Die Matrix-Trilogie


Vor kurzem wurde der Film „Matrix“ hier im Blog vorgestellt. Ein mythischer, symbolgeladener Film. Ich habe das Positive aus dem Film gezogen – davon gibt es reichlich. Aber es gibt auch einige suspekte Aspekte im Film. Genug für diese Frage:

Oder stecken die Betreiber der Matrix selbst dahinter? Ist der Film ein besonderer sadistischer Genuss für die Eliten, die uns das Lügenweltbild einprogrammieren? Nach dem Motto: Wir zeigen den Zombies, wie sehr sie Zombies sind und sie erkennen es nicht, halten dieses Spiegelbild für Science Fiction, ergötzen sich an Spezialeffekten und Lederfetisch. Haha, was für ein Spaß!

Hier ist der erste Stolperstein, der uns an den guten Absichten zweifeln lässt:

Der Pass von Neo läuft am 11. September 01 ab. Screenshot aus dem Film „Matrix“.

In der Szene, in der Neo von Smith verhört wird, blättert Smith in der Akte von Neo. Für Bruchteile einer Sekunde sieht man Neos Ausweis, im Fernsehbild ist es auf dem Kopf stehend. Das Ablaufdatum ist der 11. September 01. Glauben wir an Zufall?

Wenn wir bei diesem Zufall nicht an Zufall glauben, zeigt uns dieser Nichtzufall folgendes:

  1. Die Organisatoren von 911 haben das genaue Datum des Terroranschlags schon Jahre vor dem Anschlag festgelegt.
  2. Die Organisatoren von 911 waren in der Filmcrew der Matrix-Trilogie vertreten.

Aber wofür Spuren? Aus dem gleichen Grund, warum geistesgestörte Serienmörder (zumindest dem Hollywoodglauben nach) gezielt Spuren für die Ermittler legen. Es geht um Anerkennung, das Gefühl der Exzellenz und um Macht. Indem man sich delikat verrät, verrät man sich einem engen Kreis von Fachleuten. Die Aufmerksamkeit von Fachleuten ist die wertvollste Aufmerksamkeit. Obwohl man sich verrät, bleibt man ungreifbar. Man demonstriert seine Macht und reizt die Gegner. Seht, wir legen euch eine Spur, einen offenen Hinweis – und was könnt ihr damit anfangen? Nichts, weil wir so mächtig sind.

Die Herrlichkeit von Neo als Erlöser endet am 11. September 01. Alles Gute, was der erste Teil der Trilogie zu geben hat, wurde schon vor der Offenbarung Neos mit einem Ablaufdatum versehen. Was für ein Spaß!

Der zweite verdächtige Punkt ist die letzte überlebende Menschenstadt „Zion“, die im ersten Teil ein paar mal erwähnt wird, ohne dass man näheres über diese Stadt erfährt. Zion klingt auffällig nach Zionismus. Kurz bei Wiki nachfragen, was Zion bedeutet:

Zion (…) ursprünglich eine Turmburg der Jebusiter an der südöstlichen Stadtgrenze des vorisraelitischen Stadtstaats Jerusalem. Seit deren Eroberung durch König David und dem Bau des ersten Jerusalemer Tempels unter Salomo wurde der Zion im Tanach zum Synonym für den Wohnsitz JHWHs, des Gottes der Israeliten (…). Er rückte damit ins Zentrum der Hoffnungen des Judentums, die sich auf weltweite Anerkennung dieses Gottes und seiner Rechtsordnung richten.

Glauben wir an Zufall? Wenn wir nicht an Zufall glauben, dann sagt uns schon der erste Teil der Matrix-Trilogie, dass der Auserwählte die Israeliten retten soll. Die gesamte Menschheit ist von den Maschinen versklavt und zu Zombies umerzogen worden, nur die Bewohner Zions, also die Israeliten, sind außen vor, sind noch echte Menschen, sind noch frei.

Wenn bei Ihnen gerade der Verschwörungstheorie-Trigger wirksam wird, der Ihnen in mühsamer Arbeit bis in Ihr Unbewusstes eingepflanzt wurde, dann entscheiden Sie sich jetzt für eine Pille. Nehmen Sie die rote Pille und ignorieren Sie den Trigger. Oder nehmen Sie die blaue Pille und glauben an den Zufall. Sie haben die Wahl.

Der dritte verdächtige Punkt im ersten Film sind die Schlussworte von Neo:

Ich weiss, dass ihr irgendwo da draußen seid. Ich kann euch jetzt spüren. Ich weiss, dass ihr Angst habt. Angst vor uns. Angst vor Veränderungen. Wie die Zukunft wird, weiss ich nicht. Ich bin nicht hier, um euch zu sagen, wie die Sache ausgehen wird. Ich bin hier, um euch zu sagen, wie alles beginnen wird. Ich werde den Hörer auflegen und den Menschen das zeigen, was sie nicht sehen sollen. Ich zeige ihnen eine Welt ohne euch. Eine Welt ohne Gesetze, ohne Kontrollen und ohne Grenzen. Eine Welt, in der alles möglich ist. Wie es dann weiter geht, das liegt ganz an euch.

Hervorhebung von mir. Eine Welt ohne Gesetze, ohne Kontrollen und ohne Grenzen ist Chaos, pures Chaos. In Libyen, Irak, Syrien, Ukraine wurden Gesetze, Kontrollen und Grenzen außer Kraft gesetzt. In diesen Ländern ist alles möglich. Jeder kann jederzeit in die Luft fliegen. Während gleichzeitig seine Kinder in der Schule in die Luft fliegen. Alles ist möglich. Diese Aussage von Neo am Ende des Films passt nicht. Das ist ein trojanisches Pferd in den Gedanken und Bildern, die Gutes zu spenden vermögen.

Fassen wir die Nachbetrachtungen zum ersten Film zusammen. Der 1999 erschienene hoffnungsvolle Film hat drei trojanische Pferde. Der Erlöser und Hoffnungsträger hat ein Haltbarkeitsdatum bis zum 11. September 01. Die einzigen Nicht-Zombies sind die Israeliten und immer wieder ist die Rede davon, ihre Stadt zu retten. Was der Erlöser am Ende offen verspricht, ist Chaos. Neo ist der Antichrist. Er gibt sich als Erlöser aus, aber er ist es nicht. Wer sich von ihm blenden lässt, folgt in den Tod. Neos Ablaufdatum war in unserer ganz realen Welt der Auftakt für die Verbreitung von ganz realem Chaos. Beginnend mit Afghanistan, über Irak, Nordafrika, Syrien, Türkei, die gesamte arabische Halbinsel, Ukraine. Überall Chaos. Chaos überall dort, wo man sich vom Antichrist hat blenden lassen. Im Film heißt es „Welt ohne Gesetze, ohne Kontrollen und ohne Grenzen“, in der Realität hieß es „Freiheit, Demokratie, Reformen, Sturz brutaler Diktatoren, Abschaffung von drakonischen Gesetzen“. Befreiung von Gesetzen und Kontrollen. Grenzen-lose Freiheit für Krieg, Terror, Zerstörung.

Geht es Ihnen noch gut? Wenn nicht, nehmen Sie eine Pille. Nehmen Sie die rote Pille oder die blaue Pille.

Schauen wir uns an, was die beiden Fortsetzungen, „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ zu bieten haben. Wir fangen nicht mit den Filmen an, sondern mit der Hintergrundgeschichte zur Entstehung der Filme. Das Wissen darum erspart uns viel unnötiges Rätselraten und wir werden den Film direkt aus einer bestimmten Perspektive analysieren können. Ein Filmportal bietet einen langen Hintergrundartikel über das unbekannte Ende der Trilogie.

Der Produzent der Trilogie, Joel Silver (zufälligerweise ein Jude – schnell eine Pille Ihrer Wahl einwerfen), hat den Wachowskis gründlich ins Konzept reingeredet. Unter anderem geht das Happy End auf seine Kappe. Die Wachowskis planten ein Finale, das an Düsternis nicht zu überbieten ist: Die gesamte Menschheit ist von den Maschinen versklavt, auch Neo, Morpheus und die anderen Helden. Sie alle liegen in den Saftschalen, angeschlossen an die Schläuche der Maschinen, und träumen ihren Traum vom Kampf gegen die Matrix. Die ganze Hoffnung des ersten Teils sollte in eine totale, niederschmetternde Hoffnungslosigkeit umschlagen. Kein Erlöser, keine Hoffnung, keine Rettung, keine Freiheit. Nur Illusion von all dem.

Neo sollte im Originaldrehbuch bei sich Superkräfte außerhalb der Matrix entdecken. Superkräfte sollten aber nur in der Matrix möglich sein, nicht außerhalb. Denn außerhalb der Matrix sollte die reale Welt sein. Die Helden sollten nach Erklärungen für dieses Phänomen suchen. Neo wird gesagt, dass nur der Architekt der Matrix ihm eine Antwort geben könne. Er kämpft sich bis zum Architekten durch, bekommt aber nicht die volle Antwort. Im dritten Teil sollte sich die Situation zuspitzen. Neo zeigt immer phantastischere Superkräfte, Agent Smith vermehrt sich wie ein Virus, der Architekt ist nicht mehr aufzufinden, Zion wird zerstört und bis auf Neo sterben alle im glorreichen Verteidigungskampf. Der wütende Neo kämpft sich zu einem Raumschiff durch, fliegt zum Zentralcomputer und zerstört diesen und sich selbst in einem epischen Kampf. Dann taucht Neo gesund und munter im weißen Raum aus dem ersten Teil auf, in dem Morpheus Neo erstmals über die Matrix erzählte. Diesmal ist der Architekt im Raum, der Neo erklärt, dass die Matrix gerade neu geladen wurde. Neo versteht nicht. Er hat den Zentralcomputer zerstört, die Matrix könne es nicht mehr geben. Der Architekt lacht und erklärt, dass Zion auch nur Teil der Matrix ist. Zion sei dafür da, um den Menschen den Schein von Wahlfreiheit zu geben. Die besonders kämpferich eingestellten sollen die Illusion bekommen, dass sie gegen das System kämpfen. Es soll die Illusion von Entscheidungsfreiheit vermittelt werden. Alles, was seit Beginn der Trilogie passierte, sei Teil der Matrix, Teil der Träume gewesen, die die schlafenden Menschen geträumt haben. Nach dem Neustart der Matrix werde Neo die gleiche Rolle wie immer zukommen, nämlich die Kämpferischen für den Kampf zu begeistern. Alle Menschen sind Sklaven. Nie hat ein Mensch die Matrix verlassen können. Über jeden Tod und jede Geburt entscheiden die Maschinen. Zum Schluss zeigt die Kamera die Helden des Films, wie sie in ihren Saftschalen friedlich schlafen. In der siebten Version der Matrix werde die Liebe herrschen, sagt der Architekt zu Neo. Dann klingelt der Wecker und Neo wacht auf, wie im ersten Film.

Das war die ursprüngliche Idee der Trilogie. Höchst depressiv. Sogar die Liebe wurde mit reingezogen, um dem Zuschauer möglichst schmerzvoll bewusst zu machen, dass selbst die Liebe, das hellste und schönste Empfinden der Menschen, eine Illusion sein soll.

Der Produzent war dagegen. Wohin er die Wachowskis getrieben hat, schauen wir uns jetzt an. Wir werden die Spuren des Originaldrehbuchs wiederfinden, die in der gedrehten Trilogie fehl am Platz erscheinen. Und wir werden sehen, was genau aus der düsteren Geschichte geworden ist.

Matrix Reloaded

Die Wachowskis gaben sich wenig Mühe, all die Spuren, die auf das geplante Ende zeigten, aus den Filmen zu entfernen. Die Filme sind voll davon, wir werden nur einige dieser Spuren herauspicken.

Neo zu Orakel: Wieso helfen Sie uns?

Orakel: Wir alle sind hier, um genau das zu tun, was wir tun. (…)

Neo: Gibt es noch andere Programme wie Sie?

Orakel: Nein nein, nicht wie mich. (…)

Neo: Und warum sollte ein Programm gelöscht werden?

Orakel: Vielleicht funktioniert es nicht richtig. Vielleicht wurde ein besseres Programm erstellt, um es zu ersetzen. (…) Und wenn es geschieht, kann sich ein Programm entweder verstecken, oder es kehrt zur Quelle zurück.

Neo: In den Zentralcomputer der Maschinen.

Orakel: Ja. Dort, wohin du gehen musst. Wo der Weg des Auserwählten endet.

Kennt man das alternative Ende, ist alles logisch. Das Orakel teilt Neo mit, dass er ein nicht richtig funktionierendes Programm ist, welches ausgetauscht werden soll. Dafür muss Neo zur Quelle, denn das ist ein Weg, Programme auszutauschen. Das Orakel teilt Neo außerdem mit, dass er die Hilfe des Schlüsselmachers braucht, der von einem alten Programm, dem Merowinger, gefangen gehalten wird. Der Schlüsselmacher werde Neo zur Quelle führen.

Das Orakel geht weg. Agent Smith kommt. Ein Teil des Dialogs:

Smith: Und nun stehe ich hier Ihretwegen. Ihretwegen bin ich kein Agent des Systems mehr. Ihretwegen bin ich verändert, bin nicht mehr vernetzt. Ein neuer Mann, könnte man sagen. Wie Sie, dem Anschein nach frei.

Neo: Herzlichen Glückwunsch.

Smith: Danke. Aber, wie Sie sehr gut wissen, kann der Schein durchaus trügen. Was mich zu der Frage zurückführt, warum wir hier sind. Wir sind nicht hier, weil wir frei sind. Wir sind hier, weil wir nicht frei sind. Wir können dem Zweck nicht entrinnen. Wir können die Bestimmung nicht verleugnen. Denn wie wir beide wissen, ohne Bestimmung würden wir nicht existieren. Es ist die Bestimmung, die uns erschaffen hat. Bestimmung, die uns verbindet. Bestimmung, die uns motiviert. Bestimmung, die uns führt, die uns antreibt. Es ist Bestimmung, die uns definiert.

Smith erklärt Neo ausgiebig, dass sie beide deterministische Programme sind. Sie sind nicht frei, sondern arbeiten entsprechend des Zwecks, für den sie programmiert wurden.

Später im Film:

Neo: Mein Name ist Neo.

Schlüsselmacher: Ich bin der Schlüsselmacher. Ich habe auf Sie gewartet.

Immer wieder die Anspielung darauf, dass alles vorprogrammiert ist.

Später im Film, Neo hat ein paar Männer des Bösewichts Merowinger ausgeschaltet, sagt Merowinger:

Merk dir meine Worte, junger Freund, merk sie dir, verstanden? Ich habe deine Vorgänger überlebt und dich werde ich auch überleben!

Merowinger hat sich als Programm bewährt, er bleibt über die Neustarts der Matrix hinweg erhalten. Neos Programm wird ständig überarbeitet. Ein weiterer deutlicher Hinweis darauf, dass Neo Teil der Matrix ist. Sein Befreiungskampf endet mit einem Neustart und nicht mit der Zerstörung der Matrix.

Später spricht Morpheus zu Kollegen aus Zion:

Das hier heute Nacht ist kein Zufall. Es gibt keine Zufälle. Wir sind nicht zufällig hier. Ich glaube einfach nicht an Zufälle. (…) Ich erkenne die Vorsehung. Ich erkenne die Absicht. Ich glaube, es ist unser Schicksal, hier zu sein. Es ist unsere Bestimmung. Ich bin überzeugt, diese Nacht wird für jeden einzelnen von uns die wahre Bedeutung unserer Existenz offenbaren.

Morpheus beschreibt sein Programm-Wesen.

Was passiert inhaltlich im zweiten Teil? Die Maschinen greifen Zion an. Mit großen Tunnelbohrern graben sie sich durch das Erdreich in die Tiefe. In Zion gibt es große Diskussionen darüber, ob Neo der Retter ist oder nicht. Morpheus legt ein Wörtchen für Neo ein und organisiert ein Kampfschiff für Neos Mission. Dann versucht Neo sich zur Quelle durchzukämpfen, zum Zentralcomputer. Seine Gefährten unterstützen ihn dabei. Neo braucht den Schlüsselmacher, um zur Quelle zu gelangen, Der Schlüsselmacher wird vom bösen Programm Merowinger gefangen gehalten. So konstruiert sich der Film die Anlässe für Action.

Neo schafft es zum Architekten, der die Matrix erschaffen hat.

Architekt: (…) ergo wirst du manche meiner Antworten verstehen und manche nicht. Und obgleich auch deine erste Frage möglicherweise die wichtigste ist, so wirst du erkennen oder auch nicht, dass sie doch die unbedeutendste ist.

Neo: Warum bin ich hier?

Architekt: Dein Leben ist das Resultat einer unausgeglichenen Gleichung, die bei der Programmierung der Matrix aufgetreten ist. Du bist die mögliche Auswirkung einer Anomalie, die ich trotz meiner Bemühungen nicht beseitigen konnte aus dem, was ansonsten eine Harmonie mathematischer Präzision ist. Auch wenn es eine beharrliche Bürde bleibt, kommt sie nicht unerwartet und unterliegt bis zu einem gewissen Grad der Kontrolle. Was dich unaufhaltsam hergeführt hat. Nicht wahr?

Neo: Sie haben meine Frage nicht beantwortet.

Architekt: Ganz recht? Interessant. Das ging schneller als bei den anderen. (…)

Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt ein schwer zu lösendes Problem („unausgeglichene Gleichung“) und Neo ist das Programm, welches sich um das Problem kümmert. Hin und wieder ist ein Neustart des Systems erforderlich, dafür ist das Neo-Programm verantwortlich. Aktuell läuft die 6. Version der Matrix. Der Architekt erzählt offen von den Vorgängerversionen der Matrix und wie deren Probleme gelöst wurden. Unter anderem wird offenbar, dass das Orakel einen Weg fand, 99 % der Menschen zu kontrollieren. Der Trick sei es, Entscheidungsfreiheit zu suggerieren, und sei es nur tief im Unterbewussten. Aber das eine problematische Prozent…

Architekt: Die Aufgabe des Auserwählten ist es, nun zur Quelle zurückzukehren, eine temporäre Weitergabe deines Codes zu ermöglichen und dann das Betriebssystem neu zu starten. Danach wird man dich auffordern, 23 Personen aus der Matrix auszuwählen, 16 weibliche, 7 männliche, für den Wiederaufbau von Zion. Die Nichtbefolgung dieses Verfahrens wird einen katastrophalen Systemabsturz zur Folge haben, der jeden töten wird, der mit der Matrix verbunden ist. Was im Zusammenhang mit der Vernichtung von Zion schließlich die Auslöschung der gesamten menschlichen Rasse zur Folge haben wird.

Neo bockt ein wenig und wird vor die Wahl  gestellt (Entscheidungsfreiheit!): Gehe durch die rechte Tür zur Quelle und rette Zion. Gehe durch die linke Tür zurück in die Matrix, rette dort Trinity und nimm die Verantwortung für den Tod der Menschheit in Kauf.

Architekt: Wie du schon richtig bemerkt hast: Das Problem ist die Entscheidung. Aber wir wissen ja bereits, was du tun wirst, nicht wahr?

Neo nimmt die linke Tür, will also Trinity retten.

Architekt: Hoffnung! Sie ist die wesentlichste menschliche Illusion, die beides ist, sowohl Quelle unserer größten Stärken als auch unserer größten Schwächen.

Neos Gefühle sind Illusionen, alles ist vorprogrammiert. Der Architekt sagt es frei heraus. Die Fans rätseln. Wir rätseln nicht, denn im Rahmen des ursprünglich geplanten Endes macht alles Sinn.

Neo belebt die tote Trinity, sie retten sich aus der Matrix auf das Schiff. Das Schiff wird von Maschinen angegriffen, die Mannschaft muss das Schiff verlassen und zu Fuß fliehen. Das ist nicht die Matrix, sondern die Realität. Aber Neo sagt, dass etwas anders ist. Er kann die Maschinen spüren. Und er kann die Maschinen mit Gedankenkraft zerstören. Neo bricht erschöpft zusammen. Ein zweites Kampfschiff Zions kommt angeflogen und sammelt die Helden auf.

Tja. Außerhalb der Matrix ist in der Matrix. Alles ist in der Matrix. Alles sollte nach Plan der Regisseure in der Matrix sein. Sie haben alles dafür vorbereitet. Schauen wir uns an, wie es im dritten Teil endete.

Matrix Revolutions

Neo ist nicht mehr an die Matrix angeschlossen, aber er ist trotzdem drin. Komisch, komisch… Dann meldet sich das Orakel. Trinity und Morpheus gehen in die Matrix zurück, um das Orakel zu sehen. Version 7 der Matrix ist eingespielt worden. Version 7 führt Liebe in der Matrix ein. Die Programme schwafeln unablässig davon.

Programm-Bösewicht Merowinger:

Es gibt kein Entrinnen vor dem Gesetz des Universums. Eben dieses Gesetz hat euch zu mir geführt. Wo manche Zufälle sehen, sehe ich Konsequenzen.

Die Hinweise darauf, dass der Befreiungskampf der Helden auch Teil der Matrix ist, setzen sich im dritten Teil fort. Der Merowinger sagt es den Helden ins Gesicht, aber die verstehen es nicht, weil ihr Programm sie an Freiheitskampf und Entscheidungsfreiheit glauben lässt.

In Zion bereitet man sich auf den Sturm der Maschinen vor. Interessante Beobachtung am Rande: Persönliche Opferbereitschaft bis zum Tod ist nur vorhanden, wenn es um die Rettung einer sehr nahen Person geht (Partner in beiden Fällen). Für die Gemeinschaft… nicht. Derjenige, der sich opfert, erwartet von den anderen nicht, dass sie sich auch opfern, macht ihnen keine Vorwürfe. Logisch, er selbst opfert sich auch nicht für die Gemeinschaft, sondern für den Partner.

Agent Smith hat sich in einen Menschen auf einem Schiff Zions eingeschmuggelt. Es kommt zum Kampf mit Neo, Neo bekommt die Augen ausgebrannt.

Smith: Ich wünschte, Sie könnten sich sehen, Mr. Anderson. Der blinde Messias. Sie sind ein Symbol für ihre gesamte Gattung. Hilflos, mitleiderregend. Sie wünschen sich nur noch, von ihrem Leid erlöst zu werden.

Hier wird Neo schon direkt als Messias genannt und als solcher verspottet und herabgewürdigt. Aber Neo sieht Smith, tötet ihn. Das ist nicht die Matrix – das sollte nicht die Matrix sein. Smith ist ein Computerprogramm, er kann nur in der Matrix existieren. Was nach Logikloch aussehen mag, ist nur ein weiterer von unzähligen Hinweisen auf das geplante Ende, das den Zuschauern dann doch vorenthalten wurde.

Neo und Trinity steuern mit einem Kampfschiff das Herz der Maschinen an. Maschinen greifen sie an, Neo zerstört sie mit seiner Gedankenkraft. Aber es sind zu viele. Neo befiehlt, in den Himmel auszuweichen. Dorthin können die Maschinen nicht folgen. Dort, über den düsteren Wolken, ist der blaue Himmel mit der leuchtenden Sonne – so wie wir es kennen.

Trinity wird bei der Landung tödlich verletzt. „Du musst Zion retten“, trägt sie Neo auf. Und weil Helden immer äußerst langsam sterben, selbst wenn ihr Körper von einem halben Dutzend Metallstangen durchbohrt ist… labert Trinity weiter. Ob er sich erinnere, was sie ihm am Ende von Film 2 gesagt habe, als er sie gerettet hat? – Ja: „Es tut mir leid“. – Sie wünschte, sie hätte ihm gesagt, wie sehr sie ihn geliebt hat und so weiter. Liebe, Version 7, noch eine Spur.

In Zion tobt derweil der Kampf. Die Maschinen sind in die Stadt eingedrungen, die Verteidiger werfen sich den Maschinen heldenhaft entgegen. Als Neo das Herz der Maschinen erreicht, werden in Zion die letzten Verteidigungslinien eingerissen.

Neo, wenn du irgendwas tun kannst, beeil dich.

Der Herr der Maschinen stellt sich Neo.

Neo: Sie haben über das Programm Smith die Kontrolle verloren. Er wird sich in dieser Stadt verbreiten, so wie er sich in der Matrix verbreitet hat. Sie können ihn nicht stoppen. Aber ich kann es.

Maschine: Wir brauchen dich nicht. Wir brauchen gar nichts!

Neo: Wenn das die Wahrheit ist, habe ich einen Fehler gemacht und Sie sollten mich jetzt töten.

Maschine: Was willst du?

Neo: Frieden.

Die Maschine geht auf den Deal ein und schließt Neo an die Matrix an. In Zion hören die Kampfmaschinen auf zu kämpfen.

In der Matrix tritt Neo gegen Agent Smith an. Das personifizierte Gut gegen das personifizierte Böse verbeißt sich im epischen Kampf. Immer wieder fliegen sie mit Schallgeschwindigkeit frontal aufeinander zu, lassen beim Zusammenprall die Luft zu Plasma schmelzen.

Smith: Sie können nicht gewinnen, es ist zwecklos, weiter zu kämpfen. Wieso, Mr. Anderson, wieso, wieso bestehen Sie darauf?!

Neo: Weil ich mich so entschieden habe.

Neo wird besiegt. Dann fehlen Smith plötzlich die Worte. Er hat diese Situation schon gesehen, er als Sieger über Neo. Smith weiss, dass er etwas sagen muss, aber er weiss nicht was. Das Programm stößt hier an seine Grenzen. Zeit für einen Neustart.

Smith verwandelt Neo in einen Mr. Smith. „Ist es vorbei?“ fragt Smith daraufhin. Dann explodiert Neo-Smith. „Nein, nein, das ist nicht fair“, stöhnt Agent Smith. Dann explodiert auch Agent Smith und alle seine Kopien. Neo (der „echte“, der vor der Maschine hängt), der Smith geworden ist, ist gestorben und hat damit alle Agenten Smith getötet, die ja jetzt identisch mit ihm sind. Neo opfert sich, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. „Es ist vollbracht“, sagt die Maschine, auf Neos toten Körper blickend.

Zion ist gerettet, der Krieg ist vorbei. Die Kampfmaschinen ziehen aus Zion ab.

Morpheus: „Ich habe mir diesen Moment vorgestellt. So lange schon. Ist das Realität?“

Dann sieht man wieder die Matrix. Zahlenkolonnen materialisieren sich zu Asphalt und einer Katze. Das Orakel trifft den Architekten. Bla bla. Dann:

Orakel: Was ist mit den anderen?

Architekt: Welchen anderen?

Orakel: Die anderen, die raus wollen.

Architekt: Offensichtlich werden sie befreit.

Orakel: Ich habe dein Wort?

Architekt: Was glaubst du was ich ich bin? Ein Mensch?

Köstlich! Ein Programm der Matrix verspricht einem anderen Programm der Matrix die Befreiung der noch gefangenen Menschen. Schlaft ruhig Zombies, alles wird gut.

Die Wachowski-Brüder wollten das düstere Ende. Neo, Morpheus, Trinity und alle anderen liegen in ihren Saftschalen, angeschlossen an Schläuche, und träumen von ihrem Freiheitskampf. Und die Bewohner von Zion träumen davon, echte Menschen zu sein. Wir haben viele Spuren gesehen, die genau darauf hinführen es sind längst nicht alle Spuren hier aufgelistet worden.

Stattdessen sehen wir ein Zionisten-Happy-End. Fassen wir zusammen:

  • Zion spielt klar auf Israel und zionistische Hoffnungen an.
  • „Du musst Zion retten“, sagt Trinity zu Neo. „Zion retten“ zieht sich als roter Faden durch den Film. Beachten Sie, nicht die Menschen retten, sondern Zion. Nur ein winziger, auserwählter Teil der Menschheit soll gerettet werden. Der Messias höchstpersönlich soll sich darum kümmern.
  • Neo rettet tatsächlich Zion – und zwar nur Zion. Der Rest der Menschheit bleibt versklavt. Christus brachte Rettung für die gesamte Menschheit. Neo, der Antichrist, lässt die Menschen in geistiger Sklaverei und rettet nur Zion.
  • Weitere Späße wie die Unterbringung des Datums 11. September 01 im Film.

Wir haben den Artikel mit dieser Frage eröffnet:

Oder stecken die Betreiber der Matrix selbst dahinter? Ist der Film ein besonderer sadistischer Genuss für die Eliten, die uns das Lügenweltbild einprogrammieren?

Die Frage kam schon bei der Betrachtung des ersten Films auf, in dem Neo noch klar als Messias erkennbar ist. Die Fortsetzungen bestätigen die schlimmsten Befürchtungen. Die Rolle des gemeinen Menschen besteht darin, Zombie zu sein, als Biomaterial benutzt zu werden und dabei von einem schönen Leben zu träumen. Wer unbedingt ein Held sein will (Aktivisten aller Coleur), wird missbraucht und so gelenkt, dass er nur den Zionisten dient und nicht der gesamten Menschheit. Leider steckt viel zu viel Wahrheit in dieser Geschichte drin und leider ist diese Wahrheit so verpackt, dass sie nicht der Aufklärung der Massen dient, sondern der Erheiterung der realen Matrix-Betreiber.

Die Wachowskis haben das nicht so geplant. Sie waren jung und brauchten das Geld. Dafür haben Sie mit ein paar Änderungen am Drehbuch bezahlt. Alltag in Hollywood. Die Geschichte war zufälligerweise nah dran an der hässlichen Realität. Der Produzent musste nur einige Korrekturen durchsetzen, um die ursprüngliche Geschichte in das diabolische Machwerk umzuwandeln, zu dem die Trilogie geworden ist. Die Künstler wurden missbraucht.

Falls Sie sich jetzt unwohl fühlen, seien Sie getröstet. Der Antichrist bringt Verwirrung und Leid, aber das ist nicht das Ende. Die Zeiten ändern sich. Es gibt Kräfte auf der Erde, die dem Geist von Christus folgen und nicht nur so tun. An den Taten wird man sie erkennen. Wahrheit und Nächstenliebe begleiten die gute Tat. Aber der Antichrist ist auch unter uns. Er gibt sich für das Gute aus, um mit unserer Unterstützung das Böse zu wirken. Seien Sie wachsam.

Nachtrag, 03. April 2017: Im Artikel wurde Morpheus mit „Ihr kämpft für uns“ zitiert (die Maschinen waren angesprochen) und daraus Schlussfolgerungen gezogen. In der deutschen Synchronfassung hat sich das so für mich angehört, im Original heißt es aber „Er kämpft für uns“ (Neo ist angesprochen). Aufmerksame Leser haben mich darauf hingewiesen, vielen Dank dafür! Ich habe die drei Abschnitte, die sich auf diesen Fehler beziehen, aus dem Artikel gelöscht bzw. korrigiert. Auf die Gesamtbewertung der Trilogie hat diese Korrektur keine Auswirkung.

Quelle: http://analitik.de/2017/04/02/die-matrix-trilogie/

Gruß an die Sehenden

TA KI

 

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Ist die Weltgeschichte radikal verfälscht worden? – Teil 6 – Skythen als Väter der Nationen


Im ersten Teil einer Artikelserie zur Unterstützung der These, dass unsere Geschichte verfälscht wurde, erfuhren wir über den Nikotin- und Kokain-Konsum in Afrika und Asien weit vor Christi Geburt. Im zweiten Teil warfen wir einen Blick auf große Steinkugeln und Schädeldeformationen, die überall auf der Welt zu finden sind. Im dritten Teil durften wir erkennen, dass es viel mehr Pyramiden auf der Welt gibt, als uns in der Schule gezeigt werden und wie ähnlich sie sind. Der vierte Teil ergänzte weiter Fakten rund um das Thema Mumien. Der fünfte Teil ist quais die Einleitung zu dem nun folgenden Artikel von “Zacher”:

Teil 6 – Skythen als Väter der Nationen

Goldschmiedekunst der Skythen

Die letzte Folge behandelte die Erfindungen, die den Skythen zugeschrieben wurden und die, sollten diese Zuschreibungen korrekt sein, unsere historischen und historisch-chronologischen Vorstellungen grundlegend in Frage stellen. Das gilt auch für die Beschreibungen der Skythen durch die griechischen Autoren als das größte und älteste Volk. Ich zeigte zudem, dass ein britischer Historiker erwähnte, die Skythen wurden einst als „Väter der Nationen“ betitelt. Wollen wir doch mal sehen, ob dieser Titel eine reale Grundlage hat.

Die Erben der Skythen

Wir brauchen nicht lange zu suchen. Schon im englischsprachigen Wikipedia finden wir eine Liste der Völker, die ihre Entstehung auf die Skythen zurückführen. In dieser Auflistung finden wir asiatische, ost- und westeuropäische Völker, Iraner, Kaukasier, Slawen, Germanen und Kelten:

Schotten, Iren, Pikten, Gälen,
Sachsen, Franken
Osseten (ihnen gelang es, viele der alten skythischen/sarmatischen Mythen in ihrer mündlichen Tradition lebendig zu erhalten)
Paschtunen
Ungarn, Polen, Serben,  Bosnier, Kroaten
Und andere.

Leider reagieren viele Historiker auf solche Zeugnisse mit Ignoranz oder reflexartigen Ablehnung wie: „Ja und? Manche europäische Herrscher haben auch behauptet, von den Trojanern abzustammen.“ Und mit dieser – vermeintlichen – Lüge einiger Herrschaftshäuser tun sie auch alle Überlieferungen über die skythischen Gründerväter als reine Fantasie ab. Aus irgendwelchen Gründen, die man nicht erklären möchte, sollen die Monarchen und ihre Völker sich einfach einen skythischen Ursprung aus den Fingern gesaugt haben. Doch die Historiker irren sich genauso, wenn sie die trojanische Herkunft mancher Herrschaftshäuser ablehnen. Dazu ein andermal mehr.

Die verborgenen Wurzeln der skandinavischen Völker

Zunächst zu weiteren Belegen und Indizien, die für die Skythen als Begründer eurasischer Nationen sprechen. In dieser Abhandlung listet der Autor Zeugnisse früher Historiker über die verborgenen Wurzeln der skandinavischen Völker, deren Urväter Goten oder Kimmerer waren, welche wiederum den Skythen zugerechnet werden und aus dem Gebiet nördlich vom Schwarzen Meer kamen:

Uncovering Scandinavia Roots

Die Sarmaten, nächste Nachfahren der Skythen und Vorfahren der Germanen

Ein mutiger deutscher Historiker namens Reinhard Schmoeckel fand heraus, dass die Sarmaten, die nächsten Verwandten und – zumindest nach der heutigen Vorstellung – Nachfolger der Skythen, im frühen Mittelalter einen großen Teil Deutschlands beherrschten und am Anfang vieler Adelsgeschlechter standen, die als Begründer der deutschen und französischen Nationen galten (Karolinger, Merowinger):

Sachsen, Thüringer, Schwaben – einst von Sarmaten beherrscht?Das Frühmittelalter in Deutschland neu gesehen – Die Sarmaten | Vergessene Väter des mittelalterlichen Europa | Band 1

Dass die Skythen am Anfang der germanischen Kultur standen, das behauptete auch Johannes Fressl im 19. Jahrhundert:

Die Skythen-Saken – Die Urväter der Germanen

Bekanntlich kamen die (angeblich germanischen) Goten sogar bis nach Spanien und gründeten dort ein florierendes Reich.

Die Grüdnungen von Skythen in Asien

Nun machen wir einen Sprung nach Asien. Davon, dass manche europäischen Historiker behaupteten, die Chinesen und Japaner wurden als Nationen von den Skythen begründet, habe ich bereits geschrieben. Im Fall von Japan, aber auch Korea kann man die skythische Dominanz oder zumindest starken Einfluss anhand von Überlieferungen nachvollziehen.

In diesem Wikipedia-Artikel wird behauptet, dass der Kaiser Ojin, bei dem eine skythische Herkunft angenommen wird, der erste historische Herrscher Japans war.

Vor Kurzem entdeckte ein amerikanischer Anthropologe, dass die japanischen Samurai gar nicht so japanisch, sondern eher europid waren.

Interessanterweise kennen viele eurasische Völker Legenden, in denen die Herrscher mit einem magischen Schwert verbunden sind. Diese Legenden weisen erstaunliche – aus der Sicht der traditionellen Geschichte – Parallelen amit der Arthus-Saga auf, hier noch ausführlicher.

Ach ja, wer der legendäre König, den wir als König Arthus kennen, war, das könnt ihr euch schon denken. In diesem Buch wird es recht anschaulich erklärt:

From Scythia to Camelot: A Radical Reassessment of the Legends of King Arthur, the Knights of the Round Table, and the Holy Grail

Auch in Indien haben die Skythen geherrscht. Belegt ist es neben den Überlieferungen auch anhand von Münzen.

In dieser bereits zitierten historischen Publikation wird behauptet, dass die Skythen ganz Asien, einschließlich Arabiens erobert hatten. Offenbar war es zu jener Zeit eine gängige Meinung.

Die Skythen in Ägypten

Die offizielle Geschichtsschreibung erzählt davon, dass die Skythen viele andere Regionen eroberten, darunter auch Ägypten.

Die Herkunft der ägyptischen Hyksos-Dynastie wird auch im heutigen Russland vermutet, wenn auch in einer angeblich vor-skythischen Periode. Wie ich schon erwähnte, teilten die Skythen und die Ägypter nicht nur die Kunst der Mumifizierung (auch in Ägypten fand man blonde oder rothaarige Pharaonen-Mumien) und des Pyramidenbaus, man fand auch in skythischen Grabhügeln Objekte die wir als ägyptisch kennen.

Excavations and Discoveries in Scythian Lands

Beeinflussungen der skythischen Sprache und Religion

Ergänzend kann man erwähnen, dass einige Historiker den Skythen zuschreiben, die Sprachen der Europäer nachhaltig beeinflusst zu haben. Georg Stiernhielm, ein Wissenschaftler des 16. Jahrhunderts, welcher viele Sprachen beherrschte, nannte die Sprachgruppe der lateinischen, romanischen, griechischen, persischen, germanischen und slawischen Sprachen „skythisch“ oder vom Skythischen abstammend (auf der Seite 72).

Der Einfluss der „Steppe-Nomaden“ auf unsere Zivilisation wird auch im Buch „The Horse, the Wheel, and Language: How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes Shaped the Modern World“ beschrieben.

Der bedeutende „römische“ Historiker Trogus schreibt übrigens, dass die Skythen den symbolischen biblischen Turm zu Babel erbauten, dessen Fall erst zur großen Sprachverwirrung führte. Er sagt auch, dass die Religion, die von der Flut bis zum Fall des Turms zu Babel geherrscht hatte, Skythizismus (ich greife vor, damit ist offenbar die frühe Form des Christentums gemeint) genannt wurde, dem Hellenismus oder „griechischer Fehler“ und dann Judaismus folgten! Ein sehr wichtiger Punkt, der an einer anderen Stelle genauer erläutert wird.

