HEIL – Die Bedeutung und Verwendung


von mathiasueck

Heil ist in der Gedankenwelt der Germanen letzter und tiefster Ausdruck für das Wesen sowie den Charakter des Menschen und zugleich in der Germanischen Mythologie der umfassendste Bestandteil der göttlichen Vorsehung.

Einem König wurde magische Kraft zugesprochen: das Königsheil. Dieses verlieh ihm die Kraft, die Tiere zu verstehen, Schlachten siegreich anzuführen, aber vor allem das Volk zu schützen und den Wohlstand des Stammes zu mehren.

Diese übernatürliche Kraft verliehen dem Anführer jeweils die Götter. Germanische Herrscher kannten schon im 2. Jahrhundert die goldene Königskrone als Helm oder Stirnreif (im Gegensatz zum römischen Diadem oder Lorbeerkranz), wie Funde zeigen, jedoch nicht als Symbol der herrschenden Macht, sondern des verliehenen Heils.

Bedeutungen und Verwendung

Das Wort Heil hat verschiedene Bedeutungen:
Es drückt Gesundheit, und besonders Gesundung, d. h. Genesung von einer Krankheit aus – in erweitertem Sinn außerdem auch allgemeine Begnadung, Erfolg, Ganzheit usw., und in religiöser Bedeutung Erlösung. Das abgeleitete heilig ersetzt in der religiösen Sphäre den Begriff der Weihe. Antonym zu heil ist heillos, zum Heil das Unheil („Pech“, „Verderben“, „Unglück“).

Verwendungsweisen des Wortes finden sich in unterschiedlichen Zusammenhängen:
Hilfe, Rettung, usw.
Lebenskraft des Menschen als Gabe eines Gottes oder der Götter
im Christentum: die Erlösung

Heilsgruß (Auswahl)
Heil wird auch als wohlwollende Grußformel, z. B. Heil! oder Heil Dir/Euch! gebraucht, aber auch:

-Waidmannsheil (Jagd)
-Petri Heil (Angelsport)
-Ski Heil (Skisport)
-Heil am Seil (Bergsteigerei)
-Berg Heil (Grußformel nach Gipfelsieg)
-Gut Heil (Feuerwehr)
-Herzliche Heilsgrüße (Grußformal)

Wortgeschichte
Sprachgeschichtlich mit dem Adjektiv heil verwandte Wörter sind in allen germanischen Sprachen belegt mit der Bedeutung „ganz, gesund, unversehrt“, englisch whole „ganz“ (älter hole, das w dient nur der orthographischen Unterscheidung von hole „Loch“, neben dialektalem hale). In Lautfolge und Bedeutung verwandte Wörter gibt es auch in keltischen und baltoslawischen Sprachen.

Das Verb heilen bedeutet „heil machen“ (etwa in „Wer heilt, hat recht“) und „heil werden“ („die Wunde heilt“).

Germanische Vorstellung von Heil

Der Heilsgruß der Germanen (dies gilt auch für die Römer) war ein ganzheitlicher Ausdruck der höchsten Ehrzuweisung. Man wünschte dem Gegenüber Gesundheit, Zufriedenheit, Kriegsglück, aber vor allem Erhabenheit, Weisheit und (transzendente) Überlegenheit (z. B in „Heil dem Führer“, „Heil Dir im Siegerkranz!“, „Heil unserm König, Heil!“) in allen Dingen des Lebens und zum Wohle der Allgemeinheit oder den Untergebenen.

Dies galt auch für Objekte oder Orte, ein „Heil dem Götterhain“ z. B. sollte eine Würdigung des heiligen Ortes und Ehrfurcht für dessen mystische Bedeutung ausdrücken.

