Heizöl, Gemüse und Butter kosten Verbraucher deutlich mehr


Die Kosten für Heizöl, Benzin, Gemüse, Butter und weitere Produkte des täglichen Lebens sind gestiegen: Besonders drastisch war der Anstieg bei Kopf- und Eisbergsalat mit knapp 60 Prozent. Gurken kosteten fast 70 Prozent mehr. Leichtes Heizöl ist um 42,5 Prozent teurer, bei Kraftstoffen betrug das Plus 12,8 Prozent.

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Gestiegene Kosten für Heizöl, Benzin, Gemüse, Butter und weitere Produkte des täglichen Lebens haben den Verbrauchern eine hohe Teuerungsrate beschert: Die Inflationsrate stieg im Januar auf 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist der höchste Wert seit Juli 2013, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Bereits zum Jahresende waren die Verbraucherpreise um 1,7 Prozent gestiegen. Grund für die Fortsetzung der Entwicklung auch im neuen Jahr waren besonders gestiegene Energiepreise, die im ersten Monat 2017 um 5,9 Prozent über dem Niveau von Januar 2016 lagen.

Leichtes Heizöl war sogar 42,5 Prozent teurer, bei Kraftstoffen betrug das Plus 12,8 Prozent. Strom kostete 1,4 Prozent mehr. Für Fernwärme (minus 5,7 Prozent) und Gas (minus 3,3 Prozent) mussten Verbraucher hingegen weniger bezahlen.

Teils kräftige Preissprünge machten sich auch beim Einkauf im Supermarkt bemerkbar. Die Nahrungsmittelpreise stiegen im Vorjahresvergleich um 3,2 Prozent. Unter anderem wurde Gemüse um 10,7 Prozent teurer. Obst kostete 4,6 Prozent mehr.

Besonders drastisch war der Anstieg bei Kopf- und Eisbergsalat mit knapp 60 Prozent. Gurken kosteten fast 70 Prozent mehr. Grund für die derzeit hohen Preise in den Gemüseabteilungen sind winterliche Wetterturbulenzen im normalerweise ganzjährig milden Süden Spaniens, wo Schnee und schwere Regenfälle mancherorts komplette Ernten vernichteten.

Um fast 13 Prozent stieg zudem der Preis für Speisefette und Speiseöl. Olivenöl verteuerte sich um mehr als fünf Prozent, Butter sogar um mehr als ein Viertel. Für Molkereiprodukte und Eier kletterte der Preis um durchschnittlich knapp drei Prozent.

Auch in anderen Bereichen sahen sich die Verbraucher gestiegenen Preisen gegenüber: Für die Nettokaltmiete mussten sie im Januar statistisch gesehen 1,6 Prozent mehr hinblättern als ein Jahr zuvor, die Versorgung in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf wurde um 1,9 Prozent teurer.

Günstiger waren dagegen Telekommunikationsdienstleistungen (minus 1,1 Prozent) und Dienstleistungen in sozialen Einrichtungen (minus 6,3 Prozent) zu haben. Das Statistische Bundesamt bestätigte mit den Angaben vom Dienstag vorläufige Berechnungen von Ende Januar. (afp)

Quelle: http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/heizoel-gemuese-und-butter-kosten-verbraucher-deutlich-mehr-a2048483.html

Gruß an die, für die Obst und Gemüse noch alltägliches Lebensmittel ist.

TA KI

Besser als sein Ruf: Darum ist Fett gesund.


Du lässt die Butter auf deinem Brot lieber weg, um die paar Gramm Fett zu sparen? Die Packung Nüsse lacht dich im Supermarktregal an, doch du gehst lieber eisern daran vorbei?

Diese Entscheidungen waren nicht so schlau, wie du bisher gedacht hast. Denn, so unglaublich es klingt, Fett kann sogar sehr gesund sein!

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Ernährungsexperten empfehlen lieber speziell auf Kohlenhydrate in der Nahrung zu verzichten und die Fette in den Speiseplan aufzunehmen. Für Kohlenhydrate gilt: Weißmehlprodukte weglassen und lieber zu Vollkornprodukten greifen.
Es kommt natürlich auch bei der Fettzufuhr darauf an, um welche Fette es sich handelt:

Her mit diesen hier:

Einfach oder mehrfach ungesättigte Fette. Diese stecken vor allem in Lebensmitteln wie Sonnenblumenkernen, Walnüssen, Avocados, Rapsöl und Fisch (besonders in Lachs und Makrele).

