Die Nibelungen


Der Nibelungenschatz


Der Raub von Andwaris Schatz
(Illustration von F. von Stassen, 1914)

Wie die Sage um Gudrun ist auch der Sagenkreis um die Nibelungen ursprünglich ein alter Nordischer Stoff. Entstanden ist er in Island, entwickelt sich von einer Erzählung über die Geschicke der Götter zu einer Erzählung über Menschliches Verhängnis. Später wird daraus ein Mittelalterliches Epos mit Christlichen Anklängen, das jedoch die tiefere Tragik und das Verhängnis, dem alle zwangsläufig zum Opfer fallen werden, nicht verleugnen kann; die Ursprünge der Erzählung, die in einer heidnischeren, barbarischeren Zeit liegen, schimmern immer wieder durch.

Diese Nacherzählung nun wird versuchen, den Bogen zu spannen zwischen den Nordischen Göttern, die die Geschehnisse in Gang setzen, und der Mittelalterlichen Bearbeitung mit ihren Christlichen Anklängen, die das Werk nur Umfangreicher und komplexer machen, die Konflikte nur zahlreicher. Es ist ein weitgespanntes, umfangreiches Werk, das noch zusätzlich in andere Sagenkreise, wie etwa des Dietrich von Bern, übergreift, jedoch bis heute trotz seines Umfangs nichts von seiner Faszination verloren hat.

Wo der Nibelungenschatz herkam

Regin, Otur und Fafnir waren drei Zwerge, Söhne von Hreidmar, einem Bauern und Zauberer.

Einst nun kamen Odin, Loki und Hönir zu Andwaris Wasserfall, in dem Otur in Ottergestalt Fische fing. Da sie ihn nicht kannten, tötete Loki ihn mit einem Stein, sie zogen ihm das Fell ab und brachten es voller Stolz zu Hreidmar, der alsbald mit Grauen seinen toten Sohn erkannte. Als Wiedergutmachung sollten die Asen den Balg mit Gold füllen und ihn auch von Außen mit Gold bedecken. Da nun aber die abgezogene Haut über Magische Kräfte verfügte, konnte sie so weit ausgedehnt werden, dass keine gewöhnliche Menge Goldes ausreichte. Loki wurde nun ausgeschickt, das Gold zu beschaffen. Er besorgte sich ein zauberisches Netz, in dem er den Zwerg Andwari, der in Hechtgestalt in seinem Wasserfall schwamm, fing, und zwang diesen damit zur Herausgabe seines immensen Schatzes. Zuletzt war nur ein Ring übrig, der es Andwari ermöglicht hätte, seinen Schatz zu erneuern, doch Loki bestand auch auf Herausgabe dieses letzten Stückes von Andwaris Schatz, woraufhin dieser den Ring mit einem Fluch belegte, der besagte, dass der Besitz des Ringes zweien Brüdern das Ende bringen und acht Fürsten verderben solle.

Loki brachte nun alles Gold aus dem Zwergenhort zu Hreidmar, doch als alles aufgebraucht war, blieb noch ein Haar unbedeckt, so dass Loki auch den Ring abgeben musste. Damit ging der Fluch des Ringes auf Hreidmar über, dessen verbliebene Söhne alsbald ihren Anteil an dem Schatz forderten, was ihnen aber verweigert wurde. Fafnir ging daraufhin soweit, seinen Vater im Schlaf zu ermorden, wurde für diese böse Tat aber in einen Drachen verwandelt, der fortan den Schatz als seinen Drachenhort hütete.

Siegfrieds Jugend


Siegfried in Mimers Schmiede
(W. von Hanschild, Fresko, 1880)

Der Held der Nibelungensaga – Siegfried – wächst am Königshof zu Xanten auf. Er ist der einzige Sohn von König Siegmund und Königin Sieglinde. Er ist der Stärkste unter seinen Spielgefährten und besiegt sie bei allen Spielen. Doch er ist auch ungebärdig und unbeliebt, spielt er ihnen doch oft mutwillige Streiche. Auch seine Erzieher, Ritter und Edle, die an den Königshof kommen, verzweifeln an ihm, denn die Höfischen Sitten dünken ihn langweilig, die Welt des Hofes ist ihm zu eng. Es drängt ihn, sich in Ritterlichen Taten zu erproben, von denen Fahrende Sänger und Spielleute ihm künden.

