Die Mondfinsternis am 4. April 2015


Wir merken nun alle, daß die Geburtswehen der Neuen Welt eingesetzt haben. Nur den Schmerz, den sie mit sich bringen, hätten wir lieber nicht. Doch so verfahren, wie die Lage sich nun mal darstellt – wer hat gesagt, daß es einfach wird?

 

Die Global Player spielen jetzt ihre Karten aus. Daß Einige mit gezinkten Karten spielen, wissen wir auch. Doch können sie nicht gewinnen, weil die Energien schon so hoch sind, daß alle Maßnahmen mit negativer Absicht sich letztendlich gegen sie richten werden. Auf der anderen Seite bewirken viele Lichtkräfte Großartiges, auch wenn es noch nicht so sichtbar ist. Doch die Grundlagen sind gelegt, daß die schöpferischen Kräfte, die seit Jahrtausenden unterdrückt waren, nun beginnen zu erwachen.

Dieses Osterfest ist ein besonderes, und wir sollten es gebührend feiern. Aber nicht mit dem alten patriarchalen Ostern, sondern mit der Wiederkehr der weiblichen Schöpferkraft. Die Göttin kehrt zurück, um den längst fälligen und natürlichen Ausgleich herzustellen.

Nachdem die Sonnenfinsternis schon eine globale Wandlung ankündigte, bringt die kommende Mondfinsternis sie richtig zur Blüte. Sie fällt diesmal praktisch mit Ostern zusammen, in der Reihenfolge Karfreitag, Mondfinsternis, Ostern. Damit hat es eine besondere Bewandnis, denn die Kirche (röm.-kath.) feiert ja Ostern nicht als feststehenden Feiertag, sondern die Variable heißt, Ostern liegt auf dem 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach dem Äquinoktium. Dieser 1. Vollmond bringt aber jedes Jahr die urweiblichen Kräfte zurück – soweit dies möglich war – und die Kirche hat sich praktisch diese Kraft zunutze gemacht, indem sie ihr Ostern darauf gesetzt hat. Genauso, wie früher schon die großen Kathedralen allesamt auf wichtige Kraftorte gebaut wurden, die eigentlich der Göttin-Energie dienen. Für viele Gläubige ist dies immer noch schwer zu schlucken, doch die Wahrheit kommt nun immer mehr heraus.

Dabei geht es nicht etwa um Konkurrenz zwischen Gott und Göttin – eine alte Denkweise – diese beiden sind längst in Vollkommenheit vereint. Sondern es geht für uns darum zu erkennen, daß männliche und weibliche Energien und ihre Ausdrucksformen gleichwertig sind, und daß wir sie in uns selbst harmonisieren. Um den so nötigen Ausgleich herzustellen, müssen die weiblichen Kräfte jedoch zunehmen, und diese können beides sein: behütend oder auch zerstörerisch. Zerstörend in dem Sinne, daß alles gehen muß, was dem natürlichen Behüten des Lebens im Wege steht.

Das geschieht nun nicht punktuell und sofort, sondern wird sich innerhalb des nächsten halben Jahres zeigen, so lange wirkt die Finsternis bis zur nächsten. Doch auch hier habe ich eher den Eindruck, daß es sich um eine Mastereklipse handelt, weil sie auf den kleinen Kardinalpunkten (15° Widder-Waage) stattfindet, und außerdem in das kardinale Kreuz eingebunden ist. Hier werden nun ganz starke Energien geflutet, die den Wandel richtig voran treiben sollten.

Wenn nun unschuldiges Leben zerstört wird, wie wir diese Woche durch den Airbus-Absturz erfahren mußten, und wie es andauernd irgendwo auf der Welt passiert, dann sind das natürlich noch die alten patriarchalen Auswüchse der Dominanz, und die Kräfte dahinter. Es war sicher kein Unfall, auch kein Suizid, sondern es deutet viel darauf hin, daß etwas verhindert werden sollte, was auf keinen Fall an die Öffentlichkeit darf (s. engl. Links unter Sternschnuppen 2). Es ist Teil des Um-sich-schlagens der alten Macht, die vor ihrem Niedergang steht.

In Zukunft wird es mehr darum gehen, mit diesen alten Kräften aufzuräumen, sie resozialisieren soweit möglich, oder sie ganz aus dem Verkehr zu ziehen. Dies wird sehr von ihrer Einsicht abhängen, und ob sie den Zorn der Völker überleben. Bis dahin sollte genügend Aufklärung für die Masse bereitstehen, sodaß auch der Zorn sich in Verstehen verwandeln kann.

Diese Mondfinsternis ist total, und findet bei uns um 14h07 MESZ statt. Sie ist jedoch nur sichtbar im pazifischen Raum, Australien und Nord- und Südamerika. Mit Sonne im Widder und Mond in der Waage sind die Elemente Feuer und Luft betont, und sie zeigen uns, daß es nun an der Zeit ist, das Neue aktiv voranzutreiben, aber dennoch in friedlicher Balance zu bleiben. Um bei diesen hohen Energien geerdet zu bleiben und generell zu Mondeklipsen, ist es hilfreich, sich von Gemüse zu ernähren, welches unter der Erde wächst.