„[..] Große festliche Bereitung traf der Ankömmling in der Stadt und auf dem Fürstenschloß zu Rendsburg vor. Durch die kriegerische Einigung gegen Dänemark hatte der Abschluß des Ehebündnisses zwischen Norwegen und Holstein noch eine weit gewichtvollere Bedeutsamkeit gewonnen, die Grafen Klaus und Johann, Herzog Albrecht von Mecklenburg, Junker Adolf von Schauenburg und zahlreiche andere Herren und Ritter waren zur Feier als Zeugen versammelt. […]

Mit unveränderter Miene hörte die junge Königin den Worten der Heilsgrüße und des Beileids zu, es spiegelte sich nicht Glück noch Trauer in ihrem Antlitz. Nur als der Ritter Wernerkin nun nach den Fürsten zu ihrem Sitz hinanschritt, erschien ihr Gesicht noch um etwas blasser als zuvor.

Sie sprach ihn an: ‚Lasset mich Euch danken, Herr Ritter, denn Ihr habt das Schwerste vollbracht, daß Ihr aus so weitem Land heut hierher gekommen, mich zu begleiten. Dessen bleibe ich Euch gedenk.‘“[1]

Das Heil wird gemeinsam mit seinem doch wiederum recht üblichen Tätigkeitswort heilen im Sinn der Menschen immer als etwas Gutes begriffen. Der Vorgang der Heilung bedeutet Erstarkung der lebensaufbauenden Geister, bedeutet Umwandlung von Schaden in frische Kräfte.

Wenn etwas heil ist, so ist es ganz, vollständig, und deshalb eins mit sich selbst. Die Germanen betrachteten das Heil u. a. als Geschenk des Schicksals, etwas, das von den Göttern mit in die Wiege gelegt wurde, aber auch als Errungenschaft, die ein Wagemutiger sich erobern konnte.

„Eines Mannes Ernteheil ist die Kraft, die ihn zu Wachsamkeit, zu rastlosem Wirken antreibt, die seine Arme die Hacke schwingen läßt, daß es eine Art hat, und Schick und Schneid in seine Arbeit legt; es leitet die Hacke, so daß er sie nicht vergebens in einen kargen, unnachgiebigen Boden einhaut, sondern gerade die Poren der Fruchtbarkeit sich öffnen läßt; es schickt das Korn aus der Erde empor, es begleitet die Ernte ins Haus, bleibt bei ihr beim Dreschen und Zermahlen und gibt dem Brot oder dem Brei die Kraft des Nährens, wenn das Essen aufgetragen wird.

So ist es mit dem Ernteheil, dem Jahrheil und so auch mit jedem anderen Heil. Was hierbei zum Ausdruck kommt, ist die tiefe ungebrochene Überzeugung altgermanischer Wesensart, das das Gelingen einer Unternehmung vor allem vom Heil des Menschen selbst und nicht von äußerer Bestimmung abhängt.

Hier herrscht ein Urvertrauen, welches nicht dem Schicksal einfach seinen Lauf läßt, sondern es zupackend in die Hand nimmt, um es zu gestalten. Es ist nicht der Seufzer so Gott will, sondern das tätige Bekenntnis seines Glückes Schmied zu sein.“ — Wilhelm Grönbech

Die germanischen Edlen waren nicht, wie der spätere Adel, von „Gottes Gnaden“ eingesetzt, sondern schöpften ihre Stellung aus dem Heil, das sie kraft ihrer besonderen Befähigung hervorbrachten.

Das alte Heil erweist sich recht umfangreich: mit Selbstgewißheit in Verhalten, Auftreten und Handeln, mit der gleichen Sicherheit andere beurteilen zu können, den rechten Entschluß zu fassen, die richtige Entscheidung zu fällen. Folgerichtig erlangt das Heil im „Königsheil“ seine größte Ausdehnung und zugleich schärfste Spannkraft.

Die Erwartungen an einen Volksführer waren hoch gesteckt. Es bedurfte mehr als ein sieghafter Recke zu sein, also „Siegesheil“ zu besitzen – ein wahrlich auserkorener König mußte geradezu als Heilsbringer überzeugen.

