Mein Körper gehört mir!


Das Leid von Organspendern und ihren Angehörigen wird vielfach verschwiegen.

Organe zu spenden soll selbstverständlich werden

Es sei das Ziel, die Organspende zu einer „Selbstverständlichkeit“ zu machen, betont Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Der medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel, ergänzt, dass in Deutschland eine „Kultur der Organspende“ zu fördern sei, bei der das Denken an eine mögliche Organspende am Lebensende zu einer Selbstverständlichkeit wird.

Erreicht werden soll dies einerseits durch die Beförderung einer Diskussion unter den Parlamentariern auf Grundlage von Spahns Entwurf, dem sogenannten „Gemeinschaftlichen Initiativplan Organspende“, des Weiteren durch einen Gesetzesentwurf, der eine bessere Vergütung für Kliniken vorsieht, die Spenderorgane entnehmen, und nicht zuletzt durch die Umwandlung der seit dem 1. November 2012 gültigen „Informierten Entscheidungspflicht“ in eine „erweiterte Widerspruchspflicht“, die dann jeden Bürger zu einem potentiellen Organspender erklärt, es sei denn, er oder seine Angehörigen widersprechen.

Nötig seien diese Maßnahmen, da die Spendenbereitschaft in Deutschland merkbar zurückgegangen sei. Spahn macht dies deutlich, indem er beklagt: „Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Spenderorgan gefunden wird“ (1).

Bin ich womöglich egoistisch?

Mir ist unwohl bei dem Gedanken, staatlicherseits, quasi in Vertretung des sogenannten allgemeinen Interesses, per se zu einem Organreservoir erklärt zu werden. Ich bin, wenn meine Organe einmal gefragt sein werden, doch sowieso tot, sagt man mir. Was sollte es mich kümmern, was da noch mit meinem Körper geschieht? Gibt es denn über diesen Körper hinaus gar kein Interesse an mir als Individuum, an meinem Weltbild, an den Motiven, die mich zweifeln lassen, an dem Unentscheidbaren, das in mir wallt, an meinen Ängsten?

Wieso würde ich so egoistisch sein wollen, meinen Körper eher unter der Erde vergehen zu lassen, als mit der Hergabe meiner Organe anderen Menschen das Leben zu retten? Gerne würde ich einfach antworten: „Weil meine Organe mir gehören, weil ich unsicher bin.“, aber ich trau mich nicht. Bin ich tatsächlich ein egoistischer Mensch?

Um mich genauer zu informieren, besuche ich die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Fallbeispiele, die dort aufgeführt sind, bestätigen mir, dass Organspender tolle Menschen sind, die anderen Menschen das Leben retten.

Die FAQs vermitteln mir, die Organspende ist ein sicherer Vorgang, der nach strengen Leitlinien, mit großer Ärztekompetenz und in pietätvoller Haltung durchgeführt wird (2).

Nach wochenlanger Recherche, Sichtung von Texten und Dokumentationen und vielen geführten Gesprächen halte ich nun ein Heft des Vereins zur Kritischen Aufklärung zur Organspende (KAO) mit dem Titel „Organspende — die verschwiegene Seite“ in den Händen (3).

Der Titel weckt mein Interesse, weil in der Schrift Angehörige von Spendern zu Wort kommen sollen, die anscheinend von etwas wissen, das verschwiegen wird. Ich will wissen, was das ist. Entsetzt muss ich während des Lesens immer wieder feststellen, dass der Titel nicht zu viel versprochen hat. Wie oft denke ich betroffen: „Das habe ich so nicht gewusst!“

„Das habe ich so nicht gewusst!“ ist auch der Satz, den ich in allen folgenden Gesprächen über das Thema Organspende und Widerspruchslösung von meinen Gesprächspartnern am häufigsten gehört habe und an den sich dann direkt die Frage anschließt: „Warum wird uns das nicht gesagt?“

„Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr“, sagte der Transplantationsmediziner Professor Rudolf Pichlmayr 1987 (4).

Wie tot ist tot?

Tot heißt die Transplantationsmedizin betreffend hirntot.

„Der Hirntod wird definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Dabei wird durch kontrollierte Beatmung die Herz- und Kreislauffunktion noch künstlich aufrechterhalten“ (5). Er kann beispielsweise als Folge einer Hirnblutung, einer schweren Hirnverletzung oder eines Hirntumors eintreten. Das Gehirn ist dann als übergeordnetes Steuerorgan der elementaren Lebensvorgänge unwiderruflich ausgefallen.

Bislang unterschied die Medizin zwei größere Stadien des Sterbeprozesses, den klinischen Tod und den biologischen Tod. Beim klinischen Tod stellt man das Fehlen von Atmung, einen Herz-Kreislauf-Stillstand, fehlenden Puls an der Halsschlagader, maximale Pupillenerweiterung, fehlende Pupillenreaktion, fehlende Reflexe, keinen Muskeltonus, Blässe bis Blaufärbung der Haut und Abnahme der Körpertemperatur fest.

Wer einen Toten sieht, erkennt also intuitiv, dass alle Anzeichen, die Leben signalisieren, wie Atmung, Wärme, Hautfärbung, Reaktion und Bewegung, nicht mehr wahrnehmbar sind.

Hirntote sehen aus, so beschreiben es deren Angehörige, wie schlafende Menschen und laufen in ihrer Erscheinung unserer Wahrnehmung von Toten zuwider. Sie können das Bild vom Tod nicht mit dem übereinbringen, was sie sinnlich wahrnehmen – eine Qual, wie sie berichten.

Der biologische Tod ist gekennzeichnet durch Totenflecken, Totenstarre und Selbstauflösung. Beim klinischen Tod gibt es innerhalb einer bestimmten Zeitspanne noch die Möglichkeit der Reanimation, der biologische Tod ist nicht mehr reversibel.

Erst 1968 wurde an der Universität Harvard als eine neuartige Definition des Todes der Hirntod formuliert. Das Gehirn ist in drei große Areale aufgeteilt: Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Ist die Gesamtfunktion dieser Bereiche unumkehrbar erloschen, ist die Person tot.

Laut der Bundeszentrale zur gesundheitlichen Aufklärung (BZgA) ist mit dem Hirntod das Gehirn als übergeordnetes Steuerorgan unwiderruflich ausgefallen, der Tod des Menschen nach neurologischen Kriterien sicher festgestellt und eine Rückkehr ins Leben ausgeschlossen (6).

Dies ist, wie später im Text noch zu lesen sein wird, für etliche als hirntot Erklärte nicht zutreffend. Eine Rückkehr ist in viel mehr Fällen als angenommen möglich. Der Hirntod ist als Todesform in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt.

Als Spender eignen sich zum größten Teil nur Menschen, die eine Schädigung ihres Gehirns erlitten haben. 2017 wurde im Jahresbericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) als die Haupttodesursache von Spendern mit 53,2 Prozent eine Gehirnblutung genannt (7).

Weitere Schädigungen können Schlaganfälle, Schädelhirntraumata, Schwellungen, Hydrocephalie und Schädigungen durch Sauerstoffmangel sein.

Zweimal sterben

Viele Menschen stellen sich als den Zeitpunkt der Organentnahme ein Zeitfenster zwischen klinischem und biologischem Tod vor: Es ist nichts mehr zu machen, der Verstorbene hat kein Empfinden mehr, alle Lebenszeichen sind endgültig erloschen. In meiner Vorstellung begleite ich meinen sterbenden Angehörigen bis zu diesem Punkt – mit ihm sprechend, seine Hand haltend, ihn umsorgend. Für eine Organweitergabe eignet sich ein klinisch oder biologisch toter Mensch jedoch nicht mehr, da sich die Organe bereits in einem Zustand des beginnenden Zerfalls befinden.

Die Organentnahme und die Transplantation unterliegen einem extremen Zeitdruck und es beginnt ein Wettlauf gegen diesen Zerfall. Je mehr Zeit vergeht, desto geringer werden die Aussichten auf eine erfolgreiche Transplantation. Dieser Zeitdruck schließt dann aber in der Folge eine Sterbebegleitung eines hirntoten Spenders aus. Ich bin irritiert: Wir haben der Hospizbewegung und der Palliativmedizin viele Einsichten in die Wichtigkeit eines begleiteten und würdigen Sterbens zu verdanken – Segnungen, die aber einem Organspender niemals zu Teil werden können.

Den Angehörigen wird bei Eignung eines Patienten für eine Organentnahme der „Tod“ mitgeteilt. In den Hirntodprotokollen findet sich an dieser Stelle auch die Eintragung der offiziellen Sterbezeit. Die Einwilligung der Angehörigen muss schnell erfolgen. Unter Druck soll von ihnen eine Entscheidung getroffen werden, dabei sind sie selbst noch traumatisiert und meistens nicht in der Lage, die Situation voll zu begreifen.

Durch Maschinen in seinen ausgefallenen Lebensfunktionen unterstützt, wird der Patient dann weiter am Leben erhalten, obwohl schon für tot erklärt – Organspende bedeutet sogar schon vor dem Hirntod intensivmedizinische Maximaltherapie. Meistens wird der beatmete „Leichnam“ mit dem schlagenden Herzen zur Sicherheit narkotisiert, um Schmerzempfinden auszuschließen und plötzliche Bewegungen oder wider Erwarten einsetzende Spontanatmung unter der Entnahme zu vermeiden.

Der Hirntote „wird gepflegt, sein Herz schlägt, er ist warm und kann Fieber haben. Er bewegt sich spontan und reagiert auf Berührung. Beim Einschnitt des Chirurgen in den Körper des Organspenders steigt in vielen Fällen der Blutdruck rasant an. Deshalb bekommen Spender bei der Organentnahme immer muskelentspannende Mittel und starke Opiate. Oft sogar eine Vollnarkose.“ (8) Eine Vollnarkose oder Schmerzmittel unter einer Explantation sind in Deutschland nicht vorgeschrieben, werden aber meistens verabreicht.

Der größte Teil der OP besteht nun darin, die einzelnen Organe sorgsam freizulegen. Zunächst wird der Körper vom Kinn bis zum Schambein geöffnet, die Organe in einer mehrstündigen Operation präpariert, wobei darauf geachtet werden muss, dass es nicht zu Bewegungen oder gar zu einem Herzstillstand beim Spender kommt. Im Falle eines eintretenden Herzstillstands wird der Spender reanimationspflichtig. Gegen Ende der OP werden mit einer Infusion circa 15 Liter eiskalte Perfusionsflüssigkeit in den Körper eingebracht, um die Organe zu konservieren. Jetzt erst steht das Herz still, die Aorta wird abgeklemmt und es wird als erstes Organ explantiert. Ein Vorgang, der in diesem gekühlten Zustand nur ungefähr 3 Minuten dauert.

Der Spender ist jetzt zum zweiten und letzten Mal gestorben.

Der explantierte Leichnam soll nach dem Vorgang in ordentlichem, zugenähtem Zustand der Familie zur Verabschiedung übergeben werden. Angehörige berichten oftmals von verzerrten, leidvollen Gesichtsausdrücken ihrer Verstorbenen, als sie sie nach der Explantation zum Verabschieden sehen durften. Ein Bild, dass diese Menschen ihr Leben lang nicht mehr loslässt, und oft zum Anlass für Schuldgefühle, Zerrissenheit, familiäre Belastungen und Zweifel wird. Ein Toter, der wiederbelebt wird? Auch ich spüre große Zweifel in mir aufsteigen: „Ob alles, was machbar ist, auch wirklich gemacht werden muss?“

Der Hirntod als Freispruch für die Pioniere einer Medizin im Machbarkeitsrausch

Für eine Weitergabe eignen sich also nur Organe, die bis zum Zeitpunkt der Entnahme intakt, gut durchblutet und somit optimal versorgt worden sind. Setzt der klinische Tod ein, sind sie unbrauchbar – Gewebespenden, wie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Haut, Blutgefäße, Knochen, Sehnen, Bänder, Bindegewebe und die Eihaut der Fruchtblase, sind allerdings auch nach dem klinischen Tod noch möglich.

Das Dilemma besteht nun darin, intakte Organe von einem Spender gewinnen zu können, der genügend tot ist, um ihn als tot deklarieren zu können, aber eben doch nicht so tot, dass seine Organe für eine Weitergabe unbrauchbar werden.

Bei diesem Dilemma hilft die Formulierung eines besonderen Todeskriteriums, nämlich die des Hirntods, aus. 1967 gelang in Südafrika die erste Herztransplantation der Welt. Der Patient überlebte 18 Tage. Heute wird sehr gerne darauf hingewiesen, dass dieses Ereignis in keinem Zusammenhang mit der Einführung des Hirntods im Jahr 1968 steht und es sich um zwei voneinander völlig unabhängige Vorgänge handelt. In der Begründung zur Neudefinition des Todes von 1968 ist allerdings zu lesen, dass einerseits „irreversible komatöse Patienten anderweitig benötigte Intensivbetten belegen“ und andererseits, „dass so Auseinandersetzungen bei der Beschaffung von Organen zur Transplantation vermieden werden könnten“ (9).

„Um nicht in den Tötungsverdacht zu geraten, bestanden daher Transplantationsmediziner und drei Expertenanhörungen vor dem Gesundheitsausschuß des Deutschen Bundestages auf einer juridischen Gleichsetzung des Hirntodes mit dem Tod des Menschen. Andernfalls gelte ein Hirntoter noch als ein im Sterben begriffener Patient, also als ein lebender Mensch, und dann müssten sich Ärzte jeglicher Transplantation komplett verweigern. Dieser Forderung entsprach der Gesetzgeber, indem er im Transplantationsgesetz hirnsterbende Komapatienten als eindeutig verstorbene Menschen statuiert hat“ (10).

Der Hirntod ist kein prozessuales Merkmal, wie der klinische oder der biologische Tod, sondern seine Merkmale stellen zunächst ein neurologisches Krankheitsbild dar, das durch seine erfahrungsgemäß schlechte Heilungsprognose als unumkehrbar und zum Tode führend deklariert wird. Der Mensch mit dieser Schädigung wird vorwegnehmend als für „so gut wie tot“ befunden.

Man muss dabei aber im Kopf behalten, dass es sich hier tatsächlich nur um eine Prognose, keine Diagnose und letztendlich um eine Vermutung handelt, die nun aber mit Hilfe der Hirntodfeststellung zu einem Faktum erklärt wird. Tatsächlich erholen sich etliche Patienten, die anfänglich Merkmale eines Hirntods zeigten, unter einer angemessenen fachlichen Behandlung.

Andreas Zieger, Neurologe und Neurochirurg, berichtet aus seiner Praxis, dass neben einer adäquaten medizinischen Behandlung auch die Kommunikation zum Komapatienten – Berührung, Sprechen, Musik – eine wichtige Rolle für die Möglichkeit einer Erholung spielen (11). Doch die Zeit für Langzeitkontrollen, Kommunikation und Stimulation hat die Transplantationspraxis nicht. Jeder weitere beatmete Tag verringert die Qualität der potenziellen Transplantate.

Die Hirntod-Diagnose wurde in meinen Augen als ein Freispruch für die Pioniere einer Medizin im Machbarkeitsrausch geschaffen. Deren vielschichtige Implikationen konnten wir bereits im Laufe der letzten 50 Jahre in der Praxis erfahren. Es wird aber weiter an einer Konstruktion festgehalten, die erhebliche Schwachstellen und Anfälligkeiten aufweist und vielfaches Leid verursacht.

