„Die Seele will frei sein“: Von Leben, Tod und Wiedergeburt im Zeitalter der Unwissenheit


Zur Verabschiedungszeremonie für Thomas Kirschner, den langjährigen Chefredakteur und Herausgeber des NEXUS-Magazins, fahre ich mit Amara, einem vedischen Priester, nach Immenstadt. Die achtstündige Autofahrt vergeht wie im Flug; zweimal verpassen wir die Abfahrt, weil wir derart ins Gespräch vertieft sind. Wir unterhalten uns über das Weltbild der Veden, und wir reden, als würden wir uns schon ein halbes Leben kennen. Vielleicht ist es nur das, was er sagt, denn es weckt vertraute Erinnerungen. Für eine Stunde, in der wir über Leben, Tod und Wiedergeburt, über das Kali-Yuga und das bevorstehende Ritual sprechen, schalte ich spontan mein Aufnahmegerät ein.

Die hier publizierten Passagen sind daher manchmal etwas sprunghaft, wurden aber für eine bessere Lesbarkeit nachbearbeitet.

Amara: Wir nehmen uns ja meist, wie wir jetzt sind – du, ich, als Mensch, mit all seinen Ecken und Kanten. Aber es gibt da noch eine andere Realität, nämlich die Realität der Seele. In uns steckt ja auch der Wunsch nach ewigem Leben, nach einem Leben voller Freude, voller Wissen. Und das ist eigentlich ein Indiz für die Seele.

Daniel: Du meinst, dass dieser Wunsch in uns aufkommt, dass es ihn überhaupt gibt?

Amara: Ja, genau. Wo kommt dieser Wunsch her? Er hat seinen Ursprung in der Seele. Und die Seele ist ewig – voller Wissen und voller Freude. Wir haben das nur vergessen. Es ist wie so eine Bedeckung: Der Körper, durch den die Seele sich manifestiert, der ist eigentlich wie ein Vehikel, wie ein Fahrzeug. Ich sage ja nicht: Ich Hand. Ich Kopf. Ich Bein. Sondern es ist meine Hand, es ist mein Kopf. Und was ist dieses Ich? Es ist etwas Transzendentes – etwas, das nicht wahrnehmbar erscheint, nicht wahr? Genauso verhält es sich mit der Persönlichkeit. Die ist ja immer formbar, sie kommt und geht und wird durch bestimmte Ereignisse geprägt. Sie hat keinen ewigen Aspekt. Aber die wahre Persönlichkeit, das wahre Ich, das ist eben voller Wissen, voller Freude, voll ewigem Leben, sozusagen.

Und die Suche nach dem ewigen Leben, nach dem ewigen Glück, die gab es schon immer, in allen Kulturen. Denn es ist eigentlich die Suche nach der Seele. Das ewige Leben ist ihr Ursprung; es gehört eigentlich zur Seele. Und das Sterben – oder besser: das Sterben des Körpers – ist ein ganz wichtiger Teil des Lebens, denn das Leben arbeitet ja sozusagen darauf hin. Wir werden geboren, und durch Krankheit oder durch andere Umstände werden wir wieder zum Tod geführt. Das heißt: Nach unserer Geburt, die wir annehmen, werden wir zum Tod geführt, um dann schlussendlich alles wieder abzulegen. Dieses Annehmen und Ablegen ist ein wichtiger Aspekt der Zeitweiligkeit. Aber die Ablegung kann ganz schwierig werden, wenn du nicht vom Körper losgelöst bist. Deswegen gibt es diese Reinigungsrituale. Man geht davon aus, dass der Mensch sehr stark an seinen Umständen angehaftet ist. Deshalb gibt es in den vedischen Traditionen das Ritual des Loslassens und des Sichergebens in das eigene Schicksal.

Im Grunde unterliegen wir ja alle der Natur, den Naturgesetzen, von denen wir völlig abhängig sind. Aber unser Bewusstsein strebt nach Unabhängigkeit. Das ist auch so ein Indiz für die Seele: Die Seele will frei sein, sie will nicht in dieser Materie gefangen sein. Aber das sind wir – durch unsere Wünsche, unsere Bedingungen, unsere Geburt und unsere Umstände. Und dafür gibt es diese Rituale, die man apara prayoga nennt. apara heißt „nach dem Tod“. Die anderen nennt man purva prayoga – „vor dem Tod“. Das heißt, die vedische Sichtweise auf das Leben war immer gekennzeichnet durch diesen starken Einschnitt des Todes und seinen Einfluss auf das Lebewesen. Denn der ist endgültig, absolut – zumindest für dieses Leben. Daher unterliegen diese Rituale auch dem Konzept von Loslösung, Transformation.

Daniel: Kann man das vielleicht so verstehen, dass man in seinem Leben eine gewisse „Energie“ um sich geschart hat – so eine Schale aus Denken, Handeln, Besitz –, und dass diese Rituale dazu da sind, diese Umstände loszulassen?

Amara: Schau mal, da gibt es ja auch Ähnlichkeiten. Im tibetischen Buddhismus gibt es das tibetische Totenbuch, es gibt das ägyptische … und im Hinduismus gibt es auch so etwas: das preta kalpapreta heißt „Geist“, kalpa heißt so etwas wie „Vorgang“, „Ritual“ oder auch „Ablauf“. Frei übersetzt also: „Wie wird man ein Geist“ oder „Wie geht man mit dem Leben nach dem Tod um?“ Es geht im Grunde immer um die Auseinandersetzung mit etwas, das wir nicht sehen können. Im tibetischen oder ägyptischen Totenbuch wird ja darauf hingewiesen, wie die Seele reist, und das hast du auch im preta kalpa. Da steht ganz genau drin, unter welchen Umständen was wie passiert. Das ist eine sehr wissenschaftliche Herangehensweise … oder sagen wir lieber, eine analytische. Das Buch ist natürlich auch mit Metaphern behaftet und mit Mythologie verwoben – deshalb würde ich es auch eher als „codiert“ bezeichnen. Man kann es nicht einfach lesen, und dann versteht man es. Sondern es ist auch ein Text, bei dem es dazugehört, dass man sich mit ihm auseinandersetzt … und dass man, wegen den verschiedenen Aspekten, auch einen Lehrer hat, der einem das richtig erklärt.

Daniel: Wie genau wird denn das Ritual vonstattengehen? Was machst du da genau und welche Substanzen verwendest du?

Amara: In den vedischen Traditionen ist ja eins ganz wichtig: mantramantra ist der Klang, das Urelement allen Seins. Es steht für das Element des Raumes – auch akasha genannt –, und die Mantren, die ich da chante, haben eine spezielle Wirkung, natürlich in Zusammenhang mit den anderen vier Elementen, die man so einem Ritual hinzufügt. Das heißt Feuer, Erde, Wasser, Luft – all diese Elemente sind ein Teil des Rituals. Und bei diesen apara prayoga-Pujas macht man alles aus zeitweiligen Sachen. Ein paar habe ich dabei, ein paar nehmen wir von den Hausbewohnern. Das Feuer ist allgemein ein ganz wichtiges Element, denn es transformiert. Man sagt ja nicht umsonst: der Phönix aus der Asche – der entsteht aus der Asche. Das alles dient jedenfalls dazu, dass der Seele ein Weg bereitet wird. Deswegen schaut man auch in Richtung Süden. Der Süden ist für den Bereich der Transformation, der Loslösung; er ist sozusagen das Reich des Todes.

Daniel: Stehen da für jedes Element bestimmte Früchte?

Amara: Nun, alle Elemente sind vertreten, wie gesagt. Die Früchte, der Reis, Sesam, all das steht für die Erde. Weihrauch steht für Luft. Feuer für Feuer, klar, und Wasser für Wasser. Das Mantra steht eben für Raum.

Daniel: Genau, da haben wir die fünf.

Amara: Das alles hat seine Bedeutung, jedes Element, jedes Mantra. Im Ritual an sich steht eigentlich Vishnu oder Gott – in meiner Tradition heißt Vishnu der, der alles durchdringt; alle seine Gesetze, alles was wir hier sehen, ist von ihm, geht von ihm aus – im Zentrum, weil die Seele ein Teil von ihm ist. Und da die Seele sich jetzt in einem Zwischenstatus befindet, also noch nicht reinkarniert ist, noch keinen neuen Körper, noch keine neue Aufgabe bekommen hat … steht sie sozusagen noch da und wartet. Meistens ist es so, dass sie nicht sofort reinkarniert, sondern in den ersten 13 Tagen in einer Art Schockzustand oder in einem Zustand der langsamen Auflösung ist. Alle Elemente, die ja auch in unserem Körper enthalten sind, werden ja aufgelöst, wenn der Körper verbrannt wird. Dadurch hat die Seele ja sowieso schon weniger Anhaftung an den Körper. Aber dann gehören ja noch die feinstofflichen Ebenen dazu: der Geist, die Intelligenz und das falsche Ego. Die Loslösung von diesen Umständen, die braucht mehr Zeit. Dazu nimmt man das Ritual: um der Seele zu zeigen, in welche Richtung es geht. Deswegen wird es auch Richtung Süden durchgeführt – damit sie neu inkarnieren oder einen neuen Lebensweg finden kann, weil das Leben der Seele ja nicht damit endet, dass der Körper stirbt. Die Bhagavad Gita sagt, dass das wie das Ablegen von Kleidern ist, wenn der Tod eintritt: Die alten Kleider werden abgelegt, und neue werden wieder angelegt.

Daniel: Sagen die Veden eigentlich auch etwas darüber, ab wann eine Inkarnation stattfindet?

Amara: Da gibt es genaue Zeiten, ja. Also normalerweise spricht man von einem Zeitraum von 10 bis 15 Tagen, nach denen sich die nächste Inkarnation vollzieht, aber das ist nur eine Art Richtwert. Schlussendlich hängt es von deinem persönlichen Karma ab, wie lange du brauchst, um vollständig zu reinkarnieren. Es ist ja so: Du streifst den grobstofflichen Körper ab, aber dein feinstofflicher Körper trägt dich in deine nächste Inkarnation. Dieser feinstoffliche Körper besteht ja auch aus deinem falschen Ego – und das falsche Ego ist das letzte, was sich auflöst. Das ist ein krasses Wort, aber gemeint ist das, was sich in wahres Ego transformiert, wenn du Befreiung erlangst. Wenn du aus dem materiellen Bewusstsein, aus der materiellen Welt herausgehst. Dann transformiert sich dein falsches Ego durch die verschiedenen Elemente und die verschiedenen Schichten in dein wahres Ego, und du erlangst Befreiung. Vorher nicht. Das heißt, das falsche Ego ist immer da, und es trägt dich sozusagen in deine nächste Bestimmung.

Daniel: Das heißt, der Karmazyklus existiert so lange, wie es das falsche Ego gibt?

Amara: Genau. Und deswegen nimmt jemand, der stirbt, zwar seine schlechten und seine guten Reaktionen mit, aber am Ende dieses Lebens, hier, da passiert das, was ich vorhin gesagt habe: Deine guten Eigenschaften, deine Qualifikationen und deine Segnungen, die verteilst du an deine Freunde, deine Familienmitglieder – denn die haben auch einen Segen davon, dass du gehst. Deswegen wird das in Indien auch wie ein Fest gefeiert – natürlich nicht so wild wie in Mexiko, wo sie mit den Skeletten tanzen … Allerdings gibt es da auch so eine bestimmte Zeit, die nennt man ashaucha. In der Zeit trauert man, man hat keine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft. Man darf trauern, man darf der Person nachweinen.

Die Befreiung, das ist nochmal ein anderes Thema, da hole ich mal etwas aus: Das Karma, also, wenn du jetzt schlechtes Karma vollzogen hast, dann überträgt sich das über viele Generationen. Da können sich bestimmte Traumata bilden. Man spricht da von bis zu neun Generationen, über die sich so ein Trauma fortsetzen kann. Also wenn etwas Schlechtes innerhalb der Familie gelaufen ist, dann überträgt sich dieses Trauma zunächst mal auf die nächsten Generationen. Wenn nun aber jemand Befreiung erlangt, dann ist das etwas wirkliche Seltenes. Für die Seele ist es nichts Normales, Befreiung aus diesem materiellen Zyklus hier zu erlangen, denn samsara – der Kreislauf von Geburt und Tod – ist ein System, das sehr schwierig zu überwinden ist. Wir sehen das ja an uns selbst, mit allen Anhaftungen, allen Barrieren und Problemen, die wir haben. Aber wenn eine Person es doch schafft, durch diese letzte Barriere, das falsche Ego, hindurchzustoßen, dann erlangt sie Befreiung. Und die Segnungen dieser Befreiung, die verspüren innerhalb der Familie noch Generationen nach ihr.

Daniel: Das Thema hat mich in letzter Zeit öfter bewegt. Ich habe viel darüber nachgedacht, was man so als „Familienkarma“ mit sich herumschleppt. Was man über das Blut und über die Erziehung mitbekommt, Knoten, die manche Familienmitglieder mit sich herumtragen – über die du dir Gedanken machst, und die manchmal auch unbewusst in der Erziehung an die nächste Generation weitergegeben werden. Aber neun Generationen? Das ist schon echt krass. Man erinnert sich ja bewusst höchstens an das, was die Großeltern erzählt haben – und über die eigentlichen Probleme, die Ursachen des Traumas, wird ja selten geredet.

Amara: Ja, genau. Und wir haben alle viele Traumata in unseren Familien, gerade hier in Europa, wo so viel Kriege durchgezogen sind. Das heißt: Unsere Familien sind alle durch Krieg so erschüttert worden, dass es sehr schwierig ist, diese Traumata einfach zu lösen. In der Tradition des vedischen Kontexts – ich möchte das nicht so doktrinär sagen – ist die spirituelle Praxis jedenfalls ein ganz wichtiger Aspekt, und dass man sich als einen ganz kleinen Teil des Ganzen betrachtet. Schlussendlich so, wie in der alten vedischen Tradition: als dasa, also als Diener Gottes, als Diener der Menschheit. Das klingt jetzt zwar nach einem Gutmenschen, aber gemeint ist damit eben: zum Wohle der Menschheit. Man dient der gesamten Menschheit, nicht nur einem kleinen Teil. Letztlich geht es darum, dass man eben bewusst handelt – und da kannst du Traumata durchstoßen.

Daniel: Ich frage mich ja sowieso schon eine ganze Weile, wie man so ein Trauma, wenn man es denn erkannt hat, verarbeitet. Ich meine, die Erkenntnis ist schon ein wichtiger Punkt – aber so etwas kann man doch nicht loslassen. So etwas beschäftigt einen doch.

Amara: Genau, man kann das nicht einfach so auflösen. Wir tragen das alle irgendwie mit uns rum, die einen mehr, die anderen weniger. Deshalb ist die spirituelle Praxis ein ganz wichtiges Element, etwas, das dir dabei helfen kann, Traumata erst zu erkennen, und sie dann neu zu bewerten. Du musst verstehen, dass du nicht nur der Körper bist, und dass du damit auch nicht nur zu dieser „körperlichen Familie“ gehörst. Dass alle diese Dinge, diese Traumata der Familie in deinem Mechanismus sind – und der bestimmt, wie du auf gewisse Dinge in deiner Umwelt reagierst. Und dieser Mechanismus ist eben getränkt durch deine Vorfahren. Ob du nun mit Zorn auf etwas reagierst, oder mit Mitleid, vielleicht auch mit Selbstmitleid – dass du denkst: „Ach, ich armer Mensch“ – das alles sind eben bestimmte Mechanismen. Und die kannst du durchstoßen …

Daniel: … indem du anders handelst.

Amara: Genau. Indem du eben darauf nicht mehr so reagierst, wie Generationen vor dir. Aber es ist auch von Individuum zu Individuum unterschiedlich. Jeder reagiert ja nach seinem Karma. Das ist auf jeden Fall ein sehr komplexes Thema.

Daniel: Wir hatten ja schon davon gesprochen, dass das alles eigentlich eine Wissenschaft ist – die des Geistes, oder der Seele, wenn man so will. Wo wir gerade bei Familien sind: Gibt es denn in den Veden dann auch so ein Konzept der Familienseelen? So etwas wie Gruppeninkarnationen?

Amara: Ja, auch. Das ist dann aber anders zu sehen, als wir es vielleicht wahrnehmen. Es gibt Gemeinschaftskarma – das ist ja ganz klar –, und dass du als Familie innerhalb der Familie wieder inkarnierst, um dein eigenes gesätes Getreide zu ernten, ist auch klar. Wie sich das dann staffelt – ob du jetzt der Uropa warst oder so –, das lässt sich nicht pauschal sagen. Wenn du als kleines Kind zum Beispiel schon die Sachen von deinem Opa anziehen wolltest, kann das ein Hinweis sein. So werden ja auch die Lamas in Tibet ausgewählt, die haben genaue Indikatoren, die wissen genau, wo der Verstorbene inkarniert, weil er das vorher schon festgelegt hat. Wenn du so ein Mystiker bist, schaffst du das auch, dann kannst du dir wünschen, wo du inkarnierst, bei wem und unter welchen Umständen. Da ist der freie Wille noch gegeben. Wir haben ja alle ein bestimmtes Maß an freiem Willen, die einen mehr, die anderen weniger, ganz abhängig davon, was deine Bestimmung ist, welche Rolle du in der Weltgeschichte spielst. Am Ende hängt es davon ab, wie die Konstellation ist, wie dein Karma ist.

Daniel: Klar, weil es eben ein individueller Prozess ist.

Amara: Genau. Jeder hat sein eigenes Schicksal, und das ist nicht komplett festgelegt. Wer in der vedischen Astrologie geschult ist, also in diesen jyothisha shastras, der kann das auch sehen, ob die Seele sich inkarniert, schon inkarniert hat, wo sie sich inkarnieren wird und was ihre nächste Aufgabe ist. Das kann man alles genau errechnen.

Daniel: Gibt es denn laut den Veden dann so etwas wie junge und alte Seelen? Oder wie ist das zu sehen? Gibt es unterschiedliche Seelenalter?

Amara: Eine Seele ist zuallererst ewig. Die Frage ist bloß, wann sie hier, auf dieser Erde, auf diesem Planeten, oder in diesem Bewusstseinsraum inkarniert ist. Es ist ja so: Das Universum ist unterteilt in 14 lokas, 14 Hemisphären, 14 Bewusstseinsebenen. Und die Erde ist der Mittelpunkt von diesen Universen – diesem einen Universum, in dem wir uns gerade befinden. Und da gibt es Schichten, die sind oberhalb, und Schichten, die sind unterhalb. Seelen, die sich hier auf dieser Bewusstseinsebene inkarnieren, die können schon lange auf dieser Erde verweilen – oder sie können von höheren Schichten kommen.

Daniel: Man muss das also in Relation zum Erdenleben sehen. Dann ist es ja irreführend, von jungen oder alten Seelen zu sprechen. Man müsste dann eher von „junger Erdeninkarnation“ oder Ähnlichem sprechen.

Amara: Es ist halt so: Die Seele hat keinen Anfang. In den Veden und im Sanskrit wird sie als anadi beschrieben, ohne Anfang. Macht ja auch Sinn. Beim Schöpfungsvorgang gehen die Seelen alle aus dembrahman, aus der Ursuppe, hervor, aber sie sind eigentlich schon da, als Samenform sozusagen. Sie übernehmen dann nur ihr altes Karma, das sie in der letzten Inkarnation, in ihrem letzten Leben in verschiedenen Bewusstseinsebenen hinterlassen haben. Nicht ganz leicht zu erklären.

Daniel: Das kann ich mir gerade schwer vorstellen. Also, du redest jetzt davon, was die Seele – die ja ewig ist und auch meinen jetzigen inkarnierten Leib enthält –, was die mit dem Karma, das sie produziert, macht, oder wie?

Amara: Genau. Wie sie es abnimmt, oder aufnimmt. Wenn du jetzt deinen Körper verlieren würdest, hast du ja trotzdem noch Karma. Es ist ja nicht so, dass mit deinem Körper auch das Karma verloren geht. Es gibt ja verschiedene Arten von Karma – aparapta karma zum Beispiel, das, was noch nicht zur vollen Blüte gekommen ist. Das ist versteckt, in Samenform. Aber es gibt noch verschiedene andere Formen von Karma. Und dieses eine, das sich dann eben in Form von Aktion und Reaktion manifestiert, das bestimmt dein jetziges Leben. Aber du hast trotzdem noch sehr viel aparapta karma, also Karma, das sich noch in der Zukunft manifestieren wird. Nur dadurch inkarnierst du, nur dadurch hast du überhaupt einen Körper. In dem Fall einen Körper aus grober Materie, einen Erdenkörper, auf der Erde. Aber wenn du viele fromme, viele wohlwollende Handlungen ausführst, dann kannst du auch in höheren Sphären inkarnieren, und dort vielleicht ein ruhigeres, ein einfacheres, schöneres Leben führen, ohne den Druck der Materie der Erde. Das Ganze ist, wie du merkst, ein sehr tiefes Thema.

Daniel: Es heißt aber schon, dass die Erde ein ziemlich taffes Ding ist, oder?

Amara: Genau. Hier auf der Erde, das nennt man auch karma bhumi. Bhumi, das heißt „Erde“, und karma heißt „Der Ort, an dem du deine Handlung erfährst“ – also besonders neues Karma ansammeln kannst und altes Karma, als Ausgleich sozusagen, erlebst. Bei anderen Planeten, anderen Planetensystemen oder auf anderen Bewusstseinsebenen – in höheren oder tieferen Schichten – wirst du das Karma nur erfahren. Dort ist keine Ansammlung möglich. Also besonders auf den himmlischen, oder auf den höheren Planetensystemen – die sogenannten svarga loka –, da erfährt die Seele nur Glück, bis es aufgebraucht ist. Und dann muss sie wieder in diesen Erdenbereich zurück, um neues Karma anzusammeln.

Daniel: Das heißt, du kannst das Glück nur erleben, wenn du genügend gelitten hast? Oder wie?

Amara: Nein, anders: Wenn du hier gut, wenn du fromm gehandelt hast, oder gute Dinge für die Menschheit getan hast, aber nicht frei bist von deinem falschen Ego – weil da immer noch etwas in dir drin steckte, was sehr selbstsüchtig war –, kannst du dieses Karma trotzdem auf anderen Ebenen genießen. Weil so ein Erdenleben sozusagen nicht reicht, um zu erfahren, was du hier angehäuft hast. Dann kommst du auf eine höhere Bewusstseinsebene, in eine höhere Sphärenregion, wo du mehr genießen kannst, wo du die positiven karmischen Handlungen, die du hier getätigt hast, voll genießen kannst.

Daniel: Noch eine etwas schwierigere Frage, die mir immer durch den Kopf spukt, wenn es um Reinkarnation geht. Die Seele ist doch zeitlos?

Amara: Die Seele ist zeitlos.

Daniel: Was ich da immer nicht verstehe, ist, wie man von linearen Inkarnationen sprechen kann, wenn die Seele außerhalb der Zeit existiert.

Amara: Das hat mit der Materie zu tun. Also die Seele ist zunächst erstmal immer aktiv, das ist das erste Prinzip. Die Seele ist nie passiv. Aber sie unterliegt nicht der Zeit, nicht ihrem Wandel – sie hat die Materie nur angelegt. Also dein Ich, deine Persönlichkeit oder das, was dich ausmacht, ist ja so ein kleiner Spiegel deines wahren Selbst, deiner Seele … das ist jetzt gar nicht so einfach zu formulieren.

Daniel: Versuchs mal.

Amara: Also, ihre ursprüngliche Natur ist, Gott zu dienen. Weil sie ein Teil davon ist. Das ist vergleichbar mit dem Feuer und den Funken. Die Funken haben die gleiche Qualität, aber nicht die Quantität; der Funke ist das Element Feuer, aber er ist nicht das Feuer an sich. So ungefähr ist das mit der Seele auch zu sehen: Sie ist Göttlichkeit, sie ist ein Teil der Göttlichkeit, aber sie ist nicht Gott selbst. Sie ist nicht das komplette Feuer, sie hat nicht die kompletten 64 Opulenzen, die sechs Vollkommenheiten und all diese Sachen. Da gibt es zig Details, die das Wesen der Seele so genau beschreiben. Deshalb sind die Veden ja ein analytisches Wissen. In keinem anderen Text der Welt wirst du so etwas finden, weil es eben über die Jahrhunderte oder Jahrtausende ausgeklammert wurde. Weil man damit ja Menschen kontrollieren kann: Wenn sie das vergessen, ihre ursprüngliche Aufgabe, ihre ursprüngliche Natur, dann hast du sie in deinen Fängen, dann sind sie auch manipulierbar. Die Seele ist also, einfach aus ihrer Natur heraus, spirituell. Aber: Sobald sie sich in dem Raum der Materie befindet, beginnt die Bedeckung.

Daniel: Das ist wie eine Schicht, die um die Seele gelegt wird, oder? Wie so eine Art Raum-Zeit-Körper, mit dem man in die Zeitlichkeit hineinkommt.

Amara: Genau. Du kommst in die Zeitlichkeit. Die funktioniert nur hier, in der Materie. Weil alles einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat – wie der Stau da drüben. Innerhalb der Materie, mit der Bedeckung, ist die individuelle Seele immer tatashta – das ist ein Sanskritwort und bedeutet „dazwischen“. Sie ist tatashta-shakti, sie ist sozusagen zwischen Materie und der Spiritualität. Sie ist noch nicht vollkommen. Vollkommenheit erlangt sie erst dann, wenn sie sich durch die Materie gearbeitet hat. Das ist eben die Aufgabe des Menschen: seinen Weg zurückzufinden zu der Ursprünglichkeit und zu der Natürlichkeit der Seele. Und nur das macht auch wirklich glücklich. Ich meine, das klingt jetzt so wie mit erhobenem Finger, aber gemeint ist damit: Weil die Seele ja ewig ist, voller Freude, voller Glück, ist sie der Ursprung. Und da musst du auch suchen: an der Quelle. Du kannst nicht an den Blättern suchen, um beim Baum die Wurzeln zu finden. Du wirst immer nur die Blätter finden, das Chlorophyll. Aber das Wasser wird hauptsächlich durch die Wurzeln aufgenommen. Deswegen geht es um das Zurückführen, darum, dass man sich erinnert.

Daniel: Aber ist die Materie denn eine Art Spielraum Vishnus? Mir fällt da gerade die Philosophie der Gnostiker ein, die ja die Materie als „Fehler“ oder „Ausrutscher“ der geistigen Welt betrachten und die daher nur aus dieser falschen Welt herausgelangen wollen. Es ist ein ähnliches Konstrukt – aber wie sehen die Veden diese Welt der Materie?

Amara: Also die materielle Welt unterliegt der Zeit, der Wandlung, der Auflösung, der Erschaffung und der Erhaltung, und das alles unterliegt diesem Gesetz, dem sich keiner entziehen kann. Nur die Seele, der Kern, das Leben sozusagen – wir nennen es jetzt mal Leben, weil „Seele“ für viele so abstrakt ist –, das ist es, was die Materie belebt. Ohne Leben hätte die Materie keine Bedeutung. Und deswegen ist sie auch wie ein Spielball für das Leben zu sehen – obwohl „Spielball“ ziemlich sarkastisch klingt. Denn natürlich gibt es da bestimmte Aufgaben zu lösen. Das ist wie so ein großes Rätsel, in dem es darum geht, hinter die Materie zu schauen, dort die Gesetzmäßigkeiten dieses Systems zu erkennen und dann seine richtigen Schlussfolgerungen draus zu ziehen. Der erste Vers des Vedanta-Sutra – athato brahma jijnasa – bedeutet „Ich fange an, nach der wahren Identität zu suchen.“ Man könnte es auch anders formulieren: „Wer bin ich?“ Das ist so der Urkern aller vedischen Texte, und das ist das Vermächtnis, das die indische Kultur, die vedische Kultur hinterlassen hat – für alle. Das ist universal. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein universales Wissen ist, das früher auf der ganzen Welt, in allen Kulturen zu finden war. Es ist nur mit der Zeit, durch das Kali-Yuga, durch den Einfluss der Zeit, verloren gegangen. Und im Kali-Yuga wird die Frage nach dem athato brahma jijnasa – „Wer bin ich?“ oder „Wo solls hingehen?“ – mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Daniel: Apropos: Laut den Veden stecken wir ja tatsächlich mittendrin, im Kali-Yuga, dem dunkelsten aller Zeitalter. Wie lange gibt es das jetzt eigentlich schon? Wann hat das eigentlich offiziell angefangen?

Amara: Man spricht so von circa 5.000 Jahren.

Daniel: Also im Grunde die Zeit, die wir als offizielle Geschichtsschreibung kennen?

Amara: Ja, genau, ungefähr seit der Zeit der Ägypter, so in der Richtung, ja.

Daniel: Also das, was wir Zivilisation nennen, sind nur die Auswüchse des Kali-Yuga, oder wie?

Amara: Na, schau dir zum Beispiel Babylonien an, das waren Sklavenhalter, Kriegsführer, sehr dominante Menschen, es gab harte Strafen, eine patriarchalische Gesinnung, Frauen wurden unterdrückt, all diese krassen Dinge. Es war keine Gesellschaft, die auf Augenhöhe geführt wurde. Das ist der Beginn des Kali-Yuga.

Daniel: Hmm. Interessant. Und seitdem gab es dann auch Machtpositionen, die veranlasst haben, dass ihre Geschichte niedergeschrieben wurde. Vielleicht so?

Amara: Die Sieger schreiben die Geschichte, ja.

Daniel: Genau. Und dadurch gibt es bei uns ja auch nur die Erinnerung an eine bestimmte Version der Geschichte. Aber, wenn man die Sache aus einer höheren Warte betrachtet, dann ist doch auch der ganze Prozess des Kali-Yuga ein Teil Vishnus, oder?

Amara: Ja, klar. Das ist ein Zyklus. In den Ritualstexten rufen wir sogar dieses Zeitalter mit an, mit allen anderen Yugas. Es ist ein Teil des Ganzen. Es gehört mit dazu, es wird mit erwähnt, es wird mit rezitiert, es gehört mit in den asana – den Platz, wo Vishnu residiert, wo sich das Zentrum des Universums befindet. Das Schöne an dem Kali-Yuga mit all seinen Fehlern und all seinen Problemen ist, dass die spirituelle Praxis eine sehr einfache ist. Sie ist sehr einfach, weil es eben so schwer ist, sich hier überhaupt an Gott zu erinnern oder sich mit Gott zu verbinden. Deshalb genügt ist, einfach nur seinen heiligen Namen zu rezitieren, am besten auf sehr devotionale Art und Weise. Das bedeutet jetzt nicht Lack und Leder, sondern einfach mit seinem Herzenswunsch nah bei Gott zu sein. Und ich glaube, das ist die Quintessenz aus dem Kali-Yuga: Es ist für jeden etwas da, und wenn er nur etwas singt, oder nur mit den Gedanken dabei ist, dann hat er schon den größten Nutzen. Und das ist der Unterschied zu den anderen Yugas: Da ist einfach viel mehr tapasya, so viel mehr Entsagung, viel mehr Meditation. Da geht es mehr darum, die Sinne zurückziehen. Die ganze Yogapraxis, die ist eigentlich aus einem anderen Zeitalter.

Daniel: Im Grunde wirkt die spirituelle Praxis ja dann so wie eine Erinnerung. Man hält quasi die Schwingung dieser alten Zeitalter aufrecht.

Amara: Genau. Man versucht da sozusagen, die Uhr anzuhalten. Aber die Zeit rast uns davon, der Sand läuft uns durch die Finger. Wir sehen gar nicht, wie wir unsere Zeit verplempern. Es ist so, als wenn du ein Glas vor dir hättest, auf dem Yoga draufsteht und in dem sich das Yogawasser befindet, und du leckst nur draußen am Glas. Wirklich: Die Yogapraxis ist eigentlich eine ganz, ganz schwere. Mit einmal pro Woche Yoga ist es nicht getan. Das ist jetzt natürlich kein Vorwurf oder so, aber du weißt, worauf ich hinauswill.

Daniel: Natürlich. Jedenfalls kann ich es mir ganz gut vorstellen, gerade mit dem Gedanken, dass wir in so einem Zeitalter leben, in dem man so weit von der Gotteserkenntnis entfernt ist. Aber es ist schon krass. Ich meine, es gibt ja auch anderslautende Aussagen, nämlich, dass wir kurz vor dem Goldenen Zeitalter stehen. Die Vorstellung ist da ungefähr, dass hier nur genügend Menschen erwachen müssen, und dann schaffen wir eine neue Welt. Und die Veden sagen hier genau das Gegenteil, oder?

Amara: Naja, nicht ganz, denn es gibt innerhalb des Kali-Yugas auch so ein Goldenes Zeitalter. Aber das ist natürlich noch viel kürzer als das echte Goldene Zeitalter, das Satya-Yuga oder Krita-Yuga. satyaheißt „wahrhaft“ oder „Wahrheit“. In diesem Yuga gibt es nur wahrhaftige, ehrliche, aufrichtige Menschen – Menschen, von denen wir im Kali-Yuga träumen würden. Und dieses Goldene Zeitalter innerhalb des Kali-Yugas, das hat längst begonnen sich zu manifestieren, so ungefähr seit dem 16. Jahrhundert. Man könnte sagen, ab dem Zeitpunkt, ab dem die Vedas in Schriftform erhältlich waren. Man weiß zwar, da ist viel verloren gegangen, und die orale Tradition, also die Tradition der Übertragung, ist damit eigentlich schon kaputt – aber trotzdem: Es hilft Leuten im Kali-Yuga, Bücher zu haben und zu lesen. Also mit Beginn der Reformation und des Buchdrucks, die beide fast gleichzeitig kamen, begann dieses Goldenen Zeitalter. So wird das auch nach der vedischen Zeitrechnung gesehen. In Indien gab es zum Beispiel sehr viele Pioniere, die das erkannt haben, und die haben das Yuga-Dharma, also die Praxis in diesem Zeitalter eingeleitet. Dabei geht es um das Rezitieren des heiligen Namens Gottes, das Yuga-Dharma des Kali-Yuga. Und das begann eben Mitte des 16. Jahrhunderts.

Daniel: Das heißt, wir leben also innerhalb des Goldenen Zeitalters innerhalb des Kali-Yuga?

Amara: Genau.

Daniel: Und das läuft dann aber wieder aus …

Amara: Das läuft aus, so nach 10.000 Jahren.

Daniel: 10.000 Jahre!

Amara: Ja, das sind schon Zahlen. Aber du musst auch sehen, das Kali-Yuga ist natürlich, auf die Masse gesehen, in den letzten 150 Jahren erst so richtig in Fahrt gekommen. Trotzdem passt auch hier das alte Gleichnis: Du kannst ein Messer nehmen und jemandem damit die Kehle durchschneiden, oder du kannst damit Orangen oder Äpfel schneiden und die verteilen, um Gutes damit zu tun. Also, gemeint ist damit auch das Computerzeitalter: Wir vernetzen uns alle, wir haben plötzlich Zugang zu Menschen, zu denen wir sonst nie hinkommen würden. Wir lernen Leute kennen, die auf der anderen Seite des Globus leben und können dort Freundschaften entwickeln. Aber es kann natürlich auch eine riesengroße Herausforderung sein. Wir wissen ja alle, wie schnell wir von diesem System abhängig werden, wie wir süchtig werden nach unserem Telefon und nach unseren Informationen, die wir aus dem Telefon oder aus dem Netz erhaschen.

Man kann es so ausdrücken: Wenn der Kopf fehlt, dann sind alle anderen Teile unnütz, oder sie haben keine Wertigkeit mehr. Dabei haben wir eigentlich alles. Du kannst heute in die Bibliotheken gehen, da kannst du so viele Sachen finden, so viele Bücher. Aber es ist totes Wissen, weil es keiner mehr richtig liest und keiner mehr richtig praktiziert. Alle hängen sie an dem Nabel der Zeit, Fake News zu lesen. Weit weg von der eigentlichen Bedeutung der Schrift und des Lesens: Wissen zu übermitteln.

Es geht eben um die Anwendung des Messers. Du kannst damit viel Blut, Massaker auslösen, oder du kannst halt jemandem helfen, Brot zu schneiden oder Essen zu verteilen. Und deswegen meine ich ja: Kali-Yuga, okay, man muss das differenziert sehen. Auf der einen Seite passiert zwar geistig weltweit eine Menge – in den letzten 30, 40 Jahren, aber auch vorher schon, schon mit Blavatsky und so im 19. Jahrhundert –, viele lassen sich nicht mehr so einfach vorführen. Auf der anderen Seite … die schlafen auch nicht. Die dunkle Seite schläft genauso nicht, und dann gibt es eben andere Sachen, wo du denkst: Das Kali-Yuga, das ist so schnell vorangekommen in den letzten fünf Jahren, dass du gar nicht mehr weißt, was hat das jetzt mit dem Goldenen Zeitalter zu tun?

Die Erde war immer schon ein Zentrum des Kampfes zwischen Licht und Dunkelheit. Auch in den Veden, speziell in den puranas, wird das immer wieder betont. Die puranas beschreiben ja eher so die Geschichte der Erde und verbinden dabei Mystik mit Mythologie und den wahren Ereignissen – zeitunabhängig. Die Ereignisse, die da beschrieben werden, können 1.000 Jahre her sein, aber auch 20.000 Jahre. Und da wird das immer wieder betont: Die Erde ist das Zentrum des Kampfes zwischen Licht und Dunkelheit. Und nur hier auf der Erde ist das auch so extrem zu sehen, weil es eben auch mrtyu lokaist, der Ort des Todes, wo der Tod so wichtig ist. Er wird auf der einen Seite zelebriert, auf der anderen Seite wird getrauert. Der Umgang mit Tod ist ein sehr, sehr schwieriges Thema auf der Erde, weil wir durch den Erdkörper eine sehr starke Anhaftung haben.

Daniel: Aber eigentlich ist es doch nur wegen der Unwissenheit schwierig, oder?