Christliche Vorstellungen von Heil

Hauptartikel: Heilig
Heil nahm einen religiösen Sinn an mit der Christianisierung, mit dem christlichen Heilsversprechen, d. h. der „Gesundung“ von der Sünde. Der Begriff verdrängte wih, den gemeingermanischen Ausdruck für die Idee des sacrum.

„Heil“ übernahm die Bedeutung volksreligiöser ( Heidentum) Vorstellungen von persönlichem Glück, d. h. einer inhärenten Eigenschaft wie z. B. Königsheil oder Ernteheil (heute: einen grünen Daumen) zu haben, kurz: „Glück“ über eine bloße Glückssträhne hinaus.

„Heil“ zu haben war nicht damit identisch, tüchtig oder tapfer zu sein – vgl. dazu ähnlich magisch besetzte Begriffe wie Tyche, Fortuna, Schicksal. Man konnte sein „Heil“ auch einbüßen. Das Gegenteil von Heil ist Unheil bzw. Übel.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica – Heilsgruß Seiner Majestät als Ehrerbietung an Volk und Vaterland

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Germanische Priesterinnen waren, wie schon Tacitus berichtete, für das Heil des Stammes von großer Bedeutung. Im heiligen Hain deuteten sie die Runen und die Göttervögel (Raben). Im Vorfeld einer Schlacht galten der Flug und das Verhalten der Tiere als Omen für den Ausgang der kriegerischen Auseinandersetzung. Ein Glaube, der auch bei den Babyloniern und im antiken Griechenland eine wichtige Rolle spielte. Im Alten Testament galten Raben bei den Juden als „unrein“. Mit dem Aufkommen des Christentums in Europa verbreitete sich diese dümmliche Mär, da es auch darum ging, das Germanische im Volk auszumerzen. Die Zahl 13, z. B., war für die Germanen eine Zahl des Heils, die jüdisch-christlichen Eroberern machten daraus eine Zahl des Unglückes und des Bösen.
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Heil
TA KI

Ehrfurcht und Mysterium als Nahrung für die Seele


gefunden auf wakeupworld, geschrieben von Lissa Rankin, übersetzt von Afrosina

Awe-and-Mystery-as-Food-for-the-Soul-330x226Über den Unterschied zwischen Ehrfurcht und Mysterium habe ich mir kaum Gedanken gemacht, bis ich begann, an dem sprichwörtlichen Küchentisch der Autorin von Weisheiten vom Küchentisch – Dr. Rachel Naomi Remen, herumzusitzen. Schon bald nachdem ich mich an jenen Tisch begeben hatte, begann es, dass Ehrfürchtiges und Mysteriöses zusammen mit einer Portion Wunderlichem im Menu auftauchten.

Ich weiss nicht, warum ich vor dem Treffen mit Rachel darüber noch nie nachdachte. Denn so wie sie, bin ich eine ausgebildete Ärztin. Ärztinnen und Ärzte sind gesegnet damit, in ehrfurchtsvollen und mysteriösen Angelegenheiten in der ersten Reihe zu stehen. Schon über 10 000 Mal war ich der 1. Mensch, der das neugeborene Baby sah, nachdem es aus der Mutter herausglitt. Mindestens 100-mal war ich der letzte Mensch, der jemanden sah, der auf die andere Seite des Schleiers hinüber wechselte. Unzählige Male tauchte Seltsames in einer Art auf, die ich mir nicht erklären konnte – wie würde ich etwas über einen Patienten wissen, den ich möglicherweise noch nie mit meinen fünf Sinnen erfasst habe und von dem ich keine Laborergebnisse habe. Und wirklich oft würde das, was ich weiss, ein Leben retten.