In seinem bedeutenden Werk „A Dissertation on the Origin and Progress of the Scythians Or Goths“ zitiert der Autor John Pinkerton griechische Autoren, die den Skythen und ihren Verwandten (Trojanern, Pelasgern, Thrakern) eine zentrale Bedeutung als Ur-Griechen beimessen. Nun wissen wir, wer diese geheimnisvollen blonden Griechen höchstwahrscheinlich waren. Plato selbst behauptete, dass die Riten der Griechen von diesen „Barbaren“ kommen. Was damit gemeint ist, wird in der nächsten Folge erklärt.

Auch die enge Verwandtschaft lässt sich in der Kunst erkennen. Ich erinnere daran, dass die Griechen behaupteten, die Kunst des Metallschmelzens, die Münzen bzw. das Geldwesen und die Eisenwaffen seien ihnen von den Skythen gebracht worden. Nun macht einfach Folgendes, geht auf Google-Bilder und gebt ein:

  • Greek helmet museum
  • Scythian helmet museum
  • Thracian helmet museum
  • Etruscan helmet museum

Von Sibirien bis nach Italien findet man ähnliche Helmtypen, von denen der häufigste Typ dieser ist:

Eisenhelme der Antike

Aber auch diesen Typ findet man häufig:

Gladiatoren-Helm

Nun ersetzt das Wort „helmet“ mit „medusa“, „rhtyon“ oder „griffin“ und googelt auch dazu passende Bilder. Es ist nicht zu übersehen, dass diese Völker kulturell in sehr engem Kontakt standen oder einfach direkt verwandt waren.

Übrigens, wusstet Ihr, dass Venedig, die Stadt im italienischen Venetien, an das frühere Etrurien (Land der Etrusker) angrenzend, auf den Stämmen der sibirischen Lärche aufgebaut ist? Woher wussten diese (häufig blonden oder rothaarigen, wie die meisten Skythen) Italiener davon, dass dieses Holz so lange Zeit so widerstandsfähig selbst im Salzwasser ist.

Etrusker sind übrigens das „rätselhafte“ Volk, dem die Begründung der römisch-italienischen Zivilisation zugeschrieben wird. Angeblich weiß man nicht, wo sie her kamen. Ihre Sprache, zu finden auf zahlreichen Inschriften, konnte ebenfalls angeblich nicht entziffert werden.

Auch die berühmten Phönizier werden von manchen Historikern den Venetern (Phoenicia=Venezia) gleichgesetzt und die Veneter oder Venedi wiederum gelegentlich den Wandalen. Wandalen werden als direkt mit Goten verwandt beschrieben, die Goten wiederum als skythischer Stamm bezeichnet. Beiden, Wandalen bzw. Phoeniziern wird die Eroberung Nordafrikas zugeschrieben, wenn auch zu unterschiedlichen Epochen. Wir werden nachfolgend sehen, dass es sich um ein und dasselbe handelt. Jedenfalls platzierte man das Volk der Veneter, das ein riesiges Gebiet bewohnte, aber von den heutigen Historikern weitgehend ignoriert wird, hier:

So gehesen verwundert es nicht, wenn die Griechen die Erfindung des Kupfer-, Silber-, Bronze- und Eisenschmelzens und Stahlhärtens den Skythen zuschreiben und die Erfindung des Goldschmelzens einem Phönizier namens Cadmus (siehe).

Pliny der Ältere nennt die Veneter / Venedi Sarmaten auch Ptolemey, siedelt sie geografisch unter den Sarmaten an. Ich erinnere, die Sarmaten sind direktesten Verwandte der Skythen und gelten als deren Nachfolger. Der Historiker Jordanes sieht sie als Urslawen.

Wie wir sehen, spricht sehr Vieles dafür, dass der Titel „Väter der Nationen“ den Skythen nicht umsonst verliehen wurde.

Skythische Spuren in Amerika

Doch „nur“ mit dem Begründung vieler Kulturen Eurasiens und Nordafrikas gaben sich die Skythen nicht zufrieden. Offenbar geht auch die Entdeckung von Amerika (nach den Ureinwohnern, versteht sich) auf ihr Konto. Davon dass die Skythen zusammen mit den indigenen Völkern Nordamerika besiedelten, zeugen bis heute erhaltene, wenn auch vereinzelte historischen Überlieferungen selbst noch aus dem 18.-19. Jahrhunderten. Und jetzt wird es interessant: Irgendwie setzten die frühen US-Historiker sie den Skythen und gleichzeitig den Tartaren und den… Israeliten gleich. Ähnlich wie der schon erwähnte britische Historiker die Skythen Nachkommen Japheths (Sohn Noahs) und Tartaren bezeichnete. Wie passt das zusammen?

William Augustus Bowles (1763–1805) war auch mit seinem Muscogee-Namen Estajoca bekannt.

Im Buch aus dem Jahr 1775 „The History of the American Indians“ beschreibt der Autor James Adair einen Teil der amerikanischen Ureinwohner als „jüdischer“ Herkunft, zum Beispiel Cherokee oder Muskobge, auch Muscogee genannt (merkt euch diese Namen). So sah einer ihrer Anführer aus, man beachte die „asiatische“ Kopfbedeckung und das europäische Aussehen.

Und so wurden die Cherokee dargestellt. Man beachte die Frisuren und den halbmondförmigen Anhänger mit Schrift(!), auch wenn der Zeichner lateinische Buchstaben einsetzte, möglicherweise, weil ihm das Alphabet nicht bekannt war:

Drei Cherokeesen

 

Cherokeese mit christlich anmutenden Symbolen

Beachtet mal die Frisur und hier den Anhänger mit klar christlicher, europäischer Symbolik.

Ähnlichkeit mit Ukrainern

Bevor es weiter geht, schlage ich schnell noch eine Brücke in einen anderen Teil der Welt, die Ukraine, deren Bewohner sich damals als Kleinrussen bezeichnete, wo aber auch Tataren lebten. Womit wir übrigens wieder an der nördlichen Küste des Schwarzen Meeres wären. So sah der legendäre Fürst Bogdan Khemlnitski aus, der in etwa der gleichen Periode lebte:

Fürst Bogdan Khmelnitsky

Zur Urkaine noch: damals existierte nur eine russische, weitaus kleinere Provinz “Okraina” = Grenzland und die Menschen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine bezeichneten sich als Russen, Rutenen oder Kleinrussen. Oder als Tartaren..

Ein ukrainischer Kosake

Und hier einige Bilder eines Chief der Irokesen:

Irokese Joseph Fayadaneega called the Brant

Ist diese Ähnlichkeit nicht erstaunlich? Und was können die Historiker damit anfangen? Nichts! Wie üblich fegt man es einfach vom Tisch. Die Ähnlichkeit in der Kleidung auf den Abbildungen habe keine Aussagekraft, das sei Fantasie der Maler. Die Frisuren – purer Zufall.

Wenn man ihnen die Bilder der teils sehr europiden Cherokee zeigt, führen sie es auf die frühe Vermischung mit den Europäern zurück.

Und wenn ein Wissenschaftler die Sprachen dieser Indianer als „skythisch“ oder „arisch“ bezeichnet, dann wird es als völliger Nonsens abgetan. Christliche oder jüdische Israeliten, die gleichzeitig Tartaren und Skythen sind und arisch sprechen?

Ich gebe zu, diese Vorstellung ist schwer verdaulich. Zumindest in unserem historischen Konzept ergibt es wenig Sinn.

Eines lässt sich nicht so leicht wegfegen. Die Genetik. Doch selbst hier erkennt man ziemlich deutlich den Versuch, die Herkunft dieser Indianer unter den Teppich zu kehren. Vor Kurzem hat man erkannt, dass viele „Ureinwohner“ sehr viel europäische Genetik in sich tragen, bei manchen Stämmen 40-80% in der männlichen Bevölkerung.

Diese europäische Gruppe wird als R1 oder R-M173 zusammengefasst. Hier wird allerdings nicht unterschieden nach der Haplogruppe R1a, die den Skythen und Slawen eigen war, oder der Haplogruppe R1b, die ursprünglich, grob gesagt, keltisch war. Es macht aber einen wesentlichen Unterschied! Denn die Vermischung mit den Westeuropäern (Briten, Franzosen und Spanier sind mehrheitlich R1b-Träger) wäre erklärbar im Rahmen der Mainstream-Geschichte. Das Vorhandensein der skythischen oder slawischen Genetik nicht! Es hat eine Weile gedauert, bis ich diese Arbeit fand, die bestätigte: Diese Native Americans sind R1a-Träger, was nun ebenfalls für ihre skythische Herkunft spricht.

Hier eine sehr wahrscheinliche Antwort auf die Frage, warum man sie Indianer (Indians) nannte. Schaut mal in den nordöstlichen Teil des heutigen Russlands:


https://secretgardening.files.wordpress.com/2011/03/map-sebastian-mc3bcnster-1488.jpg

Sehr seltsam, die Karte samt Amerika wurde – wie heutige Historiker behaupten – nach dem “antiken” Gelehrten Ptolemäus gezeichnet, den seine – ich behaupte ganz unverschämt – Zeitgenossen erstaunlich “mittelalterlich” darstellten.

Und was ist mit Kolumbus? Er selbst hat in Amerika “Indien” oder das biblische Land Arsareth und die Stämme Israels erwartet!

Hier ist die Passage aus einem apokryphischen (nicht im Kanon enthaltenen) Buch Bibel Esdras über die Auswanderung der zehn Stämme Israels nach Arsareth, die eineinhalb Jahre unterwegs waren und einen großen Strom überquerten:

Dies sind die zehn Stämme, welche als Gefangene aus ihrem eigenen Land zur Zeit des Königs Hosea geführt wurden, welchen Salmanasser, der König von Assyrien, gefangen wegführte, und er brachte sie über die Wasser, und so kamen sie in ein anderes Land. Aber sie berieten unter sich, daß sie die Menge der Heiden verlassen und in ein fernes Land ziehen würden, in welchem nie jemand gewohnt hatte, daß sie dort ihre Gesetze halten würden, welchen sie in ihrem eigenen Lande nie gefolgt waren … Und durch dieses Land war es lange zu gehen, nämlich eineinhalb Jahre, und diese Gegend ist genannt Arsareth. Dann blieben sie dort bis in die letzten Zeiten (2. Esdras 13:40-45).

Und nun lasst uns sehen, wo der bedeutendste Kartograf seiner Zeit, Abraham Ortelius, das biblische Arsareth und die zehn Stämme Israels platzierte, in „India Superior“ der ptolemäischen Karte oben, also im Osten des heutigen Russlands.

Interessanterweise heißt Russland auf dieser Karte aus dem 16. Jahrhundert „Tartarien“, das wichtigste Zentrum ist in Moskau, und die Bering-Straße, die nach der offiziellen Geschichte den Europäern erst im 18. Jahrhundert bekannt sein konnte, ist hier schon eingezeichnet und heißt „Stretto de Anian“.

Und so sehen diese Indianer, die behaupten die Israeliten zu sein, heute aus:

https://www.youtube.com/watch?v=Pu56Gtd4pJ0

Natürlich wird auch da ihre Ankunft automatisch in eine ferne Vergangenheit verlegt und Westeuropa als Urheimat angenommen. Die Karte in der Minute 5:40 suggeriert, sie könnten aus Britannien kommen. Angesichts der oben genannten Zeugnisse und genetischen Untersuchungen kann man den Machern des Films Manipulation vorwerfen. Ähnlich dreist erklärten US-amerikanische Dokumentationen-Produzenten de tocharischen Mumien aus China zu Kelten, obwohl diese genetisch und vom Kleidungsstil her offensichtlich eher skythisch waren.

Hier, auf Seite 43, wird von einem Schriftdokument erzählt, das von der Herkunft der „Indianer“ als sibirische Tartaren, Kanaaniten, Phöniziern (siehe oben: Venetien oder Veneter), Atlantiden (die offenbar vor der besagten großen Flut tatsächlich ebenfalls auf den Inseln des Schwarzen Meeres lebten, worauf ich auf Wunsch noch eingehen werde), Tyrenen, die ebenfalls mit Etruskern und Venetern bzw. mit Phöniziern in Verbindung gebracht werden und natürlich mit Hebräern.

Es gibt auch andere Funde wie diesen Stein, die „hebräische“ Schriften tragen (New Mexico)

Hier berichten die amerikanischen Mormonen über die Funde, die ihre Version der Bibel bestätigen und vom Christentum in Amerika vor Kolumbus zeugen. Selbstverständlich werden ihre Untersuchungen als Wunschdenken einer Sekte abgetan und die Funde automatisch als Fälschungen abgelehnt, ihre Bibel als neuzeitliche Version. Riskiert trotzdem einen Blick auf die sehenswerten Artefakte, vor allem in der rechten Spalte.

Und nun das Interessanteste. Welche Schrift verwendeten die angeblich schriftlosen Skythen nach der Meinung eines deutschen Gelehrten Gottfried Hensel? Unter anderem verwendeten sie das Alphabet, das wir als hebräisch kennen. Hier ist seine Sprachkarte aus dem Jahr 1741, Skythisch sieht man es in der linken Spalte:

Sprachkarte Europas von 1741 auch in skythisch von beschriftet

Interessanterweise scheint er auch das etruskische Alphabet zu kennen und platziert es (Hetrusco) vielleicht zufällig, vielleicht nicht unter die slawischen Glagoliza und Kyrillisch.

Auf diesem Teil der Sprachen-Karte sieht man eine andere skythische Schrift, die heute nirgends mehr aufzufinden ist – Scythico-Tatarici:

Einige Wissenschaftler haben entdeckt, dass viele indigene oder „antike“ Völker weltweit nicht selten bereits vor der Ankunft der Westeuropäer Legenden wie die von der Sintflut oder von einer Jesus-ähnlichen Figur kannten. Auch unerwartete Parallelen zwischen den Weltreligion wurden entdeckt, z.B. zwischen dem Buddhismus und Christentum. Als Schlussfolgerung hat man angenommen, dass diese Ideen viel älter sind und vom Christentum adoptiert wurden. Nun bekommen wir aber nach und nach ein völlig anderes Bild zusammengesetzt. Die dominanten und sehr aktiven Skythen und ihre nahen Verwandten haben schlicht ihre religiösen Vorstellungen weltweit verbreitet. Mehr noch, aus dieser urchristlichen Religion haben sich andere heute bekannten Weltreligionen entwickelt. Das heutige Christentum ist lediglich eine reduzierte, umgeänderte Version davon, die fälschlicherweise alle „alttestamentarische“ biblischen Bücher in die Zeit vor Christus setzt. Weitere Beweise für diese Behauptungen bleibe ich nicht schuldig. Dazu mehr in der nächsten Folge.

Verständlicherweise überfordert ein solcher Text einen nicht historisch bewandten Menschen. Noch mehr überfordert und reizt er Jemanden, der historisch bewandt ist, und dessen Vorstellungen dieser Text radikal widerspricht. Ich empfehle dennoch, diesen Text mehr als einmal durchzulesen, um mehr Klarheit zu bekommen.

 

(…)

Quelle: https://faszinationmensch.com

Gruß an die Nachforschenden

TA KI

 

 

Die Schätze von Rennes-le-Château


Die Rätselhaften Geschichten um den Ort „Rennes-le-Château“ in den französischen Pyrenäen – ein kleines Dorf auf einem Hügel über einem Hochplateau, ca. 40 km von der mittelalterlichen Stadt Carcassonne entfernt. In der Zeit der Westgoten heiss der Ort „Rhedae“.

Im Jahre 1645 suchte ein Schafhirt in der Gegend von Rennes-le-Château ein verloren gegangenes Schaf. Er fand das Tier, welches in eine Erdspalte gefallen war, nach längerer Suche. Als der Hirte in die Spalte hinunter stieg, fand er in einer Höhle einige Skelette und Kisten, gefüllt mit Goldstücken. Er nahm sich von diesen Reichtümern und kehrte in sein Dorf zurück. Der gute Mann wurde, da er niemandem verriet, wo er seinen Schatz gefunden hatte, schlussendlich als Dieb verurteilt und hingerichtet.

 

Anno 1885 wurde ein Priester, Namens Bérenger Saunière, nach Rennes-le-Château berufen. Als Saunière sein Amt antrat, fand er die Dorfkirche von Rennes-le-Château in einem äusserst baufälligen Zustand vor. Daher beschloss er, bei der Gemeinde von Rennes-le-Château Geld für eine Renovation aufzunehmen. Auch freundete sich Saunière mit einer jungen Frau, Marie Denarnaud an, welche fortan als seine Haushälterin und Vertraute für ihn sorgte.

 

Bei den Restaurationsarbeiten fand Bérenger Saunière unter einer steinernen Bodenplatte, welche ca. aus dem 8. Jahrhundert stammte, und die auf ihrer Unterseite das Abbild von zwei Rittern zeigte (vermutlich das Siegel der Tempelritter), den Eingang zu einer längst vergessenen Krypta, der Krypta der „Seigneurs de Rennes“ – und ein Gefäss mit Goldstücken, welches vermutlich einer seiner Vorgänger, der Curé Antoine Bigou, im Jahre 1792 dort versteckt hatte. Ob sich unter der Kirche von Rennes-le-Château wirklich eine Krypta befindet, ist zur heutigen Zeit leider nicht mehr mit Sicherheit zu bestimmen, denn einerseits besteht im ganzen Ort ein striktes Grabungsverbot (nachdem Schatzsucher bei wilden Aktionen wahllos in Rennes-le-Château gegraben und sogar Sprengungen durchgeführt haben) und andererseits kann man die erwähnte Krypta auch nicht besichtigen.

 

La Dalle des Chevaliers - Die gefundene Platte der Ritter
Im weitern Verlauf der Renovationsarbeiten entdeckte Bérenger Saunière, beim Anheben der Altarplatte, in einem aus westgotischer Zeit stammenden Pfeiler einen Hohlraum. In diesem waren hölzerne Zylinder, welche vier Pergamente enthielten. Diese Pergamente waren mit Texten in lateinischer und französischer Sprache beschrieben. Saunière stoppte sofort alle Arbeiten und reiste nach Paris, um zwei der Schriftstücke von einem Sachverständigen überprüfen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit kaufte er sich im Louvre drei Kopien von Gemälden. Anschliessend kehrte er nach Rennes-le-Château zurück, in der Überzeugung, dass ein Schatz unter der Kirche vergraben sein müsse. Bérenger Saunière und Marie Denarnaud begannen nach dem Schatz zu suchen, denn eines der Pergamente enthielt Masseinheiten und auch Hinweise auf ein Grab, welches sich auf dem Kirchhof befand.

 

Angeblicher Grabstein von Marie d'Hautpoul de Blanchefort
Bei diesem Grab handelte es sich um die letzte Ruhestätte der „Marquise Marie d’Hautpoul de Blanchefort“. Die Inschrift auf dem Grabstein war sehr sonderbar und wies allem Anschein nach auf ein Geheimnis – oder ein geheimes Versteck hin. Betrachtet man diesen Grabstein und die Inschrift, so kann man ungleiche Schriftzeichen und falsche Worttrennungen erkennen. Der Grabstein von Marie d’Hautpoul de Blanchefort wurde – entsprechend weiterer Nachforschungen – von Abbé Antoine Bigou entworfen. Saunière jedenfalls zerstörte den Grabstein mit der rätselhaften Inschrift. Glücklicherweise jedoch wurde diese früher schon einmal aufgezeichnet und ist somit bekannt.

Saunière tat dies vermutlich, weil er verhindern wollte, dass jemand anders noch das Rätsel lösen konnte…

Bei zwei der Pergamente – welche zur Zeit nicht mehr auffindbar sind – und vermutlich aus den Jahren 1244 und 1644 stammten, soll es sich angeblich um Genealogien handelt. Die zwei andern Pergamente sind aus jüngerer Zeit und könnten von dem bereits erwähnten Vorgänger von Saunière, Antoine Bigou, verfasst worden sein. Diese „neueren“ Pergamente enthalten lateinische Texte aus dem Neuen Testamen. Wird das eine Pergament genau betrachtet, so bemerkt man an gewissen Stellen des Textes eine unregelmässige Anordnung der Buchstaben. Bestimmte Zeichen wurden im Text höher gestellt. Wenn man nun diese Schriftzeichen herausschreibt und liest, ergibt sich der folgende Text:

„A DAGOBERT II ROI ET A SION EST CE TRESOR ET IL EST LA MORT“
(dieser Schatz gehört Dagobert II. König und Sion und er ist dort … wartend … schlafend …  ungenutzt … tot)

 

*Dagobert II. war ein König aus dem berühmten Geschlecht der Merowinger. Er wurde im Jahr 678 n. Chr. in den Ardennen ermordet – und zwar im Auftrag seines eigenen Kanzlers.

Das andere Pergament zu enträtseln, war weitaus komplizierter. Der Autor des Buches „The Holy Place“, Henry Lincoln, konnte den Verschlüsselungs-Code brechen und fand folgenden Text:

„BERGERE PAS DE TENTATION QUE POUSSIN TENIERS GARDENT
 LA CLEF PAX 681 PAR LA CROIX ET CE CHEVAL DE DIEU J’ACHEVE
 CE DAEMON DE GARDIEN A MIDI POMMES BLEUES“
 (Schäferin keine Versuchung, dass Poussin, Teniers den Schlüssel besitzen, Friede 681, beim Kreuz und diesem Pferd Gottes beende / zerstöre ich diesen Dämon von Wächter zu Mittag, blaue Äpfel)

 

Nun, der Pfarrer Bérenger Saunière musste auf ein grosses Geheimnis gestossen sein, denn urplötzlich kam er zu viel Geld, welches schier unerschöpflich aus unbekannten Quellen zu fliessen begann. Er renovierte die ganze Kirche viel umfangreicher und schöner als ursprünglich geplant war. Auch das Umgelände wurde entsprechend seinen Anweisungen – nach eigentümlicher Art – umgestaltet. Zusätzlich baute er in der Nähe der Kirche einen Turm, den „Tour Magdala“, in welchem er seine Bibliothek unterbrachte. (Von diesem Turm und der zugehörigen Terrasse aus, geniesst man übrigens einen prächtigen Ausblick in die nähere und fernere Umgebung.) Ein kunstvoll gestalteter Garten mit seltenen Bäumen, Wasserspielen und exotischen Pflanzen vervollständigte das Bild.

 

Grundstücke, welche er kaufte, wurden auf den Namen von Marie Denarnaud ins Grundbuch eingetragen. Ebenfalls baute der Dorfpfarrer für die Gemeinde von Rennes-le-Château eine neue Zufahrtsstrasse zum Ort und war ausserdem sehr grosszügig betreffend Finanzierungen wohltätiger Projekte. Durch seinen rätselhaften Reichtum profitierte das ganze Dorf. Auch gesellschaftlich veränderte sich Bérenger Saunière, denn er pflegte Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur und empfing oft Besuch in seiner, ebenfalls neuerstellten, und mit einer Privatkapelle ausgestatteten Villa „Bethania“.

 

Was mochte Bérenger Saunière wohl gefunden haben? Diese Frage beschäftigte – und beschäftigt noch – sehr viele Leute und man vernahm die verschiedensten Vermutungen. Einige sprachen vom Schatz der Merowinger – andere wiederum von unermesslichen Schätzen der Tempelritter. Auch spekulierte man, Saunière könnte den sagenhaften „Heiligen Gral“ gefunden haben. Oder ist der Schatz von Rennes-le-Château der Schatz aus König Salomons Tempel, den die Römer bei der Besetzung Jerusalems gestohlen haben sollen?

Der Priester pflegte auch Kontakte zu seinem Amtskollegen und Freund Abbé Boudet, Curé des Nachbardorfes, Rennes-les-Bains. Boudet war nebenbei als Heimatforscher und Schriftsteller tätig und verfasste unter anderem das kryptische Werk:

„LA VRAIE LANGUE CELTIQUE ET LE CROMLECK DE RENNES-LES-BAINS“
 (Die wahre keltische Sprache und der Steinkreis von Rennes-les-Bains).

 

Carte Rennes Celtique
Dieses Buch ist in sich selbst ein Rätsel und  birgt mit Sicherheit ein verschlüsseltes Geheimnis. Die Gegend um Rennes-le-Château und Rennes-les-Bains ist grundsätzlich sehr mystisch. Man findet viele Spuren aus keltischer Zeit. Der Bruder von Boudet war Landvermesser und steuerte dem Buch eine Karte der Umgebung bei. Auf dieser Karte sind viele Dolmen und Menhire – sowie weitere Besonderheiten eingezeichnet – und deutet vermutlich ebenfalls auf ein Schatzversteck hin…

Man sah die beiden Priester öfters zusammen die Gegend durchstreifen.

Saunière selbst war oft viel alleine unterwegs, manchmal auch zusammen mit seiner Haushälterin Marie Denarnaud. Er fische, gehe auf der Jagd – oder suche spezielle Steine und Pilze – äusserte er, wenn man ihn danach fragte, was er wohl tagelang in den Schluchten, Wäldern und Höhlen der Umgebung suche.

 

Heimlich folgten ihm manchmal ein paar Burschen – doch Saunière verschwand oft in der Gegend von Rennes-les-Bains, in der Nähe eines grossen Steins, welcher „Pierre du Pain“ genannt wird… Man vermutete, dass Saunière einen Teil des gefundenen Schatzes zu Geld gemacht hatte, jedoch der Priester schwieg beharrlich, auch über einen eventuellen Fundort liess er nie etwas verlauten.

Unter Umständen könnte es auch sein, dass jemand dem Pfarrer viel Geld zukommen liess, um etwas zu verschleiern. Diese Überlegung ist nicht abwegig, denn wenn Bérenger Saunière wirklich auf ein grosses Geheimnis gestossen ist, sollte dieses auch fortan geheim bleiben. Eine in Frage kommende Gruppierung könnte beispielsweise die Kirche selbst sein.

 

Auch tauchte in diesem Zusammenhang der Name eines Geheimordens, genannt „Prieuré de Sion“, auf. Dieser Geheimorden soll angeblich seit ca. 900 Jahren existieren und in Beziehung mit den Tempelrittern gestanden sein. Der Orden der Tempelritter existiert seit 1314 nicht mehr, die „Prieuré de Sion“ aber soll noch heute aktiv, und im Besitze von Beweisen sein, durch welche belegt werden kann, dass der christliche Jesus die von der Kirche dargestellte Kreuzigung überlebt hätte.

Ebenfalls wird vermutet, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war, welche nach der Kreuzigungsgeschichte über das Meer floh und in Ste-Marie-de-la-Mer das französische Festland betrat. Die aus der Ehe von Maria Magdalena und Jesus entsprungenen Nachkommen sollten ein paar hundert Jahre später als Merowingerkönige in Frankreich den Thron bestiegen haben.

 

Besucht man die Kirche von Rennes-le-Château, so kann man über dem Eingangsportal die Worte:

„TERRIBILIS EST LOCUS ISTE“
 (dieser Ort ist schrecklich) lesen.

In der Kirche selbst wird man mit dem Anblick einer Teufelsstatue konfrontiert. Diese trägt in geduckter Haltung das Weihwasserbecken und blickt mit erschrockenem Ausdruck zur Mitte des Kirchenbodens. Aufgrund der Körperhaltung der Teufels – genannt „Asmodeus“ – meint man, dass dieser eigentlich sitzen müsste. Nun ist es so, dass im Nachbarort von Rennes-le-Château, in Rennes-les-Bains, auf einem Berg ein Stein steht, welcher die Form eines Sessels hat.

 

 

Dieser Stein stammt vermutlich aus der Zeit der Kelten und ist mit sehr interessanten, eingemeisselten Symbolen versehen. Dieser Stein wird „le fauteuil du diable“ (der Teufelssessel) genannt. Aus welchen Gründen hat Saunière wohl den Spruch über dem Eingang anbringen lassen und die Teufelsstatue aufgestellt? Über dem Weihwasserbecken sind auf einem Sockel vier Engels-Statuen angebracht. Jeder dieser Engel vollführt einen Teil des Kreuzzeichens. Unterhalb der Engel ist zu lesen:

 

„PAR CE SIGNE TU LE VAINCRAS“
(durch dieses Zeichen wirst du ihn besiegen)

Einer der Engel deutet nach unten – vermutlich ist der Teufel „Asmodeus“ gemeint. Die ganze übrige Kirche ist in äusserst symbolträchtiger und rätselhafter Weise ausgestaltet. Jede Station des Kreuzweges weicht in Einzelheiten von der offiziellen, kirchlichen Version ab. Was mag dies alles bedeuten? Der Priester Bérenger Saunière verschlüsselte in seiner Kirche eine Botschaft – sichtbar für Jedermann – und doch nicht verständlich.

Damals, als der Priester Saunière nach Paris reiste, um die gefundenen Pergamente überprüfen zu lassen, kaufte er – wie bereits erwähnt- im Louvre drei Reproduktionen von Gemälden. Das eine davon war ein Gemälde von „Nicolas Poussin“ mit dem Titel „Les Bergers d’Arcadie“ (die Hirten in Arkadien). Auf diesem Bild sind drei Männer und eine Frau vor einem steinernen Sarkophag zu sehen. Zwei der Männer weisen mit ihren Fingern auf eine Inschrift hin.

 

Les Bergers d'Arcadie II, Nicolas Poussin

 

Die Inschrift auf dem Sarkophag lautet:

„ET IN ARCADIA EGO“
(auch ich in Arkadien)

Bemerkenswert ist, dass tatsächlich ein solches Grabmal – wie auf dem Bild gezeigt – unweit von Rennes-le-Château, in Arques existierte. Es ist jedoch nicht bekannt, seit welcher Zeit es dort stand (inzwischen ist es verschwunden). Wenn man das Bild mit der realen Umgebung vergleicht, entdeckt man grosse Übereinstimungen der Landschaft um Rennes-le-Château. Der Spruch „ET IN ARCADIA EGO“ erkennt man übrigens auch – relativ leicht verschlüsselt – auf dem mysteriösen Grabstein der Marquise Marie d’Hautpoul de Blanchefort.

 

In Carcassonne kam ein neuer Bischof an die Macht, welcher das eigentümliche Verhalten seines untergebenen Gemeindepfarrers nicht mehr länger tolerierte. Nach mehreren Streitigkeiten – welche teilweise bis nach Rom vor den Papst gelangten – wurde Saunière schlussendlich durch einen neuen Pfarrer ersetzt. Doch Bérenger Saunière führte sein Leben und sein Wohltäterdasein in Rennes-le-Château weiter, bis er im Jahre 1917 verstarb. Seine Haushälterin Marie lebte fortan sehr zurückgezogen und verstarb im Januar des Jahres 1953.

Soweit die Geschichte…

Bis zum heutigen Tag wird laufend nach den Schätzen in und um Rennes-le-Château gesucht – eventuelle Entdeckungen jedoch werden sorgsam geheim gehalten!

 

-> Zusätzliche Bilder zum Thema findet man hier…

Die nachfolgende Aufstellung soll eine Übersicht bieten, um welche Schätze es sich im Speziellen handeln könnte.

1. Der Schatz der Templer
Als der Papst im Jahr 1307 den Templerorden zerschlug, scheiterten bis heute alle Versuche, ihre Reichtümer aufzuspüren. Es heisst, dass das Adelshaus de Blanchefort mit dem Orden der Templer eng verbunden gewesen sei. Im Jahr 1156 liess Bertrand de Blanchefort im Gebiet des Chateau de Blanchefort eine Art unterirdisches Bauwerk anlegen. Es bleibt bis in die heutige Zeit unklar, aus welchem Grund er diese Arbeiten ausführen liess. Sollte es als Versteck für die Templerschätze dienen oder hielt man dort etwas völlig anderes verborgen, das vielleicht zur Gefahr werden konnte, wenn es in falsche Hände geriet?

2. Der Schatz der Westgoten
Der sagenhafte Reichtum von Saunière könnte vielleicht tatsächlich aus einem Schatzfund stammen, was sich insofern belegen lässt, als Saunière einige seiner Amtsbrüder aus der Umgebung reich mit altertümlichen Dingen beschenkte, wie etwa mit einem sehr alten und sehr wertvollen Abendmahlskelch und einer grossen Menge Münzen aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Der Legende nach sollen die Erben der Maria Magdalena in die Familien der Westgoten eingeheiratet haben und bildeten so den Ursprung der mächtigen Herrscherfamilie der Merowinger. Die Westgoten der Umgebung könnten demnach ihre Abstammung bis zum Hause Benjamin zurückverfolgen, welcher angeblich nach Griechenland in die Region von Arkadien geflohen war. Unter dem Druck der Franken verlegten die Westgoten ihre Hauptstadt nach Rhedae. Die Franken fielen weiter ein und die Westgoten ziehen von Rennes nach Toledo. Hatten sie all ihre Reichtümer hier in einem Versteck zurückgelassen?

3. Der Schatz der Merowinger
Möglicherweise war der Schatz, den Saunière entdeckt hatte, ein Teil des Kronschatzes merowingischen Ursprungs. Über die Merowingischen Könige wusste man bis vor kurzem nicht sehr viel. Der Begründer dieses königlichen Geschlechtes, Merovech, soll laut der Legende von zwei Vätern abstammen. Dessen Mutter soll, während sie schon von König Chlodwig mit Merovech schwanger war, beim Schwimmen im Ozean einen „Quinotaur“ (?) getroffen haben, der sie verführte. Und so wurde Merovech irgendwie durch Vermischen Fränkischer Gene mit denen eines seltsamen Amphibienwesens geformt. Die Merowinger schnitten sich nie ihre Haare und trugen über den Schulterblättern ein charakteristisches Muttermal (rotes Kreuz). Sie waren bekannt als Anhänger der Geheimlehren. Die Urahnen der Franken wurden „Volk des Bären“ genannt. Sie verehrten die Bären-Göttin Arduina. Das Wort „Arcadia“ stammt von “ Arkas“, Schutzgott dieses Gebiets in Griechenland, der Sohn der Nymphe Callisto, der Schwester der Artemis. Callistos Sternbild ist auch als Ursa Major oder der Große Bär bekannt. Laut ihrer Legende sind die Merowinger Nachfahren der Trojaner und Homer berichtet, dass Troya von einer Kolonie von Arkadiern gegründet wurde…

4. Ein Schatz in 12 Verstecken
Abbé Boudet, der sein Leben in Rennes-les-Bains verbrachte, vermutete, dass es nicht ein einzelnes Versteck gäbe, sondern 12 verschiedene (Wächter der 12). Sie sollen in der Region von Rennes-le-Château oder Rennes-les-Bains verborgen sein.

5. Ein Dokument, das die Evangelien in Frage stellt
Noch eine andere Theorie vermeint, Jesus sei nicht am Kreuz gestorben, er wäre unbemerkt nach Frankreich gekommen und hätte den Rest seines Lebens in der Nähe von Rennes-le-Château verbracht. Er hätte Maria Magdalena geheiratet und mit ihr ein Kind gehabt. Manche behaupten sogar, sie hätten Hinweise dafür, dass Jesus in dieser Gegend begraben sein soll…

6. Versteckte Geometrie um Rennes-le-Château
Im Jahre 1973 untersuchte der Schriftsteller Henry Lincoln das Geheimnis von Rennes-le-Château. Er zog einen Professor der Kunstgeschichte, Christopher Cornford, und einen geübten Landvermesser, David Wood, zu Rat, um eine detaillierte Untersuchung zu beginnen. Zu aller Überraschung entdeckte Cornford, dass das Gemälde wie ein Fünfeck aufgebaut war, einem Geheimsymbol, das die Kirche eigentlich nie in einem Kunstwerk erlaubt hätte. Wood vermutete, die gleiche Anordnung auch in der Umgebung zu finden und vermass deshalb das Gebiet. Nach erheblichem Aufwand entdeckte Wood, dass es einige Linien auf der Karte gab, die mit einem Winkel von 36° verbunden waren. Er suchte als nächstes den Kreis der mit den Linien in Bezug stand. Schliesslich fand er, dass dieser durch die alten Kirchen von Rennes-le-Château, Coustaussa, Serres, Bugarach und St. Just et le Bézu verlief. Zusätzlich verlief der Kreis durch das Château bei Serres und die seltsame Felsformation bei Les Toustounnes. Wood wusste, dass er an etwas sehr Wichtigem angelangt war und veröffentlichte seine Nachforschungen im Buch „Genesis – Das erste Buch der Offenbarungen“. Einige der Kirchen konnten bis zu den Römern oder den Westgoten zurückdatiert werden, weit vor der Zeit der Templer. Beide, das Gemälde Poussins und die Landschaft, weisen also dieselbe Geometrie auf, was die Frage aufwirft, wieso Poussin das wissen konnte? Auch aus verschlüsselten Dokumenten? Die eigentlichen Pergamente waren angeblich erst entdeckt worden, als Saunière die Renovierung der Kirche der Hl. Maria Magdalena durchführte und die Altarplatte entfernte. Waren die Kopien Fälschungen, und sahen die Originale in Wirklichkeit ganz anders aus?

7. Der Stein der Weisen oder Saunières Sternentor
Einer völlig andern Theorie nach, soll Saunière hier ein Tor zu einer anderen Dimension entdeckt haben, in Form der Smaragd-Tafeln des Thot. Diese sollen einen sog. Tesseract darstellen, eine Art Anordnung von Hyperwürfeln als 3-dimensionale Abbildung eines 4-dimensionalen Körpers. Auf diesen Tafeln würden sich philosophische Texte befinden, die Thoth selbst niedergeschrieben haben soll.

Quelle: http://www.gralssuche.org/rennes_le_chteau/Rennes_le_Chteau.html

Gruß an die Nachforscher

TA KI

 

Die MEROWINGER – wer oder WAS sind sie ?


Oder wer die Welt regiert

Auch die Pyramide auf der 1-Dollar-Note zeigt eine Spitze, setzt sich aber aus 13 Steinlagen (Familien) zusammen. Wie in der hebräischen Schrift hinter jedem Zeichen noch ein Zahlenwert steht – und jede Ziffer eine Bedeutung hat, so hat auch das Bild auf der Dollar-Note seine Bedeutung.

Längst sind es nicht mehr gerade einmal die 13 mächtigsten und reichsten Familien, sondern es konzentriert sich im Round Table, in den 13 Familien Macht aus Schwarzer Magie, so wie ich es einmal gelesen hatte, Rothschild mag zwar der Reichste sein – aber in der Magie stehen ihm die Astors über. Okkulte Macht existiert wirklich, das zu lernen hatte ich in Afrika Gelegenheit. Auch dort sind Riten mit Tod, mit Blut und mit Seele weit verbreitet. Und das ist nicht immer weit vom Kiss of the Death entfernt. Ohne Kabbalah auch keine Erkenntnis! Gemeint ist die Pyramide mit dem alles erkennenden Auge – die gleiche Pyramide findet sich jedoch in der Kabbalah wieder, wobei die Spitze der Existenz (Pyramide) als Keter = Krone bezeichnet wird. Schließlich geht es in der Kabbalah um Magie.