Endlich verliert der König die Geduld mit seinem übermütigen Sohn. Als Schmiedelehrling wird er nun zu Mimer, einem der größten Meister seines Fachs geschickt, er soll sich dort körperlich austoben und an Leib und Seele reifen. So begleitet Siegfried den Schmied zu seiner Werkstatt, froh, der Enge und dem Zwang der Elterlichen Burg entronnen zu sein.

Der Weg zu Mimers Werkstatt ist weit, führt durch unzugängliches Gelände und Sumpf. Auch ist es nur dünn besiedelt. Mimer erzählt seinem jungen Lehrling die Legende von dem gewaltigen Lindwurm, der in den Bergen hause und der Grund für die dünne Besiedelung sei, da der Drache die Felder verwüste und Vieh und Menschen fortschleppe, um sie zu fressen. Siegfrieds Interesse ist geweckt. Vor seinem geistigen Auge sieht er sich schon als großen Helden gefeiert. Doch noch ist er nicht soweit…

Siegfrieds Kampf mit dem Drachen


Siegfried tötet den Drachen Fafnir
(Illustration von Alan Lee)

(Der vorliegende Text wird nun im Wesentlichen den Ereignissen der Mittelalterlichen Erzählung nachempfunden werden)

In der Schmiedewerkstatt von Mimer wird Siegfried nun wie einer der übrigen Gesellen behandelt, ohne übermäßige Rücksichtnahme auf seinen Rang als Sohn eines Königs. Doch durch seine übergroße Kraft und seinen jugendlichen Übermut macht er sich auch hier keine Freunde. Zuerst erscheint ihm noch alles besser als am Elterlichen Hof, hat er hier doch mehr Freiheiten ohne die ständig notwendige Rücksichtnahme auf die Höfischen Sitten, kann hier seine Kraft auch sinnvoll einsetzen, doch fehlt ihm immer noch eine rechte Herausforderung. Nach wie vor ist es sein größter Wunsch, sich endlich ein eigenes Schwert schmieden zu dürfen und damit Heldentaten zu begehen. Als er es endlich so arg treibt, dass Meister Mimer seine zwei besten Gesellen davonlaufen, verfällt dieser auf ein verzweifeltes Mittel: um seinen unbequemen Gesellen endlich loszuwerden, erzählt er ihm eindringlich von der Gefahr durch den Lindwurm, legt dar, welchen Ruhm es bedeuten würde, ihn zu besiegen und das Land endlich von dieser Plage zu befreien. Wie er es geahnt hat, rennt er damit bei Siegfried offene Türen ein, hofft, dass der Lindwurm, den schon so viele Ritter nicht zu besiegen vermochten, ihn seiner Sorgen entledigen wird. Doch hat er auch ob dieser Gedanken ein schlechtes Gewissen und so hilft er Siegfried, ein meisterliches Schwert zu schmieden, als Waffe gegen das Ungeheuer. Die Waffe gelingt prächtig, und so stiehlt sich Siegfried in der Nacht, heimlich, ohne Abschied zu nehmen, davon, um das Abenteuer zu suchen.

Der Weg zum Drachenberg ist weit und führt durch verwüstetes Land. Unterwegs trifft Siegfried auf eine Bauernfamilie, die auf der Flucht vor dem Lindwurm ihr Hab und Gut zurücklässt, jedoch Rüstung und Pferd eines unglücklichen Ritters mit sich führt, der den Kampf mit dem Ungeheuer nicht überlebt hat. Beides schenken sie Siegfried, da sie ihn nicht zur Umkehr bewegen können, damit er wenigsten nicht vollständig ungerüstet in sein Verderben eilt.