Warum hielt ich nicht inne, um das Ehrfürchtige zu bestaunen? Warum war ich nicht mehr verzaubert von dem Mysterium? War ich schon so ausgebrannt, überarbeitet und jenseits der Integrität gegenüber meiner eigenen inneren Wahrheit, dass ich das in Erscheinung tretende Gesicht einer Seele nicht bemerkte, die noch nicht vollständig in einem neuem Babykörper inkarniert war? Was liess mich das Wunder missachten, das das neue Leben immer begleitet oder den vollkommen friedlichen Tod, der eintritt, wenn jemand ein völlig erfülltes Leben in Liebe und ohne Bedauern gelebt hat?

Die Begegnung mit Rachel hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert, aber dieses einfache Ding – die Fähigkeit zu erkennen, wann Ehrfürchtiges und Mysteriöses auftaucht – berührte mich tief und berührt mich noch immer in meinem Alltag.

Was ist Ehrfurcht?

Dictionary.com (Lexikon) definiert „Ehrfurcht“ als ein überwältigendes Gefühl der Ehrerbietung, der Bewunderung, der Furcht usw. entstanden durch etwas, das gross ist, unterschwellig und sehr mächtig oder ähnlichem. Ich mag das Wort „Ehrerbietung“, sofern es sich auf Ehrfurcht bezieht. Wenn ich Ehrfurcht habe, fühle ich diese Ehrerbietung in meinem Herzen. Es ist wie eine Kombination aus Hingabe, Dankbarkeit und absolutem Glücklichsein, als hätte ich irgendwie den Jackpot gewonnen ohne ihn zu verdienen. Ehrfurcht lässt mich an das Wort „Gnade“ denken, das eines meiner Lieblingsworte ist. Gnade ist unverdiente Segnung. Sie trifft mich immer mit Ehrfurcht und fühlt sich wie Gnade an.

Ehrfurcht ist eine Teil der Lebendigkeit und zwar nicht unerheblich. Sie ist ein Grundbedürfnis und ohne die wir unsere Lebenskraft schwächen. Wir müssen das Gefühl von Ehrfurcht fühlen, so wie wir auch Nahrung und Schutz brauchen. Während Nahrung und Schutz körperliche Bedürfnisse sind, ist Ehrfurcht ein Bedürfnis der Seele. Die Seele wird für uns in einem Moment der Ehrfurcht gegenwärtig und wenn wir einen Mangel an Ehrfurcht haben, dann tragen wir ein Risiko bis hin zu einer seelischen Erkrankung, die sich als körperliche Erkrankung zeigen kann, als Depression, Ängstlichkeit oder einfach in dem Gefühl etwas zu vermissen (weil es tatsächlich so ist). So wie euer Körper jeden Tag Übungen braucht, so braucht dies auch die Seele. Ehrfurcht gibt eurer Seele ein Training und erinnert euch, warum ihr hier seid und wie gesegnet ihr seid, ein Mensch zu sein.

Was ist ein Mysterium?

Ein Mysterium ist definiert als „etwas, das schwierig oder gar unmöglich zu verstehen oder zu erklären ist“. Ein Mysterium beinhaltet nicht nur die alltäglichen Geheimnisse und andere Dinge des Alltags, die die Wissenschaft uns versucht zu erklären und es nicht kann, sondern es gehören auch mystische, magische ,wunderliche Erfahrungen dazu, die der Verstand nicht ganz verstehen kann und die Wissenschaft nicht einmal versucht, diese Dinge zu berühren, wie z.B. Nahtoderfahrungen, psychische Phänomene, spirituelle Kräfte, die ihren Ausdruck finden in Meditation, Kommunikation mit Verstorbenen, in Träumen, die die Zukunft voraussagen und in Spontanheilungen von scheinbar unheilbaren Krankheiten.

