kluger Rat, das vorwärtstreibende, überzeugende Wort und die stete Bereitschaft für Schicksal.

          Der alte dämonische Zug, daß Odin gerade die Besten, Glücklichsten, Begünstigsten unversehens und trügerisch in der Schlacht fallen läßt, findet schließlich die tragisch-schöne Erklärung, daß er gerade ihrer besonders in seiner Gefolgsschar bedarf. Sie werden zu ihm erhoben, um bei ihm zu sein. Der erschütterte Verlaß auf den Gott wird wieder hergestellt, denn auch das Bild dieser metaphysischen Welt ist rauh, es dröhnen die Zeiten. Zusammenbruch einer Welt steht bevor, liegt in der Luft; Völkerwanderungszeiterlebnis vielleicht! Das goldene Zeitalter ist nicht gegenwärtig, es war einst und wird wieder sein, niemals ist es jetzt; jetzt ist nur Krieg mit den riesischen Mächten und schlimme Zeit. Balder ist tot und – ein zweiter neuer tragisch-heroischer Zug in der fremden Märchenlegende vom gestorbenen Gott – er steht nicht wieder auf: Hier hält Hel den Gott unerbittlich fest, erst im neuen Äon wird er wieder erscheinen. Eben die ihn schützen wollten, führten seinen tragischen Tod herbei wie im Heldenlied. Der Verräter war auch hier wieder in den eigenen Reihen, Blutsbruder Loki. – Freyr gab sein Schwert um Liebeslohn in die Hände der riesischen Mächte; so ist auch dieses andern schönen Götterjünglings tragischer Tod mit dem eigenen Schwert heldenliedmäßig von der Hand des Gegners gewiß. – Ein Schild ist die Sonne, Windhelm heißt der Himmel, Hengste bringen den Tag wie die Nacht. Ein Schild liegt über der Bierkufe in der Halle der Hel. Schilde sind die Wandtäfelung in der Halle der Götter. Symbolhaft für das ganze, bis ins Letzte durchgeformte Weltbild tafeln die Götter bei Schwertbeleuchtung. Schwerter leuchten in ihrer Halle während des Mahles, andere Beleuchtung brauchen sie nicht.

          Wo ist ein zweites Mal eine ganze Religion so zum Heldenlied geworden wie hier? Natürlich ist die Religion nicht ein Echo der Poesie, auch die Poesie natürlich nicht ein Echo der Religion. Es handelt sich nicht um Nachbildung oder Übertragung. Aber der gleiche Idealismus hat beide Ausdrucksformen ergriffen, die gleiche Sehweise, Denk- und Lebensform der frühgermanischen Krieger hat sie einander so ähnlich gemacht. Wir dürfen die geistige wie künstlerische Leistung ruhig bewundern. Aber das Glanzstück fehlt noch, es bilde den Schluß!

          Die Götter Germaniens sind nahe dem lebenden Menschen, wenn er sie anruft in Ernte, Schiffahrt, Krieg, Zweikampf, Krankheit, Liebe, Ehe und in allen Frauenangelegenheiten. Sie sind auch nahe dem Toten.

          Die olympischen Götter haben mit den Toten nichts zu tun; die Toten sind machtlose Schemen, ihr Reich ist den Göttern ein Greuel, dessen Berührung sie meiden. Die olympischen Götter gehören ausschließlich auf die Seite des Lebens, denn sie selbst sind die Ideen lebendigsten Lebens. Der Tod ist begriffen als Verlust des Lebens, als eine klägliche Verminderung. Kein Kult, kein Glaube trägt den Verstorbenen ins Reich der Gottheit, der Mensch geht nicht zu seinen Göttern ein nach seinem Tode, der Tote ist von seinen Göttern verlassen, schon der Sterbende ist es, an dem sich sein Schicksal vollzieht 14.

