Wiederauferstehung: Island errichtet Tempel für nordische Götter


Der erste Tempel für nordische Götter, seit die Wikinger auf den Weltmeeren segelten, wird in Island errichtet. Anhänger der Religion Ásatrúarfélagið sollen dort Götter wie Odin, Thor oder Balder verehren können.

Islands Regierung hat der Ásatrúarfélagið (Asenglaubensvereinigung) den Bau eines Tempels genehmigt. Es handelt sich um das größte nordische Neuheidentum, welche die alten Götter der Wikinger verehrt.

Blick über Reykjavik von der Hallgrímskirkja aus, der größten Kirche Islands
© Sputnik / Tilo Gräser
Blick über Reykjavik von der Hallgrímskirkja aus, der größten Kirche Islands

Die Vereinigung wurde 1972 von Sveinbjörn Beinteinsson gegründet. Seine Anhänger, die sogenannten Ásatrú, dürfen nun einen öffentlichen Tempel bauen. Genügend finanzielle Mittel sind dafür bereits aufgetrieben.

Damit ist die Verehrung von Odin, Thor, Freya und den anderen Göttern des alten nordischen Pantheons wieder eine offizielle Religion in Island – exakt 973 Jahre nachdem das Land zum Christentum konvertiert ist, wie unter anderem das isländische Onlinemagazin „Iceland Monitor“ berichtet. Der Tempel solle noch zum Jahresende fertig werden.

Die kleine Statue des Gottes Thor, die aus der Zeit von 800–1000 stammt und in Islands Nationalmuseum in Reykjavik zu sehen ist
© Sputnik / Tilo Gräser
Die kleine Statue des Gottes Thor, die aus der Zeit von 800–1000 stammt und in Islands Nationalmuseum in Reykjavik zu sehen ist

2400 Isländer sind Anhänger der Ásatrúarfélagið. Die Gesamtbevölkerung Islands beträgt 330.000 Menschen.

Der runde Tempel soll ungefähr vier Meter in einen Hügel gegraben werden, mit Blick auf die isländische Hauptstadt Reykjavik. Eine Kuppel soll das Sonnenlicht hereinlassen. Hilmarsson meint dazu:

„Das Sonnenlicht ändert sich mit den Jahreszeiten. Also bemalt so in gewisser Weise die Sonne den Raum für uns.“

Im Tempel sollen Zeremonien wie Hochzeiten und Begräbnisse abgehalten werden.

Beobachter fragen sich nun, wie der Aufstieg der neuheidnischen Religionen die Wahrnehmung des Christentums verändert. Luke Timothy Johnson, Professor an der US-amerikanischen Emory Universität, sagte gegenüber dem Onlineportal „Big Think“, dass frühe Christen heidnische Götter häufig als Dämonen missinterpretierten.

Der isländische Vulkan Eyjafjallajokull, der mit seinem Ausbruch 2010 den europäischen Flugverkehr lahmlegte
© Sputnik / Tilo Gräser
Der isländische Vulkan Eyjafjallajokull, der mit seinem Ausbruch 2010 den europäischen Flugverkehr lahmlegte

„Ich glaube nicht, dass irgendjemand an einen einäugigen Mann glaubt, der auf einem achtbeinigen Pferd reitet“, sagte Ásatrú-Hohepriester Hilmar Orn Hilmarsson der britischen Zeitung „The Telegraph“. „Wir sehen diese Geschichten als poetische Metaphern und Manifestationen von Naturgewalten und menschlicher Psyche.“

Hier kann Hilmarsson gehört werden, wie er das altisländische Werk Edda singt:

Gruß an die alten Traditionen

TA KI

Teures Deutschland: Hohe Preisunterschiede in Europa


Teures Deutschland: Hohe Preisunterschiede in Europa 

Das Leben in Deutschland ist um fünf Prozent teurer als im EU-Schnitt. Doch bei Reisen zeigt sich rasch: In vielen anderen Ländern ist das Preisniveau noch höher. Die Preise für dieselben Verbrauchsgüter und Dienstleistungen variieren in der EU fast um das Dreifache.

Urlauber merken es schnell: Das Preisgefälle in Europa ist groß. Zwar ist auch das Leben in Deutschland teurer als im EU-Schnitt. Aber schon in den meisten Nachbarstaaten Deutschlands müssen Verbraucher für die gleiche Leistung deutlich tiefer in die Tasche greifen. Und noch höher ist das Preisniveau in manchem europäischen Land, das nicht der Europäischen Union angehört.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Preisniveau der privaten Konsumausgaben in Deutschland im Jahr 2017 um 5,0 Prozent über dem Durchschnitt der 28 EU-Mitgliedstaaten. Allerdings: In den direkten Anrainerstaaten waren die Lebenshaltungskosten nur in Polen und der Tschechischen Republik niedriger als hierzulande – das jedoch deutlich.

Mit Abstand teuerstes Land für Verbraucher innerhalb der EU war im vergangenen Jahr einmal mehr Dänemark: Dort lag das Preisniveau um 41,5 Prozent über dem Durchschnitt der 28 Staaten. Es folgen Luxemburg (plus 26,9 Prozent), Schweden (plus 25,5 Prozent), Irland (plus 25,4 Prozent) und Finnland (plus 22,2 Prozent).

Am günstigsten innerhalb der EU bleibt es in Bulgarien: Dort mussten Verbraucher für Waren und Dienstleistungen, einschließlich Mieten, etwa halb so viel zahlen wie im EU-Schnitt. Die Wiesbadener Statistiker berufen sich auf Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat, die jüngst konstatierte:

Mithin unterschieden sich die Preisniveaus für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen in der EU zwischen dem günstigsten und dem teuersten Mitgliedstaat fast um das Dreifache.“

Bei Alkohol und Tabak sind Preisunterschiede in der EU am ausgeprägtesten

Besonders groß ist die Preisspanne bei Alkohol und Tabak – in erster Linie wegen der unterschiedlichen Besteuerung. Während in Bulgarien Wein, Bier und Zigaretten und Co. etwa halb so viel kosten wie im EU-Schnitt, ist Irland (plus 74 Prozent) ein teures Pflaster für Raucher und Alkoholkonsumenten. Indes schlagen Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche besonders spürbar in Dänemark und Schweden aufs Budget durch. Deutlich günstiger als im EU-Schnitt sind Zimmer für Reisende in Bulgarien, Rumänien und der Tschechischen Republik.

Noch tiefer in die Tasche greifen als im teuersten EU-Land Dänemark müssen Verbraucher jedoch in europäischen Ländern, die nicht der EU angehören: Spitzenreiter ist Island, wo das Preisniveau um 66 Prozent höher liegt, kaum weniger ist es in der Schweiz, plus 59 Prozent.

Was das heißt, rechnete kürzlich der Bankenverband BdB anschaulich vor: Für Urlauber aus Deutschland ist ein Euro in der Schweiz demnach etwa 0,71 Cent wert (Stand April 2018). In Polen dagegen kann man für einen Euro Waren und Dienstleistungen erhalten, die in Deutschland etwa 1,84 Euro kosten würden.

Teures Deutschland: Hohe Preisunterschiede in Europa 

(dpa/rt deutsch)

Quelle

Gruß an die Aufmerksamen

TA KI

Ungarn verbannt als erstes europäisches Land Rothschild-Banken


Jacob-Rothschild-Net-Worth_00001

 

Ungarn ist das erste europäische Land, das offiziell alle Rothschild-Banken daran hindert, im Land Geschäfte zu machen.

2013 begann Ungarn mit dem Prozess, den International Monetary Fund (IMF) – Internationaler Währungsfonds (IWF) rauszuwerfen und stimmte zu, dem IMF Rettungsgelder in voller Höhe zurückzubezahlen, um das Land vom Bankenkartell der Neuen Weltordnung zu befreien.

Ein höflich formulierter Brief von Gyorgy Matolcsy, dem Direktor der Ungarischen Nationalbank, bat Christine Lagarde, die Hauptgeschäftsführerin des International Misery Fund (Internationaler Elendsfonds)  wie der Spitzname lautet, den ihm manche gegeben haben , das Büro zu schließen, da es nicht mehr länger benötigt werde.

Der Premierminister, Viktor Orban, schien entschlossen gewesen zu sein, die Sparmaßnahmen abzumildern und zu beweisen, dass es das Land im Alleingang schaffen kann.

Ungarn nahm einen Kredit in Höhe von 20 Milliarden Euro auf, um während der Wirtschaftskrise von 2008 eine Insolvenz zu vermeiden. Aber die Beziehung zwischen Gläubigerin und Schuldner lief aus dem Ruder.

Viele kritisierten den Premierminister dafür, eine unkluge Eintscheidung getroffen zu haben, um die für 2014 angesetzte Wahl zu gewinnen. Er wollte auch vermeiden, dass zuviele ausländische Beobachter kritisch die Wirtschaftspolitik beäugen, indem viele Reformen als undemokratisch bemängelt wurden.

Den Kredit frühzeitig zurückzubezahlen, bedeutete für Ungarn 11,7 Millionen Euro an Zinsausgaben zu sparen, aber Gordan Bajnai, der Anführer des Wahlbündnisses E14-PM behauptete, dass sie wegen der frühen Rückzahlung bis März 2014 eigentlich 44,86 Millionen Euro verloren hatten, weil sie letztendlich bloß den Kredit der International Mafia Federation (Internationale Mafia-Vereinigung) ein weiterer Spitzname, wir reden hier immer noch über den IMF – durch einen noch teureren ersetzten, wobei er das Kunststück als Propaganda bezeichnete.

Und was noch weniger Sinn ergab, war, einen weiteren Kredit zu hohen Zinssätzen zu unterschreiben, um die Atomenergie weiter auszubauen, was nicht nur höhere Rückzahlungen bedeutete, sondern auch höhere Stromkosten. Aber sie haben nun ökonomische Souveränität.

Viele haben behauptet, dass sich der IMF (alias Imposing Misery and Famine – Aufzwingen von Elend und Hungersnot) im Besitz der Rothschild-Gruppe befindet, der größten Bankgruppe der Welt, die fast in jeder Zentralbank der Welt ihre Finger im Spiel hat. Das bedeutet, dass sie nicht nur auf Kosten zusammenbrechender Volkswirtschaften Geld mit Wucherzinsen machen, sondern sie besitzen auch sprichwörtlich Regierungen und mächtige Leute – ich meine damit, dass sie beträchtlichen Einfluss auf sie ausüben.

Dem Würgegriff der Banken zu entkommen hat deshalb Symbolcharakter. Island schloss sich 2014 Ungarn an, als es einen nach dem Kollaps des Bankensektors von 2008 aufgenommenen 400-Millionen-Dollar-Kredit vorzeitig zurückbezahlte, und Russland, das sich natürlich keinen westlichen Puppenspielern unterwirft, befreite sich 2005 davon.

Die Rückkehr dieser drei Länder zur finanziellen Unabhängigkeit gelten als die ersten Fälle, dass europäische Länder dem IWF die Stirn geboten haben, seit Deutschland 1930 das Gleiche tat. Griechenland ist sehr darum bemüht, das Geld zurückzuzahlen, was es aber nicht schafft, während wir alle tatenlos zusehen, in der Hoffnung, dass sie den International M***** F****** zwei Finger entgegenstrecken.

Übersetzt aus dem Englischen von Anonhq.com

Quelle: http://derwaechter.net/ungarn-wird-zum-ersten-europaeischen-land-das-rothschild-banken-verbannt

Gruß an die, die auf die „Elendserzwinger“ verzichten

TA KI

“Panama-Papers“, Islands Premier und die aus der Haft entlassenen Banker


iceland-bankers

Die sogenannten “Panama-Papers“ sind derzeit in aller Munde und das erste “Opfer“ wurde der isländische Premier Sigmundur David Gunnlaugsson, der aufgrund des öffentlichen Drucks zurücktreten musste. Allerlei Theorien und Spekulationen über die Hintergründe der Veröffentlichung machen die Runde und nun berichtet Zero Hedge am gestrigen 7. April von einer durchaus seltsamen Begebenheit:

Es gab einiges an “konspirativer“ Spekulation darüber, ob der explizite Schlag gegen Ex-Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson Islands Durchgreifen gegen die kriminellen Banker des Landes galt. Zur Erinnerung, Island ist das einzige Land, welches Banker für Verbrechen infolge der Finanzkrise für schuldig befunden und ins Gefängnis geschickt hat.

Nun stellt sich heraus, dass an den besagten Spekulationen etwas dran sein könnte, denn vor einigen Momenten berichtete Iceland Monitor, dass drei Banker der nicht mehr existierenden Bank Kaupþing heute aus der Haft entlassen werden – nachdem sie nur eins der vier Jahre, zu denen sie verurteilt wurden, abgesessen haben.

Magnús Guðmundsson, Ólafur Ólafsson und Sigurður Einarsson waren drei der Männer, die im Jahr 2015 aufgrund von Untreue und Marktmissbrauch ins Gefängnis mussten.

Sigurður Einarsson, ehemaliger Vorstandsvorsitzender bei Kaupþing, wurde zu vier Jahren verurteilt, während Magnús Guðmundsson, ehemaliger CEO von Kaupþing Luxembourg und Ólafur Ólafsson, seinerzeit zweitgrößter Aktionär der Bank, beide viereinhalb Jahre bekamen.

 

Sie werden heute in den offenen Vollzug versetzt, wo ihnen Fußfesseln angelegt werden und sie dann unter elektronischer Überwachung entlassen werden.

Alles läuft nach Plan…

Der Nachtwächter

***

Übersetzung aus dem Englischen vom Nachtwächter

Quelle: http://n8waechter.info/2016/04/panama-papers-islands-premier-und-die-aus-der-haft-entlassenen-banker/

Boykottbeschluss in Reykjavik: Israel sieht „Hass-Vulkan“


Isländische Hauptstadt kauft aus Kritik an Politik Jerusalems keine israelischen Produkte mehr

Jerusalem/Reykjavik – Israels Außenministerium hat einen Boykottbeschluss der Hauptstadt von Island scharf kritisiert. „Im Stadtrat von Reykjavik ist ein Hass-Vulkan ausgebrochen“, erklärte Ministeriumssprecher Emmanuel Nachschon am Donnerstag. Der Rat hatte am Dienstagabend beschlossen, dass die Stadt keine israelischen Erzeugnisse mehr kauft, „solange die militärische Besetzung der Palästinensergebiete andauert“.

Ratspräsidentin Soley Tomasdottir räumte im Gespräch mit dem öffentlichen Rundfunk Islands ein, wirtschaftlich habe dieser symbolisch gemeinte Beschluss nur geringe Auswirkung. „Aber auch wenn wir nur eine kleine Stadt im hohen Norden sind, können wir damit Druck auf die israelische Regierung ausüben, die Besatzung zu beenden.“ Ähnliche Maßnahmen gegen andere Länder, die Menschenrechte verletzten, sollten folgen, erklärte Tomasdottir.

„Hoffen, dass in Island alle zu Sinnen kommen“

Der israelische Außenamtssprecher Nachschon kommentierte die Entscheidung: „Wir hoffen, dass in Island alle zu Sinnen kommen und nicht länger blind und einseitig gegen Israel agieren, die einzige Demokratie im Nahen und Mittleren Osten.“ Ein linksgerichtetes Bündnis hat die Mehrheit im Stadtrat von Reykjavik; die Parteien, die die isländische Mitte-Rechts-Regierung stellen, votierten gegen den Boykott.