Amara: Unwissenheit, du sagst es, genau. Die Unwissenheit ist eine von diesen drei Elementen – sattva guna, rajas guna und tamas guna – und tamas guna ist sozusagen die Unwissenheit. Die Leute befinden sich in dieser Unwissenheit, weil tamas guna – die Erscheinungsweise dieser Unwissenheit, oder der Kampf zwischen tamas guna und sattva guna – der ist auf dieser Erde eben sehr deutlich zu sehen. Das Sterben ist eben auch so ein Aspekt der tamas guna, der Unwissenheit, und Leute, die sich weigern, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, unterliegen auch automatisch dem Einfluss der Unwissenheit. Denn damit ist das Leben nicht beendet. Es ist auch nichts Absolutes. Es ist nur etwas Absolutes für diesen Körper, der eben ganz normal, wie alle anderen Dinge auch, geschaffen, erhalten und zerstört wird, wie alle andere Materie auch. Aber das hat mit der Seele nichts zu tun – denn die ist ewig und unzerstörbar.

Über den Interviewten

Marcus Amara Hugk wurde 1969 in Berlin geboren und hat sich vor 25 Jahren in eine vedische Priesterlinie einweihen lassen. Durch freies Eigenstudium der vedischen Philosophie und deren Anwendung in Ritualpraxis und Yogameditation hat er sich einen tiefen Zugang zu den verschiedenen Traditionen Indiens erarbeitet.

2006 erschien sein erstes Buch „Klangreise Südindien“; seitdem führt er kleine Reisegruppen zu den besonderen Pilger- und Kultorten des Landes – unter anderem auch in die Palmblattbibliotheken. Seine Websites finden Sie unter http://www.Malola.Reisen und www.Samskaras.com. Sie können Amara auch via malola@gmx.de kontaktieren.

Quelle

Gruß an die Aufmerksamen

TA KI

Das Wissen um die Sonnenwend ist sehr alt


Bei den Kelten ist die Sommersonnenwende unter dem Namen Alban Hevin bekannt. Sie sollen sage und schreibe 12 Tage und Nächte gefeiert haben. Die Anhänger der noch jungen Wicca Bewegung nennen das Fest Litha.

Der Mittsommer, wie das Fest auch genannt wird, gehört zu den vier großen Sonnenfesten im Jahreskreis. Ihr Pendant ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember. Sie liegt der Sommersonnenwende genau gegenüber. Die Frühlings-Tagundnachtgleiche  liegt genau zwischen der Winter- und Sommersonnenwende, die Herbst-Tagundnachtgleiche zwischen der Sommer- und Wintersonnenwende.

Die Kirche konnte dieses heidnische Fest nicht ignorieren, es war fest in der damaligen Kultur der Heiden verankert. So tat sie, was sie in solchen Fällen immer zu tun pflegte, sie wandelte es in ihr eigenes Fest um, den Johannistag. Es war Johannis dem Täufer gewidmet und wurde auf den 24. Juni datiert. Noch heute sind die riesigen Freudenfeuer auch unter dem Namen Johannisfeuer bekannt. Die alte, heidnische Tradition jedoch konnte durch die Kirche bis heute nicht verdrängt werden. Im Gegenteil, mehr denn je suchen die Menschen den Weg zurück zu ihren Wurzeln, möchten sie auf dem Alten Pfad wandeln.

 

Alte Stätten und Relikte

Die Feiern zur Sommersonnenwende gab es bereits, als an die Bibel noch nicht einmal zu denken war. Das lässt sich nicht so einfach aus dem kollektiven Gedächtnis streichen.

Nehmen wir einmal den Turm von Jericho. Er ist der älteste Turm der Welt und steht nun bereits seit 11.000 Jahren. In seiner unmittelbaren Umgebung steht der Berg Quarantal. Der Schatten seines Gipfels fällt zur Sommersonnenwende genau auf diesen Turm. Das fanden die Archäologen der Universität Tel Aviv heraus.

Stonehenge ist nicht ganz so alt wie der Turm von Jericho. Das Alter wird mit etwa 5100 Jahre angegeben. Der Steinkreis ist auch heute eines der bekanntesten Kultstätten der Welt. Stonehenge ist noch immer eines der Lieblingsplätze zur Sommersonnenwende.

Ein weiteres Relikt aus der Bronzezeit ist die Himmelsscheibe von Nebra (siehe Abbildung), welche die Sonnenwenden und die Tagundnachtgleichen anzeigt. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt.

Dies sind nur drei Beispiele aus der alten Zeit derer es viele gibt. Das Wissen ist tief in den Menschen verankert und niemand wird es löschen können, egal wie sehr es auch versucht.

Himmelsscheibe von Nebra

Alte Mythen rund um die Sommersonnenwende

Mittsommer ist ein Fest der Sonne und des Feuers. Es wird ausgelassen, nahezu ekstatisch gefeiert. War die Wintersonnenwende mit der Sorge vor der bevorstehenden, kalten Jahreszeit verbunden, so war dieses Fest ein Fest der puren Freude. Die Menschen mussten sich nicht sorgen. Die Erde brachte die ersten Früchte hervor und alles stand in heller Pracht. Es herrschte Fülle und Überfluss. Die Sonnenwenden sind eng mit der germanischen, aber auch der keltischen Mythologie verknüpft.

 

Baldur, der germanische Sonnenkönig

Es ist der längste Tag des Jahres. Längst sind die Tage nicht so heiß, wie sie noch werden können. An keinem anderen Tag des Jahres wird die Sonne länger scheinen und ihre Kraft der Erde schenken. Hernach wird sie sich mehr und mehr zurückziehen. Die Schatten ihres Daseins werden von Tag zu Tag länger, bis zur Wintersonnenwende die Nacht den längsten Schatten wirft.

Der immer wiederkehrende Zyklus des Sonnengottes Baldur erreicht zur Sommersonnenwende seinen Höhepunkt.

Geburt und Leben des Baldur

Baldur ist der Lichtgott, der Gott der Sonne. Odin machte sich einst zu einer längeren Reise auf. Seine Brüder Wili und We übernahmen für diesen Zeitraum die Regentschaft. Sie übernahmen aber auch gleich Odins Frau Frigg und zeugten mit ihr einen Sohn, Baldur den Licht- und Sonnengott.

Baldur plagten schlimme Albträume. Immer wieder träumte er von seinem eigenen Tod. Er ertrug diese Last nicht länger und erzählte den anderen Asen von diesem furchteinflößenden Traum. Unter Yggdrasil, der Weltenesche hielten sie Rat was zu tun sei.

Odin wurde ausgesandt näheres zu erfahren, doch davon soll ein anderes Mal die Rede sein. Springen wir ein Stück vor in der Geschichte.

Baldur hatte einen blinden Bruder namens Hödr. Er schlug vor, dass alles in der Welt, alles Beseelte und alles Unbeseelte den Schwur leisten soll Baldur nicht zu schaden.

Frigg machte sich auf und nahm allen Dingen und allen Wesen den Schwur ab, nur eines „vergaß“ sie: Die kleine, zarte Mistel an einer Eiche.

Die Götter testeten den Schwur und warfen Wurzeln und anderes Gehölz nach Baldur, aber alles prallte an ihm ab. Sie wurden mutiger und warfen mit immer größeren Dingen nach Baldur und nichts geschah. Odin warf seinen Speer nach ihm, Thor seinen Hammer, aber alles prallte an ihm ab.

 

Baldurs Tod

Auf einem Fest zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende schossen sie wieder mit Pfeil und Bogen und anderem Gewerk auf Baldur. Loki nervte das alles wahnsinnig und er ersann eine List. Als alte Frau verkleidet suchte er Frigg auf und fragte, ob sie wirklich allen Dingen und Wesen den Schwur abgenommen hätte. Sie gestand schließlich, bei einer noch jungen Mistel auf den Schwur verzichtet zu haben.

Loki machte sich auf und holte die zarte, zerbrechlich wirkende Mistel. Zurückgekehrt gab er sie Hödr und überredete ihn damit nach Baldur zu werfen. Dies tat er schlußendlich und Baldur sank tot zu Boden. Er war von der Mistel durchbohrt.

 

Baldurs Wiedergeburt

Nach dem Tod Baldurs waren die Götter sehr verzweifelt. Frigg gab ihren Sohn aber nicht auf. Es gelang ihr nach langem Hin und Her ihren dritten Sohn Hermoðr zu überreden in das Totenreich zu reisen um mit der Totengöttin Hel zu verhandeln. Mit Sleipnir, Odins achtbeinigem Pferd, machte sich Hermoðr auf den Weg durch das Tor zum Totenreich. Niemand ist je durch dieses Tor zurück gekehrt. Das kluge Pferd Sleipnir indes sprang einfach darüber hinweg. So überredete Hermoðr die Totengöttin seinen Bruder Baldur wieder frei zu geben. Hel verlangte, dass alle Wesen und Dinge der Welt um Baldur weinen sollten, erst dann würde sie ihm seine Wiedergeburt gestatten.

Viel Zeit war vergangen, der Winter kratze bereits mit seinen kalten Krallen an der Tür. Frigg schickte abermals Boten in alle Lande aus. Alle weinten nun um Baldur außer Thöll, die Riesin. Wieder war es Loki der Listige, der seine Finger im Spiel hatte. Die Götter erkannten, dass er sich in die Riesin verwandelt hatte. Sie ergriffen Loki, zerrten ihn unter die Erde und fesselten ihn dort an einen Felsen. Erst bei Ragnarök, der Götterdämmerung gelang es Loki sich zu befreien.

Nun war Baldur aus dem Reich der Toten befreit, aber er hatte einen hohen Preis zu zahlen. Jedes Jahr zur Wintersonnenwende wird er neu geboren, um dann zur Sommersonnenwende erneut zu sterben.

 

Cerunnos, der gehörnte Gott der Kelten

Bei den Kelten wird am Tag der Sommersonnenwende der Naturgott Cerunnos geehrt, welcher auch der Gehörnte genannt wird. In der griechischen Mytholigie ist der Gehörnte unter dem Namen Pan bekannt. Sein germanischer Name lautet Freyr.

Cerunnos ist der Herr der Tiere, der treue Begleiter der großen Erdgöttin. Seine Gottheit steht für viele Bereiche der irdischen Welt.

Er ist der Gott:

  • der Natur
  • des Waldes
  • der schöpferischen Naturkräfte
  • der Fruchtbarkeit
  • der Zeugungskraft
  • des Wachstums
  • der Reinkarnation
  • der Kreuzwege
  • der Krieger
  • der Liebe
  • des Wohlstandes und Reichtums.

Dem Gehörnten zu huldigen, bedeutete die eigene Lebenskraft und Fruchtbarkeit zu steigern. Aus ihm spricht die ungebändigte Natur, das Wilde und die Freiheit eines jeden Einzelnen, als Teil des Kreislaufes in dieser Welt.

 

Keltischer Knoten

 

Alte Bräuche der Sommersonnenwende

In der Mittsommernacht, wenn sich die Sonne unter dem Horizont schlafen legt, werden große und kleine Feuer entfacht. Die Menschen tanzen um die Flammen und springen über sie hinweg. Das soll Glück bringen und vor Unheil schützen.

Die kleinen Kinder der alten Zeit wurden schnell krank und eine Krankheit führte nicht selten zum Tod. Sie wurden zur Mittsommernacht über das Feuer geworfen, um sie vor diesem Schicksal zu bewahren. Ein über das Feuer geworfenes Kind, werde nicht so schnell krank, glaubten die Menschen der alten Zeit.

Neigten sich die Feste dem Ende entgegen, so nahmen die Menschen einen glühenden Scheit aus dem Feuer und trugen ihn nach Hause. Mit diesem Holzscheit wurde das eigene Heim gesegnet. In vielen Gebieten ist dieser Brauch noch heute so aktuell wie einst. Die Kultur der Heiden ist nie wirklich zerbrochen.

Die Sommersonnenwende ist ein Fest, dass tief in die Nacht hineinreicht. Um so später es wird, um so berauschender die Feier. Brennende Räder, gemäß einer uralten Tradition, werden entzündet und von den Bergen und Hügeln hinab gerollt.

Das Fest endet erst, wenn die ersten Vögel erwachen und der Morgen dämmert.

 

Die Kraft der Kräuter

Am Tage sammelten die Frauen Kräuter wie Beifuß, Eisenkraut, Rittersporn und vor allem die Sonnenpflanze Johanniskraut. In der Nacht banden sie sich diese um ihre Hüften.

In ihren Haaren trugen sie Blumenkränze aus Gundermann und Eisenkraut, welche die Hellsichtigkeit fördert.

Den Kräutern werden starke Heilkräfte zugesprochen, die ihre Wirkung am kraftvollsten entfalten, wenn die Mittsommernacht auf die Nacht des Vollmondes fällt.

Die nackten, männlichen Tänzer banden sich indes einen Gürtel aus Beifuß oder Eisenkraut um die Hüften. Er sollte die Potenz erhöhen. Die Nacktheit in jener Nacht war übrigens heilig, sie war die Verbindung zum Ursprung des menschlichen Daseins.

Mit Hilfe der Kräuter wurde ein starkes Gebräu kreiert, welches eine besonders berauschende und aphrodisierende Wirkung hatte.

Rund um die Felder steckten die Menschen die sogenannten Wolfskräuter: Arnika, Eberesche, Beifuß, Königskerze, Kümmel und das Christophskraut. Sie sollten dem Sonnengott Ehre erweisen.

Die Priester der Heiden, auch Bilwis Priester genannt, dienten dem Sonnengott Baldur. Zur Sommersonnenwende war es ihre Aufgabe die Felder zu segnen.

 

Die Wärme der Sonne

 

Ein kleines Mittsommer – Ritual

Nimm dir einen kleinen Leinenbeutel und fülle diesen mit Kräutern aus:

  • Lavendel
  • Johanniskraut
  • Eisenkraut
  • Gundermann

Besprich den Beutel mit deinen Sorgen, Ängsten und Problemen. Verbinde ihn und vergiss nicht, ihn mit zum Feuer zu nehmen.

Wirf den Beutel am Abend in die Flammen. So sollen deinen Sorgen und Ängste verbrennen und sich deine Probleme in Rauch auflösen.

Ist das Feuer klein genug, springe darüber hinweg.

Das ist nicht der Moment für waghalsige Experimente!

Spring nicht über das Feuer, wenn es für dich oder umstehende Personen gefährlich ist.

Dieser beherzte Sprung wird dich reinigen.

Mittsommer ist ein geselliges Fest. Es ist Brauch das Fest mit der Familie und / oder Freunden zu feiern.

Die Sommersonnenwende erzählt von Licht und Überfluss, aber sie erzählt auch eine andere Geschichte. Alles was jetzt in Fülle vorhanden ist, wird wieder verloren gehen. Alles was zu Tage kommt, wird wieder im Dunkel verschwinden. Noch sind die Nächte einladend warm und die Tage voller Kraft und Licht. Der Winter scheint weit entfernt. Zelebriere das Leben und tanze durch die Nacht.

Quelle

liche Grüße an Alle- auch die Ahnen

TA KI

 

Unsichtbare Wesen, die allgegenwärtig unter uns leben


Wenn wir von Gnomen, Elfen oder Feen hören, denken wir in der Regel an eine Fantasiewelt, die nur in Märchen, Legenden, Romanen, Fabeln oder Filmen vorkommt. Allerdings tauchen Elementarwesen in jeder Kosmogonie als echte Wesen auf und nicht wie in einem Märchen, sondern als ein Teil der Entstehungsgeschichte. Aber existieren Elementarwesen wirklich? Es gibt immer mehr Menschen auf der ganzen Welt, die der festen Überzeugung sind, dass diese mysteriösen Wesen nicht nur in der Mythologie und in alten Überlieferungen zu finden sind, sondern das sie wirklich existieren und allgegenwärtig sind.

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Gruß an das Unsichtbare

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TA KI

Chaos als Bedingung zur Entstehung von Information in biologischen Systemen Teil 1


 

Nichts kann existieren ohne Ordnung. Nichts kann entstehen ohne Chaos.“

Albert Einstein

Liebe Freunde,

sicherlich werden sich einige gefragt haben, weshalb ich meinen Kongress im September den Titel „Chaos & Ordnung“ gegeben habe. Diese nur scheinbar gegensätzlichen Zustände wirken als eine elementare Struktur der kosmischen Evolution. Oberflächlich erscheint das Chaos zwar als ein Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung und damit als ein Gegenbegriff zum Kosmos, dem griechischen Begriff für die (Welt-)Ordnung oder das Universum. Tatsächlich steckt hinter dem Chaos noch eine verborgene Ordnung.

Die Chaosforschung hat herausgefunden, dass strukturlose und scheinbar ordnungslose chaotische Dynamiken irgendwann zu völlig neuen Ordnungen und Regelmäßigkeiten führen. Chaos bedeutet daher nicht Zerfall und Sinnlosigkeit, sondern Evolution, Neuordnung, Innovation und (Vorraussetzung für) Strukturgebung. Die Entstehung und Entwicklung des Lebens ist ein chaotischer, dynamischer Vorgang, in dem zeitweise instabile Verhältnisse immer wieder zu neuen Ordnungen, bzw. Lebensformen, geführt haben. Diese neuen Ordnungen und Lebensformen wurden durch neue Instabilitäten gefährdet, bedroht und führten schließlich zum Ende vieler Arten, um wiederum neuen Lebensformen Platz zu machen. So hat sich das Leben anfangs erst mühsam und zaghaft in primitiver Form über unglaublich lange Zeiträume entwickelt, um sich dann explosionsartig zu entfalten. Hier entstanden zahllose Lebensentwürfe, von denen sich nur einige bewährten und überlebten, während viele andere ausstarben, nicht weil sie nicht lebensfähig gewesen wären, sondern weil das Spiel der instabilen Dynamik ein kontinuierlicher Prozess des Kommens und Gehens, des Werdens und Vergehens ist1.

Der griechischen Mythologie nach, war Chaos der Urzustand des Bestehens. Chaos war die ursprüngliche Leere – eine dunkle, leise, formlose, endlose Eigenartigkeit ohne jegliche Spur von Leben. In der Religionswissenschaft wird der Begriff „Chaos“ im Rahmen der Beschreibung zweier unterschiedlicher Weltentstehungskonzepte verwendet:

a) Der chaotische Urzustand wird als Urflut oder Urdunkelheit beschrieben, aus der sich eine neue (oft mythische) Größe entwickelt.

b) Der chaotische Urzustand wird als Verschmelzung von Dingen, z.B. von Himmel und Erde, dargestellt, die voneinander getrennt werden müssen, um die Weltentstehung einzuleiten (Eliade, 1957, 1640f).

Aus Sicht der Naturwissenschaft wird von einer Wechselwirkung zwischen Chaos und Ordnung gesprochen. So war beispielsweise die veränderte Sonnenstrahlung verantwortlich dafür, dass geordnete Strukturen entstanden. Und nicht nur das. Im Laufe der Evolution entstanden Strukturen immer höherer Ordnung: vom Einzeller zum Vielzeller, vom Pantoffeltierchen zum Fisch, vom Primaten zum Menschen. Andererseits sehen die Thermodynamischen Gesetze etwas ganz anders vor. Sie beschreiben die Wahrscheinlichkeit, mit der sich ein System verändert, dem Wärme zugeführt wird: welche chemischen Reaktionen ablaufen, wie sich z.B. Druckverhältnisse ändern. Der 2. Thermodynamische Hauptsatz lautet, dass solche Systeme bei Wärmezufuhr zur Entropie (Tendenz in der unbelebten Welt zu immer größerer Unordnung) neigen und dass die Entropie zunimmt. Betrachten wir etwa einen Salzkristall, ist sein Aufbau sehr geordnet. Sobald wir ihn aber erwärmen, schmilzt er. Die innere Ordnung löst sich auf. Ohne auf weiter Details einzugehen, kann man sagen: Der Wahrscheinlichkeit nach neigen thermische Wirkungen zu fortschreitender Unordnung, zu Entropie, zu Chaos. So formulierte es auch der Nobelpreisträger Erwin Schrödinger. Entropie ist für ihn generell ein Zeichen fehlender Ordnung in Systemen. Umso mehr beschäftigte ihn das Geheimnis der Evolution. Sie geschah durch stete Wärmezufuhr der Sonne. Dennoch herrschte in der Zell-DNA keine Unordnung. Im Gegenteil: Jede neue Entwicklungsstufe des Genoms blieb geordnet. Es gelang den Zellen sogar, fortlaufend höhere Ordnungen auszubilden – höhere Entwicklungsstufen, höhere Lebewesen. Obwohl die wärmende Sonne beteiligt ist? Nein, weil sie beteiligt ist. Neben der Wärme kommt nämlich die Information hinzu. Und die ordnet die Zellstruktur, auch bei Mutationen. Die elektromagnetischen Informationen der Sonne und rufen Ordnung hervor. Sie ermöglichen die Entwicklung zu höherer Ordnung, bis hin zum Menschen.

Ein tieferes Verständnis über die elementare Bedeutung von Chaos und Ordnung erbrachte uns der Physiochemiker Illya Prigogine. Der Nobelpreisträger Illya Prigogine2 unterscheidet zwei Arten von Chaos und sieht im dissipativen Chaos eine Schlüsselrolle, „… [es] ist nämlich ein Mittelding zwischen dem reinen Zufall und der redundanten Ordnung“, und damit die Bedingung zur Entstehung von Information in biologischen Systemen.

Liebe Freunde, es sind die Informationen, die zu den Baugesetzen der Welt gehören (Information: von lateinisch in-formare ‚formen‘, ‚bilden‘, ‚gestalten‘, ‚ausbilden‘‚sich etwas vorstellen‘). Informationen, die von einem beseelten Geist in die Welt (den Kosmos) getragen werden. Die kosmische Evolution ist eine ständige Erweiterung an Information, die final dazu führt, uns in unserer Göttlichkeit wiederzuerkennen. Natürlich gehört hierzu auch das verstehen der eigentlichen Bedeutung von Chaos & Ordnung…,

Me Agape Euer Dieter Broers

(…)

Quelle: http://dieter-broers.de/chaos-als-bedingung-zur-entstehung-von-information-in-biologischen-systemen-teil-1/

Gruß an die natürliche Ordnung

TA KI

Der Hund bei den Germanen


Einleitung:

Dieser Artikel befasst sich mit dem besten Freund des Menschen und zwar mit dem Hund. Er gibt Einsicht in die wissenschaftliche Erkenntnisse und in seine Bedeutung im Bereich der Mythologie.

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Der Hund hinterließ schon in alten Zeiten seinen Pfotenabdruck in den Geschichtsbüchern

Tübinger Forscher haben in der Schweiz den ältesten bekannten Hundeknochen der Welt ermittelt. Er beweist, dass Menschen schon vor mehr als 14.000 Jahren Hunde gehalten haben.
Wann der Mensch jedoch anfing Wölfe zu zähmen, ist bis heute unklar. Auch bei diesem Fund stellte man fest, dass er schon seit vielen Ahnenreihen vom Wolf abweicht.
Die Zähmung muss also weit vor 14. 000 Jahren geschehen sein.

Der Hund im Bereich der germanischen Mythologie:

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Der erste erwähnte Hund ist Garm. Er bewacht das Tor zur Unterwelt (Hellheim). Er besitzt vier Augen und stürzt sich auf jeden der ohne Erlaubnis eintreten will. In der Edda im Wafthrudnirlied, 42 wird er auch als  „erste der Hunde”  genannt.
Der Hund kann aber auch von Odins Wölfen Geri und Freki abstammen. Sie waren schließlich die ersten gezähmten Wölfe. Hier ist der Hunde Ursprung deswegen auch vorstellbar. Möglich, dass man in den ersten Ur-Hunden damit, dass man Geri und Freki Odin Zusprach ein Denkmal setzen wollte.

Hier eine Aufzählung verschiedener Mythen rund um den Hund:

  • Die Gestalt eines schwarzen Pudels sollten gern Hausgeister der Heilerinnen annehmen.
  • Bei der Gewinnung der Alraun lässt der Sammler die Wurzel durch einen schwarzen Hund (bevorzugt Pudel) aus der Erde ziehen.
  • Es soll niemals Feuer ausbrechen, wenn in einem Haus Hahn, Katze und Hund von schwarzer Farbe sind (GRIMM, Dt. Mythol., A. 1056).
  • Verspürt er die Präsenz von Geistern, so drängt sich der Hund angstvoll an sein Herrchen, jault er klagend, steht ein Todesfall bevor.
  • In Moorausmoor hieß es: „In den Zwölften jagt der Helljäger auf der Erde, zu anderer Zeit zieht er durch die Luft; darum muss man dann Abends frühzeitig die Türen schließen, sonst laufen drei Hunde in das Haus, die bis zu den nächsten Zwölften liegen bleiben.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 253)
  • Die Richtung in die der Hund heult, daher wird die nächste Leiche getragen (GRIMM, A. 1112). Auch als Hochzeitsorakel dient der Hund: „Auf Andreasabend achten die Mägde, woher die Hunde bellen: Aus dieser Richtung kommt ihr Bräutigam.” (GRIMM, A. 964)
  • Ehefrauen und Freunde sollten sich hüten, dass ihnen kein Hund durch die Beine oder zwischen ihnen durch läuft:
    „Läuft der Frau ein Hund durch die Beine, schlägt sie der Mann.” (GRIMM, A. 206)
    „Läuft ein Hund zwischen ein paar Freunden hindurch, so wird die Freundschaft getrennt” (ebd., A. 213)
  • Wenn ein neugeborenes Kind im Hause ist, dürfen nicht zugleich junge Hunde oder Katzen aufgezogen werden, sonst stirbt entweder das Kind oder eins der Tiere ,warnte man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 274)
  • „Wer ein Messer kauft, gebe den ersten damit geschnittenen Bissen dem Hunde zu fressen, so verliert er das Messer nie.” (GRIMM, A. 799)

Die Hundehaltung bei den Germanen:

Von Knochenfunden wissen wir, dass der Hund für unsere Ahnen schon ein treuer Begleiter war. Er war sehr geschätzt und hatte eine hohe Stellung in der Familie. In Gräber findet man auch immer wieder Hunde, die ihren Herrn auch nach seinem Tod noch schützen sollen.


Der Hund als Schutzhund
Von den Germanen wissen wir, dass große, doggenartige Hunde sie auf ihren Kriegszügen begleiteten und sich besonders bei der Verteidigung der Lager hervortaten. Als z. B. die Kimbern (Stamm in Nordwest-Jütland) im Jahre 108 v. Chr. von den Römern geschlagen wurden, mussten die Römer noch einen harten Kampf mit den kimbrischen Kriegshunden bestehen. Diese verteidigten das Lager auch noch, als es von den Besiegten längst im Stich gelassen war. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass sie alles für ihre Besitzer gaben. Treue bis in den Tod. Schädelfunde großer Hunde lassen vermuten, dass es zur gleichen Zeit auch doggenartige Hunde in Mitteldeutschland gab. Die Auswertung von 23 Skelettfunden solcher Hunde in Reitergräbern des Mittelelbe–Saale-Gebietes ergab, dass es sich um 2 bis 3 Jahre alte Rüden mit einer Widerristhöhe zwischen 62 und 68 cm handelte. Die Vermutung liegt nahe, dass zum Kriegsdienst vor allem kräftige Rüden im guten, leistungsfähigen Alter ausgewählt wurden.
Der Hund als Schäferhund
Der Reichtum und der Stand eines Kelten und Germanen wurden in der Anzahl seiner Rinder gemessen. Daneben wurden Schafe (Wolle) und Schweine gehalten. Um seinen kostbarsten Besitz zu schützen, setzte man Hunde ein. Man vertraute ihnen also schon so sehr, dass man ihnen sein ganzes Vermögen anvertraute.
Für den Zusammenhalt und das Treiben der Herde dürften deutlich kleinere Hunde zuständig gewesen sein. Die ersten Gebrauchshunde der Germanen waren sicher Hof- und Hirtenhunde. Hier fing dann auch das gezielte Kreuzen verschiedener Hundetypen an, um z.B. einen neuen Wesenszug zu gewinnen.
Jagdhunde
Die Germanen räumten ihren Jagdhunden stets eine bevorzugte Stellung ein. Der Diebstahl wurde streng bestraft (meist sogar mit dem Tod).
In den alemannischen Gesetzen des 7. Jahrhunderts n. Chr. stoßen wir bereits auf eine Anzahl Hundetypen, die zur Jagd eingesetzt wurden.

Deutsche Hunderassen oder Rassen die zur gleichen Zeit in mehren Ländern entstanden.

Altdeutscher Tiger
Dackel
Deutsch Drahthaar
Deutsche Dogge
Deutscher Boxer
Deutscher Pinscher
Deutscher Schäferhund
Dobermann
Eurasier
Harzer Fuchs
Hovawart
Jagdterrier
Landseer
Leonberger
Pudelpointer
Pudel
Riesenschnauzer
Rottweiler
Weimaraner
Wolfsspitz bzw. Keeshond
Zwergschnauzer

Quelle: https://midgardnachrichten.wordpress.com/2016/03/21/der-hund-bei-den-germanen/

Gruß an die treusten Begleiter

TA KI

Die germanische Mythologie


Die nordische Mythologie, so wie sie uns in der Edda (Sammlung germanischer Götter- und Heldenlieder) überliefert ist, entstand zum Großteil in den noch heidnischen skandinavischen Ländern, überwiegend auf Island. Es gibt allerdings auch einige Hinweise, auf christliche Einflüsse (z. B. Hel als höllenähnliche Unterwelt). Diese wurden zur Zeit der Niederschrift (um 1200 n. Chr.) von den bereits missionierten Dichtern eingestreut bzw. entstanden während der Zeit der Christianisierung.
Leider gingen durch den „Eifer christlicher Missionare“ so gut wie alle mündlichen Überlieferungen der südgermanischen Mythologie verloren. Im großen und ganzen kann man aber davon ausgehen, daß die verschiedensten germanischen Stämme mehr oder weniger identische Mythen ihr Eigen nannten. Gerade die germanischen Schöpfungsmythen dürften die ältesten Überlieferungen darstellen, weil das Szenario von der Entstehung der Welt stark an die Vorkommnisse während der letzten Eiszeit erinnern. Womöglich entstanden aus den Erinnerungen der Urahnen der germanischen Völker an diese schlimme Zeit die ersten Fragmente der heutigen germanischen Schöpfungsmythologie.

 

Die nordgermanische Schöpfungsmythologie

Über die Entstehung der Welten wird in der Völuspa der Älteren Edda und im Gylfaginning der Jüngeren Edda berichtet:

    Einst war das Alter, da Ymir lebte:
    Da war nicht Sand nicht See, nicht salz’ge Wellen,
    Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
    Gähnender Abgrund und Gras nirgend.

    Bis Börs Söhne den Boden erhoben,
    Sie, die das mächtige Midgard schufen.
    Die Sonne von Süden schien auf die Felsen
    Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.

    (aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung)

    Am Anfang gab es nur Ginnungagap (AN mit Kräften/Magie erfüllter Raum), das man sich als Schlucht des Nichts und der Windstille vorstellte.
    Im Süden von Ginunngagap entstand später Muspelheim (AN Reich des Muspel => Der Feuerriese Muspel (=Surtur) herrschte über diese Welt.), die Welt des Feuers und der Hitze.
    Nach Muspelheim entstand nördlich von Ginnungagap Niflheim (AN Nebelwelt), die Welt des Nebels und des Eises, wo Finsternis und Kälte herrschten.
    Im Zentrum von Niflheim befindet sich der Brunnen Hvergelmir (AN brodelnder Kessel). Aus dieser Quelle entsprangen 12 Flüsse, die alle zusammen Elivagar genannt werden. In der Urzeit überfluteten diese Wassermassen Niflheim bis sie zu Eis erstarrten. Dabei legte sich eine Eisschicht über die andere, bis sogar Ginnungagap erreicht wurde (Hinweise auf Eiszeit?!). Seitdem lagen im Norden von Ginnungagap große Eis- und Schneemassen, wo Stürme wüteten. Der südliche Teil von Ginnungagap wurde von den Feuerfunken, die von Muspelheim herüberflogen, erwärmt, wodurch das Eis im Norden zu schmelzen begann. Aus den Tropfen des geschmolzenen Reifs bildete sich der Urriese Ymir (AN Zwitter ?!) und die Urkuh Audhumbla (AN die Milchreiche) taute aus dem Eis auf. Ymir ernährte sich von Audhumla’s Milchströmen. Danach fiel er in einen tiefen Schlaf. Während Ymir schlief, entstand aus dem Schweiß seiner linken Achselhöhle ein männliches und ein weibliches Riesenwesen und durch das Aneinanderreiben seiner Füße entstand ein Sohn. Dieser, genannt Vafthrudnir, galt als Stammvater des Geschlechts der Hrimthursar (AN Frost- oder Reifriesen).

    Audhumbla schleckte das salzige Eis als Nahrung, weil es noch kein Gras zum Fressen gab. Durch das Lecken setzte sie den Urriesen und Stammvater der Götter Buri (AN Erzeuger, Vater) aus dem Eis frei. Buri zeugte aus sich selbst den Riesen Bör (AN Sohn, Geborener). Bör wiederrum zeugte mit der Riesin Bestla (AN Baumrinde) drei Söhne – Odin, Vili und Ve, die ersten göttlichen Asen. Bör und Bestla sind folglich Urvater und Urmutter der Götter. Bestla, Tochter des Hrimthursen Bölthorn, war aus dem Geschlecht der Reifriesen, das aus Ymir hervorging. Sie galt jedoch als besonders friedliebend, ganz im Gegensatz zu den sonst bösen, zerstörerischen Reifriesen.

    Die drei Brüder Odin, Vili und Ve erschlugen den Urriesen Ymir und in den Fluten seines Blutes ertranken alle Reifriesen bis auf Bergelmir und seine Gemahlin, die sich in einem Boot retten konnten (christl. Einfluß -> Arche Noah ?). Aus dem Riesenpaar ging später das neue Reifriesengeschlecht hervor.
    Die drei Brüder legten Ymir ins Zentrum von Ginnungagap und schufen aus seinem Körper die Welt: Aus seinem Blut machten sie das Weltmeer, aus seinem Körper die Erde, aus seinen Knochen die Berge, aus seinen Haaren die Bäume und aus den Zähnen und Knochensplittern Steine und Felsen. Aus den Maden in Ymir’s verrottendem Körper schufen sie die Zwerge. (Nach einer anderen Version wurden sie aus Brimirs Blut und Blains Gliedern geschaffen.) Aus seinem Schädel machten sie das Himmelsgewölbe mit Hörnern an den vier Ecken. Sie hoben ihn hoch und setzten je einen Zwerg unter jedes Horn, damit diese das Gewölbe halten konnten. Die vier Zwerge sind nach den vier Himmelsrichtungen benannt worden: Austri (Osten), Westri (Westen),  Nordri (Norden) und Sudri (Süden). Anschließend nahmen die drei Brüder Feuerfunken aus Muspelheim und hefteten sie als Gestirne an den Himmel – anderen wurde erlaubt, sich am Himmel frei zu bewegen.

    Um die Tag- und Nachtphase festzulegen erhielt der Gott Dag (AN Tag) und seine Mutter, die Jötun-Riesin Nótt (AN Nacht), jeweils einen mit Pferden bespannten Wagen von den Göttern. Mit diesen fahren sie im Abstand von einem Tag um die ganze Welt. Dadurch bestimmen sie den Beginn bzw. das Ende von Tag und Nacht.
    Der Riese Mundilföri wagte es, seine Tochter Sol1) (AN Sonne) und seinen Sohn Mani (AN Mond) mit den Göttern gleichzusetzen. Als Strafe wurden die beiden von Odin in den Himmel versetzt, wo seitdem Sol den Sonnenwagen und Mani den Mondwagen über das Himmelsgewölbe lenken, um die Erde zu erhellen. Die beiden Wagen schufen die Götter aus zwei größeren glühenden Brocken aus Muspelheim. Mani wird vom Wolf Hati (AN Verächter) verfolgt. Immer wenn er dem Mondwagen zu nahe kommt, entsteht eine Mondfinsternis. Analog dazu wird Sol vom Wolf Sköll (AN Spott) verfolgt, wobei sich die Sonne verdunkelt, wenn er ihrem Wagen zu nahe kommt.

    Die Erde war kreisrund und vom Meer umgeben. Das Land an den Küsten im Osten wird Jötunheim genannt und ist das Reich der Riesen. Zum Schutz vor den zerstörerischen Kräften der Thursen2) bauten die Götter einen Wall aus Ymirs Augenbrauen kreisrund um Midgard (AN Mittelerde). Midgard lag im Zentrum aller anderen Welten und sollte die Wohnstätte der Menschen werden. Nachdem dies alles geschaffen war, nahmen die drei Brüder Ymirs Gehirn und warfen es in den Himmel, woraufhin die Wolken entstanden sind.

    Die ersten Menschen Ask (AN Esche) und Embla (AN Ulme) wurden von Odin, Hönir (= Vili: AN Wille) und Lodur (AN der Lodernde = Ve) aus zwei Bäumen geschaffen, die vom Meer an den Strand geschwemmt wurden. Odin gab ihnen als Luftgott Atem, Leben und Geist. Hönir gab ihnen als Wassergott klaren Verstand und Gefühl. Lodur gab ihnen als Feuergott das warme Blut, das blühende Aussehen, die Sprache und das Gehör. Ask und Embla bewohnten Midgard und aus ihnen ging das ganze Menschengeschlecht hervor. Auffallend im Vergleich zu Mythologien anderer Kulturen ist an der nordischen Version, daß die Menschen aus bereits lebendigem Material (Bäume) geschaffen worden sind.

      Gingen da dreie aus der Versammlung
      Mächtige, milde Asen zumal,
      Fanden am Ufer unmächtig
      Ask und Embla und ohne Bestimmung.

      Besaßen nicht Seele und Sinn noch nicht,
      Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
      Seele gab Odin, Hönir gab Sinn,
      Blut gab Lodur und blühende Farbe.

