Auch die schönste Zeit- hat ihre „Zeit“. Was bleibt sind die Bilder und die Erinnerung..


Meine liebe Freundin

für die schönen Tage mit Dir möchte iCH mich nochmals bedanken, es war großartig  mal wieder Zeit mit Dir

gemeinsam verbringen zu können.

Das machen wir nochmal!

Tausend Dank!!!

Herzliche Grüße

Tanja

Günni

&

Kalle

 

 

Werbeanzeigen

Der Sturz des Phaéthon


Studie
zu einer frühgeschichtlichen Katastrophe

von Günter Bischoff

Erst seit wenigen Jahren ist sich die Menschheit einer besonderen Gefahr aus dem Weltall bewusst geworden. Nach Meinung vieler Wissenschaftler können Asteroiden und Kometen von Zeit zu Zeit die Erde treffen und das irdische Leben auf das Äußerste gefährden. Das bekannteste Ereignis fand vor 65 Millionen Jahren statt, als ein etwa 10 km großer Steinmeteorit in Mittelamerika einschlug. Infolge der weltweiten Klimaverschlechterung starben neben den Sauriern auch die meisten anderen Tierarten aus. Zum Glück fallen derart große Trümmerstücke des Sonnensystems nur im Abstand von mehreren Millionen Jahren. Häufiger dagegen haben kleinere Himmelskörper beim Einschlag auf der Erdoberfläche lokale Katastrophen ausgelöst, die in der Erinnerung der Menschen haften geblieben sind, obwohl jene schon Jahrtausende zurückliegen.

Ein ungewöhnlicher, von der Wissenschaft bislang nur wenig beachteter Meteoritenfall ereignete sich aller Wahrscheinlichkeit nach vor reichlich 3200 Jahren. Wenn die vorliegenden Deutungen richtig sind, dann war es das folgenschwerste Impaktereignis der jüngeren Menschheitsgeschichte, nämlich der Einschlag eines 100 m bis 200 m großen Asteroiden vor der Küste Helgolands. Möglicherweise wären die Astronomen und Geologen bis heute nicht auf das Naturereignis aufmerksam geworden, wenn nicht eine alte Legende zu Nachforschungen angeregt hätte.

Die Legende von Phaéthon

Mehrere antike Dichter und Historiker erwähnen diese griechische Sage und berichten über Einzelheiten, darunter neben Hesiod, Solon und Aischylos auch Euripides, Aristoteles und Plutarch. Die umfangreichste Quelle darüber findet man aber in den „Metamorphosen“ [1] des römischen Dichters Ovid (41 v.Chr. bis 17 n.Chr.), der sein Wissen aus älteren, zum Teil verloren gegangenen Schriften schöpfte. In aller Kürze dargestellt, berichten Ovids Verse über folgendes [2].

Phaéthon, der auch den Beinamen „der Strahlende“ und „der Lodernde“ trägt, bittet seinen Vater Helios, einen Tag lang die Sonnenrosse führen zu dürfen. Trotz der ernsten Bedenken und Warnungen des Vaters bleibt Phaéthon bei seinem Verlangen. Ihm aber muss Helios eine Bitte erfüllen, weil er das als Beweis seiner Vaterschaft beim Styx geschworen hatte. Als die Sonnenrosse fühlen, dass ein Unerfahrener die Zügel hält, brechen sie aus der Bahn und stürmen der Erde zu. Furchtbare Brände zerstören Wälder und Städte, wegen der entsetzlichen Hitze trocknen Flüsse und Quellen aus. Ehemals fruchtbare Gebiete werden zur Wüste, schreckliche Erdbeben erschüttern die Welt, überall birst der Grund, Berge entbrennen in feuriger Glut, Asche und qualmender Rauch verhüllen die Erde in schwarzes Dunkel. Dreimal weicht das Meer zurück, um mit vernichtetenden Fluten wiederzukehren.
Schließlich erbarmt sich Zeus der bedrohten Erde und schleudert Phaéthon mit einem Blitzstrahl vom Wagen. Phaéthon stürzt in die Mündung des Eridanos, an dessen Ufern ihn seine Schwestern, die Heliaden, mit blutigen Tränen beweinen, die zu Bernstein werden. Aus Trauer um den Tod ihres Bruders werden die Heliaden in Pappeln verwandelt.

Die bildende Kunst hat Phaéthons Sturz gern für Sarkophagreliefs und Gemmenbilder verwendet, weil der Mythos die Vergänglichkeit des Lebens in poetischen Bildern darstellt. Auch Maler wie Tintoretto oder G.Moreau nahmen sich des Themas an.

Wissenschaftler auf der Suche

Wie bei jeder Legende erhebt sich nun die Frage, ob sich vielleicht ein von Menschen erlebtes reales Geschehen dahinter verbirgt. Ovid selbst war bei Phaéthon von einer Naturerscheinung ausgegangen, die „allenfalls vergleichbar“ wäre mit einem Meteor oder einer Sternschnuppe. Der Körper müsse auf jedem Falle den Erdboden an einem bestimmbaren Ort berührt haben.

Als Erster in der Neuzeit stieß J.W.v.Goethe auf dieses Problem, der bekanntlich auch viel beachtete naturwissenschaftliche Studien trieb. Er vermutete ebenfalls ein tatsächliches Ereignis, nämlich das Herabstürzen eines meteoritischen Körpers auf der Erdoberfläche [3]. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die geologischen Erkenntnisse bereits deutlich fortgeschritten, und so konnte F.X.Kugler erste Beweise für den Absturz eines Himmelskörpers finden [4]. Er widersprach damit Deutungen des bekannten Philologen Willamowitz-Möllendorf, der Phaéthon lediglich für den Morgenstern Venus hielt. Phaéthons Sturz wurde von Kugler erstmals mit der Deukalionischen Flut in Zusammenhang gebracht, die Griechenlands Küsten im 13. Jhd. v.Chr. überschwemmte.
Im Jahre 1965 fasste der nordfriesische Pastor und Archäologe J.Spanuth alle mit dem Phaéthon in Verbindung stehenden Erscheinungen zusammen und stellte sie den archäologischen Befunden und schriftlichen Überlieferungen vieler Hochkulturen aus der Bronzezeit gegenüber [5]. Er sammelte auch als Erster umfangreiche Beweise, dass Phaéthon den Untergang von Atlantis ausgelöst haben könnte. Lange Zeit rätselte er aber selbst über die Art der Himmelserscheinung: war es nun ein herabstürzender Riesenmeteorit oder der Unheil bringende Schweif eines Kometen, in den die Erde geraten war ?

Im Jahre 1979 meldete sich ein anerkannter Geologe zu Wort. Prof. W.v.Engelhardt aus Tübingen sprach sich nachhaltig für den Einschlag eines Großmeteoriten aus. Nach Ovid soll er in die Mündung des Bernsteinflusses Eridanos gestürzt sein, und so beschrieb v.Engelhardt das Schreckensszenario beim Einsturz eines derartigen Körpers in das Meer mit allen Folgeerscheinungen: riesige Dampfwolken bis in große Höhen, katastrophale Wolkenbrüche und Flutwellen, die weitaus höher sind als die von einem Erdbeben ausgelösten Tsunamis [3]. Nach v.Engelhardt und einigen antiken Autoren müsse es sich bei dem legendären Fluss Eridanos um den ins Mittelmeer führenden Po handeln. Doch in der nördlichen Adria gibt es keine Einsenkung, die auf einen Meteoriteneinschlag schließen lässt.

Der Bernsteinfluss Eridanos

Für die Enträtselung der Phaéthon-Legende ist die Lokalisierung dieses aus der griechischen Mythologie bekannten Flusses von großer Wichtigkeit. Bei der Identifizierung des Eridanos‘ sind in der Wissenschaft erstaunlicherweise nur fünf Möglichkeiten ernsthaft erörtert worden. Das sind einmal die zwei Mittelmeerzuflüsse Rhône und Po, zum anderen die Nordseeflüsse Rhein, Elbe und Eider. Die Rhône oder den Po anzunehmen, war nicht völlig abwegig, denn hier endeten wichtige Bernsteinstraßen der Bronzezeit, und schließlich fand die Deukalionische Flut an einer Mittelmeerküste statt. Dennoch widerspricht dies dem wichtigen Hinweis antiker Autoren, dass der Eridanos in das „Kronos-Meer“ (d.h. die Nordsee) oder in den „hyperboreischen Ozean“ floss. Bei ihren Diskussionen hatten es sich die Forscher jedoch unnötig schwer gemacht. Die drei Flüsse Rhodanus, Padus und Rhenus werden nämlich in den „Metamorphosen“ [M. II, 258] unter eigenem Namen aufgeführt, und diese entsprechen zweifelsfrei der heutigen Rhône, dem Po und dem Rhein. Als Eridanos kommen also von vornherein nur die Elbe oder die Eider in Betracht.

Spanuths eingehende Untersuchungen sprechen mit einiger Sicherheit für die nur knapp 200 km lange Eider [5, S.168 ff]. An ihren Ufern wird heute noch – im Gegensatz zur Elbe – Bernstein angespült. Und sie strömt, übereinstimmend mit dem Namen, westwärts in die Nordsee. „Eridanos“ bedeutet nämlich „Strom vom Morgen“ oder „Strom von Osten“. Zu einem berechenbaren Fluss ist die Eider erst durch die Deichbauten der letzten 500 Jahre geworden.Vorher füllte sie das ganze bis zu 20 km breite Eidertal aus und war wirklich ein mächtiger Strom. Während der Flut konnte damals das Meerwasser bis Hollingstedt aufsteigen und einen breiten Meerbusen bilden. In der Bronzezeit war die Eider der größte und bedeutendste Fluss der gesamten kimbrischen Halbinsel, der sich im Laufe der Jahrhunderte zur wichtigen Verkehrsader für die Menschen der Nordischen Bronzekultur entwickelt hatte. Unmittelbar vor der damaligen Mündung, östlich von Helgoland, lag die Hauptbernsteininsel „Basileia“, die das wirtschaftliche und kultische Zentrum dieser Kultur war. Noch im 13. Jhd. v.Chr. gab es einen kurzen, direkten Seeweg von Alt-Helgoland in die Ostsee. Die Eider war über ihren nördlichen Nebenfluss Treene, weiter über die Rheider Au bis zur Schlei hin fast durchgehend schiffbar. Die kleine Lücke zwischen beiden Flüssen dürfte durch Kanalbauten geschlossen worden sein [8].

Sollte trotz Spanuths überzeugender Argumentation dennoch die größere Elbe der antike Bernsteinfluss gewesen sein, wie bespielsweise der Verkehrsgeograph R.Hennig vermutete, so lag auch deren Mündungsgebiet in der Bronzezeit in unmittelbarer Nähe der Felseninsel.

Der Asteroid Phaéthon fiel also der antiken Sage nach in die bronzezeitliche Eider- oder Elbmündung südlich von Helgoland. Tatsächlich gibt es einige geologische Besonderheiten, die nur durch das Einwirken eines plötzlichen, schockartigen Ereignisses erklärbar sind. Einmal ist es ein etwa 10 m hoher untermeerischer Steilabbruch 300 m vor der Westküste, der einem allmählichen Absinken des Felsmassivs völlig widerspricht. Aus dem Abstand zur heutigen Brandungsküste kann auf einen Zeitpunkt vor rund 3000 Jahren geschlossen werden [5, S. 155]. Auf ein anderes Phänomen machte 1977 der Kieler Geologe H.Steinert aufmerksam. Etwa 35 km nördlich von Helgoland wurden bei seismischen Messungen ganz unerwartet mehrere „Aufschuppungen“ im ansonsten flachen Nordseegrund festgestellt. Alle 0,5 bis 1 km Entfernung voneinander wurde bis zu 10 Mal aus einer Tiefe von 100 m heraus der Meeresboden schräg gestellt, und das deutet auf einen sehr hohen Druck aus südöstlicher Richtung hin.

Morphologie des Helgoländer Seegrundes größeres Bild
Morphologie des Helgoländer Seegrundes

Tektonisch einmalig in der Deutschen Bucht ist weiterhin das sogenannte „Helgoländer Loch„, nur reichlich 3 km vom Südhafen der Insel entfernt gelegen. Eine längliche, schiefe Einsenkung ist mit einer Gesamttiefe von 57 m reichlich 20 m tiefer als der übrige Meeresboden der Umgebung. Sie könnte durch den flachen Einsturz eines größeren Asteroiden an dieser Stelle entstanden sein. Eine geologische Untersuchung unter dem Gesichtspunkt eines Impaktes steht leider noch aus.

Trotz Auffüllung mit Sedimenten in den letzten 3000 Jahren hat das Helgoländer Loch noch eine Ausdehnung von etwa 4 mal 15 km. Aus der ungefähren O-W-Lage der lang gestreckten Einsenkung und ihrer tiefsten Stelle im östlichen Bereich kann auf eine Einsturzrichtung des Objekts aus WNW geschlossen werden.

Dass hier tatsächlich ein kosmischer Körper niederging, belegt auch das sogenannte „Wunderbuch“, das wohl irrtümlich dem griechischen Philosophen Aristoteles zugeschrieben wurde:

„Die elektrischen Eilande (d.h. Bernsteininseln) sind durch den Fluss Eridanos angespült worden. In der Nähe des Stromes ist auch ein See mit warmen Wasser, das einen üblen Dunst ausströmt. Kein Tier trinkt aus ihm, kein Vogel fliegt über diesen See, oder er fällt hinein und stirbt. Dieser See hat einen Umfang von 200 Stadien (37 km). In diesen See, so sagen die Eingeborenen, sei Phaéthon gestürzt“ [5, S. 168].

Apokalypse auf der Nordhalbkugel

Auf eine außergewöhnliche Naturkatastrophe an der Nordseeküste am Ende der Bronzezeit machten schon 1844 der dänische Forscher E. Forchhammer und 1910 der deutsche Geologe D. Wildvang aufmerksam, ohne den Zusammenhang mit einem Asteroidenabsturz zu ahnen. Sie rekonstruierten eine mindestens 20 m hohe Flutwelle, die demnach drei Mal höher als bei den schlimmsten Sturmfluten war. Mehrere Brandungswälle an den Küsten wurden aufgerichtet, und eine Geröllschicht von 100 dänischen Quadratmeilen (über 5000 km²) bedeckte das Landesinnere. Neben der etwa 20 km großen Hauptbernsteininsel Alt-Helgoland wurden auch viele andere Inseln und Marschen vor der heutigen Westküste Schleswig-Holsteins zerstört.

Aber nicht nur die deutsche und dänische Nordseeküste wurden schwer verwüstet und für lange Zeit unbewohnbar gemacht. In mehreren Gebieten Europas kam es zu gleichzeitigen großflächigen Waldbränden, wie z.B. im damals unbewohnten Hochschwarzwald, in Holland, Norddeutschland und Skandinavien. Blitzschläge und durch Menschenhand gelegte Feuer waren bisher nur unzureichende Erklärungen dafür. Phaéthons Hitze während des Absturzes entzündete stattdessen die Moore und Wälder. Ein durchgängiger Brandhorizont in den Mooren der Norddeutschen Tiefebene bestätigt eine umfassende Katastrophe in der ausgehenden Bronzezeit [5, S. 192f]. Es muss dabei ein orkanartiger Sturm getobt haben, denn unzählige der als standhaft geltenden Eichen wurden entwurzelt. Archäologen fanden Überreste dieser Bäume in Schleswig-Holstein und im Emsland [27].

Die völlige Verwüstung weiter Landstriche zwang die Menschen an der Nord- und Ostseeküste, in südlichere Länder auszuwandern. Sie rissen dabei andere Völkerschaften mit und gelangten bis nach Griechenland, Kleinasien und Ägypten, wo 1191 v.Chr. eine gewaltige Entscheidungsschlacht im Nildelta stattfand, die mit der Niederlage der so genannten „Nord- und Seevölker“ endete. Griechenlands bronzezeitliche Bevölkerung wurde nach der Katastrophe so stark dezimiert, dass nach der Blüte der Mykenischen Kultur das „Dunkle Zeitalter“ folgte.

Eine weitere Folge des Asteroidenabsturzes waren die ausgelösten weltweiten Erdbeben. Vermutlich verursachten diese wiederum zahlreiche Vulkanausbrüche, wobei der Ätna erstmals nach längerer Pause wieder ausgebrochen sein soll. Am Verhängnisvollsten war jedoch die Explosion des Vulkans Santorin auf der kleinen Ägäis-Insel Thera. Die sich von dort ausbreitende riesige Flutwelle, die als Deukalionische Flut in die Geschichte einging, zerstörte viele Siedlungen auf den nahe gelegenen Inseln und an Griechenlands Küsten [9].

Offenbar stehen noch weitere Naturkatastrophen dieser Zeit in anderen Erdteilen mit dem Phaéthon-Absturz in Zusammenhang. Tempelanlagen aus Stein wurden durch verheerende Feuersbrünste in Ägypten und Syrien zerstört, die durch kriegerische Einwirkungen nicht erklärbar sind. Zeitgenössische Urkunden berichten in diesen beiden Ländern vom Kometen „Sekhmet“ oder „Typhon“ und vom Stern „Anat“, der „die Völker mordete“ [6], [10]. Durch Phaéthons Hitze soll Äthiopiens Volk seine schwarze Farbe erhalten haben; auch Indien lag „unterm Brand des Gestirns“ (M. I, 778). Möglicherweise berichten ebenso die Maya-Schrift Popol-Vuh und andere mexikanische Überlieferungen von den Verheerungen dieses ungewöhnlichen Himmelskörpers.

Gerade die alten ägyptischen Texte, vor allem aus der Regierungzeit Ramses III., ermöglichen nun eine genauere Datierung der frühgeschichtlichen Katastrophe. Diese berichten, übereinstimmend mit den „Metamorphosen“ bei Ovid, dass „Libyen zur Wüste ward“ und der Nil austrocknete. Während es aus der Zeit vor dem Tode des Pharaos Merenptah im Jahre 1222 v.Chr. keinerlei diesbezügliche Überlieferungen gibt, lag zu Beginn der Regierungszeit Ramses III. im Jahre 1220 v.Chr. „Ägypten in vollkommener Verwüstung“ [6, S. 232].
Phaéthon stürzte demnach etwa um das Jahr 1220 v.Chr. ab, und zwar an einem Frühlingstag kurz vor Neumond. Die Jahreszeit lässt sich heute noch genau ermitteln, weil die Griechen alljährlich in der Mitte des ersten Frühlingsmonats das Anthesterin-Fest feierten. Dabei wurde auch der Flut des Deukalion gedacht und in Delphi dem Apollon Opfer gebracht, weil er die Vorfahren der Delpher bei dieser ungeheuren Überschwemmung vor der Flut errettet hatte [5, S.140]. Das erste Auftauchen des Himmelskörpers muss nach dem letzten Viertel unseres Erdtrabanten erfolgt sein, denn im Morgengrauen „schienen die Hörner des bleichenden Mondes zu schwinden“ (M. II, 112-117).

Ein kreisender Stern

Alle diese in Europa, Nordafrika und anderen Erdteilen beobachteten Phänomene lassen sich aber nicht allein mit dem Aufprall eines Asteroiden bei Helgoland erklären. Eine bestechende Hypothese, die viele Einzelheiten erhellt, stellte im Jahre 1982 der ehemalige Flugzeugbau-Ingenieur W.Stender auf [10]. Ihn brachte eine Textpassage aus der Zeit des ägyptischen Pharaos Sethos II., die den Kometen Sekhmet als einen kreisenden Stern bezeichnete, auf eine kühne Idee. Phaéthon konnte nach Ansicht Stenders nur ein kleiner Planetoid [11] gewesen sein, der der Erde so nahe kam, dass ihn die Atmosphäre abbremste und ihn in eine Umlaufbahn zwang. Unseren Planeten muss dieser Himmelskörper mehrmals umkreist haben, bis ihn die Luftreibung endgültig zum Absturz brachte.

Die Fachastronomen hatten dieses Szenario bis dahin nicht einmal theoretisch erwogen und stehen auch heute noch diesen Ansichten sehr skeptisch gegenüber. Der Einfang eines Asteroiden durch die Erde ist nämlich himmelsmechanisch äußerst unwahrscheinlich und Berechnungen zufolge über 200 Mal seltener als ein direkter Treffer. Aber gerade diese ungewöhnliche Deutung lässt sich mit Ovids Beschreibung sehr gut in Einklang bringen (M.II, 202-207):

„…brechen die Renner (d.h. die Sonnenrosse) aus, durchlaufen, da nichts sie hindert,
Fremde Bezirke im Luftreich; dahin, wo ihr Drang sie getrieben,
Rasen sie ohne Gesetz, auf Sterne, die hoch in den Äther
Haften, stürmen sie, reißen sie den Wagen fort von der Straße,
Streben bald zur Höh, bald jagen sie abwärts auf steilem
Pfad und geraten so in den Raum, der benachbart der Erde. …“

Als Zeitgenosse künstlicher Erdsatelliten kann man ohne Schwierigkeiten diese bildreichen Erklärungen verstehen: Der nahe der Erdoberfläche durch die Lufthülle abgebremste Himmelskörper gelangt in eine extrem exzentrische Ellipsenbahn, die ihn wieder in eine Entfernung von einigen zehn- bis hunderttausend Kilometer Höhe bringt. Beim nächsten Durchlaufen des Perigäums, des erdnächsten Punktes, wird er ein weiteres Mal abgebremst und erreicht eine Ellipsenbahn, die ihn in eine geringere Erdferne (Apogäum) als beim ersten Umlauf führt. Nach mehreren Umkreisungen wird die Geschwindigkeit im Perigäum unter die Mindestgeschwindigkeit von 7,9 km/s abgebremst, so dass er keine ganze Umrundung mehr vollenden kann und abstürzt.

Nun lässt sich zwanglos erklären, warum Phaéthon über Griechenland, Ägypten, Syrien, Indien und anderen Ländern gesichtet worden sein soll. Bei seinen mehrtägigen Umkreisungen wird er auf seiner elliptischen Bahn viele bewohnte Gebiete überflogen haben. Mancher Beobachter kann ihn dabei sogar mehrmals und aus verschiedenen Richtungen wahrgenommen haben. So konnte leicht der Eindruck einer „Irrfahrt“ entstehen.

Die Bahnneigung des Asteroiden lässt sich annähernd aus dem Flugbahnwinkel beim Absturz herleiten. Da die Längsachse des Helgoländer Loches mit der Nordrichtung etwa einen Winkel von 60° bis 69° bildet, reichte die Flugbahn bis in eine geographische Breite von 57° bis 59°. Das Perigäum muss unweit des nördlichsten Bahnpunktes gelegen haben.

Eine 3200 Jahre alte Beschreibung einer Satellitenbahn verbirgt sich hinter dem Rat des Sonnengottes Helios, den er seinem Sohn mit auf dem Weg gibt (M.II, 129-133):

„Wähle auch nicht den Weg über alle fünf Kreise hinweg, sie
Schräg überschneidend verläuft in weitem Bogen die Straße,
Hält sich mit dreier Zonen Gebieten begnügt und vermeidet
So den südlichen Pol und den Bären im stürmischen Norden.
Dies Deine Bahn. Du wirst die Radspur deutlich erkennen.“

Die Erscheinung muss äußerst verwirrend und bedrohlich auf die damaligen Menschen gewirkt haben: über Gebieten um 58° n.Br. jagte ein riesiger glühender, „Feuer speiender Felsbrocken“ mit 25- bis 30-facher Schallgeschwindigkeit hinweg, und seine Flugbahn war nur etwa doppelt so hoch wie die eines Düsenjets. Blitze umzuckten den Körper infolge der Ionisierung der Lufthülle. Nach einer Weile folgten dann der Überschallknall, ein ohrenbetäubender Lärm und ein gewaltiger Sturm [10]. In den Gebieten von 50° bis 57° n.Br. bewegte sich Phaéthon bereits in der Hochatmosphäre. Hier werden die beunruhigten Menschen eine „Flammen ausstreuende“, große Sternschnuppe und danach ein fernes Donnergrollen wahrgenommen haben. Völlig anders dagegen bewegte sich Phaéthon über Gebieten der Südhalbkugel: am Nachthimmel konnten die Bewohner einen kleinen Stern „von blutiger Röte“ langsam dahinziehen sehen, ohne die wahre Natur des ungewöhnlichen Himmelskörpers zu ahnen. In anderen Regionen wiederum soll er „nahe der Sonne“ gesichtet worden sein.