Siegfried lässt sich nicht beirren: er muss den Lindwurm besiegen! Auch, wenn der Anblick noch so schrecklich ist, die zahlreichen Menschenknochen neben dem Lager des Drachen von vielen Unglücklichen künden, die die Begegnung nicht überlebt haben, er wird siegen, da ist er sicher. Lange dauert der Kampf, auch sein vortreffliches Schwert kann nichts gegen die harten Drachenschuppen ausrichten, doch schließlich, als der Drache schon glaubt gesiegt zu haben, sich zu dem finalen Todesbiss hoch über den unseligen Ritter erhebt, schafft Siegfried es noch einmal mit letzter Kraft, das Schwert zu heben und treibt es dem Drachen tief in die ungeschützte weiche Haut des Bauches.

Der Held hat gesiegt, doch wie ist er erschöpft! Er schläft unter einem Baum ein, ein leichter Wind umschmeichelt ihn, schenkt ihm sanfte Erholung. Ein Lindenblatt weht unbemerkt auf ihn hernieder.

Als er erwacht, bemerkt er, dass das Blut des Drachen auf seiner Haut getrocknet ist und einen undurchdringlichen Schutzpanzer bildet; so geht er rasch hin und badet sich ganz im Drachenblut. Daraufhin macht er sich frohen Mutes auf den Heimweg, innerlich geläutert und zur Ruhe gekommen von seiner Begegnung mit dem Tode. Überglücklich empfängt ihn sein Vater, der ihn schon, nachdem er die Kunde von den Absichten seines Sohnes vernommen, tot geglaubt hatte. Auch die Mutter ist überglücklich. Beide wollen nun die Regentschaft gern an ihren Sohn , der sogleich anfängt, die Angelegenheiten des Landes zu regeln, abgeben, doch Siegfried ist noch nicht soweit. Er will erst noch weitere Abenteuer bestehen und sich dann eine würdige Braut suchen. Doch dies ist eine andere Geschichte…

Siegfried gewinnt den Nibelungenhort


(Arthur Rackham, Zeichnung um 1900)

Siegfried ist auf der Suche nach Abenteuern in das Reich der Nibelungen gekommen, deren König vor kurzer Zeit gestorben ist und seinen Söhnen Schilbung und Nibelung einen unermesslichen Schatz hinterlassen hat, der in einem hohlen Berge verborgen ist. Riesen und Zwerge hüten den Schatz und bewaffnete Wächter durchstreifen das Land ringsum, Diebe abzuwehren.

Als Siegfried zu dem hohlen Berg gelangt, findet er am Fuße des Felsens viele eifrig beschäftigte Männer vor. Unter dem Schutz von zwölf Riesen tragen Männer, denen von Zwergen geleuchtet wird, die Reichtümer aus dem Berg und häufen ihn davor auf. Dabei stehen die jungen Könige, die sogleich Siegfried, mit dem sie schon länger bekannt sind, bitten, den Schatz für sie gerecht aufzuteilen, da sie sich nicht einigen könnten, und geben ihm als Lohn das Schwert ihres Vaters, Balmung, das die Fähigkeit besitzt, durch Stein, Stahl und Drachenschuppen zu schneiden.

Siegfried wird also zum Schiedsrichter zwischen den beiden Königen. Doch bald kommt es zum Streit, da beide sich übervorteilt fühlen und Siegfried der Parteilichkeit zeihen. Dieser muss sich nun der beiden mit dem Schwerte erwehren, siegt auch, sieht sich jedoch nun den Wächtern des Schatzes und den Riesen gegenüber. Als er nun auch diese besiegt, dringt der Lärm des Kampfes durch den Berg hindurch bis in die Höhlen der Zwerge, deren König, Alberich, nun selbst, gerüstet mit einer Tarnkappe, die ihm Unsichtbarkeit und die Stärke von zwölf Männern verleiht, den Kampf aufnimmt. Siegfried wäre es wohl trotz des guten Schwertes und seiner undurchdringlichen Haut wohl übel ergangen, doch kann er zuletzt sich die Tarnkappe des Zwerges greifen und diesen damit seiner Überlegenheit berauben. Alberich und die Nibelungen schwören nun Siegfried die Treue, das Land und der Schatz sind sein.