Die Merowinger konzentrieren in ihrem Geschlecht die politische Macht und in Teilen des Clans auch die Macht der Magie. Die Merowinger leiten ihre Abstammung auf einen Zeitraum von rund 5000 Jahren zurück und halten sich für den Menschen überlegen. Ihr Wappen trägt einen zu einem Kreis geformten Drachen (Bezug auf einen ihrer Vorfahren) und ein Rotes Kreuz. (NB. Rumpelstilz: da kann ich ja direkt froh sein, keines der beiden Symbole im Familienwappen zu haben – darf mich also als Mensch zählen.) Aber Mensch in deren Augen sind wir Menschen natürlich nicht. Dieses Rote Kreuz findet man auch im englischen Königswappen wieder, aber auch in ihren Freimaurerlogen, so auch u.a. bei den Rosenkreuzern. Letztendlich beherrschen die Merowinger die Erde, bzw. die Länder, in denen sie ansässig sind, seit Angedenken an. Und sie führen über die Prieuré de Sion auch den Zionismus an.

Die Merowinger führen aber nicht nur England an (dies wird wohl einer der längsten Themen-Artikel, weil es eben … sehr umfangreich wird) sie herrschen auch über die Vereinigten Staaten – nicht nur künftig, sondern bisher auch schon.

Hier geht es momentan jedoch um die US-Präsidentschaftskandidaten. Ihnen zumindest gebürht die zweifelhafte „Ehre“ mich des Themas MEROWINGER angenommen zu haben.

Die US-Präsidentschaftskandidaten

Anlaß die MEROWINGER zu thematisieren

Die US-Präsidentschaftskandidaten gehören ausnahmslos ALLE der Dynastie der Merowinger an, die den Anspruch erhebt, eine sehr lange Geschichte zu haben, nahezu so alt zu sein, wie die Menschheit selbst. Die gute Nachricht ist, daß diese Dynastie bereits einmal in der Menschheitsgeschichte zerstört wurde – nämlich während der „Sintflut“, einem Ereignis, das durch Grabungen längst als authentisch nachgewiesen wurde, und auf die auch im Alten Testament (Gen. 7) Bezug genommen wird. Dies soll sich erneut wiederholen (Offenbarung 19).

Eigene Vorausbemerkungen:
Hier bemühe ich mich um eine gewisse „Eigenzensur“, denn ich akzeptiere für mich ein gewisses ordnendes „göttliches“ System, aber habe Probleme mit dem sklavischen Akzeptieren der Bibel als allgültige Wahrheit. Dennoch mußte ich in meinem Leben akzeptieren, daß es definitiv präzise Voraussagen gibt. So etwas ist mir als notorisch „ungläubigem Thomas“ selbst widerfahren, es wurde mir etwas vorausgesagt, das absolut unmöglich, unwahrscheinlich und mathematisch gegen jede Wahrscheinlichkeit war – aber dennoch wortwörtlich so eintraf, wie vorausgesagt. Somit bin ich gezwungen, die Möglichkeit anderer Voraussagen nicht mehr a priori zurückzuweisen. Meiner „ungläubigen Thomas“-Natur gemäß werde ich jedoch weiterhin allzu detaillierte Voraussagen kritisch „betrachten“, möglichst aber nicht zensieren – Einwände allerdings als meinem eigenen „Senf“ hinzufügen und als solchen kenntlich machen.

Auch entspricht „meine Wirklichkeit“ nicht unbedingt dem Erfahrungsschatz des Normalbürgers, meiner Auffassung nach stirbt der Mensch mit seiner Seele ohnehin nicht. In meinem gegenwärtigen Leben war ich aufgrund von Malaria schon einmal >30 Minuten „tot“, lediglich die Ärzte im Krankenhaus hatten meinen Körper ins Leben zurückgeholt – also meine ich zu wissen: – 1. man stirbt ohnehin nicht, – 2. der Körper, d.h. die gegenwärtige Lebenserfahrung endet erst am vorherbestimmten Tag, – 3. das „Ich“ lebt weiter. Somit hänge ich also nicht an den Lippen eines Pfarrers/Priesters oder sonstigen Gurus. Entsprechend skeptisch stehe ich all denen in Talar oder sonstigem Tutu gegenüber, die aus der Bibel lesend behaupten, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Der Legende nach stammt diese Bezeichnung Merowinger vom König der Franken (447 – 458 n.Chr.) und wird als die Blutlinie der Heiligen des Grals benannt. Merowi hatte zwei Väter, König Clovis und ein eigenartiges Tier des Meeres.

Trotz sorgfältig aufgelisteter Genealogie aus dieser Zeit, wurde die Erbschaft von Meroveus eigenartigerweise in den Annalen der Klöster im Dunkeln gehalten. Jedoch der rechtmäßige Sohn von Clovis, der, so der Historiker Priscus, wurde von einem geheimnisvollen Seegeschöpf, der Bistea Neptunis geadelt.

Die Sikambrischen Franken, aus deren weiblicher Linie die Merowinger hervorgingen, waren mit der griechischen Arcadiern verbunden, bevor sie in das Rheinland auswanderten. Sie nannten sich selbst Neu-Magier – „Menschen des Neuen Gelübdes“, so wie die Essener von Qumran einst bekannt waren. Es war das Arkadische Vermächtnis, das verantwortlich zeichnet das geheimnisvolle

sea beast (Seegeschöpf) — das Bistea Neptunis so wie symbolisch definiert bei den Merowinger Vorfahren. Der bedeutende Gebieter des Meeres war König Pallas, ein Gott aus alt-Arkadien … Der unsterbliche Gebieter des Meeres, so heißt es, wird für immer inkarniert sein in der Dynastie der alten Könige (http://www.watch.pair.com/new-government.html#10.B ) deren Symbol ein Fisch war – so wie es das traditionelle Symbol für Jesus war. (Laurence Gardner, Bloodline of the Holy Grail, pp. 166, 175)

Trotz kürzlich aufgetretener falscher Behauptungen, daß die Merowinger Abstammung von Jesus Christus und Maria Magdalena geadelt wurde – und deshalb „göttlich“ sei, verschweigt die Legende von König Merowi den wirklichen Ursprung der Merowinger Linie in entfernter Vergangenheit. „Meroveus“ entstammt dem Französischen von „mer“ – d.h. Meer /See und „vere“ / ver von Wurm oder Lindwurm/Drachen. Das Buch der Offenbarung sagt uns, daß der Drachen das „Übel“ und der „Satan“ ist, woher die esoterische Anspielung auf die Merowinger Nachfahren, König Merowi, einem französischen König geadelt durch das „Tier des Meeres“ ist ein Anspruch daß die Merowinger Dynastie buchstäblich satanischer Abstimmung ist.

„Und es entstand ein Krieg im Himmel, sodaß Michael und seine Engel Krieg führten mit dem Drachen. Und der Drache führte Krieg und seine Engel … Und geworfen wurde der große Drache, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen …

Und ich trat auf den Sand des Meeres, und ich sah aus dem Meer ein Tier heraufkommen … und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht.“ (Offenbarung 12:7,9; 13: 1-2)

Rumpelstilz PG: Kurz in einem Satz: die Dynastie der Drachen hat sich seit Jahrtausenden als gewissenlos, skrupellos, brutal, Menschen verachtend – kurz: alles was abstoßend und zutiefst schlecht ist – erwiesen. Aber das bleibt detailliert dem „Dossier“ vorbehalten. Die Merowinger sind fester Bestandteil der 13 Clans, die die Eine Welt Regierung etablieren wollen. Oberflächliche Informationen nennen sie vielleicht die Illuminaten, wobei die Illuminaten nur diejenigen sind, die die Spitze der „Keter“ von weit unten her erblicken dürfen, vereinigt in Logen – quasi die Zuträger derer, die sich als Könige der Welt betrachten. Wenn nun jemand meint, dies sei „doch alles nicht wahr“, nur weil jemand noch nie davon gehört hat – oder „Tante Emma“ auch noch nichts davon erzählt hat, so ist dem entgegen zu halten, daß wissenschaftliche Geschichtsforschung dies jedoch belegt!!!

Bücher wie „Bloodline of the Holy Grail, Heiliges Blut, der Heilige Gral und der Da Vinci Code Waren erfolgreiche Bücher in Massenauflagen und somit bestimmt als Propaganda-Medien zur Verschleierung der eigentlichen Ursprünge der Merowinger. Die Geschichte der Merowinger Dynastie und ihre Verbindung zum Dämonischen – Dynastie auch bekannt als die Drachen-Dynastie, zu Ehren des großen Roten Drachens aus Offenbarung 12 und 13 – sind nur in weniger leicht zugänglichen Insider-Quellen, wie Gardner’s Realm of the Ring Lords und „Kenneth Grant and the Merovingian Mythos“ verlegt bei DragonKey Press erhältlich.

„… Das alte Volk der Tuatha De Danann .. war ein übernatürlicher Stamm der vor-Achaen Landwirtschafts-Göttin Danae von Argos, oder vielleicht von der Aegean Mutter-Göttin Danu. [NB.: Aegean – Ägäis – östliches Mittelmeer] Aber ihr wirklicher Name war wiedergegeben in der älteren Form Tuadhe d’Anu. Damit waren sie das Volk derer von Anu, der große Himmelsgott der

http://www.watch.pair.com/cancer.html#argo Anunaki (Gardner, http://graal.co.uk/ringlordslecture.html Realm of the Ring Lords: The Myths and Magic of the Grail Quest)

„Die Nephilim wurden wegen Ungehorsamkeit gegen Gott in das Innere der Erde verbannt, weil sie sich mit den Töchtern der Erdbewohner befreundeten und ihnen verbotenes Wissen beibrachten. In dieser Veröffentlichung wurden die Nephilim identifiziert als die Urväter der Merowinger.
„… die Rasse der Merowinger wurde vom http://www.watch.pair.com/new-messiah.html#11.A Meeres-Ungeheuer bekannt als Quinotaur. Dieser Quinotaur hatte die Form eine einer See-Kuh. Crowley’s persönliches Siegel war das einer http://www.watch.pair.com/capricornus.html See-Ziege oder amphibischen Monstrums, das identisch ist mit Cthulhu, dem Quniotaurus oder Bullen der Tiefe. So schreibt Grant in seiner Fußnote: „Die Wasser unterhalb der Erde: Heimat der Vorfahren oder der unterbewußte Atavismus der Rasse: „Ist dies ein Bezug zur Rasse des Graals?“ (Kenneth Grant und der Mythos der Merowinger) http://www.bibliotecapleyades.net/merovingians/merovingios_06.html
Der Anspruch der Merowinger auf Vorfahren unter den Engeln mag der auf Sensationen ausgerichteten Vorstellung zu eigenartig zu sein um wahr sein zu können, aber das muß nicht der Fall sein, denn die Autoren zitieren korrekt, daß die dämonischen Ursprünge einer solchen Rasse in den Schriften wiedergegeben wird: “ Die Nephilim wurden wegen Ungehorsamkeit gegen Gott in das Innere der Erde verbannt, weil sie sich mit den Töchtern der Erdbewohner befreundeten und ihnen verbotenes Wissen beibrachten. In dieser Veröffentlichung wurden die Nephilim identifiziert als die Urväter der Merowinger.“ „Und es geschah, als Menschen sich auf der Erde vermehrten und Töchter ihnen geboren wurden, daß die Söhne der Götter die Töchter der Menschen sahen und fanden, daß sie gut waren; und sie nahmen sie sich zur Frau unter allen die sie auswählten. Und der Herr sagte: Mein Geist wird nicht immer mit dem Menschen kämpfen, denn er IST auch Fleisch: jedoch werden seine Tage gezählt sein auf 120 Jahre. Es gab zu dieser zeit auch Riesen auf der Erde; und nach diesem, als die Söhne von Gott sich mit den Töchtern der Menschen einließen und diese ihnen Kinder gebaren, wurden diese mächtige Menschen die auch alt wurden und Menschen von hohem Ansehen. Und Gott sah, daß die Schlechtigkeit des Menschen auf Erden groß war und daß jegliche Vorstellung und Begehren in seinem Herzen nur fortlaufend das Böse war. Und der Herr bereute, daß er zuließ den Menschen auf Erden geschaffen zu haben und es schmerzte ihn in seinem Herzen. Und der Herr sagte, Ich werde den geschaffenen Menschen auf Erden zerstören; beide den Menschen und das Tier und was auf der Erde kraucht und das Geflügel in der Luft, denn es reut mich es geschaffen zu haben. Aber Noah fand Gnade in seinen Augen.“ (Genesis 6:1-7)

Rumpelstilz PG: Entschuldigung Euch mit der Bibel zu behelligen – ich hoffe Euch kommt die Bibel nicht so lächerlich vor, wie mir – oder vielleicht liegt das nur daran, daß ich im Gymnasium so einen blöden Religionslehrer hatte, der, wer nicht mehrere Seiten Psalme auswendig lernte, eine „6“ als Note erhielt – die „6“ im Zeugnis vermied ich durch Kirchenaustritt. Daß ich den Bibel-„Scheiss“ dennoch (widerwillig) zitiere, so nur deshalb, weil der Nachweis von reputierten Historikern, die im heutigen Irak – also damaligen Sumer – Zweistromland – bestätigende Ausgrabungen durchführten, die den Bibel-Schrieb in seinen historischen Aussagen bestätigten. Ich zweifle ja auch nicht an Gott – aber an dieser verflixten, anmassenden Kirche, diesem Mafia-Verein.

Das hebräische Wort nephiyl übersetzt sich korrekt als die Gefallenen und bezieht sich auf die Saat gefallener Engel, die sich einließen (kopulierten) mit Menschen-Frauen am Berg Hermon im Lande Kanaan. Möglich ist, daß dieses „danach“ in Genesis 6:4 sich auf eine zweite Invasion gefallener Engel in der Zeit nach der Sintflut bezieht, was erklären könnte, weshalb die Israeliten Riesen (Nephilim) in Kanaan vorfanden, als sie ins Gelobte Land kamen: „Und wir sahen dort die Nephilim, die Söhne von Anak, die von den Nephilim abstammen, und wir waren kamen uns vor wie Heuschrecken, und das waren wir auch in ihren Augen.“ (

http://www.mechon-mamre.org/p/pt/pt0413.html Num. 13:33, Masoretic Text, Hewbrew-English JPS 1917 Ed.) Nachstehender Auszug aus einer Informations-Abhandlung über die Nephilim wird in Genesis 6:4 diskutiert:
„Einige Kommentatoren spekulierten, daß die Nephilim mit 13 an der Zahl zu einer zweiten Gruppe gefallener Engel gehörten, da die erste Gruppe in der (Sint-)Flut zerstört wurden. Sie erkennen darin eine Anspielung auf Genesis 6:4, wo es heißt: „in diesen tagen gab es Nephilim auf der Erde; und auch ‚danach‘, als die Söhne von Gott sich mit den Menschen-Töchtern „einließen“. Die Frage die sich stellt, ist das dieses „danach“ einen Bezug auf die Nephilim darstellt, die in Kanaan vorgefunden wurden, als die Israeliten in das Land kamen? Wenn dies stimmt, so könnte es erklären, weshalb der Herr die völlige Vernichtung der Kanaaniter befahl, so wie er zuvor die fast völlige Auslöschung der menschlichen Rasse angeordnet hatte“. (“Sons of God, Daughters of Men”)

Sodom und Gomorrah waren Siedlungen in Kanaan, die den Kult der Prostitution in Verbindung mit ihren Fruchtbarkeitsriten praktizierten. Jude 7 schlägt die Interpretation vor: die Einwohner von Sodom und Gomorrah waren derart moralisch verkommen, daß Herumhuren mit Engeln praktiziert worden sein kann, so wie Genesis 19 schreibt:

„Und die Engel, die nicht ihr erstes Land behielten und ihre Behausungen verließen, gehalten in ewigen Ketten und Dunkelheit bis zum Tage des Jüngsten Gerichts. Sogar nachdem Sodom und Gomorrah und die umliegenden Städte in gleicher Art, die sich selbst der Hurerei ergeben hatten und jeglichen fleischlichen Praktiken, an ihnen wurde ein Exempel statuiert und mit ewigem Feuer gestraft.“ (Jude 6-7)

Das Territorium von Kanaan im Norden Israels wurde später von dem Stamm der Dan besetzt, deren Verehrung von Baal/Pan derartige Fruchtbarkeitsriten auf dem Berg Hermon beinhalteten (Berg Hermon – heute auch Berg Zion genannt). Merowinger sind die Nachfahren des Stammes der Dan, die untereinander heirateten mit den Kanaanitern Tuatha De Danann, die auch bekannt sind als die Drachen-Herrn von Anu, denn man sagte über sie, die Nachfahren der gefallenen Engel (Anunnaki) zu sein. Als Gott die nördlichen Stämme wegen ihrer Verdorbenheit vertrieb, wanderte der Stamm der Dan nach Griechenland aus – und später nach Frankreich und den Britischen Inseln, wo sie die heidnische Priesterschaft und königliche Dynastien mit ihrem dämonischen Blut gründeten.

„Der Tuatha De Danann ( oder http://www.watch.pair.com/new-government.html#10.G Drachen-Götter von Anu) … [bevor sie sich in Irland ansiedelten (ab etwa 800 v.Chr.)] … waren die … Prinzen von Skythia am Schwarzen Meer (heute Ukraine). Wie die authentische Dynastie der Pharaonen, führten sie ihre Abstammung auf die großen http://www.watch.pair.com/new-government.html#10.H Pendragone von Mesopotamien zurück, aus denen die königlichen Linien entsprangen, und zwar der der Irischen Bruithnighs und der Picts von Schottlands Kaledonien. In Wales gründeten sie das Königliche Haus der Gynedd, während in Cornwall im Südwesten Englands, sie geistlicher Adel waren, bekannt als Pict-Sidhe.

„So finden wir von einer einzigen Kaste des ursprünglichen Königlichen Blutes – gleichgültig ob bekannt als die Sangréal, die Albi-gens oder dem Ring der Herren, viele der beschreibenden Begriffe, die den Ursprung der volkstümlichen Erzählungen darstellen. Denn hier, in dieser „noblen Rasse“ finden wir die „Elfen“ und „Feen“, die nicht das einfache Volk betrügen, sondern herausragende Könige und Königinnen des Drachen-Geschlechts.“ (Gardner, In the Realm of the Ring Lords, Pt.1)

In der „Kopie des Buches der Psalmen des Alten Testaments von Cashel“ steht: “ der Tuatha von Danaan“ regierte in Irland während ungefähr zweier Jahrhunderte und besaßen hohe Fertigkeiten in Architektur und anderen Fertigkeiten aus ihrem langen Aufenthalt in Griechenland. Die Tuatha von Danaan stammten von Danaus ab, dem Sohn von Belus, der mit seinen 50 Töchtern nach Argos zog, der Heimat seiner Vorfahren Io. Eine Irische Legende, nach der die Tuatha von Danaan als Halbgötter betrachtet wurden, sollen ein Graal-ähnliches Schiff besessen haben. Diese Lehrer der Weisheit … waren die Gründer der Druiden-Priesterschaft.“ (Van Buren, The Sign of the Dove, Seiten 141-2)

In Europa und den Britischen Inseln heiratete das Drachen-Geschlecht in königlichen Familien und wurde zu Herrschern.

„Durch die Arbeiten von Sir Laurence Gardener finden wir, daß Sumaire in der alten Irischen Sprache Drachen bedeutet. Er schreibt: „Es wird angenommen, daß die folgende Kultur der Region phonetisch die Sumerer (ausgesprochen als „Shumerian“) gegenwärtig das Sidhemurian (Shee-murian) war. Dies soll so betrachtet werden, seit der frühe Ring Lords of Scythia (das Tuatha De Danaan Königs-Geschlecht) jetzt die „Sumaire“ genannt wird.“

„Während der tage des biblischen Großen Exodus, trennte sich eine Gruppe von Moses und begab sich in den Norden. Diese Gruppe war der Stamm der Dann. Millionen siedelten in den europäischen und Skandinavischen Gebieten und von dort aus verbreiteten sie sich in den anderen Teilen der Welt … eroberten die Länder, und verbreiteten ihre Anunnaki Samen und ersetzten die Traditionen mit ihrer eigenen Schlangen-Kultur.“ ( http://www.bibliotecapleyades.net/ciencia/ciencia_tuathadedanaan05.htm „Der Stamm von Dann und der verlorene Stamm von Israel“) Nachdem die Merowinger Dynastie von der Römischen Kirche im Jahr 800 n.Chr. abgesetzt wurde, wurde ihr dämonisches Geblüt von dem „Imperial and Royal Dragon Court“ bewahrt, der sich verschwor um die Kontrolle über das Heilige Römische Reich durch Unterwanderung von Kirche und Staat wiederzuerlangen. Ihre Insignien waren der Drache in der Form eines Kreises und einem roten Kreuz – das Rosenkreuz des http://www.watch.pair.com/new-age.html#15.B.CHURCH Prieuré de Sion, die http://www.watch.pair.com/new-military.html#13.A Templer Ritter und den Rosenkreuzern.

„Als der Kaiserliche und Königliche Drachen Hof von König Sigismund im Jahr 1408 in der Societas Draconis wieder gebildet wurde, gründete er auf der Tradition alten Geblüts, von dem Sigismund annahm, daß er es von den vermuteten ägyptischen und skythischen Vorfahren durch die Pictish, Drachen Prinzessin Maelasanu von Northumbria und dem Alten und Original Angevin Königlichen Haus von Vere aus Anjou geerbt hatte, den Kaiserlichen Herzog von Angiers. Diese Linie ging auf der einen Seite zurück über die Tuatha de Danaan (den Drachen Königen von Anu) und auf der anderen Seite der Ägyptischen Drachen Dynastie von Sobek. Die letztgenannte Linie beinhaltet die Blutlinie des Hauses Davidic von Judah, die in die Nachfolge der Merowinger Könige der Franken heiratete …
„Im Jahr 1408 (als sich Britannien in der Plantagenet Ära befan), war der Drachen Hof formell wiedererstellt als ein herrschaftlicher Körper während einer Zeit der Kriege und politischer Wirren … Das gründende Dokument … stellte fest, daß Mitglieder des Hofes die Insignien des Drachens geformt in einem Kreis, mit einem roten Kreuz tragen dürfen – eben diesem Emblem der original Rosenkreuzer, die die Graals-Nachfolge von vor 3000 v.Chr. festgestellt hatten. (Genesis der Graals-Könige)

Die Merowinger Dynastie hält immer noch ihre Legitimität aufrecht und wird eines Tages offen ihr göttliches Recht ihres Adels erklären um die Welt als eine Engels-Rasse von Halb-Göttern zu regieren, deren Vorfahren die gefallenen Engel waren.

„Das alles-bedeutende Element dieses göttlichen Rechtes ist, daß es von Gott* kommt – oder den Göttern – je nach Auslegung. Aber wer waren die Götter? Autoren, wie Zecharia Sitchin, Sir Laurance Gardner und Nocholas de Vere sind mit aller Autorität davon überzeugt, daß das Königswesen von einer höher entwickelten Rasse, den sogenannten Annunaki abstammt, auch Nephilim im alten Testament genannt. Sie waren es, die die menschliche Rasse geschaffen hatten und gekreuzt mit einem Teil von ihnen um die königliche Kaste zu schaffen, die bis zum heutigen Tage die Kontrolle über die Erde behalten hat. Diese himmlischen Kreaturen wurden verschiedentlich verbunden mit Drachen, Elfen, Feen, Gnomen, Nymphen, engeln, Teufeln, Hexen, Riesen, Vampiren und ungefähr jedem mythischen Wesen, das man sich vorstellen kann. Manche, wie Gardner und Sitchin bestehen darauf, daß sie von einem anderen Planeten kommen. Andere, wie Vere, meinen, daß sie mehrerer Dimensionen entspringen oder aus der Hohlen Erde entstammen. (Die Biologische Grundlage für das Elite-Dasein und das Göttliche Recht zu Regieren).

*Rumpelstilz PG: Zwischendurch kann ich dieser Ahnenforschung
einfach nicht unwidersprochen weiter Raum bieten, sich auf Gott zu beziehen zeugt schon von einer Unverfrorenheit sonders gleichen. Es mag in der Vergangenheit einer Gesellschaft ohne Informationsmöglichkeiten Gültigkeit gehabt haben – das Volk glaubt allzu gerne an jede Lüge, je dreister, desto besser (siehe das geMerkel in Deutschland – oder noch dreister und frecher: die vom „göttlichen“ Prince Charles über Al Gore in die Welt gesetzte Lüge des CO2-verursachten Klimawandels). Denke ich an Prince Charles und die dreiste Behauptung, von einem „Engel“ abzustammen, gefallenen Engel Natürlich (Annunaki oder Nephilim) dann kommt mir dieser Charly doch eher nur wie ein Gefallener vor, der seine geschiedene Frau abmurksen ließ (Diana), aber von Engel ist an dem Typen überhaupt nichts. Was soll daran wohl „göttlich“ sein – er ist in meinen Augen ein crétin! Und ihre Praktiken der Schwarzen Magie nimmt ihnen außerdem jegliches Recht auf einen Platz unter den Menschen.

Ich selbst tendiere eher zur Sitchin-Variante, aber nach über 5000 Jahren und weit über 150 Generationen bleibt nach den Mendelschen Gesetzen nicht mehr viel von Göttlichkeit oder extraterrestrischem Erbgut übrig. Ich bin davon überzeugt, aus Gesichtern lesen zu können – besehe ich mir aber die US-Präsidentschaftskandidaten, so möchte ich bei deren Gesichtern mit niemandem von ihnen tauschen und spreche allen die Fähigkeit ab, die USA zum Positiven hin zu lenken. Natürlich wählte in der Vergangenheit Adel Partner unter ihresgleichen – so wie sich junge Leute heute an den Unis kennenlernen und unter sich bleiben. Aber elterliche Verkupplungsversuche schlagen eben bei bestimmten Menschen fehl, sonst wäre ich … aber das geht den Leser hier nichts an. Die Ehe hätte 100%-ig nicht gehalten. Außerdem war die Familie niederen Adels. Mehr zählt aber Menschlichkeit, charakterliche Integrität und eben die paar grauen Zellen zwischen den Ohren. Außerdem fühle ich mich meinem Ur-ur-Großvater, Prof. Dr. jur. xxx verbunden, der als überzeugter Demokrat Mitbegründer der Nationalversammlung zu Frankfurt war und damit die durch Geburt ererbte Führerschaft ablehnte. Die einen mögen es Verrat am Stand nennen, aber auch in meinen Augen ist es Wertschätzung jedem Menschen gegenüber, nicht Geburt adelt – sondern das eigene Verhalten. – (Aber zurück zum Text)

Die Rückkehr der Nephilim um eine andere Hybrid-Rasse zu besamen – einer Vereinigung von Dämonen und menschlichen Wesen – könnte bald zu Ende gehen, ein Ereignis das Jesus gemeint haben könnte, wenn er von einer Zeit sprach, die seiner Wiederkehr vorausgeht.

Bibelzitat NT, Matthäus, 24:37-39 : „Denn wie die Tage des Noah, so wird die Wiederkunft des Sohnes des Menschen sein. Wie sie nämlich in den Tagen vor der Sintflut schmausten und tranken, heirateten und verheirateten bis zu dem Tage, da Noah in die Arche ging, und es nicht merkten, bis die Sintflut kam und alle hinwegraffte, so wird auch die Wiederkunft des Sohnes des Menschen sein.

„… Dr. Carl Jung glaubte, daß diese UFO-Sichtungen ein Produkt unseres unterbewußten Verschleierns einer alten menschlichen Erfahrung ist. Dieses „zur Erde Bringen“ des heiligen Graals durch UFOs ist das moderne Gegenstück zu den Nephilin, den Außerirdischen, oder dem irdischen Elohim „Wissen“ und adeln einer neuen Rasse königlicher Wesen für diese Welt. Königlich, wie z.B. die Merowinger. Die Merowinger sind königlichen Geblüts, die Könige oder „Götter“ aus dem alten Sumer und noch davor.“ (Kenneth Grant and the Merovingian Mythos)

Falls die Nephilim, aka die Anunaki, planen während der Zeit der Großen Wirren eine neue Rasse königlicher Wesen für diese Welt zu adeln, ist es dann etwa möglich daß diese vorsintflutlichen „Götter“ die Dämonen sind, die ursprünglich die Merowinger adelten, daß sie diese geheimnisvollen „Tiere die aus dem Meer aufsteigen“ sind, wie in der Offenbarung 13 beschrieben? (Offenbarung 13: 1-4 … lest selber nach, ich zitiere nicht mehr die Bibel)

Der Bericht, der folgt besteht aus Teilen der Mainstream-Nachrichten, die die aristokratische Vorfahrenschaft und finanziellen Verbindungen der Hauptpräsidentschafts-Kandidaten offenlegen – Verbindungen zu dem Merowinger-Adel Schottlands, Englands und Frankreichs und zu den Merowingern unter den jüdischen und arabischen Financiers (z.B. Rothschild, Bronfman, Dubai). Da die Mainstream-Medien diese Macht-Elite üblicherweise in positivem Licht darstellen und wesentliche Informationen über sie zurückhalten, wurden die spärlichen Angaben in diesen weitestgehend zur Desinformation gedachten Nachrichten mit Tatsachen aus Merowinger Quellen und anderen angereichert – Tatsachen, die NIEMALS in den Nachrichten der Mainstream-Medien berichtet werden.

Den Nachforschungen entsprechend und falls die veröffentlichten Stammbäume der Präsidentschaftskandidaten korrekt sind, so tritt zu Tage, daß John McCain und Barack Obama von höher gestelltem Rang innerhalb der Drachen Dynastie sind als Hillary Clinton. Die Erstgenannten sind Nachfahren mehrerer Merowinger Könige aus England und Schottland. Auf der Grundlage der Abfolge von End-Zeit-Ereignissen der Bibel-Prophezeiungen, wird angenommen, daß John McCain von der Prieuré de Sion auserwählt wurde, der kommende US-Präsident zu werden – ein Kriegspräsident der die Notstandsgesetze in den USA erzwingen wird und den III. Weltkrieg während der ersten Hälfte der Zeit der Großen Wirren beginnen wird.* Mitt Romney, dessen Mormonen-Vorfahren ebenfalls Merowinger sind, wurde in den Personen-Profilen mit aufgenommen,für den Fall, daß er von McCain als Vizepräsident nominiert wird. Um nachzuweisen, daß die Präsidentschaftsfolge auf königliches Blut der Drachen Abstammung beschränkt ist, wurde auch die Merowinger Vorfahrenschaft von Präsident George Bush und Vizepräsident Richard (Dick) Cheney mit aufgenommen. In den Profilen der Kandidaten sind Kommentare in GRÜNER SCHRIFT von „Watch Unto Prayer“.

Im Falle eines Zusammengehens der Vereinigten Staaten mit Kanada und Mexico um eine Nord-Amerikanische-Union zu bilden, dann endet die Souveränität der Vereinigten Staaten und die US-Verfassung wird annulliert.

*McCain war ja bereits anläßlich der Wehrkundetagung 2005 in München hetzend kriegstreiberisch, wodurch er mir das erste Mal richtig auffiel. Sein Lieblingsgegner, gegen den er (noch verbal) zu Felde zog, war Russland und Präsident Putin. Dies war keineswegs militärisch oder wirtschaftlich begründet, aber da nun die Zugehörigkeit McCains zu den Merowingern bekannt ist – ist es klar, daß dahinter die Prieuré de Sion und die Rothschilds stecken.

Copyright © Rumpelstilz Politik-Global 30-05-2008

Quelle: http://politikglobal.blogspot.de/2008/05/0805-37-die-merowinger-ein.html

Gruß an den wahren Adel

TA KI

Frieds Karl


Eine Rezension von Heribert Illig (geringfügig überarbeitet aus Zeitensprünge 1/2014)

(Seitenzahlen in runden Klammern beziehen sich auf das Zeitensprünge-Heft Nr. 1/2014.)

Fried, Johannes (2013): Karl der Große · Gewalt und Glaube; Verlag C.H. Beck, München, geb., 736 S., 60 Abb. und 8 Farbtafeln [= F.]

Wer dem Karl begegnen will, den der beste deutsch schreibende Mediävist vor Augen hat, der muss Johannes Fried lesen. Ein erstrangiger Wissenschaftler und unter diesen der beste Schriftsteller. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2009 hat er sich eine alles umspannende Karls-Biographie vorgenommen, als 71-Jähriger abgeschlossen und so rechtzeitig auf den Markt gebracht, dass ein Gutteil der anderen Arbeiten über den Jubiläums-Kaiser noch von ihr profitieren konnte.

Fried ist nur noch selten in den Fehler verfallen, von dem zu berichten, was Karolingern in der einen oder anderen Situation durch den Kopf gegangen sei, wie ihm das 1994 bei Der Weg in die Geschichte zum Verdruss von Gerd Althoff unterlaufen war. Aber gelegentlich widerfährt es ihm doch noch, etwa:

„Selbst Einhard, auch er ein germanischer Franke, erschrak, murmelte etwas von Überfremdung, die Hof und Reich lästig zu werden drohe. Doch hütete auch er sich, laut zu sprechen. Noch Jahrzehnte später sollte er Karls Nachfolger raten, sich vor Fremden zu hüten“ [F. 295].

Vielleicht ist es nicht Einhards damalige, sondern Frieds gegenwärtige Meinung. Er ist sicher konservativ, wie der Buchsatz nach alter Rechtschreibung und ein „Elephant“ andeuten [F. 513], der in dieser Form schon 1895 veraltet war. Vielleicht ist ihm deshalb Karls Inneres zugänglich: „Er hatte die Nacht schlecht geschlafen. Kehrten die Toten zurück? Rächten sie sich?“ [F. 567]

Die Althoff-Kontroverse brachte Fried dazu, sich mit der Glaubwürdigkeit von Quellen zu beschäftigen. Eine Frucht dieser Arbeit war seine historische Memorik [2004], in der er die Schriftquellen sehr kritisch beäugte. So kam er dort sogar zu dem radikalen Schluss:

„Historische Forschung muß, soweit sie auf erzählende Quellen angewiesen ist, vordringlich Gedächtniskritik betreiben. Das neue Fundament, auf dem künftiges Forschen aufruhen muß, heißt erinnerungskritische Skepsis und verlangt eine ‘Memorik’, die ihr gerecht wird: Alles, was sich bloß der Erinnerung verdankt, hat prinzipiell als falsch zu gelten“ [Fried 2004, 48; Hvhg. HI].

Damit dürfte er seine Kolleg/inn/en düpiert haben, war er doch entschieden übers Ziel hinausgeschossen; auf welcher Basis sollte er – dem die Archäologie ein Fremdwort ist, zumindest als Hilfswissenschaft des Mediävisten [1996] – seine eigene Arbeit begründen? So kann es nicht verwundern, dass er dieses Werk von beachtlichen 500 Seiten in seinem Karl mit keinem Wort erwähnt. Aber natürlich bleibt er dabei, dass die damaligen Chronisten Schriften hinterlassen haben, die der Spezialist erst auf Plausibilität, Voreingenommenheit oder Wahrheitsgehalt zu prüfen hat, bevor er sie heranzieht. Das allerdings ist eine Banalität, die aber tatsächlich immer wieder ausgesprochen werden muss. So im ersten Absatz seines jüngsten Werks:

„Das folgende Buch ist kein Roman, dennoch eine Fiktion. Sie beschreibt das Bild, das sich der Autor von Karl dem Großen oder Charlemagne macht. Es ist subjektiv geformt und gefärbt, auch wenn es die Zeugnisse jener Zeit gebührend heranzieht. […] Eine objektive Darstellung des großen Karolingers ist schlechterdings nicht möglich“ [F. 9].

Mit diesem Tenor endigt auch das Buch: „Karls Leben mit all seinen Widersprüchen verschließt sich uns“ [F. 593]. Denselben Bogen schlägt er als Frankfurter im Hinblick auf ein ganz großes Vorbild, indem er sein Buch mit einem Prolog eröffnet, der allerdings nicht im Himmel, sondern in der Hölle spielt. Aber dieser Vorspann endigt immerhin mit der heiligen Messe, die alljährlich an Karls Sterbetag zelebriert wird, und mit diesem Hochamt schließt auch das Buch [F. 30, 633] – somit doch seinem Vorbild nahekommend. So umgreift der Glaube dieses Buch, in dem viel Gewalt vorkommt, aber doch ziemlich gedämpft, gewissermaßen con sordino.

fried011-500x734

Karl der Große: Skizze nach dem Leben, von Albrecht Dürer, 1510

fried021-500x953Karl der Große: Idealbildnis mit den Reichskleinodien, die zu seiner Zeit noch nicht existierten, von Albrecht Dürer, 1510/12

Kindheit und Mannesgestalt

Der erste Abschnitt ist der Kindheit Karls gewidmet, über die uns Einhard nicht unterrichten wollte. Folglich wird es hier bereits ganz subjektiv: „eines gibt die Anekdote klar zu erkennen: Daß Karl nämlich die Liebe zu Aachen von seinem Vater geerbt hatte“ [F. 41] oder:

„Auch dieses früh bezeugte Verlangen nach dem fehlerfrei verkündeten Gotteswort dürfte schon vor der Königszeit Karls des Großen geweckt worden sein“ [F. 47].

Das mag so, kann aber auch anders gewesen sein. Wir wollen uns hier nicht mit derartigen Einfühlungen oder auch Unterstellungen auseinandersetzen, auch nicht mit Frieds Interpretationen von Karls politischem Handeln. Uns interessiert hier nicht die klug komponierte Abfolge eines gigantischen Lebens, als vielmehr die Unschärfen und Lücken, die Fried – Gegner des erfundenen Mittelalters seit der ersten Buchveröffentlichung – belassen muss, obwohl das Karls Fiktionalisierung fördert. Insofern äußert er auch überhaupt keinen Zweifel an diesem alle Grenzen sprengenden Leben.

 Ziemlich unabhängig von eigenen Vorstellungen sollte die Einschätzung sein, wie groß ein Skelett ist und welche Körpergröße sich daraus ableiten lässt. Gleichwohl war in den letzten Monaten nicht nur in Aachen das Bedürfnis zu spüren, einen möglichst großen Karl zu rekonstruieren (s. S. 65, 72, 79). Fried hielt sich bei dieser Frage zurück:

„Karl war groß, eine Hüne von Gestalt, ein ganzer Kerl; um Haupteslänge überragte er die meisten seiner Zeitgenossen. Der Rest seiner Gebeine in Aachen, als Reliquien gehütet und verehrt, verrät es. Von Kindesbeinen an hatte er sich im Waffengebrauch und Kampf geübt“ [F. 123].

