Reis aus Kunststoff oder gefärbtes Öl – Lebensmittelfälschungen sind Riesengeschäft


„Experten schätzen, dass die Gewinne mit Lebensmittelbetrug die Größenordnung der Erträge aus dem Drogengeschäft oder dem Menschenhandel entsprechen“, so der Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

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Reis aus Kunststoff oder gepanschtes Olivenöl – gefälschte Lebensmittel sind weltweit ein riesiges Geschäft und für den Verbraucher kaum zu erkennen.

„Experten schätzen, dass die Gewinne mit Lebensmittelbetrug die Größenordnung der Erträge aus dem Drogengeschäft oder dem Menschenhandel entsprechen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Helmut Tschiersky, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Es liege auf der Hand, „dass die organisierte Kriminalität da mitmischt“.

Tschiersky nannte als Beispiele gepanschtes Olivenöl, gefärbtes Palmöl, die Zusetzung von Aromastoffen bei Weinen oder gar Glasnudeln und Reis aus Kunststoff, die in Indien auf den Markt gekommen seien. „Den Tätern winken satte Gewinne.“

Gut gemachte Fälschungen seien für Kunden kaum zu erkennen, sagte der Behördenchef. „Wenn man sich vor Fälschungen schützen kann, dann mit Aufmerksamkeit. Wenn eine Flasche hochwertiges Olivenöl etwa nur drei Euro kosten soll, stimmt wahrscheinlich etwas nicht.“

Nicht mit jeder Fälschung sei aber eine Gesundheitsgefährdung verbunden, betonte Tschiersky. Gepanschtes Olivenöl etwa sei nur minderwertig. In einem Fall aber seien gemahlene Haselnüsse mit gemahlenen Erdnüssen versetzt worden – „für Allergiker ist das eine Katastrophe“.

Im Kampf gegen Lebensmittelbetrug forderte der Behördenchef einen besseren Schutz für anonyme Hinweisgeber. Die in Deutschland geltenden Regelungen würden sogenannte Whistleblower nur unzureichend vor Nachteilen schützen. So könnten sie zum Beispiel arbeitsrechtlich belangt werden und ihren Job verlieren, wenn sie ihre Firma verrieten. „Man sollte sie besser absichern.“ (afp)

Quelle:http://www.epochtimes.de/gesundheit/reis-aus-kunststoff-oder-gefaerbtes-oel-lebensmittelfaelschungen-sind-riesengeschaeft-a2033602.html

Gruß an die Autarken

TA KI

Rechtlos im Supermarkt


Neuer Report „Rechtlos im Supermarkt“

 

foodwatch fordert eine Generalüberholung des deutschen und europäischen Lebensmittelrechts. Darin gelten zwar der präventive Schutz vor Täuschung und der vorsorgende Gesundheitsschutz als die zentralen Grundsätze – diese werden jedoch in der Rechtsetzung und der gesetzlichen Praxis nur mangelhaft umgesetzt. Das ist das Ergebnis einer ausführlichen Analyse der nationalen und EU-Lebensmittelgesetzgebung, die foodwatch unter dem Titel „Rechtlos im Supermarkt“ heute in Berlin vorgestellt hat.

Das entscheidende Problem: Abstrakt existiert zwar ein hohes Niveau beim präventiven Schutz vor betrügerischen oder gesundheitsschädlichen Praktiken – tatsächlich klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Lebensmittelrechts eine riesige Lücke. Ein Skandal wird meistens erst dann publik, wenn die Produkte – Dioxin-Eier oder Pferdefleisch-Lasagne – schon verzehrt sind. Vor allem dem Einfluss der Lebensmittel- und Agrarlobby ist es geschuldet, dass der Präventionsgedanke des nach der BSE-Katastrophe neu konzipierten Lebensmittelrechts in der gesetzlichen Praxis unterlaufen wurde. Die zahllosen Einzelgesetze begünstigen Gesundheitsgefährdung und Irreführung der Verbraucher, anstatt sie davor zu schützen.

Gesetzeslücken verhindern wirksame Prävention

Beispiele für mangelnden Gesundheitsschutz aufgrund gesetzgeberischer Versäumnisse:

  • Regelmäßig kommt es zu Dioxinbelastungen in Futtermitteln. Die Testpflichten sind so löchrig, dass ein Gifteintrag kaum verhindert werden kann. Zudem führt die Selbstanzeige eines Futtermittelherstellers automatisch zu Straffreiheit, selbst wenn die dioxinbelastete Ware bereits verkauft ist. Dadurch besteht nicht nur keine Abschreckung, sondern sogar ein Anreiz zum Futtermittelpanschen.
  • Unklare Nährwerte, irreführende gesundheitsbezogene Aussagen, die Verwendung bedenklicher Zusatzstoffe oder der exzessive Einsatz von Antibiotika in der Tiermast mit negativen Folgen für die menschliche Gesundheit: Möglich ist all dies nur, weil es die gesetzlichen Vorgaben erlauben.
  • Verstöße gegen Hygienevorgaben oder Grenzwertüberschreitungen, z. B. bei Pestiziden in Obst und Gemüse, sind an der Tagesordnung, können aber nicht effektiv verhindert werden, solange die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen nicht veröffentlicht werden.
  • Aufgrund unzureichender Auskunftsrechte erhalten Verbraucher behördliche und betriebliche Informationen oft gar nicht oder nicht zeitnah genug, um risikobehaftete Lebensmittel zu meiden.

Auch gegen das Verbot von Täuschung wird regelmäßig und systematisch verstoßen, weil gesetzliche Lücken eine wirksame Prävention verhindern:

  • Betrugsfälle wie der Pferdefleisch-Skandal sind nur möglich, weil der Einzelhandel wegen fehlender Prüfpflichten für betrügerische Inhalte seiner Eigenmarken nicht haftbar gemacht werden kann.
  • Das gesetzliche Regelwerk legalisiert irreführende Etikettierungs- und Werbepraktiken, weil z.B. Herkunftsangaben oder der Einsatz von Gentechnik nicht vorgeschrieben oder normative Regelungen selbst irreführend sind (Himbeertee ohne Himbeeren, Geflügelwurst mit Schweinefleisch etc.).

Härtere Strafen allein reichen nicht aus

foodwatch fordert, die Lebensmittelgesetze in Gänze auf den Prüfstand zu stellen: Alle Gesetze müssen sich daran messen lassen, ob sie den Prinzipien des vorsorgenden Gesundheitsschutzes und des präventiven Schutzes vor Täuschung dienen.

Der Ruf nach härteren Strafen und besseren Kontrollen ist zwar populär, erfüllt aber selbst den Tatbestand der Verbrauchertäuschung. Vielmehr müssen folgende Grundbedingungen für eine erfolgreiche Überholung des Lebensmittelrechts erfüllt sein:

  • Die konsequente Umsetzung des „Vorsorgeprinzips“ und des Präventionsgedankens;
  • Der Aufbau eines effektiven Rückverfolgbarkeitssystems über die gesamte Lieferkette;
  • Umfassende und effektive Informationspflichten für Behörden und Unternehmen;
  • die Einführung eines Unternehmensstrafrechts;
  • ein Normenkontroll-Verbandsklagerecht für Verbraucherverbände auf nationaler und EU-Ebene.

Quelle: http://www.foodwatch.org/de/informieren/lebensmittelpolitik/aktuelle-nachrichten/neuer-report-rechtlos-im-supermarkt/

Gruß an die aufmerksamen Verbraucher

TA KI