GZ = Galaktisches Zentrum, SP = Spiegelpunkt

Mondeklipse 04.04.2015

Auf Berlin berechnet geht es mal wieder und immer noch um unsere Souveränität, sowie um das Leben generell (Löwe-AC), und dieses wird gerade erschüttert (Sonne Konj. Uranus am 6.04.). Das Airbus-Unglück kann im Vorlauf dieser MoFi passiert sein, aber es kann nächste Woche und auch später noch mehr plötzliche Ereignisse geben.

Uranus ist der ‚Gegenspieler‘ der Sonne. Während die Sonne im Zentrum verweilt, ist der Uranus ein Zentrumsflüchter. Wenn wir zu lange in sonnenhafter Gemütlichkeit verharren, wo wir längst hätten aufwachen sollen, dann hebt uns die uranische Energie da ruckartig heraus. Es geschieht dann oft über Unfälle oder Operation, und ist eine Folge der Verweigerung von Veränderungen. Das kennt ihr vielleicht von Zeiten, in denen Uranus eure Sonne aspektiert hat, und vor einem Unfall gibt es genügend Warnhinweise, wenn dringende Veränderungen anstehen. Somit sind diese plötzlichen Ereignisse wie ein lauter Wecker, der nicht mehr zu überhören ist – hoffe ich doch. Nun waren wir bzw. das Land in einem langen ‚Dornröschenschlaf‘, und es ist höchste Zeit, den ‚vergifteten Apfel‘ endlich auszuspucken. Schwierig nur, wenn man nicht weiß daß man schläft.

Die Herausforderungen kommen von außen (Wassermann am DC), die uns wachrütteln, und es ist auch ein Bezug zum Ausland gegeben (Uranus H7 in 9). Wir werden also durch ein oder mehrere Ereignisse im Ausland ‚geweckt‘, die uns betreffen und angehen (Uranus Konj. Sonne in 9). Das ganze Geschehen dient dazu, mal intensiv zu schauen, wie es denn um unsere Freiheit bestellt ist. Der geht es schlecht, denn sie gehört anderen (Merkur H11 in 9), ebenso unser Territorium (Merkur H2 in 9) und wir lassen uns herum kommandieren und unterdrücken (Merkur H11 Qu. Pluto).

Langsam dämmert dem friedliebenden Volk (Waage in 4), daß wir einem kaum zu beschreibenden Missbrauch ausgeliefert wurden (Venus H4 Konj. Sedna + Algol), der für die Masse nicht zugänglich war (Stier eingeschlossen) und an dem die Regierung beteiligt ist (Haus 10). Dabei gehe ich davon aus, daß das Kabinett sowie Fraktionsspitzen Bescheid wissen, und die meisten Abgeordneten ahnungslos sind, bis auf wenige Ausnahmen. Da tun sich dann Abgründe und Ängste auf, das eigene wie kollektive Leben zu gestalten (Skorpion in 4, Pluto H4 in 5). Kein Wunder, denn wir wurden Jahrzehnte zur Anpassung erzogen, teils mit falschen Bildungsinhalten (Pluto am Eingang zu 6, Qu. Merkur).

Es findet zudem ein unglaublicher Verrat am Leben und den schöpferischen Kräften statt (Pholus,  Ixion, Quaoar Konj. GZ in 5). Das betrifft sicher die Unglücksopfer, aber auch unsere Kinder, denkt an den ganzen Impf-Hype. Es wird unbedingt nötig, die Kinder mehr zu schützen! Sie haben keine verankerten Grundrechte im Gesetz (Jupiter H5 + Varuna in 12), auch das müßte dringend geändert werden.

Mit den Finanzen steht es auch nicht gut, es sieht nach eklatantem Mangel aus, und daß der Wert zerrinnt (Orcus + Lilith in 2). Seit Wochen verliert der Euro an Wert, außerdem fließt scheinbar viel Geld ins Ausland (Merkur H2 in 9). Auch hier kann es in den nächsten Wochen plötzliche Ereignisse und Turbulenzen geben (Merkur Konj. Uranus + Qu. Pluto am 8.04.), die wahrscheinlich auch im Ausland geschehen. So ist auch die GR-Frage noch nicht geklärt, und Griechenland ist sehr uranisch geprägt, sie könnten hier der überraschende Joker sein.

Diese Mondeklipse rauscht mit einer unglaublichen Wucht herein. So werden wir plötzlich der Abhängigkeiten und Ängste gewahr, und wie sehr sie uns an einem freien Leben hinderten (Pluto Qu. MoFi + Uranus), das kann individuell und kollektiv spürbar sein. So aktiviert diese Eklipse noch einmal das Uranus-Pluto Quadrat, welches seit über 3 Jahren die Veränderungen vorantreibt. Da sie bisher ausgeblieben sind, könnten sie nun umso mächtiger hereinkommen. Man könnte sagen, wir steigen jetzt aus dem Kreuz aus, das uns Jahrtausende belastet hat. Dies ist ein Prozeß. Und wir haben jetzt die Gelegenheit, uns auch des Mangels bewußt zu werden, was uns durch die Unfreiheit fehlte.

