Werner von der Mühle – Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht!


30.11.2018

Mich zieht es in den Wald. Ich kann es nicht erklären, aber immer wieder setze ich mich ins Auto, fahre ein Ziel in meiner Gegend an und laufe los, mal auf Wegen, mal querfeldein über Stock und Stein. Oft suche ich alte Wallanlagen, Hügelgräber oder Aussichtspunkte auf. Meistens finde ich keine Ruhe und nach einem kurzen Innehalten gehe ich weiter. Wahrscheinlich resultiert aus dieser Unruhe mein Unvermögen, etwas im Wald zu erfahren. Ich hoffe immer auf irgendwas zu stoßen, aber auf was, weiß ich auch nicht. Es ist nicht greifbar. Ich habe das Gefühl, dass sich im Wald und in den Bäumen allerlei Geheimnisse befinden, ich sie aber nicht sehen kann. Vielleicht mag er es ruhiger und ich sollte es mal mit dem Spruch „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus“ ausprobieren. Vielleicht flüstert er mir dann etwas zu.

Es scheint, dass ich nicht der Einzige bin, auf den der Wald eine große Anziehungskraft ausübt. Große Teile der Natur- und Umweltschutzbewegungen nahmen in Deutschland ihren Anfang. Über die Jahrhunderte wurde immer wieder von verschiedenen gesellschaftlichen Richtungen versucht, den Wald für sich zu vereinnahmen. Er spielt/spielte eine zentrale Rolle:

-Anfang des 19. Jahrhunderts in der Romantik. Hier lag der Schwerpunkt auf der Hinwendung zur eigenen Kultur.
-in der aus dem Wandervogel hervorgegangenen Jugendbewegung. Sie legte Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Schwerpunkt auf Natur, Geselligkeit und Volkslieder. Diese Bewegung hatte zum Beispiel großen Einfluss auf die Freikörperkultur und die Reformpädagogik.
-seit über 100 Jahren bei den sozialdemokratischen Naturfreunden. Sie setzen sich für gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen ein und wollen auf die Ausbeutung von Mensch und Natur aufmerksam machen.
-im Nationalsozialismus bei der Verbindung zwischen Volk und Boden.
-in den beiden großen deutschen Umweltschutzbewegungen Ende des 19. Jahrhunderts und in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Man denke nur an die Waldsterben Hysterie um 1980. Die Umweltorganisation Robin Wood – Rächer der Entlaubten hat hier ihren Ursprung.

Woher rührt diese immer wiederkehrende Waldverbundenheit? Warum wühlt es uns so auf, wenn alte Bäume gefällt werden? Warum kämpfen Menschen für die Erhaltung von Wäldern? Immer wieder kommt es zu Wald- und Baumbesetzungen (Hambacher Forst, Frankfurter Flughafen Startbahn West). Jeder Verwaltungsmitarbeiter kann ein Lied von den Protesten und Widerständen singen, wenn in seinem Zuständigkeitsbereich einige Bäume gefällt werden sollen. Woher kommt dieser Hang zur Waldliebe, die aktuell in Form von Waldfriedhöfen, Waldkindergärten, Waldlehrpfaden, Baumumarmungen, Sprechen mit Bäumen, etc. sichtbar wird?

Der Wald war von jeher ein heiliger Ort mit großem Einfluss auf das Leben der Germanen. Schon vor 2000 Jahren berichtet Tacitus in seiner „Germania“ davon. Im 11. Jahrhundert, 300 Jahre nach der gewalttätigen Christianisierung der Sachsen, ist die Waldvergötterung immer noch vorhanden. Erzbischof Unwan von Bremen ließ die Wälder der Sachsen und Friesen zerstören, um dieser heidnischen Verehrung Herr zu werden. In Gedichten des Mittelalters trifft man immer wieder auf die Heiligkeit des Waldes.

Laut Jakob Grimm waren Alah, Haruc und Wih/Wihu germanische Begriffe für ein Heiligtum/Tempel. Alahstide war zum Beispiel eine Königspfalz in Thüringen. Haruc und Wih bedeuteten aber auch Wald. Das Gotteshaus der Germanen war somit nicht ein geschlossenes Gebäude, sondern der Wald. Grimm kommt in seinem Buch „Deutsche Mythologie“ zu dem Ergebnis: „In Hainen bald der Berge bald anmutiger Auen war des ältesten Gottesdienstes Sitz, da werden nachher die ersten Tempel gebaut worden sein, da lagen auch die Mahlstätten des Volkes.“ Aus diesen natürlichen Gotteshäusern haben sich unsere gotischen Kathedralen entwickelt.
https://www.gesetze-der-freiheit.de/dies-und-das/germanische-baustile/

Der Wald als Heiligtum in Stein verewigt.

Doch nicht nur der Wald war unseren Vorfahren heilig, sondern auch der Baum an sich. Das lässt sich über die Jahrhunderte bis in die Neuzeit belegen.

In der germanischen Liedersammlung Edda wird die gesamte Ordnung der Welt durch eine Esche, dem Weltenbaum Yggdrasil, symbolisiert. Bäume waren der Sitz von Elben, Zwergen und Waldgeistern. Unter ihnen wurden Lichter angezündet, getanzt und gelacht. Von den Burgunden wird berichtet, dass sie in Auxerre einen Birnbaum verehrten. Den Langobarden war ein Blutbaum heilig. Unter Gerichtsbäumen wurde vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein Recht gesprochen. In der Regel unter einer Linde, in Süddeutschland konnte es aber auch der Birnbaum oder in der Steiermark die Weißtanne sein. Am bekanntesten ist wohl die Geschichte von Bonifatius, der bei Geismar die dem Donar geweihte Eiche umgehauen haben soll. Die Chatten sollen wortlos dabei gestanden und auf eine Reaktion ihres Gottes gewartet haben (siehe „Der Germanische Geist“). Die blieb aus. Daraufhin waren sie vom stärkeren Christengott überzeugt und ließen sich missionieren. Der heutige Menschenschlag ist der gleiche wie vor 2000 oder vor 1000 Jahren. Und genau wie heute so eine Aktion Widerstand hervorrufen würde, wird es das damals im Krieg gegen die Christianisierung erst recht gewesen sein. Die Bonifatius Begebenheit ist offensichtlich verfälscht worden.