Zu viele Fehler

Es unterlaufen zu viele Fehler bei der Hirntodfeststellung. Laut der Ärztezeitung vom 30. März 2016 sind 16 von 52 Hirntodprotokollen fehlerhaft. Bei 5 der 16 Patienten, also einem Drittel, konnten noch Spontanatmung oder Hirnaktivität im EEG nachgewiesen werden (12).

Der Neurologe und Neurochirurg Andreas Zieger beschreibt noch einen weiteren problematischen Aspekt. Er sagt, weil ein Hirntoter nicht mehr in der Lage ist zu kommunizieren, degradiert man ihn zu einem „Herz-Lungen-Paket“, zu einem Ding (13). Die Medizin kennt viele Möglichkeiten mit Geräten in den Körper eines Menschen hinein zu schauen, doch es fehlt ihr weitgehend an Ideen, in der Beziehung zu einem Komatösen nach Leben zu forschen.

Es hat noch niemand bewiesen, dass das Menschsein im Gehirn sitzt, so dass mit dem Tod dieses Organs gleichzeitig auch das Menschliche ausgelöscht wäre. Der Chirurg Reinhard Steinmann will selbst nichts mit der Transplantationsmedizin zu tun haben. Er formuliert es so:

„Ich glaube, dass der Mensch in dem Moment, wenn er hirntot ist, irreversibel auf dem Weg zum Tode ist. Aber ich glaube nicht, dass er als Individuum im Moment des Hirntods schon tot ist“ (14).

Mit seiner ersten Aussage, die Steinmann in Jahre 1999 gemacht hat, liegt er offenbar nicht so ganz richtig.

Wioletta Plisinska wurde als Patientin für hirntot erklärt. Nur durch den Einsatz ihres Vaters und des engagierten Arztes Professor Talar wurde das Mädchen einer fachgerechten Behandlung zugeführt, durch die sie heute ein völlig unbeeinträchtigtes Leben führen kann (15). Ein weiter Fall einer lebendigen Hirntoten aus Polen: Ein Vater berichtet von dem Gespräch, das die Chefärztin mit ihm führte, um seine Einwilligung in die Organentnahme bei seiner verunglückten Tochter zu erhalten.

Sie erklärte ihm, da sei kein echtes Leben mehr in seinem Kind, das sei doch nur noch „pflanzliches Leben“, sozusagen „Gemüse“. Nachdem das komatöse Mädchen fünf Wochen lang von Professor Talar intensiv behandelt wurde, wachte es auf und führt nach einer Rehabilitationsphase heute ein völlig normales Leben (16).

Handelt es sich um spektakuläre Einzelfälle? Wenn man im Netz sucht, so findet man nicht wenige solcher „Einzelfälle“. Jeder einzelne Fall hat bei der Betrachtung der Grenzen, an die die Transplantationsmedizin stößt, Relevanz, denn jeder für tot erklärte Lebende ist einer zu viel!

Es soll sich laut Professor Cicero Coimbra, Lehrbeauftragter für Neurologie und Neurowissenschaften an der Landesuniversität Sao Paulo, um etwa ein Drittel der Menschen, die mit einem Schädel-Hirn-Trauma in eine Klinik eingeliefert werden, handeln, die unter einer dem Krankheitsbild entsprechenden, adäquaten Behandlung vollständig ihren Weg zurück ins Leben finden könnten.

Auf internationaler Ebene wird die Kritik immer stärker. Der ehemals das Hirntodkonzept befürwortende Neurologe Professor Alan Shewmon wurde aufgrund seiner Beobachtungen zu einem entschiedenen Gegner, wie auch etliche andere Wissenschaftler. Am 19. Februar 2009 fand ein Kongress in Rom statt unter dem Titel „Zeichen des Lebens – Ist der ‚Hirntod‘ noch Leben?“. „Man kam damals zu dem Schluss: Der Hirntod ist erstens nicht mit dem Tod gleichzusetzen, zweitens hat die Wissenschaft neue Erkenntnisse, setzt man die bei schwersten Schädelhirntraumen ein, kann man etwa 70 Prozent dieser Menschen retten und die meisten von ihnen in ein normales Leben zurückführen.

Der Vatikan veröffentlicht dieses Papier bis heute nicht. Stattdessen aber veröffentlichten diese Experten ihre Vorträge in einem Buch mit dem Titel ‚Finis Vitae‘“, so Renate Greinert, betroffene Mutter und Autorin des Buches „Konfliktfall Organspende – Unversehrt sterben! Der Kampf einer Mutter“, die 2009 den Kongress besucht hat (17).

Eine unmögliche Entscheidung wird erzwungen

Es hängt also entscheidend davon ab, ob der Arzt seinem Eid gemäß den vor ihm liegenden Patienten als einen zu Heilenden betrachtet oder eher den potentiellen Spender in ihm sieht. Der Weg, für den er sich entscheidet, erfordert jeweils eine ganz andere Behandlung.

Bei dem Weg der Heilung eines Gehirngeschädigten sind neben medikamentöser Behandlung unter anderem Zeit, sensible Beobachtung, temporäre Überbrückung ausgefallener Organe sowie die Abschirmung des Systems vor Belastungen nötig. Dies erklärt auch Jobst Meyer, Facharzt für Chirurgie, in einem Interview mit der Journalistin Silvia Matthies. Meyers Bruder wurde im Alter von 15 Jahren für hirntot erklärt und explantiert. Bei der Durchsicht der Krankenhausakten fielen Meyer Unstimmigkeiten und Behandlungsfehler auf (18).

Bei dem Vorgang, einen hirngeschädigten Menschen als Spender vorzubereiten, ist Zeit ein knappes Gut. Alle am Transplantationsprozess Beteiligten stehen unter einem ungeheuren Druck und müssen in einer solchen Situation korrekte Entscheidungen mit großer Tragweite treffen. Wenn Ärzte diese Art Belastung aus ihrem Arbeitsalltag auch grundsätzlich kennen, so entsteht sie dort in der Regel jedoch nicht im Konflikt mit ihrer Ethik und dem Auftrag, das Leben des Patienten, der vor ihnen liegt, zu retten. Stattdessen muss der Arzt eine Entscheidung treffen, welchem Leben der Vorrang zu geben ist: dem des Empfängers oder dem des potenziellen Spenders.

Hier kommt es unter Zeitdruck eindeutig zu einer Situation, in der eine Bewertung, über lebens- oder unlebenswertes Leben, erzwungen wird, die in die Nähe des Euthanasiedenkens führt. Etliche Krankenhäuser und Ärzte möchten diese Entscheidung deshalb auch nicht treffen müssen und stellen sich der Transplantationspraxis nicht zur Verfügung. Im Jahr 2009 gab es eine Befragung unter rund 500 niedergelassenen Ärzten.

Eines der Ergebnisse dieser Befragung war, dass nur jeder zweite Arzt einen Organspenderausweis besitzt. 95 Prozent aller Ärzte und Patienten gaben als Grund für die geringe Spendenbereitschaft mangelnde Aufklärung an, und die Angst, vorzeitig für tot erklärt zu werden (19). In der Offensive von Bundesgesundheitsminister Spahn ist vorgesehen, die kleinen und bisher nicht teilnehmenden Kliniken mit finanziellen Anreizen der Mitwirkung zugänglicher zu machen.

Der fatale Apnoe-Test

Um den Hirntod festzustellen, führt man verschiedene Untersuchungen durch. Getestet werden Hirnstamm-Reflexe, wie zum Beispiel die Pupillenreaktion und die Spontan-Atmung. Dadurch werden unterschiedliche Funktionen in verschiedenen Gehirnarealen geprüft. Eine dieser Untersuchungen ist der obligatorische Apnoe-Test. Bei diesem Verfahren wird der Patient bis zu 10 Minuten vom Beatmungsgerät getrennt, um die Spontanatmung zu überprüfen. Von einer fehlenden Spontanatmung wird dann auf eine Schädigung des die Atmung steuernden Hirnareals geschlossen.

Der Neurophysiologe Professor Cicero Coimbra stellt in einem Interview mit der Journalistin Silvia Matthies klar, dass eben dieser Apnoe-Test, der das wichtigste Kriterium für eine Hirntoddiagnostik ist, in einer nicht unerheblichen Anzahl der Fälle erst recht zum Tode der Patienten führte.

Die Patienten erleiden dabei Herzrhythmusstörungen, Herzjagen und weitere Symptome eines unter höchstem Stress stehenden und letztendlich kollabierenden Systems. In dem 2015 geführten Interview äußert er mehrfach deutlich, dass durch die Durchführung des Tests nicht wenige Patienten, die sich unter einer ordnungsgemäßen Behandlung vollständig, das heißt ohne Hirnschädigung, hätten erholen können, getötet würden.

Von diesem Test profitiert der Patient nicht, er stellt kein diagnostisches Mittel dar, um die Behandlung des Patienten zu bestimmen. Coimbra macht klar, dass dieser Test allein dem Zweck dient, dem Arzt den Hirntod des Patienten zu bestätigen. Für die Durchführung des Apnoe-Tests muss keine Einwilligung der Angehörigen eingeholt werden.

Coimbra erklärt dies und auch die Zusammenhänge zwischen Hirndruck, Hormonproduktion und dem Funktionieren des Atemzentrums. Unter einer zeit- und fachgerechten Behandlung ist ein Schädel-Hirn-Trauma in erster Linie eine Erkrankung, die zunächst als solche zu behandeln und deren Verlauf längerfristig zu beobachten ist. Es lohnt sich sehr, sich das Interview mit Professor Coimbra anzuschauen (20).

„Willst du, dass ich sterbe?“

Ich halte die kleine Broschüre in den Händen. Wie gering ihr Gewicht ist und wie schwer das wiegt, was darin berichtet wird.

Ich sehe zwei Fremde vor meinem inneren Auge, sie schauen sich ins Gesicht. Einer fragt den anderen: „Willst du, dass ich sterbe?“ Der eine ist Organspender und der andere ist Organempfänger. Dies ist die unmögliche Frage, die im Raum steht, wenn ein Leben von dem Sterben eines anderen abhängig gemacht wird. Spender und Empfänger, auch deren Angehörige werden sich tatsächlich niemals begegnen, und sind doch beide durch das Paradox intimster Anonymität miteinander verbunden.

Während in dem einen Krankenzimmer um ein Leben gebangt wird, wird in dem anderen bis ins Unerträgliche hinein auf die Möglichkeit gewartet, durch das Spenderorgan eines Verstorbenen überleben zu können. Keiner wünscht dem anderen den Tod, doch der Wunsch nach Leben wird hier unweigerlich mit dem Sterben eines anderen verwoben.

Die Transplantationspraxis wirft einen tiefen Spalt auf, der die Gesellschaft und den Einzelnen vor eine unlösbare Aufgabe stellt, vor die Entscheidung „du oder ich“. Sterben möchte niemand, Gutes tun wollen viele. Doch wie das Gute tun, wenn durch das so gewollte Gute großes und vielfältiges Leid entsteht?

In Zeiten vor Beginn der Transplantationspraxis bedeute ein untergehendes Organ den sicheren Tod – durch Verpflanzung ist das Problem scheinbar in den Griff bekommen worden, doch gleichzeitig stellt uns diese Technik vor Herausforderungen, die nur unter der Zerteilung des Begriffs vom Menschsein, von Leben und Individualität handhabbar gemacht werden können.

So sehr sich die Transplantationsmedizin um eine Rationalisierung der Vorgänge bemüht, so sehr die gesellschaftliche Verpflichtung seinen Körper in einem Akt der Nächstenliebe freizugeben betont wird – am Ende der Geschichte geht es immer um zwei Leben, die einander gegenübergestellt werden: das lebenswerte und das für unlebenswert erklärte.

Das verschwiegene Leid

Die Frage „Tot genug?“ ist eine Zumutung für alle am Prozess Beteiligten, für die Spender, die Empfänger, die Angehörigen, die Ärzte, die Pfleger. Die Antwort darauf wird immer mit Unsicherheiten behaftet bleiben. Das führt zu Zweifeln, Zerrissenheit und Fragmentierung von Gefühlen.

Ärzte

Selbst explantierende Ärzte können zu einem großen Teil nur unter Aufwendung absoluter Rationalisierung des Vorgangs und großer innerer Distanz das tun, was sie tun. Sie müssen den Menschen vor sich und den Menschen in sich vergessen können. Wer fragt nach den möglichen psychischen Auswirkungen, die bei Ärzten und Pflegern entstehen? Unter dem Titel „Das war ein katastrophaler Ausbau von Ersatzteilen“ berichtet eine Neurologin davon, wie sie zum ersten Mal an einer Organentnahme teilgenommen hat. Die Operation missrät vollkommen und die Ärztin träumt bis heute davon (21).

Erschwerend für eine gesellschaftlich offene Diskussion kommt hinzu, dass hinter der offiziellen Erzählung von selbstlosen Spendern und glücklichen Empfängern, neben etlichen Auslassungen in der Information, auch massiv viele weggedrückte Emotionen liegen. Angst, Gutes tun zu wollen und Sinn zu geben sind Grundmotive des Menschseins. Um die Spendenbereitschaft anzusprechen werden sie massiv getriggert, doch wenn es dann zu einer Explantation kommt, sollen und müssen sie wegrationalisiert werden, dann steht nur noch der gehirnlose, so betrachtet entseelte Körper im Fokus.

Die emotionalen Zumutungen, denen alle Beteiligten ausgesetzt sind, das empfundene Unbehagen, ins Gedächtnis eingebrannte Bilder, zerstörte Hoffnungen und die dabei entstandenen Verletzungen finden in der öffentlichen Diskussion gar keinen Raum, doch sie werden ein Leben lang für alle Betroffenen zum stetigen Begleiter und damit in ihrer Fülle zu einem bestehenden, doch verdrängten Teil des gesellschaftlichen Gedächtnisses.

Angehörige

Auch das Leid, dem die Angehörigen ausgesetzt sind, muss genauer angeschaut werden. Renate Greinert berichtet in einem Vortrag: „Völlig unaufgeklärt haben wir uns, ohne die Tragweite unserer Entscheidung übersehen zu können, von Medizinern in eine Situation hineinführen lassen, in der es nicht mehr um ein friedvolles und behütetes Sterben unserer Kinder ging, sondern um das Überleben Dritter“.

Und weiter: „Es liegt mir fern, wartende Organempfänger oder bereits Transplantierte kränken zu wollen, aber sie verstehen sicher, dass ich zum Beispiel als Mutter eines sterbenden Kindes dafür Sorge tragen will, dass mein Kind in Ruhe und Frieden sterben darf, seinem Tempo gemäß, liebevoll begleitet, ohne dass irgendjemand an seinen sterbenden Körper schon Ansprüche anmeldet“ (22).

Empfänger

Zu wenig Aufmerksamkeit erhält auch das Leid der Organempfänger. Diese Menschen führen ein Leben in Todesangst, in nervenzerreißendem Warten, in Angst vor der Abstoßung und fragiler Hoffnung. Sie werden ihr weiteres Leben als ewige Patienten verbringen müssen, deren Immunsystem dauerhaft unterdrückt werden muss. Die Einnahme vieler Medikamente, deren massive Nebenwirkungen, strenge Verhaltensregeln, die Ungewissheit, ob sich aus der Unterdrückung des Immunsystems nicht weitere schwere Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, ergeben können, sind der Preis für ein auf unbestimmte Dauer verlängertes Leben.