Feuer vom Himmel

Beim Durchfliegen der dichten Luftschichten begann Phaéthon infolge der Reibungshitze bei jedem Umlauf erneut zu glühen und schließlich zu brennen [10]. Seine Oberfläche wurde dabei so beansprucht, dass sich unterschiedlich große Teile vom Steinmeteoriten ablösten und wegen der nun viel größeren Luftreibung schon bei einer der ersten Umrundungen abstürzten. So ist der Einschlag von einzelnen Trümmerstücken im nördlichen Bahnabschnitt durchaus wahrscheinlich. Von estnischen Wissenschaftlern wurde bereits der etwa 110 m große kreisrunde Krater des Kaali-Sees auf der Insel Ösel (Saaremaa) mit der Phaéthon-Sage in Verbindung gebracht [13]. Außerdem soll von diesem Himmelskörper über Mittelestland ein blendender Blitz ausgegangen sein. Wegen des vermuteten Zusammenhangs wurde vom Autor allen weiteren Berechnungen eine Bahnneigung von 58,5°, der geographischen Breite dieses Gebietes, zugrunde gelegt.
Ein wahrer Schauer von Kleinstmeteoriten muss als Sternschnuppen nach dem Aufprall des Hauptkörpers die Überlebenden beeindruckt haben. Die altgermanischen Überlieferungen über Ragnarök, den „Weltuntergang“, der sich sicherlich ebenfalls auf Phaéthons Sturz und den Untergang vieler Nordsee-Inseln am Ende der Bronzezeit bezieht, schildern das außergewöhnliche Ereignis in den Edden [5,14]:

„Die Sonne verlischt, das Land sinkt ins Meer;
vom Himmel fallen die heiteren Sterne.
Lohe umtost den Lebensnährer (die Weltesche);
hohe Hitze steigt himmelan.“

Aber auch die weiter südlich gelegenen Länder wurden von dem Unheil bringenden Himmelskörper nicht verschont, obwohl er dort schon weit außerhalb der Atmosphäre die Erde umkreiste. Zum eigentlichen Verhängnis wurde den Menschen eine klebrige, brennbare Substanz an der Oberfläche des Asteroiden. Über die Beschaffenheit des „blutroten“ Stoffes gibt es bisher nur Vermutungen [15]. Er haftete an brennenden Gesteinsbrocken, die sich infolge der Reibungshitze vom Hauptkörper ablösten und entlang der Flugbahn auf der Erdoberfläche niederfielen. Auf diese Weise wurden außer den gemäßigten Breiten auch bewohnte Gebiete wie Äthiopien auf 10° n. Br. in Mitleidenschaft gezogen.
Als Kuriosum wird in den alten Berichten hervorgehoben, dass dieser „Blutregen“ und „Feuerregen“ sogar auf Gewässern weiter brannte. Als „brennend“ werden namentlich einige griechische und kleinasiatische Flüsse, der Hister (Donau-Unterlauf), Tanais (Don), Euphrat und Ganges erwähnt [M. II, 242 ff]. Der klebrige Stoff entwickelte eine derartige Hitze, dass „Tempel und Städte vergingen“ und sogar Steinbauwerke ganz in Asche verwandelt wurden.

Ausgrabungen aus dieser Zeit in der syrischen Stadt Assur belegen beispielsweise eine Gluthitze, die Hunderte von gebrannten Ziegelschichten zum Glühen und Schmelzen brachte. Der ganze Baukern eines ehemaligen Turms sowie das Mauerwerk aus Lehmziegeln wurden durchgehend geröstet und verglast. Auch die Ausgräber von Hattusa, der Hauptstadt des Hethiterreiches, standen vor einem ähnlichen Rätsel. Hier und in anderen kleinasiatischen Städten gibt es Zeugen von verheerenden Feuersbrünsten, die unmöglich von Menschenhand ausgelöst worden sein können. Desweiteren wurden in Makedonien, Ungarn und Deutschland am Ende des 13. Jhd. v.Chr. befestigte Anlagen durch Feuer zerstört [6]. Dazu zählen mächtige bronzezeitliche „Schlackenwälle“ wie beispielsweise dem auf dem Eisenberg bei Plauen im Vogtland, bei dem die Steine durch eine enorme Hitze zum Schmelzen und Verschlacken gebracht worden sind [12].

Nicht in jedem Falle ist der Zusammenhang mit dem „Feuerregen“ dieses Asteroiden schon gesichert. Aber insgesamt bestätigen diese Hinweise auf außergewöhnlich heftige Brände in der Frühgeschichte ein weiteres Mal die alte Legende:

„… Phaéthon aber sieht da nun entzündet an allen Enden den Erdkreis…“ [M. II, 227].

Ein Satellit für wenige Tage

Der Einfang eines die Sonne umkreisenden Himmelskörpers durch die Erde ist ein extrem seltenes Ereignis, das nur unter sehr speziellen Bedingungen zu erwarten ist. Welche Umstände zum Eintritt in eine Satellitenbahn führen, darauf soll nun etwas näher eingegangen werden.

Wenn ein kosmischer Körper in die Atmosphäre eindringt, dann hängt sein weiteres Schicksal im Wesentlichen von vier Parametern ab: seinem Durchmesser, der Dichte, der Annäherungsgeschwindigkeit und der Perigäumshöhe. War der Asteroid zu schnell oder zu hoch während der größten Annäherung, dann bekommt die Erde nur einen „Streifschuss“, so wie es am 10. August 1972 vor den Augen tausender Nordamerikaner geschah [16]. Fliegt er dagegen zu langsam oder zu niedrig, dann verglüht er in den dichten Luftschichten oder trifft sofort die Erdoberfläche. Wenn er sich allerdings nach dem erstmaligen Verlassen der Hochatmosphäre langsamer als die Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 km/s bewegt, aber noch schneller als die Minimumkreisbahn-Geschwindigkeit vK von 7,9 km/s ist, dann vollendet er mindestens eine weitere Umrundung außerhalb der Lufthülle.

Ohne Luftreibung würde ein Asteroid im Perigäum bis auf eine Geschwindigkeit vP beschleunigt werden und anschließend das Schwerefeld wieder verlassen.

 

vP2 = vF2 + vrel2

 

vF  = 11,19 km/s; Fluchtgeschwindigkeit nahe der Erdoberfläche;
vrel = Geschwindigkeit relativ zur Erde vor der Annäherung

Beim ersten Durchfliegen der Lufthülle muss er also mindestens bis auf eine Geschwindigkeit vE von 11,12 km/s abgebremst werden, um eine stabile, von Gravitationsstörungen unbeeinflusste Ellipsenbahn einschlagen zu können [29]. Wie eine Computersimulation zeigte, nimmt die Geschwindigkeit auch bei jedem weiteren Durchgang durch die Atmosphäre um einen fast gleichbleibenden Betrag vD > vP – vE ab. Die annähernde Konstanz beruht darauf, dass einerseits der Luftwiderstand wegen der ständig fallenden Geschwindigkeit geringer wird, andererseits aber die exzentrischen Ellipsen immer kreisähnlicher werden und der Körper einen längeren Weg durch die Lufthülle zurücklegen muss. Durch diese Gesetzmäßigkeit ergibt sich eine gute Möglichkeit, unabhängig von der Objektgröße die theoretisch mögliche Maximalanzahl an Umrundungen Umax vor dem Absturz errechnen zu können:

Umax = [ (vE – vK ) / (vP – vE ) ] + 1

( […] = ganzzahliger Teil )

 

Erst bei einer relativ kleinen Annäherungsgeschwindigkeit unter 9 km/s kann der zeitweilige Satellit mehrere Male die Erde umkreisen. Mehr als 10 Umrundungen kommen jedoch nur unter Voraussetzungen zustande, die sehr selten erfüllt sind (Tab. 1).

Auch die größtmögliche Gesamtumlaufzeit kann ausreichend gut abgeschätzt werden. Unabhängig von den konkreten Einfangbedingungen ist die Umlaufzeit des ersten Orbits stets größer als die Umlaufzeiten aller weiteren Umkreisungen zusammengenommen. Der ersten Bahnellipse sind allerdings Grenzen gesetzt, denn bei mehr als 500.000 km Entfernung sind ungünstige gravitative Störungen durch die Sonne zu erwarten [17]. Da ein vollständiger Umlauf bei dieser lang gestreckten Ellipse etwa zwei Wochen dauert, kann jedes eingefangene Objekt somit die Erde höchstens 1 Monat umkreisen (Tab. 1). Das ist eine wichtige Aussage für Klimaforscher und Archäologen, denn für Phaéthon wurden bereits Umlaufzeiten von mehreren Jahren vermutet [12, S.274]. Seinem Absturz gingen nämlich ungünstige klimatische Veränderungen voraus. Soviel Unheil der Asteroid auch anrichtete, für die Trockenperiode ab etwa 1250 v.Chr. und eine erste Auswanderungswelle der Nord- und Seevölker müssen andere Gründe gefunden werden.

Als Astronauten vor drei Jahrzehnten vom Mond zur Erde zurück kehrten, durfte die Apollo- Kapsel einen nur 11 km breiten Wiedereintrittskorridor nicht verfehlen. Auch für das Einfangen eines Asteroiden kann ein günstiger Bereich festgelegt werden. Trifft der Himmelskörper bei seiner größten Erdannäherung auf die Untergrenze des Einfangkorridors, kann er gerade noch eine volle Umrundung ausführen. Bei einer Perigäumshöhe an der Obergrenze hingegen kommen die meisten stabilen Umkreisungen zustande. Wie die Berechnungen ergaben, hat der Einfangkorridor selbst unter günstigen Bedingungen nur eine Breite von knapp 30 km. Er ist um so schmaler, je höher die ursprüngliche Annäherungsgeschwindigkeit des Objektes an die Erde war. Bei größeren Himmelskörpern bildet die Erdoberfläche selbst die natürliche Untergrenze des Korridors (Tab. 1). Zu große oder zu schnelle kosmische Vagabunden, und darunter zählen vor allem die Kometen, können prinzipiell nicht eingefangen werden. Ein zweiter Phaéthon wird – statistisch gesehen – in den nächsten 1000 Jahren den schmalen Einfangkorridor ganz sicher nicht treffen.

Allen Berechnungen des Verfassers lag eine Objektdichte von 3 g/cm3 zugrunde, der mittleren Dichte der bekannten Asteroiden unseres Sonnensystems. Die für den Luftwiderstand maßgebliche effektive Geschwindigkeit wurde um 245 m/s vermindert, da Phaéthons Perigäum auf etwa 58,5° nördlicher Breite lag und er die Erde in Rotationsrichtung umrundete. Als weiterer wichtiger Parameter ist der Luftwiderstandsbeiwert cW von Bedeutung, aber leider nicht exakt bestimmbar. Für einen kosmischen Körper mit rauer Oberfläche, der sich mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit bewegt, liegt der Wert ungefähr zwischen 1,1 nahe der Erdoberfläche und 3,0 an der äußeren Grenze der Hochatmosphäre in 100 km Höhe [19].

Die Flugbahn

Obwohl keinerlei Einzelheiten über Phaéthons Größe, seine Geschwindigkeit und Flughöhe bekannt sind, lässt sich der 3200 Jahre alte Meteoritenfall doch mit einer gewissen Sicherheit rekonstruieren. Auch diesmal hilft die von Ovid aufgezeichnete Legende mit vielen astronomisch deutbaren Einzelheiten weiter.

Den voran gegangenen Berechnungen zufolge kann ein eingefangenes Objekt zwischen wenigen Stunden und vier Wochen die Erde umkreisen. In den „Metamorphosen“ lässt sich nun ein Hinweis zu finden, der die mögliche Gesamtumlaufzeit bei Phaéthon wesentlich einschränkt (M. II, 270-271):

„… Dreimal wagte Neptun, aus der Flut die Arme zu recken,
Grimmen Gesichts, und dreimal ertrug er die feurige Luft nicht. …“

Für einen ortsgebundenen irdischen Beobachter, der demnach 3 Mal Ebbe und Flut erlebte, währte das Phänomen also nur höchstens 2 Tage. Insgesamt betrachtet umrundete Phaéthon sicherlich länger die Erde, aber wahrscheinlich nicht mehr als vier Tage.

Die tatsächliche Gesamtumlaufzeit bis zum Absturz und die genaue Anzahl der Erdumrundungen können nicht direkt berechnet werden, weil die Annäherungsgeschwindigkeit und die Perigäumshöhe zunächst noch unbekannt sind. Diese beiden Parameter beeinflussen maßgeblich das Umlaufverhalten und die vom Überflug betroffenen Gebiete. Aber es lassen sich Teilabschnitte der realen Flugbahn vor 3200 Jahren rekonstruieren und schließlich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Die alte Legende erwähnt nämlich geographische Gebiete, die sich unmittelbar unter der „feurigen Kugel“ befunden haben müssen. Beispielsweise trockneten die Nilquellen aus (M. II, 254f) und Phaéthon überflog unter großer Hitzeeinwirkung „sein äthiopisches Land“ (M. I, 778). Wichtig als Fixpunkte sind weiterhin diejenigen Flüsse, auf deren Oberfläche der „Blutregen“ brannte. Diese können nur in der Abbrandphase auf dem südostwärts gerichteten Bahnabschnitt, der dem Perigäum unmittelbar folgte, überflogen worden sein. So heben sich deutlich vier Regionen heraus, die während unterschiedlicher Umläufe passiert worden sein müssen: Sudan/Äthiopien; Griechenland/Kleinasien; Irak (Euphrat bei Bagdad) und Indien (Ganges).

Durch systematische Variation der beiden Parameter Annäherungsgeschwindigkeit und Perigäumshöhe lassen sich nun alle denkbaren Flugbahnabwicklungen errechnen. Unter der Voraussetzung von weniger als 100 Stunden Gesamtumlaufzeit konnte nur bei einer Relativgeschwindigkeit von 2,24 km/s eine gute Übereinstimmung mit dem überlieferten Flugbahnmuster erzielt werden. Phaéthon umrundete dabei in ziemlich genau 3 Tagen die Erde 6 Mal. Er näherte sich der Oberfläche in jedem Perigäum bis auf 30,6 km (Tab. 2). Dieser minimale Abstand zur Erdoberfläche ergab sich, wenn eine vom Autor geschätzte Phaéthongröße von 150 m zugrunde gelegt wird. Auch bei Berechnungen mit anderen Durchmessern ließ sich stets eine entsprechende Perigäumshöhe mit fast identischem Flugbahnverlauf ermitteln (s. Tab 3). Nun gewinnt auch eine Zeitungsmeldung über einen großen Stern an Bedeutung, „dessen Flammen die Sonne verzehrten“ und der zwischen 1300 und 1200 v.Chr. über China gesichtet wurde [22]. Die Beobachtung könnte sich durchaus auf Phaéthon beziehen, der den Berechnungen zufolge während des fünften Umlaufs Zentralasien überquerte und nach dem Austritt aus der Atmosphäre noch glühte.

Eine Präzisierung der Flugbahn könnte eines Tages durch die Auffindung kleiner Krater gelingen, die von Phaéthon-Fragmenten geschlagen wurden. Auf unserem Kontinent sind vor allem in Schottland, Südschweden und in den baltischen Ländern solche Sekundärkrater zu erwarten. Ein erster Kandidat hierfür ist möglicherweise der Liliensees bei Baldone 30 km südöstlich von Riga, bei dem W.Stender ebenfalls eine Entstehung durch einen Meteoriteneinschlag vermutete. Der von estnischen Wissenschaftlern 1978 in diesem Zusammenhang erwähnte Krater des Kaali-Sees scheidet allerdings aus, weil sowohl die Einsturzrichtung aus dem Osten als auch der ermittelte Zeitpunkt um 800 bis 400 v.Chr. dem entgegen sprechen [26].

Phaéthons mittlerer Durchmesser wurde nicht willkürlich auf 150 m geschätzt [21]. Durch eine Entdeckung der Planetoidenforscher D.Davis und C.Chapman vor zwei Jahrzehnten kann der maximale Durchmesser eingegrenzt werden. Es stellte sich heraus, dass über 200 m große Objekte fast ausnahmslos lockere „Schutthaufen“ darstellen. Die ursprünglich größeren kompakten Urkörper zwischen Mars- und Jupiterbahn zertrümmerten sich nämlich in den zurück liegenden 5 Milliarden Jahren gegenseitig. Die Gesteinsbrocken vereinigten sich später erneut zu unregelmäßig geformten, teilweise hohlen Asteroiden mit geringer mittlerer Dichte [18]. Ein solcher Himmelskörper hätte ganz sicher nicht der enormen Belastung eines mehrmaligen Durchfliegens der dichteren Atmosphäreschichten standgehalten.

Die vermutliche minimale Größe leitet sich aus den Sichtbarkeitsbedingungen im Perigäum ab. Phaéthon soll der Überlieferung nach „eher einem feurigen Klumpen als einem Stern“ geglichen haben [20, S.104]. Den bronzezeitlichen Augenzeugen erschien er also so groß, dass sie deutlich die von einer Kugel abweichende Form erkennen konnten. Eine solche Wahrnehmung bei einem schnell über den Himmel ziehenden Objekt sollte erst ab einer scheinbaren Größe von 10 Bogenminuten, einem Drittel des scheinbaren Monddurchmessers, zu erwarten sein. Zusammen mit den voran gegangenen Berechnungen zur Flugbahn und speziell der Perigäumshöhe ergibt sich daraus ein Durchmesser von mindestens 100 m (s. Tab 3).

Das Ende des Asteroiden

Vom letzten Perigäum bis zum Aufschlag verlor Phaéthon etwa 30 km an Höhe, aber legte dabei noch eine Flugstrecke von 1900 km zurück. Dieses typische Absturzverhalten aus einer Umlaufbahn beschreibt Ovid sehr treffend (M. II,319-322):

„Phaéthon … stürzt durch die Lüfte in lang sich ziehender Bahn, wie ein Stern bisweilen vom klaren Himmel, fällt er auch nicht, so doch zu fallen kann scheinen.“

Dieser Flugabschnitt verlief über dem Nordatlantik und den Britischen Inseln. Besonders Schottland bekam die Auswirkungen des Asteroiden zu spüren. Es war das einzige bewohnte Gebiet der Erde, das zweimal während der Abbrandphase überflogen wurde. Ziemlich genau drei Tage nach dem erstmaligen Überflug überquerte Phaéthon das schottische Hochland erneut, dieses Mal etwas südlicher zwischen der Insel Skye und dem NO-Teil der Grampian Mountains. Für die bronzezeitlichen Hochlandbewohner hatte der letzte Überflug knapp drei Minuten vor dem Einschlag bei Helgoland noch schlimmere Folgen, weil die „Flammen ausstreuende Kugel“ nur noch in etwa 15 km Höhe dahin jagte, begleitet von einem ohrenbetäubenden Donner. Der „Feuerregen“ und die größeren glühenden Gesteinsbrocken, die in der letzten Abbrandphase mit der höchsten Bremsverzögerung abgelöst wurden, müssen zu verheerenden Flächenbränden geführt haben.

Vielleicht findet dadurch ein bisher ungelöstes archäologisches Rätsel eine einfache Erklärung. Vor allem in N- und NW-Schottland sind etwa 60 Forts mit verschlackten Mauerresten bekannt, während ähnliche Forts in anderen Teilen Europas auf diese Weise nicht zerstört worden sind. Die lange vor der Römerzeit errichteten Bauwerke müssen einer mehrtägigen großen Hitze ausgesetzt gewesen sein. Ein gewöhnlicher Brand, so haben Experimente ergeben, hätte nicht diese Wirkungen gezeigt. Auch die Kuppe des 564 m hohen Berges Tap O´ Noth (50 km nw. Aberdeen) wurde völlig verglast [28]. Keiner der vorgebrachten Erklärungsversuche befriedigte bisher die Archäologen und Geologen. Noch ist der genaue Zeitpunkt der Brände unbekannt. Sollten ihn die Wissenschaftler auf das 13. Jhd. v.Chr. eingrenzen, dann ist der Verursacher offensichtlich.

Phaéthons Überfluggebiete über Schottland größeres Bild
Phaéthons Überfluggebiete über Schottland

Der letzte Flugbahnabschnitt führte über die offene Nordsee etwa auf der Linie Stonehaven (30 km sdl. Aberdeen) – Helgoland. Glaubt man auch dieses Mal den alten Überlieferungen, so kam es zu massiven Zerfallserscheinungen, ohne dass der Hauptkörper zerbrochen wäre (M II, 314-318):

„Und die Rosse, sie scheun, in jähem Satz nach rückwärts
Sprengen den Hals sie vom Joch und lassen geborsten die Riemen.
Hier das Zaumzeug, und da, hinweg von der Deichsel gerissen,
Liegt die Achse, die Speichen dort der zerbrochenen Räder
Und weithin die Trümmer zerstreut des zerschmetterten Wagens.“

In sicherer Entfernung von reichlich 100 km südlich der Flugbahn, in Northumberland, muss sich den Menschen ein ungewöhnliches Schauspiel dargeboten haben. Ganz dicht über dem Horizont raste der Bolide mit einem grellen Flammenschweif über die Wasseroberfläche dahin, gefolgt von kleinen Trümmerstücken. Der Einschlag der brennenden Gesteinsbrocken konnte wahrscheinlich nicht beobachtet werden, weil er für den Betrachter unter dem Horizont stattfand. Aber mehrere Minuten später trafen unterschiedlich große Tsunamiwellen auf die Ostküste der Insel. Eine reichliche Stunde nach dem Haupteinschlag bei Helgoland erreichte dann die letzte und größte „lange Welle“ das Ufer [25].

Eine Erinnerung an das beeindruckende Himmelsschauspiel könnten zahllose Gesteinsritzungen im nordenglischen Northumberland sein. Jeweils zwischen zwei und sechs konzentrischen Ringen zieht sich eine schlängelnde Linie zum Mittelpunkt hin. Der Wiener Impaktforscher A.Tollmann vermutete bei diesen Abbildungen eine vorgeschichtliche Darstellung des Absturzes von Kometenfragmenten im Nordatlantik [20]. Wahrscheinlich beziehen sich einige der Jahrtausende alten Felsritzungen auch auf den Sturz des Phaéthon.

Der Einschlag bei Helgoland erfolgte unter einem sehr kleinen Winkel von etwa 4° und mit einer vergleichsweise geringen Geschwindigkeit von 5 km/s. Er schlug trotz der zuletzt enormen Verzögerung von über 5 g als kompakter Körper ein, ohne vorher zu zerbersten. Ein Hinweis darauf ist in der „Argonautica“ des antiken Schriftstellers Valerius Flaccus (1.Jhd. n.Chr.) zu finden, wonach „eine schwarze Kugel in den zitternden Fluss Eridanus hinein ging“ [3]. Bildhaft berichtet Hesiod von diesem Augenblick, der den meisten Meeresanwohnern den Tod brachte [6, S.278]:

„Die Kampfeshitze der beiden [d.h. Zeus und Ph.] ergriff die dunkelfarbene See. Hitze und Feuer, Donner und Blitz dieses Ungeheuers überall, rasende Stürme und flammende Donnerkeile. Heiß wurde allenthalben vor Feuer die Erde. Der Himmel erglühte, und siedend wallte das Meer auf. Mit rasender Wucht peischten ringsherum ungeheure Meereswogen alles Land, das in die See vorsprang … endloses Beben erschütterte die Erde“

Noch nicht eindeutig ist die Frage zu klären, ob es beim Einschlag zu einer Explosion des Hauptkörpers gekommen ist. Nach einer Überlieferung des Byzantiners J.Antiochenus „schickte Gott in jenen Zeiten eine Feuerkugel aus dem Himmel herab auf die Giganten, die im keltischen Land lebten, und er verbrannte sie und das Land, und die Kugel blieb im Fluss Eridanos stecken und erlosch“ [3]. Schon eher für eine Explosion spricht die Aussage des Apollonios von Rhodos (3.Jhd.v.Chr.), wonach „Phaéthons Brust von einem Blitzstrahl durchbohrt“ worden sei [5, S.182]. Auch die archäologischen Funde im bronzezeitlichen Brand- und Grenzhorizont der norddeutschen Moore deuten möglicherweise auf eine von Helgoland ausgehende Druckwelle hin. Während in Schleswig-Holstein die Baumreste mit ihren Wipfeln alle ostwärts zeigten, waren die Baumkronen in den Mooren des Emslandes nach Süden gerichtet. Gerade hier zeugen Hunderttausende von äußerlich verkohlten Eichen, die bei der Kultivierung der Moore geborgen wurden, von einer enormen Druck- und Hitzewelle. H.Zschweigert sah darin einen Zusammenhang mit dem Niedergang und der darauffolgenden Explosion eines riesigen Meteoriten [27]. Wenn seine Auswirkungen tatsächlich noch 150 km von Helgoland entfernt zu spüren waren, dann muss Phaéthons Durchmesser nach Meinung des Dresdener Asteroidenforschers Ch. Gritzner deutlich über dem des etwa 60 m großen Tunguska-Objektes von 1908 gelegen haben [14], [23].