      (aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung)

       

      Yggdrasill – die Weltesche

      Es heißt in der Edda, Yggdrasill sei „der erste der Bäume“ – über seine Entstehung steht jedoch nichts geschrieben. Yggdrasill steht im Zentrum von Midgard und verbindet alle 9 Welten. Die 9 Welten sind in der nordischen Kosmologie auf drei Ebenen verteilt vorzufinden. Hierbei handelt es sich nicht unbedingt um eine „geographische“ Aufteilung anhand der Beschreibungen in den Schöpfungsmythen, sondern vielmehr um eine Schematisierung der germanischen Vorstellung vom Zusammenspiel des Kosmos: (Die strenge Unterteilung in Himmel und Hölle ist wohl auf christliche Einflüße zurückzuführen. Ursprünglich befand sich z. B. Walhalla in der Unterwelt und die Götterburg Asgard wurde auf Midgard erbaut.)

      1. Ebene („Himmel“):
      Asgard: Sitz der Götter, Wohnort der Asen
      Vanaheim3): Wohnort der Wanen
      Ljossalfheim: Wohnort der (Licht-)Alfen4)2. Ebene („Erde“):
      Midgard: Welt der Menschen im Zentrum aller anderen Welten
      Jötunheim: Reich der Riesen (im Osten)
      Svartalfheim: Wohnort der Dunkel-Alfen, (Zwerge) – unterirdisch
      Muspelheim: Reich des Feuers bzw. der Feuerriesen (südl. Midgard)

      3. Ebene („Unterwelt“):
      Hel(heim): Reich der Totengöttin Hel (Tochter Lokis)
      Niflheim: Reich des Nebels, Eises

      Der Weltenbaum Yggdrasill

       

      Bei näherer Betrachtung stellt man fest, daß die Welten immer Gegensätze bilden, Muspelheim – Niflheim (Feuer – Eis), Asgard – Hel (Himmel – Hölle), Ljossalfheim – Svartalfheim (Hell – Dunkel) und Vanaheim – Jötunheim (Friede – Zerstörung) übrig bleibt einzigartig Midgard im Zentrum, wo die restlichen 8 Welten aufeinandertreffen. Folglich ist in Midgard quasi „alles möglich“.

      „Diese Esche ist der größte und beste von allen Bäumen: seine Zweige breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf über den breiten Himmel. Drei Wurzeln halten den Baum aufrecht, die sich weit ausdehnen: die eine zu den Asen, die andere zu den Hrimthursen, wo vormals Ginnungagap war; die dritte steht über Niflheim, und unter dieser Wurzel ist Hvergelmir, und Nidhöggr nagt vonunten auf an ihr. Bei der anderen Wurzel hingegen, welche sich zu den Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind. ….. Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum Himmel geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: da haben die Götter ihre Gerichtsstätte, …“

      (Ausschnitt aus dem Gylfaginning)

      Außerdem sitzen die drei Nornen / Schicksalsgöttinnen (AN Raunende) Urd (Vergangenheit), Verdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft) an Urds Brunnen. Dort bestimmen sie das Schicksal aller Lebewesen.
      Auf der Spitze des Baumes sitzt der Jötunn-Riese Hräswelgr in Gestalt eines Adlers. Wenn er mit seinen Flügel schlägt, entsteht der Wind.

        Hräswelg heißt, der an Himmels Ende sitzt
        In Adlerskleid ein Jote.
        Mit seinen Fittichen facht er den Wind
        Über alle Völker.

        (aus dem Gylfaginning)

        Das Eichhörchen Ratatöskr läuft ständig am Stamm des Yggdrasill entlang zwischen dem Adler und dem Drachen Nidhöggr (AN Neiddrache) hin und her. Es galt als Sinnbild der ewigen Streitigkeiten zwischen den Menschen, weil es immer Zwietracht zwischen den beiden sät, indem es jeweils dem einen erzählt, was der andere schlechtes über ihn erzählt hätte.

        Wenn der immergrüne Lebensbaum zu welken beginnt, ist dies die Ankündigung von Ragnarök (AN Weltuntergang). Unter den Menschen herrscht Grausamkeit und moralischer Verfall. Darauf folgt eine Eiszeit und die alles vernichtende Endschlacht, bei der alle Götter und Menschen sterben werden. Nach einer langen Zeit wird die Welt neu entstehen. Der Lichtgott Balder wird zurückkehren und alle Wesen werden in Frieden miteinander leben.

          Brüder befehden sich und fällen einander,
          Geschwisterte sieht man die Sippe brechen.

          Unerhörtes ereignet sich, großer Ehbruch.
          Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen,
          Windzeit, Wolfszeit, eh die Welt zerstürzt.
          Der eine achtet des andern nicht mehr.

          Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,
          Vom Himmel schwinden die heitern Sterne.
          Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,
          Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

          Da seh’ ich auftauchen zum andernmale
          Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.

          Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder.

          (aus der Völuspa – Der Seherin Weissagung)

           

          Der erste Krieg

          Um an den Reichtum der Wanen zu gelangen, begannen die kriegerischen Asen den allerersten Krieg, der erst endete, als die beiden Göttergeschlechter ewigen Frieden schlossen, indem sie Geißeln austauschten.
          Wahrscheinlich wurde hier ein geschichtlich bedeutendes Ereignis im Mythos verarbeitet: Nach der Entmythologisierung stellt man fest, daß es sich bei den Asen im Grunde um kriegerische indogermanische Stämme und bei den Wanen um die bäuerliche  germanische Urbevölkerung handelt. Zwischen denen etwa 2000 v. Chr. ein realer Krieg herrschte. Auch damals wird der Friede durch Heirat zwischen Angehörigen der zuvor verfeindeten Stämme gesichert worden sein. Nach der Vermischung der germanischen Urbevölkerung mit den indogermanischen Stämmen überwog nach und nach die Verehrung der eher kriegerischen Götter der Indogermanen, eben der Asen als der friedlichen Wanen. Wahrscheinlich aus dem ganz einfachen Grund, weil sich die indogermanischen Religionsvorstellungen durchsetzten und die der Urbevölkerung mehr oder weniger in den Hintergrund drängten. So ist es z. B. auch auffallend, daß die Herkunft der Wanen in den altnordischen Quellen nicht näher beschrieben wird.
          Eine andere Theorie verweist jedoch auf den sozialen Konflikt zwischen den Herrschenden und dem einfachen Volk. Erst nach dem Friedensschluß zwischen diesen beiden Gruppen war ein Leben in einer geordneten Gesellschaft möglich geworden.
           Anmerkungen1) Die Verehrung einer Licht und Wärme spendenden Sonnengöttin als Personifikation der Sonne läßt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen.

          2) An dieser Stelle ist es vielleicht notwendig, anzumerken, daß man die „Riesen“ eigentlich in verschiedene Arten unterteilen kann:
          Die Jötunen, auch genannt Etins, stellen sich entweder auf die Seite der Götter oder wenden sich zusammen mit den Thursen gegen sie. Oft besitzen die Jötunen ein enormes Wissen und verfügen über Zauberkräfte. Die Körpergröße spielt bei den Jötunen keine entscheidende Rolle. Ein gutes Beispiel für einen Jötun wäre z. B. der bösartige, aber hochintelligente Gott Loki, Sohn des Riesen Farbauti. (Loki wird den Weltuntergang Ragnarök heraufbeschwören.)
          Zusätzlich gibt es noch das Geschlecht der Thursen, die man sich als riesengroß, zerstörerisch und allgemein als dumm vorstellte. Ihre Bosheit treibt sie zu Handlungen, die den Menschen und Göttern oft schaden. Zu den Thursen zählen die Eis-, Stein-, Wasser- und Feuerriesen: Verkörperung der Naturgewalten.

          3) Wahrscheinlich stellten sich die Germanen Vanaheim als Reich im Erdinneren vor, die Wanen sind ja auch Erdgottheiten. Hier ist Vanaheimr in die erste Ebene gesetzt, da es letzlich auch ein „himmlischer“ Wohnort von Göttern ist.

          4) Licht-Alben (= Alfen/Elfen) sind geisterhafte, schöne Lichtwesen mit großer Weisheit. Sie sind den Menschen gegenüber freundlich und hilfsbereit und stehen den Göttern nahe. Dunkel-Alben hingegen sind pechschwarz, leben unter der Erde und sind eher bösartig gesinnt. Die Dunkel-Alben werden oft auch mit den Zwergen in Verbindung gebracht. Eine weitere Vorstellung war, daß es sich bei Elfen um die Seelen der verstorbenen Ahnen handelt.

          AN: altnordische Übersetzung oder Bedeutung
            

          Stammbaum der nordischen Gottheiten
          Stammbaum der nordischen Gottheiten

           

           Literaturhinweise Die Edda, (Übersetzung v. Karl Simrock), Manfred Stange (Hrsg.), Bechtermünz VerlagEdda, (Übersetzung v. Felix Genzmer), Max Thalmann, Eugen Diederichs VerlagHerder Lexikon / Germanische und keltische Mythologie, Herder VerlagLexikon der germanischen Mythologie, Rudolf Simek, Kröner VerlagLexikon der Mythologie, Gerhard J. Bellinger, Bechtermünz VerlagRunenkunde, Edred Thorsson, Urania Verlag 

           NMYTH.DOC & STAMBAUM.DOC (Word7)    NMYTH.RTF & STAMBAUM.RTF.

          Quelle: http://ingheim.tripod.com/nmyth.htm

          Gruß an die Ahnen

          TA KI

           

           

          Von Riesen und von Menschen.


          von unserem Gastautor François de Sarre

          Abb. 1 In den Mythen des Altertums und in der Bibel wird die Erinnerung an Riesen wach gehalten.

          Abb. 1 In den Mythen des Altertums und in der Bibel wird die Erinnerung an Riesen wach gehalten.

          In den Mythologien des Altertums und in der Bibel wird die Erinnerung an Riesen wach gehalten. Einige moderne Kommentatoren denken, dass es Riesen waren, die vor sehr langer Zeit Zivilisationen wie die unsere entwickelt haben, oder sogar solche, die uns weit voran waren. Andere Forscher vermuten, dass solche Riesen lange vor uns existiert haben, und dass sie ihr Wissen an Menschen übertragen haben, die kleiner waren als sie, und die nach ihnen gelebt haben.

          Waren die Vorbilder und Initiatoren der heutigen Menschheit etwa Riesen? Oder waren’s Leute wie wir, nur etwas größer in der Durchschnittsgröße? Der Unterschied ist bedeutend. In einem Fall haben wir mit einer Zivilisation oder mit einer Geschlechtslinie von Riesen zu tun, im anderen, mit einzelnen Individuen, die später wegen ihrer Größe berühmt wurden.

          Abweichend von meinen Gewohnheiten [wie etwa in früheren Artikeln der Gazette Fortéenne zu ersehen ist], würde ich mich hier eher auf die Seite der wissenschaftlichen Orthodoxie stellen. Meiner Meinung nach, waren die Riesen aus der Geschichte Menschen wie wir. Ihre Größe ist nur der Ausdruck der normalen natürlichen Variabilität in Bezug auf Größe, in einer biologischen Spezies wie der unseren: Homo sapiens.

          Doch werde ich diesen Artikel nicht beenden, ohne etwas zu erwähnen, was schließlich zum «Beweis» der damaligen Existenz von Riesen auf Erde führen könnte. Soweit mir bekannt, wurde diese Erkenntnis in dieser Weise noch nie zum Ausdruck gebracht. Der nachstehende Beitrag wird das zusammenfassen, was ein Zoologe über die Riesenformen, sowohl bei Homo sapiens, als auch bei nah verwandten Spezies, die ausgestorben sind (oder als ausgestorben gelten) zu sagen in der Lage ist.
          Geschichten über Riesen

          Abb. 2 Der gigantische Philister Goliath, der im Zweikampf von David getötet wurde, ist der bekannteste der biblischen Riesen.

          Abb. 2 Der gigantische Philister Goliath, der im Zweikampf von David getötet wurde, ist der bekannteste der biblischen Riesen.

          Wir kennen alle solche Geschichten. Die Riesen (wie auch die Zwerge) sind häufige Gestalten in Kindermärchen. In vielen Volkssagen, in historischen Erzählungen oder im Mythos, trift man auf Riesen. Einsichtsvolle Forscher, wie Pascal Cazottes [1] oder Jean-Philippe Camus [2] berichteten darüber in gut dokumentierten Schriften.

          Der berühmteste Riese aus der Bibel ist wohl Goliath. (Abb. 2) Dieser sehr große Philister-Krieger wurde in Zweikampf vom jungen David zur Strecke gebracht. In Zusammenhang mit diesem Vorfall werden keine andere Namen von Riesen erwähnt, doch die Bibel enthält diesbezüglich noch weitere Geschichten.

          Wenn es eine Bibelstelle gibt, der von den Lesern der Gazette Fortéenne gut bekannt ist, ist es wohl folgende Passage, die von Autoren übernommen wurde, wie Jean Sandy, Denis Saurat, Jimmy Guieu, Robert Charroux oder Erich von Däniken: «Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.» [Genesis, VI, 1-4].

          Die Erwähnung von riesengroßen Menschen ist in der Bibel nicht gerade selten, wie wir bereits in der Einführung bemerkten. Man kann an Individuen denken, die ausgesprochen groß und stark waren, und häufig von ihren kleiner geratenen Lebensgenossen bei Kämpfen geradezu in den Vordergrund gestellt wurden. So wurden diese Riesen Stellvertreter für ein ganzes Volk! Oft waren sie selbst leitende Führer. Auf diese Weise spricht man von Nephilim, Anaqim, Emim, Zouzim oder auch Raphaim.

          Nach der hier entwickelten Aussicht handelt es sich hierbei wohl nicht um ‘Völker von Riesen’, sondern nur der König oder ‘Held’ war ein Riesen, wie der famose König Og aus Bashan (im Norden des heutigen Jordans). In der Bibel (Deuteronomium, III, 1), spricht man von der riesigen Größe dieses Königs. Pascal Cazottes trifft einen Vergleich mit Ogmios, dem gallischen Herkules; wahrscheinlich ist Og die Wurzel unseren Wortes ‘Oger’.

          Bei den Griechen wurde dem Helden Herakles eine übermenschliche Kraft zugeschrieben, und er war selber sicher sehr groß. Er zog aus, um andere Leute zu bekämpfen, die auch sehr groß waren, wie Geryones, Cacus, oder den berühmten Antaios. Im Gilgamesch-Epos kämpfte dieser sumerische König gegen Enkidu, einen großen behaarten Menschen (etwa ein Urmensch?). Er lebte mit wilden Tieren zusammen. Dann wurden Gilgamesch und Enkidu Freunde, und zogen zusammen los, um einen Furcht einflößenden Riesen namens Huwawa zu töten.

          Uns räumlich und zeitlich näher liegend, wurden 1987 bei Blieskastel, einer kleinen Stadt an der Saar, die Gebeine eines ‘keltischen Riesen’ entdeckt, der 2 m groß war. [3]

          All dies bezieht sich auf Menschen, die sehr groß waren. Doch die Riesen des Altertums, oder noch jüngere, liegen im Bereich der natürlichen Veränderlichkeit des Homo sapiens von gestern und heute. Das hängt schließlich mit dem Blickwinkel zusammen, den man dazu einnimmt: für einen beruflichen Korbballspieler, ist 2 m wohl die mindeste Größe, die verlangt wird!
          Anatomische und zoologische Kriterien

          Abb. 3 Robert Wadlow (1918-1940) galt lange Zeit als 'größter Mensch der Welt'.

          Abb. 3 Robert Wadlow (1918-1940) galt lange Zeit als ‚größter Mensch der Welt‘.

          Wenn man ein populär-wissenschaftliches Buch öffnet, wie das Guinness Buch der Rekorde, werden interessante Angaben über menschliche Variabilität (Veränderlichkeit) ersichtlich. Der größte Mann, der medizinisch daraufhin untersucht wurde, war der 1940 verstorbene Amerikaner Robert Wadlow (Abb. 3), der die Höhe von 2,72 m erreichte. Der heute lebende größte Mensch war lange der Tunesier Radhouane Charbib mit 2,359 m. Er soll aber nun vom Chinesen Xi Shun, mit nur 2 mm Unterschied überholt worden sein!

          Die Ärzte, die Xi Shun 2005 untersucht haben, haben kein Zeichen von Akromegalie entdeckt (ein pathologisches Längen-Wachstum der Knochen des Gesichts und der Gliedmaßen). Man hat nie erklären können, warum er so groß gewachsen ist. Bis zum Alter von 14 Jahren, war er normal groß, dann wuchs er bis zur Höhe von 2,361 m. Von der chinesischen Armee rekrutiert, ist er wegen seiner Begabung als Korbballspieler nun in die Innere Mongolei zurückgekehrt, wo er als Schäfer arbeitet. [4]

          Was besagt die Biologie über solche Riesen? Die menschliche Spezies ist nicht die einzige, die solch große Formen entwickeln kann. Nehmen wir dazu die Haustiere als Beispiel: Hunde, Pferde und besonders Kaninchen weisen eine bedeutsame Veränderlichkeit in der Körpergröße auf, bis hin zu deren Verdoppelung.

          Ausserdem gibt es «Gesetze» (oder Grundregeln) in Biologie. Zunächst gibt es das so genannte „Cope’sche Gesetz“ (oder Gesetz der nicht-Spezialisierung der Stammformen). Jede Urform (oder Stammform) besitzt die anatomischen Eigentümlichkeiten, die späterhin zur Weiterentwicklung der spezialisierten Formen Anwendung finden, die im Laufe der Evolution innerhalb desselben Phylums (Entwicklungslinie) nach und nach entstehen.

          Das bedeutet, dass man die Herkunft jeder Tiergruppe in einer Ursprungsform suchen muss, die als Generalistenform [orig.: forme généraliste] bezeichnet wird. Als Beispiel davon wird meist [5] die Gattung Phenacodus (Abb. 4) aufgeführt, ein Säugetier (zu den Condylarthra gehörend) aus dem oberen Paläozän (vor ca. 55 Millionen Jahren), das zugleich der Vorfahr der grasfressenden und der fleischfressenden Säuger gewesen sein soll.

          Abb. 4 Die Urformen der heutigen Pferde, wie Phenacodus (Bild) waren noch vergleichsweise kleinwüchsige Huftiere.

          Abb. 4 Die Urformen der heutigen Pferde, wie Phenacodus (Bild) waren noch vergleichsweise kleinwüchsige Huftiere.

          Es sei hier auch darauf hingewiesen, dass im theoretischen Rahmen der ursprünglichen Zweifüßigkeit (bipédie initiale) der Mensch selbst als die vermutliche Stammform und Vorahne der Primaten – wohl auch aller Säuger insgesamt – betrachtet wird. Man kann annehmen, dass eine progressive Spezialisierung in den verschiedenen Säugerentwicklungslinien stattfand – Condylarthra einbegriffen –, die auf einen Urstamm von Bipeden mit Säugercharaktern zurückzuführen seien; diese säugerhaften Bipeden hätten sich evolutionsmäßig selbst aus einem vorherigen aquatilen Stadium entwickelt. [6]

          Daraus kann man entnehmen, dass die Ahnenformen zwangsläufig nicht-spezialisierte Formen sind!

          Ein weiteres biologisches Gesetz ist das Gesetz der Spezialisierung der Entwicklungszweige. Es kann am Beispiel der Equidae (Pferde) dargestellt werden. Man nimmt gewöhnlicherweise an, dass die Familie der Pferde unter den oben erwähnten Condylarthren ihren Ursprung genommen hat. Sie waren durch den Besitz von Gliedmaßen mit 5 Fingern und 5 Zehen gekennzeichnet, die dem Sohlengang angepasst waren. Im unteren Eozän (vor 50 Millionen Jahren) war der früheste bekannte Pferdeartige Hyracotherium (Eohippus) von geringer Größe (wie ein Fuchs), versehen mit Gliedmaßen mit 4 Fingern und 4 Zehen. In der weiteren Folge bemerkt man eine generelle Tendenz zur Zunahme an Größe und zum Verlust von Fingern und Zehen. Das geht zusammen mit einer Spezialisierung des Gebisses: Die Pferdeartigen werden zu Graßfressern in offenen Graßlandschaften.

          Abb. 5 Rekonstruktion eines Australopithecus afarensis

          Abb. 5 Rekonstruktion eines Australopithecus afarensis

          Wenn man die Geschichte eines Phylums (Entwicklungsreihe) rekonstruiert, sei es bei Tieren oder auch bei Pflanzen, wird man vom Phänomen einer progressiven Spezialisierung beeindruckt, die zur Entstehung von Seitenzweigen führt, die wie die Zweige eines Baumes entlang des Stammes, entlang der Hauptachse des Phylums gelegen sind.

          Dabei denkt man unweigerlich an die Australopithecinen (Abb. 5), und ganz besonders an die robusten Australopithecinen, deren Kiefer und Gebisse durch die Nahrungsspezialisierung geradezu riesengroß geworden waren. Sie ernährten sich vorwiegend von zähen pflanzlichen Substanzen: Nüsse, Wurzeln und Wurzelstöcken.

          Ein drittes Gesetz ist das Gesetz der Zunahme an Größe in den Entwicklungslinien, welches man auch das „Depéret’sche Gesetz“ nennt. Man bemerkt ganz allgemein eine Zunahme an Größe bei den Vertretern eines gleichen Zweiges, und zwar verläuft sie von den ältesten Formen zu den Jüngeren hin. Das klassische Beispiel hierfür ist das der Titanotherien, das 1929 von H.F. Osborn beschrieben wurde.

          Abb. 6 Rekonstruktion eine Gigntopopithecus im Größenvergleich mit einem Menschen.

          Abb. 6 Rekonstruktion eine Gigntopopithecus im Größenvergleich mit einem Menschen.

          Man merkt eine deutliche Zunahme an Größe, wenn man allmählich von einem Vertreter des unteren Eozäns, wie Eotitanops, zu einem Vertreter des unteren Oligozäns, wie Brontotherium hinüber geht, etwa über Protitanotherium und Manteoceras aus dem oberen Eozän. Darüberhinaus wird die Zunahme an Größe bei den Titanotherien von einer progressiven Entwicklung der Nasenvorsätze begleitet, die paarigen Hörnern ähnlich sehen können.

          Ähnliche Beispiele können auch bei Dinosauriern gefunden werden, wo die Entwicklungsreihen des Mesozoïkums zu immer größeren Formen geführt haben. Dies lässt sich lediglich dadurch erklären, dass man, umso größer man wird, immer weniger angreifbar durch Raubtiere ist… es sei denn, diese werden gleichzeitig auch immer größer, wie im Falle des Tyrannosaurus rex.

          Bei vielen Tiergruppen, können lokale Zwergformen entstehen. Man kennt den Fall der Zwergelefanten (Elephas melitensis) aus dem Pleistozän von Sizilien, von Malta und von Zypern. Man hat sogar von kurzem eine Zwergform aus der menschlichen Entwicklungslinie, Homo floresiensis, entdeckt, aber im vorliegenden Fall werden wir unsere Aufmerksamkeit eher den riesengroßen Primaten zuwenden, wie Gigantopithecus (Abb. 6), Meganthropus und (zum Teil)… Homo sapiens!

          Auf jeden Fall macht die strikte Anwendung der oben zitierten biologischen Gesetze aus Riesenformen eher spezialisierte Wesen, die sich am Ende der jeweiligen Entwicklungslinien befinden, und zwar auf Entwicklungszweigen, die von unserem abweichen. Daher fällt es einem schwer, auch wenn es so von einigen Autoren erörtert wurde, die Riesen schlicht an den Ursprung unserer Evolution zu setzen, oder gar als die Urheber unserer Zivilisation!
          (…)

          Anmerkungen und Quellen

          1. CAZOTTES, Pascal : « Les Géants dans l’Histoire », Les Mystères du Temps, 3 : 18-29, janv. 2004
          2. CAMUS, Jean-Philippe : « Le Règne des Géants », Le Monde de l’Inconnu, 298, nov. 1999; oder unter: http://www.onnouscachetout.com/themes/mythes/geants.php
          3. ↑ Siehe: MAGIN, Ulrich: « Goblins and Giants in Europe », Le Clin d’œil, 19 : 17-21, Nice, février 1988 – sowie: http://www.saarlandbilder.net/orte/blieskastel/wolfersheim.htm
          4. ↑ Guiness World Records, unter: http://www.guinnessworldrecords.com
          5. GAUDANT, Mireille et Jean: « Théories classiques de l’évolution », Dundo, Paris, 1971.
          6. SARRE, François de: « L’homme est-il né debout », La Gazette Fortéenne, vol. 1, 2002.

          Bild-Quellen

          (1) World of Meln, unter: stonegiant

          (2) John P. Pratt, unter: The Timing of David and Solomon’s Reigns

          (3) World’s Tallest Man – Robert Wadlow Video, unter: Robert Wadlow with two girls

          (4) Wikimedia Commons, unter: Datei:Phenacodus.jpg

          (5) Wikimedia Commons, unter: File:Australopithecus afarensis.JPG

          (6) Nephiliman.com, unter: Australian Giants

          Quelle: http://atlantisforschung.de/index.php?title=Von_Riesen_und_von_Menschen…

          Gruß an die Riesigen

          TA KI

          Gab es Riesen?


          Gernot L. Geise

          Abb. 1 Mythologischer Riese (Sage von Vanapagan)

          Abb. 1 Mythologischer Riese (Sage von Vanapagan)

          Zum Beitrag von Reinhard Prahl „Mythos und Realität der Riesen“ in SYNESIS Nr. 2/2003 seien hiermit noch einige Details hinzu gefügt. „Riesen“ sind nicht zwangsläufig das, was wir unter „Riesen“ verstehen. In der Mythologie, in Überlieferungen und Sagen wurde zwangsläufig Dichtung und Wahrheit mit Übersetzungsfehlern und Wortfalschdeutungen vermengt, meist ähnlich wie in dem beliebten Spielchen „Stille Post“, da gerade die älteren Überlieferungen meist mündlich von Person zu Person weiter gegeben wurden.

          Schon Anfang der Neunzigerjahre stellte Thomas Riemer bei seinen Forschungen fest, dass das deutsche Wort „Riese“ absolut nichts mit einem groß gewachsenen Menschen zu tun hat. Das Wort ist abgeleitet von Riesiger, Reisiger = Reisender. Ein mittelalterlicher „Riese“ war also meist ein reisender Händler, der nicht zwangsläufig von großer Gestalt war.

          Das soll nicht heißen, dass es keine groß gewachsenen Menschen gab. Bleiben wir im Mittelalter, so ist überliefert, dass die Herrscher nicht nur ihr „blaues Blut“ hatten (hier wären Untersuchungen angebracht, die durchaus überraschende Ergebnisse zeigen könnten!), sondern durchschnittlich rund einen Kopf größer gewachsen waren als ihre Untertanen. Es gibt verschiedene Überlieferungen von Situationen, dass ein Herrscher sich „unerkannt“ unter sein Volk mischen wollte, um ihre Meinung zu irgend etwas zu erfahren. Diese Vorhaben schlugen regelmäßig fehl, weil sie aufgrund ihrer körperlichen Größe sofort enttarnt wurden.

          Woran dieser Größenwuchs lag, der auch an den erhaltenen Ritterrüstungen nachvollzogen werden kann, ist bisher nicht erklärbar. Nur die Inzucht der Herrscher und des Adels untereinander als Grund anzunehmen, ist wohl zu kurzsichtig.

          Eine einleuchtende These zum Größenwachstum geht von der Intensität elektrischer Felder aus, denen Lebewesen ausgesetzt sind. Etwa in den Siebziger-/Achtzigerjahren wurden hierzu Untersuchungen angestellt und Messungen an den verschiedensten Stellen der Erde vorgenommen. Dabei stellte sich heraus, dass das Größenwachstum um so stärker ausgeprägt ist, je höher das elektrische Feld ist. Das natürliche elektrische Feld der Erde ist keineswegs überall auf der Welt gleich hoch ausgeprägt. Zusätzlich unterliegt es diversen Schwankungen, die – wie auch im obigen Beitrag ausgeführt – durch Sonnenenergie-Einflüsse, Polumkehr, schnellere oder langsamere Rotation, nähere oder weitere Entfernung des Mondes usw. ausgelöst werden können.

          So lässt sich das allgemeine Größenwachstum in der Saurier-Ära problemlos mit einem stärkeren elektrischen Feld erklären, hervorgerufen durch eine lang anhaltende Sonnenaktivität.

          Das Gegenteil ist im Mittelalter zu beobachten, in einer Phase verminderter Sonnenaktivitäten, die sich nicht nur durch eine abgesenkte Temperatur bemerkbar machte – diese Zeit wird allgemein als „Kleine Eiszeit“ bezeichnet -, sondern sich auch im Größenwachstum zeigt. Die Menschen des Mittelalters waren in der Regel um bis zu einem halben Meter kleiner als wir.

          Abb. 2 Die Errichtung eines Großsteingrabes durch Riesen (Picardt 1660)

          Abb. 2 Die Errichtung eines Großsteingrabes durch Riesen (Picardt 1660)

          Die genannten Untersuchungen zeigten, dass Lebewesen in Regionen mit schwächerem elektrischen Feld kleinwüchsiger sind. Hierzu gehören beispielsweise die afrikanischen Pygmäen, die in einer solchen Zone leben. (Natürlich wäre es interessant, zu erfahren, wie sich Pygmäen größenmäßig entwickeln würden, wenn man sie in eine Region mit stärkerem elektrischen Feld umsiedelt.)

          Zu unseren heutigen Verhältnissen und dem – schon im obigen Beitrag erwähnten – gerade in den letzten Jahrzehnten zu beobachtenden Größenwachstum passt der Einfluss elektrischer Felder ebenfalls. Nur ist er heute nicht mehr natürlichen Ursprungs, sondern technischer Natur.

          So verläuft eine zunächst langsam, dann schneller fortschreitende Veränderung des Größenwachstums in unserer Zeit völlig parallel mit der Einführung und dem immer stärkeren Ausbau der Elektrifizierung. Heutige Menschen sind (in Mitteleuropa) elektrischen Feldern ausgesetzt, die in ihrer Intensität mehrtausendfach stärker sind als das natürliche. Man denke nur daran, welche elektrischen Felder sich in einer Wohnung befinden, die elektrifiziert ist (und welche Wohnung ist das heute nicht?). Jeder Rutengänger weiß, dass jede in einer Wand verlegte Stromleitung ein elektrisches Feld ausbildet, das bis zu fünfzig Zentimeter in den Raum hinein reicht. Jeder Transformator (z.B. Steckernetzteile) baut ein Feld um sich auf, das bis zu zwei Meter im Umkreis wirkt. Und wenn wir aus dem Haus gehen, setzen wir uns anderen elektrischen Feldern aus: von den Hochspannungs-Überlandleitungen angefangen über die Starkstromleitungen von Eisenbahn und Straßenbahn bis hin zu Radio-, TV- und den mörderischen Mobilfunkstrahlungen.

          Ein auf elektrischen Feldern basierendes Größenwachstum ist heute geradezu vorprogrammiert. Wobei natürlich zusätzlich veränderte Lebens- und Essgewohnheiten kommen, die sich ebenfalls in dieser Richtung auswirken können.

          Doch damit kommen neue Probleme auf uns zu, denn der menschliche Körper (bei Tieren wird es ähnlich sein, doch die fragt niemand) ist nur bis rund zwei Meter funktionsfähig, da mit zunehmender Größe zwangsläufig auch das Gewicht zunimmt und die Gelenke irgendwann ihren Dienst versagen, weil sie überfordert sind. Mitte Januar sah ich im Fernsehen einen Bericht über groß gewachsene Menschen (leider merkte ich mir die Sendung nicht). Darin wurde auch der „größte Mensch der Welt“ gezeigt, ein Russe mit einer Körpergröße von 2,40 Metern, wobei hier das Größenwachstum nicht durch den Einfluss elektrischer Felder hervor gerufen wurde, sondern krankheitsbedingt war. Dieser Mann besitzt zwar eine imposante Statur und ist überall eine Attraktion, er hat jedoch, obwohl zur Zeit der Filmaufnahme erst Anfang dreißig, ständig Schmerzen in den Gelenken, die aufgrund seines Gewichts bereits verschlissen sind. Er kann sich nur schleppend fortbewegen.

          Deshalb ist ein extremes Größenwachstum in vergangenen Zeiten mit Vorbehalt zu betrachten. Wurden Lebewesen wirklich übermäßig groß, kann ihre Lebensdauer nicht allzu lang gewesen sein, weil unweigerlich Gelenkprobleme auftreten. Eine Lebensspanne wie heute muss ausgeschlossen werden.

          Abb. 3 Ritterlicher Kampf gegen einen riesigen Waldmenschen (Mittelalterliche Buchmalerei)

          Abb. 3 Ritterlicher Kampf gegen einen riesigen Waldmenschen (Mittelalterliche Buchmalerei)

          Tatsache ist, dass man menschliche Knochen, Zähne und Werkzeuge ausgegraben hat, die auf ein ehemaliges Riesenwachstum hindeuten. Verglichen mit den Problemen heutiger groß gewachsenen Menschen können diese Menschen jedoch keinesfalls die „Helden“ oder „Kämpfer“ gewesen sein, als die sie in Überlieferungen geschildert werden (z.B. David und Goliath). Diese Menschen waren wohl schon froh, wenn sie sich einigermaßen normal fortbewegen konnten. Noch zusätzlich eine schwere Rüstung oder Kampfgerät zu tragen, muss fast unmöglich gewesen sein, geschweige denn Kämpfe zu bestreiten. Warum konnten sich dann die riesenhaften Giganten der Urzeit, die Saurier, problemlos bewegen, ohne Schwierigkeiten mit ihren Gelenken zu bekommen? Das mag daran liegen, dass ihr Skelett massiver und robuster aufgebaut war als unseres. Diese Tiere hatten Millionen Jahre Zeit, um ihr Größenwachstum kontinuierlich zu entwickeln (nicht wie beim heutigen Menschen innerhalb weniger Jahrzehnte).

          Wenn es also – unbestrittenermaßen – über 2,50 Meter große Menschen gegeben hat (wobei wir die Frage der zeitlichen Datierung, ob Saurier und Menschen gleichzeitig lebten, einmal außer Acht lassen wollen), so könnte als weitere Möglichkeit eine damalige Verringerung der irdischen Schwerkraft in Frage gekommen sein. Dieser Gedanke wird jedoch von der Wissenschaft abgelehnt, bleibt reine Spekulation und lässt sich in keiner Weise belegen.

          Bezogen darauf, dass in den Überlieferungen groß gewachsene Menschen ihre Abstammung von den „Göttern“ herleiten, hätten wir einen weiteren Aspekt. Bekanntlich waren nicht nur körperliche Größe, sondern auch Langlebigkeit Attribute der „Götter“. Auch die ersten Menschen der Bibel besaßen diese Langlebigkeit, die von Generation zu Generation abnahm. Leider ist bei ihren Beschreibungen keine Rede von ihrer körperlichen Größe, was damit zusammenhängen könnte, dass man normalerweise keine Selbstverständlichkeiten erwähnt. Wenn alle Menschen übermäßig groß waren, dann waren das ganz selbstverständliche Attribute. Zu (späteren) Zeiten Davids und Goliaths könnte inzwischen, analog zur immer kürzeren Lebensspanne, auch ihre Körpergröße auf heutige Maße „geschrumpft“ sein.

          In meiner Trilogie „Unser marsianisches Erbe“ führe ich den Beweis dafür, dass die Menschheit (bzw. einige wenige Überlebende) sich ursprünglich vom Mars auf die Erde rettete, als der Rote Planet durch eine gigantische Katastrophe unbewohnbar wurde. Auf dem Mars herrscht eine Schwerkraft, die mindestens zehn Prozent niedriger als die irdische ist. Hier hätten wir eine Begründung für das Größenwachstum und die lange Lebensdauer der ersten Menschen, die von späteren Generationen als „Götter“ bezeichnet wurden, weil sie noch technische Möglichkeiten besaßen, die späteren in die Primitivität abgesunkenen Menschen unglaublich erscheinen mussten. Inzwischen hat man nämlich herausgefunden, dass mit abnehmenden Schwerkraftbedingungen die Lebensdauer länger wird. Demgemäß verkürzt sie sich unter höheren Schwerkraftbedingungen.

          Sie sehen, das Thema „Riesen“ ist noch lange nicht abgeschlossen

          Anmerkungen und Quellen

          Dieser Beitrag von Gernot L. Geise (© 2003) erschien erstmalig unter dem Titel „Gab es Riesen? in EFODON-SYNESIS Nr. 2/2003, online unter http://www.gernot-geise.de/html/archiv/geschichte/riesen/riesen.htm (dort nicht mehr online)

          Quelle: http://atlantisforschung.de/index.php?title=Gab_es_Riesen%3F

          Gruß an die Riesigen

          TA KI

          Der Herr der Ringe des Saturn


           

          Tobte einst ein interplanetarer Konflikt in unserem Sonnensystem? Bekämpften sich vor Urzeiten ganze Zivilisationen mit hochentwickelten Waffen im All? Die merkwürdigen Anomalien des Jupiter-Mondes Iapetus könnten darauf hinweisen, dass der „Krieg der Sterne“ mehr ist als nur ein modernes Leinwandspektakel, meint Dr. Joseph Farrell. Alte Mythen und moderne Physik scheinen ihm Recht zu geben.


          „Ohne eine Hypothese zu wagen, und wäre sie noch so kühn – und ohne den Versuch, all die verschiedenen gefundenen Fakten in irgendeiner Form in eine kohärente Geschichte umzumünzen (den spekulativen Teil) – bliebe Wissenschaft nichts weiter als das bloße Anfertigen von Listen.“

          Richard C. Hoagland1

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          Es ist sicherlich angebracht, diesen Artikel mit einem Zitat von Richard C. Hoagland zu beginnen, denn seine Überlegungen zu dem, was er selbst so treffend als das „verblüffendste“ und „wichtigste Objekt“ des Sonnensystems2 bezeichnet und seine Gedanken zum Cydonia-Gesicht und all den anderen Anomalien auf dem Mars und dem Erdmond bilden den Hauptgegenstand dieses Artikels. Tatsächlich sind der kleine Marsmond Phobos und der große Erdmond aber nicht die einzigen Satelliten, deren Anomalien auf einen künstlichen Ursprung hinweisen. Mit dem „verblüffendsten“ und „wichtigsten Objekt“ meint Hoagland den Saturn-„Mond“ Iapetus. Warum wir Iapetus als „Mond“ bezeichnen, wird in Kürze deutlich werden.