Nur wenig von diesen hier:

Gesättigte tierische Fette. In der richtigen Menge ist tierisches Fett gesund, denn es enthält ungesättigte Fette aber auch gesättigte. Der Anteil der gesunden Fette ist besonders hoch in Geflügelfleisch und besonders niedrig in Lammfleisch.

Finger weg von diesen hier:

Gesättigte Fette und Transfette. Viele gesättigte Fette enthalten vor allem rotes Fleisch, also Rind, Schwein oder Lamm. Von diesen Fetten sollten möglichst ausgewogene und nicht zu große Mengen zu sich genommen werden. Auf Transfette hingegen sollte möglichst ganz verzichtet werden, denn sie sind durchweg unnatürliche Fette! Sie entstehen erst beim Erhitzen von Fett und finden sich vor allem in Fast Food, Chips, Margarine und Fertiggerichten.

 

Doch was macht Fett eigentlich Gutes für unseren Körper? Hier sind 5 Gründe, warum du gesunde Fette in deinen Speiseplan aufnehmen solltest:

1. Fett hält jung

Dein größtes Organ ist die Haut. Sie besteht aus sehr vielen Zellen, und die Zellmembran sorgt dafür, dass das Wasser in der Zelle gespeichert werden kann. Wenn eine Zelle hingegen leer und trocken ist, dann zeigt sich das auf der Haut: Sie wirkt schlaff und ausgetrocknet.

2. Fett hält schlau

Das Hirngewebe des Menschen besteht zu fast 60% aus Fett. Außerdem braucht das Gehirn bestimmte Vitamine, insbesondere Vitamin D, um sein Bestes zu geben. Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich derzeit mit dem Zusammenhang von Krankheiten wie Alzheimer, Depression, Parkinson und anderen Hirnerkrankungen und einem Mangel an Vitamin D. Das kommt vor allem in den Fetten von Fisch, Eiern und Käse vor.

 

3. Fett ist gut für die Organe

Alle Organe sind von einer Fettschicht umgeben. Um diese aufrecht zu erhalten, sollten genug gesunde Fette aufgenommen werden, um die Schutzfunktion dieser Schicht zu erhalten. Besonders die Lunge ist auf Fette angewiesen – wird sie damit unterversorgt droht eine Komprimierung, also Atemnot und sogar Asthma. Auch das Herz will gut geölt werden! Untersuchungen von Bewohnern pazifischer Inseln haben ergeben, dass durch die hohe Zufuhr an Fetten, wie Kokos- und Nussöl, keine Herzerkrankungen festgestellt wurden.

4. Fett ist gut für das Immunsystem

Vitamine futtern wurde bisher immer als der Immun-Booster schlechthin angepriesen. Einige Gemüsesorten, die wichtige Nährstoffe enthalten, kannst du allerdings essen so viel du willst und der Effekt ist sehr gering. Bis du Fett hinzugibst! Denn einige der Stoffe, die für das Immunsystem gut sind, sind fettlöslich. Das heißt, der Körper kann sie nur aufnehmen und verarbeiten in Verbindung mit Fett. Es lohnt sich also besonders Gemüse wie Möhren, rote Paprika, Spinat oder Blumenkohl mit etwas gutem Öl, z.B. Rapsöl, zu versehen.

5. Fett bewahrt vor Übergewicht

Gesunde Fette geben nicht nur schnell, sondern auch langanhaltend ein natürliches Sättigungsgefühl. Die zugeführte Energie wird vom Körper langsamer aufgenommen als beispielsweise Energie von Zucker, das verhindert das Tief nach dem Energieschub, das oft zum erneuten Essen führt.

 

Flickr/Butz.2013

Natürlich gilt auch für die Fette: Die Dosis macht das Gift. In einer ausgewogenen Ernährung in angebrachten Mengen angewendet, können dir diese Informationen helfen. Wenn du diese Erkenntnisse über die verschiedenen Fette und ihre Vorteile nicht für dich behalten willst, dann teile diese Neuigkeiten mit deinen Freunden und helfe ihnen, sich gesünder zu ernähren.