Diese innige Verbindung unserer Vorfahren zu den Bäumen hat sich bis heute in unseren Festen erhalten können. Wenn der Dachstuhl eines Gebäudes gerichtet ist, wird ein Richtbaum aufgestellt und der Zimmermann hält eine kurze Ansprache, woraufhin dann das Richtfest, das Weihefest des Hauses, gefeiert wird. Der Mittelpunkt eines Kirchweihfestes, auch Kirmes genannt, ist der Kirchweihbaum. Am ersten Mai stellen wir den Maibaum auf. Vorher tanzen wir in der Wallburg(is)nacht in den Mai. Die mittelalterliche Kirche verhunzte die Tradition der Wallburgnacht zur teuflischen Walpurgisnacht (auch Hexenbrennen genannt), in der die bösen Hexen und Zauberer ihr Unwesen trieben und unschuldige Menschen verführten. In Skandinavien wird am Mittsommerabend (21.06.) der Mittsommerbaum, auch Maistange genannt, aufgebaut und anschließend im Kreis um ihn herumgetanzt. Zu dem höchsten Fest des Jahres holen wir uns einen Baum direkt ins Haus. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht der weihnachtlichen Stimmung eines liebevoll mit Kerzen, Glaskugeln und Basteleien geschmückten Tannenbaumes entziehen kann. Diesen alten germanischen Weihnachtsbrauch treffen wir mittlerweile weltweit an. Nicht fehlen dürfen in dieser Aufzählung natürlich die wunderschönen Tanzlinden.

Eine Tanzlinde.

Achten sie einmal darauf, wie oft Ihnen in Dörfern Straßennamen mit „Linde“ über den Weg laufen. Fast genauso oft findet man Straßen mit der Bezeichnung „Winkel“. Laut Rainer Schulz leiten sich diese „Winkel“- Namen von den oben genannten althochdeutschen Wih ab. Das würde passen, denn die Dorfmitte war genau wie heute Versammlungs- und Feierstätte. Und haben unsere Fachwerkbauten ebenso wie die Runen nicht viel Ähnlichkeit mit den Verästelungen eines Baumes?
Ich denke die Ausführungen reichen, um zu verdeutlichen, woher meiner Meinung nach die Liebe zum Wald, zur Natur und zum Umweltschutz (nicht zu verwechseln mit Klimaschutz) herkommt und woraus sich die dörflichen Gebräuche entwickelt haben.

Der Wald birgt eine Menge natürlicher Geheimnisse, die vermutlich unseren Vorfahren noch bekannt waren. Genau deshalb werden die weisen Waldfrauen und Kräuterhexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein. Vielleicht ist eines dieser Geheimnisse die Pflanze Waldmeister, die u.a. Walpurgiskraut und Waldmutterkraut genannt wird. Ich bin darüber beim Erstellen dieses Artikels gestolpert. Dieser Waldbewohner ist recht auffällig. Ich kenne keine andere Pflanze, die mit der hohen Auszeichnung Meister tituliert wird. Im französischen heißt sie sogar Waldkönigin. Ihr wurden im Mittelalter hexenabwehrende Kräfte nachgesagt. Ich habe mir vorgenommen, mich im Frühjahr mal mit ihr zu beschäftigen. Vielleicht hilft sie mir, wenn ich auf dem Holzweg bin oder wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe.

Abschließend noch etwas Weises, was ich im Internet gefunden habe.

Bäume haben etwas Wesentliches gelernt:

nur wer einen festen Stand hat
und trotzdem beweglich ist,
überlebt die starken Stürme.

(Anke Maggauer-Kirsche)

Werner von der Mühle

https://www.gesetze-der-freiheit.de/

Danke an Elisabeth

Gruß an die Wälder

TA KI

Odins Runen – unsere Schrift


Geschrieben von: Dr. Wielant Hopfner

Bei der Beschäftigung mit der Literatur zum Thema „Runen“ fällt auf, daß die Verfasser so gut wie niemals über den Gebrauchswert der Runen in der heutigen Zeit sprechen. Durchweg ist man der Ansicht, die Runen „hatten ihre Zeit“, man kann sie heute gelegentlich schon mal anwenden, vielleicht eine Urkunde damit verzieren und das eine oder andere Symbol zur Bezeichnung eines Dienstrangs bei Bundeswehr oder U.S. Army verwenden.

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Bei der Beschäftigung mit der Literatur zum Thema „Runen“ fällt auf, daß die Verfasser so gut wie niemals über den Gebrauchswert der Runen in der heutigen Zeit sprechen. Durchweg ist man der Ansicht, die Runen „hatten ihre Zeit“, man kann sie heute gelegentlich schon mal anwenden, vielleicht eine Urkunde damit verzieren und das eine oder andere Symbol zur Bezeichnung eines Dienstrangs bei Bundeswehr oder U.S. Army verwenden. Nur Thorolf Wardle spricht in seinem Büchlein „Neue Runenlehre“ davon, daß man sehr wohl die heutigen germanischen Sprachen in Runenschrift schreiben könne. Rudolf John Gorsleben – ein nicht unumstrittener Autor – glaubte, daß eine neue deutsche Schrift, die auf der Runenschrift gründet, „wie von selbst hervorgehen“ wird. Welch ein Wunschdenken!