Auf der Webseite des Klinikums der Universität München werden die Erfolgsaussichten einer Lungentransplantation recht nüchtern beschrieben:

„Lungentransplantierte haben gute Chancen, dieses neue Leben über einige Jahre zu genießen. Die Transplantationsmedizin hat im letzten Jahrzehnt enorme Fortschritte gemacht. Ziel der Forschung ist es vor allem, die Nebenwirkungen der Medikamente zu minimieren und die chronische Abstoßung (Bronchiolitis obliterans) zu reduzieren. Hier gibt es vielversprechende neue Ansätze, denn gerade letztere Erkrankung des transplantierten Organs führt über die Jahre gesehen häufig wieder zu einer langsamen Einschränkung der Lungenfunktion, die gegebenenfalls eine Re-Transplantation notwendig machen kann.“ (23)

Die Angst vor der Endlichkeit

Selbst unter Aufbietung schonungsloser Information – Übertreibungen sind gar nicht notwendig – bekomme ich in manchen meiner aufklärenden Gespräche zur Antwort: „Trotzdem!“.

„Trotzdem finde ich Organspende gut!“ – wer nach allen offengelegten Fakten eine Entscheidung für die Organspende trifft, hat dies wenigstens auf einer ehrlichen und vollständigen Grundlage getan. In der Stimme, die das „Trotzdem“ in den Raum pflanzt, höre ich Bestimmtheit. In den Augen nehme ich aber etwas anderes wahr – flackernde Angst.

Die Transplantationsmedizin hat uns in den vergangenen 50 Jahren an die Nähe eines Mythos gewöhnt, der mit der fortschreitenden Transplantationstechnik vor seiner totalen Erfüllung zu stehen scheint, an den Mythos medizinisch machbarer Kontrolle über das Leben und an den entrinnbaren Tod. Nach der Logik des: „Wer nicht gibt, kann nicht bekommen“ wird die eine Angst, nämlich die vor dem Verlust des individuellen und würdigen Sterbens, gegen die andere Angst, nämlich die vor der Endlichkeit des Lebens, in den Ring geschickt.

Das eigene Leid wird Vorrang vor dem Leid des anderen haben müssen – ein Denken und Wirken, das in seiner Unerträglichkeit auf die Seele nur pathogen wirken kann. Wir werden alle in der Angst vor dem Tod miteinander verknüpft zu einer um Überleben und Würde konkurrierenden Masse.

Dies wird ein nach außen unauffälliger Kampf sein, da ihn jeder in sich selbst, gegen sich selbst und auch gegen die gespürte und verinnerlichte Erwartung der Gesellschaft ausfechten muss. Wenn alle Fehler, Implikationen und Unüberschaubarkeiten im System schon nicht schrecken können, so kann es aber die eine, die größte Angst in uns: nämlich sich in der Ablehnung der Transplantationsmedizin der eigenen Möglichkeit eines allerletzten Auswegs vor dem Tode zu berauben.

Diese Angst wird den Sieg davon tragen.

Fazit

Zweifel und Fragen sind absolut berechtigt und können nicht mit einem offiziell verordneten Denkbann moralisierend belegt oder mit grenzüberschreitenden Erwartungen zum Schweigen gebracht werden.

Umfassendere Informationen tun dringend Not, um eine individuelle, bewusste und klare Entscheidung für sich selbst und wirklich nur für sich selbst treffen zu können. Die unlösbare Frage des „Du oder ich?“ hinter der Organspende bleibt aber weiter bestehen. Durch die Transplantationstechnik haben wir uns mehr Verantwortung in die Hände gespielt, als wir als Gesellschaft jemals moralisch, ethisch und psychisch erfassen und handhaben können.

Verloren sind die Erkenntnisse der Hospizbewegung und der Palliativbehandlung für Menschen, die in einem Akt der Selbstlosigkeit einen Teil ihres Körpers hergeben. Gesellschaftlich gesehen kommt die Einführung der Transplantationsmedizin der geöffneten Büchse der Pandora gleich.

Muss alles, was machbar ist, um jeden Preis auch gemacht werden?


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98851/Gemeinschaftliche-Initiative-soll-Organspendebereitschaft-erhoehen
(2) https://www.organspende-info.de/infothek/faq-organspende
(3) https://initiative-kao.de/pdf-kao-infobroschuere/
(4) https://initiative-kao.de
(5) https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Hirntodpdf.pdf
(6) https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf/hirntod
(7) https://www.dso.de/dso-news-home/galerie-jahresbericht-2017.html
(8) https://initiative-kao.de
(9) https://initiative-kao.de/lexikon/#lexikon-harvard-definition
(10) Ulrike Baureithel und Anna Bergmann in „Herzloser Tod – Dilemma der Organspende“
(11) Ulrike Baureithel und Anna Bergmann in „Herzloser Tod – Dilemma der Organspende“
(12) https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/908050/hirntod-diagnostik-formfehler-keine-seltenheit.html
(13) Ulrike Baureithel und Anna Bergmann in „Herzloser Tod – Dilemma der Organspende“
(14) Dito
(15) https://www.youtube.com/watch?v=C8geRhFdixs
(16) https://www.youtube.com/watch?v=gv32DUBPLpE
(17) https://gesundheitsberater.de/organspende-nie-wieder-organtransplantation-aus-der-sicht-einer-betroffenen/
(18) https://www.youtube.com/watch?v=krqX8rT3wrA
(19) https://www.focus.de/politik/deutschland/aerzte-nur-jeder-zweite-arzt-hat-organspendeausweis_aid_436556.html
(20) https://www.youtube.com/watch?v=r5WzwmbbkLA
(21) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/organspende-das-war-ein-katastrophaler-ausbau-von-ersatzteilen-12536010.html
(22) https://gesundheitsberater.de/organspende-nie-wieder-organtransplantation-aus-der-sicht-einer-betroffenen/
(23) http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Transplantationszentrum/de/patienten/lungentransplantation/erfolgsaussichten/

Quelle

Danke an Elisabeth

 

Gruß an die Klardenker

TA KI

 

Was am Ende bleibt: Gewissenskonflikt nach einer Organspende


Eine Mutter berichtet über den Gewissenskonflikt nach der Organ“spende“ ihrer Tochter, zu welcher sie die Zustimmung gegeben hat. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie nicht, dass der Hirntod nicht mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen ist. Erst nach vielen Jahren kann sie über diesen Konflikt, der sie belastet, reden.

Wenn Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wenden Sie sich bitte an anfrage@initiative-kao.de

Gruß an die Erkennenden
TA KI

 

Organspende: Der Körper als Ressource?


 

 

von Ulrike Baureithel

Mit medienwirksamen Aufregern war Jens Spahn (CDU) noch nie geizig. Anfang September erklärte der Gesundheitsminister in der „Bild“-Zeitung, er wolle die Organspende zum „Normalfall“ machen.[1] Künftig solle jeder Bundesbürger automatisch ein Spender werden, solange er oder die Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen.

Dass die Zahl der Organspenden hierzulande weit hinter dem Bedarf liegt, ist bekannt. Deshalb wird jedes Jahr Anfang Juni , wenn anlässlich des „Tags der Organspende“ die von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) veröffentlichten und seit Jahren rückläufigen Zahlen zum Spenderaufkommen kursieren, den Deutschen eine latente Schuldlast auferlegt. 2017 erreichten sie mit einem neuerlichen Rückgang von fast zehn Prozent ihren bisherigen Tiefststand: Von 797 Spendern konnten 2594 Organe entnommen werden. Die nachdrücklichen Appelle für den Organspendeausweis gehen alljährlich einher mit dem Hinweis auf die altruistischere Haltung in anderen europäischen Ländern und die vielen Kranken, die auf den Wartelisten ihrem baldigen Tod entgegensehen. Hartgesotten, wem kein schlechtes Gewissen aufblitzt, falls er keinen Organspendeausweis bei sich trägt.

In diesem Jahr wurde der Tag zusätzlich flankiert von der Forderung des Deutschen Ärztetags, das Transplantationssystem grundsätzlich zu verändern: Es könne von jedem Bürger und jeder Bürgerin erwartet werden, so der Antrag, dass sie sich mit der Problematik auseinandersetzten und im Falle einer tatsächlichen Ablehnung ihr „Nein“ zur Organspende formulierten.[2] Vorangegangen war ein Vorstoß der Bundesärztekammer, dessen Präsident, Frank Ulrich Montgomery, zu den Fürsprechern der sogenannten Widerspruchsregelung gehört, seit Jahren sekundiert vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Für diese gilt der Grundsatz, dass jeder so lange Organspender ist, bis er dem nicht aktiv widerspricht. So verfahren inzwischen viele europäische Länder.

Hierzulande gilt bislang nach wie vor die 1997 im Transplantationsgesetz (TPG) verankerte erweiterte Zustimmungslösung, nach der ein Organspender oder dessen Angehörige der Spende aktiv zustimmen müssen. 2012 wurde diese im Rahmen des Gewebegesetzes ergänzt durch ein Verfahren, das vorsieht, dass die Bevölkerung alle zwei Jahre von der Krankenkasse dazu angehalten wird, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Spendermeldung als lästige Pflicht

Während Spahns Amtsvorgänger Hermann Gröhe konsequent an diesem Weg festgehalten hat und Spahn diesem lange folgte, legt er als Gesundheitsminister nun eine plötzliche Kehrtwende hin. Dabei hatte er noch wenige Tage, bevor er das Thema in den medialen Erregungskreislauf brachte, sein „Gesetz für die bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende“ vorgelegt. Es handelt sich um die Umsetzung einer im Koalitionsvertrag beschlossenen Veränderung im klinischen Ablauf und reagiert auf die lange bekannte Tatsache, dass eigentlich die Krankenhäuser das Nadelöhr bei der Organspende sind.[3] Schon nach der Verabschiedung des TPG vor gut zwanzig Jahren berichteten Ärzte hinter vorgehaltener Hand, „dass niemand wild auf die Organentnahme“ sei und sie mit der Spendermeldung eher einer lästigen Pflicht nachkommen.

Auch die Klinikleitungen selbst haben kein großes Interesse daran, weil es sich bislang um ein Zuschussgeschäft handelt und die angespannte Personalsituation es oft gar nicht zulässt, den aufwändigen Prozess von der Erkennung des Hirntods über die Hirntoddiagnostik und das schwierige Gespräch mit den Angehörigen bis hin zur unter Zeitdruck stehenden Organentnahme abzuspulen. Daran änderten auch die von den Kliniken abzustellenden Transplantationsbeauftragten – die personelle Schnittstelle zwischen Intensivstation, Angehörigen und OP – nichts. An dieser Stelle setzt das Gesetz an: Es winkt den Krankenhäusern mit mehr Geld für die Explantation und den Koordinationsbeauftragten mit mehr Zeit und Macht, etwa durch den Zugriff auf die Patientenakten. Insgesamt soll das Gesetz den Anreiz erhöhen, mehr potentielle Spender zu melden. Befürwortet man die Organspende grundsätzlich, ist das durchaus rational und bewirkt möglicherweise eine Erhöhung des Organaufkommens.

Warum jedoch lässt Spahn seinem eigenen Gesetz gar nicht die Chance, entsprechende Effekte zu entfalten, sondern bricht eine Ad-hoc-Debatte vom Zaun, die, wie ihm seine Parteikollegin und gesundheitspolitische Sprecherin, Karin Maag, entgegenhält, eher zur Verunsicherung der Öffentlichkeit beiträgt?[4] Spahns Lust an profilträchtiger Kontroverse ist bekannt, wenn er auch eher als grobkantiger Polarisierer unterwegs ist, als dass er sich durch Nachdenklichkeit in sensiblen bioethischen Fragen einen Namen gemacht hätte. Tatsache ist, dass die verbale Zustimmung zur Organspende nach den Skandalen der letzten Jahre wieder gestiegen ist und der Anteil der Menschen, die einen Spenderausweis bei sich tragen, bei 36 Prozent liegt. Möglicherweise sieht Spahn darin ein Möglichkeitsfenster, die Widerspruchsregelung in einer fraktionsübergreifenden Initiative ohne allzu großen Widerstand durchs Parlament zu bringen.

Paradoxe Widerspruchsregelung

Spahn jedenfalls findet die „Pflicht“, „konsequenzlos ‚Nein‘ zu sagen“, wie sie sich in der Widerspruchsregelung niederschlägt, zumutbar, eine „Pflicht zu aktivem Freiheitsgebrauch“, wie er den Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen versucht.[5] Doch was bedeutet eigentlich eine „Spende“ – im christlichen Sinn ein Akt der Nächstenliebe –, wenn sie selbstverständlich von einem erwartet wird wie der Ablass im Mittelalter und gegen die man höchstens ein Widerstands- oder Abwehrrecht in Anschlag bringen kann? Eine Leibspende zumal, viel mehr also als eine Geldspende, die niemand „selbstverständlich“ erwartet, die aber steuerlich abgesetzt werden kann.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, der Sozialethiker Peter Dabrock, sieht darin einen „tiefen Eingriff in das Selbstverfügungsrecht über den eigenen Körper“.[6] Schweigen werde auf diese Weise zur Zustimmung, und das ziehe einen „Paradigmenwechsel“ in einem „ganz zentralen verfassungsrechtlichen Bereich“ nach sich. Ähnlich sieht dies auch der ehemalige Bischof der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, der vor „einer Art der Organ-Bereitstellungspflicht“ warnt.[7] Weniger religiös argumentiert der FDP-Vorsitzende Christian Lindner: Die Widerspruchslösung sei eine „Deformation des Selbstbestimmungsrechts“. Es dürfe keine „Art von sozialem Erwartungsdruck aufgebaut werden“, twittert er.

