„Es wird keinen unblutigen Regimewechsel geben“


Über ein Jahr nach seiner Freilassung spricht Michail Chodorkowski, einst mächtigster Unternehmer Russlands, über Wladimir Putin und die Haftzeit. Seinem Land prophezeit er einen gewaltsamen Umbruch.

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Michail Chodorkowski kommt im Taxi vorgefahren, mit seinem Presseberater und einem Dolmetscher, ohne Sicherheitsleute. Auf diesem Kurzbesuch in Berlin präsentiert sich der frühere Oligarch nicht in Pullover und Jeans, sondern im blauen Anzug mit Krawatte. Der 51-jährige Unternehmer und Putin-Gegner, der jahrelang Russlands prominentester Gefangener war, spricht ruhig und leise. Er verliert für keine Sekunde die Selbstkontrolle. Seine Thesen sind provokant: Sogar zu Zeiten der Sowjetunion habe es mehr Gewaltenteilung und Rechtsstaat gegeben als im heutigen Russland. Chodorkowski selbst ist ein Kind des sowjetischen Systems: Der frühere Funktionär der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol profitierte in den wilden neunziger Jahren unter Präsident Boris Jelzin von seinen hervorragenden Kontakten in die Politik, seinem Gespür für Geschäfte und seiner kompromisslosen oder auch skrupellosen Art, wie ihm immer wieder vorgeworfen wurde. Zweimal wurde er von russischen Gerichten verurteilt – wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung. Etwas mehr als zehn Jahre verbrachte er in Haft. Amnesty International bezeichnete die Verfahren gegen den früheren Oligarchen und Chef des Ölkonzerns Jukos als politisch motiviert, was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im September 2011 nicht bestätigte. Chodorkowski lebt heute mit seiner Familie in der Schweiz und ist über seine Stiftung „Offenes Russland“ politisch aktiv.

Die Welt: In Russland konzentriert sich die staatliche Macht sehr auf Wladimir Putin. Wie stark ist der Präsident wirklich?

Michail Chodorkowski: Putin kann eine begrenzte Anzahl von Vorgängen direkt steuern. Er kann sich persönlich um eine große Krise kümmern, vielleicht sogar um zwei gleichzeitig, selbst wenn sie sehr ernsthaft sind. Das ist der Vorteil eines autoritären Systems, aber es hat auch enorme Nachteile. Putin ist nicht in der Lage, viele Probleme gleichzeitig zu lösen. In einem Land, in dem reguläre staatliche Institutionen vernichtet wurden – die unabhängige Justiz, das Parlament, die lokalen Selbstverwaltungen –, können die Machthaber keine komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen mehr managen. Unser Staat ist hoch zentralisiert, aber schwach.

Die Welt: Seit der Ermordung des Oppositionsführers Boris Nemzow spricht man in Russland von einem Konflikt zwischen dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow und Moskaus Sicherheitsstrukturen. Wie ernst muss man das nehmen?

Chodorkowski: Dieser Konflikt hat Systemcharakter. Wenn die Wirtschaft schrumpft, beginnen Konflikte zwischen unterschiedlichen Gruppierungen, die um Einflussbereiche und Geldquellen kämpfen. Kadyrow will mehr Unabhängigkeit für seine Vasallenstruktur in Tschetschenien, ohne seine persönliche Treue zu Putin aufzugeben. Dabei ist die Gruppe von Kadyrow eine ethnisch-kriminelle, die in Konflikt mit einem in sich schwachen russischen Staat tritt. Diejenigen, die eigentlich das Gesetz verteidigen müssten, können sich nicht einmischen, weil Kadyrows Leute von Putin geschützt werden. Er ist ihr oberster Patron.

Kondolenzbuch-fuer-Kremlkritiker

Die Welt: Hat Putin diese Gruppen noch unter Kontrolle, oder ist er in Wahrheit zu deren Geisel geworden?

Chodorkowski: Ich bin sicher, dass Putin mit dem Mord an Nemzow äußerst unzufrieden war. Ich glaube nicht, dass Kadyrow ohne Genehmigung von Putin zulässt, dass sich so ein Alleingang wiederholt.

Die Welt: Sie vermuten also, dass Kadyrow den Mord an Nemzow in Auftrag gegeben hat?

Chodorkowski: Nein. Ich bin mir ziemlich sicher, wer der Auftraggeber ist. Das ist nicht Kadyrow, sondern eine Person eine Ebene drunter.

Die Welt: Wusste Kadyrow, wer es ist?

Chodorkowski: Er hat es nachträglich erfahren. Ich bin überzeugt, dass er jetzt weiß, wer das getan hat.

Die Welt: Ist der Mord an Nemzow als Schwäche des Systems zu interpretieren?

Chodorkowski: Ohne Zweifel. Der Mord an einem Menschen aus der politischen Elite unweit des Kreml ist ein Schlag gegen die Unantastbarkeit der Machtstrukturen. Das führt zu einer weiteren Schwächung von Machtmechanismen. Jeder Beamte wird jetzt denken, wenn er Entscheidungen trifft: Putin kann mich entlassen, aber die Leute von Kadyrow können mich töten.

Die Welt: Was kann Putin gefährlich werden? Ist eine Palastrevolte möglich?

Chodorkowski: Eine Palastrevolte ist nur bei einem Konflikt möglich, an dem Sicherheitsstrukturen beteiligt sind. Andere Akteure sind dazu nicht fähig. Wie die Situation mit Kadyrow zeigt, kann ein solcher Konflikt durchaus entstehen.

Die Welt: Viele haben Angst, dass nach Putin alles noch schlimmer wird.

Chodorkowski: Ich glaube, Putin wird seine Sache noch selbst zu Ende führen. Nach ihm kann alles nur besser werden.

Die Welt: Aber bis dahin könnte das innenpolitische Klima noch härter werden.

Chodorkowski: Putin ist bereit, die Repression zu verstärken. Er will es aber nicht so sehr, wie manche fürchten. Er ist kein Monster. Er weiß, dass zu starke Unterdrückung negative Konsequenzen für ihn selbst hat. Dafür müsste er auch zu Säuberungen in den Eliten bereit sein. Unter Stalin fielen zwei Prozent der Bevölkerung den Zwangs- und Gewaltmaßnahmen des Staates zum Opfer, in den Sicherheitsstrukturen war es sogar jeder Vierte. Ist Putin zu so etwas bereit? Ich bezweifle das.

Die Welt: Ist ein gewaltfreier Machtwechsel im heutigen Russland möglich?

Chodorkowski: Es wird keinen unblutigen Regimewechsel geben. Tausende Menschen wissen, dass sie sich persönlich werden verantworten müssen für das, was sie unter Putin getan haben. Aber der Umbruch in Russland ist nicht wirklich das Problem. Er wird ohne Zweifel noch zu unseren Lebenszeiten stattfinden. Viel gefährlicher ist die Lage, die durch die Politik des Regimes an den Grenzen Russlands entsteht. In der Ostukraine baut sich eine Armee von National-Chauvinisten auf, die auch in Russland immer mehr Anhänger finden, und weil Putin in der russischen Teilrepublik Tschetschenien seinen Vasallen Kadyrow gewähren lässt, erkämpft dieser sich immer mehr Autonomie. Wenn diese Kräfte in Russland aufeinanderprallen, wird es wirklich gefährlich, weil das zu einem Bürgerkrieg führen kann. Niemand will das.

Die Welt: Nach dem Tod von Nemzow ist die Opposition in Russland noch schwächer geworden. Ist sie so isoliert wie die Dissidenten der Sowjetunion?

Chodorkowski: Nein, sogar unter den aktuellen Umständen sagen noch 14 Prozent der Russen öffentlich, dass sie die Machthaber nicht unterstützen. Die Oppositionsbewegung hat eine feste Basis von 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung. Es können auch noch mehr werden.

Die Welt: Andererseits ist die Staatspropaganda in Russland sehr wirksam. Wie wollen Sie Menschen erreichen, die daran glauben?

Chodorkowski: Ich glaube, das System Putin wird länger existieren, als manche Oppositionelle meinen. Das Regime ist bereit zu schießen, die demokratische Opposition ist es nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Machtapparat in den nächsten zehn Jahren zusammenbricht, liegt meiner Meinung nach bei 50 Prozent. Es ist also nicht sicher. Deshalb konzentriere ich mich auf mein zivilgesellschaftliches Engagement, um den Anteil der Bevölkerung zu vergrößern, der demokratischen Werten gegenüber offen ist.

Die Welt: Der populärste Regimegegner in Russland ist im Moment Alexej Nawalny. Muss sich die Opposition um ihn scharen?

Chodorkowski: Es wäre wunderbar, wenn die Opposition zwar aus unterschiedlichen Kräften bestehen würde, sich aber vereinigen kann, wenn gemeinsames Handeln nötig ist.

Die Welt: Das klingt nicht nach einem starken Bekenntnis zu Nawalny. Welches Programm unterstützen Sie selbst?

Chodorkowski: Das größte Problem in Russland bleibt immer gleich – der fehlende Rechtsstaat. Was getan werden muss, um das zu ändern, kann man in eine einfache Formel fassen: Die Machthaber müssen regelmäßig bei ehrlichen Wahlen abgelöst werden können. Dann werden sie den Wählern zuhören, sie werden unabhängige Gerichte und Gesetze achten.

Die Welt: Manche glauben, die Russen wollten eben einen starken Mann an der Spitze und keine Demokratie.

Chodorkowski: Ich habe heute mit einigen Deutschen gesprochen. Sie versichern mir, dass viele Menschen hier sich ebenfalls eine starke Führungsfigur wünschen und trotzdem den Wert eines demokratischen Staates für sich selbst zu schätzen wissen. Starke Führung schließt starke demokratische Institutionen nicht aus.

Die Welt: Wie bewerten Sie die Lage in der Ukraine – hat sie sich beruhigt, oder ist das nur Schein?

Chodorkowski: Ich möchte glauben, dass es keine neue Eskalation gibt, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Die große offene Frage ist doch, ob die bewaffneten russischen Staatsbürger aus der Ostukraine abziehen und die Separatisten nicht mehr durch Moskau unterstützt werden. Aber genau das ist gefährlich für das Regime in Russland. Die Rückkehr der Kämpfer würde die Lage dort explosiv machen. Putin wird alles dafür tun, damit diese bewaffneten russischen Bürger so lange wie möglich in der Ostukraine bleiben.

Die Welt: Ist die Hoffnung auf das Minsk-2-Abkommen also vergebens?

Chodorkowski: Es gibt keine Alternative zu einem Friedensprozess. Aber er kann unter dem jetzigen Regime in Russland nicht stabil sein. Ob man den Konflikt einfrieren kann? Wahrscheinlich. Man muss es versuchen.

Die Welt: Wie sollte sich der Westen Putin gegenüber verhalten?

Chodorkowski: Wenn jemand im Westen sagt, dass man mit dem heutigen Regime eine langfristige Vereinbarung erreichen kann, ist er entweder dumm oder ein Betrüger. Jedes Abkommen wird jede Sekunde infrage gestellt werden. Man muss zwar weiter mit Russland im Gespräch bleiben. Aber die Hoffnung auf eine verlässliche Einigung ist illusorisch, weil die Führung so deinstitutionalisiert ist. Sogar zu Sowjetzeiten gab es ein Politbüro, der Generalsekretär war nicht frei in seinen Entscheidungen. Dadurch war das Regime berechenbar. Das ist nun anders: Putin hat die staatlichen Institutionen zerstört. Das hat dazu geführt, dass es in Russland keinerlei gegenseitige Kontrolle der Verfassungsorgane mehr gibt, keinerlei Gewaltenteilung.

Für Putins Machterhalt wäre ein eingefrorener Konflikt gut. Der hält seine Kräfte in der Ostukraine beschäftigt, ohne dass sie größer werden

Die Welt: Was für ein Interesse kann der Präsident daran haben, den Konflikt mit der Ukraine einzufrieren, statt weiter vorzurücken?

Chodorkowski: Putin will keine ständige Eskalation. Er hat verstanden, dass er für seine Kämpfer nicht mehr die ideale Führungsfigur ist. Für seinen Machterhalt wäre ein eingefrorener Konflikt gut. Der hält seine Kräfte in der Ostukraine beschäftigt, ohne dass sie größer werden. Das ist auch aus einem anderen Grund wichtig. Ein Erfolg der Ukraine wäre ein Vorbild für demokratische Veränderungen in Russland. Leider versteht das auch Putin. Deshalb ist eine seiner Prioritäten das Scheitern des ukrainischen Experiments.

Die Welt: Ist die ukrainische Regierung denn auf dem richtigen Weg?

Chodorkowski: Ich würde mir wünschen, dass die Führung angesichts der militärischen Konfrontation geschlossen handelt. Das wirkt nicht immer so. Und ich würde mir wünschen, dass die Ukraine in Sachen Korruptionsbekämpfung zu einem Modell für Russland wird. Im Moment sind mir aber noch keine Beispiele für entschlossenes Handeln im Kampf gegen die Korruption bekannt.

Die Welt: Was halten Sie von Präsident Petro Poroschenko?

Chodorkowski: Ich habe mich mit ihm getroffen. Ich verstehe, woher er kommt, wie er denkt, wie er handelt. Weiter möchte ich das nicht kommentieren. Ich gehöre ja nicht zur ukrainischen Opposition.

Die Welt: Sie saßen zehn Jahre im Gefängnis. Wie hat Sie das verändert?

Chodorkowski: Wenn man mir sagt, dass man mit irgendjemand keinen Dialog führen kann, dann erinnere ich mich an die vergangenen zehn Jahre meines Lebens und grinse. Einmal saß ich in einer Zelle mit dem Nationalisten Wladimir Kwatschkow, wir haben uns normal unterhalten und unsere Alltagsprobleme gelöst. In meinem früheren Leben habe ich nicht gedacht, dass ich einen Weg finden könnte, mit solchen Leuten zu kommunizieren. Aber man muss mit allen sprechen.

Die Welt: Sogar mit Putins Berater Igor Setschin, der einen großen Teil der Schuld für Ihre Haft trägt?

Chodorkowski: Ja, man muss mit allen sprechen. Aber das bedeutet nicht, dass man allen verzeihen muss. Verzeihen soll man denen, die bereuen. Setschin sollte vor Gericht gestellt werden. Ich bin gern bereit, als Zeuge aufzutreten.

Die Welt: Putin hat gesagt, seine Kindheit auf der Straße sei seine Universität gewesen. War Ihre Uni das Gefängnis?

Chodorkowski: Trotz meines komplizierten Verhältnisses zu Putin wünsche ich ihm nicht, dass er noch so ein Zweitstudium ablegen muss wie ich. Wir wuchsen unter gleichen Bedingungen auf. Wenn seine Erzählungen stimmen, hatten wir eine ähnliche Kindheit. Nur habe ich versucht, mir die „Straße“ systematisch auszutreiben. Putin dagegen hat angefangen, sie zu kultivieren, nachdem er Präsident wurde.

Die Welt: Was lernt man denn auf Russlands Straßen?

Chodorkowski: Erinnern Sie sich an den Film „Der Pate“? Das ähnelt dem, was Putin als seine Straßen-Universität beschreibt. Der prinzipielle Unterschied zwischen Putin und mir ist, dass ich berechenbar bin. Putin dagegen ist stolz auf seine Unberechenbarkeit. Viele Politologen glauben sogar, dass die Machthaber in Russland unberechenbar sein müssen. Ich bin damit nicht einverstanden. Russland ist ein Global Player und kann sich nicht erlauben, unberechenbar zu sein.

Die Welt: Da müssen wir Ihnen widersprechen. Ende der 90er-Jahre waren Sie für westliche Investoren auch unberechenbar.

Chodorkowski: Das sehe ich anders. Während der Rubel-Krise 1998 reiste ich nach Deutschland und habe den Banken detailliert berichtet, wie sich die Lage entwickeln wird. Ich habe gesagt: „Macht euch keine Sorgen, macht keine unüberlegten Schritte, und nach einer gewissen Zeit werdet ihr alle Investitionen zurückerhalten.“ Und alles kam genauso, wie ich es gesagt hatte. Wer mir geglaubt hatte, konnte hohe Gewinne erzielen.

Die Welt: Noch einmal zu Putin. Sie müssen dem Präsidenten trotz allem auch dankbar sein. Er hat Sie im Dezember 2013 freigelassen. Drei Monate später, nach der Krim-Annexion, hätte er es sich vermutlich anders überlegt.

Chodorkowski: Ich bin mir bewusst, dass die Chance für meine Freilassung mithilfe bestimmter Persönlichkeiten entstanden ist – Hans-Dietrich Genscher, Angela Merkel und unsere Menschenrechtler. Ich verstehe, dass die Zustimmung Putins wichtig war. Er hätte genauso gut einem dritten Prozess gegen mich zustimmen können, worum ihn Setschin mehrfach gebeten hatte. Alles das ist mir bewusst. Und es beeinflusst auch mein emotionales Verhältnis zu Deutschland und Frau Merkel – aber auch jenes zu Putin. Das missfällt einigen in der Opposition, die sagen, man müsse eine kompromisslose Position vertreten. Aber ich bin eben ein Mensch.

Ich erzähle öfter aus dem Gefängnisleben. Das war eine wichtige Erfahrung. Aber emotional berührt mich das nicht mehr

Die Welt: Wie oft erinnern Sie sich an die Haft?

Chodorkowski: Ich habe eine stabile Psyche und denke nicht zurück an die Zeit im Gefängnis. Ich erzähle öfter aus dem Gefängnisleben. Das war eine wichtige Erfahrung. Aber emotional berührt mich das nicht mehr.

Die Welt: Können Sie sich vorstellen, noch einmal Geschäftsmann zu werden?

Chodorkowski: Nein, das ist ausgeschlossen. Ich möchte den Rest meines Lebens einer neuen Sache widmen: Ich will helfen, dass sich Russland zu einer demokratischen Gesellschaft entwickelt.

Die Welt: Als Sie Ende 2013 aus dem Gefängnis kamen, kündigten Sie an, sich politisch zurückzuhalten. Nun können Sie sich sogar vorstellen, im Krisenfall Präsident zu werden– und sei es nur vorübergehend. Woher dieser Sinneswandel?

Chodorkowski: Das war eine ganz andere Situation. Damals bestand noch Hoffnung, dass sich unser politisches System öffnen würde. Diese Hoffnung hat der Ukraine-Krieg zunichtegemacht. Wir bewegen uns jetzt auf eine ganz andere Gesellschaftsordnung zu. Wir erleben den Zerfall der staatlichen Institutionen, der an die Auflösung der Sowjetunion erinnert. Sollte das Regime zerbrechen, muss jeder bereit sein, alles für sein Land zu geben.

Die Welt: Haben Sie ein politisches Vorbild?

Chodorkowski: Auf meinem Tisch stand ein Porträt von Margaret Thatcher. Darauf stand: „Wenn Sie wollen, dass über etwas geredet wird, beauftragen Sie damit einen Mann, aber wenn Sie wollen, dass etwas erledigt wird, dann beauftragen Sie damit eine Frau.“ (Lacht.) In diesem Satz steckt viel Wahrheit, auch in Russland.

Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article140750237/Es-wird-keinen-unblutigen-Regimewechsel-geben.html

Gruß an die „WELT“, die uns tiefe Einblicke gewährt in die Denke Schwerstkrimineller und ihrer Handlanger!

TA KI

Der CIA und die UFOs – Das Ende der Geheimhaltungs-Legende 4 letzter Teil


Diese Ära muß aus ufologischen Gründen des besseren Hintergrundverständnisses näher betrachtet werden. Aus diesem Grunde greifen wir nun die 15. März 1993-Ausgabe des Magazins US News & World Report auf. Hier wurde exclusiv das Titelthema vom streng-geheimen amerikanischen Spionage-Krieg behandelt.