          Der germanische Krieger begreift den Tod so nicht, auch die Frauen um ihn herum begreifen den Tod so nicht, man denke an die Tochter Egils. Der ausschließlich heroische Daseinszweck erlischt ihnen unmöglich im Augenblick des Todes, vielmehr enthüllt er sich hier erst ganz. Sterben wird begriffen als Nahen der Gottheit, und der Tod als Entbietung zu ihr. Gewiß nicht leicht oder lachend, aber doch im Glanz der Kriegerehre geht man in die grünen Heime der Götter, um daselbst einen noch reineren Heroismus gesteigerter weiter zu leben. Der tote Krieger ist von seinen Göttern nicht verlassen, nichts Geringeres als ihr Reich ist zugleich sein Paradies. Mensch und Gottheit sind nach dem Tode eng beieinander, wie sie es im Christentum sind, zu dem der Übergang von hier aus unendlich leichter ist als von der olympischen Religion. „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, der Satz gilt auch hier. Nur daß in diesem aristokratischen Kriegerparadies nicht jene metasoziale Gleichheit der Menschen vor der Gottheit herrscht wie im christlichen. Herren und Knechte sitzen hier in gesonderten Hallen wie beim Burgundenuntergang in Attilaburg, und die Frauen sitzen in dieser vorhöfischen Zeit wiederum gesondert.

          Die Götterdämmerung

          Der tote Germanenkrieger ist von seinen Göttern nicht verlassen, ja vielmehr: er verläßt seine Götter nicht. Dergleichen gibt es kaum in anderer Religion. Der Mensach spart sich für seine Götter auf. Er teilt ihr Schicksal mit ihnen, den Weltuntergang, die Götterdämmerung, die Ragnarök. Dies ist der ausdrückliche Sinn des Kriegerdaseins im Jenseits. Die Götter bedürfen der menschlichen Hilfe gegen ihren furchtbaren Feind. Aus der mangelnden oder unvollkommenen Allmacht der so menschlich geformten Götter ergeben sich Aktivität, Aufgabe und höchste Pflicht des Kriegers, der sich nicht nur für die kurze Spanne seines irdischen Daseins, sondern für diese ganze Weltperiode, für diesen Äon als Gefolgsmann seiner Götter fühlt. Hier ist es nicht die Gottheit, die das unendlich tröstende, unheimlich suggestive Wort zu ihrer Gemeinde spricht, sondern der Mensch könnte es hier zu seinen Göttern sagen: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

          Der Welt Ende! – Man muß sich klar machen, welch eine Erscheinung unter germanischen Händen aus dem Motiv vom Weltuntergang geworden ist. Man muß ferner vergleichen, wie andere, rohere Kriegerkasten den Kampf des Einzelkriegers nach seinem Tode behandeln. Man muß drittens sehen, wie das germanische Ingenium beide Motive miteinander verband, den Weltuntergang und den Kampf des Einzelkriegers nach seinem Tod.

          Man muß dazu wissen, daß hinter dem Tod im Glauben vieler Völker die Vorstellung von einem Zweiten Tod steht, bei dem nichts mehr übrig bleibt, – eine mythische Apperzeption der völligen Verwesung. Ehrgeiz, Energie, Lebens- und Tatenlust der Kriegerkulturen suchen diesen Zweiten Tod zu vermeiden, den sie sich als Vernichtung durch einen leichenverschlingenden, scheußlich-dämonisch-tier- oder menschen-gestaltigen Unhold vorstellen. An der Brücke über den Totenstrom oder am Eingang zum Totenreich erwartet er sie. Fällt z.B. der tote Fidschikrieger im Kampf mit dem gefährlichen leichenfressenden Samu, so kocht und frißt ihn der Unhold. Überwindet er ihn, so ist der ersehnte Eintritt in das Kriegerparadies sein Lohn. 15