Er will hier seinen Helden nicht künstlich vergrößern und hat andernorts durchaus eingeräumt, dass Karl 1,80 m oder ein wenig mehr gemessen haben dürfte, nach fränkischem Maßstab also kein Hüne war und die Anthropologen keinen besonders muskulösen Körper aus den Knochen im Karlsschrein ableiten konnten (s. S. 42). Fried gestattet sich deshalb den Zweifel, ob es sich überhaupt um die richtigen Knochen handelt, die da im Aachener Schrein ruhen (s. S. 79).

Sein Alter? Bei Karls Tod zitiert er Einhard – „Siebzigjähriger“ –, tritt aber für ein Sterbealter von 66 ein [F. 596]. Die von Einhard ebenfalls genannten 72 ignoriert Fried völlig. Und was war die Krankheit zum Tode? Die kennt Einhard, da ist also nichts zu holen. Aber wird nicht eine Art Schlaganfall geschildert, der ihn vom Pferd reißt? Da lässt sich weiterdenken und fragen: „War es ein epileptischer Anfall, der den Kaiser zu Boden zwang und nun seine Habe verteilen ließ? Gewiß ist nichts“ [F. 569]. Als Interviewter wird er deutlicher. Da ist diese zur Sicherheit gereifte Diagnose sein Fund (S. 79).

Über Karls Psyche wollen wir nicht weiter räsonieren, allenfalls darüber, dass er mit Hildegard, „eine junge Dame von knapp dreizehn Jahren“ [F. 128] freit, die man auch damals noch als Kind bezeichnen durfte. Er hat sich dann „nach dem Tod seiner vierten oder fünften Gemahlin Liutgard und seit seiner Kaiserkrönung mit Konkubinen begnügt“ [F. 540]. Ob ihm sein Beichtvater ob dieser Einschränkung und Begrenzung die Absolution erteilt hat? Fried gewährt mehr Freiheiten, als sie einem Christenmenschen zustehen.

Krieg und Kriegswesen

Und damit zu den Karolingern und der von ihnen so herausragend geprägten Zeit. Sie stehen für jene gewaltigen Expansionsanstrengungen, die von Franken aus unternommen worden sein sollen und die sich im Wesentlichen in Sachsen und Pannonien auswirkten, jenem Pannonien der Awaren, „gefährliche Feinde, bis sie 796 endgültig besiegt waren und ein Jahrzehnt später das Christentum angenommen hatten“ [F. 115] – und „fortan konkurrierte das ins Unermeßliche gewachsene Frankenreich mit Byzanz“ [F. 194]. Darüber kann  leicht aus dem Blick geraten, dass die christlichen Awaren nach ihrer Taufe völlig von der Bildfläche verschwinden und die „Awarenwüste“ hinterlassen; das Brachland hätten die Ungarn erst 896 eingenommen, die dann erst um 1000 christianisiert worden sind. Aber wer wollte sich an solchen Brüchen stören, vor allem, wenn es heißt: Die Awaren in Pannonien waren zwar besiegt, „doch der Ausbau und die Sicherung der fränkischen Macht und die Wiederverbreitung des Christentums in Pannonien steckten noch in den Anfängen“ [F. 539]. Also erst christianisiert, doch dann wieder alles auf Null zurück – oder Fried als Meister changierender Sachverhalte.

Ein Wort noch zu den Sachsen. Einhard [c. 7] hat uns Karls Ziele überliefert: Deren Stämme mussten dem Götzendienst abschwören, die christliche Religion annehmen „und sich mit den Franken zu einer Volkseinheit zusammenschließen“. Fried macht daraus in seiner eleganten Art etwas ganz anderes: „Doch mit der Zeit einte ihre Eingliederung ins Frankenreich, wie es scheint, die Sachsen zu einem Volk“ [F. 156]. Und das war den Franken 32 Jahre Krieg wert, die ihr eigenes Land eigentlich hätten ruinieren müssen! Das Schicksal ihres einzig namentlich bekannten Anführers Widukind wird ebenfalls geschickt kaschiert: „Der tapfere Mann durfte sich auf seine Besitzungen zurückziehen und verschwand in keinem Kloster“ [F. 161]. Dabei ist er sehr wohl aus der Geschichte verschwunden; obwohl Karl ihm persönlich bei der Taufe Pate stand, ward nichts mehr von dem tapferen Mann gehört. Auch Lucas Wiegelmann, sonst mein Gegner, wird hier Fried-kritisch:

„Die paar tausend heidnischen Sachsen, die Karl auf seinen Eroberungszügen über die Klinge springen ließ, kommentiert Fried großzügig: »Die Heilsvermittlung scheute keine Gewalt, aber diese richtete sich gegen die fremde Kultur, nicht gegen die Menschen, deren Seelenheil es zu schützen galt.« […] Kritisch wird die Darstellung erst wieder wenn es gilt, Karls Sohn Ludwig den Frommen als Despoten und Versager gleichzeitig hinzustellen. Auf dass Karls Stern nur umso heller strahle.“

Mit diesen Expansionsbedürfnissen einher gehen Kontakte vor allem mit dem Osten, also mit Byzanz – das ist weniger signifikant, weil es 1204 von den römisch orientierten Christen geschlagen wurde und seine Vergangenheit in den Händen der Sieger blieb – und vor allem mit den islamischen Gebieten. Fried beginnt wie alle Mediävisten mit dem groß herausgestellten Gesandtenaustausch [F. 81], um dann doch einräumen zu müssen, dass wir ihn immer noch praktisch nur von der fränkischen Seite aus kennen, kann er doch z.B. nur mutmaßen, die Abbasiden hätten Christen als Gesandte geschickt [F. 86]. Er kann das indirekt einräumen, weil er einen kleinen Trumpf ausspielt, glaubt er doch „nur schwache, erst neuerdings erkannte Spuren dieses Austauschs“ zu erkennen [F. 86]. Man habe nämlich zwei Texte aus dem 10. und 12. Jh. entdeckt, in denen von einem früheren Metallhandel mit einem  „Tyrann“ die Rede sei, „hinter dem sich niemand anders verbergen dürfte als Karl der Große“ [F. 465]. Mit diesem „dürfte“ ist einmal mehr klargestellt, dass die Forschung zu Gesandtschaften von und zum Islam einzig und allein auf christliche Quellen zurückgreifen kann.

Die fränkische ‘Hemisphäre’ wusste nichts vom vorderen Orient, weshalb Fried den völlig unergiebigen Bericht einer Pilgerreise nach Jerusalem präsentieren muss, die vor 680 und damit vor der Karolingerzeit unternommen worden war [F. 90]; sie wusste auch nichts von Byzanz [F. 93, 103]. „Auch die Welt wußte wenig von den Franken“ [F. 86]. ‘Zum Glück’ gibt es vom Ende des 9. Jh. arabische Berichte über jüdische Händler, die dank exzellenter Geographiekenntnisse schwunghaften Handel von Frankenland, Spanien und Marokko bis nach China betrieben hätten [F. 96], Berichte, die allerdings keine Interna über alle die Herrschaften der gesamten Alten Welt verrieten, die wir so gerne kennen würden. Zum einen ist auch das keine Karlszeit, zum anderen ist das völlig unwahrscheinlich und eher ein Indiz für die längst gemutmaßte Veraltung islamischen Wissens vom 10./11. ins 8./9. Jh.

Aber Karls Großvater, der ‘Sarazenenschlächter’ Karl Martell, der erste Retter des christlichen Abendlandes! Wer solchen Gedanken anhängt, wird von Fried bitter enttäuscht:

„Streifscharen [des Kalifats] drangen bald bis tief nach Aquitanien hinein; eine von ihnen wurde durch Karl Martell im Jahr 732 gestellt und geschlagen, was die karolingische Propaganda als großen Sieg feierte“ [F. 105].

Da hatte der ‘Hammer’ je nach Propaganda bis zu 375.000 Sarazenen niedergemäht – und jetzt darf er nur noch eine einzelne Streifschar von vielleicht 150 Mann aufreiben. Damit verschwindet auch Martells schweres Panzerreiterheer, das ansonsten hochgehalten wird, aber im frühen 8. Jh. – mangels Funden und Voraussetzungen – nichts zu suchen hat. ‘Zum Ersatz’ verweist Fried unmittelbar danach auf die Flotte, die von den muslimischen „Landbewohnern“ – wären Meeresbewohner die Alternative? – „erstaunlich rasch“ wenn nicht gebaut, so doch auf jeden Fall ausgerüstet worden war, und die sogar Konstantinopel ernstlich bedrohte [F. 105] – wie das gerade in Phantomzeiten besonders leicht möglich ist.

Aber Spaniens sarazenische Hochkultur ist bereits von des jungen Karls Argusaugen entdeckt worden:

„Karl war nicht blind für das Wissen der Fremden [aus Andalusien].

Noch freilich war es zu früh für ein Vorgehen der Franken gegen die umayyadische Herrschaft in Spanien. Erst unter Karl dem Großen konnte es geschehen.“ [F. 109]

Eindrucksvoll ist an dem letzten Zitat Frieds Komposition: Wo Karl irgendetwas Vorteilhaftes entdeckte, will er sofort mit dem Schwert zuschlagen, vernichten und/oder vereinnahmen – das beleuchtet Frieds Untertitel Gewalt und  Glaube eindrücklich. So steuerte alles auf die Niederlage von Roncesvalles zu, die erst ab 1100 zum Heldenlied hochstilisiert wird.

Bleiben wir beim alljährlichen Krieg der Franken. Fried wird von Bredekamp [2014] gelobt,

„da er die am antiken Militärwesen geschulte Effizienz des karolingischen Heeres mitnichten unterschätzt. Dass es gleichwohl dreißig Jahre bedurfte, um die Sachsen zu unterwerfen, spricht für deren Kampfkraft.“

Ein echter Bredekamp, wie er uns noch mehrmals in dieser Ausgabe begegnen wird: Da baut sich Karl wohl mit viel Drill und Rückgriff auf römische Militärvorschriften ein effizientes Heer auf, das dann 32 Jahre braucht, um die davon in keiner Weise angekränkelten, sondern mit List und Schläue agierenden Sachsen endlich niederzuwerfen, ohne sie integrieren zu können. So müsste man Bredekamps Lob dahingehend umkehren: Wie rasch hätten sie mit den Sachsen fertig werden können, hätten sie nicht auf altrömisches Taktieren, Fouragieren und Marschieren vertraut.

Fried will sich nicht über die Heeresstärke auslassen, aber Karl „selbst verfügte, wie es scheint, über ein kleines stehendes Heer“ [F. 149] – nur ein Beispiel für den vielfachen Gebrauch von Konjunktiv und Irrealis durch den Mediävisten. Bei der Bewaffnung sieht es nicht besser aus. Er nennt die leichte Bewaffnung der damaligen Franken und kaschiert das herrschende Unwissen, so weit es möglich ist:

„Ein Helm zeichnete […] vielleicht bloß die Anführer aus; um 800 dürfte er verbreiteter gewesen sein“ [F. 151]. Fried hätte auch sagen können, dass keine Ausstellung einen karolingischen Helm zeigen kann, weshalb in Filmen Phantasiehelme getragen werden dürfen (s. S. 43, 76).

Und dann: „eine Brünne für die Reichen“ [F. 150]. Wer dieses Detail im Kopf behält, staunt bald: „Das Aussehen einer Brünne verdeutlicht wohl eine Miniatur“ [F. 218], womit klargestellt wäre, dass es sich um eine Kettenhemd handeln müsse, dessen Länge und Gestaltung jedoch unbekannt ist, weil bislang keines gefunden worden ist. War es vielleicht ein Schutz nur für die beiden Superreichen im Land? Nein, das auch wieder nicht, denn das „älteste unzweifelhaft echte Kapitular des großen Königs“ von 779 lässt den Verkauf von Brünnen über die Reichsgrenzen hinaus nicht zu [F. 303, 305]. Außerdem verbot der alternde Kaiser das Tragen der Brünne zuhause [F. 542]; es scheint also jeder freie Franke eine besessen zu haben.

Das ist ein plakatives Beispiel dafür, wie Fried zwar bei politischen Texten jede leise Verformung durch den Schreiber aufspürt, aber überhaupt kein Gespür dafür hat, dass er mit fiktiven Texten hantieren könnte, die einmal eine ‘Realität’ schildern, doch andernorts eine Fiktion. So zitiert er auch das angeblich karlszeitliche Hildebrandslied: „Sie strafften ihre Panzerhemden“ und schlugen aufeinander ein, bis ihnen das Lindenholz der Schilde „zu Spä nen zerfiel“ [F. 152] – wohl zwingende Begründung dafür, dass allenfalls karolingische Schildbuckel, aber keine ganzen Schilde in Ausstellungen gezeigt werden können.

Dafür scheint es noch eine karolingische Geheimwaffe gegeben zu haben: „Die schweren Waffen der Franken seien im engen Tal [von Roncesvalles] nutzlos gewesen, meinte Einhard (c. 9)“ [F. 167]. Was führte die von Roland geleitete Nachhut da Geheimnisvolles mit sich? Etwa römische Torsionsgeschütze der Spätantike? Diese heftig rückstoßenden „Wildesel (Onager)“ halfen bei Belagerungen [wiki  Onager]. Aber Fried besänftigt jeden Exzess: „Die Bewaffnung war im Vergleich zu späteren Zeiten leicht“ [F. 150], und er spricht sie gleich exemplarisch an: „Die üblichen Waffen und sonstiges Kriegsgerät – Axt, Messer, Schanzgerät, eiserne Spaten und dergleichen“ [F. 151]. Die üblichen Waffen waren Lanze, Lang- und Kurzschwert, Schild, Brünne und Helm [F. 150]. Was also sonst? Hatten die Franken vielleicht Rammböcke im Gepäck, die sie nicht vor dem islamischen Saragossa, aber vor dem christlichen Pamplona einsetzten?

Wir wissen also, dass die Karolinger sowohl leicht und zugleich auch schwer gerüstet waren; so konnten sie den Krieg überall hin tragen:

„So war der König über die Alpen geeilt, hatte den Aufstand in Friaul niedergeschlagen, war aber, ohne nach Rom weiterzuziehen, nach dem Norden zurückgekehrt, da ihm Unruhen in Sachsen gemeldet worden waren, die seine Gegenwart erforderten“ [F. 170].

Für Fried ist das Heldenalltag, während wir staunen. Denn die beispielhaft hier unterstellte Strecke von Aachen zum ältesten friulanischen wie langobardischen Herzogssitz Cividale und weiter nach Paderborn beträgt auf heutigen Straßen rund 2.500 km, wenn Karl, der nie über den Brenner galoppierte, wenigstens einmal den Großen St. Bernhard wählte. Dazwischen auch noch blutiges Kampfgetümmel … der Krieg, „so gemächlich wie das Leben“ [F. 150]. Solches ‘Karlsgarn’ hat mich dazu gebracht, die Kriege Karls einmal nachzurechnen; dort stehen weitere einschlägige Fried-Zitate (s. S. 111 ff.).

Der Frankfurter sinniert in solchen Zusammenhängen lieber „über die manipulierenden Impulse frühmittelalterlicher Geschichtsschreibung“ [F. 168] oder über „ein verzerrendes »Ergebnisprotokoll«“ [F. 189], womit sich „die einschneidend die Vergangenheit deformierende Macht des Siegers“ enthüllt“ [F. 192]. Ja: „Das Gedächtnis ließ sich manipulieren“ [F. 192]. So drängt seine Historische Memorik wieder nach vorn, die er aber – wie schon erwähnt – nicht mehr heranzieht.

Karolingische Wirtschaftskraft

Kommen wir zu Handel und Wandel, Geld- und Finanzwesen, dem nächsten Höhepunkt karlischer Umsicht. „Die Darstellung des oftmals unterbelichteten  Wirtschaftslebens ist ein Prunkstück des Buches“, würdigt Bredekamp [2014], dem dieser Bereich wohl eher fremd ist. Besonders zu würdigen war die doch fürs gesamte Mittelalter höchst bedeutsame Münzreform. Bekanntlich entschied man sich für einen einzigen Silbermünzwert, also weder Bronze-, Kupfer- oder Goldprägungen [F. 358]. Fried kennt sogar Preise, wobei er die äquivalente Bezeichnung Pfennig dem Denar vorzieht: „Lanze und Schild 2, ein Hengst 7, eine Stute nur 3 Pfennig“, der Preis einer Kuh ergibt sich indirekt mit 2 Denaren [F. 58]. Ob der später genannte Preis von 12 Denaren für einen einjährigen Ochsen damit kompatibel ist [F. 358], bleibe dahingestellt, doch finden sich im Internet auch ganz andere Preisangaben [z.B. Winter]. Es wäre aber auch unwahrscheinlich, dass es Karl in seinem ‘Regulierungswahn’ (s.u.) gelungen wäre, die Preise reichsweit zu vereinheitlichen. Immerhin soll es für Grundnahrungsmittel Höchstpreise gegeben haben [F. 358].

So stellt Fried klar, dass diese Währung nicht für den bäuerlichen Alltag brauchbar war, denn bei Käufen, die weniger als eine halbe Kuh ausmachten, musste offenbar Tauschhandel getrieben worden. Diesen Rückfall in vorrömische Zeiten, diese Bankrotterklärung gegenüber Byzanz und dem eigenen Volk fällt ihm aber so wenig auf wie den anderen Mediävisten. Keine Rede ist auch davon, dass die Karolingerzeit die vielleicht münzärmste Epoche seit der Zeitenwende darstellt. Dass es nur ca. 2.000 Denare gibt [Hartmann, 62], ist ihm keinerlei Erwähnung wert, noch weniger der Umstand, dass die bildlosen Münzen immer vom Rex (König) sprechen, als wären sie nach der Kaiserkrönung nicht mehr geprägt worden. Wie können alle diese Widersprüche auf einen Nenner gebracht werden? Der sprachmächtige Fried hat zu einer Formulierung gefunden, die schlechthin genial genannt werden kann: „Geld war nicht fremd“ [F. 226] – und alle Schwierigkeiten lösen sich auf: Nun konnte theoretisch auch der ärmste Hörige Münzen kennen, auch wenn keine im Land umliefen, nun konnten Unmengen von Silberlingen ins Ausland gebracht werden, selbst wenn im Inland allein Tauschmärkte bestanden.

So kann er auch den numismatischen Höhepunkt würdigen, gibt es doch 30 Bilddenare, die Karl im Profil, mit Schnurrbart zeigen, umschrieben mit Imp(erator) Aug(ustus). Deren minimale Anzahl beunruhigt ihn irgendwie; daraus folgt eine märchenhafte Erklärung, die davon ausgeht, dass diese wenigen Münzen „aus wenigstens elf oder zwölf Prägestätten“ stammen sollen [F. 510]:

„Die Vielzahl der Orte dürfte einen hohen Ausstoß nahelegen, der sich im spärlichen Fundgut aber nicht niedergeschlagen hat. Geld indessen, das in die muslimische Welt geschickt werden sollte und bloß etwa drei Jahre lang geschlagen wurde, konnte im Karlsreich nur eingeschränkt kursieren. So erklärt sich ohne weiteres die überraschende Seltenheit der erhaltenen Bilddenare“ [F. 510 f.].

Diese Erklärung macht den Leser perplex. Da ist die muslimische Welt konsequent bilderfeindlich, aber extra für den Handel mit ihr wären Bilddenare geprägt worden. Das klingt so, als ob die Moslems dieses gotteslästerliche Geld, so sie es überhaupt nähmen, sofort einschmelzen sollten. Prägt man für einen solchen Zweck Münzen? Aber Fried hat noch eine zweite Erklärung parat. Die Bilddenare

„dürften nämlich gar nicht oder nicht in erster Linie für den Umlauf im Frankenreich bestimmt gewesen sein, sie könnten vielmehr jenes «Geld» (elemosina) repräsentieren, das nach Jerusalem und in andere muslimische Gebiete geschickt werden sollte, um Kirchen zu «restaurieren» und die Christen zu unterstützen. Tatsächlich verfügte im Jahr 810 eine Versammlung am Aachener Hof eine entsprechende Hilfe“ [F. 512].

Nun ist es präzisiert: Geld zwar für muslimische Gebiete, aber für dort lebende Christen. Da all diese Restaurierungen an einheimische ‘Handwerksfirmen’ gingen, wären aber doch Muslime die eigentlichen Adressaten. Dieses Tappen im Nebel rührt davon her, dass bei Einhard [c. 51] steht, Karl habe seine schweren Geldhorte über die Armen in Syrien, Ägypten und Nordafrika ausgeschüttet. So wird die seltsame Vorstellung imaginiert, Karl sei bei Duldung durch den Kalif Schutzherr über die Christen im Heiligen Land geworden, obwohl ihm keine Schiffe im Mittelmeer zur Verfügung standen und alle Landwege durch Byzanz liefen. Wollte Byzanz, das sich noch als rechtmäßiger Besitzer Palästinas fühlte, den Durchzug dulden? Die Reichsannalen berichten für das Jahr 807 sogar, Karl habe sich um bedrängte Christen auf Pantelleria gekümmert, einer Insel, die der tunesischen Küste noch näher liegt als Lampedusa [Reichsannalen / 807]. Aber Entfernungen spielten für Karl bekanntlich keine Rolle.

Den eigentlichen Höhepunkt karlischer Prägungen verschweigt Fried hier. Natürlich weiß er, dass 1996 in Ingelheim ein goldene Karlsmünze gefunden worden ist, also ein Solidus, der mit seiner allzu stark kontrastierenden Vorder- und Rückseite die größten Probleme aufwirft. Vielleicht fehlt dieser Münzsolitär deshalb schlicht und einfach im Buch. (Hier muss einmal auf den Niedergang des Buchwesens hingewiesen werden. Brauchbare Register werden immer seltener, wenn ich die aktuellen Karlsbücher durchsehe. Frieds Buch hat immerhin ein Personenregister und ein Ortsverzeichnis, aber es fehlt wie so oft das Sachregister. Insofern gibt es keine Gegenkontrolle zu dem Solidus, der doch irgendwo auf den 730 Seiten gestreift worden sein könnte.)

Wie um seine facettenreiche Mitteilungen zu verstärken, hat er in einem separaten Aufsatz [Fried 2014b] etwas ganz Neues mitgeteilt:

„In Arles wurden Goldmünzen unter Karls Namen geprägt, das Handelsgeld für den Orient. […] Der freundschaftliche Austausch mit Harun al-Rasid eröffnete Karl Einfluss in Jerusalem und machte ihn – schmeichelhaft  für sein kaiserliches Selbstverständnis – zu einer Art Schutzvogt des Heiligen Grabes. Karl liess sich das viel kosten. Seine Agenten prüften den jährlichen Finanzbedarf der Kirchen des Heiligen Landes, 2000 Solidi, eine ungeheure Summe, betrug allein der Etat des Patriarchen. Der Franke sandte reichlich Geld, gemünztes Silber, nach dem Orient und an «Christen in Afrika».“

Hier vergisst Fried Karls Münzreform von (angeblich) 794. Neben dem allein zulässigen Silber seien jetzt Goldmünzen für den Orient geprägt worden. Das leitet er aus der – ihm nun doch präsenten – einzigen, in Ingelheim gefundenen Goldmünze ab und vergisst auch noch, dass sie den Numismatikern die allergrößte Mühe bereitet, weil Vorder- und Rückseite überhaupt nicht zusammenpassen – vielleicht ein Grund, dass Fried die vom Fälschungsverdacht nicht freie Münze im Buch beiseite gelassen hat. Er widerlegt sich dann gleich selbst, lässt er doch anschließend das Geld für die Christen im Süden und Osten in Silber geprägt sein, auch wenn er es nicht in Silber taxiert, sondern in Gold (Solidi). Solches gehört in die Rubrik Verwirrspiele.

Ergänzend ließe sich einmal mehr darauf hinweisen, dass kein Mediävist sich Gedanken darüber machen will, warum die bayerischen Herzöge, die doch mit den Karolingern und den Langobarden verwandt waren, von ihren Anfängen im 6. Jh. bis zu ihrem bitteren Ende, 787/88, keine Münzen schlagen ließen. Diesen Verzicht auf leichte Einkünfte möchte niemand motivieren. (Da Herzogsnamen wie Tassilo, Odilo oder Theodo später nicht mehr in Gebrauch waren, gab es keine entsprechend beschrifteten Münzen, die man in die Phantomzeit zurückprojizieren konnte.) Rechtfertigen muss sich Fried allerdings in Bayern und Österreich dafür, dass er die Agilofingerherrschaft willkürlich von ca. 230 auf 150 Jahre beschnitten hat [F. 190] und die ‘Österreicher’ östlich der Ems als Barbaren sieht [F. 295].

Neben der Münzreform gab es viele weitere Reformen, mit denen das Leben vereinheitlicht werden sollte, angefangen bei Maßen und Gewichten. Dass man gleichwohl das Grund- und Konstruktionsmaß von Aachens Pfalzkirche erst jetzt gefunden hat [F. 418], illustriert, dass dieser Regulierungswahn damals weder gegriffen hat noch tradiert worden ist (ähnlich bei Gewichtseinheiten, Namen für Winde und Himmelsrichtungen etc.). Und Karl ging sehr weit: „Niemand darf Einsiedler werden ohne die Zustimmung des zuständigen Bischofs und Abtes“ [F. 359] – so stand in diesem schütter besiedelten Land noch der Einsamste unter Kuratel.

Beim Wirtschaften spricht der Frankfurter wie heutige Controller:

„Berater wie der Abt Adalhard von Corbie könnten ihm dabei mit ihrem Gespür für mittelfristige Planung, Bedarfskalkulation und Rücklagenbildung, die er in seiner Klosterordnung an den Tag legte, zur Seite gestan den haben“ [F. 206].

Es gab damals selbstverständlich auch „Effizienzkontrolle“ [F. 211]. Dafür brauchte man strikte Verwaltungsvorschriften, vor allem das von Fried hochgeschätzte Capitulare de villis. Ihm widmet er allein elf Seiten [F. 207-217] und kommt fallweise auf diese Verordnung zurück. Ihr hatte ich einen süffisant- ironischen Kommentar gewidmet, der Absurdität und Undurchführbarkeit all dieser Vorschriften ins Licht rücken sollte. An Fried prallt so etwas ab, obwohl er wiederholt darauf hinweist, dass damals keine Folgen derartiger ‘EU-Vorschriften’ zu bemerken sind. Etwa das Beachten der Vorschriften: „Ob es jemals geschah?“ [F. 210], oder:

„Die Schriftlichkeit war nicht selbstverständlich: Karl hatte sie schon früher angeordnet, doch war sie nicht befolgt worden. Eine entsprechend detaillierte Abrechnung hat sich nicht erhalten; doch zeigen immerhin glücklich überlieferte Muster wie etwa die «Brevium exempla», daß zumindest einzelne Abrechnungen tatsächlich eingegangen sein dürften“ [F. 210 f.].

Da hat ganz offensichtlich die gelobte Effizienzkontrolle versagt. Um hier wenigstens einen knappen Vergleich zu ermöglichen, seien eine Ursprungspassage des Capitulare [c. 69] und zwei konträre Kommentare zitiert:

Capitulare: „Über die Häufigkeit des Vorkommens von Wölfen ist uns jederzeit zu berichten und dabei anzugeben, wie viele jeder Jäger erlegt hat. Die Felle sind als Belege einzusenden“ [CdV, c. 69; Hvhg. HI].

Fried: „Das Auftreten von Wölfen soll dem König gemeldet, ihr Fell dem König übergeben werden; im Mai sollen die Welpen aufgespürt werden (c. 69). Ein Wolfsfellcape macht zwar nicht viel her, eignete sich aber bestens zum Schutz vor Regen und Schnee“ [F. 214].

HI: „Hier wurde die Aktenablage in der Zentrale durch die beigehefteten großen Felle deutlich erschwert, aber gleichwohl beherrscht“ [Illig 2011, 302].

Ob darüber Quittungen ausgestellt wurden, bleibt leider im Dunkel der Geschichte. Aber auch Fried muss zumindest in die Frageform wechseln, wenn es um die dort genannten, doch unbekannten Zentralgestüte geht: „In welchem Stall aber standen die vielen Kriegshengste?“ [F. 223] Später stellt er fest: „Die größten Getreidelager befanden sich in kirchlicher Hand“ [F. 457]. Leider weiß man von keinen solchen, geschweige, dass sie archäologisch nachgewiesen wären, wie etwa die riesigen Getreidelager (grangium, Grangie) der Zisterzienser im 12. Jh.

Um die Hungersnöte durch Karl zu überwinden, bietet Fried schweres Gerät auf:

„Die jetzt erschlossenen fetten Böden ließen sich nur mit dem schweren schollewendenden Pflug bearbeiten, erbrachten aber einen höheren Ertrag.  Dieser Räderpflug verlangte ein Zuggespann von mindesten zwei Ochsen […] Karl profitierte hier von einer technischen Entwicklung, die er nicht selbst auf den Weg gebracht hatte […] Hungersnöte kehrten regelmäßig wieder“ [F. 227 f.].

Das Gerät auf Rädern hätte auch Karl sicher gern gesehen, aber die beiden einschlägigen Abbildungen zeigen einen Holzpflug ohne Räder, beide der Zeit nach Karl zugewiesen [F. 205, 554]. Doch auch das ficht Fried nicht an, so wenig wie die häufigen Hungersnöte trotz unterstellter Dreifelderwirtschaft.

Eine von vielen möglichen Fragen wollen wir noch aufwerfen. Guy Bois hat 1993 wieder ins Bewusstsein gehoben, dass in Europa bis ums Jahr 1000 Sklaven gehalten wurden, also eine Sklavenwirtschaft bestand. Fried verwendet diese übel beleumdete Wort nicht für seine Karolinger; er spricht lieber von Hörigen, die aber nicht mit Sklaven identisch gesetzt werden [F. 229]. All das scheint nicht einfach zu sein.

Karls Renaissance und ihre vermissten Spuren

Wenden wir uns dem Königshof und dem zu, was als karolingische Renaissance bezeichnet wird, also dem geistigen Wiederaufschwung in allen Gebieten von Kunst und Gelehrsamkeit, den Fried mit seinem Untertitel Gewalt und Glaube zu übergehen scheint, aber es mitnichten tut.

Aachen ist natürlich ein paar Jahre Baustelle, aber bekanntlich ging das mit Kirche und Pfalz ja sehr schnell. „Die weiträumige Kooperation beim Bau zumal der Pfalzkirche erklärt die rasche Vollendung des Werks binnen weniger Jahre“ [F. 407], was immer die weiträumige Kooperation gewesen sein mag. Vielleicht die berühmten Säulen aus Ravenna, vom Papst überlassen und von wackeren Hörigen transportiert?

„Alsbald muß der Abbruch […] begonnen und Ochsengespanne, vielleicht auch Lastschiffe sich mit den tonnenschweren Säulen auf den mühsamen Weg über die Alpen oder die Küsten entlang nach Aachen gemacht haben“ [F. 184].

Wie sahen die Lastkarren aus, die drei Tonnen schwere, fragile Steinsäulen über unwegsame Pässe kutschieren konnten? Und wie lang segelte man wohl von Ravenna aus entlang der Küsten bis Aachen, wenn das Mittelmeer von fremden Mächten und Piraten beherrscht wurde? Ein Jahr, zwei Jahre? Immerhin sollen, nachdem 794 gerade die Fundamente ausgehoben worden waren, die Säulen des Obergeschosses schon im Frühjahr 796 eingebaut gewesen sein. Denn laut Fried preist Theodulf die Kirche bereits damals „als schöner Bau zu herrlichen Gewölben“; „Von ihr schritt man zur Königshalle“ [F. 413]. Da war ganz offensichtlich bereits alles fertig und alle wundern sich, die Mediävisten ausgenommen, denn die haben die Daten schwarz auf weiß,  fehlerfrei und pergamentecht. Aber weil Alkuin auch etwas kundgetan hat, könnten die Säulen auch vor oder in 798 eingebaut worden sein. Allerdings: „Die Säulen waren empfindlich und kostbar“ [F. 413]; bei verantwortungsbewussten Bauleitern werden sie erst eingesetzt worden sein, nachdem die Kuppel fertig gewölbt und das 30 m hohe Schalgerüst mit seinen seitlichen Verstrebungen entfernt war. Doch es bleibt dabei: Die Kirche erhob sich in Windeseile.

Es folgt eine weitere elegante Fried-Wendung: „der größte Kuppelbau ihrer Zeit nördlich der Alpen“ [F. 410]. Da er gar nicht versucht hat, meine Argumentation sauber zu widerlegen, vergleicht er das ‘Karlswunder’ nicht mit Vorläufern oder Nachfolgern. Er weiß, dass die Kuppel auch 200 Jahre früher oder 300 Jahre später datiert werden könnte und immer noch die höchste nicht nur ihrer Zeit, sondern der bis dahin durchlaufenen christlichen Baugeschichte bliebe. Denn wo hätte es unter Merowingern, Karolingern oder Ottonen noch eine 15 m durchmessende Kuppel gegeben? Bei den Karolingern allenfalls ganz kleine, ca. 4 m spannende in Germigny-des-Prés. Theodulfs kleine Kirche steht im Kern unverändert, hatte wohl fünf Kuppeln und sechs Apsiden, weshalb sie „in ihrer Anlage an das Aachener Münster erinnert haben soll“ [F. 351]. Die Pfalzkirche hatte eine Kuppel und eine Apsis, dazu ein Acht- und ein Sechzehneck ohne Entsprechung bei Theodulf…

Fried[410] ist sichtlich beeindruckt von dem Aachener Bau „«zu den Sternen empor»“. Doch obwohl er ihm geradezu „eine kleine Monographie“ [Bredekamp] gewidmet hat, will er von der damit verbundenen technischen Meisterleistung wenig wissen. Im Kleingedruckten spricht er von den eisernen Ringankern, aber nicht über ihre Herstellung [F. 677]. Dabei hat er einen verräterischen Hinweis gegeben; wenn er auf den „gelehrten Angelsachsen“ Alkuin zu sprechen kommt, beschreibt er dessen intellektuelle Grenzen:

„Doch allzutief drang dieser Mann nicht in «die Stampfmühlen der Kalkulatoren und in die Rußküchen der Mathematiker» ein“ [F. 287].

Rußküchen waren seit alters her bekannt, aber Stampfmühlen? Dieser Typus wird über ein Mühlrad und eine Nockenwelle angetrieben, genauso wie ein Fallhammer. Doch erste derartige Mühlen gab es erst nach 1000 [Illig 2013, 153]. Die durch Nockenwellen erzeugte Bewegung wurde gleichermaßen für das Hanfbrechen (Rhône-Alpes, 1040), für das Walken von Stoffen (Normandie, 1086), für das Häutegerben (Île-de-France, 1138) und für das Zerstoßen von Zuckerrohr (Normandie, 1176) eingesetzt [Gimpel, 19]. Für Alkuin, der das einprägsame Bild 798 gewählt haben soll [F. 663] ist ihr Pochen und Klopfen damals schon so altvertraut wie Rußküchen; er will hier nicht mit modernster Technik prahlen. So kommt sein Vergleich mindestens 250 Jahre zu früh. Um so viel Jahre später muss der Text geschrieben worden sein.

Wir kommen hier ein zweites Mal an den kritischen Punkt: Eine unbezweifelt echte Aussage kann gleichwohl zu ihrer Zeit nicht gemacht worden sein. Wir hatten das analog schon bei den Eisenankern, die ebenfalls um 800 nicht produziert worden sein können. Damals machte der Dombaumeister Helmut Maintz prompt den Umkehrschluss:

„Im Rahmen aller Untersuchungsöffnungen können wir übrigens festhalten, dass die Eisenringanker oder Eisenklammerringanker alle satt im karolingischen Mörtel lagen, also im Zusammenhang mit dem Aufmauern eingebaut worden sind. In einigen Publikationen wurde dies bezweifelt und der Umkehrschluss ausgeführt, dass die Eisenanker erst später eingebaut worden sind, auch weil man gar nicht in der Lage war, die Eisenstangen in dieser Länge zur karolingischen Zeit herzustellen. Das ist hiermit widerlegt“ [Maintz 2005, 31; vgl. Illig 2011c, 52].

Das hilft ihm natürlich nichts, weil er fürs Abendland keine Eisenproduktion vorweisen kann, die vom Auftreten der notwendigen Fallhammertechnik um 1100 zurückverfolgt werden könnte bis 800 und noch einige Jahrzehnte früher. Mit diesem neuen Fund wird natürlich ebenso prompt gejubelt werden: Alkuin bestätige die Fallhammerproduktion schon vor 800. Und sie werden wieder inbrünstig feststellen: Wir werden (mit Gottes Hilfe) dereinst archäologische Zeugnisse dafür finden, während Sie prinzipiell nicht nachweisen können, dass es derartiges Schmiedeeisen zwischen 750 und 1100 nie gegeben habe! Da lässt sich in aller Ruhe sagen: Solange aus der Zeit keine Spuren von Eisen mit großen Querschnitten, keine Ankerkanäle, keine größere Eisenproduktion und keine Fallhämmer vorgewiesen werden können, solange bleibt Aachens Bau bei 1100 und ‘Pseudo-Alkuin’ im 12. Jh.

Es gibt natürlich eine einfache Gegenprobe: eine ordentliche Untersuchung des entsprechenden Alkuin-Pergaments, nicht nur nach paläographischem Augenschein, sondern mit entsprechenden Pergament- und Tintenanalysen – Stichwort Bredekamps Galilei (s. S. 233).

Bei den übrigen, vermeintlich echten Karlsbauten bleibt Fried unkritisch und gibt doch eine im Grunde unverschleierte Antwort. Während er der Pfalzkirche 26 Seiten widmet, erledigen sich die übrigen Pfalzbauten Karls auf zweieinhalb Seiten. Außer Aachen hat ohnehin kaum etwas Bestand. So beschäftigt ihn bei Ingelheim die Frage, ob der von einem Autor poetisch beschriebene Wandschmuck nun aus Teppichen oder aus Fresken bestand [F. 430]. Wir lassen drei weitere Hinweise folgen.

Wie steht es um Karls Mainzer Rheinbrücke, die „binnen Jahresfrist“ abgebrannt sein soll und von der kein Holzspan erhalten ist? Sie wird von Fried als damals existent erachtet; er kolportiert auch den Plan einer steinernen Brücke [F. 247], obwohl zwischen der Römerbrücke – 30 n. Chr. bei Mainz – und einer Eisenbahnbrücke des 19. Jh. keine steinerne Brücke gebaut werden konnte [Hartmann, 19]. Nur in Basel gab es 1225 mit der Mittleren Brücke einen Zwitter, die eine Hälfte in Stein, die andere in Holz. Dabei hätte es bei 900 km Rheinlänge ab Schaffhausen und immer breiter werdendem Fluss nicht nur in Mainz dringend Brücken gebraucht.