Israel hatte das palästinensische Westjordanland und Ostjerusalem sowie die syrischen Golanhöhen 1967 besetzt und fördert seitdem im Verstoß gegen das Vierte Genfer Abkommen in großem Umfang die Umsiedlung der eigenen Zivilbevölkerung in diese Gebiete. (APA, 17.9.2015)

Quelle:http://derstandard.at/2000022361695/Boykottbeschluss-in-Reykjavik-Israel-sieht-Hass-Vulka W

Gruß nach Island!!

TA KI

 

Wenn man die Welt mit lichten Augen sieht


Erla Stefánsdóttir ist Islands Elfenbeauftragte. Denn was andere nur vom Hörensagen kennen, ist für sie ganz normalie Realität: Die Welt der Elfen, Gnomen, Feen und Zwerge.
Von: Ursula Seiler

Berg- und Naturgeist

Nie hätte Erla Stefansdottir (ausgesprochen: Erdla Stefaunsdouttir) geahnt, dass sie eines Tages weltweite Bekanntheit erlangen würde. Zwar musste sie fast siebzig Jahre alt werden, bis es soweit war, doch offen gestanden ist ihr die Berühmtheit sowieso eher lästig als angenehm. Was könnte der irrlichterne Glanz des Ruhms einen schon verlocken, wenn man zeit seines Lebens in einer wahren Märchenwelt lebt? Denn Erlas Augen sind nicht vernebelt wie die unsrigen, sondern sehen durch Raum und Zeit. Wie damals, als sie in der Primarschule zu spät zum Unterricht kam und als Begründung angab, sie habe den Jungen in der Holavallaschule zugesehen. Der Lehrer wirkte leicht verstört. Kein Wunder, gab es doch diese Schule nur in den Jahren 1786 bis 1804! Erla konnte jedoch schon immer vorwärts und rückwärts in die Zeit schauen. Als sie ihren Führerschein machte, passierte es ihr oft, dass sie in der Nähe des alten Friedhofs anhalten musste, weil sie sich nicht mehr auf der Straße, sondern auf einer Wiese mit Kühen und Menschen wiederfand, die Heuballen machten. „Nach kurzer Zeit konnte ich dann – wieder in der Gegenwart – weiterfahren.“ Früher hatte sie auch noch am Straßenrand wartende Leute im Auto mitfahren lassen. Seit so mancher von ihnen auf der Rückbank plötzlich verschwand, tut sie das nicht mehr.Auch in der Schule hatte ihr die erweiterte Wahrnehmungsfähigkeit manchen Streich gespielt. „Im Klassenzimmer sollte man immer aufstehen, wenn jemand hereinkam. Das war schwierig für mich, weil ich bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten aufstand, wenn Leute hereinkamen, die nicht von dieser Welt waren. Dann bekam ich einen Platz ganz hinten und stand erst auf, wenn ich sah, was die anderen machten“, erzählt sie.

Erla vermag nicht nur hellzusehen, sie kann auch nach Belieben ihren Körper verlassen. „Die Methode, die ich benutze, ist: das Bewusstsein in den Kopf, d.h. im dritten Auge, mitten zwischen den Augenbrauen zu sammeln und mir dort einen Schmetterling vorzustellen, der dann mit meinem Bewusstsein hochfliegt. Wenn ich auf diese Weise meinen Körper verlasse, sehe ich einen schmalen Silberstrang, der mich mit meinem Körper verbindet. Dieser Silberstrang ist die Verbindung zum Erdenkörper und wenn er abreißt, stirbt der Erdenkörper, aber es ist auch denkbar, dass eine andere Seele sich in ihn einnisten kann.“ Hat sie ihren Erdenkörper verlassen, kann sie in der Erdenwelt oder auch auf höheren Ebenen herumreisen. Die beste Methode, um in kurzer Zeit ungeahnt viel zu lernen, findet sie.

Erlas Fähigkeiten erlaubten ihr auch zu überprüfen, ob der Mann, auf den sie ein Auge geworfen hatte, tatsächlich der Mann ihres jetzigen Lebens war. „Ich erkannte ihn wieder aus alter Zeit und konnte einige gemeinsame Leben verfolgen“, berichtet sie und relativiert: „Wenn Leute über Liebe auf den ersten Blick sprechen, glaube ich, dass das nicht immer der erste Blick ist. Die Menschen verlieben sich, weil sie in einem früheren Leben zusammengelebt haben und sich gut kennen. Der erste Blick in diesem Leben weckt die Verbindung wieder auf.“ Die Kinder, die sie in diesem Leben hat, hatte sie mit demselben Mann schon vor 800 Jahren in Nordchina, und ihre drei besten Freundinnen – nun allesamt Isländerinnen – kennt sie aus ihrem letzten Leben. „Meine Liebe, wo bist du gewesen?“, hatte sie Freundin Gudrun Audunsdottir beim ersten Zusammentreffen gefragt. Und die hatte geantwortet: „Seit vierzig Jahren in Reykjavik, doch ich erinnere mich noch, wie wir uns in Petersburg am Anfang des 20. Jahrhunderts verabschiedet haben.“

Außerhalb ihres Landes wurde Erla, von Beruf Klavierlehrerin, bekannt in ihrer Funktion als „Elfenbeauftragte“ Islands. Immer wieder kam es vor, dass Bauvorhaben auf unerklärliche Weise ständig gestört wurden. Wie beispielsweise, als eine Stunde nördlich von Reykjavik ausgerechnet in einem Gebiet, das besonders dicht von Elfen, Gnomen, Nymphen, Feen und Trollen besiedelt war, eine Feriensiedlung und ein Golfplatz gebaut wurden. Offensichtlich schätzen nicht nur Menschen, sondern auch Naturwesen Plätze, die sich durch auffallende Schönheit auszeichnen. „Die Bauarbeiten liefen katastrophal ab“, sagt Erla Stefansdottir. „Jeder Tag kostete ein Vermögen, doch die Arbeiter kamen kaum voran. Eines Tages kippte auf der steinharten Lavastraße ein fünfzig Tonnen schwerer Schaufelbagger zweimal hintereinander einfach um. Für den Projektleiter, der seit dreißig Jahren überall auf der Welt im Geschäft ist, ein absolutes Rätsel.“ Schließlich rief man Erla zu Hilfe, doch sie konnte nicht viel tun. Wohl erklärte sie den Wesen, dass die Arbeiter keine Schuld daran hätten, dass ihr schönes Gebiet zerstört werde, sondern – wenn schon – derjenige, der das Land verkauft habe. Daraufhin versprachen die Naturgeister, niemanden mehr zu verletzen, doch Schwierigkeiten machten sie weiterhin. Auch soll der ehemalige Besitzer des Landes wenig später ernsthaft krank geworden sein.

Ein ähnlicher Fall, der in der internationalen Presse vermeldet wurde, ereignete sich in der Gemeinde Kópavogur unweit der Hauptstadt. Dort musste man eine breite Straße um einen Felsen herum führen, der Elfenwohnsitz ist. Die Wesen hatten ähnliche Schwierigkeiten bereitet. Heute heißt die Straße sogar nach dem Felsen Álfshólfsvegur – Elfenhügelweg.

Erfolgreich war Erla jedoch in einem anderen Fall. Da wurde am Ende der Laugavegur-Straße in Reykjavik ein großes Autohaus gebaut. Mehrere Leute stürzten vom Gerüst und verletzten sich. Erla entdeckte Elfenhäuser in den Felsen neben der Baustelle: „Arbeiter hatten Farbe darauf gekippt, Müll und Baumaterial hingeworfen, es war eine Riesensauerei. Auf meinen Rat hin säuberte man die Felsen und hatte fortan keine Probleme mehr. Um die Felsen herum hat man eine Verkaufs- und Ausstellungsfläche für Autos betoniert, aber die Elfenhäuser wurden ausgespart, stehen unter Schutz, sind unberührt und sauber.“

Anscheinend macht es den Elfen nichts aus, nun von Asphalt umgeben zu sein, solange man nicht jene physischen Orte – eben beispielsweise Felsen oder Grashügel – kaputt macht. Als kleines Mädchen hatte Erla öfters mit Elfenkindern gespielt – manchmal auch, ohne sich bewusst zu sein, dass sie Bewohner anderer Ebenen waren. Da gab es zwei Spielkameraden bei ihrem Sommerhaus, die seltsame Namen hatten – Stormur (Sturm) und Blaer (Brise); ein Junge und ein Mädchen. Sie lebten in einem jener Häuser, die sich sehr von den normalen Islandhäusern unterschieden, waren sie doch kugel-, bogen- oder kegelförmig oder hatten auch ein kleines spitzes Dach und waren rosa, blau, gelb oder grün bemalt, mit Fenstern und Türen, die aufgemalte Blumengirlanden schmückten. Was besonders eigenartig war: Die Umgebung ums Haus ihrer Freunde veränderte sich immer wieder. „Mal wuchs dort Gras, manchmal rieselte ein Bach vorbei, manchmal war dort eine Schlucht mit Felsen oder glitzernden Kieselsteinen“, erinnert sich Erla in ihrem Büchlein Erlas Elfengeschichten. Wir sehen also: Die Elfen in der Nähe des Autohauses sind keineswegs zubetoniert! Auf ihrer Lebensebene dürften sie von ebenso schöner und wechselnder Landschaft umgeben sein. Hauptsache, Mensch müllt ihr Haus nicht zu!

Die Grenzen zwischen physischer und Jenseitswelt erscheint in den Erzählungen Erlas sowieso schwer fassbar. Da geht sie mit Elfenkindern Blaubeeren pflücken und bringt sie nach Hause zu Mama und Papa, und die Beeren schmecken sooo lecker – doch Mama freute sich nicht ungetrübt, denn klein Erla hatte alle Beeren in ihre Schürzentaschen gesteckt – und wie sollte sie die unvermeidlichen Flecken wieder rausbekommen? Seltsam nur, dass sie nichts findet, als sie ihren Eltern die Stelle zeigt, wo sie die Beeren gepflückt hat, doch ein paar Beeren hat sie noch in der Schürze, und auch die Eltern haben diese gegessen und erleben können, dass es richtige Blaubeeren waren! Oder doch etwa nicht? Denn zu Mamas Erleichterung hat ihre Schürze nicht den kleinsten Fleck abbekommen…

Oder die Geschichte, wo jemand eine Brosche verliert und Erla einen Elfenmann in der Nähe fragte, ob er sie nicht finden und zurückbringen könnte. Tags darauf sagt der Elfenmann Erla ganz genau, wo ein Freund von ihm die Brosche gefunden hat – und dass sie nun unter jenem Rosenstrauch liege, gleich rechts vor der Eingangstür zum Haus der Besitzerin. Und dort lag sie dann auch, in aller Unschuld. Da hatte sich der Elfenmann aber einen feinen Topf Grütze verdient, die er sehr genoss – auch wenn er nur ihre Energie in sich sog.

Oder die Geschichte mit dem silbernen Löffel: Da war einem jungen Pärchen einer von sechs silbernen Löffeln unerklärlich ab handen gekommen. Niemand ahnte, wer der „Dieb“ gewesen sein konnte. Doch die Schwiegermutter der jungen Frau meinte, dass wohl ihre Freundin, die blau angezogen sei und hinter dem Haus wohne, den Löffel geliehen hätte. Keiner wollte das glauben – nicht zuletzt, weil hinter dem Haus ja gar niemand wohnte. Doch ein paar Monate später, als Gäste kamen und die junge Frau das gute Silber auftischen wollte, da lagen sechs Löffel im Kästchen. Fünf waren ganz dunkel angelaufen, nur einer glänzte ganz hell und rein.

Erla weiß, dass besonders Gnomen es lieben, sich auf Dinge draufzusetzen und sie so unsichtbar zu machen. Sie könnte ein Liedchen singen über ihren Hauszwerg und andere feinstoffliche Bewohner ihres schönen Heims, die mit ihr Schabernack treiben, indem sie sich auf den Schlüsselbund oder die Brille setzen und – schwups – sind sie für das menschliche Auge verschwunden! Sollte Ihnen das öfters passieren, dann stellen Sie ihren unsichtbaren Mitbewohnern doch mal ein Schälchen mit feinem Essen hin oder singen sie ein Lied für sie. Zeigen Sie ihnen, dass sie sich ihrer Gegenwart bewusst sind und sie schätzen. Dann geht vielleicht weniger „verloren“.