Durch diesen „Paradigmenwechsel“ würden aber nicht einmal die Angehörigen entlastet, denn Spahn verfolgt eine „doppelte Widerspruchslösung“: Nicht nur der Organspender wird gefragt, sondern im Spendenfall auch weiterhin Verwandte oder das enge soziale Umfeld. Das ist schon aus rechtssystematischer Sicht ein Paradox, denn in der Logik dieser Regelung stimmt ja zu, wer nicht widerspricht – weshalb dann noch die Angehörigen befragen, die ja nur den im TPG verankerten „mutmaßlichen Willen“ des Verstorbenen zu exekutieren haben? Ganz abgesehen von den rechtlichen Problemen, die selbst Ärztepräsident Montgomery einräumt, wenn er darauf hinweist, dass einem Patienten bei jedem noch so geringfügigen Eingriff das Einverständnis abverlangt werde, nicht aber bei einem so fundamentalen, wie ihn die Organspende darstellt.[8]

Das Ob statt das Wie diskutieren

Der Hinweis auf die todesbedrohten Patienten auf den Wartelisten von Eurotransplant, dem man sich, auch wenn man die Organspende ablehnt, kaum entziehen kann, rührt indessen an einem Tabu, auf das die Sozialethikerin Alexandra Manzei aufmerksam macht. Sie weist darauf hin, dass der Organmangel ursächlich auch etwas mit der medizinischen Unterversorgung der Patienten zu tun hat. Denn erstens werden immer mehr Diagnosen auf die therapeutische Möglichkeit der Transplantation verengt. Und zweitens sind transplantierte Organe nicht für die Ewigkeit gemacht, sondern werden regelmäßig abgestoßen. Beides erhöht ständig den Bedarf – zumal die rund 50 deutschen Transplantationszentren ein Interesse daran haben, möglichst viele Organe zu verpflanzen.[9]

Es war auch Alexandra Manzei, die in einer Talkrunde von Anne Will daran erinnerte, dass das Hirntodkonzept, das eine Organspende überhaupt erst ermöglicht hat, angesichts der neuen bildgebenden Verfahren in den vergangenen Jahren international zunehmend in Frage gestellt wurde. Das amerikanische President’s Council of Bioethicshatte schon 2008 festgehalten, „dass der anhaltende Dissens“ im Hinblick auf das Hirntodkriterium und die neuen empirischen Ergebnisse „eine erneute Debatte über den Hirntod“ erforderten.[10] Der Deutsche Ethikrat hatte dies ein paar Jahre später aufgegriffen, ohne allerdings nachhaltige öffentliche oder gar politische Aufmerksamkeit zu erregen. Selbst sprach er sich in seiner späteren Stellungnahme für die Beibehaltung des Hirntodkriteriums aus, wohl wissend, dass sonst das gesamte System ins Wanken geriete.[11]

Doch um solche grundsätzlichen, das gesamte Transplantationssystem hinterfragenden Überlegungen – also das „Ob“ – geht es bei öffentlichen Debatten über Organspende schon lange nicht mehr, sondern nur noch um das „Wie“. Wie lange und intensiv wurde darüber diskutiert, wann der Mensch tot ist und nach welchen Kriterien Organe verteilt werden sollen. Aber auch die Situation der Organempfänger und ihre nicht nur medizinischen Probleme mit einem neuen Organ waren Gegenstand der Kontroverse. Solche fundamentalen Fragen hatten die parlamentarischen Debatten 1997 und sogar noch 2012 jedoch zu den „Sternstunden“ gemacht, von denen Jens Spahn nun so schwärmt.[12] Es ist bezeichnend und ein Indiz für den Grad der Normalisierung der „Pflicht“, dass jeder Einwand gegen die Widerspruchsregelung derzeit vorab begleitet werden muss mit einem pflichtschuldigen Statement zugunsten der Organspende. Zugleich bezweifelt andererseits niemand mehr den generellen Anspruch, den Patienten auf die Organe sterbender hirntoter Patienten haben, und es wird so getan, als ob der bundesweite Bedarf an Organen bei Einlösung der Bringschuld tatsächlich zu befriedigen sei.

Der »Normalfall« der Spende

Doch was bedeutet vor diesem Hintergrund der von Spahn eingeforderte „Normalfall“ der Organspende? Dass Organspende künftig das Sterben begleiten wird? Dass es normal wird, Körperteile zu spenden? Oder dass Organspende therapeutischer Normalfall wird? Oder handelt es sich um die Normalisierung einer möglichst breiten Mobilisierung von Organen zur zweckhaften Verwendung – ganz so, als ob es sich dabei um unbegrenzt auszubeutende Bodenschätze handelte? CDU-Gesundheitspolitiker Georg Nüßlein verhehlt nicht, dass bei der Widerspruchsregelung auch Standortargumente eine Rolle spielen: „Wenn wir nichts ändern, hängen wir uns von diesem besonderen Teil der Medizin ab“ und werden „im Bereich der Forschung und der Umsetzung nicht an der Spitze bleiben“.[13]

Dass das Transplantationssystem anfällig ist für Skandale, haben die letzten Jahre offenbart. Auch deshalb hat die Organspende in der Bevölkerung an Vertrauen verloren: Manipulierte Wartelisten, Unregelmäßigkeiten bei der Verteilung, Korruption und vieles mehr sind Begleiterscheinungen von Geschäftsfeldern, in denen es um viel Geld geht. Der Fall an der Uniklinik Essen, dessen leitender Transplantationsarzt in Untersuchungshaft sitzt, weil ihm vorgeworfen wird, den Tod eines Patienten aufgrund einer nicht notwendigen Transplantation zu verantworten, ist nur die Spitze des Eisbergs.[14] Aber selbst wenn man gegen alle Erfahrung davon ausginge, dass Weißkittel immer weiße Westen trügen – es bleibt bei vielen die Angst, als Träger eines Organspendeausweises schneller zum Hirntoten erklärt zu werden.

Die künftige politische Willensbildung im Parlament dürfte aber nicht nur von dem beschriebenen Normalisierungsschub beeinflusst werden, sondern vor allem auch durch die Haltung der AfD, die sich mit klobigen Worten gegen Spahn stellt und den Schulterschluss mit Christian Lindner sucht. Im konservativen Lager gibt es mittlerweile Unterstützer der Widerspruchsregelung, vereinzelt auch unter Grünen und Linken.[15] Ob es Spahn und Lauterbach allerdings gelingen wird, eine Mehrheit für die Widerspruchslösung zu organisieren, hängt auch davon ab, ob in der eingeleiteten Debatte jene Stimmen wieder hörbar werden, die den „Organbedarf“ anders begreifen als nur ein Problem der Ressourcenbeschaffung.

 


[1] Organe spenden soll Pflicht werden, in: „Bild-Zeitung“, 2.9.2018.

[2] Zit. nach „Ärzteblatt“, 10.5.2018.

[3] Zu diesem Schluss kommt auch eine aktuelle Studie von Kevin Schulte, Thorsten Feldkamp und Kollegen der Apollon Hochschule für Gesundheitswissenschaft Kiel, die die Realisierungsquoten von Organspenden an sechs Universitätskliniken in Deutschland untersucht haben. Diese liegen zwischen einem und 16 Prozent. Einen Grund sehen die Autoren in der Finanzierungslücke bei der Organentnahme. Vgl. „Deutsches Ärzteblatt“, 27-28/2018,
S. 463-468.

[4] Vgl. Spahns Vorstoß für Organspende spaltet Union in: „Stuttgarter Nachrichten“, 4.9.2018.

[5] Jens Spahn: Organspende – eine nationale Aufgabe in: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 5.9.2018.

[6] Peter Dabrock, Tiefer Eingriff in das Selbstverfügungsrecht. Interview im „Deutschlandfunk“, 4.9.2018.

[7] Wolfgang Huber bei „Anne Will“, 9.9.2018.

[8] Vgl. Kritik aus der Union an Spahns Vorschlag zur Organspende, www.zeit.de, 4.9.2018.

[9]  Vgl. Alexandra Manzei, Organmangel als strukturelles Problem der Transplantationsmedizin, in: „zur debatte“, 3/2013.

[10] Vgl. Controversies in the Definition of Death, Dezember 2008.

[11] Vgl. Deutscher Ethikrat: Hirntod und Entscheidung zur Organspende, Stellungnahme vom 24.2.2015.

[12] Vgl. Jens Spahn in der „FAZ“, a.a.O.

[13] Wir müssen die Voraussetzungen verbessern, dass Organe gespendet werden, in: „Deutschlandfunk“, 2.6.2018.

[14] Vgl. Todesfall an der Uniklinik. Transplantationsarzt sitzt in U-Haft in: „WAZ“, 4.9.2018.

[15] Vgl. Eine Frage des Gewissens, in: „Süddeutsche Zeitung“, 9.9.2018.

Quelle

Danke an Elisabeth

Gruß an die Erkennenden

TA KI

Der große Abschied- Was geschieht, wenn wir sterben?


Es gibt zwei unverrückbare Wahrheiten: Alles ist im steten Wandel. Und wir alle werden sterben. Die zweite allerdings erzeugt bei den meisten Menschen große Ängste, denn es ist ein Schritt ins Unbekannte. Was geschieht, wenn wir sterben? Ist das Leben dann zu Ende, oder erlebt die Seele einen Übergang in ein anderes Sein? Gesicherte Antworten gibt es nicht, aber viele Wissensbausteine aus Religion und Sterbeforschung, meist mit tröstender Botschaft: Wenngleich der Weg zum Übergang schmerzlich sein kann, so geschieht das Sterben selbst meist friedlich – auch für die Begleiter.

Unterschiedliche Sterbeprozesse

So, wie jedes Leben andere Spuren zeichnet, so unterschiedlich verlaufen die Sterbeprozesse. Rein biologisch lässt sich der Sterbevorgang eindeutig definieren – allerdings nur, was den Tod einzelner Zellen oder Organe betrifft.
Schon während der Embryonalentwicklung kommt es immer wieder zum „programmierten Zelltod“, wenn überschüssige Zellen, die bei der Entwicklung nicht mehr nötig sind, sich selbst eliminieren. Später sorgen die T-Lymphozyten, weiße Blutkörperchen, für die Entfernung von Zellen, die für den Organismus schädlich sind. Auch ganze Organe wie Gliedmaßen oder die Milz können sterben, während der Mensch selbst weiterlebt.

Wann endet das Leben?

Erstaunlicherweise aber gibt es kaum Untersuchungen darüber, was wirklich den Tod des Gesamtorganismus verursacht, wie Gian Domenico Borasio, einer der führenden Palliativmediziner Europas, zugibt.1 Das Herz-Kreislauf-Versagen, das oft als Grund angegeben wird, ist meist die Folge anderer Gegebenheiten. Ist es die Seele selbst, deren Lebensenergie gemäß ihrem Seelenplan langsam zum Erliegen kommt, wie manch spirituelle Weisheitslehren beteuern?
Durch die Transplantationsmedizin rückt derzeit die Frage in die Öffentlichkeit, ob der Tod des Menschen tatsächlich durch Hirntod definiert werden kann. Im deutschen Recht gibt es jedenfalls keine gesetzliche Definition des Todes. Der Gesamthirntod wurde lediglich als notwendige Bedingung für die Organentnahme festgeschrieben (dazu mehr in der raum&zeit-Ausgabe 179).

Geburt und Tod – beide haben einiges gemeinsam:

„Beide laufen in den meisten Fällen am besten ab, wenn sie durch ärztliche Eingriffe möglichst wenig gestört werden“, erläutert Borasio und bedauert: „In beiden Vorgängen greift die moderne Medizin zunehmend häufiger, zunehmend invasiver und teilweise zunehmend unnötiger ein.“

Tatsächlich könnten circa 90 Prozent aller Sterbevorgänge in Begleitung von geschulten Hausärzten und Hospizhelfern zuhause stattfinden, und ebenfalls 90 Prozent aller Menschen würden gerne zuhause sterben. 25-30 Prozent erleben dies tatsächlich so, 43 Prozent sterben im Krankenhaus, 15-25 Prozent im Heim, Tendenz steigend.

Kleine und große Abschiede

Zum Glück weiß man heute viel mehr über die richtige Sterbebegleitung, spätestens seit dem Klassiker „Interviews mit Sterbenden“ von Elisabeth Kübler-Ross, die damit ein Tabuthema in die Öffentlichkeit holte.2
Ja, Sterben sei ein natürlicher Prozess, man könne mit Sterbenden sprechen, die Sterbebegleitung sei ein bewegendes Erleben für den Sterbenden wie für die Begleiter. Sie erarbeitete fünf Phasen des Sterbeprozesses3, die im seelischen ablaufen und bei jedem anders gewichtet vorkommen: Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandeln – „nur noch dies erledigen…“ –, Depression, ausgelöst durch Trauer um den Verlust des Lebens, der Mitmenschen, der Ziele und schließlich Zustimmung. Nicht alle erreichen diesen letzten Schritt, der eine Versöhnung mit dem Unvermeidlichen bedeutet.
Solche Phasen erleben wir auch in „kleinen Toden“ – beim Abschied eines Partners, Trennung von Kindern oder ersehnten Zielen, die wir nicht erreichen können. Und so empfehlen manche spirituelle Lehrer, sich immer mal wieder die Frage zu stellen: Was wäre, wenn ich nur noch drei Tage hätte? Von wem müsste ich mich verabschieden, wem müsste ich verzeihen, was müsste ich erledigen und klären?

„Du musst manchen Tod zuvor sterben, wenn Dir der letzte glücken soll“,

so der Mystiker Jakob Böhme.

Wie es Beat Imhof umschreibt, befindet sich während des Sterbeprozesses „der Körper im Abbruchsstimmung“ und „die Seele in Aufbruchsstimmung“.4 Nach und nach werden die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft im Körper abgebaut. Das Hungergefühl schwindet, die Körpersubstanz (Erde) nimmt ab. Der Körper verliert an Wasser, der Durst versiegt. Das Feuer-Element, zuständig für Körpertemperatur und Wärmehaushalt, lässt nach. Der Blutdruck sinkt, der Puls wird schwächer, die Haut wird blass. Schließlich fällt das Atmen schwer und hört irgendwann auf. Oft fehlt Medizinern schon dieses fundamentale Wissen. Borasio versichert:

„Die von uns in der Sterbephase betreuten Patienten mit Demenz oder Wachkoma, bei welchen – entweder aufgrund einer fehlenden Indikation oder eines eindeutig festgestellten Patientenwillens – die künstliche Ernährung und Flüssigkeitsgabe nicht eingeleitet oder nicht fortgeführt wurde, sind ausnahmslos friedlich verstorben.“

Geistesklarheit vor dem Übergang

Sterben ist immer ein zutiefst bewegendes seelisches Erleben. Neben den schon erwähnten fünf Phasen geschieht gleichzeitig ein Verarbeiten und Vorbereiten. Die Aufmerksamkeit geht ganz nach innen. In den letzten Stunden wechseln sich verschiedene Bewusstseinszustände ab helle, klare Stadien mit dämmernden, träumerischen, als würde die Seele schon ins Jenseits blicken.
Der Moment des Sterbens ist oft begleitet von einem tiefen inneren Licht, einer Klarheit, die auch die Begleiter tief berührt. Das ist sogar bei dem Übergang von Menschen zu beobachten, die jahre- oder jahrzehntelang im Koma lagen oder deren Gehirn irreparabel geschädigt war. Michael Nahm nennt dies „Terminale Geistesklarheit“ und sammelte dazu Zeugnisse aus den letzten 250 Jahren.5 Mittlerweile bestätigten dies viele Pflegerinnen. Trotz Demenz oder psychischen Krankheiten richtet sich der Mensch dann auf, spricht plötzlich völlig klar und bewusst, bedauert Versäumnisse, erkundigt sich noch einmal nach den Verwandten oder verabschiedet sich eindeutig und liebevoll von den Angehörigen, die ihn auf die letzte Reise begleiten.

„In solchen Momenten löst sich die unsterbliche Seele des Menschen von den Banden der physischen Materie und erhält ihr ureigenes individuelles Potenzial zurück, das auch ohne die Anbindung an die Gehirnmaterie weiter existiert.“, folgert Nahm.