So muss fast zwingend davon ausgegangen werden, dass römisches Mainz ein Stück weit 1 : 1 ins mittelalterliche Mainz gehoben worden ist: +27 nahmen die Römer hier eine hölzerne Pfahljochbrücke in Betrieb und ersetzten sie im Jahr +30 oder +70 durch eine steinerne Brücke [wiki / Römerbrücke (Mainz)]. Also muss auch Karl eine Holzbrücke gebaut haben.

Oder Fried schreibt von einer anderen Pfalz: „Dann rief Karl den Papst nach Quierzy, die erinnerungsreiche Pfalz, wo sie gemeinsam Weihnachten feierten“ [F. 527; Hvhg. HI]. Hier gibt es keine archäologischen Funde.

„In Quierzy befand sich zur Zeit der Karolinger die Königspfalz Quierzy, eine ihrer wichtigsten Residenzen im westlichen Frankenreich, von der heute jedoch nichts mehr zu sehen ist“ [wiki / Quierzy].

Wem das kein Beweis ist, der wende sich nach Herstal, dem einstigen Héristal, eine von Karl oft zu Weihnachten oder Ostern besuchte Pfalz, in der er sein erstes Kapitulare verfassen ließ. Aus Anlass des Karlsgedenktages wird dort eine Karls-Ausstellung gezeigt und zugleich bitter beklagt, dass trotz verschiedener Ausgrabungen nichts gefunden worden ist, das auf eine Pfalz hindeuten könnte [herstal]. O Frankenreich, das spurenlose (s. S. 108).

Immer wieder lässt sich aus Nichts etwas machen. Wenn es um den Thron in Aachen geht, stellt Fried fest: „Wahrscheinlich besaß Karl […] einen Splitter vom Heiligen Kreuz“ [F. 423], also eine der ganz großen Reliquien, die man nicht irgendwo findet, sondern aus hoherpriesterlichen Hand empfängt. Schade, dass dies nicht verifizierbar ist. Doch bereits drei Seiten weiter wird die rätselhafte Reliquie zur Realität, die leider verloren gegangen ist, wie das mit ganz besonders wertvollen Gegenständen passieren kann:

„In diesem Hohlraum [im Thron] könnte aber auch die mittlerweile verschollene Kreuzreliquie des Königs deponiert worden sein“ [F. 426].

Apropos verschollen. Fried spricht auch von der cappa, vom Mantel des Hl. Martin. Die Kapellane waren die Hüter dieser Staatsreliquie [F. 392], die seit der Merowingerzeit zum Kronschatz gehörte. Da hätte man gerne erfahren, wann und wie auch diese hochheilige, staatstragende Reliquie verschlampt oder geraubt worden ist.

Schließlich gibt es die sattsam bekannten Probleme mit der un-/gewollten Krönung in Rom, der Fried zwölf Seiten widmet [F. 484-495]. Laut Einhard hätte sie der Papst, nicht Karl gewollt. Da würde man erwarten, dass Leo III. die unverzichtbare Krone bereit hält. Doch Fried bietet, obwohl er den Papst am längeren Hebel sieht, eine andere Version mit der „doch wohl von Karl zur Verfügung gestellten Krone“ [F. 493]. Und wieder: Ausgerechnet diese Krone rollt irgendwo aus einer Satteltasche, und Fried legt den Schleier der  Barmherzigkeit über diesen Verlust.

In diesen Pfalzen logierten nun die bis zu 2.000 Personen von Karls Gefolge [F. 248]. Ein Großteil logierte in Aachen und muss Fried besonders interessieren, weshalb er mehrmals darauf zu sprechen kommt. Doch das entstehende Bild zeigt beängstigend wenige Personen. Immerhin hat Karl 46 Jahre lang regiert und ständig Vertraute in den verschiedensten Ämtern (die ja aufeinander folgen mussten), dazu seine Geistesgrößen und Geistlichen um sich. Trotzdem kommt Fried in zwei Anläufen nur auf 26 Namen:

Adalgis, Kämmerer,
Adalhard, Abt von Corbie,
Alkuin, Leiter der Hofschule,
Angilbert, Hofkaplan,
Angilram, Bischof von Metz,
Arn, Bischof von Salzburg, selten in Aachen,
Audulf, Seneschalk,
Eberhard, Mundschenk,
Einhard, Gelehrter, Autor, Laienabt, Architekt,
Eppinus, Mundschenk,
Ercambald, Kanzler (Vorstand der Kanzlei der Schreiber),
Fulrad, Erzkaplan, Abt von Saint-Denis
Geilo, Marschalk,
Gerold, Bruder von Königin Hildegard (vielleicht)
Hildebald, oberster Kapellan, Erzbischof von Köln,
Hitherius, ein Notar
Hrabanus Maurus, Gelehrter, Abt und Erzbischof von Mainz,
Maginarius, ein Notar,
Meginfried, Kämmerer,
Paulus Diaconus, Mönch Geschichtsschreiber,
Petrus Pisanus, Gelehrter (Grammatiker),
Rado, Kanzler,
Riculf, Erzbischof von Mainz,
Theodulf, Bischof von Orléans,
Wala, Vetter Karls
Worad, Pfalzgraf [F. 302, 386, 392, 594].

Mit Hilfe von Stefan Weinfurter [186-188] kommen noch elf Namen hinzu (s. S. 31). Fried räumt den Mangel ein, zieht aber keine Schlüsse daraus:

„Karl handelte nicht allein. Wer half ihm? Wir kennen kaum die Geistlichen seiner nächsten Umgebung, die Angehörigen der Hofkapelle, die engsten Vertrauten mit Namen“ [F. 302].

Sämtliche Karls-Biographen kaschieren das, indem sie das Problem übergehen und lieber die höfischen Spitznamen bringen, um die Aachener Pfalz wenigstens ein bisschen beleben zu können. Ich habe andernorts von ökonomischen Fälschern gesprochen, die einfach nicht alle Personen von Karls Umgebung und von seinem Gefolge mit Persönlichkeiten ausstatten konnten, sondern nur einige wenige, die deshalb noch lang keine Biographie erhalten. Der wichtigste von ihnen ist Einhard, dem erst jetzt Steffen Patzold[2013] eine geschrieben hat (s. S. 36).

Diese kleine auserlesene Schar, vielleicht ein winziges Abbild der oben genannten Streifschar, brütete Gedanken aus, die das Abendland ganz nachhaltig beeinflusst haben sollen. Beginnen wir mit der Sexualmoral Karls. Sie entsprach der Herrscherattitude, die später auch das jus primae nocte verlangte, das ebenso wenig der Realität entsprochen haben dürfte. In den klerikalen Karlskreisen lag das Problem im Zölibat, in der erzwungenen sexuellen Enthaltsamkeit [F. 272]. Feinsinnig weist Fried darauf hin, dass der Zölibat vielleicht persönliche Opfer verlangt, aber vor allem: Der „Zölibat forderte auch damals seine Opfer“ [F. 524], nämlich Kleriker, die Stand und Ehre wegen eines sexuellen Fehltritts verloren hätten, ohne dass wir von solchen Disziplinarmaßnahmen wüssten. Das Auftreten dieses rigiden Denken lässt sich zwar präzise, aber erst viel später festmachen: an den Verordnungen von Papst Gregor VII. Er formte die Kirche, die uns vertraut ist und er brauchte in der Geschichte niemanden, der ihm mit solchen Forderungen zuvor kam.

Gregor forderte erstmals 1074 den Zölibat, der bis dahin von den Klerikern wenig beachtet worden ist. Nur ein Jahr später formulierte er sein Dictatus Papae, das Diktat des Papstes, in dem er diesem allein Absetzung und Wieder-/Ernennung der Bischöfe zuspricht, was bin dahin in weltlicher Hand gelegen hatte. Es ging also – plump und direkt gesagt – um den Gottesstaat auf Erden, gelenkt vom Papst, nicht von König oder Kaiser. Das beschreibt Fried sehr schön, noch dazu antizipatorisch:

„Von dem vermutlich letzten Kapitular Karls des Großen nämlich, das die Unterordnung der weltlichen Regionalgewalten von Grafen und «Richtern» unter die Bischöfe formuliert hatte, spannt dieser Bogen sich in die Zukunft zu Pseudoisidor, dem monumentalen kirchenrechtlichen Fälschungswerk des Kreises um Wala von Corbie und seines Helfers Paschasius Radbertus. Es unterwarf auch den König und Kaiser der geistlichen Leitungsgewalt des Papstes“ [F. 602].

Nachdem die Schriften Karls ohnehin von Klerikern geschrieben worden sind, verwundert es allenfalls Mediävisten, dass hier die kirchlichen Gedanken des letzten Viertels des 11. Jh. verdoppelnd in die erfundene Karolingerzeit zurückprojiziert worden sind. Natürlich sehen wir die antizipatorischen Pseudo-Isidorien des früheren 9. Jh. ebenfalls erst nach 1000 entstehen.

Und Fried wartet bereits mit der nächsten Sensation auf: ein Schriftstück,  auf dem Karls persönliche Kommentare zum Text in tironischen Noten festgehalten sind. Darunter ist eine Kurzschrift zu verstehen, die auf Tiro, den Sekretär Ciceros zurückgeht. Fried, der früher Karl die Feinmotorik zum Schreiben absprach, weil er zu früh sein Schwert geschwungen habe, formuliert dicht an der Wahrheit (vorbei): Ein vatikanischer Codex

„enthielt in tironischen Noten (einer Kurzschrift) billigende Ausrufe des Königs selbst, authentische Worte des großen Mannes, die einzigen, die sich von einem mittelalterlichen Herrscher erhalten haben“ [F. 453].

Beim zweiten Lesen bemerkt man, dass nicht Karl selbst diese Kürzel niedergeschrieben hat. Vielmehr hatte er seinen Mönch bei sich, der ihm wohl nicht nur das entsprechende Schriftstück vorlas, sondern auch seine Ausrufe zu Protokoll nahm. Anderenorts hat Fried [2014a] aus diesen Kürzeln gefolgert: „Er zeigte sich als Herr über die Vergangenheit und über das künftige Wissen von derselben.“

Wir sind da mitten in der Geistestätigkeit der Zeit um 800, wie sie gerade um den 28. Januar landauf, landab bejubelt worden ist:

„Denn auch die Wiedergeburt des logischen, überprüfbaren Regeln unterworfenen Denkens ereignete sich am Hof Karls des Großen“ [F. 300].

So soll es gewesen sein, aber aus Sicht des Rezensenten bleibt dies dem scholastischen Denken des 12. Jh. vorbehalten. Und noch eine zugehörige Beobachtung: Die Reichsannalen „vermerkten in der Tat in einer Präzision wie nie zuvor Himmelsphänomene“ [F. 557] – ein schönes Beispiel, weil diese Präzision mit Gradangaben und Sternzeichen erst im späten 12. Jh. aufkommt. Da ließe sich auf Fried zurückkommen, dem klar ist, dass „die »Reichsannalen« komponiert wurden“ [F. 147], allerdings nur aus kirchen-/politischen Gründen. Wir sehen das viel umfassender.

Diese Präzision dominierte: „Die »Schleifenspur« des Planeten beunruhigte den König“ [F. 338]. Das dürfte ein seltener Moment in der Geschichte des Astronomie gewesen sein: Ein König erschauert darüber, dass der Mars durchaus gemächlich eine retrograde Bewegung vollführt, die mit dem bloßen Auge schwer zu beobachten ist, muss doch der Abstand zu einem Referenzstern allnächtlich notiert werden. Wenn man bedenkt, dass gerade diese Schleifenspuren Ptolemäus wie Kopernikus oder Galilei herausgefordert haben, dann hätte Karl die Entdeckung des heliozentrischen Weltbilds vorwegnehmen können. Ihm könnte man das zutrauen.

Schließlich zwang Karl die Mönche geradezu in die Bibliotheken, um alte Texte aufzuspüren.

„Er verlangte von seinen Leuten und von sich selbst die endlose Suche nach Büchern, nach verschüttetem Wissen. Sie befolgten die Anordnung, spürten Handschriften auf, verschickten sie, ließen sie abschreiben. Karls Hof bot Raum für eine Bibliothek, deren Schätze moderne Historiker  nicht genug rühmen“ [F. 398 f.].

Ihre Schätze sind allerdings nicht tradiert, ließ doch Karl testamentarisch den Bestand verkaufen – das einzige frühmittelalterliche Herrscher-Testament [Hartmann, 49] – und den Erlös den Armen zukommen [Einhard c. 33]. Eine ungemein christliche Handlung, die sich umso mehr von den Heiden abhebt: „Folgte der Lieder- und Büchersammler Karl gar dessen [Harun al-Rasid] Vorbild?“ [Fried 2014b]. Nicht beim Verkaufen, aber vielleicht beim Sammeln, bei der Jagd nach Kodizes. So der Frankfurter [F. 326]:

„Wer lesen wollte, mußte weit umherreisen, mußte Texte entdecken, mußte Wissen sammeln und abschreiben, was er fand und was gefiel“.

Späterer Unverstand hätte das fast wieder zunichte gemacht.

„So rettete nur ein glücklicher Zufall die kleinen Schriften des Tacitus mit Einschluß der «Germania». Im letzten Moment wurde die einzige erhaltene Handschrift – sie stammte aus dem 9. Jahrhundert – durch einen tüchtigen Humanisten des 15. Jahrhunderts buchstäblich vor der Verfütterung an die Schweine gerettet“ [F. 326 f.].

Fried überlässt uns hier die Aufgabe, jenen Such- und Abschreibprozess, den er den Karolingern zuschreibt, im 11. bis 13. Jh. aufzuspüren, wenn nicht die Humanisten nach 1400 noch antike Pergamente abgeschrieben haben.

Endzeitliches

In seinem gesamten Text weist Fried immer wieder darauf hin, wie stark der Gedanke an das baldige Jüngste Gericht die Karlszeit beherrscht habe. Die ganze Pfalzkirche Aachens repräsentiere „das apokalyptische Maß des Kirchenbaus“ [F. 428], der Bauherr stehe „in Erwartung des neuen Äons, des kommenden Gerichts“ [F. 428].

„Die Nähe des Jüngsten Gerichts forderte die größten Anstrengungen […] Die Schrecken der Endzeit warfen ihre Schatten voraus, und keineswegs nur das schlichte, ungebildete Volk geriet in Sorge[…] Mit jedem Jahr wurde die Zeit knapper, schmolz die Frist der 6000 Jahre, die der Welt insgesamt vergönnt waren; und das wollte bedacht sein“ [F. 436-438].

„Meister Alkuin […] sah das Weltende heraneilen“ [F. 477].

„Die Zählung folgte dem hl. Hieronymus und offenbarte eine beunruhigende Nähe zu heilsgeschichtlich relevanten Terminen, dem Ende nämlich des sechsten Jahrtausends“ [F. 438].

„In gleicher Weise folgte auch Hildebalds Sammlung den Berechnungen des hl. Hieronymus und des Orosius und erkannte mit dem Jahr 800 nach Christi Geburt das sechste, das letzte Jahrtausend […] Nur noch zwei Jahre Zeit?“ [F. 462].

„Noch im Jahr 798 rechnete man an seinem Hof mit dem bevorstehenden  Jahr 800 als dem Jahr 6000 nach Erschaffung der Welt“ [F. 559].

Das alles ist den Lesern von Wer hat an der Uhr gedreht? bestens vertraut. Sie kennen auch die harten Kritikpunkte: Wieso gibt es dicht vor dem ultimativen Termin keine Massenpanik, keine harschen Erlasse der Obrigkeit, keine Geißlerumzüge, keinen Generalablass und was sonst das Jenseits in etwas helleren Farben leuchten ließe? Nichts, gar nichts, keinerlei Reaktionen. Nicht einmal der Überfall auf den Papst, 799, wird in dieser Richtung interpretiert. Die direkt nachfolgenden Auseinandersetzungen mit Sachsen und Abodriten, mit Hunnen und Friulanern zeigten nicht das Ende an, sondern ganz im Gegenteil den Fortgang bisherigen Geschehens.

Und nach 800? Irgendwelche Glücksregungen, Dankprozessionen, Jubelmessen? Nichts, gar nichts, keinerlei Reaktionen. Selbst Fried wird da unruhig und setzt das letzte Zitat mit einem kleinen Täuschungsversuch fort:

„Seitdem aber waren Zweifel aufgekommen oder gewachsen. Im Jahr 809 konfrontierte Karl seine nach Aachen gerufenen «Komputisten» mit knappen Fragen: Wie viele Jahre seit Christi Geburt bis heute verflossen seien“ [F. 559 f.] etc.

Doch da steht ja das Jahr: Erst 809, neun Jahre nach dem kritischen Jahr 800 sei der Kaiser unruhig geworden, warum sich das Jüngste Gericht verspäte. Da würde also trotz aller Klugheit gelten: Das gemächliche Leben [F. 150] bewegte sich stetig in vorgegebener Bahn und verlangte keine überhasteten Reaktionen. Ganz anderes liest Bredekamp [2014] bei Fried: Dieses

„Buch lässt das Tempo und die Mobilität erkennen, mit denen sich die Menschen bewegten. Die Reisen, die Kriegszüge, die umfassende Umwälzung der Bildungsansprüche und -methoden, die Injektion der Neugierde in alle Kulturbereiche, die Entfesselung der Schrift- und Bildkünste, all dies wäre in der Summe auch im zwanzigsten Jahrhundert mirakulös. Als Symbol mag der Umstand gelten, dass Karl während der Nacht Schreiber in der Nähe hatte, die, wenn er aufwachte, sofort notierten, was er von sich gab, um jede Sekunde der Mitteilungen zu nutzen.“

Weder Bredekamp noch Fried stellen hier die entscheidende Frage, der schon im Jahr 2000 alle Zunftmitglieder ausgewichen sind: Wieso wird Karl der Große exakt an dem Tag zum Kaiser gekrönt, an dem laut Hieronymus und Orosius der Weltuntergang drohte? Wie konnte eine 497 Jahre alte Vorausberechnung taggenau erfüllt werden? Und warum wird an diesem Tag die Welt gleich noch einmal vor ihrem Untergang gerettet, weil die Macht der römischen Cäsaren nicht untergeht, sondern in Karl erneuert wird, und das in Rom, dessen Ende als Vorstufe des Weltendes ebenso gefürchtet worden ist.

Fried kennt diese Frage selbstverständlich, aber hütet sich sie zu stellen, weil die Antwort seine wunderschöne Karls-Fiktion [s. F. 9] in den Orkus stürzen ließe. So bleibt es ein großes Buch, das den von der Mediävistik vorgegebenen Rahmen trefflich ausfüllt, aber so viele Fragen zwangsläufig offen lassen muss, dass sich die These von „Karl dem Fiktiven“ [Illig 1992] unverändert behauptet.

(…)

Quelle: http://www.fantomzeit.de/?p=4671

Gruß an die, die nachforschen

TA KI

Die Realität der mittelalterlichen Phantomzeit und ihre Konsequenzen


wer hat an der uhr gedreht

(Hier der Artikel in PDF- Format: Die Realität der mittelalterlichen Phantomzeit

Danke an Wilhelm)

 

von Adalbert Feltz, Erfurt und Deutschlandsberg 2007

„Eine Chronik schreibt nur der, dem die Gegenwart wichtig ist“ (Goethe 1826)

Zusammenfassung

Die Abhandlung betrifft die Notwendigkeit einer Geschichtskorrektur, die aus der Existenz einer im frühen Mittelalter anzusiedelnden Leerzeit von ca. 300 Jahren resultiert und die sich auf zahlreiche Fakten stützt, die bisher nicht widerlegt wurden. Es werden Tatsachen und reale Befunde zusammengestellt und Wege aufgezeigt, auf denen die Geschichtsmodifizierung zustande kommen konnte. Dabei wird weniger auf all das eingegangen, was auf Grund der herkömmlichen Geschichtsschreibung Spuren hinterlassen haben müsste, archäologisch aber fehlt, und ebenso bleiben architekturgeschichtliche Vergleiche und kunsthistorische Bezüge weitgehend ausgeklammert. Über derartige Basiserkenntnisse zur Existenz einer Phantomzeit im Mittelalter ist in der Literatur ausführlich berichtet worden.1 Im Mittelpunkt stehen gesicherte Fakten sowie historische Befunde und Ereignisse, deren Gesamtgefüge zu der Konsequenz führt: Wesentliche Teile der griechischen und die römische Antike einschließlich Christi Geburt rücken im Mittel um 297 Jahre näher an die für uns geltende Zeitskala heran. Die in diesem Fall einzufordernde Passfähigkeit historischer Ereignisse im beiderseitigen Randbereich der Phantomzeit wird im für die Fragestellung besonders relevanten europäischen Kulturkreis kommentiert. Die Eliminierung erfundener Geschichte aus unserem traditionellen Geschichtsbild wird als eine Aufgabe erkannt, die im Interesse der Glaubwürdigkeit und Wahrheitsfindung in der Geschichte in unserer Zeit zu bewältigen ist. Möge die vorliegende Ausarbeitung zur Versachlichung des weitgehend polemisch geführten Streits um eine Chronologierevision beitragen.

1. Über Wahrheitsfindung in der Geschichte und Akzeptanz

Objektive Erkenntnis in der Geschichte schließt wie in jeder Wissenschaft die Abstraktion von Einzelereignissen, die Gewinnung von Distanz zu subjektiver Bewertung und das Streben nach Verallgemeinerung ein, um zu den wesentlichen Ursache – Wirkungsbeziehungen vorzudringen, die eine Lehre sein können, die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft vernünftiger zu gestalten.

Spätestens seit dem 19. Jh. unterliegt eine wissenschaftlich begründete Geschichtsdarstellung derartigen Kriterien. Aber selbst bei ernsthaftem Streben nach größtmöglicher Objektivität auf der Suche nach historischer Wahrheit ist die Geschichtswissenschaft wohl stets durch die Werthaltungen der Gegenwart und durch das Wertesystem des Wissenschaftlers beeinflusst. Letzteres gilt umso mehr, je jünger bestimmte historische Ereignisse und Entwicklungen sind und in welchem Grad die Gegenwart zu dieser Vergangenheit in Beziehung steht bzw. den Bezug zu ihr bewusst aufgreift. Die Tücken der Mediengesellschaft sind bei der Durchsetzung bzw. der Blockierung einer Verbreitung und Akzeptanz von historischer Wahrheit heutzutage ein nicht unmaßgeblicher Einflussfaktor. Was sich gut „verkauft“, gewinnt an Wahrheit.

Es soll hier nicht die Rede sein vom Grad einer objektiven Bewertung der historischen Ereignisse und Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts, zum Beispiel jenem gescheiterten Versuch, dem etablierten Kapitalismus eine alternative Gesellschaftsordnung mit mehr sozialer Gerechtigkeit entgegenzusetzen oder etwa der Aufarbeitung einer den wahren Kausalitätsbeziehungen gerecht werdenden Geschichte der beiden deutschen Staaten, der BRD und der DDR. Der objektive Wahrheitsgehalt liegt da noch weitgehend im Verborgenen, zu intensiv wirken das subjektiv Erlebte, die wechselseitigen Feindbilder und ebenso all jene enttäuschten Hoffnungen nach.

Wesentlich, um mit der Zeit den Dingen „auf den Grund zu kommen“, ist aber doch die Erhaltung und ständige Schärfung der Methode, historische Abläufe kritisch zu hinterfragen, den Zweifel als Triebfeder für die Ergründung von mehr historischer Wahrheit zuzulassen, damit Irrtümer ausgeräumt werden können, insbesondere dann, wenn sie Gefahr laufen, sich in den Köpfen dogmenhaft festgesetzt zu haben. Man sollte erwarten, daß bei weit in die Vergangenheit zurück reichenden Geschichtsabläufen eine solche Dynamik in der Geschichtswissenschaft gepflegt wird und ein wissenschaftlich geführter Disput um eine widerspruchsfreie Sicht auf das tatsächliche Geschehen ständig stattfindet, indem man die Ergebnisse aus der neueren archäologischen und kulturhistorischen Forschung und ebenso die in Nachbardisziplinen gewonnenen Erkenntnisse aufgreift und in die Betrachtungen einbezieht.

Es existiert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten die durch bisher nicht in Frage gestellte Fakten erhärtete Erkenntnis, dass die Zeitachse unserer Geschichte, an die wir uns als etwas absolut Feststehendes gewöhnt haben, einer Korrektur bedarf. Unser traditionelles Geschichtsbild wurde im 12. und 13. Jahrhundert aus der geistigen Welt des Mittelalters heraus begründet, in der religiöse Offenbarung als Erkenntnis galt, wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Historikern, im wesentlichen gestützt auf urkundliche Dokumente, festgeschrieben, und in bestimmten Etappen bis in die Neuzeit chronologisch geordnet, wobei, war dieses einmal erfolgt, kaum noch Zweifel Gehör finden konnten, die auf Möglichkeiten einer alternativen Chronologie hinwiesen. Ebenso unterlag die Erkundung der antiken Welt entsprechend dem Wissensstand der jeweiligen Zeit einer zeitlichen Strukturierung, an der, einmal eingeführt, hinterher kaum noch gerüttelt wurde. Die Erkenntnis, daß der überwiegende Teil mittelalterlicher Urkunden Fälschungen darstellen, nahm in den zurückliegenden Jahrzehnten ständig zu. Umfangreiche Dokumentationen, z. B. die des Internationalen Kongresses der MGH über “Fälschungen im Mittelalter” (München 1986), liegen dazu vor. Eine Resonanz in Richtung einer Korrektur der Geschichtsbücher blieb aber in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten im wesentlichen aus, und so lernen Schüler bis auf den heutigen Tag im Geschichtsunterricht, daß der Kirchenstaat 754 eine Pippinsche Schenkung gewesen sei. Tatsächlich war es allenfalls ein Versprechen, das aber auf Grund gegebener historisch-politischer Umstände als konstruiert und daher als höchst zweifelhaft zu werten ist, zumal etwa um die gleiche Zeit auch die Konstantinische Schenkung erfunden wurde, die bereits Otto III. als Fälschung erkannte. Heute muss man es als erwiesen ansehen, dass die sogenannte karolingische Renaissance und ihre Repräsentanten eine „fromme Erfindung“ sind.

Es ist das Verdienst des Systemanalytikers Heribert Illig, dass er zu Beginn der 90-iger Jahre und mit ihm eine wachsende, aber immer noch kleine Schar weiterer Gelehrter erstmals unüberhörbar darauf aufmerksam machten, dass unsere Geschichtsbücher, soweit sie das frühe Mittelalter betreffen, zum Teil erfundene bzw. falsch eingeordnete „Geschichten“ enthalten.

Durch Vergleiche aus der Geschichte der Herausbildung unseres Kalenders, der Berechnung des Osterdatums, der Komputistik, aus archäologischen Befunden und vor allem auch aus analytischen Vergleichen der Architektur und Technik der Errichtung von Bauwerken und Ausführung zahlreicher weiterer Kulturdenkmäler und Kunstwerke, vielfach untermauert durch moderne, verfeinerte Untersuchungsmethoden, wurde ein Bündel von in sich konsistenten Befunden zusammengetragen, die im Widerspruch zur Geschichtsabfolge im geltenden Lehrgebäude stehen.

Um diesen Widerspruch aufzuheben, ist nach Heribert Illig [1,2,3] eine Korrektur um ca. 297 Jahre anzubringen, eine Leerzeit oder Phantomzeit, sehr wahrscheinlich zwischen 614 und 911, das heißt unsere Gegenwart befindet sich dann tatsächlich um diesen Zeitraum näher an der Antike. Dabei geht es nicht um die Änderung sämtlicher Geschichtszahlen bis in unsere Gegenwart, ist doch unsere konventionelle Zeitachse bezüglich des Koordinatenursprungs „Christi Geburt“ ohnehin um ca. ein Jahrzehnt unsicher, und außerdem wurde das Jahr Null nie mitgezählt. Es geht aber sehr wohl um die Akzeptanz der neuen Erkenntnisse in unserem Geschichtswissen, nämlich dass

  • da im frühen Mittelalter auf der uns überkommenen Zeitachse eine Leerzeit ermittelt wurde, in der in Wirklichkeit nichts stattfand, das Jahr 911 (+/- einige Jahre) als Folgejahr auf das Jahr 614 (+/- einige Jahre) eingestuft werden muss,
  • zahlreiche Angaben, die in den Geschichtsbüchern in dieser Zeit angesiedelt sind, demzufolge eine reine Erfindung darstellen, was dazu herausfordert, die Ursachen und Anlässe aufzuhellen, die zu derartigen Geschichtsfälschungen führten, wer sie veranlasste, warum und welchem Zweck sie dienten,
  • zahlreiche tatsächlich stattgefundene Ereignisse durch Vor- oder Rückprojektion verdoppelnd in die Phantomzeit hineingerieten, was wiederum die Frage nach der politischen Zweckmäßigkeit aufwirft, die man verfolgte.

Die bisherige Auseinandersetzung um die Notwendigkeit einer Revision der geltenden Chronologie folgt von Seiten der Gegner kaum den Grundsätzen einer wissenschaftlich geführten Argumentation. Es überwiegen fruchtlose Polemik bis hin zur Diffamierung und die Verengung der Sicht auf Details unter Außerachtlassung von bereits gesicherten Befunden, die eine Phantomzeit im frühen Mittelalter belegen. In gebündelter Form findet man diese Belege im Internet unter „Fantomzeit – Dunkelheit oder Leere im frühen Mittelalter“ zusammengefasst [4].

Es gilt der ethische Anspruch, die historische Wahrheit, das heißt die in der Geschichte tatsächlich stattgefundenen Ereignisse und deren Verknüpfung unter Einbeziehung sämtlicher Fakten zu erhellen, Urkundenfälschungen und erfundene Ereignisse und Unwahrheiten gerade auch dann als solche zu deklarieren, wenn sie Einfluss nahmen auf den weiteren Geschichtsablauf. Warum? Auf dass wir unsere Sensorik bewahren, sozusagen hinreichend empfindlich bleiben, Lügen gerade auch in der Zeitgeschichte unserer Gegenwart mit Entschiedenheit zu begegnen. Mögen Geschichtsverzerrungen und Unwahrheiten durch wachen und kritischen Geist bereits in der Startphase unterbunden werden und das Streben nach objektiver Erkenntnis auch in der Geschichtswissenschaft stets als ein oberstes Prinzip zur Anwendung gelangen.

2. Kalenderwirren und reale Befunde

Bekanntlich nahm Illig [1,2,3] die mit dem Beschluss zur Einführung des Gregorianischen Kalenders am 24.02.1582 verbundene Korrektur des Julianischen Kalenders [5] zum Anlass, erneut zu hinterfragen, warum die zeitliche Vorverlegung zur Herstellung der Übereinstimmung mit dem astronomischen (= tropischen) Jahr – Zurücksetzen des Frühlingsäquinoktiums auf den 21. März – nur 10 Tage erforderte (auf den 4. Oktober folgte damals unmittelbar der 15. Oktober) und nicht 12,7, also rund 13 Tage, wie es der seit der Einführung des Julianischen Kalenders am 1. Januar 45 v.Chr. durch Caesar verstrichene Zeitraum erwarten ließ.

Mit einer Länge des tropischen Jahres von 365,2422 = 365 d + 5 h + 48 m + 46 s und einer Länge des Jahres nach dem Julianischen Kalender von 365 d + 6 h (jedes 4. Jahr ein Schalttag) = 365,25 ergibt sich eine Differenz von 11,232 min, die sich in 45 + 1582 = 1627 a zu 12,69 d addieren, das heißt nach 1627/12,69 = 128,2 a bleibt der Kalender um einen Tag zurück. Der Gregorianische Kalender passt die Jahreslänge an das tropische Jahr durch Weglassen des Schalttages bei jedem vollen Jahrhundert, mit Ausnahme des durch 4 teilbaren an: (365 + ¼ – 3/400) = 365,2425 Tage bzw. 365 d + 5 h + 49 m +12 s.

Warum gelang die Gregorianische Kalenderkorrektur mit 10 Schalttagen, und was verursachte den möglichen Verzicht auf 2,7 bzw, rund drei Tage, um die Frühjahrstagundnachtgleiche wieder auf den 21. März zu fixieren? Dass in Rom bei der Einführung des Julianischen Kalenders mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für das Frühlingsäquinoktium gleichfalls der 21. März galt, stützt sich auf

  • die berühmte Augusteische Sonnenuhr , das Solarium, auf dem Marsfeld in Rom, bei der nur am 23. September, dem Tag des Herbstäquinoktiums und Geburtstags von Kaiser Augustus die Spitze des Schattens in gerader Linie auf den ihm zu Ehren errichteten Altar zulief [6,7], – daraus folgt für das Frühjahrsäquinoktium der 21. März,
  • Berichte, dass das in den ersten Jahrzehnten nach der Einführung des Julianischen Kalenders dreimal fehlerhaft, nämlich nach bereits drei Jahren, erfolgte Schalten, das die Vorwegnahme der 3 fehlenden Tage bedeutet hätte, durch Erlasse des Augustus korrigiert wurde, der das Schalten in den Jahren 5 und 1 v.Chr. sowie 4 n.Chr. aussetzte [8], wodurch der Schattenwerfer auf dem Marsfeld in Rom wieder auf das Frühlingsäquinoktium justiert werden konnte [9]. Fraglich ist aber, ob das Jahr der Einführung des Kalenders womöglich bereits ein Schaltjahr war.

Ungeachtet dessen ist der 21. März als Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche im Jahr der Einführung des Julianischen Kalenders auch bestritten worden. Die Kalenderreform von 1582 habe den Frühlingsbeginn des Konzils von Nicäa 325 herstellen wollen – ein in den Dokumenten angeblich verankerter Hinweis. Dann würde die Korrektur um nur 10 Tage erklärt werden können, falls

  • im Jahr der Einführung des Julianischen Kalenders nicht der 21. sondern der 24. März der Frühjahrstagundnachtgleiche zugeordnet wurde, oder
  • im Jahr der Einführung des Julianischen Kalenders doch der 21. März für das Frühjahrsäquinoktium galt, die in den rund dreihundert Jahren bis zum Konzil von Nicäa eingetretene Verschiebung bemerkt und entweder in diesem Zeitraum korrigiert worden wäre oder auf diesem Konzil tatsächlich eine Kalenderreform stattfand, die die inzwischen eingetretene Verschiebung auf den 18. März wieder auf den 21. März rückte.

In beiden letzteren Fällen wäre eine Kalenderreform erforderlich gewesen. Dafür gibt es nicht den geringsten Hinweis in den erhalten gebliebenen Abschriften der Dokumente des Konzils, lediglich ein Sendschreiben Kaiser Konstantins, man habe sich geeinigt, die Christen im Reich sollen Ostern gemeinsam feiern [10,11, zitiert nach 12], und daraus wurde dann die verbindliche Vereinbarung, Ostern finde am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Es besteht aber nicht einmal die Sicherheit, dass zur Zeit Konstantins d. Gr. der 21. März mit der Frühjahrstagundnachtgleiche zusammenfiel.

Die exakte Himmelsbeobachtung war in der Spätantike aus der Mode gekommen. Tatsächlich galt im 4. Jh. als Frühlingsbeginn der 21. März – nur im weströmischen Reich der 25. März – allerdings in beiden Fällen ohne eine verbriefte und das heißt stets aufs Neue überprüfte Bindung an die Tag- und Nachtgleiche.

Da die Kalenderreform nur in der Einheit „Tage“ vorgenommen werden konnte, ergibt sich aus den 10 Tagen ein zu korrigierendes Zeitintervall von 1282 +/- 64 Jahre und somit eine Differenz von 1627 – (1282 +/- 64) = 345 +/- 64 Jahre. Es ist das Verdienst von Illig [1,2,3,13], diesen Befund mit den sogenannten „dunklen Jahrhunderten“ des frühen Mittelalters in Verbindung gebracht zu haben, in denen archäologische Funde weithin fehlen, um historische Ereignisse zu belegen, und diese sind darüber hinaus um so weniger dokumentiert als sich schriftliche Zeugnisse aus dieser Zeit, aber auch davor und ebenso danach bereits in der bisherigen Geschichtsschreibung vielfach als Fälschung erwiesen haben.

Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond einheitlich zu feiern, war mit der Aufgabe verknüpft, die Mondphasen mit dem Julianischen Kalender in Einklang zu bringen. Ohne stets erneute astronomische Beobachtung sollte durch Berechnung sicher gestellt werden, dass Ostern am richtigen Sonntag nach Frühlingsanfang in der Christenheit gemeinschaftlich begangen werden kann. Es bestand darin der entscheidende Beweggrund, sich mit dem Kalender intensiv zu befassen. Die Regeln zur Berechnung des Osterdatums wurden in sog. Kalendersteinen und Ostertafeln festgehalten.

Die Konsequenzen, die sich aus der Rekonstruktion der Mondphasen anhand der Kalenderberechnungen des Osterdatums und ebenso aus dokumentierten Sonnen- und Mondfinsternissen in den Jahrhunderten ergeben, wurden in der Literatur in Bezug auf das Defizit der 2,7 bzw. rund 3 Tage, die 1582 unberücksichtigt bleiben konnten, lange Zeit kontrovers diskutiert, und erst in jüngsten Publikationen von Andreas Birken [14] und Jan Beaufort [15,16] zeichnet sich die Herausbildung einer übereinstimmenden Auffassung ab.

Während Illig [1,2,3,13,17,18], Frank [19,20] und auch Pickel [21] aus der Geschichte der Komputistik das Fehlen von ca. drei Jahrhunderten in der überkommenen historischen Chronologie des frühen Mittelalters deduzieren, begründet Voigt [22] mit einer mathematisch korrekten Rückrechnung, eine mittelalterliche Kalendermanipulation sei äußerst fragwürdig. Auch Birken [23] verweist zunächst auf das porphyrene Fundament der Mittelalterthese fehlender Jahrhunderte. Lewin [24] bestätigt die von Voigt aus dem Kalenderstein zu Ravenna abgeleitete Schlussfolgerung „keine oder 532 Jahre Phantomzeit!“ – das gilt aber nicht, wenn dieser erst im 11. Jahrhundert angefertigt wurde, und er verweist darauf, dass z. B. in Trier während der Phantomzeit weder gebaut noch beerdigt und daher dort wohl auch nicht gelebt wurde. In gleicher Weise ist die Ostertafel des Hyppolytus, auf die Voigt [25] seine Argumentation stützt hinsichtlich ihrer zeitlichen Einordnung mehrdeutig. Illig [26] führt dazu an, dass die archäologische Fundsituation Beweise liefert, die bisher von der Mediävistik nicht widerlegt werden konnten.