Die wundersame Tarnkappe aber nimmt er mit sich…

iegfried und Brunhild
(Fortsetzung der Nibelungen mal anders)


Brunhild war eine sehr streitsüchtige Maid
(Illustration von Arthur Rackham, 1900)

VORBEMERKUNG

Die Art der Fortsetzung eines laufenden Texts die nun folgt, mag vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinen, jedoch denke ich, der Zweck wird bald klar werden. Lange habe ich mit mir gerungen, wie ich den jetzt folgenden äußerst wichtigen Abschnitt aus Siegfrieds Leben schildern soll und ausgerechnet hier ließen die Quellen mich im Stich oder widersprachen sich teilweise sogar. Kurz: ich fühlte mich verraten. Und so beschloss ich denn, einfach diese Quellen selbst zu zitieren und dabei gleich noch für den interessierten Leser einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt des Mittelhochdeutschen zu geben. Aber lest doch selbst…

FORTSETZUNG

Es ist noch immer lebhaft bestritten, wie viel von der Wölsungen – beziehungsweise Nibelungensage nordgermanischen, wie viel deutschen Ursprungs sei […] fest steht aber, dass (es) ursprünglich deutsche Sagen waren, welche aus Deutschland nach Skandinavien getragen und dort erst umgestaltet wurden. Es ist hier nicht der Ort, darauf einzugehen, in welcher Weise dies, namentlich durch Anknüpfung von Sigmund an die älteren Wölsungen-Ahnen, geschah. Die mythologische Grundlage der deutschen Siegfriedsage ist die Gestalt eines, Baldur gleichen, Frühlingsgottes, der den Drachen, den Winterriesen, tötet, aber selbst in der Blüte der Jahre getötet wird. Geschichtliche Züge traten hinzu […] das uns erhaltene mittelhochdeutsche Nibelungenlied nun unterscheidet sich in sehr wesentlichen Dingen sowohl von der nordischen Wölsungensage, als von der ursprünglichen althochdeutschen Fassung der Siegfriedsage.

Die ganze Vorgeschichte, welche zwischen Siegfried und Brunhild spielt, ist der mittelhochdeutschen Dichtung fremd: also der erste Ritt Siegfrieds durch die Waberlohe, Brunhilds Erweckung, die Verlobung der beiden. Daher bedarf es nun freilich keines Zauber- und Vergessenheits-Trankes, um Siegfried zu Worms mit Kriemhild (der Gudrun der Wölsungen) zu verloben: allein es fehlt nun durchaus an jedem ausreichenden Beweggrund für Brunhildens Hass gegen Siegfried und ihr Begehren nach seinem Tod.

Zum Vergleich und besseren Textverständnis nun der Mittelhochdeutsche Text (in Auszügen) mit Übersetzung:

Iteniuwiu mære-sich huoben über Rîn,
man seite, daz da wære-manec schœne magedîn.
der dâhte im eine erwerben-Gunther der künec guot.
dâ von begunde dem recken-vil sêre hôhen der muot.

Ez was ein küneginne-gesezzen über sê,
ir gelîche-was deheiniu mê.
si was unmâzen schœne-vil michel was ir kraft;
si schôz mit snellen degenen-umbe minne den schaft.

Den stein warf si verre-dar nâch si wîten spranc.
Swer ir minne gerte-der muose âne wanc
driu spil an gewinnen-der vrouwen wol geborn:
gebrast im an eime-er het daz houbet verlorn.