Reise in die Welt des Geistes

Was nun im Sterbeprozess tatsächlich geschieht, ist eine der großen Fragen, die wir alle irgendwann persönlich beantwortet bekommen. Vielleicht aber ist es hilfreich, schon jetzt sichmit den möglichen Szenarien zu befassen, die uns in religiösen Texten, Nahtoderfahrungen, Gesprächen mit Sterbenden, Erlebnissen von Sterbebegleitern und den Zeugnissen Hellsichtiger begegnen. Im Grunde sind sich all die genannten Quellen einig: Es ist mit dem Tode nicht zu Ende, Sterben ist ein Übergang. Wohin – darin unterscheiden sich wiederum die Deutungen.
Hier ein mögliches Bild der einzelnen Phasen, wie sie Lothar Hollerbach6 und Beat Imhof7 aus spirituellen Texten und medialen Aussagen zusammengetragen haben:

Laut dieser haben wir einen feinstofflichen Seelenkörper, der aus mehreren Hüllen besteht und sich im Moment des Todes aus dem physischen Körper löst. Dies kann einige Minuten, aber auch Stunden dauern. Was von Beobachtern oft als „Todeskampf“ gesehen wird, nimmt der Sterbende oft gar nicht mehr wahr. Dem voraus gehen oft Sterbebett-Visionen: Der Mensch wird plötzlich wach in seiner terminalen Geistesklarheit und nimmt Verwandte wahr, die schon verstorben waren und ihn nun liebevoll abholen. Manche nehmen dabei eine wunderschöne Musik oder Bilder wahr und sind ganz erstaunt, dass dies die Begleiter, die um sie herum sind, nicht hören können.

„Erst jetzt fange ich an, in der Kunst die ersten Schritte zu machen“,

sollen die letzten Worte von Michelangelo gewesen sein.

Hellsichtige und spirituelle Texte sprechen von einer Silberschnur, die normalerweise den feinstofflichen mit dem physischen Körper verbindet. So sind Austritte, Ausflüge möglich, die unsere Seele beispielsweise im Schlaf macht. Im Moment des Todes wird nun diese Silberschnur getrennt – so wie die Nabelschnur bei der Geburt getrennt wurde. Nun, so würde der Hellsichtige sagen, ist der Tod tatsächlich eingetreten.
Der Ätherleib, eine Art Bindeglied zwischen physischen und geistigen Körper, löst sich nun innerhalb von drei Tagen auf. Vielleicht ist das der Grund für die dreitägige Totenwache, die es lange auch bei uns gegeben hat. In diesen ersten Tagen erhalten die engsten Angehörigen mitunter innere Bilder oder Botschaften vom Verstorbenen. Auch wenn sie Kontinente entfernt waren, erhielten sie oft im Augenblick des Dahinscheidens des oder der Liebsten eine innere Botschaft, einen Traum. Manchmal hören sie sogar die Stimme desjenigen, der sich so noch einmal verabschiedet.
Weiter können wir uns nur an spirituelle und religiöse Texte halten. Der Scheidende wird in eine neue Welt begleitet – über eine Brücke, eine Barke, durch ein Tunnel. Die Begegnung mit verstorbenen Verwandten und Freunden intensiviert sich. Die Seele ändert dabei nicht sofort ihre Gewohnheiten und psychischen Eigenheiten und gerät zunächst in eine Art Zwischenwelt, die der irdischen sehr ähnlich ist. Dort hat die Seele Zeit, sich zu erholen und nach und nach die Themen des Lebens noch einmal zu verarbeiten. Wohin die Seele kommt, hängt von ihrem Bewusstseinszustand ab. Schwer haben es, laut Aussagen Hellsichtiger wie von dem wohl derzeit bekanntesten Medium Pascal Voggenhuber jene, die überzeugt waren, dass nach dem Tode nichts mehr kommt. Sie dämmern eine ganze Weile in fast bewusstlosem Zustand herum, bis sie irgendwann von einem Licht oder einem Wesen liebevoll aufgeweckt werden.
Nach und nach gerät die Seele in feinere Ebenen des Seins, in denen sie noch mehr im Licht, und damit im Bewusstsein und in der Liebe ist – bis sie nach einer Lebensrückschau und einer Art innerem Gericht, das aber nichts mit Strafe zu tun hat, sich mit ihrer geistigen Führung entschließt, ein neues Leben zu beginnen – oder sich ganz mit Gott zu verbinden …

Leben nach dem Leben?

Glauben Sie dies? Nun, niemand kennt die Wahrheit. Und so gibt es viele Interpretationen darüber, ob und wie ein Leben nach dem Leben aussehen könnte. Aus den christlichen Religionen kommen zu diesem Thema erstaunlich wenig konkrete Informationen. Wiedergeburt wird freilich ausgeschlossen, aber von einer Ganztod-Theologie bis zum persönlichen Gericht, das über den anschließenden Verbleib der Seele im Himmel oder in der Hölle entscheidet, scheint alles möglich und nichts konkret. Für Karl Rahner war eine von der Materie getrennte Seele nicht möglich.8

„Die Mehrzahl der christlichen Theologen nimmt heute an, dass im Moment des Todes der ganze Mensch mit Leib und Seele stirbt, dass er aber im Jenseits sogleich zu neuem Leben erweckt wird. Dadurch würde die individuelle Auferstehung nicht am Jüngsten Tag erfolgen, sondern unmittelbar nach dem Tod jedes Menschen stattfinden.“, so Imhoff.

Am schwierigsten zu verstehen ist vielleicht die Ansicht vieler Gläubiger, dass nach dem Ableben ein Verhandeln, eine Rückschau stattfinden soll, die über den zukünftigen Verbleib der Seele für alle Zeiten entscheidet. Man stelle sich vor, der Mensch hat endlich den Todeskampf überstanden und muss nun plötzlich die allerwichtigste Entscheidung fällen – für oder gegen Gott, für oder gegen die Liebe. Natürlich wird diese Ansicht heute zum Glück nicht mehr so eindringlich gelehrt, galt aber lange Zeit als verbindlich für Gläubige, wohl auch, um sie anzuhalten, schon im Leben liebevoll miteinander umzugehen. Religion ist immer auch Spiegel ihrer Zeit.
Es gibt aber weitere Zeugnisse, die eher für die oben beschriebene Reise ins Jenseits sprechen. So erlebten in Deutschland allein vier Millionen Menschen Nahtoderfahrungen9 – Erlebnisse während eines plötzlichen Unfalls oder Herzschlags. Sie befanden sich plötzlich außerhalb des Körpers, sahen ebenfalls einen Tunnel und an seinem Ende ein helles Licht, auf das sie sich mit liebevollen Begleitern hinbewegten, erfuhren eine Lebensrückschau – bevor sie zurück in ihren Körper mussten. Ein lebensveränderndes Ereignis (siehe dazu „Besuch im Jenseits“ raum&zeit 176). Sterbende machen vielleicht ebenso diese Reise, überschreiten aber die Schwelle, bekommen keinen Rückruf ins irdische Leben, während sich ihre Silberschnur löst.

Auch die uralten Weisheitstexte sollen nicht unerwähnt bleiben. So beschreibt das „Bardo Thödol“, das tibetische Totenbuch, genau und minutiös die Himmelswelten, in die die Seele einst gehen wird, angeblich erschaut von tibetischen Mönchen, die solch eine Reise im voll bewussten Zustand durch tiefe Meditation vollführen konnten und können. Vielleicht, so vermutet Raymond Moody kühn, sind auch die ägyptischen Texte, die ähnliche Jenseitswelten inklusive dem Tunnel beschreiben, eigentlich von Menschen geschrieben worden, die solche Nahtoderfahrungen erlebt haben.

Empathische Erlebnisse in der Sterbebegleitung

Raymond Moody, der über Nahtoderfahrungen erstmals in den 1970er Jahren berichtete und eine Flut spannender Forschungsarbeiten dazu auslöste, erstaunt nun mit neuen Forschungen und Erlebnissen, die in den letzten Jahren zusammengetragen wurden: Nahe Begleiter Sterbender erlebten selbst die ersten Phasen dieser Reise mit!10 Den Beginn seiner Forschungen löste die Erzählung einer Ärztin aus, die ihre Mutter in den Tod begleitet hatte. Plötzlich erlebte sie sich selbst aus ihrem Körper erhoben, sah ihren und den Körper ihrer Mutter nebeneinander – und zugleich ihre Mutter in geistiger Form neben sich, die ihr zulächelte.

„Ich sah in die Zimmerdecke und bemerkte eine offene Stelle im Universum, aus der Licht strömte wie Wasser aus einer defekten Röhre. Aus diesem Licht kamen Menschen, die ich jahrelang gekannt hatte, verstorbene Freunde meiner Mutter.“,

ebenso andere, ihr fremde Menschen, die vermutlich Freunde der Mutter gewesen sind.

Noch verrückter klingt die Geschichte einer Frau, die ihren schwer kranken Mann begleitet. Eine Weile wie in eine andere Dimension versetzt, erlebt sie mit ihm seine eigene Lebensrückschau. Auch sie erkennt gemeinsame Erlebnisse wieder – aber auch Geschichten aus dem Leben ihres Mannes vor ihrer Beziehung. So sieht sie ihn zusammen mit unbekannten jungen Frauen. Erst Jahre später fand sie diese Gesichter wieder, als sie alte Schulabschlussbücher ihres Mannes durchblätterte.
Auch Krankenschwestern berichteten Moody immer häufiger von hellen Lichtern oder einer Wolke, die sie über dem Körper Sterbender wahrnahmen. Und es gibt Geschichten von Geschwistern, die ihre Mutter in den letzten Tagen begleiteten und ebenfalls eine Raumveränderung oder andere Wesen wahrnahmen.

Der Schleier lichtet sich

Wie bei Nahtoderfahrungen waren diese empathischen Begleiterlebnisse für die Betroffenen fast immer lebensverändernd und führten zur Überzeugung, dass das Leben unendlich und geführt ist. Spannende Fragen ergeben sich: Ist es nun für uns Menschen leichter geworden, hinter den Schleier zu schauen? Konnten dies ehemals nur fortgeschrittene Meditationsmeister und tibetische Mönche, so scheint es nun vielen Menschen durch Nahtoderlebnisse und durch noch „ungefährlichere“ Zustände wie solche empathische Erlebnisse möglich.
Viel gäbe es noch zu diesem faszinierenden Thema zu berichten, und so werden wir in einer einer der nächsten Ausgaben über Wiedergeburt und moderne Hospizarbeit berichten, die dieses alte Weisheitswissen mit moderner Sterbebegleitung verbindet.
So finden wir langsam durch innere und äußere Forschung wieder zu dem, was früher selbstverständlich war: Der Tod gehört zum Leben, der Sterbevorgang ist natürlich und geführt. Darum zu wissen, kann uns die Angst nehmen und uns stattdessen sogar voller Neugier jener letzten großen Reise unseres Lebens auf Erden entgegensehen lassen.

Der Autor

Thomas Schmelzer beschäftigt sich seit vielen Jahren als Moderator, Autor und Redakteur in TV, Web und Print mit bewusstseinsfördernden Themen.
Er leitet das Onlinemagazin http://www.MYSTICA.TV und arbeitet als Redakteur für raum&zeit.

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Gruß an die Nachdenklichen

TA KI

Gisela Meier zu Biesen zur Organentnahme bei ihrem Sohn. Interview Silvia Matthies- Chirurg Jobst Meyer zur fragwürdigen Hirntoddiagnose bei seinem Bruder


Krass – Wie lebendig sind Hirntote bei der Organentnahme ?


Aus: BR „Tot oder lebendig? Die Kontroverse um den Hirntod“ 1995, Autor: Silvia Matthies Immer wieder wird uns erklärt, dass die Hirntoddiagnose absolut sicher und der Patient definitiv tot sei. Seit Jahren wird allerdings international in der Wissenschaft diskutiert, ob es sich beim „Hirntoten“ lediglich um einen juristisch Toten oder um einen Menschen an der Schwelle zwischen Leben und Tod handelt. Diese Diskussion wird in der Öffentlichkeit nicht thematisiert.

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Gruß an die Erwachenden
TA KI

Organspende nach Hirntod: Zweifel an Qualität der Diagnostik


War die Frau hirntot oder nicht? In Bremerhaven wurde eine Organentnahme abgebrochen, weil es Zweifel an der Diagnose gab. Ein Skandal, der eine alte Diskussion neu entfacht: Sind Ärzte gut genug ausgebildet für diese folgenschwere Diagnose?

Quelle: http://www.netzplanet.net/organspende-nach-hirntod-zweifel-an-qualitaet-der-diagnostik/20109

 

Jörg Przybilla ist 62 Jahre alt, fit, sportlich. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Seit zehn Jahren lebt er mit einem Spenderherz. Er war darauf angewiesen, dass ihm ein anderer Mensch, für den es keine Rettung mehr gab, sein Herz spendete. Jetzt kann Jörg Przybilla sogar wieder Tennis spielen. Es ging ihm nie so gut wie heute, sagt er.

Rund 11.000 Schwerkranke warten in Deutschland auf lebensrettende Organe. Doch die Zahl potentieller Spender geht zurück. Skandale in der Transplantationsmedizin haben das Vertrauen vieler erschüttert. So wie jetzt der Fall aus Norddeutschland: Im Dezember musste in Bremerhaven eine Organentnahme abgebrochen werden, weil plötzlich Fehler in der Hirntod-Diagnose aufgefallen waren.

Strengere Regeln für die Hirntod-Bestimmung

Offenbar nicht der einzige Fall, in dem es Ungereimtheiten rund um eine Hirntod-Diagnose gibt. Aktuell prüft die Bundesärztekammer elf Fälle bundesweit. Und steht selbst in der Kritik: Seit Langem fordern Experten strengere Regeln für die Hirntod-Bestimmung und eine bessere Ausbildung der Ärzte. Doch noch ist nichts passiert, seit Jahren arbeitet die Bundesärztekammer an einer Aktualisierung der Richtlinien.

Patientenvertreter drängen jetzt auf die Bildung von Kompetenzteams für die Hirntod-Bestimmung, die unter staatlicher Aufsicht stehen sollen. Bei Diagnosen, die über Leben und Tod entscheiden, darf es keine Zweifel geben – zum Schutz der Spender und weil es um das Leben derer geht, die auf Spenderorgane angewiesen sind.

Organentnahme – Das fordert das Gesetz:

  • Ausschlaggebend für die Möglichkeit einer Organentnahme ist immer der Hirntod, also das vollständige und unwiderrufliche Erlöschen der Hirntätigkeit, welches den Todeszeitpunkt markiert.
  • Die Attestierung erfolgt nach einem genau festgelegten Prüfverfahrung – siehe unten – durch zwei speziell qualifizierte Ärzte. Beide untersuchen unabhängig voneinander und unabhängig vom Transplantationsteam.
  • Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sind organisatorisch und personell voneinander getrennt. Die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant, die in den Niederlanden ansässig ist, organisiert die Verteilung der Organe. Wer von den vielen Menschen auf der Warteliste ein Organ erhält, wird nach einem sehr komplizierten Verfahren entschieden, in das medizinische Gesichtspunkte genauso eingehen, wie etwa die räumliche Entfernung zwischen Spender und Empfänger.

«Dokumentationsfehler» bei Hirntod-Diagnose vor Organspende


Klinikum Bremerhaven

Ärzte haben eine Organspende im Klinikum Bremerhaven wegen eines Fehlers bei der Hirntod-Diagnose abgebrochen. Die Patientin sei jedoch vor der Entnahme hirntot gewesen, betonte die zuständige Überwachungskommission für Transplantationen.