Diese Beweise [siehe 4] in die Argumentation einzubeziehen, ist in Verbindung mit dem Anspruch an eine wissenschaftlich geführte Debatte unbedingt zu fordern. Von den Gegnern der Chronologierevision werden diese bisher aber weitgehend negiert [27]. Die Geschichte ist durch eine Leerzeit prolongiert worden, so dass die Schlussfolgerung, es habe eine Kalendermanipulation stattgefunden, zwingend nahegelegt wird.

Man sollte erwarten, dass weitere Beweise für die Richtigkeit der Illig’schen Phantomzeit-These auch aus physikalischen Zeitgesetzen deduziert werden können:

Die Radiokarbonmethode der Altersbestimmung liefert für aufgefundene Holzkohlereste in einem Küchenherd der ab 1930 ausgegrabenen Villa Augustea am Vesuv nur dann ein mit dem Vulkanausbruch am 24. August 79 übereinstimmendes Alter (Standardabweichung allerdings +/-185 Jahre), wenn unsere Zeitrechnung an die römische Chronologie um ca. 300 Jahre heranrückt oder umgekehrt die römische Chronologie um den gleichen Zeitraum verjüngt wird [28,29,30].

Die Radiokarbonmethode der Altersbestimmung basiert auf einem im zeitlichen Mittel des betrachteten Zeitraums Δt=t–t0 konstanten Ausgangswert N0 des 14C-Gehalts in der Atmosphäre (diese enthält 0,03% CO2). 14C wandelt sich mit einer Halbwertszeit von t1/2 = 5550 a unter β-Zerfall in 14N um. Der 14C-Gehalt resultiert aus einer 14N(n,p)14C-Reaktion in den höheren Schichten der Atmosphäre, kommt durch Einwirkung energiereicher Neutronen aus der Höhenstrahlung zustande, wobei sich ein stationäres Gleichgewicht zwischen Bildungsrate und Zerfallsrate einstellt. Unter der Annahme, dass dieser 14C-Pegel N0 im betrachteten Geschichtszeitraum als konstant angesetzt werden darf, ergibt sich in C-haltigen Stoffen, also auch vor allem in organischem Material, bei gesicherter Unterbrechung der 14C-Kontamination aus der Atmosphäre (z. B. Absterben von organischem Material und Versiegelung), ein Abfall der 14C-Radioaktivität von N0 auf Nt entsprechend dem Zeitgesetz Nt = N0*e-Δt*ln2/t1/2. Es handelt sich im Prinzip um eine Absolutmethode, denn Δt ist die einzige Unbekannte, d. h. man kann bei sorgfältiger Messung der Aktivitäten At = λ*Nt und A0 = λ*N0 mit λ=ln2/Δt und Ermittlung der Fehlerbreite das Alter bestimmen und mit anderen Datierungen vergleichen. Die Aussagekraft der Methode ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach überzogen worden, kriminell gefälschte Meßdaten eines Frankfurter Instituts [31] brachten sie zudem in Verruf, und die Verknüpfungen mit der Abfolge von Jahresringen alter Bäume und Hölzer (Dendrochronologie) haben außerdem zur Konfusion beigetragen. Die kritische Bewertung von Ch. Blöss und H.-U. Niemitz [32] lenkt die Aufmerksamkeit zu recht auf die bisher immer noch bestehende Unsicherheit der räumlichen Invarianz des 14C/12C-Verhältnisses in gleichzeitig stoffwechselnden Organismen. Falls diese nicht gesichert ist, entfällt auch die Möglichkeit einer Kalibrierung. Mangelnde und von Labor zu Labor variierende Korrektheit der Messung sind für diesen Befund als entscheidende Ursache in Betracht zu ziehen. Nach H.-Erdmann Korth [33] lässt sich die Abfolge von Jahresringen in Hölzern mit dem Phantom-Zeitintervall ohne weiteres in Einklang bringen: 299 Jahre.

Um die aus den Gezeiten resultierende Zunahme der Tageslänge und das damit verbundene Anwachsen der Mondbeschleunigung zu erfassen, hat R.R. Newton [34,35] astronomische Aufzeichnungen über Sonnen- und Mondfinsternisse der zurückliegenden 3000 Jahre analysiert.

Während der Umlauf der Erde um die Sonne im betrachteten Zeitraum mit höchster Präzision stattfindet, die Jahreslänge also zuverlässig als konstant angenommen werden kann, nimmt die Erdumdrehung auf Grund der Gezeitenreibung um einen geringfügigen Betrag stetig ab und die Tageszeit (Terrestral Time TT) gegenüber der auf eine Tageslänge von exakt 24 h im Jahre 1820 bezogenen Uhrzeit (Universal Time UT) um ΔT zu. Zugleich nimmt wegen der Abbremsung der Erdrotation die Winkelbeschleunigung des Mondes D’’ = Δu/Δt = rω2 mit Δu = u*Δφ, u = r*ω und ω = Δφ/Δt um einen geringen Betrag stetig zu, wobei sich der Trabant sukzessive um ca. 4 cm pro Jahr von der Erde entfernt, d. h. er wird größer, die Bahngeschwindigkeit u aber auf Grund des 3. Keplerschen Gesetzes vermindert – der Mond wird langsamer.

Gestützt auf Daten astronomischer Ereignisse, die im Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit sorgfältigst ausgewählt wurden, gelangt R. R. Newton im Ergebnis einer Ausgleichsrechnung zu Werten der Mondbeschleunigung D’’, die beim Auftragen über die Zeitachse einen physikalisch plausiblen, kontinuierlichen Anstieg ergeben. Die gemittelte Gerade weist im Bereich zwischen 500 und 1000 eine Stufe nach unten auf, so als hätte es eine Zeitspanne gegeben, in der die Zunahme von D’’ aussetzte. Im Zeitraum danach wächst D’’ mit dem gleichen Anstieg an wie im Abschnitt vor dieser Unstetigkeit. Werner Frank [36] konnte zeigen, dass sich, läßt man 300 Jahre zwischen 600 und 900 aus, die beiden Teilgeraden im Ergebnis einer einfachen Rechnung nahtlos zu einer Geraden mit einheitlichem Anstieg zusammenfügen lassen. Naturgemäß fällt D’’ von 614 bei einer Gleichsetzung mit dem Jahr 911 für letzteres zu niedrig aus – daher die Stufe!

Tausende babylonische Keilschrifttafeln des Britischen Museums enthalten astronomische Daten über Sonnen- und Mondfinsternisse mit exaktem Datum und Angaben des Standes am Fixsternhimmel in Grad – auch in Bezug auf die Konstellation zu Planeten -, wann die Verfinsterung eintrat und wann sie vollständig war, so dass eine Rückrechnung auf ΔT mitunter bis auf Bruchteile einer Stunde ermöglicht wird.

Die aus den Daten abgeleitete Verschiebung ΔT beträgt nach Stephenson [37,38] (kommentiert auch von F. Espenak [39]), über zweieinhalb Jahrtausende summiert ca. 4 Stunden. Die im Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit äußerst kritische Auswahl der Daten wurde verbrieft. Allerdings macht De Boer [40] eine Angabe von 15,2 h in 3000 Jahren, Petit [41] gibt wesentlich kleinere ΔT-Werte an.

Folgt man der Argumentation Stephensons, so ergibt sich bei Einbeziehung von chinesischen, arabischen und griechischen Aufzeichnungen bei der Auftragung von ΔT über die Zeit von –700 bis +1500 nach einer Ausgleichsrechnung in Übereinstimmung mit der physikalischen Erwartung die Darstellung einer flach gekrümmten Parabel. Überraschend wenige zuverlässige Beobachtungen liegen aus dem Europa der Spätantike und des frühen Mittelalters vor [40,42], und diese ergeben teilweise ΔT – Werte, die mit der Ausgleichsparabel nicht zu vereinbaren sind, eher einen geradlinigen Verlauf nahe legen, so als habe die Erde in dieser Zeit nicht mit konstanter Geschwindigkeit rotiert. Der naheliegende Schluss, diesen Befund mit der Phantomzeit zu korrelieren und durch diese zu korrigieren, führt aber eher zu weiteren Widersprüchen.

Hans-Erdmann Korth [28] konnte zeigen, dass Sonnenfinsternis – Ereignisse, die den Parabelverlauf von ΔT in den sog. dunklen Jahrhunderten in Frage stellen, auch zeitverschoben interpretiert werden können, so dass sie sich auf diese Weise in die Ausgleichsparabel einfügen lassen. So kann z. B. die von Theon von Alexandria dokumentierte Sonnenfinsternis vom 16. Juni 364, die nach Rückrechnung auf der Basis unseres heutigen Kalenders zu diesem Zeitpunkt angeblich tatsächlich stattfand und von Krojer [43,44] als Argument gegen die Chronologierevision verwendet wird, auch dem von Plutarch zitierten Theon von Smyrna zugeschrieben werden, der drei Jahrhunderte zuvor lebte. Er macht darauf aufmerksam, die Gültigkeit der approximierten Parabel ΔT = f(t) im gesamten Zeitraum von den babylonischen Beobachtungen bis in die Neuzeit könnte als ein Indiz dafür angesehen werden, daß der Einschub einer Phantomzeit im Frühmittelalter auf eine Veraltung der griechisch-römischen Geschichte beschränkt wurde, ohne dass davon babylonische Datierungen betroffen wurden. Das würde dann zugleich verständlich machen, warum die durch die Kriegszüge Alexanders initiierte Hellenisierung Vorderasiens sich in der Geschichte so verkürzt darstellt. Die rätselhaften, enormen Wirkungen, die von Alexander in der kurzen Zeit seiner 13-jährigen Machtausübung bleibend ausgingen, kämen dadurch einer Erklärung näher.

Die zeitliche Einordnung von Berichten über Himmelsereignisse wie Sonnen- und Mondfinsternisse aus der Archäo-Astronomie im Für und Wider der Phantomzeit–These ist gegenwärtig heftig umstritten.

Während Ronald Starke [45] in einer achtunggebietenden astronomischen Untersuchung antiker Sonnen- und Mondfinsternisse zur Ablehnung der Chronologierevision gelangt, dabei gut verständlich und in Übereinstimmung mit R.R. Newton [34,35] und F.R. Stevenson [37,38] den physikalischen Hintergrund des Zustandekommens der gezeitenbedingten Zunahme der Tageslänge um ΔT sowie der Mondbeschleunigung D’’ darstellt, sich aber insgesamt im Resultat eines akribischen Quellenstudiums wohl doch zu sehr im Detail verliert, räumt Krojer [44] immerhin ein, dass „in vielen Fällen die überlieferten Finsternisse mit den modernen Rückrechnungen beliebig zur Deckung gebracht werden können und sie sich deshalb überhaupt nicht zur Überprüfung der angeblich fiktiven 300 Jahre eignen.“ Heraus ragen die von Hydatius in Chiaves (Aquae Flaviae, Portugal) und ebenso in zahlreichen anderen Quellen bekundeten totalen Sonnenfinsternisse vom 19. Juli 418 und 23. Dezember 447 n.Chr., die sich im Abstand der 29,43 Jahre durch Rückrechnung nach dem konventionellen Kalender zwanglos bestätigen lassen. Nach D. Herrmann [46] ist die Duplizierung dieses Ereignisses auf Grund der gegebenen Himmelsmechanik in einem weiten zeitlichen Rahmen für diesen Ort nicht möglich, so dass die Berichte über die beiden Sonnenfinsternisse nicht so einfach außer Acht gelassen werden können. Hydatius gilt allerdings nachweislich als ein unzuverlässiger Geschichtsschreiber. Er datierte nach Kaiserjahren und Olympiaden, nahm es mit den Jahreszahlen dabei aber nicht so genau. Auch sind seine Aufzeichnungen nur aus Abschriften ab dem 10. Jh. bekannt. Hier gibt es offene Fragen, die durch weitere Forschung abzuklären sind.

Sieht man von der dadurch gegebenen Restunsicherheit ab, hat sich von allen Versuchen, die mögliche Beschränkung der Korrektur bei der Gregorianischen Kalenderreform auf 10 Tage zu erklären, allein die Berücksichtigung einer Leerzeit von ca. 300 Jahren – und zwar in Übereinstimmung mit der archäologischen Fundsituation – als tragfähig erwiesen. Diese „Phantomzeit“ oder „fiktive Zeit“ ist vermutlich durch eine Kalendermanipulation während des 10. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Einführung der Zeitrechnung „nach Christi Geburt“ (Inkarnationsrechnung, AD) in die Chronologie der griechisch-römischen Geschichte „hineingemogelt“ worden, indem diese von jener Generation der Macht ausübenden Hierarchie, die das Jahr 1000 in der Reichweite eigenen Erlebens rückte, um 297 Jahre veraltet wurde. Die dadurch zustande gekommene Leerzeit wurde mit erfundener Geschichte gefüllt.

Demnach wäre die Geburt Jesu Christi in dem für uns heute geltenden Kalender in das Jahr 292/93 n.Chr. einzuordnen, übrigens in glänzender Übereinstimmung mit der Großen Konjunktion von Jupiter und Saturn als Stern von Bethlehem, die zu diesem Zeitpunkt wesentlich eindrucksvoller ausfiel als 7 v. Chr [47]. Die Verknüpfung der Konjunktion von 7 v.Chr. mit dem Stern von Bethlehem und der Geburt Christi wurde bekanntlich von J. Kepler ins Gespräch gebracht und verbreitet.

3. Wann und auf welche Weise kam die Kalendermanipulation zustande?

Von Illig wurde in zahlreichen Publikationen [1,2,3,13] herausgearbeitet: Die archäologische und architektonische Evidenz grenzt den Zeitraum vom Ende der Regentschaft Justinians 565 einschließlich einzelner Bauten bis ins frühe 7. Jahrhundert auf der einen Seite und die Regentschaft Ottos I. ab 936, vor allem die Schlacht auf dem Lechfeld 955, auf der anderen Seite ein – nach Illig [48] auf 297 Jahre von 614 (Regierungsantritt von Herakleios I. in Byzanz) bis 911 (Regierungsantritt von Konrad I., König der Ostfranken). Nach dem unerwarteten Tod des letzteren 918 ging die Königswürde 919 bekanntlich auf den Sachsenherzog Heinrich I. über, den Vater von Otto I..

Diese konkrete Intervallangabe ist mit einer Unschärfe versehen: Pickel [21] grenzt auf 346 +/-64 Jahre ein, während Birken [23] eine fiktive Zeit von 304 Jahren begründet. In der von Illig [48] vorgenommenen Zusammenstellung der Randereignisse der Phantomzeit bildet sich eine Unschärfe von einigen Jahren um das Intervall von 297 Jahren ab.

614||911 bedeutet nach Illig, auf das Jahr 614 folgt in der uns überkommenen Geschichtsschreibung unmittelbar das Jahr 911.

Dabei ist zunächst offen, ob diese Leerzeit durch Veraltung – einer um ca. 300 Jahre zeitverschobenen falschen Einfügung – der in verschiedenen Zeitmaßstäben vermutlich zahlreich vorhandenen Chronologie-Fragmente historischer Ereignisse zustande kam oder ob die Gegenwart zum Zeitpunkt der Kalendermanipulation um diese Leerzeit nach vorne verlegt wurde. Die durch die Gezeitenreibung verursachte Zunahme der Jahreslänge und Einordnung astronomischer Ereignisse in diesen gesetzmäßigen Ablauf sprechen für den ersteren Fall:

Es kam zu einer Veraltung der römischen und Teilen der griechischen Geschichte um 297 Jahre.

Das Phänomen des Einschubs einer fiktiven Zeit erweist sich als eng verknüpft mit einer groß angelegten Aktion, das Nebeneinander verschiedener Zeitrechnungen zu überwinden und durch einen für die Christenheit einheitlichen Bezug der Zeitrechnung auf „nach Christi Geburt“, die Inkarnationszeitrechnung bzw. „Anno Domini“, AD, zu ersetzen. Die Konfusion war bis ins 10. und 11. Jahrhundert hinein und zum Teil noch weit später beträchtlich [11]. Dieser Aufgabe stellte sich nach Indizien, wie sie die neuere Geschichtswissenschaft feststellt [1,2,3,13] der hochgebildete Kaiser Konstantin VII. mit seinem Stab an qualifizierten Beamten und vermutlich ebenso auch in der Komputistik bewanderten Schriftgelehrten. Dabei wurden zwei Versionen einer auf der Bibel basierenden Zeitrechnung nach Schöpfung eingeführt, von denen eine bis 1456 Bestand hatte [49], und offenbar darauf aufbauend kam es unter dem Einfluss der Ottonen, insbesondere unter Otto III. und seiner Mutter Theophanu, die aus Byzanz stammte, im späten 10. Jh. im Zusammenwirken mit den von ihnen inthronisierten Päpsten Gregor V. (996, Brun von Kärnten) und dem gelehrten Sylvester II. (999, Gerbert von Aurillac) zur Durchsetzung der Zeitrechnung mit Bezug auf Christi Geburt.

  • Hatte Caesar die Kalenderwirren im republikanischen Rom [17] mit der Einführung des Julianischen Kalenders beseitigt, ergab sich wenig später die verbindliche Festlegung durch Varro, den Bibliothekar des Augustus, die Gründung Roms als Bezugspunkt der Geschichtsschreibung zu verwenden (nach christlicher Zeitrechnung 21.4.753 v. Chr). Erst von dieser Zeit ab schrieb man in der Kaiserzeit römische Geschichte bezogen auf diesen Starttermin.

Entsprechend einer traditionellen Gepflogenheit, die Jahre ab einem bedeutenden Ereignis zu zählen, gab es noch eine Reihe weiterer Zeitrechnungssysteme, die Illig in seinem Buch „Wer hat an der Uhr gedreht?“ [3] aufführt.

  • Die Philippinische Ära mit dem Bezugspunkt 12.11.324 v.Chr. (benannt nach Philipp Arrhidaios, dem Nachfolger Alexanders des Gr.) und ebenso die Ära nach dem Tod Alexanders des Gr. mit dem Start am 10.6.323 v.Chr. waren im Orient durchaus gebräuchlich.
  • Die Ära des Augustus mit dem Startdatum 30.8.30 v.Chr., dem Tag der Begründung seiner Alleinherrschaft durch die Einnahme Alexandrias: Oktavian erhob sich damit zum Nachfolger Alexanders, die Zählung mit diesem Bezug galt daher auch als Alexandrinische Ära, war in der Antike weit verbreitet und im Orient lange im Gebrauch. Zum „Augustus“ wurde er am 16.1.27 v.Chr. gekürt – 296/97 Jahre nach Alexanders Tod.

Eine Möglichkeit zur Entstehung einer Leerzeit ist nach Heinsohn und Illig [3, Seite 177] dadurch gegeben, dass eine irrtümliche oder bewusste Gleichsetzung von Geschichtszahlen, die nach der „Alexandrinischen Ära = Ära des Augustus“ datiert waren, mit der „Ära nach dem Tod Alexanders des Gr.“ zwanglos eine Veraltung um ca. 300 Jahre generiert haben könnte, ohne dass solches in der Öffentlichkeit bemerkt wurde.

  • Weithin eingebürgert war auch das Datieren nach Seleukidenära mit dem Startpunkt 1.10.312 v.Chr., dem Datum einer Schlacht zwischen Seleukos und anderen Diadochen. Vor allem als Basis für Geschäftskontrakte. Im täglichen Leben rechneten Juden fast tausend Jahre lang in Jahren nach Seleukidenära.
  • Schließlich initiierte die Regentschaft Diokletians, der das römische Reich mit drei Mitregenten (Tetrarchie, einem weiteren Augustus Maximian und den beiden Caesaren Galerius und Constantius Chlorus) mittels einer umfassenden Verwaltungsstruktur – Reform noch einmal straff durchorganisierte, eine bis weit ins Mittelalter gültige Zeitrechnung in Jahren „nach Diokletian“, der sog. „Diokletiansära“ = „Märtyrerära“ mit dem Bezugspunkt „Beginn der Regierungszeit Diokletians“ (nach christlicher Zeitrechnung 29.8.284 n.Chr.).

Der Beginn der Geschichtsaufzeichnung „nach Christi Geburt“ ist widersprüchlich verbrieft und kaum korrekt angebbar – durchgesetzt wurde diese Zeitrechnung sicher erst im späten 10. und dann vor allem im 11. Jh.:

  • Dionysius Philocalus [50] habe bereits 354 im Auftrag von Papst Damasus I. (305-384) einen christlichen Kalender verfasst, indem er ausgehend von der Zeitrechnung „nach Gründung Roms“ (urbe condita u. c.) – 754 (nach unserer Zeitrechnung) – ab 753 nach Christi Geburt“ datierte.
    Dabei wurde die Geburt Jesu auf den 25. 12., den Feiertag des unbesiegten Sonnengottes (Sol invictus, seit 274 durch Aurelian zum Reichsgott erhoben, Mithras–Kult), festgelegt, (Gegen 200 n.Chr. wurde Weihnachten am 18. November [51] begangen). Das Bezugsjahr dieser Kalenderrechnung, die Geburt Christi, war auf Grund unscharfer Überlieferung im Neuen Testament nur auf den Zeitraum 12 v.Chr. bis 2 v.Chr. eingrenzbar, und so wurde es auf den 1. Januar des 30. Regierungsjahres von Kaiser Augustus = 1.1.1 „nach Christi Geburt“ festgelegt:
    Ebenso ist aber überliefert, ein gewisser Dionysius Exiguus habe 525 als erster aus Protest gegen den Gottlosen und Christenmörder Diokletian nach der Geburt des Herrn datiert und dabei eine Ostertafel vorgelegt, in der die Ostertermine für die Jahre 532 bis 626 vorausberechnet waren. Zu ihm besteht aber auch die Auffassung, er sei eine Erfindung Kaiser Konstantins VII. Porphyrogennetos (615/913 – 662/959) [14,15], jenes gelehrten byzantinischen Kaisers, der die Beseitigung des Durcheinanders der verschiedenen Zeitachsen durch Einführung von Zeitrechnungen „nach Schöpfung“ anstrebte bzw. vornahm und dabei zugleich das Ziel verfolgte, auf einer solchen Zeitskala das Datum der Geburt Christi in Übereinstimmung mit den Konstellationen des Himmels zu fixieren. Dionysius Exiguus erwähnt in keiner seiner Schriften den Dionysius Philocalus.

Gesellschaftlich wirksam wurde die Zeitbezeichnung „nach Christi Geburt“ aber erst im Zusammenhang mit den Schriften eines englischen Benediktiners Beda. Dieser soll von 672 bis 735 gelebt haben. Er stellt sich aber in seinen Schriften durch Bezüge auf viel spätere Zeitereignisse selbst in Frage, so dass er, falls er überhaupt existierte, allenfalls ins 12. Jahrhundert gehört [3].

Parallel zu diesen Ansätzen und verschiedenen Versionen einer Datierung gab es ausgehend von einer jüdischen Tradition frühzeitig Bestrebungen, die Jahreszählung unter Verwendung von Zahlenangaben der Bibel „nach Erschaffung der Welt“, „nach Weltschöpfung“, vorzunehmen, die nach dieser jüdischen Datierung am 7.10.3761 v.Chr. stattgefunden haben soll.

Bereits 358/59 n.Chr. wurde in einer Aufzeichnung das Jahr 670 der Seleukidenära mit dem Jahr der Welt 4119 gleichgesetzt [52], Akzeptanz habe die Zählung nach Weltära aber nach der Jerusalemer Encyklopaedia Judaica erst um 500, nach der Berliner Encyklopaedia Judaica erst um 800 und nach anderen Quellen [53] gar erst im 12. Jahrhundert erfahren.

Um Abgrenzung von der römischen Zeitrechnung bemüht, wo die Jahreszählung nach der Ära des Augustus = Alexandrinische Ära, aber auch weiterhin mit Bezug auf die Gründung Roms (c.u. condita urbe) eingebürgert war, strebte man in Byzanz einen eigenen geschichtlichen Startpunkt an und ging dabei so weit wie möglich zurück, eben auf den Zeitpunkt „Erschaffung der Welt“, wie er aus dem Alten Testament deduziert werden konnte, allerdings nicht, ohne dass sich dabei Ungereimtheiten ergaben:

  • Die Alexandrinische Weltära, angeblich von Panodoros und Anianos, bereits vor 412 n.Chr. erschlossen, legte den Startpunkt auf den 25.3.5493 v.Chr. [3],
  • die Protobyzantinische Weltära auf das Anfangsdatum 21.3.5508 v.Chr. [9],
  • die Byzantinische Weltära auf das Datum 1.9.5509 v.Chr.

Erst ab dem 10.Jahrhundert setzte sich die Datierung nach der Byzantinischen Weltära durch. Selbst im 14. Jahrhundert war die Rechnung „nach Christi Geburt“ in Ostrom noch nicht endgültig akzeptiert [54].

Aus dieser Umstellung ergab sich eine zweite Möglichkeit zur Veraltung der Vergangenheit um ca. 300 Jahre, etwa indem man z. B. für das Jahr der Thronbesteigung Konstantins VII. 958 nach Seleukidenära (646 n.Chr.), bei der Umstellung auf Jahre nach Schöpfung unter Beibehaltung der alten Jahreszahl das Datum 5509 + 958 = 6467 n.Sch. zuordnete. 945 n.Chr. ist das Datum der Thronbesteigung nach unserer Zeitrechnung, das heißt 312 + 945 – 958 = 299 Jahre wären auf diese Weise mittels einer Rückverlegung des Bezugspunktes auf – 312 „stillschweigend“ dazu addiert worden.

Aber welche Beweggründe lassen sich für einen Römischen Kaiser wie Konstantin VII. Porphyrogennetos (905 – 959, Kaiser ab 913, autarkes Regime ab 945) anführen, Macht und Durchsetzungskraft unter Einstimmung der gesamten geistigen Elite seines Herrschaftsbereichs dafür einzusetzen, dass eine Beseitigung der Kalenderwirren durch Einführung einer für die Christenheit einheitlichen Zeitrechnung zustande kommt und zugleich die Rückverlagerung vorangegangener historischer Ereignisse um ca. 300 Jahre in Angriff zu nehmen? Immerhin bedeutete dieser Schritt, die eigene noch in Erinnerung befindliche Vergangenheit auf der Zeitachse um drei Jahrhunderte nach hinten zu verschieben.

Man hat Grund anzunehmen, dass es Konstantin VII. war, der in seinen Kanzleien binnen weniger Jahrzehnte die Ab- und Umschriftschrift sämtlicher Texte und Dokumente von der Majuskel in die Minuskelschrift veranlasste. Er ließ die Originale nach der Abschrift vernichten [55]. Unter seinem Dirigat und mit Hilfe der byzantinischen Verwaltungsadministration wurde die Aktion logistisch konsequent umgesetzt, das gesamte Schriftgut einer damals führenden Kulturnation neu abgefasst, wobei naturgemäß die Wertung und Wichtung entsprechend dem Zeitgeist einfloss. Die davor liegenden vielfältigen Ereignisse der griechisch–römischen Geschichte sind uns demzufolge nur durch das Filter dieser Aktion zugänglich.

Die Motivation kann entsprechend der geistigen Verfassung mittelalterlicher Gelehrter auf Bestrebungen in zweierlei Richtung zurückgeführt werden, die sich in ihrer Wirkung vermutlich synergistisch verstärkten.

Nach Jan Beaufort [15,16] liegt der eine Beweggrund in Bestrebungen, sich dem aus der Antike überkommenen Anspruch an ein einheitliches Weltbild auch in der Christenheit zu stellen. Und um die Ereignisse des Himmels mit dem geschichtlichen Ablauf in der Christenheit in einen Zusammenhang zu stellen, erwies sich die Berechnung des Osterdatums als der entscheidende Schlüssel.

Der 28-jährige Sonnenzirkel – in einer solchen Periode fallen im Julianischen Kalender die Wochentage wieder das ganze Jahr hindurch auf die gleichen Wochentage – ergibt in Verbindung mit den 235 synodichen Monaten (Abstand zwischen zwei Neumonden) des Mondzirkels, die recht genau 19 Sonnenjahren entsprechen, den großen Osterzyklus 28 x 19 = 532 Jahre, d. h. nach einer solchen Periode wiederholen sich die Mondphasen mit den Wochentagen, folglich auch den Ostersonntagen am gleichen Kalenderdatum. Auf einer solchen Basis konnte das Osterdatum im voraus berechnet werden.

Für Konstantin VII. und seinen Stab gelehrter Komputisten, tatsächlich im 7. Jh. nach Christus und Augustus lebend, ließ sich die astronomische Situation seiner Zeit mit dem großen Osterzyklus von 532 Jahren und zugleich mit dem historischen Christusgeschehen aber nur in Einklang bringen, wenn man das astronomische Jahr 235 mit 532 n.Chr. gleichsetzte, die Zeitachse also um 297 Jahre verlängerte. Damit wäre eine dritte Version als Motivation für das Zustandekommen der Veraltung der griechisch-römischen Geschichte in Betracht zu ziehen:

Manipulation der realen Geschichte zwecks Stützung einer vorgegebenen Ideologie – eine bis in unsere Zeit immer wieder getätigte Praxis.

Das ist die Kalenderreform des Dionysius Exiguus, der nach der Geburt des Herrn datierte und vermutlich eine Schöpfung Konstantin VII. oder einer seiner Mitstreiter war, der sich mit der Prolongierung der Zeitachse zugleich veralten ließ, was der Erhöhung seiner Autorität nur förderlich sein konnte.

Von Illig [2,3] wurde die Frage aufgeworfen, ob womöglich die zeitliche Absetzung jenes die byzantinische Christenheit zutiefst erschütternden Ereignisses, nämlich der Verlust des Kreuzes 911 durch die Einnahme Jerusalems von den Persern, von der eigenen Gegenwart in eine weit zurückliegende Vergangenheit 614 und die Erfindung einer rasch erfolgten Rückeroberung durch einen gleichfalls erfundenen bzw. zeitlich zurückgesetzten und umbenannten Kaiser Herakleios mit ein Grund dafür gewesen sein könnte, den dreihundertjährigen Einschub aufzugreifen.

Man konnte nach dieser Manipulation Kreuzessplitter zu Hunderten verteilen und den Reliquienhunger profitabel stillen, was tatsächlich geschah.

Nach Illig [2,3] ist auch ein dynastisches Motiv in Betracht zu ziehen. Die zeitliche Rückstufung und Abgrenzung von einer zweifelhaften Herkunft – womöglich Sohn des Kaisermörders Phokas (von 899 – 907 nach 602 – 610) zu sein – musste im Interesse Konstantin VII. liegen, dessen Vorgeschichte nur aus der eigenen Feder bekannt Ist und der in seinen Schriften stets so auffallend die eigene Abstammung als „Purpurgeborener“ (Porphyrogennetos) betont hat.

Jan Beaufort [15,16] verweist auf August Strobel [56], der in seinem Buch aufzeigte, dass sich die von Konstantinopel ausgehende 532-jährige Periode der Osterkomputation im Westen sieghaft durchsetzte, die Kalenderumstellung also offenbar mit der Geschichtsmanipulation verknüpft war.

Die maßgebende zweite Triebfeder, die eine derartige Geschichtsmanipulation hervorbringen konnte, liegt nach Illig [3] im Bestreben, die heilsgeschichtliche Dauer des Weltenlaufs zu erfassen. Iulius Africanus hatte bereits im dritten Jahrhundert darauf aufmerksam gemacht, dass – da vor Gott 1000 Jahre wie ein Tag sind – der siebentägigen Schöpfung sieben Welttage zu je 1000 Jahre entsprechen und die Erschaffung des Menschen am 6. Schöpfungstag der Geburt des Heilands gleichkommt: Christi Geburt wurde demzufolge in die Mitte des 6. Schöpfungstages auf 5500 n.Sch. platziert. Der 7. Schöpfungstag galt als Gott, dem Erschaffer der Welt, vorbehalten, und das sollte auch für den Sohn gelten. Daraus ergab sich die Erwartung, dass 500 Jahre n.Chr. im Jahre 6000 n.Sch. das endzeitliche christusbeherrschte Millennium anbrechen würde.

Ein solches Ereignis blieb bekanntlich aus, und so war es naheliegend, auf eine analoge Berechnung des Hl. Hieronymus (ca. 347 bis ca. 419) zurückzugreifen: 2242 a (von Adam bis zur Sintflut) + 942 a (von der Sintflut bis Abraham) + 2015 a (von Abraham bis Christi Geburt) = 5198 a [57].

457 wurde durch Victorius von Aquitanien unter Papst Leo I. mittels einer Mondrechnung der 25. März 5201 v.Chr. als Datum der Welterschaffung publik gemacht [57,58]. Christi Geburt wurde damit um 300 a auf 5201 n. Sch. vorverlegt, und als die neue Erwartung für ein christusbeherrschtes Millenium nach Schöpfung ergab sich das Jahr 801 n.Chr. In Verbindung mit diesem Schritt ist also eine vierte Version in Betracht zu ziehen, die das Aufkommen einer dreihundertjährigen Leerzeit in der Geschichte erklären könnte. Aber auch 6000 n. Sch. (= 800 n.Chr.) blieb der Übergang in ein Heils-Millenium aus. Daran konnte auch die erfundene Krönung Karls des Gr. nichts ändern.

So entschloss man sich, Christi Geburt nochmals vorzudatieren und zwar auf 5001, und darauf sollte ein voller Welttag von 1000 Jahren folgen, so dass nunmehr der Beginn des 7. Welttages 6001 mit dem Jahr 1001 zusammenfiel. Von Kaiser Otto III. (983 –1002) mit seiner geistig-kulturellen Verbindung nach Byzanz (Theophanu, seine Mutter war mit dem byzantinischen Kaiserhaus verwandt) und der engen Verbindung zu dem von ihm 999 eingesetzten hochgebildeten Papst Sylvester II. (Gerbert von Aurillac) wurde das Jahr 1000 n.Chr. in dieser Weise interpretiert und in das christliche Denken als der Beginn eines Heils-Millenniums eingeführt [2]: Otto III. änderte seine kaiserliche Titulatur Anfang 1000 in „servus Jesu Christi“, Anfang 1001 in „servus apostulorum“ – er wollte das tausendjährige Reich als verlängerter Arm Christi, als Endzeitkaiser, regieren.

Offensichtlich kam es im Zusammenhang mit der Schaffung einer einheitlichen und für die Christenheit verbindlichen Chronologie historischer Ereignisse mit Bezug auf Christi Geburt zur Herausbildung einer Zeitlücke von ca. 300 Jahren.

Aus einer tiefen Religiosität heraus waren die in ihrer Zeit hoch gebildeten Akteure, die diese Umschreibaktion vornahmen, bestrebt, sich im Konzept der Welttage des Herrn selbst gottgefällig zu platzieren.

Dabei wurden bei der Umrechnung der in den zahlreichen verschiedenen Zeitskalen dokumentierten Geschichtszahlen in die neue Zeitrechnung „nach Christi Geburt“ vor allem die Ereignisse der griechisch-römischen Geschichte mit um ca. 300 a geringeren Jahreszahlen versehen als es nach den Daten, die sich die damaligen Schriftgelehrten selbst zuordneten und die für uns bis heute gelten, erforderlich gewesen wäre – sie wurden also veraltet.

Ob es sich bei dieser höchst notwendigen „Flurbereinigung“ der verschiedenen parallel existierenden Datierungen von vornherein um ein Betrugsmanöver gehandelt hat, erscheint fragwürdig.

Die Leerzeit und Ereignisse an deren beider Zeitränder wurden aber je nach Bedarf und politischem Nutzen sukzessive durch erfundene und damit gefälschte Geschichte ausgefüllt bzw. modifiziert, und in diesem Zusammenhang treffen die Kriterien der Geschichtsfälschung uneingeschränkt zu.

Die seinem Sohn als Lehrbuch dienende Schrift „De administrando imperii“ von Konstantin VII. klammert die Zeit zwischen 600 und 866 aus, erwähnt aber für den Westen einen großen Frankenherrscher Karl, vermutlich Karl den Einfältigen, der 922 einem Kapetinger weichen musste [59].

Die Ausgestaltung der Fiktion Karls des Großen blieb dann wohl Otto III. (980–1002, Regentschaft ab 994) vorbehalten [1], dessen Mutter Theophanu am byzantinischen Kaiserhof noch zu Lebzeiten Konstantins VII. geboren wurde und die erfundenen Jahrhunderte in die Residenzen des ottonischen Kaiserhofes mitbrachte. Ottto III. mit seinem Ratgeberstab, dieser infolge hoher Bildung Maßstäbe setzende junge Herrscher – aufgebaut nicht zuletzt durch die Grande Dame Adelheid der ottonischen Renaissance und deren Schwiegertochter Theophanu -, entzog das Papsttum dem Gewohnheitsanspruch römischer Adelsriegen, indem er Brun von Kärnten als ersten deutschen Papst Gregor V. berief. Als dieser 999 starb, folgte ihm einer der gelehrtesten Köpfe der Zeit Gerbert von Aurillac als erster französischer Papst Sylvester II. nach.

Als Naturwissenschaftler und Philosoph auf dem Papstthron war er Ausbilder einer ganzen Generation von Gelehrten, Verbreiter neuer Techniken und als eine der Schlüsselfiguren bei der Umstellung der Jahreszählung auf „nach Christi Geburt“ engagiert [60].

Im Bündnis zwischen Sylvester II. und Otto III. ergab sich die Programmatik, am Beginn des neuen Heils-Millenniums, des siebenten Welttages, das christliche römische Reich zu erneuern und von Rom aus zu regieren.

Aus dem Zeitgeist heraus, eines zu Beginn des Heils-Millenniums neu definierten Anspruchs, der einen geistigen Aufbruch auslöste – Cluniazensische Reformen, Tausende Kirchen wurden in Mitteleuropa gebaut – kann der Ausbau der Legende Karls des Gr., die angebliche heimliche Öffnung seines Grabes in der Aachener Pfalzkapelle und Entnahme seiner Insignien durch Otto III, begriffen werden. Sie dienten der Tradierung der neu definierten Macht des Kaisertums.[3, Seite 194].

4. Zur Passfähigkeit historischer Ereignisse im beiderseitigen Randbereich der Phantomzeit

Die geschilderten Befunde, die den Einschub einer Zeitspanne von ca. 300 a, sehr wahrscheinlich 297 Jahren, in die Chronologie der für uns geltenden Zeitskala belegen, wobei eine Veraltung weiter Bereiche der Geschichte der Antike zustande kam, verlangen zwingend, die Passfähigkeit historischer Ereignisse im beiderseitigen Randbereich der Phantomzeit festzustellen. Im Ergebnis einer solchen Untersuchung sollte erfundene Geschichte, mit der die zeitliche Lücke ausgefüllt wurde, detektiert werden können.