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Im Kern geht es darum, dass die US-Regierung in den 50ern und 60ern einhundertunddreißig Flieger im Einsatz zur Aufklärung über der Ex-UdSSR verlor und die U-2-Affäre rund um Capt.Powers nur der Gipfel des Eisbergs gewesen ist! Die Wahrheit sollte niemals bekanntgemacht werden, aber jetzt drang sie durch… Es geht um die Geheimnisse des sogenannten Kalten Kriegs. US News & World Report beschäftigte sich in einem speziellem Untersuchungsbericht damit. Als uns geneigter Leser erfahren Sie hier exclusive Geheimnisse, so wie Sie es gewohnt sind und was unsere Veröffentlichungen über alle anderen deutschen UFO-Magazine hinausstellt. Nebenbei: All die Jahrzehnte über ging die US-Regierung vor Gericht um die Veröffentlichung von Büchern oder Artikel zu blockieren, in denen gedroht wurde, wichtige Geheimnisse ans Licht zu bringen. Erinnert sei an das Buch „The CIA and the Cult of Intelligence“ des Ex-CIA-Mitarbeiters Victor Marchetti oder von „The Pentagon Papers“ des ehemaligen Mitarbeiters John D. Marks vom Außenministerium. Doch die Regierung, das Pentagon und die Geheimdienste wie CIA oder NSA unternahm rein gar nichts, um irgendetwas in Sachen Roswell, dem ufologisch allergrößten Geheimnis, zu unternehmen und Veröffentlichungen zu verhindern. Sieht man den Inhalt der beiden vorgenannten Bücher an, dann frägt man sich, warum das offizielle Washington sich wegen Fliegen aufregte, während der Roswell-Elefant bereits durch den Porzellanladen eilte. Wäre der Fall Roswell von der angeblichen Brisanz, wie es UFOlogen und Medien sich träumen, dann wäre hier von interessierter und betroffener Seite schon längst in Sachen Verrat von Staatsgeheimnissen energisch durchgegriffen worden. Dabei wäre es bei einer Authenzität der ufologischen Behauptung schon im Ansatz möglich gewesen, direkt oder indirekt auf jene einzuwirken, die sich als Wasserträger abzeichneten. 

Als im September 1980 das MUFON-UFO-Symposium in Washington, D.C. am Smithsonian Institut stattfand, wurden in der Pressekonferenz die Teilnehmer gefragt, ob irgendeiner von „Ihnen glaubt, dass die US-Regierung oder -Luftwaffe Außerirdische von abgestürzten Fliegenden Untertassen auf Lager hat und das es dafür Beweise gibt“. Nur einer der UFO-Forscher war bereit diese Hypothese vor der Öffentlichkeit zu unterstützen – Bruce Maccabee: „Ich spreche nur für mich, ich habe aber keinen direkten Beweis, aber ich wäre davon nicht überrascht.“ Maccabee erklärte, dass die US-Regierung wohl besondere UFO-Informationen zurückhält. Dies sagte er, obwohl genau diese Regierung sein Brötchengeber ist! Niemals wurde Maccabee wegen seinen teilweise tollkühnen Behauptungen von seinem Arbeitgeber angegangen, ja sogar wenn er das Instrumentarium seines Arbeitsplatzes für private UFO-Fotoanalysen verwendete, um dann da und dort diese als Bildmaterial außerirdischer Raumflugkörper hinzustellen, griff der Regierung niemals ein. Dies ist doch undenkbar, wenn man tatsächlich davon ausgeht, dass die US-Regierung ein UFO-Geheimnis zu behüten gedenkt! Ähnliches muß man zu Larry Bryant sagen, der als Mitarbeiter der AR-News (Nachrichtenagentur der US-Armee) die Citiziens Against UFO Secrecy (CAUS) gründete und in den führenden amerikanischen Armee- und Luftwaffen-Zeitschriften Mitte der 80er Jahre Werbungen schaltete, um Soldaten aufzurufen, sich bei ihm zu melden, wenn sie UFO-Hintergrundwissen besitzen. Doch weiter. Es war der 8. April 1950: Lt.Boris Dokin steuerte seinen LA-11-Jäger um 17:39 h über der Baltischen See, gerade 5 km südlich der Küstenstadt Liepaja, als er Jack Fettes PB4Y2 Privateer in fast 3.400 m Höhe über den Wolken ausmachte. Warnschüße wurden abgegeben, Jack Fette zog seinen Gleiter gegen Westen bei, doch er hatte keine Chance, die Aufklärungsmaschine wurde mit 15 Schuß getroffen und stürzte ab. Acht Tage später fanden britische Fischer Teile des Flugzeugs, Jack Fette und seine neun Kollegen wurden niemals geborgen. 

Diese Szene machte am 4. März der US-Sender ABC in seiner Reihe „PrimeTime Live“ auf und stellte so einen Fall von vielen vor, die Affäre Gary Powers und seine U-2 waren weit davon entfernt irgendetwas besonderes darzustellen. Schon ein Jahrzehnt bevor Powers in Moskau der Weltöffentlichkeit vorgeführt worden war, hatten tausende Amerikaner ihr Leben riskiert und drangen unerlaubt in feindliches Gebiet via Flugzeug ein, um dort Aufklärung zu betreiben: Auftraggeber waren USAF, US-Navy und die CIA. Gleiches gilt im übrigen gegen China, worüber so gut wie nichts bekannt geworden ist. Washington gab damals betreffs der Powers-Affäre zu, dass dies die „einzige Bedrohung des sowjetischen Luftraums“ gewesen sei und schief lief. Dabei waren die Provokationen fast schon Alltag gewesen. Noch bevor Powers heruntergeholt worden war, gab es mindestens 17 U-2-Einsätze und zahlreiche andere mit hochfliegenden RB-45 Tornados. US-Maschinen flogen entlang aller UdSSR-Grenzen regelmäßig Spionage-Einsätze und drangen unerlaubt dort in souveräne Lufthohheitsgebiete ein! Bruce Bailey, ein Radar-Operator an Bord eines Aufklärungsfliegers, gestand gegenüber dem US-Sender ABC ein, mehr als 400 x in russisches Gebiet vorgedrungen zu sein und die Sowjets dabei oftmals genug mit folgendem Manöver verärgert zu haben: Man drang unter dem Radar-Niveau (also unter 300 m Flughöhe) in den „feindlichen“ Luftraum ein, klärte dort auf und zog dann hoch, um absichtlich voll vom Radar mitten im Land erfaßt zu werden – „wir wollten sie damit provozieren“. Jeltsin-Berater Gen. Dmitri Volkogonov gegenüber ABC: „Mindestens ein Mal im Monat gab es solche festgestellten Eindringlinge.“ Andreij Gromyko hatte bereits John Foster Dulles in der UNO 1958 (damals kostete das U-2-Programm im Jahr bereits 2 Milliarden Dollar) hinter verschlossenen Türen angebrüllt: „Stoppen Sie die Flüge!“ Dullas sagte darauf: „Wenn Ihnen nicht gefällt, was wir tun, so ist das wirklich furchtbar traurig – nehmen Sie alles, was Sie haben, und versuchen Sie, uns abzuschießen.“ Mittels Flugzeugen gab es in den 50ern und 60ern wohl bis zu 20.000 Aufklärungsflüge gegen die UdSSR während das offizielle Washington bestenfalls davon sprach, dass derartige Missionen nur im eigenen Grenzgebiet gestaltet wurden und man diese Missionen „elektromagnetische Forschung“ oder „fotografische Karten-Erstellung“ nannte – so gesehen ist dies zum einen falsch und zum anderen auch exakt richtig, je nach Standpunkt. 

Tatsächlich ging es nur darum, sowjetische Radareinrichtungen auszumachen und ihre Leistungsfähigkeit auszukundschaften. Hier kommt nun auch die National Security Agency/NSA ins Spiel, welche sich hierzu sehr bedeckt gibt und aus ersichtlichen Gründen wohl eine Hauptrolle in der elektronischen Aufklärung gespielt haben dürfte. Das Spiel um das Leben der Flieger: Die jeweiligen Reaktionen der Sowjets waren nicht berechenbar, während die Aufklärungsmaschinen leichte Beute waren. Lt.Col. Philip Corso, Berater von Präsident Dwight Eisenhower: „Unsere Maschinen hatten nicht viel drauf, sie waren langsam, unbewaffnet und die Russen konnten sie geradezu abkassieren – wir haben eine Reihe Jungs verloren.“ 138 Spione sind bis heute nicht wieder aufgetaucht, man weiß nicht, ob sie getötet wurden oder in irgendwelchen Gefängnissen der GUS immer noch einsitzen. Ein gefahrvoller Job! Und nicht ohne politischer Brisanz! US News & World Report fand heraus, dass da mindestens ein Dutzend Missionen zwar fehlschlugen, aber die Besatzungen festgenommen worden und über deren Verbleib bis heute offiziell nichts bekannt gemacht wurde! Es gilt zu fürchten, dass diese Flugzeug-Crews der Politik-willen verschwiegen wurden und u.U.heute noch in sowjetischen Lagern einsitzen, ohne das sich jemand darum kümmert – da haben wir unseren Punkt der politischen Unmoral. Bis zum 20. September 1958 alleine sollen mindestens elf US-Flieger zu „Unpersonen“ erklärt worden sein, die in russische Gefangenschaft gerieten und um die sich niemand kümmerte, obwohl dies die amerikanische Botschaft in Moskau genau wußte. Alle Spionage-Piloten hatten keine Illusionen: Sie waren ersetzbar und unwichtig. Um sie herum gab es eine offizielle Politik der Lügen und der Leugnungen. In den späten 40ern starteten einige B-17 des 2. Weltkriegs durch, um entlang der deutsch-sowjetischen Grenze nach russischen Radarsignalen Ausschau zu halten; 1949 testete die UdSSR ihre erste Atombombe, was die Pentagon-Geheimdienstler in Aufruhr versetzte. Zu Aufklärungszwecken wurde das Strategic Air Command 55th Strategic Reconnaissance Wing eingesetzt, welches im kanadischen Topeka stationiert war und 30-40 Aufklärungsmaschinen bereitstellte. Zur Information: Hier verwendete man RB-20 und RB-50, wobei grundsätzlich gilt, dass das „R“ immer für Reconnaissance/Aufklärung steht. Später kamen die RB-47 und RC-135 hinzu. Für uns Deutsche interessant: Die 7499th Composite Squadron in Wiesbaden stelle 20 bis 30 Spionageflugzeuge bereit, die vom ELINT getragen wurden – der elektronischen Fernaufklärung der verschiedenen Behörden. Im Kern ging es darum, um im nördlichen Gebiet der UdSSR Radareinrichtungen festzustellen, die damals recht dürftig ausfielen und erst ab den 60ern ausgebaut wurden. Dies war ein großes Geheimnis für das Pentagon, als Meilenstein für einen Angriff im potentiellen 3. Weltkrieg. 

Gen. Andrew Goodpaster, Präsident Eisenhowers Sicherheitsberater: „Das nördliche Territorium war ungeschützt – bis hin zum Pol. Sollte es zu einem Konflikt kommen, war dies die wichtigste Information für unsere Regierung.“ Das größte Geheimnis des Kalten Kriegs: Ein US-Bomber des strategischen Air Commands konnte ohne Ordung über den Nordpol nach Rußland vordringen, ohne ausgemacht werden zu können. Noch bevor man die Gefahren der Flugzeugaufklärung in den 50ern erfuhr, griff man auf schlichte Technologien wie Ballone zurück. Zum einen setzten die Mächtigen des Westens Ballone ein, um westliches Propaganda-Material in den Osten zu schaffen, aber auch um mit großen heliumgefüllten Wetterballonen Aufklärung zu betreiben! Früh in den 50ern schickten die USA bis zu 200 dieser Ballone im Projekt Grand Union von der US-Ostküste hinüber zur Sowjetunion – aber nur 20 dieser Ballone erfüllten ihren Zweck und es gelang ein glücklicher Start. Mit diesen Ballonen wurde jedoch niemals etwas wirklich interessantes ermittelt. Dennoch waren sie ein top secret-Projekt. Inzwischen bestätigte sich Pentagon-offiziell unsere Meinung, wonach es sich bei dem sogenannten Roswell-Crash um den Niedergang eines Versuchsballons einer Vorläufer-Rei he namens Projekt MOGUL handelte. Hierdurch wird die Geheimhaltung auch verständlich – die USA hatten ein überaus lebhaftes Verlangen nach Aufklärung hinter den „feindlichen Linien“ und alle diesbezüglichen Projekte hatten natürlich einen sensiblen Rahmen. Und die allermeisten Starts dieser Serie scheiderten, es muß also bei den Versagern jeweils eine quantitativ große Menge folienartigen Materials zurückgeblieben sein, genauso wie es von den „Findern“ der Roswell-Untertassen-Überreste beschrieben wird! Und jene gewaltigen SKYHOOK-Ballone waren zuvor bereits für wissenschaftliche Aktivitäten zur Erkundung der oberen Atmosphäre (Stratosphäre) eingesetzt worden. <Lesen Sie hierzu u.a. bitte im CR 49, S. 14ff; CR 67, S. 7ff; CR 176, S. 19ff, nach.> 

Hierzu ist folgende Meldung wichtig: Der Streit um die Stratosphäre – Ist das Rätsel der „Fliegenden Untertassen“ gelöst? hieß es am 15. Februar 1956 in der Waldeckische Landeszeitung in einem Korrespondentenbericht aus New York: Wie tief man auch in die Erde bohren mag, theoretisch bis zum Mittelpunkt des Planeten, das bleibt Hoheitsgebiet des Landes, in dem man gräbt. Das ist völkerrechtlich anerkannt. Die weite See dagegen wird bis auf den schmalen Streifen der Ufergewässer als frei angesehen. Ob die Hoheitsrechte im Luftraum nach der einen oder anderen Analogie gelten sollen, ist Gegenstand eines politischen Streits zwischen Amerikanern und Russen, und könnte darüber hinaus Gegenstand einer interessanten Debatte unter Völkerrechtslehrern werden. Obwohl nämlich dem gesunden Menschverstand nicht einleuchten mag, was dabei für ein Problem auftreten könnte, bekannte ein so erfahrener Jurist wie der amerikanische Außenminister Dulles, die Frage sei für ihn zu schwer. Denn nur das eine ist Fachleuten wie Laien unmittelbar klar: Bis zu einer gewissen Höhe des Luftraumes, in dem Flugzeuge unter normal kontrollierbaren Geschwindigkeiten verkehren, sind die territorialen Hoheitsrechte unumstritten anerkannt. In größeren Höhen aber herrschen besondere technische Bedingungen: ständige West-Ost-Strömungen [die Jet-Streams der Stratosphäre] tragen jeden Gegenstand, sofern sein spezifisches Gewicht nur leicht genug ist, der Sonne entgegen. Ballistische Geschosse oder Lenkraketen, die in diesen Raum eindringen, mögen bald ganze Kontinente überfliegen, ohne den dazwischenliegenden Ländern sichtbaren Schaden zu tun. Schließlich wird in absehbarer Zukunft ein künstlicher Erdsatellit den ganzen Umfang des Planeten umkreisen und viele Länder unter sich lassen, ohne dass doch eines davon ihn abhalten könnte. Denn darauf kommt es nach der Analogie des Seerechts doch an: Lufthoheit besteht nur, wo sie verteidigt werden kann. Die theoretische Lufthoheit kleiner Länder, die keine eigene Luftwaffe besitzen, ist in den letzten zwanzig Jahren sozusagen systematisch verletzt worden. Nur ihre Fähigkeit zur Vergeltung auf anderen Gebieten verschafft in Friedenszeiten ihrem Herrschaftsanspruch den Respekt der Großmächte. Seit der Entwicklung der Raketentechnik aber müssen die Großmächte selber um die Reinheit der Luft über ihren Häuptern besorgt sein. Die Gefahren der Lässigkeit im Stratosphärenschutz sind offensichtlich. Fremde Vehikel mögen Propaganda tragen und der Spionage dienen; selbst wenn sie nur, wie anscheinend die amerikanischen Sphärenballone, der Wetterforschung dienen, so könnten doch wertvolle Informationen über die Durchführbarkeit eines Blitzangriffes daraus entnommen werden. 

Treten solche Vehikel [klipp und klar: Stratosphärenballone] in größerer Zahl auf, verwirren sie die Radarlenkung, die jedes größere Land jetzt seinem Flugwesen gewährt. Schlimmer noch, ein Irrtum der Radarbeobachter könnte harmlose Fluggeräte für bedrohliche Einflieger ansehen und automatische Abwehr- oder gar Vergeltungsmaßregeln auslösen. In einem Zeitalter, wo derartige Mißverständnisse tödlich ausgehen können, läßt sich daher die Freiheit der Stratosphäre nicht mehr so leicht als Rechtsgrundsatz aufstellen, wie einst die Freiheit der Meere. Schon muß ja auch in den niederen Regionen die bisherige Rechtsgrenze einer technischen Grenze weichen. Das Ufergewässer ist in einer Minute durchflogen; mit Radargeräten kann Spioange von zehn Seemeilen Entfernung aus betrieben werden, und mindestens so weit wünschen die Russen ihr Hoheitsrecht in die See hinaus geltend zu machen. Nach einigen Zwischenfällen haben die amerikanischen Erkundungsflüge diese Grenze respektiert; die Luftwaffe hat nicht den Versuch gemacht, sich das Recht, im Pazifik zu fliegen, wo es ihr paßt, zu ertrotzen. Ebenso hat Mr. Dulles diesmal den russischen Protest gegen die amerikanischen Wetterballone mit der Versicherung beantwortet, man werde in Zukunft nach Möglichkeit diese Erkundungsflüge von Staaten fernhalten, die dagegen Einspruch erheben – „nicht weil sie ein Recht dazu haben, sondern weil wir die Beziehungen nicht verschlechtern wollen.“ [Politik der Deeskalation ob Stratosphären-Spionage-Ballone und der dadurch entstandenen „Zwischenfälle“!] Das war weise gehandelt und gesprochen. Bei dieser Gelegenheit gaben Dulles und Beamte des Luftministeriums auch einige Aufklärungen über technische Einzelheiten, die vielleicht das Rätsel der sogenannten „Fliegenden Untertassen“ lösen. Seit langem war klar, dass die amerikanische Luftwaffe die Meldungen über diese merkwürdigen Erscheinungen nicht mehr als sehr senstaionell betrachtet, sondern über ihre Ursachen mehr Auskünfte geben konnte, als sie vorgab. Es scheint nun, dass die „Untertassen“ Stücke aus plastischem Material sind [Roswell läßt grüßen, wir erinnern an die „große Quantität folienartigen Materials“ am Fundort], die von diesen Wetterballonen übrigbleiben, wenn sie ihren Dienst getan haben oder aus Sicherheitsgründen zum Zerplatzen gebracht wurden. Die Ballone müssen eine Höhe von 30.000 bis 50.000 Fuß (10 bis 20 Kilometer) erreichen, um nicht den Flugverkehr zu stören und um die Region der ständigen West-Ost-Strömung zu gelangen; dort treten sie die lange Wanderung an, in deren Verlauf ihre Instrumente meteorologische Daten sammeln und die Wolkenbildungen unter ihnen fotografieren [und bei freiem Himmel freilich auch das strategisch-interessante Gelände darunter, welch ein Zufall]. 