Es habe «Unzulänglichkeiten in der Dokumentation» gegeben, die die Beteiligten verunsichert und zum Abbruch der Transplantation geführt hätten. Nach Angaben des Bremer Gesundheitsressorts war eine von mehreren Untersuchungen nicht ordnungsgemäß erfolgt. Die bei der Bundesärztekammer angesiedelte Überwachungskommission will den Vorfall nun genauer untersuchen.

Die «Süddeutsche Zeitung» hatte berichtet, dass die Ärzte die Organentnahme Anfang Dezember gestoppt hatten. Zu dem Zeitpunkt war der Bauch der Patientin schon aufgeschnitten. Fehler habe es aus Sicht des Klinikums nicht gegeben, teilte Geschäftsführerin Edith Kramer mit. Bei der Patientin mit schweren Kopfverletzungen hätten die Ärzte eine Hirntod-Diagnose vorgenommen, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine Organentnahme eine Rolle gespielt habe. Danach habe man die Deutsche Stiftung Organtransplantation über den Fall informiert, die dann die Verantwortung für alles Weitere übernommen habe.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation wollte sich zu dem Vorfall zunächst nicht äußern. Nach dem Transplantationsgesetz müssen zwei Ärzte vor einer Organentnahme unabhängig voneinander den Hirntod des Spenders feststellen. Dazu müssen sie mehrere Tests machen, die unter anderem beweisen, dass die Spontanatmung und alle Hirnstammreflexe ausgefallen sind.

«Das ist keine leichtfertige Entscheidung, die da getroffen wird», sagte die Präsidentin der Bremer Ärztekammer, Heidrun Gitter. Das Verfahren dauere meist zwei Tage. Es sei daher unwahrscheinlich, dass jemand irrtümlicherweise für tot erklärt werde. Fehler bei den Untersuchungen kämen bundesweit eher selten vor. Vor einem Jahr war bekanntgeworden, dass Mediziner innerhalb von drei Jahren insgesamt zehn Patienten abweichend von den Richtlinien für hirntot erklärt hatten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert deshalb eine Änderung des Transplantationsgesetz. Es müssten mindestens drei Kompetenzteams aus speziell qualifizierten Neurologen die letzte Prüfung vornehmen, sagte der Verbandsvorsitzende Eugen Brysch. Diese sollten unter staatlicher Verantwortung beim Robert Koch-Institut angesiedelt werden.

Quelle: https://de.nachrichten.yahoo.com/dokumentationsfehler-bei-hirntod-diagnose-vor-organspende-210645622.html

Gruß an die, die NIEMALS einer Organentnahme zustimmen!!

TA KI

Was es wirklich bedeutet, Organe zu spenden: ein Blick auf die dunkle Seite


Wer sich zur Organspende im Falle seines Todes bereit erklärt, entscheidet sich dazu oftmals in dem Glauben, damit eine gute Tat zu tun, zumal die vermeintlich für das eigene Leben keine Konsequenzen mehr hat. Dies könnte sich als verheerender Irrtum herausstellen, denn die Entnahme des Spenderorgans muss im noch warmen Körper erfolgen. Ob der in allen Fällen wirklich schon tot ist, scheint überaus fraglich. Auch für den Empfänger bleibt der Nutzen fraglich, denn ein fremdes Organ zu empfangen (und zu behalten) bedeutet lebenslange Abhängigkeit vom Medizinbetrieb.

In unserem Land wird vielerorts für Organspenden von Toten geworben. An diesen Aufrufen beteiligen sich neben den direkt involvierten Medizinern auch Kirchen, Politiker und Medien. Dies liegt daran, dass es bei weitem mehr potentielle Empfänger für Organe gibt als Spender. In der Öffentlichkeit wird die Bereitschaft, Organe zu spenden, daher als Akt der Nächstenliebe dargestellt. Dahinter liegt jedoch eine grausame Wahrheit.

In Deutschland setzt eine Organtransplantation die Einwilligung des verstorbenen Organspenders voraus. Allerdings liegt nur bei sechs Prozent aller verpflanzten Organe die persönliche Einwillung des Spenders vor, während es in ca. 94 Prozent der Fälle die Angehörigen waren, die in die Transplantation einwilligten. Die gesetzliche Grundlage für diese Praxis liegt in der sog. „erweiterten Zustimmungsregelung“, die seit dem 1. Dezember 1997 gültig ist und die es erlaubt, das fehlende Einverständnis eines Verstorbenen auch durch die Zustimmung seiner nächsten Angehörigen zu ersetzen, sofern dies dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entspricht.

Da dies noch immer nicht den Bedarf an Spenderorganen deckt, beschloss der Bundestag mit den Stimmen aller Parteien am 24.11.2011 die sog. Entscheidungslösung, die in diesem Jahr als Gesetz verabschiedet werden wird. Bei dieser Regelung soll jeder Bürger per Befragung entscheiden, ob er nach seinem Tod zum Organspender werde möchte oder nicht. Die Erklärung soll behördlicherseits registriert werden, z. B. auf der elektronischen Gesundheitskarte. Diese Erklärung wird also häufig von Personen abgegeben werden, die das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Man hofft, auf diese Weise die Zahl der Spender, die vor ihrem Tod in die Organentnahme einwilligen, wesentlich zu erhöhen, und die Zahl der Angehörigen zu verringern, die sonst befragt werden müssten. Für den, der noch keine Entscheidung getroffen hat – das sollen in Zukunft aber die Wenigsten sein – entscheiden nach seinem Tod weiterhin die Angehörigen. Indessen dürfte den Hinterbliebenen häufig der Wille des Verstorbenen mangels vorheriger Aussprache gar nicht bekannt sein. So ist also zu erwarten, dass in vielen Fällen Angehörige etwas spenden, das ihnen gar nicht gehört. Analog zu Verträgen zu Lasten Dritter müssten derartige Einwilligungen eigentlich sittenwidrig und deshalb unwirksam sein. Derartiges gibt es nur im Transplantationsrecht, und daran erkennt man das hohe Interesse an verwertbare Organe von Verstorbenen heranzukommen.

Abgelehnt wurde vom Deutschen Bundestag jedoch die sog. Widerspruchsregelung. Nach diesem Entwurf dürften Organe nach dem Tod des Patienten auch gegen den Willen der Angehörigen entnommen werden – wenn der Verstorbene dem nicht vorher zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Sein Widerspruch würde in einem dafür vorgesehenen Widerspruchsregister festgehalten.

Im Gegensatz zu Deutschland gilt diese Widerspruchsregelung in den meisten europäischen Ländern; die erweiterte Zustimmungsregelung dagegen nur in sechs Staaten Europas. Deutschen Touristen, deren Widerspruch nicht in einem dafür vorgesehenen Widerspruchsregister des jeweiligen Landes festgehalten ist, können daher nach ihrem Tod Organe jeder Art und in jedem Umfang zu Transplantationszwecken entnommen werden, wenn sie der Tod in Frankreich, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern ereilt. In allen diesen Ländern gilt, wie gesagt, die Widerspruchslösung. Doch welcher Tourist lässt vor einer Reise seinen Widerspruch im Widerspruchsregister des betreffenden Landes eintragen? Die Angehörigen haben lediglich in Belgien, Finnland und Norwegen noch ein Einspruchsrecht! Noch drastischer ist es in Bulgarien: Dort gibt es noch nicht einmal ein Widerspruchsrecht. Es gilt stets die sog. „Notstandsregelung“. Entnommen werden kann, was jeweils dringend benötigt wird. Bulgarien kann daher eigentlich nur besuchen, wem diese Perspektive keine Sorgen bereitet.

Hat der Gesetzgeber in Deutschland angenommen, dass sich die Kluft zwischen Organspendern und Empfängern durch die neue Regelung verkleinern würde, so dürfte dies aber ein Irrtum sein. Denn so, wie die Dinge liegen, wird mit der Zahl der Organspender auch die Anzahl der Transplantationsempfehlungen als „Therapie der Wahl“ zunehmen, denn an Organverpflanzungen wird sehr viel Geld verdient. Laut einer Studie der Hamburger Universitätsklinik wird jedoch in Deutschland die Therapie der Herztransplantation in zwei Dritteln der Fälle vorschnell angeboten! 1 Laut dem Deutschen Bundesrat sollte jeder, der sich für eine Organspende entscheidet, ausreichend darüber informiert sein, wofür er sich entscheidet.

Jeder, der sich zur Organspende bereit erklärt hat oder dessen Angehörige nach seinem Tod dem zustimmen und jeder, der in einem Land stirbt, in dem die sog. Widerspruchsregelung gilt, sollte wissen, dass nach seinem „Tod“ (wir kommen noch dazu, was die Anführungszeichen bedeuten!) nur lebendfrische Organe entnommen und transplantiert werden können, also nicht die leblosen Organe einer Leiche. Als transplantierbare Organe gelten: Lunge, Herz, Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. In Einzelfällen wurden auch Körperteile wie Gesicht, Hände, Arme, Luftröhre, Kehlkopf, Zunge und Penis entnommen. Zu den transplantierbaren Geweben gehören: Haut, Knochen und Kochenteile, Herzklappen, Herzbeutel, Augen, Blutgefäße, Knorpelgewebe, Sehnen und Bänder.

Nachdem der südafrikanische Chirurg Christian Barnard im Dezember 1967 die erste Herztransplantation vorgenommen hatte, der 1968 in den USA weitere 70 Fälle folgten, begann die Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Tötung gegen die Transplantationschirurgen zu ermitteln. 1968 definierte eine ad-hoc eingesetzte Harvard-Kommission dann den Tod des Menschen neu: Als „Tod“ definierte sie nun bereits das irreversible Koma. Als Bedarf für dieses neue Todeskriterium nannte sie u. a. die überholte klassische Definition des Todes, die zu Kontroversen bei der Beschaffung von Organen von Patienten führen könnte, die bisher als noch lebende, zu pflegende Patienten angesehen worden seien. Damit hob die Harvard-Kommission die bisher seit Jahrtausenden geltende Erkenntnis auf, wonach ein Mensch erst dann tot ist, wenn sein Herz und seine Atmung irreversibel zum Stillstand gekommen sind, Geist und Seele also den Körper endgültig verlassen haben. Zuvor hatten 1959 die beiden französischen Ärzte Molaret und Goulon erstmals den Zustand des irreversiblen Komas beschrieben, bei dem das Gehirn durch Sauerstoffmangel irreversibel zerstört ist. Diesen Zustand hatten sie als „coma dépassé“ (endgültiges Koma) beschrieben, jedoch nicht als Tod. Bitte lassen Sie uns festhalten: Bis dahin hatte immer gegolten, dass ein Mensch erst dann verstorben, erst dann tot war, wenn sein gesamter Organismus – Herzatmung und der gesamte Kreislauf – zum Stillstand gekommen war. Erst dann erkaltet der Körper des Verstorbenen, Totenflecken zeigen sich, die Leichenstarre stellt sich ein und der Verwesungsprozess folgt. Mit diesem lösen sich Geist und Seele durch Zerreißen des silbernen Bandes irreversibel vom irdischen Körper und kehren zurück ins Jenseits, der wahren, ewigen Heimat des Menschen. Im Bereich atheistischer, materialistischer medizinischer Wissenschaft existieren Geist und Seele eines Menschen jedoch nicht.

Seit die Schulmedizin die Organtransplantation ins Programm aufgenommen hat, ist der Todeszeitpunkt also juristisch zeitlich vorverlegt worden und wird seitdem auch immer noch weiter vorverlegt, um dem „Toten“ – in Wirklichkeit aber einem Sterbenden – lebendfrische Organe, wie z. B. das bis dahin noch schlagende Herz oder andere bis dahin voll durchblutete Organe wie Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Augen etc. entnehmen zu können. Denn nach dem deutschen Transplantationsgesetz (TPG) dürfen lebenswichtige Organe nur von Toten entnommen werden. Im Interesse der Organtransplantation hat sich die Definition des „Hirntods“ als Todeszeitpunkt des Menschen nahezu weltweit durchgesetzt. Behilflich wurde dabei auch die Bundesärztekammer. Sie konstatierte, dass mit dem Hirntod angeblich medizinisch-naturwissenschaftlich der Tod des Menschen klar festgestellt sei. Wem ist schon bekannt, dass sich hinter der Bezeichnung „Bundesärztekammer“ ein nicht rechtsfähiger Verein von Landesärztekammern verbirgt, jedoch keine öffentlich-rechtliche Institution auf Bundesebene, wie der Name eigentlich impliziert! An der Feststellung der Bundesärztekammer, dass mit dem Hirntod der Tod des Menschen festgestellt sei, ändert die Tatsache nichts, dass es sich bei dem Patienten zu diesem Zeitpunkt um einen Körper handelt, dessen Herz noch schlägt und den gesamten Kreislauf aufrechterhält, der noch seine normale, warme Temperatur und Stoffwechsel aufweist. Auch das funktionsunfähige Gehirn ist noch durchblutet und keineswegs erkaltet wie bei einem Toten. Daher ist es auch noch längst nicht in den Verwesungsprozess übergegangen. Bis zur Feststellung des Gehirntods (und damit juristisch gesehen: des Todes des Patienten durch Ärzte) wurde dieser vom Pflegepersonal noch als Komapatient behandelt: Er wurde ernährt, gewaschen und in jeder notwendigen Weise gepflegt. Männliche „Gehirntote“ sind selbst noch zu einer Erektion fähig. Weibliche schwangere Gehirntote lassen in ihrem Körper ein Embryo weiter wachsen und bis zu seiner Geburt reifen. Auch Wunden können noch ausgeheilt werden. Dr. Zieger berichtete 1996 dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags, dass Komapatienten auf äußere Ereignisse und soziale Stimuli, wie etwa den Besuch von Angehörigen, eindeutig reagieren. Gehirntote können noch Tage, Wochen, auch noch Monate oder jahrelang leben, bis sie einem würdevollen, friedlichen Tod begegnen. Deshalb hat das Pflegepersonal häufig seine Probleme damit, dass ein irreversibel komatöser Patient, den sie bis dahin in vollem Umfang gepflegt hatten, zu einem bestimmten Zeitpunkt als vorgesehener Organspender von den Ärzten als tot erklärt wird, obwohl er nach wie vor wie ein Schlafender lebend,, warm und atmend im Bett liegt. Kein Wunder, dass Professor Franco Rest äußerte: „Den Hirntod gibt es überhaupt nicht; er ist eine Erfindung der Transplantationsmedizin.“

Mediziner, die die Hirntod-Diagnose stellen, bereiten dem Patienten zuvor schmerzhafte Erfahrungen: Der Eingriff dient nämlich in der Regel der Organbeschaffung, und nicht dem Wohl des Patienten. Die klinische Untersuchung sieht u. a. vor: eine Provokation der Augenhornhaut mit einem Gegenstand; Stechen in die Nasenwand; Reizen des Rachenraums mit einem Gegenstand; Setzen eines heftigen Schmerzes zur Reizung von Reflexen; Reizung des Bronchialraums durch Absaugkatheter; festes Drücken der Augäpfel; Gießen von Eiswasser in die Gehörgänge. Zur Absicherung der Diagnose wird gelegentlich eine Angiographie mit Kontrastmittelgabe durchgeführt. Dieses Testverfahren kann beim noch lebenden Spender zu einem anaphylaktischen Schock mit Todesfolge führen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation empfiehlt als letzte klinische Untersuchung den Apnoe-Test: das Abschalten der Herz-Lungen-Maschine. Dabei kann es zu Blutdruckabfall, Herz-Rhytmus-Störungen oder gar zum Herzstillstand kommen.