Isis Skulptur mit Ankh

Die Energien der Großen Mutter kommen ebenso mächtig herein, und ermuntern den Schritt in die Freiheit zu gehen (Ceres auf 0° Wassermann Qu. MC/IC). Lilith ist eine ihrer Teilaspekte, und sie fordert uns auf zu mehr Eigenständigkeit und Stärke zu zeigen (Lilith im SP zum Mond). Sie ist also komplett in der Finsternis-Energie drin. Dies braucht uns nicht ängstigen, es geht nur darum, den jeweiligen Mangel zu erkennen und ihn durch entsprechende Maßnahmen zu ändern. Kraft, Mut und Eigenständigkeit sind nun die Herausforderungen, und diese Eigenschaften Lilith’s möchten ja nur von uns umarmt werden – zu lange schon haben wir auf sie verzichtet.

Das Ziel ist dann auch, mutig zu sein und uns für das Wohl der Gesellschaft einzusetzen, und durchaus die Regierung mit ihren Unterlassungen zu konfrontieren (Mars H10 Konj. MC). Weiter ist wichtig, unseren Mund aufzumachen und unsere Meinung kundzutun (Merkur H3 in 9). Die Propaganda sollte entlarvt werden (Merkur Qu. Pluto), und wir werden einige neue Informationen zu verarbeiten haben (Merkur Konj. Uranus), die zum Teil auch schmerzhaft sind (Merkur im SP Chiron).

Gleiches gilt auf der persönlichen Ebene, jeder muß sich seinem eigenen ‚Sturm‘ stellen (eben kommt draußen ein Sturm auf). Es geht ja um unsere Neugeburt, und das läuft global und betrifft uns alle. Besonders merken es nun alle mit Achsen oder Planeten auf 9° bis 16° kardinal (Widder, Krebs, Waage, Steinbock), aber auch 14° bis 21° veränderlich (Zwilling, Jungfrau, Schütze, Fische), weil das die Spiegelpunkte der Mondeklipse und der sie umgebenden Planeten sind. Wir halten trotz allem die Ideale der Wahrheit hoch (Neptun in 8), und verlassen uns auf unser Herzgefühl (Saturn in 4). All die Veränderungen, die jetzt in die Zeit strömen, ermöglichen uns, die Wahrheit zu finden.

Quelle: http://2012sternenlichter.blogspot.de/2015/03/die-mondfinsternis-am-4-april-2015.html

Danke an Conny

Gruß an die „MoFi“-Gucker

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Lilith Teil2 * Inanna, Lilith und der Huluppu-Baum *


Zur Erinnerung- Dieser Beitrag erschien hier bereits ma 21.Mai 2014

Die patriarchalen Religionen haben alle auf ihre Weise dazu beigetragen, die weibliche Stärke zu verleugnen oder zu verhindern. Das Christentum förderte diejenigen Rollenbilder der Weiblichkeit, die allgemein akzeptiert wurden: die brave und angepaßte Eva, die den Eigenschaften der Venus entspricht; und die Mutter Maria, die in ihrer ‚unbefleckten‘ Empfängnis zur Heiligen stilisiert wurde, sie läßt sich im Mond wiederfinden.

 

Lilith hingegen wurde mißachtet und dämonisiert; weil sie es wagte, eigenständig zu denken und zu handeln. Sie lebte ihre Kraft und wurde dafür verurteilt, als fortan allen Frauen drohendes Beispiel, wenn sie es ebenso wagen sollten, sich aus dem Ge- fängnis der Unterdrückung zu befreien. Lilith wurde zur einsamen Grenzgängerin. Verfemt und ausgestoßen, mußte sie sich lange verbergen. Erst die Frauenbewegun- gen, die ab Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, besonders ab den 70ern des 20. Jahrhunderts, forderten die Gleichberechtigung. Diese emanzipatorische Bewegung war wichtig, doch geht es nicht nur um gleiches Recht – denn was lange nicht verstanden wurde, ist die GleichWERTigkeit von Mann und Frau. So mußte Lilith ihre Grenzen neu ausprobieren und finden, in der Arbeitswelt und vor allem als Frau und Mutter. Lilith ist voller Geheimnisse, solange wir ihre wahre Stärke noch suchen. Sie konfrontiert uns deshalb mit dem Schmerz über unseren Mangel, dort wo sie im Radix steht.

 

Wenn wir unsere Weiblichkeit vervollkommnen möchten, und die Männer ihre innere Frau, kommen wir nicht darum herum, uns diesem Mangel zu stellen. Dabei könnten wir die wahre Kraft Liliths entdecken – und das ist unsere tiefste Angst, und unsere größte Sehnsucht zugleich.

Der Mythos bietet uns Möglichkeiten des Verstehens an. Und so möchte ich euch eine uralte Geschichte wiedergeben und deuten, die den inneren Konflikt zwischen Venus/Inanna/Eva und Lilith zeigt: von dem Unvermögen der Venus, die Stärke Liliths anzuerkennen, und von Liliths Schmerz, immer noch nicht anerkannt und geliebt zu sein.