Nachdem sich beim Einschlag in Sekundenbruchteilen ein untermeerischer Krater gebildet hatte, breiteten sich riesige Flutwellen ringförmig im Nordseegebiet aus und verwüsteten die Küstenländer. Wahrscheinlich entwichen dem Nordseegrund durch die nachfolgenden Erdbeben eine zeitlang giftige Gase, und viele Vögel könnten Opfer „des üblen Dunstes“ geworden sein. Die alten Sagen sind durchaus glaubwürdig, denn bei Tiefbohrungen bei St.Peter-Ording im Jahre 1956 wurde auch faulig riechender Schwefelwasserstoff frei gesetzt, der in hoher Konzentration giftig ist [7].

Die Folgen für die im Umkreis der Deutschen Bucht lebenden Menschen waren katastrophal. Vermutlich waren mehrere Tausend Tote zu beklagen, weil die bronzezeitlichen Marschen und Küstengebiete damals schon eine relativ dichte Besiedlung aufwiesen. Dutzende Inseln, darunter die in antiken Überlieferungen erwähnte Hauptbernsteininsel „Basileia“, wurden zerstört und die Westküste Schleswig-Holsteins um durchschnittlich 60 km nach Osten verschoben. Die Verwüstungen waren so nachhaltig, dass große Bevölkerungsteile am Ende des 13. Jhd. v.Chr. zur Abwanderung aus ihrer Heimat gezwungen wurden.

Durchmesser 100 m 150 m 200 m
Perigäumshöhe [km] 33,88 30,63 28,32
Verzögerung im 1. Perigäum [g] 0,70 0,70 0,70
Verzögerung vor Einschlag [g] 6,32 5,39 4,66
Einschlaggeschwindigkeit [km/s] 4,46 5,02 5,37
Einschlagwinkel [°] 4,6 3,9 3,5
Gesamtaufenthaltsdauer in der Lufthülle (unter 100 km) [Minuten] 43,7 44,5 45,0
max. scheinb. Durchm. im Perigäum [‚] 10,2 16,8 24,3
geschätzte Masse [ Mio. t ] 1,6 5,3 12,6

Tabelle 3: Simulationsergebnisse des Absturzes
in Abhängigkeit von der Phaéthon-Größe
(bei gleicher Gesamtflugzeit von 72,2 Stunden)

Ein ehemaliges Apollo-Objekt

Über die Herkunft des inzwischen zerstörten Asteroiden stellte W.Stender 1982 erste Überlegungen an. Da er von einer Relativgeschwindigkeit von 8 km/s ausging, hätte das Aphel in der Nähe der Ceres-Bahn gelegen [24]. Die Computersimulation ergab nun für die Annäherungsphase eine um 2,24 km/s größere Bahngeschwindigkeit als die der Erde. Er bewegte sich somit während seines Umlaufs um die Sonne größtenteils zwischen der Erd- und Marsbahn und näherte sich unserem Planeten von außen. Eine nahe Begegnung von innen her mit einer geringeren Geschwindigkeit wäre theoretisch ebenso möglich gewesen. Tageszeitliche Überlegungen widersprechen allerdings dieser Variante des Einfangmanövers. Phaéthon war demnach ein Apollo-Objekt, das in seinem Aphel fast die Marsbahn erreichte und in Sonnennähe die Erdbahn tangierte oder in einem relativ kleinen Winkel schnitt. Von allen bisher bekannten Kleinplaneten über 0,5 km Durchmesser hat Orpheus (Nr. 3361) hinsichtlich der Bahnelemente die größte Ähnlichkeit mit dem ehemaligen Himmelskörper (s. Tabelle 4).

Die Mitarbeiter von Spacewatch, die den Himmel ständig nach gefährlichen Erdbahnkreuzern durchmustern, haben für Asteroiden mit der theoretischen Möglichkeit einer Kollision mit der Erde die Bezeichnung NEO (Near Earth Object) eingeführt. Die für Phaéthon ermittelten Bahnelemente liegen bereits nahe der Werte für die Mitglieder der so genannten „Arjuna“-Familie, einer Untergruppe der NEOs. Sie zeichnen sich durch kleine Bahnneigungen und Exzentrizitäten um 0,1 aus. Bis 1993 waren erst 9 „Arjunas“ bekannt, aber es werden 60.000 mit einem Durchmesser über 100 m vermutet [16, S.112]. Die Bahnen dieser Asteroiden unterscheiden sich so wenig von der Erdumlaufbahn, dass es schon nach wenigen 10.000 Jahren zu einem Zusammenstoß oder zu einer Ablenkung kommen muss. Der bronzezeitliche Asteroid kann also speziell ein „Arjuna“ gewesen sein, der mit kleiner Neigung zur Ekliptik die Sonne in etwa 1,3 Jahren umrundete und sich von ihr bis zu 205 Mio. km entfernte (Tabelle 4).

Bei seiner letzten Annäherung an die Erde befand sich der Kleinplanet nördlich der Ekliptik. Deshalb wurde seine Bahnebene beim Übergang in eine geozentrische Umlaufbahn stark gekippt. Als zeitweiliger Erdsatellit war seine Bahn nunmehr etwa 58,5° gegen den Äquator und noch stärker gegen die Ekliptik geneigt. Phaéthon hatte sich von der Nachtseite her der Erde genähert. Seine erste Sichtung als „Feuerkugel“ in Mitteleuropa oder Griechenland muss in der Morgendämmerung erfolgt sein, denn „…Aurora erschloss im rötlichen Osten das purpurne Tor ihrer rosenerfüllten Halle“ (M.II,112-115). Etwa 72 Stunden später, also ebenfalls in den Morgenstunden, schlug der Asteroid im Helgoländer Loch ein.

Phaéthon Orpheus
Entdeckungsjahr etwa 1220 v.Chr. 1982
Annäherungsgeschwind. an Erde [km/s] 2,24 8,9
Perihel (in Mio. km / AE) 145-150 / 0,97-1,0 (?) 123 / 0,82
Aphel (in Mio. km / AE) 205 / 1,37 238,8 / 1,60
Exzentrizität 0,17 0,32
heliozentrische Umlaufzeit [Jahre] 1,3 1,33
Bahnneigung [°] < 3 (?) 3
Durchmesser [m] 100 – 200 600

Tabelle 4: Parameter der Sonnenumlaufbahnen
von Phaéthon (z.T. geschätzt) und Orpheus

Keineswegs sind nun alle ungewöhnlichen Geschehnisse des Katastrophenjahres 1220 v.Chr. geklärt. Eine beinahe unglaubliche Vermutung stellte 1965 J.Spanuth auf: Phaéthon soll bei seinem Einschlag die Erdachse kurzzeitig zum Taumeln gebracht haben. Anders aber können die folgenden überlieferten Beobachtungen aus dem letzten Drittel des 13. Jhd. v.Chr. kaum gedeutet werden [7]:

  • „Der Stern Anat ist vom Himmel gefallen … und vertauschte die beiden Dämmerungen und die Stellung der Gestirne“ ( Text aus dem syrischen Ugarit)
  • „Die Sternbilder der Bären mussten infolge des von Phaéthon verursachten Weltbrandes ein Bad im westlichen Ozean nehmen“ ( nach Nonnos, 6. Jhd. n.Chr.)
  • „Der Süden wird zum Norden und die Erde stürzt vornüber (Papyrus Harris, Ägypten)
  • „…Wo die Sonne untergeht, dort sei sie zweimal aufgegangen, und wo sie jetzt aufgeht, sei sie zweimal untergegangen“ (Herodot)
  • die Erde habe sich „vorwärts und rückwärts, rechts und links, nach oben und unten bewegt“ (Platon, Dialog Timaios)

Diese Naturbeobachtungen können keinesfalls nur menschlicher Phantasie entsprungen sein. Offenbar trat am Ende der Bronzezeit ein außergewöhnliches Ereignis ein, das die Menschen sehr verunsicherte und sie an den Weltuntergang glauben ließ.

Viele Forscher haben bisher vergeblich versucht, eine plausible Erklärung für das chaotische Rotationsverhalten zu finden. Möglicherweise gelang dies dem englischen Wissenschaftler P.Warlow im Jahre 1978 mit einer originellen Theorie. Seiner Meinung nach können die raumstabile Rotationsachse und die Erdachse, die durch den geographischen Nord- und Südpol festgelegt ist, durchaus unterschiedliche Richtungen aufweisen. Die Gravitation eines nahe an der Erde vorbei ziehenden größeren Himmmelskörpers soll zu jenem Zeitpunkt die Erdachse gekippt haben. Unser Planet hätte dabei eine zeitlang unter Beibehaltung des Drehsinns „kopfüber“ rotiert, bis schließlich der Nordpol wieder die alte Lage einnahm. Tatsächlich vertauschen sich bei diesem Vorgang für einen irdischen Beobachter die Auf- und Untergangsorte der Sonne. Weil jedoch der hypothetische Planet einer Computersimulation zufolge die anderthalbfache Größe des Jupiters hätte aufweisen müssen, verwarfen die Astronomen Warlows Theorie 1981 wieder [30].

Möglicherweise kann aber ein größerer Asteroid bei einem schrägem Aufprall dem Kreisel „Erde“ einen kräftigen Kipp-Impuls geben und eine Verschiebung der Erdachse auslösen. Phaéthon mit einer geschätzten Masse von über 5 Millionen Tonnen schlug fast tangential auf der Oberfläche auf. Außerdem lag die Einschlagstelle auf einer hohen geographischen Breite. Beide Faktoren begünstigen theoretisch eine Kippbewegung. Praktisch jedoch ist der geophysikalische Vorgang, der tatsächlich zum Kippen führt, noch unbekannt.

Trotz des viel versprechenden Ansatzes von P.Warlow bleiben die vorliegenden Überlegungen vorerst nur eine Hypothese. Es ist nach den geltenden physikalischen Gesetzen nur schwer vorstellbar, dass ein Asteroid mit einer extrem geringen Masse im Vergleich zu unserem Planeten ein chaotisches Taumeln oder Kippen der Erdachse ausgelöst haben soll.

Umlaufbahn Einfang und Erdumlaufbahnen des Phaéthon

Der Untergang von Atlantis

Der Sturz des Phaéthon steht auch im Zusammenhang mit einem anderen großen Rätsel der Menschheitsgeschichte, nämlich dem Untergang der sagenhaften Insel Atlantis. Erstmals erwähnt wurde sie in den Dialogen „Kritias“ und „Timaios“ des griechischen Philosophen Platon. Über 2300 Jahre haben Wissenschaftler darüber gestritten, ob Atlantis überhaupt existierte. Aber vor einem halben Jahrhundert konnte das Rätsel durch den 1998 verstorbenen Privatgelehrten Jürgen Spanuth grundlegend gelöst werden, und etliche Forscher stimmen ihm darin zu [31].

Als einzige der mittlerweise über 1000 Hypothesen kann seine Theorie den Kriegszug der Atlanter gegen die mächtigsten Staaten der spätbronzezeitlichen Welt erklären. Die so genannten frühen Urnenfelderleute zerstörten um 1200 v.Chr. das Hethiterreich und die Stadtstaaten Griechenlands und wurden erst in Ägypten in einer großen Schlacht besiegt. Diese Ereignisse fanden jedoch nicht, wie die Legende berichtet, 9000 Jahre vor dem Besuch des griechischen Staatsmannes Solon in Ägypten statt (561 v.Chr.), sondern um die Wende vom 13. zum 12. Jhd. v.Chr. Die Verwechselung beruht darauf, dass die ägyptischen Priester noch lange neben dem im öffentlichen Leben gebräuchlichen Sonnenkalender nach einem Mondkalender rechneten und die „Jahre“ nach dem Umlauf des Erdtrabanten zählten [7], [32].

Ein Teil der Angreifer, die in den altägyptischen Papyri als Nord- und Seevölker bezeichnet werden, hatte Spanuths Forschungen zufolge ihre Heimat im Nord- und Ostseegebiet. Hier lebten die Menschen des Nordischen Kreises im 15. bis 13. Jhd. v.Chr. auf einer hohen Kulturstufe. Ihr wirtschaftliches, verkehrsgeografisches und kultisches Zentrum war die ehemals viel größere Insel Althelgoland/Altsüdstrand. Zahlreiche Beweise belegen, dass sie die gesuchte „Königs- und Säuleninsel“ Basileia des Atlantisberichts war [6, S.123 ff]. Ihre günstige Lage im Mündungsgebiet mehrerer großer Ströme, der Bernsteinhandel sowie die Kupfergewinnung förderten bereits lange vor der Bronzezeit die wirtschaftliche Bedeutung dieser Region. Sowohl die Suche nach dem Zentrum von Atlantis als auch nach dem antiken Bernsteinfluss Eridanos und dessen Mündung führten also unabhängig voneinander in das Gebiet der Helgoländer Bucht.

Wie bisher nur wenige Forscher erkannten, liefert Platon am Anfang seines Dialog „Timaios“ (22c) einen wichtigen Hinweis zur Untergangsursache des legendären Inselreiches. Was die ägyptischen Priester dem Griechen Solon mitzuteilen hatten, klingt nach den jüngsten Erkenntnissen der Impaktforschung erstaunlich modern [6, S.448]:

„…denn das, was bei euch erzählt wird, dass einst Phaéthon, der Sohn des Helios…, die Oberfläche der Erde durch Feuer zerstörte, weil er nicht imstande war, die Bahn des Vaters einzuhalten, das wird zwar in Form eines Mythos berichtet, es ist aber Wahrheit und beruht auf der Abweichung der am Himmel um die Erde kreisenden Gestirne und der nach langen Zeiträumen erfolgten Vernichtung der auf der Erde befindlichen Dinge durch mächtige Feuer“.

Demnach war der durch einen Himmelskörper verursachte Untergang von Atlantis nicht die erste Katastrophe dieser Art, aber als einzige ist sie so detailliert der Nachwelt überliefert worden.

Wie die bisherigen Erkenntnisse nahe legen, war Phaéthons Sturz eine wichtige Zäsur am Ende der Bronzezeit. Sie zeigen deutlich, wie sehr der Einschlag von Asteroiden und Kometen die menschliche Geschichte beeinflussen und unsere Zivilisation bedrohen kann.

Viele Einzelheiten des wahrscheinlich unheilvollsten Meteoritenfalls der letzten 5000 Jahre sind bereits enträtselt. Ein genaueres Bild von der Naturkatastrophe wird man aber erst gewinnen können, wenn der vermutete untermeerische Krater bei Helgoland aufgespürt und untersucht worden ist. Weitere wissenschaftliche Überraschungen sind dabei nicht auszuschließen.

Zusammenfassung

Die griechische Legende vom Sturz des Phaéthon, dem Sohn des Sonnengottes Helios, wurde am Ausführlichsten in den „Metamorphosen“ des römischen Dichters OVID beschrieben. Der Versuch einer naturwissenschaftlichen Deutung dieser Legende begann frühzeitig. Im 20. Jh. gab es für sie folgende Erklärungen:

  • 1927, F.X.Kugler:
    Absturz eines „großen Meteors“ in der Mündung des antiken Stromes Eridanos (in der Ägäis oder an einem anderen Ort laut Kugler)
  • 1953, J.Spanuth:
    um 1220 v.Chr. Absturz eines „Riesenmeteoriten“ in der Mündung des Eridanos (das war lt. Spanuth die ehemalige Eidermündung südlich von Helgoland)
  • 1979, W.v.Engelhardt:
    Absturz eines Großmeteoriten in der Mündung des Flusses Po
  • 1982, W.Stender:
    Einfang eines Planetoiden durch Luftreibung und mehrmalige Umkreisung der Erde; Einschlag im „Helgoländer Loch“ um 1220 v.Chr.
  • 1990, B.Napier, V.Clube:
    im 12. Jh. v.Chr. (Regierungszeit Ranses III.) Einschlag von Kometenfragmenten auf der Erde

Die Annahme eines astronomischen Ereignisses als naturwissenschaftlicher Hintergrund der Legende wird kaum noch bestritten. Die Theorie von J.Spanuth/W.Stender kann dabei folgende Details der Überlieferung besser als andere Hypothesen erklären:

  1. die Sichtbarkeit an mehreren Stellen auf der Erde mit dem Eindruck unterschiedlicher Flugrichtungen („Irrfahrt“ des Phaéthon),
  2. das abwechselnd nahe und weit entfernte Vorbeifliegen des Objekts an der Erdoberfläche,
  3. das Auslösen von großflächigen Bränden in weit auseinander liegenden Gebieten (in mehreren Erdteilen),
  4. das Vorhandensein einer untermeerischen Einsenkung genau an dem von der Legende beschriebenen Ort (Mündung des Eridanos = südöstliche Nordsee),
  5. das Auslösen weltweiter Erdbeben als Folge eines Asteroideneinschlags,
  6. spezielle Auswirkungen im Gebiet der Nordsee und den angrenzenden Küstengebieten:
    • eine Überschwemmungskatastrophe mit einem Hochwasserstand 20 m über normal,
    • das abrupte Absinken des Buntsandsteinfelsens von Helgoland um ca. 10 m,
    • das massenhafte Vorkommen verkohlter Bäume im Grenzhorizont Bronze-/ Eisenzeit.
  7. Die Theorie liefert gleichzeitig eine sehr wahrscheinliche Erklärung für die Untergangsursache des Kultzentrums von Atlantis (der bronzezeitlichen Bernstein- und Kupferinsel Althelgoland/Altsüdstrand) und anderer Nordsee-Inseln

Eine vom Autor durchgeführte Computersimulation des Einfanges, der Erdumkreisungen und des Absturzes eines etwa 150 m großen Steinasteroiden lieferte folgende Ergebnisse:

  1. Vor dem Einfang des Phaéthon betrug die Geschwindigkeit des Asteroiden nur 2,24 km/s relativ zur Erde. Er war ein Mitglied der „Arjuna-Familie“ (ein spezielles Apollo-Objekt)
  2. Phaéthon umkreiste vor dem Absturz die Erde 6 Mal mit folgenden Parametern :
    • Bahnneigung 58,5° (Umlauf im Sinne der Erdrotation)
    • Höhe im 1. bis 7. Perigäum: ca. 30,6 km (bei einer angenommenen Dichte von 3 g/ccm, Ø = 150 m); der Höhenabfall von Perigäum zu Perigäum war minimal;
    • Geschwindigkeit im 1. bis 7. Perigäum: 11,17 km/s; 10,68 km/s; …; 7,87 km/s
    • Höhe im 1. bis 6. Apogäum: 124.240 km; 36.550 km; …; 1400 km
    • Umlaufzeit im 1. bis 6. Orbit: 49,2 Std.; 10,6 Std.; …; 1,64 Std.
  3. Der Einschlag erfolgte im „Helgoländer Loch“ ca. 4 km südlich von Helgoland
    • in einem flachen Winkel von etwa 4° (gegenüber der Wasseroberfläche),
    • mit einer Geschwindigkeit von etwa 5 km/s,
    • mit einer Verzögerung von etwa – 5 g.
    • Im Falle einer Explosion entstand ein untermeerischer Krater von etwa 1 km Durchmesser.

Quelle: http://www.eichner-dresden.de/phaethon/

Gruß an die wahren Sagen

TA KI

 

Atlantis Teil 2.


Der Untergang

Die verhältnismäßig friedliche, von größeren kriegerischen Auseinandersetzungen freie Periode ging ab der Mitte des 13. Jhd. v.Chr. durch eine einsetzende Trockenheitsperiode und die darauf folgenden Abwanderungen der frühen Urnenfelderleute zu Ende. Als die erste Auswanderungswelle zwischen 1230 und 1220 v.Chr. Griechenland erreichte, ereignete sich an der Nordseeküste eine furchtbare Naturkatastrophe. Auf diese machten schon 1844 der dänische Forscher Johann Georg Forchhammer und 1910 der deutsche Geologe Dodo Wildvang aufmerksam. Sie rekonstruierten eine mindestens 20 m hohe Flutwelle, die demnach drei Mal höher war als die schlimmsten Sturmfluten, die wir aus den letzten Jahrhunderten kennen. Mehrere Brandungswälle wurden an den Küsten aufgerichtet, und eine Geröllschicht von 100 dänischen Quadratmeilen (über 5000 km²) bedeckte das Landesinnere. Neben der Zerstörung der Hauptbernsteininsel Althelgoland-Altsüdstrand und vieler fruchtbarer Marschen wurde die gesamte Westküste Schleswig-Holsteins um etwa 60 km nach Osten hin verschoben [58].

Das Zentrum von Atlantis versank „an einem Tag und einer Nacht voller entsetzlicher Schrecken“. Wahrscheinlich wurde diese extreme Nordsee-Sturmflut ausgelöst durch den Einschlag eines Asteroiden im „Helgoländer Loch“ 4 km südlich der Felseninsel. Die alte griechische Legende vom Sturz des Phaéthon, die vom römischen Dichter Ovid in seinen „Metamorphosen“ verarbeitet wurde, berichtet von einer „feurigen Kugel“, die in die Mündung des Bernsteinflusses Eridanos gestürzt sei [59].

Vermutlich ist das 56 m tiefe „Helgoländer Loch“ ein inzwischen mit Sedimenten bedeckter untermeerischer Einschlagkrater. Es gibt aber noch weitere Hinweise auf ein Impaktereignis. Nach dem Einschlag schien alten Überlieferungen zufolge einen Tag lang nicht die Sonne, und die längere Zeit wütenden Brände waren unerträglich für die Menschen. Auch ein durchgängiger Brandhorizont in den Mooren der Norddeutschen Tiefebene bestätigt eine umfassende Katastrophe um 1200 v.Chr. Es muss dabei ein orkanartiger Sturm getobt haben, denn unzählige der als standhaft geltenden Eichen wurden entwurzelt. Archäologen fanden verkohlte Überreste dieser Bäume in Schleswig-Holstein und im Emsland [60]. Schließlich berichten die altisländischen „Edden“ von einem dreijährigen Fimbulwinter im Anschluss an „Ragnarök“, dem Weltuntergang in der Mythologie der alten Germanen.

Vor der schleswig-holsteinischen Westküste breitete sich danach das heute noch jede Schifffahrt behindernde Wattenmeer aus. „Die ungeheuren Schlamm-Massen, die die versinkende Insel anhäufte“, finden so eine einleuchtende Erklärung. Durch die furchtbare Katastrophe bildete sich die so genannte Lundener Nehrung, die den alten Flusslauf der Eider nahe der heutigen Mündung versperrte. Deshalb wurde eine Fahrt in das „jenseitige Meer“ von nun an unmöglich.

Atlantis soll in einer Zeit „entsetzlicher Erdbeben“ versunken sein. Diesen Aspekt konnten Naturwissenschaftler ebenfalls belegen. Am Ende des 13. Jhd. v.Chr. kam es nahezu zeitgleich zum Ausbruch mehrerer Vulkane im Mittelmeerraum, zu einer Erdbebenserie im Nahen Osten und zur „Deukalionischen Flut“, die Griechenlands Küsten heimsuchte. Auch im geologisch ruhigen Nordseegebiet löste der Einschlag des Phaéthon laut Überlieferung ein Erdbeben aus, denn im Mündungsgebiet des Eridanos „erbebte die Erde und sank um ein weniges tiefer“ [61].

Das von Platon so plastisch geschilderte Leben der Bronzeleute sollte nach den Überschwemmungen und der anhaltenden Klimaverschlechterung nicht mehr auf dieser Kulturhöhe fortbestehen. Die danach im Gebiet der Nordischen Bronzekultur verbliebene Bevölkerung trug maßgeblich zur Herausbildung germanischer Stämme bei.