Über belastende Untersuchungen, mögliche Gefahren und Fehleinschätzungen bei der Hirntoddiagnostik wird der spendenwillige Bürger jedoch derzeit nicht aufgeklärt. Unbekannt bleibt, wie häufig Fehldiagnosen eines Gehirntods gestellt werden. Derartiges wird selbstverständlich nicht in Fachzeitschriften publiziert. Indessen wurden Fälle bekannt, in denen bei „Hirntoten“, durch Fortsetzung lebenserhaltender Maßnahmen diese Patienten wieder gesund wurden. Die Autoren einer entsprechenden Studie warnten vor der Fehldiagnose des Hirntods.2 So wurde bei der 56-jährigen Gloria Crux der Hirntod diagnostiziert und prognostiziert, dass sie innerhalb von 48 Stunden sterben würde. Sie überlebte aber, weil ihr Mann das Abschalten der Geräte verhindern konnte. Eine weitere Betroffene, Frau Rosemarie Körner, berichtete:

„Hätte man ihm (ihrem damaligen Ehemann) aufgrund der mehrmaligen Hirntod-Diagnose Organe entnommen, würde er heute nicht mehr leben, nicht zum dritten Mal verheiratet sein.“

Vor der Organentnahme auf dem Operationstisch erhalten diese angeblich Toten häufig muskelentspannende und schmerzstillende Medikamente. Hier und da bekommen sie auch eine Vollnarkose oder werden örtlich anästhesiert. Nicht selten schnallt man sie auf dem Operationstisch fest, um irritierende Bewegungen zu verhindern. Daraus ist unschwer zu entnehmen, dass die Organtransplanteure keineswegs davon ausgehen, dass der Organspender, dem auf dem Operationstisch lebendfrische, warme Organe – etwa das noch schlagende Herz – herausgeschnitten werden, bereits im eigentlichen Sinne tot und ohne jedes Schmerzempfinden sei. Ganz im Gegenteil! Wie bei einem operierten, lebenden Patienten reagiert auch der Hirntote auf unbewusste Schmerzen: Die Pulsfrequenz schnellt hoch, der Blutdruck verändert sich, Hormone werden ausgeschüttet. Ein wirklicher Toter, ein Leichnam, ist zu solchen Reaktionen selbstverständlich nicht mehr fähig. Da ein Schmerzempfinden in solchen Fällen nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, ist in der Schweiz bei der Organentnahme am „Toten“ inzwischen eine Vollnarkose vorgeschrieben. Selbst die Deutsche Stiftung Organtransplantation empfiehlt zur „Optimierung des chirurgischen Eingriffs“ 5 Fentanyl, ein synthetisches Opioid. Es ist eines der stärksten Schmerzmittel – ca. 100 Mal stärker als Morphin. Gescheut wird die Empfehlung einer Vollnarkose, wahrscheinlich weil dies auch dem Laien offenbaren würde, dass der tote Organspender in Wirklichkeit noch gar nicht tot ist.

Zu Zwecken der Organentnahme wird der auf dem OP-Tisch liegende Körper des Hirntoten von der Kehle bis zum Schambein aufgeschnitten bzw. aufgesägt. Als Erstes gießt man sodann Eiswasser in den aufgeklappten Körper, dann werden die einzelnen Organe herausgeschnitten. Erst danach tritt der eigentliche, endgültige Tod der ausgenommenen körperlichen Hülle des Patienten ein, jedoch nicht der entnommenen Organe, die in anderen Patienten weiter leben und weiter funktionieren sollen. Dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg, von Beruf Arzt, wurde die Bitte abgelehnt, als Zuschauer einer Organentnahme beizuwohnen. Als Begründung wurde mitgeteilt, die einem Schlachtfeld ähnelnde Szene sei keinem Zuschauer zuzumuten. Und dies wahrscheinlich aus gutem Grund! Der Blutverlust beim Aufschneiden eines noch von der Blutzirkulation durchpulsten, lebenden Körpers von der Kehle bis zum Schambein und das anschließende Ausschlachten von Organen führt fast zum totalen Blutverlust der körperlichen Hülle. Die Chirurgen stehen wegen der Blut- und Wasserüberschwemmung des Fußbodens häufig auf Matten oder Tüchern.

Wie schon vorher erwähnt, werden übrigens nicht nur Organe entnommen, sondern auch Gewebe. Infrage kommt hier praktisch der gesamte Körper, z. B. die Oberschenkelknochen. Für den Bestatter muss der Leichnam („der Hampelmann“) dann erst wieder stabilisiert werden – zum Beispiel, indem man ihn mit Besenstielen austopft und zunäht. Herausgenommene Augen werden zugeklebt oder durch Glasaugen ersetzt. Wie in der Ärztezeitung vom 31. August 2000 zu lesen war, hält der britische Anästhesist Dr. Peter Young es grundsätzlich für möglich, dass hirntote Patienten bei der Organentnahme Schmerzen empfinden können. Andere britische Narkose-Fachärzte haben dem zugestimmt. Dr. Philip Keep vom Norfolk und Norvich Hospital, Norvich, ließ die Hörer eines Radio-Programms der BBC wissen, dass er eine Organspende für sich persönlich ablehne. Er erklärte dazu:

„Ich habe während meiner langjährigen Arbeit im OP dutzende hirntote Organspender gesehen, die bei der Entnahme der Organe Reaktionen zeigten. Ich möchte und kann nicht ausschließen, dass dies auf ein gewisses Schmerzempfinden des Organspenders hindeutet.“

Er vertritt daher die Auffassung, dass hirntote Organspender vor einer Organentnahme grundsätzlich anästhesiert werden sollten. Die Verabreichung einer Vollnarkose oder stärkster Schmerzmittel schließt wohl die Annahme aus, dass deren Körper schon tot seien. Doch in der Anatomie gibt es Probleme dieser Art nicht.

Gemäß heutiger Neurowissenschaft sind die Eingeweide von mehr als 100 Millionen Nervenzellen umhüllt. Dieses „zweite Gehirn“ ist gleichsam ein Abbild des Kopfhirns: Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind exakt gleich. Oft entscheidet der Mensch buchstäblich „aus dem Bauch heraus“. Solange „das Bauchhirn“ noch lebt, kann es die Todesdefinition „Hirntod = Tod“ nicht geben. Das gilt natürlich auch für das Herz und seine Intelligenz. Auch nach dem Hirntod kann es weiter schlagen. So liest man beispielsweise im Buch „Die Herz-Intelligenz-Methode“3:

„Dank seiner komplexen Schaltkreise kann es [das Herz] unabhängig vom Gehirn im Kopf arbeiten. Es kann lernen, sich erinnern, ja selbst fühlen und empfinden.“

Nicht umsonst sagt man, uns „geht etwas zu Herzen“, „das Herz wird schwer“ oder das Herz könne „brechen“.

In der Beilage „Organspende und Selbstbestimmung“ der Zeitschrift Das Parlament 4 war in dem Artikel „Wie tot sind Hirntote? Alte Fragen – Neue Antworten!“ u. a. zu lesen:

„Kritiker der Gleichsetzung von Tod und Hirntod wie der Philosoph und Nobelpreisträger Hans Jonas halten am klassischen Todeskonzept fest. Sie plädieren dafür, den Komapatienten oder den Hirntoten im Zweifel so zu behandeln, als sei er noch auf der Seite des Lebens, da wir die exakte Grenze zwischen Leben und Tod nicht kennen und der Mensch nicht von seinem Körper zu trennen oder im Gehirn zu lokalisieren sei.“

Jonas warnt davor, das Hirntod-Kriterium in den Dienst der Organ-Beschaffung zu stellen. Der Therapieabbruch bei hirntoten Patienten sei nur dann gerechtfertigt, wenn er dem Interesse des Patienten selbst diene, aber nicht für fremdnützige Zwecke. Auch Gehirnforscher und andere Wissenschaftler stellten fest, dass die Gleichsetzung von Hirntod und Tod aus physiologischer Sicht unhaltbar sei, ebenso wie die Gleichsetzung hirntoter Patienten mit Leichen. Dr. Manfred Lütz, Theologe, Arzt und Mitglied im Direktorium der Päpstlichen Akademie für das Leben äußerte sich in einem Radio-Interview wie folgt: „Was die Kirche sagen kann, ist: Man darf nicht jemanden töten, um an seine Organe zu kommen.“ So stellte auch das „Presidents’ Council on Bioethics“ (USA) 2008 eindeutig klar: „Der Hirntod ist naturwissenschaftlich nicht dem Tod gleichzusetzen.“ Ist dies richtig, so wird jeder „gehirntote“ Organspender von den Transplantationschirurgen auf dem OP-Tisch erst durch die Entnahme seiner Organe getötet. So wundert es nicht, dass Papst Benedikt XVI. forderte, dass Organe nur ex KADAVERE (vom Leichnam) entnommen werden dürften. Er selbst zog seine Bereitschaftserklärung zur persönlichen Organspende zurück.

Wegen der völlig unzulänglichen Aufklärung durch Politik und Medien erwarten auch die Mitglieder der Initiative „Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.“ (KAO), dass seitens der dafür Verantwortlichen endlich eingestanden wird, dass der „Hirntod“ keine wissenschaftliche, sondern eine juristische Definition ist, um von einem sterbenden, lebenden Menschen straffrei lebendfrische Organe entnehmen zu können. Diese Initiative wurde von Eltern gegründet, die ihre verunglückten Kinder zur Organentnahme freigegeben hatten, ohne zuvor über den allumfassenden Sachverhalt ordnungsgemäß aufgeklärt worden zu sein. Sie hatten erst nach der Entnahme begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die bereits wirklich tot sind, wie sie vorher angenommen hatten. Zahlreiche dieser Eltern haben sich öffentlich geäußert. Darunter auch Frau Renate Greinert, deren umfangreicher Äußerung folgende Passagen zu entnehmen sind:

„Wir befinden uns durch die Transplantationsmedizin im modernen Kannibalismus. Der Mensch reißt seinem Gegenüber nicht mehr sein Herz aus der Brust und verspeist es zur eigenen Kraftgewinnung, nein, in der heutigen Zeit legt sich der Mensch auf einen Operationstisch, schließt die Augen und lässt einverleiben.…Ich gab den Kampf um meinen Sohn auf, weil der Arzt sagte, Christian sei tot. Eine ungeheuerliche Situation: Ich wende mich von meinem Kind ab, das warm ist, lebendig aussieht und behandelt wird wie ein Lebender, weil der Arzt sagt, mein Kind ist tot. Ich musste gegen mein eigenes Empfinden glauben. Ich habe meinen Sohn vor seiner Beerdigung noch einmal gesehen. Er erinnerte mich an ein ausgeschlachtetes Auto, dessen unbrauchbare Teile lieblos auf den Müll geworfen wurden. Wir waren bereit gewesen, ein Organ zu spenden, jetzt erfuhr ich, dass die Mediziner meinem Sohn Herz, Leber, Nieren und Augen entnommen hatten, man hatte ihm sogar die Beckenkammknochen aus dem Körper gesägt. Zerlegt in Einzelteile war er dann über Europa verteilt worden. Er war zum Recyclinggut geworden. Ich war gar kein Einzelfall, wie mir eingeredet werden sollte. Alle diese Angehörigen waren – wie ich – unaufgeklärt oder falsch informiert in die Organentnahme manipuliert worden. Alle Angehörigen der Organspender sind davon ausgegangen, dass ihre Kinder so tot waren, wie man sich TOT-SEIN vorstellt. Alle erinnerten sich daran, dass ihre Kinder aber gerade nicht kalt, starr, leblos und ohne Atem waren. Im Gegenteil: Sie waren warm, einige schwitzten, sie wurden wie Patienten versorgt und behandelt. Die Mütter erzählen von nächtlichen Albträumen, in denen ihre Kinder schreien und ihnen vorwerfen, sie verlassen zu haben. Und das genau haben wir getan. Es ist nicht zum Aushalten! Wir finden keinen Weg aus der Schuld. Kassierer, Gewinner ist der Transplantationsmediziner, der seinem Traum, den Tod zu besiegen, einen wesentlichen Schritt näher gekommen ist. Die Gesellschaft wird mit ihrer Angst vor dem Sterben so manipuliert, dass wir uns alle nur in der Rolle der Organempfänger sehen, aber nicht als Lieferant. Die Akzeptanz der Organspende beruht darauf, dass keiner mehr sterben will. Jeder hofft, auf Kosten eines anderen zu überleben. Über Organverteilerstellen werden sie wie Ware angeboten und in Europa verteilt. Entnommen und in Kühlboxen verpackt werden sie per Hubschrauber oder Jet in Transplantationszentren geflogen und verwertet. Der Mensch verkommt zum Sonderangebot, tiefgefroren bis zur Verwertung. Wollen wir das wirklich oder sollten wir nicht endlich Einhalt gebieten? Es war ein langwieriger Prozess, zu begreifen, dass Sterben etwas Alltägliches ist, dass der Tod die Krönung des Lebens ist. Die einzige Alternative zur Transplantationsmedizin für Spender und Empfänger von Organen, für jeden von uns, ist die Akzeptanz des Sterbens.“

Frau Renate Focke, Mutter des 1997 verunglückten Arnd, äußerte in der Schrift der KAO „Organspende – Die verschwiegene Seite“, dass im Fall ihres Sohnes eindeutig gravierende Verstöße gegen das Transplantationsgesetz begangen worden seien. Ihr Ehemann, Gebhard Focke, äußerte sich dort wie folgt:

„Ich werfe mir vor, dass ich ihn habe sterben lassen, während er aufgesägt und aufgeschnitten wurde, während er mit kalter Perfusionslösung durchspült wurde – und das alles ohne Narkose. Keiner weiß aber genau, was ein sog. ‚Hirntoter‘ noch empfinden kann. Ich werfe mir vor, dass ich tatsächlich meinen Sohn für tot hielt, als die Ärzte mir das verkündeten, obwohl er sich durch die Hirntod-Feststellung in keiner Weise verändert hatte. So aber fühle ich mich über den Tisch gezogen, meine Unwissenheit wurde ausgenutzt. Ich habe mir oft überlegt, was ich denn hätte wissen müssen, um eine begründete Entscheidung treffen zu können. Vielleicht hätte schon folgende Frage ausgereicht: ‚Ihr Sohn liegt im Sterben. Sind Sie damit einverstanden, dass er auf dem OP-Tisch zu Ende stirbt, während ihm die Organe entnommen werden?‘ Ich hoffe, dass ich dann die Ärzte vom Hof gejagt hätte. Wer möchte sein Kind schon auf solch schreckliche Weise sterben lassen? […] Wenn ich gewusst hätte, dass es begründete Zweifel am Hirntod-Konzept gibt, hätte ich meine Zustimmung zur Organentnahme nie gegeben – wer möchte seinen hilflosen Angehörigen solch einem ungewissen und grausamen Sterben ausliefern? […] Statt von der 100-prozentigen Zuverlässigkeit der Hirntod-Diagnostik zu fabulieren, sollte man die Öffentlichkeit darüber informieren, dass Studien das Gegenteil belegen. Statt den schwammigen Begriff der Nächstenliebe zu verwenden, sollten gerade die Kirchen ein Interesse daran haben, ihre sterbenden Mitglieder nicht schutzlos der Medizin auszuliefern, sondern ihnen einen Übergang in Würde und Ruhe zu ermöglichen. Und die DSO sollte nicht dauernd von Solidarität in der Gesellschaft reden und damit die Ausbeutung des Einen zugunsten eines Anderen meinen. Zusammen mit der Pharma-Industrie, die an den Transplantierten, die ja Dauerpatienten sind, viel Geld verdient, ist hier ein Kartell entstanden, das Informationen nur dann fördert, wenn sie Werbung für Organspende darstellen. Sonst tut man alles, um die Öffentlichkeit nur in eine Richtung zu beeinflussen.“