 

Wenden wir uns also der sumerischen Göttin Inanna zu, der Vorläuferin der späteren Ishtar und Aphrodite/Venus, der Liebesgöttin; hier ist sie Königin des Himmels und der Erde. In einem alten Gedicht aus dem Gilgamesch-Epos finden wir bereits Hinweise auf Lilith und die weibliche Spaltung:

 

 

Inanna, Lilith und der Huluppu-Baum
In den ersten Tagen, in den allerersten Tagen,
in den ersten Nächten, in den allerersten Nächten,
in den ersten Jahren, in den allerersten Jahren,
in den ersten Tagen, als alles, was zum Leben nötig war, ins Sein gebracht wurde,
in den ersten Tagen, als alles, was zum Leben nötig war, angemessen ernährt wurde,
als der Himmel sich von der Erde fortbewegt hatte,
und der Name des Menschen festgelegt wurde,
als der Himmelsgott, An, die Himmel davongetragen hatte,
als der Luftgott, Enlil, die Erde davongetragen hatte,
als die Königin des Großen Unten, Ereschkigal, die Unterwelt beherrschte,

 

In diesen Zeiten pflanzte sich ein Baum, ein einzelner Baum,
ein Huluppu-Baum, an den Ufern des Euphrats ein.
Der Baum wurde von den Wassern des Euphrats genährt.
Der wirbelnde Südwind zog an seinen Wurzeln und zerrte an seinen Ästen,
bis die Wasser des Euphrats ihn davontrugen.
 Eine Frau, die in Ehrfurcht vor den Worten des Himmelsgottes An wandelte,
die in Ehrfurcht vor den Worten des Luftgottes Enlil lebte,
riß den Baum aus dem Fluß und sprach:
„Ich werde diesen Baum nach Uruk bringen.
Ich werde diesen Baum in meinen heiligen Garten pflanzen.“

 

Mit eigener Hand sorgte Inanna für den Baum.
Mit ihren Füßen stampfte sie die Erde um ihn herum fest.
Sie sprach zu sich selbst:
„Wie lange wird es wohl dauern, bis ich einen leuchtenden Thron habe?
Wie lange wird es wohl dauern, bis ich ein leuchtendes Bett besitze?“
Die Jahre gingen dahin; fünf Jahre, zehn Jahre.
Der Baum wurde dick, doch seine Rinde sprang nicht auf.
Dann schlug eine Schlange, die nicht bezähmt werden konnte,
ihr Nest in den Wurzeln des Huluppu-Baumes auf.
Der Anzu-Vogel setzte seine Brut in die Zweige des Baumes.
Und die dunkle Jungfrau Lilith baute ihr Haus in seinem Stamm.

 

Die junge Frau, die gerne lachte, weinte.
Und wie Inanna weinte!
Doch sie alle wollten ihren Baum nicht verlassen.

Inanna rief ihren Bruder, den Sonnengott Utu herbei,
doch Utu, der tapfere Krieger Utu,
wollte seiner Schwester Inanna nicht helfen.

Beim Anbruch der Morgendämmerung, als die Vögel zu singen anfingen,
rief Inanna ihren Bruder Gilgamesch herbei und sprach zu ihm:
„Oh Gilgamesch, in den Tagen, als die Schicksale beschlossen wurden,
als Überfluß das Land durchströmte,
als der Himmelsgott die Himmel und der Luftgott die Erde davontrugen,
als Ereschkigal das Große Unten als ihren Herrschaftsbereich erhielt,
da segelte der Gott der Weisheit, Vater Enki, hinab in die Unterwelt,
und die Unterwelt stand auf gegen ihn und griff ihn an…
In diesen Zeiten wurde ein Baum, ein einzelner Baum, ein Huluppu-Baum,
an den Ufern des Euphrats eingepflanzt.
Der Südwind zog an seinen Wurzeln und zerrte an seinen Zweigen,
bis die Wasser des Euphrats ihn davontrugen.
Ich riß den Baum aus dem Fluß heraus,
ich brachte ihn in meinen heiligen Garten.
Ich hegte den Baum, derweil ich auf meinen leuchtenden Thron
und mein leuchtendes Bett wartete.

 

Dann schlug eine Schlange, die nicht bezähmt werden konnte,
ihr Nest in den Wurzeln des Baumes auf,
und der Anzu-Vogel setzte seine Brut in die Zweige des Baumes,
und die dunkle Jungfrau Lilith baute ihr Haus in seinem Stamm.
Ich weinte.
O wie sehr weinte ich!
Doch sie alle wollten den Baum nicht verlassen.“

 

Gilgamesch, der tapfere Krieger Gilgamesch,
der Held von Uruk, stand Inanna zur Seite.
Gilgamesch befestigte eine Rüstung von fünfzig Minas Gewicht
an seinem Oberkörper.
Die fünfzig Minas wogen sowenig für ihn wie fünfzig Federn.
Er schwang seine Bronze-Axt über die Schulter
und betrat Inannas heiligen Garten.
Gilgamesch erschlug die Schlange, die nicht bezähmt werden konnte.
Der Anzu-Vogel flog mit seinen Jungen in die Berge.
Und Lilith zertrümmerte ihr Haus und entfloh an wilde, unbewohnte Orte.
Dann entwurzelte Gilgamesch den Huluppu-Baum.
Aus dem Stamm des Baumes schnitzte er einen Thron und ein Bett
für seine heilige Schwester.
Doch der Thron und das Bett waren aus totem Holz,
und sie konnten nicht leuchten.