Diese Daten, sagte Dulles, würden den Vertretern aller Nationen im kommenden Geophysikalischen Jahr zugänglich gemacht werden. Die Instrumente lassen sich nach automatischer Zerstörung des Ballons an Fallschirmen nieder und enthalten in mehreren Sprachen Anweisungen, wo man sie gegen Belohung abgeben könne. Einige Tausend dieser Ballone sind im Laufe der Jahre in die Höhe gesandt worden, aber Dulles sagte nicht, wie viele zurückkamen. Aus Albanien, Rußland und China sind inzwischen Beschwerden eingelaufen, man habe Fallschirme mit darangehängten Fotoapparaten und Sendegerät gefunden, doch tragen diese Aussagen nicht notwendig den Stempel der Wahrheit, sondern wiederholen in verzerrter Form die Angaben der amerikanischen Luftwaffe. Albanien beispielsweise will „explosive Ballone“ beobachtet haben – ein Irrtum, der offenbar auf die amerikanische Information zurückgeht, die Ballone würden zur Explosion gebracht, wenn sie die nötige Höhe verlören. Im übrigen zeigten sich die amerikanischen Stellen verwundert darüber, dass Regierungen, die vor geraumer Zeit auf das Wetterballonprojekt aufmerksam gemacht und zur Mitarbeit eingeladen wurden, nachträglich um ihre „Lufthoheit“ besorgt zu sein vorgeben. ¸ Überaus keck kann man die US-Politik nennen, hier diskutiert man um Lufthoheitsverletzungen durch Spionage-nützliche Stratosphärenballons, während gleichsam am Groom Lake in Nevada die Area 51 hochgezogen wurde, um dort die U-2 in den Himmel zu bringen! Dulles gab sich leutselig in Sachen der technisch-überholten Stratosphärenballons für Spionagezwecke und schickte insgeheim das supergeheimste Flugzeug bis dahin, die U-2, hinter den Eisernen Vorhang. Wie üblich, auch dieses Faktum beweist einmal mehr, dass die geheimdienstliche Tätigkeit nach außen hin immer ein zweischneidiges Schwert ist und keine klare Lüge, aber auch keine deutliche Wahrheit enthält. Raffinierte Brisanz bekommt die ganze Affäre durch, wenn man weiß, dass der Bruder von US-Außenminister Dulles, Allen Dulles, gerade CIA-Chef war und aus einem dem Kongreß unbekannten Geheimfond die U-2 finanzierte. Genauso wie die US-Behörden Spionageflüge mit „elektromagnetischer Forschung“ und „fotografische Karten-Erstellung“ deklarierten, haben sie es übrigens auch mit dem Roswell-Objekt gemacht und es als den Rest von einem Wetterballon erklärt – dies in den damaligen Zeitungsmeldungen genausowie wie in einem internen FBI-Dokument, wie wir es im CR 134 ab S. 23 verwendeten, vom 8. Juli 1947 bekanntgemacht worden ist. 

Diese Aufklärung des Geschehens war halb richtig und halb falsch, dies alleine kann man die „große Verschwörung“ in Anbetracht umseitiger Berichterstattung nennen. 1993 kam UFO-Forscher Joe Stefula (ehemals Special Agent des Armee-eigenen Criminal Investigation Command, CIC) daher und erklärte, ein ihm anonym zugespieltes Diagramm von einem infrarotwahrgenommenen DSP (Defense Support Program)-Satelliten-Zwischenfall vom 5. Mai 1984 zu besitzen. Stefula schränkte ein, nicht imstande gewesen zu sein, zu bestimmen, ob dieses Dokument absolut authentisch ist. Dennoch, wie immer in solchen Fällen, stürzt sich die ufologische Bande darauf und pumpte die Affäre ohne Rücksicht hoch. Erz-Skeptiker Philip J. Klass, ehemals Mitverantwortlicher des hochangesehenen Aviation Week & Space Technology-Magazins (in Fliegerkreisen auch als „Aviation Leak“-Magazin bekannt, da es gelegentlich Informationen veröffentlicht, die keineswegs auf Presse-Konferenzen freigegeben wurden und aufgrund derer auch hochrangiges Pentagon-Personal erstmals hört, was in seinen Gängen so alles läuft) wurde von OMNI heimgesucht, um seine Meinung zu diesen im ufologischen Untergrund herumgeisternden Gerücht zu hören. Klass kommentiert eine Lösungsmöglichkeit, wonach der mysteriöse fast walker-Vorfall vom Mai 1984 wahrscheinlich auf nichts weiter als eine geheimgehaltene SR-71-Mission (oder vom sowjetischen Gegenstück) des Blackbird-Spionageflugzeugs ist. Der Mai 1984-Zwischenfall soll in 80.000 ft Höhe stattgefunden haben, „die typische Region für Blackbird-Operationen“, meint Klass. Von oben herab ist der Nachbrenner der SR-71 leicht für das DSP-System zu orten. Er muß es wissen, schließlich war eines seiner Spezialgebiete als Luftfahrt-Journalist geheime Satelliten-Systeme, worüber er auch das Buch Secret Sentries in Space schrieb. 

Mit im Infrarot-Spektrum arbeitenden Überwachungssatelliten gab es schon immer Schwierigkeiten, da sie immer mal wieder falschen Alarm schlagen, sei es, dass Wolken die Sonnenstrahlung reflektierten, sei es, dass Hochöfen, Vulkane oder andere Wärmequellen natürlichen Ursprungs in den Beobachtungsbereich gerieten. Ähnliche Symptome kannte man übrigens von den Frühwarnradargeräten in Alaska und Grönland: „Kurz nach Inbetriebstellung des Frühwarnsystems ereignete es sich, dass anfliegende ballistische Raketen festgestellt wurden. Es wart, wie sich später herausstellte, der Mond. Glücklicherweise siegte in Colorado Springs die Klugheit, zum Teil auch aus mangelndem Vertrauen in das neue System, über die Auslösung eines Gegenschlages. Die größte Tragödie der Geschichte wurde vermieden und eine Erfahrung gesammelt. War es der Gedanke daran, dass große entfernte Objekte ebenso viel Energie wie kleinere nähere reflektieren? Oder war es die Ansicht, dass man ungetesteten elektronischen Systemen nicht so sehr vertrauen sollte, um nukleare Raketen zu starten? Oder war es einfach das Gefühl, dass man den Anweisungen ungetesteter elektronischer System nicht vertrauen sollte?“ fragten sich Abram Chayes und Jerome B. Wiesner in dem Buch Raketenkrieg, Berlin, 1970. In den letzten Jahren geriet die U-2 in Vergessenheit, obwohl sie während des Golfkriegs 1991 und über Bosnien im Jugoslawien-Konflikt nach wie vor Einsatz fand. Jetzt erst wieder machte eine Irak-Krise zur Waffen-Kontrolle von Saddam Hussein von sich reden, die sich auf Aufklärungsflüge mit der U-2 bezogen. Der Himmelsspion ist äußerlich gering verändert seit 1955 im Einsatz. Lockheed hat seither etwa 60 Maschinen produziert, die neueren Versionen tragen die Serienbezeichnungen U-2R und TR-1. Aufklärer vom Typ U-2 erreichen eine Flughöhe von 27.000 m und fliegen damit praktisch außer Reichweite der meisten feindlichen Raketen. Neben der Radar-Erkundung von Zonen mit bis zu 110 Kilometern Durchmesser werden hochentwickelte elektronische Instrumente eingesetzt, um für einen Lauschangriff auf alle Funk- oder Telefonverbindungen von Bodentruppen gerüstet zu sein. Da auch hochentwickelte Datenentschlüßelungsgeräte sich an Bord der U-2 befinden, ist damit zu rechnen, dass das NRO und der NSA hier ebenso ihre Finger im Spiel haben. Natürlich wäre es kindisch-naiv, wenn man hier verharren bliebe und den großen „Gegenspieler“ hinter dem „Eisernen Vorhang“ als rückständig betrachten würde. 

Auch die Sowjets starteten ihre „UFO“-Aufklärungsangriffe im Kalten Krieg gegen die westliche Welt, hierzu ein Musterbeispiel der extraordinären Art: Alarm für britische Radarstationen hieß es lt. dpa aus London und Der Tagesspiegel vom 7. April 1957 berichtete: Für alle Radarstationen der britischen Luftwaffe wurde am Sonnabend Alarm gegeben. Sie wurden vom Luftfahrtministerium aufgefordert zu kontrollieren, ob sie mit ihren Geräten irgendein „nicht identifiziertes oder seltsames Objekt“ feststellen könnten. Diese Aufforderung geschah, nachdem eine Radarstation des Bomberkommandos der Royal Air Force in Südwest-Schottland von einem Objekt unbekannter Herkunft berichtet hatte. Zwei Beobachter dieser Station hatten am Donnerstag für längere Zeit einen nicht näher identifizierten Gegenstand auf dem Schirm ihres Radargerätes beobachtet. Der Kommandant der Station erklärte, dies sei auf keinen Fall eine Einbildung gewesen. Die beiden Beobachter seien äußerst erfahrene Leute. Das Luftfahrtministerium sehe die Angelegenheit als „äußerst ernst“ an. Interessant dagegen ist eine United Press-Meldung vom 7. April 1957, die in England um das Ereignis kursierte und hierzulande keinerlei Beachtung fand und deswegen jenen Fall als UFO-Ereignis unaufgeklärt zurückließ. Hier wurde unter der Schlagzeile Wahrscheinlich russisches Flugzeug – Mysteriöses Objekt von schottischer Radarstation ausgemacht gemeldet, dass das fragliche Objekt, welches auf der abseits gelegenen Radarstation bei Stranrater ausgemacht wurde, mit hoher Wahrscheinlich ein „russisches Aufklärungsflugzeug war, welches Schottland über den Arktischen Kreis erreichte“. Diese Aussage machte nämlich inzwischen Wing Commander W.P. Whitworth, Chef der Anlage. Auch das Londoner Luftfahrtministerium wollte diese Erklärung nicht ausschließen. Unkontrollierbare Vorgänge im Luftraum? Welche Rolle spielen die „Fliegenden Untertassen“ in der Politik – Unbekannte Objekte auf englischen Radarschirmen – Spukt die Atom-Versuchsrakete der Sowjets? Diese Fragen wurden für einen Bericht von Ralph Oilinger in der Zeitschrift Der Freiheitsbote vom Mai 1957 getitelt: Ein besonders für den Höhenflug konstruiertes Versuchsflugzeug der amerikanischen Luftwaffe ist in diesen Tagen über der Salzwüste von Nevada aus unerklärlichen Gründen abgestürzt. Aus heutiger Sicht ein deutlicher Hinweis auf die U-2! Etwa zur gleichen Zeit sichteten die Radarstationen eines Bomberkommandos der Royal Air Force über dem britischen Luftraum einen unbekannten, seltsamen, nicht näher zu bestimmenden Flugkörper der als sowjetisches Aufklärungsflugzeug identifiziert wurde]. 

Und der Londoner Daily Herald meldete, die Sowjets feuerten alle vier Tage eine Proberakete einer Fernlenkwaffe ab, die mit Atomkopf versehen werden könne und eine Reichweite von 1.450 km habe. Erste Tests von Interkontinental-Raketen, ICMBs, die natürlich von Beobachtungsinteresse für die CIA mittels ihrer U-2 waren; tatsächlich schossen die Russen am 26. August 1957 ihre erste interkontinentale ballistische Rakete ab – seither befanden sich Bomber des amerikanischen SAC 24 Stunden an 7 Tagen der Woche über den Polargebieten in der Luft. Sind diese Tatsachen nun irgendwie miteinander in Beziehung zu bringen oder gibt es noch andere Ursachen für die unkontrollierbaren Vorgänge im oberen Luftraum? Im Pentagon, dem amerikanischen Verteidigungsministerium, erklären verantwortliche Militärs sauer, dass die UFOs, die „Fliegenden Untertassen“, in der Politik eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Sie meinen damit, dass jene geheimnisvollen Flugobjekte immer wieder als Hinweis auf das Rätselhafte herangezogen werden, das sich offenbar in der Stratosphäre abspielt. Solange es der United Air Force nicht gelingt, den Schleier des Geheimnisses über sagenhafte Flugzeugabstürze, sonderbare Radarbeobachtungen und das militärstrategische Treiben in höheren Luftregionen zu zerreißen, lassen sich auch die Stimmen nicht voll widerlegen, die von „Operationen interplanetarischer Mächte“ sprechen. Hier läßt sich nur an den gesunden Menschenverstand, die Objektivität, die Vernunft und die wohl ernster zu nehmenden Erklärungen der Wissenschaft appellieren oder darauf verweisen. Es heißt, das amerikanische Höhenflugzeug sei in 21 km Höhe beim Zusammenstoß mit einem unbekannten Objekt in zwei Teile geborsten und dadurch abgestürzt. Beim Aufschlag fing es Feuer, konnte aber so rechtzeitig gelöscht werden, dass ein Teil der Meßinstrumente „identifizierbar“ ist. Wie eine Information der US Air Force besagt, erfolgte der Zusammenstoß bei mehreren tausend Kilometern Stundengeschwindigkeit, wobei das unbekannte Objekt die größere Geschwindigkeit gehabt haben muß, die weit über der Triebkraft der üblichen Raketen liegt [Testflüge werden stets aus Gründen der Beobachtung der Mission von leistungsstärkeren Maschinen begleitet]. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass diese Darstellung von den der amerikanischen Militär- und Außenpolitik nicht wohl gesonnenen Kreise sogleich benutzt wurde, um darauf zu verweisen, dass vielleicht „Fliegende Untertassen“ im Spiel gewesen sein könnten, Flugobjekte außerirdischer Herkunft also von irgendeinem anderen Planeten, der demnach den technischen Errungenschaften der Erde weit überlegen sein müßte. Das zentrale Bomber- und Jagdkommando der amerikanischen und englischen Luftwaffe glaubt jedoch nicht an solche UFOs. Aber es hält die Politik der „Fliegenden Untertassen“, wie vor allem von „typischen Antimilitaristen“ und Gegnern der westlichen Welt, ausgestreut würde, für gefährlich, weil sie geneigt ist, die Welt in Atem zu halten und sie im Laufe der Jahre an die Grenze einer Art Unsicherheit, wenn auch nicht Panik, zu bringen, ein krampfhaft verborgener Angstzustand, der dem Kommunismus nur angenehm sein kann. 

Amerikanische Raketenspezialisten halten es für möglich, dass das amerikanische Höhenflugzeug mit einer sowjetischen Versuchsrakete zur Beförderung von Atomsprengköpfen, die in Kamschatka startete, im oberen Luftraum von Nevada zusammenstieß [dies ist purer Unfug, da a) der Abschuß von Testraketen, auch bei den Russen damals, immer über dem eigenkontrollierten Gebiet stattfindet, b) schon vor dem Eindringen dieser angedachten Rakete in den Luftraum von Nevada diese zu SAC-Alarm geführt haben müßte und c) der Zufall für einen solchen ‚Unfall‘ so gut wie auszuschließen ist]. Nach Art der Radarbeobachtung über England, die im Auftrage des Luftfahrtministeriums ausgelöst worden war, kann es sich auch bei diesem Objekt um die berüchtigte Versuchsträgerrakete der Sowjets für Atomwaffen gehandelt haben [dies ist nicht haltbar, wenn auch eine interessante Spekulation, die hauptsächlich den amerikanischen Hochrüstungs-Militärs um General LeMay {einem der scharfen Pentagon-Falken} und seinem hochgerüsteten Strategic Air Command half, der den Kalten Krieg mit manchem Falschspiel förderte]. Die ständigen Einsatzkommandos der B-52 sind auf den amerikanischen Absprungbasen benachrichtigt worden und werden künftig besonders intensiv nach unbekannten Raketen Ausschau halten, die durch die Stratosphäre geistern [kein Wunder also, wenn bei dem ausgegebenen Befehl auch jegliche andere, zunächst befremdlich anzusehende Erscheinung, als UFO-Sichtung von Piloten in die UFO-Literatur eingingen, die vielleicht ansonsten gar nicht gemeldet worden wären]. Ob sie den Spuk der Fernatom-Versuchsrakete der Sowjets auf die Spur kommen, ist jedoch eine andere Frage, da die Rakete ca 10 km höher als diese neuesten Düsenbomber ihren Weg um die Erde bzw Kurs auf die Abschnittsbasis nimmt. All diese Probleme beschäftigen einen in diesen Tagen gegründeten geheimen Untersuchungsausschuß der anglo-amerikanischen Luftwaffe. Er will auch psychologische Gegenmaßnahmen gegen eine überhand nehmende Politik der „Fliegenden Untertassen“ treffen. 

Obiger Bericht zeigt auf, wie ein Journalist plötzlich sich in seiner Analyse der Situation zum Spielball der Militaristen machen kann, auch wenn der den realen Gegebenheiten hinter den Kulissen des Kalten Kriegs recht nahe kam! Weniger orientierte Schreiber erkennen die Zusammenhänge erst gar nicht oder verfallen voll dem ufologischen Wunderland namens „Kupferkessel voller Gold am Ende des Regenbogens“. Es war tatsächlich eine heiße Periode damals gewesen, die voller Provokationen von beiden Seiten war: Immer wieder tauchten Himmelsspione in Form von Langstrecken-Höhenflugzeugen in den Einflußsphäre der jeweils anderen Seite ein, dabei handelte es sich dann tatsächlich um nicht-gemeldeten Flugverkehr und um nicht ausgewiesene Radar-Ziele, also in beiden Fällen, so oder so, um unidentifizierte Flug-Objekte. Und um jene Fluggeräte des potentiellen Gegners ging es beiden Seiten – nicht um außerirdische Raumschiffe oder sonstige ufologische Ausdeutungen der phantastischen Art. Nachfolgender Bericht zeigt auf, dass die Amerikaner nach dem Auftauchen der Russen vor England nun selbst fürchteten, von den unidentifizierten russischen Flugobjekten angegangen zu werden: US-Radarnetz alarmiert meldete aus Washington UP und Der Tagesspiegel schrieb am 7. November 1957: Das Radarnetz der amerikanischen Luftwaffe ist in Alarmbereitschaft versetzt worden, um auf sogenannte „nicht-identifizierte Flugkörper“ zu achten. Bisher wurden aber keine derartigen Gegenstände registriert. Man muß dringend berücksichtigen, dass während der Jahre des Kalten Kriegs sich US-Spionageflugzeuge und sowjetische Abfangjäger heiße Verfolgungsjagten lieferten. Umfang und Zahl der Zwischenfälle gelten bis heute als „streng geheim“. Die USA und ihre britischen Alliierten verloren Dutzende von Maschinen und etwa 200 Mann an Besatzung bei Abschüßen durch die Sowjets entlang des sowjetischen Hoheitsgebiets und bei „Eindring-Missionen“ bis knapp vor Moskau. So frech waren die Roten eigentlich nie, weswegen auch nie eine ihrer ‚Gegenschlags-Maschinen‘ abgeschossen wurde. Entgegen verbriefter internationaler Rechte drangen NATO-Aufklärungsflugzeuge tief in sowjetisches Hoheitsgebiet ab 1952 ein, neugierig darauf zu sehen, inwieweit die Sowjetunion (der Kommunismus schlichthin) Atomwaffen und Raketen entwickelten bzw stationierten. Das dazu verwendete westliche Fluggerät konnte diese Missionen nur durchführen, wenn es außerhalb der Reichweite der sowjetischen Luftaufklärung operierte, dies heißt: möglichst lange jenseits der Radarortung blieb und hoch genug sowie schnell genug flog, um der russischen Abwehr zu entgehen. Viele dieser Einsätze wurden sogar vor den amerikanischen Präsidenten Truman und Eisenhower geheimgehalten. Verantwortlich dafür war der CIA und der Führer des Strategic Air Command, General LeMay. Curtis E. LeMay

Sogar den Angehörigen der abgeschossenen Geheimagenten verschwieg man jahrzehntelang die volle Wahrheit und sagte ihnen nur, sie wären bei „Routineflügen in Wetterbeobachtungs-Flugzeugen“ abgestürzt und umgekommen. Wieder einmal nur eine halbe Wahrheit und keine ganze Lüge. Ein dunkles Kapitel in diesem Zusammenhang ist aber England geblieben, welches heute noch in dieser Sache mauert. Premierminister Churchchill nämlich war nicht so zimperlich wie seine amerikanischen Kollegen und stellte über die RAAF dem CIA logistische Unterstützung in Form von Flugplätzen in England und ausgesuchtes Personal für die amerikanischen Aufklärungs-Maschinen zur Verfügung, Truman und Eisenhower bekamen davon nichts mit, weil noch nicht einmal die verantwortlichen Verbindungsoffiziere von LeMay und dem CIA zum Weißen Haus eingeweiht waren. Zahlreiche Einsätze starteten von England aus, führten über Deutschland hinweg und die aluminiumglänzenden Flugzeuge in großer Höhe erschienen dann als „glitzernde Dinger am Himmel“ über der Sowjetunion und ihren Satelliten-Staaten. Nur die unmittelbaren Crews und ihre Führungsoffiziere wußten von den Missionen. Die Einsätze wurden zur bewußten Verwirrung der sowjetischen Abwehr im „Zickzack-Kurs“ von Hochleistungsmaschinen durchgeführt. Trotzdem gab es erhebliche Verluste, wenn auf diese ungemeldeten Flug-Objekte das scharfe Feuer mit Bordwaffen der MIGs oder mittels Boden-Luft-Raketen eröffnet wurde, was durchaus das Recht jeder Luftabwehr ist. Natürlich gingen die allermeisten Einsätze dieser Art gut. US-Generalstabschef Twining wußte bis 1956 nichts von den CIA-Aktionen oder gar von der Existenz der U-2, man hat ihn (der auf der anderen Seite ausgerechnet über den Fund der Roswell-Untertasse informiert gewesen sein soll) schlichtweg über dieses Gerät und seinen Einsätzen nicht informiert. Er stand 1956 bei einem Moskauer Gipfeltreffen wie ein dummer Junge da, als der sowjetische Staatschef ihn klagend darüber berichtete! Kein Wunder also, wenn auch die Sowjets reagierten und sich via Fernaufklärung und ‚Warnschuß‘-Vorstößen revanchierten, gerade auch zeithistorisch paßend entlang der britischen Küste (und nicht nur da!), von wo aus die versteckten US-Operationen geraume Zeit liefen. 