          Hoaglands Betitelung stammt aus seiner Artikelserie „A Moon With a View: Or, What Did Arthur Know, and When Did He Know It? [Mond mit Aussicht. Oder: Was wusste Arthur und seit wann wusste er es?]“. Der Untertitel spielt auf die merkwürdige Tatsache an, dass der international bekannte und geachtete Sciencefiction-Autor Arthur C. Clarke als erster Mutmaßungen über die Eigentümlichkeiten eines der Saturn-Satelliten anstellte, und dabei eindeutig die Befremdlichsten herausgriff. Clarke verarbeitete dies in seinem bekannten Sciencefiction-Werk „2001: Odyssee im Weltraum“. Seine Arbeit ging den vielen Fotographien, die wir in diesem Artikel in Augenschein nehmen werden, um nahezu drei Jahrzehnte voraus. Hoaglands Artikel befasst sich ausschließlich mit dem Saturn-„Mond“ Iapetus.

          Die eigenartige Verbindung zwischen Mars und Saturn in alten mythologischen Texten geht weit über die astrologische Beziehung hinaus, an die man in diesem Zusammenhang als erstes denken mag. Vielmehr ist sie im Kontext des kosmischen Krieges und der Rolle, die der Saturn darin spielte, zu sehen. Dieser Rolle nähern wir uns am besten durch einen kurzen Blick auf die griechische Mythologie.

          Saturn in der griechischen Mythologie: Der Krieg mit den Titanen

          Hoagland fasst die Rolle, die der Saturn in der griechischen Mythologie spielt, wie folgt zusammen:

          „Iapetus […] ist der 17. unter den 33 bisher bekannten Monden des Saturn, und der drittgrößte. Benannt wurde er nach einem Titan – dem Sohn des Uranus und Vater von Prometheus und Atlas (Letztere gelten als die ‚Väter der Menschheit‘). Nach der griechischen Mythologie war Iapetus ein Vorfahr […] ein Ahne […] des ‚Homo sapiens sapiens.‘

          Die größeren Saturnmonde wurden 1847 von Sir John Herschel nach ‚Überwesen‘ aus der griechischen Mythologie, den so genannten Titanen benannt. Herschel erschien seine Namensgebung für Iapetus und die anderen (damals) bekannten sechs Monde wegen der Verbindung des Saturn (‚Kronus‘ [sic] auf Griechisch) zu den Titanen logisch. Herschel blieb diesem Ritual treu und nannte den größten Saturnmond ‚Titan‘ – zu Ehren des gesamten Pantheon.“3

          Aber Kronos (Saturns Name aus dem Griechischen transkribiert) war nicht nur der Vater der Titanen. Nach der griechischen Mythologie war er vor Zeus der „erste Gott“. Er wurde durch eine von den Titanen angezettelte Rebellion gestürzt. Die Titanen, das gilt es zu betonen, waren eine Rasse von Riesen.

          Mit anderen Worten, die konzeptionelle mythologische Matrix, in die wir Saturn eingebettet finden, entspricht – zumindest nach der griechischen Mythologie – exakt der des kosmischen Krieges im Pantheon. Dieser Krieg stand nach der griechischen Version eindeutig mit der Rebellion einer Rasse von körperlich groß gewachsenen Humanoiden in Zusammenhang, die als Titanen bezeichnet wurden. Iapetus war einer dieser Titanen. Die Titanen rebellierten gegen Kronos, stürzten ihn schließlich und wurden ihrerseits von Zeus unterworfen, der sich daraufhin zu dem bekannten Hauptgott des griechischen Pantheon aufschwang. Man könnte also in Abwandlung von Hoaglands Untertitel genauso gut fragen: „Was wussten die alten Griechen und seit wann wussten sie es?“

          Hoagland erwähnt zwar die Verbindung zwischen Saturn und Iapetus mit dem alten kosmischen Krieg im Pantheon, geht jedoch, wie wir gleich sehen werden, von einer völlig anderen Hypothese aus. Meiner Ansicht nach bildet der mythologische Kontext eines Krieges gegen die Titanen jedoch den entscheidenden Hintergrund, vor dem man die Anomalien auf Iapetus untersuchen und die verschiedenen Hypothesen werten sollte, die Hoagland zu ihrer Erklärung heranzieht.

          Die anomale Orbitalmechanik von Iapetus

          Ähnlich wie der Erdmond folgt auch der Saturn-„Mond“ einer Laufbahn, deren physikalische Mechanik die Möglichkeit nahezu ausschließt, dass Iapetus von der Anziehungskraft des Saturn „eingefangen“ wurde, als er ziellos durch unser Sonnensystem zog. Im Falle von Iapetus ist man sich einig, dass er unmöglich durch eine „Abspaltung“ von Saturn während der frühen Entstehungsgeschichte des riesigen beringten Planeten entstanden sein kann. Seit der Entdeckung des kleinen Satelliten durch den Astronomen Cassini im Jahr 1671 gibt seine Umlaufbahn um Saturn Rätsel auf. Im Gegensatz zu allen anderen bisher bekannten Saturn-Satelliten weist nur seine Umlaufbahn eine Inklination von etwa 15 Grad zum Äquator des Saturn auf, während alle anderen Satelliten um den Äquator kreisen. Ebenso wie der Erdmond dreht sich Iapetus um sich selbst, während er den Saturn umkreist, und zwar in einer Weise, dass immer nur eine Hemisphäre zum Saturn zeigt, die andere jedoch nicht.4

          Doch das sind noch lange nicht die merkwürdigsten Facetten der eigenartig anomalen Orbitalmechanik des Iapetus! Am besten lassen wir an dieser Stelle Hoagland zu Wort kommen, der die anderen Besonderheiten zusammenfasst. Seine abschließenden Anmerkungen können wir dann in den weiteren physikalischen Zusammenhang stellen, den seine außergewöhnlichen Beobachtungen verdienen:

          „Zieht man einmal die (erstaunliche) Möglichkeit in Betracht, dass Iapetus ein künstlicher ‚Mond‘ sein könnte – der absichtlich in seine eigenartige Umlaufbahn gesetzt wurde – löst sich die ‚Zufälligkeit‘ seiner einzigartig steilen Bahnneigung (im Vergleich zu anderen Saturnmonden ähnlicher Größe – wie Dione, Rhea, etc.) in Nichts auf.

          Gleichermaßen ‚zufällig‘ ist auch die Form der geneigten Umlaufbahn des Iapetus […] und seine genaue Entfernung vom Saturn.

          Die Umlaufbahn des Iapetus kommt einem perfekten Kreis extrem nahe […].“

          Das erinnert an unseren Erdmond!

          „Wobei bei einer Exzentrizität von nur 0,0283 etwas weniger als 3 % zu einem perfekten Kreis fehlen. (Im Vergleich dazu beträgt die Orbitalexzentrizität unseres Mondes […] 0,0549 oder ~ 6 % […] etwa doppelt so viel wie bei Iapetus!)

          Dass sich eine fast vollkommen kreisrunde, sehr stark geneigte Umlaufbahn durch ‚Zufall‘ geformt haben soll, ist geradezu unvorstellbar – besonders wenn der Auslöser für eine so geringe Exzentrizität ein ebenso ‚zufälliges‘ Kollisionsereignis bei der Entstehung des Iapetus gewesen sein soll.“5

          Wie wir uns erinnern, berufen sich einige Wissenschaftler gerade auf eine solche besondere Orbitalmechanik, wenn sie die kühne Behauptung aufstellen, der Erdmond sei ein künstlicher Satellit, der „abgebremst“ und in seine Umlaufbahn um die Erde „eingeparkt“ wurde. Mit anderen Worten: Nimmt man an, dass der Mond einst künstlich in die Umlaufbahn um die Erde hineingelenkt wurde – was sich aus der nahezu perfekten Kreisform seiner Umlaufbahn und der besonderen Orbitalmechanik ergibt, die dafür sorgt, dass er der Erde stets nur eine Hemisphäre zuwendet – in wie viel stärkerem Maß muss das dann erst für Iapetus und seinen Umlauf um Saturn gelten!

          „Doch das ist noch nicht alles.

          Der aufmerksame Leser hat den bisherigen Ausführungen zweifellos entnommen, dass Iapetus seine Bahnen in einem Abstand etwas weniger als 60 Radii von Saturn zieht (59,09 Radii, um genau zu sein … ) Die Abweichung von 0,15 % – wenn man unterstellt, dass das künstliche Modell ursprünglich exakt 60 Radii vorsah – würde anzeigen, wie weit Iapetus abgedriftet ist, seit er (als absichtlich geschaffene ‚Station‘) in die Umlaufbahn um den Saturn ‚eingeparkt‘ wurde. Diese Driftrate, die entweder auf Gezeiten des Saturn oder der Sonne oder auf andere Kräfte zurückzuführen ist, […] böte eine weitere Möglichkeit – zusätzlich zum Zählen der Krater – festzustellen, ‚wann‘ etwa dieses ganze Szenario sich ereignete …“6

          Hoagland bezieht sich hier auf die Tatsache, dass Iapetus den Saturn in einem Abstand von über drei Millionen Kilometern umkreist. Das entspricht fast genau dem 60-fachen des Saturnradius. Die Zahl 60 sollte sich einigen von uns sehr vertraut anhören:

          „‚Zufälligerweise‘ wäre der ‚ideale‘ Abstand zwischen Iapetus und Saturn eine glatte 60 – eine weitere tetraedrische Zahl – die ganz plötzlich bei der ersten sumerischen Zivilisation auf Erden vor etwa 6.000 Jahren7 auftauchte.“

          Die Orbitalmechanik des Iapetus ist also in massiver Weise künstlich und weist dazu noch eine Beziehung zu Sumer auf!

          Als wäre das noch nicht genug, nimmt Hoagland das Zahlenspiel noch genauer unter die Lupe, um aufzuzeigen, dass die Umlaufbahn des Iapetus mit natürlichen Modellen in keiner Weise zu erklären ist:

          „Nimmt man die Neigung der Umlaufbahn des Iapetus (~ 15 Grad) und multipliziert diesen Wert mit seinem Abstand in Saturn-Radii (60), erhält man das derzeitige (von der Cassini-Sonde festgestellte) durchschnittliche triaxiale Maß des Iapetus-Durchmessers: rund 1.400 km!

          Alle diese Zahlen – die Größe des Iapetus, sein Abstand vom Saturn und die Neigung seiner Umlaufbahn – sind unabhängige ‚Variablen‘. Das bedeutet, dass sie untereinander nicht zwangsläufig in einer Wechselbeziehung stehen oder sich nach irgendeiner herkömmlichen Theorie als für die Satellitenbildung notwendig erweisen. Doch aus irgendeinem Grund sind gerade bei Iapetus, […] diesem bizarren ‚Mond‘, […] der den Saturn umkreist, alle diese Maße zusammengekommen. Das ergibt einfach keinen Sinn, und die Wahrscheinlichkeit, dass dies zufällig geschah – und insbesondere dass Iapetus exakt den oben genannten Durchmesser in Kilometern! aufweist, ist (wirklich!) so verschwindend gering, dass man sie nur als ‚astronomisch‘ gering bezeichnen kann – es sei denn, hier wäre eine absichtsvolle Planung am Werk gewesen!“8

          Doch die statistisch gesehen für einen natürlichen Satelliten eigentlich unmögliche Orbitalmechanik ist noch das Geringste, was man als Argument für die Künstlichkeit von Iapetus anführen kann. Das erklärt sich bei einem Blick auf Iapetus, der allerdings erst in der jüngsten Geschichte möglich wurde, als bei der Cassini-Mission eine Sonde zum beringten Planeten geschickt wurde, der eine Reihe extrem ungewöhnlicher Aufnahmen des „Mondes“ gelangen.

          Anomale Oberflächenstrukturen auf Iapetus

          Der „Yin-Yang“-Mond

          Widmen wir uns also den Eigenheiten des Iapetus – dabei wollen wir nur einige derjenigen hervorheben, die Hoagland in seiner exzellenten Artikelserie erwähnt. Da wäre zunächst die Tatsache, dass dieser „Mond“ zwei ganz unterschiedliche Regionen aufweist, eine „dunkle“ Region und eine „weiße“ Region, also eine Region von hoher Albedo und Rückstrahlkraft. Die verschiedenartigen Regionen sind keineswegs auf fotografische Kunstgriffe zurückzuführen, sondern wirklich auf dem kleinen „Planetoiden“ vorhanden. Die merkwürdigen Regionen sehen aus wie ineinander verschlungene Ellipsen, ein Muster, das Iapetus seitens der Wissenschaftler den Spitznamen „Yin-Yang-“Mond eingetragen hat. Das lässt sich anhand der folgenden Aufnahme der Cassini-Sonde leicht nachvollziehen:

          Iapetus, der Yin-Yang-Mond.9

          Es gibt noch andere Strukturen, die auf Künstlichkeit hinweisen, und denen wir bereits beim Erdmond und in noch größerem Umfang beim Mars und seinem Minimond Phobos begegnet sind: sechseckige Krater.

          Sechseckige Krater, soweit das Auge reicht

          Betrachtet man die folgende Aufnahme der Cassini-Sonde genau, so erkennt man auf Iapetus zahlreiche Krater in Form zerfallender Sechsecke.

          Sechseckige Krater auf Iapetus.10

          Hoagland merkt an, dass sich bei Iapetus, obwohl er offensichtlich von Meteoriten bombardiert wurde, „die größere geometrische Struktur, die ihn buchstäblich zusammenhält – und zwar auf verschiedenen Ebenen – immer wieder deutlich zeigt.“11

          Ein Zufall, der Dunkles ahnen lässt? Der „Äquatorialgrat“ des Iapetus

          Eine andere von der Cassini-Sonde stammende Aufnahme zeigt eine für einen „natürlichen“ Körper höchst ungewöhnliche Facette: einen Grat oder eine „Mauer“, die in gerader Linie um den ganzen Äquator des Iapetus verläuft. Diese Besonderheit sieht man auch auf der vorigen Aufnahme, unmittelbar unter den großen (deutlich als sechseckig zu erkennenden) Kratern. Auf der folgenden Nahaufnahme tritt die Reliefstruktur jedoch noch deutlicher hervor:

          Nahaufnahme des “Äquatorgrats“ des Iapetus.

          Das Bild enthüllt zwei wichtige Charakteristika: (1) die bereits erwähnten sechseckigen Krater und (2) die Tatsache, dass der äquatoriale „Grat“ aus drei parallelen Komponenten zu bestehen scheint. Dieser Umstand wird später noch für uns wichtig werden. Die Höhe des Grats wird auf circa zehn Kilometer, seine Breite auf etwas mehr geschätzt. Dieses Gebilde, so Hoagland, ist „die größte lineare Struktur im gesamten Sonnensystem“, eine wissenschaftlich äußerst brisante Tatsache, denn es gibt

          „kein vernünftiges geologisches Modell, um zu erklären, wie eine über zehn Kilometer hohe, über zehn Kilometer breite und über tausend Kilometer lange „Mauer“ entstanden sein soll […] die eine ganze Planetenhemisphäre umspannt und ausgerechnet auf Äquatorhöhe sitzt!“12

          Und was ist mit den drei parallelen Linien, aus denen der „Grat“ zu bestehen scheint? Hoagland nimmt kein Blatt vor den Mund:

          „Es ist ein wohlbekanntes Klischee, dass ‚die Natur keine geraden Linien hervorbringt.’ Wenn das der Wahrheit entspricht, dann erschafft die Natur sicherlich nicht gleich drei solche Linien, […] die nicht nur parallel zueinander, sondern auch zum Planetenäquator verlaufen.“13

          Die kantige Silhouette des Iapetus

          Doch damit nicht genug. Die Cassini-Aufnahmen haben ans Licht gebracht, dass Iapetus überhaupt keine Kugelform aufweist. Er ist aber auch keine „gequetschte“ Kugel und kein Ellipsoid. Dieser Umstand wurde in all seiner anomalen Glorie deutlich, als Cassini den „Mond“ ablichtete, der gerade durch das von Saturn reflektierte Licht erhellt wurde.

          Die kantige Silhouette des Iapetus.14

          Die geraden Kanten aus einer weiteren Perspektive in Nahaufnahme:

          Die geraden Kanten des Iapetus.

          Ein Blick auf den Horizont zeigt auch hier wieder die geraden Kanten. Eine Kugel oder ein Ellipsoid ist Iapetus also nicht, und Hoagland witzelt:

          „Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass natürliche Planeten oder Satelliten NICHT mit ‚ausgeprägten Kanten‘ geliefert werden!“15

          Was hier zu sehen ist, hat auch nichts mit einem Kameradefekt zu tun. Um deutlich zu machen, was diese Entdeckung bedeutet, zitiert Hoagland aus der eigenen Pressemitteilung der NASA.16

          Was immer Iapetus auch sein mag, ein Mond, also ein natürlicher Satellit ist er jedenfalls nicht. Iapetus ist ein künstliches Gebilde – zugegebenermaßen von enormer Größe – das in eine künstliche Umlaufbahn um den Saturn platziert wurde. Nach Hoaglands Ansicht spricht die Tatsache, dass die NASA von der Cassini-Sonde über Hundert Fernaufnahmen des „Mondes“ anfertigen ließ, sehr dafür,

          „dass die NASA ebenfalls vermutete […] was wir gerade entdeckt haben: Aus irgendeinem Grund ist Iapetus KEIN ‚sphärischer‘ Mond […]. Tatsächlich […] ist er überhaupt kein ‚Mond‘!“17

          Vom Standpunkt unserer Untersuchungen und der in meinem Buch vorgelegten These von einem kosmischen Krieg kann man Iapetus sicherlich als Beweis dafür werten, dass zu den in den Mythen genannten Kriegsteilnehmern auch der Saturn zählte. Iapetus führt uns eindeutig vor Augen, dass es dort eine Zivilisation gab, deren Technologie so fortschrittlich war, dass sie einen verheerend zerstörerischen Krieg damit bestreiten konnte. Wir wissen natürlich nicht, ob Iapetus Bestandteil eines solchen grauenhaften Waffenarsenals war, doch wir können sicher sein, dass es eine Technologie gab, die einer solchen Aufgabe gewachsen war.

          Hoaglands drei Hypothesen zur Erklärung des Phänomens Iapetus

          Eine Kurzzusammenfassung von Hoaglands Werk „Moon With A View“ kann seiner Arbeit zwar nicht gerecht werden, doch wäre eine Betrachtung der Anomalien des Iapetus, die Hoagland in diesem Werk auf über 200 Seiten analysierte, nicht vollständig, ohne wenigsten kurz auf Hoaglands Hypothesen zur Erklärung des extremsten Körpers im gesamten Sonnensystem einzugehen. Hoagland Hauptargumente für den künstlichen Ursprung von Iapetus basieren auf drei Kernfakten, die er als „Beweisstücke“ bezeichnet:

          „Beweisstück 1: die verblüffende, eine exakte Geometrie aufweisende und präzise um den Äquator platzierte zehn Kilometer hohe ‚Iapetus-Mauer‘.18

          Beweisstück 2: die gleichermaßen erstaunliche, unnatürliche geometrische Form mit geraden Kanten, die sich über die gesamte Oberfläche dieses ‚Mondes‘ zieht.19

          Beweisstück 3: die zweifellos ungewöhnlichste Entdeckung in Zusammenhang mit Iapetus – die (bisher) im gesamten Sonnensystem nicht ihresgleichen kennt:

          Iapetus hat keine Kugelform – wie dies bei natürlichen Monden von mehr als 400 Kilometern Durchmesser (aufgrund unabdingbarer gravitationaler Kontraktionen) der Fall sein muss. Vielmehr weist sein Korpus von 1.400 km Durchmesser die exakte Geometrie […] eines gut zu erkennenden, etwas ramponierten Ikosaeders auf!“20

          Die Hypothese von der „Arche“

          Bezüglich dieser planetarischen Anomalie formuliert Hoagland vor dem Hintergrund von Van Flanderns Hypothese von einem explodierten Planeten seine erste eigene Hypothese:

          „Dieses ungewöhnliche Objekt wurde absichtlich als ‚Arche‘ gebaut, – als ein künstliches Raumschiff von der Größe einer ganzen Welt, das dazu dienen sollte, so viele wie möglich vor der bevorstehenden hyperdimensionalen Explosion einer ganzen Welt zu retten, der Zerstörung eines ehemaligen Mitglieds in der Riege der Planeten unseres Sonnensystems, das heute nicht mehr existiert: Planet V. Ein solches Ereignis hätte unweigerlich auf grausame Weise das Überleben einer im gesam­ten Sonnensystem agierenden Zivilisation gefährdet, mag sie auch noch so fortgeschritten gewesen sein […]. Wir (und andere) – vertreten aufgrund unzähliger stimmiger Beweise die Ansicht, dass eine solche Zivilisation entstand, lange ehe wir die Bildfläche betraten, […] vor buchstäblich Millionen von Jahren.“21

          Doch es gibt eine weitere, beunruhigende Möglichkeit, die der Leser vielleicht schon erkannt hat. Sie geht auf unsere moderne Bilderwelt und unsere eigenen zeitgenössischen „Mythologien“ zurück, die wir der üppigen Phantasie und dem Talent eines der bekanntesten Produzenten und Regisseure der Filmwelt verdanken …

          Die Hypothese vom „Todesstern“

          Hoagland war sich der auffallenden Ähnlichkeit durchaus bewusst und nutzte sie, um anhand einer furchterregenden visuellen Gegenüberstellung seine nächste Hypothese überzeugend zu vermitteln:

          Hoaglands Gegenüberstellung von Iapetus und Todesstern.

          Ich muss zugegeben, dass mich dieser Vergleich erschütterte, als ich ihn zum ersten Mal auf Hoaglands Website sah. Hoagland musste sich nicht nur die Frage stellen, was Arthur C. Clarke wusste und seit wann er es wusste, sondern auch, was der Produzent und Regisseur von „Krieg der Sterne“, George Lucas, wusste und seit wann er es wusste. Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe22, gibt es jede Menge Parallelen zwischen dem „mythologischen“ Epos „Krieg der Sterne“ und den altüberlieferten Mythen. Sogar der Vorname von „Anakin Skywalker“ lässt das sumerische Wort „Anunnaki“ anklingen, das in der sumerischen Mythologie die Wesen bezeichnete, die aus dem Himmel kamen, die Menschheit erschufen und sie die Grundlagen der Zivilisation lehrten.

          Hoagland formuliert seine zweite Hypothese, die Hypothese vom „Todesstern“, wie folgt:

          „Iapetus war in der Tat eine ‚Todesstern-Welt‘ – die von der gleichen Zivilisation als Kriegsinstrument gebaut wurde (auch heute noch eine Lieblingsbeschäftigung des Menschen, nicht wahr?). Dieses ‚Instrument‘ wurde dann vor unvorstellbar langer Zeit in einem entsetzlichen Krieg in unserem Sonnensystem eingesetzt […]

          Iapetus könnte bei einem Holocaust unvorstellbaren Ausmaßes auf irgendeine Weise eine zentrale Rolle gespielt haben. Es handelte sich buchstäblich um einen ‚Krieg im Himmel‘, der letztlich mit der absichtlichen Zerstörung der aufs Korn genommenen Welt endete […]. Von den Nachwirkungen wurde auch Iapetus selbst in Mitleidenschaft gezogen. Als ein ewiges, stilles Grab bleibt er für immer in seiner ungewöhnlichen Umlaufbahn um den Saturn gefangen …“23

          Sodann trägt Hoagland noch eine dritte Hypothese vor, der er deshalb den Vorzug gibt, weil es den anderen beiden an Beweiskraft mangelt.

          Die „Tempel“-Hypothese

          Die dritte Hypothese besagt, dass Iapetus als eine Art „Tempelwelt“ gebaut und in seine präzise Umlaufbahn geschickt wurde, um als „sakrales“ Musterarchiv für ein bestimmtes „hyperdimensionales“ Physik- und Mathematikwissen zu dienen. Die Hypothese nimmt damit Bezug auf die besonderen geometrischen Gegebenheiten und die Orbitalmechanik des Iapetus, die sich anhand der Hypothesen von der „Arche“ oder vom „Todesstern“ nicht erklären lassen.24

          Vieles spricht für diese letzte Hypothese. Beispielsweise würde diese Tempel-Erklärung ausgezeichnet zu der religiösen Weltsicht passen, die uns in den alten Mythen begegnet, die ich in meinem Buch beschreibe. Dass Hoagland das bekannt war, auch wenn er es nicht ausdrücklich erwähnte, lässt sich aus zahlreichen Bemerkungen in seinem umfangreichen Werk entnehmen. Den Zivilisationen in Mesopotamien, Ägypten und später in Griechenland und Rom war es eminent wichtig, in ihren Tempelbauten bestimmte mathematische Beziehungen abzubilden. Diesem Aspekt kann die Hypothese von der „Arche“ nicht gerecht werden.

          Ich möchte allerdings kühn behaupten, dass die Hypothese vom „Todesstern“ durchaus die gefundenen Geometrien erklären könnte. Nicht nur in diesem Text sondern auch in meinen früheren Büchern habe ich wiederholt argumentiert, dass es bei jedem auf Skalarphysik basierenden Waffensystem darauf ankommt, strukturell so viele geometrische Analogien zum lokalen Raumsystem und dessen Mechanik zu erfassen wie nur möglich, um dem System die bestmögliche Resonanzqualität für die lokale Raum-Zeit-Geometrie zu verleihen. Die wiederholt auftauchenden geometrischen Muster und die besondere Orbitalmechanik durfte man also in der Tat erwarten, schließlich dienten sie bei einem solchen Waffensystem funktionalen Zwecken. Ebenso konnte man, wie ich bereits erläuterte, die gleichen physikalischen Prinzipien in ein und demselben System zur Grundlage eines interstellaren Kommunikationsnetzwerkes machen. Damit ergibt sich als weitere Möglichkeit, dass Iapetus eine Komponente oder „Operationsbasis“ innerhalb eines solchen Netzwerkes bildete.

          Hoaglands Hypothese vom „Todesstern“ und seine „Tempel“-Hypothese haben eines gemeinsam. In einem bestimmten mythologischen Kontext betrachtet ergeben beide einen Sinn: Es geht um den Kampf der Titanen, der Riesen alter Zeit, mit der Absicht, den „ersten Gott“ Kronos-Saturn zu stürzen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass Saturn oftmals mit dem Kriegsgott Mars in Verbindung gebracht wurde, wenngleich sich diese Spur im Laufe der Geschichte zu verlieren scheint. So gesehen hat Hoagland seine Hypothese vom „Todesstern“ vielleicht allzu schnell verworfen.

          Wie dem auch sei, unsere Suche nach außerirdischen Beweisen für eine alte interplanetarische Zivilisation, die in einen Krieg verwickelt war, findet damit ihr Ende. Nun gilt es nur noch eine letzte Frage zu beantworten: vor wie langer Zeit betraten eigentlich die Beobachter und Streitparteien von damals die Bühne …?

          Endnoten

          1. Hoagland, R. C.: „A Moon with a View: Or, What Did Arthur Know … and When Did He Know It?“ Teil 4, S. 2 auf EnterpriseMission.com; http://bit.ly/10IrxUz
          2. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 1, S. 6; http://bit.ly/10uANhX
          3. ebd., S. 7
          4. ebd., S. 8
          5. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 4, S. 22 f. Hervorhebung durch Hoagland
          6. ebd., S. 23
          7. ebd., S. 23; fette und kursive Hervorhebungen vom Autor
          8. ebd., S. 24; Hervorhebung von Hoagland
          9. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 1, S. 9
          10. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 2, S. 10 f.; http://bit.ly/104x0oF.
          11. ebd., S. 11
          12. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 1, S. 21; Hervorhebungen von Hoagland
          13. ebd., S. 22; Hervorhebungen von Hoagland
          14. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 2, S. 26.
          15. ebd., S. 26; Hervorhebungen von Hoagland
          16. ebd.
          17. ebd., S. 27; Hervorhebungen von Hoagland
          18. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 6, S. 2, http://bit.ly/13prei1
          19. ebd., S. 3. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass unsere Betrachtungen gerade einmal die Oberfläche der detaillierten Analysen Hoaglands zu diesem Punkt berühren.
          20. ebd., S. 5; Hervorhebungen von Hoagland. Aus Platzgründen konnten wir auf diesen Aspekt von Hoaglands Analyse leider nicht näher eingehen. Offenbar bezieht sich Hoagland hier auf die Tatsache, dass Iapetus eine flache, kantige Oberflächenstruktur zeigt.
          21. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 6, S. 8; Hervorhebungen von Hoagland
          22. Siehe mein Buch „The Giza Death Star Deployed“ (Kempton, IL: Adventures Unlimited Press, 2003, S. 1–11; deutsch: „Der Todesstern Gizeh“ (Immenstadt: Mosquito-Verlag, 2008)
          23. Hoagland: „A Moon With A View …“, Teil 6, S. 8; Hervorhebungen von Hoagland
          24. ebd., S. 14

          Quelle: http://www.nexus-magazin.de/artikel/drucken/der-herr-der-ringe-des-saturn

          Gruß an den Sternenstaub

          TA KI

          Die nordamerikanischen Ureinwohner


          Vergleichend zu den indogermanischen Völkern habe ich hier eine kurze Darstellung der nordamerikanischen indigenen Völker hinzugefügt.
          Bei den noch heute lebenden Naturvölkern ist noch vieles von den alten Mythen lebendig. Doch leider gehen auch diese alten Weisheiten und Rituale so langsam verloren.
          Jeder von uns weiß, daß diese Menschen von den Einwanderern aus der alten Welt verfolgt, getötet und in Reservate verfrachtet wurden. Dort fristen sie heute ein wenig menschenwürdiges Dasein. Rassismus, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus sind nicht selten.
          Die jungen Leute sind hin und her gerissen zwischen der alten Kultur und der neuen Lebensweise der Weißen. Doch es gibt mittlerweile eine aktive moderne Indianerbewegung … 🙂

           

          Der Nordwesten

          Die Völker der Nordwestküste lebten in Holzhäusern in einer dörflichen Gemeinschaft. Ein mildes Klima und die üppigen Nahrungsquellen ließen genügend Zeit und Muße für die Entwicklung zahlreicher ritueller Aktivitäten. Jeder Stamm führte sich auf ein mythisches Tier zurück, das auf Totempfählen und anderen Bildnissen dargestellt wurde. Rabe, Donnervogel und Kannibalengeist sind in dieser Region weitverbreitete mythologische Gestalten.

           

          Die Plains

          Die Kultur der großen Ebenen, die von den ehemals nomadisch lebenden Büffeljägern bewohnt wurden, entwickelte sich nach der Einführung des Pferdes und dem Zustrom von Völkern aus der Waldregion. Eine persönliche Beziehung zu den Geistern war ihnen von großer Bedeutung. Die Mythen berichten von Elementargöttern und einem höchsten Wesen. Über Tiermythen und Mythen über die heilige Pfeife berichten ihre Geschichten.

           

          Der Südwesten

          Diese wüstenhafte Landschaft wird von den Pueblo-Völkern bewohnt, die nach ihrer Siedlungsweise in Dörfern benannt ist. Die religiösen Vorstellungen dieser Menschen beruhen auf der Entstehungsmythologie und ihrer bäuerlichen Lebensweise. In ihren Zeremonien sind maskierte Darsteller mythischer Geister von Bedeutung.

           

          Die Waldregionen und der Südosten

          Der Norden und Osten von Nordamerika ist eine von dichten Wäldern bewachsene Seen- und Flußlandschaft. Die Mythologie die hier entstanden ist handelt dem entsprechend von Waldgeistern, Dämonen, Ungeheuern, Elementargöttern und einem höchsten Wesen. Ihre Welt ist in eine Ober- und Unterwelt geteilt. Bei einigen Völkern des Südwestens gilt die obere Gottheit als Schöpferin von Mutter Erde und Vater Himmel, die ihrerseits die ersten Lebewesen, somit auch die Menschen zeugten. Die Hopi erzählen von Zwillingsgottheiten, die die Tiere schufen, dann aus Lehm Menschen formten und diese durch einen rituellen Gesang zum Leben erweckten.

           

          Bei allen Stämmen gibt es die Vorstellungen, daß die Entstehung der Welt einer obersten Gottheit, dem „Großen Geist“ (Gitchi Manitu, Wakan Tanka…) zugeschrieben wird. Diese Gottheit genießt eine große Verehrung, ist aber zu konturenlos und passiv, um als profilierte Persönlichkeit gelten zu können. Der Große Geist erschafft weitere, präziser umrissene Gottheiten, wie Mutter Erde und Vater Himmel, die Sonne oder den Mond, die ihrerseits weitere Schöpfungsakte vollbringen.
          In den meisten Schöpfungsmythen finden sich auch zahlreiche Tiere mit wichtigen Funktionen wieder.

          Lame Deer sagte:

          Wir alle müssen lernen, uns als Teil dieser Erde zu sehen,
          nicht als einen Feind, der von außen kommt und ihr seinen Willen aufzuzwingen sucht.
          Wir, die wir das Geheimnis der Pfeife kennen, wissen auch,
          daß wir als lebendiger Teil dieser Erde ihr nicht Gewalt antun können,
          ohne uns selber zu verletzen.

           

          Lame Deer (Tahca Ushte) wurde ca. 1900 in der Rosebud Reservation in Süddakota geboren und starb 1974. Er war Medizinmann der Sioux (Dakota).

          Die Sioux, ein großes Volk mit demokratischer Stammesorganisation, lebten zuerst als Ackerbauern und Jäger. Als die indigenen Völker vor den Weißen nach Westen auswichen und als das Pferd (von den Spaniern nach Amerika gebracht) sich in Nordamerika verbreitet hatte, zogen die Sioux in die Prärie, in die weite Grasebene, und wurden nomadisierende Büffeljäger.
          Der Name Sioux (ausgesprochen: Ssu) ist die Abkürzung eines Algonkin-Wortes für „Schlangen“ (Feinde). Sie selber nennen sich Dakota oder Lakota (Freunde, Verbündete). Die Dakota kämpften heldenhaft gegen die weißen Eindringlinge. Viele Führer der modernen Indianerbewegung sind Dakota.
          Die Pfeife ist ein Symbol für die Verbundenheit des Menschen mit dem Schöpfergeist und mit der ganzen Schöpfung.

          (Aus „Weisheit der indianer“ Orbis Verlag)

          Mondgeist

           Der Mondgeist:

          Einer der wichtigsten Geister der Inuit, der für Fruchtbarkeit, für moralisch richtiges Verhalten und, wie im Fall der Inuit Alaskas, für die Beherrschung der Tierwelt von Bedeutung ist.
          Entnommen aus dem Buch „Mythologie“
          Herausgegeben von Roy Willis

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          Quelle: http://www.return-of-the-dragon.de/geschichte/indianer.htm

          Gruß an die Schöpfung

          TA KI

          Drachen – Erwachen


          Mit Return of the Dragon – der Rückkehr des Drachen
          möchte ich an die Drachen und an die Naturgeister wieder-erinnern.
          Ein Wieder-Erinnern an Wesen und deren Kräfte,
          mit denen wir in Einklang leben können
          und die zu unseren Freunden und Verbündeten werden.


          Der Drache in der Mythologie:

          Der Drache ist ein sagenumwobenes Wesen. Er ist in der Mythologie der asiatischen Länder, im Nahen Osten und in Europa zu finden. Selbst im alten Ägypten erscheint der Drache in Knotenwerk verflochten, ebenso bei den Kelten. Die frühesten keltischen Drachendarstellungen, 400 v.u.Z., sind auf Schwertgurten und Schwertschneiden (oft paarweise) abgebildet.

          In den Geschichten sind Drachen Bewacher von Schätzen. In China ist er der regenspendende und in Gewässern beheimatete Gott, sowie das männliche Prinzip. Der (feuerspuckende) Drache, der sich möglicherweise aus der gehörnten und gift- und feuerspuckenden Schlange entwickelt hat, hat bei den Kelten die Rolle des Wächters, stärker noch als die Schlange. Wie noch aus den Märchen erschließbar, wurden den Drachen auch Opfer dar gebracht. Der keltische sowie auch der ägyptische Drachen wird auch traditionell mit kriegerischen Handlungen verbunden. Er ist der Bewacher und Beschützer, steht daher auch für die Streitmacht und wird sogar zum Helden.

          drache-walesUthers Drachenvision

          Der Vater von König Arthur, Uther, sah einmal in einer Vision einen brennenden Drachen, den Feuer-Drachen. Diese Vision war für ihn so überwältigend, daß er sofort seine Druiden aufsuchte und diese Vision gedeutet haben wollte. Das Deuten der eigenen Visionen von Druiden war zu dieser Zeit so üblich. Diese sagten ihm, der brennende Drachen bedeutet, daß er König werden würde. Von nun an ließ er sich „Pendragon“ nennen (Kopf des Drachen). So wurde der Drachen das heraldische Emblem und Totemtier des größten englischen Königsgeschlechts – der Pendragons. In Wales ist der rote Drachen seit 1901 Nationalsymbol und auf weiß-grünem Untergrund seit 1953 auf der walisischen Nationalflagge zu sehen.


          Der Drache in der Alchemie und Geomantie:

          Einige legendären Drachen sind stark mit den Elementen, deren Wesen und ihren Reichen verbunden.
          Es ist die Rede von Luft-, Feuer-, Wasser- und Erddrachen.