In den ersten eisenzeitlichen Jahrhunderten senkte sich der Meeresspiegel der Nordsee infolge der allgemeinen Abkühlung und anderer Faktoren. In der Helgoländer Bucht tauchten allmählich wieder zahlreiche Inseln auf. Ihre durchgängige Besiedlung wenigstens seit dem 4. Jhd. v.Chr. bis zum 14. Jhd. bezeugen antike Reiseberichte und mittelalterliche Chroniken:

  • In der Aithiopika, einem altgriechischen Epos, ist die Nachricht überliefert, dass an der Stelle, wo einst Atlantis lag, später wieder sieben kleine und drei große Inseln besiedelt gewesen seien. Die Bewohner hätten die von ihren Vorfahren überkommene Erinnerung an Atlantis bewahrt [62].
  • Erwähnt werden 23 „Elektriden“ und eine Hauptbernsteininsel „Basileia“ (im Keltischen „Abalus“ = Apfelinsel) im Zusammenhang mit einer Seereise des griechischen Forschungsreisenden Pytheas von Massalia. Er gelangte um 350 v.Chr. unter anderem bis zur Elbmündung.
  • Im Jahre 16 geriet eine vom Feldherrn Germanicus geleitete Flottenexpedition nahe der jütischen Halbinsel in Seenot. Die römischen Legionäre betraten die wegen des Bernsteins so genannte Insel „glaesaria“.
  • Dem Bischof und Chronisten Adam von Bremen zufolge nahm Helgoland im 11. Jhd. noch eine Fläche von 12 mal 6 km ein. Bei einer der vielen Sturmfluten im späten Mittelalter wurde das östliche Gebiet abgetrennt und bildete fortan die selbständige Insel „Südstrand“. Diese ging sehr wahrscheinlich während der „Großen Manndränke“ im Jahre 1362 unter. Auf einer Wattenkarte des Husumer Karthographen Johannes Mejer aus dem Jahre 1652 ist die ursprüngliche Lage der mittelalterlichen Inseln „Helgolandt“ und „Suderstrand“ noch gut erkennbar.
  • In der Neujahrsnacht 1720/21 wurde die Felseninsel durch eine Sturmflut von der „Düne“ getrennt. Beide Teile nehmen heute zusammen eine Fläche von etwa 2 km² ein, das ist etwa 1/200 der vermutlichen Größe der bronzezeitlichen „Königs- und Säuleninsel“ Basileia.

Atl010Abb. 8:
Das mittelalterliche Helgoland auf einer Karte des Husumer Karthographen Johannes Mejer (Außenkontur um das Jahr 800; graue Fläche: um das Jahr 1300; kleine Insel 1649)

Die im letzten Krieg schwer gezeichnete, aber nach 1952 neu bebaute Hochseeinsel zieht wieder viele Besucher an. Ein Blick vom Oberland in Richtung Düne lässt heute kaum noch den Gedanken an eines der bedeutendsten Handels- und Kultzentren der Bronzezeit aufkommen. Als einzige Erinnerung daran ist nur der Name „Helgoland“ – Heiliges Land – geblieben.

Seit Platons Zeiten beflügelte die Legende von Atlantis menschliche Phantasie und Forscherdrang. Die archäologischen Entdeckungen des vorigen Jahrhunderts brachten schließlich die entscheidenden Erkenntnisse, die der Forscher Jürgen Spanuth in einer wissenschaftlich fundierten Theorie zusammenfassen konnte. Die Lösung des alten Rätsels führte überraschenderweise zu unseren eigenen, erstaunlich hoch entwickelten Vorfahren und ihren europäischen Nachbarn. Die wertvollen frühgeschichtlichen Überlieferungen über die Atlanter, Phäaken und Hyperboreer werden dazu beitragen, die Lebensweise dieser Menschen besser zu verstehen.

Die große Ebene

 

[64] Schon immer bemühten sich Forscher bei der Suche nach dem legendären Inselreich auch um die Klärung der Frage, wo sich die große Ebene von Atlantis ausgebreitet haben könnte. Sie soll von annähernd rechteckiger Gestalt gewesen sein und 2000 mal 3000 Stadien (etwa 370 mal 555 km) gemessen haben [65]. An ihrem Rand hätte die Insel Basileia mit dem von Land- und Wasserringen umgebenen Kultzentrum gelegen und im Norden hätten Berge „an Zahl, Größe und Anmut alle anderen übertroffen“. Eine gute Atlantistheorie sollte diese nicht unwesentlichen geographischen Details sinnvoll interpretieren können.

Betrachtet man die bedeutendsten Hypothesen darauf hin näher, dann waren die bisherigen Erklärungsversuche mehr oder weniger unbefriedigend. Bei der früher häufig diskutierten Thera-/Kreta-Theorie besitzt keine der beiden Inseln eine Ähnlichkeit in den Abmessungen und in der Oberflächengestalt. Auch die Ebenen in Südengland, Nordwestfrankreich und bei der südspanischen Hafenstadt Gadiz wurden bereits in Betracht gezogen, aber sie weichen deutlich von der Rechteckform ab oder sind zu klein. Besser trafen schon die Vorstellungen des französischen Ingenieurs J.Deruelle zu. Bei seiner Deutung reichte die Ebene in der Jungsteinzeit von den Niederlanden bis zur Doggerbank. Doch hier fehlt das ausdrücklich erwähnte Gebirge im Norden.

Auch die ansonsten sehr überzeugende Theorie von J.Spanuth stimmte bisher in diesem Punkt nicht wie erhofft überein. Das Ausbreitungsgebiet der Nordischen Bronzekultur war zwar größtenteils eben, aber die geforderte Längsausdehnung von 3000 Stadien wird sowohl bei einer N-S-Ausrichtung des Rechtecks (Südnorwegen bis Norddeutschland) als auch bei einer O-W-Ausrichtung (Wesermündung bis zur Insel Gotland) um ein Drittel überschritten. Außerdem wäre die Ebene durch den Skagerrak und die westliche Ostsee von größeren Wasserflächen unterbrochen gewesen [66].

Mit einer verblüffenden Lösung des Problems trat im Jahre 2004 der pensionierte Gymnasiallehrer H.-W. Rathjen aus Minden an die Öffentlichkeit. Er ließ bei seiner Betrachtungsweise kurzerhand die Gebiete Südskandinaviens mit ihren „umlaufenden Bergen“ weg und grenzte die ehemals durchgängige Ebene auf Norddeutschland, die Halbinsel Jütland und die dänischen Inseln ein. Anhand der Land- und Wasserverteilung am Ende der Bronzezeit erkannte er ein um 20° von der N-S-Richtung abweichendes Rechteck mit einer sehr guten Übereinstimmung in den Abmessungen: Kap Skagen an der Nordspitze Dänemarks ist vom Odermündungsgebiet bei Stettin tatsächlich 3000 Stadien entfernt, und die Distanz zwischen Helgoland und dem Öresund beträgt recht genau 2000 Stadien (s. Abb. 9).

Als Rechtecksgrenze innerhalb Deutschlands nimmt H.-W. Rathjen die südliche Ausbreitung der Nordischen Bronzekultur einschließlich der so genannten Stader Gruppe, der Lüneburger und der Allermündungs-Gruppe an [67]. Die Atlanter haben offenbar das gesamte zumeist flache Land nördlich des Weserberglands bis hin zur Oder als ihren Lebensraum betrachtet. Der südliche Eckpunkt der Ebene, der wie der Ostpunkt keine geographisch exponierte Lage aufweist, kann demnach bei Minden angenommen werden, dem heutigen Kreuzungspunkt von Weser und Mittellandkanal. Die von Norden her genauer ausgemessene theoretische Südecke liegt allerdings in der Nähe der Externsteine im Teutoburger Wald. Vielleicht waren sich die Bronzeleute sogar dieses Zufalls bewusst, denn das hoch aufragende Felsengebilde wurde in vorgeschichtlicher Zeit als astronomische Beobachtungsstätte und möglicherweise auch als Ortungspunkt genutzt.

Atl11Abb. 9:
Die von H.-W. Rathjen rekonstruierte große Ebene von Atlantis

Zum „Reich des Atlas“ gehörten auch Landesteile von Norwegen, Schweden und Deutschland, doch nur Dänemark lag vollständig innerhalb der ehemaligen großen Ebene. Dieses fast durchweg flache Land büßte in den letzten 7000 Jahren mehr als die Hälfte seines ursprünglichen Territoriums durch Sturmfluten und andere Naturkatastrophen ein [68]. Heute überwiegt die Wasserfläche zwischen Jütland, Rügen und Südschweden, aber im 13. Jh. v.Chr., also unmittelbar vor dem Untergang der zentralen Gebiete von Atlantis, waren die großen dänischen Inseln Seeland, Fünen, Lolland und Falster durch merklich schmalere Belte getrennt. Etliche gegenwärtig existierende Inseln waren damals untereinander oder mit dem Festland verbunden. Auch die Westküste Jütlands säumten sehr viele inzwischen versunkene Inseln. Eine bronzezeitliche Landkarte hätte schon besser die Außenkontur des annähernd rechteckigen Tieflands hervorgehoben. Noch klarer trat sie zu Beginn der Jungsteinzeit um 5000 v.Chr. hervor. Hier vervollkommnete die Jütlandbank als Festland die NW-Spitze des Rechtecks, und die dänischen Ostseeinseln bildeten von Rügen bis Kap Skagen eine überwiegend geschlossene Landfläche [69].

Die Abweichung der idealisierten Ebene um 20° von der Nordrichtung ist an ihrer östlichen Seite noch gut erkennbar. Nicht nur die südwestschwedische Küste entlang des ehemals viel schmaleren Kattegats besitzt diese Ausrichtung, sondern auch die gedachte Verlängerung bis zur Odermündung. Die Westseite der Ebene hingegen wurde noch im 5. Jts. v.Chr. von einem mächtigen Strom begrenzt, der durch den Zusammenfluss von Weser, Elbe und Eider nordwestlich von Helgoland entstand. Die gemittelte Richtung dieser „Ur-Weser“ von Minden bis zur ehemaligen Mündung zwischen der Jütland- und der Doggerbank verlief annähernd parallel zur Ostseite der Ebene und ist heute noch anhand der 25 m – Tiefenlinie der Nordsee nachvollziehbar (s. Abb. 10) [70].

AtlE12

Abb. 10:
Südliche Nordsee im 7. Jts. v.Chr. mit festem Land (grau) sowie der noch vollständigen „Großen Ebene“ (Rechteck)

Das zumeist sehr flache norddeutsche und dänische Tiefland wird nur von wenigen Erhebungen unterbrochen; die Helpter Berge in Ostmecklenburg erreichen als höchste nicht einmal 180 m. Das Landschaftsbild dieser Ebene wurde von vielen Binnenseen, kleinen Flüssen, Fjorden und Sunden geprägt. Der große Reichtum an Gewässern bot den Menschen an den Küsten wie auch im Binnenland günstige Bedingungen zum Siedeln. Die Bronzeleute lebten offenbar in einem gewissen Wohlstand, denn nach Platons Beschreibung hatte die von Bergen umfasste Ebene „… viele reiche Ortschaften der Umwohnenden sowie Flüsse, Seen und Wiesen zu ausreichendem Futter für alles wilde und zahme Vieh …“.

Mit den „umlaufenden Bergen“ außerhalb der Ebene waren sicherlich im Süden die deutschen Mittelgebirge, in Schweden die flachwellige Waldlandschaft von Småland und im Norden die schneebedeckten, über 2000 m hohen Gipfel der norwegischen Fjordlandschaft gemeint, die die Atlanter wegen ihrer einzigartigen Schönheit rühmten.

Kanalbauer zwischen Nord- und Ostsee

Die Schifffahrt stellte schon in der Jungsteinzeit, aber mehr noch in der Bronzezeit die wichtigste Fortbewegungsart über weite Entfernungen dar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Bronzeleute die vorhandenen Wasserwege noch ausbauten und einige Flüsse durch Kanäle und Schleusen verbanden [71]. Im Atlantisbericht ist mehrfach von „Gräben“, also Kanalbauten die Rede, darunter von einem „Superkanal“ mit 31 m Tiefe und 10.000 Stadien (1850 km) Länge, der die ganze Ebene umschlossen haben soll [72]. Platon selbst bezweifelte diese unglaublichen Angaben, gab sie aber dennoch zahlengetreu wieder. Durch die Entdeckung von H.-W. Rathjen lässt sich dieses wichtige Detail jetzt sinnvoll interpretieren. Natürlich existierte zu keiner Zeit ein Kanal dieser Länge, aber der Informant unter den aus dem Norden abgewanderten Philistern wollte damit offenbar ausdrücken, dass ein Schiff vollständig die große Ebene teils auf natürlichen Gewässern, teils auf künstlich geschaffenen Kanälen umfahren konnte.

Eine bronzezeitliche Schiffsbesatzung wäre auch beim damaligen Küstenverlauf problemlos von der Odermündung aus durch den Öresund in das Kattegat gelangt, hätte Dänemark durch den Skagerrak umschifft und wäre dann entlang der Inseln vor der Westküste Jütlands bis zum Mittellauf der Weser gesegelt. Heute gäbe es ab Minden den Mittellandkanal, den Elbe-Havel-Kanal und den Oder-Havel-Kanal, um die tatsächlich rund 1850 km lange Schiffsroute wieder in der Oder enden zu lassen. Ein durchgehendes bronzezeitliches Kanalsystem wird von den meisten Archäologen noch bezweifelt, aber der Berliner Historiker K.Goldmann nimmt eben dieses durchdachte System von Wasserstraßen von der Weichsel bis zum Rhein bereits für die Bronzezeit an [71].

Welche Bedeutung die Atlanter der vollständigen Umschiffbarkeit und der äußeren Gestalt der Ebene beimaßen, geht aus einer bisher unverstandenen Bemerkung hervor. Was „am Viereck fehlte“, schreibt Platon, „glichen sie mit einem ringsherum ausgehobenen Graben aus“. Die Bronzeleute empfanden es offenbar als Nachteil, dass am Südrand der Ebene und damit an der Grenze ihres Herrschaftsbereiches kein west-östlich verlaufender schiffbarer Fluss existierte. Um diesen Mangel zu beheben, legten sie demnach einen Kanal an. Sicherlich bezog man dabei zur Verminderung des hohen Arbeitsaufwandes möglichst viele Flüsse und Seen zwischen Weser und Oder mit ein.

Eine Art Nord-Ostsee-Kanal der Bronzezeit war der Eider-Schlei-Weg. Er verband das Nordseegebiet nahe der Kult- und Handelsmetropole Althelgoland/Altsüdstrand auf direktem Wege mit der Ostsee und teilte die Ebene in zwei annähernd gleich große Hälften. Der bronzezeitliche Eiderverlauf über die Treene, die Rheider Au bis zur Schlei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit bei Schleswig durch ein Kanal- und Schleusensystem ergänzt, um eine durchgängige Verbindung in das „jenseitige Meer“ herzustellen.

Das im Südwesten der Ebene zwischen Weser und Leine gelegene Steinhuder Meer hat sicher ebenfalls eine verkehrsgeographisch bedeutende Rolle gespielt. Es war zudem – genau wie Helgoland – ein Vogelparadies und eine Drehscheibe des Vogelflugs in Mitteleuropa.

Der Bau von Kanälen, Schleusen und Deichen erforderte Organisationstalent, ingenieurtechnisches Wissen und mathematische Kenntnisse, aber er förderte dies zugleich. Der ständige Kampf gegen Meeresgezeiten und Landverluste prägte die Bronzeleute und zwang sie zu hochqualifizierter gemeinschaftlicher Arbeit. Dies scheint den Atlantern des Kernreiches im Laufe der Jahrhunderte die bei Platon erwähnte Führungsrolle unter den zehn Königreichen eingebracht und die Entwicklung eines geordneten Staatswesens beschleunigt zu haben. Bei der Organisation der Bauvorhaben und des öffentlichen Lebens spielten offenbar auch geometrische Überlegungen eine große Rolle. Die Querkanäle, die die Hauptwasserstraßen verbanden, wurden nicht willkürlich angelegt, sondern hatten den Angaben zufolge 100 Stadien Abstand voneinander. Des Weiteren hatte ein 10 mal 10 Stadien großer Bezirk im Kriegsfalle ein bestimmtes, genau festgelegtes Militärkontingent zu stellen.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Erkenntnisse klärt sich höchstwahrscheinlich ein weiteres Rätsel der Vorgeschichte Schleswig-Holsteins auf. H.Zschweigert machte 1997 auf eine frühere Entdeckung von G.Carstens aufmerksam, wonach vorgeschichtliche Kultanlagen entlang eines gedachten rechtwinkligen Gitternetzes angelegt worden seien [73]. Unverständlich daran war nur die 20°-Abweichung der Linien von der Nordrichtung (genau 341° Azimut), die weder astronomisch noch anderweitig einen Sinn ergab. Der Zusammenhang wird nun erst erkennbar: die prähistorischen Vermesser und Baumeister waren offenbar bestrebt, die Wege und Verbindungslinien zwischen bedeutenden Bauwerken und Kultstätten parallel zu den Außenseiten der idealisierten großen Ebene auszurichten. Da Vergleichbares noch nie zuvor bei anderen Völkerschaften beobachtet wurde, verdient diese Leistung der Bronzeleute und ihrer Vorfahren eine ähnliche Anerkennung wie die Organisation des Pyramidenbaus in Ägypten.

AtlE13Abb. 11:
Das Gebiet der Atlanter heute (NASA-Aufnahme)

Erdvermessung vor 5000 Jahren?

Die konkreten Größenangaben Platons zur Atlantisebene und ihre gute Übereinstimmung mit der Wirklichkeit lassen sich nur durch eine tatsächlich vorgenommene Vermessung erklären. Sie muss schon sehr frühzeitig stattgefunden haben, vielleicht im 5. oder 4. Jts. v.Chr., als Helgoland noch mit dem Festland verbunden war und „Ur-Dänemark“ eine größtenteils zusammenhängende Landfläche aufwies. Ausgangspunkt und Richtung der Messung können sogar in einem Falle dem Atlantisbericht entnommen werden: „vom Meere landeinwärts in der Mitte 2000 Stadien breit“ bedeutet nichts anderes als vom Kultzentrum Althelgoland aus quer über die Ebene nach dem Öresund zu. Der Nullpunkt der Messung war sicherlich ein Punkt nahe der Mitte oder sogar das Allerheiligste auf dieser Insel, die mit Bernstein verzierte große Weltsäule im Zentrum des Burghügels [74].

Warum aber wurde als Längeneinheit zur Landvermessung gerade 185 m gewählt und nicht das Hundertfache oder Tausendfache des Megalithischen Yards (83 cm)? Vermutlich war die alte Vorliebe der Menschen für kleine ganze und „runde“ Zahlen ausschlaggebend dafür. Man suchte nach einer „heiligen“, in der Natur vorkommenden Distanz mit einer hohen symbolischen Bedeutung und fand sie in der Breite des kleinsten Wasserringes auf Althelgoland. Er umgab den zentralen Kultbereich der Insel Basileia und hatte Platon zufolge „eines Stadions Breite“. Die anderen Land- und Wasserringe besaßen die doppelte und dreifache Breite, der Durchmesser der innersten Zentralinsel betrug 5 Stadien, die Kanallänge bis zum Meer „runde“ 50 Stadien und die Ebene umfasste annähernd 2000 mal 3000 Stadien. Eine „perfekte“ Maßeinheit war also mit einem Stadion von 185 m Länge gefunden worden. Die örtlichen Gegebenheiten auf Althelgoland könnten auf diese Weise „Maß“-gebend für das älteste Längenmaß zur Landvermessung in Alteuropa geworden sein [75].

Irgendwann nach Vermessung der Ebene entstand bei den Priesterastronomen oder den vorgeschichtlichen Seefahrern sicher auch der Wunsch, die Größe der ganzen Nordhalbkugel in Erfahrung zu bringen. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass dieses anspruchsvolle Vorhaben wirklich in Angriff genommen wurde, und das schon lange vor Eratosthenes, dem ersten namentlich bekannten Erdvermesser. H.Zschweigert verweist dazu auf merkwürdige, nur schwer verständliche Passagen in den Edden, wonach Walhall und Thors Palast Bilskirnir in 540 Abschnitte unterteilt gewesen seien. Möglicherweise ist damit die Länge des Erdquadranten gemeint, wenn einem Abschnitt ein Längenmaß von 100 Stadien zugrunde gelegt wird. 54.000 Stadien Gesamtlänge (etwa 9990 km) weichen in der Tat nur wenig von der Wirklichkeit ab [76].

Eine praktikable Methode zur Erdumfangsbestimmung in den nördlichen Breiten und mit einfachen Hilfsmitteln bestand in der Messung des Höhenwinkels beim damaligen Polarstern. Sie musste an zwei verschiedenen Orten erfolgen, die einigermaßen genau auf einem Meridian lagen und möglichst weit voneinander entfernt waren. Die Bewohner der großen Ebene besaßen gute Voraussetzungen für eine derartige Aufgabe. Möglicherweise waren bei den Kanal- und Deichbauern die erforderlichen Winkelmessgeräte bereits im Gebrauch. Eine ausreichend lange und wegen des flachen Landes gut ausmessbare N-S-gerichtete Strecke könnten sie nahe des 10. östlichen Längengrades vorgefunden haben. Die heutige Hafenstadt Hirtshals am Skagerrak ist von Celle im Süden 3000 Stadien entfernt. Auf dieser Länge ändert sich für einen Beobachter der Höhenwinkel des Himmelsnordpols um 5°, einem Achtzehntel des rechten Winkels. Aus diesem Verhältnis konnte leicht die Länge des Erdquadranten von 54.000 Stadien berechnet werden [77].

Dank der Präzessionsbewegung der Rotationsachse unseres Planeten lässt sich ein wahrscheinlicher Zeitpunkt für die vorgeschichtliche Erdvermessung bestimmen. Nur selten stand nämlich in den letzten Jahrtausenden ein ausreichend heller Stern ganz nah am Himmelsnordpol. Unser heutiger Polarstern an dieser Stelle ist langfristig gesehen die Ausnahme. Davor erfüllte der etwas schwächere Thuban im Sternbild Drache die Funktion als genauer Nordweiser, und zwar zwischen 3000 und 2650 v.Chr. [78]. Man darf den Menschen dieser Zeitepoche durchaus zutrauen, einen „Eratosthenes der Jungsteinzeit“ hervorgebracht zu haben, denn gerade der europäische Norden bot – wie bereits erwähnt – günstige Voraussetzungen für astronomische Entdeckungen sowie die Entdeckung der Kugelgestalt der Erde.

Wenn auch einige dieser Gedanken noch spekulativ sind, so gibt es doch mehrere Hinweise für eine intensive Beschäftigung mit der Landvermessung und die frühe Verwendung der Längeneinheit „Stadion“. H.Zschweigert fand in den letzten Jahren viele „Zufälligkeiten“ heraus. So gibt es in Schleswig-Holstein etliche Grundstücks- und Flurnamen mit Bezug auf diese Tätigkeiten wie „Maasholm“, „Rote Maas“, „Winkelholm“ usw., die überdies noch in geometrischer Beziehung zueinander stehen. Nicht zuletzt könnte es einen Zusammenhang der Bezeichnung „Stadion“ mit „Stade / Gestade“ und einer Häufung der Ortsnamen auf „stade“ im Elbe-Weser-Dreieck geben [79].

Die jüngsten Forschungen zur großen Ebene haben die vor einem halben Jahrhundert erstmals veröffentlichte Theorie von Jürgen Spanuth in einem wichtigen Punkt bereichert. Mehrere Angaben aus Platons Atlantisbericht sind nun verständlicher geworden. Zukünftige archäologische Entdeckungen werden zur weiteren Deutung dieser wertvollen Überlieferung aus der Bronzezeit beitragen und das Bild von einer hoch entwickelten vorgeschichtlichen Kultur im nördlichen Mitteleuropa ergänzen.

Die bronzezeitliche Metropole Althelgoland

[80] Es war nach dem gängigen Geschichtsbild nicht unbedingt zu erwarten, dass sich fernab der bekannten Mittelmeerkulturen Hinweise auf hochstehende Völkerschaften „jenseits der Säulen der Herakles“ finden lassen. Inzwischen zeugen solche Entdeckungen wie die „Himmelsscheibe von Nebra“, die frühen neolithischen Kreisgrabenanlagen in Mitteldeutschland und Funde im deutschen Wattenmeer aus mykenisch-minoischer Zeit von einer bemerkenswerten Zivilisation, wie sie vor hundert Jahren noch nicht in dieser Region für möglich gehalten wurde. Um jedoch zu verstehen, warum sich gerade im Gebiet der Helgoländer Bucht ein bedeutendes Kult- und Handelszentrum der Vorzeit entwickeln konnte, muss man weit in die Vergangenheit zurück blicken.