Illig [2,3,13] weist in seinen Büchern und Publikationen in den Zeitensprüngen nachdrücklich darauf hin, dass in jedem Einzelfall sorgfältig zu klären ist, welche historischen Ereignisse in den beiden Randbereichen, die die Phantomzeit eingrenzen, bei der Dionysischen Kalenderreform auf der neu definierten Zeitachse um 297 Jahre in die Vergangenheit transferiert wurden und welche in das für uns seitdem gültige Kalendersystem richtig eingeordnet wurden. Dabei ist die archäologische Fundsituation und analytische Diagnostik als quasi experimenteller Prüfstein, wo es irgend geht einzubeziehen, damit es zur richtigen Ermittlung der Nahtstellen kommt.

Die Feststellung derartiger Verknüpfungen ist ungleich wichtiger als der mitunter „kleinkariert“ geführte Streit, ob für die Phantomzeit 299, 304 oder 297 Jahre anzusetzen sind. Illig hat 297 Jahre begründet [2,3,48] und dabei stets betont, dass sich damit eine Unsicherheit von +/- einigen Jahren verbindet, die von Fall zu Fall auch schwanken kann.

Vermutlich müssen wir damit leben, dass die Geschichtsdaten des ersten Jahrtausends und erst recht die weiter zurückliegenden Ereignisse bezüglich ihrer zeitlichen Einordnung im Einzelfall unsicher sind. Es sollte dies aber kein Hinderungsgrund sein, eine so große Unstimmigkeit wie das sehr wahrscheinliche Vorliegen einer ca. 300-jährigen Leerzeit in unserer Chronologie unangetastet zu lassen.

Es werden in dieser Abhandlung die Geschichtszahlen des frühen Mittelalters, und zwar die vor 614, im für die Fragestellung besonders relevanten mitteleuropäischen Kulturkreis durch Hinzunahme von 297 a korrigiert und auf diese Weise die reale zeitliche Distanz in der für uns ab ca. 1000 verbindlichen Chronologie zu den Ereignissen der römischen und Teilen der griechischen Geschichte hergestellt. Die durch die Phantomzeit vor 614 veralteten Geschichtszahlen werden folglich durch Addition von 297 in Geschichtszahlen ohne Phantomzeit „o.Phz.“ umgewandelt, d. h. an unser Kalendersystem herangeführt. Nach 614 = 911 entfällt diese Maßnahme, da diese Daten nicht veraltet wurden.

Die Inkarnations-Kalenderrechnung „n.Chr.“ ist für die so entstandenen neuen Geschichtszahlen hinfällig, da das für Christi Geburt traditionell festgelegte Datum (1.Januar im Jahr 1) gleichfalls um 297 a an unsere Zeitrechnung heranrückt, und das gilt ebenso für die Geschichtszahlen nach 911. Will man den zeitlichen Abstand eines Geschichtsdatums durch Jahre „n.Chr.“ ausdrücken, sind von den Daten unseres Kalendersystems stets 297 Jahre zu subtrahieren. Nur mit der Phantomzeit wird das geltende Geburtsdatum Christi, der 1.1. des Jahres 1, und damit der Ursprung des offiziellen Kalenders erreicht: Unsere Geschichtszahlen sind also in Wahrheit nicht mehr Jahre nach Christi Geburt, so dass „n.Chr.“ entfällt. Wir befanden und befinden uns auf einer relativen Zeitskala, die aber nur mit der Korrektur die realen zeitlichen Abstände zu den Ereignissen vor 911 richtig wiedergibt.

4.1. Römische Geschichte

Wurde die vor der dionysischen Kalenderreform liegende römische Geschichte im Zusammenhang mit der Einführung der Jahreszählung „nach Christi Geburt“ um die Phantomzeit (297 Jahre) in Richtung Vergangenheit verlagert, folgt unter Berücksichtigung der Phantomzeit („o.Phz.“) notwendigerweise die Addition dieses Zeitintervalls zu den uns für diese Zeit geläufigen Geschichtszahlen, wenn der reale Verlauf der römischen Antike und des frühen Mittelalters auf der für uns gültigen Zeitskala richtig erfasst werden soll, also beispielsweise

  • Kaiser Augustus –30 bis +14 n.Chr. = +267 bis +311 „o.Phz.“, und es gilt der 1. Januar des 30. Regierungsjahres, wie unter Papst Damasius und Dyonisius Philocalus festgelegt, als das Jahr von „Christi Geburt“ = 1.1.298 o.Phz. (tatsächlich ggf. – 7 v.Chr. bzw. 292 o.Phz“ – in beiden Fällen Große Konjunktion, Stern von Bethlehem)
  • Diokletian (Dominat-Tetrarchie) 284-305 n.Chr.= 581- 602 o.Phz., Begründung der Zeitrechnung nach Diokletian 29.8.284 bzw. 29.8.581 = 1 nach Diokletian.
  • Konstantin der Große 312–337 n.Chr.= 609- 634 o.Phz.: Toleranzedikt Mailand – Einführung des Christentums als Staatsreligion 313 n.Chr. = 610 o.Phz., Konzil von Nicäa 325 n.Chr. = 622 o.Phz.
  • 622 Hedschra: Es ging nach Jan Beaufort [15,16] um die Integration der auf dem Konzil verurteilten Arianer = Shi’iten (Shi’al Ali = Partei des Arius) in die islamische Gemeinschaft als getreue Anhänger Mohammeds, der „Eingott-Religion“ in klarer Abgrenzung zum aufkommenden Trinitätsdogma (Athanasius), das bei den Arianern als Vielgötterei galt.
  • Die Daten der Kirchenväter einschließlich Gnostiker, Donatisten, Arianern, Monophysiten wären um 297 Jahre an uns heranzurücken,
  • Theodosius d. Gr. 379-395 n.Chr. = 676-692 o.Phz, Reichsteilung 395 n.Chr. = 692 o.Phz.
  • Odoaker, Ende des Weströmischen Reiches 476 n.Chr. = 773 o.Phz.,
  • Justinian 527-565 n.Chr. = 824-862 o.Phz., Blüte des Ostreiches (Byzanz)
  • Konstantin VII Porphyrogennetos 608 bis 662 n.Chr. = 905–959 o.Phz., Verlust des Kreuzes Christi infolge Einnahme Jerusalems durch die Sassaniden. 614 n.Chr. = 911 o.Phz.
  • Das Neupersische Reich der Sassaniden 224 bis 651 n.Chr. wäre demnach o.Phz. mit 521 bis 948 zu datieren:
    • Chosrau I., Anuschirvan 531- 579 n.Chr. = 828–876 o.Phz. war der große Gegenspieler von Justinian I. [61]
    • Chosraus Sohn Hormizd IV. (579 – 590 n.Chr. = 886 – 887 n.Chr. o.Phz. führte den 572 (869) erneut ausgebrochenen Krieg gegen Ostrom weiter, wurde aber gestürzt und durch seinen Sohn Chosrau II. Parwez ersetzt: 590–628 n.Chr. = 887–625 o.Phz.
    • Der letzte große Krieg der Antike zwischen Ostrom und den Sassaniden tobte von 602 – 629 n.Chr. = 899–926 o.Phz., brachte dem byzantinischen Reich große Verluste: 614 n.Chr. = 911o.Phz. Eroberung Jerusalems und Raub des Kreuzes Christi, der wichtigsten Reliquie der Christenheit, 619 n.Chr. = 916 o.Phz. Eroberung Ägyptens, Verlust der seit der Vernichtung der Vandalen wieder erlangten Kornkammer des Reiches.

Damit wäre der Anschluß an die Lebensdaten von Konstantin VII. gegeben, in dessen Regierungszeit 944 -959 o.Phz. die Vernichtung des Sassanidenreichs 651n.Chr. = 948 o.Phz. durch die muslimischen Araber fiel [62] und der 943 selbst einen Sieg über die Araber hatte erringen können.

Analog ist dann auch das Netz historischer Daten der Völkerwanderung um 297 Jahre näher an unsere Zeit heranzuführen, also beispielsweise

  • die Hunnen vernichten das Ostgotenreich Ermanerichs 375/376 n.Chr. = 672/ 73 o.Phz.,
  • Zerstörung Aquileias 452 n.Chr. = 749 o.Phz.,
  • 1. Plünderung Roms 410 n.Chr. = 707 o.Phz. durch Westgoten – Alarich, den Stilicho beim 3. Anlauf nicht abwehren kann, (Rheinarmee abgezogen): Eigentlich Wisigothe bzw. Gute Goten von gothisch ueso = gut
  • Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 n.Chr. = 748 o.Phz.
  • 2. Plünderung Roms 455 n.Chr. = 752 o.Phz. durch Vandalen unter Geyserich (vorher war Valentinian III und danach Aetius ermordet worden),
  • 3. Plünderung Roms durch Odoaker 476 n.Chr. = 773 o.Phz.
  • Theoderich der Große 493–526 n.Chr. = 790-823 o.Phz, Ostgotenreich in Italien (Ravenna), 493 – 552 n.Chr. = 790 – 849 o.Phz.: Eigentlich Ostrogoten bzw. Glänzende Goten von gothisch austro = strahlend
  • 4. Plünderung Roms 552 n.Chr.= 849 o.Phz.: Vernichtung des Reiches der Ostgoten in Italien durch Belisar im Auftrag Justinians
  • Langobarden (Alboin, Hauptstadt Pavia) dringen 568 n.Chr. = 865 o.Phz in Oberitalien ein, Zusammenbruch der oströmischen Herrschaft in Italien

4.2. Merowinger – Franken – deutsches frühes Mittelalter ohne Karolinger

Bekanntlich gelang dem Germanenstamm der Franken unter Chlodwig (um 465–511 n.Chr. = 762–809 o.Phz.) im 5. Jh./8. Jh. die Gründung des Frankenreichs in Gallien, indem sie

  • den letzten römischen Statthalter Syagrius in seiner Residenz Soissons (90 km nördlich von Paris) 487 n.Chr. = 784 o.Phz. ausschalteten,
  • sowohl die nach dem Abzug der römischen Legionen eindringenden Normannen (Saxones, Friesen) im Bereich der Normandie als die keltischen Bretonen (Exilanten aus England, die der Landnahme durch Angeln, Sachsen und Jüten ab 420 n.Chr, = 717 o.Phz in Britannien ausgewichen waren) mittels Zusicherung der Autonomie bei Anerkennung fränkischer Oberhoheit an sich banden,
  • expansiv Landnahme im Innern Galliens betrieben – so wurde das Gebiet am Niederrhein und das Moselgebiet in ihr Herrschaftsgebiet einbezogen.

Gallien war zuvor ca. 500 Jahre römische Provinz, römischer Lebensstil und Strukturen der Zivilverwaltung daher eingeführt, einschließlich der diesen oftmals zugeordneten religiösen Kulte. Letztere nahmen seit Theodosius I. (379-395 n.Chr. = 676-692 o.Phz.), der die neue Staatsreligion mit dem katholischen Bekenntnis auf der Grundlage der Schriften des Athanasius durchsetzte (II. ökumenisches Konzil von Konstantinopel 381 n.Chr. = 678 o.Phz., Vollendung des Trinitätsdogmas), christliche Bischöfe wahr. So war es für den Herrschaftsanspruch Chlodwigs und die Festigung seiner Macht vorteilhaft, den katholisch geprägten „Verwaltungsapparat“ der romanisierten gallischen Bevölkerung an der Basis zu übernehmen. Der Übertritt zum katholischen Glauben erschien zweckmäßig: Taufe Chlodwigs 496 n.Chr. = 793 o.Phz. Das von Theoderich (arianische Ostgoten in Italien) geknüpfte politische Gleichgewicht geriet dadurch ins Wanken. Im Bündnis mit Rom begründete Chlodwig damit den Aufstieg des Frankenreichs zu einem neuen Machtfaktor.

  • Der Arianismus, begründet durch Arius, einen aus Libyen stammenden alexandrinischen Presbyter (260-336 n.Chr. = 557-633 o.Phz.) besagt, Jesus sei dem Gottvater wesensähnlich „homoiusios“, aber nicht wesensgleich, „homousios“, d. h. er sei kein Geschöpf Gottes sondern Menschensohn – man beachte die streng monotheistische Grundposition dieser Glaubensrichtung und im Ansatz die Verwandschaft zum Islam. Und trotz Verurteilung auf dem Konzil zu Nicäa 325 n.Chr.= 621 o.Phz – Athanasius, der Gegenspieler, konnte sein Dreifaltigkeitskonzept einbringen, aber wohl noch nicht durchsetzen – kam es 20 Jahre später um 341 n.Chr. = 638 o.Phz. zu dem bekannten Aufbruch des westgotischen arianischen Missionsbischofs Wulfila mit Bibelübersetzung ins Gotische, die zur Christianisierung der Mehrheit der im römischen Reichsgebiet angesiedelten Westgoten führte. Deren Aufbruch zu Beginn des 5./8. Jh. nach Westen vermittelte den Vandalen, Burgundern, Sueben, Gepiden, Herulern, Ostgoten und Langobarden den Arianismus.
  • Im Ostgotenreich (493–552 n.Chr. = 790–849 o.Phz.) unter Theoderich d. Gr. (493–526 n.Chr.= 790–823 o.Phz.) mit Herrschaftssitz Ravenna war der Arianismus Staatsreligion. Nach dem Machtverfall ab 526 n.Chr.= 823 o.Phz. drangen die katholischen Franken sukzessive nach Süden vor – Bayern wurde bereits 536/537n.Chr. = 833/834 o.Phz. katholisch -, und vermutlich auch ausgehend von Noricum und Raetien (beide Gebiete gehörten zu Byzanz) fasste das katholische Bekenntnis ab 540 n.Chr. = 837 o.Phz. auch bei den Ostgoten Fuß. Es folgte 552 n.Chr = 849 o.Phz (4. Plünderung Roms) die Vernichtung des Ostgotenreichs in Italien durch Belisar im Auftrag Justinians (527–565 n.Chr. = 824 – 862 o.Phz.): Italien wurde oströmische Provinz, Statthalter Narses.

Konstantin VII. datiert in „De administrando imperii“, einer seiner bedeutendsten Schriften, die Landnahme der Ungarn in Pannonien ins Jahr 895, also in das ausgehende 9. Jahrhundert und in das gleiche Gebiet, das nach fränkischen Chronisten 598 von den Awaren – mitunter auch als Hunnen bezeichnet – okkupiert wurde. Manfred Zeller [63] begründet, dass nach schriftlichen Quellen wie den fränkischen Reichsannalen und nach archäologischen Funden die Identität von Awaren und Magyaren kaum bezweifelt werden kann. Zum gleichen Ergebnis kommt Klaus Weissgerber [65] bei seiner Erforschung der Geschichte des Karpatenbeckens. Auch ist über den Verbleib der Awaren in der Geschichte so gut wie nichts bekannt. Die Phantomzeit von 297 Jahren kann das erklären.

Der Ansturm der Awaren = Magyaren 567 n.Chr. = 864 o.Phz. drückte die arianischen Langobarden aus der Donauebene nach Italien: Langobardenreich ab 568 n.Chr. = 865 o.Phz. unter Alboin (Pavia) mit verbleibenden byzantinischen Exarchaten im Süden und Sizilien. Der Übertritt zum katholischen Glauben erfolgte durch „Missionierung“, – sie waren doch schon Christen, allerdings Arianer – unter Papst Gregor I., dem Großen. sukzessive bis ca. 616 n.Chr. = 913 o.Phz.

Das Frankenreich der Merowinger, nach dem Tod Chlodwigs unter 4 Söhne aufgeteilt, verfolgte die eingeschlagene Expansionspolitik weiter:

531 n.Chr.= 828 o.Phz. Unterwerfung Thüringens (damals bereits im Bündnis mit Sachsen) [64], 534 n.Chr. = 831 o.Phz. Einverleibung Burgunds, 536 n.Chr. = 833 o.Phz. Übernahme der Provence von den Ostgoten und im selben Jahr Unterwerfung bayerischer und alemanischer Gebiete.

Es kommt noch einmal zur Einigung des Reiches unter einem der Söhne: Clothar I. 558 n.Chr. = 855 o.Phz., danach 561 n.Chr. = 858 o.Phz. Dreiteilung und alsbald politische Wirren, mit denen das Erstarken von Adelsfamilien einhergeht:

  • Austrien mit Reims (Childebert II, unter Vormundschaft seiner Mutter Brunichild),
  • Neustrien mit Soissons (Clothar II unter der Vormundschaft seiner Mutter Fredegunde und Protektion seines Oheims Guntram,
  • Burgund mit Orleans unter Guntram (Aquitanien und die Provence unter Childebert und Guntram aufgeteilt),
  • Die einzige vorphantomzeitliche Geschichtsquelle der Merowingerzeit des Gregor von Tours endet 593/594 n.Chr. = 890/891 o.Phz., letzte politische Eintragung betrifft die Taufe des Knaben Clothar 591. Dieser sei 584 im Alter von 4 Monaten als König im Erbreich seines Großvaters, dem Regnum Clotharii, eingesetzt worden.
  • 570 – 584 bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen den ehrgeizig regierenden Müttern.

Birken [66] macht darauf aufmerksam, dass die Situation vor 911 auf dem Gebiet des ehemaligen Merowingerreiches der vor 607 sehr ähnlich ist. Es bestehen drei Teilreiche:

  • Westfranken, ab November 911 unter Einschluss des Regnum Clotharii, mit schwacher Zentralgewalt,
  • Ostfranken mit Bayern, Kärnten, Thüringen – und Sachsen an der unteren Elbe nach Westen ausgreifend sind dazugekommen, im gesamten Gebiet schwache Zentralgewalt ( Ludwig das Kind 900-911),
  • Burgund

Offenbar ist nach 584 n.Chr. = 881 o.Phz. – spätestens nach dem Tod Guntrams – die Merowinger-Herrschaft völlig zusammengebrochen – die aufmüpfigen Großen waren nicht mehr bereit, die minderjährigen Knaben weiterhin als Könige zu akzeptieren. Es folgte im November 614 n.Chr. = 911 o.Phz. Konrad I. aus einer einflussreichen main-fränkischen Kaufmannsfamilie als König der Ostfranken:

Die Herzöge von Sachsen, Schwaben und Bayern wehrten sich gegen die Wiederherstellung einer starken Königsmacht. Die Sachsen lenkten 915 ein, Konrad starb 918 auf einem Feldzug gegen Arnulf von Bayern.

Danach geht die Königsherrschaft im Ostfrankenreich auf den Sachsenherzog Heinrich I. (919 –936) über, und es folgen die Ottonen als deutsche Könige und römische Kaiser

Otto I. (936 – 973) Otto II. (973 – 983) Otto III. (983 – 1002)

Die Abwehrkämpfe Heinrichs I. gegen die Magyaren sind historisch verbrieft (Sieg bei Riade 933), und Otto I. gelang schließlich auf dem Lechfeld 955 der entscheidende, in Europa viel beachtete Schlag zur Ausschaltung der jährlich einfallenden plündernden Reiterscharen. Zwischen diesem Ereignis und der Befriedung durch Sesshaftwerden und Integration in die Feudalstrukturen des Mittelalters liegen nur wenige Jahrzehnte, markiert durch Christianisierung und Gründung des Erzbistums Gran durch Otto III. und die Verleihung der Stephanskrone am 1.1.1001 an Stephan I. (997 – 1038) durch Papst Sylvester II., was Otto III. vor seinem frühen Tod noch in die Wege geleitet hatte.

Das Langobardenreich, dessen Gründung nach tradierten Geschichtsbüchern 568 n.Chr. erfolgte, mit Berücksichtigung der Phantomzeit aber auf 865 o.Phz. anzusetzen ist, endete offenbar 961 o.Phz mit der Vereinnahmung durch Otto I. bereits nach knapp einhundert und nicht erst nach vierhundert Jahren.

Auf seinem 2. Zug nach Italien (Hilferuf von Papst Johannes XII. wegen der Lombarden) ließ Otto I. sich 961 in Pavia huldigten und setzte sich die eiserne Königskrone der Langobarden aufs Haupt, ein Vorgang, dessen Scenario sich nach der Legende vom Großen Karl 300 Jahre zuvor bereits einmal abgespielt haben soll – offenbar eine Rückprojekion der Ereignisse um Otto I. in jene Leerzeit, die es mit Geschichte zu füllen galt: Otto I. ggf. Urbild für den erfundenen Karl!

Illig arbeitete den Zusammenhang heraus [67]. Die letzte Bastion der Langobarden auf der Insel San Giulio im Lago d’Orta fiel nach der Kaiserkrönung 962 im Kampf gegen Berengar II, und während der Belagerung wurde 962 Wilhelm von Volpiano geboren, einer der Hauptvertreter der cluniazensischen Reform, die um 1000 einsetzte und mit der ersten Benediktinerbewegung in Europa den geistigen Aufbruch der mittelalterlichen Christenheit im Verein mit Kaiser und Papst kennzeichnet.

Berengar hielt nach der Niederwerfung König Lothars von Italien Adelheid – Kind des Königs von Hochburgund und einer schwäbischen Herzogstochter, inzwischen verwitwet – gefangen. Otto I. ehelichte die langobardische Würdenträgerin – zur Aussöhnung fungierten der Überlieferung nach beide als Taufpaten für Wilhelm von Volpiamo – seine Mutter war mit Berengar und Adelheid verwandt.

Adelheid avancierte zur Grande Dame der Ottonischen Renaissance, Erzieherin von Otto II. – seine Vermählung mit Theophanu, einer Verwandten des byzantinischen Kaiserhauses, diente vor allem auch dem Abbau von Vorbehalten, die in Byzanz gegen das mit Otto I. neu erstandene Kaisertum im Westen bestanden Durch die Verbindung kam aber vor allem jener hohe Bildungsstandard, wie ihn Konstantin VII. repräsentiert hatte, an den Kaiserhof der Ottonen, und zweifellos wurde die Erziehung Otto III, Sohn von Otto II. und Theophanu, dadurch maßgebend beeinflusst.

Nach dem Tod Otto I. (973), des Sohnes Otto II. (983) und Theophanu (991) übernahm Adelheid für den minderjährigen Enkel Otto III. (geb 980) von 991–994 die Regentschaft, war regierende Kaiserin. Gerbert von Aurillac (Papst Sylveseter II.) pries sie, Otto III. verbannte sie nach Schwertleite . Sie starb im Kloster Selz 999.

4.3. Saxones gleich Normannen gleich Wikinger und die Anfänge der englischen Geschichte

– Reduktion der Zeit ständiger Angriffe der Normannen um ca. 300 Jahre

Bekanntlich hatten bereits die Römer Abwehrkämpfe zu bestehen gegen seefahrende Völker, die von Nordosten kommend an der Küste Galliens entlang auf Handels- und Beutezüge gingen. Unter den „Nordmännern“ waren die Saxones berüchtigt. Sie siedelten anfangs im Bereich des westlichen Schleswig-Holstein, östlich davon angrenzend die Angeln. Beide Völker drangen im frühen 3. Jh n.Chr. = 6. Jh. o.Phz. nach Südwesten vor, breiteten sich beiderseits der Elbe und bis in das Gebiet der Rheinmündung aus [68].

  • Constantius kämpfte gegen Nordmänner 288 n.Chr. = 585 n.Chr. mit phz., 294 n.Chr. = 591 n.Chr mit phz. und 313 n.Chr. = 610 o.Phz. [69], Julian Apostata 358 n.Chr. = 655 o.Phz. und Valentinian 370 n.Chr. = 667 o.Phz. [70],
  • Die ständig bedrohte nordwestliche Küste im Bereich der heutigen Normandie bezeichneten die Römer als „Sachsengestade“, unterhielten hier eine gestaffelte Verteidigungslinie, die um die Mitte des 5. Jh. n.Chr. = 8 Jh. o.Phz. nach dem Abzug der Rheinarmee und der Legionen aus Britannien – diese benötigte Stilicho zur anfangs erfolgreichen Abwehr der Ostgoten (Alarich) – zusammenbrach.

Folgerichtig lohnte sich ab 408/10 n.Chr. = 705/07 o.Phz. ohne große Gegenwehr eine Invasion nach Britannien, das bis 442 n.Chr. = 739 o.Phz. in wesentlichen Teilen unter die Herrschaft der Sachsen gelangte [71], und ebenso kam es zur Landnahme an der nordgallischen Küste, stationären Lagern, von denen aus weitere Angriffe bis weit nach Süden vorgetragen wurden.

  • Landnahme durch Sachsen 450 n.Chr. = 747 o.Phz. an der Loire, 455 n.Chr. = 752 o.Phz. Bedrohung der Bretagne, 469 n.Chr. = 766 o.Phz. Belagerung von Angers, 490 n.Chr. = 787 o.Phz. von Nantes, drangen 475 n.Chr. = 672 o.Phz bis zur Garonne vor – mehr als 50 Jahre dauerten die Abwehrkämpfe der Franken, die teilweise als föderierte Generäle der Römer agierten, ohne dass sie der Lage Herr wurden.
  • Ab 440 n.Chr. = 737 o.Phz kamen keltische Bretonen aus England als Siedler in die Bretagne, ein durch die Sachseninvasion in England initiierter Flüchtlingsstrom.

Im Einklang mit der neueren französischen Geschichtsforschung gelang es nach Armin Wirsching [72] Chlodwig, die normannischen Zuwanderer in der Bretagne und Normandie, Sachsen und Friesen, um 490 n.Chr. = 787 o.Phz. zu befrieden, idem er mit ihnen nach römischem Vorbild Bündnisverträge abschloss, die bei Anerkennung der fränkischen Oberhoheit Autonomie gewährten. Es wurde Land zugewiesen, damit war die Übernahme des christlichen Glaubens wohl in der Regel verbunden, und die Romanisierung der „wilden Nordmänner“ konnte starten. Dass die weitere Aufsiedelung durch Normannen bzw. Wikinger, ggf. auch aus Dänemark und Skandinavien, danach erst richtig in Gang kam, liegt auf der Hand.

Bereits ab 490 n.Chr. = 787 o.Phz. und nicht 125 Jahre später 911 nach einem Vertragsabschluß mit einem erfundenen Wikinger Rollo, der – wie es in den Geschichtsbüchern verankert ist, die sich auf 100 Jahre später entstandene fränkische Annalen stützen [73] – die Normandie angeblich 911 von „Karolus Simplex“ zugewiesen erhielt und dadurch befriedet wurde.

Für die angebliche Zerstörung Kölns durch die Normannen 881 gibt es archäologisch keine Anhaltspunkte [74] und ebenso hat die Zerstörung von Worms durch Normannen 891 nie stattgefunden [75]. Dasselbe gilt für Duisburg, Xanten, Koblenz und Aachen [76] Auch ist der Abwehrkampf gegen Normannen in dieser Zeit sowie Alfred der Große selbst (angeblich 871–899) wie der Große Karl eine mittelalterliche Erfindung [3]. Dagegen sind die Wikingereinfälle 994 in Niedersachsen, also nach der Landnahme in der Normandie 787 wohl verbrieft [77]. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die Herrschaft der dänischen Normannen über England unter Knut dem Großen (1014-1042).

Die sog. „Normannenplage“ dauerte also nach realen historischen Aufzeichnungen von 288 n.Chr. = 585 o.Phz. (Constantius) bis um 1000 o.Phz., immerhin ca. 400 Jahre, nicht aber 700 Jahre.

Die endgültige Befriedung der Normannen ist also um das Jahr 1000 o.Phz. eingetreten, als auch die Ungarn sesshaft wurden, und sie liegt damit in jener Zeitspanne des großen Aufbruchs der abendländischen Christenheit, der durch die cluniazensische Reform, verbunden mit der Errichtung vieler Kirchen, Klöster und Bistümer. und der Einführung einer neuen Zeitrechnung „nach Christi“ verbunden war.

1066, nur 280 Jahre nach Zuerkennung der Normandie durch Chlodwig, brachen die nunmehr romanisierten Normannen unter Wilhelm dem Eroberer, erneut nach Britannien auf, um ihren „Kulturschub“ einzubringen, wie er sich zum Beispiel in der englischen Sprache nur allzu deutlich widerspiegelt.

Etwa um die gleiche Zeit ab 1017 traten Normannen als politische Kraft in Unteritalien auf:

  • Angeblich zogen Ritter aus der Normandie, die als Pilger aus Jerusalem heimkehrend dem von Sarazenen belagerten Salerno halfen weitere Normannen nach, Eroberung Siziliens unter Roger I (1061-1091).
  • 1059 ergab sich daraus das von Papst Nikolaus II. akzeptierte Lehnsangebot (Robert Guiscard 1015 – 1085), Apulien, Kalabrien und das noch sarazenische Sizilien umfassend.

Daraus ging schließlich das unteritalienische sizilianische Reich hervor: Roger II. (1101–1154), und nach der Heiratsverbindung mit den Staufern (Heinrich VI. 1190–1197) sah sich der Papst von seinem mittelalterlichen Kontrahenten im Kampf um die Macht eingekreist, was bekanntlich zur Eskalation der Auseinandersetzung zwischen Papst und Herzögen auf der einen Seite und der mittelalterlichen Zentralmacht des Kaisers auf der anderen führte und im Interregnum 1256 bis 1273 endete.

4.4. Slaweneinwanderung

Es besteht in der Literatur wohl Einmütigkeit in der Auffassung, dass die Slawen den in der Völkerwanderung nach Süden und Westen abziehenden germanischen Stämmen nachrückten. Sie setzten sich aus ihrem angestammten Gebiet, das durch den Oberlauf von Weichsel und Oder bis zum Oberlauf von Dnjestr und Dnjepr mit Kiev, Lemberg und Pripjet umrissen wird [78], angetrieben oder mitgeführt von den aus Osten einfallenden Turkvölkern, den Hunnen und später Awaren, etwa zeitgleich im Zeitraum der Völkerwanderung 375–568 n.Chr oder wenig versetzt in Bewegung: Einfall der Goten auf dem Balkan (Schlacht bei Adrianopel 378, Valens gefallen) bis Gründung des Langobardenreichs in Oberitalien 568. Mit Anschluß an unsere Zeitskala, d.h. mit Berücksichtigung der in den Daten n.Chr. enthaltenen Phz. verschiebt sich die Völkerwanderung auf 672-865 o.Phz.

Die Besiedlung durch zahlreiche verschiedene Stämme erstreckte sich von der Elbe und Ostsee über den Balkan bis nach Griechenland, wobei die Südslawen sich mit der Gründung des Bulgarenreiches als erste zu einer eigenen staatlichen Ordnung erhoben und 917 mit Ostrom hart kollidierten.

Dokumentiert sind Operationen der Slawen im Verein mit den Awaren = Magyaren, einem Turkvolk, dass ursprünglich nomadenhaft nördlich des Schwarzen Meeres lebte und alsbald nach Pannonien eindrang, um die Gepiden und Langobarden zu verdrängen und von dort aus die Grenzen des Reiches zu attackieren (Fall der Stadt Sirmium 879 o.Phz.)

Mit den Awaren schloss Justinian 558 n.Chr. = 855 o.Phz einen Vertrag zur Abwehr anderer Stämme. Aus dieser Zeit ist auch erstmals von Slawen (Sklavenoi) als Angreifern aus dem Raum nördlich der Donau die Rede. 626 n.Chr. = 923 o.Phz. belagerten Awaren mit Slawen und Protobulgaren Konstantinopel.

Die frühesten Nachrichten über Slawen stammen von byzantinischen Schriftstellern aus dem 6. Jh. n.Chr.

Jordanes berichtet um 550 n.Chr.= 847 o.Phz in seiner Gotengeschichte unter anderem über die Siedlungsgebiete der Venethi und Sclaveni, und Prokop, Historiker am Hof Justinians, erwähnt in seiner Geschichte der Gotenkriege, dass die Sklawinen oft mit den Awaren (fälschlich als Hunnen bezeichnet) verbündet agieren [79,80]. Theophylakt berichtet, die Sklawinen seien oft Bundesgenossen der Awaren. Die Zeit vom 620 bis kurz nach 800 n.Chr. erweist sich als weitgehend fundleer [80,81]. Slawische Texte liegen erst aus dem 10. Jh. vor, als echte Dokumente erst aus dem 11. bis 12. Jh.

Man muss aber in Betracht ziehen, dass sich in diesem Zeitraum die kulturelle Identität der Slawen erst herausgebildet hat. Noch im 10. Jahrhundert waren die Ostslawen erst im Entstehen begriffen [82,83].

Uwe Topper [80] vertritt die einleuchtende Auffassung, dass der kulturelle Einigungsprozess mit der Einführung der von den aus Tessaloniki stammenden Brüdern Kyrill (827-869) und Metod (815-886) geschaf-fenen Liturgiesprache und –schrift eng verknüpft war. Das Gotische des Wulfila (608-680 o.Phz.) erschien in der Formstufe des 10. Jh. als Altkirchenslawisch, Grundlage aller heutigen slawischen Sprachen.

924 fand eine Synode in Split statt, auf der ein slawischer Bischof für die neue Liturgiesprache eintrat, und für 929 ist der Märtyrertod eines Wenzelaus in Böhmen belegt, weil er für die Einführung der slawischen Kirchensprache stritt.

Unter dem Aspekt der etwa zeitgleichen Herausbildung des Slawentums und angesichts einer durchaus unscharfen Abgrenzung von den Germanen – bekanntlich waren Germanen für die Römer der Sammelbegriff für alle rechtsrheinischen Völker – lassen sich Slawen auch als Ostgermanen begreifen, die im Unterschied zur römisch-fränkischen Identitätsstiftung eine eigene kulturelle Identitätsfindung unter byzantinischem Einfluß erfahren haben.

Uwe Topper [80] schreibt dazu:

„Die in der Völkerwanderungszeit als Germanen bezeichneten multikulturellen Stammesverbände (Ethnien) der Goten, Rugier (= Rus), Wenden usw. gehen in Osteuropa durch die Christianisierung ab dem 10. Jh. in Slawen über.“

Für die Nordwestslawen wird von Manfred Zeller [84] hervorgehoben, dass nach Dendrodaten slawische Wallburgen vor 900 in größerer Zahl nicht nachweisbar sind, anfangs nur mit Holzabstützung, in der zweiten Hälfte des 10. Jh. unter sächsisch-fränkischem Einfluss auch mit Steintrockenmauern. Frühe slawische Keramikfunde vom Prager oder Sukow-Szeligi-Typ in der Lausitz sind vom 6./7. Jh. ins 8./9. Jh. zu platzieren, in Mecklenburg ins 9. und beginnende 10. Jh.

Mit dem Artikel von Alexander Glahn [85] ergibt sich Übereinstimmung, wenn man die Rekonstruktion der Geschichte der Mecklenburg nach Peter Donat bestehen lässt: Die „Slaweneinwanderung“ nach Norddeutschland fand in Verbindung mit der kulturellen Herausbildung des Slawentums nicht im 5. Jh. n.Chr. sondern unter Berücksichtigung der Phantomzeit auf der für uns geltenden Zeitskala im 9. und 10. Jh. statt.

Bis ins 10. Jh. lag die Ostgrenze des fränkischen Gebietes an Elbe und Saale und damit dort, wo sie bereits bei den Merowingern gelegen hatte. Erst danach stießen die Ottonen erfolgreich vor und gründeten ausgehend von Magdeburg unter Otto I. die ersten Marken wie Zeitz, Merseburg, Meißen, wobei das Herrschaftsgebiet (Tributpflicht) bis zur Oder ausgedehnt wurde. Der große Slawenaufstand 982, der für Otto II. mit der Aufgabe ostelbischer Gebiete verbunden war, kann somit als ein Ausdruck einer inzwischen erstarkten slawischen Identität begriffen werden.

Mit der Übernahme des Christentums 988 und der Einführung der kyrillischen Schrift sowie Gründung eines Staatswesens wird die byzantinische Kirche zum Träger der Einigung Russlands: Orthodoxe Christen, kyrillische Schrift und slawische Sprache in Osteuropa stehen von nun ab auf dem Plan der Geschichte. Der Konflikt mit der römischen Kirche – 1054 das Schisma – ist nun auch nicht mehr fern.

4.5. Westgotenreich und Islam

Die Einwanderung der Westgoten mit dem Zentrum in Südgallien im Jahr 415 n.Chr. = 712 o.Phz. (Hauptststadt Toulouse 419) gilt als sicher dokumentiert [86], ebenso die Mitwirkung bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 n.Chr. = 748 o.Phz., in der es im Verein mit römischen Truppen und Burgundern gelang, die Hunnen unter Attila zum Rückzug zu zwingen – der Westgotenkönig Theoderich I. fiel in dieser Schlacht. Seit Eurich 466 – 484 n.Chr. bzw. 763 – 781 o.Phz. waren die Westgoten unabhängig von Rom, und das änderte sich auch zehn Jahre später nicht nach dem Untergang Westroms 476 n.Chr. = 773 o.Phz., obwohl seitens Byzanz mehrfach der Versuch unternommen wurde, die Westgoten „heim ins Reich“ zu holen, zuletzt unter Justinian und, wenn der aus Karthago stammende Herakleios eine historische Person und keine Erfindung des Porphyrogennetos ist, auch in Attacken ab 610 n.Chr = 907 o.Phz., die von ihm initiiert wurden.

Chlodwig setzte in der Schlacht bei Portiers 507 n.Chr. = 804 o.Phz. die endgültige Auswanderung der Westgoten nach Spanien durch, nachdem die Hauptstadt bereits 460 n.Chr. = 857 o.Phz. nach Toledo verlegt worden war. Dieses westgotische Reich umfasste die iberische Halbinsel mit Ausnahme des Nordwestens (Asturien) und eines zeitweilig byzantinischen Südens.

In Spanien und damit auch im Reich der Westgoten wurde fast ein Jahrtausend lang nach einer eigenen Zeitrechnung datiert, der ERA mit dem Bezugsdatum 1. Januar 38 v.Chr. [87] Ein solches Startdatum wurde der Umsetzung in die Inkarnationszählung „n.Chr.“ in Katalonien 1180, in Kastilien 1383 und Portugal 1422 zugrunde gelegt. In Katalonien wurde zur Gotenzeit nach römischen Konsuln datiert, parallel dazu auch nach dem Regierungsjahr des Königs. Zahlreiche Grabsteine und Inschriften belegen die vorislamische Geschichte bis 731 ERA = 693 n.Chr. [86], ein Datum, das auf das Jahr 990 o.Phz und damit zu weit in die Zukunft führt. Ein beträchtlicher Teil der westgotischen Grabsteine und Kircheninschriften mit ERA – Datierung ist aber als gefälscht erkannt worden [88], und auf Grund der Jahrhunderte später erfolgten Umschrift durch die katholisch – christliche Geschichtsschreibung in Jahre „n.Chr.“ ist in zahlreichen Einzelfällen wohl auch das Bezugsdatum der ERA – Rechnung durchaus unsicher.