Ohne diese real-historischen Gegebenheiten zu kennen und zu beachten ist eine Debatte um die vorgeblichen UFO-Sichtungen nutz- und sinnlos. Weshalb aber die große ufologische Gemeinde immer wieder diese offensichtlichen Zusammenhänge verschweigt weißt nur darauf hin, dass die ufologischen Promoter entweder keine Ahnung haben oder bewußt dumm tun, um ihren naiven UFO-Vorstellungen huldigen zu können. Interessant ist aber, dass die selben UFO-Vertreter nicht müde werden, auf ihre eigene Bildung und berufliche Position egozentrisch hinzuweisen, um eine soziale und gesellschaftliche Überlegenheit z.B. gegenüber dem „nur-Einzelhandels-Kaufmann“ und UFO-Skeptiker Werner Walter anzudeuten bzw ins Spiel zu bringen. Wichtig dagegen ist aber nur eines: Genau jener Werner Walter spielt von unten nach oben die UFOlogen mittels besserer Informationen, größerer Fachkenntnis und fachliche Kompetenz aus, da mag die UFOlogen-Meute aufheulen wie sie will, an diesem Faktum geht jedoch kein Weg vorbei. Dieser Artikel ist einer der vielen Beweise dafür. Lassen wir mal zwei Piloten der amerikanischen Luftwaffe zu Worte kommen, die in der wöchentlichen Luftfahrt-Zeitschrift Aeroplane (Nr. 47 & 120) ihre Erfahrungen einbrachten. Zunächst einmal kommt Nemop Niemotka von der New Jersey Air National Guard an Bord seiner Convair F-106 Delta Dart dran: „Als reine Abfangjäger wurden wir gewöhnlich auf alle möglichen nicht identifizierten Objekte angesetzt. Meistens waren es russische Bears des Typs ‚Bear C‘ oder ‚Bear D‘, die auf ihrem Weg nach Kuba die amerikanische Ostküste ausspähten. Sie versuchten es aber auch von Kuba aus, vielleicht um unsere Schiffsbewegungen auszukundschaften. Im Süden stellten sie regelmäßig unsere Luftverteidigung auf die Probe, indem sie parallel zum 24. Breitengrad zwischen Kuba und Florida patrouillierten. Bei unserem Standort im Süden gab es häufig Einsätze gegen Drogenschmuggler. Auch mit UFOs sollten wir uns gelegentlich beschäftigen, ich persönlich allerdings nie. Ein paar Jungs meiner Staffel wurden einmal auf ein unidentifiziertes Flugobjekt über Fort Lauderdale angesetzt. Als sie dort ankamen, war natürlich nichts mehr da. Die Meldung als solche klang glaubwürdig – Lichter mit ungewöhnlicher Route am Himmel, aber weder auf dem Radar noch auf dem Infrarot-Sichtschirm zeigte sich irgendetwas. Aber es gehörte nun mal zu unserem Job – raus, auf jede Meldung hin, in kürzester Zeit starten ud die Höhe des jeweiligen Objektes erreichen.“ 

Ein weiterer militärischer Flieger dient uns als Zeitzeuge: Peter Karalus auf seinem Abfangjäger Lockheed F-94 Starfire bei der 96th DIS, die zwischen 1952 und 1957 in New Castle County Air Port (Delaware) stationiert war. „Diese Einheit war Teil des Air Defense Command (ADC), nach jedem Erst-Alarm mußten wir in spätestens 5 Minuten in der Luft sein. Unser Auftrag war klar definiert: aufspüren, identifizieren, abfangen, zerstören. Mitte der fünfziger Jahre sorgten zudem UFOs für große Aufregung. Eines Nachts war ich auf der Jagd nach einem UFO. Die Bodenkontrolle hatte etwas auf dem Radar entdeckt, und ich wurde hinausgeschickt, um es zu identifizieren. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Der Ground Controlled Intercept-Lotse sah etwas auf dem Schirm, das sich uns mit großer Geschwindigkeit näherte. Schließlich konnte ich hinter dem Ding einkurven. Ich machte so etwas wie einen Lichtschein vor mir aus, und -ich kann es kaum anders beschreiben – es hatte die Form einer Zigarre. Als ich auf Sichtweite heran war, versuchte ich, es mit vollem Nachbrennerschub einzuholen. Aber je schneller ich flog, desto schneller wurde auch das Ding. Ich hatte es vor mir und auf dem Radarschirm. Ich sah ein Licht oder etwas Ähnliches. Leider kam ich nicht heran. Dann verschwand es vor mir in den Wolken, und ich brach den Einsatz ab. Wir sprachen nicht viel über UFOs. Wir konnten sie nicht identifizieren, das war alles“, überliefert es Pilot Karalus. Weitere Historische Information: In diesem Zusammenhang muß eine wichtige Information eingeflochten werden, die wir am 9.10.1997 aus dem „Project 1947“-Internet-Forum abgezapft haben und auf Brad Sparks Artikel „Philip Corso´s Roswellmania“ zurückgeht, der hier Corso einiges aufs Haupt gibt. Wie auch immer, in Sachen CIA und unser derzeitiges Thema erfahren wir, das Richard M.Bissell als „Chief of the Clandestine Service“ (Deputy Director of Plans) der Chef der U-2-Einsätze und der „Corona-Spionage-Satelliten“-Projekte für den CIA war. Sparks hatte vor fast 20 Jahren Gelegenheit mit Bissell über sein Wissen in Sachen UFOs und dem Projekt Corona persönlich zu sprechen, wobei jener niemals etwas von Roswell oder Corso erwähnte. Dies ist deswegen wichtig, weil Corso von sich behauptet, man habe ihm 1961 das Corona-Programm in Langley übergeben (Corso, S.1 31, 136) – jenseits dessen, dass das CIA-HQ damals dort noch gar nicht in Betrieb war (siehe New York Times vom 3. Mai 1961). Das Corona-Projekt wurde von Präsident Eisenhower am 7. Februar 1958 befohlen, da ihm dies weitaus sicherer schien als wenn mittels Spionageflugzeugen und Stratosphären-Ballonen Fernaufklärung betrieben würde, zwei Jahre später sollte er wegen dem U-2-Abschuß von Gary Powers über der UdSSR in seiner Meinung bestätigt werden. 

Technische Information: Mittels Discovery II-Raketen wurden Aufklärungs- und Beobachtungs-Instrumente in einer Sonde in den Kosmos gebracht. Nachdem die Spionage-Missionen abgeschloßen wurden, wurden die Satelliten-Kapseln aus Keramikmaterial an Fallschirmen zurückgeschickt und in an C-119- oder C-130-Flugzeugen (man nannte sie „Flying Boxcars“) durch die Lüfte getragenen großen, trapezförmigen Nylon-Schleppnetzen (hoffentlich) aufgefangen bevor sie wasserten und etwaig von sowjetischen Schiffen geboren werden konnten. Als „Unternehmen Flaschenpost“ wurden diesbezügliche Vorbereitungen z.B. am 15. April 1959 bereits in der Die Welt vorgetragen, wenn auch ‚unschuldig‘ als ziviles Unternehmen der NASA, die Bergung der Fotokapseln selbst bekam den Kodenamen „Hot Hand“ und wurde von einem „Moon Dust“-Team vorgenommen – eine Spezialeinheit Amerikas zur Bergung von allem was aus dem erdnahen Raum oder Weltraum kam. Von diesem technisch interessanten Vorgang bekam die Öffentlichkeit so gut wie nichts mit. Der erste Coronoa-Test fand am 10. August 1960 statt, wobei hierfür aber nur eine Kapsel mit einer amerikanischen Flagge Verwendung fand. Nach der Bergung, an der übrigens der Projec-Blue Book-UFO-Officer für Japan* teilnahm, wurde der Sternenbanner an Präsident Eisenhower übergeben und seitdem schmückt dieser das Oval Office im White House. 1963 kartografierten Corona-Satelliten die UdSSR und belegten damit, dass die UdSSR keine gewaltige ICBM-Macht in Sibirien oder sonstwo besaß und die politisch ausgeschlachtete „missile gap“ somit nur taktische Ziele bestimmter amerikanischer Machthaber besaß (übrigens brachte Pro7 am 11.Januar und am 25. Oktober 1998 in der Sendung Welt der Wunder jeweils einen Beitrag zum Corona-Programm.). Nur eine Mission ging schief und die Sowjets fingen eine der Spionage-Fotokapseln ab. Bemerkenswert dabei ist übrigens auch der Umstand, dass die Auflösung der optischen Kamerasysteme dieser Spionagesatelliten vorher dadurch getestet wurden, indem man insgeheim im amerikanischen Mittelwesten in Kornfeldern Zeichen und Symbole in unterschiedlichen Dimensionen einbrachte, um so eine Kalibrierungssystem für die Empfindlichkeit der Kameras zu haben. 

*= Dies aufgrund der Tatsache, dass die Wasserungen der Corona-Aufklärungsfracht im Pazifik zwischen Hawaii und Japan vorgenommen wurde und nachdem die Spionageinstrumente die UdSSR im Süd-Westen überflogen hatten. KAL 007 Den ganzen Problemkreis macht ein außergewöhnlicher Fall deutlich: Der tragische KAL-Flug 007 einer Boeing 747 am 1.September 1983 von Anchorage im amerikanischen Alaska über die Pazifik-Route Japan nach Seoul. Die Airline gehört übrigens nicht dem Tarifverbund der International Air Transport Association an und bietet Tickets ein Drittel unter dem Preis der Konkurrenz an. Wer so knapp kalkuliert, der muß alle Tricks ausnutzen, um Kosten zu sparen – ihre Piloten angewiesen, immer eine möglichst kurze Route zu fliegen, um Kerosin zu sparen. Über dem Nordpazifik fliegen sie gerne „sorglos“: hart an der Grenze zur UdSSR, wobei sie deren Militärs gelegentlich „aufs äußerste reizen“ – alle wissen davon, abgesehen von den Passagieren, denen nur der billige Flug wichtig ist. Kapitän Chun Byung-in läßt die Boeing mit 269 Menschen an Bord 600 Kilometer vom Kurs abkommen und in das militärische Sperrgebiet der UdSSR an den Küsten Sachalins und Sibiriens eindringen, wo sich das Kamschatka-Raketen-Testgelände befindet. Dort befinden sich empfindliche sowjetische Militäreinrichtungen, weswegen die Sowjets ob aller Verletzungen durch nicht-gemeldeten und unbekannten Flugverkehr nervös reagieren. Ein sowjetischer Kampfjet bekommt den Auftrag, den „unbekannten Eindringling“ vom Himmel zu putzen. Die Tragödie ist ein Beispiel aus der absurden Geschichte des Kalten Kriegs. Auf allen See- und Luftkarten ist klar ausgewiesen, dass bei unbefugtem Eindringen „ohne Vorwarnung geschossen“ wird. Kein Offizier mag fremde Maschinen über Kriegshäfen, Airsports, Raketenstellungen, Radaranlagen, Testgeländen oder anderen „hochsensiblen „Bereichen dulden. Allein aus Gründen der Spionage. Vor allem die sowjetische Aeroflot ist in den USA dafür berüchtigt, sich ausgerechnet über amerikanischen Militärbasen zu „verfliegen“. Schon früher hatten Piloten der Korean Air Lines (KAL) im kanadischen Polarmeer einen spritsparenden Schwenk gemacht, um über Nordrußland den Weg über die Kola-Halbinsel zu nutzen. Hier liegt der Nordatlantikhafen der sowjetischen Atom-U-Boot-Flotte – weiter südlich befindet sich ein streng geheimes militärisches Raumfahrtzentrum (Plesetsk), da hat niemand etwas zu suchen, der keine Genehmigung der sowjetischen Behörden sowie des Armee-Geheimdienstes GRU (Codename: Militärabteilung 44388) mit dem „Kosmischen Aufklärungsdirektorat“ am Chodinsk-Flugplatz bei Moskau besitzt. Hier schickten die Sowjets ihre militärischen Cosmos-Satelliten hoch, die wegen ihrer niedrigen Umlaufbahnen oft nur zwei oder drei Wochen oben bleiben und deswegen fortlaufend brisante Raketenstarts hier stattfinden, die der nationalen Sicherheit dienen. Falls es je zu einem Krieg zwischen den Supermächten käme, würde der Abschuß der „Himmelsspione“ wohl zu den ersten Kampfmaßnahmen gehören, um den Feind blind zu machen, gleiches gilt natürlich für die Zerstörung der dahinterstehenden Infrastruktur wie die Startplätze. 

Und wie es der Zufall so will: Am 20. April 1978 durchdringt zunächst unbemerkt der KAL-Flug 902 auf dem Weg von Paris-Anchorage-Seoul unbemerkt den unsichtbaren Radarschirm der sowjetischen Flugsicherung und dringt 320 km weit in die Luftverteidigungszone des Sowjet-Territorium ein. Erst 18 Minuten nach Übertritt der Grenze reagiert die Luftverteidigung und schickt ein halbes Dutzend Suchoi Su-15-Abfangjäger des Kommandos „Protiwo Wosduschnoi Oboronij“ (PWO) unter Marschall Pawell Batizki auf das unbekannte Ziel los. Genau diese Zone wird von rund 10.000 SAM-Flugabwehr-Stellungen und mindestens 220 Abfangjägern gesichert – dieses Potential zeigt auf, dass dieses Gebiet nicht gerade ein vernachläßigter Hintergarten der Sowjets ist und eine Sicherheitszone Nr. 1 darstellt, da hat jeder die Finger davon zu lassen. Alle ungemeldeten Flugbewegungen in dieser Sicherheitszone sind damit reine Selbstmordkommandos. Kein vernünftiger Flieger käme auf die rational begründete Idee in diese Höllenzone einzufliegen – dennoch geschah es. Die Befehlswege der PWO sind zu lang, zudem sind einige Soldaten vor den Radarschirmen sinnlos besoffen, andere gleich erst gar nicht angetreten. Diensthabende Offiziere hatten sich aus Bequemlichkeit die Bedienung für ihre Kontrollinstrumente per illegale Fernleitung ins eigene Schlafzimmer ans Bett legen lassen – ja, dies war der sowjetische Alltag der zweitgrößten Militärmacht auf diesem Planeten! Moskau tobt und der Führungs-Offizier wird wegen mangelnder Pflichterfüllung an die Wand gestellt. Wie man ein Flugzeug abzufangen hat, das unautorisiert in einen überwachten nationalen Luftraum eindringt, ist seit Jahrzehnten im Detail und in internationalen Abkommen festgelegt: Der Abfangjäger nähert sich dem unbekannten Flugobjekt (sic!) zunächst von hinten, überholt es dann, bis er etwas links voraus fliegt. Dann „wackelt“ er mit den Flügeln – eine Geste, die ungefähr soviel wie „Achtung, ich übernehme das Kommando!“ bedeutet. Kinogänger für die Filme „Einsame Entscheidung“ oder „Air Force One“ kennen diese Prozedur, so dumm sind bestimmte Hollywood-Filme gar nicht angelegt. 

Back to reality: Antwortet die andere Maschinbe mit dem gleichen Manöver, fliegt der Abfangjäger voraus und weist den Weg – entweder zurück in den nicht gesperrten Luftraum oder zu einem Flugplatz, wo der Eindringling landen soll. Nachts ersetzen unregelmäßig aufblitzende Navigationslichter das Flügelwackeln. Jeder Zivilpilot ist darauf geschult! Doch was in der Theorie so klar ist, erweist sich in der Praxis als äußerst schwierig. Welcher Abfangjäger setzt sich schon vor ein „unbekanntes Flugobjekt“, sozusagen in bequeme Abschußposition, solange dessen Idenitität nicht hundertprozentig geklärt ist? Aus Vorsicht bleiben die Piloten lieber hinter dem Eindringling – der sie dann aber gar nicht sehen kann. Eine überaus brenzlige Situation für alle Beteiligten! Im Fall vom 20.4.78 liegen die Nerven blank, auf beiden Seiten. Die Sowjets eröffnen das Feuer auf das unbekannte Flugzeug, weil es sich nicht so verhält, wie man es von ihm erwartet. Eine typische UFO-Situation also. Was geschieht? Ein Abfangjäger ballert drauf los und zerfetzt die linke Boeing-Tragfläche sowie den Flugzeug-Rumpf in Höhe der Sitzreihen 23 und 24 – zwei Passagiere kostet es sofort das Leben! Der Navigator besitzt Nerven aus Stahl und reißt die Maschine aus zehn auf etwa ein Kilometer Höhe herunter und damit aus dem Erfassungskreis der Abfangjäger. Für sie ist das „UFO“ plötzlich verschwunden. KAL-Flug 902 rast nunmehr ohen Erfassung und Eskorte im Tiefflug über die Landschaft in Feindesland. Nach 90 Minuten landet die Maschine auf dem Eis, zwei zusätzliche Stunden später erst sind die Sowjets da. Dies war nicht die erste dramatische Situation jener Art. Bereits 1952 wurde eine DC-4 der Air France über Ostdeutschland von sowjetischen als UFO angeschossen, konnte aber in Berlin-Tempelhof notlanden. 1955 rasten zwei bulgarische MIG-15 einer Super-Constellation der „El Al“ entgegen – die Maschine war auf dem Weg von London nach Israel vom Kurs abgekommen und hatte die Grenze nach Bulgarien überflogen – die MIGs feuerten aus allen Rohren auf das ungemeldete Flugobjekt und alle 58 Menschen starben in mehreren Feuerbällen! 1969 verflog sich eine DC-8 der US-Seabord World Airlines nördlich der japanischen Insel Hokkaido und geriet vor sowjetische Abfangjäger, die im Alarmstart aufgestiegen waren, um einen unbekannten Eindringling abzufangen. Dieses Mal ging alles gut. 

Während eines Sandsturms 1973 in Nordafrika wagte der Pilot einer Boeing 727 der Libyan Arab Airlines den Start und verflog sich prompt über der Sinai-Halbinsel, die von Israel zum Kriegsgebiet erklärt worden war. Tel Aviv schickte sofort F4-E dem unbekannten Ziel entgegen, um es mit Warnschüssen zur Landung zu zwingen. Doch der Pilot reagierte falsch und deswegen schoßen ihn die Phantom-Piloten ab – von 166 Menschen überlebten nur acht! Zurück zum KAL-Flug 007. Shemya ist eine der am weitesten westlichen gelegenen Inseln der Alëuen – das unwirtliche Eiland wird zu einem erheblichen Teil von geduckten Baracken, von weißen, kugelförmigen Radardomen und langen Betonpisten bedeckt – Anlagen der US Air Force. Zur gleichen Zeit wie der südkoreanische Jumbo sich am Himmel befindet, ist auch eine RC-135 (S) des 6.Strategischen Aufklärungsgeschwaders der USAF in geheimdienstlicher Mission unterwegs, um die russischen Flugzeugbewegungen sowie ihren Funkverkehr zu verfolgen. Die Daten, welche hier aufgezeichnet werden, gehen sofort per Satellit (die zum Beispiel stationär in 22.000 Meilen Höhe über dem Indischen Ozean stationiert sind) zu großen „Antennenfarmen“ in den Bergen von West Virginia und von dort nach nach Fort Meade, Maryland, wo dann die National Security Agency (NSA) die Auswertung vornimmt. Das globale Kommunikationssystem (bestehend aus Satelliten, Horchposten, Computern und Scanner-Anlagen) der NSA ist für die US-Regierung das signifikanteste Mittel zur Nachrichtenaufbereitung und eine sehr effektive Quelle. Dort werteten bereits 1982 zwei Supercomputer vom Typ Cray I ununterbrochen Daten aus, die weltweit von insgesamt 4.120 NSA-Horchposten unabläßig übermittelt werden, Datenmengen die pro Tag auf 40 Tonnen Papier passen würden. So weiß man inzwischen, dass die NSA während des Falkland-Kriegs 1982 die argentinischen Verschlüsselungskodes knackte (dies ist ihre Hauptaufgabe, weswegen sie ein Heer von Mathematikern und Sprachwissenschaftlern beschäftigt) und den Engländer somit Angaben über argentinische Truppenbewegungen etc machen konnte. Ergänzt werden die gewonnen Daten durch Aufzeichnungen von Spionagesatelliten unter schiedlicher Typen, darunter übrigens auch mindestens zwei „Keyhole`s“ (Schlüßelloch), die geheimdienstliche Version des zivilen Astronomie-Weltraumteleskop „Hubble“ (übrigens setzte der NSA selbst keine Agenten ein, sondern bittet den CIA oder FBI um „Amtshilfe“ zwecks einen sogenannten „back bag“-Job, wenn er befürchtet mit einem fremden Code nicht klarzukommen, zu gut deutsche – die sollen den dann stehlen, der FBI im amerikanischen Inland, die CIA im Ausland). 