Als sich Europa nach der letzten Eiszeit wieder erwärmte, hatte dies auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Land- und Wasserverteilung zwischen Großbritannien und Skandinavien. Die Südgrenze der Nordsee verlief vor 9000 Jahren noch zwischen Schottland und Nordjütland (Abb. 10). Südlich davon war zu jener Zeit trockenes Land, und das Gebiet um Helgoland befand sich 300 km von der Meeresküste entfernt. Trotzdem besaß es schon damals eine bevorzugte Lage. Mitten in der flachen Landschaft erhob sich unvermittelt der braun-rote Buntsandsteinfelsen, daneben die ebenso hohe, strahlend weiße „Witte Klyppe“ aus Kreide und Gips sowie ein mit kohlensaurem Kupfer imprägnierter schwarzblau gefärbter Felsen. Solche geologisch interessanten Einzelformationen zogen die Menschen schon immer zu Kultzwecken an, wie beispielsweise die Externsteine bei Detmold oder der Ayers Rock in Australien belegen.

Als Folge der allmählichen Entlastung der skandinavischen Halbinsel vom Eispanzer sank das Gebiet der südlichen Nordsee kontinuierlich ab, nach extremen Naturkatastrophen manchmal auch abrupt [81]. Das Meer verschlang schrittweise die Festlandgebiete zwischen Dänemark und England, bis um 2000 v. Chr. nur noch eine Inselkette westlich der jütischen Halbinsel übrig blieb. Die Nordsee hatte sich nunmehr bis zu einer Linie nördlich von Helgoland ausgebreitet, das inzwischen selbst zur Insel geworden war. Ihre Lage im südöstlichen Winkel des atlantischen Randmeeres war nun noch günstiger geworden, denn die weit ins Binnenland führenden Flüsse Elbe und Weser sowie die nahe der Ostseeküste entspringende Eider waren von großem Vorteil für den in der Bronzezeit aufkommenden europaweiten Handel mit wertvollen Gütern (Abb. 2) [87].

„Das meiste aber zum Bedarfe des Lebens bot die Insel selbst“. Diese Anmerkung Platons trifft sicher nicht mehr auf das heutige Helgoland zu, sie gibt aber recht genau die natürlichen Gegebenheiten in der Bronzezeit wieder. Das überaus fruchtbare Marschland erstreckte sich östlich der Felsengruppe etwa 20 km weit in Richtung Eiderstedt. Das Klimaoptimum in der Bronzezeit brachte die wärmste Periode nach der Eiszeit hervor. Die Felder wurden der Überlieferung zufolge bewässert und ermöglichten zwei Ernten im Jahr. Es wurden wahrscheinlich sogar Apfelplantagen angelegt, denn in verschiedenen griechischen Sagen, die sich auf diese Region beziehen, spielen Äpfel eine Rolle. Außerdem bezeichneten die Kelten das an dieser Stelle zwischenzeitlich wieder aufgetauchte Eiland als „Abalus“, die „Apfelinsel“ [82].

Darüber hinaus gab es auf Althelgoland zwei Rohstoffe, die beide mit Gold aufgewogen werden konnten. Zum einen war es der hauptsächlich auf dieser Insel gefundene Bernstein, den man in ganz Europa schätzte und der in der Bronzezeit bis nach Ägypten exportiert wurde. Des Weiteren nutzte man die auf der Insel gefundenen Kupfermineralien ab etwa 4000 v. Chr. für die Herstellung erster metallischer Gebrauchsgegenstände in dieser Region. Das Helgoländer Kupfererz zeichnet sich speziell durch seinen hohen Arsengehalt aus. Das daraus gewonnene Kupfer war deshalb auch ohne Beimischung von Zinn so hart, dass es sich gut zur Herstellung von Waffen eignete. Eine lokale Besonderheit erleichterte dabei den Inselbewohnern die Erzgewinnung außerordentlich. Das Rohkupfererz musste nicht wie bei vielen anderen Lagerstätten mühselig untertage abgebaut werden, sondern es trat infolge der Schrägstellung der geologischen Schichten damals an der westlichen Oberkante des Buntsandsteinfelsens und auch „im Inneren der Insel“ in Bodennähe zutage [83].

Das Vorhandensein großer Mengen an Bernstein und Kupfermineralien sowie die günstige geografische Lage waren somit entscheidend dafür, dass sich Handel und Handwerk besonders gut entwickeln konnten und die Stammesfürsten auf Althelgoland im Laufe der Jahrhunderte unvorstellbaren Reichtum erlangten. Platon beschreibt die mit Oreichalkos, Gold und Silber verzierten Bauwerke und Gegenstände im innersten heiligen Bezirk sehr anschaulich, darunter beispielsweise einen riesigen rechteckigen Tempel, mehrere überlebensgroße Götterbilder, die Weltsäule und ein Standbild des Poseidon. Auch der antike griechische Dichter Homer rühmt in seinen Phäaken-Gesängen Alkinoos’ Palast, „der vor allen strahle“ [84]. Um sich eine annähernde Vorstellung vom Glanz und Reichtum einiger Gebäude zu machen, sei nur an das inzwischen wieder entstandene Bernsteinzimmer in Puschkin (bei St. Petersburg) erinnert.

Auf der über 400 km² großen Insel Althelgoland könnten nach grober Schätzung mehrere zehntausend Einwohner gelebt haben. Für bronzezeitliche Verhältnisse entsprach das einer Großstadt [85]. Sehr anschaulich werden im Atlantisbericht die Zustände in der geschäftigen Handelsmetropole geschildert: „Dies alles (d. h. der äußere Wasserring; Anm. d. Verf.) war umgeben von dicht gedrängten Wohnungen; die Seezufahrt und der größte Hafen wimmelte von Schiffen und Kaufleuten, die von allen Orten dort zusammen strömten und durch ihr massenhaftes Auftreten bei Tag und bei Nacht Geschrei, Getümmel und Lärm mannigfacher Art verursachten“ [86].

Ein letztes, den urbanen Lebensstil unterstreichendes Detail sei noch angemerkt. Eine auf der Insel entspringende kalte und eine warme Quelle nutzte man, um für das Wohlbefinden der Bewohner mehrere Badeanstalten zu errichten, teils unter freiem Himmel, teils „in bedeckten Räumen“ für den Winter. Dieser Luxus war nicht nur den Königen vorbehalten, sondern es gab auch separate Bäder für die Untertanen und für Frauen.

Das Kult- und Handelszentrum Althelgoland war einst – das bezeugen die Überlieferungen – im ganzen Nordseeraum und weit darüber hinaus bekannt. Spätestens in der Bronzezeit drang die Kunde von dieser außergewöhnlichen Insel bis zu den Mittelmeerländern [87]. Die auf ihr gelegene Metropole dürfte in jenen Jahrhunderten eine ähnliche Ausstrahlung gehabt haben wie das antike Rom um die Zeitenwende.

Die Brücken von Basileia

Leider ist aus geologischer und archäologischer Sicht nur wenig über das tatsächliche Aussehen der bronzezeitlichen Insel und die darauf befindlichen Bauwerke bekannt. Bei den von J. Spanuth in den 1950er Jahren geleiteten Tauchexpeditionen stieß man auf dem Steingrund 10 km nordöstlich der Düne immerhin auf Türangelsteine, parallele Steinwälle, gepflasterte Straßen und gefugten Fliesenbelag. Das war angesichts der schlechten Bedingungen in der Nordsee mehr als erwartet. Eine wirklichkeitsgetreue Rekonstruktion von Althelgoland war beim damaligen Stand der Technik allerdings nicht möglich und wird auch in Zukunft schwierig sein. So blieb bis heute ungeklärt, wie gut Platons Überlieferung mit der Realität vor 3300 Jahren übereinstimmt. Doch es gibt hierzu neue, verblüffende Erkenntnisse.

Der griechische Philosoph beschrieb „Basileia“, die Stadt und Insel des Poseidon, sehr detailliert, aber einige seiner Aussagen erscheinen so unglaubwürdig, dass sie selbst von Atlantis-Befürwortern angezweifelt wurden. Es betrifft vor allem die Schilderung einer gigantischen Anlage von konzentrischen Land- und Wasserringen um den innersten Kultbereich, dem heiligsten Teil von Basileia. Der äußere und größte Wasserring soll drei Stadien (555 m) breit gewesen sein und einen Außendurchmesser von 27 Stadien (5 km) gehabt haben. Von dort aus soll ein drei Phlethren (93 m) breiter, 100 Fuß tiefer und etwa 9 km langer Kanal die Verbindung zum offenen Meer hergestellt haben. Die Ansicht des Prähistorikers G. Kehnscherper schien daher gerechtfertigt zu sein, dass diese Anlagen nicht wirklich existierten, sondern ihrer Beschreibung lediglich ungenaue Vorstellungen der Mittelmeeranwohner über kreisförmige Anlagen im Norden, speziell über das Stonehenge-Heiligtum, zugrunde lagen [88].

Dem Hollingstedter Privatforscher Hermann Zschweigert ist allerdings vor wenigen Jahren eine Entdeckung gelungen, der zufolge es diese konzentrischen Ringgewässer, Kanäle, Schleusen und Brücken sehr wahrscheinlich doch auf dieser Insel gab, auch wenn die Größenangaben vorerst nicht überprüfbar sind. Ausgangspunkt der Überlegungen waren die seit langem bekannten bronzezeitlichen Prunkschilde vom Typ „Herzsprung“. Ihren Namen erhielten die im Jahre 1844 von einem Bauern entdeckten, etwa 70 cm großen Exemplare nach ihrem Fundort in der Ostprignitz (NW-Brandenburg). Die meisten Prunkschilde dieser Art wurden seither im Verbreitungsgebiet der Nordischen Bronzekultur gefunden, die anderen verstreut im übrigen Europa. Ihre eigenartige Ornamentik konnten die Archäologen bisher nicht befriedigend deuten, und so bezeichneten sie beispielsweise die zwei halbkreisförmigen kleinen Leisten als „Möndchen“, „mondsichelartige Hörnchen“ oder als „u-förmige Bögen“ (Abb. 7 und 12).

Atl14Atl15.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

Atl16.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Atl17

Abb. 12 a – d:
Herzsprung-Schilde; Paar aus Herzsprung (a), aus Dänemark und Südschweden (d)

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

..

.

Als H. Zschweigert 2004 das Foto eines Herzsprung-Schildes auswertete, das er bei einem Besuch des Vitlycke-Museums in Tanum (Südschweden) gemacht hatte, erkannte er mit einem Mal die Bedeutung der ungewöhnlichen Muster: es handelt sich hierbei um stilisierte Darstellungen wichtiger Bauwerke der Insel Basileia [89]. Die Übereinstimmungen mit Platons Überlieferung sind in der Tat frappierend. Die zwei äußeren, leicht ovalen konzentrischen Leisten entsprachen in der Realität offenbar den von Wasserringen eingegrenzten zwei Landringen, und die halbkreisförmigen „Möndchen“ geben die bogenförmigen Brücken über die inneren Verbindungskanäle wieder. Mit dieser ersten Erkenntnis erschlossen sich dann auch die weiteren Besonderheiten der bronzezeitlichen Anlage: der zum Meer führende breite und lange Kanal wurde als dreifache Buckelreihe dargestellt, die mit Oreichalkos verkleidete Mauer rund um die knapp 1 km große Mittelinsel als weitere kreisförmige Leiste. Auch für den bei anderen Schildarten untypischen großen Buckel in der Mitte gab es eine sinnvolle Entsprechung in der Wirklichkeit: er sollte den niedrigen Burghügel in der Mitte von Basileia darstellen.

Mit Hilfe weiterer Details auf den Schilden lässt sich das Aussehen Althelgolands mosaikartig vervollständigen. Der innerste Ring ist nicht vollständig geschlossen. Wahrscheinlich war die Umfassungsmauer an dieser Stelle für eine Schiffsanlegestelle oder einen Hafeneingang direkt am heiligen Bezirk unterbrochen. Die Gezeitenwirkung konnte im inneren Wasserring vernachlässigt werden, denn die zwei schmalen Kanäle waren mit „Toren und Türmen“, also Schleusen ausgestattet. Die Deutung als Maueröffnung wird auch dadurch gestützt, dass bei einigen im Nationalmuseum Kopenhagen ausgestellten Herzsprung-Schilden die erhabene zentrale Kreisfläche mit einer runden Aussparung versehen wurde, was offenbar eine dahinter gelegene geschützte Hafenbucht darstellt (Abb. 12c). In der Mitte des sehr breiten Außenkanals könnte sich wiederum eine Bojenreihe, ein Wellenbrecher oder etwas Ähnliches befunden haben, dargestellt durch die mittelste der drei annähernd radial verlaufenden Buckelreihen.

AtlDetail

Schließlich wurde bei manchen Herzsprung-Schilden außen noch ein fortlaufender Kreis aus Wasservögeln dargestellt (Abb. 12d). Die Hyperboreer-Sagen erwähnen diesbezüglich eine Insel „Elektris“ oder „Helixoia“ im „Nördlichen Ozean“ an der Mündung des Bernsteinflusses Eridanos, auf der es einen Teich mit heiligen Schwänen gegeben haben soll [90].

Manchmal wurden die Herzsprung-Schilde auch paarweise gefunden, und auf dem einfacher gestalteten Schild waren lediglich die zwei Landringe mit den beiden Brücken stilisiert wiedergegeben. Diese weit gespannten Bauwerke haben die Seeleute offensichtlich besonders beeindruckt, wenn sie die Kanäle entlang fuhren und geradewegs vor sich den auf einem Hügel errichteten prachtvollen Königspalast sahen [91].

Gleich mehrere markante Einzelheiten des Inselaufbaus lassen sich also in der ungewöhnlichen Ornamentik der Herzsprung-Schilde wieder erkennen. Mit anderen Worten, die Verzierungen auf diesen Prunkschilden können als mehr oder weniger detaillierter „Stadtplan“ von Althelgoland interpretiert werden. Einmal mehr weist diese Entdeckung auf die Lage des Kerngebietes von Atlantis hin.

In der Kunst der Nordischen Bronzekultur stößt man aber noch auf weitere Gegenstände, die höchstwahrscheinlich das weithin bekannte Zentrum schematisiert wiedergeben. Die konzentrischen Kreisringe, die mit abwechselndem Muster die Land- und Wasserringe darstellen sollen, sind sehr häufig anzutreffen. Die von den „Bronzejuwelieren“ mit hoher Präzision hergestellten Bänder aus Doppelspiralen und kleinen Kreisen symbolisieren dabei die Wasserringe. Man findet sie beispielsweise auf beiden Scheibenseiten des Sonnenwagens von Trundholm und vielen anderen Kunstgegenständen. Bei den modebewussten Frauen waren vergoldete, mit dem Ringmotiv verzierte Gürtelscheiben sehr beliebt, die im Mittelpunkt einen Dorn aufweisen (Abb. 13). Er stellte vermutlich stark vereinfacht die mit Oreichalkos überzogene Weltsäule auf dem Burghügel dar. Ähnlich wie für die Christenheit das Kreuz zum Symbol ihrer Religion wurde, erlangte das konzentrische Ringmuster eine besondere Wertschätzung bei den Bronzeleuten. Es brachte den Stolz auf das Zentrum ihrer Kultur zum Ausdruck (Abb. 15).

Atl18Atl19jpg

.

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

Atl20Abb. 13 a – c:
Gürtelscheibe mit Dorn und Ringmotiv mit stilisierten Wasserwellen
(Mädchen mit Gürtelscheibe, Gesamtansicht sowie Ausschnitt von der Scheibenmitte)

Eine Hochburg alteuropäischer Astronomie

Als die Archäologen erstmals die Himmelsscheibe von Nebra in den Händen hielten, waren sie sehr überrascht. Ein solches komplexes astronomisches Wissen hatte man den bronzezeitlichen Kulturen in Mitteleuropa bisher nicht zugetraut. Vielleicht wäre man über den erstaunlichen Kenntnisstand unserer Vorfahren nicht so verwundert gewesen, wenn man den frühgeschichtlichen Überlieferungen mehr Glauben geschenkt hätte. Der griechische Geschichtsschreiber Diodor von Sizilien (1. Jh. v. Chr.) beschrieb nämlich das astronomische Wissen der Atlanter wie folgt:

„Atlas, der erste König auf der heiligen Insel und Ahnherr des dort lebenden Geschlechts hat viel Mühe und Fleiß auf die Kenntnis der Gestirne verwendet und mit großem Scharfsinn herausgefunden, dass der Himmelsbau eine Kugel sei. Atlas … hat die Bewegung der himmlischen Gestirne erfasst und den Menschen offenbart. Dadurch entstand die Sage, dass er den Himmel auf seine Schultern trüge …“ [92].

Diodor erwähnte auch eine „Insel im nördlichen Ozean“ bei den Hyperboreern, auf der sich ein Bauwerk „im Schema der Sphären“ befunden haben soll. Die Archäoastronomen dachten dabei sogleich an das Stonehenge-Heiligtum auf der britischen Insel. Aber dieses konnte damit nicht gemeint sein, denn das Hyperboreerland lag nach Angabe antiker Schriftsteller aus britischer Sicht „in Richtung Asien“ [93]. Damit kommt nur eine Insel vor der Westküste Schleswig-Holsteins oder vor Jütland in Frage. Mit der ergänzenden Lagebeschreibung „in der Mündung des Bernsteinflusses Eridanos“ trifft das wiederum nur auf Althelgoland zu. Es ist daher nahe liegend, dass es auf dieser Insel in der Vorzeit eine ähnliche, vielleicht sogar größere astronomisch-kultische Anlage gab.

Die eigentliche Bedeutung dieses oft als „kreisrund“ beschriebenen Bauwerks erschloss allerdings erst J. Spanuth. Er legte die Eigenschaft „im Schema der Sphären“ („sphairoeide to schemati“) wörtlich aus und meinte, hierbei könne es sich nur um eine den gedachten Himmelssphären nachempfundene Bauweise handeln [94]. Dieser wichtige, aber damals nicht beweisbare Gedanke findet im Licht der neuen Erkenntnisse eine unerwartete Bestätigung. Ein solcher Tempel könnte tatsächlich ein „Weltmodell“ gewesen sein, das die damaligen Vorstellungen vom Aufbau des Planetensystems widerspiegelt. In diesem Tempel müsste daher, falls diese Vermutung zutrifft, in der Mitte ein Modell der Erdkugel aufgestellt gewesen sein, umgeben von 7 konzentrischen Kreisen in einer bestimmten Abstandsfolge entsprechend den Sphären für Mond, Sonne und die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten.

Es bestand wenig Hoffnung, einen materiellen Hinweis auf diese Anlage zu erhalten, doch bei der Suche nach verschieden gestalteten Bronzeschilden wurde der Verfasser unverhofft fündig. In einer Vitrine des Nationalmuseums Kopenhagen hing ein Exemplar, das von der üblichen Ornamentik stark abwich und genau der theoretisch erwarteten Abbildung des „Sphären-Tempels“ entsprach. In der Mitte befand sich eine erhabene, gewölbte Kreisfläche, die sicherlich das Erdmodell in Form einer Kalotte oder Halbkugel vereinfacht darstellen soll, umgeben von 7 exakt kreisförmigen Leisten (Abb. 14) [95]. Dazwischen befanden sich 6 ebenfalls konzentrisch angeordnete Buckelreihen. Da die Anzahl der Buckel in jedem Kreis von 42 bis 112 streng in 14er-Schritten wächst, waren für die Durchmesser der realen „Sphären“ des Tempels sicher harmonische Verhältnisse gewählt worden. Die Buckel symbolisieren möglicherweise kreisförmig aufgestellte Pfosten, die ihrerseits ein Dach stützten, ähnlich der ehemaligen Woodhenge-Anlage in der Grafschaft Wiltshire in Südengland. Der Außendurchmesser der Gesamtanlage auf Althelgoland könnte durchaus 80 m betragen haben [96].

 

Atl21Abb. 14:
Bronzeschild mit „Sphären“-Ornamentik
(Foto: Nationalmuseum Kopenhagen)
[97]

Teilmuster auf den Herzsprung-Schilden der Nord. Bronzekultur Bauwerk / Landschaft auf Althelgoland (bzw. „Basileia“, dem Zentrum von Atlantis) Quelle der Überlieferung
2 konzentrische Kreisleisten mit Unterbrechung durch zwei halbkreisförmige kleine Leisten Die beiden kreisförmigen hohen Erdwälle auf dem inneren und äußeren Landring mit je einer bogenförmigen Brücke über die zwei inneren Kanäle Platon;
Dialog „Kritias“ 115e und 116a
innere Kreisleiste mit einer kleinen Unterbrechung Umfassungsmauer der Mittelinsel mit Maueröffnung für die Hafeneinfahrt nur Mauer: Platon;
„Kritias“ 116a
runde Aussparung in der erhabenen zentralen Kreisfläche innerster Hafen mit schmalem Eingang am Rande der Mittelinsel (gegenüber Innenkanal) Platon;
„Kritias“ 115d (?)
erhabene ovale Mittelfläche bzw. innerste ovale Kreisleiste niedriger (ovaler?) Burghügel auf der Mittelinsel Platon;
„Kritias“ 113c
einseitig nach außen führende zwei- oder dreifache Buckelreihe breiter und langer Außenkanal zur Nordsee (evtl. mit einer Bojenreihe o.Ä. in der Mitte) Platon;
„Kritias“ 115d
umlaufender Kreis mit Wasservögeln Teich (See) mit Singschwänen Hyperboreer-Sagen zur Insel Helixoia
1 oder mehrere kreisförmige Buckelreihen kreisförmig angelegte Reihen von Obstbäumen (?) Platon;
„Kritias“ 115b
7 konzentrische Kreisleisten mit einer gewölbten kreisförmigen Mittelfläche 1) kreisrunder Tempel „im Schema der Sphären“; (Rundtempel als Modell eines geozentrischen Planetensystems) Diodor von Sizilien II,47; (nach Hekatäus, 6.Jh. v.Chr.)
Dorn auf der erhabenen Mittelfläche einer Gürtelscheibe 1) Weltsäule (ähnlich einer germanischen Irminsul)im Zentrum der Mittelinsel auf dem Burghügel Platon;
„Kritias“ 119c-d
3 (o. 4) konzentrische Kreisringe mit stilisierten Wasserwellen 1) 3 konzentrische Wasserringe (Ringhäfen) um die Mittelinsel Platon;
„Kritias“ 115e

Tabelle 3:  Die Ornamentik der Herzsprung-Schilde und ihre Zuordnung zu Bauwerken und Landschaftsformationen auf der Insel Althelgoland / Basileia

Bem. 1) nicht auf Herzsprung-Schilden vorhanden, aber auf anderen kreisförmigen Kunstgegenständen

Atl22jpgAbb. 15:
Zentrum der Insel Basileia nach Platon,
ergänzt durch Informationen aus den Herzsprung-Schilden (s.a. Abb. 6)

Die Vorliebe der auf der Insel residierenden Stammesfürsten für die Sternkunde wird verständlich, wenn man Parallelen zu anderen Zeitepochen und Kulturkreisen zieht. In der Abfolge mächtiger und bedeutender Herrscher gab es stets einige, die die Wissenschaften in besonderem Maße förderten. Die Astronomie bzw. Astrologie nahm dabei oft eine bevorzugte Stellung ein, denn man glaubte aus dem Lauf der Gestirne das eigene Schicksal und das des gesamten Reiches vorhersehen zu können. Priester mit diesen Spezialkenntnissen wurden stets geachtet und waren sehr einflussreich. Es dürfte daher kein Zweifel daran bestehen, dass die Könige dieses überregionalen Kult- und Handelszentrums gute Astronomen und ebenso andere Wissenschaftler an ihren Hof geholt haben [98].

Die führende Rolle Althelgolands als Gesetzgebungs- und Wissenschaftszentrum kann daraus abgeleitet werden, dass sich Platons Überlieferung zufolge die zehn Könige des gesamten Kulturbereichs der Atlanter aller fünf bis sechs Jahre auf Basileia trafen und unter anderem über die Einhaltung der Gesetze berieten. Es ist leicht vorstellbar, dass sich auch die bronzezeitlichen Gelehrten der weit verbreiteten Gemeinschaft gelegentlich hier trafen, um ihr neuestes Wissen auszutauschen.