Die Geschichte des frühmittelalterlichen Spaniens ist mit der des Islam, seines Vordringens auf der iberischen Halbinsel und dem damit verbundenen Untergang des westgotischen Reiches verknüpft, einem Ereignis, das nach herkömmlicher Geschichtsschreibung 711 n.Chr. stattgefunden haben soll: Von den Abbasiden vertriebene Omaijaden (Umayaden) unter Abd ar Rahman seien über Nordafrika bis nach Spanien gelangt, wo sie angeblich 756 n.Chr. das Emirat von Cordoba errichteten , das erst von Abd ar-Rahman III. 929 zum Kalifat erhoben worden sein soll. Archäologische Funde der Mauren sind jedoch in den ersten Jahrhunderten einer angeblichen Islamisierung kaum nachweisbar, treten erst zu Beginn des 10. Jahrhunderts auf [89].

Teile der Moschee zu Cordoba erweisen sich als kaum identifizierbar [3, Seite 106], und einziges Relikt in Toledo ist eine Moschee aus dem Jahr 999 [90]. Dokumentationen über die Eroberung Iberiens in der lateinischen Literatur des west-gotischen Spanien sind kaum vorhanden, stützen sich auf arabische Vorlagen wie die Byzantinisch-arabische Chronik von 741, zitiert nach [91], bzw. auf eine Chronik auf arabischer Seite von Ibn al Hakam aus Ägypten (gest. 871), die in ihrer märchenhaften Ausschmückung als Geschichtsdokument kaum ernst zu nehmen ist [92].

Als unstrittig wird angesehen, dass die gotische Sprache auf der iberischen Halbinsel, wohl weil der prozentuale Anteil der Goten an der Bevölkerung nur einige Prozent betrug, bereits am Ende des 6. Jahrhundert verschwand [93]. Auch liegen archäologische Funde für die Westgoten in Spanien in Gräberfeldern nur bis ins 6. Jahrhundert vor [89,93,94]. Tatsächlich kann überzeugend begründet werden:

Der Untergang des westgotischen Reiches fand nicht 711, sondern bereits 632 n.Chr. bzw. unter Berücksichtigung der Leerzeit 929 o.Phz stattfand, und erst danach sind die Mauren in Spanien historisch präsent.

Die eine Argumentationslinie verfolgt Manfred Zeller [96,62], der aus einer Analyse der Geschichte des Kalifats der Omaijden und deren Einbettung in Ereignisse des byzantinischen und persischen (sassanidischen) historischen Umfelds zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die omaijadische Datierung 711 n.Chr. = 89 n.H. (Hedschra) um 78 Jahre näher an die Antike heranzurücken ist, so dass gilt 711 – 78 + 296 = 929 o.Phz.. bzw. in Übereinstimmung mit Illigs ERA-Rechnung 711 + 38 = 749 ERA + 258 = 1007 –78 = 929 o.Phz. [89] (auf 614 n.Chr. folgt 653 ERA und 911 – 653 = 258).

Nach Heinsohn [90] verschwinden die Westgoten 612/21 im Nachrichtenloch. Davor sind zeitgenössische Texte, Gräber Artefakte und Münzen vorhanden, danach fehlen Texte, Gräber, Bauten, Artefakte fast gänzlich für Westgoten und völlig für Juden, keinerlei Gräber – also auch hier eine Bestätigung der Phantomzeit.

Die für die Geschichte Spaniens daraus zu ziehende Schlussfolgerung verlangt die Streichung oder Gleichsetzung von Namen in der Auflistung westgotischer Könige des 7. Jh. n.Chr mit solchen aus der Zeit davor, führt zur Kürzung der Königsliste von Asturien und Leon, einschließlich von Alfonso III., dem Großen, bis zum ersten König von Leon Ordono II. (914-924), da davor alle quellenlos sind [90], und ebenso schrumpft die Zusammenstellung der Herrscher der Omaijaden in Cordoba, deren erster wohl Abd ar Rahman III. ist, der 932 o.Phz = 632 n.Chr. mit der Einnahme Toledos den Untergang des westgotischen Reiches herbeiführte.

Die Westgoten herrschten in Spanien nur ca. 150 und nicht 250 Jahre – nur vier Worte aus dem Gotischen lassen sich im Spanischen heute noch nachweisen [89].

In einer zweiten durchaus unabhängigen Argumentationslinie greift Klaus Weissgerber [97] die bereits von Manfred Zeller geäußerte Schlussfolgerung auf, wonach die Regierungszeit der Omaijaden um 78 Jahre auf 544 n.Chr zurückzudatieren ist. Auch Mohammed müsse entsprechend früher gelebt haben. Weissgerber zitiert Ali Dashti [98], einen kritischen Islamisten des frühen 20 Jh., der in seiner Mohammed-Biographie darauf verweist, dass nach der Niederlage abessinischer Truppen, die Mekka im „Jahr des Elefanten“ bedroht hatten, Araber ihre Daten von diesem Ereignis ausgehend gezählt haben.

Tatsächlich zog der abessinische König Abraha 543 unter Mitführung eines Elefanten gegen Mekka, um die Kaaba zu zerstören, scheiterte aber 544 n.Chr. wegen einer Seuche im eigenen Heer. Die Koran-Sure 105 „Der Elefant“ nimmt darauf Bezug, und ebenso berichten at Tabari [99] im Mohammed-Buch seiner Weltgeschichte sowie der byzantinische Historiker Prokopios von Caesarea in seinem Werk „De bello Persico“ [100] ausführlich über das Ereignis.

Die frühislamische Zeitrechnung begann demnach nicht mit der Hedschra (konv. 622 n.Chr.) sondern mit Bezug auf unsere Zeitrechnung 544 n.Chr = 841 o.Phz.[96].

Die Geschichtsangaben in den zitierten Werken müssen dann aber gleichfalls veraltet worden sein.

Tatsächlich entstanden die erzählenden Quellen erst im 8. und 9. Jh. [101]. At-Tabari (gest. 923) – er war ca. 20 Jahre jünger als Konstantin VII. – faßte die islamische Geschichte in einem umfangreichen Werk zusammen [99,101], das Konstantin VII. bei seiner Umschrift der abendländischen Geschichtsliteratur zusammen mit anderen arabischen Quellen vorlag und die er mit verarbeitete und wohl zu einem Teil auch seinen Interessen entsprechend „zurechtbog“ [89].

So wissen die islamischen Quellen zum Beispiel nichts von der Rückeroberung Jerusalems durch Herakleios, und an Stelle von diesem wird im „letzten großen Krieg der Antike“ [102] stets Phokas genannt, was darauf schließen lässt, dass die Eroberung Jerusalems durch die Perser bereits früher stattfand: Wir kennen die Geschichte nur durch die „Brille“ des Konstantin VII. Porphyrogennetos.

Offenbar haben enthusiastische Gläubige das Jahr des Elefanten mit dem Geburtsjahr Mohammeds verknüpft.

Das kann aber kaum richtig sein, wenn man das Sterbedatum von Mohammed 632 als gültig ansieht, heißt es doch, dass er im besten Mannesalter starb. Dann kann er aber nicht 544 geboren worden sein. Auch gelangt man ausgehend von dieser Datierung mit der Phantomzeit zu weit in die Zukunft.

Ist aber die Religionsstiftung des Islam mit der Hedschra 622 im Zusammenhang mit dem Konzil von Nicäa 325 n.Chr. = 622 o.Phz.. und der Verurteilung der Arianer erfolgt (Integration der Shi’at`Ali = Partei des Arius in die islamische Gemeinschaft [15,16,], dann sind die drei Jahrhunderte der Phantomzeit in den diesbezüglichen herkömmlichen Daten bereits enthalten. Nach Klaus Weissgerber [97] wurde die Datierung nach Hedschra = 622 n.Chr. von Theophanes Confessor [103,104] im 11.Jh. erfunden und danach von der islamischen Welt übernommen. In diesem Fall bedeutet die Angabe 622 n.Chr in Wirklichkeit 622 o.Phz.

Die frühislamische Zeitrechnung wäre danach von der Zeitrechnung nach Hedschra als abgekoppelt zu betrachten.

Tatsächlich wurde der Text des Korans in der vorliegenden Fassung erst im 10. Jahrhundert fixiert [101,105], und nur in dieser Form ist er uns heute bekannt.

In seinem Kern dürfte der Korantext schon in einem sehr viel früheren Zeitraum entstanden sein [106]. Nach Lüling [107] und Luxenberg [108] erweist sich der Koran in seinen ältesten Teilen als ein aus judenchristlich-arabischer schriftlicher Tradition vorgegebener Text, der vom Propheten neu interpretiert und kommentiert und erst im 9. und 10. Jh. dogmatisch festgelegt wurde.

Mohammed hat das Glaubensgut der Ebioniten, jener streng monotheistischen christlichen Sekte, die aus dem Judenchristentum (in der Abgrenzung zum Heidenchristentum, Paulus) hervorging, übernommen [105], d.h. der Islam war in seinen Anfängen eine jüdisch-christliche Sekte, deren Anliegen es in erster Linie war, die Bibel ins Arabische zu übersetzen, um den Monotheismus unter den Arabern zu verbreiten. [109,110]. Nach Illig [105] hatte die Islamisierung der arabischen Stämme im 4.Jh. n.Chr. (7.Jh. o.Phz.) zunächst nur lokalen Charakter.

Interessant erscheint der Gedanke: Wenn der Islam vor der Dogmatisierung seiner Lehre eine jüdisch-christliche Sekte war, dann war auch erst nach seiner dezidierten Trennung vom Christentum um die Jahrtausendwende ein Anlaß für die katholischen Kreuzzüge gegeben [109].

Es ergibt sich daraus der Schluß, dass der Islam stark vom streng monotheistischen Arianismus beeinflusst war oder sogar aus ihm hervorging [101]. Bekanntlich stand man in Nordafrika der Vereinnahmung der christlichen Lehre durch die römische Staatsmacht ab 323 n.Chr. = 620 o.Phz. stets ablehnend gegenüber: Häresie der Donatisten. Auch hinterließen die Vandalen als Arianer aus der Zeit ihrer Herrschaft in Nordafrika 429–534 n.Chr. = 718-831 o.Phz. in der Basisbevölkerung zweifellos arianisches Glaubensgut, das der Ausbreitung des Islam nach 622 förderlich war. Für die im 5. Jh. n.Chr. = 8.Jh. o.Phz. im Abwehrkampf gegen die katholischen Franken stehenden Westgoten waren muslimische Prediger, die von Afrika herüberkamen, in einem solchen Kontext willkommene Gäste. Die Invasion im 10. Jh. durch Abd ar-Rahman III. mit der Gründung des Kalifats von Cordoba 929 und der Auslöschung des westgotischen Reiches 932 mit der Einnahme von Toledo und der raschen Ausbreitung des Islam über die iberische Halbinsel mit Ausnahme des christlich bleibenden Nordwestens hätte dadurch eine langfristige Vorbereitung erfahren. Bereits ab 1087 setzte dann die Reconquista ein, die bekanntlich bis 1492 andauerte.

Uwe Topper [92] entwirft, gestützt auf das Lebenswerk des spanischen Historikers Ignaz Olagüe [111], ein gegenüber der offiziellen Darstellung alternatives Bild von der frühen Geschichte Spaniens:

“Die angebliche arabische Invasion Spaniens 711 n.Chr., tatsächlich also mit ERA und o.Phz. 929, wurde durch christliche Historiker in die Welt gesetzt, indem sie einige obskure arabische Legenden dazu ausbauten und als Fakten vorbrachten, um einer katholischen Rückeroberung den Boden zu bereiten.“

Tatsächlich gab es in der Endphase des westgotischen Reiches nach dem Tod von König Witiza [702-710 n.Chr. bzw 928 mit ERA und o.Phz.) bürgerkriegsähnliche Zustände und 711 auch eine Schlacht in Südandalusien zwischen Cadiz und Algericas. Daraus wurde die arabische Invasion gezimmert, deren geistiges Fundament die Abwehrschriften der Kirche gegen das Ketzertum des Arianismus waren.

Der innere Zwist am Ende des Westgotenreichs habe es einigen Berberstämmen, die von den Goten in Andalusien und Nordafrika als Hilfsheere benutzt wurden, ermöglicht, einen großen Teil der iberischen Halbinsel unter ihre Herrschaft zu bringen, und erst im Laufe der Zeit danach kam eine sunnitische Islamisierung Andalusiens ausgehend von Cordoba zustande.

5. Zu den nicht stattgefundenen Ereignissen der Geschichte des frühen Mittelalters, die zu streichen sind.

Die Geschichtswissenschaft des frühen Mittelalters steht heute vor der Aufgabe, jene Geschichten, die in das Reich der Fama und Märchenbücher gehören, klar abzugrenzen von den Ereignissen und historischen Abläufen, die tatsächlich stattfanden. Standardwerke jener Zeit sind neu zu schreiben und von all den Unwahrheiten und Lügen zu entrümpeln, an die wir uns gewöhnt haben. Der jungen Generation in Schulen und an Universitäten ist Geschichte zu vermitteln und mitzuteilen, wann der Boden der Tatsachen verlassen wird, Unsicherheit besteht oder gar Märchenstunde angesagt ist.

Die römische Antike und mit ihr die enormen Leistungen einer Kolonisierung weiter Teile Westeuropas sowie des Nahen Ostens liegen um drei Jahrhunderte näher an unserer Zeit. Es rücken damit zugleich auch die Ereignisse um die Stammesverbände der Völkerwanderung und die aus deren Wechselwirkung mit dem Römischen Reich erwachsenen gesellschaftlichen Strukturen, die in Staatsgründungen des Mittelalters einmündeten, um drei Jahrhunderte näher an uns heran. Die Religionsstiftungen des Christentums und des Islam sind in den Anfängen aufs engste miteinander verwoben. Sie reflektieren in der Abgrenzung des von den Römern hart gestraften Judentums das Ringen um die Durchsetzung eines konsequenten Monotheismus in der Auseinandersetzung mit katholischer Vielgötterei (Trinitätsdogma. Muttergotteskult etc.) und haben sich etwa zeitgleich bzw. zueinander zeitlich wenig versetzt herausgebildet.

Das Frankenreich der Merowinger ab 797 o.Phz. endet zu Beginn des 10. Jh. Konrad I. nimmt 911 in Ostfranken das Heft in die Hand und überträgt 919 die Königswürde an den verbündeten Sachsenherzog Heinrich I., woraus ab 962 das neue Kaisertum der Ottonen hervorgeht, die mit dem Anspruch der Erneuerung und Nachfolge des Römischen Reichs das „Heilige Römische Reich“ repräsentieren, das Deutschland, Italien und Burgund umfasst. In Westfranken erstarkt das Königtum ab 987 unter den Kapetingern.

Da ist kein Platz für die zahlreichen Karolinger unserer Geschichtsbücher. Sie sind überwiegend zu streichen, haben sie doch außer gefälschten Urkunden nichts Greifbares hinterlassen – dafür einen Mythos, der allenfalls für Preisverleihungen tauglich ist, wohl aber auch massenhaft von Klöstern, Städten, Personen, vor allem Adligen, zwecks Aufpolierens der Herkunft bzw. Aufbesserung des eigenen Stammbaums missbraucht wird.

Das ist ähnlich wie mit Bonifatius, dem Schutzpatron der deutschen Bierbrauer – übrigens auch von Erfurt -, von dem erwiesen ist, dass seine Figur von Eberhard von Fulda um 1150 in der Klosterzelle erfunden wurde [112,113]. Man sollte doch also bitte damit aufhören, den Kindern in der Schule seine angeblichen Untaten bei den Friesen zu schildern, für die er mit seinen Mannen dann erschlagen worden sein soll. Das gehört in die Märchenstunde und nicht in den Geschichtsunterricht.

Gleiches gilt für die Schlacht bei Tours und Portiers, in der 732 das christliche Abendland angeblich durch das Eingreifen von Karl Martell, den Großvater vom Großen Karl, gerettet wurde, indem er 375 000 Sarazenen aus Südfrankreich zurückschlug [114]. Eine solche Auseinandersetzung hat nie stattgefunden, allenfalls 507 n.Chr = 804 o.Phz. die Vertreibung der auf Grund ihres arianischen Bekenntnisses als Ketzer verschrienen Westgoten aus Aquitanien durch die inzwischen zum Katholizismus übergetretenen Merowinger mit ihrer Herrschaftsadministration katholischer Bischöfe in Franken. Es gab um diese Zeit auf der iberischen Halbinsel noch keine Muslime, die angeblich 711 n.Chr. über die Meerenge von Gibralter eingedrungen waren, das westgotische Reich zerstörten, um bereits 21 Jahre später mit einem riesigen Heer in Südfrankreich einzufallen – wohl aber in der Abgrenzung zur katholischen Staatsreligion der verhassten römischen Kolonialmacht in Konstantinopel ein in der Bevölkerung verwurzeltes arianisch – christliches Glaubensbekenntnis, das dem Islam, als er von Nordafrika nach Spanien sukzessive übergriff, durchaus nahe stand. Ist das Datum 711 aber als omaijadisch zu interpretieren und für die richtige Relation zu unserer Zeitskala um 78 Jahre zurückzusetzen und sodann durch die Phantomzeit zu korrigieren, dann ergibt sich das für das Auftreten des Islam in Spanien (Gründung des Kalifats von Cordoba) zutreffende Datum 929.

Im frühmittelalterlichen Spanien sind folglich in der herkömmlichen westgotischen Königsliste ca. 11 Herrscher als nicht existent zu streichen, vermutlich ab Gundemar (610–612 n.Chr. = 907–909 o.Phz.) – er verteidigte sich angeblich noch gegen Angriffe des Herakleios – bis Wittiza, dessen Regierungszeit 702-710 bei omaijadischer Interpretation mit Phantomzeit auf 921-929, das erste nachgewiesene Auftreten der Araber in Spanien, führt, womit das Westgotenreich endet. Parallel dazu sind von den 13 quellenlosen Königen von Asturien und Leon zwischen 717 und 913 n.Chr., die im 17./18.Jh. noch genannt wurden, 9 bereits gestrichen worden. Lediglich 4 weitere werden noch aufgeführt, davon drei Alfonsos, die einschließlich Alfonso III. dem Großen gleichfalls der Fama zuzuordnen und daher aus der geschichtlichen Darstellung zu eliminieren sind [90].

Für das frühmittelalterlichen Italien ergibt sich unter Berücksichtigung der Phantomzeit mit der Errichtung des Langobardenreichs 865 o.Phz. zwangsläufig die Streichung sämtlicher Prätendenten des nach christlicher Zeitrechnung fiktiven 7., 8. und zum Teil auch 9. Jh. – diese beziehen ihre Abstammung auf nicht existente Karolinger –, und ebenso sind die Päpste und die ihnen zugeordneten Fabeln einschließlich „Konstantinischer Schenkung“ und „Pippinscher Schenkung“ als historische Fälschungen einzustufen [115,116]. Nach den Gründungsvätern des Langobardenreichs (Alboin etc.) ist Berengar I. als König von Friaul 891–924 eine greifbare historische Figur, und erst jetzt dringen die Franken mit Arnulf von Kärnten, einem natürlichen Merowinger – vom Papst in der Auseinandersetzung mit Langobarden herbeigerufen – über die Alpen vor. In den Wirrungen nach seinem frühen Tod, kriegerischer Auseinandersetzung und Versöhnung mit Hochburgund gelangt Adelheid, die Tochter Rudolfs von Hochburgund an den Königshof in Italien, und auf ihre Bitte hin – sie ist inzwischen eine Gefangene – interveniert Otto I. 951 und beendet die eigenständige Herrschaft der Langobarden auf seinem zweiten Italienzug im Zusammenhang mit seiner Kaiserkrönung 962.

In Byzanz verbindet sich mit der von Konstantin VII. (Kaiser 911–959, autark regierend ab 944) installierten Absetzung seiner Zeitgeschichte und der daran geknüpften Veraltung der römisch-griechischen Antike um 297 Jahre die vermutlich sukzessive Erfindung von 25 Kaisern einschließlich Mitkaisern, die auf Grund der heute vorliegenden Erkenntnisse aus der Geschichte zu streichen sind. Er selbst „Porphyrogennetos“ trägt sich als Sohn des erfundenen Kaisers Leon VI. in die Geschichte ein [59], ist aber selbst möglicherweise ein Abkömmling von Kaiser Phokas (602-610 n.Chr. = 899-907 o.Phz.), der seinen tatkräftigen Vorgänger Maurikios (582-602 n.Chr. = 879-899 o.Phz.) vom Thron stieß und mit seinen 5 Söhnen ermorden ließ, außenpolitisch große Verluste in der Auseinandersetzung mit den Sassaniden hinnehmen musste und schließlich nach der Geschichtsschreibung des Konstantin VII. von Herakleios (610-641 n.Chr. = 907 – 938 o.Phz.) hingerichtet wurde. Herakleios, ehemals Flottenadmiral und Sohn des Exarchen von Karthago, der angeblich wahre Wunder der Kriegskunst vollbrachte, könnte im Zusammenhang mit der Zurücksetzung der Geschichte aber auch eine Erfindung des Porhyrogennetos sein [59]. Auch seine Gleichsetzung mit Romanos Lakapenos, jenem Emporkömmling (ebenfalls Flottenadmiral), der Konstantin VII. zwei Jahrzehnte lang die Wahrnehmung seiner Kaiserrechte verwehrt haben soll oder gar, dass Herakleios = Lakapenos gegebenenfalls als der Vater von Konstantin VII. anzusehen ist, sind in Betracht gezogen worden. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass Phokas länger regierte, benennen doch persische Quellen in der Beschreibung von Ereignissen im “letzten großen Krieg der Antike“ [97] stets nur Phokas als Gegner.

Im Ergebnis einer umfangreichen Studie von Klaus Weissgerber [117,118] ist die Existenz einer Phantomzeit in der Geschichte des zu Byzanz benachbarten Bulgarien auf Grund archäologischer Befunde und ebenso aus der Analyse schriftlicher Primärquellen gleichfalls eindeutig belegt. Die turksprachigen Altbulgaren bildeten den Kernverband des hunnischen Attilareiches und agierten nach dessen Untergang 453 n.Chr.= 750 o.Phz. in Südosteuropa weiter, konnten nach dem Abzug der Ostgoten unter Theoderich nach Italien 489 n.Chr.=786 o.Phz. regelrecht nachrücken: Landnahme und Gründung des altbulgarischen Reiches durch Asparuch 528 n.Chr. = 825 o.Phz. Mit einer Leerzeit von 614 bis 911, in der weder archäologische Funde noch zuverlässige schriftliche Dokumente feststellbar sind – diese fehlen zwischen 626 und 813 n.Chr. völlig –, ergibt sich eine geschlossene Herrschaftsabfolge, deren Daten vor 614 durch Hinzunahme von 297 Jahren Phantomzeit an unsere Zeitskala herangeführt werden kann.

Ähnlich überzeugend sind die Belege zum Vorhandensein einer ca. dreihundertjährigen Leerzeit in der Geschichte der Besiedlung des Karpatenbeckens nach dem Abzug der Hunnen 454 n.Chr. = 751 o.Phz. Zunächst nutzten bekanntlich Langobarden, Gepiden und zum Teil Ostgoten das „Vakuum“. Sie wurden durch die heranrückende Welle der Awaren und Ungarn, ggf. Awaren = Ungarn [63,119], bereits 100 Jahre nach dem Tod Attilas um 555 n.Chr.= 852 o.Phz. veranlasst, weiter zu ziehen: Langobarden gründeten 568 n.Chr. = 865 o.Phz auf den Trümmern der heruntergekommenen Ostgotenherrschaft ihr Reich in Norditalien. Die Landnahme der Ungarn unter Arpad aber wird in der „Ungarischen Bilderchronik“ [120] unter der Jahreszahl 600 n.Chr. datiert. In der Nestorchronik [121] heißt es, dass die Ungarn 898 Kiew passierten – dazwischen liegen 298 Jahre. Und Konstantin VII. dokumentiert in seiner Geheimschrift „De administrando imperio“ 948 Gespräche mit dem Urenkel Arpads: 955 Schlacht auf dem Lechfeld! Stephan I. gehört nach Weissgerber [119] der 4. Generation nach Arpad an. Die Kriegszüge des Großen Karl gegen die Magyaren passen da nirgendwo hinein, sind also erfundene Stories.

Bemerkenswert ist, dass in der Geschichte Polens die Flurbereinigung des frühen Mittelalter zwischen 550 bis ca. 920 von zwölf fiktiven Königen und einer Königin, die von Chronikschreibern des Hochmittelalters erfunden wurden und die bis 1780 jedes Schulkind zwischen Schwarzem Meer und Ostsee auswendig hersagen können musste, bereits zur Zeit der Aufklärung wirksam verfolgt und durchgesetzt werden konnte [122]. Im Auftrag des Königs, eine polnische Geschichte für die nationalbewusste Erziehung der nachwachsenden Elite zu schreiben – Polen wurde gerade geteilt -, verwarf Adam Naruszewicz [123] in seiner „Geschichte des polnischen Volkes“ Bände II bis VII, die zwischen 1780 bis 1786 erschienen, das erlogene Panorama der Frühzeit. Polens quellengesicherte Geschichte beginnt seitdem mit Mieszko I. aus dem Stamme der um Gnesen beheimateten Polanen, geboren um 921, der 966 das Christentum annimmt und Kaiser Otto III. 986 den Vasalleneid leistet. Seitdem spricht in Polen niemand mehr über jene erlogenen Märchen, die einst Schulbücher füllten und als wahre Begebenheiten in die Köpfe hineinprojiziert wurden.

Auch in Schweden hat die Aufklärung reinen Tisch mit Fiktivherrschern gemacht [124]. Friedrich Rühs [125], 1802 Privatdozent in Greifswald, also Untertan von König Gustav IV. Adolf, ab 1810 in Berlin und später Historiograph Preußens, löschte mit nüchternem Verstand 42 Herrschernamen aus, die seitdem aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sind, einst aber Unterrichtsbücher füllten, die in Wirklichkeit größtenteils erfundene Geschichten, also Märchen enthielten.

So schließt sich der Kreis, indem nochmals die Normannen angesprochen werden, die als seefahrende Nomaden raubend und plündernd 700 Jahre lang Städte bis tief ins Binnenland überfallen haben sollen, andrerseits aber als Geschäftspartner, die den Fernhandel repräsentierten, auch willkommen gewesen sein müssen. Die Reduktion dieser Zeitspanne auf ca. 400 Jahre wurde bereits begründet. Dass aber die Horrorgeschichten von Brandschatzungen diverser Städte, deren Stadtchroniken von derartigen Überfällen berichten, gleichfalls Fälscherwerkstätten entstammen, weil sie sich in keiner Weise belegen lassen, zumal, wenn sie in der Phantomzeit 614 bis 911 n.Chr. liegend datiert sind, zeigt Fabian Fritzsche in seiner Abhandlung „Wikinger in Deutschland“ [76]. Er kommt zu dem Schluss: Weder die Hammaburg, noch Xanten, Duisburg, Köln, Worms, Koblenz, Trier, das Kloster Prüm oder Aachen, die sämtlich in Jahren, die der Phantomzeit zugehören, dokumentieren, wenigstens einmal von den Wikingern geplündert und gebrandschatzt worden zu sein, wurden jemals überfallen: Keine Brandspuren, keine Gebäude, keine Gräber mit entsprechenden Grabbeigaben oder sonstigen Hinweise. Dienten diese Scheindokumentationen der Kaschierung, sollten doch in der Phantomzeit, die auf dem Papier mit erfundener Geschichte gefüllt wurde, später keine Bauwerke zu finden sein, weil sie bei Plünderungen angeblich der Zerstörung anheim gefallen seien?

England blieb bis 1066 der skandinavischen Welt der Saxones = Wikinger verbunden entsprechend der Herkunft der Sachsen Jüten und Angeln, die etwa ab der Mitte des 5. Jh. bzw. 8. Jh. o.Phz. in weiten Teilen der Insel mit Ausnahme von Wales und Schottland ihre Herrschaft errichteten. Norweger und Dänen folgten ihnen in mehreren Wellen nach, siedelten sich besonders an der Ostküste und weiter nördlich an. Der Fortbestand politischer Zersplitterung wurde dadurch befördert. Die Christianisierung der keltischen Basisbevölkerung einschließlich Wales erfolgte der Überlieferung nach bereits zu römischer Zeit im 4. Jh. bzw. 7. Jh. o.Phz., in Irland im 5. bzw. 8. Jh. durch Patrick , eines in Gallien erzogenen römischen Bürgers in Britannien. Die Missionierung der Angelsachsen soll ab 600 n.Chr.= 900 o.Phz. durch vom Papst abgesandte Mönche zustande gekommen sein. Die Herrscherliste angelsächsischer Könige weist zwischen 514 und 802 nach herkömmlicher Datierung eine ca. dreihundertjährige Lücke auf [126]. Berücksicht man die Phantomzeit, kann allenfalls Ethelstan 924–939 n.Chr. als erste reale historische Person angesehen werden und seine Vorläufer einschließlich Alfred der Große, dem ähnlich märchenhafte Kulturleistungen angedichtet wurden wie dem Großen Karl, sind aus den Geschichtsbüchern zu streichen [siehe auch 3, Seite 96]. Eine Blütezeit wird unter König Edgar 979-975 n.Chr. dokumentiert: Kirchenreform Erzbischof Dunstans von Canterbury, volkssprachliche angelsächsische Literatur. Sein Nachfolger Ethelred II unterliegt dem Däneneinfall, und unter Knut dem Großen (1016–1035 n.Chr.) gelingt endlich die Überwindung der politischen Zersplitterung in England. Die Entwicklung mündet nach erneuter Übernahme der Macht durch die angelsächsische Dynastie unter Eduard, dem Bekenner 1042–1066 in die Bindung Englands an die Normandie, und wieder sind es die – nunmehr allerdings romanisierten – Normannen, die den weiteren Geschichtsablauf auf der Insel prägen.

6. Schlussbemerkungen

Dass die Geschichte des Mittelalters voller Fälschungen und erfundener Histörchen ist, die oftmals in Legenden einmünden, in denen sich Dichtung und Wahrheit unentwirrbar durchdringen, ist allgemein bekannt und anerkannt.

Heribert Illig [2,3] entwickelt in seinen Büchern in eindrucksvoller Weise die in jedem untersuchten Einzelfall zweckgebundenen Beweggründe für die Abfassung erfundener Geschichte, und er macht auch die offenbar professionellen Zentren aus, die Geschichte für die auszufüllende Phantomzeit erfanden oder umschrieben. Es gab schließlich Auftraggeber, die sich zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele, z,. B. im Investiturstreit, mit entsprechenden Argumenten und Dokumenten glaubten rüsten zu müssen. Eine dieser Fälscherwerkstätten mit weitreichenden Verbindungen war zweifellos das Kloster von Saint-Denis bei Paris. Zu der gleichen Auffassung gelangt auch Stephan Albrecht [127], der in seinem Buch „Die Inszenierung der Vergangenheit im Mittelalter – Die Klöster von Glastonbury und Saint Denis“ aufzeigt, wie man Geschichte von der Architektur bis zu den Dokumenten und Grabinschriften konstruierte, um im Wettstreit, wer ist älter und mit seiner Vergangenheit näher an den Anfängen der Christenheit, zu bestehen – hingen daran doch bedingt durch Pilgerströme wirtschaftliche Einkünfte, z. B. Reliquienhandel, um nur zwei Beweggründe zu nennen.

Erlogene Geschichte, z. B. die „Konstantinische Schenkung“, hielt sich bis ins 19. Jh., obwohl bereits Otto III. den damit begründeten territorialen Anspruch des Papstes als Fälschung bezeichnet hatte, was im 15. Jh. ausdrücklich bestätigt wurde. Ebenso ist das 756 als Pippinsche Schenkung verzeichnete Versprechen, Basis für die Begründung des Kirchenstaates, als eine Fälschung einzustufen, die in den Schreibstuben des Lateranpalasts entstand, wurde doch dem Papst nach diesen Urkunden praktisch ganz Italien und Korsika mit Ausnahme der Lombardei zugesprochen [128]. Es ist eigentlich unverständlich, dass ungeachtet dessen die sogenannte Pippinsche Schenkung immer weiter kommentarlos in Geschichts-büchern wiedergegeben wird – auch im Grossen Ploetz von 1999 [126, Seite 378] und dann natürlich auch in Schulbüchern – bleibt eigentlich unverständlich: Schulkinder reagieren mit fragenden Blick, wenn man ihnen sagt, die Pippinsche Schenkung sei erwiesenermaßen eine Fälschung. Natürlich resultierte aus dieser Selbstbedienung des Vatikan reale Geschichte – der Kirchenstaat entstand damals und besteht in seiner geographisch miniaturisierten Ausgestaltung bis heute. Er entstand aber ganz anders, sehr wahrscheinlich durch päpstliche Aneignung von Konkursmasse aus dem zusammenbrechenden arianischen Reich der Ostgoten in Italien nach Theoderich. Generiert eine Lüge historische Realität, die sich auf den weiteren Geschichtsablauf nachhaltig auswirkt, bleibt man bei der Lüge! Muß das so sein?

Ein weiteres Beispiel von ggf. dreisterer Art ist das Privilegium Maius, das Rudolf IV. von Habsburg 1358/59 offenbar aus Frust darüber, dass das Haus Habsburg keinen Platz im 1356 (Karl IV., Goldene Bulle) definierten Kurfürstenkollegium zugesprochen erhielt, offerierte, wonach Habsburger als Erzherzöge von Geburt an Anspruch haben, als deutsche Könige und Kaiser gewählt zu werden.– Petrarca war ob solcher Unverschämtheit besonders erbost. Zwar nicht sofort, aber ab 1438 mit Kaiser Albrecht II. setzte sich dieser Anspruch bis 1740 in ununterbrochener Folge durch und mit der Pragmatischen Sanktion Karls VI. für Maria Theresia noch weit darüber hinaus bis zum Ende der Monarchie 1918. Obwohl völlig ungerechtfertigt, wurde den Habsburgern der aus dem Erzherzogstitel resultierende Anspruch, Thronfolger zu sein, bis in unsere Zeit nicht aberkannt. Inzwischen ist die Geschichte darüber hinweg gegangen.

Beide Beispiele zeigen, wie schwer es selbst sogar in ganz offensichtlichen Fällen ist, der historischen Wahrheit im öffentlichen Bewusstsein Geltung zu verschaffen. Um wie viel mehr muss das für eine derartig grundlegende und umfassende Korrektur der Geschichte des Mittelalters gültig sein, die Heribert Illig durch sein systemanalytisches Vorgehen auf die Tagesordnung gesetzt hat.

Aus Gründen der Wahrheitsfindung und anzumahnenden Ethik in der Geschichte als Wissenschaft wäre es aber wohl an der Zeit, das Totschweigen und Übergehen der bahnbrechenden Erkenntnisse von Heribert Illig und der Mannschaft zu beenden, die um ihn herum unermüdlich Stein auf Stein setzt und immer wieder objektiv zu dem Ergebnis von ca. drei leeren Jahrhunderten im Mittelalter gelangt, die artifiziell und bei im allgemeinen politischer Zweckbindung mit erfundener Geschichte ausgefüllt wurden.

Warum gelang zur Zeit der Aufklärung die Streichung vergleichsweise umfangreicher erlogener Phasen der nationalen Geschichte in Polen und ebenso in Schweden, unterstützt von den damaligen Regierungen und dann auch von der Öffentlichkeit aufgenommen und verinnerlicht? Wird in unserer Zeit kritischer Geist, bei der Ergründung komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge der Vergangenheit in die Tiefe zu denken und nach objektiver Erkenntnis zu streben, von der Flut an Informationen, die uns täglich überschütten, erstickt und bildet sich infolge der dabei erzeugten Oberflächlichkeit, die nur noch „Spaß“ kennt, womöglich eine Art von besonders verstocktem Konservatismus heraus?

Es ist eine Erfahrung in der Geschichte der Wissenschaft, dass sich bedeutende Erkenntnisse und Einsichten, die eine Entwicklung auslösten und die Menschheit voranbrachten, sehr häufig gegen retardierende Kräfte anzukämpfen hatten – meistens waren es Personen und Institutionen, die ihre Pfründe in Gefahr sahen und die neue Wahrheit aus Bequemlichkeit oder egoistischen Motiven nicht wahrhaben wollten. Die Durchsetzung der realen Erkenntnis des Kopernikus über unser Sonnen- und Planetensystem, die Überwindung der Phlogiston-Theorie zur Erklärung von Verbrennungsprozessen durch das Konzept der Oxidation mittels Sauerstoff oder der lange Kampf um die Anerkennung des atomaren Aufbaus der Stoffe in der Auseinandersetzung mit den Energetikern des 19. Jahrhunderts sind dafür beredte Beispiele. Neben sachlicher Argumentation kam und kommt dabei nur allzu häufig ein ganzes Arsenal von Methoden zur Unterdrückung des Neuen und Unkonventionellen zur Anwendung. Anstelle von Folter, Abschwören, Hausarrest und Schreibverbot der Frühzeit sind heute in der Regel das Ausüben von moralischem und/oder wirtschaftlichem Druck, sog. „Mobbing“, getreten, auch Berufsverbot, oder man wird von der betreffenden Gilde, die das Sagen hat und die öffentliche Meinung reglementiert, einfach totgeschwiegen.

In einem solchen Kontext ist die Lektüre „Preußen von gestern und der Islam von morgen“ im zweiten Heft der Zeitensprünge 2007 durchaus bedrückend, in der Günter Lüling [129] den Zeitgeist einer antiquierten erzkonservativen Fachgilde an deutschen Hochschulen schildert, die ihn als namhaften Islamisten persönlich sowie seine grundlegenden neuen Erkenntnisse über den Urkorantext jahrzehntelang unterdrückt haben. Möge seine wachsende internationale Reputation dazu beitragen, dass das Wirken jener Dunkelmänner alsbald der Vergangenheit angehört..

Fabian Fritzsche [130] deutet in seiner Heribert Illig gewidmeten “Geburtstagsapotheose” den Vergleich mit der Situation von Alfred Wegener an, der ab 1912 nach Bekanntgabe seiner Theorie von der Kontinentaldrift und Plattentektonik unseres Planeten mehr als vier Jahrzehnte lang verhöhnt wurde – heute gilt seine Erkenntnis als eine allgemein akzeptierte Theorie über die Evolution unserer Erde.

Ebenso gewiss ist, dass sich die von Heribert Illig begründete Erkenntnis einer notwendigen Korrektur unser Kulturgeschichte im frühen Mittelalter durchsetzen wird. Möge der Start in eine neue Aufklärung, die sich auf reale, für die Gründung der Zukunft tragfähige Geschichte stützt, nicht zu lange mehr auf sich warten lassen.


1In allgemeinverständlicher komprimierter Form wurde der Themenkomplex von Heribert Illig 2007 auch in der Zeitschrift P.M. History abgehandelt [131].

(…)

Quelle: http://www.fantomzeit.de/?p=212

Gruß an die Geschicht-s-ENschreiber

TA KI