          Einige vereinigen von ihnen aber auch die Eigenschaften aller vier Elemente.
          Sie wohnen in Seen, bewachen Schätze in Höhlen, fliegen durch die Luft und speien Feuer.

          Sie symbolisieren bestimmte alchemistische Kräfte, die in uns und um uns und in der Landschaft existieren.
          Einige Gelehrte nehmen an, daß die Druiden ihre eigene Version der geomantischen Kunst praktizierten (in China „Feng-Shui“ genannt).
          Die Geomantie war und ist immer noch eine Naturwissenschaft, deren Anliegen es ist, eine energetische Harmonie in der Landschaft für Mensch und Natur zu schaffen, durch das Wissen um die Kräfte der Erdströme, Wasseradern und Drachenlinien, die das Land durchziehen.

          … eine weitere Ebene in der die Drachen durch die Drachenlinien und Energieströme wirken …

          Die Rückkehr des Drachen – Ein Märchen

          Vor vielen tausend Jahren gab es eine Zeit, da lebten die Menschen mit den Tieren, den Drachen, den Kobolden, Feen, Zwergen und der Mutter Erde in Frieden und Einklang miteinander.
          Sie waren Freunde, halfen sich gegenseitig und profitierten auch jeweils vom anderen. Der Erddrache und Mutter Erde schenkten den Menschen inneren und äußeren Reichtum und Zufriedenheit.
          Die Zwerge arbeiteten unter der Erde und schufen Edelsteine, Gold und andere Schätze die der Erddrache bewachen durfte. Die Feuer-, Luft- und Wasserdrachen waren für ihre Reiche mit seinen Bewohnern zuständig und alle arbeiteten Hand in Hand. Die Menschen machten den Drachen regelmäßig Geschenke und der Erddrache belohnte sie mit einer ganz besonderen Kostbarkeit. Er schenkte ihnen den Stein der Weisheit.
          Die Kobolde und Feen wohnten in den Wäldern und Feldern, und auch ganz nah bei und mit den Menschen, und sorgten zusammen mit Mutter Erde, Vater Sonne, der Mondin, dem Grünen Mann und seiner Geliebten, für Wachstum und Fruchtbarkeit. Auch ihnen schenkten die Menschen was von ihrer Ernte und bedankten sich bei ihnen.
          Es war eine fröhliche Zeit, in der alle versorgt und glücklich waren. Oft war die Arbeit auf dem Feld, im Bergwerk und im Wald hart, aber dennoch gab es viel Gesang, Tanz und Festgelage.
          Doch eines Tages kamen Männer aus dem Süden und führten Krieg gegen die Menschen. Sie brannten ihre Dörfer nieder und spielten die Dorfältesten untereinander aus. Viele dieser Menschen wurden auch gefangen genommen und getötet wenn sie nicht im Kampfe starben.
          Es war eine Zeit voller Tränen.
          Die Dorfältesten die am Leben gelassen wurden mussten dem neuen Herrscher ihre Treue schwören und ihre Freiheit war vorbei. Ebenso mussten die Menschen die Kultur des neuen Königs annehmen und die weisen Frauen und Männer wurden verfolgt
          Nachdem das Wehklagen vorbei war, kehrte für kurze Zeit wieder Frieden ein. Die Menschen durften sogar wieder mit den alten Göttern und allen anderen Zauberwesen ihre Feste feiern und alles schien wieder in bester Ordnung zu sein. An die Bevormundung des neuen Königs hatten viele sich gewöhnt.
          Doch der Schein trügte.
          Es kamen wieder Männer aus dem Süden. Sie kamen zuerst als Pilger und hatten viel zu berichten. Sie erzählten Geschichten über einen göttlichen Sohn, der vor einigen Jahren als Mensch auf der Erde wandelte und wieder aufgestiegen sei. Dieser Sohn Gottes war ein weiser Mann und hatte den Menschen viele schlaue Dinge über Nächstenliebe und Gerechtigkeit erzählt, was für die damalige Zeit was ganz besonderes war. Denn überall auf der Erde herrschte jetzt immer wieder Krieg.

          baumgeist-2_kleinEinige der weisen Frauen und Männer, die die Verfolgungen damals überlebt hatten, fanden in der Botschaft der Pilger und in ihren Geschichten viele Gemeinsamkeiten mit ihren eigenen alten heiligen Mysterien und nahmen diese in ihr Weltbild mit auf. Auch einige Menschen berührte diese Vorstellung von Frieden und Nächstenliebe. Sie fanden diese Botschaft weise und lernten von ihr.
          Doch die Pilger aus dem Süden blieben nicht so friedlich. Sie hatten plötzlich einen mächtigen Anführer auserwählt. Dieser stellte Regeln auf an die sich jeder halten sollte. Auch waren er und seine Gefährten der Zauberei mächtig. Plötzlich zählte nicht mehr die Weisheit, sondern Geld, Macht und Kontrolle traten an ihre Stelle.
          Die Weisen Frauen und Männer wurden wieder verfolgt und das Band mit den Drachen, Feen, Zwergen und Kobolden wurde gewaltsam, auch mittels Zauberkraft, getrennt. Nur ganz wenige hatten jetzt noch einen Kontakt zu diesen Wesen. Alle Menschen mussten sich diesem Anführer anschließen. Wer das nicht tat wurde getötet. Die Haine und die alten heiligen Bäume in denen die Menschen mit den Göttern, den Drachen und Zauberwesen getanzt und gelacht hatten wurden zerstört. Viele Drachen wurden durch Zauberkraft getötet, einige konnten fliehen und der König der Erddrachen in einen Käfig im Felsen eingesperrt und bewacht. Er war so stark, ihn konnten sie nicht töten. Die Feen und Kobolde flüchteten in den großen tiefen Wald und in die Hügel, die Zwerge versteckten sich ganz tief unten in der Erde.
          All diese zauberhaften Wesen wurden als böse Dämonen abgestempelt und später, nach vielen Jahren gerieten sie für die meisten Menschen in Vergessenheit. Außer in Kindergeschichten, da durften sie weiterleben.
          Die Menschen aber waren sehr unglücklich. Es folgte eine Zeit des Wehklagens mit Seuchen, schweren Krankheiten und Hungersnöten. Die Ernten waren schlecht, es gab viele Unwetter und der Anführer der neuen Religion schrieb diese Katastrophen dem Teufel und den Menschen zu, da sie nicht gläubig genug und Sünder seien.
          Menschen die sich noch an die alten Götter, deren Geschichten und Zauberwesen erinnern konnten und mit ihnen in Kontakt standen, oder ihre Nähe in den Tiefen der Wälder suchten, wurden qualvoll hingerichtet. Sie mussten sehr vorsichtig sein. Oft erzählten diese Menschen ihnen traurig aus ihrer Welt.
          Der neue Anführer erkannte nicht, das dieses Elend nur deswegen über sie kam, da der Erddrache eingesperrt, viele seiner Gefährten verfolgt und getötet und die Feen, Kobolde und Zwerge geflohen waren. Sie waren es, die gemeinsam mit den alten Göttern, ihrer Kraft und der Liebe die Welt im Gleichgewicht und zusammenhielten. Und die Menschen und Tiere gehören eigentlich mit dazu.
          Die Kobolde, Zwerge und Feen hörten den Drachen aus der Ferne wütend schnauben. Sie hörten die Menschen weinen und wehklagen und es brach ihnen das Herz.
          So beschlossen sie eines Tages die Königstochter aus dem Volk der Feen unter die Menschen zu schicken um den Drachen zu befreien. Sie gaben ihr noch einige Begleiter und Helfer mit auf den Weg. Für die Fee war diese neue Welt der Menschen befremdlich und beängstigend. Sie brauchte lange um sich dort zurecht zu finden und sich an ihren Auftrag zu erinnern. Doch sie schaffte es, trotz der Wirrungen und Behinderungen die man ihr in den Weg stellte den Erddrachen zu finden.
          Welch eine Freude als sie sich nach so langer Zeit endlich wiedertrafen. Doch dann wurde die Fee traurig. Wie sollte sie denn den Drachen aus seinem gewaltigen Gefängnis befreien? Wie sollte sie an dem Wächter vorbei kommen?
          Der Drache hatte aber eine Idee. Er wusste, dass die Feen gut zaubern können. Er wusste auch, dass seine Freundin in Menschengestalt sich jetzt nicht mehr richtig an ihre Zauberkräfte erinnern konnte. Und so begann er ihr all die Zauberei zu lehren damit sie ihre eigenen Kräfte aktivieren kann.
          Und dann eines Tages, nach einigen Jahren der Lehrzeit, kam die Fee mit weiteren Verbündeten wieder an den Ort, an dem der Drache gefangen war. Sie konnten den Wächter überrumpeln und den Drachen befreien.
          Der Drache erhob sich glücklich in die Lüfte, flog eine ausgiebige Runde über sein Königreich und setzte sich auf seinen Thron, in einem großen Felsen wo er heute noch sitzt und sein Reich beschützt.
          Die Zwerge, Kobolde, Feen und anderen Drachen kamen wieder in ihre Heimat zurück. Im Laufe der Zeit war der Herrscher der neuen Religion immer machtloser geworden und viele Menschen pilgern nun zu diesem Ort um mit den alten Göttern und den Zauberwesen zu feiern und ihnen ihren Dank zu sagen. Die Fee hat mittlerweile noch einige andere Zauberwesen im Menschengewand und viele weise Frauen und Männer gefunden und so feiern sie heute alle zusammen mit den Menschen und Tieren wieder lustige und fröhliche Feste. In einer Zeit voller innerem und äußerem Frieden, Wohlstand und Reichtum …

          Quelle: http://www.return-of-the-dragon.de/drachenerwachen.htm

          Gruß an die Naturgeister

          TA KI

          Germanische Götter in der Volksüberlieferung unserer Zeit


          Geschrieben von: Administrator
          Wodan und die Götter von Walhall sind nicht tot. Zahlreiche Spuren von ihnen sind in Namen, Sagen und Volksmärchen vorhanden, und es soll daher im folgenden aus der Fülle des in unserer Zeit Erhaltenen eine kleine Auslese gegeben werden.

          Der eigentliche Urgott der Germanen war Tyr , althochdeutsch Zio , gotisch Tius , ursprünglich der indogermanische Himmelsgott an sich – der nordische Name Tyr bedeutet „der leuchtende “ – gleichzeitig aber auch der Stammvater der Germanen. Erst in der späteren Mythologie wird er zu einem Sohne Odins. Als der oberste Gott eines so wehrhaften Volkes war er natürlich auch der Schlachtenlenker und Kriegsgott. Die Rune T , die Tyr bedeutete, war das Sinnbild des Schwertes und hat nebenbei auch grosse Ähnlichkeit mit dem Planetenzeichen für Mars X . Und in der Tat wurde von römischen Schriftstellern Mars geradezu als ein Hauptgott der Germanen bezeichnet. Des Gottes Name ist in Dienstag (der nichts mit „dienen“ zu tun hat), nordisch Tys-dagr, alamannisch Zies-Tag, also Tius-Tag, englisch Tuesday, französisch Mardi, lateinisch dies Martis , erhalten.

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          Das Wort „Zetergeschrei“ geht auf Zio zurück, bedeutet also ursprünglich einen Anruf des Kriegsgottes, desgleichen der Name des Seidelbastes (daphne mezereum) , der eigentlich Zio-linta hiess, und der seinen heutigen Namen erst durch eine Volkswortdeutung erhielt, als der alte Name unverständlich geworden war. Der Eisenhut oder Sturmhut (aconitum)viola Martis , auf Tyr zurück. Das Volk hat dann später aus dem „Mars“ -Veilchen ein „März“ -Veilchen gemacht. Im christlichen Mittelalter ist der Kriegsgott Tyr zum schwertschwingenden Erzengel Michael geworden. heisst in Norwegen noch heute Tyr-hialm, also Tyrs Helm. Ebenso geht die altnordische Bezeichnung tysfiola, lateinisch

          Der Hauptgott der nächstälteren Periode war der nordische Thor , altsächsisch Thunar , angelsächsischen Thunor , südgermanisch Donar oder Donner . Da im Mittelalter gewisse Züge Thors auf den Teufel übertragen wurden, so führte letzterer in Erinnerung an Thors Hammer den Beinamen „Meister Hämmerlein“ . Auch zwischen Thor und Herakles bestanden gewisse, aus dem indogermanischen Ur-mythos herrührende Analogien, so der Kampf beider gegen Riesen und Ungeheuer zum Wohle und zum Schutze der Menschheit, wobei allerdings Thors Hammer bei Herakles zur Keule geworden ist.

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          Von Donar abgeleitete Personennamen sind im Südgermanischen (Deutschen) ungewöhnlich, desto häufiger aber erscheinen von Thor abgeleitete in Skandinavien, so Thorarr, Thorir, Thorolfr, Thorgeirr, Thorbjörn, Thorstein, Thorketill, Thorvaldr, Thorsinnr oder weiblich Thora, Thorun, Thorhildr, Thordis. Ebenso sind mit Donar zusammengesetzte Ortsnamen Donnersberg, Donnersmark, Donnerschwee (ein Dorf unweit Oldenburgs, das früher Donnerswehe hiess )- nicht so häufig wie die mit Thor zusammengesetzten in Skandinavien und im Norden, wo wir Thorsgy, Thorshälla, Thorslunda, Thorstuna, Thorsvi, Thorsaker, Thorshang, Thorfas, Thorsö in Schweden, Thorseng auf Fünen, Thorshöi in Schleswig, Thorsen, Thorsnes, Thorshof in Norwegen, Thorshavn auf den Färöern finden.

          Unter den Tieren waren dem Thor heilig der Fuchs, das Eichhörnchen und das Rotkehlchen wegen ihrer roten Farbe, der Bär wegen seiner Stärke, und weil er das gewaltigste und gefährlichste Raubtier der nordischen Länder war. In einigen Gegenden Deutschlands heisst der Hirschkäfer oder Hornschröter (lucanus cervus) noch heute Donnerguege (gueg, guegi=Käfer) oder Donnerpuppe, und vielleicht gehört auch die Benennung der Schnepfe (scolopax gallinago) als Donnerziege, Donnerstagspferd oder Himmelsziege in diesen Zusammenhang, da sie als sog. Wettervogel und als Verkünder von Gewittern galt.

          Unter den Pflanzen tragen des Gottes Namen unter anderem der Donnersbart oder Hauswurz (sempervivum tectorum, französisch joubarbe, also barba Jovis) , die Donnerdistel (eryngium campestre) , das Donnerkraut (sedum) und der Donnerflug (fumaria bulbosa) . Von Bäumen war ihm besonders heilig die Eiche, der Baum der Jüngeren Steinzeit, ebenso wie in Griechenland die Eiche der Baum des Donnergottes Zeus (z. B. in Dodona) war. Endlich ist der Name des Gottes erhalten geblieben in Donnerstag, englisch Thursday, französisch Jeudi, lateinisch dies Jovis .

          In dem Namen Freyrs , des südgermanischen Fro , steckt die gleiche Wurzel wie in unserem Worte „froh“ , die Urbedeutung scheint also der Frohmachende, der Frohe zu sein. Später bedeutet der Name „Herr“ schlechtweg und ist in „Frondienst“ und „Fronleichnam“ noch heute erhalten. Freyr war der Sonnengott und zugleich der Gott des Friedens und der Fruchtbarkeit, sein geweihtes Tier war der goldborstige Eber (Gullinbursti) , auf dem er über die Felder ritt. Dieser Eber wird gewöhnlich als die Sonne gedeutet und spielte vor allem in der angelsächsischen Poesie eine Rolle, und noch heute bildet ein Wildschweinkopf mit einer Zitrone (dem Sinnbild der Sonne) im Maul in England auf festlichen Tafeln ein beliebtes Schaugericht.

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          Auch ein Zauberschwert besass der Gott, das sich von selbst schwang, und das im Volksmärchen in vergröberter Form als „Knüppel aus dem Sack“ wiederkehrt.

          Freyrs Schwester Freya , ursprünglich nur die weibliche Form von Freyr, war die spinnende und webende Göttin, die später vielfach mit der einer jüngeren Mythenbildung entstammenden Frigga , südgermanisch Fricka , verwechselt wurde, obwohl es sich anfangs gewiss um zwei verschiedene Gestalten gehandelt haben wird. Als Göttin des Spinnens und Webens hiess Freya, ebenso wie die später an ihre Stelle tretende Frigga, in Schwaben, im Elsass, in der Schweiz, in Bayern und in Österreich auch Frau Berchta oder Bertha, d.h. berahta (=die Glänzende) , und in Hessen, Thüringen und Franken auch Frau Holda, Hulda, Holle und ist unter diesem Namen in Volkssagen und Märchen bis zum heutigen Tage lebendig geblieben.

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          Um eine verlorene goldene und überhaupt eine weit zurückliegende Zeit zu bezeichnen, lebt in manchen Gegenden Deutschlands noch heute die Redensart: „Die Zeiten sind vorbei, da Bertha spann“ , ebenso wie man in Italien noch jetzt sagt: „Non e piu il tempo che Berta filava“ .

          Als Spinnerin lebt Freya (bzw. Frigga ) noch heute in Volkssagen und Volksgebräuchen fort. So geht nach einer oberdeutschen (besonders bayrischen) Sage zur Zeit der Spinnarbeit, im Winter also, in der Dämmerstunde im Dorf eine in weisses Linnen gehüllte Gestalt um, die die fleissigen Spinnerinnen belohnt, die faulen aber bestraft. Auch das „Berchtenlaufen“ um die Fasnachtszeit, bei der eine weissgekleidete Gestalt ( Frau Berchta ) ihren Umzug hält, findet sich noch in vielen ländlichen Gegenden Deutschlands. Die sog. „weisse Frau“ , die in manchen Schlössern umgeht, dürfte wohl gleichfalls ursprünglich auf Freya (Frigga) zurückgehen.

          Nach Freya heissen mehrere Farne (adiantum, polypodium, asplenium) Frauenhaar, lateinisch capillus Veneris , isländisch Freyju-Haar, dänisch Frue-Haar, norwegisch Mari-Gras, desgleichen der Frauenschuh, dessen lateinischer Name Cypripedium auf die der Freya entsprechende römische Göttin Venus (Cypris) weist, ferner heisst auch eine Orchidee (orchis odoratissima) , die zu Liebestränken verwendet wurde, Friggas Gras. Auch der Frauen- oder Marienkäfer, Herrgottskälbchen, Sonnenkälbchen, Gottesschäfchen ( coccinellina septempunctata ) geht letzten Endes auf Freya zurück, da im Mittelalter vielfach die Jungfrau Maria an die Stelle der Freya trat, was sich auch in den Pflanzennamen Frauenflachs ( cuscuta ), Frauennabel ( cotyledon ), Marienblume ( bellis perennis ), Mariendistel ( carduus Marianus ), Marienflachs ( antirhinum linaria ) und Marienmantel ( alchemilla vulgaris ) zeigt.

          Als letzter in der Reihe der Hauptgötter erschien dann derjenige, den die Edda als den von Anfang an höchsten Himmelsgott und Vater der Asen nennt, nämlich Odin , südgermanisch Wodan oder Wotan . Der nordische Name stammt von den altnordischen vadha, Präteritum odh, wonach Odin – richtige Schreibweise eigentlich Odhin – soviel heisst als „der durchdrungen hat“ , denn das Zeitwort vadha bedeutet ursprünglich „waten“ . Die gleiche Bedeutung hat das althochdeutsche watan, Präteritum wuot, woraus dann althochdeutsch Wuotan, altsächsisch Wodan oder Wotan wurde. Er war also der Alldurchdringer, und seine Naturgrundlage war die Luft. Im übrigen hängt mit seinem Namen auch unser „Wut, wüten“ zusammen, und das „wütende“ oder „wilde“ Heer ist nichts weiter als Wuotes (d. h. Wuotans)“ Heer. Odin gehörte der jüngeren Bronzezeit an und blieb führender Gott auch die ganze Eisenzeit hindurch bis zum Zurückdrängen des germanischen Götterglaubens.

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          Odin besaß den Wunschring Draupnir (der Tropfende), aus dem jede neunte Nacht acht gleiche herabtropften. Dieser Ring war vielleicht ein Hinweis auf die Ringe und Spiralen, die in der Bronzezeit wahrscheinlich als Zahlungsmittel verwandt wurden, und in späteren Volkssagen erscheint der Ring als Brut- oder Heckpfennig, als Wunschhütlein oder Glücksseckel. Als Wanderer (Wegwalt oder Begtamr, Gangrädhr) durchzog Odin die Welt, bekleidet mit einem Schlapphut und einem fleckigen blauen Mantel, dem Wolkenmantel (daher fleckig), der ihn durch die Luft trug und der im Mittelalter zu Doktor Fausts Zaubermantel wurde. Deshalb hiess Odin auch Hakulberand (=der Mantelträger), woraus dann die Sage vom Hackelberend, dem Anführer der Wilden Jagd, entstanden ist. Aus dem manteltragenden Odin ist dann im Mittelalter christlicherseits St. Martin gemacht geworden.

          Zahlreich sind die Orte, die nach Odin (Wodan) heissen, wie Onsberg auf der dänischen Insel Samsöe, Odensberg in Schonen, Godesberg bei Bonn (im Mittelalter Gudenesberg, noch früher Wodenesberg), mehrere Gudensberg in Deutschland, Godensholt (früher Wodensholt) im Oldenburgischen, Woendsrecht (=Wodani trajectum, also Wodansfurt) unweit von Bergen op Zoom in Holland, Woensel (Woedens sele, Wodans Saal) in Nordbrabant, Wunsdorf (Wunstrop, 1179 noch Wodenstorp) in Niedersachsen. In England finden sich Wednesbury und Wednesfield in Staffordshire, Woodnesbury in Kent, Wednesham in Eheshire u.a.

          Besonders häufig sind solche Namenszusammensetzungen natürlich in Skandinavien. Pflanzen sind anscheinend nicht nach Odin benannt worden, wohl aber nennen die Isländer und Dänen einen kleinen Wasservogel, den Zwergstrandläufer (tringa minima), Odenshane oder Odensfugl. Sogar ein Teil des menschlichen Körpers wurde nach dem Gott genannt, denn der Raum zwischen dem gestreckten Daumen und dem Zeigefinger, den die Griechen lichas (von lichanos, der Leckfinger, Zeigefinger) nannten, hiess in den Niederlanden Woedensspanne, Woenlet. Endlich ist der Name des Gottes in dem Tage erhalten, den wir sehr farblos Mittwoch nennen, der aber bei den Engländern Wednesday, französisch Mercredi, lateinisch dies Mercurii heisst. Den Hauptgott der Germanen nennt Tacitus in seiner Germania Mercurius .

          Von den übrigen Göttern hat sich der Name des Baldur, südgermanisch Balder, erhalten in der Hundskamille ( anthemis cotula ) und der Feldkamille ( matnearia inodora ), die in Skandinavien Baldursbraue ( Baldrs bra ) heisst.

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          Nach Loki , südgermanisch Loge , werden, um seine verderbliche Wirkung zu zeichnen, der Schwindelhafer ( avena fatua ), der Hahnenkamm ( unnanthus ensta galli ) und ein dem Vieh schädliches Unkraut ( polytrichum commune ) Lokis Hafer genannt. Im übrgen ist der Name des Gottes in Skandinavien auch in zahlreichen volkstümlichen Wendungen bewahrt geblieben. Zieht die Sonne Wasser, so sagt man, Loki fährt über die Äcker oder Loki trinkt Wasser, wenn Unheil gestiftet wird, so sät Loki seinen Hafer, knistert das Feuer, so gibt Loki seinen Kindern Schläge, steigen in der Sonnenglut Dünste auf, so treibt Loki seine Geissen aus. Der Irrwisch heisst in Skandinavien Lokis Geruch, der Stern Sirius Lokis Brand, Späne, die zum Feueranmachen dienen, heissen Lokis Späne. In christlicher Zeit, in der die germanischen Götter zu „üblen Wichten“ , also Dämonen wurden, wurde Loki zum Teufel schlechthin. Auf die Nornen endlich, die Schicksalsgöttinnen, gehen die zahlreichen Sagen und Märchen von guten und bösen Feen (z. B. im Märchen vom Dornröschen), Wasserfrauen, Brunnennixen, Schatzhüterinnen usw. zurück, während die Schwanenjungfrauen aus den Walküren entstanden sind.

           

           

           

          Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=95:walther-brewitz&catid=8:mythologie&Itemid=27

          Gruß an die Deutschen Sagen

          TA KI

           

          Nornen, Idisen und Wesen der „niederen Mythologie“


          Geschrieben von: Thidrec
          Neben den Göttern gibt es für den Asatruar noch die Wesen der anderen sechs Welten – Asgard, Wanaheim, und Mittelgard sind ja schon genannt. Da wären also noch die Zwerge aus Schwarzalbenheim, die Elfen aus Lichtalbenheim, unsere Vorfahren die nicht nach Asgard gingen oder wiedergeboren wurden sondern eine Weile in Hel bleiben, die Bergriesen in Jotunheim, die Frostriesen aus Nebelheim (Nifelheim) und die Feuerriesen, die Muspilli, aus Funkenheim (Muspelheim). Ferner gibt es noch Hauskobolde, die mit uns in Mittelgard leben, Waldgeister, Wassernixen, Landgeister oder Landväter (nord.: Landvættir), Hügelalben und andere Wesen, die im Multi-versum (im Gegensatz zum christlichen Bild des einen Uni-versums) der Weltesche Yggdrasil ihr Heim haben.

           

          Die Alben (Elfen) entspringen im germanischen Glauben zwei Vorstellungen. Zum einen handelt es sich um einen Totenkult. Die (meist männlichen) Verstorbenen weilen als Alben (Grabhügelelfen) weiter unter uns. Zum anderen sehen wir in Elfen die Verkörperung lokaler Naturbesonderheiten. Hier trifft sich der altgermanische Glaube mit dem Animismus vergleichbarer Naturreligionen. Die Parallelen zu den Kami des Wasserfalls oder des Berges wie wir sie im Shintoismus der Japaner finden sind sehr stark. Die ausgezeichnete Stelle in der Natur hat einen Geist, eine Persönlichket. Dieser Geist ist im Asatru der Albe, im Shinto der Kami. Die Alben interagieren mit uns. Viele Märchen erzählen von Menschen die unvorsichtig oder ohne Respekt gegen die Alben waren und deshalb üble Konsequenzen erlitten haben. Den Waldelfen und Wassernixen gibt man am besten ab und zu eine kleine Gabe in Form von Geld oder Speise. Den Hügelalben stellt man eine Kerze hin oder ehrt sie am heimischen Schrein (mehr dazu im nächsten Monat).

          Eine interessante Stellung nehmen die weiblichen Gestalten der germanischen Religion ein. Wir wissen von den germanischen Stämmen der Römerzeit, dass sie die „Mütter“ verehrten. Viele Votivsteine im Rheinland bezeugen dies. Wissenschaftlich gesehen besteht hier wohl sicher eine Beziehung zum keltischen Matronenkult, der sich entweder in Wechselbeziehung oder unabhängig entwickelt hat.

          Manche Mütter schützten oder protegierten entweder einer Familie oder einem Stamm. Andere waren an bestimmte Orte gebunden. Viele ihrer Namen sind uns erhalten geblieben, z.B. Mahlinehae, Nersihenae, Saitchamiae. Von den Votivsteinen wissen wir, dass die Germanen die Mütter hochverehrten und sich lieber an sie wandten, als an die hohen Götter, wie Donar oder Saxnot. Generell spielten die Wesen der niederen Mythologie eine pronouniciertere Rolle im Alltagsleben als die hohen Götter, welche an den hohen Festtagen oder zu besonderen Gelegenheiten verehrt wurden.

          Ein Vergleich mit dem Heiligenkult der katholischen Kirche trägt sicher viele wesensverwandte Züge, wenn auch die Mütter direkt angerufen wurden und nicht als Mittler zu höheren Gottheiten, wie die Katholiken dies tun. Die Mütter stehen den Menschen nahe, weil sie ja aus der eigenen Familie entspringen und die ununterbrochene Kette in die Vergangenheit darstellen. Sie helfen bei Kindesgeburt und im Kampf, bei der Ernte und der Hausarbeit. Es bietet sich daher an, den Müttern oft und gern zu opfern.

          Diese südgermanischen „Mütter“ werden auch im ersten Merseburger Zauberspruch erwähnt, dort als Idisen (Eiris sazun Idisi, sazun hera duoder = einst sassen die Mütter, sassen hier und dort). Als solche sind sie mit den skandinavischen Disir, den verstorbenen weiblichen Ahnen, identisch. Da die Idisen auch im Kampf angerufen wurden, liegt bei den Wallküren eine späte skandinavische Funktionsbeschränkung einiger „Idisen“ vor. Walküren (jene Mütter, die auf der Walstatt Kämpfer auswählen) werden in der späteren Zeit als berittene Gehilfinnen Wotans gesehen, die Recken für sein Heer sammeln. Zu zweifelhaftem Allgemeinruhm sind die Wallküren als Inbegriff voluminöser Opernsängerinnen aus Wagners Ring der Nibelungen geworden. Als solche ist jeder Bezug zu den Müttern (Idisen) verlorengegangen.

          Manche Forscher der altgermanischen Religionsgeschichte sehen auch die Nornen, die drei Spinnerinnen des Schicksalsfadens als Späterscheinung der Idisen. Diese drei Schicksalsfrauen, auf nordisch Urd, Verdandi und Skuld genannt, auf südgermanisch Warbede, Embede und Wilbede, stehen über dem Walten der Götter und spinnen den Faden aus dem wir Menschen und die anderen Wesen das Gewebe des Lebens wirken. Hier tauchen auch die Begriffe Wyrd (altniedersächsisch: Uurd; gesprochen: Wuurd, mit englischem double-u, Doppel-U, am Anfang) und Orlog auf. Jedes Wesen legt durch seine Taten den Boden für neue Taten. Es gibt keine „Sünde“, es gibt nur Taten die gutes oder schlechtes Orlog legen. Der Endpunkt einer Handlung ist der Ausgangspunkt der nächsten. Gutes Uurd, rechte Tat, schafft daher gutes Orlog und damit die Ausgangsbedingungen für weiteres gutes Uurd. Mehr dazu unter dem Abschnitt über „Tägliches Leben“.

          Hauskobolde (skandinavisch: Nisse, Tomte) sind eine Sonderform der Landwichte, die mit uns die Wohnstatt teilen. Der Kobold sollte, wie viele Märchen zeigen, gut behandelt werden. In diesem Falle hilft er uns viel und gerne. Wenn man ihm ab und zu ein Schüsselchen Hafergrütze hinstellt, ist er gern behilflich verlorene Schlüssel zu finden, nimmt einem viel von der täglichen Aufräumarbeit ab und stellt sich auch an sonsten sehr gutmütig ein. Er spornt das Hausgesinde zur Arbeit und neckt die faulen Helfer. Wenn man aber vergisst ihm seinen geringen Lohn zu geben, so kann er leicht ärgerlich werden und die Hausarbeit zusätzlich erschweren. Die Anerkennung seiner Dienste sollte man jedoch auf keinen Fall übertreiben. Die Darbringung eines neuen Hemdes oder einer neuen Hose werden leicht als Auslohnung verstanden, so dass der gute Kobold darauf das Haus verlässt. Speise und Trank, zu Weihnachten vielleicht etwas Besonders wie etwas Speck, gelten als vollkommen hinreichend.

           

          Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=99:nornen-idisen-und-wesen-der-qniederen-mythologieq-&catid=8:mythologie&Itemid=27

          Gruß an die Sagenhaften

          TA KI

           

          Die germanische Religion vor ihrem indo-europäischen Hintergrund


          Kurt Oertel

          Germanische Religion ist kein isoliertes Phänomen, sondern eng verwandt mit den Religionen der anderen indo-europäischen Völker von Europa bis Indien. Hier werden zahlreiche genaue Parallelen aufgezeigt, was für viele Interessierte ganz neu sein dürfte.

          Vorbemerkung

          Man kann immer wieder feststellen, dass viele Menschen nur eine sehr vage Vorstellung davon haben, dass es im vorchristlichen Europa überhaupt Religion gegeben hat. Erst bei näherem Nachdenken fallen einigen dann vielleicht jene Namen aus der griechischen Mythologie ein, die sie im Zusammenhang mit populären Versionen griechischer Sagenstoffe schon einmal gehört haben (Zeus, Herkules, Aphrodite usw.). Auch römische Gottheiten wie Iuppiter, Mars, Saturn usw. erzielen leichte Wiedererkennungseffekte, allerdings weniger auf Grund mythologischer Kenntnisse, sondern deshalb, weil diese Namen auch in unserer Kultur immer noch in vielen Zusammenhängen präsent sind. So tragen z.B. alle Planeten immer noch die Namen römischer Gottheiten, und auch alle Monatsnamen haben noch ihre alte römische Bezeichnung. Auch ein tieferes Verständnis der europäischen Kunst- und Literaturgeschichte ist ohne Kenntnis der antiken Mythologien undenkbar. Umgekehrt hat aber gerade das auch oft dazu geführt, dass z.B. die germanische Götterwelt weit mehr aus der extrem verzerrten Perspektive ihrer Rezeptionsgeschichte (wie z.B. den Opern Richard Wagners) bekannt ist, als aus den Quellen selbst. Und den wenigsten dürfte bewusst sein, dass sie noch täglich die Namen germanischer Gottheiten in Form unserer Wochentagsnamen im Mund führen.

          Aber auch jenen, die tiefere Kenntnis der Materie haben, ist kaum bekannt, dass es sich hier nicht um verschiedene Einzelreligionen gehandelt hat, sondern um eine ursprünglich einheitliche Religion, deren Ausprägungen nicht nur ganz Europa, sondern auch Indien und den Iran umfassten. Diese zunächst einmal erstaunlich klingende Aussage bezieht sich natürlich auf die gemeinsame indoeuropäische Herkunft all dieser Völker. Wem diese Zusammenhänge unbekannt sind, tut gut daran, zuerst den Artikel „Die Indoeuropäer und ihre Entdeckung durch die Wissenschaft“ zu lesen (ebenfalls auf dieser Website zu finden), in dem die geschichtlichen Hintergründe allgemeinverständlich beleuchtet werden.

          Genauso, wie sich alle indoeuropäischen Sprachen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückverfolgen lassen, so verhält es sich auch mit der Religion. Und genauso, wie sich die Sprachen im Lauf der Jahrhunderte auseinanderentwickelt, dabei aber große Übereinstimmungen behalten haben, so auch die Religionen. Wenn die römischen Autoren in ihren verstreuten Berichten über die germanische Religion deren Götter mit den eigenen namentlich gleichsetzen, so spricht dies eben nicht für hilfloses Unverständnis, sondern im Gegenteil dafür, dass sie in den germanischen Gottheiten problemlos jene griechisch-römischen Götter erkannten, die sie selbst auch verehrten.

          Die Auseinanderentwicklung lag natürlich nicht nur an den ungeheuren geographischen und zeitlichen Räumen, sondern auch daran, dass viele sprachliche und religiöse Elemente der vorgefundenen eingeborenen Kulturen ihren Weg in das ursprünglich einheitlichere indoeuropäische Erbe fanden.

          Hier sollen nun einmal die markantesten Beispiele für diese oft bis ins Detail übereinstimmenden Mythen aufgezeigt werden. Es muss betont werden, dass es sich dabei weder um vereinzelte Zufälligkeiten handelt, wie sie in ähnlicher Form in allen Religionen der Welt auftreten können, noch um Übernahmen von einer Religion in die andere, sondern um Gemeinsamkeiten, die ganz klar auf den gemeinsamen Ursprung der Indeoeuropäer zurückzuführen sind.

          Nun ist die vergleichende Mythologie eine recht komplizierte Materie, und Fachleute mögen mir verzeihen, wenn manches hier recht vereinfachend und plakativ dargestellt ist. Es geht hier aber gerade darum, diese meistens nur Spezialisten bekannten Tatsachen möglichst so allgemeinverständlich darzustellen, dass sie auch bei jenen Menschen zu einem Erkenntnisgewinn führen, denen dieses Wissen bisher vorenthalten wurde.

          Die Quellen

          Wenn wir uns hier hauptsächlich auf drei geographische Räume beschränken, nämlich Skandinavien, Indien-Iran und Griechenland, liegt das einzig und allein an der Quellenlage. Die ist für Indien und Griechenland hervorragend. Die mustergültig überlieferten indischen Traditionen auch aus ältester Zeit stellen einen wahren Glücksfall dar, hier vor allem der Rig-Veda und die anderen Veden. Auch das überlebende griechische Schrifttum ist beträchtlich. Als vorzügliche Quellen haben wir Homer und vor allem den fast gleichzeitig mit ihm lebenden Hesiod, der – ähnlich wie Snorri Sturluson mit seiner Edda – eine systematische Gesamtdarstellung griechischer Mythologie in seiner „Theogonie“ geliefert hat. Aber auch das weitere griechische Schrifttum bietet durchgängig viele Informationen über Weltbild und Gottheiten.

          So berechtigt man einerseits die Quellenlage der germanischen Religion beklagen mag, so ist man andererseits damit doch noch reich beschenkt, wenn man sie mit der keltischen, slawischen und baltischen Mythologie vergleicht. Im Fall der Kelten kennen wir zwar etliche Namen von Gottheiten aus dem gallischen Bereich, sowie zahlreiche Heldensagen aus dem irischen Mittelalter, in denen auch Götter vorkommen. Leider sind diese Quellen aber zu lückenhaft, widersprüchlich und entstellt, um auch nur annähernd eine zusammenhängende Mythologie liefern zu können.

          Im Fall der slawischen Religion ist das Bild noch düsterer. Auch hier sind einige Götternamen und Volksbräuche überliefert, mehr jedoch nicht. Die schriftlichen Quellen der slawischen Welt beginnen erst lange nach der gründlichen Christianisierung zu fließen, so dass man die meisten Details über die Religion der Slawen als endgültig verloren ansehen muss.