Stets wird versucht zu verhindern, dass Angehörige die ausgeschlachtete, leblose körperliche Hülle des „Organspenders“ nach der Entnahme sehen. Diejenigen, denen es dennoch gelingt, sind entsetzt. Der sich ihnen bietende Anblick verfolgt sie meist ihr ganzes Leben lang. Das Gesicht des Spenders zeigt nicht den beseelten Frieden von Menschen, die man in Würde hat sterben lassen. Sie spiegeln vielmehr Furcht, Angst und fürchterliche Schmerzen wider. Blonde Haare junger Menschen sind ergraut oder weiß geworden. Die Haut des entbluteten Körpers zeigt sich in einem unnatürlichen grauweißen Farbton. So äußerte sich Frau Gisela Meyer, Mutter des verunglückten Sohns Lorenz wie folgt:

„Beim Anblick meines Sohns glaubte ich zunächst an einen Irrtum. Ich erkannte ihn nicht, weil sein zuvor unverletztes Gesicht so entstellt war. Bis dahin hatte ich schon als Krankenschwester und in der eigenen Familie Sterbende begleitet und in das Gesicht von Verstorbenen geschaut. Ich hatte keine Berührungsängste und kannte den friedlichen und entspannten Gesichtsausdruck, der sich oft bei Verstorbenen einstellt. Das Gesicht meines Kindes war hingegen ganz klein geworden, die Lippen, seine schönen vollen Lippen, waren zusammengepresst, der Gesichtsausdruck sah nach Schmerzen aus. Seine Haare waren nass, die Augen mit Mulllagen bedeckt und kreuzweise verklebt. Entgegen den Behauptungen der Transplantationsmediziner bin ich überzeugt, dass mein Kind bei der Organentnahme Schmerzen erlitten hat. In seinem Sterben war ihm noch Schlimmes widerfahren. Nach der Krankenakte, die wir später lasen, bekam er eine Lokalanästhesie – warum? Hatte er sich bei der Operation bewegt? Hatte der Arzt gemerkt, dass er mit Schmerzen reagierte? […]“

Darüber, wie viele Organtransplantationen missglücken, wird nicht gesprochen – zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Der Empfänger erhofft sich die Verlängerung seines Lebens mit dem fremden Organ. Am eigenen Körper muss er dann erfahren, was es bedeutet, für den Rest seines Lebens in die Abhängigkeit vom Transplanteur und anderer Ärzte zu kommen. Mit hohen Cortisongaben und anderen Medikamenten müssen die Abstoßungsreaktionen des fremden Organs ständig bekämpft werden. Das setzt die eigene Immunkraft herab und hebt sie letztlich auf. Bakterien, Viren und Pilze haben freien Eingang in den ungeschützten Körper des Empfängers und können sich dort ungehindert vermehren. Die Pharma-Industrie verdient exzellent an Organempfängern. Die monatlichen Medikamentenkosten betragen oft tausende Euro. Hier und da müssen verbrauchte, eingesetzte Organe durch wiederum neu beschaffte ersetzt werden! Mancher Organempfänger stirbt qualvoll an Infektionen, gegen die sich sein Körper nicht mehr wehren kann. Der Preis, den der Organempfänger für die gewonnene Verlängerung des Lebens seines irdischen Körpers zahlt, ist hoch. Das fremde Organ wird nie ein eigenes. Häufig sind auch Wesensveränderungen zu beobachten.5 Vegetarier, denen das Organ eines Fleischessers eingepflanzt wurde, verspüren beispielsweise plötzlich einen wilden Hunger auf Fleisch. Eine 35-jährige Frau, die das Herz eines Callgirls erhalten hatte, konnte danach von Sex nicht mehr genug bekommen. Ein Arbeiter ohne kulturelle Neigungen, dem man die Leber eines jungen Geigers übertragen hatte, interessierte sich plötzlich für klassische Musik. Ein zehnjähriges Mädchen wurde seit der Transplantation von schweren Albträumen geplagt. Es hatte das Herz einer Achtjährigen erhalten, die ermordet worden war. Die Empfängerin des Herzens konnte das Verbrechen an der Organspenderin so genau beschreiben, dass die Polizei den Täter ermitteln und festnehmen konnte. Direkt nach einer Transplantation treten auch Euphorie, Verwirrtheitszustände und halluzinative Erlebnisse auf. Typisch sind Wahnideen von Raub und Tötung. Die Ärzte, die mit diesen Problemen überhaupt nicht vertraut sind, führen dies zumeist auf Folgen der verordneten Medikamente zurück. Dies alles ist noch ein großes, dunkles, unübersehbares Feld!

Zieht man aus all dem die Bilanz, lässt sich unschwer erkennen: Die Diagnose „Gehirntod“ bedeutet für einen im Sterbevorgang lebenden Patienten das endgültige Todesurteil, und zwar durchgeführt auf grausamste Weise. Vollstreckt wird es von Chirurgen auf dem Operationstisch anlässlich der Organentnahme. Die Spuren dieses Vorganges werden von den Angehörigen danach auch in der Leichenhalle wahrgenommen – soweit es überhaupt dazu kommt.

Da der Mensch entgegen der atheistischen, materiellen medizinischen Wissenschaft nicht nur aus einem organischen Körper besteht, sondern eine Einheit aus Körper, Geist und Seele bildet, die sich wechselseitig völlig durchdringen, bleibt es der Phantasie des Einzelnen überlassen, was die „Organ-Geist-Seele-Transplantation“ für Spender und Empfänger in Wahrheit bedeuten muss und welche Folgen dies hat – nicht nur im körperlichen, sondern auch im geistig-seelischen Bereich. So fragt auch der Verein Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. (KAO) in seiner Schrift „HIRNTOD – Der neue Tod bei lebendigem Leib“:

„Sollen wir das christliche Menschenbild von der Ganzheit des Menschen aus LEIB, SEELE, GEIST aufgeben und das Maschinenmodell der Transplantationsmedizin übernehmen?“

Mediziner klären Organspender oder deren Angehörige und Organempfänger selbstverständlich nicht über solche Aspekte auf. Sie können es auch nicht, weil ihre atheistische, materielle Medizin-Wissenschaft wohl den irdischen menschlichen Körper, nicht aber dessen Geist und Seele kennt. Im Interesse der Einwilligung zur Organspende und dem Wunsch nach der Einverleibung von Organen anderer Menschen wird aber auch viel von dem verschwiegen, was sie im Bereich dieser materiellen Welt zu erkennen vermögen. Der Verein Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. zitiert den Transplantations-Medizin-Professor Rudolf Pichlmayr in seiner Schrift „Organspende – Die verschwiegene Seite“: „Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr.“ Aufklärung erfolgt daher hauptsächlich einseitig „pro Organspende“. Nicht verwunderlich ist in diesem Zusammenhang die Meinung des Vorsitzenden der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Prof. Hans Lilie:

„Es bleibt dem Einzelnen überlassen, sich selber die notwendigen Informationen zu besorgen, sodass eine Organspende auch dann zulässig ist, wenn der Betreffende sich für die Spende ausgesprochen hat, ohne über die Einzelheiten zuvor aufgeklärt worden zu sein.“6

Dr. med. M. O. Bruker, dessen Gesundheitsbücher in über drei Millionen Exemplaren vertrieben wurden, äußerte sich wie folgt:

„Ich schäme mich für den Ärztestand, dass nicht alle Kolleginnen und Kollegen aufstehen und laut NEIN sagen zu der Art der Aufklärung über die Organtransplantation. Sie befürworten damit stillschweigend ein dunkles Geschäft, das unethisch und unmoralisch betrieben wird. Es setzt sich über die Menschenwürde hinweg und nimmt eine Tötung des Lebenden billigend in Kauf. Von dieser Art der Geschäftemacherei distanziere ich mich auf das Schärfste und mit ihr sicher der größte Teil der Ärzte.“ Er schrieb auch: „Heute gilt – wie absurd – der ‚Hirntod‘ als Gesamttod, obwohl keine ausreichenden Beweise dafür vorliegen. Auf diese Weise wurde durch die Gesetzgebung ein Freispruch für alle ‚Handlanger‘ dieses ‚Mordsgeschäfts‘ erreicht.“ 7

Andreas Brenner, Philosophie-Professor an der Universität Basel und an der Fachhochschule Nordwest-Schweiz, der sich insbesondere mit Bioethik und Biopolitik befaßt, antwortete auf die Frage, ob der Mensch tot ist, wenn sein Gehirn nicht mehr funktioniert:

„Ein Hirntoter ist nach allgemeiner Definition ein Mensch mit einer starken Gehirnschädigung. Und diese ist vermutlich irreversibel. Das bedeutet aber nicht, dass er tot ist.“

Prof. Andreas Brenner, mit der Behauptung konfrontiert, in den USA disktutiere man inzwischen darüber, die „Gehirntod“-Definition fallen zu lassen und von Tötung zu sprechen, äußerte sich wie folgt:

„Ja, man findet das Hirntod-Konzept einerseits nicht schlüssig und gibt zu, dass Organentnahme bei Hirntod eine Tötung ist, will aber mit der Transplantationsmedizin trotzdem weitermachen. Man überlegt sich nun, die Organentnahme als ,justified killing‘ zu betrachten, als gerechtfertigtes Töten. Das ist verheerend. Damit verabschiedet man sich vom Geist des über 2.000 Jahre geltenden hippokratischen Eids, nach dem die Ärzte das Leben nicht beenden dürfen.“8

Von Professor Wolfgang Waldstein, Ordinarius an der Zivilrechtlichen Fakultät der Päpstlichen Lateralen Universität und Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben, stammt u. a. folgende Äußerung vom Februar 2012:

„Die absurde Formel der Transplantationsmedizin lautet: Leben retten durch Töten. Und dieses Töten wird kurzerhand als ,justifiable necessity for procuring transplantable organs‘ [gerechtfertigte Notwendigkeit, transplantierbare Organe zu beschaffen] erklärt. Wer kann dieses Töten wirklich rechtfertigen? Das Problem der Forderung der Bereitschaft zur Organspende liegt darin, dass sie die wohl meist nicht bewusste Bereitschaft einschließt, sich töten zu lassen. Und das darf nicht verschwiegen werden.“9

Nach alledem sind die hier gegebenen Informationen insgesamt zur Entscheidungsfindung des Einzelfalls unentbehrlich, denn die Quelle vieler Leiden ist die Unwissenheit. Wissen jedoch hilft, viele Leiden zu vermeiden. Dass die Medizin der Zukunft – nach Überwindung des materiellen Zeitalters – die gegen jede natürliche Ordnung gerichteten, perversen Organtransplantationen nicht mehr kennen wird, steht für mich fest.

Endnoten

1 Siehe „Herzloser Tod – Das Dilemma der Organspende“, S. 192 ff.

2 www.das-parlament.de/2011/20-21/Beilage/001.html

3 VAK-Verlag, S. 56

4 Ausgabe 20 / 21 2011

5 Hierzu berichteten wir bereits in NEXUS-Ausgabe 1.

6 Aus seinem Vortrag beim 110. Deutschen Ärztetag in Münster am 16.05.2007

7 Aus „Sterben auf Bestellung – Fakten zur Organentnahme“, Hrsg. Ilse Gutjahr, Dr. phil. Mathias Jung.

8 Aargauer Zeitung vom 9.8.2011

9 Die Tagespost, 11.2.2012, Nr. 18 / Nr. 6 ASZ

Anm. d. Redaktion: Kurz vor Drucklegung erreichte uns noch folgender Leserbrief:

„Vor etwas mehr als 13 Jahren hatte der Freund meiner Tochter Christine einen Autounfall mit wenigen Verletzungen aber Gehirndruck im Ausmaß des zehnfachen Normalwerts. Nach einigen Tagen wurde der Gehirntod festgestellt. Die Eltern wurden gefragt, ob die Geräte abgeschaltett werden sollten oder nicht, und ob sie einer Organentnahme zustimmen würden. „Nein“, war die Antwort. Igendwo schnappten wir die Info auf, sie dürften dies hier in Österreich trotzdem tun. Meine Tochter sah in den Sarg und wollte ein letzten Mal ihren Wolfi sehen. Das sei nicht mehr ihr Wolfi, waren ihre Worte. Ich hab ihn mir auch angesehen. Und ich habe zuvor schon Tote gesehen. Aber das war schlimm. Da war keine Seligkeit zu sehen, sondern eine verzerrte Grimasse. Man sah zwar nichts, aber es war wirklich nicht mehr der Wolfi. Heute weiß ich, warum. Ich hab damals gar nicht realisiert, dass sie ihn lebendig zerschnitten haben. Ich darf das seiner Mutter gar nicht sagen, die würde sterben. Was tut man in so einem Fall? Ich habe für mich beschlossen, sie zu verschonen. Sie ging damals mehr als ein Jahr lang jeden Tag ans Grab. (Er war erst 19 Jahre jung.) Ich hab ihr dann einmal gesagt, dass er keine Ruhe finden kann, weil sie ihn nicht gehen lässt und habe ihr Behandlungen gemacht und es wurde allmählich besser. Aber als sie bei meinem fünfzigsten Geburtstag meine Enkelin sah, musste sie so weinen, dass sie nicht mehr sprechen konnte. Es hätte auch ihre Enkelin werden können, wenn nicht …

Ich habe für mich selber beschlossen, einen Text bei mir zu tragen, der ausdrücklich darauf hinweist, dass ich keine Organspende erhalten darf, selbst wenn es möglich wäre. Ich will gehen, wenn es Zeit ist. Und ich bin frei von Angst. Zumindest jetzt. Und wenn es dann soweit ist, werden mir auch alle Engel helfen.

1995 hatte ich selber einen Unfall und ich war damals im Krankenbett soooo dankbar (sechs Wochen Intensiv), dass ich einem inneren Drang zufolge KEINEN Pass bei mir trug (wie irgendwo empfohlen), dass ich Organe spende, wenn … Ich war mehr tot als lebendig damals. Das dumpfe Gefühl, ich hätte dran glauben müssen, wenn so ein Pass gefunden worden wäre, umfängt mich noch heute … heute eigentlich erst recht. DANKE für deine Aufklärung! Es war schrecklich, den ganzen Bericht zu lesen und ich hab geweint vor Schmerz, aber es ist mehr als wichtig, das alles zu wissen!

Mir scheint, das Geschäft mit der Organspende baut unter anderem auch auf dieser Ohnmacht und dem folgendem Stillschweigen auf. Wie menschenverachtend!“

Quelle: http://www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/was-es-wirklich-bedeutet-organe-zu-spenden-ein-blick-auf-die-dunkle-seite?context=blog

Gruß an die Organspende-Verweigerer

TA KI