In der Operation „Cobra Dane“ sucht die US-Luftwaffe auch fortlaufend nach Lücken im sowjetischen Luftsicherungssystem, weswegen im Fernen Osten allein 47 Maschinen vom Typ RC-135 eingesetzt sind. Hierzu muß ausgeführt werden, dass die elektronische Aufklärung des Westen neben der puren Funkkommunikation auch die Erkundung gegnerischer Radaranlagen beinhaltet, was sich nicht mit einem rein passiven „Abhorchen“ bewerkstelligen läßt; denn es dreht sich darum, ihre Funktionsweise zu entschlüsseln, um darauf aufbauende Methoden zu ersinnen, die im Falle eines Angriffs die Unterfliegung des Radargürtels gestatten. Elektronische Aufklärungsflugzeuge müssen deshalb hin und wieder die gegnerischen Radarstationen „reizen“, einen Angriff simulieren, um dann in letzter Minute doch noch abzudrehen. Dabei werden nicht nur die Arbeitsfrequenzen der Radaranlagen bestimmt, sondern vor allem ihre Reaktionszeiten getestet. Natürlich werden hier auch alle Raketenstarts in der UdSSR verfolgt, allein schon einmal um auf eine Attacke reagieren zu können – und um abgestürztes Raketenmaterial wie z.B. Sprengköpfe etc im Ochotskischen Meer zwischen Sachalin und Kamtschatka bergen zu können, wozu sogar eine kleine Flotte amerikanischer Spezialschiffe auf dem Ozean unterwegs ist. Moon Dust läßt also grüßen! · Hier wird ein gefährliches Spiel betrieben, da gelegentlich von Amerikanern wie auch Sowjets an den jeweils anderen Hoheitsgrenzen gewagte Aufklärungs-Manöver geflogen werden, die in der Sprache der Militärs euphemistisch mit „Testen der gegnerischen Luftverteidigung“ umschrieben wird. Dabei dringen die Flugzeuge der jeweils anderen Feldpostnummer bewußt in den fremden Luftraum ein und rasen dann eilig wieder hinaus, immer in der Hoffnung, vielleicht eine Radarabdeckungs-Lücke zu finden, die natürlich militärisch interessant wäre. Hierzu hat man im Laufe der Zeit freilich alles mögliche Fluggerät eingesetzt, da die unterschiedlichen Typen unterschiedliche starke Radar-Echo-Querschnitte (Signaturen) erzeugen. So will jeder die Schwachstellen, die Sicherheitslücken, im Luftverteidigungssystem des Gegners entdecken. Jene Stellen, an denen dann im Erenstfall die eigenen Bomber am ehesten den fremden Verteidigungsring durchbrechen könnten. Allein bis 1983 gab man in Washington zu, wurden 900 sowjetische SAM-Luftabwehrraketen bei Grenzverletzung durch nicht gemeldete Flugobjekte nach ihnen abgeschossen, bisher kam es offiziell dabei aber zu keinem verzeichneten Schaden. Sie sehen: Tatsächlich wurde oftmals genug das russische Raketenfeuer auf UFOs eröffnet. Auch in der Nacht des Dramas war eine nicht angemeldete RC-135 im Einsatz und kreiste wie ein mon ströser Geier seine Runden über dem Nordpazifik. Weder die Russen, noch die Verantwortlichen in Anchorage und Tokyo wissen etwas von diesen Einsätzen. 

Die Crew der RC-135 schweigt und lauscht wie immer. Da passiert es, der Jumbo des KAL-Fluges 007 überquert die gleiche Region und Kapitän Chun Byung-in ahnt nichts davon, das er einen heimlich-unheimlichen Begleiter hat. Die Sowjets sind verwirrt und schlagen Alarm, weil sie mit einer solchen Provokation nicht rechneten. Das Radar der Luftraumüberwachung in Kamtschtka registriert das „Ziel 6065“ über dem Beringmeer und vergibt hierfür die Klassifizierung ID 81, was für „unbekanntes Flug-Objekt“ bei den Sowjets steht, auch wenn sie vermuten, dass dies mal wieder eine KC-135 ist, die aber unbeirrt Richtung Sowjetunion fliegt. Man überprüft bei der zivilen sowjetischen Luftüberwachung das Signal und bekommt bestätigt: Keine Passagiermaschine ist soweit ab von allen normalen Flugrouten gemeldet worden! KAL 007 hatte sich selbstständig gemacht und flog ungemeldet einen strikten Kurs durch sowjetischen Hochsicherheitsluftraum, mehr als sträflich! Freilich ist nun am Boden der Teufel los, auf Kamtschatka* stehen geheime Radarinstallatinen, in Petropawlowsk sind Raketen und rund 90 Atom-U-Boote der 7.Sowjetflotte stationiert, auf der Basis Elizovo Abfangjäger. Im Ochotskischen Meer tauchen sowjetische Atom-U-Boote mit ICBM´s! Im weiteren sind in der Zone 23 Divisionen mit rund eine Viertelmillionen Soldaten stationiert! MIGs und Suchois steigen auf in den Nachthimmel, um sich dem Eindringling zu stellen, von dem man vermutet, es seit eine amerikanische Aufklärungsmaschine. Doch ein mit 800 km/ fliegendes Ziel in zehn Kilometern Höhe ist auch für sie nur schwer zu erreichen – zumal die Vorwarnzeit extrem kurz gewesen ist. Um 5:37 h spitzt sich die Lage zu, das UFO-Ziel 6065 verschwindet plötzlich vom Radarschirm – Aussetzer dieser Art können bei Radargeräten immer mal wieder vorkommen, doch zwingt das Verlöschen des Blips die Bodenstation in Elizovo zu einer unangenehmen Entscheidung. Die Abfangjäger rasen „blind“ in die Höhe, auf ihren Bordradars können sie von dem Eindringling noch nichts ausmachen, zu sehen ist in der Dunkelheit erst recht nichts. Alle sind „blind“ und wissen nur um ein ID 81 in ihrem Luftraum, von dem man nichts genaues weiß und schon gar nicht seinen wirklichen Auftrag kennt. Erst um 5:46 h nimmt das Boden-Radar das Ziel wieder wahr, welches immer noch seinen Kurs beibehält. Die Abfangjäger hatten sich verflogen und mußten neu eingewiesen werden. Währenddessen fliegt die KAL 007 seelenruhig über die mit Militärbassen gespickte Halbinsel hinweg. Um 6:10 h verläßt der ID 81 unbehelligt den sowjetischen Luftraum und rast über das Ochotskische Meer davon. Seit 1945 ist kein fremder Eindringling so lange, so relativ dicht und so unverfroren über Rußlands Fernen Osten gerast, eine schwere Schmach für die Luftverteidigung. Derweilen ahnt Kapitän Chun von all dem nichts und langweilt sich in seinem Pilotensessel. Derweilen rasen hinter ihm wütend gewordene Mücken in Form von Abfangjägern heran. Gefährlich spitzte sich die Situation zudem zu, weil die KAL 007 nur einen Radarblip auf dem Schirm der Luftverteidigung erzeugt, aber keinerlei Transponder-Identifizierungs-Signal oder irgenden anderen SSR-Code anzeigt, so wußte niemand etwas über die Natur des fremden Eindringlings, dessen Kurs bis nach Wladiwostok führen könnte, wenn man die bisherige Wegstrecke interpoliert. Kamtschatka alarmiert die Militärs auf der Insel Sachalin über den nun auf sie zukommenden Eindringling, der jetzt wieder auf Sowjetkurs ist. 

Zwei Jagdflugzeuge werden warmgemacht, Ziel 6065 wird nun als amerikanische RC-135 definiert, klipp und klar – etwas anderes konnte es ja gar nicht sein. Eine Su-15 fliegt dann eine Kurve und setzt sich hinter „Ziel 6065″, nach links versetzt – aus Angst, der Unbekannte könnte Kanonen im Heck haben. Am Himmel ist nur ein Schemen für den Kampfpiloten auszumachen. Aus der später aufgefundenen Black-Box-Aufzeichnung wird klar, dass die Piloten der KAL 007 überhaupt keine Ahnung hatten, in welch gefährlicher Lage sie sich inzwischen befanden und wie weit sie vom ursprünglichen Kurs abgekommen waren. Sie hatten auch Fehler genug gemacht, weil sie sich zusehr auf ihre Praxis des Alltags verlassen haben und auch Instrumentenanzeigen mißachteten, zudem gab es eine völlig geschloßene niedrige Wolkendecke, über der sie flogen und somit keine Sicht zum Boden hatten, wodurch sie leicht festgestellt hätten, dass sie sich über Festland befanden und nicht, wie angenommen, über dem Meer entlang der sowjetischen Grenze. General Kornukow gibt den entscheidenden Befehl: Der Eindringling hat die Staatsgrenze im gebiet von Kamtschatka verletzt! Ziel zerstören! Es ist ein reales Ziel!“ Was darauf auch hinweist, dass das Problem von falschen Zielen, Geister-Echos, durchaus ein Problem für Luftverteidigungs-Einheiten ist. Der sowjetische Abfangjäger ist nun eine entsicherte Waffe. Der Pilot kann wegen Wolken das vor ihn dahinziehende schemenhafte Objekt nicht klar erkennen. Er sieht nur blitzende Lichter, regelmäßig aufleuchtende weiße, rote und grüne Lichter – wie ein Weihnachtsbaum. Der Abfangjäger schaltet sein IFF-gerät ein, also die Freund-Feind-Identifizierung, auf die nur eigene Maschinen reagieren, um zu verhindern, dass versehentlich eine eigene Maschine abgeschossen wird, was auch beinahe einmal kurz zuvor in ähnlicher Situation geschehen wäre und was zusätzlich die aktuelle Situation verschärfte. Ziel 6065 reagiert darauf nicht. Man war sich inzwischen nicht mehr sicher, dass dies eine RC-135 ist, sondern vielleicht „ein Gott weiß was“. Die Su-15 feuert von hinten eine Salve vor das Ziel – dummer Weise keine Leuchtspurmunition, um damit Aufmerksamkeit zu erregen. KAL 007 fliegt mit Autopilot seinen Kurs und hält inzwischen Kontakt mit Tokyo, wo man von der verhängnisvollen Lage nichts mitbekommt und KAL gerade anweist, einen neuen Flugkorridor zu nehmen, wozu eine neue Höhe einzunehmen ist und die Geschwindigkeit zu erhöhen ist – was für die Kampfflieger wie ein Ausweich- und Fluchtmanöver ausschaut, was freilich nicht geeignet ist, um die provokante Situation zu entspannen. Um 6:25 h werden zwei Flugabwehrraketen von der Su-15 auf das fremde und immer noch nicht erkannte Flugobjekt abgefeuert, jetzt ist alles zu spät. Eine der beiden Raketen versagt, aber die andere trifft – 90 Sekunden bevor die KAL 007 wieder internationalen Luftraum erreicht hätte. Erst jetzt kommt es den zivilen Luftüberwachungs-Einrichtungen ziemlich komisch vor, wie sich KAL 007 bewegt hatte, doch jetzt ist es zu spät. Weder Anchorage, Honolulu, Tokyo und die Sowjets in Chabarowsk blickten durch und erst als die vorgeplante Landung in Seoul nicht erfolgt, geht eine „Distress Message“ hinaus, welches die See- und Luftrettungs-Koorindations-Zentren aufschreckt. Bis 8:30 h sucht man aber entlang der üblichen Flugroute, findet aber nichts, erst jetzt wird überdeutlich, dass die KAL 007 einen ganz anderen Kurs flog. Und jetzt erst wird auch klar, um was es sich bei dem unbekannten Flug-Objekt bei Sachalin handelte, welches die sowjetischen Militärs so in Aufregung versetzte. 

KA_Flight_007Der Rest des Dramas vom frühen Morgen des 1. September 1983 braucht man sich nicht weiter auszumalen, es ist bekannt. Die vollständige Hintergrund-Geschichte zum Drama KAL 007 lesen Sie bitte im GEO Nr.1 /1998 nach, aus welchem wir obigen Bericht kurz zusammenpackten. Der tragische Vorfall hat uns viel über die Zusammenhänge im Einzelfall aufgezeigt, aber darüber hinaus ist er uns auch ein Lehrbeispiel über die geo-taktischen sowie militär-politischen Winkelzüge und dunklen Seiten militärischer Luftraumüberwachung und den damit verbundenen Problemen, auch in bezug auf unser Themengebiet, der UFO-Problematik bei vorgeblichen Radarbeobachtungen ungewöhnlicher und unidentifizierter Ziele in geo-politisch besonders sensiblen Gegenden unseres Erdballs. Wir haben auch gesehen, wie komplex das Thema UFOs auf Radar ist und es immer wieder notwendig ist gerade auch in dieser Grau-Zone zunächst einmal nach natürlichen, irdischen Umständen zu suchen. *= Kamtschatka (oder auch Kamchatka gesprochen) ist nicht ganz unbekannt in der ufologischen Literatur: Immer wieder findet man Querverweise auf sowjetische UFO-Sichtungen. Nehmen wir den Kamchatka-Zwischenfall vom 25. Juli 1957. Berichtet wird, dass die Luftverteidigungs-Einheiten das Feuer aus ihren Anti-Flugzeug-Kanonen auf eine Flotte sich schnell bewegender UFOs eröffneten. Dieser Fall wurde im Westen breit verwendet und fand sogar als Fallbeispiel Zugang in einem Buch der US-Luftwaffen-Akademie. Der Sommer 1957 war jedoch gekennzeichnet von den ersten Flugtests der russischen, ballistischen SS-6-Interkontinental-Raketen (ICBMs) vom Tyuratam-Raketenzentrum im Osten der Aral-See. Es ist bekannt, dass die Flugbahnen gegen die Hamchatka-Halbinsel gerichtete waren und die Gefechtsköpfe im Pazifik vor der Küste abgesprengt wurden. Eine große Raketenverfolgungs-Anlage wurde deshalb in Petropavlovsk ausgebaut. Die Entfernung zu Tyuratam beträgt 4.100 Meilen. Erste Startversuche wurden, wie längst bekannt geworden ist, Mitte Juni 1957 durchgeführt, dabei gab es einige Versager. 

Erst am 17. August war Moskau bereit anzukündigen,dass der erste erfolgreiche ICBM-Test gelungen sei. Eine glaubwürdige Hypothese für die Kamchatka-UFOs ist, dass sie durch den Wiedereintritt einer der getesteten Kampfköpfe und begleitende Raketenstufen-Fragmente hervorgerufen wurden. Die Zeugen waren an der richtigen Stelle, um solch eine Erscheinung in diesem Sommer beobachten zu können. Trotz dem Mangel einer offiziellen Aufzeichnung von einem solchen Test für den 25.Juli (geht man davon aus, dass das Datum zumindest korrekt ist), ist bisher eine positive Identifizierung ausgeblieben. Die sowjetischen Aufzeichnungen kommen erst nach und nach ans Tageslicht der Öffentlichkeit. Können wir unter diesen Begleitumständen der Historie den Kamchatka-Vorfall wirklich als ein „reales UFO-Ereignis“ bezeichnen? 

Star Wars: Reagan-Gorbatschow 

Der Kalte Krieg wurde in der Ära 1981-1988 nochmals besonders „heiß“. US-Präsident Ronald Reagan war ein besonderer Patriot, ein waschechter Konservativer. Ein ehemaliger Hollywoodstar aus der B-Picture-Reihe herrschte nun im White House. Reagan gab der USA das Gefühl zurück eine wirklich große Nation zu sein, man war wieder stolz Amerikaner zu sein. Das Land bekam den Status zurück, der ihm gebührte. Persönlich strahlte er eine Wärme aus, die die Massen für ihn einnahm. Der überzeugte Anti-Kommunist war der Meinung, dass die USA der Sowjetunion militärisch hinterherhinkten, so nahm die Wettrüstung eine weitere Drehung in der Hochrüstungs-Spirale. Reagan sprach vor der UNO am 8.März 1983 betreffs der UdSSR vom „Reich des Bösen“ vor dem man seine Augen nicht verschließen darf. Tatsächlich schien in diesen ersten Jahren der Reagan-Administration die Macht Moskaus einen Höhepunkt erreicht zu haben. Verteidigungs-Minister Caspar Weinberger vertrat die Meinung, dass der Kreml die Absicht hatte die Weltherrschaft zu übernehmen, daraus wurde eine neue Doktrin. Seine außenpolitischen Aktionen und das militärische Gehabe ließen nur diesen einen Schluß zu. Russland war zwar als erste Nation in den Weltraum vorgestoßen, doch tief im inneren der militärischen Führung saß die Furcht vor der technologischen Überlegenheit der Amerikaner. Das militärische Leistungsvermögen in dieser Zeit wurde erstmals von Computern gewährleistet. In Amerika aber konnte bereits ein dreijähriges Kind mit Computern umgehen während der sowjetische Stabschef eingestand es würde Jahre dauern bis man sowjetische Rekruten den Umgang mit Computern beibringen könnte – es herrschte also eine große Angst vor dem Computerzeitalter im Osten vor. 

Hinzu kam der Umstand, dass die alternden Kreml-Herrscher nicht flexibel genug waren um auf die neue Herausforderung und damit verbundene neue Periode einzugehen. Sie bürteten stattdessen ihrem Volk weiterhin auf die erdrückenden Kosten einer Supermacht auf sich zu nehmen, weil sie das politische Machtpotential durch die militärische Stärke nicht aus der Hand geben und weiterhin kontrollieren wollten. Weiterhin bedeutete dies für den Mann auf der Strasse Ärmlichkeit und Mangelwirtschaft im Alltagsleben. Der Lebensstandard war einfach weiterhin schlecht, die Menschen selbst in Moskau schleppten sich von einem Zahltag zum anderen durch. Breschnew brachte 1978 Michail Gorbatschow als neues Gesicht im Politbüro des ZK der KPdSU ein um eine radikale Landwirtschaftsreform durchzuführen, da nach wie vor die von Stalin brutal eingeführte Kollektivierung des Ackerlands erhebliche Mängel aufwies und die erstrebten Ernteerträge nie erreicht wurden, weil das damit verbundene und seit Jahrzehnten erhaltene System der Landwirtschaft völlig unergiebig und unwirtschaftlich war. Als Ronald Sagdejew zum Direktor des Sowjetischen Instituts für Weltraumforschung berufen wurde (welches die Raketenstarts vorbereitete) oblag es ihm als oberste Pflicht zur Erntezeit ein Heer von Arbeitskräften für die kollektive Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Erst danach konnte man sich wieder zwecks dem nächsten Raketenstart oder Weltraumprojekt Gedanken machen. Und so ging es im ganzen Reich des Russischen Bären. Gorbatschow gesteht heute ein, dass das System damals kurz vor dem Zusammenbruch stand. Die Menschen plagten sich ab und ihre Arbeit verschaffte ihnen weder Befriedigung und ließ sie ihnen Raum für eigene Initiativen. Zudem konnte sich niemand frei äußern. In dieser Zeit galt der 75jährige Reagan unverhohlen als „Kriegstreiber“, der den Finger am Atomknopf hatte. 