— Ende des Artikelauszugs —

Die wilden Götter Sagenhaftes aus dem hohen Norden – Letzter Teil


Epilog

Von Tanaquil Enzenberger

götterzeichnung EDDAIm Jahre 1662 traf ein Schiff aus Island im Hafen von Kopenhagen ein. Er brachte eine kostbare Fracht mit – zwei in Kalbsleder gebundene Folianten. Diese beiden Bücher, Handschriften auf Pergament, sind die wichtigsten Quellen für Tor Age Bringsvaerds Nacherzählung der alten nordischen Mythen.
Seine Prosafassung ist so lange, bis ein Leser kommt, der sie seinerseits weitererzählt, das letzte Glied einer langen Überlieferungskette. Ihre ersten Glieder verlieren sich im Dunkeln der Geschichte.
Es waren mündliche Erzähler, denen wir die Erkenntnis dieser Mythen verdanken, manche von ihnen werden sie getreu wiedergegeben, andere sie umgedichtet und verändert haben. Aufgeschrieben wurden sie erstmals im Mittelalter, und auch dann noch haben einander Erzähler und Schreiber vermutlich in die Hände gearbeitet. Später erfolgten immer neue Bearbeitungen, Umdeutungen und Übersetzungen in moderne Schreibweisen, oder in fremde Sprachen. Bringsvaerd steht in dieser Tradition, und mir scheint es ausgemacht, dass jede neue Version auch zu neuen Erzählstrategien, zu neuen Missverständnissen, und das heißt auch, zu einer neuen Lektüre führen muss.
Die literarische Fracht, die im Jahre 1662 in Dänemark an Land ging, hatte einen politischen Hintergrund.
Ein isländischer Bischof, Brynjölfur Sveinsson, hatte sie im Auftrag des Dänischen Königs eingesammelt. Er war angehalten worden, in seiner Heimat nach Originalzeugnissen der isländischen Literatur zu suchen, mit dem Ziel, sie der königlichen Bibliothek einzuverleiben. Norwegische Schulkinder nennen heute noch die Periode vom 14. bis 19. Jahrhundert „die Dänenherrschaft“ oder „die fünfhundertjährige Nacht“ , denn zu jener Zeit waren Norwegen und Island dänische Kolonien.
Frederik III., der von 1648 bis 1670 regierte, hatte an Stelle der alten Wahlmonarchie den Absolutismus als Regierungsform eingeführt, Um sie zu legitimieren, brauchte er eine starke ideologische und historische Grundlage.
Der Hof suchte sie in einer Genealogie, die bis in die Vorzeit zurückreichte. So wie damals andere europäische Dynastien ihren Ursprung in der klassischen Antike behaupteten, wollten sich die Dänen als Nachfahren der nordischen Götter sehen. Dieses Projekt dürfte jedoch auf nicht geringe Schwierigkeiten gestoßen sein. Zum einen waren die neu gefundenen Schriften in isländischer Sprache abgefasst, und vermutlich hatten die Dänen einige Mühe, sie zu entziffern. Zum anderen konnten die europäischen Gelehrten des 17. Jahrhunderts mit ihrem Inhalt wenig anfangen, denn seit der Renaissance waren sie auf die griechische und römische Antike eingeschworen, Dass es nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch anderswo Altertümer gab – diese Vorstellung war ihnen fremd. Aber auch der Klerus nahm die isländischen Erzählungen mit Kopfschütteln, um nicht zu sagen, mit entschiedenem Widerwillen auf. In der kleinen Großmacht Dänemark herrschte ein strenges politisches und religiöses Regime. Es stand den schreibenden Zünften keineswegs frei, zu denken und zu sagen, was sie wollten.
Dabei hatte die Auseinandersetzung, mit dem Erbe aus dem Norden, bereits eine längere Vorgeschichte. Schon im 13. Jahrhundert hatte es dänische Gelehrte gegeben, die sich damit beschäftigen und auf ihre Weise versuchten, einen Nationalmythos zu begründen. Der berühmteste unter ihnen war Saxo Grammaticus, ein dänischer Kleriker, der am Hof der Erzbischöfe von Lund tätig war. Man weiß wenig über ihn, außer das er ungewöhnlich fleißig war, und dass er die „Gesta Danorum“ , ein sechzehnbändiges Werk in lateinischer Sprache, hinterlassen hat, in dem die mehr oder weniger sagenhafte Geschichte Dänemarks bis zum Jahr 1202 behandelt wird. Von besonderem Interesse sind die ersten 9 Bände, in denen sich viele Mythen und Sagen finden. Dabei hat der Autor sich vor allem auf isländische Informanten gestützt. Die Forschung hat seine Quellentreue angezweifelt, und es scheint, als wäre er mit der Überlieferung, nicht zuletzt aus religiösen Gründen, sehr frei umgegangen. Seine Darstellung der vorchristlichen Gesellschaft ist unbarmherzig, seine Schilderung von Menschenopfern, zum Beispiel findet keine Bestätigung aus anderen Quellen. Im übrigen hat sich herausgestellt, dass die Gesta Danorum William Shakespeare als Vorlage für seinen „Hamlet“ gedient haben müssen.
Wesentlich systematischer ging 400 Jahre später der Isländer Árni Magnússon (1663-1730) zu Werke.
Als Königlicher Antiquator waren ihm die schriftlichen Zeugnisse aus Island anvertraut. Die Kolonialmacht ernannte ihn zum „Professor Antiquitatum Danicarum“ . Im Laufe seiner Arbeit hat er in ganz Skandinavien 580 Originalhandschriften gesammelt und für Abschriften auf Papier gesorgt.
Die wichtigste Grundlage seiner Arbeit bildeten jedoch jene beiden Handschriften, die Brynjólfur Sveinsson nach Kopenhagen gesandt hatte. Die erste ist unter dem Namen „Codex Regius“ bekannt, weil sie für die Geschichtsschreibung des dänischen Königshauses eine wichtige Rolle spielen sollte.
Ihrem Inhalt angemessener ist jedoch die Bezeichnung „Ältere Edda“ . Gelegentlich bezeichnet man sie auch als „Poetische oder Lieder-Edda“ , weil sie hauptsächlich Gedichte oder Gesänge enthält. Sicherlich ist sie älteste und bedeutendste Sammlung altnordischer Poesie. Die meisten Isländer kennen sie in- und auswendig. Das ist kein Wunder; denn es gibt kein Volk auf Erden, das mehr liest als sie- und mehr dichtet.

alte handschrift EDDA

Der „Codex Regius vulgo“, die Ältere Edda, besteht aus zwei Teilen. Die ersten elf Gedichte Handeln von den alten Göttern des Nordens, die neunzehn andern von den sagenhaften Helden und ihren Taten.
Am Anfang steht ein visionäres Gedicht, die Völuspa. Der Titel bedeutet „Weissagung der Seherin“ , Wahrsagende Frauen erzählen darin von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft der Welt. Odin hat sie aufgesucht, um das Schicksal seines und seiner Welt, zu ergründen. Die Hellseherinnen provozieren ihn durch wiederholte Fragen: „Willst du noch mehr sehen? Hast du genug gehört?“ . Im Sog seiner Wissbegierde wird der Zuhörer einer Vision teilhaftig, in der die Welten vergehen, und wieder entstehen.
Der folgende Text ist das Hávámál, ein Monolog Odins, in dem er den Menschen Vernunft und Lebensart beibringen will. Hávámál heißt soviel wie „Rede der Hohen“ . Viele dieser Verse, die erst im 13. Jahrhundert niedergeschrieben wurden, waren wohl schon lange zuvor als Sprichwörter im Umlauf. Nur die mündliche Überlieferung kann sie so rund und glatt geschliffen haben. Von wem die abschließende Redaktion der 164 Strophen stammt, ist unbekannt.
Das Hávámál lebt heute noch im Volksmund. In Norwegen kennt jedes Kind den einen oder andern dieser lakonischen Ratschläge des hohen Einäugigen. Bei festlichen Anlässen werden sie immer wieder gern zitiert, ganz gleich ob es um die Einweihung, eines der zahllosen neuen Tunnels oder einer neuen Brücke, um eine Hochzeit oder eine Beerdigung geht. Mir selber ist ein Satz besonders lieb, der wie in Stein gehauen sagt: „Auf das Gesetz soll ein Land gebaut sein.“ Ich zitier ihn gern. wenn es um die Situation auf dem Balkan, Unterdrückung einer Minderheit oder um die Zwangsenteignung eines Nachbargrundstücks geht.
Im Vaftrúdnismál, in der „Rede der Vavtrudne“ , geht es um eine Wette zwischen Odin und dem Riesen Vavtrudne. Wer bei diesem Redewettkampf verliert, muss sterben. Der Troll weiß jedoch nicht, mit wem er es zu tun hat. Ein ausgeklügelter Bastelsatz von Fragen führt den Zuhörer oder Leser durch die Geschichte und die Hierarchie der Götter, so lange, bis Odin eine Frage stellt, die kein anderer als er selber beantworten kann: „Was hat Odin seinem Sohn ins Ohr geflüstert, bevor er seinen Leichnam dem Feuer übergab?“ Dieser Wettstreit ist bühnenreif und ich vermute, dass er und die Geschichten, die dabei zur Sprache kommen, oft ein aufmerksames Publikum gefunden haben.
Auch im Zentrum des Grímnísmál, der „Rede des Maskierten“ , steht ein Streitgespräch. Nachdem er acht Tage und Nächte zwischen zwei Feuer gepeinigt worden ist, lässt Odin sich auf eine Auseinandersetzung mit dem Riesenkönig Geirröd ein. Der einäugige Gott tritt inkognito auf. Nach und nach gibt er sein ganzes Wissen von der Welt der Asen preis, bis die Zuhörer seine wahre Identität erkennen. So gibt dieses Gedicht manchen Aufschluss über die Mythen des Nordens.
Das Skirnísmál, „Skirnes Rede“ , erzählt in 42 Versen, wie der Gott Frei die Riesentochter Gerdr für sich gewinnt. Auch dieses Gedicht scheint für eine szenische Darstellung geschaffen zu sein. Der Codex Regius enthält an mehreren Stellen Zeichen in der Marginalspalte, bei denen es sich vermutlich um Regieanweisungen handelt. In Skirnes Rede werden die Verse Frei, dessen schöner Braut und einigen Statisten in den Mund gelegt. Gerdr muss eine mächtige, beschwörende Tirade des Gottes über sich ergehen lassen, bis ihr nichts anderes übrig bleibt, als sich seinem Willen zu fügen.
Im Hárbadsljód, „dem Harbardslied“ , kommt Thor, sein Felleisen schleppend, am Sund an. Laut ruft er nach dem Fährmann, der ihn übersetzen soll, er nennt sich Hábárdr, was soviel wie Graubart bedeutet. Wer das Lied hört, versteht, dass es Odin ist, der sich als Ferge verkleidet hat und sich weigert, den Passagier ans andere Ufer zu bringen. Darüber gerät Thor in Wut. Über den Sund hinweg, kommt es zu einem groben, handfesten Streit. Mit viel Humor werfen die beiden einander allerhand Unverschämtheiten an den Kopf.
In einem weiteren Lied, der Hymiskvida, „Hymes Rede“ ist Thor der einzige Protagonist. Es geht um ein Abenteuer des Gottes, der dem Riesen Hyme seinen gewaltigen Braukessel entlocken will. Die Erzählweise erinnert hier eher an ein Volksmärchen.
Im nächsten Gedicht, der „Lokasenna“, „Lokis Spottrede“, nimmt Loki ein Fest in Ägirs Halle zum Anlass, um die anwesenden Götter in respektlosester Art zu beschimpfen. Dabei wird die ganze Galerie der Asen ein weiteres Mal vorgestellt. Viele Gelehrte deuten diesen Text als den Versuch eines bekehrten Christen, seine Leser aus den Klauen der heidnischen Götter zu befreien. Wenn das zutrifft, hätten wir es hier mit einem ungewöhnlich witzigen und einem intelligenten Propaganda-Coup zu tun. Auf mich macht das Lied eher den Eindruck gutmütiger Vertraulichkeit, ja sogar der Nachsicht mit den alten Göttern.
Die darauf folgende Trymskvida oder „Rede Tryms“ , erzählt in einer Reihe von amüsanten Repliken, wie Thors Hammer abhanden kam, während das „Alvismál“ von einem Zwerg berichtet, der zu den Asen kommt, um ein Mädchen zu holen, von dem er behauptet, es sei ihm als Braut versprochen worden. Statt wie gewöhnlich einfach nach seinem Hammer zu greifen, stellt Thor als Bedingung, dass Allvis der Zwerg ihm eine Reihe von Fragen beantworten soll, um das Mädchen zu gewinnen. Dabei erfährt der Leser manches Neue über die Götter, ihre Übernahmen und Abenteuer. Beide Gedichte zeigen überraschend viel Humor.
Dagegen geht es in „Balders draumar“, den „Träumen Baldurs“ , um verhängnisvolle Dinge und entsprechend ernst ist der Ton dieses Liedes. Odin, von Baldurs unheimlichen Untergangsträumen erschreckt, reitet aus, um eine Wahrsagerin zu befragen, die ihm erzählt, wie Baldur sterben wird und wie er gerächt werden muss.
Die letzte Göttergeschichte aus der älteren Edda, die Rigspula, zu Deutsch „Merkgedicht von Rig“ , handelt von der Frühgeschichte der Menschen. Ein sonst unbekannter Gott namens Rig, der vielleicht zu Unrecht mit Heimdall identifiziert wird, begibt sich auf eine lange Wanderung und zeugt viele Kinder. Wahrscheinlich handelt es sich um einen späteren didaktischen Mythos, den man auch als märchenhafte Idylle lesen kann.

 

Der zweite Band, den König Frederik III. anno 1662 seiner Bibliothek einverleiben konnte, die sogenannte „Jüngere Edda“ , ist auch unter dem Namen „Snorra Edda“ bekannt. Es handelt sich nicht um ein Autograph, sondern um eine Abschrift (Im Lauf der Zeit sind drei weitere handschriftliche Fassungen der Lieder bekannt geworden). Was die Fragen nach dem Autor, dem Schreiber und der Datierung betrifft, so sind wir auf den Vorsatztitel des Exemplars angewiesen, das sich heute in der Universitätsbibliothek Uppsala befindet. Dort heißt es lapidar: „Dieses Buch heißt Edda. Es ist von Snorri Sturluson zusammengestellt.“
Was das Wort „Edda“ bedeutet, weiß niemand genau. Es könnte von altnordisch „udr“ abgeleitet sein, was soviel bedeutet wie Dichtung oder Poetik. In einem Vers der „Rigspula“ kommt das Wort auch in der Bedeutung „Urgroßmutter“ vor. Möglicherweise weist es auf eine Dichtung aus Urgroßmutters Zeiten hin. Der Text wurde Anfangs des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben.
Viele Geschichten aus der Älteren Edda finden sich hier wieder. Die Snorra Edda besteht aus drei Teilen, deren erster Gylfaginning, „Die Täuschung Gylfis“ , heißt.
Ein mythischer Schwedenkönig ist als Wanderer nach Asgard, der Heimat der Götter gereist. Dort stellt er den Asen eine Reihe von Fragen. Die Antworten geben einen ausführlichen Überblick über die Mythologie des Nordens, von der Erschaffung der Götter und er Riesen bis zum Untergang der Welt im Ragnaök.
In dieser Version beginnt die Geschichte der Asen merkwürdigerweise in Troja, das als Mittelpunkt der Welt beschrieben wird. Alle Asen stammen, heißt es, von dem Heldenkönig Priamos ab. Sie reisen gen Norden und werden dort zu Göttern. Manche Forscher haben diese Erzählung so gedeutet, dass der Name der „Asen“ nichts anderes bedeutet als „Männer aus Asien“ . Die überwiegende Mehrzahl der Gelehrten erklärt dagegen diese Einführung in die Mythologie des Nordens eher als einen genialen dichterischen Kunstgriffs des Verfassers. Zu seiner Zeit war die Christianisierung Islands bereits abgeschlossen, auch wenn sie nicht in tiefere Schichten reichte. Dadurch, dass er die alte Götterwelt als die Halluzination eines schwedischen Königs darstellte, entging der Autor dem Vorwurf der Ketzerei. Mehrere Erzählungen, wie die Einführung der Iduna, oder die Errichtung der Götterburg durch Loki, kennen wir nur aus dem Gylfaginning, die ältere Edda schweigt sich darüber aus.
Der zweite Teil der Snorra Edda ist das „Skáldskaparmál“ , Snorris Lehrbuch der Dichtkunst, einer Goldgrube für Philologen und Skaldenforscher. Dieser Text ist zwar nur eine marginale Quelle für unsere Kenntnis der Götterwelt, aber dafür erfahren wir aus ihm vieles über das Wesen und die Bedingungen der Dichtkunst in den altnordischen Gesellschaften. Die Skalden waren Hofpoeten und freie Künstler. Die Zeit ihres Wirkens, die vom 9. bis 13. Jahrhundert reicht, gilt in unserer Literaturgeschichte als das goldene Zeitalter. Etwa 250 Skalden sind namentlich bekannt. Ihre Kunst war ein hochgeschätztes Handwerk. Das geht auch aus den Erzählungen hervor, die davon berichten, mit welchen Mühen sich Odin die Kunst des Schreibens und des Dichtens angeeignet hat. Snorri zitiert im Skáldskapamál nicht weniger als 336 Gesänge und erwähnt die Namen von siebzig Skalden.
Sein Lehrbuch rundet Snorri Sturluson mit einem eigenen Gedicht ab, dem „Háttatal“ , einem eindrücklichen Lobgesang auf den norwegischen König Hakon. Es besteht aus 102 Strophen und ist das einzige Lied von seiner Hand, das erhalten geblieben ist, abgesehen von einigen Spottversen, die eine andere Quelle erwähnt und zitiert.
Über Snorri Sturluson und sein Werk wissen wir gut Bescheid. Neben der Snorra Edda schrieb er ein oder zwei Sagas, vor allem aber eine Geschichte der norwegischen Könige, die „Kringla Heimsins“ oder „Heimskringla“ .
Dieses Buch ist in Norwegen bis heute neben der Bibel der Bestseller aller Zeiten geblieben. Das Werk ist eine Hauptquelle für norwegische Historiker; beim Erwachen des Landes aus der „Fünfhundertjährigen Nacht“, ein halbes Millennium nach dem Tode des Schriftstellers, hat es eine bedeutende Rolle gespielt.
Island war im letzten Teil des 9. Jahrhunderts durch norwegische und keltische Einwanderer besiedelt worden. Ganze Großbauern – Familien zogen während der Herrschaft des Königs Harald Harfagre nach Island. Dort entstand 930, als das Land sich ein Grundgesetz gab, eine neue Staatsform. Fortan entschied ein gemeinsames Gericht, das Allthing, über das Recht. Ein Gesetzessprecher hütete die mündlichen überlieferten Gesetze und trug sie vor. Auf den diplomatischen Druck des norwegischen Königs hin, beschloss das Allthing im Jahre 999 oder 1000 die Einführung des Christentums, doch wurde das Land nicht, wie andere Teile Europas gewaltsam missioniert. Das entsprechende Gesetz enthielt den bezeichnenden Satz: „Jeder Mann solle bei sich zu Hause selber wählen“ .
Zu Snorri Sturlusons Zeiten war die Gesellschaftliche Ordnung Islands in Auflösung begriffen. Der Druck der Norweger nahm zu und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Snorri, der 1179 in Hvammar zur Welt kam, war Bauer, Häuptling und Dichter. Er brachte es zeitweise zum mächtigsten und vielleicht reichsten Mann der Republik. Mehrmals hielt er das höchste Amt seines Landes inne, das des Gesetzessprechers. Mit dem norwegischen König Hakon verhandelte er, um den friedlichen Anschluss Islands an Norwegen zu erreichen – ein Plan, der fehlschlug und ihm viele Feindschaften eintrug. 1241 fiel er einem Mordanschlag zum Opfer. Der Anstifter war sein Schwiegersohn, ein gesandter desselben norwegischen Königs, dem er einst sein Gedicht gewidmet hatte.