Die bei den anderen Autoren erkennbare negative Beurteilung des Gebrauchswerts der Runen mag vielleicht daher rühren, daß man z.B. ein Schriftstück, einen Brief oder eine Zeitung von Hand, Zeichen für Zeichen, in die Runenschrift umsetzen müßte, was wegen des Zeitaufwands heute nahezu unmöglich ist. Schreibmaschinen herkömmlicher Bauart sind mit Runenschriftzeichen nicht zu bekommen, Einzelanfertigungen kaum bezahlbar. Und wer soll eigentlich ein in Runenschrift abgefasstes Schriftstück lesen, gibt es doch nur ganz wenige Menschen, die die Runenschrift fließend lesen können. Und vielleicht gehören gerade diese nicht zu unseren Freunden. Fragen über Fragen.

An dieser Stelle sei daran erinnert, daß seit einigen Jahren das Computerzeitalter angebrochen ist. Computer erobern langsam, aber unaufhaltsam öffentliche und vor allem private Bereiche. Schriftstücke, Briefe oder Zeitungen werden zunehmend häufiger mittels Computer geschrieben und einer solchen Maschine ist es gleichgültig, ob sie kyrillische, griechische, lateinische oder Runenzeichen ausdruckt. Man muß ihr nur einmal den Zeichensatz eingegeben haben.

Daher gilt von nun an die negative Beurteilung des Gebrauchswerts der Runen nicht mehr! Und:

Die Runen sind als Gebrauchs-Schriftzeichen allen anderen Zeichen gegenüber völlig gleichwertig!

Die Frage heißt also nicht, ob man die Runen heutzutage zum Schreiben gebrauchen kann oder nicht, sondern ob wir das wollen!Wie so oft müssen wir uns entscheiden. Jeder einzelne von uns muß sich entscheiden, ob er z.B. die gemeingermanische Runenreihe, den Futhark, erlernen will und ob er die Runenzeichen auch bei passender Gelegenheit zum Schreiben verwenden will, oder ob er weiterhin alles und jedes in lateinischer Schrift schreiben will. Ein kurzer Blick auf die Entwicklung unserer Runenschrift kann bei dieser Entscheidung hilfreich sein:

Mit dem Schwachsinn, wonach die „nordischen Barbaren“ alles Heil und jegliche Kultur von Juden oder Phöniziern, „geschenkt“ bekommen haben sollen, brauchen wir uns nicht aufzuhalten. Das ist linke Tendenzpropaganda, die im Widerspruch zu den Ergebnissen der archäologischen Forschung steht. Die mehr „diplomatisch“ Vorgehenden unter den „Ex oriente Lux-Anpreisern“ versuchen es mit dieser Aussage: „Den Griechen gehört der Ruhm der Vermittlung phönizischer Buchstabenschrift nach Europa. Die Etrusker und Italer lernten von ihnen.“ Man möchte gerne verhehlen, daß der antike Historiker Diodoros in seinem dreißigbändigen Geschichtswerk (III,67 und V,74) in den Kapiteln über die griechische Urgeschichte schreibt, daß der trazische Sänger Lionos und sein Schüler Orpheus „die Schrift aus dem Norden nach Griechenland“ brachten, wo sie der griechischen Sprache angepaßt wurde. Noch etliche andere Zeugnisse gibt es, aus denen eindeutig hervorgeht, daß die Ziegenhirten der Levante ihren Hauch von Kultur den vor langer Zeit eingewanderten Nordleuten abgeschaut haben.

Unsere Runen sind nicht aus griechischen, lateinischen, etruskischen, altalpinen oder sonstigen Schriftzeichen entstanden, sondern all diese Schriften gehen auf eine im Norden gebrauchte Ur-Runenschrift sehr alten Datums zurück. Mit den Eroberungszügen der Indogermanen kam diese in alle Teile der damals bekannten Welt. Hier wurde sie von den einzelnen Völkern, die den Zusammenhang mit der alten Heimat verloren hatten und nun immer mehr einer materiellen, städtischen Lebensweise verfielen, ihres kultischen Sinngehalts entkleidet und zu einer profanen Schrift umgebildet. Jürgen Spanuth hat dies schlüssig in seinen Werken nachgewiesen. Da bei den in Mitteleuropa lebenden Germanen infolge der unterbliebenen Vermischung mit anderen Elementen Rasse und Geisteshaltung ziemlich rein bewahrt wurden, haben sich hier die Runenzeichen in der ältesten Zeichnungsart und am ursprünglichsten erhalten.

Das Wort „Runen“ hängt zusammen mit „Raunen“, Flüstern, heimlichem Reden. Dem Germanen waren die Runen etwas Vertrautes, den Fremden waren sie unverständlich und unheimlich. Schon vor vielen tausend Jahren zeichneten mitteleuropäische Menschen buchstabenähnliche Zeichen auf Rentierschaufeln oder auf Bachkiesel und die Archäologen rechnen diese Urkunden zu den ältesten Kundgebungen menschlichen Geistes auf der Erde. Dreifuß, Hakenkreuz, Drudenfuß, Radkreuz, Rechtkreuz, Sonnenscheibe sind wohl die bekanntesten. Die Ur-Rune, die Wenne-Rune, die Odal-Rune, die Man-Rune, die Jar-Rune, die Kaun-Rune und die Yr-Rune sind bereits seit der Steinzeit belegt.