 

Inanna/Venus hat diesen wunderschönen Huluppu-Baum gepflanzt, der symbolisch für Wachstum, Ausdehnung, Glück und Erkenntnis steht (Jupiter-Qualitäten). Sie ist traurig, weil ihr Glück getrübt scheint, dadurch, daß sich die Schlange, der Vogel und Lilith im Baum eingenistet haben. Inanna scheint nicht zu bedenken, daß sie diese Drei dringend braucht, um selbst ganz zu werden.

 

Die Schlange steht symbolisch für die ungebändigte Lebenskraft, sie wird auch mit der Kundalini-Energie in Verbindung gebracht, und für eine tiefe Wandlung, Häutung und Transformation. ‚Die Schlange, die nicht bezähmt werden kann‘ steht also für die unbändige Lebenskraft, die in jedem von uns steckt, wenn wir sie nur freilegen.

 

Der Anzu-Vogel, der mit seinen Jungen ein Nest im Huluppu- Baum bewohnte, ist ein Adler, der sinnbildlich für Freiheit, Weisheit und sinnübergreifende Erkenntnis steht. Und Lilith selbst bewohnte den Stamm des Baumes, also unsere ausgestoßene, wilde, lustvolle und starke Symbolfigur für das eigenständige Weibliche in uns.

 

Inanna/Venus begreift diese Zusammenhänge nicht, und läßt es zu, daß Gilgamesch, ein Mann, alle drei vertreibt; die Schlange, also die Lebenskraft, wird sogar erschlagen. Der Preis ist hoch: der Huluppu-Baum, Sinnbild für ihr Glück, wird dabei zerstört.

 

So liefern uns die alten Sumerer eine märchenanmutende Geschichte, über die Jahrtausende hinweg, und doch heute noch von immenser Bedeutung. Die Venus in uns – und das gilt für Männer genauso wie für Frauen – sollte sich bewußt machen, daß die liebevolle, doch angepaßte Seite nur einen Teil unserer Weiblichkeit dar- stellt. Wir dürfen Lebenskraft, Freiheit und Stärke nicht länger opfern für eine religiöse Vorstellung, die eindeutig auf Angst vor Machtverlust basiert.

 

Es gibt keinen Gott, der mit Bestrafung droht. Wenn Gott absolute und bedingungslose Liebe ist, hat er uns nicht dazu erschaffen, immer wieder Teilung, Zwiespältigkeit, Angst, Trennung und Ohnmacht zu erfahren. Wir müssen diese überholten Zwangsvorstellungen nun end- gültig loslassen, denn sie halten uns gefangen. Gott hat Mann und Frau völlig ebenbürtig erschaffen, denn er liebt alle seine Kinder gleichermaßen. Und Gott ist auch eine Göttin; eine Wesenheit, die Animus und Anima zur höchsten Vollendung gebracht hat.

 

Lilith ist ein großes Unrecht widerfahren. Ihre Rehabilitation ist notwendig und unumgänglich. Ihre Kraft und Ursprünglichkeit sind Eigenschaften, die wir annehmen und aus vollem Herzen bejahen sollten – damit verliert sie ihre angebliche ‚Gefährlichkeit‘. Andere Märchendeutungen, wie von der russischen Baba Yaga, oder der Wolfsfrau* bestätigen das nur. So wird es nötig sein, daß Venus und Lilith ihrer Sehnsucht endlich nachgeben und sich umarmen. Lilith ist der Inbegriff unserer Abspaltung der starken, wilden, sinnlichen Großen Göttin. Wer sie einlädt, zurückzukommen, erhält die Rückfahrkarte in das Paradies. * „Die Wolfsfrau“, Clarissa Pinkola Estés
 
Halbmond – Vollmond 
Die Schneegans ruft
Blätter rascheln
unter ihren Füßen
weich der Boden
es duftet nach Harz.Zart umhüllen sie
blaue Schleier
aufrechter Gang
Halbmond leuchtet
auf ihrer Stirn.Zehntausend Jahre
ist Lilith gewandert
ausgestoßen, doch mit
Hoffnung im Herzen
sucht sie die Versöhnung.

Am heiligen Stein
Vollmond leuchtet
wartet Inanna
die Lichtträgerin
mit offenen Armen.

Sehnsucht ruft
in ihren Augen
scheu und zärtlich
die Umarmung
ineinander versunken.

Die Zeit steht still
Sternschnuppen fallen
der Wald hält den Atem an
irgendjemand spielt Puccini
und Isis lächelt.

Ich bin es selbst
Tochter des Himmels
gerade angekommen
im Paradies.
Und wo bleibt Adam?