Das Mysterium neigt dazu, den kognitiven Geist zu verärgern, weil es unerklärlich ist und wir werden von Sachen verängstigt, die wir uns nicht erklären können. Mysterien bedrohen unser Weltbild und unser Ego fühlt, dass es keine Kontrolle mehr hat. Im Unterschied zur Ehrfurcht ist das Mysterium kein Bedürfnis. Es ist ein Teil der natürlichen Welt. Das Mysterium IST einfach. Das Leben ist aus seiner Natur heraus mysteriös, deshalb sind wir immer umgeben vom Geheimnisvollen und dennoch mögen wir keine Geheimnisse, Rätsel. Wir mögen es, Geheimnisse zu lösen, aber wir fühlen uns unwohl angesichts ungelöster Rätsel. Sie lassen uns unsere Unsicherheit spüren. Wir mögen es, alles gut in ein nettes kleines Päckchen zu verpacken, so dass wir es uns erklären können. Ein kleines Geheimnis macht die Welt für uns spannend, aber wir werden nervös, wenn das Leben zu viele Geheimnisse verbirgt. Das Mysterium lässt uns fragen, was ist echt und wir mögen es nicht gerne, wenn unser Realitätssinn bedroht wird. Das Mysterium ergibt keinen Sinn und das fühlt sich für uns unbehaglich an.

Aber wenn wir anfangen, uns dem Mysterium gegenüber zu öffnen, dann fühlen wir uns weniger bedroht, das Mysterium fängt an, verlockend zu werden. Wenn ihr es nicht wisst, …. ist alles möglich. Das Mysterium kann sehr spannend sein, wenn ihr euch ihm nicht widersetzt.

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Der Unterschied zwischen der Ehrfurcht und dem Mysterium

Ehrfurcht stört den kognitiven Geist nicht so, wie das Mysterium es tut. Ehrfurcht fühlt sich sehr viel angenehmer an als das Mysterium. Das Mysterium kann Ehrfurcht beinhalten – besonders, wenn Wunder sich dabei ereignen – aber Ehrfurcht muss nicht unbedingt ein Mysterium beinhalten. Auf die gleiche Weise, wie wir uns dem Mysterium in uns widersetzen, wehren wir das Mysterium in der Welt ab. Aber wir tendieren nicht dazu, uns auf dieselbe Weise der Ehrfurcht zu widersetzen. Wir neigen dazu, das Mysterium geheim zu halten. Ich bin ständig in Ehrfurcht davor, wie viele Menschen ihre wundersamen Geschichten für sich behalten, weil sie fürchten, dass sie für verrückt erklärt werden, wenn sie die Wahrheit über das Mysterium, das sie erlebten, aussprechen würden. Aber Ehrfurcht ist nicht etwas, vor dem wir uns fürchten, sie mitzuteilen. Wir widersetzen uns der Ehrfurcht anders als dem Mysterium. Ehrfurcht ist auch nicht so ein Geheimnis wie das Mysterium es zu sein beabsichtigt.

Die meisten von uns wissen nicht wie grundlegend wichtig die Ehrfurcht für das menschliche Dasein ist. Ehrfurcht wird nicht als notwendig erachtet. Wir schätzen sie als Sahnehäubchen ein, als einen Luxus. Aber Ehrfurcht ist ein wirkliches Bedürfnis – ein Bedürfnis unserer Seele. Wenn ihr keine Seele hättet, dann könntet ihr keine Ehrfurcht erleben und wenn ihr eure Seele erfahren wollt, dann sucht nach Ehrfurcht. Ihr könnt eure Seele jedes Mal erfahren, wenn ihr Ehrfurcht gefunden habt.