Und nun die Übersetzung:

Wieder neue Märe, erhob sich über Rhein:
Man sagte sich, da wäre, manch schönes Mägdelein.
Sich eins davon zu werben, sann Gunther, der König gut.
Davon begann den Recken, gar hoch zu heben sich der Mut

Es war eine Königin, gesessen über Meer,
Ihr zu vergleichen, war keine andre mehr.
Schön war sie aus der Maßen, gar groß war ihre Kraft;
Sie schoss mit schnellen Degen, um ihre Minne den Schaft.

Den Stein warf sie ferne, nach dem sie weithin sprang;
Wer ihrer Minne gehrte, der musste sonder Wank
Drei Spiel ihr abgewinnen, der Frauen wohlgeboren;
Gebrach es ihm an einem, so war das Haupt ihm verloren.

König Gunther, an dessen Hof zu Worms Siegfried nun weilt, hört nun von dieser streitbaren Maid und möchte sie zur Frau. Siegfried verspricht ihm seine Hilfe, wenn er dafür Gunthers Schwester Kriemhild zur Frau erhält. Dieses wird ihm versprochen und die beiden Männer machen sich mit Gefolge auf den Weg zur Burg Isenstein, wo Brunhild herrscht.

Siegfried spricht:

Ich will iu helden râten-ir habet einen muot,
ir jehet al gelîche-jâ dunket ez mich guot.
swenne wir noch hiute-vür Prünhilde gân,
sô müezen wir mit sorgen-vor der küneginne stân.

Sô wir die minneclîchen-bî ir gesinde sehen,
sô sult ir helde mære-wan einer rede jehen:
Gunther sî mîn hêrre-unde ich sîn man;
Des er hât gedingen-daz wirt allez getân.

[…]

Jâne lobe ichz nicht sô verre-durch die liebe dîn,
sô durch dîne swester-daz schœne magedîn.
diu ist mir sam mîn sêle-und sô mîn selbes lîp;
ich wil daz gerne dienen-daz si werde mîn wîp.

Und wieder die Übersetzung:

Ich will euch Helden raten, seid all von einem Mut
Und sprecht in gleichem Sinne, so dünkt es mich gut.
Denn wenn wir heute, vor Brunhilden gehen,
So müssen wir in Sorgen, vor der Königstochter stehn.

Wenn wir die Minnigliche, bei ihren Leuten sehn,
Sollt ihr erlauchte Herren, nur einer Rede stehn:
Gunther sei mein Lehnsherr, und ich ihm untertan;
So wird ihm sein Verlangen, nach seinem Wunsche getan.

[…]

Wohl tu ich’s nicht so gerne, dir zu lieb allein,
Als um deine Schwester, das schöne Mägdelein.
Die ist mir wie die Seele, und wie mein eigner Leib;
Ich will es gern verdienen, dass sie werde mein Weib.

Brunhild begrüßt nun Siegfried freundlich, doch der macht sie darauf aufmerksam, dass er nur als Lehnsmann König Gunthers zugegen sei, der gekommen sei, um sie zu freien.
Um Brunhild heiraten zu dürfen, müssen drei Prüfungen bestanden werden: in Steinwerfen, Weitsprung und Speerwurf muss man die Königin besiegen, sonst ist das Leben verwirkt.

Die Königin besitzt übermenschliche Kräfte und auch Gunther könnte ihr nicht standhalten, doch Siegfried besitzt ja noch seine Tarnkappe … Mit ihrer Hilfe steht er unsichtbar Gunther zur Seite und Brunhild wird besiegt. Diese schäumt vor Wut, auch ahnt sie, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, doch hat sie keine Beweise und muss ihren Schwur erfüllen und Gunther als seine Braut nach Worms folgen. Noch viel Unheil wird aus dieser List entstehen…

Die Rückkehr nach Worms


Kriemhild begrüßt Brunhild und Gunther in Worms
(aus der Hundeshagen-Handschrift, 15. Jhdt.)

Als Brunhild dann die Verhältnisse im Land für ihre Abwesenheit geklärt hat, schiffen sich alle ein nach Worms. Siegfried, der die Landung kaum erwarten kann, bringt sofort als Königsbote Kunde von der erfolgreichen Fahrt an den Hof, heißt das doch auch, dass er um Kriemhild freien darf!

