Der verlorene Patient Wenn die Krankenkasse nicht zahlt


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Wer krank wird, hat ein Recht auf eine Heilbehandlung, denn dafür zahlt man jeden Monat Krankenversicherungsbeiträge. Umso größer ist der Ärger, wenn die Kasse sich weigert für medizinische Hilfe oder die soziale Absicherung zu zahlen.
Krankenkassen, Ärzte und Kliniken verweigern Patienten in Deutschland immer wieder ohne ausreichenden Grund medizinische Leistungen und Krankengeld. Das gehe aus der Analyse von 80.000 Beratungsgesprächen hervor, die die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) in der Zeit zwischen April 2013 und März 2014 durchführte.

Patienten werden offenbar häufig angerufen

Die Patienten fühlen sich auch häufig von ihren Ärzten schlecht informiert und von ihren Krankenkassen um ihre Ansprüche gebracht. Laut UPD haben etliche Betroffene das Gefühl, die Kasse setze sie unter Druck und dränge sie dazu wieder arbeiten zu gehen. Die Versicherten bekämen Telefonanrufe, in denen sie zur Rückkehr an den Arbeitsplatz aufgefordert würden.

Rechte gegenüber der Krankenkasse

Wenn die Kasse die Zahlung verweigert können Versicherte sich wehren. Wer Widerspruch einlegt, hat gute Chancen, notwendige Gesundheitsleistungen doch noch zu bekommen. Einen Anspruch auf Krankengeld hat jeder Patient, der wegen einer Erkrankung mehr als sechs Wochen von seinem Arzt für arbeitsunfähig erklärt wird. Es beträgt 70 Prozent des Bruttoeinkommens und wird für ein und dieselbe Erkrankung höchstens eineinhalb Jahre gezahlt.
Die Versicherten wissen oft nicht, wie sie sich wehren sollen und welche Rechte sie gegenüber ihrer Krankenkasse haben. Wenn die Kasse beantragte Leistungen verweigert, sollten Betroffene zunächst dort nachfragen, ob eventuell ein Missverständnis vorliegt. Bleibt der Sachbearbeiter jedoch bei der Auffassung, ist es ratsam, einen schriftlichen Ablehnungsbescheid anzufordern. Nur gegen einen solchen Bescheid sind Rechtsmittel möglich.

Widerspruch rechtzeitig einlegen

Ein Widerspruch gegen einen Ablehnungsbescheid muss grundsätzlich schriftlich eingelegt werden. Eine Mail reicht in diesem Fall nicht aus, weil dort die Unterschrift fehlt. Wichtig dabei ist, den Widerspruch rechtzeitig einzulegen. Die Frist dafür beträgt einen Monat und beginnt, sobald man der Ablehnungsbescheid zugestellt wurde.

Ein kasseneigenes Gremium entscheidet über den Widerspruch. Nicht selten bekommt der Versicherte Recht. Wer Ärger mit der Kasse hat, kann teilweise auch Rechtsschutz beanspruchen: Während viele Versicherer früher nur für den Gang vors Sozialgericht zahlten, decken Premiumtarife heute auch das vorgeschaltete Widerspruchsverfahren ab. Kostenlose Hilfe bietet auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland mit landesweit 21 Beratungsstellen.

Vorgehen empört nicht nur Patienten

Der Autor Wolfgang Luck zeigt in „Der verlorene Patient“ am 10. Oktober 2014 um 20.15 Uhr mehrere Fälle, in denen Patienten von ihrer Krankenkasse alleingelassen wurden und sich nun gegen diese „Sparpolitik“ wehren.

Bei seinen Recherchen stößt der Autor auf Belege dafür, dass der Spitzenverband der Krankenkassen seinen Mitgliedern gezielt erklärt, wie man Patienten mit juristischen Spitzfindigkeiten in eine ominöse „Krankschreibungslücke“ lockt. Ein Vorgehen, das nicht nur Ärzte und Patientenvertreter empört. Nur eines ist Wolfgang Luck nicht gelungen: die Vertreter der Krankenkassen vor die Kamera zu bringen. Die Verantwortlichen verweigerten monatelang aus Termingründen jedes Interview.
Quelle: http://www.3sat.de/page/?source=/ard/dokumentationen/178856/index.html
Gruß an die Versicherten
TA KI