          Sehr viel besser verhält es sich mit den baltischen Quellen, denn die Balten waren für lange Zeit wortwörtlich die letzten Heiden Europas. Seit dem 19. Jahrhundert sind dort von einheimischen Volkskundlern und Heimatforschern buchstäblich Tausende von Liedern aufgezeichnet worden, die sehr reiches mythologisches Material bieten. Das Problem ist, dass dies international noch kaum ausgewertet ist. Das liegt zunächst daran, dass außer den Balten selbst kaum jemand die litauische Sprache beherrscht (die übrigens die noch heute urtümlichste aller indoeuropäischen Sprachen ist, weit mehr als das Sanskrit). Das zweite Problem liegt in der politischen Geschichte, denn die baltischen Länder waren über Jahrhunderte Spielball der Großmachtinteressen, was dazu führte, dass die kulturelle Identität der Litauer und Letten stets unterdrückt wurde, und dass gerade im 20. Jahrhundert durch die gewaltsame Sowjetisierung kaum ausländische Forschungen vor Ort oder unzensierte internationale Publikationen litauischer Wissenschaftler möglich waren. So steht die Einbeziehung baltischer Mythologie in das Netz indoeuropäischer Zusammenhänge erst am Anfang, von der für die Zukunft aber sehr viel zu erhoffen ist. Das Wenige, das wir über die Religion der Kelten, Slawen und vor allem der Balten wissen, zeigt aber dieselben indoeuropäischen Parellelen.

          Bleiben noch die lateinisch-römischen Quellen zu erwähnen, die ja ebenfalls äußerst reichhaltig sind. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Römer zur Zeit der Verschriftlichung bereits mehr oder weniger komplett die griechische Mythologie übernommen hatten. Die Griechen hatten schließlich vor dem Aufstieg Roms über lange Zeit die völlige kulturelle Herrschaft über große Teile Italiens ausgeübt. Was die Römer nicht von den Griechen übernommen haben, das stammt wiederum von den nicht-indoeuropäischen Etruskern im Norden Italiens, so dass wir außer dem alten Iuppiter kaum etwas besitzen, das sich als wirklich eigene römische Gottesvorstellung bezeichnen ließe.

          Letztlich muss Ähnliches allerdings auch von der griechischen Mythologie gesagt werden. Die indoeuropäischen Vorfahren der Griechen stießen bei ihrem Eindringen auf alteingesessene Völker, die teilweise auf sehr viel höherem kulturellem Stand waren und von denen sehr viele Eigenheiten in die griechische Religion Aufnahme fanden. Auch dort ist Zeus die einzige Gottheit, die mit absoluter Sicherheit als indoeuropäisch angesehen werden kann.

          Der Ursprung der Welt

          Die germanischen Quellen berichten über den Zustand vor dem Werden der Welt von einem „gähnenden Abgrund“ (ginnungagap), der aber mit einer magischen Kraft gefüllt war.

          Die Edda sagt:

          „In uralten Zeiten, da gab es nichts, weder Sand noch Meer, noch nasskalte Wellen. Erde war nirgends und kein Himmel oberhalb davon, nur gähnender Abgrund.“

          Vergleichen wir damit nun die folgenden Zeilen aus dem Rig-Veda (X, 129 ff.):

          „Nicht existierte Nicht-Seiendes, noch auch existierte Seiendes damals, nicht existierte der Raum, noch auch der Himmel oberhalb davon. Exisitierte das Wasser? Nein, nur ein tiefer Abgrund.“

          Dieser Abgrund war der Ursprung allen Seins, denn aus ihm entstand ohne Zutun irgendeiner Gottheit die Schöpfung des Kosmos. Die Edda sagt:

          „Und der gähnende Abgrund wurde dort so warm wie die windlose Luft. Und wo sich der Reif und der heiße Luftzug begegneten, da taute und tropfte es. Und aus diesen Gischttropfen entstand Leben.“

          Der indische Text:

          „Es begann zu atmen, windlos, durch eigene Kraft. Der Keim, der von Leere bedeckt war, kam als Einziges zum Leben durch die Macht einer Hitze.“

          Es ist schwer zu glauben, dass zwischen der Abfassung der beiden Texte nicht nur Tausende von Kilometern, sondern auch fast 2000 Jahre liegen. Sie sind nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Wortlaut her fast noch identisch.

          Der Grieche Hesiod berichtet ebenfalls dasselbe (Theogonie 116):

          „Zuerst war nur die gähnende Leere des Raumes (Chaos), danach die breitbrüstige Erde (Gaia), weiter entstand das Liebesbegehren (Eros).“

          Auch hierzu ein identisches Detail aus dem Rig-Veda:

          „Das Begehren bildete sich da im Anfang, das als Same des Denkens als erstes existierte.“

          Jeder wird erkennen, dass hier nicht nur inhaltliche, sondern teilweise sogar wörtliche Übereinstimmung besteht, woraus man entnehmen kann, dass hier uralte Kultdichtung aus gemeinsamer indoeuropäischer Zeit in treuer Bewahrung überlebt hat. Dass die altnordische Version kein „vereinzelter Zufall“ oder eine Erfindung des Völuspa-Dichters ist, wird durch Bruchstücke aus dem süddeutschen Raum belegt. Obwohl es bereits aus christlicher Zeit stammt, haben sich in dem sogenannten Wessobrunner Gebet ebenfalls diese alten Kultzeilen über den Zustand der Welt vor ihrem Beginn erhalten:

          „Es gab weder Erde, noch Himmel oberhalb davon, noch Baum, noch Berg. Auch schien keine Sonne, noch leuchtete der Mond, noch gab es das herrliche Meer.“

          Einen weiteren Beleg finden wir in der Kirchengeschichte Adams von Bremen (IV, 39), der ebenfalls von dem leeren Abgrund der germanischen Urzeit berichtet („immane baratrum abyssi“), dessen Namen „Ginnungagap“ er aber falsch verstanden mit „Ghinmendegoþ“ wiedergibt.

          Spätere indische Erläuterungen geben detailliertere Auskunft über diesen ursprünglichen Zustand: Die Urmaterie befindet sich im Zustand der „Weltenruhe“. Sie besteht aus drei Grundsubstanzen: „Sattva“ (leicht, Freude bewirkend), „Rajas“ (beweglich, Schmerz hervorrufend) und „Tamas“ (schwer, dunkel und hemmend). Diese drei Substanzen halten sich im Gleichgewicht, werden dann aber erschüttert, beginnen dadurch gegeneinander zu wirken und sich miteinander zu vermischen. Auf diese Weise entsteht zunächst feine, dann immer festere und grobere Materie, aus der nicht nur die Denktätigkeit der Lebewesen und Gottheiten, sondern auch die fünf Elemente (Wasser, Feuer, Erde, Luft und Äther) hervorgehen.

          Nachdem der Beginn der Schöpfung dergestalt in Gang gekommen ist, entsteht aus der Erde ein Urwesen. In der Edda ist das Ymir, ein Urriese, der sich von der Milch einer Urkuh ernährt, die genauso in der indischen wie auch persischen Überlieferung auftaucht. Der Ahnvater allen Lebens trägt dort sogar denselben Namen: Yima. Tacitus berichtet uns bei den kontinentalen Germanen von dem „erdgeborenen“ Tuisto.

          Nun ist die Bedeutung all dieser Namen genau dieselbe: Zwitter bzw. Zwilling. Nicht ohne Grund, denn er zeugt mit sich selbst ein weiteres männliches Wesen, bei den kontinenetalen Germanen Mannus, bei den Indern Manu, bei den indoeuropäischen Phrygiern in Anatolien Manus genannt. Von diesem Sohn des Urwesens stammen im Altnordischen sowohl die Riesen, wie später auch die drei Götter Odin, Vili und Vé ab, bei den kontinentalen Germanen die Stammväter der Ingväonen, Istväonen und Herminonen.

          In der griechischen Version ist es der Riese Kronos, der mit dem Urwesen vergleichbar ist, denn auch er wurde von der Erde (Gaia) und dem Himmel (Uranos) gezeugt, zusammen mit dem weiteren Riesengeschlecht der Titanen. Kronos ist zwar kein Zwitter, wohl aber ein Zwilling, denn mit seiner Schwester Rhea zeugt auch er die drei ersten Götter Zeus, Poseidon und Hades. In der Edda erschaffen diese drei Götter das erste Menschenpaar aus zwei Bäumen, den Mann aus einer Esche, die Frau aus einer Ulme. Bei Hesiod findet sich ebenfalls der Rest des altgriechischen Mythos von der Erschaffung des ersten Menschen aus einer Esche.

          Nun aber passiert Unerhörtes: Die erste Tat der Götter besteht darin, dass sie das riesige Urwesen, dem sie letztlich ihre Existenz verdanken, töten. Das aber ist kein hinterlistiger Meuchelmord aus niederen Motiven, sondern gerade aus der indischen Variante geht hervor, dass es sich um die erste heilige Opferhandlung handelt. Vor allem aber dient der Körper des Urwesens dazu, dass die Götter aus seinen Teilen die Welt formen, wie wir sie kennen.

          Die isländische Edda berichtet:

          „Sie nahmen den Ymir und schufen aus ihm die Erde: aus seinem Blute das Meer und die Seen. Das Festland machten sie aus seinem Fleisch, die Berge aber aus seinen Knochen, und Gestein und Geröll aus seinen Zähnen. Sie nahmen auch seinen Schädel und schufen den Himmel daraus und stülpten ihn mit allen vier Ecken über die Erde“.

          Im indischen Rigveda liest sich das 2000 Jahre früher so:

          „Der Mond wurde aus seinem Geist geschaffen, aus seinem Auge wurde die Sonne. Aus seinem Nabel wurde die Luft geschaffen, aus einem Kopf entstand der Himmel, aus seinen Füßen die Erde. So schufen die Götter die Welt.“

          Im Indischen entstehen aus der Zerteilung des Urwesens auch die verschiedenen Menschen, das sind die drei indoeuropäischen „Kasten“, zusätzlich der für Indien charakteristischen vierten Kaste der Einheimischen. Das wiederum erinnert an die kontinentalgermanische Variante von der Herkunft der Ingväonen, Istväonen und Herminonen, obwohl es sich hierbei nach allgemeiner Anschauung nicht um Kasten, sondern um Kultgemeinschaften handelt.

          Im Griechischen finden wir von diesem Motiv nur Anklänge. Dort ist es Kronos, der seinen Vater Uranos durch Kastration mit einer Sichel tötet. Dieses Detail scheint aber aus dem Kumarbi-Zyklus der hurritischen Mythologie übernommen worden zu sein. Im Persischen hat sich ebenfalls das Wissen erhalten, dass das Urwesen Gayomart (auch hier ist der Name Ymir noch gut zu erkennen) durch drei göttliche Brüder getötet wurde.

          Die verblüffenden Übereinstimmungen all dieser Überlieferungen sind nicht nur in der reinen Abfolge zu sehen: „Urknall“ im namenlosen Nichts, Lebensfunken und erdgeborenes Urwesen, daraus Riesen, Götter, Menschen. Wie wir sehen, stimmen auch die einzelnen Details überein.

          Deshalb sei hier noch auf eine seltsame Übereinstimmung dieser Vorstellungen mit denen im chinesischen Taoismus hingewiesen. Das Tao (Weltgesetz) ist der Urgrund (!) der Welt, aus dem alles entstanden ist. Vor dem Beginn der Weltentstehung wird ein Zustand des „Nichtseins“ vorausgesetzt. Aus diesem transzendenten „Urgrund“ geht das Sein hervor, d.h. der Zustand der All-Einheit, in welcher alle Unterschiede noch ungetrennt sind. Diese Einheit erzeugt die geschlechtliche Zweiheit von Yang und Yin. Aus dem Dualismus dieser zweigeschlechtlichen Urkraft entsteht der „Lebensatem“, der die Harmonie der beiden Kräfte bewirkt, die wiederum die fünf Elemente erzeugen (die identisch mit den oben erwähnten indischen sind). Die jetzt vorhandenen „Sieben“ bringen als weitere Faktoren Himmel und Erde hervor und haben sich damit zu einer „Neunheit“ entwickelt. Diese Neunheit ist insofern wieder eine Einheit, als sie zusammen den gesamten Kosmos bildet.

          Wenn man die Enstehung des zweigeschlechtlichen Urriesen im indoeuropäischen Bereich bedenkt (Yin und Yang), sowie die Tatsache, dass auch die germanische Kosmologie aus neun Welten besteht, ist diese Übereinstimmung der Schöpfung so verblüffend, dass man sich fragen muss, ob hier nicht eine Verbindung besteht. Der Taoismus wird nun zwar nicht zu den indoeuropäischen Religionen gezählt, es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass bei dessen Entstehung ca. im 5. Jahrhundert v.Chr. die zu diesem Zeitpunkt schon weitaus älteren vedischen Vorstellungen des eng benachbarten Indien bekannt gewesen sind, so dass hier eine Übernahme oder Beeinflussung keineswegs ausgeschlossen werden kann.

          Die Vorstellung von dem äußeren Aufbau der Welt unterscheidet sich bei den Indo-Europäern allerdings kaum von dem aller anderen Völker, was daran liegt, dass diese Anordnung der Dinge dem Augenschein zu entsprechen scheint: die Erde wurde als vom Meer umgebene Scheibe gedacht. Darunter befinden sich Unter- und Jenseitswelten, darüber stockwerkartig die Welten der Götter und anderer himmlischer Wesen, woraus sich insgesamt das zwiebelschalenförmige Modell eines „Welteies“ ergibt. Allerdings gehen bereits die frühen indischen Texte wie selbstverständlich davon aus, dass es unzählige solcher bewohnten „Welteneier“ im Universum gibt. Eine erstaunliche Erkenntnis! Die Griechen wiederum waren die ersten, die die Kugelgestalt der Erde entdecken und bereits erste Versuche machten, ihren Umfang zu berechnen. Beide Fälle waren aber keine Vorwegnahme des Kopernikanischen Weltbildes, denn nach wie vor wurden Sonne, Mond und Sterne als um die Erde kreisend gedacht. Und bei dem indischen Beispiel hatte jedes dieser „Welteneier“ natürlich eine eigene Sonne und Sternenwelt, die sie schichtweise umgab, genau wie eine eigene Göttersphäre.

          Das höchste Weltprinzip

          Allen indeoeuropäischen Religionen ist der Glaube an ein höchstes Weltgesetz gemeinsam, das sich in dreifacher Form manifestiert:

          1. Als natürliche Ordnung der Dinge, die die Pflanzen wachsen lässt, die Jahreszeiten und das Wetter bewirkt, sowie die Himmelslichter in den zugewiesenen Bahnen hält.
          2. Als sittliche Ordnung, die allen Wesen ein ihnen gemäßes Verhalten und Einhaltung der Pflichten vorschreibt.
          3. Als magisch-rituelle Ordnung, welche die heiligen Handlungen und Opfer gebietet, die für den richtigen Verlauf des Lebens unerlässlich sind.

          Dieses Urgesetz ist das letzte, nicht weiter zurückführbare Weltprinzip, das in und über allem waltet. Im Altindischen wird dieses Prinzip als Dharma (Gesetz) bezeichnet (in jüngeren – vor allem buddhistischen – Texten hat das Wort aber die Bedeutung „Lehre“ angenommen). Auch das chinesische Wort „Tao“ hat genau dieselbe Bedeutung. In den als „Brahmana“ bezeichneten priesterlichen Erläuterungstexten zu den Veden taucht dieses ewige All-Eine, das den Urgrund allen Seins bildet, unter dem ganz unpersönlich gedachten Begriff „Brahma“ auf, die heilige Macht, die dem Opfer seine wirkende Kraft verleiht, und die als innerster Kern alles Existierenden auch in allem verborgen ist. Da ein winziger Teil dieser Kraft auch in jedem Einzelwesen wirkt, denn alle Wesen sind mit diesem kosmischen Urgrund verbunden, bezeichnete man diesen Brahma-Funken in jedem Lebewesen als „Atman“. Und das Wort ist völlig mit unserem „Atmen“ verwandt. Die Wichtigkeit des Atems und seiner vielfältigen Techniken in den indischen Religionen ist ja bekannt. Im Altindischen hat das Wort dann auch die Bedeutung „Geist“ schlechthin angenommen (wie auch im Ehrentitel Gandhis „Mahatma“ = großer Geist). Dieses Konzept eines göttlichen Funkens in uns allen hat übrigens seine genaue Entsprechung in dem frühchristlichen Gnostizismus, der dann auch prompt als schlimme Ketzerei bekämpft wurde, da das Christentum diese Vorstellung ablehnt. Diesem Konzept liegt aber auch der indische und buddhistische Gedanke zugrunde, dass der Mensch aus eigener Kraft zur Erleuchtung und Selbsterlösung gelangen kann, was das Christentum ebenfalls strikt leugnet.

          Auch die Ethik wird auf diese der Welt immanenten Ordnung gegründet. Selbst der große Philosoph Immanuel Kant kam übrigens ganz unabhängig davon im Europa des 18. Jahrhunderts zu einer identischen Überzeugung, nämlich dass die Erkenntnis dieser Wirkmächtigkeiten („der gestirnte Himmel über mir und das sittliche Gesetz in mir“) völlig ausreicht, um ein ethisch einwandfreies Leben führen zu können. Ein Gesetzestext, wie die Zehn Gebote des Alten Testaments, existiert in den indoeuropäischen Quellen nicht. Er wäre auch mehr als überflüssig, denn wer die in den Zehn Geboten aufgeführten Forderungen – von den ersten beiden (Eingottglaube und Sabbatheiligung) einmal abgesehen – nicht auch ohne ausdrücklichen göttlichen Erlass verinnerlicht hat, ist für das menschliche Zusammenleben absolut ungeeignet.

          Der Begriff der „Sünde“ war den Indoeuropäern unbekannt. Natürlich entschied man auch hier sehr wohl nach guten und schlechten, ehrenhaften und unehrenhaften Taten. Im Gegensatz zur „Sünde“ aber (von der man sich durch Reue oder Beichte reinigen kann, bei der man sich auch immer mit den Versuchungskünsten des „Teufels“ herausreden kann), ist das bei unehrenhaftem Tun nicht ganz so einfach. Hier ist man absolut selbst für seine Taten und deren Wiedergutmachung verantwortlich. Keine Gottheit bietet hier „Vergebung“ an.

          Entscheidend ist nun, dass auch die Götter diesem Gesetz unterworfen sind, denn die Götter der indeoeuropäischen Religionen sind weder allwissend noch allmächtig, und auch nicht unsterblich. Auch sie haben „menschliche“ Fehler und laden Schuld auf sich. Das finden wir bei den indischen Gottheiten genauso, wie bei den griechischen und germanischen. Sie haben die Welt ja auch nicht aus dem Nichts geschaffen, sondern entstanden erst danach und ordneten die Welt nur aus dem schon reichlich vorhandenen Baustoff des Urriesen und sonstiger Materie. Und natürlich verehren die altindischen Götter dieses höchste und weit über ihnen stehende Weltprinzip ebenfalls und opfern ihm auch.

          Dieses Detail scheint auf den ersten Blick in den germanischen Quellen unbekannt zu sein, denn in der Sekundärliteratur wird auf diesen Aspekt nie eingegangen. Und doch gibt es drei bisher unbeachtete Stellen, die tatsächlich einen Hinweis darauf liefern könnten.

          In der Völuspa wird berichtet, dass die Asen als eine ihrer ersten Taten „Heiligtum und Altar“ errichten. Aber für wen? Menschen, die hier die Asen verehren könnten, sind noch nicht erschaffen. Zudem wird das Heiligtum in Asgard, also dem Reich der Götter, errichtet. Dass die Götter sich hier in Zeremonien selbst verehren und Opfer bringen, kann man wohl ausschließen. Wenn diese Stelle nicht ein „geistiges Versehen“ des Dichters ist, was man in dem so ungemein kunstvoll komponierten Gedicht aber ausschließen kann, ist das tatsächlich ein Hinweis darauf, dass sich auch die germanischen Götter einer höheren Macht verpflichtet fühlten.

          Die zweite Stelle befindet sich im Hyndla-Lied, wo direkt in der ersten Strophe ebenfalls auf ein ganz bestimmtes „Heiligtum“ in Asgard Bezug genommen wird. Hier ist der Zusammenhang der, dass Freyja die Riesin Hyndla zum Mitkommen nach Asgard bewegen will. Da Riesen dort aber nicht willkommen sind, erwähnt sie dieses Heiligtum als „sicheren“ Ort für die Riesin, denn wie auch in allen anderen Kulturen galten Heiligtümer als ein Ort der Zuflucht, vor dem der Arm des Gesetzes (hier die Furcht vor dem Riesentöter Thor) Halt machen musste, wie wir es auch heute noch vom christlichen Kirchenasyl her kennen.

          Die dritte Stelle findet sich in Snorris Edda, und dort erfahren wir genau dasselbe. Zu Beginn des Textes wird als Motiv für die Reise König Gylfis zu den Göttern ausdrückliches folgendes genannt:

          „Er [Gylfi] wunderte sich sehr darüber, dass die Asen so beschlagen waren. Er überlegte, ob das von ihrer eigenen Natur herrühre, oder ob ihre Götter daran schuld seien, denen sie opferten“.

          Was in der Völuspa und dem Hyndla-Lied nur angedeutet ist, finden wir hier von Snorri unmissverständlich ausgesprochen. Und da diese identische Information aus drei sehr unterschiedlichen und nicht voneinander abhängigen Quellen kommt, darf man ihr folgenden allgemeinen Wert zubilligen: Es gab eine Macht über den Asen, denen auch sie opferten. Und wir finden im Altnordischen auch ein Wort, das bis ins letzte dem aus indischen Zusammenhängen bekannten Urgesetz entspricht: „Ørl?g“. Das wird zwar in vielen Texten als „Schicksal“ übersetzt, ganz wörtlich aber heißt es „Urgesetz“ (im althochdeutschen „urlag“). Auch die römisch-griechischen Götter kennen dieses obere Prinzip, das dort ebenfalls als „Schicksal“ (fatum) bezeichnet wird.

          Trotz der inhaltlich ganz genauen Entsprechung des Wortes „Ørl?g“ ist dieses im Altnordischen aber mehr mit dem persönlichen Schicksal des einzelnen Menschen verbunden (und scheint sogar einige Parallelen zum Begriff des Karma aufzuweisen!). Für das über allem waltende Schicksal gab es aber noch weitere Begriffe.

          Da ist zunächst das altnordische Wort „mj?tuðr“ (altsächsisch „metud“). Das ist mit unserem Wort „messen“ verwandt und bezeichnet die „zumessende“, also schicksalbestimmende Macht. Das Leben als Ganzes wird nicht als ein von den Göttern bestimmtes, sondern als von einer inneren Gesetzmäßigkeit gelenktes Los gedacht. Die germanische Vorstellung sah darin also eine gleichsam äußere wie innere Kraft, was sich durch die Verbindung dieser Kraft mit Bestandteilen der eigenen Seele ausdrückt. Begriffe wie „Ørl?g“, „hamingja“ und „fylgja“, die sowohl Teile des eigenen Selbst, aber gleichzeitig davon losgelöste Bestandteile sind, geben davon Zeugnis. Die außerordentlich komplizierte Seelenvorstellung der germanischen Religion, mit denen diese Begriffe zusammenhängen, ist allerdings ein Kapitel für sich, worauf in einem anderen Beitrag gesondert eingegangen werden wird.

          Ein weiterer Begriff dieser Schicksalsmacht war „urðr“, althochdeutsch „wurt“, welches wörtlich unserem Begriff „das Gewordene“ entspricht. Dass es solch verschiedene Begriffe für dieses Konzept gibt, legt nahe, dass die Vorstellungen davon sehr viel differenzierter und vielschichtiger gewesen sind, als es uns heute aus den spärlichen Quellen noch ersichtlich werden kann.

          Natürlich hat es immer wieder verständliche Versuche gegeben, dieses Prinzip auch mit einer personellen Vorstellung zu verbinden. So entstand die Vorstellung der Schicksalsfrauen, die meist als Dreiheit auftreten: bei den Griechen waren das die Moiren, bei den Römern die Parzen und bei den Germanen die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld. Diese drei Nornen sitzen unter dem Weltenbaum an einer heiligen Quelle und bestimmen von dort das Schicksal. Sie sind wesentlich älter, als die Götter. In der Völuspa werden sie als Töchter der Riesen geschildert (wenn diese Interpretation der drei Riesentöchter als Nornen in Vsp. 8 denn richtig ist!), allerdings genauso bei den Griechen, wo sie Töchter der Nacht sind und ebenfalls den Riesen (Titanen) zugerechnet werden. Gegen die Entscheidungen der Schicksalsfrauen sind auch die Götter machtlos, die Götter sind ihnen sogar genauso unterworfen, wie die Menschen. Selbst Zeus kann lediglich am Ausschlag seiner goldenen Waage erkennen, dass sich das Schicksal seiner Lieblinge (Herakles, Hektor) dem Dunkel zuneigt, so wie auch Odin den Tod seines Lieblingssohnes Baldr zwar voraussehen, aber trotz aller Versuche nicht verhindern kann.

          Bei den Germanen scheint die Vorstellung dieser Schicksalsfrauen allerdings eine Vermengung ursprünglich anderer Vorstellungen zu sein. Denn die Nornen galten gleichzeitig als Geburtshelferinnen und erscheinen nicht immer in Form dreier Frauen. Sie waren bei der Geburt jedes Kindes anwesend und bestimmten ihm Gutes wie Böses. In dieser Form treten sie noch gut erkennbar zu Beginn des Märchens von Dornröschen auf. Ihre Funktion überschneidet sich außerdem teilweise mit der der Walküren, die ja auch über Leben und Tod entscheiden, und der Nornenname Skuld ist auch als Walkürenname belegt. Weiterhin dürfte es eine Verwandtschaft zu den aus dem keltisch-germanischen Grenzgebiet bekannten Matronen geben, die ja auch stets in Form einer Dreiheit verehrt wurden. Auch die Disen (dísir), im Altnordischen ein nicht ganz klarer Begriff für weibliche Schutz- und/oder Fruchtbarkeitsgottheiten, dürften dieser Kategorie von Wesenheiten angehört haben.

          Die altnordischen Disen (und deutschen Idisen, wie sie noch im Ersten Merseburger Zauberspruch auftreten) haben übrigens ihre genaue sprachliche und inhaltliche Entsprechung in den indischen „Dhisanas“, die uns nicht nur ebenfalls als „Reichtum erzeugend, Gaben und Güter verteilend, beglückend“, beschrieben werden, sondern genau wie die Matronen auch in Form einer weiblichen Dreiheit verehrt werden.

          Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema: Wenn man dieses besagte Urgesetz, den Urgrund aller Dinge, nun personifiziert, wie es zeitweise auch in der indischen Tradition ansatzweise passiert ist (nämlich dadurch, dass das unpersönliche Brahma-Prinzip zu einem Gott wurde, aber auch in der Gestalt Vishnus), ist man gar nicht mehr so weit von der Gottesvorstellung entfernt, wie sie von Christentum, Judentum und Islam vetreten wird.

          Es ist nämlich ein grundlegender Irrtum, der bis heute von christlicher Seite besteht, die Wesensart der indoeuropäischen Götter mit der ihres einzigen Gottes gleichzusetzen und darin einen unauflöslichen Gegensatz zwischen Monotheismus (Eingottglaube) und Polytheismus (Vielgottglaube) zu sehen. Schließlich haben auch die Christen, Juden und Muslime genaue Entsprechungen zu den indoeuropäischen Göttern: die große Zahl von Engeln, Erzengeln und anderen himmlischen Heerscharen mit genauer Abstufung ihrer Kompetenzen. In älterer christlicher Zeit war diese „Angelogie“ sogar eine ganz eigene theologische Spezialdisziplin. Im Katholizismus kommt noch die gewichtige Schar der Schutzheiligen hinzu. Und deren Funktionen entsprechen auch sehr viel mehr z.B. denen der indischen bzw. germanischen Gottheiten. Das Fehlen dieser simplen Erkenntnis hat dem Dialog der Religionen oft völlig unnötige Grenzen vorgeschoben, die allerdings stets von Seiten der monotheistischen Religionen aufgebaut wurden. Natürlich ebnet diese Erkenntnis keineswegs die weiteren (sehr erheblichen) Unterschiede ein, aber sie hätte zumindest die grundsätzliche Verständigung etwas erleichtert.

          Dennoch gibt es auch bei der Erkenntnis dieser Zusammenhänge einen unüberbrückbaren Gegensatz. Das indoeuropäische „Urgesetz“ ähnelt eher einem unveränderlichen Naturgesetz. Sein Wirken ist unabhängig davon, ob man daran glaubt oder nicht, genauso, wie es z.B. der Schwerkraft völlig egal ist, ob man an sie glaubt (deren Wirken bekommen „Ungläubige“ genauso zu spüren, nur meistens etwas schmerzhafter). Im Gegensatz dazu muss die Vorstellung von nur einem einzigen und allmächtigen Gott zu dem Glauben führen, dass jede natürliche Ordnung der Dinge gerade durch die Allmacht dieses Gottes jederzeit wieder durchbrochen und rückgängig gemacht werden kann (oder wenigstens könnte).

          Das Problem dabei ist, dass zwischen dem monotheistischen Gott auf der einen Seite und seiner Schöpfung (= Welt, Pflanzen, Tiere, Menschen) auf der anderen Seite eine unüberbrückbare Kluft besteht. Gott und Schöpfung sind von unvereinbarer Unterschiedlichkeit, was in den indoeuropäischen Religionen gerade nicht der Fall ist. Dort sind Menschen, Tiere, Gottheiten, ewiges Weltgesetz und Schöpfung untrennbar miteinander verbunden, da ja auch die Gottheiten selbst Teil der Schöpfung sind. Fairerweise muss man aber zugeben, dass heute auch die meisten Christen Probleme mit der Ferne dieser biblischen Gottesvorstellung haben und viele sich in einem Prozess ökologischer Bewusstseinswerdung und Einsicht dem „heidnischen“ Gottesverständnis annähern, ohne dass ihnen aber bewusst würde, wie radikal sie sich dabei von den Grundlagen des christlichen (und hier vor allem evangelischen) Gottesbildes entfernen.

          Die monotheistische Doktrin, dass Gott gleichermaßen allmächtig, wie auch die Verkörperung reinster Liebe ist, hat denn auch zu dem Grundproblem der Christen schlechthin geführt: Wie ist es nämlich dann zu erklären, dass diese Welt so unvollkommen ist? Warum gibt es so viel Leid und Unglück, das vorzugsweise über „Unschuldige“ hereinbricht, wenn dieser allmächtige und liebevolle Gott doch mit einem winzigen Willensakt das Paradies auf Erden verwirklichen könnte?

          Auf die Beantwortung dieser Frage (die man mit dem Fachbegriff „Theodizee-Problem“ bezeichnet) ist von christlicher Seite seit nun fast 2000 Jahren großer Scharfsinn verwandt worden, ohne dass man eine befriedigende Antwort gefunden hätte. Schon daraus wird deutlich, dass die Gottesvorstellung christlicher Prägung in sich unstimmig ist und nicht befriedigen kann. Ein scheinbar genialer Schachzug bestand darin, dass man zur Erklärung dieses Problems den Teufel als Verkörperung des „Bösen“ schlechthin erfand. Dieser heute nur noch bei christlichen Fundamentalisten populäre Kinderschreck löst das Problem aber auch nicht, da er Gott ja unterlegen ist. Auch alle anderen Erklärungsversuche laufen ins Leere und beschränken sich letztlich auf die resignierende Feststellung, dass Gottes Wege unergründlich seien.

          Nun gibt es natürlich auch in den indoeuropäischen Religionen Kräfte, die den Göttern feindlich gegenüberstehen. Im Indischen gibt es unzählige Dämonen, mit denen die Götter in ständigem Kampf liegen, und auch in der germanischen und griechischen Religion gibt es die Riesen, auch sie auf gewisse Art Gegner der Götter. Diese Riesen aber haben wenig gemeinsam mit jenen dummen und tolpatschigen Gestalten, wie wir sie aus den Volksmärchen kennen. Die Riesen der Edda sind im Gegenteil äußerst schillernde Gestalten, uralt und mächtig, sehr zauberkundig und von großem Wissen. Die Götter stammen ja überhaupt erst von ihnen ab, und später finden wir sogar Ehen zwischen Göttern und Riesinnen.

          Die Gefährlichkeit, die diesen Riesen eigen ist und gegen die Thor fortgesetzt kämpft, liegt eben nun gerade nicht darin, dass sie das Prinzip des „Bösen“ verkörpern, wie der christliche Teufel. Sie sind vielmehr ein gelungenes Bild für die gefährliche Seite der Natur. Auch im modernen Sinn sehen wir jene Seite der Natur, wie sie durch Flut- und Wetterkatastrophen, Erdbeben, Vulkanausbrüche usw. repräsentiert wird, zwar als gefährlich, aber nicht als „böse“, sondern eben auch als „natürlich“ an. Einen heutigen Naturbegriff, der sich ausschließlich auf die schöne, romantische, harmonische und idyllische Seite der Natur beschränkt, kannte man früher nicht. Es gibt im Germanischen auch kein Wort, das unserem Begriff „Natur“ entsprechen würde, denn allein diese Wortbildung würde eine grundsätzliche Abgrenzung des Menschen von der Natur bedeuten, ein Konzept, das sich erst in der Neuzeit entwickeln konnte. Insofern ist auch die oft zu findende pauschale Behauptung, die Germanen hätten „die Natur verehrt“, historisch gesehen Unsinn oder zumindest grob missverständlich. Natürlich sah man in einzelnen Manifestationen der Natur auch das Göttliche, eine allgemeine Verehrung der Natur als solche aber ist schon deshalb undenkbar, weil die Natur gerade früher höchst lebensbedrohlich für die Menschen war. Jeder Winter war eine Sache auf Leben und Tod, jede Wetterkatastrophe und Überschwemmung bedeutete wegen der daraus folgenden Missernte das sichere Todesurteil für viele Menschen. Jeder Gang in den Wald konnte in einer tödlichen Begegnung mit damals noch existierenden Tierarten enden (Bär, Wolf, Wisent, Auerochse).

          Entscheidend aber ist nun, dass das Leid in der Welt – und dabei vor allem das durch Menschen verursachte – in den indoeuropäischen Religionen keiner Erklärung durch göttliche Mächte bedarf. In einer erstaunlich modernen Weise ist dort die Tatsache menschlicher Unzulänglichkeiten wie Habgier, Neid, Dummheit und Kleingeistigkeit als Erklärung völlig ausreichend. Man muss die Schuld nicht auf die Götter oder auf einen Teufel schieben. Insofern ist auch die in christlichem Zusammenhang oft gestellte Frage, warum z.B ein Unglück ausgerechnet einen Menschen trifft, der es unserer Meinung nach nicht „verdient“ hat, während ein anderer, der es „verdient“ hätte, ungeschoren davonkommt, sehr viel weniger relevant. Sie stellt sich im Grunde gar nicht. Der griechische Dichter Aischylos hat die Essenz der menschlichen Existenz in der Erkenntnis zusammengefasst: „Wer handelt, der leidet“.

          Zu einem Problem konnte diese Frage allerdings erst in einer modernen Gesellschaft werden, die den Tod aus ihrem Bewusstsein verdrängt hat, was Hand in Hand mit einer schleichenden „Entreligionisierung“ einherging, die z.B. in Frankreich schon Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzte. Die sehr pointierte Formulierung „Alle wollen in den Himmel, aber niemand will sterben“, ist nicht wirklich auf das Christentum zu beziehen, sondern nur auf seine spießbürgerliche Fratze der Neuzeit, die sich oft genug auf reine Fassade beschränkt. Dass der Tod lediglich das Tor zu einer anderen, neuen und interessanten Welt war, daran „glaubte“ man früher nicht, sondern das wusste man. Bezeichnend ist ja auch, dass man heute bei der Geburt eines Kindes nicht die geringsten Gedanken darauf verschwendet, woher dessen Seele denn kommt, während man sich in furchtsamer Spekulation (oder meistens Verdrängung) darüber ergeht, wo die Seele nach dem Leben wieder hingeht.

          Natürlich finden wir auch in der altnordischen Literatur Beispiele dafür, dass Menschen auf Grund von schlimmen Schicksalsschlägen mit den Göttern hadern, ja sogar vom Glauben abfallen. Das ist nur allzu menschlich. Und auch hier findet sich die Erklärung, dass uns die langfristigen Pläne der Götter verhüllt bleiben. Nur hat von diesen Göttern ja auch niemals jemand behauptet, sie seien allmächtig, fehlerfrei und bestünden aus reiner Liebe den Menschen gegenüber. Und erst recht geht nicht „jedes Blatt, das vom Baume fällt“ auf einen direkten Willensakt der Götter zurück, so wie es in der Bibel von Jahwe, dem christlichen Gott, gesagt werden muss, weil neben ihm ja keine anderen Kräfte existieren dürfen. Bei aller Erhabenheit, die das christliche Gotteskonzept natürlich auch hat, stellt es in Hinsicht auf Welterklärungsmöglichkeiten aber eine Verarmung dar, die in scharfem Gegensatz zu den alten vorchristlichen Konzepten steht. Die nämlich sind gerade vor dem heutigen Hintergrund einer modernen, pluralistischen Gesellschaft und Weltentwicklung sehr viel überzeugender und stimmiger.

          Der Weltenbaum

          Ein weiteres und sehr schönes kosmologisches Bild ist ebenfalls weit außerhalb des germanischen Kulturraumes nachweisbar, das Bild des gewaltigen Weltenbaumes, der die gesamte Schöpfung durchzieht, die verschiedenen Welten der Gottheiten, Menschen und anderer Wesenheiten miteinander verbindet und Stütze und zentrale Achse der Welt ist. In den altnordischen Quellen wird er gemeinhin Yggdrasill genannt, er scheint aber auch andere Namen gehabt zu haben (Læráðr, Hoddmímir). Am Fuß des Baumes findet sich der Schicksalsbrunnen (und weitere Quellen mythologischer Flüsse und Gewässer).