Ehrfurcht und Mysterium im Alltag

Meine Tochter Siena und ich verbringen zusammen drei Wochen Ferien in Byron Bay, Australien – ein kleiner Mutter-Tochter Urlaub, bevor mein Buch Die Anatomie einer Berufung am 29. Dezember herauskommt. Sie litt unter dem Wetter, so dass wir wenig unternahmen, aber an diesem Nachmittag hielten wir auf einer Farm an, wo man sich selbst für 30 australische Dollars eine Kiste mit Gemüse einer biologischen Farm zusammenstellen konnte. Als wir Karotten, rote Beete und Kartoffeln ausgruben, alte Strauchtomaten-Sorten, Auberginen und Paprika abzupften und frischen Kopfsalat, Kohl und Basilikum ernteten, empfand ich Ehrfurcht. Nicht nur Ehrfurcht vor der Fülle von Mutter Erde, sondern auch Ehrfurcht angesichts dessen wie gesegnet ich doch bin, wie wundervoll der Himmel war, wie magisch die Erde ist und aus einem kleinen Samenkorn eine grosse reife Frucht wachsen lässt, wie wunderschön das laute Vogelgezwitscher in Byron Bay ist, der Gegend, wo ich mich aufhalte, tief im Regenwald. Am meisten empfinde ich Ehrfurcht über das Strahlen im Gesicht meiner Tochter, auch wenn sie mit einem Virus darnieder liegt.

Während wir so auf der Farm umher spazierten, fiel mir irgendwie der Schlüssel meines Mietautos aus der Tasche und verschwand – Gott weiss wo zwischen all den Bergen von Erde, Pflanzen und Gemüse er war- ich kniete dazwischen, ging ein paar Gänge auf und ab, fühlte mich ohne Hoffnung und fragte mich, wie in aller Welt ich zu unserem Ferienhaus zurückkommen könnte, wo doch auch mein Telefon in Australien nicht funktionierte. Dann erinnerte ich mich daran, dass ich mein Leben nicht kontrollieren muss. ( Mindestens ein Dutzend Mal am Tag muss ich mich daran erinnern, dass ich meine Probleme nicht allein zu bewältigen brauche.) Ich hörte sofort auf mit der Anwendung der Ohnmachtsübung, die zu einem täglichen Gebet geworden war. Ich übergab den verlorenen Schüssel an das Göttliche, schloss meine Augen, visualisierte die Last des verlorenen Schlüssels als Gewicht auf meinem Herz, und betete, was auch immer der höchste Wille sei, dass er sich verwirkliche und wie ich die Last dem Göttlichen übergebe, das mein geliebter Partner und Mitschöpfer ist. Dann fühlte ich Vertrauen und wusste, dass was auch immer geschieht, ob ich den Schlüssel finde oder nicht, alles gut sein wird.
Zwei Sekunden nach meinem Gebet, schaute ich nach links und genau dort oben auf einem Zweig mit Tomaten lag mein Autoschlüssel. Das ist ein Mysterium – genau so ist es. Meine Seele wurde heute gut ernährt.

Wenn ihr heute noch nicht eure tägliche Dosis an Ehrfurcht gehabt habt, dann macht heute etwas, das eurer Seele Nahrung gibt. Geht hinaus. Schaut euch den Sonnenuntergang an. Lest ein Gedicht von Rumi oder von Hafiz. Erkundet einen neuen Wanderweg. Betrachtet einen Baum. Untersucht eine Pflanze. Beobachtet euer Kind mit magischen Augen. Erlebt einen Kuss, als sei es euer erster.

Wo könnt ihr heute Ehrfurcht finden?

In der Ehrfurcht vor euch – und dem Leben

Über die Autorin:
Lissa Rankin ist Ärztin für Psycho-Somatik, Gründerin des ganzheitlichen medizinischen Instituts, einem Fortbildungsprogramm für Ärzte und Dienstleister im Gesundheitswesen und Bestseller-Autorin in der New York Times mit Geist statt Medizin: Wissenschaftliche Beweise, dass Du Dich selbst heilen und von Angst kurieren kannst. Sie ist auf einer Mission, um das Gesundheitswesen zu heilen durch die Ermächtigung, sich selbst zu heilen.

Quelle: http://transinformation.net/ehrfurcht-und-mysterium-als-nahrung-fuer-die-seele/

Gruß an die Ehrerbietenden

TA KI