Eilig wird die Königliche Doppelhochzeit gerichtet; doch wer nicht froh ist, sind Brunhild und Gunther. Als nämlich Brunhilden fragte, wie Gunther seine Schwester einem bloßen Lehnsmanne anvertrauen könne, musste dieser widerwillig die Lüge beichten, ist Siegfried doch König wie er selbst. Brunhild, darüber sehr verstimmt, schießt sich bis zur Hochzeit in ihrem Gemach ein, bedient nur von ihren eigenen Zofen und bewacht von ihren eigenen Mannen.

Die Hochzeit wird mit aller Pracht gefeiert, doch als die Feiern zum Ende gekommen, verschließt Brunhild vor Gunther ihre Tür. Mit dem Hinweis, dass sie ihre übermenschliche Stärke verlassen werde, sobald sie einen Mann genommen, dieses aber durchaus nicht in ihrer Absicht liege, verweist sie ihn ihrer Kammer. Als der König sich nun gewaltsam Zutritt verschaffen will, endet es übel für ihn, denn Brunhild hängt ihn kurzerhand an einen starken Nagel an der Wand, wo er nun an Händen und Füßen gefesselt die Nacht verbringen muss und geht selbst schlafen. Erst im Morgengrauen befreit sie ihn aus seiner misslichen Lage.

Gunthers üble Laune bleibt auch Siegfried nicht verborgen; als er die Ursache erfährt, verspricht er Abhilfe. Die Tarnkappe soll auch diesmal helfen. Und richtig, als die Königin sich an diesem Abend in ihre Kemenate begibt und das gleiche Spiel wie am Vorabend mit Gunther treiben will, wird sie von einer stärkeren Kraft als der ihren bezwungen und festgehalten, so dass Gunther endlich seine ehelichen Rechte einfordern kann, womit sie ihrer übermächtigen Kräfte ein für alle Mal beraubt ist. Siegfried aber nimmt als Trophäe aus diesem Kampf ihren Gürtel und ihren Ring mit sich. Kriemhild, der er auf ihr banges Fragen endlich alles beichtet, verwahrt beides in den Tiefen ihrer Truhe. Beide legen diese Episode jetzt in ihren Gedanken erst einmal beiseite und machen sich auf nach Xanten, wo Siegfried seinen Eltern seine Braut zuführt und alsbald zum König gekrönt wird. Bald krönt auch ein Sohn das junge Eheglück, der zu Ehren seines Oheims Gunther getauft wird, und aus Worms kommt Kunde, dass auch Brunhild einem Sohn das Leben geschenkt hat. So scheint das Familienglück perfekt, wenn auch Kriemhild oft leises Heimweh beschleicht…

Quelle: http://www.mythentor.de/nordisch/nibelungen1.htm

Gruß an die deutsche Geschichte

TA KI

Die Asen


Einführung


Asgard, der Götterwohnsitz der Asen
(Illustration von H. Hendrich, um 1890)

Die Asen sind die Hauptgötter des Nordischen Pantheons. Sie erschufen die Menschen und greifen aktiv in ihre Geschicke ein. Sie wohnen in Asgard, der Burg der Götter, die Menschen bewohnen Midgard, Utgard ist dem Riesengeschlecht vorbehalten. Den Asen zur Seite stehen die älteren Wanen, die Naturgötter. Beide kämpfen gegen die Kräfte des Bösen, das Geschlecht der Riesen, die auf die Vernichtung der Welt und der Götter, Ragnarök, hinarbeiten.

Der vornehmste, Erstgeborene der Asen ist Odin, der Allvater mit den vielen Namen. Seine beiden Brüder sind Wili und Wili . In anderen Sagen treten diese drei auch als Wotan, Loki und Hönir auf.