Erinnern wir uns:

Vor rund 5000 Jahren stießen die an der Nord- und Ostsee ansässigen Großsteingräberleute mit den aus Mitteldeutschland nachdrängenden Schnurkeramikern und Streitaxtleuten zusammen. Diese Zeit des „Asen-Wanenkampfs“ ging einher mit einem gewaltigen geistigen Umbruch. Beide Völker schlossen sich nach Übereinkunft zusammen. Aus dieser Verbindung sind unsere Vorfahren, die Germanen hervorgegangen.

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Ihre Vorstellungen waren diese:

Sie glaubten, den Ursprung des Lebens im Wirken von überirdischen Wesen, ihren Göttern zu begreifen, von denen sie abstammten, denen zu helfen sie berufen waren, und zu denen sie nach dem Tode wieder zurückkehrten. Das Ringen um Weisheit schien unseren Vorfahren das Höchste. Und dieses Verlangen floß auch in ihre Mythologie ein. Allvater Odin-Wotan, der seinen Odem allen Wesen einhauchte, suchte nach dem Glauben unserer Ahnen selbst nach höherem Wissen. Dabei fand er die Runen. Der Gelehrte Dr.Hammerbacher schildert das Runenlied der Edda so:

Einst ritt Odin auf seinem Schimmel Sleipnir zur Weltenesche Yggdrasil. Da sah er drei Frauen am Brunnen sitzen und eifrig Fäden spinnen. Sie woben das Schicksalskleid für Götter und Menschen. Nornen wurden sie genannt, Urd, Werdandi und Skuld. Da enthüllten die drei Frauen dem Gott viele Geheimnisse aus grauer Vorzeit und weissagten ihm die ferne Zukunft.

Aber den Gott drängte es, noch mehr zu erfahren über den Weltengrund. Da verwiesen ihn die Frauen an den Riesen Mimir, der am Weisheitsquell haust, dessen nährende Säfte den Weltenbaum speisen.

Odin ritt zu Mimir. Doch der Riese wollte sein Wissen nicht sogleich preisgeben. Da gab Odin dem Gewaltigen sein linkes Auge zum Pfand. Nun eröffnete Mimir ihm tiefe Geheimnisse über die Welt.

Dennoch war Allvater noch nicht ganz zufriedengestellt bei seiner Suche nach Weisheit. Auf dem Rückweg kam er an einem kahlen Baum in öder Heide vorbei. Es war Nebelmond, kalte Dämmerung herrschte ringsum. Da verfing sich sein Mantel in den Ästen des Baumens. Odin hing zwischen Himmel und Erde. Vergeblich versuchte er sich zu befreien. Heervaters Schimmel „Sleipnir“, auch „Gleithuf“ genannt, umkreiste ihn wiehernd. Seine Raben „Hugin“ und „Munin“ – Kunde und Wissen – umflogen ihn unruhig und trugen ihm die Gedanken der Welt zu.

Odin rang mit sich selbst um höchste Weisheit. Neun Nächte hing er am windkahlen Baum. In ihm wurde es immer klarer und lichter. Jetzt endlich fand er die Zeichen der höchsten Lebenswerte. Er beugte sich tief vom Baum herab. Ächzend vor äußerster Anstrengung hob er die Zeichen auf und ritzte sie mit dem Schwert in den Stamm. Runen nannte er die heiligen Zeichen, denn sie raunen dem Kundigen Wissen zu. Nun wuchs dem Himmelsvater die übermächtige Kraft, sich vom Baume zu befreien. Er stürzte hinab, sprang er wieder auf, rief seinen Schimmel und ritt zurück nach Walhall, seiner Götterburg.

(Welch ein Gegensatz zum Gotte der Hebräer, Jehova! In deren Mythos vertrieb dieser seine Kinder, weil sie so werden wollten wie er, weil sie nach Wissen strebten!)

Odin-Wotan weihte seine göttlichen Gefährten in die Kenntnis der Runen ein. Er schenkte sie auch seinen treuesten Mannen, die nach seinen Gesetzen lebten und mit ihm für die göttliche Ordnung in der Welt und gegen die finsteren Mächte stritten. Ausgewählte Frauen wies der Gott ebenfalls in die Kunst der Runen ein. Die Zeichen wurden nun zur heiligen Schrift der Germanen, wie uns das Runenlied der Edda verkündet.
Soweit der Mythos, versuchen wir eine Deutung. Odin reitet zur Weltenesche. Diese war unseren Ahnen als Welten-Achse bekannt. Wir wissen, daß unsere Ahnen eine hochentwickelte Astronomie betrieben – und dies ohne Fernrohre. Ihre Berechnungen führten sie mit Visierungen, Messungen von Schattenlängen und Vergleichen von Sternenpositionen durch. Die Verbindungslinien und Fixpunkte der Sterne wurden in verkleinertem Maßstab mit Hilfe von Holzstäben auf der Erde ausgelegt.

Solche Stäbe mögen vor Odin gelegen haben, als er über die Gesetze der Welt nachdachte.“In ihm wurde es immer klarer und lichter“. Was war der springende Punkt auf der Suche nach den Gesetzen der Welt? Was war die bahnbrechende Erkenntnis?

– Alles kreist! –

Das war es! Für uns Heutige mag es nur wenig sein, denn wir wachsen im Zeitalter der Weltraumfahrt auf. Aber damals war das eine völlig neue Erkenntnis.

Odin hob die Stäbe, die ihm diese Wissen vermittelt hatten, auf und nannte sie Runen. Noch heute heißt im Englischen das Wort „laufen“ „run“, was auch auf den kreisförmigen Lauf der Sterne hindeutet. Und in der Tat lassen sich alle Runenzeichen aus einem Kreis, seinem Durchmesser, seinem Halbmesser und einer Bogensehne ableiten.