 

Ein wesentliches Charakteristikum der Edda-Dichtung ist ihre eigentümliche Form, von der sich heutige Leser kaum mehr eine hinreichende Vorstellung machen können. Eines ihrer Grundprinzipien, der Stabreim, ist in Deutschland vom Hildebrandslied und in England vom „Beowulf“ her bekannt. Statt des Endreims bildet der Gleichklang im Anlauf der betonten Wörter das Rückgrat des Gedichts. Im Altnordischen und im klassischen Isländisch lag der Wortakzent stets auf der ersten Silbe, eine Betonung, die dem modernen Norwegisch fremd ist; nur in einem alten Osloer Arbeiterviertel haben sich Spuren davon erhalten.
Um dem Leser ein Gefühl für die Versform der Edda-Dichtung zu vermitteln, möchte ich einige Passagen aus einer englischen Nachdichtung zitieren. In der dritten Strophe der Völuspa heißt es:

Early Ages
there that Ymir settled
was not sand nor sea
nor sea-waves chilling nor up heaven
Ginnung-gap was there
but grass nowhere.

In dieser Versform, „Fornydislag“ , das heißt „Versrhythmus der alten Wörter“ , genannt, besteht jede Strophe normalerweise aus vier Verspaaren die auf acht Zeilen verteilt sind. Die Zahl der Alliterationen pro Zeile steht nicht fest; meistens sind es aber vier.
Einen Schritt von dieser gesamtgermanischen Verstruktur entfernt sich der „Ljodahatt“, der „Versrhythmus der Gesänge“ . Dabei handelt es sich um Langzeilen, die aus zwei Halbversen bestehen und durch ein komplexes Muster von Stabreimen verbunden sind. Diese Form wurde oft für Wechselgesänge benutzt. Das nachfolgende Beispiel ist die elfte Strophe aus dem Hávamál:

Burden better/ dears none abroad with him
than a cool dicretion/ with worser food
will fare yoe never/ than a big load of beer.

Die Skalden verfügten über noch mehr elaborierte Formen und Regeln für den Vers- und Strophenaufbau als die Dichter der Edda. Zu ihren rhetorischen Kunstmitteln gehörten „Heiti“ und „Kenning“ , Griffe auf die auch Snorri Sturluson in seinem Lehrbuch für Dichter großen Wert legte. Heiti sind obsolete Wörter, Synonyme oder poetische Wortschöpfungen, die ausschließlich in der poetischen Sprache vorkommen. „Kenningar“ sind konstruierte Formeln vom Typus: „Sohn der Erde“ für Thor, „Backenwald“ für Bart, „Seeroß“ für Schiff, „Unwetter der Axt“ für den Waffengang. In der Skaldendichtung finden sich noch weit kompliziertere, rätselhafte, metaphorische Ausdrücke dieser Art, die aus bis zu sieben Gliedern bestehen können.
Alle altnordischen Werke, die wir kennen, ob es sich um Poesie oder Prosa, Gesänge oder Sagas handelt, überlassen das Urteil über die erzählten Handlungen grundsätzlich dem Zuhörer. Der Autor oder Erzähler bleibt neutral. Ein wichtiger Aspekt der gebildeten Sprache ist das Understatement. außerdem ist der Dichter gehalten, sich kurz zu fassen. Manchem modernen Leser fällt es deshalb schwer, den hohen Ton zu verstehen, wenn beispielsweise der Donnergott Thor, um seine Größe darzustellen, so beschrieben wird: „Er war nicht klein.“
Aus all diesen Gründen bringt jede Prosa-Nacherzählung den Leser um eine phantastische Dimension dieser Literatur. Doch können Rhythmus und Metrum der Verse, ebenso wie Metaphorik, in keiner anderen Sprache als der altnordischen wiedergegeben werden, ohne dass dabei mehr als eine blasse Kopie entstünde. Norwegische Abiturienten werden heute noch im Altnordischen unterrichtet. Diese Schulung gibt ihnen, auch wenn sie nur rudimentär ist, die Chance, hinter die modernen Übertragungen zurückzugehen und ihnen eine Ahnung davon zu vermitteln, was ihnen entgeht.

 

Auch mir erscheinen diese Gedichte verständlich und höchst unklar zugleich – einerseits gehen sie mir nahe, andererseits sind sie unfassbar fern. Etwas von ihrer Magie haftet auch an den Eigennamen. Viele davon wurzeln in der Vergangenheit der skandinavischen Sprachen, und obwohl ihre ursprüngliche Bedeutung vergessen ist, wecken sie vielfältige Assoziationen. Es ist kein Zufall, dass sich moderne Fantasy-Romane ihrer bedienen. Ein Blick in J.R.R. Tolkiens Geschichten oder in die obskuren virtuellen Winkel des Internet beweist ihre Faszination.
Dass die nordischen Göttergeschichten ihre Lebenskraft nicht eingebüßt haben, liegt nicht nur daran, dass man sich mit den Personen und ihren Handlungen identifizieren kann. Vielleicht besticht uns im Gegenteil gerade ihre Fremdartigkeit. Vielleicht haben wir es nötig, die Kultur der Gegenwart in den alten Mythen zu spiegeln, und nicht in unserer Gleichzeitigkeit zu versinken. Vielleicht haben wir es aber auch nur mit zwei oder drei genialen Autoren aus dem 8.Jahrhundert zu tun, die etwas geschaffen haben, was der Erosion der Zeit widersteht. Jedenfalls steht fest, dass ihre Geschichten in immer neuen Verwandlungsformen weitererzählt werden bis auf den heutigen Tag.
Bevor ich mich mit der Edda-Dichtung näher beschäftige, habe ich mir unsere Vorfahren (ebenso wie andere vorindustrielle Völker) ganz anders vorgestellt: als Anhänger grausamer Kulte, Stammesgesellschaften, die sich zu finsteren und lebensgefährlichen Ritualen versammeln – ein Klischee, das sicher vielen Kindern heute nicht fremd ist. Wer die Edda kennt, wird sich von solchen Vorstellungen für immer verabschieden. Wenn man sich vor Augen hält, wie ihre Geschichten von einem Erzähler am Feuer vorgetragen werden, wird man eine Gesellschaft zu schätzen wissen, die ihre geistigen Energien in perfekte Verszeilen mit leuchtendem Inhalt umzusetzen wusste. Welch tiefer Ernst und welche Melancholie finden wir in Odins Wunsch, die Welt, die er mit erschaffen hat, zu verstehen, und wie leicht und spielerisch werden die Beziehungen zwischen Göttern und Menschen dargestellt!
Während das geschriebene Wort meist den Analphabeten ausgeschlossen hat, ging die frei im Raum fließende Erzählung alle an, auch unwissende Männer, Frauen und Sklaven. In dieser Situation deutete sich auch ein anderes Verständnis der Geschlechterrollen an. Wenn Thor seine Freundin preist, hebt er für uns ungewohnte Qualitäten hervor: „Ihr Bauch“, sagt er, „ist warm wie eine Schäre in der Sonne, und ihre Schenkel sind stark wie zwei Türpfosten. Sie ist stolz und lüstern….“ Mit Bewunderung, ja sogar mit einem Anflug von Angst reagieren die Asen auf Freias wütenden Tadel, als sie ihre Rüpeleien wieder einmal zu weit getrieben haben, und nicht ohne Schadenfreude wird erzählt, wie zwei Sklavinnen namens Menja und Fenja ihren habgierigen Herrn zu Fall bringen.
Mich belustigt auch die grundsätzliche Respektlosigkeit, mit der die Dichter der Edda jeder Autorität begegnen. Der Götterkönig ist keineswegs unsterblich, er hat nur ein einziges Auge und ist eigentlich ein Behinderter. Der Donnergott macht als bärtige Braut eine lächerliche Figur. Iduna, die Göttin der ewigen Jugend, ist so vergesslich, dass sie immer wieder ihre Leben spendenden Äpfel verliert. Hierarchie und Geschlechtertrennung werden in einem Atemzug festgehalten und sabotiert. Der Weltuntergang wird ganz unsentimental erzählt, denn er ist nicht endgültig. Dass von jeder Spezies eine Minderzahl überlebt, um aus Schlamm und Asche hervorzukriechen und eine neue Runde der Evolution einzuleiten – diese Idee sollte dem ökologischen Denken der Gegenwart bekannt vorkommen.

 

snorri Sturluson

Faszinierend und widersprüchlich ist auch die Rezeptionsgeschichte der nordischen Mythologie. Es hat immer Interpreten gegeben, die nicht glauben konnten, dass die rückständigen Hypoboräer von sich aus auf solche Erzählungen kamen. sie entwickelten eine Art Ansteckungstheorie, der zufolge sich dabei als einen späten Spross der griechischen Antike handeln müsse. Die Asen wären damit bloße Dubletten, Asgard nur eine nördliche Variante des Pantheons. Freia paarten diese Theoretiker mit Aphrodite, Baldur mit Apoll, Hel mit dem Hades, Frigga mit Hera, Ägir mit Poseidon und Odin mit Zeus. Was sie dabei außer acht ließen, ist der eigensinnige und höchst selbstständige Charakter dieser Götter, der durch solche Parallelen nicht zu erklären ist. Doch sind der Phantasie der Mythenforscher kaum Grenzen gesetzt. So wurde oft auch behauptet, dass Loki die Züge der gefallenen Engel aus der Bibel trage, und dass auf die Gestalt Baldurs, jedenfalls in den Versionen aus dem Mittelalter, das Vorbild Jesu abgefärbt habe. Das ist nicht ganz unwahrscheinlich, da die Christianisierung die schriftliche Überlieferung stark beeinflusst hat.
Fest steht jedenfalls, dass die klassische Literatur der germanischen Völker hauptsächlich auf einer kleinen Insel im Atlantik, 1500 bis 2000 Kilometer entfernt von anderen besiedelten Ländern, entstanden ist, zu einer Zeit, wo höchstens sechzig bis achtzigtausend Menschen auf Island lebten. Dieses Goldene Zeitalter hat uns ein paar tausend Handschriften und Fragmente hinterlassen; wir wissen aber, dass dies nur ein Bruchteil des ursprünglichen Bestandes ist. Das Schiff mit den beiden Büchern der Edda erreichte den Hafen, aber viele ähnliche Lasten sind im Meer versunken. Ein isländischer Pfarrer namens Sigurd Johansson verbrannte im Eifer der Reformation um 1620 ganze Berge alter Pergament-Handschriften aus einer Klosterbibliothek Árni Magnússon, der königliche Antiquar musste erleben, dass der größte Teil seiner einzigartigen Sammlung im Jahr 1728 bei einer großen Feuerbrunst in Kopenhagen zugrunde ging. Die Namen der verlorenen Schriften geistern immer noch im Pensum der Skandnavistik-Studenten herum.
Bis ins 14.Jahrhundert haben hunderte von Dichtern und Übersetzern noch klassisches Isländisch geschrieben, und ihre Werke sind immer wieder von Hand kopiert worden. Wie im übrigen Europa arbeiteten die Schreiber in Kirchen und Klöstern. Im Gegensatz zu andern Ländern beugten sich aber auf Island auch viele gewöhnliche Bauern, Landarbeiter, Dienstleute und Fischer in ihren winzigen Torfkaten über die Werke ihrer klassischen Literatur. Noch im 19. Jahrhundert saßen solche Leute in ihrer Freizeit zwischen Mahd und Schafschur über Handschriften und fertigten Kopien zum eigenen Gebrauch an. Der Nobelpreisträger Halldór Laxness erwähnt einen Alten der über fünftausend Sagas abgeschrieben haben soll. Er fragt auch nach den zahllosen Kalbfellen, die für die Einbände verbraucht worden sind, und beschreibt, wie die Leute über die Moore zogen, um Wildgänse zu fangen und zu rupfen, um genügend Schreibfedern zu gewinnen.
Auf dem Kontinent hat die Rezeption der nordischen Mythen verhältnismäßig spät begonnen. Untergründig mögen sie in mündlichen Überlieferungen in den Volksbüchern weitergelebt haben, und man ist versucht, in Faust und Mephistopheles Wiedergänge von Odin und Loki zu sehen – eine zugegebenermaßen kühne Hypothese. Aber erst in der Romantik setzte ein sozusagen offizielles Interesse an den germanischen Altertümern und damit auch die systematische Forschung ein. Unglücklicherweise ging sie bald, besonders in Deutschland, mit dem aufsteigenden Nationalismus Hand in Hand. So kam es zu einem schwer auflösbaren Amalgam zwischen Mythologie und Politik. Entscheidend für diesen Prozess war im späteren Verlauf das Werk Richard Wagners. Seine geniale Adaption nahm keine Rücksicht auf den ursprünglichen Gehalt der Mythen – sie kommen einer totalen Umdeutung gleich. Später bemächtigte sich der Chauvinismus der nordischen Götterwelt. Die fixe Idee von einer angeblichen nordischen Rasse zeitigte die bekannten Folgen. Von der ideologischen Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten hat sich Welt der alten Germanen bis heute nicht erholt. Noch immer beanspruchen Rechtsradikale und Neofaschisten die Deutungshoheit über diese versunkene Kultur und schmücken sich mit Runen und Namen aus ihrem Bestand.
Auch in Skandinavien ist diese ureigene Tradition nicht unangefochten geblieben. Nach verhältnismäßig harmloser Inanspruchnahme durch die Nationalromantik des späten 19.Jahrhunderts, besonders in Norwegen war es dann die Partei Vidkun Quislinge, die sie in den dreißiger und vierziger Jahren missbraucht hat. Sein Name ist als Synonym für die Kollaboratorien mit dem Feind in alle Weltsprachen eingegangen. Der Propaganda-Apparat der norwegischen Nazipartei erfand ein reinrassiges „Normannenvolk, das ähnlich wie das deutsche Herrenvolk, auf eine einzigartige, ruhmreiche Geschichte zurückblicken konnte und allen andern Menschen überlegen war. Aus Odin wurde in der Sicht der Quislinge ein geistloser Macho-Krieger, und die Liebesgöttin Freia wurde zur Gebärmaschine degradiert. Nach der Befreiung Norwegens von der deutschen Besatzung folgte 1945 eine heftige Abrechnung mit den Kollaborateuren. Es heißt, dass die Norweger im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Landesverräter hingerichtet haben als alle anderen Europäer. Schwieriger war es, die Symbolsprache der Nazis loszuwerden. Es ist heute noch undenkbar, Buchstaben zu benützen, die an die Runenschrift erinnern. Das Sonnenkreuz, ein immerhin dreitausend Jahre altes, ehrwürdiges Symbol, ist nach wie vor geächtet. Altnordische Worte, wie der fröhliche Gruß „heil og sael“, das soviel wie den Wunsch nach Gesundheit und Freude bedeutet, sind verpönt. Schon das Wort „germanisch“ erweckt ein leises Grauen.
Auch in Norwegen ist uns die rechtsradikale Welle der Gewalt nicht erspart geblieben. Grölende Neonazis und Satanisten haben sich unserer alten Überlieferungen bemächtigt, als wären sie ihr Eigentum.
Dennoch hat sich ein größerer Teil des norwegischen Kulturerbes vor der Zerstörung retten können. Lokale Märchen, Trachten, Volkstanz und Volksmusik blühen weiter, in puristischen Formen, oder gepaart mit Ethno-Moden und World Music. Viele Norweger finden, dass es an der Zeit ist, sich die eigene Geschichte und die eigene Mythologie zurückzuerobern. Tor Age Bringsvaerd hat es auf den Punkt gebracht, indem er sagte: „Wir haben die Diebe bestraft. Aber das Diebesgut haben wir ihnen überlassen.“
Das alles gilt nicht nur für Norwegen. Für die Deutschen stellt sich die Frage, ob sie gewillt sind, einen unentbehrlichen Teil ihrer eigenen Geschichte kampflos der Barbarei zu überlassen, noch weit schärfer. Nach einer langen, unglücklichen Rezeptionsgeschichte voller Missverständnisse, Fehldeutungen und ideologische Verbrechen, fällt es vielen schwer, zu erkennen, wie klug, wie heiter, wie souverän es auf dem nordischen Olymp zugegangen ist. Vielleicht trägt das Werk von Tor Age Bringsvaerd dazu bei, dass sich auch die Deutschen wieder aneignen, was ihnen gehört.