Sicherlich wurden im Laufe der Jahrhunderte neben dem „Sphären-Tempel“ noch andere astronomische Anlagen errichtet, um besonders genaue Beobachtungen durchführen zu können. Zudem gibt Diodor mit einer eigentümlichen Bemerkung Anlass zu einer weiteren Spekulation: von der Hyperboreer-Insel aus soll „der Mond in geringem Abstand von der Erde erschienen sein und ganz deutlich sichtbare Erhebungen wie auf der Erde zeigen“ [99]. Besaßen die bronzezeitlichen Astronomen bereits einfache optische Beobachtungshilfsmittel? Denkbar ist das schon, denn durch den Bernstein (lat. „glasarea“) könnten die Bronzeleute zu Experimenten mit verschiedenen Materialien angeregt worden sein und erste vergrößernde Gläser entwickelt haben. Die über zweitausend Jahre später hier lebenden Menschen, die Wikinger, benutzten übrigens geschliffene Quarze, deren polierte Fläche aufleuchtete, wenn man sie bei bedecktem Himmel in Richtung Sonne drehte. Dieser so genannte „Solarstein“ war ein nützliches Hilfsmittel für die Navigation auf hoher See [100].

Die besten Sternkundigen auf Althelgoland sollen sogar als Lehrmeister ihr Wissen an andere Völkerschaften weitergegeben haben. Griechische Überlieferungen berichten, dass

„Atlas, der auf Basileia geboren wurde und dort erster König war, die Lehre von den Sphären aufgebracht hat und dort ein Heiligtum im Schema der Sphären erbaute. … Herakles hat die Lehre von der Kugelgestalt des Himmels unter den Hellenen verbreitet, die er von Atlas im Hyperboreerland erfahren hatte“ [101].

An die freundschaftliche Verbindung der beiden weit entfernten Länder erinnert auch der Hinweis, dass der Gott Apoll alle 19 Jahre auf einem Schwanenwagen von der Insel im Norden nach Delphi und Delos gekommen sein soll. Die frühen griechischen Wissenschaftler Thales von Milet und Pythagoras, die auch hervorragende Astronomen waren, konnten wahrscheinlich noch auf altes, überliefertes Wissen aus der Bronzezeit zurückgreifen und darauf aufbauend neue Ideen entwickeln. Das Weltmodell „im Schema der Sphären“ jedenfalls hatte bis zu Kopernikus’ Zeiten Bestand und musste erst danach moderneren Vorstellungen weichen.

Man darf bei zukünftigen Sondierungen des Nordseegrundes auf neue Funde gespannt sein. Vielleicht gelingt einmal die Entdeckung eines archäologisch wertvollen Einzelstücks ähnlich der Nebra-Scheibe. Noch spektakulärer wäre das Aufspüren der konzentrischen Land- und Wasserringe mit Hilfe moderner geophysikalischer Messmethoden, denn dann gäbe es an der Lage des Atlantis-Zentrums bei Helgoland keinen Zweifel mehr [102].

Zusammenfassung

Platons Atlantislegende kann als weitestgehend enträtselt gelten. Trotz vieler neuer Hypothesen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jhd. aufgestellt wurden, ist weiterhin nur die Theorie von Jürgen Spanuth in ihren Hauptaussagen stichhaltig. Sie kann als einzige unter anderem den Kriegszug der Atlanter gegen die damals mächtigsten Länder des östlichen Mittelmeergebietes befriedigend erklären. Folgende Erkenntnisse dürften beim gegenwärtigen Wissensstand der Wahrheit nahe kommen [63] :

  1. Alle Geschehnisse, die mit dem Untergang von Atlantis im Zusammenhang stehen, ereigneten sich um 1200 v.Chr. ( 1250 – 1150 v.Chr.).
  2. Platons Beteuerung, er habe die Informationen (über Zwischenstationen) von Solon erhalten und dieser wiederum von ägyptischen Priestern in Sais, ist äußerst glaubwürdig. Noch heute sind Dokumente zugänglich (Papyrus Harris, Wandreliefs im Totentempel Ramses‘ III. in Medinet Habu), die ganz ähnliche Ereignisse wie im Atlantisbericht beschreiben.
  3. Die Atlanter befanden sich unter den Nord- und Seevölkern, die um 1200 v.Chr. im Zuge der „Großen Wanderung der frühen Urnenfelderleute“ Ägypten und andere Länder angriffen.
  4. Ein Teil der Nord- und Seevölker kam aus Mitteleuropa und dem Gebiet der Nordischen Bronzekultur
  5. Am Ende der Bronzezeit versanken in der Deutschen Bucht zahlreiche Marschen, Inseln und Teile der jütischen Halbinsel. Nur hier kann sich Atlantis (im engeren Sinne) befunden haben.
  6. Basileia, die „Heilige Insel“ der Atlanter, war eine größere zusammenhängende Insel, die sich vom heutigen Helgoland bis zur ehemaligen Insel „Südstrand“ erstreckte.
  7. Basileia ist mit hoher Wahrscheinlichkeit identisch mit der Phäakeninsel „Scheria“ (in Homers „Odyssee“) und der Insel „Helixoia“ bzw. „Elektris“ in den Sagen über die Hyperboreer.
  8. Als Untergangsursache für die Gebiete in der Deutschen Bucht kommt der Einschlag eines Asteroiden um 1220 v.Chr. in Frage (der Beweis durch Fachwissenschaftler steht allerdings noch aus). Damit könnte auch die griechische Sage vom „Sturz des Phaéthon“ eine naturwissenschaftliche Erklärung finden.

Wo lag Atlantis bzw. welche Gebiete umfasste Atlantis ?
Mit „Atlantis“ bezeichnete Platon drei unterschiedliche Gebiete:

  1. die Insel „Basileia“ als Zentrum von Atlantis; 127 Stadien (etwa 23 km) im Durchmesser:
    die bronzezeitliche Insel Althelgoland/Altsüdstrand
  2. das „Reich des Atlas“ (Kerngebiet von Atlantis):
    das Gebiet der Nordischen Bronzekultur; es umfasste Norddeutschland, Dänemark, Südschweden und Südnorwegen (Gesamtfläche in der Bronzezeit ca. 300.000 km²)
  3. der „Kulturbereich der Atlanter“, d. h. die 10 Königreiche insgesamt; das Gebiet war „größer als Libyen und (Klein-) Asien zusammen genommen“:
    das Verbreitungsgebiet der Megalithkulturen in der Jungsteinzeit. Wahrscheinlich ist auch das Verbreitungsgebiet der Bandkeramiker in Mitteleuropa hinzu zu rechnen.

Darüber hinaus flossen in den Atlantisbericht möglicherweise Informationen über Gebiete ein, die man nicht zu Atlantis (1.-3.) zählen kann, z.B. über transatlantische Stützpunkte.

Atlantis (im weitesten Sinne) existierte somit von ca. 5000 v.Chr. bis ca. 1220 v.Chr., und es umfasste vor allem diejenigen europäischen Gebiete, in denen astronomisch orientierte Megalithbauten und große Kreisgrabenanlagen errichtet wurden. Zu den wichtigsten archäologischen Funden aus der Bronzezeit kann man den „Sonnenwagen von Trundholm“ und die „Sternscheibe von Nebra“ zählen (etwa Mitte 2. Jtsd. v.Chr.).

Wichtige Entdeckungen, die noch nicht allgemein anerkannt sind:

  1. Kupfererz wurde (wenigstens) seit der Bronzezeit auf Helgoland abgebaut und verhüttet (J.Spanuth 1953, W.Lorenzen 1965).
  2. Herausgehobene Personen der Gesellschaft benutzten bereits in der Bronzezeit im Gebiet des Nordischen Kreises eine Alphabetschrift (Proto-Tifinagh-Schrift, B.Fell 1982).
  3. Bereits zu Beginn des 2. Jtsd. v.Chr. waren Seefahrer aus einigen an die Nordsee grenzenden Ländern in der Lage, den Atlantik zu überqueren und Amerika zu erreichen (B.Fell 1982).
  4. Auf der bronzezeitlichen Insel Althelgoland gab es eine Metropole, die als Kult- und Handelszentrum weithin in Europa bekannt war (J.Spanuth 1976, H.-W.Rathjen 2004).

Neue Entdeckungen, die zur Diskussion stehen:

  1. Die Ornamentik der so genannten Herzsprung-Schilde versinnbildlicht in verschiedenen Variationen das von Platon beschriebene Zentrum von Atlantis. Die Darstellung entspricht den landschaftlichen und baulichen Gegebenheiten auf der Insel Althelgoland vor ihrem Untergang um 1220 v. Chr. (H.Zschweigert, 2004, G.Bischoff, 2005-2006).
  2. Ein besonderer Typ von Bronzeschilden, die „Sphären-Schilde“, stellt wahrscheinlich den astronomischen Tempel „im Schema der Sphären“ künstlerisch dar, d.h. ein Bauwerk in Gestalt eines „Weltmodells“ (G.Bischoff, 2006).

Fragen und Antworten

Die Theorie von Jürgen Spanuth hat von allen früheren und gegenwärtig diskutierten Hypothesen die meisten Übereinstimmungen zwischen Überlieferung und Realität aufzuweisen (s. Tabelle 1). Dennoch werden bestimmte Aspekte der Atlantis-Legende bzw. Spanuths Deutungen immer noch falsch interpretiert. Zudem gibt es geteilte Meinungen, wie aus heutiger Sicht seine Veröffentlichungen einzuschätzen sind.
Oft geäußerte Fragen und Bedenken sollen daher an dieser Stelle kurz beantwortet werden.

1. Frage:

Sollte Atlantis nicht größer als Libyen und Asien zusammen gewesen sein? Althelgoland war doch viel zu klein!

Antwort:

Althelgoland war nur das Atlantis-Zentrum, das eine annähernd runde Insel mit einem Durchmesser von 127 Stadien (umgerechnet 23,5 km) gewesen sein soll. Die Angabe „größer als Libyen und Asien“ bezieht sich jedoch auf das gesamte Einflussgebiet der Atlanter, das aus zehn Königreichen bestanden haben soll.
Beide Größenangaben stehen im Einklang mit den damaligen geografischen Gegebenheiten. Platons Angaben zur Ausdehnung von „Basileia“ sind für eine Insel in der Helgoländer Bucht durchaus realistisch, und der hypothetische Inselradius (Entfernung des Steingrundes von der heutigen Felseninsel) beträgt tatsächlich annähernd 12 km. Ebenso gut trifft die Aussage „größer als Libyen und (Klein-) Asien“ auf das Verbreitungsgebiet der Megalithkulturen zu. Darüber hinaus passt auch die Größenangabe zur innerhalb des Kernreiches gelegenen Ebene (2000 mal 3000 Stadien), wenn man die ehemalige Landfläche von Dänemark und N-Deutschland in der Jungsteinzeit in Betracht zieht. Bei keiner anderen Hypothese stimmen alle drei Angaben so gut mit der Realität überein.

2. Frage:

Aber Atlantis sollte doch vor den „Säulen des Herakles“ (SdH), also westlich der Straße von Gibraltar gelegen haben?

Antwort:

Platon verwendete bei der Lagebeschreibung von Atlantis die Präpositionen „vor“ und „jenseits“ bezüglich der SdH. Mit dieser Richtungs- bzw. Ortsangabe war aus griechischer Sicht ganz allgemein das Meer außerhalb der Straße von Gibraltar gemeint, also der Atlantik mit seinen Randmeeren. Die genauen geografischen Kenntnisse der Griechen reichten im 5. und 4. Jh. v. Chr. im Westen nur bis zum Ende ihrer Kolonisierungsgebietes an dieser Meerenge; bessere Kenntnisse darüber hinaus verhinderten zu dieser Zeit die auch im Atlantik Seefahrt treibenden Phönizier. Platon konnte oder wollte die Insellage nicht genauer angeben, weil die Straße von Gibraltar gewissermaßen ein westliches „Ultima Thule“ für die Griechen darstellte.
Übrigens sollen nach Herodots Beschreibung die Kelten ebenfalls „jenseits der SdH“ gewohnt haben, und deren Ausbreitungsgebiet war bekanntlich (neben Mitteleuropa) auch NW-Europa. Die Angaben zur Lage von Atlantis und des Keltenlandes sind demnach aus Sicht der alten Seefahrer zu verstehen, die nach dem Passieren der Straße von Gibraltar selbstverständlich wussten, wie sie zu den Küstenländern an der Biskaya, zum Ärmelkanal und in die Deutsche Bucht weitersegeln mussten.

3. Frage:

Das Klima auf Atlantis wurde als „warm“ beschrieben, und es sollen dort sogar Elefanten gelebt haben. Beide Aussagen treffen ganz gewiss nicht auf Althelgoland und das Verbreitungsgebiet der Nordischen Bronzekultur zu, oder?

Antwort:

Während des Klimaoptimums am Ende der Bronzezeit war die Durchschnittstemperatur um 3 Grad höher als heute. Nach der Beschreibung des schwedischen Forschers E. Oxenstierna war diese Epoche eine „wärmebadende und lichtumflossene“ Zeit, in der sogar Wein in Südschweden wuchs [32]. Die Angabe „warm“ gibt also durchaus treffend die damaligen klimatischen Bedingungen im nördlichen Mitteleuropa wieder.
Die Existenz von Elefanten hingegen widerspricht unseren heutigen Vorstellungen von der bronzezeitlichen Tierwelt in dieser Region. Spanuths Theorie weist allerdings nur diesen einen wesentlichen Widerspruch zu Platons Überlieferung auf, während es bei anderen Hypothesen sehr viel mehr sind. Man kann also in diesem Falle von einem Übermittlungsfehler ausgehen. In seinen letzten Büchern favorisierte J. Spanuth die Ansicht, dass die „Elefanten“ mit Auerochsen (= „Elebhanten“, urindogerman. für „Hornträger“) verwechselt wurden. Andere Vermutungen gehen davon aus, dass vielleicht einzelne Elefanten als exotische Tiere aus Afrika importiert wurden und auf Althelgoland in einem „Zoo“ gehalten wurden. Oder es gab eine Verwechselung mit den Mammuts, die möglicherweise noch lange nach der letzten Eiszeit auf Restinseln in der südlichen Nordsee („Doggerland“) überlebt hatten [33].

4. Frage:

Gab es überhaupt eine Hochkultur im Norden?

Antwort:

Die Nordische Bronzekultur war eine typische bronzezeitliche Kultur, die den Nachbarkulturen keineswegs überlegen war. In der Metallverarbeitung galten die Bronzeleute jedoch mit als führend in Europa (Geschirr aus Gold, die bronzenen Griffzungenschwerter waren die gefährlichsten Waffen ihrer Zeit u.a.). Allerdings siedelten sie nach derzeitiger Ansicht der Archäologen nicht in Städten, und sie benutzten keine Schrift; beides Voraussetzungen, um von einer Hochkultur sprechen zu können. Eine 8 ha große Siedlung wurde allerdings schon ausgegraben (Büdelsdorf bei Rendsburg), die nach gebräuchlicher Definition (nach F. Korb) durchaus als Stadt bezeichnet werden könnte. Sie war aber sicher nicht mit den zeitgleichen Städten in den Ländern am Mittelmeer vergleichbar. Die vermutete bronzezeitliche Stadt auf der Insel Basileia östlich von Helgoland liegt (falls sie existierte) von Sedimenten bedeckt im Nordseegrund. Die Archäologen haben derzeit aber kein Interesse und keine finanziellen Mittel, nach ihr zu suchen.
Auch eine Schrift der Bronzeleute wurde vom Forscher Prof. Barry Fell in den 1980er Jahren in Südschweden und in Kanada entdeckt, aber als Buchstabenschrift fand sie bei den meisten Archäologen keine Anerkennung. Da man die Hochbronzezeit aber als erstes „globales“ Zeitalter mit einem europaweiten Austausch von Ideen und Rohstoffen ansieht, ist es nur logisch, dass die Bronzeleute des Nordens auch eine eigene Schrift entwickelten oder eine andere von Nachbarvölkern übernahmen.

5. Frage:

Warum veröffentlichte J. Spanuth später seine Bücher in rechtsgerichteten Verlagen?

Antwort:

Seine ersten beiden Bücher erschienen 1953 und 1955 im renommierten Verlag „Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart“, der nie als rechtsgerichtet eingeschätzt wurde. Nach seinen beiden Atlantis-Vorträgen im Schloss Gottorf in Schleswig im Jahre 1953, bei denen der Kieler Geologe Prof. Karl Gripp zusammen mit verschiedenen anderen Wissenschaftlern eine unsachliche und Spanuth demütigende Diskussion führten, wendete sich die ursprünglich wohlwollende Stimmung in der deutschen Presse zu seinen Ungunsten. Zunehmend spielten auch ideologische Aspekte eine Rolle. Man bemängelte z.B. das Festhalten am Begriff „Germanen der Bronzezeit“, man verglich auf einmal – ein völlig absurder Gedanke – Spanuths Theorie mit Rosenbergs „Mythos des 20. Jahrhunderts“ usw., weil die Fachwissenschaftler die Helgoland-Hypothese mit sachlichen Argumenten nicht zu Fall bringen konnten. Nach dieser Kampagne wollte der oben genannte Verlag aber keines seiner weiteren Buchmanuskripte mehr veröffentlichen, und so musste sich Spanuth notgedrungen anderen Verlagen (Zeller und Grabert) zuwenden, um seine Auffassungen zu verbreiten. In keinem seiner Bücher – auch nicht in den vom Grabert-Verlag herausgegeben – äußerte er rassistisches oder nationalistisches Gedankengut. Seine Abhandlungen waren stets sachlich abgefasst und frei von Polemik [103].

6. Frage:

Wurde Spanuths Theorie in den letzten Jahren nicht widerlegt? Treffen vielleicht die Kritikpunkte im Wikipedia-Artikel „Jürgen Spanuth“ zu?

Antwort:

Die Hauptthesen seiner Theorie, die er erstmals 1955 im Buch „ … und doch: Atlantis enträtselt!“ niederschrieb, konnten bisher – trotz anders lautender Meinungen von Journalisten und Wissenschaftlern – nicht widerlegt werden. Diese Kernpunkte wurden 1978 ähnlich formuliert vom Greifswalder Prähistoriker Prof. Dr. G. Kehnscherper im Buch „Auf der Suche nach Atlantis“ und nochmals 1997 von A. Strohmeyer. Diese Ansichten sind heute keineswegs veraltet. Aufgrund neuer Erkenntnisse muss lediglich der Zeitpunkt des Santorin-Ausbruchs von etwa 1400 bis 1220 v. Chr. auf etwa 1630 v. Chr. vordatiert werden. Damit entfällt dieser Vulkanausbruch als Ursache eines Tsunamis im Mittelmeer am Ende der Bronzezeit, dem Zeitpunkt der Nord- und Seevölker-Invasion (die Ursache dieses Tsunamis war also „nur“ ein Seebeben).
Die im Wikipedia-Artikel angeführten Kritikpunkte sind nicht geeignet, Spanuths Theorie als Ganzes zu widerlegen [106].

  • Mehrere Kritikpunkte sind einfach falsch (z.B. das Nichtvorhandensein archäologischer Funde in der Helgoländer Bucht, der Nichtgebrauch von Segeln bei den Schiffen der Bronzeleute u.v.a);
  • es wurden z. T. Behauptungen widerlegt, die Spanuth nie gemacht hat (z.B. dass die Nebraer Himmelsscheibe aus Helgoländer Kupfererz bestehen soll);
  • es wurden Meinungen aufgeführt, die derzeit auch in Wissenschaftskreisen noch kontrovers diskutiert werden und damit keine widerspruchsfreie Erkenntnis darstellen (z.B. sollen die Nord- und Seevölker nur aus dem ägäischem Raum abgewandert sein);
  • oder es sind Einzelmeinungen von Hobby-Atlantisforschern aufgeführt, die bestimmte Textstellen missverstanden haben (z.B. dass die großen Berge von Atlantis nach Platon angeblich im Norden von Basileia lagen, dagegen die Berge auf Helgoland im Süden).

Natürlich kann sich J. Spanuth in Einzelpunkten geirrt haben, denn die Wissenschaft schreitet mit ihren Erkenntnissen stetig voran und kein Forscher ist unfehlbar. Bei den Hauptaussagen hat er aber nach wie vor die besseren Argumente auf seiner Seite. Auch im 21. Jh. beziehen sich einige Autoren auf seine Theorie und haben wichtige neue Deutungen beigesteuert [104].

Ausblick

Der Streit um Atlantis wird sicherlich noch einige Jahrzehnte andauern, weil sich Platons Dialoge nicht in allen Abschnitten eindeutig auslegen lassen. Allmählich wird sich aber die Vorstellung von einem „Atlantis im Norden“ durchsetzen. Dazu tragen auch solche aufsehenerregenden Funde wie die Sternscheibe von Nebra bei, die das Interesse der Archäologen an den frühen europäischen Hochkulturen spürbar verstärkt hat. Es ist zu erwarten, dass durch zukünftige Entdeckungen auch einige noch verbliebene Rätsel des Atlantisberichts gelöst werden können.

 

Quelle: http://www.eichner-dresden.de/atlantis/

Gruß an Die Atlantider

TA KI

Atlantis Teil 1.


Atlantis

Die Enträtselung im 20. Jahrhundert

von Günter Bischoff

Noch immer fasziniert das Thema Atlantis viele historisch interessierte Menschen. Seitdem der griechische Philosoph Platon das versunkene Inselreich im 4. Jhd. v.Chr. in seinen Dialogen „Kritias“ und „Timaios“ erwähnte, haben sich viele bedeutende Forscher an der Lösung dieses großen Rätsels versucht [1]. Wollte uns Platon nur ein Fabelland vorstellen, oder hatte er tatsächlich Kunde erhalten von einer hochstehenden, lange vor seiner Zeit versunkenen Kultur? Lohnt es sich überhaupt noch zu suchen, wenn über zwei Jahrtausende an Nachforschungen keine eindeutigen archäologischen Beweise zutage brachten?

Schon manches Mal glaubte man, die Enträtselung sei gelungen, doch nach anfänglicher Euphorie wurden immer wieder ernst zu nehmende Einwände vorgebracht. Zu den bisher am häufigsten diskutierten Lokalisierungen zählen die Azoren, die Kanarischen Inseln, die alte südspanische Handelsstadt Tartessos, Kreta und die nahe gelegene Vulkaninsel Thera, die Sahara und neuerdings auch Troja. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte lassen aber bei diesen Hypothesen große Widersprüche zu Platons Überlieferung deutlich werden, und wichtige Passagen des Atlantisberichts finden keine Erklärung. Eine nunmehr über fünfzig Jahre alte, oft als Auffassung eines Außenseiters angesehene Theorie kommt nach dem heutigen Wissensstand der Wahrheit am nächsten. Sie stammt vom Pastor und Archäologen Jürgen Spanuth (1907-1998), der lange Zeit die kleine nordfriesische Landgemeinde Bordelum als Seelsorger betreute. Im Jahre 1953 veröffentlichte er seine Gedanken erstmals in dem Buch „Das enträtselte Atlantis“. Das löste den bisher heftigsten Meinungsstreit um dieses Problem aus, der bis heute noch nicht beendet ist. Doch eine ganze Reihe von Wissenschaftlern teilt inzwischen die Hauptansichten dieses Forschers [2]. In aller Kürze kann die Lösung des alten Rätsels so zusammengefasst werden:

Platon verarbeitete glaubwürdige Informationen ägyptischer Priester über die Heimat der Nord- und Seevölker in Südskandinavien und Mitteleuropa. Die meisten Einzelheiten beziehen sich dabei auf die ehemaligen Inseln in der Deutschen Bucht und die angrenzenden Küstengebiete. Ihre Zerstörung in einer besonders verheerenden Sturmflut am Ende der Bronzezeit ging als Untergang von Atlantis in die Geschichte ein.

Der Gedanke an ein Atlantis im Bereich der Nordsee mag zunächst befremden, doch bei Spanuths Deutungen stimmen Überlieferung und Realität am Besten überein. Auf seine Hauptargumente, aber auch auf wichtige Erkenntnisse anderer Wissenschaftler und auf besonders umstrittene Details der Atlantisforschung soll im Folgenden näher eingegangen werden.