Osira

Lilith, die erste Frau Adams – Teil 1


lilith1892_300Zur Erinnerung- Dieser Beitrag erschien bereits am 20.Mai 2014

Das Erbe des Matriarchats
* Die Vertreibung von Lilith * Die weibliche Spaltung

Sie gilt als die geheimnisvollste und sagenumwobenste Figur der Menschheitsgeschichte. Keiner anderen wurde soviel Schuld und negative Eigenschaften angehängt; keine andere Frauengestalt ist so sehr in ihrer Bedeutung mißbraucht und mißgedeutet worden wie sie.
Dies hat natürlich seinen Grund. Die Geschichte unserer Zivilisation weist lichte und dunkle Zeitalter auf, und zudem viele Lücken in der nicht immer wahrheitsgetreuen Überlieferung. Auch heute gibt es noch weiße Flecken in der Vergangenheit. Wie unsere Frühgeschichte wirklich abgelaufen sein mag, liegt deshalb weitgehend im Dunkeln. Wer sich der Ge- schichte immer gern angenommen hat, sind die Religionen – fast alle mit dem Anspruch auf alleinige Gültigkeit, worin sie sich zumindest in diesem Punkt einig sind. Doch jede von ihnen hat auch versucht, den Verlauf der Geschichte in ihrem Sinne zu beeinflussen, und dabei spielte das Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen eine große Rolle. Die Religionen haben heute noch einen großen Einfluß auf die Gestaltung unserer Beziehungen, und auch wenn unser Verstand dies verneint – unbewußt laufen ständig die alten Muster ab. So haben wir heute noch mit immer wiederkehrenden Beziehungsproblemen zu tun, in denen Mann und Frau sich bekämpfen, anstatt sich zu lieben. Und oftmals dient uns der Partner als Projektionsfläche für etwas, was wir bei uns selbst nicht sehen wollen.
Wenn wir wirklich erfüllte Beziehungen erfahren wollen, müssen wir ernsthaft nach den Ursachen für dieses Jahrtausende alte Dilemma suchen. Also gehen wir weit in die Vergangenheit zurück …

Das Erbe des Matriarchats

Bis vor etwa 3000 v. Chr. wurde die allgemein übliche Lebensform vom Matriarchat geprägt. Frauen hatten die Rolle des Familienvorstandes, sie wurden verehrt, weil sie Leben spen-deten. Zeugungsvorgang, Menstruationszyklen und Schwangerschaft wurden als göttliches Mysterium gesehen und in vielfältigen Fruchtbarkeitsriten gefeiert. Die Frauen wählten selbst, wer Vater für ihre Kinder sein sollte, völlig frei und unabhängig. Es gab eine weibliche Erblinie, die Männer schützten Frauen und Kinder in der Gemeinschaft, und beide Geschlechter verehrten die Natur und die Erde als Große Göttin. Gegen Ende dieser Zeit ge-schah es, daß die Frauen – wir wissen nicht, warum – zunehmend ihre Macht mißbrauchten. Die schlimmsten Auswüchse waren die Opferriten, in denen Männer ihr Leben lassen mußten, oder auch kastriert wurden, um die Große Göttin zu besänftigen.
Dies hinterließ tiefe Verletzungen, Groll und Haß bei der männlichen Spezies. Sie wehrten sich, wollten mehr zu sagen haben und selbst eine Erblinie gründen. Um sich aber vor weiteren Übergriffen durch die Frauen zu schützen, mußten sie sich ein System überlegen, mit dem die Frauen beherrscht werden konnten. Gleichgestellte Beziehungen waren schon damals nicht mehr möglich, und die gesellschaftliche Ordnung wandelte sich langsam aber sicher in ein Patriarchat, das bis heute andauert. Die Unterdrückung der Frau ist ein gesellschaftliches Thema, das unbedingt aus diesem Hintergrund heraus betrachtet werden muß.
Dieser Machtmißbrauch sitzt heute noch als tiefes Schuldgefühl im kollektiven weiblichen Unbewußten. Und es war mit Sicherheit dieses Schuldgefühl daran beteiligt, weshalb die Frauen sich so demütigen ließen, es unbewußt als gerechte Strafe empfanden. Den Männern kann es nicht wirklich gut dabei gegangen sein; denn sie handelten aus Angst vor er- neuter Kastration – wie sollten unter diesen Vorraussetzungen gesunde Beziehungen entstehen?

Die Vertreibung von Lilith

Jede Religion enthält einen Teil der Wahrheit. Wenn wir wissen wollen, wie die Geschichte im Paradies weiter ging, sollten wir uns mit den hebräischen Schriften beschäftigen. Eines der drei heiligen Bücher, der Sohar, erzählt Erstaunliches über eine Dame namens Lilith. Sie war die erste Frau Adams und von Gott aus dem gleichen Material und gleichwertig er- schaffen. Ebenso seltsam ist, daß in den deutschen Übersetzungen der Bibel kein Wort über sie verloren wird. Lilith steht für die selbstbewußte, starke eigenständige Frau, die sie an der Seite Adams gewesen ist.
Die ältesten Hinweise auf Lilith finden wir in der sumerischen Kultur, und es gibt nur ein einziges wirklich aussagekräftiges Bild von ihr, ein Terrakottarelief aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Auf Anhieb wird klar, daß wir es mit einer anerkannten Göttin zu tun haben, denn auf ihrem Kopf trägt sie eine gehörnte Tiara, und derlei Kronen waren in der sumerischakkadischen Ikonographie allein Gottheiten vorbehalten.