Odin ist mit Frigga vermählt, einer Fruchtbarkeitsgöttin, hat aber noch viele weitere Frauen und zeugt zahlreiche Kinder, darunter auch seine Söhne Thor und Baldur. Er reitet auf seinem Hengst Sleipnir durch die Welt und stiftet Kriege an, er beobachtet die Welt durch die Augen seiner zwei Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung). Und nicht zuletzt schickt er seine Walküren aus, um von den Schlachtfeldern (Walstätten) die gefallenen Helden zu bergen, damit sie sich in Walhalla mit ihm auf die letzte große Schlacht vorbereiten.

Die Geschicke der Asen sollen nun an ausgewählten Beispielen vorgestellt werden.

Baldurs Tod


Wikingerbestattung, F. Dicksee, 1893

Baldur, dem guten sanftmütigen, träumte, dass seinem Leben Gefahr dräute. Und als er den anderen Asen seine Träume sagte, pflogen sie Rat zusammen und beschlossen, ihm Sicherheit vor allen Gefahren auszuwirken. Frigg, die Herrin über die Natur, nahm Eide von Feuer und Wasser, Eisen und allen Erzen, Steinen und Erden, von Bäumen, Krankheiten und Giften, dazu von allen vierfüßigen Tieren, Vögeln und Würmern, dass sie Baldurs schonen wollten. Als das geschehen war, trieben die Asen allerlei Kurzweil mit Baldur, stellten ihn inmitten ihres Kreises und schossen nach ihm, hieben auf ihn ein, wieder andere warfen schwere Steine nach ihm. Doch was sie auch anstellen mochten, nichts konnte ihm einen Harm tun.

Das verdross nun freilich den Loki und er ging zu Frigg in Verkleidung eines alten Weibes und frug sie, ob sie denn wirklich alles in Eid genommen. Solcherart erfuhr der Listige, dass östlich von Walhall eine Staude, Mistel genannt, wachse ,die für zu jung befunden worden wäre, in Eid genommen zu werden.

Darauf ging nun Loki hin, bemächtigte sich der Mistel und gesellte sich wieder den anderen Asen zu. Im äußersten Kreise der Männer stand der blinde Hödur; diesen nahm Loki alsbald zur Seite und nötigte ihn, mit dem Zweiglein, dass er ihm reichen wolle, auch Baldur Ehre zu tun und nach ihm zu schießen. Wie groß das Entsetzen aller, als nun dieses Zweiglein von des Blinden Hand den Baldur durchbohrte, dass er tot zur Erde stürzte!

Frigg befrug nun jeden, ob er sich reichen Lohn verdienen wolle, und in ihrem Auftrag der Hel ein reiches Lösegeld für Baldur anbieten , auf dass er heimkommen könne nach Asgard. Diesen Auftrag nahm Hermodhr an, des Odins Sohn, bestieg dessen unvergleichlichen Hengst Sleipnir und nahm den Helweg auf sich.

Unterdessen wurde Baldurs Leichnam mit allen Ehren bestattet, jedoch ohne Rache, denn der Heimtückische befand sich auf geheiligter Freistätte.

Hermrodhr gelangte auch wirklich ins Reich der Hel und forderte Baldurs Rückkehr ins Land der Lebenden, doch stellte Hel für die Erfüllung dieses Wunsches eine Bedingung: Baldur solle nach Asgard zurückkehren dürfen, wenn alle Dinge auf Erden, tote wie Lebende, um ihn weinten, doch sei auch nur eines dabei, welches keine Trauer zeige und nicht um ihn weine, müsse er in ihrer, Hels, Obhut immerdar bleiben.

So ritt Hermodhr wieder zurück ins Land der Lebenden und verkündete seine Botschaft; die Asen sandten daraufhin Abgesandte in alle Länder, auf dass alle Dinge um Baldur weinten, damit er von der Hel erlöst werden könnte.