 

Im Norden leben die Riesen nicht nur in der Literatur weiter. In meiner Nachbarschaft gibt es zum Beispiel drei lokale Trolle, deren Namen jeder kennt. Auch andere Nachkommen der Jotnen, die zum Volk der Huldren gehören, nehmen jeden Sommer im Leben auf der Senne teil. So ist es auch auf Island. Dort sind die Straßenbehörden verpflichtet, an Ort und Stelle eigene Ratgeber zu befragen, um zu verhindern, dass es zu Konflikten mit Unterirdischen kommt. Weniger gut ist es den Zwergen und den Elfen ergangen. Wie anderswo sind sie auch bei uns von zahmen, ausdruckslosen Disney-Elfen verdrängt worden. Die Zwerge, einst für ihre enorme praktische und theoretische Intelligenz berühmt, geizig und gierig, sind zu harmlosen singenden Gesellen im Kinderfernsehen geworden. Der Freitag freilich ist Freias Tag geblieben, der Donnerstag gehört nach wie vor Thor, der Dienstag, „Tuesday“ oder „tirsdag“ dem Tyr und der „Wednesday“ dem Wotan.
Auch die Geschichte der Edda-Dichtung ist noch nicht an ihr Ende angekommen. Die Isländer haben 1941 ihre Unabhängigkeit von Dänemark erreicht. Dieser Gesellschaft von Schreibern und Lesern muss der Gedanke, dass sich ihr literarisches Erbe seit den Zeiten Frederiks III in den Klauen der Kolonialmacht befand, immer unerträglich gewesen sein. Lange nach dem zweiten Weltkrieg beschloss das dänische Parlament endlich ein Gesetz über die Rückgabe der Originalbandschriften und 1971 kehrten die ersten Manuskripte mit großem Pomp nach Island zurück. Noch heute sind die Isländer in der Lage die Gesänge der Edda vom Blatt zu lesen.
Immer noch tauchen gelegentlich aus sonderbaren Verstecken interessante Fragmente auf. Eine dieser Handschriften wurde unlängst im Futter einer Mitra in einem Museum aufgefunden. Manchmal findet ein Kleinbauer im Küstengebiet ein Pergamentstück in einem riesigen Sattel aus dem Mittelalter. Neue Techniken helfen dabei, verblasste Manuskripte oder Palimpseste in ultraviolettem Licht oder im Röntgenbild lesbar zu machen. Viele Originale kann man heute auch im Internet studieren.
So schön es ist, dass immer wieder neue Stücke dieses riesigen Puzzles auftauchen, soviel Freude macht es auch, die alten Geschichten immer wieder neu zu fassen. Ich bin, wenn ich Bringsvaerds Version meinen Kindern erzähle, nur ein weiteres Glied dieser langen Kette. Und sie wiederum sind schon längst dabei, ihre eigenen, oft sehr unterhaltsamen Verständnisse und Missverständnisse zu produzieren.

 

Quelle:
Den Text stellte Peter Trouvain vom Forum „Nordische Mythologie“ dankenswerterweise zur Verfügung.
Website: nordische-mythologie.aktiv-forum.com

Quelle: http://www.manfrieds-trelleborg.de

Gruß an den Norden

TA KI

Isländische Kommission bestätigt Existenz von Ungeheuer


  • Island hat jetzt sein eigenes Loch Ness: Eine Wahrheitsfindungskommission hat die Existenz eines Seeungeheuers bestätigt.
  • Der Lindwurm „Lagarfljótsormur“ existiert schon seit Jahrhunderten in Sagen.
  • Die lokale Tourismusbehörde freut sich über die Bestätigung und hofft auf viele Besucher.
Von Ingrid Fuchs

Kommission bestätigt Existenz von „Lagarfljótsormurinn“

Um Elfen vor dem sicheren Tod durch Bauarbeiten zu bewahren, werfen sich manche Isländer vor Bulldozer. Andere beharren umgekehrt darauf, schon einmal von einem Fabelwesen gerettet worden zu sein: Dass das Volk im hohen Norden an, nun ja, fragwürdige Erscheinungen glaubt, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Mit welcher Ernsthaftigkeit es das tut, überrascht aber doch. Etwa wenn eine eigens eingerichtete 13-köpfige Wahrheitsfindungskommission nach mehr als zweijähriger Recherche bekannt gibt: Der „Lagarfljótsormurinn“ existiert wirklich!

Elfen in Island

Nach Protest in Island Behörden nehmen Rücksicht auf Elfen

Eigentlich tauchen alle naselang Berichte auf, jemand habe das Ungeheuer von Loch Ness erblickt. Jetzt hat es einem Experten zufolge seit mehr als 18 Monaten keine „bestätigten Sichtungen“ mehr gegeben. Drei Fotos wurden nicht als Beweise anerkannt.

Kleiner Kopf, langer Hals, gewölbter Rücken: Es gibt klare Vorstellungen darüber, wie das Ungeheuer von Loch Ness aussieht. Kein Wunder, schließlich wurde das Untier schon viele Male gesichtet. Jetzt dürfte die Erinnerung jedoch langsam verblassen – denn Nessie, befürchten manche, könnte tot sein.

Die BBC zitiert einen Mann namens Gary Campbell aus der nahegelegenen schottischen Stadt Inverness, dem zufolge es seit 18 Monaten keine „bestätigten Sichtungen“ mehr gegeben hat. Eine derart lange Flaute habe es zuletzt vor 90 Jahren gegeben, sagt der selbst ernannte Sichtungs-Archivar.

Zwar wurden drei Bilder bei einem Nessie-Sichtungs-Wettbewerb eingereicht. Auf einem war jedoch nur eine Welle zu sehen, auf einem weiteren eine Ente, ein drittes sei überhaupt nicht am Loch Ness aufgenommen worden. Obwohl Campbell von „verstörenden Neuigkeiten“ spricht, ist er sich sicher, dass das Ungeheuer aus der Tiefe nur eine Pause macht und noch in diesem Jahr „mit aller Macht“ zurückkehren wird.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird die Existenz Nessies stark angezweifelt, der Mythos hält sich jedoch seit Jahrhunderten – und beschert der Region im schottischen Hochland seit jeher wichtige Einnahmen aus der Tourismusbranche.

Island

Ragnhildur Jónsdóttir in ihrem Elfengarten, durch den sie auch Touristen führt. In dem Städtchen Garðabær legte sie 2013 den Bau einer Straße lahm, weil sie durch eine Elfenkirche führen sollte.

(Foto: dpa)

Die Angst vor dem Elfenfluch

Wenn Elfen angeblich an einer Stelle auf der Baustelle wohnten, warteten die Bagger so lange, bis die Naturgeister umgezogen waren – solange es den Staat nicht zu viel Geld kostete. „Das tut ja nicht weh“, sagt Matthíasson pragmatisch. „Unbestritten ist der Glaube an das Übernatürliche gelegentlich Anlass für die Befürchtungen von Menschen vor Ort, und diese Meinungen werden genauso berücksichtigt wie alle anderen“, schreibt Matthíassons Kollege Viktor Arnar Ingólfsson in einem fünfseitigen Papier – Er hat es extra verfasst hat, weil es so viele Anfragen von Journalisten zu den Elfen gab.

Darin berichtet er unter anderem von einem Fluch, der vor Jahren ein Bauprojekt heimgesucht haben soll. Ein Medium hatte davor gewarnt, dass die Steine an einer geplanten Straße nicht gesprengt werden sollten. Zugleich passierten Unfälle, Bulldozer stellten aus unerklärlichen Gründen den Betrieb ein. Am Ende blieben die Steine stehen. „Manche Leute glauben, dass die Elfen die Straßennutzer beschützen – zum Dank für die Rücksichtnahme.“

Als die Straßenführung geändert werden sollte und der Hügel in Gefahr war, halfen sie und ihr Sohn dem Parlamentsabgeordneten, den riesigen Stein aus dem Weg zu wuchten und auf das Grundstück des Politikers zu versetzen. Jónsdóttir hatte nicht immer mit Elfen zu tun. Die Frau war gerade 50 Jahre alt geworden, als die Naturgeister sie zu ihrer Sprecherin auserkoren, wie sie erzählt. „Sie versprachen mir Abenteuer“, sagte die Isländerin, während sie durch ihren Elfengarten – einen Park in der Stadt Hafnarfjörður – schlendert.

Dass eines dieser Abenteuer einmal hinter den Gitterstäben einer Gefängniszelle in Reykjavík enden würde, hätte sie sich damals nicht träumen lassen. Gegen die Festnahmen gehen sie und andere „Freunde der Lava“ zurzeit gerichtlich vor.

Der Glaube an Elfen in Island

Mit seinen skurrilen Lavalandschaften und moosreichen Wäldchen erweckt Island leicht den Eindruck eines verwunschenen Ortes. Mehrere Hundert Touristen pilgern jedes Jahr in den Hellisgerði-Park, um Jónsdóttirs Geschichten über Elfen zu hören. In Buchläden liegen Karten mit den Lieblingsplätzen der angeblich verborgenen Wesen aus. Gerade im ansonsten unscheinbaren Hafnarfjörður ist das Interesse für die Naturgeister über die Jahrzehnte unverändert groß geblieben.

Anders in Islands hipper Hauptstadt Reykjavík. Viele der jungen Städter glauben nicht an Elfen – oder sprechen einfach nicht darüber. Wiederum andere sehen Elfen und das Huldufólk als Metaphern für die wilde Landschaft, in der die Isländer leben. Während das Huldufólk in Größe und Gestalt den Menschen ähneln soll, können Elfen der Legende nach unterschiedliche Erscheinungsformen haben. Gemeinsam haben sie, dass sie in der Natur in Felsen oder auf Hügeln leben sollen. Mitunter wird aber gar nicht zwischen den Fabelwesen unterschieden.

Ob sie nun daran glauben oder nicht: Jeder Isländer kennt mindestens eine Anekdote, in der die Fabelwesen vorkommen. „Jeder hat so eine Geschichte in seiner Familie“, sagte Pétur Matthíasson von der isländischen Straßenbaubehörde. „Das ist einfach Teil unseres kulturellen Erbes.“ Er ist zwar selbst nicht von der Existenz der Naturwesen überzeugt. Trotzdem hat sich in seiner Behörde schon so manches Bauprojekt in die Länge gezogen, weil andere an die Naturgeister glauben.

Elfen in Island

Ragnhildur Jónsdóttir in ihrem Elfengarten, durch den sie auch Touristen führt. In dem Städtchen Garðabær legte sie 2013 den Bau einer Straße lahm, weil sie durch eine Elfenkirche führen sollte.

(Foto: dpa)

Die Angst vor dem Elfenfluch

Wenn Elfen angeblich an einer Stelle auf der Baustelle wohnten, warteten die Bagger so lange, bis die Naturgeister umgezogen waren – solange es den Staat nicht zu viel Geld kostete. „Das tut ja nicht weh“, sagt Matthíasson pragmatisch. „Unbestritten ist der Glaube an das Übernatürliche gelegentlich Anlass für die Befürchtungen von Menschen vor Ort, und diese Meinungen werden genauso berücksichtigt wie alle anderen“, schreibt Matthíassons Kollege Viktor Arnar Ingólfsson in einem fünfseitigen Papier – Er hat es extra verfasst hat, weil es so viele Anfragen von Journalisten zu den Elfen gab.

Darin berichtet er unter anderem von einem Fluch, der vor Jahren ein Bauprojekt heimgesucht haben soll. Ein Medium hatte davor gewarnt, dass die Steine an einer geplanten Straße nicht gesprengt werden sollten. Zugleich passierten Unfälle, Bulldozer stellten aus unerklärlichen Gründen den Betrieb ein. Am Ende blieben die Steine stehen. „Manche Leute glauben, dass die Elfen die Straßennutzer beschützen – zum Dank für die Rücksichtnahme.“

Parallelen zum Monster von Loch Ness

Doch von vorne. Der „Lagarfljótsormurinn“, wohnhaft im Lagarfljót-See und manchmal auch schlicht als Lindwurm bezeichnet – existiert offiziell schon seit dem Jahr 1345, allerdings nur in einer Sage. Ähnlich wie beim Monster von Loch Ness in Schottland meldeten sich in der Vergangenheit aber immer wieder Menschen, die den isländischen Lindwurm gesehen haben wollen, schwimmend und an Land. Laut einem Bericht des Internetportals Ancient Origins ist das Tier etwa 90 Meter lang und übersät mit Höckern und Beulen – also eigentlich gar nicht so leicht zu übersehen.