Lilith steht auf dem Rücken von Löwen, auch dies ist ein machtvolles Symbol großer Göt- tinnen. Die beiden großen Eulen, die Liliths Löwenthron einrahmen, gelten als Symbole von Weisheit und Wissen. Ihre Fähigkeit, das Dunkel mit Erkenntnis zu durchdringen, gibt die Hoffnung, unsere Ängste und Schatten ei- nes Tages erlösen zu können. Lilith trägt auch selber Flügel, und diese gehören ebenso zu den Attributen bedeutender Göttinnen. Keine große Göttin, die nicht ‘fliegen’ könnte, wobei ihre Fähigkeit zu fliegen durchweg gleichge- setzt wird mit ihrem Vermögen, die Grenzen von Raum und Zeit zu überschreiten. Lilith erscheint nackt, mit einem wohlgeformten Frauenkörper, der überhaupt nicht furchteinflößend wirkt. Nacktheit ist auch ein Sinnbild von unverfälschter Reinheit und Echtheit. Wer nackt ist, hat nichts zu verbergen! Auch Liliths Gesicht ist keineswegs das einer erbarmungslosen Furie, eher ist es von heiterer Entschlossenheit. Doch ja, ihre Füße haben Vogelkrallen – ihr Standort ist also eher der Himmel als die Erde – wehrhaft und fluchtbereit, wenn es sein muß.

Erschien Lilith im alten Sumer noch als eigenständige Göttin, so wird sie im hebräischen Sohar als männerverführend und kindermordend mit dem Teufel im Bunde beschrieben. In der Bibel wird sie nur kurz bei Jesaja 34 und Hiob 18 auf die niederträchtigste Art erwähnt, und zwar nur in der Jerusalemer Ausgabe. Interessant ist nämlich, daß Lilith seit der Re- formationszeit aus den christlichen Bibelausgaben verschwindet. So findet man in der Lutherbibel das Wort Lilith durch Kobold ersetzt. Es ist offensichtlich, daß die christliche Kirche nicht daran interessiert ist – und zu keiner Zeit war – Liliths Eigenschaften zu pflegen, geschweige denn zu preisen.
Die bekannteste Geschichte aus dem Sohar ist wohl die, daß Lilith sich eines Tages weigerte, ‘unten zu liegen’. Daraufhin beschwerte sich Adam bei Gott, welcher Lilith angeblich zur Strafe aus dem Paradies verwies. Eine sehr unglaubhafte Version. Im Sohar wird auch erzählt, daß Lilith in ihrer Not den geheimen Namen Gottes rief, als Adam sie verstieß und der Verlust des Paradieses drohte. Daß Lilith als einem geflügelten Wesen der Sinn nach den Höhen der spirituellen Welt stand, schildert bereits der Text aus Ben Siras Alphabeth. Und wie wäre es ihr möglich gewesen, den Namen Gottes zu kennen, wenn sie nicht in innigster Verbindung zu ihm gestanden hätte?
Im Namen drückt sich das Wesen einer Persönlichkeit aus. Beim Namen zu nennen, heißt die Wahrhaftigkeit zu wünschen, die alles Böse eliminiert (Rumpelstilzchen). Die Anrufung eines Namens holt die Energie des Trägers herbei, wie auch in Lilith’s Gebet zu Gott. So stellt Lilith in der Schöpfungsgeschichte letztlich einen Anspruch auf Gott-Ebenbürtigkeit; ein bedrohlicher Angriff auf die Allmacht des sich neu etablierenden Vatergottes.