Die Gesandten erfüllten ihr Werk auch vortrefflich, doch, schon auf dem Rückweg nach Asgard, fanden sie das Riesenweib Thöck, die sich, man erzählt sich, Loki habe sie aufgehetzt, weigerte, um Baldur zu weinen, da sie weder im Tode noch im Leben etwas mit ihm zu schaffen gehabt hätte und ihr sein Schicksal, Hel oder nicht, herzlich gleichgültig sei.

So musste Baldur denn auf immer in Hels Reich verbleiben und Loki der Heimtückische hatte einen großen Sieg errungen.

Quelle: http://www.mythentor.de/nordisch/asen.htm

Gruß an die nordische Mythologie

TA KI

Die Erschaffung der Welt



Yggdrasil, die Weltesche
(Illustration, Nordische Antiquitäten, 1847)

Einst war das Alter, da alles nicht war,
Nicht Sand noch See noch salzge Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund und Gras nirgend
(Jüngere Edda, 4)

Wie ein roter Faden zieht es sich durch die Nordische Mythologie, und auch die Entstehungsgeschichte der Welt, wie die alten Wikinger sie sich vorstellten, ist davon bestimmt: Gewalt, Brutalität und Tod.

Vor der Schöpfung gab es eine kalte Welt, Niflheim, ganz Eis und Kälte. Und es gab eine heiße Welt, Muspelheim, ganz Glut und Feuer, deren Grenze von Surtur mit dem flammenden Schwert bewacht wurde. Dazwischen liegt Ginnungagap, das geheimnisvolle Nichts, die gähnende Leere.

Im kalten Niflheim ist der Brunnen Hwergelmir, aus dem zwölf Flüsse entspringen. Auf der Seite Ginnungagaps, die Niflheim zugewendet ist, gefriert das Wasser zu Eis, welches sich immer weiter nach Süden ausdehnt, dem warmen Muspelheim zu, bis Eis und Feuer schließlich aufeinandertreffen. Daraus entsteht das erste Lebewesen, der Frostriese Ymir, aus dessen Schweiß noch ein Mann und eine Frau entstehen und der mit den Füßen zwei Söhne zeugt, so dass er zum Vater des Geschlechts der Riesen wird. Er ernährt sich von der Milch der Kuh Audumla, die aus schmelzendem Eis heraus zum Vorschein gekommen ist. Sie selbst ernährt sich, indem sie das salzige Eis leckt und nach einer Weile leckt sie daraus den ersten Mann, Buri, hervor, der mit einer Riesin seinen Sohn Bör zeugt, dessen Söhne wiederum Odin, Wili und We sind, also Wotan, Hönir und Loki, die ersten drei Asen und zugleich die vornehmsten.

Diese drei Asen erschlagen nun den Riesen Ymir und bilden aus den Überresten seines Körpers die Welt.

Aus Ymirs Fleisch ward die Erde geschaffen,
Aus dem Schweiße die See,
Aus dem Gebein die Berge, die Bäume aus dem Haar,
Aus der Hirnschale der Himmel.
Aus den Augenbrauen schufen gütige Asen
Midgard den Menschensöhnen,
Aber aus seinem Hirn sind alle hartgemuten
Wolken erschaffen worden.
(Jüngere Edda, 8)

Aus dem Blut des Riesen wird das Weltmeer, das die Erde umschließt, darin ist die Erde befestigt. Die Hirnschale, die den Himmel bildet, wird mit vier Hörnern über die Erde erhoben, darunter sitzen die Zwerge Austri, Westri, Nordri und Sudri. Sie erleuchten den Himmel mit Feuerfunken aus Muspelheim.

Aus zwei Bäumen werden die ersten Menschen erschaffen, der Mann Ask und die Frau Embla. Ihre Heimstatt ist Midgard, während die Burg der Asen Asgard heißt. Von dort beobachtet Odin als oberster Gott die Welt und Menschheit und zeugt das Geschlecht der Asen; deshalb heißt er Allvater, weil sowohl Götter als auch Menschen von ihm abstammen.

Quelle: http://www.mythentor.de/nordisch/welt.htm

Gruß an die Mythologie

TA KI