Odin ritzte die Runen in den Stamm der Weltenesche. Im Althochdeutschen gibt es das Wort „writan“, was ritzen heißt. Auf der Runenspange von Freilaubersheim ist noch das alte Wort „reitan“ für Schreiben gebraucht. Im Englischen bezeichnet „write“ das Schreiben. Unser heute benutztes Wort „schreiben“ ist hingegen aus dem Lateinischen entlehnt. Es hat mit den Runen nichts zu tun.

Für viele Jahrhunderte wurden nun die Runen in Form der „Gemeingermanischen Runenreihe“ zum gemeinsamen Gut aller Germanenstämme. Ihre Kenntnis war, der damaligen Zeit entsprechend, nicht bei allem Volk verbreitet, sondern hauptsächlich bei den weisen Frauen und den Gelehrten. Auch Fürsten und Heerführer haben sie gekannt, denn man grub sie gerne in die Schmuckstücke der Frauen und in die Waffen der Männer ein. Der eiserne Helm von Negau/Steiermark aus dem Jahre 6 n.Ztw., ist ein solches Beispiel. Wenn auch hölzerne Runendenkmale aus früher Zeit verständlicherweise nicht erhalten geblieben sind, so kennen wir doch etliche Zeugnisse aus den Zeiten, in denen die Metallbearbeitung (Bronze, Gold, Eisen) in Blüte stand.

Als der Römer Tacitus um etwa 90 n.Ztw. seine „Germania“ schrieb, berichtete er, daß Runen aus den Zweigen fruchttragender Bäume geschnitten und über ein weißes Tuch gestreut wurden. Aus ihrer Lage zueinander versuchte man die Zukunft zu ergründen. Dies wurde insbesondere von weisen Frauen, Seherinnen, geübt. Der römische Feldherr Drusus, der im Jahre 9 vor der Zeitenwende auf seinem Marsch durch Germanien beabsichtigte, den römischen Herrschaftsanspruch auf die an der Elbe ansässigen Germanen zu erweitern, war einer solchen Seherin begegnet. Sie weissagte ihm seinen baldigen Tod, was Drusus lachend als „Geschwätz einer Barbarin“ abtat. Kurz darauf stürzte er vom Pferd und starb.

Vor der Zeitenwende überwog die Anwendung der Runen zu rein kultischen Zwecken. Natürlich war damit auch eine Übermittlung von Gedanken, Tatsachen, Beobachtungen, Nachrichten mystischen oder überragenden Inhalts verbunden. Ab dem 3.Jahrhundert nach der Zeitenwende aber wurden die Runen vermehrt als bloße Schriftzeichen gebraucht.Aus dem 6.Jahrhundert ist uns ein diesbezügliches Zeugnis überliefert:

Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers, ein geborener Norditaliener, der seine Jugend in Ravenna verlebte, schreibt in einem Brief an seinen Jugendfreund Flavus, er möge ihm entweder in lateinischer oder in einer anderen Sprache antworten. Wolle er sich der lateinischen Schrift nicht bedienen, dann könne er auch mit „barbarischen Runen“ auf Holztafeln oder glatten Holzstäben schreiben. Mehrere Jahrhunderte später zeichnete der Mainzer Bischof Hrabanus Maurus ( gestorben 856 ) eine vollständige Runenreihe auf mit der Bemerkung: „Dieses wird von den Markomannen, welche wir Normannen nennen, gebraucht“. Und weiter sagt er: „Mit diesen Buchstaben pflegen diejenigen, welche noch Heiden sind, ihre Lieder, Zaubergesänge und Weissagungen aufzuzeichnen.“

Bis etwa um das 8.Jahrhundert standen in Deutschland die Runen in hohem Ansehen. Dann setzten die christlichen Kannibalen zum Sturm auf das Heidentum an. Die Runen wurden nun als heidnisches Zauberwerk verächtlich gemacht und verboten. Fast alle Runendenkmale wurden in Deutschland vernichtet und mit ihnen die Männer und Frauen, die sich zum Glauben und zur Kultur ihrer Vorfahren bekannten.

Jetzt wurden fremde Lettern eingeführt, die nur die christlichen Unterdrücker kannten. Die lateinische Buchstabenschrift wurde vor allem in den Klöstern, den Zwingburgen der Dunkelmänner, verbreitet und zum Werkzeug einer sich bevorrechtigt haltenden Priesterkaste. Die lateinische Sprache drang auf diesem Wege in Germanien ein. In lateinischer Schrift wurden nur jene Ereignisse festgehalten, die der christlichen Bekehrung und der Verbreitung der jüdisch-christlichen Lehre dienten. In der fremden Schrift wurde der Lüge und Verleumdung über unsere frühe Geschichte und unsere Lebensart Tür und Tor geöffnet. Das germanische Geistesgut wurde weitgehend ausgeschaltet und dort, wo das den christlichen Priestern und ihren weltlichen Verrätern nicht gelang – weil es zutiefst in unserem Wesen gründet – zum Teufelswerk verfälscht oder entstellt.

Nicht mehr unter freiem Himmel, an besonders ehrwürdigen Plätzen, wurde jetzt Recht gesprochen. Mit der lateinischen Schrift wurden Rechtsgrundsätze aufgezeichnet, die das germanische Recht ausschalten sollten. Das römische Recht verbreitete sich bei uns. Todesstrafen wurden für Menschen eingeführt, die dem Glauben der Väter treu bleiben wollten. Die „Sachsengesetze“ Kaiser Karls sind ein entsetzliches Beispiel dafür.