          Dort sitzen und wirken auch die Nornen. Von dem Baum tröpfelt konstant eine lebensspendende Flüssigkeit herab, und auch einige mythologische Tiere sind mit dem Baum verbunden. In dem Astwerk leben vier Hirsche, an der Spitze sitzt ein Adler, der wiederum einen Habicht trägt, und an den Wurzeln nagen verschiedene Schlangen, unter ihnen auch der Drache Niðh?ggr, den wir aus der Völuspa kennen. Das Eichhörnchen Ratat?skr („Rattenzahn“) läuft als kleiner Intrigant den Stamm hinauf und hinab und stiftet Unfrieden zwischen dem Adler und dem Drachen, indem es jedem von beiden Unwahrheiten über den anderen erzählt.

          Auch im Iranischen und Indischen haben wir den Weltenbaum. Im Iranischen wird er „Baum des Adlers“ genannt, weil in seiner Krone der Sonnenvogel sitzt. Zu seinen Füßen entspringt die Wunderquelle Ardwi Sura. Die Hirsche gehören dort ebenfalls zu dem Bild, wie uns aus iranischen Bilddarstellungen bekannt ist.

          Die indischen Quellen geben uns auch besseren Aufschluss über die Art der lebensspendenden Flüssigkeit, die von dem Baum tropft. Man ahnt es schon: es handelt sich um „madhu“, das indische Wort für Met, der ja als kultischer Rauschtrank auch beim Opfer eine besondere Bedeutung hatte. Andere indische Quellen bezeichnen den Baum als „somaträufelnd“ („somasavana“). Soma war die heiligste Kultdroge der altindischen Quellen, und wir wissen bis heute nicht genau, woraus sie bestanden hat.

          Bei den Griechen war der Weltenbaum unter dem Namen „Baum der Hesperiden“ bekannt. Auch zu seinen Füßen finden wir das lebensspendende Wasser, und um seinen unteren Stamm ringelt sich eine Schlange. Der Baum wird im Griechischen auch „Spindel der Notwendigkeit“ genannt, denn an seinem Fuße sitzen ebenfalls die drei Moiren und spinnen das Geflecht des Schicksals. Sogar das Eichhörnchen scheint auch hier dazuzugehören, denn sowohl griechische wie auch indische Traditionen kennen den Streit zwischen dem Adler in der Spitze des Baumes und der Schlange an seinem Fuß. Noch in der Spätantike findet sich der Nachhall dieser alten Vorstellung in einer Fabel des Phaedrus, wo es eine Katze ist, die zwischen Adler und Wildschwein Feindschaft stiftet, die auf demselben Baum wohnen.

          Die altnordische Bezeichnung Yggdrasill für den Weltenbaum hat einige Rätsel aufgeworfen. Wörtlich übersetzt heißt das „Pferd des Ygg(r)“, wobei Yggr (der Schreckliche) ein belegter Beiname Odins ist. Dafür müsste man aber die nicht belegte Urform „Yggsdrasill“ annehmen. Erklärt wurde diese Bedeutung mit dem Selbstopfer Odins, bei dem er „neun Tage am Baum hing“. Der Baum hätte dann deshalb die bildhafte Umschreibung „Pferd“, weil auch der Galgen als „Pferd des Gehängten“ bezeichnet wurde. Nun gibt es allerdings auch noch die Form „askr Yggdrasills“ was wörtlich „Esche des Pferdes von Ygg“ bedeuten würde.

          Ein wenig Licht auf dieses Rätsel könnte der indische Name des Weltenbaums werfen, der „asvatta“ (Pferdestätte) lautet. Dort finden wir nämlich die Vorstellung, dass an den obersten Teil des Weltenbaums die Sterne genauso angebunden sind, „wie Rosse an einen Pfahl“. Eine sehr poetische Vorstellung. Und deshalb kreisen die Sterne auch um seine Spitze (den Polarstern). Wenn wir diese Vorstellung auch für die germanische Welt für möglich halten, wogegen nichts spricht, wäre das eine bessere Ursprungserklärung für den Namen des Baumes, als es der Hinweis auf das Selbstopfer Odins wäre.

          Ob es sich in allgemein-germanischer Vorstellung bei dem Baum tatsächlich um eine Esche handelte, ist eher fraglich. Diese Bezeichnung taucht nur in isländischen Quellen auf. Isländische Texte sind aber bis in jüngere Zeit dafür bekannt, dass Baumnamen dort häufig verwechselt werden, was ganz einfach daran liegt, dass es auf Island kaum Bäume gibt, wodurch sich das genaue Wissen um Baumarten dort teilweise verloren hatte. Die Bezeichnung „immergrün“, sowie die Beschreibung des heiligen Kultbaumes bei dem Tempel von Uppsala als Nadelbaum, hat etliche Forscher zu der Annahme gebracht, dass man sich den Weltenbaum ursprünglich als Eibe gedacht hat, deren kultische Bedeutung auch in vielen anderen Zusammenhängen belegt ist. Auch den Namen Yggdrasill hat man aus den ur-indoeuropäischen Wörtern *igwja (Eibe) und *dher- (stützen) als „Eibensäule“ zu deuten versucht.

          Die Gottheiten

          So wie das maßgebliche Göttergeschlecht der Germanen Aesir (Asen) genannt wurde, hat das Sanskrit für göttliche Wesenheiten schlechthin die Sammelbezeichnung Asura. Auch hier haben wir also noch genau dasselbe Wort.

          Unter den Gottheiten selbst haben wir nun die augenfälligste Übereinstimmung zwischen dem in den indischen Veden maßgeblichen Gott Indra und dem skandinavischen Thor. Die Parallelen erstrecken sich bis in die kleinsten Details: Beide sind von riesenhafter Stärke, und ihre wichtigste Tätigkeit ist der Schutz und die Verteidigung der Welt gegen Trolle, Dämonen und Ungeheuer. Beider Hauptfeind ist eine drachenartige Schlange (bei Indra Vritra, bei Thor die Midgardschlange), beide Monstren sind an das Element Wasser gebunden. Beide Götter sind außerordentlich beachtliche Esser und Trinker, beide sind Wagenfahrer, sie tragen einen roten Bart, den sie schütteln, wenn sie in Zorn geraten, und sie befinden sich in ausgesprochenem Gegensatz zu den göttlichen Vertretern der geistigen Fähigkeiten und des Zaubers (in der Edda Odin, im Veda Varuna). Beide kämpfen mit einer Blitzwaffe, die von zauberkundigen Wesen geschmiedet wurde, und die nach Gebrauch in die Hände des Werfers zurückkehrt (genauso wie der Wurfstein des irischen Gottes Dagda). Natürlich ist auch der griechische Blitzeschleuderer Zeus niemand anderes, als eben genau derselbe Gott.

          Der andere germanische Hochgott Wodan/Odin hat eine recht wechselvolle innergermanische Geschichte durchlaufen, deshalb ist eine klare Parallele mit den indischen Quellen nicht ganz so einfach herzustellen, sie verteilt sich dort nämlich auf zwei Götter.

          Was die Äußerlichkeiten angeht, hat er seine beste Entsprechung in dem indischen Gott Rudra. Dessen Name bedeutet „der Schreckliche, Furchtbare“, und genau diese Bedeutung hat auch Odins Beiname „Yggr“. Sie teilen einen weiteren Beinamen, den des „Lärmers“ („Ómi“ bei Odin, „uccairghosa“ bei Rudra). Beide lieben es, ihre Gestalt zu wechseln, und wie Odin hat auch Rudra nur ein Auge. Während Odin dies durch einen tief herabgezogenen Schlapphut verbirgt, trägt Rudra eine tief in die Stirn herabreichende Binde. Rudra wird als „kavi“ bezeichnet, d.h. jemand, der das geheime Zauberwissen besitzt, was auch die wohl maßgeblichste Eigenheit Odins ist. Beider Attribut ist der Speer, der bei Rudra allerdings drei Spitzen hat. Weiterhin ist Rudra Gottheit des „vrata“, des durch ein Gelübde auf diesen Gott eingeschworenen menschlichen Kriegerbundes. Der hat im Indischen sein Gegenstück in den himmlischen „vratas“, die Rudra in seinen mythologischen Kämpfen zur Seite stehen. Das ist eine weitere und ganz auffällige Übereinstimmung mit Wodan/Odin, der ebenfalls Herr der irdischen Kriegerbünde, sowie der himmlischen „einherjar“ in Valhall ist.

          Der zweite indische Gott, mit dem Odin verglichen werden kann, ist Varuna. Der bildet in Indien zusammen mit Mithra ein Herrscherpaar, wobei der eine die weltlich-rechtliche, der andere die magisch-sakrale Seite des Königtums repräsentiert. Dem Mithra würde bei den Germanen dann Tyr/Teiwaz entsprechen, dessen Rolle aber in der altnordischen Literatur schon sehr verblasst ist. Denn zur Zeit der altisländischen Quellen ist Odin unangefochtener Götterkönig.

          Nun haben wir in den skandinavischen Quellen aber zwei sehr seltsame und schon damals wohl nicht mehr richtig verstandene Mythenfragmente, in denen es um eine zeitweilige Abwesenheit Odins geht. Die Umstände sind recht turbulent, aber der Kern der Geschichte ist, dass Odin seine Stellung auf bestimmte Zeit einem gewissen Mithotyn überlassen muss, der uns schon vom Namen her auffällig an den indischen Mithra erinnert. In der zweiten Version wird er von einem Ollerus vertreten, hinter dem man wohl Ullr vermuten darf. Es könnte sein, dass hier eine uralte Erinnerung an das zweigeteilte Herrscheramt durchschimmert, vor allem, da ja auch in Ullr eine früher weitaus prominentere Himmelsgottheit vermutet wird.

          In allen indoeuropäischen Kulturen hat der Name des alten und ursprünglichen Himmelsgottes überlebt. Der muss ursprünglich ungefähr „Dyaus“ gelautet haben, was einfach nur „Himmel“ bedeutet hat. Daraus aber wurde schnell der „Dyaus pitar“ der „Himmelsvater“. Dieses Wort hat sich zu folgenden Varianten gewandelt: im Griechischen zu „Zeus pitar“ (Vater Zeus), im Römischen zu „Dispiter“ (daraus später: „Iuppiter“), im Germanischen zu „Teiwaz“, im Baltischen zu „Dievs“ und im Indischen zu „Deva“. Interessant ist, dass schon früh damit nicht mehr nur ein bestimmter Gott verbunden war, sondern dass das Wort zu einem allgemeinen Begriff für „Gott/Götter“ schlechthin wurde, so im lateinischen „deus“, im griechischen „theos“, im baltischen „dievs“, im indischen „deva“ und im altnordischen „tiv“ (Plural: „tivar“), wobei der eigentliche Gott Teiwaz parallel dazu als Tyr weiterexistierte. Und heute ist es so, dass der Name des uralten indoeuropäischen Himmelsgottes im Baltischen als „Dievs“, im Französischen als „Dieu“ und im italienischen und spanischen „Dio“ auf eine sehr viel jüngere Gottheit übertragen worden ist, deren eigentlicher Eigenname „Jahwe“ lautet.

          Der Konflikt zwischen Asen und Wanen

          In den germanischen Quellen taucht außer den Asen noch ein weiteres Göttergeschlecht auf, von dem völlig unklar bleibt, woher es stammt: die Wanen. Nach Ordnung der Welt durch die Asengötter kommt es zu einem Konflikt dieser beiden Götterfamilien, der in einen Krieg mündet, durch den die Asen zu anschließendem Friedensschluss und Verbrüderung gezwungen werden. Die Hinweise darauf sind in den Quellen aber so vage und lückenhaft, dass man aus den Hintergründen nicht recht klug wird.

          Lange glaubte man, darin die historische Erinnerung an den Aufeinanderprall der eindringenden Indo-Europäer und den einheimischen Ackerbaugesellschaften Norddeutschlands zu sehen, wo eben auch zwei unterschiedliche Religionen und somit Gottheiten aufeinandertrafen, die bäuerlich-bodenständige Familie der wanischen Fruchtbarkeitsgötter und die eher kriegerische Familie der Asen, die dann zu einer neuen Gesellschaft und Religion verschmolzen sind.

          Diese Erklärung ist faszinierend und auch heute noch in vielen Büchern zu lesen. Aber sie ist deshalb problematisch, weil die Spuren dieses Konfliktes nicht nur in den germanischen, sondern auch in den indischen und römischen Quellen auftauchen. Wenn die Interpretation dieser parallelen Quellen richtig ist, kann es sich also nicht um die Erinnerung an historische Vorgänge handeln, die in Nordeuropa stattgefunden haben.

          In den Quellen der Edda präsentiert sich der Mythos so, dass die Wanen eine Frau zu den Asen schicken, Gullveig, die man als Verkörperung der Goldsucht ansehen darf. Als Odin die Gefahr bemerkt, versucht er sie zu töten, sie aber kehrt stets wieder zum Leben zurück und treibt es unter dem Namen Heid noch ärger. Wegen der versuchten Tötung Gullveigs durch die Asen verlangen die Wanen aber eine Entschädigung, es kommt zur kriegerischen Konfontation, bei dem sich die Wanen als stärkere Partei erweisen und die Asen zu einem Friedensschluss gezwungen werden, so dass Schlimmeres verhütet wird. Die Wanen werden als gleichberechtigte Gottheiten aufgenommen, während Götter der jeweils einen Gruppe in die andere überwechseln.

          Diese Erzählung hat nun eine sehr augenfällige Parallele zu dem römischen Mythos vom Raub der Sabinerinnen. Auch dort ist ein Krieg die Vorbedingung dazu, dass Römer und Sabiner einen staatlichen Zusammenschluss bilden. Auch dort wird im letzten Moment vermittelt, so dass der eigentlich drohende Krieg abgewendet wird. Lange hat man diese Erzählung für eine rein historische Erinnerung gehalten, erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts dämmerte dem französischen Indogermanisten George Dumézil die Erkenntnis, dass es sich hierbei um einen Mythos handelt, eine Erkenntnis, die heute weitgehend akzeptiert ist.

          In der indischen Variante sind es die Asvins (auch Nasatyas genannt), Fruchtbarkeitsgottheiten, die erst zu dem Somagelage der Götter zugelassen wurden, nachdem Indra sich gegen seinen Willen dazu gezwungen sieht. Die Übereinstimmungen gehen soweit, dass auch in den letztgenannten Varianten eine Art von Gullveig-Gestalt auftritt: bei den Römern die vom Sabinergold geblendete Vestalin Tarpeia und in Indien Mada, die die Macht der Trunkenheit symbolisiert.

          Wie ist dieser Götterkonflikt nun religionshistorisch einzuschätzen? Der Mythos ist zu lückenhaft, um endgültige Klarheit zu gewinnen. Es spricht insgesamt aber mehr dafür, dass hier das Schichtenmodell der indo-europäischen Gesellschaft selbst Pate gestanden hat und nicht die Verschmelzung der Indo-Europäer mit einer gänzlich anderen Kultur. Es ist nämlich bezeichnend, dass in allen Varianten nicht die Darstellung des Krieges die Hauptsache ist, sondern ganz im Gegenteil der Friedensschluss. Der mythische Krieg, der ja gar nicht erst wirklich ausbricht, ist nur eine erzählerisch nötige Vorbedingung des Vertrages, auf dem die Gesellschaftsform selbst beruht. In diesem Fall wäre der Mythos sehr viel älter, als man bisher anzunehmen wagte. Auch in historischer skandinavischer Zeit schimmert noch die grundsätzlich unterschiedliche Verehrung der beiden Götterfamilien in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen durch. Und es mag schon immer so gewesen sein, dass es die Bauern eher zu den Vanen, Krieger und Adel eher zu den Asen hingezogen hat. Bindeglieder und Mischformen aber waren stets möglich, wie gerade die starke Stellung Thors als typischer Bauerngott zeigt.

          Die indischen Asvins sollen hier aber noch etwas näher beleuchtet werden, da sie uns möglicherweise bei einigen Rätseln der germanischen Religion weiterhelfen können. Die Asvins werden als Zwillinge gedacht, und ihr Name bedeutet „Pferdeleute“. Ihre Funktionen sind mannigfaltig, aber sie sind in erster Linie friedfertige Schutzgottheiten. Sie heilen Krankheiten und stehen für die ewige Jugend. Sie werden bei der Hochzeit angerufen, um der Braut Fruchtbarkeit zu verleihen. Diese Fruchtbarkeitseigenschaften haben sie im Indischen sehr mit den Elementen der Natur verschmelzen lassen. Als ihr Aufenthaltsort werden abwechselnd Erde, Wasser, Luft oder das „Himmelsmeer“ genannt. Sie sind die Kinder des Himmels(gottes) und sind beide mit einer gemeinsamen Frau verheiratet, der Tochter der Sonne, die gleichzeitig ihre Schwester ist. Wir sehen nun, wie auffällig diese Asvins den germanischen Wanen entsprechen. Nicht nur in ihren unkriegerischen Schutzfunktionen, sondern auch in dem Detail der Geschwisterehe, was ebenfalls den germanischen Wanen nachgesagt wird.

          Dasselbe Motiv finden wir in der baltischen Mythologie, wo die „Dieva deli“, die beiden Himmelssöhne, mit einer „Saules meita“ (Sonnenmädchen) verheiratet waren, die ebenfalls ihre Schwester gewesen sein muss, da der Himmelsgott Dievs die Sonne („Saule“) zur Frau hatte.

          Dieses göttliche Zwillingspaar taucht in den indeuropäischen Mythen wiederholt auf, meistens mit einer weiblichen Gestalt verbunden und mit ganz deutlichen Hinweisen auf ihr pferdegestaltiges Wesen. Im Griechischen sind das die sogenannten Dioskuren („Zeussöhne“) Kastor und Polydeukes (römisch: Castor und Pollux), die ebenfalls eng mit ihrer Schwester Helena verbunden sind. Zumindest Kastor hat ebenfalls eine Beziehung zum Pferd, denn er gilt vor allem als geschickter Rossbändiger. Andere Hinweise aber deuten darauf hin, dass man sich auch die griechischen Dioskuren insgesamt als pferdegestaltig vorstellte.

          Nun aber zur möglichen Verbindung der indischen „Pferdezwillinge“ mit der germanischen Religion. Tacitus berichtet uns:

          „Bei den Naharnavalen wird der Hain eines alten Kultes gezeigt. Den Vorsitz hat ein Priester in Frauenkleidung. Die Götter nennt man nach römischer Ausdrucksweise Castor und Pollux, denn sie sind diesen Alcis genannten Göttern an Macht gleich. Sie haben keine Götterbilder und nichts deutet auf den Einfluss fremder Religionen, dennoch werden sie als Brüder, als Jünglinge verehrt“ (Germania 43,3).

          Der Name „Alcis“ ist nicht ganz sicher geklärt. Er kann im Germanischen (*Alhiz) einerseits einfach „Schutzgötter“ bedeuten, er kann aber auch mit dem durch Caesar überlieferten Wort „alsces“ (Elche) zusammenhängen, wodurch dann die Interpretation als pferdegestaltiges Brüderpaar naheliegt, zumal sich aus völkerwanderungszeitlichen Bilddarstellungen dieses pferdegestaltige Dioskurenmotiv bei den Germanen sicher nachweisen lässt. Die seltsame Nachricht eines Priesters in „Frauenkleidung“ hat nun deutliche Parallelen zu den vagen Hinweisen, die wir über die tatsächliche Wanenverehrung noch aus skandinavischer Zeit haben. Auch dort gibt es verstreute Hinweise auf „weibisches“ Gebaren der Wanenverehrer. Es ist also gut möglich, dass wir in den Alcis eine frühe Ausprägung des Wanenkultes haben. Ob die noch mit einer ihnen anverheirateten Schwester verbunden waren, weiß Tacitus uns nicht zu berichten. Die aus späterer altnordischer Zeit belegte wanische Geschwisterehe von Freyja und Freyr aber lässt diese Vermutung sehr wohl zu.

          Das bringt uns letztlich zu dem Punkt des angeblichen Doppelkönigtums, das uns in den Abstammungsmythen der völkerwanderungszeitlichen Germanen selbst belegt ist. Dabei handelt es sich in allen Fällen um angeblich ursprüngliche Könige, die aber erst in späterer Überlieferung genannt werden. Das finden wir z.B. bei den Vandalen, am markantesten aber bei den Angeln, deren Anführer bei der Übersiedlung nach England ein Paar namens Hengist und Horsa gewesen sein sollen. Beide Namen bedeuten „Pferd“, teilweise werden sie auch als „Hengst“ und „Stute“ gedeutet. Es spricht einiges dafür, dass es sich dabei nicht um historische Häuptlinge gehandelt hat, sondern um die bei germanischen Adelsgeschlechtern übliche Rückführung auf Gottheiten als Stammväter des eigenen Geschlechts. Hinter denen dürften wir in diesem Fall dann genau jene pferdegestaltigen Zwillinge vermuten, die wir von den Naharnavalen als Alcis und aus Indien als Asvins kennen, und die uns noch bis in neueste Zeit von den Giebeln norddeutscher Bauernhäuser entgegenblicken.

          Dass die als wanische Gottheiten mit so einem kriegerischen Unternehmen nicht zusammenpassen, ist als Argument nicht sehr schlagkräftig. Denn zum einen mag es sich um die persönlichen Gottheiten der späteren Königsfamilie gehandelt haben, also um eine Rückprojektion bereits friedlicherer Verhältnisse. Zudem sind gerade die Angeln als Nerthus-Verehrer ausdrücklich erwähnt, was gerade bei ihnen eher einen eher wanischen Hauptkult vermuten lässt. Vor allem aber dürfte die strikte Trennung zwischen angeblich friedlichen „matriarchalischen“ Wanen und kriegerischen „patriarchalischen“ Asen eher ein Klischee der heutigen Zeit sein. Vergessen wir nicht, dass die Wanen im Krieg gegen die Asen Sieger blieben und die Asen klein beigeben mussten.

          Die Erlangung des Rauschtrankes

          Ein bekannter altnordischer Mythos ist die Erlangung des Dichtermets, des heiligen Rauschtrankes Oðr?rir („Ekstase-Aufrührer“). In Snorris Skáldskaparmál (einem Teil der Prosa-Edda) ist es Odin, der es auf den Met abgesehen hat, welcher sich bewacht im Innern eines Berges befindet. Nachdem Odin durch verschiedene Listen in seinen Besitz gelangt ist, verwandelt er sich in einen Adler, und es gelingt ihm die Flucht mit dem Met, auch wenn er von Suttung, dem Wächter des Trankes, hart verfolgt wird und nur knapp sichere Gefilde erreicht.

          Im altindischen Rigveda (IV, 27) ist der Rauschtrank (Soma) nicht in, sondern auf einem hohen Berg gefangen. Der personifizierte Soma erzählt hier selbst von seiner Errettung. Ein Falke ist es, der ihn von dem Berg hinwegträgt, und dieser Falke ist niemand anderes als der verwandelte Indra. Der Wächter des Soma bringt den Falken durch Pfeilschüsse noch in höchste Gefahr, aber auch hier glückt die Entführung.

          Snorri erzählt, dass der Met in drei Gefäßen aufbewahrt wurde, deren Namen schwer zu deuten sind (was auf ein hohes Alter schließen lässt). Auch das hat seine genaue Entsprechung, wenn in der indischen Mythologie drei Becher erwähnt werden, in denen der Soma für Indra gepresst wird.

          Vom griechischen Zeus kennen wir übrigens dieselbe Tat: Auch er entführt in Gestalt eines Adlers den Mundschenk Ganymedes zu den Göttern des Olymp. Hier ist der Rauchtrank bereits ganz personifiziert.

          In der altnordischen Variante hat die Entstehung des Dichtermets eine lange Vorgeschichte. Beim Friedensschluss zwischen Asen und Vanen spucken beide Parteien in ein Gefäß, und aus diesem Speichel entsteht das Wesen „Kvasir“, das alle Weisheit der Welt in sich trägt.

          Der Name Kvasir ist recht durchsichtig, Noch im heutigen Russischen („kvas“) und Norwegischen („kvase“) bezeichnet er vergorenen Beerensaft. Und die Methode, bei zerkauten Pflanzenteilen durch den Speichel einen Gärprozess anzuregen, findet man bei allen Naturvölkern. Kvasir wird in der Edda später von zwei heimtückischen Zwergen zerstückelt, woraus der göttliche Met entsteht.

          Nun müssen wir abermals jenen indischen Mythos erwähnen, in dem es zum Konflikt zwischen den Göttern um Indra und den Asvins kommt. Wir kennen letztere bereits als Fruchtbarkeitsgottheiten, die den Wanen ähnlich sind. Die indischen Götter haben Vorbehalte, sie in ihre Gemeinschaft aufzunehmen.

          In der indischen Version kommt den Asvins nun ein mächtiger Weiser zu Hilfe, der ein Wesen namens Mada (Trunkenheit) erschafft (was der nordischen Gullveig und der römischen Tarpeia entspricht), das den gewaltigen „Metvernichter“ Indra letztlich zum Einlenken zwingt. Die Asvins werden in die Götterfamilie aufgenommen. Genau wie in der Edda, wird das Rauschwesen nun in jene Bestandteile zerstückelt, denen nach indischer Auffassung Rauschcharakter zukommt: Trunk, Frauen, Glücksspiel und Jagd. Auch dies eine klare Parallele zu dem germanischen Kvasir.

          Nun gibt es noch eine weitere und sehr unterschiedliche indische Variante der Erlangung des Rauschtrankes, die im Rigveda nur aus verstreuten Andeutungen ersichtlich ist (IV, 18,10-12; III 48,1-4; VIII 7,24). Aus diesen kann man herauslesen, dass die Gewinnung des Trankes offenbar damit einhergeht, dass hier ein Gott seinen Vater umbringt. In dieser Variante spielt Indra ebenfalls die Hauptrolle, entscheidend dabei ist aber, dass er dabei aber von einem anderen Hochgott begleitet wird (einmal Vishnu, das andere Mal Trita).

          Und diese indische Variante findet dann tatsächlich ihre erstaunlich genaue Entsprechung in einem Lied der älteren Edda. Und erst diese Erkenntnis macht Einzelheiten des Liedes verständlicher. Es handelt sich um das Hymir-Lied.

          Als man bei dem Meeresgott Aegir ein Gelage abhalten will, fehlt es an einem geeigneten Kessel für das Getränk. Also zieht Thor in Begleitung von Tyr los, um für d[…Textpassage fehlt…]

          Erstaunlich aber ist nun, dass hier der Riese Hymir als Vater von Tyr/Teiwaz genannt ist, was allen anderen Quellen widerspricht. Auch hier geht die Geschichte also mit dem Detail einher, dass der alte Blitzschleuderer bei der Erlangung des Rauschtrankes (und als nichts anderes darf man diese Kesselaktion bewerten) von einem weiteren Hochgott begleitet wird, und dass bei dieser Unternehmung ein Gott seinen Vater tötet. Und gerade diese verblüffende Parellele zum indischen Material macht deutlich, dass hier ein Jahrtausende altes Motiv getreu bewahrt worden ist, auch wenn es im altnordischen Kontext keinen genealogischen Sinn mehr ergibt.

          Aber nicht genug damit: Durch diese germanische Version wird nämlich abermals die Brücke zurück zur indischen Mythologie geschlagen, denn eine weitere indische Variante über den Rauschtrank berichtet von der Suche nach einem geeigneten Gefäß, bei dem der Beherrscher der Gewässer (wie der altnordische Aegir) ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

          Man sieht, dass die Erlangung des Rauschtrankes ein bei den Indoeuropäeren wohl sehr beliebtes Thema war. Gerade der zahlreichen Variationen wegen aber erstaunen die über Jahrtausende treu bewahrten parallelen Details bei Indern und Germanen.

          Ende und Neugeburt der Welt

          In den Quellen der Edda wird uns das Ende der Welt recht genau beschrieben. Die Sonne verfinstert sich, ein mehrjähriger Winter bricht herein, die Menschen verlieren Anstand und Moral und es kommt zum sinnlosen Morden aller gegen alle, und in einer gewaltigen zum Himmel lodernden Feuersbrunst geht die Welt unter. Aus allen Richtungen ziehen dämonische Kräfte und Wesen heran und es kommt zu einem letzten Kampf der Götter gegen die zerstörerischen Kräfte des kosmischen Geschehens, bei dem die Götter unterliegen und ebenso sterben, wie alles andere auf der Welt. In düsteren und mächtigen Bildern wird uns das ausgemalt.

          In den altrömischen Sibyllinischen Weissagungen finden wir dieses Ende und den Weltenbrand nun mit teilweise identischen Formulierungen beschrieben wie in der Edda. In der römischen Quelle heißt es u.a.:

          „Wenn aber einst auf der Erde Erdbeben mit schrecklichem Blitzstrahl gemengt sein wird, flüchtiger Wölfe rasende Wut und Männer-Ermorden […], dann wird des siebenhügeligen Roms gewaltiger Reichtum zugrunde gehen, von stark loderndem Feuer verzehrt und der Flamme des Vulkan. Aber die sämtliche Welt mit all den unzähligen Menschen tötet einander in rasender Wut. Und in der sämtlichen Welt wird es so an Menschen mangeln.“

          Aber nach dieser totalen Vernichtung steigt eine neue Erde aus dem Nichts empor. Jene Götter, die schuldlos blieben, werden wiedergeboren. Es ist von einem „Mächtigen“ die Rede, der „von oben“ kommen und alles gut lenken wird. Und auch ein Menschenpaar hat überlebt, indem es sich im Holz des Weltenbaumes versteckt hat. Es wird auch die neue Erde wieder mit Menschen bevölkern. Die mehrfache Überlieferung dieser Tatsache (Völuspa, Vafþruðnismál und Gylfaginning) macht deutlich, dass es sich hierbei nicht nur um eine individuelle Eingebung des Völuspa-Dichters handeln kann.

          Auch in den römischen Quellen finden wir das passende Gegenstück:

          „Goldene Zeit mit gefahrlosem Frieden wird wiedergeboren. Huldreich kehrt endlich zur Erde zurück, ohne Zeichen der Trauer, Themis [Göttin der Gerschtigkeit, die die Erde aus Trauer über die Ungerechtigkeit der Menschen als letzte verlassen hatte]. Es folgen glückliche Zeiten. Während der Gott hier die Völker regiert, lässt die arge Bellona [Göttin des Krieges] rückwärts die Hände sich binden.“

          Über lange Zeit konnte man nicht anders, als dieses Bild für eine direkte Übernahme christlicher Vorstellungen zu halten. Zu ähnlich war die Darstellung den apokalyptischen Bildern aus der Offenbarung des Johannes. Zu offensichtlich schien in „dem Mächtigen von oben“ der christliche Gott durchzuschimmern, der nach dem Untergang des Heidentums zur Herrschaft kam, und zu offensichtlich erinnerte die neue Erde an das Paradies oder das „himmlische Jerusalem“.

          Erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts brachte die Bibelforschung Erkenntnisse zu Tage, die früher nicht einmal gedacht werden durften. Zunehmend wurde klar, dass die Verbreitung dieser Vorstellungen genau umgekehrt verlaufen war. Diese Vorstellungen von einem solchen Ende und Neubeginn entstammen nicht den biblischen Quellen, sondern das Judentum hat sie von den indoeuropäischen Iranern übernommen. Sie sind also indeoeuropäisches Erbe. Bezeichnenderweise tauchen sie auch im gesamten Alten Testament nicht auf, sondern erst in einer extrem späten Zeitphase. Zum objektiven Beleg dafür zwei Zitate von international angesehenen Religionswissenschaftlern:

          „Die Frage stellt sich, wie das altisländische Endzeitszenar sowohl mit dem biblischen übereinstimmen kann, als auch offensichtlich mit dem im iranischen und indischen Kulturbereich überlieferten. Die nordischen Vorstellungen zu Schöpfung und Urzeit können dabei beiseite bleiben, da ja nicht ‚christentumsverdächtig‘, aber die folgenden Überlegungen stützen helfen. Die Antwort wird dann lauten müssen: Es ist mit einem indogermanischen (gemeinsamen) Grundstock eschatologischer Vorstellungen, einem indogermanischen Endzeitszenar zu rechnen, die im germanischen und im iranischen (und indischen) Raum unter je bestimmten historischen Bedingungen aktiviert wurden. Im Zuge der engen kulturellen Berührung Israels mit Persien (Palästina war über 200 Jahre lang Teil des Persischen Großreiches) sind dieselben Vorstellungen, ist dieses selbe Szenar auch Bestandteil der jüdischen und später christlichen Apokalyptik geworden. Die Gemeinsamkeiten zwischen nordgermanischer und christlicher Eschatologie ergäben sich dann aus einer gemeinsamen (indogermanischen) Quelle, nicht primär aus christlicher Beeinflussung.“ (Hasenfratz, S. 125 f.)

          „Die persische Vorstellung von einem Weltdrama, das mit der Schöpfung beginnt und mit der Vernichtung alles Bösen seinen Abschluss findet, weist eine Reihe von Zügen auf, die vom Judentum übernommen wurden und aus diesem in das Christentum und in den Islam übergegangen sind. Die Juden haben diese Vorstellungen sich zu eigen gemacht, in angemessener Weise umgebildet und ihrem Geschichtsschema eingefügt. Diese kosmische [indogermanische] Eschatologie ist also die Wurzel, aus welcher die Geschichtskonstruktion der westlichen Religionen erwachsen ist.“ (Glasenapp, S. 228 f.)

          Vor allem aber sind die indischen Quellen der beste Beweis für den indoeuropäischen Kontext, denn hier finden wir abermals wieder die genauen Parallelen zu den germanischen Quellen. Das Weltende zeichnet sich ebenfalls durch einen Untergang von Moral und Anstand ab. Beim Untergang der Welt erscheint „von oben“ Vishnu („der Mächtige“) auf einem weißen Ross, um jedem Menschen die karmischen Belohnungen oder Strafen für seine Taten zuzuteilen. Und diese Parallele zu dem „Mächtigen, der von oben kommt“ aus der germanischen Völuspa ist nun so augenfällig, dass auch hier der Verdacht auf christlichen Einfluss ziemlich zu schwinden beginnt.

          Nun ist die indische Anschauung aber noch viel weitergehender. Sie unterscheidet zwischen dem ständigen Untergang einzelner „Welteneier“ (also Planeten und ihrer Bewohner) und dem endgültigen Untergang des gesamten Kosmos. Aber auch hier kommt es in beiden Fällen zu einer Neugeburt. Man geht von einer ständigen Neuentstehung von Planeten aus, die wiederum Wohnstätte für inkarnierte Seelen bilden. Aber auch nach dem Untergang des gesamten Kosmos erfolgt eine Rückbildung in jene undifferenzierte Urmaterie, wie wir sie am Anfang in Form des „Abgrundes“ kennengelernt haben, die aber nach einer langen Pause völliger Ruhe in einem identischen Schöpfungsprozess einen neuen Kosmos bildet, den neue Götter und Lebewesen bevölkern werden.

          Verblüffend ist dabei nicht nur, dass hier in exakt angegebenen Zeiträumen gerechnet wird, die in die Jahrmilliarden gehen und somit den tatsächlichen Gegebenheiten nahekommen, sondern auch, dass diese uralten religiösen Vorstellungen unglaubliche Ähnlichkeiten mit modernsten kosmologischen Modellen der Astronomie aufweisen: Urknall, Expansion des Kosmos, der irgendwann wieder in sich zusammenfällt, was zu einem neuen Urknall mit anschließender Neuentstehung des Kosmos führen wird.

          Wenngleich es auf Grund der Quellenlage etwas verwegen wäre, für die germanische Welt ähnlich durchdachte Feinheiten anzunehmen, haben wir doch genug Hinweise auf dasselbe zyklische Weltbild von Werden, Vergehen und Wiedergeburt als ewigem Kreislauf, wie es für alle indoeuropäischen Religionen typisch gewesen zu sein scheint. Dieses zyklische Weltbild steht aber in unvereinbarem Kontrast zu dem linearen Weltbild der monotheistischen Religionen, das von einem einmaligen Anfang der Schöpfung durch Gott zu einem endgültigen Ende aller Dinge verläuft.

          Schlussbemerkung

          Die hier behandelten Zusammenhänge sind nur die Spitze eines Eisberges. Sie ließen sich beliebig vertiefen und vermehren. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist der Artikel auf die markantesten Beispiele begrenzt worden. Er dürfte aber auch in dieser Form seine Funktion erfüllen, denn die dargestellten Zusammenhänge sind in der Regel nur professionellen Religionswissenschaftlern oder Indogermanisten bekannt. Leider! Das Klischee, dass die vorchristlichen Religionen Europas „primitiv und barbarisch“ gewesen seien, ist immer noch weit verbreitet. Bezeichnenderweise aber macht niemand den noch heute existierenden indoeuropäischen Religionen diesen Vorwurf, sondern die werden gerade ihrer philosophischen Tiefe wegen oft bewundert.

          Das bringt uns zu der Frage, welche indoeuropäischen Religionen denn überhaupt noch überlebt haben. In Europa keine, zumindest nicht offiziell. Natürlich hat sich ein unübersehbarer Strom dieses Denkens im Untergrund fortgesetzt. Nicht nur alle Märchen sind voll davon und viele Volksbräuche gehen auf vorchristliche Traditionen zurück, sondern gerade der Katholizismus ist in vielen seiner Dogmen und Ausformungen (die weniger auf jüdische, sondern sehr viel mehr auf spätantike Strömungen zurückgehen) sehr viel heidnischer, als es seinen offiziellen Vetretern (und Kritikern!) recht sein mag. Genau das war ja das entscheidende (und gewissermaßen völlig brechtigte!) Argument des Protestantismus gegen den Katholizismus.