Quelle: http://www.gutfuerdich.co/gesundes-fett/

Es gibt eine Faustregel für fettlösliche Vitamine, sprich diese Vitamine werden vom Körper ausschließlich durch das Hinzufügen von Fetten ( Butter, Sahne, Rohölen) freigesetzt.

Alle Vitamine mit den Buchstaben : E-D-K-A  ( klingt fast wie eine Supermarktkette und ist daher eine prima Eselsbrücke für Vergessliche 🙂  )

Gruß an die Wissenden

TA KI

Der Trend: Butter in den Kaffee. Klingt sehr seltsam, soll aber Wunder wirken.


Wenn du zu den Menschen gehörst, die ohne ihren Morgen-Kaffee nicht ansprechbar sind, dann ist der sogenannte “Butterkaffee” perfekt für dich. Denn diese Rezeptur macht den Frühstückskaffee noch gehaltvoller und vor allem wirksamer. Danach wirst du viel wacher sein, nicht nur dein Körper sondern auch das Oberstübchen.

Zutaten:

  • Kaffee (eine Tasse oder einen ganzen Krug – soviel du eben trinken möchtest, nur FairTrade-Kaffee sollte es schon sein)
  • Biobutter
  • Kokosöl

Der frisch gebrühte Kaffee muss mit den anderen Zutaten vermischt werden. Gib ihn hierzu in den Mixer oder in ein stabiles Gefäß, solltest du einen Pürierstab verwenden. Die Mischung selbst mit einer Gabel oder einem Löffel zu mischen, funktioniert leider nur bedingt.

Einen Esslöffel Biobutter und einen Esslöffel Kokosöl. Am besten ist hier, wenn du einen Moment wartest, bis das Kokosöl und die Butter ein bisschen im heißen Kaffee geschmolzen sind. Dann geht’s weiter zum spannenden Teil: Diese Mixtur muss nun püriert werden. Also schalte den Mixer oder den Pürierstab ein und ab geht die Post.

Wenn du die Butter und das Öl gut miteinander vermischt hast, sollte eine schaumige Masse dabei herauskommen, die ein wenig wie ein Latte Macchiato aussieht. Falls Fettaugen auf dem Kaffee schwimmen, ist das ganz normal. Die hochwertige Energie in deinem Butterkaffee schwimmt eben oben! Und dann kannst du ihn auch schon probieren. Lass ihn ein wenig abkühlen, falls der Kaffee noch zu heiß sein sollte.

Der Grund, warum Butterkaffee fit macht, ist folgender: Der Butterkaffee liefert dem Körper eine sehr hohe Dosis Energie. Kokosnussöl ist hier besonders effektiv, denn seine mittelkettigen Triglyceride benötigen weder Gallensäure noch Verdauungsenzyme.

In Kombination mit Kaffee der perfekte Muntermacher, denn die Belastung für den Organismus ist sehr gering. Noch dazu sollen mittelkettige Triglyceride beim Abnehmen helfen, aber sie sind trotzdem der perfekte Energielieferant. Daher: Öfter mal ein bisschen Butter und Kokosöl in den Morgenkaffee und du bist fit wie ein Turnschuh. Vegetarier und Veganer lassen die Butter natürlich raus und verwenden nur Kokosöl.

Ein geniales Frühstück, wenn du den Tag über wach bleiben möchtest und zusätzlich noch etwas Gutes für dich tun möchtest. (…)

Quelle: http://dex1.info/der-trend-butter-in-den-kaffee-klingt-sehr-seltsam-soll-aber-wunder-wirken-2/

Gruß an die Experimentierfreudigen

TA KI

 

Deutschlands neue Armut – Um Geld allein geht es schon lange nicht mehr


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Deutschland ist ein reiches Land. Trotzdem wächst der Frust. Millionen gelten als arm, viele Kinder leiden. Längst hat sich eine „andere Armut“ mit gefährlichen Konsequenzen ausgebreitet.