Bereits seit langem reichten die atomaren Arsenale beider Großmächte zur mehrfachen Vernichtung der Erde aus und beide Seiten übten neuen Druck aus indem sie immer neuere Raketenwaffen-Systeme einführten – immer schlagkräftiger und weitaus zielgenauer als das was man zuvor schon hatte. Wahnsinn. Das neuerliche Wettrüsten und Reagans antisowjetische Rhetorik löste eine neue Protestwelle der Atomwaffen-Gegner, eine neue Friedensbewegung entstand im Westen Europas. Reagan selbst sah dem Konzept der atomaren Abschreckung mit Abscheu entgegen und verglich die groteske Situation mit zwei Gegnern, die sich mit gespannten Pistolen am Kopf gegenüberstanden. Fortschritte in der Computer- und Laser-Technologie versprachen Reagan (und wie er glaubte, der ganzen Welt) einen Ausweg aus dem atomaren Dilemma! Eifrig wurde die Arbeit an einem neuen, revolutionären Verteidigungs-System fortgesetzt. Verbunden waren damit Aufwendungen die sich mit der Bedeutung des Apollo-Programms der 60er und frühen 70er Jahre vergleichen ließen. Im Oval Office sprach am 23.März 1983 Reagan an die Welt: „Was wäre, wenn freie Menschen in der beruhigenden Gewißheit leben könnten, dass ihre Sicherheit nicht länger von der Drohung eines unmittelbaren amerikanischen Vergeltungsschlages auf einen sowjetischen Angriff abhing? Wenn wir ballistische Raketen schon im Angriffsflug abfangen und zerstören könnten noch bevor sie unser Territorium oder das unserer Alliierten erreichten? Ich weiß, dass ist eine schwierige technische Aufgabe, eine die vielleicht nicht vor dem Ende unseres Jahrhunderts zu bewältigen ist. Ich fordere die Wissenschaft unserer Landes auf, dass diejenigen die unsere Atomwaffen geschaffen haben ihre großartigen Fähigkeiten in den Dienst der Menschheit und des Weltfrieden zu stellen, um diese Atomwaffen wirkungslos und überflüssig zu machen.“ Präsident Reagan gab damit offiziell grünes Licht für ein Waffensystem, welches dem Weltraumzeitalter angemessen war. Sein Name war Strategische Verteidigungs-Initiative (SDI) und damit war das Star Wars-Programm verbunden (der Name entstammte tatsächlich dem gleichnamigen Film). Dieses wurde von Anfang an als zu blauäugig, zu kostspielig und zu hochtechnisiert kritisiert. Dennoch legte sich die amerikanische Nation ins Zeug, um der atomaren Drohung ein Ende zu setzen. Mittels im Weltraum stationierter Abwehrwaffen bis hin zu Lasergeschützen sollte Reagans Plan umgesetzt werden – und dies löste in Russland einen Schock aus, weil die Gefahren durch eine Militarisierung des Weltraums unendlich wurden. Das Gleichgewicht der Kräfte wurde für die sowjetische Seite nun verlagert, eindeutig hin zu Gunsten Amerikas. Das bedeutete für den Kreml, er müßte neue gewaltige Finanzmittel aufbringen und das eine neue Phase des Wettrüstens einsetzt. Doch viele Leute im Westen nannten dies ebenso „Reagans teure Verrücktheit, der Himmel ist ein Wunder und kein Kriegsschauplatz“. Die reale Durchsetzung des SDI-Programms würde zudem empfindliche Einschnitte ins Sozialsystem des Westens mit sich bringen. Und selbst der engste US-Verbündete, England, ging auf Distanz und konnte sich keineswegs an Reagans Ideen erwärmen, hier blieb Margaret Thatcher tatsächlich die „Eiserne Lady“. 

Im November 1982 war Leonid Breschnew gestorben, sein Nachfolger war der Greis Jury Andropow (der ehemalige KGB-Chef), der von SDI und Reagans Reden besorgt war und voller Argwohn eine weltweite Alarmbereitschaft ausrief. Man hatte Angst, dass der Westen einen Krieg vorbereite und deswegen wurden alle KGB-Agenten im Ausland mobilisiert um auf jeden Aspekt des Lebens im Westen ein waches Auge zu werfen. Man überwachte das Bankensystem, Krankenhäuser und sogar Strassenbau-Projekte um zu sehen, ob man sich heimlich im westlichen System auf einen Kriegszustand vorbereitet bzw umzustellen. Die Folge: Die Amerikaner erhöhten die Zahl ihrer Spionageflüge entlang sensibler Abschnitte an den weitläufigen Grenzen der Sopwjetunion. Flugzeuge, vollgepackt mit elektronischen Aufklärungsgeräten, sahen dabei häufig aus wie Verkehrsmaschinen und flogen häufig nahe an den Zivilflugrouten. Oberst Gennadij Ossipowitsch gestand später als Pilot der sowjetischen Luftwaffe ein, dass aufgrund dieser Herausforderung wesentlich mehr Aufklärungseinsätze durch die Migs geflogen wurden, weil durch immer mehr Spionageflüge Provokationen aufkamen. Es gab einen ständigen Spannungszustand, dem schließlich der südkoreanische Flug KAL 007 zum Opfer fiel. Die Maschine wich zum Zwecke des Treibstoffsparens vom regulären Kurs ab, geriet in den sowjetischen Luftraum in sensiblen Gebiet und wurde schließlich abgeschossen… US-Außenminister George Shultz sprach von einer „abscheulichen Tat, für die es keine Entschuldigung geben kann“. Das russische Außenministerium gestand „einen unglücklichen Zwischenfall“ zu und wehrte jeden Vorwurf „einer vorsätzlichen Aktion“ ab. Mehr war nicht drin, weil das Politbüro und auch nicht das Militär sich schwer taten einen Fehler einzugestehen, weil man sich dadurch dann eines weiteren Prestigeverlusts ausgesetzt sähe. Die Folge: In Ost und West griffen Krisenstimmungen um sich. Die Rüstungskontrollgespräche wurden abgebrochen, den sowjetischen SS-20-Raketen im Osten wurden in Westeuropa die Cruise Missiles, Marschflugkörper wie die Pershing II, entgegengesetzt. Die alten Männer im Kreml befürchteten, dass ein nuklarer Angriff bald bevorstehen würde. 

Doppelagenten machten dem Westen klar, welche Befürchtungen man am Roten Platz hatte, aber man konnte sich dort nicht vorstellen, dass die Leute im Politbüro „etwas derart unmöglich annehmen“ konnten. Man sprach und handelte als Mentalitätsproblem aneinander vorbei und schaukelte eine Gefahrensituation auf, die niemand wollte, die sich aber dennoch entwickelte. Reagan versuchte Andropow (und die westlichen Verbündeten) zu beruhigen und hielt am 16. Januar 1984 eine entsprechende Rede. Im weiteren suchte er Rat bei der Schriftstellerin Suzanne Massie, eine populäre Russlandexpertin, um die Psychologie der Russen besser verstehen zu lernen, da er bisher noch mit keinem Russen zu tun bekommen hatte und noch nie in Russland war. Mit wem hätte Reagan im Kreml auch sprechen sollen? Im Februar 1984 starb Andropow und wurde von einem gebrechlichen, alten Konstantin Chernenkow abgelöst. Man suchte nach zukunftsfähigen jüngeren Leuten im Umfeld der Mächtigen und dabei fiel Gorbatschow auf, sodass man ihn zu einem Besuch nach London einlud, um ins Gespräch zu kommen. Gorbatschow hatte seine Frau mitgebracht, wodurch vielen dämmerte, dass dies ein völlig neuer „Russe“ war, der einfach anders war, da die Begleitung der Ehefrau bei Auslandsreisen von hohen UdSSR-Politikern nicht üblich war. Im März 1985 stirbt Chernenkow und die führenden Politiker der Welt bekommen in Moskau die Gelegenheit den neuen Kreml-Chef in Augenschein zu nehmen, es ist… Michail Gorbatschow. George Bush, US-Vizepräsident der USA, leitete die amerikanische Delegation. Es wurde klar, dieser neue sowjetische Parteichef war wie keiner vor ihm. Auch die Sowjetbürger merkten den Unterschied, viele freuten sich auf diesen engergischen Mann, mancher sah ihn als einen „Messias“ an, der einen Wandel herbeiführt. 

Michail Gorbatschow sollte später den Zustand der sowjetischen Gesellschaft bei seinem Machtantritt so beschreiben: „Der Zustand der Sowjetunion und ihrer Gesellschaft läßt sich so zusammenfassen: So können wir nicht weitermachen. Das traf auf alles zu; die Wirtschaft stagniert, die Waren waren mangelhaft, es mangelte an allem.“ Gorbatschow hatte eine kranke Supermacht übernommen, die vor dem sozialen Supergau stand, das System war korrupt und der Alkoholimus trieb das Land dem Untergang entgegen. Gorbatschow wollte das Ruder herumreißen und er rief zu Kur: Perestroika (wirtschaftlicher Umbau) und Glasnost (Offenheit und Ehrlichkeit in der Politik). Die Folge: Die Spannungen wurden abgebaut und die gigantischen Summen für die Rüstung, die nicht mehr bezahlbar war an diesem Punkt, sollten dem Land innenpolitisch zufliessen. In Washington mußte Reagan zahlreiche Bedenken ausräumen bis er selbst dem neuen, vielversprechenden Mann persönlich gegenübertreten konnte. SDI und Star Wars gehörten alsbald der Vergangenheit an und der Eiserne Zaun fiel, das kommunistische Reich zerbrach, der Warschauer Pakt löste sich auf. Unterstützung fand Reagan in der „Eisernen Lady“ aus London, die ihm sagte, dass „wir mit Gorbatschow klarkommen können“. Im November 1985 schon gab es das erste Gipfeltreffen der Supermächte seit sechs Jahren. Das gerade Reagan als „Cowboy-Figur“ dem Erzrivalen aus Moskau die Hand reichte, war erstaunlich genug und er tat dies als Patriot für sein Land, aber auch aus der Überzeugung heraus, dass dieser Schritt notwendig war. 

Die beiden mächtigsten Männer der Welt setzten sich sofort zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammen. Der Protokollbeamte staunte nur. Dennoch, die Strategische Verteidigungs-Initiative ließ sich Reagan noch nicht nehmen und auch das Ende des Wettrüstens war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen. Nur der Dialog war in Gang gekommen. Ein Jahr der Ära Gorbatschow verging und der Kalte Krieg dauerte noch an. Ein zweites Gipfeltreffen wurde mehrfach vertagt. Und es drehte sich der Wind, nun nannten die Sowjets die USA „das Reich des Bösen“. Die Sowjets sahen sich genötigt die Streifenfahrten auf hoher See ihrer Marine zu verdoppeln. Ständig hielt sich ein Großteil der Atom-U-Boote vor den Küsten Englands und der USA auf. Desto mehr Gegenaktionen gab es aber auch auf westlicher Seite. Es gab teilweise gefährlich nahe Begegnungen in dieser Konzentration von A-Waffenträgern. Dann im März 1986 die Katastrophe in der Ukraine, als ein Atomkraft seinen Gau erlebte und die Tücken des Sowjet-Systems im sorglosen Umgang mit Radioaktivität offenbar wurden. Gorbatschow sah, das auch ohne Atombomben die Nuklearkraft die Menschheit vernichten konnte. Als es Ende 1986 zur nächsten Gipfelkonferenz auf Island kam war Gorbatschow weitaus ernster an die Sache gegangen und wollte nicht nur Entspannung zwischen den Mächten herbeiführen, sondern auch zur Abrüstung aktiv beitragen. Außerdem brauchte Gorbatschow das Geld aus der Hochrüstung viel dringender für seine Innenpolitik, die aus Geldmangel ins stocken gelangte. Gorbatschow ging zur Überraschung seiner eigenen Delegation bei Reagan sehr weit und bot die Null-Lösung an, die vollkommene Abschaffung aller Atomraketen, wenn die amerikanische SDI-Forschung nur aufs Labor beschränkt bleibt. Doch dies wollte Reagan nicht, schließlich war diese immens teure Forschung auch eine Kurbel für die US-Wirtschaft. Gorbatschow aber wollte sich nicht davon abbringen lassen, dass das atomare Wettrüsten nicht in den Weltraum geführt werden darf. Die Starrsinigkeit der Reagan-Administration sorgte dafür, dass die bisher einzigste Chance im Kalten Krieg vertan wurde. Dann landete die Cessna von Matthias Rust auf dem Roten Platz, in der Zeit vor Gorbatschow wäre Rust an die Wand gestellt worden aber nun zeigte sich der Wandel. Rust kam frei und einige lästige Mitglieder des sowjetischen Oberkommandos wurden entlassen. Die Medien, Faxgeräte und Computer führten zur Öffnung der Sowjetunion zur großen Welt. Die „good will games“ als alternative Olympiade in Moskau, 1986, veränderten viel. Das Sowjet-Fernsehen veränderte sein Gesicht und wagte am 31.März 1987 ein Live-Interview mit Frau Thatcher, soetwas hatte es nie zuvor gegeben. Die Popkultur bekam ihren Freiraum und eine ganz neue Art von jungen Menschen erlebte das System, Glasnost wirkte. Über den sowjetischen Menschen brach eine Welle von erschütternden Veränderungen herein, die Lebensbedingungen wurden nicht besser, eher schlechter. Die Reform der Partei, die Reform des Systems stand an. Reform als Fortschritt. Das Volk hatte plötzlich keine Angst mehr offen zu reden und zu handeln. Gorbatschow wollte das Volk „frei atmen“ lassen. Im Dezember 1987 war Reagan immer noch in seinen Träumen verfallen. Am 8.Dezember 1987 kam Gorbatschow zum ersten Besuch nach Washington, DC. Diese Visite wurde im Sowjetfernsehen live übertragen, was ihm ungeheuren Prestigegewinn einbrachte. Die scheintoden alten Männer des Kreml waren endgültig Vergangenheit. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser wurde zum Stichwort für die neue Ära. Das Treffen war der Anfang des Kalten Kriges. Eine ganze Kategorie atomarer Waffensysteme wurde abgeschafft. Die Cruise Missiles wurden eingestampft, die SS-20 wurden verschrottet. Inspektorenteams beider Seiten überwachten dies jeweils. 1988 besuchte Reagan erstmals den Kreml und fühlte sich nicht mehr im „Reich des Bösen“. Unter der Führung Gorbatschows hatte sich 1988 die Sowjetunion zu einem ganz anderen Land gewandelt…

Zurück zu unserer eigentlichen Geschichte in Sachen CIA. Nach diesem Ausflug kehren wir nun wieder zum Thema UFOs und der CIA zurück. Für Brig.Gen. Ronald Sconyers im Pentagon, Sprecher für die US Air Force, war die Affäre schon etwas peinlich, als er jetzt von den Medien darauf angesprochen wurde und er muß sich richtiggehend gewunden haben, als er zur Haines-Studie nun befragt worden ist. „Ich kann weder bestätigen noch leugnen, das wir bei UFO-Sichtungen logen. Sicher ist jedoch, das amerikanische Bürger US-Spionageflugzeuge im Einsatz sahen und dies nicht wußten.“ Damit gibt er doch halbwegs zu, dass die amerikansichen Bürger auch nach ihren Meldungen von derartigen „UFOs“ aus sicherheitstaktischen Überlegungen im Unklaren gelassen wurden. Erst wieder in den 70er und 80er Jahren wuchs das CIA-Interesse am Thema wieder, da man feststellte, dass „die Sowjets bzw der KGB US-Bürger und UFO-Gruppen dazu benutzte, um Informationen über sensitive US-Waffen-Entwicklungsprogramme“, wie über das Tarnkappen-Projekt, zu beschaffen, tatsächlich soll es bei UFO-Gruppen dann auch eine Art „Informations-Korridor“ gegeben haben. Hierzu gab es dann tatsächlich auch ein „Gegenspionage-Bemühen, um die Sowjets zu verwirren“, führte Haines nun extra aus. Für diese Zwecke schob man über den FBI den betroffenen Leuten falsches Material zu, aber dies „passierte nur ein paar Mal“, nachdem jene Leute von sich aus zu Auffälligkeiten Anlaß gaben. Dies ist uns zumindest in Anbetracht der Area 51-Hysterie in den letzten Jahren verständlich nachzuvollziehen, aber sie ist auch nur ein Endprodukt einer lange geschürten ufologischen Demagogie. 

Der psychologische Hintergrund ist klar: Abertausende UFO-Sichtungsberichte und Unmengen von angehäuftem Material, dennoch kann man immer noch keinen UFO-Untertassen-Beweis in Form eines außerirdischen Raumschifss vorlegen, sodass dieses herbeigeredete „Faktum“ endlich in die Geschichtsbücher eingehen kann. Der Glaube allein, dass dem so sein könnte, ist noch lange kein wissenschaftlicher Beweis. Uns scheint es überdeutlich das einige Hardcore-UFOlogen deswegen in Frustration verfielen, weil sie selbst nicht weiterkamen – trotzdem sie überall jedem versprechen, dass die Beweise in ihren Büchern zu finden seien. Weil sie am ureigenen UFO-Konzept scheiderten, richteten sie ihre Aufmerksamkeit (und die der sie wie Paparazzi verfolgenden Öffentlichkeit) gelenkt auf die Regierungen und ihre Strukturen. So warfen sie den Oberen vor, alles zu kontrollieren und ganz geheim zu wissen, was wirklich in Sachen UFOs läuft (nämlich das, was die UFOlogen sich vom Phänomen erträumen und was sie selbst nicht definitiv belegen können). Natürlich streiten dies die Behörden immer wieder ab, was wiederum dazu führt, dass die gescheiterten UFO-Enthusiasten in ihrer paranoiden Vorstellung bestätigt werden, dass es sich dabei um eine massive Verschleierung der ufologischen Tatsachen handelt. Der CIA steht dabei freilich an höchster Stelle der internen ufologischen Punktewertung in der Schuldzuweisung nach außen. Wenn der CIA nicht mehr weiter weiß… Verblüffend dagegen ist eine andere Tatsache. Wenn man die Spekulation aufstellt, dass das ganz große UFO-Geheimnis (eben das sie außerirdische Raumschiffe sind) durch verdeckte Aktivitäten der CIA bewahrt werden soll und man in einem kleinen Geheimdienstkreis der Amerikaner diese Wahrheit kennt, dann ist es schon verwunderlich zu erfahren, dass genau dieser Geheimdienst CIA wegen UFOs einmal in Bedrängnis kam. Hätten Sie jemals gedacht, dass der Geheimdienst CIA in der Klemme sitzt und dann ausgerechnet einen Pro-UFOlogen um Rat nachsucht? In Amerika macht nun ein besonderer Skandal die Runde: Dr. Bruce Maccabee vom FUFOR und Unterstützer vieler zweifelhafter UFO-Fotos diente dem CIA als „UFO-Berater“ – und: er gibt es zu! Zum ersten Mal erfuhren wir von diesem Ding durch die September 1993-Ausgabe von Phil Klass Skeptics UFO Newsletter/SUN Nr.23: „Berühmter UFOloge gesteht, UFO-Vorträge beim CIA gehalten zu haben.“ 

Ausgerechnet einer der bekanntesten und angesehensten Führer der UFO-Bewegung, Dr. Bruce S. Maccabee, der der US-Regierung vorwirft zusammen mit der Central Intelligence Agency (CIA) eine Vertuschung von UFO-Informationen zu betreiben, lag mit dem Geheimdienst im Bett und wurde dabei erwischt wie er fremdging! In der von Paranoia durchsetzten amerikanischen UFOlogie muß dies ein Schlag gewesen sei, so als wenn eine Atombombe hochginge. Seit Keyhoes Zeiten munkelt man ja schon davon, dass die Geheimdienste im geheimen auch die UFO-Organisationen unterwandern, a. um sie zu durchleuchten und um b. sie lächerlich machen zu können, wenn es an der Zeit ist. Nun stellte sich heraus, dass der Zug einmal mehr in die gänzlich andere Richtung fährt. Maccabee hatte von Anfang 1979 bis zum 28. Mai 1993 mehrmals informell bei sogenannten „brown-bag-lunches“ mit interessierten CIA-Leuten vorgesprochen und über den Stand der UFO-Forschung berichtet. Die erste Einladung kam von Dr. Christopher C. Green, damals Mitglied im CIA-Direktorium für Wissenschaft und Technologie, heute Repräsentant von General Motors in dessen Biomedical Sciences Dept. 