Inspiriert vom schottischen Tourismus-Boom rund um Nessie, setzten die Isländer im Jahr 1997 eine Belohnung für alle Bild- oder Filmaufnahmen aus, die vom eigenen Monster geliefert würden. Nach 15 Jahren, Anfang 2012, war es soweit, das isländische Fernsehen zeigte eine gut 30 Sekunden dauernde Videoaufnahme eines in der Nähe wohnenden Bauerns, Hjörtur Kjerúlf. Darauf zu sehen: ein schlangenartiges (aber bei weitem nicht 90 Meter langes) Wesen, das sich durch den Eismatsch des Lagarfljót schiebt. Für viele war das: der Beweis. Für einen skeptischen Wissenschaftler: ein gefrorenes Fischernetz in der Strömung.

Loch Ness Nessie

Sorge in Schottland Wo ist Nessie?

Eigentlich tauchen alle naselang Berichte auf, jemand habe das Ungeheuer von Loch Ness erblickt. Jetzt hat es einem Experten zufolge seit mehr als 18 Monaten keine „bestätigten Sichtungen“ mehr gegeben. Drei Fotos wurden nicht als Beweise anerkannt.

Kleiner Kopf, langer Hals, gewölbter Rücken: Es gibt klare Vorstellungen darüber, wie das Ungeheuer von Loch Ness aussieht. Kein Wunder, schließlich wurde das Untier schon viele Male gesichtet. Jetzt dürfte die Erinnerung jedoch langsam verblassen – denn Nessie, befürchten manche, könnte tot sein.

Die BBC zitiert einen Mann namens Gary Campbell aus der nahegelegenen schottischen Stadt Inverness, dem zufolge es seit 18 Monaten keine „bestätigten Sichtungen“ mehr gegeben hat. Eine derart lange Flaute habe es zuletzt vor 90 Jahren gegeben, sagt der selbst ernannte Sichtungs-Archivar.

Zwar wurden drei Bilder bei einem Nessie-Sichtungs-Wettbewerb eingereicht. Auf einem war jedoch nur eine Welle zu sehen, auf einem weiteren eine Ente, ein drittes sei überhaupt nicht am Loch Ness aufgenommen worden. Obwohl Campbell von „verstörenden Neuigkeiten“ spricht, ist er sich sicher, dass das Ungeheuer aus der Tiefe nur eine Pause macht und noch in diesem Jahr „mit aller Macht“ zurückkehren wird.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird die Existenz Nessies stark angezweifelt, der Mythos hält sich jedoch seit Jahrhunderten – und beschert der Region im schottischen Hochland seit jeher wichtige Einnahmen aus der Tourismusbranche.

Belohnung für den Beobachter

Von da an war es Aufgabe der Wahrheitsfindungskommission, festzustellen, was es mit dem Monster auf sich hat. Im Gremium saßen ein Pastor, eine Biologin, eine Ethnologin, ein Parapsychologe und Politiker – die Interessen an wissenschaftlicher Aufklärung, Erhalt der Fabelwesen-Faszination und Unterstützung für den Tourismus wurden also alle irgendwie vertreten. Nun verkündete die Iceland Review Online dann das erstaunliche Ergebnis.

Für Hjörtur Kjerúlf, der das Video aufgenommen hat, bedeutete das eine Belohnung von etwa 3300 Euro plus einen saftigen Aufschlag von der lokalen Tourismusbehörde – und die Bestätigung, dass er den Lagarfljótsormur wirklich gesehen hat. Und dem Rest der Welt gibt das die Hoffnung, doch noch einem jahrhundertealte Fabelwesen zu begegnen. Nessie macht sich ja schon länger rar. Und Elfen gelten auch als ziemlich scheu.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/monster-in-lagarfljt-islaendische-kommission-bestaetigt-existenz-von-ungeheuer-1.2157257

Gruß an die Fabelwesen

TA KI

Die Nibelungen


Der Nibelungenschatz


Der Raub von Andwaris Schatz
(Illustration von F. von Stassen, 1914)

Wie die Sage um Gudrun ist auch der Sagenkreis um die Nibelungen ursprünglich ein alter Nordischer Stoff. Entstanden ist er in Island, entwickelt sich von einer Erzählung über die Geschicke der Götter zu einer Erzählung über Menschliches Verhängnis. Später wird daraus ein Mittelalterliches Epos mit Christlichen Anklängen, das jedoch die tiefere Tragik und das Verhängnis, dem alle zwangsläufig zum Opfer fallen werden, nicht verleugnen kann; die Ursprünge der Erzählung, die in einer heidnischeren, barbarischeren Zeit liegen, schimmern immer wieder durch.

Diese Nacherzählung nun wird versuchen, den Bogen zu spannen zwischen den Nordischen Göttern, die die Geschehnisse in Gang setzen, und der Mittelalterlichen Bearbeitung mit ihren Christlichen Anklängen, die das Werk nur Umfangreicher und komplexer machen, die Konflikte nur zahlreicher. Es ist ein weitgespanntes, umfangreiches Werk, das noch zusätzlich in andere Sagenkreise, wie etwa des Dietrich von Bern, übergreift, jedoch bis heute trotz seines Umfangs nichts von seiner Faszination verloren hat.

Wo der Nibelungenschatz herkam

Regin, Otur und Fafnir waren drei Zwerge, Söhne von Hreidmar, einem Bauern und Zauberer.

Einst nun kamen Odin, Loki und Hönir zu Andwaris Wasserfall, in dem Otur in Ottergestalt Fische fing. Da sie ihn nicht kannten, tötete Loki ihn mit einem Stein, sie zogen ihm das Fell ab und brachten es voller Stolz zu Hreidmar, der alsbald mit Grauen seinen toten Sohn erkannte. Als Wiedergutmachung sollten die Asen den Balg mit Gold füllen und ihn auch von Außen mit Gold bedecken. Da nun aber die abgezogene Haut über Magische Kräfte verfügte, konnte sie so weit ausgedehnt werden, dass keine gewöhnliche Menge Goldes ausreichte. Loki wurde nun ausgeschickt, das Gold zu beschaffen. Er besorgte sich ein zauberisches Netz, in dem er den Zwerg Andwari, der in Hechtgestalt in seinem Wasserfall schwamm, fing, und zwang diesen damit zur Herausgabe seines immensen Schatzes. Zuletzt war nur ein Ring übrig, der es Andwari ermöglicht hätte, seinen Schatz zu erneuern, doch Loki bestand auch auf Herausgabe dieses letzten Stückes von Andwaris Schatz, woraufhin dieser den Ring mit einem Fluch belegte, der besagte, dass der Besitz des Ringes zweien Brüdern das Ende bringen und acht Fürsten verderben solle.

Loki brachte nun alles Gold aus dem Zwergenhort zu Hreidmar, doch als alles aufgebraucht war, blieb noch ein Haar unbedeckt, so dass Loki auch den Ring abgeben musste. Damit ging der Fluch des Ringes auf Hreidmar über, dessen verbliebene Söhne alsbald ihren Anteil an dem Schatz forderten, was ihnen aber verweigert wurde. Fafnir ging daraufhin soweit, seinen Vater im Schlaf zu ermorden, wurde für diese böse Tat aber in einen Drachen verwandelt, der fortan den Schatz als seinen Drachenhort hütete.

Siegfrieds Jugend


Siegfried in Mimers Schmiede
(W. von Hanschild, Fresko, 1880)

Der Held der Nibelungensaga – Siegfried – wächst am Königshof zu Xanten auf. Er ist der einzige Sohn von König Siegmund und Königin Sieglinde. Er ist der Stärkste unter seinen Spielgefährten und besiegt sie bei allen Spielen. Doch er ist auch ungebärdig und unbeliebt, spielt er ihnen doch oft mutwillige Streiche. Auch seine Erzieher, Ritter und Edle, die an den Königshof kommen, verzweifeln an ihm, denn die Höfischen Sitten dünken ihn langweilig, die Welt des Hofes ist ihm zu eng. Es drängt ihn, sich in Ritterlichen Taten zu erproben, von denen Fahrende Sänger und Spielleute ihm künden.

Endlich verliert der König die Geduld mit seinem übermütigen Sohn. Als Schmiedelehrling wird er nun zu Mimer, einem der größten Meister seines Fachs geschickt, er soll sich dort körperlich austoben und an Leib und Seele reifen. So begleitet Siegfried den Schmied zu seiner Werkstatt, froh, der Enge und dem Zwang der Elterlichen Burg entronnen zu sein.

Der Weg zu Mimers Werkstatt ist weit, führt durch unzugängliches Gelände und Sumpf. Auch ist es nur dünn besiedelt. Mimer erzählt seinem jungen Lehrling die Legende von dem gewaltigen Lindwurm, der in den Bergen hause und der Grund für die dünne Besiedelung sei, da der Drache die Felder verwüste und Vieh und Menschen fortschleppe, um sie zu fressen. Siegfrieds Interesse ist geweckt. Vor seinem geistigen Auge sieht er sich schon als großen Helden gefeiert. Doch noch ist er nicht soweit…

Siegfrieds Kampf mit dem Drachen


Siegfried tötet den Drachen Fafnir
(Illustration von Alan Lee)

(Der vorliegende Text wird nun im Wesentlichen den Ereignissen der Mittelalterlichen Erzählung nachempfunden werden)

In der Schmiedewerkstatt von Mimer wird Siegfried nun wie einer der übrigen Gesellen behandelt, ohne übermäßige Rücksichtnahme auf seinen Rang als Sohn eines Königs. Doch durch seine übergroße Kraft und seinen jugendlichen Übermut macht er sich auch hier keine Freunde. Zuerst erscheint ihm noch alles besser als am Elterlichen Hof, hat er hier doch mehr Freiheiten ohne die ständig notwendige Rücksichtnahme auf die Höfischen Sitten, kann hier seine Kraft auch sinnvoll einsetzen, doch fehlt ihm immer noch eine rechte Herausforderung. Nach wie vor ist es sein größter Wunsch, sich endlich ein eigenes Schwert schmieden zu dürfen und damit Heldentaten zu begehen. Als er es endlich so arg treibt, dass Meister Mimer seine zwei besten Gesellen davonlaufen, verfällt dieser auf ein verzweifeltes Mittel: um seinen unbequemen Gesellen endlich loszuwerden, erzählt er ihm eindringlich von der Gefahr durch den Lindwurm, legt dar, welchen Ruhm es bedeuten würde, ihn zu besiegen und das Land endlich von dieser Plage zu befreien. Wie er es geahnt hat, rennt er damit bei Siegfried offene Türen ein, hofft, dass der Lindwurm, den schon so viele Ritter nicht zu besiegen vermochten, ihn seiner Sorgen entledigen wird. Doch hat er auch ob dieser Gedanken ein schlechtes Gewissen und so hilft er Siegfried, ein meisterliches Schwert zu schmieden, als Waffe gegen das Ungeheuer. Die Waffe gelingt prächtig, und so stiehlt sich Siegfried in der Nacht, heimlich, ohne Abschied zu nehmen, davon, um das Abenteuer zu suchen.

Der Weg zum Drachenberg ist weit und führt durch verwüstetes Land. Unterwegs trifft Siegfried auf eine Bauernfamilie, die auf der Flucht vor dem Lindwurm ihr Hab und Gut zurücklässt, jedoch Rüstung und Pferd eines unglücklichen Ritters mit sich führt, der den Kampf mit dem Ungeheuer nicht überlebt hat. Beides schenken sie Siegfried, da sie ihn nicht zur Umkehr bewegen können, damit er wenigsten nicht vollständig ungerüstet in sein Verderben eilt.

Siegfried lässt sich nicht beirren: er muss den Lindwurm besiegen! Auch, wenn der Anblick noch so schrecklich ist, die zahlreichen Menschenknochen neben dem Lager des Drachen von vielen Unglücklichen künden, die die Begegnung nicht überlebt haben, er wird siegen, da ist er sicher. Lange dauert der Kampf, auch sein vortreffliches Schwert kann nichts gegen die harten Drachenschuppen ausrichten, doch schließlich, als der Drache schon glaubt gesiegt zu haben, sich zu dem finalen Todesbiss hoch über den unseligen Ritter erhebt, schafft Siegfried es noch einmal mit letzter Kraft, das Schwert zu heben und treibt es dem Drachen tief in die ungeschützte weiche Haut des Bauches.

Der Held hat gesiegt, doch wie ist er erschöpft! Er schläft unter einem Baum ein, ein leichter Wind umschmeichelt ihn, schenkt ihm sanfte Erholung. Ein Lindenblatt weht unbemerkt auf ihn hernieder.

Als er erwacht, bemerkt er, dass das Blut des Drachen auf seiner Haut getrocknet ist und einen undurchdringlichen Schutzpanzer bildet; so geht er rasch hin und badet sich ganz im Drachenblut. Daraufhin macht er sich frohen Mutes auf den Heimweg, innerlich geläutert und zur Ruhe gekommen von seiner Begegnung mit dem Tode. Überglücklich empfängt ihn sein Vater, der ihn schon, nachdem er die Kunde von den Absichten seines Sohnes vernommen, tot geglaubt hatte. Auch die Mutter ist überglücklich. Beide wollen nun die Regentschaft gern an ihren Sohn , der sogleich anfängt, die Angelegenheiten des Landes zu regeln, abgeben, doch Siegfried ist noch nicht soweit. Er will erst noch weitere Abenteuer bestehen und sich dann eine würdige Braut suchen. Doch dies ist eine andere Geschichte…

Siegfried gewinnt den Nibelungenhort


(Arthur Rackham, Zeichnung um 1900)

Siegfried ist auf der Suche nach Abenteuern in das Reich der Nibelungen gekommen, deren König vor kurzer Zeit gestorben ist und seinen Söhnen Schilbung und Nibelung einen unermesslichen Schatz hinterlassen hat, der in einem hohlen Berge verborgen ist. Riesen und Zwerge hüten den Schatz und bewaffnete Wächter durchstreifen das Land ringsum, Diebe abzuwehren.

Als Siegfried zu dem hohlen Berg gelangt, findet er am Fuße des Felsens viele eifrig beschäftigte Männer vor. Unter dem Schutz von zwölf Riesen tragen Männer, denen von Zwergen geleuchtet wird, die Reichtümer aus dem Berg und häufen ihn davor auf. Dabei stehen die jungen Könige, die sogleich Siegfried, mit dem sie schon länger bekannt sind, bitten, den Schatz für sie gerecht aufzuteilen, da sie sich nicht einigen könnten, und geben ihm als Lohn das Schwert ihres Vaters, Balmung, das die Fähigkeit besitzt, durch Stein, Stahl und Drachenschuppen zu schneiden.

Siegfried wird also zum Schiedsrichter zwischen den beiden Königen. Doch bald kommt es zum Streit, da beide sich übervorteilt fühlen und Siegfried der Parteilichkeit zeihen. Dieser muss sich nun der beiden mit dem Schwerte erwehren, siegt auch, sieht sich jedoch nun den Wächtern des Schatzes und den Riesen gegenüber. Als er nun auch diese besiegt, dringt der Lärm des Kampfes durch den Berg hindurch bis in die Höhlen der Zwerge, deren König, Alberich, nun selbst, gerüstet mit einer Tarnkappe, die ihm Unsichtbarkeit und die Stärke von zwölf Männern verleiht, den Kampf aufnimmt. Siegfried wäre es wohl trotz des guten Schwertes und seiner undurchdringlichen Haut wohl übel ergangen, doch kann er zuletzt sich die Tarnkappe des Zwerges greifen und diesen damit seiner Überlegenheit berauben. Alberich und die Nibelungen schwören nun Siegfried die Treue, das Land und der Schatz sind sein.