          So wie nun in Germanien die Auferstehung des gestorbenen Gottes Balder hinausgezögert ist bis ans Ende der Tage, so auch der Kampf des toten Einzelkriegers mit dem Vernichtungsdämon. Da die Götter selber Krieger sind, steht ihnen der gleiche große Kampf bevor, und dieser bedeutet zugleich gemäß dem kriegerisch-tragischen Charakter des Germanischen den Weltuntergang. Die große göttliche Trias Odin, Thor, Freyr erhält ihre unverkennbare Aristie wie die Trias der Könige beim Burgunderuntergang. Aber Vernichtung ist das Los dieser wie jener und all ihrer Krieger mit ihnen. Das Motiv vom letzten Kampf des Einzelkriegers ist kollektiviert, erweitert und dichterisch verklärt zu dem großartigen Gemälde von der furchtbaren Endschlacht der gesamten Götter und Einherjer gegen die gesamte Welt der Unholde und Dämonen am jüngsten Tag: eine ungeheure Gesamtvision des Zweiten Todes, eine Kollektivauseinandersetzung mit ihm und ein summarisches Unterliegen der Götterseite. Man darf sich von der Forschung nicht verwirren lassen, die in den letzten Jahren Sekundärmotive des Konglomerats Ragnarök in den Vordergrund gerückt hat. Das Zentralmotiv des germanischen Weltuntergangs ist gemäß der kriegerischen Haltung durchaus die große Endschlacht, „zu der am Ende der Tage die Einherjer mit Odin gegen den Wolf ausziehn“, wo die Götter sterben, thá er regin deyja16, der Götterkampf, das Göttersterben. Daher auch der Name Ragnarök „Götterschicksal“ für die ganze Erscheinung, die sich durch dies Zentralmotiv von andern Weltuntergangsvorstellungen völlig unterscheidet. Der Brand der Götterburg oder, wenn Snorri richtig interpretiert hat, der Weltbrand, woher er nun motivisch auch gekommen sein mag, ist dabei nur ähnliches Beiwerk wie der Brand der Halle beim Burgundenuntergang.

          Das Ingenium der Fidschiinsulaner ließ noch jeden Kreiger einzeln auf seiner Reise ins Jenseits seinen letzten Kampf mit dem mythisch apperzipierten Zweiten Tod ausfechten, in eintöniger Wiederholung, mit ungewissen und von Fall zu Fall verschiedenem Ausgang. Im Germanischen überschreitet die Gesamtheit die verhängnisvolle Brücke, die zu den letzten Kämpfen führt. Das germanische Ingenium sammelte und konzentrierte diese Kämpfe mit andern Motiven zu einer summarischen Abmachung, zu einer großartigen Symphonie, zu einer gewaltigen Weltkatastrophe mit gänzlich eindeutigem Ausgang. Der gestorbene Gott Balder ersteht an diesem Vernichtungstage der Götter wieder auf zur Einleitung eines neuen Äons, nur sein Losbitten aus der Unterwelt kurz nach seinem Tode war vom tragischen Bedürfnis vereitelt worden. Hier, in den Ragnarök, ist die Tragik unerbittlicher, weil die Vernichtung nicht mehr überwunden werden kann. „Voran reitet Odin im Goldhelm und in schöner Brünne mit seinem Speer Gungnir“, sagt Snorri, die andern Asen und Einherjer folgen ihm in ihren Rüstungen. Dies faszinierende Bild wird gnadenlos ausgelöscht, damit ein großartiges Zeugnis der heroisch-tragischen Weltanschauung entstehe.

          Schon das einzelne Heldenleben auf Erden verlangt eine höchste und letzte Bewährungsprobe, die man nicht vermeiden darf, weil sie das Dasein krönen soll. Der Untergang, dem man wissend und todgeweiht entgegenfährt, bietet sie. Das letzte gefährliche Schicksal muß zugleich die höchste Erfüllung und schönste Vollendung des irdischen Daseins sein in Mut und Ruhm. Gefahr ist gesteigertes Leben. Mut ist erhöhtes Lebensgefühl in der Gefahr. Ruhmliebe, mit der man sie aufsucht, ist Liebe zur Vollkommenheit. Mit dem Gefühl, vollkommen zu werden, daher ruhmwürdig zu sein, hält man dem Untergang stand. „Ich sterbe den Heldentod“ bedeutet gefühlsmäßig: „Ich bin im Begriff, vollkommen zu werden“. Der Einzelne lebt nur für seine letzte Bewährungsprobe, die zugleich sein irdischer Tod ist. Aber nun eben wird dies persönliche Prinzip ins Weltganze übertragen und auf die so kriegerisch-menschlich gedachten Götter, und auch der Zweite Tod des Einzelnen wird in diesen heroischen Dienst gestellt. An dem letzten großen Untergang teilnehmen zu können auf Götterseite, bei der summarischen Bewährungsprobe der Götter, der göttlichen Krieger, diesen helfen zu können, darauf kommt alles an. „Siehe ich übe mein Waffenspiel alle Tage und bin bei Euch bis an der Welt Ende.“ So erhielt Einzelleben wie Götterschicksal wie Weltganzes zugleich einen Sinn, und dieser Sinn ist für Welt wie Götter wie Einzelschicksal das gleiche: der Sinn der Nibelungen. Wo hat jemals die heroische Idee unter den Menschen eine gleich großartige Weltauffassung entworfen wie hier? Wo hat sie sonst noch gangbare Motive mit so unverkennbarer Gewalt gewandelt und zugleich erfüllt?