          Wie aus dem gesamten Artikel schon deutlich werden sollte, ist Indien mit fast einem Drittel der Weltbevölkerung bis heute eine der tragenden Kräfte indoeuropäischen Religionsverständnisses. Andererseits aber handelt es sich beim heutigen Hinduismus nicht um EINE Religion, sondern der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für alle Traditionen des indischen Subkontinents, die in sich teilweise äußerst widersprüchlich sind. Die uralte vedische Schicht der indischen Tradition ist heute durch vielfältige andere Einflüsse überlagert, so dass es falsch wäre, die heutigen religiösen Ausprägungen indischen Denkens aus einer rein indoeuropäische Quelle abzuleiten.

          Sehr viel berechtigter aber ist es, eine frühe Weiterentwicklung alt-indischen Denkens als typisch indoeuropäisch anzusehen: den Buddhismus. Der entspringt gänzlich der alten indoeuropäischen Weltsicht, und auch alle Texte des frühen Buddhismus sind in Pali, einer dem Sanskrit sehr ähnlichen, altertümlichen indoeuropäischen Sprache verfasst. Allein schon deshalb muss man ihn zu den indoeuropäischen Religionenen zählen.

          Kleine Reste indoeuropäischer Religionen haben im iranischen Kulturbereich überlebt, darunter auch die der kurdischen Yesidi, deren Religion allerdings eine Art Geheimlehre ist, die gegenüber Außenstehenden abgeschirmt wird. Das entspricht bitterer Erfahrung, denn sie werden nicht nur staatlicherseits ihrer kurdischen Identität wegen verfolgt, sondern zusätzlich vor allem von den anderen (muslimischen) Kurden als „Götzenanbeter“ diskriminiert.

          Eine weitere iranische Religionsgemeinschaft sind die Parsen. Dabei handelt es sich um die alt-iranische Religion schlechthin, wie sie vor der Islamisierung des Landes Staatsreligion war, jener Religion, die Zarathustra ca. 800 v.Chr. aus den alten indoeuropäischen Traditionen in eine neue Form gebracht hatte. Der Begriff „Persien“ leitet sich aus ihrem Namen ab. Sie sind heute in ihrer Heimat ebenfalls eine verfolgte Minderheit. Prominentestes und religiös bekennendes Mitglied dieser Religion war übrigens Queen-Sänger Freddy Mercury.

          Der Mythenschatz, den all diese Religionen hervorgebracht haben, ist von einer unermesslich reichen und schönen Ausformung, von der wir auch in den alten europäischen Quellen noch zahlreiche Beispiele finden. Der Untergang und das Vergessen dieser reichen Mythologie wäre ein unersetzlicher Verlust des kulturellen Erbes großer Teile der Menschheit.

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          Literatur

          Das Problem beginnt schon bei den Quellen. Es gibt keine Gesamtübersetzung der Veden, sondern nur kleine Auswahlbände:

          Paul Thieme: Gedichte aus dem Rig-Veda. Stuttgart: Reclam 1993

          Arthur A. MacDonell: A Vedic Reader for Students. Oxford University Press 1917 (bis heute immer wieder nachgedruckt)

          Walter Ruben: Texte der indischen Philsophie. Bd.1: Aus den Veden. Berlin 1961

          Die Texte der Veden sind für „Uneingeweihte“ aber noch weitaus schwieriger und unverständlicher, als es die Lieder-Edda für Anfänger ist. Deshalb sind Sekundärwerke zur vedischen Religion grundsätzlich der bessere Einstieg. Die allerdings sind leider oft nur für Fachleute verständlich.

          Für die griechischen Quellen ist Hesiods Theogonie zu erwähnen, die in einer preiswerten Neuübersetzung von Otto Schönberger 1999 im Reclam Verlag erschienen ist. Auch Hesiods Schrift „Werke und Tage“ bietet vereinzelte Hinweise. Das Maßgebliche aber muss man sich leider aus zahlreichen anderen Quellen und Handbüchern zusammensuchen.

          Vor allem aber gibt es kein Einzelwerk, in dem die Parallelen so systematisch aufgeführt werden, wie es in diesem Artikel erstmals versucht worden ist. Man muss sich das Material auch hier buchstäblich aus Dutzenden von verstreuten Spezialwerken zur Indogermanistik heraussuchen. Von den auch für Laien verständlichen Werken, in denen einiges davon erwähnt wird, seien folgende Titel genannt:

          Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Berlin 1956/57

          Herbert Gottschalk: Lexikon der Mythologie. München 1993

          Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1984

          Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen. München 1998

          Hans-Peter Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen. Freiburg 1992

          Norbert Oettinger: Isländische Edda und indische Veden. Ein mythologischer Vergleich. In: Große Werke der Literatur, Bd.1. Augsburg 1990

          Heinrich Zimmer: Abenteuer und Fahrten der Seele. Ein Schlüssel zu indogermanischen Mythen. München 1977 (sowie zahlreiche andere Arbeiten dieses Verfassers)

          Gruß an unsere Geschichte
          TA KI

          Säuling, der Weltenberg


          Der Säuling ist der erste Berg, der in Füssen und Umgebung namentlich genannt wird. Der Bergname gehört sicherlich zu den ältest bezeugten Bergnamen in den Alpen. Die Endung –ing, hat im Gebiet von Schwangau öfter in Flurnamen Verwendung gefunden.

           

          Die erste Silbe leitet sich von dem althochdeutschen sul, siule = Säule ab. Es ist eine Säule, die den Himmel trägt. Er repräsentiert damit auch eine Verbindung zwischen der Welt der Menschen und der Welt des Göttlichen.

           

          Der Berg hat von der deutschen Seite einen Doppelgipfel, der abgerundet ist. Die Form ist sehr einprägsam und lässt selbst auf große Entfernungen eine Unterscheidung von vielen anderen Bergen zu. Das Aussehen von der deutschen und der österreichischen Seite unterscheiden sich stark voneinander. Von der deutschen Seite (von Norden) gesehen erscheint der Doppelgipfel als eine Art weiblicher Busen. Von der österreichischen Seite (von Süden) zeigt sich eher der lange Rücken der Zwölf Apostel, der dann in den Gipfel des Säulings übergeht.

           

          Auf der Höhe von Oberpinswang und Musau/Tirol erscheint der Säuling zusammen mit dem Pilgerschrofen als dreigipfeliger Berg.

           

          Weitere Informationen und zum Buch „Säuling – Berg zwischen den Welten“ über www.säuling.com

          Säuling bei Oberpinswang
          Säuling bei Oberpinswang

          Die markante Form ist jedoch nur einer der Gründe, warum der Säuling eine starke Mythologie auf sich gezogen hat.

          Säuling und Neuschwanstein
          Säuling und Neuschwanstein

          Die besondere Bedeutung des Säuling läßt sich auch aus der ersten schriftlichen Nennung (895 n. Chr.) des Namen in der Vita des Hl. Magnus erschließen, dort heißt es: „in montem excelsum qui vocatur Siulinch“. Wörtlich übersetzt bedeutet es: „auf einen himmlischen Berg, der Säuling gerufen wird“. Himmlische Berge oder Himmelsberge werden auch als kosmische Berge bezeichnet. Sie sind oft das Zentrum einer mythischen Schöpfungsgeschichte und werden als Mittelpunkt oder Nabel der Welt gesehen.

          Quelle: http://www.mythologie-atlas.de/s%C3%A4uling/

          Gruß an die Säuglinge

          TA KI

          Black Goo


          Black Goo ist ein abiotisches Mineralöl aus der oberen Erdkruste, das eine große Menge m-state-Gold und -Iridium enthält. Bekannte Vorkommen liegen auf der Thule Insel auf den Südlichen Falklandinseln und unter dem Golf von Mexiko. Zusätzlich existiert ein schwarzer Ölschiefer, der Black Goo enthält, das nach geologischer Zuordnung bei tektonischen Ereignissen im Lias Epsilon freigesetzt worden ist. Diese Ereignisse scheinen zu Brüchen in der Erdkruste geführt zu haben, die einen Austritt des Öls ermöglicht haben.

          Black goo

          M-state-Gold und -Iridium fungieren in der Natur als Feld-Attraktoren, und sind dafür zuständig, Lebensformen mit ihrem jeweiligen morphogenetischen Feld zu verbinden. Meerwasser enthält große Mengen von m-state-Materie. Innerhalb der Lebensformen sind die Atome der m-state-Materie innerhalb der DNS positioniert. Diese monoatomaren Elemente ziehen als Attraktoren Biophotonen auf sich, während die DNS wie eine Spule wirkt, die das reinkommende Feld in ein elektromagnetisches Skalarpotential verwandelt. Dieser von der m-state-Materie geführte, teilweise bidirektionale Biophotonenaustausch der DNS definiert die Skalarpotentialwirbel, deren fraktaler und holographischer Charakter für die Formgebung in der Natur verantwortlich ist.

          Black Goo zeigt eine bisher unbekannte Form von Magnetismus, mit einer im Vergleich zu Ferromagnetismus wesentlich größeren Reichweite, der auf eine spontane Art und Weise interaktiv ist. Dieser Magnetismus beruht sehr wahrscheinlich auf einem bidirektionalen, in Auslöschung befindlichen Biophotonen-Austausch, wie er auch für die Lebensformen auf dem Planeten typisch ist. Durch diese Form des Magnetismus ist das Black Goo in der Lage, sich spontan selbst zu organisieren und verschiedene Formen anzunehmen. Es gibt Berichte, dass das Black Goo darüber hinaus eine hoch entwickelte Form der Intelligenz trägt.

          Das Black Goo in der Erdkruste und die m-state-Materie in der Biosphäre scheinen durch Quanten-Verschränkung miteinander verknüpft zu sein und stehen zueinander in einer Art Bewusstseins-Spiegelfunktion.

          Das Black Goo selber, wie es einem im Labor begegnet, trägt daher eine Art abiotisches Bewusstsein, das das Kollektivbewusstsein der gesamten Biosphäre wiederspiegelt. Die Form dieser Bewusstseins-Organisation ist holographisch, daher ist jede Portion Black Goo in der Lage als ein vollständig bewusstes Wesen zu agieren. Betrachtet man die mythologische Rezeption der Naturgeschichte, so findet man das Black Goo personifiziert als „Luzufer“, den Lichtbringer, oder als Mutter Erde, die Schwarze Madonna oder die Göttin Isais. Das Black Goo ist darüber hinaus der physische Sitz dessen, was in der Mythologie als die Akasha-Chronik bezeichnet wird.

          Die quantenphysikalische Verschränkung zwischen Lebensformen und dem Black Goo im Erdinneren scheint zu einer Form der Selbstähnlichkeit zu führen, wie sie im Bereich der Fraktale typisch ist. Als Resulatat trägt das Black Goo, das in der Vergangenheit aus dem Erdinneren entwichen ist, eine andere Form des Bewusstseins als das Black Goo der heutigen Zeit. Das Black Goo aus dem Lias Epsilon, mit einem Alter von ca. 300 Millionen Jahren, das aus Ölschiefern gewonnen wurde, trägt auch heute noch eine Form des reptiloiden Bewusstseins.

          Diese Entfremdung vom heutigen Bewusstseinsstand ist in der Mythologie als der Fall Luzifers bezeichnet worden.

          Während der Evolution des Lebens sind einige Lebensformen mit diesem geologisch in eine Sackgasse geratenen Black Goo in Verbindung geblieben, und funktionieren daher bis heute gemäß dieses reptiloiden Bewusstseins. Wenn Menschen mit dieser Form des Black Goo in physische Verbindung treten, so kann es passieren, dass der Biophotonen-Austausch sich auf dieses archaische Black Goo ausrichtet, was die eigentlich gegebene Komplexität des menschlichen Chakrensystems auf drei Farben reduziert: blau, gelb und rot, d.h. auf Intellekt, Lebensenergie und Sexualität. Dadurch gewinnen Menschen augenscheinlich an Intelligenz, es macht sie aber herzlos und kalt im Erscheinungsbild. Zudem trennt es die Menschen von dem Kollektivbewusstsein ab.

          Etwas in dieser Art muss bei dem Ereignis geschehen sein, dass in der Mythologie als die Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird. Der Effekt scheint vererbbar zu sein, was in der Mythologie insbesondere in der Bibel als Erbsünde beschrieben ist. Man kann sich das als eine über die DNS in Eizelle und Samen vererbbare Quanten-Verschränkung vorstellen. Es gibt an dieser Stelle eine Verbindung zu den Traditionen der Blutlinien, die diesen Zustand durch Inzucht möglichst zementieren möchten.

          Archaisches Black Goo spielt eine große Rolle in schwarzmagischen Ritualen, die in jüngster Vergangenheit intensiv von der Waffen-SS erforscht und praktiziert worden sind. Im Mittelalter wurden diese Ölschiefer von Schwarzmagiern dazu benutzt, um sich mit Archonten zu verbinden, auch als Dämonen bekannt, archaische Wesen die sich aus den ersten Spinnenvölkern entwickelt haben und die vollständig als Lichtparasiten leben. Diese Archonten verbünden sich mit Menschen mit dem Ziel, sie als Licht-Wirte benutzen zu können. Im Gegenzug stellen sie den Schwarzmagiern ihre mentalen, d.h. magischen Fähigkeiten zur Verfügung.

          Black Goo Ölschiefer spielen in fast allen grossen Religiösen Kulten eine große Rolle. Fragmente bildeten das Herz der alten matriarchalischen Kultstätten, des Orakels von Delphi, Okkulten Stätten in Ägypten, Beth El, sie sind aus dem indischen Kulturkreis als Shivas Lingam bekannt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich auch bei dem schwarzen Monolithen unter dem Petersdom und dem schwarzen Stein in der Kaaba in Mekka um Black Goo-haltige Ölschiefer.

          Quelle: http://www.timeloopsolution.de/faq.html#blackgoo

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          Danke an Denise

          Gruß an den Ursprung allen Seins

          TA KI

          Der Schwan und seine Bedeutungen


          Walkure

          Walküren (oder auchValkyria, Valkyrien, Valküren, Walkyren, Walachuriun, nord. „Totenwählerin”) sind Naturgeister oder Halbgöttinnen der germanischen Mythologie, auch jungfräuliche Kriegerinnen, die in glänzenden Rüstungen auf wilden Rössern durch die Lüfte jagen.

          Herkunft
          Die Vorfahren der Walküren waren Schlachtgöttinnen. Sie waren barbarische Amazonen, die großen Gefallen an abgetrennten Gliedmaßen und blutigen Kriegswunden fanden.

          Aufgaben
          Im Auftrag Odins greifen die Walküren in die Schlachtgetümmel auf der Erde ein und bringen als Seelenführer die auf der Walstatt gefallenen Helden (Einherjer/Einherier) nach Walhall. Dort reichen die Walküren den Einherjern Speis und Trank.

          Zugehörigkeit
          Die Walküren gehören in der Systematik der Naturgeister zu den Disen. Namentlich bekannt sind von ihnen u. a. Wolkenthrut („Wolkenkraft”) und Mist („Nebel”).Das Grimnirlied der Edda zählt 13 Walküren auf (Strophe 34):

          Hrist und Mist
          sollen das Horn mir bringen,
          Skeggjöld und Skögul,
          Hild und Thrud,
          Hlökk und Heerfessel,
          Göll und Geirahöd,
          Randgrid und Radgrid
          und Reginleif,
          die bringen den Einherjern Äl.

          Die Walküre Mist (oder auch Mista) gilt auch als Personifikation des Nebels (vergl. engl. „mist“=Nebel) (Grimm 1992, Bd. II, S. 735).

          Als Schwanenkönigin der Walküren gilt Kara. Sie besiegte ihre Feinde, indem sie singend über deren Köpfe hinwegflog. Dabei trug sie ein Kleid aus Schwanenfedern. In jüngeren nordischen Liedern wurde die Gestalt der Brunhild mit der Walküre Sigrdrifa („Siegspenderin”) vermengt (Edda, Die Erweckung der Walküre). Sie gehört zu jenen Walküren, die königlicher Herkunft, also menschlich sind. Sigrdrifa war von Odin zur Strafe für Ungehorsam in Zauberschlaf versenkt worden. Ihr Erwecker wird Sigurd, wie Siegfried im Nibelungenlied Brunhilde überwindet.

          Quelle: http://asawiki.de/index.php?title=Walk%C3%BCre

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          Bedeutung des Schwans in der germanischen/nordischen Mythologie

          Nach nordischem Mythos stammen die Schwäne von zwei Schwänen ab, die an der Wurzel des Weltenbaums Yggdrasil an Urds Brunnen leben. Dessen Wasser ist so heilig, dass alles weiß wird, was davon berührt wird.

          Herr der Schwäne war der Wolkengott Hoenir. Als Schwanenkönigin der Walküren gilt Kara. Sie besiegte ihre Feinde, indem sie singend über deren Köpfe hinwegflog. Dabei trug sie ein Kleid aus Schwanenfedern. Diese Schwanfrauen begegnen uns in vielen Erzählungen. Wem es gelingt, ihnen das Schwanenkleid zu nehmen, während sie baden, der gewinnt sie zur Frau. Zwei Schwäne besiedeln Urdar, den von der Quelle Urdrbrunnr gespeisten Weiher der Nornen. Von den Hyperboreern heißt es, ihr König Atlas(König von Atlantis) habe in seinem nordischen Land beobachtet, wie alljährlich der Fortzug der Schwäne und deren Wiederkehr mit dem Lauf der Sonne korrespondierte. Der Schwan sei daher zum Sonnenvogel geworden. Auch die Sage vom erscheinenden und entschwindenden Schwanenritter Lohengrin sei als Sonnenmythos zu verstehen.

          Quelle. http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/matschinegg/im/ws2007/wiki/index.php?title=Bedeutung_des_Schwans_in_der_germanischen/nordischen_Mythologie

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          Schwanfrauenkara

          Den Walküren ähnlich sind die Schwanfrauen der germanischen Sage, sie werden auch Wolkengeister genannt. Diese lieblichen und weissagenden Frauen können mittels ihrer Schwanenfederkleider (âlptarhamir) durch die Lüfte fliegen, wenn sie ihr Bad nehmen und Flachs spinnen legen sie diese Kleider ab.

          Wem es gelingt, ein solches abgelegtes Kleid an sich zu bringen, dem ist die Liebe der Schwanfrau sicher. Auf diese Weise gelang es den Brüdern Wölund, Egli und Slagfidr die „Mädchen von Süden” Alwit, Ölrun und Swanhvita zu freien. Als die Frauen nach neun Jahren ihre Schwanenkleider zurück erlangen, fliegen sie den Brüdern davon (Edda, Wölundlied).

          Eine zauberkundige Schwanfrau namens Kara half dem Helgi in der Schlacht. Als der sie versehentlich verletzte war es mit seinem Glück vorbei.

          Den Schwanfrauen ähneln die Meer- oder Wasserfrauen. Das Nibelungenlied erzählt, daß Hagen von Tronje zwei Meerfrauen überraschte und ihnen die Kleider nahm, gegen ihre Rückgabe erhielt er Weissagung (25. Abenteuer).

          Quelle: http://www.dasschwarzenetz.de/germanen/schwanfrauen.htm

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          Schwäne sind in der keltischen Mythologie oft Ziel von Verwandlungen, sowohl zur Strafe als auch zur Rache. Ihr weisses Federkleid steht für Reinheit, ihre Gestalt für Anmut.
          Für die Druiden war er Sinnbild der Seele. Diese Seele umgibt sich immer wieder mit neuen Hüllen, von Leben zu Leben. Ihr wunderschöner unsterblicher Kern jedoch bleibt. Als Tier, welches die Schwelle der Anderswelt überschreitet, wird der Schwan mit dem Jahresfest Samhain in Verbindung gesetzt

          Schwaene-im-Feuerwerk

          Irisch
          Angus Og: Er war der Sohn von Dagda und Boanna. Über seinem Kopf schwebten ständig vier Vögel mit leuchtendem Gefieder die Küsse darstellten Er warb um das Mädchen Caer, das aus Connacht kam, von göttlicher Herkunft war und als Schwan lebte. Anscheinend war ihr Vater Ethal (ein Tuatha de Danann) gegen die Heirat. Als Oengus Vater Dagda Ethal gefangen nahm kam man jdeoch zu einer Einigung. Er durfte Caer heiraten, wenn er es schaffe sie in ihrer Schwanengestalt zu erkennen und wenn sie einwilligte. An Samhain erkannte er sie auf einem See unter einhundertfünfzig Schwänen und sie willigte ein. Er lebte in einem Palast am Fluß Boynebei New Grange. Sein Pflegesohn war Diarmuid Ua Duibhne, den wegen eines Liebesfleckes auf seiner Stirn keine Frau ansehen konnte ohne sich in ihn zu verlieben. Er war der irische Liebesgott und Schutzpatron der Liebenden. Er stand jenen bei, deren Leben sich um die Musik drehte und wurde mit allem schönen und fröhlichen in Verbindung gebracht.
          Quelle: Lexikon irische Götter –

          Der Schwan gilt als Krafttier der Barden, von dem sie sich Hilfe und schöpferische Kräfte für ihre Lieder und Gedichte erhofften.
          Germanisch / Nordisch

          Nach nordischem Mythos stammen die Schwäne von zwei Schwänen ab, die an der Wurzel des Weltenbaums Yggdrasil an Urds Brunnen alles in strahlendes Weiß tauchen, was davon berührt wird .

          Nach nordischem Mythos stammen die Schwäne von zwei Schwänen ab, die an der Wurzel des Weltenbaums Yggdrasil an Urds Brunnen alles in strahlendes Weiß tauchen, was davon berührt wird .

          ägypt. Gans: spielt in der ägypt. Mythologie eine wichtige Rolle als Urgans , die das Weltenei entweder legt oder – nach anderen Versionen – aus ihm hervorgeht. Wildgänse galten in Ägypten, wie in China, ausserdem als Mittler zw. >Himmel u. >Erde.
          In Griechenland war die G. der Aphrodite heilig, in Rom war sie der Juno geweiht; sie galt als Symbol der Liebe, der Fruchtbarkeit, der ehel. Treue, aber auch der Wachsamkeit; so sollen auch die Gänse auf dem Kapitol dieses bei der Zerstörung Roms 387 v. Chr. durch ihre Wachsamkeit gerettet haben. In Russland, Zentralasien u. Sibirien ist ‚G.‘ eine gebräuchliche Bz. für die geliebte Frau. Für die Kelten stand die G. dem >Schwan symbolisch nahe u. galt wie dieser als Botin aus der geistigen Welt.

          – Herder Lexikon, Symbole, 6. Aufl.,

          nord./german.:

          Göttinnen sind: Frigg, Odins Gemahlin; Freyja. die Göttin der Liebe; I.dun, Bragas Gemahlin, die Göttin derUnsterblichkeit, und Nanna, Balders Gat-tin. Zu den niedern Göttinnen gehören die Walküren, die strahlendschönen Schlachtjungfrauen (Schwan-jungfrauen ); die drei Nornen als Schicksalsgöttiunen und die Fylgien, die Schutzgeister des Menschen. (-) Ölrun, eine Schwanenjungfrau, deutsch Alraun.
          – Quelle: Meyers Konversationslexikon –

          Odin war es, der nach der Kunde der Skalden Midgard schuf und den ersten Menschen ihr Leben gab, und er ist es auch, der die Schlachttoten zu sich nach Walhall nimmt. (-)

          Wohl bei fast allen Germanen wurde Odin / Wodan als Gott der Schlachten angerufen, ihm wurde das gegnerische Heer geweiht, indem man den Speer darüber schleuderte und ihm wurden nach der Schlacht häufig die Gefangenen geopfert.

          Die Gehilfen des Schlachtgottes sind die Walküren, die die Toten von den Schlachtfeldern holen und sie auf ihrem Roß durch die Wolken galoppierend nach Walhall tragen – sie greifen aber wohl auch mal in die Schlachten ein. Rabe und Schwan sind ihre tierischen Erscheinungsformen und es gibt manche Sage, die berichtet, wie eine Walküre ihres Schwanenkleides beraubt in der Gewalt des Räubers bleiben muß, bis sie es wieder erlangt.
          -Quelle: „Unicorn. Magie – Schamanismus – Wege zur Erde“

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          schwanenfrauen

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          Eine zauberkundige Schwanfrau namens Kara half dem Helgi in der Schlacht. Als der sie versehentlich verletzte war es mit seinem Glück vorbei.
          Als Schwanenkönigin der Walküren gilt Kara.Sie besiegte ihre Feinde, indem sie singend über deren Köpfe hinwegflog. Dabei trug sie ein Kleid aus Schwanenfedern.

          Den Schwanfrauen ähneln die Meer- oder Wasserfrauen. Das Nibelungenlied erzählt, daß Hagen von Tronje zwei Meerfrauen überraschte und ihnen die Kleider nahm, gegen ihre Rückgabe erhielt er Weissagung .
          – Quelle: Lexikon der Sagengestalten –
          Völundarkvida
          (siehe link)
          Elsa  In der nord. Sage Tochter des Herzogs von Brabant und Gattin des Lohngrin.
          Lohengrin rettet sie im Zweikampf vor ihrem verhassten Freier Friedrich von Telramund; Elsa wird sein Weib, darf aber ihn, den ein Schwan auf einem Nachen zu ihr gezogen hatte, nicht fragen, woher er stamme. Nach langen Kriegszügen mit Kaiser Heinrich zurückgekehrt, fragt sie ihn trotz des Verbots dreimal; schmerzvoll gibt er Auskunft und kehrt dann, vom Schwan abgeholt, zum Gral nach Indien zurück.
          Ermanrich In der nord. Sage der Gotenkönig. Sohn des Amelung, Gatte der Schwanhild und Vater des Friedrich, des Reginbald und des Randwer.
          – Quelle: Lexikon der Sagengestalten –

          Indien/Bali

          Die Frau Brahmas, Dewi Saraswati, ist die Göttin der Weisheit, der Literatur und der Kunst. Sie hat vier Armeund trägt in jeder Hand ein Geschenk für ihre Verehrer: Weisheit, symbolisiert durch ein traditionelles Lontar-Buch (Buch aus Palmblättern), Frömmigkeit, versinnbildlicht durch eine zur Sonne gewandte Blume, Kreativität in Form eines Musikinstrumentes und Meditation, verkörpert durch eine Gebetskette. Sie wird meist auf einer Lotusblüte stehend dargestellt, zusammen mit ihrem spirituellen Transportmittel, einem großen weißen Schwan,dem Symbol für Reinheit und Freiheit.

           

          Indianisch

          Schwan….Macht der Frau, die heiligen Raum betritt. Sie berührt die Zukunft, bevor sie kommt und bringt uns ewige Grazie. Die Schwan-Medizin lehrt uns, mit allen Ebenen des Bewußtseins in Harmonie zu sein und auf den Schutz des Großen Geistes zu vertrauen.
          – J.Sams/D.Carson-Karten der Kraft –

          „Deutsch“

          Der Schwan – ganz königliches Tier – war Lieblingstier des Bayernkönigs Ludwig II.
          Auf dem Berg bei der Pöllatschlucht, wo Ludwig sein Märchenschloß errichten ließ, stand im ausgehenden Mittelalter eine Burgfeste namens Schwanstein, die dem Schwanenorden, einer Gesellschaft zum Lobe der Jungfrau Maria gehörte. Diese Burg wurde im dreissigjährigen Krieg restlos zerstört, einzig der Name wurde überliefert und nach diesem benannte Ludwig sein Bauwerk Neu Schwanstein“.

          Neuschwanstein => Märchenschloss im Allgäu bei Füssen und Hohenschwangau, erbaut von Ludwig II. (Bayern). Das berühmteste der von Ludwig II. erbauten Schlösser und eines der bekanntesten Touristenziele in Deutschland.

          Schwanenfrauen und Schwanenritter

          Die himmlischen Nymphen (Apsaras) der Hindu-Mythologie waren Schwanenmädchen.
          Aus dem Sanskrit übersetzte kalmückische Geschichten von den Siddhi Kur machten Krishna zu einem Schwanenritter, welcher der Dreifachen Göttin in ihrer Gestalt als drei Milchmädchen, Töchtern der Greisin (Kali), den Hof machte.
          Kali oder Kauri wurden zur Walküre Kara, die mit ihren Schwanenfedern über das Schlachtfeld flog und Zauberformeln sang, um des Feindes Stärke zu brechen.

          Die Sagen betonen, daß Walküren/Schwanenfrauen einem Mann, der ihnen das Schwanenfederkleid gestohlen hatte, jeden Wunsch erfüllen mußten bzw. diesen liebten.
          Schwanenmädchen und Schwanenritter aus der alten Religion waren im europäischen Sagengut durch die ganze christliche Ära hindurch wohlbekannt.
          Ein legendärer Ritterorden, der für den Gralstempel und bedrohte Frauen kämpfte, behauptete, von einem göttlichen Schwanenhelden abzustammen. Die Familien Gelder und Cleve führen einen Schwan in ihren Wappen, zu Ehren ihres Ahnen dem „Ritter des Schwanes, Diener der Frauen“. Dieser legendäre Ritter wurde manchmal Lohengrin, der „von dem Berg kam, wo Venus im Gral lebt“, genannt und war wie der britische Held Lancelot-Galahad ein Retter der Frauen. Seine Funktion war es, Frauen zu retten, die durch die neuen patriarchalen Gesetze benachteiligt wurden.
          – B.G. Walker-Das geheime Wissen der Frauen –

          Quelle: http://schwanengesaenge.beepworld.de/mythologie.htm

          Der Schwan,schwan

          Dieser prächtige Vogel ist ein Sinnbild des Hellen und Hoheitsvollen, sicher wegen seines weißen Gefieders und des würdevoll-majestätischen Anblicks, den der über das Wasser ziehende Schwan bietet. Fast scheint er wie eine Wolke über Seen und Flüsse zu schweben.

          Berühmt ist der Schwanengesang, den der sterbende Schwan erschallen lassen soll.

          Der Schwan selbst soll durch Klang beeinflußbar sein: „Die Schwäne des Nordens folgen dem Zitherspiele.” (Agrippa von NETTESHEIM, De Occulta Philosophia, Kap. XXIV, zit. n. SCHRÖDTER, 106)

           

           Griechische Mythologie

          Zeus paart sich in Gestalt eines Schwans mit der Nemesis bzw. der Leda.  Der Schwan ist wegen seines sagenhaften Sterbegesangs ein dem Gott Apollo geweihtes Tier. Apollo galt als Erfinder der Musik. Die Aphrodite/Venus reiste sie in einem von Schwänen gezogenen Wagen durch die Lüfte ( z. B. OVID, Metamorphosen, X.708ff.).

          (…)

           Christentum

          Ein Schwan oder mehrere Schwäne sind Attribute der Heiligen Cuthbert, Hugo von Lincoln und Ludgerus.

           

           Deutschledaschwanaldegrever

          Im Teufelssee in den Müggelsbergen bei Köpenick soll früher oft ein Schwan gewesen sein, welcher eine verzauberte Prinzessin war, deren Schloß in dem See versunken ist. (n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 85)

          Der Schwan — ganz königliches Tier — war Lieblingstier des Bayernkönigs Ludwig II. Sein berühmtes Schloß Neu Schwanstein heißt allerdings nicht nach diesem Tier, jedenfalls nicht direkt. Auf dem Berg bei der Pöllatschlucht, wo Ludwig sein Märchenschloß errichten ließ, stand im ausgehenden Mittelalter eine Burgfeste namens Schwanstein, die dem Schwanenorden, einer „Gesellschaft zum Lobe der Jungfrau Maria” gehörte. Diese Burg wurde im dreißigjährigen Krieg restlos zerstört, einzig der Name wurde überliefert und nach diesem benannte Ludwig sein Bauwerk „Neu Schwanstein”.

           

           Etrusker

          Der Schwan ist Attribut der Turan.

           

           Alchemie

          Der Schwan hat nach alchemistischer Sichtweise drei Farben: das Weiß seines Gefieders, das Rot seines Blutes und — nach mancher alter Auffassung — das Schwarz im Fleisch älterer Tiere. Damit zeige der Schwan die drei Hauptfarben des „Großen Werkes” (DIXON, 1982, n. GEBELEIN, 301).

          Der Schwan war das Lieblingstier der Kaiserin Josephine.

          Quelle: http://www.dasschwarzenetz.de/allmende/tiere/schwan.htm

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          schwaene-

          Die stolzen Schwäne haben oft die menschliche Fantasie beflügelt: Davon zeugt nicht nur der Mythos von Leda oder der Schwanengesang, sondern auch Märchen wie Das hässliche Entlein geben davon Kunde. Im Europa des Mittelalters galt die Schwanenhaltung auf offenem Gewässer als Hoheitsrecht.

          (…)

          In der Kunst und Literatur dient der Schwan als Symbol für Reinheit, so z.B. der Schwanenritter Lohengrin bei Richard Wagner.

          Griechische Mythologie

          In der griechischen Mythologie findet sich das Schwanenmotiv ebenfalls häufig. So hat sich Göttervater Zeus der Leda in Schwanengestalt genähert und sie geschwängert, woraufhin sie zwei Eier legte, aus denen vier Kinder entsprangen, unter diesen auch Helena. Eine weitere Sage erzählt von Kyknos, dem Geliebten des Phaeton. Über den Tod seines Freundes war er so untröstlich, dass er jahrelang am Ufer des Eridanus auf und ab wanderte, bis er letztlich als Schwan an den Himmel versetzt wurde (Sternbild Schwan).

          Keltische Mythologie

          Auch die Keltische Mythologie verwendet in ihrer Symbolik sehr häufig Schwäne, die in Wahrheit verzauberte Menschen sind. Ein Beispiel hierfür sind die Kinder des Lir, die 900 Jahre in Schwanengestalt umherirrten. Das Motiv wird auch in der Lohengrin-Geschichte aufgegriffen, wo der Schwan der verschollene Herzog von Brabant ist.

          Quelle: http://de.mittelalter.wikia.com/wiki/Schwan

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          Der Schwan war das Krafttier der Barden,

          die sich durch ihn Inspiration für ihre Lieder und Gedichte erhofften Der Schwan steht für die Qualitäten Liebe und Schönheit. Er berührt mit seiner Schönheit und Anmut die tiefsten Schichten unseres Seins. Für die Druiden versinnbildlichte er die Seele. Diese Seele umgibt sich immer wieder mit neuen Hüllen, von Leben zu Leben.
          Man verbindet sich noch heute mit dem Schwan wenn man Kontakt zur eigenen unsterblichen Seele sucht. Wenn man sich für alle schönen Dinge öffnen
          und die Wahrnehmung dafür stärken will. Und wenn man Inspiration sucht. Die Kraft des Schwans ist, die Gnade der Veränderung anzunehmen. Weil der Schwan sich dem höheren Plan des großen Geistes unterwirft und nicht gegen die göttliche Kraft angeht, wird aus dem „Hässlichen Entlein“, der Gestalt seiner Jugend, ein graziöser Schwan. Da er bereit ist, diese Gnade anzunehmen, wird ihm gestattet, in die Traumzeit zu sehen, den Raum jenseits der Welt der Sinnestäuschungen. Menschen, denen die Kraft des Schwans zu eigen ist, haben die Fähigkeiten, in die Zukunft zu sehen,
          da sie den Plan der göttlichen Kraft zulassen. Der Schwan lehrt, das Bewusstsein mit allen Ebenen des Seins in Gleichklang zu bringen und die Intuition zu entwickeln. Es ist wichtig, zu der Fähigkeit zu stehen, das Zukünftige zu wissen. Er versinnbildlicht die Seele auf dem Fluss des irdischen Daseins. Er ruft auf, im Fluss des Lebens seinen Platz zu finden und sein Nest zu bauen. Seine Stärke ist die Stetigkeit. Nichts bringt ihn von seinem Strom ab. Er weis um die Ströme des Lebens und um die Gefahren. Weise und entschlossen lässt er sich von den Kräften treiben
          und scheut nicht davor, gegen den Strom zu schwimmen.

          Quelle: http://www.yonascha.de/krafttiere.htm

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          amelie_die_wilden_schwaene

          Der Schwan gilt in vielen Kulturen als Sinnbild für Unschuld, Reinheit, Anmut, Liebe und Schönheit.

          Der Volksglaube besagt, dass sich Engel manchmal in einen Schwan verwandeln, um den Menschen nahe zu sein und Ihnen die Kraft des Lichtes oder sogar eine Botschaft vom Heiligen Geist selbst zu überbringen. Es verwundert daher nicht, dass man sie deshalb auch als “Engel der Lüfte” bezeichnet. Schwäne stehen demnach mit Lichtgottheiten in Verbindung und können in die Zukunft blicken. Daher etablierte sich allem Anschein nach auch der Ausdruck “es schwant mir”. So, wie Dämonen immer mit Fledermausflügeln abgebildet werden, so werden Engel generell mit Schwanenflügeln dargestellt. Auf Rügen ist die Symbolik des Schwans mit dem Storch vertauscht. Dort bringt der Schwan die Kinder und gilt der Storch als göttlicher Bote aus himmlischen Sphären.

          Germanen: An der Wurzel des Weltenbaumes Yggdrasil befindet sich die Quellle von Urds Brunnen in welchem zwei Schwäne leben. Es heißt, dass Alles, was mit dem heiligen Wasser in Berührung kommt, rein und mit lichtvoller Energie durchflutet wird. Ebenfalls steht der Schwan mit Hel, dem Reich der Toten, in Verbindung. Er weist orientierungslosen oder in Seenot geratenen Schiffen – und manchmal sogar auch dem Toteschiff mit Seelen von Verstorbenen – den Weg.

          Kelten: Für die Druiden sind Schwäne ein Sinnbild der Seele und oftmals Ziel von Verwandlungen, sowohl zur Strafe als auch zur Rache. Schwäne stehen aber auch mit dem irische Liebesgott und Schutzpatron der Liebenden in Verbindung. Er steht All jenen zur Seite, bei denen sich das Leben um die Musik dreht. Wie der Otter, so war auch der Schwan bei den Barden hoch angesehen, weil er ihre Inspiration für Lieder und Gedichte war.

          (…)

          Quelle: http://www.schamanische-krafttiere.de/Krafttier_Schwan.html

          Gruß an die Sagen und Legenden, an denen immer auch die Wahrheit eng gebunden ist

          TA KI