Die weibliche Spaltung

Weiter ist im Sohar zu lesen, daß ‘der Herr sie in die Tiefen des Meeres warf und gab ihr Macht über alle Kinder der Menschensöhne, die der Bestrafung für die Sünden ihrer Väter unterliegen.’ Mit anderen Worten: Gott der Herr und die Menschensöhne agieren, Lilith und die Frauen dürfen es ausbaden und werden noch für alles verantwortlich gemacht. Daß Lilith ins Meer geworfen wurde, macht ihre Verdrängung deutlich. An anderer Stelle wird zitiert: ‘das Wasser ernährt Lilith’. Also kommen wir an ihre Eigenschaften heran, sobald die Gefühle fließen …
Die Kunde von Liliths ‘zerstörerischer’ Verführungskraft hallt durch die Jahrtausende und scheint Männerphantasien zu beflügeln. Dem Sohar zufolge beschloß Adam nach dem Sündenfall zu sühnen, indem er 130 Jahre enthaltsam lebte. Doch ausgerechnet in dieser Zeit, ‘als er allein schlief und träumte, besuchte ihn Lilith und wußte ihr Verlangen zu stillen, indem sie ihn bestieg und dadurch seine nächtlichen Ergüsse hervorrief’.
Es wird schließlich so schlimm, daß der Sohar Liliths Macht bei unterschiedslos allen sexuellen Begegnungen zwischen Mann und Frau wittert, selbst noch beim vorgeschriebenen ehelichen Akt. Damit soll wohl angedeutet werden, daß die menschliche Sexualität in den Grenzbezirken des Bösen, Chaotischen und Gesetzes-auflösenden anzusiedeln ist, weshalb schärfste Vorsichtsmaßnahmen vonnöten sind, die dazu gedacht sind, noch den letzten Funken Lust und natürliche Liebe aus den Schlafzimmern zu verbannen.
Den Keil, den die christliche Tradition zwischen Eva, die ‘Sünderin und Verführerin’ und Maria, die ‘Reine und Unbefleckte’ treiben konnte, mußte das Judentum anderswo ansetzen. Hier hießen die beiden Gegensätze nicht Eva und Maria, sondern Lilith und Eva, wobei erstere das aufmüpfige und verderbenbringende Weibliche und letztere das angepaßte und dem Manne dienliche Werkzeug repräsentiert.
  • „Das zweite Weib Adams – Eva – schuf Gott aus der Rippe. Dabei sprach Er:  Ich werde sie nicht aus dem Kopf des Mannes machen, sonst wird sie ihren Kopf in hochmütigem Stolz tragen;  und nicht aus dem Auge, sonst wird sie lüsterne Blicke bekommen; und nicht aus dem Ohr, sonst wird sie überheblich; und nicht aus dem Mund, sonst wird sie eine Schwätzerin; und nicht aus dem Herzen, sonst wird sie zu Neid neigen; und nicht aus der Hand, sonst mischt sie sich in fremde Angelegenheiten; und nicht aus dem Fuß, sonst wird sie eine Herumtreiberin.“
Solche – ernstgemeinten – Worte aus dem Sohar können nur aus dem Unvermögen entstehen, die eigenen Schatten zu betrachten. Die männlich-orthodoxe Welt hat hier ihre eigene neurotische Verformung zur Norm erhoben, motiviert von tiefsitzenden Ängsten, die Kontrolle über das Weibliche zu verlieren.
  • „Aus der Rippe, die dem Auge des Menschen entzogen und stets unter der Hülle des Kleides verborgen ist, aus ihr schuf Gott das Weib. Denn die Zierde des Weibes ist die stille Zurückgezogenheit, die sittsame Beschränkung auf den häuslichen Kreis mit seinen Pflichten und seinem lauteren Glück.“
Wie kleinlich, wie schamhaft, wie unkreativ, libidounterdrückend und phantasielos soll Gott eigentlich sein?! Späteren Aussagen des Sohars zufolge sind die jüdischen Patriarchen allerdings nicht fähig zu verhindern, daß selbst die von ihnen als rein und keusch geplante Eva Züge von Lilith erhält:
  • „Und zu jedem Glied des Körpers sprach Gott, als er es machte: ‘Sei keusch! Sei keusch!’ Und dennoch, trotz all dieser übergroßen Vorsicht, hat die Frau all jene Fehler, die Gott zu vermeiden suchte.“ *
Hinter solchen unglaublichen Äußerungen werden Egoismus, Verantwortungslosigkeit und Dekadenz sichtbar. Was an Eva rebellisch ist, geht auf Liliths Einflüsterungen zurück, womit Lilith nun auch für die Frau zur Versucherin und Verführerin wird. Lilith ist es, die Eva dazu überredet, von den Früchten der Erkenntnis zu kosten. Dabei werden Lilith und die Schlange eins: im Sohar-Mythos heißt es, Lilith sei die Schlange und die Hure, die Eva anstiftete, Adam zum Beilager zu verführen, während sie in der Zeit ihrer menstruellen ‘Unreinheit’ war.
Dieses Bild hat dann Schule gemacht: Lilith, die Verführerin, durchzieht schließlich auch die christliche Ikonographie, vor allem des 15. und 16. Jahr- hunderts, der Kulminationszeit jener Frauenpogrome, die man noch immer verharmlosend Hexenverfolgungen nennt. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich Darstellungen, in denen Lilith und Eva als Sockel dienten, über dem sich als triumphierendes Symbol der Reinheit die Jungfrau Maria mit dem Jesusknaben erhob.
Dieses Bild, wie auch die Spaltung in Eva, Maria und Lilith entzweit die Frau mit sich selbst. Der Bilderrahmen ist jedoch so gesetzt, daß er zugleich den Mann – Adam wie auch seinen Schöpfergott – wirksam und für alle Zeiten von jeglicher Verantwortung für das Böse in der Welt freisprechen soll. Der Frau wird damit, von seiten des Mannes, das kulturelle Urmißtrauen ausgesprochen, was einen fortwährenden Krieg der Geschlechter in Gang hält. Dabei hatte Adam sich doch als androgyne Gestalt entworfen. Lilith und Eva sind ausdrücklich als in einem männlichen Subjekt enthalten vorgestellt worden; damit spiegeln diese Frauenbilder in erster Linie die männliche Anima, um die es schlecht bestellt scheint, so zerrissen und ge- spalten, wie sie sich selbst und symbolisch darstellt.
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* Zitate aus: Lilith, die erste Frau Adams, Vera Zingsem
© Überarbeitete Auszüge aus meinem Buch “Was würde die Liebe jetzt tun?”, Kapitel 12

Quelle: http://nebadonien.wordpress.com/2012/04/21/lilith-die-erste-frau-adams-teil-1/

Gruß an die Frauen

TA KI