Es ist noch kein Menschenleben her, da heizten meine Großeltern den Ofen mit Holz, wenn sie warmes Badewasser haben wollten. In ihrem Keller lagerten sie Kartoffeln und Äpfel für den Winter ein. Auf den Regalen reihte sich Weckglas an Weckglas: Sauerkirschen, marinierter Kürbis, grüne Bohnen. Alles aus dem Mietgarten, den meine Großmutter bewirtschaftete. Sie nähte auch oft Kleider für uns Enkelkinder. Mein Großvater war nach Krieg und Flucht vom Waldarbeiter zum Beamten bei der Forstverwaltung aufgestiegen. Die beiden hätten sich niemals als arm bezeichnet: Sie hatten eine Wohnung, ihr Sohn hatte das Gymnasium besucht und studiert. Das Geld war zwar immer knapp, aber es reichte für die „gute Butter“ auf dem Brot. Die „gute Butter“ – diesen Begriff habe ich als Kind schon nicht mehr richtig verstanden, ich kannte gar keine Margarine. Was war denn nur so Besonderes an Butter?

Seit 1950 führt das Statistische Bundesamt darüber Buch, was sich die Deutschen leisten und wie sich Kaufkraft und Inflationsrate entwickeln. Dazu packen die Statistiker einen fiktiven „Warenkorb“ mit den jeweils zeittypischen Gütern und Dienstleistungen. Alle paar Jahre wird der Inhalt des Korbes angepasst – und man sieht, wie sich Lebensverhältnisse und Ansprüche verändert haben.

Die 60er-Jahre-Körbe bilden den Alltag meiner Großeltern treffend ab: Unter „langlebigen Haushaltsgeräten“ findet sich da eine Nähmaschine und unter „Kleidung und Schuhe“ sind verschiedene Kleiderstoffe aufgelistet. Das Gemüseangebot (einschließlich der Kellerkartoffeln) ist noch strikt heimisch. Unter den Sport- und Campingartikeln findet sich die Luftmatratze. Heute sind auch Snowboard, Tennisschläger und Inline-Skates dabei. Und natürlich die vielen neuen elektronischen Geräte.

Löhne und Kaufkraft sind in Deutschland über die Jahrzehnte deutlich stärker gestiegen als die Preise – wenn man von kritischen Bereichen wie Mieten, Kinderbetreuung und Studium absieht. Aber im Allgemeinen müssen Arbeitnehmer heute wesentlich kürzer als früher für einst kostbare Dinge arbeiten.

Ein gutes österliches Beispiel ist das Hühnerei: 1950 war es unverhältnismäßig teuer: Für eine Zehnerpackung wurden umgerechnet 1,12 Euro verlangt, bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 0,56 Cent. Eine Stunde Arbeit für fünf Eier. 1960 brachte man es nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft schon auf zwölf Eier pro Arbeitsstunde, – heute sind es mehr als 70 Eier. Der gewaltige Zuwachs in der Eierkaufkraft zeigt wie viele andere Indikatoren, was für ein reiches und produktives Land Deutschland geworden ist. Und wir nehmen das als selbstverständlich hin.

Eine reiche Gesellschaft will sich keine Armut leisten. Sie kämpft dagegen an: 40 Prozent des Bundeshaushalts, mehr als 120 Milliarden Euro jährlich, gibt sie für Soziales aus. Das entspricht einem kompletten Haushalt der 80er-Jahre. Die frustrierenden Fragen lauten: Warum wird dann eigentlich gar nichts besser? Warum gelten bei uns rund zwölf Millionen Menschen als arm? Warum geht, um die jüngste, schlimmste Zahl zu nehmen, der Deutsche Kinderschutzbund davon aus, dass 2015, wie seit vielen Jahren, 2,5 Millionen Kinder in Armut leben? Obwohl so viel Geld aufgewendet wird, obwohl es so vielen Menschen gut geht und obwohl sowohl Langzeitarbeitslosigkeit als auch Unterbeschäftigung dramatisch gesunken sind?

Liegt es gar nicht am Geld?

Zwei Erklärungen sind denkbar. Entweder wir definieren Armut falsch. Oder es liegt nicht am Geld.

Zur Definition: Die Leistungen des Sozialgesetzbuches II (SGB II) sollen existenzielle Not verhindern und, wie es im 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2005 formuliert wurde, „vor Armut und sozialer Ausgrenzung ebenso wie vor den Folgen besonderer Belastungen schützen“. Inzwischen setzen Wohlfahrtsverbände und Stiftungen – zuletzt die Bertelsmann-Stiftung in ihrer Studie „Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern“ vom Februar 2015 – Armut aber schlicht mit staatlicher Hilfe gleich: „Armut wird im vorliegenden Werkstattbericht über den Bezug von Leistungen nach SGB II gemessen“, so die Stiftung.