Die aktuelleren UFO-Vorträge beim CIA wurden von Green-Nachfolger Dr. Roland (Ron) Pandolfi arrangiert, der als Physiker beim selben Direktorium angestellt und ein persönlicher Freund von Maccabee ist. Maccabees CIA-Verbindung wurde in einem jüngst in Umlauf geratenen 14seitigen Report aufgedeckt, der einige Dutzend führende amerikanische UFOlogen erreichte und von einer „Associated Investigators Group/AIG“ verschickt wurde, deren Mitglieder nicht genannt wurden. In diesem Spiel um die AIG taucht der Name von W. Todd Zechel auf, der plötzlich Ende der 70er eine wichtige Rolle in der UFO-Bewegung gespielt hatte und dann wieder abtauchte. Für den damaligen Moment spielte Zechel eine wichtige Rolle, wie Jerome Clark ehemals in der August 1978-Ausgabe des UFO-Magazine verkündete. Zechel selbst hatte behauptet 10 Jahre lang bei der National Security Agency/NSA und „anderen Geheimdiensten“ gedient zu haben, wobei er vom UFO-Cover-Up der US-Regierung erfahren hatte. Er ist übrigens Gründer der heute weitaus skeptischer gewordenen UFO-Organisation „Citizens Against UFO Secrecy/CAUS“, der er heute nicht mehr angehört. Der Fall Zechel soll hier nur kurz angeleuchtet werden: Zechel war nur drei Jahre lang bei einigen Übersee-Lauschposten der NSA stationiert, um dann ganz normal sieben Jahre als Feuerwehrmann und Schreiner in Baraboo, Wisc., und als Manager eines „Sex-Shops“ in Milwaukee zu verbringen. Klass hatte dies ehemals nachgewiesen und dafür gesorgt, dass die wirklichen Interessen von Zechel, nämlich Geld aus seiner UFO-Sache zu schlagen, aufgedeckt wurden und Zechel aus der UFO-Szene verschwand. 

CAUS wurde daraufhin von den eher vernünftigen UFO-Forschern Larry Fawcett, Barry Greenwood und Peter Gersten übernommen und weitergeführt. 1986 tauchte Zechel wieder kurz auf und verkündete stolz entdeckt zu haben: Klass ist ein Doppelagent für KGB und CIA. Nun macht Zechel wieder von sich mit dem AIG-Report reden und diskreditiert Maccabee und den Fund for UFO Research/FUFOR, welchen Maccabee bis März 93 leitete. Maccabee und FUFOR würden dem CIA für dessen finsteres UFO-Cover-Up behilflich sein. Klass reagierte im SUN so darauf: „Ich würde eher glauben, das Jospeh Stalin ein geheimer CIA-Agent und das Präsident Ronald Reagan ein verdeckter KGB-Agent war. Obgleich SUN nicht immer mit Maccabee´s Sicht auf viele UFO-Fälle übereinstimmt, glauben wir nicht, dass dessen Sicht auf die Dinge vom CIA geprägt ist, sondern ein Resultat seiner eigenen Gutgläubigkeit.“ Maccabee gestand gegenüber Klass zu, dass die erste CIA-Einladung auf den Neu Seeland-UFO-Fall Ende 1978 zurückging, als man glaubte via Radar verschiedene UFOs dingfest gemacht zu haben. Maccabee hatte sich mit dem Fall beschäftigt und war zudem damals ein Berater als Radar-Spezialist für die Firma Mitre Corp. Nach diesem Vortrag sprach Maccabee mit Dr. Green, der sich für UFOs interessierte und nun Maccabee mehrmals einlud mit anderen CIA-Angestellten über UFOs zu diskutieren, die sich ebenso für dieses Thema interessierten. Interessant ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass der CIA Ende 1978 seine 900seitige UFO-Akte (einige unterlagen hatten den Stempel „Secret“ getragen) aufgrund einer FOIA-Anfrage von Anwalt Peter Gersten (CAUS) freigegeben hatte. Dr.Green hatte Maccabee zu verstehen gegeben, dass diese Akte aus dem Archiv seines Direktoriums stammte und er spekulierte darüber, weitere 15.000 Seiten UFO-Papiere mögen sich in den Archiven anderer CIA-Direktorate befinden. Hätte Green aber sorgsam die CIA-Dokumente geprüft, welche seine Behörde freigegeben hatte, dann hätte er leicht feststellen können, dass seine Spekulation falsch war. Green hätte so erfahren können, dass: Basierend auf den Folgerungen des Robertson-Forums, bestehend aus fünf ausgesuchten Wissenschaftlern die Mitte Januar 1953 im geheimen zusammenkamen, die Behörde frühere Pläne zurückstellte, um durch eine Authorisierung via dem Nationalen Sicherheitsrat/NSC eine eigene UFO-Untersuchung durchzuführen. 

Die Verantwortlichkeit zur Überwachung der UFO-Lage der CIA-eigenen Physics and Electronics Division zugesprochen wurde; deren Chef Todos M.Odarenko aber in einem Memo vom 3. Juli 1953 erklärte, er „werde das Projekt gelegentlicht unter Verwendung eines Analyse-Spezialisten und einer Schreibkraft angehen, wozu er noch einen Aktenschrank zur Unterlagensammlung beantragen werde.“Ein Bericht den Odarenko am 17.Dezember 1953 mit dem Titel „Current Status of Unidentified Flying Objects“ verfaßte, machte die Affäre soweit sie den CIA betraf deutlich: „Das Projekt beschränkt sich darauf, sich bewußt zu sein, dass eine andere Behörde (USAF) sich den unidentifizierten Flug-Objekten annimmt und dazu Akten anlegt. Die Luftwaffe hat weiterhin Interesse an UFOs und beschäftigt sich damit; die Marine hat entgegen anderslautenden Pressedarstellungen jedoch nur beschränkten Interesse und stellte einen Analyse-Spezialisten vom Office of Naval Intelligence zur Überwachung des USAF-UFO-Programms ab, der jedoch noch andere Aufgabe zu bewerkstelligen hat und sich nur zeitweise diesen Dingen widmen kann. Die Armee hat kaum oder gar kein Interesse an dieser Sache.“ Ein Memo vom 8. August 1955 durch den Chef der Physics and Electronics Division drängte darauf, dass seine Abteilung sich der UFOs entledigen dürfe: „In Anbetracht der Tatsache, dass keinerlei positiven nachrichtendienstlichen Erkenntnisse mit dem UFO-Projekt hervorkamen, wird empfohlen, dass das Projekt abgeschloßen wird und seine Akten in den Keller kommen.“ Green hätte in den Akten auch eine Serie von Fernschreiben vom April 1976 finden können, in denen das Desinteresse des CIA an UFOs während der letzten 21 Jahre betont wurde. Aufgrund der Behördenbindung an die Gesetzgebung zur privaten Selbstbestimmung einer Person und der CIA-Politik die Namen und Funktionen ihrer Angestellten nicht preiszugeben, sind jene Unterlagen für die Öffentlichkeit schwer zensiert. 

Erstaunlich ist es nun, dass ein außenstehender Berater, der bei UFOs an außerirdische Maschinen glaubt und zudem sich mit einer exotischen Antriebsmethode für UFOs beschäftigt, als Berater für einige CIAler diente, die ein rein privates und persönliches Interesse an UFOs haben. Offiziell hat der CIA mit den UFOs abgeschlossen und weiß auch nichts von einem verdeckten laufenden Regierungsprogramm diesbezüglich. In einem CIA-Telegramm vom 26. April 1976 wird innerbehördlich festgestellt, dass Dr. Green ein persönliches Interesse an UFOs habe, wie einige andere CIA-Mitarbeiter auch. Zu Beginn dieser Affäre fragten Gersten und Zechel bei Maccabee nach, ob dieser Green dazu bewegen könne, vor Gericht zu erschienen, um weitere CIA-Akten freizubekommen, Maccabee trug dies gegenüber Green vor, der davor aber zurückschreckte, da er dies nur spekuliert und selbst keinen Hinweis darauf habe. Weitere Hintergründe im Verwirrspiel Der CIA studierte sowjetische Wissenschafts-Papiere, welche darauf hinwiesen, dass der Kremel sich mittels Laser neue Unterwasser-Sonden ausdenke, die als Anti-U-Boot-Waffe dienen könnten – ein Gebiet mit dem sich Maccabee professionell als Marine-Physiker beschäftigte. Dies führte im Jahre 1984 zum ersten Gespräch zwischen Maccabee und Pandolfi, dies hatte mit UFOs nichts zu tun. Daraufhin erst baute sich eine Freundschaft zwischen den beiden Männern aus, wobei sie „zwischen Bier und Blödeleien auch mal über UFOs sprachen“. Im Sommer 1987 gaben die Pro-UFOlogen William L. Moore, Jaime Shandera und Stanton Friedman die MJ-12-Papiere heraus, die Klass prompt eine Fälschung nannte und sie an verschiedenen bedeutsamen Punkten nachwies. 

maccabeeMaccabee hielt damals wie heute an ihrer Authenzität fest. Bemerkenswert daran ist, dass der 1947er CIA-Chef R.H. Hillenkoetter dem MJ-12 vorsitzen soll. Pandolfi lud daraufhin ausgerechnet Maccabee ein, um beim Lunch über diese MJ-12-Papiere mit ihm zu reden. Hierbei hörten ihm einige Leute angestrengt zu, die später in eigener Aktion versuchten mehr über MJ-12 im eigenen Apparat (dem CIA) herauszufinden, aber nicht fündig wurden! 1990 lud Pandolfi nun Maccabee nochmals ein um über den Fall Ed Walters/Gulf Breeze zu sprechen, den Maccabee völlig unterstützt. Auf Pandolfi´s Einladung hielt Maccabee nochmals am 28. Mai 1993 eine Rede um über eine vermeintliche magnetische Anomalie zu sprechen, die man in Gulf Breeze am Tag nach einer UFO-Sichtung entdeckt haben will. Zu einer anderen Gelegenheit wurde sogar UFOloge Bob Oechsler zu einem solchen „brown-bag-lunch“-Vortrag zu den Kornkreisen geladen, von denen Oechsler annimmt, sie würden von UFOs erzeugt. Oechsler hat nicht nur den Gulf Breeze-Fall unterstützt, sondern auch das Carp/Kanada-UFO-Videotape, den die meisten kanadischen Pro-UFOlogen als einen Schwindel bezeichnen. Klass erfuhr von einer gut informierten Quelle, dass die Absicht von Pandolfi es sei, „dem CIA-Direktorium für Wissenschaft und Technologie zu helfen, Paradigmen auszuarbeiten, um imstande zu sein, zwischen Dingen zu unterscheiden, die wir einfach noch nicht verstehen und dennoch wichtig sein könnten und Dingen, die zum Bereich der Pseudowissenschaft gehören“. Die Frage ist nun zu stellen, warum dann Pandolfi keine skeptischen Untersucher geladen hat, die vielleicht eher imstande sind, objektiv die Sachen anzugehen.

Im California UFO Nr. 5/1993 fanden wir nun weitere Beiträge zu unserer heutigen Affäre. Auch das UFO-Journal hatte in der dritten Juli-Woche 1993 den AIG-Report erhalten, der die ufologische Welt gleich mit seinem ersten Absatz in Flammen setzte: „Eine der führenden Sponsoren der UFO-Forschung und -Untersuchung, der Fund for UFO Research, unterhielt eine langanhaltende Verbindung mit dem CIA und der US-Geheimdienstgemeinde. Dr. Bruce Maccabee, ein Optik- und Laser-Spezialist beim Naval Surface Weapons Laboratory nahe Washington, D.C. unterhält geheime Treffen seit 1979 mit CIA-Vertretern um sie über verschiedene UFO-Themen und -Untersucher zu unterrichten.“ UFO rief sofort den derzeitigen Chef vom FUFOR, Richard Hall, an und erfuhr so, dass der Fund von den verschiedenen Kontakten Maccabees zum CIA wußte, sie aber nicht als extensive Verbindung anschaue und die Sache sowieso „aufgebläht“ sei um Maccabee in ein übles Licht zu setzen. Dem mag wohl so sein, aber dann darf kein UFOloge mehr daher kommen und ähnliche „Aufblähungen“ von der anderen Seite her betreiben, z.B. unterstellen, dass Werner Walter ein CIA- oder KGB-Agent sei. Die Fairness muß für beide Seiten gelten, auch wenn dadurch das ufologische Spiel in einigen wichtigen Punkten uninteressanter wird. Maccabee hatte schon zu NICAP-Zeiten von seinen privaten UFO-CIA-Gesprächen in Langley intern gesprochen, was zu einigen Verstimmungen im UFO-Lager bei seinen Kollegen geführt hatte. Man könne doch nicht auf der einen Seite Informationen vom CIA einklagen wollen und auf der anderen Seite diesen über die Ergebnisse der privaten UFO-Forschung informieren, dies würde schlecht aussehen, war das zu befürchtende Argument gegen diese Kontakte von Maccabee. Und so recht wußte man auch nicht Bescheid, welches Spiel Maccabee trieb. Hall zu UFO: „Wir hatten keine Vorstellung, wie tief verstrickt er war.“ 

Und auch betreffs Roland Pandolfi ist Hall reserviert, da dieser sich mit einer ganzen Reihe von Leuten aus dem UFO-Field schon getroffen hat und so imstande sein könnte „Desinformationen auszugeben“. Inzwischen hat der FUFOR schon einige Niederlagen hinnehmen müßen, da man aus dem UFO-Feld heraus nun skeptisch dem Fund gegenüber eingestellt sei. Hat Maccabee, zwar mit besten Absichten, aber dennoch der UFOlogie einen Bärendienst erwiesen? Sieht so aus. Zechel selbst erklärte gegenüber UFO warum er diese Angriffe bezüglich Maccabee vorträgt so: Er kenne Bruce bereits seit seinen ersten Tagen im Feld und achte ihn sehr, da er ein aufrichtiger Mensch sei und keine weit hergeholten Erklärungen von sich gäbe. Doch kurz vor 1979 änderte sich die Lage und Bruce hatte Angst seinen Job bei der Regierung zu verlieren, aber als er nach 1979 mit dem CIA zusammenarbeitete, waren all seine diesbezüglichen Sorgen verschwunden und er konnte sich erstaunliche Dinge leisten ohne dabei seine Security Clearance zu verlieren, ja er setzte sogar die Möglichkeiten seines Arbeitsplatzes ein, um UFO-Analysen durchzuführen – was er übrigens immer offen zugestand und deswegen keine Schwierigkeiten erfuhr. Zechel: „Scheinbar war sein Arbeitgeber mit dem einverstanden, was er tat.“ Zechel hatte daraufhin Bruce M. einmal direkt gefragt, ob dieser für den CIA arbeite und M.habe geantwortet: „So könnte man sagen.“ Don Ecker sprach für UFO mit Bruce Maccabee, der einen beständigen Kontakt zum CIA leugnete. Dennoch, viele Mitglieder der UFO-Gemeinde sehen in Maccabee´s Wirken einen ernsthaften Vertrauensbruch. Maccabee zu Ecker: „Ich habe eine professionelle Verbindung durch meinen Beruf und durch meine Arbeit mit Laser bereits gehabt. 1984 etwa sprachen wir über weitere Dinge und dabei kam die UFO-Sache auf, das AIG-Papier stellt die Sache falsch dar. 

Die Ende 1979er-Verbindung hat einen anderen Hintergrund. Als ich damals von Neu Seeland zurückkam, sprach ich mit Jack Acuff vom NICAP und bat ihn um Hilfe auf der Suche nach einem technischen Radarexperten. Er bot mir Gordon MacDonald als Berater an, der bereits mit dem Naval Research Laboratory gearbeitet hatte und sich bei NICAP betreffs der Sky-Quakes erkundigt hatte, die Ende der 70er Jahre an der Küste für Aufregung gesorgt hatten (zu jener Zeit hatte die Concord ihre Flüge begonnen). MacDonald hatte sich überall umgehört, mußte aber feststellen, dass die UFO-Gruppe NICAP diesbezüglich am besten informiert war. So kamen er und ich zusammen. Bald darauf fragte er mich, ob ich vor einigen CIA-Leuten sprechen wolle, unter denen sich auch Radar-Experten befänden. Dann rief ein CIA-Mann an und lud mich ein, so begann es. Was ich beim CIA getan habe ist nicht mehr, als interessierte Leute mit Informationen zu bedienen, die sie auch anderswo her erhalten könnten. Einmal interessierten sie sich, was auf dem Sektor der Computer-Bulletin-Board betreffs John Lear und Milton William Cooper laufe und was dahinterstecke. Die ‚Vorträge‘ waren Gespräche während des Lunch und jedermann kann daran teilnehmen: Schreibhilfen, Kommunikationsspezialisten, Pförtner oder die Chefs von verdeckten Geheimoperationen. Ich weiß nicht, wer daran alles teilgenommen hat. Der CIA läd eine ganze Reihe von Leuten ein, die zu allem möglichen etwas zu berichten wissen und denen Interessierte daran zuhören. Ja, ich war einige Male dort, aber zu behaupten, dass dies eine beständige Aktivität sei, ist schlicht und einfach falsch. Nach dem ersten Besuch 1979 kam ich erst wieder 1983 dort hin. Pandolfi sprach mich 1984 an, aber dies hatte nichts mit UFOs zu tun, erst später.“ Ecker kontaktierte dann Walt Andrus vom MUFON, um zu sehen, ob MUFON eine Position zu dieser Affäre einhält. 

Andrus: „Es ist kein Vergehen mit dem CIA zu sprechen, er ist ein Teil Amerikas, warum also nicht?“ Der Skeptical UFO Newsletter # 24 für den November 1993 treibt die Affäre mit neuen Informationen in eine bedenklich dramatische Ecke: Als das Weiße Haus beim CIA nach einem aktuellen Hintergrundpapier betreffs UFOs anfragte, bat der CIA den Pro-UFOlogen Maccabee darum, dieses zu schreiben… Als Dr. John Gibbons, Präsident Clintons Chef-Berater in Wissenschaftsfragen und Direktor des White House Office of Science and Technology Policy, den CIA für ein Hintergrundpapier über UFOs bat, erhielt er einen 10seitigen UFO-Report, geschrieben von Dr. Bruce S. Maccabee. Ausgerechnet von jenem Pro-UFOlogen, der glaubt, dass die US-Regierung und der CIA in eine UFO-„Verschwörung“ verwickelt ist! Es war CIA-Mann Roland Pandolfi, der Gibbons Anfrage erhielt. Sofort reichte er sie an seinen guten Kumpel Bruce weiter, der natürlich diese Herausforderung gerne ergriff. Doch dies ist noch lange nicht alles. Gibbons bat daraufhin Maccabee mit C.B.Scott Jones zu sprechen, dem Präsident der Human Potential Foundation, gegründet von dem sehr einflußreichen Patron Laurence Rockefeller. Jones ist ein Stabsmitglied rund um Senator Claiborne Pell (D.-R.I., 1985-1991) und diente ihm als Spezialist für „Para-Phänomene“ und UFOs; Senator Pell selbst leitete das Senate Foreign Relations Committee und Jones war Besucher auf der 1987er MUFON-Konferenz in Washington. Jones hatte sich früher viel für Para-Phänomene interessiert und arrangierte für Uri Geller ein Meeting mit Top-Kongreßleuten und Mitglieder des White House in einem speziellen Sicherheitsraum, wo Geller die geheimen Gedanken der sowjetischen Führung preisgab! Scott Jones gab sein Debüt in die UFO-Bewegung als Redner auf der 1989er MUFON-Konferenz in Chicago, als er den Vortrag „Government UFO Connections“ hielt. Da Jones damals immer noch zu Senator Pell´s Stab gehörte, erwarteten die Teilnehmer der Konferenz außergewöhnliche „Insider-Bekenntnisse“. 