          Die Götter Germaniens, sagten wir, zogen sich nach Norden zurück, aber sie nahmen die heroische Idee nicht mit, weil sie nicht ausschließlich an sie gebunden war. Ja, sie übertrug sich, da sie ein Erbe aus dem Germanischen und ein Ferment des deutschen Wesens wurde, immer wieder von neuem auch auf das Göttliche. Von der Heroisierung im „Heliand“ bis zum ritterlichen Gott der höfischen Zeit und des Deutschherrenordens und bis zu Luthers Gott, dem er aus den Psalmen das Bild von festen Burg, der guten Wehr und den guten Waffen auswählt, trug unsere Frömmigkeit gern immer ein heroisch-kriegerisches Gepräge. Der Helianddichter beschrieb Jesus als einen Helden, der sehend und wissend in den Untergang nach Jerusalem zog. Auch hier ward gelehrt, daß das Leben keinen Sinn habe, wenn man es nicht für Großes und Weithinleuchtendes hingeben könne. 17

          Anmerkungen:

          1 Vgl. dazu meinen Göttinger Vortrag „Christentum und deutscher Volksglaube“, Zeitschrift für Deutschkunde 42, 1928, S. 321 ff.2 Zeitschrift für deutsches Altertum 66, S. 1 ff.3 Siehe darüber zuletzt W. Krause, Zeitschrift für deutsches Altertum 64, S. 273.4 Helgakvida Hundingsbana II 30; Tacitus Germania cap. 39.5 Zusammengezogen aus Liber I cap. 16-20.6 Walter F. Otto, Die Götter Griechenlands, S. 165.7 Vgl. Vafthrudnismal 17 und 18 von den Göttern; Heliand 1494 vom Freund; Hel. 1710, Gudrunarkvida III 8, Atlakvida 41 vom Bruder; ags. Genesis 168, 8 vom Gemahl und Herr, ebda. 97, 7 vom Verwandten; Beowulf 29, 1934, 2040, 2518 vom Gefolgsmann; Beow. 520 vom Erbsitz; Beow. 1868 vom Volksgenossen; Hildebrandslied 53, Hildibrands Sterbelied 4, Atlakvida 41, Hamdismal 10, ags. Genesis 14 vom eignen Sohn.8 Nach Luther, Sendbrief vom Dolmetschen, Werke ed. Clemen 4, 185 f.9 Vgl. cap. 28 (26) der Völungasaga von Sigurds Ankunft: „Ich glaube, hier kommt einer von den Göttern! Dieser Mann ist ganz mit Gold geschmückt“ usw.10 Hans Naumann, Grundzüge der deutschen Volkskunde 1 S. 78, 2 S. 76.11 Völuspa 19, Grimnismal 29, 30, 26 ff. ein komplizierteres Bild der Weltesche mit allerhand mythologischem Apparat, den nur die vergleichende Religionswissenschaft erklären kann.12 Hymiskvida 2.13 Wie Chilperich, der darin den römischen Kaiser Claudius nachahmte. Ich fürchte, dies und nichts anderes ist der Ursprung von Odins Runenkunst.14 Walter F. Otto, Die Götter Griechenlands S. 33, 175, 342.15 Hans Naumann, Primitive Gemeinschaftskultur S. 29, 39; Fraengers Jahrbuch für historische Volkskunde I, 1925, S. 23 f.16 Vafthrudnismal 47.17 Hans Naumann und Günther Müller, Höfische Kultur (D. Vierteljahrsschrift Buchreihe Bd. 17, 1929), S. 45 ff.; Zeitschrift für Deutschkunde 41, 1927, S. 809. Man mag auch an das ritterliche Wappen Christi am Gittertor der Marienburger Hochmeisterkapelle erinnern. Übrigens hebt sich auch in Luthers Katechismus über mehr bäuerlichen Lebensumständen eine mehr kriegerische Sehweise heraus.