Im Alter ließ Kaiser Karl trotz christlicher Verderbtheit die alten germanischen Götter- und Heldenlieder sammeln und aufzeichnen. Er hätte das besser nicht getan! Sein Sohn Ludwig der „Fromme“ ließ das gesamte wertvolle Schriftgut in christlicher Verblendung verbrennen, sodaß es für immer verloren ist. Das wundert uns gewiß nicht, wenn wir erfahren, daß er sehr unter dem Einfluß seiner zweiten Frau namens Judith stand. Auf ihr Betreiben hin räumte er den Hebräern weitestgehende Rechte ein, erlaubte ihnen die Haltung von Sklaven, das Pachten und Eintreiben von Steuern, die Freistellung von der kaiserlichen Gerichtsbarkeit. Einen eigenen Beamten mit dem Titel „Judenmeister“, stellte er für die Überwachung und Einhaltung dieser Privilegien ab.

Die Erinnerung an die Runen als Schriftzeichen, aber auch als magische Heils- oder Unheilszeichen blieb bei den Nordgermanen, die erst viel später zum Christentum gezwungen wurden, noch lange lebendig, in Resten sogar bis in unsere Tage. Selbstbewußt stellt sich der Runenmeister des Seeländer Brakteaten (Münze) mit dieser Inschrift vor: „Harihua heiß ich – der Gefährliches Wissende – ich gebe Glück“. Noch 1333 können wir den Gebrauch der Runen zur Beschwörung feststellen: Auf einer Insel der nordamerikanischen Davis-Straße wurden drei Jäger der Wikingersiedlung auf Grönland von einem Schlechtwetter überrascht. Den drohenden Schneesturm beschworen sie nun durch Runen, und zwar verwendeten sie die IS-Rune in Zahlenwerten. In Wodans Runenlied in der Edda heißt es von der IS-Rune: „Dem Sturm biet ich Stille, wie steil auch die See – und wiege die Wogen in Schlummer“.

Im Norden haben viele Runendenkmale die Versuche der jüdisch-christlichen Kirche sie zu beseitigen, überstanden. Dabei ließ die Kirche auch im Norden kein Verbrechen aus. Als im Jahre 1626 in Island 22 Männer und Frauen als Hexen verbrannt wurden, war das erste Opfer dieses christentypischen Verbrechens ein gelehrter Mann, unter dessen Schriften man nur ein einziges Runenzeichen gefunden hatte.

Diese Männer und Frauen sind – wie alle Opfer der christlichen Gewaltherrschaft – nicht vergessen bis ihnen Genugtuung zuteil geworden ist. Sei es als öffentliche Entschuldigung der Kirchen, sei es als Vergeltung!

Auch die lateinische Schrift wurde im Laufe der Zeit verändert. Kaiser Karl hatte um 800 den lateinischen Kleinbuchstaben, die „karolingische Minuskel“ eingeführt. Jetzt, um 1200, bildete sich aus dieser Schrift mit ihren vielen Rundungen eine neue, schmale, lange, eckige Schrift heraus, die wir „gotische Schrift“ nennen. In ihr drückten sich hervorragende Geister wie Meister Eckhard, Heinrich Seuse, Johann Tauler – Menschen, die das Christentum geistig schon überwunden hatten – aus. Als Johannes Gutenberg die Buchdruckerkunst erfunden hatte, kam auch wieder die deutsche Sprache, die lange Jahrhunderte in der Gelehrtenwelt garnicht mehr gesprochen wurde, zur Geltung. Mit ihr begann sich die seelische Freiheit wieder zu entfalten, die Kennzeichen unserer Menschen ist.

Eine neue Schriftform entwickelte sich aus der gotischen Schrift heraus unter Benutzung altgriechischer und altlateinischer Buchstaben. Wir nennen diese die „deutsche“ Schrift. Unter Hinzufügung weiterer fremder Teile entwickelte sich diese zur „Fraktur“, die nicht zu Unrecht „gebrochen“ heißt. Sie stellt einen Bruch mit unserer heiligen Schrift dar und entspricht damit dem seelischen und rassischen Bruch, den das deutsche Volk und das Germanentum, mit seiner Vergangenheit und seinem Ursprung aus der Geborgenheit bei seinen Göttern erlitten hatte. Mit den Runen hat die Fraktur-Schrift nichts zu tun.

Rom setzte die „Gegenreformation“ sowie den Jesuitenorden in Marsch um die in Deutschland aufkommenden freiheitlichen Regungen zu unterdrücken, was leider teilweise gelang. Aber insgesamt gesehen war der Durchbruch geschafft. Das Zeitalter der Aufklärung tat ein übriges.

Nach den Freiheitskriegen der Jahre 1807 bis 1815 widmeten sich deutschbewußte Gelehrte, insbesondere Jakob Grimm, nach Vorarbeiten skandinavischer Forscher, den Runen. Die wenigen noch vorhandenen Zeugnisse wurden nun wissenschaftlich untersucht und ihre Bedeutung größtenteils erkannt. Aber auch heute noch sind nicht alle Geheimnisse der Runen enträtselt und es gibt unterschiedliche Auffassungen in einigen Einzelheiten. Im großen Ganzen aber haben wir doch ein ziemlich sicheres Wissen über unsere heilige Schrift, auch wenn künftige Forschungen den einen oder anderen Gesichtspunkt noch ergänzen oder berichtigen sollten.

Warum also zögern wir, die Runenschrift als unsere ureigenste Schrift einzuführen, und sei es zunächst nur innergemeinschaftlich? Wollen wir warten bis andere das tun oder diese Schrift vielleicht „von selbst kommt“? Sind wir zum Gebrauch nicht sogar verpflichtet? Vergessen wir nicht:

Die Runenschrift steht uns zu. Wer aber ein Recht nicht wahrnimmt, gibt es preis!