Und: „Arme Kinder sind bei der Einschulung häufiger auffällig in ihrer Visuomotorik und der Körperkoordination. Sie können sich schlechter konzentrieren, sprechen schlechter Deutsch und können schlechter zählen als Kinder, die keine Leistungen nach dem SGB II beziehen.“ Damit ist nun ganz gewiss keine Kausalität gemeint, aber der Satz klingt trotzdem seltsam: Die staatliche, aus Steuergeldern finanzierte Leistung, die eigentlich Armut verhindern soll, steht für Benachteiligung in jeder Hinsicht?

Auch der relative Armutsbegriff der OECD, wonach jene Menschen als arm gelten, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen „bedarfsgewichteten Nettoeinkommens“ erreichen, ist problematisch: Danach würde die Armut im Berliner Stadtteil Charlottenburg sprunghaft ansteigen, wenn Bill Gates in die Nachbarschaft zöge.

Der Verdacht, dass es neben dem Mangel an Geld eine „andere Armut“ gibt, die meine Großeltern nicht kannten, die aber das Leben für manche Menschen heute sehr schwer macht, ist nicht neu. Dabei geht es um die fehlende Fähigkeit zur Selbstorganisation, um mangelnde Kenntnisse über gesunde Ernährung, um Suchtprobleme, um Ratlosigkeit in der Kindererziehung, um die Fehlnutzung von Medien, um eine generelle Hoffnungslosigkeit.

Wie bekommt man das „andere“ zu fassen, wenn mehr Geld allein nichts hilft? Wie weit darf man in das Leben von Menschen eingreifen, um ihnen dabei zu helfen, dieses Leben zu meistern? Wenn es um Kinder geht, herrscht längst ein stillschweigender Konsens, dass sie in Betreuungseinrichtungen manchmal besser aufgehoben sind als zu Hause und dass sie hier lernen müssen, was ihre Eltern ihnen nicht mitgeben können.

Seit der familienpolitischen Wende, die eine Expertenkommission unter der früheren Familienministerin Renate Schmidt (SPD) eingeläutet und die Ursula von der Leyen (CDU) im selben Amt energisch fortgeführt hatte, setzt die Bundesregierung auf den Ausbau der Kinderbetreuung: Krippenplätze für ein knappes Drittel der unter Dreijährigen gibt es mittlerweile; 51 Prozent aller „schulischen Verwaltungseinheiten“ sind Ganztagsschulen; zweieinhalb Millionen Kinder werden durch Mittel aus dem „Bildungs- und Teilhabepaket“ der Bundesregierung gefördert; 4000 Schwerpunkt-Kitas erhalten zusätzliches Geld für die Sprach- und Integrationsförderung. „Präventionsketten“ sollen schon in die Familien hineinwirken.

Kaputte Elternpaare sind das neue Armustrisiko

Das ist richtig. Und das ist zugleich so schwierig, dass man vor der Aufgabe sofort kapitulieren möchte. Aber die Familien sind nun einmal die Einheiten, die fast unhintergehbar über das Schicksal von Kindern entscheiden. Ohne sie geht es nicht. Es gibt drei Parameter von Armut, die mit den Familien zu tun haben und über die wir in Deutschland mehr diskutieren sollten als bisher: Das sind, als häufigster Armutsgrund nach Arbeitslosigkeit, die Trennungen. Das ist die Kommunikation, das Sprechen in den Familien. Und das ist das Innenleben, die Familienähnlichkeit oder -unähnlichkeit der Kitas. Alle drei Punkte haben mit Werten zu tun.

Der amerikanische Politikwissenschaftler und Soziologe Robert Putnam setzt sich in seinem neuen Buch „Our Kids“ mit der dramatischen Bedeutung auseinander, die Klassenzugehörigkeit in den USA für die Bildungsbiografien von Kindern erlangt – während ihr ethnischer Hintergrund immer unwichtiger wird. Dabei spielen geradezu reaktionär anmutende Kriterien eine Rolle: Kinder von verheirateten Eltern haben wesentlich bessere Chancen, einen College-Abschluss zu machen, als die Kinder von Nichtverheirateten oder Alleinerziehenden. Schwarze Angehörige der Mittelschicht heiraten. Weiße Angehörige der Unterschicht tun es nicht mehr.