Die wundersame Tarnkappe aber nimmt er mit sich…

iegfried und Brunhild
(Fortsetzung der Nibelungen mal anders)


Brunhild war eine sehr streitsüchtige Maid
(Illustration von Arthur Rackham, 1900)

VORBEMERKUNG

Die Art der Fortsetzung eines laufenden Texts die nun folgt, mag vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinen, jedoch denke ich, der Zweck wird bald klar werden. Lange habe ich mit mir gerungen, wie ich den jetzt folgenden äußerst wichtigen Abschnitt aus Siegfrieds Leben schildern soll und ausgerechnet hier ließen die Quellen mich im Stich oder widersprachen sich teilweise sogar. Kurz: ich fühlte mich verraten. Und so beschloss ich denn, einfach diese Quellen selbst zu zitieren und dabei gleich noch für den interessierten Leser einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt des Mittelhochdeutschen zu geben. Aber lest doch selbst…

FORTSETZUNG

Es ist noch immer lebhaft bestritten, wie viel von der Wölsungen – beziehungsweise Nibelungensage nordgermanischen, wie viel deutschen Ursprungs sei […] fest steht aber, dass (es) ursprünglich deutsche Sagen waren, welche aus Deutschland nach Skandinavien getragen und dort erst umgestaltet wurden. Es ist hier nicht der Ort, darauf einzugehen, in welcher Weise dies, namentlich durch Anknüpfung von Sigmund an die älteren Wölsungen-Ahnen, geschah. Die mythologische Grundlage der deutschen Siegfriedsage ist die Gestalt eines, Baldur gleichen, Frühlingsgottes, der den Drachen, den Winterriesen, tötet, aber selbst in der Blüte der Jahre getötet wird. Geschichtliche Züge traten hinzu […] das uns erhaltene mittelhochdeutsche Nibelungenlied nun unterscheidet sich in sehr wesentlichen Dingen sowohl von der nordischen Wölsungensage, als von der ursprünglichen althochdeutschen Fassung der Siegfriedsage.

Die ganze Vorgeschichte, welche zwischen Siegfried und Brunhild spielt, ist der mittelhochdeutschen Dichtung fremd: also der erste Ritt Siegfrieds durch die Waberlohe, Brunhilds Erweckung, die Verlobung der beiden. Daher bedarf es nun freilich keines Zauber- und Vergessenheits-Trankes, um Siegfried zu Worms mit Kriemhild (der Gudrun der Wölsungen) zu verloben: allein es fehlt nun durchaus an jedem ausreichenden Beweggrund für Brunhildens Hass gegen Siegfried und ihr Begehren nach seinem Tod.

Zum Vergleich und besseren Textverständnis nun der Mittelhochdeutsche Text (in Auszügen) mit Übersetzung:

Iteniuwiu mære-sich huoben über Rîn,
man seite, daz da wære-manec schœne magedîn.
der dâhte im eine erwerben-Gunther der künec guot.
dâ von begunde dem recken-vil sêre hôhen der muot.

Ez was ein küneginne-gesezzen über sê,
ir gelîche-was deheiniu mê.
si was unmâzen schœne-vil michel was ir kraft;
si schôz mit snellen degenen-umbe minne den schaft.

Den stein warf si verre-dar nâch si wîten spranc.
Swer ir minne gerte-der muose âne wanc
driu spil an gewinnen-der vrouwen wol geborn:
gebrast im an eime-er het daz houbet verlorn.

Und nun die Übersetzung:

Wieder neue Märe, erhob sich über Rhein:
Man sagte sich, da wäre, manch schönes Mägdelein.
Sich eins davon zu werben, sann Gunther, der König gut.
Davon begann den Recken, gar hoch zu heben sich der Mut

Es war eine Königin, gesessen über Meer,
Ihr zu vergleichen, war keine andre mehr.
Schön war sie aus der Maßen, gar groß war ihre Kraft;
Sie schoss mit schnellen Degen, um ihre Minne den Schaft.

Den Stein warf sie ferne, nach dem sie weithin sprang;
Wer ihrer Minne gehrte, der musste sonder Wank
Drei Spiel ihr abgewinnen, der Frauen wohlgeboren;
Gebrach es ihm an einem, so war das Haupt ihm verloren.

König Gunther, an dessen Hof zu Worms Siegfried nun weilt, hört nun von dieser streitbaren Maid und möchte sie zur Frau. Siegfried verspricht ihm seine Hilfe, wenn er dafür Gunthers Schwester Kriemhild zur Frau erhält. Dieses wird ihm versprochen und die beiden Männer machen sich mit Gefolge auf den Weg zur Burg Isenstein, wo Brunhild herrscht.

Siegfried spricht:

Ich will iu helden râten-ir habet einen muot,
ir jehet al gelîche-jâ dunket ez mich guot.
swenne wir noch hiute-vür Prünhilde gân,
sô müezen wir mit sorgen-vor der küneginne stân.

Sô wir die minneclîchen-bî ir gesinde sehen,
sô sult ir helde mære-wan einer rede jehen:
Gunther sî mîn hêrre-unde ich sîn man;
Des er hât gedingen-daz wirt allez getân.

[…]

Jâne lobe ichz nicht sô verre-durch die liebe dîn,
sô durch dîne swester-daz schœne magedîn.
diu ist mir sam mîn sêle-und sô mîn selbes lîp;
ich wil daz gerne dienen-daz si werde mîn wîp.

Und wieder die Übersetzung:

Ich will euch Helden raten, seid all von einem Mut
Und sprecht in gleichem Sinne, so dünkt es mich gut.
Denn wenn wir heute, vor Brunhilden gehen,
So müssen wir in Sorgen, vor der Königstochter stehn.

Wenn wir die Minnigliche, bei ihren Leuten sehn,
Sollt ihr erlauchte Herren, nur einer Rede stehn:
Gunther sei mein Lehnsherr, und ich ihm untertan;
So wird ihm sein Verlangen, nach seinem Wunsche getan.

[…]

Wohl tu ich’s nicht so gerne, dir zu lieb allein,
Als um deine Schwester, das schöne Mägdelein.
Die ist mir wie die Seele, und wie mein eigner Leib;
Ich will es gern verdienen, dass sie werde mein Weib.

Brunhild begrüßt nun Siegfried freundlich, doch der macht sie darauf aufmerksam, dass er nur als Lehnsmann König Gunthers zugegen sei, der gekommen sei, um sie zu freien.
Um Brunhild heiraten zu dürfen, müssen drei Prüfungen bestanden werden: in Steinwerfen, Weitsprung und Speerwurf muss man die Königin besiegen, sonst ist das Leben verwirkt.

Die Königin besitzt übermenschliche Kräfte und auch Gunther könnte ihr nicht standhalten, doch Siegfried besitzt ja noch seine Tarnkappe … Mit ihrer Hilfe steht er unsichtbar Gunther zur Seite und Brunhild wird besiegt. Diese schäumt vor Wut, auch ahnt sie, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, doch hat sie keine Beweise und muss ihren Schwur erfüllen und Gunther als seine Braut nach Worms folgen. Noch viel Unheil wird aus dieser List entstehen…

Die Rückkehr nach Worms


Kriemhild begrüßt Brunhild und Gunther in Worms
(aus der Hundeshagen-Handschrift, 15. Jhdt.)

Als Brunhild dann die Verhältnisse im Land für ihre Abwesenheit geklärt hat, schiffen sich alle ein nach Worms. Siegfried, der die Landung kaum erwarten kann, bringt sofort als Königsbote Kunde von der erfolgreichen Fahrt an den Hof, heißt das doch auch, dass er um Kriemhild freien darf!

Eilig wird die Königliche Doppelhochzeit gerichtet; doch wer nicht froh ist, sind Brunhild und Gunther. Als nämlich Brunhilden fragte, wie Gunther seine Schwester einem bloßen Lehnsmanne anvertrauen könne, musste dieser widerwillig die Lüge beichten, ist Siegfried doch König wie er selbst. Brunhild, darüber sehr verstimmt, schießt sich bis zur Hochzeit in ihrem Gemach ein, bedient nur von ihren eigenen Zofen und bewacht von ihren eigenen Mannen.

Die Hochzeit wird mit aller Pracht gefeiert, doch als die Feiern zum Ende gekommen, verschließt Brunhild vor Gunther ihre Tür. Mit dem Hinweis, dass sie ihre übermenschliche Stärke verlassen werde, sobald sie einen Mann genommen, dieses aber durchaus nicht in ihrer Absicht liege, verweist sie ihn ihrer Kammer. Als der König sich nun gewaltsam Zutritt verschaffen will, endet es übel für ihn, denn Brunhild hängt ihn kurzerhand an einen starken Nagel an der Wand, wo er nun an Händen und Füßen gefesselt die Nacht verbringen muss und geht selbst schlafen. Erst im Morgengrauen befreit sie ihn aus seiner misslichen Lage.

Gunthers üble Laune bleibt auch Siegfried nicht verborgen; als er die Ursache erfährt, verspricht er Abhilfe. Die Tarnkappe soll auch diesmal helfen. Und richtig, als die Königin sich an diesem Abend in ihre Kemenate begibt und das gleiche Spiel wie am Vorabend mit Gunther treiben will, wird sie von einer stärkeren Kraft als der ihren bezwungen und festgehalten, so dass Gunther endlich seine ehelichen Rechte einfordern kann, womit sie ihrer übermächtigen Kräfte ein für alle Mal beraubt ist. Siegfried aber nimmt als Trophäe aus diesem Kampf ihren Gürtel und ihren Ring mit sich. Kriemhild, der er auf ihr banges Fragen endlich alles beichtet, verwahrt beides in den Tiefen ihrer Truhe. Beide legen diese Episode jetzt in ihren Gedanken erst einmal beiseite und machen sich auf nach Xanten, wo Siegfried seinen Eltern seine Braut zuführt und alsbald zum König gekrönt wird. Bald krönt auch ein Sohn das junge Eheglück, der zu Ehren seines Oheims Gunther getauft wird, und aus Worms kommt Kunde, dass auch Brunhild einem Sohn das Leben geschenkt hat. So scheint das Familienglück perfekt, wenn auch Kriemhild oft leises Heimweh beschleicht…

Quelle: http://www.mythentor.de/nordisch/nibelungen1.htm

Gruß an die deutsche Geschichte

TA KI

Seidhr in den altnordischen Quellen


Godafoss

Eiríks saga rauða 4 

„Zu dieser Zeit herrschte eine große Hungersnot auf Grönland; die Männer, die zur Jagd und auf Fischfang gegangen waren, hatten wenig Beute gemacht, einige kamen sogar gar nicht zurück. Die Frau war dort in der Gegend, die Þorbjörg hieß; sie war eine Seherin [spákona] und wurde kleine Seherin [lítil-völva] genannt. Sie hatte neun Schwestern gehabt, die allesamt auch Seherinnen [spákonur] waren, aber nur sie allein lebte noch. Im Winter war es Þorbjörgs Gewohnheit, sich zu Festgelagen zu begeben, zu denen sie von den Menschen eingeladen wurde, die neugierig darauf waren, wie ihre Versorgung oder die Ernte sein würden. Und weil Þorkell der größte Bauer war, dachte man, man könne an ihm erkennen, wann diese Missernte, die andauerte, aufhören würde. Þorkell lud die Zauberin zu sich ein. Sie wird dort gut empfangen, wie es Gewohnheit war, wie eine Frau empfangen werden sollte. Für sie war ein Hochsitz errichtet worden, auf dem sich ein Kissen befand, das mit Hühnerdaunen gefüttert werden sollte. Und als sie und der Mann, der ihr entgegen geschickt worden war, am Abend eintrafen, war sie dergestalt gekleidet, dass sie einen blauen Mantel trug, der bis zum Rockschoß zur Gänze mit Steinen gesäumt war; sie trug Glasperlen am Hals und auf dem Kopf eine schwarze Lammfellhaube, die innen mit weißem Katzenfell gefüttert war; auch hatte sie einen Stab, auf dem sich ein Knauf befand. Er war aus Messing gemacht und auf dem Knauf befand sich ein Stein. Sie trug einen Zundergürtel, an dem eine große Ledertasche befestigt war, in der sie ihre Zaubergegenstände [töfr] aufbewahrte, die sie zur Zauberei [fróðleiks] benötigte. Sie trug zottelige Kalbfellschuhe mit langen Schnürriemen, an deren Enden sich große Zinnknöpfe befanden. An den Händen trug sie Handschuhe aus Katzenfell, die innen weiß waren. Und als sie eintrat, dachten alle Menschen, sie sollten ihr angemessene Begrüßungen gewähren. Sie nahm diese entgegen, je nachdem wie die Männer ihr nach dem Sinn waren. Der Bauer Þorkell nahm sie bei der Hand und führte sie zu dem Sitz, der ihretwegen errichtet worden war. Þorkell bat sie, einen Blick auf Leute und Vieh zu werfen und ebenso auf die Wohnstätte. Sie sagte wenig über alles. Am Abend wurde Tische aufgestellt, und es ist davon zu berichten, was für die Seherin zubereitet wurde: ihr wurden Ziegenmilchgrütze und Herzen von allen Tiere kredenzt, die dort vorhanden waren. Sie hatte einen Messinglöffel und ein Messer mit einem Griff aus Walrosszahn, eingefasst mit zwei Kupferringen und an der Spitze abgebrochen. Und als die Tische abgeräumt worden waren, trat der Bauer Þorkell vor Þorbjörg und fragt, wie angenehm ihr die Wohnstätten oder die Art und Weise der Männer erschienen, und wie schnell er Gewissheit darüber bekommen würde, wonach er sie gefragt hat und wonach es den Männern am meisten zu wissen verlangt. Sie sagte, sie werde es nicht vor dem Morgen kundtun, nachdem sie zuerst eine Nacht geschlafen hat. Und Tags darauf, am Ende des Tages, wurde ihr diese Vorbereitung erwiesen, derer sie bedurfte, um ihre Zauberei auszuüben [fremja seiðr]. Sie bat auch darum, solche Frauen herbeizuholen, die das Gedicht beherrschen, das Varðlokur heißt, und das für den Zauber [seiðsins] nötig war. Aber es fand sich keine einzige Frau. Dann wurde die Suche auf das ganze Gehöft ausgedehnt. Da sagt Guðríðr: ‚Ich bin weder zauberkundig [fjölkunnig] noch eine Seherin [vísindakona], aber doch lehrte mich Halldís, meine Ziehmutter, auf Island das Gedicht, das sie Varðlokur nannte. Þorkell sagt: “Dann besitzt du hilfreiches Wissen.‘ Sie sagt: ‚Es verhält sich aber so, dass ich nicht vorhabe, Beistand zu gewähren, da ich eine Christin bin.‘ Þorbjörg sagt: ‚Es ist doch möglich, dass du den Menschen hier helfen könntest und dadurch keine schlechtere Frau als zuvor würdest; und Þorkell gegenüber werde ich abwägen, die Unterstützung zu erhalten, die ich brauche.‘ Þorkell bedrängt nun Guðríðr solange, bis sie sich dazu bereiterklärt, das zu tun, was er wollte. Dann zogen Frauen einen Kreis um den Hochsitz, auf dem Þorbjörg saß. Guðríðr sagte dann das Gedicht so schön und gut auf, dass alle dachten, das Gedicht noch nie mit schönerer Stimme gehört zu haben, als jener hier. Die Spá-Frau dankte ihr für das Gedicht und sagte, viele Geister, ‚die uns vorher meiden und keine Untertänigkeit erweisen wollten‘, haben sie nun aufgesucht und ihnen schien es schön zu hören, dass das Gedicht so ausgezeichnet vorgetragen worden war.‘ Aber nun sind mir viele Angelegenheiten offensichtlich, die mir und manchen anderen zuvor verborgen waren. Und ich kann dir, Þorkell, sagen, dass diese Missernte nicht länger als den Winter über dauern und sich der Ertrag im Frühjahr verbessern wird.'“

(Diese Übersetzung von Thomas Grothe wurde von Kurt Oertel noch einmal genau mit dem Originaltext verglichen und die entscheidenden Begriffe in Klammern im Original aufgeführt)

 

Aus der Völuspa 25-26

25 Da wurde Völkermord in der Welt zuerst,

Da sie mit Geren Gulweig (die Goldkraft) stießen,

In des Hohen Halle die helle brannten.