Als Gemeinschaft, die zur Religion ihrer Vorfahren zurückgefunden hat, die gemeingermanisches Lebensgefühl entwickeln und pflegen will, die vielleicht einmal die Begründerin einer nordisch-germanischen Nation sein wird, ist es unsere Pflicht, alles zu tun, um das zu bewahren, was von unseren Ahnen auf uns gekommen ist. Und dazu gehören unsere Runen!

Also, entscheiden wir uns!

Ein ernst zu nehmender Einwand soll nicht verschwiegen werden:

Runen sind ehrwürdige Zeichen, die zunächst zu kultischen Zwecken und nicht zum Schreiben von Mitteilungen gefunden/erfunden wurden. Jedes Zeichen hat seinen eigenen Namen und seine eigene Bedeutung und umschreibt Gegebenheiten oder Lebensbereiche, die unseren Ahnen verehrenswert schienen. Daher sprechen wir auch von den Runen als heiligen Zeichen. Das soll nicht angetastet werden!

Man muß aber auch sehen, daß mit zunehmender Verbreitung der Runen diese schon ziemlich frühzeitig und bis in unsere Zeit für gewöhnliche Mitteilungen verwendet wurden. Ein besonderes Beispiel für den profanen Gebrauch dieses unseres Erbes sei noch erwähnt:

Die berühmte Arne Magnussensche Sammlung isländischer Handschriften in Kopenhagen enthält nicht nur das in Runen geschriebene „Gesetz von Schonen“, sondern auch ein kleines Bruchstück eines alten, in Runen geschriebenen nordischen Volkslieds, sogar mit Noten. Hier der Text:

Droemde mik aen droem i nat

um silki ok aerlik pael

„Träumte mir ein Traum heut nacht

von Seide und herrlichem Pelz.

Die Melodie dieses Lieds war bis vor einigen Jahren das Erkennungszeichen des Mittelwellensenders Kopenhagen.

Noch andere Beweise sind uns erhalten, daß die Runenschrift als Gebrauchsschrift nie ganz verschwunden war. So ist uns ein Tagebuch des schwedischen Generals Mogens Gyldenstjerne aus dem Jahre 1543 erhalten, das mit so fließender Hand in Runenschrift geschrieben ist, daß man darin große Übung voraussetzen muß. Unter Gustav Adolf schrieb der schwedische Feldherr Jacob de la Gardie alle geheimen Anweisungen an seine Platzkommandanten in Runenschrift, und unter den Bauern Dalarnes, sowie in anderen abgelegenen nordischen Gegenden hielten sich die Runen bis in unsere Zeit.

Auch in Deutschland haben wir ein Schreiben in Runenschrift. Es stammt aus der Zeit zu Beginn des 30-jährigen Kriegs. Im Archiv des Gutes Haseldorf in der Elbmarsch fand man 1893 eine Papierhandschrift mit Runenzeichen, die aus dem Kloster Doberan in Mecklenburg stammt. Es ist das „Anthyr-Lied“, das wohl um 1521 gedichtet wurde. In ihm wird der griechische Held Anthyr, ein Kampfgenosse Alexanders des Großen, als Stammvater der mecklenburgischen Herrscher besungen. Der Dichter ist unbekannt.

Runen umschreiben Lebensbilder, ähnlich wie das die japanischen oder chinesischen Schriftzeichen auch tun. Einzelne Runen stellen nichts anderes als eine Bilderschrift dar. Lateinische Buchstaben sind nur Einzelteile eines Wortes. Nun ist es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, sich in Bilderschriften auszudrücken. Japaner und Chinesen haben derzeit die größten Schwierigkeiten, ihre annähernd 70 000 Zeichen (Bilder) trotz Computereinsatzes in eine zeitgemäße Ausdrucksweise zu verändern. Sie sind derzeit dabei, ihre Zeichen auf die Bedeutung von zunächst Silben, später Buchstaben zu vermindern.

Das soll mit den Runen nicht geschehen! Sie sollen als Einzelzeichen ihren Namen und ihre alte Bedeutung unverändert und vollständig beibehalten. Aneinandergereiht aber sollen sie Wörter und Sätze bilden, die wir zu unserer schriftlichen Verständigung gebrauchen wollen – so wie das unsere Ahnen auch taten.

Damit wir uns recht verstehen:

Niemand will die lateinische Schrift abschaffen, aber steht es der AG nicht zu, sie als ein uns aufgedrängtes fremdes Gut zu erkennen und sie zumindest für den innergemeinschaftlichen Gebrauch infrage zu stellen? Wenn wir wirklich zu den Quellen unseres Wesens gelangen wollen, dann müssen wir nicht nur gegen den Strom dieser Zeit schwimmen, sondern auch konsequent das Verschüttete freilegen und wieder in Gebrauch nehmen. Auf religiösem Gebiet sind wir dabei schon ein gutes Stück vorangekommen. Auch in unserer schriftlichen Ausdrucksweise sollten wir das wieder aufnehmen, was unsere Ahnen nicht weiterentwickeln konnten, als sie in die christliche Knechtschaft gehen mußten.