Missverstandene Zeitangaben

Platon ging es bei der Abfassung der erwähnten Dialoge nicht so sehr um Vorstellungen von einem idealen Staat. Vielmehr suchte er für eine historische Abhandlung zuverlässige Informationen über einen realen, starken Gegenspieler zu Ur-Athen, um die ehemals vorbildliche Staatsordnung seiner Heimatstadt gebührend würdigen zu können. Bei einer seiner Zusammenkünfte mit Kritias und anderen befreundeten Gelehrten kam das Gespräch auch auf das Gemeinwesen der Atlanter. Es schien Platon für seine Absichten brauchbar und überdies verbürgt zu sein, weil die Kunde darüber der allgemein verehrte Staatsmann Solon aus Ägypten mitgebracht haben soll.

Wie wir jetzt wissen, enthält die Schilderung der Verhältnisse auf Atlantis neben überaus wertvollen Informationen auch Irrtümer, Missverständnisse und mythologische Ausschmückungen. Nicht zuletzt trugen fehlerhafte Übersetzungen und umstrittene Deutungen der griechischen Quellen dazu bei, ein teilweise falsches Bild des versunkenen Inselreiches von Generation zu Generation weiter zu geben. Welche Erkenntnisse können nun heute als gesichert angesehen werden oder wenigstens als äußerst wahrscheinlich gelten?

Zweifellos kann der in den Dialogen „Kritias“ und „Timaios“ beschriebene Untergang von Atlantis nur am Ende der Bronzezeit, im 14. oder 13. Jhd. v.Chr., stattgefunden haben. Diese Feststellung ist von großer Bedeutung, weil Platon uns unwissentlich falsche Zeitangaben überlieferte. 9000 oder 8000 Jahre vor seiner Zeit [3], also während der Mittelsteinzeit, gab es nachweislich noch keinen ägyptischen Staat und keine Stadt Athen, die von den Atlantern hätten angegriffen werden können. Eben so wenig wäre für diese Zeitepoche die Verwendung von Streitwagen und Kriegsschiffen, die massenhafte Nutzung von Kupfer und Zinn, vereinzelt auch schon von Eisen, erklärbar. Diese Errungenschaften lassen sich aber ohne Schwierigkeiten mit unserem Geschichtsbild in Einklang bringen, wenn man von einer Überlieferung aus der späten Bronzezeit ausgeht. Zu dieser Erkenntnis gelangte bereits der schwedische Universalgelehrte Olof Rudbeck am Ende des 17. Jahrhunderts. Mit einiger Sicherheit fand er auch die Erklärung für die falschen Zeitangaben, indem er auf die Verwechslung der altorientalischen Zählung nach Monaten mit der später aufkommenden Zählung nach Jahren hinwies. Nach J.Spanuth bedeutet die ägyptische Hieroglyphe für „Jahr“ auch „Umlauf“. Damit war in alten Zeiten offenbar der siderische Mondumlauf gemeint. Rechnet man nämlich 9000 Monate zu 28 Tagen von Solons Ägyptenbesuch im Jahre 571 v.Chr. zurück, so gelangt man in die 2. Hälfte des 13. vorchristlichen Jahrhunderts, dem tatsächlichen Zeitpunkt der Geschehnisse [4]. Auch später gab es in ägyptischen Urkunden noch andere unrealistische Zeitangaben. So sollen beispielsweise seit dem Beginn der 1. Dynastie (um 3100 v.Chr.) bis zum Ende der 30. Dynastie (332 v.Chr.) 36.525 „Jahre“ vergangen sein.

Dass wirklich nur das Ende der Bronzezeit und nicht etwa die Mittelsteinzeit vor über 10.000 Jahren als Untergangszeitraum in Frage kommt, kann mit einem weiteren sicheren Indiz belegt werden. Im Dialog „Kritias“ kommen nicht nur die Zustände auf Atlantis, sondern auch die in Ur-Athen zur Sprache. Es wird unter anderem detailliert eine zyklopische Mauer beschrieben, die tatsächlich von Archäologen ausgegraben wurde und von diesen als Schutzwall gegen die im 13. Jhd. v.Chr. vordringenden Nord- und Seevölker angesehen wird [5]

Der Angriff der Nord- und Seevölker

Der Wiener Altphilologe W.Brandenstein und J.Spanuth folgten vor 1950 als erste Forscher der Spur, wonach Solon sein Wissen von ägyptischen Priestern aus der im westlichen Nildelta gelegenen Stadt Sais erhalten habe. Tatsächlich finden sich heute noch zugängliche Dokumente, in denen erstaunlich genau dieselben Ereignisse wie in Platons Atlantisbericht geschildert werden. Allen voran seien hier der Papyris Harris, der die Kriegstaten des Pharaos Ramses III. verherrlicht, und die Inschriften auf dem Tempel in Medinet Habu genannt. Darin ist neben vielen anderen Übereinstimmungen die Rede von Völkerschaften, die über Teile von Europa und Afrika herrschten und Ägypten schwer bedrängten. Sie seien „von den Inseln und Festländern am Weltmeer im fernsten Norden“, „von den Inseln im Ozean“ und „von den Enden der Erde“ gekommen. Ihr Land sei untergegangen, das „Haupt ihrer Städte vernichtet“ und „ihre Inseln vom Sturm ausgerissen und weggeweht“ [6]. Danach steht fest: Platon hat Atlantis nicht erfunden, sondern seinen Dialogen liegen historische Ereignisse zugrunde.

Die Völkerschaften, die zur Regierungszeit Ramses III. in die Mittelmeerwelt einbrachen, wurden in den ägyptischen Urkunden als „Nord- und Seevölker“ bezeichnet. Sie zogen im 13. und 12. Jhd. v.Chr. durch weite Teile Europas, unterwarfen die griechischen Stadtstaaten mit Ausnahme Ur-Athens und zerstörten das in Kleinasien gelegene Hethiterreich binnen weniger Wochen. Schließlich hatten sie die Absicht, zusammen mit den Libyern in Ägypten einzufallen. Im Jahre 1191 v.Chr. kam es im Nildelta zu einer Entscheidungsschlacht, die bis zu diesem Zeitpunkt die größte der Weltgeschichte gewesen sein dürfte. Die zeitgenössischen ägyptischen Quellen verschweigen die sonst mit Akribie angegebenen Zahlen über gefangene und getötete Feinde. Jedoch die für die Reichsverteidigung aufgebotenen 700.000 Krieger und 2000 Kriegsschiffe lassen das für damalige Zeiten ungeheure Ausmaß der Kämpfe ahnen. Der Angriff konnte unter Aufbietung aller Kräfte noch einmal zurückgeschlagen werden. Weitere Kämpfe mit den Nord- und Seevölkern in den darauf folgenden Jahrzehnten schwächten das Land aber derart, dass die Pharaonen einen wirtschaftlichen und politischen Niedergang nicht mehr verhindern konnten.

Einen plastischen Eindruck von der erbitterten Abwehrschlacht der Ägypter vermitteln die auf etwa 10.000 Quadratmeter Fläche eingemeißelten Reliefs an den Tempelwänden von Medinet Habu. Beispielsweise trägt ein Teil der Eroberer runde Bronzeschilde und als Kopfschmuck Hörnerhelme oder als Rosshaarbüschel gedeutete „Strahlenkronen“. Außerdem müssen jene Krieger tüchtige Seefahrer gewesen sein. Ihre wendigen Segelschiffe mit den hochgezogenen und mit Vogelköpfen verzierten Vorder- und Hintersteven ähneln sehr den zweitausend Jahre später die Weltmeere kreuzenden Wikingerschiffen. Gerade die abgebildeten Kampfszenen konnten nun neben archäologischen Fundstücken zu Rate gezogen werden, um Hinweise über die Herkunft der fremden Völkerschaften zu erhalten. Dass sich Platons Atlanter unter den in Ägypten eingefallenen Nord- und Seevölkern befanden, ist zweifellos die wichtigste Entdeckung der modernen Atlantisforschung.

Atl01_40Abb. 1:
Seeschlachtszenen zwischen Ägyptern (Schiffe mit Löwenköpfen) und den Nord- und Seevölkern (Schiffe mit Vogelköpfen; Krieger mit „Strahlenkronen“)

Es bedurfte jahrelanger Forschungsarbeit der Archäologen zur Beantwortung der Frage, um welche Völkerschaften es sich bei den Nord- und Seevölkern im Einzelnen handelte und woher sie kamen. Nach unseren heutigen Erkenntnissen stellen die Nord- und Seevölker eine Vereinigung von spätbronzezeitlichen Stämmen dar, die vor allem aus Mitteleuropa und den nördlicher gelegenen Gebieten kamen und durch Naturkatastrophen großen Ausmaßes zur „Großen Wanderung“ in neue Siedlungsgebiete gezwungen wurden [7]. Den militärisch stärksten Teil dieser Koalition bildeten die aus der Bibel bekannten Philister, die sich nach dem misslungenen Angriff auf Ägypten in Palästina ansiedelten und diesem Land seinen Namen gaben. Sie gehörten ebenfalls zu den so genannten frühen Urnenfelderleuten. Ihr Name wurde aus der Sitte abgeleitet, die Asche der verbrannten Toten in verzierten Tonurnen aufzubewahren und auf Feldern beizusetzen.

Die ägyptischen Quellen berichten von den Philistern, sie seien die „Übriggebliebenen von versunkenen Inseln“ gewesen, die im nördlichen Ozean gelegen hätten. Sie wurden auch als „Haunebu“ bezeichnet, aus deren Heimat der Bernstein gekommen sein soll [8]. Ein anderes Mal ist in diesem Zusammenhang von den „Neunbogenvölkern“ die Rede. Nach ägyptischer Vorstellung unterteilte man den damals bekannten Erdkreis von Süden nach Norden in zehn Bogen. Der neunte Bogen befand sich dort, wo „der längste Tag 17 Stunden dauert“, also das Gebiet um den 54. Breitengrad [9]. Es kamen deshalb bei der Suche nach Atlantis nur die an die Nord- und Ostsee angrenzenden Gebiete der frühen Urnenfelderleute in Frage.

Die Spur führt nach Helgoland

Tatsächlich konnten Geologen im 19. und zu Beginn des 20. Jhd. an der Nordseeküste den Untergang zahlreicher Marschen und die Zerstörung weiter Küstengebiete nachweisen. Am Ende der Bronzezeit, etwa um 1220 v.Chr., versanken in einer verheerenden Sturmflut ein großer Teil der Westküste von Schleswig-Holstein und Dänemark sowie viele vorgelagerte Inseln.

Atl023Abb. 2:
um 1220 v.Chr. versunkene Marschen und Inseln vor der Westküste von Schleswig-Holstein; (nach J.Spanuth, 1953)

Eine von ihnen war die Hauptbernsteininsel Althelgoland. Sie war um ein Vielfaches größer als heute und erstreckte sich östlich des Buntsandsteinfelsens in Richtung Eiderstedt. In ihr sah J.Spanuth die „Heilige Insel“ Basileia des Atlantisberichtes, und er hatte gute Argumente dafür. Platon charakterisierte Lage und Aussehen der „Königs- und Säuleninsel“, wie man Basileia übersetzen könnte [10], wie folgt :

  • sie lag an der Mündung großer Ströme,
  • von der Insel aus war eine Fahrt in das gegenüber liegende Meer möglich,
  • zuvorderst befand sich ein Felsen, der „wie mit dem Messer abgeschnitten“ aufragte,
  • auf der Insel gab es rote, weiße und schwarze Steine,
  • das Versinken der Insel hinterließ ein Schlamm-Meer, das es auch zu Platons Zeit noch gab.

Die natürlichen Gegebenheiten in der Helgoländer Bucht ausgangs der Bronzezeit lassen sich mit vielen Details des Atlantisberichts gut in Einklang bringen. Althelgoland lag an der Mündung von vier großen Strömen: der Weser, der Elbe, der Eider und ihrem heute nicht mehr existierenden Nebenfluss Hever. Alle Mündungsgebiete lagen vor der Überschwemmungskatastrophe südlich der Insel nahe beieinander. Eine fast durchgehende Verbindung „in das gegenüber liegende Meer“, nämlich die Ostsee, war über die damals viel größere Eider, die Treene, die Rheider Au bis zur Schlei möglich. Die kleine Lücke zwischen den beiden letztgenannten Flüssen dürfte durch Kanalbauten geschlossen worden sein [11]. Althelgoland besaß demnach eine hervorragende Lage als Handelszentrum für Waren aus dem Landesinneren und den Ostseeküstengebieten. Außerdem waren die Häfen der Insel günstige Umschlagplätze im Fernhandel mit den anderen Nordseeländern sowie den Mittelmeerländern.

Für Seefahrer, die sich von England her näherten, war der damals über 70 m hohe Buntsandsteinfelsen ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal. Eine solche Insel, deren vorderster Teil „wie mit dem Messer abgeschnitten“ aufragt, gibt es im gesamten Nordseeraum kein zweites Mal. Auch die roten, weißen und schwarzen Steine sind in dieser Kombination nur an wenigen Stellen auf der Erde anzutreffen. “ …rot ist die Kant …“ wird in einem alten Helgoländer Spruch die auffällige Farbe des Buntsandsteinfelsens wiedergegeben. Die heute nicht mehr existierenden weißen Felsen bestanden aus Gips, Kreide und Muschelkalk. Die letzten Reste der ehemals sehr hohen „Wittenklyppe“ im Gebiet der heutigen „Düne“ fielen im Jahre 1711 einer Sturmflut zum Opfer. Ein blauschwarzer bis schwarzer Felsen steht heute noch in geringer Meerestiefe nördlich der Düne. Er erhielt seine Farbe durch eine Imprägnierung mit kohlensaurem Kupfer [12]. Diese drei farblich markanten und hoch aufragenden Felsen boten in der Bronzezeit gewiss ein prächtigen Anblick.

Nach dem Versinken von Althelgoland und anderer friesischer Inseln breitete sich an dieser Stelle ein seichtes Schlamm-Meer aus, das jede Schifffahrt behinderte. Die meisten Atlantisforscher ignorieren diese wichtige Aussage, weil sie keine Erklärung dafür finden [13]. In der Deutschen Bucht fällt hingegen das Wattenmeer sogleich ins Auge, das sich bis zur niederländischen Küste hinzieht. Dieser amphibische Saum zwischen festem Land und offenem Meer kann nur in den flachen Schelfmeeren der Festlandsockel entstehen. Starke Gezeitenkräfte bewirken die regelmäßige Ablagerung von Schlamm und Schlick sowie die Bildung von sporadischen Wasserabläufen, den Prielen. Platon erhielt sehr wahrscheinlich aktuelle Kunde von diesem Schlamm-Meer, weil der Forschungsreisende Pytheas von Massalia um 350 v.Chr. gerade von seinen Erkundungen zurück gekehrt war, die ihn bis nach Schottland, Thule und zu den Inseln in der Deutschen Bucht führten.

Der geheimnisvolle Oreichalkos

Eine weitere starke Stütze erhielt Spanuths Theorie durch die glaubwürdige Deutung eines sonderbaren Stoffes, den die „damals lebenden Menschen nächst dem Gold am meisten schätzten“, den Oreichalkos. Das feurig glänzende „Goldkupfererz“, so die wörtliche Übersetzung, sollen die Atlanter benutzt haben, um die Decke, die Säulen und Fußböden ihres Tempels zu belegen und Mauerkronen zu verzieren.

Die Wissenschaftler erhofften sich gerade von der Enträtselung dieses Stoffes einen wichtigen Hinweis zur Lage von Atlantis. Es fehlte nicht an den seltsamsten Vermutungen. Am meisten Verbreitung fand schließlich die Annahme, dass es sich wohl nur um Messing handeln könne. Jedoch Platons Überlieferung zufolge grub man den Oreichalkos an vielen Stellen aus der Erde, und Legierungen kommen bekanntlich in der freien Natur nicht vor. Wiederum kam Spanuth als Erstem der Gedanke, dass die Beschreibung nur auf den Bernstein zutreffen kann [14].

Dieses gelbe bis dunkelbraune fossile Harz wurde aber in der Bronzezeit nicht wie heute im Ostseegebiet, sondern hauptsächlich vor der Westküste Schleswig-Holsteins gewonnen. Der Handel mit dem begehrten nordischen Bernstein verhalf der einheimischen Bevölkerung zu ansehnlichem Reichtum. Das „Gold des Nordens“ gelangte auf Bernsteinstraßen, die in der Elbmündung ihren Anfang nahmen, über beschwerliche Alpenpässe hinweg bis in die Mittelmeerländer. Kostbare Grabbeigaben aus Bernstein wurden in fast ganz Europa und im Königsgrab des ägyptischen Pharaos Tutanchamum gefunden. Die Bevölkerung Jütlands entwickelte im Laufe der Jahrhunderte eine hohe Kunstfertigkeit in der Bearbeitung der Schmuckgegenstände. Man verstand es, das fossile Harz in Öl zu kochen und als „Bernsteinlack“ zum Maueranstrich zu verwenden. So ist der Hinweis verständlich, dass die Atlanter den Oreichalkos mit Öl auftrugen. Nach dem Untergang der bronzezeitlichen Marschen ging der Bernsteinhandel mit den Mittelmeerländern spürbar zurück. Deshalb war der Oreichalkos zu Platons Zeiten „nurmehr noch dem Namen nach bekannt“. Eine Frage blieb bisher jedoch ungeklärt. Warum verwendete der griechische Philosoph nicht die damals gebräuchlichere Bezeichnung „elektron“ für Bernstein? Zumindestens aber haben die Griechen den „Oreichalkos“ dem fossilen Harz nahe gestellt [15]. Trotz dieser geringfügigen Bedenken ist Spanuths Gleichsetzung des „Oreichalkos“ mit Bernstein bis heute die beste Deutung geblieben [16].

Um einen weiteren, in der Bronzezeit dringend benötigten Rohstoff, wurde ebenso heftig gestritten. Dem Atlantisbericht zufolge brachen die Bewohner gediegenes und schmelzbares Kupfer auf der Insel. Auch der Helgoländer Felsen birgt in den weißen, grünlichen und braunroten Schichten des Buntsandsteins sehr auffällig einige Kupfererze. Häufig fand man erbsengroße Stücke von gediegenem Kupfer. Die größten wiesen immerhin ein Gewicht von einigen hundert Gramm auf. Das Helgoländer Kupfererz hat auch ohne Beimischung von Zinn durch seinen hohen Arsengehalt eine große Härte und war somit für die Herstellung von Waffen besonders gut geeignet.

Um die Argumente seiner Gegner zu entkräften, unternahm J.Spanuth eigenhändig Schmelzversuche in speziell dafür hergestellten Öfen. Dabei gelang ihm eine frappierende Entdeckung. Die Untersuchung eines Schwertes der Nord- und Seevölker, das von den Ägyptern zur Zeit des Pharaos Sethos II. erbeutet worden war, lieferte den eindeutigen Beweis, dass das enthaltene Kupfer nur von der Lagerstätte auf Helgoland stammen konnte [17]. In den Folgejahren legten W.Lorenzen und der Geologe H.Schulz weitere Beweise für die Nutzung der Kupfervorkommen bereits in vorgeschichtlicher Zeit vor. Leider wird die Bedeutung dieser Kupferlagerstätte für die bronzezeitlichen Kulturen an der Nord- und Ostsee immer noch von der Wissenschaft unterschätzt [18].

Odysseus segelte bis zu den Phäaken

Lange Zeit wurde die Meinung vertreten, dass es außer Platons Atlantisbericht keine anderweitigen Überlieferungen vom versunkenen Inselreich gibt. Aber vor allem die beiden deutschen Wissenschaftler A.Schulten und R.Henning erschlossen nach 1930 eine weitere unabhängige Quelle. Beim Studium von Homers „Odyssee“, die eine Irrfahrt des Königs von Ithaka durch das Mittelmeer und atlantische Gewässer beschreibt, stießen sie überraschend auf eine große Ähnlichkeit zwischen der Phäakeninsel „Scheria“ und Platons „Basileia“. In einer Parallelübersicht beider Schilderungen konnten über dreißig wesentliche, zum Teil sogar wörtliche Übereinstimmungen gefunden werden [19]. Erwähnt werden beide Male die von breiten Wasserringen umgebene Königsburg, ein durch die Ebene führender Kanal, ein herrlicher Tempel des Poseidon im Mittelpunkt der Königsinsel u.v.a. Genau wie Basileia lag Scheria am „Ende der Welt“ im Ozean, und unmittelbar vor der Insel befand sich ein „steil ins Meer abfallendes Felsmassiv“.

Aber es gibt auch einige wesentliche Unterschiede. Das Phäakenreich wurde beispielsweise von 12 Königen regiert, das Atlanterreich nur von 10. Homer erwähnt mit keinem Wort den Untergang von „Scheria“. Das ist historisch korrekt, denn er lässt seinen Helden die fiktive Reise um 1300 v.Chr., zur Blütezeit des mykenischen Reiches, unternehmen. Weitestgehend einig sind sich die Wissenschaftler, dass der König von Ithaka diese Irrfahrt nicht wirklich unternahm, sondern der Dichter lediglich Seefahrerberichte und Fahrtenjournale aus der Bronzezeit verarbeitete.

Homer gibt auch Auskunft darüber, wie Odysseus zur Phäakeninsel Scheria gelangte. Die Nymphe Kalypso, die die abgelegene Insel Ogygia bewohnte und ihn sieben Jahre lang fest hielt, gab dem Helden eine Segelanweisung mit auf den Weg. Er befuhr auch nachts den Ozean,

„… ihm schloss kein Schlummer die wachsamen Augen.
Auf die Plejaden gewandt und auf Bootes, der spät erst untergeht,
und den ‚Bären‘, den andre auch ‚Wagen‘ benennen,
welcher im Kreis sich dreht, den Blick zum Orion gewendet,
und alleine niemals in Okeanos Bad sich hinabtaucht.
Denn beim Abschied befahl ihm die hehre Göttin Kalypso,
dass er auf seiner Fahrt den Nordstern zur Linken stets ließe.
Siebzehn Tage befuhr er die ungeheuren Gewässer,
am achtzehnten Tage tauchten von ferne die schattigen Hügel auf
vom phäakischen Land, denn dieses lag nun am nächsten,
anzusehn wie ein Schild im wolkenverhangenen Meere …“ [20].

Als gesuchter Ausgangspunkt der Seereise kam nur eine einsame, menschenleere Insel außerhalb der Straße von Gibraltar in Frage. Dabei wurden auch Madeira und die Kanaren in Betracht gezogen, aber die meisten Argumente sprechen für die Azoreninsel St. Miguel. Diese Insel wurde noch im 18.Jhd. mit „umbelicus maris“ („Nabel des Meeres“) bezeichnet, also genau so wie Ogygia in der „Odyssee“.

Der Segelkurs lässt sich dank Homers Angaben wissenschaftlich auswerten. Aus der Orientierung nach dem Sternbild „Großer Wagen“ und den gemittelten Aufgangsorten von Bootes und Plejaden zu unterschiedlichen Nachtzeiten leitete Prof. K.Bartholomäus, ehemals Dozent für Archäogeodäsie in Essen, einen NO-Kurs mit einem Azimut von 54° (gegen Norden) ab [21]. Wenn die bronzezeitlichen Seefahrer diesen Kurs von St. Miguel aus einschlugen und täglich eine damals übliche Strecke von 100 Seemeilen zurück legten, so mussten sie schließlich durch den Kanal bei Dover bis in die Deutsche Bucht vorstoßen. In 17 Tagen war die Distanz von reichlich 3100 km gut zu bewältigen. Die Beschreibung des Anblickes der Phäakeninsel „…wie ein Schild im wolkenverhangenen Meer“ trifft genau auf Althelgoland zu, denn von weiter Ferne erhob sich in der Mitte das „steil ins Meer abfallende Felsmassiv“ wie ein Schildbuckel, und beiderseits erstreckte sich dahinter die flache, nur von Dünen und Hügeln unterbrochene Landschaft der Hauptinsel.

Auch der Name „Scheria“ selbst deutet auf eine Lage in der Nähe der kimbrischen Halbinsel hin. Die Namensähnlichkeit mit den „Schären“, den felsigen Inseln bei Schweden, ist nicht zu übersehen. Eigentlich bedeutet „Schären“ die „Geschorenen“ oder die „Kahlen“, und das ist eine überaus treffende Bezeichnung des fast glatten, steil abfallenden Buntsandsteinfelsens von Helgoland [22].