Natürlich waren sie enttäuscht von Jones zu hören: „Ich denke nicht, dass die Regierungs-Vertreter dieses oder irgendeines anderen Landes imstande sind, zu sagen was in der Vergangenheit geschah, was die Dinge heute zu bedeuten haben und was die Zukunft bringen wird.“ Aber Jones glaubte daran, dass „die US-Regierung mehr über UFOs weiß als sie öffentlich zugesteht“ und hoffte, dass er und Rockefeller deswegen mit Präsident Clinton sprechen könnten. So schrieb Jones an den Verteidigungsminister Les Aspin, den er aus dem Kongreß gut kannte. Als Resultat daraus wurde ein Meeting mit dem wissenschaftlichen Berater des Präsidenten arrangiert. Da Gibbons absolut nichts über UFOs wußte, fragte er den CIA-Verbindungsmann, ob dessen Agency ihm ein Hintergrundpapier erstellen könne. Diese Anfrage fand ihren Weg zu Pandolfi, der sie an seinen Freund Bruce weitergab und ihm 24 Stunden Zeit zugestand, um die „UFO-Situation“ für den wissenschaftlichen Berater des Präsidenten für das Meeting mit Jones und Rockefeller zusammenzustellen. Laut dem Skeptical UFO Newsletter (SUN) # 24 gab es am 13.-15. September 1993 eine „UFO-Garten-Party“ auf der Ranch des 83jährigen Laurence Rockefeller in Wyoming, arrangiert von C.B. Scott Jones. Hierzu wurden fünf Pro-UFOlogen, aber kein erfahrener UFO-Skeptiker eingeladen. Absicht der Party ist es, den derzeiten Status des Wissens über UFOs und dem ETI-Phänomen gemeinen festzumachen, aber auch um Informationen auszutauschen, die sich nicht in der Hand der Bundesregierung befinden. Party-Gäste waren Bruce Maccabee, Leo Sprinkle, Linda Moulton Howe, Dr. Stephen Greer (ein Mediziner aus North Carolina, der das ‚Center for the Study of Extraterrestrial Intelligence‘ betreibt um die Kontaktaufnahme mit ETs zu bewerkstelligen) und Keith Thompson (Autor des Buches „Angels and Aliens“). 

Jones berichtete SUN, dass die Party stattfände, um Rockefeller die Möglichkeit zu geben, persönliche Beziehungen mit führenden UFO-Forschern aufzubauen. Das an Gibbons übergebene Dokument trägt den Titel: Briefing On The U.S. Government Approach to the UFO Problem as Determined by Civilian Researchers During The Last Twenty Years. Der Autor des Reports wird hier nicht angezeigt, aber da die Anfrage an den CIA ging, dachte Gibbons wohl, dass das Papier von einem CIA-Analyse-Spezialisten stamme. (Klass erinnert sich an die alte Fabel, wo man den Fuchs dazu abstellt, um den Hühnerstall zu bewachen. In diesem Fall vergleicht er es damit, dass der Fuchs gefragt wurde, einen Bericht aus der Sicht des Fuchses zu schreiben, ob dieser es für notwendig ansieht, ob der Hühnerstall geschützt werden solle.) „The Fox Report“: Was Maccabee dem Wissenschaftsberater von Präsident Clinton zu verkünden hat! Natürlich geht er auf den Roswell-Zwischenfall von anno 1947 ein, als eine „nicht-irdische Maschine abstürzte“ und stutzt die Realitäten für seine Sache zurecht indem er den 23. September 1947-Brief von Lt.Gen. Nathan Twining (Commander des Air Materiel Command, AMC, Wright Field) an Brig.Gen. George Schulgen an einer ihm genehmen Stelle zitiert: Es ist die Ansicht des AMC, dass „das gemeldete Phänomen irgendwie realer und nicht visionärer oder fiktiver Natur ist“. Dabei ‚vergißt‘ er eine andere Stelle zu erwähnen: Der Mangel von physikalischen Beweisen in Gestalt eines abgestürzten Objektes, wodurch sich unleugbar die Existenz dieser Objekte nachweisen würde. Maccabee treibt seine Sau weiter durchs Dorf: „Weiterhin ist festzustellen, sobald man die frühe Historie der Luftwaffen-Annäherung an das Thema anhand der Dokumente betrachtet, schließen kann, dass es eine sachliche Studie von Trümmern und Körpern von zumindest einem Absturz fremder Raumschiffe gab.“ Wieder ‚übersieht‘ er wichtige Fakten. Ein ehemals „geheimes“ CIA-Einweisungs-Papier vom 14. August 1952 -geschrieben fünf Jahre nach der Affäre von Roswell- diskutierte mögliche Erklärungen für UFO-Sichtungsberichte: „Die dritte Theorie besagt, dass künstliche Raumschiffe z.B. vom Mars unterwegs sind und interplanetarischen Raumflug betreiben, aber hierzu ist nicht der Fetzen eines Beweises zur Unterstützung dieser Theorie derzeit vorliegend.“ 

Maccabee pokert weiter sehr hoch: „1952 begann das Battelle Memorial Institute unter Luftwaffen-Vertrag die statistische Studie von über 3.000 Sichtungen zwischen 1947 und 1952. Die Statistiken zeigten, dass im Durchschnitt über 20 % nicht zu erklären waren und dass von den besten Sichtungen über 30 % unerklärlich sind.“ Doch ist dies nur die halbe Wahrheit. Der Battelle-Report führte ebenso aus: „Auf der Basis dieser Studie ist anzunehmen, dass alle unidentifizierten Luft-Objekte erklärt werden könnten, sobald mehr Observations-Daten erhältlich wären…Es gilt zu betonen, dass der vollständige Mangel irgendwelcher wertbaren Beweise physikalischer Natur in irgendeinem Fall der gemeldeten unidentifizierten Luft-Objekte beachtenswert ist.“ Schließlich sei angesagt, dass Gibbons sich nicht weiter äußerte und keinen Kommentar abzugeben bereit ist. Jones hörte nichts weiter von Gibbons seither. Gemäß einer gut unterrichteten Quelle aus der Nähe des Präsidenten, hat der „Chef-Berater des Präsidenten in Wissenschaftsfragen weitaus wichtigere Dinge auf seiner Liste zu erledigen, als die UFOs.“ Kurios ist zweifelsfrei: Wenn die US-Regierung bereits 1947 eine Fliegende Untertasse geborgen hat und seither fast 50 Jahre zur Untersuchung bereitgestellt bekam um die Rätsel dieser Maschine aufzuklären, dann sollte doch der Top-Berater des US-Präsidenten dazu informiert sein und keine Informationen ausgerechnet von Maccabee benötigen. Zudem sollte die meisterhafte UFO-Technologie die höchste Priorität auf Gibbons Liste darstellen, was sie jedoch bekanntlich nicht tut… Geradezu leid können einem diejenigen UFO-Aktivisten tun, welche einmal mehr an diesem 5. Juli 1993 vor dem Zaun des White House aufmarschierten, um für die „Operation Right to Know“ zu demonstrieren. Damit sollte Clinton und die amerikanische Öffentlichkeit auf die UFO-Geheimhaltung aufmerksam gemacht werden. Für die Medien war dies ein nicht zu übersehendes Spektakel im Lafayette Park, an der Pennsylvania Avenue und dem White House. 

Yo, yo, UFOs, the people have a right to know! Dies war der Ruf der Marschierer, die Schilder hochhielten auf denen zu lesen war: „UFOs are real and the government knows it!“ oder „Stop the Cosmic Watergate!“ Selbst CNN brachte mehrmals Beiträge hierzu; AP, CBS und ABC waren dran, genauso wie „Times“, „Washington Post“, USA TODAY und das Wall Street Journal. Operation ORTK wird weitermachen und ruft zu Demonstrationen in anderen amerikanischen Städten und in den Hauptstädten rund um den Globus auf. Das amerikanische Kiosk-Magazin ‚UFO Universe‘ vom Winter 1994 griff den Fall ebenso auf und nannte die Demonstrantengruppe „klein, aber lautstark“. Die Gruppe hoffte wohl, das Präsident Clinton sie erhöhren werde, aber das war eine Fehlkalkulation, da der US-Präsident an diesem Tag sich in Japan aufhielt. Was solls: Sicher hat er in der Zeitung etwas dazu gelesen oder bei CNN davon gehört. Schließlich haben alle sogenannten „Meinungsträger“ der Nation das ufologische Anliegen vorgebracht. Übrigens, wer das Bahnhofskiosk-Magazin „2000“ Nr.96 vom Oktober/November 1993 gelesen haben sollte, wird in der „Welt 2000“-Abteilung auf S. 6 gelesen haben, dass der nimmermüde UFO-Journalist und -Vortragender Michael Hesemann unter jenem müden Häuflein von 70 Demonstranten war, die die Verschwörung bejammerten. Für die Veranstalter war diese Aktion „ein voller Erfolg“, gähn. Zur Geschichte des NRO Seit 1960 arbeiteten die Vereinigten Staaten von Amerika an drei nationalen Raumfahrtprogrammen: einem zivilen (NASA), einem militärischen und einem geheimdienstlichen. Die beiden letztgenannten Programme verbrauchten mehr als die Hälfte aller Aufwendungen der US-Regierung für die Weltraumeroberung. Als ein Produkt des Kalten Krieges wurde um diese Projekte eine komplizierte Politik der Geheimhaltung aufgezogen, die weitgehendst nicht jenseits der offiziellen Kanäle durchsickerte. Aufgrund der sich dramatisch veränderten geopolitischen Weltlage wurde nun mehr über das „intelligence space program“ beim National Reconnaissance Office“ (NRO) bekannt, dessen Existenz selbst erst 1992 eingestanden wurde. 

Mission des NRO war es, die USA in die Lage zu versetzen, mit entsprechender Technologie aus dem Weltraum heraus nachrichtendienstliche Informationen auf weltweiter Basis zu erlangen und alles zu tun, um Waffen-Kontroll-Verträge zu überwachen sowie militärische Operationen zu überwachen. An dieser Stelle soll eine wichtige Notiz einfließen: Der Geheimhaltungsgedanke kam auch deswegen auf, weil es in den 50ern eine grundsätzlich übermäßige Geheimhaltung in der ganzen Air Force-Organisation zu Schutze der Aktivitäten des Strategic Air Command gab und sich vielerlei Gerüchte auftaten, wobei die UFOs natürlich dazuzählten. Aufgrund dieser historischen Gegebenheit konnte die Vertuschungs-Paranoia zusätzlich Fuß fassen. Das NRO wurde in einer Ära extremer Spannungen geschaffen, in einer Zeit als der dringende Wunsch der amerikanischen Geheimdienst-Bürokratie und des Militärs vorlag, ein neues Pearl Harbor um jeden Preis zu verhindern. Aufgrund des Abgeschottetheit, welchen sich die UdSSR umlegte und sich am „Eisernen Vorhang“ symbolträchtig festmachte, gab es immer wieder Unsicherheiten über die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Sowjets, weswegen man zunächst die U-2-Spionageflugzeuge und später die Fotoaufklärungs-Satelliten einsetzte, um Licht in das weite Land des „Russischen Bären“ zu bringen und die Möglichkeiten sowie reale Stärke der Roten Armee auszukundschaften. Ende der 50er Jahre hatten CIA und USAF ihre Satelliten-Aufklärungs-Programme laufen, wobei der CIA unter dem Codenamen CORONA ein Programm entwickelte, um von Satelliten ausgestoßene Filmkapseln zu bergen, was man damals in der Discoveries-Serie einfließen ließ. Die US Air Force dagegen hatte in ihrem SAMOS-Programm Funkübermittlungen von Satelliten-Aufnahmen durchgeführt. Bis Anfang der 60er Jahre gab es aber damit einige technische Schwierigkeiten, die man nie richtig ausbügeln konnte. Am 5.Februar 1960 traf sich George Kistiakowsky, Chef des präsidentialen Wissenschafts-Beraterstab, mit dem nationalen Sicherheitsberater Gordon Gray, um mit ihm das satellitengestützte Fernaufklärungs-Programm durchzugehen. Hierbei betonte Kistiakowsky, dass die Zukunft wohl beim CIA-Programm liegen sollte. Am 26.Mai 1960 traf sich Kistiakowsky wieder mit Gray, dieses Mal aber waren auch Eisenhower und sein Generalstabschef General Andrew Goodpaster anwesend, um die Probleme rund um das Fernaufklärungsprogramm mit Satelliten zu erörtern. 

Eisenhower beauftragte Goodpaster eine Studie zu erstellen, wie es nun weitergehen sollte. Hierbei wirkte Kistiakowsky und Verteidigungs-Minister Thomas Gates mit. Es wurde als Folge deutlich, dass der CIA keine Authorität besaß, um „militärische Aurüstung“ für den Geheimdienst zu verwenden. Kistiakowsky konnte dies kaum glauben und fragte diesbezüglich bei General Bernard Schriever, Chef des Air Research and Development Command, nach. Als Folge zeigte sich, dass es tatsächlich diesbezügliche Gesetze gab und diese waren noch nicht den neuen Gegebenheiten mit der Weltraum-Fernaufklärung angepaßt worden. Zudem erlebte Kistiakowsky, dass die einzelnen Abteilungen der unterschiedlichen Streitkräfte sich bedeckt gaben und möglichst wenig von sich aus nach außen dringen lassen wollten. Es lagen zuviele administrative Stolpersteine und bürokratische Hinternisse im Weg, um die USAF mit der CIA in diesem Fall zusammenzubringen und optimal gemeinsam an dem Satelliten-Programm arbeiten zu lassen. Stellvertretender Luftwaffen-Minister Joseph Charyk wollte sich den Oberbefehl über die Spionage-Satelliten nicht aus der Hand nehmen lassen und baute sich eine Lobby diesbezüglich auf. Kistiakowsky jedoch wollte, dass die Kontrolle der Spionagesatelliten in „höheren Händen“ als bei der USAF lag, da diese zum einen politischen und zum anderen geheimdienstlichen Charakter hatten, weswegen der CIA nicht zu niedrig angesiedelt sein durfte. Am 25. August 1960 wurde bei einer Sitzung von Eisenhower mit seinem National Security Council diese Problematik durchgegangen. Hierbei wurde dann beschloßen, dass man eine neue geheime Organisation gründen sollte, in der die CIA und Air Force gemeinschaftlich eingebunden sind – daraus wurde dann das National Reconnaissance Office, welches schon am nächsten Tag in einer präsentialen Direktive seine Geburtsstunde erfuhr. Formell aber funktionierte das NRO erst wirklich am 6.September 1961, als Charyk als Unterstaatssekretär der Luftwaffe die Position des NRO-Direktors übernahm. Es muß einiges hinter den Kulissen gelaufen sein, da bis heute nicht jene Unterlagen deklassifiziert wurden, die Auskunft über die Geschehnisse zwischen August 1960 und September 1961 geben. Der CIA Deputy Director of Research (bald darauf in Deputy Director of Science and Technology umbenannt) wurde beim NRO zum Deputy Director berufen. 

Diese Allianz zwischen CIA und USAF war nicht leicht und es gab auf vielen Ebenen Kämpfe um die Kontrolle der NRO-Programme. Hinzu kommt die strenge Geheimhaltung, die in den Streitkräften selbst vorherrschte – so wußten noch nicht einmal die Bomberpiloten des Strategic Air Command (SAC) wie ihre potentiellen Ziele aussahen. Das Bildmaterial, welches durch Luftaufklärung gewonnen wurde, durfte nur von ausgesuchten Kreisen eingesehen werden. Bis heute sind die Direktiven unter denen das NRO entstand und in denen die genauen Aufgaben des Dienstes umrißen sind und mit denen ebenso die Verbindungen mit anderen Regierungs-Einrichtungen definiert werden geheimgehalten. Sicherlich hat dies mit ein Grund beim Navy Space Project, welches etwa ab Mitte der 60er Jahre lief, um das Naval Electronics Systems Command (NAVALEX) in Gang zu bringen, woraus sich dann das Naval Warfare Systems Command beim Space Technical Directorate im Naval Research Laboratory entwickelte. Mittels dieser Systeme wird ein passives Ozean-Überwachungs-System betrieben. Natürlich mußte auch dieses System Integration finden, um Effektivität in einem Satelliten-Überwachungs-Gesamtsystem zu erzielen. All dies wurde aus dem Budget des Verteidigungs-Ministeriums finanziert und ging direkt auf Kosten aller Teilstreitkräfte, die natürlich durch das NRO eine Art ‚Bedrohung‘ der eigenen Mittel fürchteten und es somit als nicht zu mächtig sehen wollten. Die Gemeinschaft des CIA mit der Air Force wurde zudem schief angesehen. Mißtrauisch beäugten auch die Stäbe, dass das NRO immer wieder neu strukuriert wurde und dabei immer mächtiger hervorkam. Hinzu kam, dass das NRO schließlich auch die teilweise Kontrolle über das durch Flugzeuge wie der SR-71 ausgeführte Spionageprogramm an sich riß, nachdem es 1962 bereits die U-2-Flüge während der Kuba-Krise übernahm mittels denen auch das Aufstellen von Atom-Raketen bewiesen wurde. Übrigens wurde dabei wieder eine U-2 abgeschossen, der Überflieger war also verwundbar geworden. Kelly Johnson und sein Team hatten in den geheimen „Stinktier-Werken“ für den CIA den SR-71-Superjet aus einer hitzefesten Titanlegierung gebaut. Diese Maschine brachte es auf Mach3 und flog mindestens 26 km hoch; New York – London in knapp 2 Stunden. Neue Triebwerke und aerodynamische Tricks machten dies möglich. Zudem besaß die SR-71 Tarnkappen-Eigenschaften aufgrund ihres besonderen Rumpfes, ihres Materials und ihrer speziellen Farbe. Während die U-2 von Luftwaffenoffizieren geflogen wurden, waren für diese Maschine NASA-Piloten notwendig geworden. 

Erst 1969 wurde wieder das flugzeuggestützte Aufklärungs-System vom NRO freigegeben und dem Strategic Air Command unterstellt. Heute geht man davon aus, dass das NRO dem im November 1993 gegründeten Defense Airborne Reconnaissance Office zuarbeitet und sogar dessen direkter Vorgänger ist, dem man auch die Entwicklung eines unbemannten Tarnkappen-Drohnen-Flugzeugs (UAV) zuspricht sowie auch das sagenhafte „Aurora“-Projekt, welches das Nachfolgeprogramm und die Weiterentwicklung der SR-71-Blackbirds beinhaltet. Doch in den letzten Jahren gingen die seltsamen Überschallknalls zurück, die man Anfang der 90er Jahre in den USA registrierte und damit in Verbindung brachte. Ebenso sind nach und nach die seltsamen Ringel-Kondensstreifen vom US-Himmel verschwunden, die man mit den exotischen Antrieb der Aurora in Verbindung bringt. Experten der Luftfahrt-Technik vermuten, dass die Aurora inzwischen entweder zu teuer geworden ist oder es gewichtige Probleme mit dem neuartigen Antrieb der Maschine für zigfache Schallgeschwindigkeit gibt, so arg, das u.U. sogar ein ganz neues Konzept entwickelt werden muß. Auf jeden Fall ist es verdächtig, wie still es plötzlich um die Aurora geworden ist. Sicher ist nur, dass das NRO Ende der 80er Jahre immer mehr in die Kritik des Director of Central Intelligence William H.Webster und Verteidigungsminister Richard B.Cheney kam und schließlich nach Ende des Kalten Kriegs nochmals 1992 neu strukturiert wurde. Seitdem funktioniert wieder der Schweigevorhang um den Dienst einwandfrei laufen zu lassen. 

Literaturtipps: J Emde, Heiner: Spionage und Abwehr in der Bundesrepublik Deutschland, Bastei-Lübbe, 1986 J Agee, Philip, div.andere Autoren: Unheimlich zu Diensten – Medienmißbrauch durch Geheimdienste, Steidl, 1987 + Powers, Thomas: CIA – Ein Insider-Bericht, Bastei-Lübbe, 1986 + Bamford, James: NSA – Amerikas geheimster Nachrichtendienst, Orell-Füssli, 1986 + Paul, Günter: Aufmarsch im Weltall, Bastei-Lübbe, 1981 + Simpson, Christopher: Der amerikanische Bumerang, Ueberreuter, 1988

Quelle: http://cenap.alien.de/texte/ciad.htm

Gruß an die Verstrickten

TA KI