Treffen Sie Ihre Entscheidung! Falls diese für die Runenschrift ausfällt, fangen die Schwierigkeiten jetzt an.Zunächst müssen die Runenzeichen „gelernt“ werden. Aber welche? Es gibt mehrere Runenreihen, was historische Gründe hat:

Als um etwa 1000 die Nachricht vom brutalen Vorgehen der christlichen Priester in den Norden drang, erfüllte das die Bewohner mit Besorgnis. Zur Abwehr jener Einflüsse aus dem Süden, schufen die Runenmeister eine abgewandelte Runenschrift, die für fremde Reisende unkenntlich war. Daraus entstand der „Jüngere Futhark“ mit nur noch 16 Zeichen. Etwa um 1200 erkannte man, daß die 16 Zeichen nicht ausreichten. Der isländische Skalde Olaf Hvitaskjald erweiterte diese im Auftrag König Waldemars von Dänemark zu den „König Waldemars Runen“, die alle in dem Satz „Der Mann, dessen Kinn zerschlagen wurde, flieht das Ballspiel“ enthalten sind. Diese Runen wurden nur in Südschweden und Dänemark verwendet. In England entwickelten sich die Altenglischen Runen. Die jüngeren, vereinfachten, nur im Norden gebrauchten Runen, wurden übrigens besonders gern auf Runensteinen eingemeißelt. Daneben wurden noch stablose Runen und punktierte Runen entwickelt.

Einerseits ist die kulturelle Vielfalt des germanischen Geisteslebens sehr erfreulich. Leider entstand damit aber auch eine Kluft zwischen Nord- und Südgermanen, die sich nie wieder ganz schließen ließ.

Da wir heute an einem Neuanfang stehen und „gemeingermanisch“ denken und handeln, kommen die nur in eng begrenzten Räumen verwendeten Runen, also die punktförmigen Runen, die altenglischen Runen oder die des jüngeren Futharks für den modernen Gebrauch nicht infrage. Es müssten außerdem zu den vorhandenen 16 Runen noch 10 weitere hinzugefügt werden, was ein Gemisch aus alten und jüngeren Runen ergäbe. Viel besser ist es, den bereits vorhandenen, älteren, gemeingermanischen Futhark zu verwenden. Schließlich war diese Runenreihe schon einmal gemeinsames Kulturgut aller Germanen. Es müssen zu den 24 Zeichen nur zwei neu hinzugefügt werden und zwar die ohnehin selten gebrauchten Zeichen für Q und X.

Wer Runenschrift also schreiben möchte, lerne zuerst die 26 Zeichen der „Odinsschrift“, wie wir zu unserer Schrift auch sagen können.

Dazu kommen noch zehn „Stabzahlen“, wie sie unsere Vorfahren verwendeten. Die Interpunktion kann so bleiben wie sie ist.

Es gibt viele Wege, die Runenschrift und das Runenlesen zu erlernen. Wenn man jeden Tag nur drei Zeichen sich merkt, kann man nach einer Woche bereits Runenschrift schreiben und lesen. Es fehlt dann nur noch die Übung um „flüssig“ zu werden. Für Schreibübungen kann man z.B. alle möglichen Schriftstücke in die Odinsschrift übertragen. Zum Übungslesen könnte z.B. künftig jeder Ausgabe dieser Zeitschrift eine Seite Runentext beigefügt sein. Außerdem können beim Verfasser Aufsätze, die in Runenschrift geschrieben sind, angefordert werden.

Es ist eigentlich sehr leicht, den gemeingermanischen Futhark zu erlernen und zu gebrauchen und es macht auch Spaß, letztendlich bringt man durch den Gebrauch ein altes, eigenes Kulturgut „zum Leben“.

Fassen wir zusammen:Die Runen gehören zu den ältesten Zeugnissen menschlichen Geistes.Sie sind schon vor vielen tausend Jahren hier in Mitteleuropa entstanden und bei den indogermanischen Wanderungen in alle Teile der damals bekannten Welt verbreitet worden. Sie dienten den Völkern, die mit ihnen in Berührung kamen als Anregung und Vorbild für die Entwicklung eigener Schriften.

Die Runen wurden zunächst als kultische Zeichen erfunden. In der germanischen Mythologie kommt ihnen eine zentrale Bedeutung zu. Ihre Herkunft von Odin weist darauf hin.

Jedes Runenzeichen beschreibt ein ganzes Lebensbild, so wie es bei unseren Ahnen tatsächlich vorkam.

Runen als einzelne Zeichen hatten magische Bedeutung, vorwiegend sollten sie beschützen. Daher wurden sie gern auf Waffen und Schmuckstücken eingeritzt. In späterer Zeit wurden die einzelnen Zeichen aneinander gereiht und zur Erstellung von Worten, Sätzen, Schriftstücken verwendet. Bis zur gewaltsamen Christianisierung, etwa um 800, wurden in Deutschland Lieder, Zaubersprüche, Weissagungen in Runenschrift aufgezeichnet.

Mit dem Eindringen des Christentums wurde der Gebrauch der Runen verboten, die gesammelten Aufzeichnungen wurden vernichtet. Es wurde jetzt die lateinische Schrift, das lateinische Recht und die lateinische Denkweise gewaltsam eingeführt.

Erst im 19. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Erforschung der Runen. Leider wurde bis heute der Gebrauchswert der Runen als schriftliches Ausdrucksmittel nicht entsprechend untersucht und nicht diskutiert.

Im Computer-Zeitalter ist es kein Problem, jedes beliebige Schriftstück in Runenschrift zu schreiben, man muß es nur wollen.

Abschließend sei allen Menschen unserer Art, die sich um unsere heilige Schrift verdient gemacht haben, dieser Satz Thorolf Wardles gewidmet:

Einst mit den Asen kamen sie –

Einst mit den Asen verschwanden sie.

Heut kehren wieder Asen und Runen!

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=87:odins-runen-unsere-schrift-&catid=7:runen&Itemid=28

Gruß an die Asen

TA KI