           

          Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=91:die-goetter-germaniens-&catid=8:mythologie&Itemid=27

          Gruß an das göttliche Germanien

          TA KI

           

          Nordische Mythologie


          Die Götterwelt der Germanen begründet sich auf drei Geschlechter, die alle aus dem Urchaos Ginnungagap und dem Urrind Audhumbla hervorgingen: Das Geschlecht der Riesen und Ungeheuer, zu denen praktisch alle bösen Wesen gehörten, die auch für Naturkatastrophen verantwortlich gemacht wurden, kam als erstes auf die Welt. Dieses Geschlecht hat die Macht, die Welt zu vernichten. Damit dies nicht passiert, wurden Wanen und Asen geschaffen. Sie halten alles im Gleichgewicht, bis sich das Schicksal der Götter in einem finalen Kampf erfüllt, infolgedessen es zu einem Krieg zwischen Riesen und dem Asen-Wanen-Bund kommt, dem sich die gefallenen Menschenkrieger anschließen und in dem die ganze Welt vernichtet wird, um wiedergeboren zu werden.

          Das zweitälteste Geschlecht, die Wanen, wurden als äußerst geschickt, erdgebunden und weise verehrt und lebten ewig, sofern sie nicht erschlagen wurden. Das jüngste Geschlecht, die Asen, galten als äußerst mutig und stark, aber nicht sehr klug, was man auch in der Edda nachlesen kann. Ihr Ewiges Leben verdanken sie einem Trunk, der sie gewissermaßen abhängig von den Wanen machte.

          Hauptgott der Asen war Odin, ursprünglich vielleicht Tyr. Hauptgott der Wanen war der Meeresgott Njörd bzw. dessen Zwillingskinder Freyr und Freya. Asen und Wanen fochten einen großen Krieg aus, bei dem die Asen als Sieger hervorgingen, wobei die Wanen weiterhin eine geachtete Stellung innehatten. Beide Geschlechter lebten versöhnt und nebeneinander, bis die Christianisierung der Germanen einsetzte. Daraus ergeben sich auch verschiedene Schöpfungsmythen: so ist sowohl Tyr als auch Odin Schöpfer der ersten Menschen. Odin war ursprünglich der Hauptgott der Westgermanen, wobei er sich nordwärts über ganz Europa verbreitete. Für die Nordgermanen spielte ursprünglich Nerthus eine große Rolle, doch schon früh verschmolz ihr Kriegsgott Wodan mit dem Kriegsgott Odin und wurde so zum Hauptgott. Auch die Ostgermanen übernahmen Odin schließlich als Hauptgott. Daher wird in der Nordgermanischen Religion Odin immer als oberster Gott angesehen.

          Odin war ein Gott über alle anderen Götter. Odin war zuvorderst Kriegs- und Todesgott, und erst in zweiter Linie ein Weiser. Der Name „Odin“ leitet sich vom altnordischen Wort „óðr“ her, das „wild, rasend“ bedeutet. Daher war er der Gott der Ekstase und des rasenden Kampfes. Er war nicht ein nordischer, sondern ein gemeingermanischer Gott. Er war auch Hauptgott der Angeln, der Sachsen, die ihn Wodan nannten, was Inschriften bekräftigen. Die Sage um Odin reicht auch weit zurück, denn bereits die Römer wussten, dass die Germanen einen Gott verehrten, der ihrem Mercurius ähnelte. Odin hatte nur ein Auge, das andere hatte er dem Jöten Mime verpfändet, der über den Brunnen der Weisheit am Lebensbaum Yggdrasil gebot, wofür er aus dem Brunnen trinken durfte — er opferte also sein körperliches Auge für ein geistiges, mit dem er Dinge sehen konnte, die anderen verborgen waren. Auch die Magie der Runen hatte er von Mime gelernt. Nach der Völuspá hatte Odin einst den ersten Krieg verursacht: „In die Feinde schleuderte Odin den Speer. Das war der erste Kampf der Völker.“

          Gruß an die Geschichte des Nordens

          TA KI