Dreimal verbrannt ist sie dreimal geboren,

Oft, unselten, doch ist sie am Leben.

 

26 Heid hieß man sie wohin sie kam,

Die Zukunft wissende; Zauber trieb sie.

Seidhkunst konnte sie, Seelenheil raubte sie,

Übler Leute Liebling allezeit.

( Übers. Simrock, wegen neuerer Erkenntnisse der etymologischen Herkunft des Wortes Seidhr wird hier Seidhkünstler statt Sudkünstler benutzt)

 

 

Aus der Lokasenna 22-24

Loki:

Schweig nur, Odin, ungerecht zwischen

Den Sterblichen teilst du den Streit:

Oftmals gabst du, dem du nicht geben solltest,

Dem schlechtem Manne den Sieg.

 

Odin:

Weißt du, daß ich gab, dem ich nicht geben sollte,

Dem schlechtem Manne den Sieg,

Unter der Erde acht Winter warst du

Milchende Kuh und Mutter

[Denn du gebarest da:

Das dünkt mich eines Argen Art].

 

Loki:

Du schlichest, sagt man, in Samsö umher

Von Haus zu Haus als Wala.

Vermummter Zauberer trogst du das Menschenvolk:

Das dünkt mich eines Argen Art.

( Übers. Simrock)

 

 

Aus dem Hyndluliod 32

Von Widolf kommen die Walen alle,

Alle Zaubrer sind Wilmeidis Erzeugte.

Die Seidhkünstler stammen von Swarthöfdi,

Aber von Ymir alle die Riesen.

( Übers. Simrock, wegen neuerer Erkenntnisse der etymologischen Herkunft des Wortes Seidhr wird hier Seidhkünstler statt Sudkünstler benutzt)

 

 

Aus der Gisla Saga Surssonar

11

Da war ein Mann namens Thorgrim, der Nef genannt wurde. Er lebte in Nefsstadir auf der Ostseite des Hauksadalsa Flusses und war kundig in aller Art Zauber und Magie – die schlimmste Art Seidhskratta die man sich vorstellen kann.

18

Sie tranken bei Thorgrims Totenwache, und Bork verteilte gute Geschenke der Freundschaft an viele Leute. Als nächstes bezahlte Bauk den Thorgrim Nef dafür, Seidhr zu wirken, damit keine Hilfe zu jenem Mann kommen würde, der Thorgrim erschlagen hatte, egal wie sehr man ihm auch helfen wollte. Ein neun Jahre alter Ochse wurde ihm für den Seidhr-Ritus gegeben, welchen er dann vollzog. Er bereitete alles vor, was er dafür brauchte und baute eine Gerüst auf, auf welchem er seine Zauberkunde mit aller Argheit und Teufelei vollzog.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm und Regal)

 

 

Aus der Laxdaela Saga

35

Da war ein Mann namens Kotkell, der nur wenig früher nach Island gekommen war. Seine Frau wurde Grima genannt. Hallbjörn, Sliisteinsauga und Stigand waren seine Söhne. Sie kamen von den Hebriden. Sie alle waren zauberkundig und mächtige Seidhleute. Hallstein Godhi nahm sie auf und siedelte sie bei Urthum in Skalmarfjord an.

[…]

Thord kam mit neun Männern zu Kotkells Wohnstätte. Kotkells Söhne waren nicht anwesend. Er (Thord) klagte daraufhin Kotkell, Grima und ihre Söhne des Diebstahls und der Zauberei an, Verbrechen die durch volle Ächtung geahndet werden sollten. Sie würden sich für ihre Verbrechen beim Althing verantworten müssen.

Als Thord gerade aufgebrochen war und sich nur ein kurzes Stück von der Küste entfernt hatte, kehrten Hallbjörn und Stigandi zurück. Kotkell berichtete seinen Söhnen, was er getan hatte. Die Brüder wurden deshalb wütend und befanden, dass es keiner ihrer Feinde jemals gewagt hatte sie so zu behandeln. Kotkell bereitete dann eine große Seidhr-Plattform vor und sie alle kletterten darauf. Dann sangen sie mächtige Anrufungen, die Galdra waren. Ein großer Sturm erhob sich. Thord Ingunnarsson und seine Männer  fühlten, wie die Stärke des Wetters gegen sie gerichtet war und sie westwärts trieb […] Thord und alle seine Gefährten ertranken dort.

[…]

Thorleik fand dann seine Bewohner Thorkel und Grima und bat sie darum einen Zauber zu tun um Hrut in Ungnade fallen zu lassen. Dies unternahmen sie nur zu gern und sagten, sie seien dafür bereit. Thorleik  kehrte nach Hause zurück. Ein wenig später machten sich Kotkell, Grima und ihre Söhne des Nachts auf und zogen zu Hruts Wohnstätte und vollzogen mächtiges Seidhr. Als der Klang der Seidhlieder erschallte, wussten sie ( Hruts Leute) nicht zu sagen, worum es sich dabei handelte: aber die Zauber waren schön anzuhören. Hrut allein kannte diesen Klang und sagte seinen Leute, dass keiner in dieser Nacht nach draußen schauen möge. „Jeder soll wach bleiben, wenn er nur irgendwie kann. Wenn wir das schaffen, soll uns kein Übel drohen.“ Dennoch legten sie sich alle schlafen. Hrut blieb am längsten wach, aber auch er schlief ein. Hruts Sohn wurde Kari genannt und er war zwölf Winter alt, der vielversprechendste von Hruts Söhnen. Kari schlief fast gar nicht, denn er war es, gegen den diese Anrufungen gerichtet waren. Letztlich sprang er auf und schaute nach draußen. Er ging nach draußen in das Seidhr hinein und viel sofort tot um. Hrut erwachte am Morgen mit dem Rest seines Haushalts und konnte seinen Sohn nicht finden. Sie fanden ihn nicht weit vor der Tür. Hrut wurde dadurch mächtig getroffen und ließ einen Hügel über Kari errichten.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm und Kunz)

 

 

Aus der Vatnsdaela Saga

9

Ingjald und seine Männer bereiteten einen Seidhr Ritus nach altem Brauch vor, so dass Männer erfahren mochten, was das Schicksal für sie bereit hält. Eine lappische, zauberkundige Frau war unter den Anwesenden. Ingimund und Grim kamen mit einer großen Gefolgschaft zum Fest. Die lappische Frau, äußerst schön bekleidet, saß auf einem Hochsitz. Männer verließen ihre Bänke und fragten nach ihren Schicksalen. Für jeden von ihnen erspähte sie das, was letztlich auch geschehen würde, doch jeder von ihnen nahm die Neuigkeit anders auf. Die verschworenen Brüder saßen auf ihren Plätzen und gingen nicht hin, sie hatten kein Vertrauen zu ihrem Erspähten. Die Seherin sagte: „Warum fragen diese Männer nicht nach ihrer Zukunft, da es mir scheint als seien sie die bemerkenswertesten unter den Versammelten hier?“ Ingimund antwortete: „Es ist nicht wichtig für mich mein Schicksal zu kennen, ehe es sich entfaltet, und ich glaube nicht, dass es den Wurzeln deiner Zunge unterliegt.“ Sie antwortete: „ Ich will es euch dennoch sagen, ungefragt. Du wirst in einem Land siedeln, welches Island genannt wird; es ist bisher noch nicht weithin besiedelt. Dort wirst du ein Mann der Ehre werden und ein hohes Alter erreichen. Viele deiner Sippe werden bedeutsame Menschen sein.“

Ingimund antwortete: „Das mag sein wie es will, da ich mir vorgenommen habe, niemals diesen Ort aufzusuchen, und ich werde kein erfolgreicher Händler sein, wenn ich mein angestammtes Land verkaufe und in diese Wildnis ziehe“. Die Lappin antwortete: „Was ich sage wird geschehen, und als ein Zeichen dessen fehlt ein Amulett aus deinem Beutel – das Geschenk welches dir König Harald in Havsfjord gab – es liegt nun in dem Wald wo du einst siedeln wirst, auf diesem Silberamulett ist die Gestalt des Freyr eingeritzt und wenn du deine Wohnstätte dort bereitest wird die Wahrheit meiner Worte bewiesen sein.“

Anmerkung: Im weiteren Verlauf der Saga beauftragt Ingimund drei Lappen, welche nun wieder anscheinend auf eine Art Spa-Reise gehen. Sie können zwar das Amulett lokalisieren, aber es nicht entwenden. Letztendlich führt Ingimunds Schicksal ihn nach Island.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm und Wawn)

 

 

Aus der Laxdaela Saga

Es wird berichtet, dass das Mädchen Herdis eines Nachts träumte, dass eine Frau zu ihr kam. Sie war in einen gewobenen Mantel gehüllt und hatte eine Kapuze auf ihrem Kopf. Herdis fand nicht, dass sie sehr schön aussah. Die Frau sagte ihr: „Sag deiner Großmutter, dass ich ziemlich wütend auf sie bin, da sie die ganze Nacht über mir herumtaumelt und brennende Tropfen auf mich fallen lässt, so dass ich überall brenne.

[…]

Darunter fanden sie einige Knochen die blau und ungesund aussahen. Dort fanden sie auch eine Brosche und einen großen Seidhr-Stab. Danach wussten die Leute, dass dies das Grab einer Völva war. Die Knochen wurden weit fort getragen, dorthin wo sie entfernt von den Pfaden der Menschen ruhen würden.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm)

 

 

Aus der Njalls Saga 6+30

Sie umarmte ihn, küsste ihn und sprach: Wenn ich so viel Macht über dich habe, wie ich denke, dann wirke ich diesen Zauber: Du wirst keine sexuelle Freude mit der Frau haben, die du in Island zu heiraten gedenkst, obwohl andere Frauen dir zu Willen sein werden. Keiner von uns beiden kommt aus dieser Sache gut heraus, da du mir nicht die Wahrheit sagtest.

[…]

Hallgrim hatte eine Lanze, auf die er Seidhr gelegt hatte, so dass keine Waffe ihn würde töten können. Deren magische Kraft ist derart, dass man durch das laut klingende Geräusch, welches sie macht, wissen kann, wann ein Mann getötet werden wird.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm und Cook)

 

 

Kormaks Saga 5+6

Thorveig sagte Kormak „Ich werde es dir so vergelten, dass du dich nicht an Steingerd wirst erfreuen können.“

[…]

Das war, weil Thorveig Seidhr gemacht hatte, so dass sie sich nicht aneinander würden erfreuen können.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm)

 

 

Landnamabok ?+194

Die Völva Heid spähte für sie alle, dass sie das unerforschte Land im Westen im Meer besiedeln sollten, aber Ingimund sagte, er würde dies nicht tun, aber die Völva sagte, er würde sich dem nicht entziehen können und das er die Dinge, welche aus seinem Beutel verschwunden seien, vergraben zu Füßen seiner Hochsitzsäulen finden würde.

[…]

Thuridh Sundfüller und ihr Sohn Volusteinn fuhren von Helgoland nach Island […]

Sie wurde Sundfüller genannt, da sie Seidhr wirkte, so dass während der Hungersnot in Halogaland der Sund (Meerenge) voll mit Fischen war.

(Übersetzung aus dem Englischen, basierend auf Chisholm)

 

 

Hrolf’s Saga Kraka

Dann kam eine Völva namens Heid. König Frodhi bat sie darum, ihr Können einzusetzen, um über die Jungen herauszufinden, was sie nur konnte. Er gab ein großes Fest für ihre Ankunft und bereitete eine große Seidhr-Plattform für sie. Der König fragte, was sie berichtenswertes sah. „Weil ich weiß,“ sagte er, „dass nun viele Dinge an dich herangetragen werden und ich glückhafte Vorzeichen in dir sehe, daher antworte mir sobald du kannst.“ Die Seidhrfrau öffnete ihren Mund weit und gähnte viel, und dieses Gedicht kam von ihren Lippen:

Drinnen sind zwei,

keinem traue ich,

die beim Feuer

ruhmvoll sitzen.

Der König sagte: „Wer? Die Jungen, oder jene welche ihnen halfen?“ Sie antwortete:

Sie waren lang,

auf Vifil’s Insel

und wurden dort

bei Hundenamen gerufen.

Signy warf ihr einen Goldring hin. Sie war froh über das Geschenk und wollte nun aufbrechen. „Wie ist das geschehen?“ Sie sagte, „und dies war eine Lüge, die ich sprach, und all meine Späherei war sehr fehlerhaft. Der König sagte: „Ich werde werde dich foltern, um dich zum reden zu bringen, wenn du es dir nicht überlegst, da ich nicht mehr als zuvor weiß in solch einer Runde. Was sagst du? Und warum ist Signy nicht auf seinem Platz? Kann es sein, das Warg mit Wolf rennt?“ Dem König wurde gesagt, dass Signy krank vom Rauch war, der aus dem Ofen kam. […] König Frodhi bedrängte die Seidhfrau stark und wies sie an, ihm die Wahrheit zu sagen, wenn sie nicht gefoltert werden wollte. Sie gähnte gewaltig und wirkte Seidhr und rezitierte diese Zeilen:

I seh’ sie sitzend,

die Söhne Halfdans,

Hroar und Helgi,

beide heil,

sie werden Frodhi

des Lebens berauben.

„Sollten sie nicht bald aufgehalten werden, aber das kann nicht sein., sagte sie. Danach trat sie vom Seidhr-Gerüst herunter und sang:

Die Augen sind durchdringend

von Ham und Hrani

sie sind Edle

wunderbar mutig.

Dann sprangen die Jungen hinaus zu den Wäldern, in großer Furcht. […] Aber den guten Rat gab die Völva ihnen, sich selbst zu retten, als sie entlang der Halle nach draußen rannte.

 

Quelle: http://www.seidhr.de/index.php?option=com_content&view=article&id=61&Itemid=78

Gruß an das Sagen-hafte

TA KI