Auch in Deutschland sind nicht Kinder das Armutsrisiko, sondern auseinanderbrechende Elternpaare, mit all den materiellen und immateriellen Folgen der Trennung: weniger Einkommen, weil nicht beide Partner voll arbeiten können; doppelte Haushaltsführung; fehlende männliche Vorbilder; Erschöpfung, weil sich zwei Erwachsene besser als einer gegen den Kinderstress feien können. Einsamkeit.

Deutschland ist nicht Amerika, aber amerikanische Trends erreichen uns in der Regel früher oder später. Das kann kein Grund sein, für einen Ehe-Unterricht zu plädieren. Aber dass funktionierende, stabile Beziehungen, die auch eine gelegentliche Enttäuschung überstehen, von entscheidender Bedeutung für das Glück der Erwachsenen wie für das Glück der Kinder sind, das könnte im öffentlichen Diskurs eine stärkere Rolle spielen. Eine stärkere Rolle jedenfalls als die selbstverständlich unbestreitbare, aber eben auch sehr folgenreiche Freiheit, sich alle paar Lebensabschnitte neu zu entscheiden.

Mittelschichtseltern sprechen mehr mit ihren Kindern als Unterschichtseltern – und sie sprechen auf andere Weise mit ihnen. Eine „Wortlücke“ von 30 Millionen Worten, die zu einem Vierjährigen aus prekären Verhältnissen nicht gesagt wurden, ermittelten die Kinderpsychologen Betty Hart und Todd Risley von der Universität Kansas in den 80er-Jahren. Die andere Armut kann also auch Wortlosigkeit sein. Nach den Erkenntnissen von Hart und Risley wirkte sich das Schweigen unmittelbar auf die kognitive Entwicklung der Kinder aus.

Es geht um Tugenden wie Lesen, Musizieren, Konversation,

Es geht auch um das, was gesagt wird. Während Mittelschichtskinder in einer Stunde 32 Ermutigungen und nur fünf Verbote hörten, wurden den benachteiligten Kindern elf Verbote um die Ohren gehauen – und sie erfuhren nur fünf Ermutigungen. Kritiker sprachen der Studie die Repräsentativität ab, aber spätere Untersuchungen wiesen in die gleiche Richtung. Vor diesem Hintergrund hat zum Beispiel die amerikanische Stadt Providence beschlossen, ein Programm aufzulegen, bei dem Sozialarbeiter Familien ganz gezielt zum Sprechen und Vorlesen anregen, wie der „New Yorker“ im Januar 2015 berichtete. Auch Hillary Clinton hat eine Kampagne ins Leben gerufen („Too Small to Fail“), die die „Wortlücke“ schließen soll.

Eine Initiative, die direkt und aufsuchend die Eltern-Kind-Kommunikation in den Fokus nimmt, könnte auch die deutsche Wortarmut lindern. Hier wie in Amerika wäre allerdings mit dem Vorwurf der Traditionalisten unter den Sozialpädagogen zu rechnen, man wolle den Klienten „Mittelschichtswerte“ aufzwingen. Aber was ist schwerer zu ertragen: das, sagen wir, nachdrückliche Anbieten von Mittelschichtswerten? Oder Armut in einem der reichsten Länder der Erde, die nicht weichen will?

Einflussagenten der so oft gescholtenen, aber für das soziale Fortkommen offenbar unverzichtbaren bürgerlichen Gewohnheiten und Tugenden wie Lesen, Musizieren, Konversation, Manieren und Bedürfnisaufschub müssten natürlich die Kitas werden, die sich weniger kontroverser Ziele wie gesunder Ernährung und Sport ja schon angenommen haben. Auch vorgelesen wird in vielen Kindergärten bereits liebevoll.

Aber eine systematische Debatte darüber, wie nah das Innenleben der Kita der bildungsbürgerlichen Familie kommen darf, werden wir noch führen müssen. Jedenfalls dann, wenn wir der anderen Armut – und damit vielleicht der Armut insgesamt – ernsthaft den Kampf ansagen wollen. Dazu gehört eben mehr, als die Kaufkraft aller Menschen in die Nähe des aktuellen Warenkorbs zu bringen.

Quelle: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/6428304/um-geld-allein-geht-es-schon-lange-nicht-mehr.html

Gruß an die Erkennenden

TA KI