Manchmal werden auch andere Lokalisierungen für Ogygia und Scheria vorgeschlagen. Aber die von R.Henning und K.Bartholomäus ermittelte Lage der Phäakeninsel Scheria berücksichtigt am besten alle astronomischen, nautischen und geographischen Aspekte, die aus Homers „Odyssee“ ableitbar sind [23]. Damit spricht ein weiteres Argument dafür, das Zentrum von Atlantis in der Nordsee zu suchen.

Schließlich sei noch auf die griechischen Sagen über die Hyperboreer verwiesen, einem sorglos lebenden Volk im fernen Norden. Die Hyperboreerinsel „Helixoia“, die manchmal auch „Elektris“ genannt wird, soll in der Mündung des antiken Bernsteinflusses Eridanos gelegen haben. Bei diesem legendären Fluss handelt es sich um die heute noch Bernstein anschwemmende Eider, möglicherweise aber auch um die Elbe.

Auf Helixoia soll es der Sage nach einen großen Teich mit vielen Schwänen gegeben haben. Jedes Jahr zur Frühlingszeit umschwärmten diese Vögel die Insel. Auf eine enge Verbindung und besondere Freundschaft der Inselbewohner mit den Griechen weist der Mythos vom hyperboreischen Apoll hin. Alljährlich einmal besuchte er in einem von Schwänen gezogenen Wagen seine Heimat im Norden und kehrte anschließend im Frühling nach Delphi und Delos zurück [24].

Basileia, Scheria und Helixoia sind demnach nur unterschiedliche Namen für dieselbe Insel, die in der Bronzezeit über ihren Kulturkreis hinaus eine große Bedeutung erlangt hatte.

Expeditionen zum Steingrund

In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche archäologische Funde auf der Felseninsel und in der Helgoländer Bucht die Nordsee-Theorie untermauert, auch wenn bestimmte Einzelheiten noch nicht restlos geklärt sind. Althelgoland muss, seiner damaligen Bedeutung angemessen, vor 1220 v.Chr. eine stattliche Bevölkerung gehabt haben. Am Ende des 19. Jahrhunderts untersuchte man mehrere Steinkisten- und Hügelgräber auf dem Oberland. In ihnen fand man neben den Skeletten von Männern einen kleinen Bronzedolch, zwei goldene Spiralscheiben, eine weitere Bronzewaffe, goldene Ringe, eine Bronzenadel von fast 18 cm Länge und einige Doppelknöpfe.

Erste Tauchgänge wurden 1911 unternommen, als das Kriegsschiff „Zähringer“ auf dem so genannten „Steingrund“, einer untermeerischen Erhebung östlich von Helgoland, auflief. Marinetaucher sollen damals Reste „der alten Burg Basileia“ entdeckt haben, des Weiteren einen alten „Tempel“ mit einer aufgesetzten Steinmauer, Waffen und Scherben gesichtet haben. Im Frühjahr 1943, also mitten im Krieg, fand dort im Beisein von P.Wiepert, dem späteren Ehrenbürger der Universität Kiel, ein weiterer Tauchversuch statt. Hierbei sollen eine Anzahl Steine, von Menschenhand aufgesetzte Steinplatten und eine Art Steingewölbe entdeckt worden sein. Leider sind die Aufzeichnungen in den Kriegswirren verloren gegangen, so dass Wieperts Erinnerungen aus dem Jahre 1956 für Skeptiker keine Beweiskraft haben dürften [25].

Spanuth selbst rüstete in den Jahren 1950, 1952 und 1953 drei von insgesamt fünf Expeditionen aus, um nach Siedlungsspuren auf dem „Steingrund“ zu suchen. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch und die Sichtbedingungen äußerst schlecht. Doch die Taucher, unter ihnen H.Beelte und E.Fries, entdeckten 10 km östlich von Helgoland einen Hügel, der stellenweise von einem doppelten, etwa 3 m hohen Steinwall umgeben war. Offenbar waren sie auf den im Atlantisbericht erwähnten Burghügel gestoßen, der über 50 Stadien (10 km) landeinwärts gelegen haben soll. Die Taucher bargen Türangelsteine, bearbeitete Feuersteinplatten und Reste von Bronzeguss. Bei einem weiteren Tauchgang wurde ein gefugter Fliesenbelag auf dem Meeresgrund gesichtet, und eine mit Kopfsteinen gepflasterte Straße konnte über 50 Meter weit verfolgt werden [26].

Völlig unabhängig von Spanuths Tauchplänen soll 1951 das deutsche Forschungsschiff „Meta“ ausgelaufen sein, das den Auftrag hatte, den Meeresboden in der Nähe von Helgoland zu inspizieren. Die Tageszeitungen meldeten daraufhin Funde von unschätzbarem Wert. In 30 m Wassertiefe wurden angeblich in einer Schlickbank zwei Hünengräber aufgespürt, außerdem Wohnbaureste, Grabbeigaben, Handwerkszeug und andere Gebrauchsgegenstände aus dem 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend [27]. Diese Meldungen müssen allerdings mit Vorsicht betrachtet werden, weil bis heute keine diesbezüglichen Fundgegenstände in einem Institut oder Museum registriert worden sind.

Einige Jahre darauf startete mehrmals ein Forschungsschiff einer archäologischen Gesellschaft unter Leitung von C.Röper. Dabei wurden bronzezeitliche Siedlungen im Gebiet der versunkenen Marschen nachgewiesen. Auch später rissen die Funde nicht ab. Man förderte im Jahre 1971 verschieden durchbohrte Kupferscheiben von einem Viertelmeter Durchmesser und beträchtlichem Gewicht zutage. Neun Jahre später untersuchte eine Tauchergruppe des Geologischen Instituts in Kiel das Meeresgebiet. Dabei fanden sie 2 km südlich der Helgoländer Düne in 6 bis 8 m Wassertiefe einen „Massenfundplatz an Kupferbarren“ aus dem dortigen Kupfererz mit einem Gesamtgewicht von 90 kg. Um eine verloren gegangene Schiffsladung konnte es sich nicht handeln, weil auch verschieden große Stücke aus Guss-Schlacke gefunden wurden [28].

Nach den bisherigen Forschungsergebnissen steht zumindestens fest, dass es bis zu ihrem Untergang um 1220 v.Chr. eine oder mehrere bewohnte Inseln zwischen Helgoland und Eiderstedt gab. Bisher fehlt leider noch der entscheidende archäologische Beweis, der auch die Skeptiker überzeugen könnte: hier lag vor 3300 Jahren die bedeutende Atlanterinsel Basileia. Sensationsfunde sind wegen der schlechten Bedingungen in der Nordsee auch in Zukunft nicht zu erwarten. Vielleicht sind trotzdem eines Tages bei Einsatz modernster Technik weitere Entdeckungen möglich.

Die Nordische Bronzekultur

Platon gab drei sehr unterschiedlichen Regionen dieselbe Bezeichnung „Atlantis“. Das trug in der Vergangenheit sehr zur Verwirrung der Forscher bei. Einmal meinte er damit nur die „Heilige Insel“ Basileia, die tatsächlich versank, ein anderes Mal ein sehr viel größeres Gebiet auf dem Festland und auf weiteren Inseln, und schließlich eine Gemeinschaft von Ländern, die von zehn Königen regiert wurden. Auf das „Reich des Atlas“, nach Platon das bedeutendste aller zehn Königreiche, soll nun etwas näher eingegangen werden.

Etwa um 2400 v.Chr. vereinigten sich im Gebiet von Nord- und Ostsee die alteingesessenen Erbauer der Megalithgräber mit den kriegerischen Streitaxtleuten, die vorher als Reiter- und Hirtenvölker die südosteuropäischen Ebenen bewohnten. Es begann ein relativ kurzer, intensiver Verschmelzungsprozess beider Kulturen. Als Ergebnis entstand die „Nordische Bronzekultur“, die häufig auch als „Nordischer Kreis“ bezeichnet wird. Nach einer Jahrhunderte währenden ungestörten Entwicklung erreichten diese Völkerschaften ab dem 15. Jhd. v.Chr. eine erstaunliche Blüte und zeigten sich in einigen Lebensbereichen durchaus den bekannten Hochkulturen des Mittelmeerraumes ebenbürtig. Manche Historiker sehen die Träger dieser Kultur als die bronzezeitlichen Vorfahren der Germanen an.

Das Siedlungsgebiet der Bronzeleute wurde in west-östlicher Richtung von den Flüssen Weser und Oder eingegrenzt. Es reichte von Mecklenburg-Vorpommern und Teilen Niedersachsens bis zu den großen Seen westlich von Stockholm einschließlich eines schmalen Küstenstreifens in Südnorwegen. Die im Atlantisbericht erwähnte große Ebene mit einer Ausdehnung von 2000 mal 3000 Stadien (etwa 370 mal 560 km) liegt zwar nicht auf einer Insel, aber die eng mit dem Meer verbundene Landschaft wird treffend charakterisiert. In Norddeutschland, Dänemark und Südschweden breitet sich bekanntlich eine nur von niedrigen Erhebungen unterbrochene Tiefebene aus, und in der wegen ihrer Schönheit gepriesenen Bergwelt erblickt man die über 2000 m hohen schneebedeckten Gipfel der norwegischen Fjordlandschaft. Bedenkt man ferner die relativ raschen Veränderungen beiderseits der jütischen Halbinsel in jüngster geologischer Vergangenheit, dann wird die Beschreibung der großen Ebene noch besser verständlich. Erst nach 7000 v.Chr. kam es in der südlichen Nordsee zu großen Landverlusten. Noch lange waren die Doggerbank und die Jütlandbank festes Land, ehe das offene Meer um 2000 v.Chr. Althelgoland und die nördlich davon gelegenen Inseln erreichte. Die Abmessungen der großen Ebene treffen demnach eher auf die geografischen Gegebenheiten während der mittleren Jungsteinzeit zu (s.a. dazu Abschnitt „Die große Ebene„).

Die Menschen lebten anfangs noch in urgemeinschaftlichen Verhältnissen, die sich aber immer mehr auflösten. Bei den freien Bauern waren Standesunterschiede noch wenig ausgeprägt. Dagegen nahmen im 14. und 13. Jhd. v.Chr. Einfluss, Macht und Reichtum der Stammesfürsten stark zu. Ackerbau und Viehzucht, die in einigen Gebieten durch das überaus fruchtbare Marschenland begünstigt waren, bildeten eine solide Lebensgrundlage. Die Bevölkerung lebte aufgrund ihrer bäuerlichen Produktionsweise fast ausschließlich in kleinen Dörfern. Vereinzelt errichtete man jedoch schon ab der Jungsteinzeit größere, von Ringwällen umgebene Ansiedlungen, die regionale Zentren gewesen sein dürften. Eine derartige stark befestigte Anlage von 8 Hektar Ausdehnung wurde beispielsweise im Jahre 1971 bei Rendsburg in einer Flussschlinge der Eider ausgegraben [30]. Die große bronzezeitliche Siedlung auf Althelgoland kann durchaus schon als Stadt angesehen werden, auch wenn sie ganz sicher nicht mit anderen mächtigen Städten ihrer Zeit wie Ur-Athen oder Troja konkurrieren konnte. Platons Beschreibung des urbanen Zentrums mit seinen kultischen Einrichtungen, verschiedenartigen Gebäuden, Schiffswerften, mehreren Häfen und sportlichen Wettkampfstätten lässt eine wohlhabende Kult- und Handelsmetropole der Bronzezeit erkennen. Eine ähnlich herausragende Bedeutung in ihrer Region erlangten über 2000 Jahre später die große friesische Siedlung Haithabu und die reiche mittelalterliche Handelsstadt Vineta.

Nicht nur die in den bronzezeitlichen Gräbern entdeckten Schmucksachen und Gebrauchsgegenstände lassen wichtige Rückschlüsse auf die Lebensweise der Menschen zu. Umfangreiche Kenntnisse über die schlichte und dennoch ausgesprochen modische wollene Kleidung, über Schuhwerk und Haartrachten der Bronzeleute verdanken die Archäologen den aufgefundenen Moorleichen. Sie wurden über Jahrtausende hinweg infolge des luftdichten Abschlusses besser konserviert als vergleichsweise die ägyptischen Mumien. Einen vorzüglich gewebten blauen Mantel, den ein bedeutender Würdenträger viel später, etwa im 3. Jhd. n.Chr. trug, fand man im Thorsberger Moor in Schleswig-Holstein. Hier ist die lange Tradition ersichtlich, denn auch im Atlantisbericht wird ein dunkelblauer Königsmantel „von wunderbarer Schönheit“ erwähnt, den jeder der zehn Könige zum Höhepunkt des Festes auf Basileia trug [31].

Viele Kulthandlungen waren der Wärme spendenden Sonne geweiht. Unübersehbar ist die Zahl der Felszeichnungen mit Sonnensymbolen, dargestellt als Kreise und Räder zusammen mit den verschiedensten Arten von Kreuzen. Anfangs verehrte man das vorrangig als Reittier genutzte Pferd, das außerdem nach mythischen Vorstellungen die Sonnenscheibe über den Taghimmel zog. Später kam die kultische Verehrung von Vögeln, insbesondere des in Nordeuropa beheimateten Singschwanes, auf. Einige Kulte der Bronzeleute werden auch im Atlantisbericht beschrieben. Dazu gehören die aus der Frühzeit der Menschheit überkommene Wertschätzung von Zwillingen, der Feuerkult und Opferhandlungen mit heiligen Kesseln.

Eine der Ursachen für das „Goldene Zeitalter“ war das Klimaoptimum im 2. Jtsd. v.Chr. In keiner anderen Epoche der letzten 15.000 Jahre war die Durchschnittstemperatur so hoch wie damals. Archäologen sprechen von der „lichtdurchflossenen, wärmeliebenden Bronzezeit“, und so verwundert es nicht, dass in Südschweden Wein angebaut wurde [32]. Trotz der viel milderen Temperaturen im nördlichen Mitteleuropa gab es ganz sicher keine Elefanten. Es ist das einzige Detail in Platons Überlieferung, für das die bedeutendsten Theorien eine Erklärung schuldig bleiben. Zumindestens erscheint eine Verwechselung dieser Tiere mit Hirschen oder Auerochsen in diesem Teil Europas recht glaubhaft [33].

Gold, Silber und Bronze

Die Atlanter sollen das Hauptheiligtum auf ihrer „Königs- und Säuleninsel“ Basileia überaus reichlich mit Gold, Silber, Zinn und Bernstein ausgestattet haben. Im Tempel des Poseidon prangten überdies viele goldene Standbilder. Das alles mag eine bei alten Legenden häufig vorkommende Übertreibung sein. Doch ist daraus ersichtlich, welche große Rolle diese seit jeher wertvollen Metalle im Leben der Atlanter spielten.

Den Bronzeleuten kann es nach heutigen Erkenntnissen keineswegs daran gemangelt haben. Die Archäologen bargen allein in den wieder entdeckten Gräbern in Dänemark kunstvolle goldene Schmucksachen mit einem Gesamtgewicht von mehr als drei Tonnen. Der Reichtum wird als so bedeutsam eingeschätzt, dass er sich nicht allein auf Stammesfürsten beschränkte, sondern dass auch Bauern und Handwerker zu beachtlicher Wohlhabenheit gelangen konnten. Auch in Norddeutschland fehlt es nicht an Funden aus dieser Zeit. Beispielsweise kam 1987 bei Feldarbeiten in einem Dorf bei Greifswald eine reich verzierte, 147 Gramm schwere Goldmanschette zum Vorschein. Und im Jahre 2011 gelang bei der Verlegung der Nordeuropäischen Erdgasleitung mit dem „Goldhort von Gessel“ sogar ein Jahrhundertfund. Die 117 Teile aus Gold mit einem Gesamtgewicht von fast zwei Kilogramm hatten die Bronzeleute im 14. Jh. v. Chr. nahe der heutigen Stadt Syke niedergelegt [105]. Das begehrte Edelmetall wurde wahrscheinlich auf dem Seewege aus Irland herbei geschafft, vielleicht auch in Thüringen aus Goldwäschereien gewonnen. Man tauschte es gegen Bernstein ein, der in der Bronzezeit fast den Rang einer europäischen Währung hatte.

Weniger beliebt war bei den Bronzeleuten offenbar das Silber. In reiner Form ist es äußerst selten verarbeitet worden, hingegen fand es häufiger als Beimischung in anderen Legierungen Verwendung. Ein für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ungleich höher zu bewertendes Metall ist die Bronze, eine aus Kupfer und Zinn bestehende Legierung. Die Bergleute bargen das weiche, weiße Zinn in dem nicht weit entfernten südenglischen Cornwall. Hier lagen die Kassiteriden, die Zinninseln der Antike. Andererseits sind auch Handelsbeziehungen in das Erzgebirge nicht auszuschließen, denn auch dort wurde dieses Metall gewonnen.

Die meisten Archäologen vertreten auch heute noch die Meinung, dass man bei Kupfer ausschließlich auf teure Importe aus Mitteleuropa angewiesen war. Die umfangreichen Untersuchungen von J.Spanuth und W.Lorenzen belegen allerdings, dass die Bronzeleute die Helgoländer Kupfererzvorkommen tatsächlich ausgebeutet haben [34]. Der Abbau erfolgte im 2. Jtsd. v.Chr. unter günstigen Bedingungen an der westlichen Oberkante des damals noch größeren Buntsandsteinfelsens. Neben Bernstein war dieses Erz die Quelle des enormen Reichtums vor allem auf Althelgoland.

Anfangs knüpfte man wahrscheinlich bei der Herstellung von Bronzegegenständen noch an Vorbilder benachbarter Kulturen an. Schon bald fanden geschickte Handwerker ihre eigenen Formen bei Griffzungenschwertern und Rasiermessern, bei Gürtelschnallen, Wendelringen und Fibeln, die die Kleidung zusammen hielten. Ein beliebtes Verzierungsmotiv war die in sich zurück laufende Spirale, die das ewige Rollen der Meereswellen symbolisieren sollte. Besonders typisch für den Nordischen Kreis sind die oft reich verzierten Griffzungenschwerter und -dolche. Ihr Fundgebiet umreißt sehr gut das Siedlungsgebiet dieser Menschen und auch ihre späteren Wanderwege in den Süden. Den Höhepunkt der Metallverarbeitung in dieser Zeit stellen die aus Bronze gegossenen Luren dar, die immer paarweise zu Festen geblasen wurden. Experimentalarchäologen haben heutzutage Mühe, diese Musikinstrumente so meisterhaft wie damals herzustellen. Einer der bedeutendsten Funde aus jener Zeit ist der so genannte Sonnenwagen von Trundholm, der 1902 beim Pflügen auf der Insel Seeland zum Vorschein kam. Bei dieser 60 cm langen und 36 cm hohen bronzenen Statuette zieht ein etwas steifbeiniges Pferd eine vergoldete, mit Spiralmotiv verzierte Sonnenscheibe hinter sich her.

Atl03-6Abb. 3:
Der Sonnenwagen von Trundholm (um 1500 v.Chr.)

Das Metallzeitalter veränderte grundlegend die Beziehungen der Völkerschaften untereinander. Es entwickelte sich ein reger Handel, weil dringend benötigte Rohstoffe nur in weit entfernten Regionen zu beschaffen waren. Teils nutzte man die Händlerwege entlang der europäischen Flüsse, teils machten sich Schiffe auf den langen Weg durch die Straße von Gibraltar. Mitte der 1990er Jahre bargen Unterwasserarchäologen vor der südtürkischen Küste bei Kas die Reste eines Handelsschiffes aus der Bronzezeit. Die auf dem Meeresgrund verstreute Ladung des um 1318 v.Chr. versunkenen Seglers war eine Sensation: neben prunkvollen Gold- und Silberschmuck, riesigen Vorratsgefäßen, Harz, Waffen, Tongeschirr und vielfarbigen Glasbarren fand man Tonnen von Zinn, Kupfer und Bernstein [35]. Vermutlich hatten diese Seefahrer auch in den Häfen von Cornwall und Althelgoland angelegt, um diese wertvollen Rohstoffe gegen andere Güter einzutauschen.

Hochkulturen ohne Schrift?

Fast einhellig sind die Archäologen von der Schriftlosigkeit aller nördlich der Alpen lebenden Völkerschaften in der Bronzezeit überzeugt. Entgegen dieser Ansicht gibt es jedoch einige frühgeschichtliche Hinweise auf die Verwendung einer Schrift in dieser Region. So berichtet Euhemeros von Messene in seiner „Heiligen Aufzeichnung“, dass im nördlichen Ozean auf einer Insel ein altes Heiligtum stand, in dem goldene Tafeln aufbewahrt würden, auf denen die Geschichte der dortigen Könige in uralter Zeit aufgezeichnet sei. Eine ähnliche Aussage ist im Atlantisbericht zu finden : „… die Herrschaft und Gemeinschaft unter ihnen wurde aufrecht erhalten nach den Anordnungen des Poseidon, wie sie ihnen das Gesetz und die Inschriften überlieferten, die von den Urvätern auf einer Säule aus Oreichalkos eingegraben waren; sie stand in der Mitte der Insel im Heiligtum des Poseidon“ [36].

Das galt schon immer als eindeutiger Hinweis auf eine Schrift. Dafür jedoch gab es bis in die 1970er Jahre hinein keine Anhaltspunkte in Nordwesteuropa, und man zweifelte deswegen schon die Nordsee-Theorie an. Um das Jahr 1982 gelang allerdings eine sensationelle Entdeckung. Prof. Barry Fell, der ehemals an der Havard-Universtität in Cambridge (USA) lehrte, spürte in der südschwedischen Provinz Bohuslän auf Felsritzungen Punkt- und Strichfolgen auf, die er als Buchstaben einer Alphabetschrift deutete. Die Entzifferung gelang ihm deshalb ohne größere Schwierigkeiten, weil die Zeichen denjenigen sehr ähnlich sind, die die Tuareg in Libyen heute noch für ihre Schrift benutzen.

Da ihm die Lautwerte der Buchstaben bekannt waren, konnte er auf den Felsbildern einzelne sinnvolle Worte erkennen. Die Entzifferung lässt allerdings einen gewissen Interpretationsspielraum zu, weil die Leserichtung oft nicht eindeutig ist und es nur einen Universalvokal gab, der meistens auch noch weggelassen wurde. Beispielsweise waren neben der Felszeichnung von drei Vogelmenschen die Buchstaben „SWaN“ (Schwan) zu erkennen, ein anderes Mal „B-L“ und „GH-W“ neben einer Darstellung eines Bullen und einer Kuh. Neben Ritzungen von mehreren verschiedenartigen Schiffen konnten die Buchstaben „M K-GH A-GH GH-L L W-K S-A-M-S-L“ für eine vermutliche Gebetsinschrift zusammengefasst werden. Das lautet altnorwegisch „ma kugge aga gul ol vik samsla“ oder deutsch etwa „Möge eine sanfte Brise unsere Koggen laufen lassen und wir alle den Hafen zusammen erreichen“ [37]. Bei dieser Sprache handelt es sich offenbar um einen urgermanischen oder altnordischen Dialekt, bevor sich später daraus die englische, norwegische und deutsche Sprache entwickelten.

Noch sehr verbreitet ist die Annahme, die Schrift der Tuareg sei eine späte, vereinfachte Form der phönizischen. Aber die Buchstaben des so genannten Tifinagh-Alphabets leiten sich nur dann sinnvoll aus den Anfangsbuchstaben wichtiger Begriffe ab, wenn der altnordische Dialekt und nicht die Berbersprache zugrunde gelegt wird. So verwendeten die bronzezeitlichen Schreiber das Zeichen „Ring“ für den Buchstaben „R“, das Zeichen „Tür“ (engl. „dorway“) für „D“, das Zeichen „Gewichte“ (engl. „weights“) für „W“, das Zeichen „(Schild-) Buckel“ (engl. „buckler“) für „B“ usw. [38]. Bemerkenswert ist ferner die Herleitung einiger Buchstaben von den Himmelsobjekten Mond („M“), Sonne („S“), den 4 Kastensternen des Sternbildes Pegasus („H“ = Hestemerki; d.h. „Pferdemarken“) und der auffälligen Konstellation des Himmels-W („Y“ aus Yorsa = Cassiopeia).

Atl04_5Abb. 4:
Formen der Buchstaben des Tifinagh-Alphabets

Der Biologielehrer W.P.A.Fischer glaubt einen Anhaltspunkt für das Alter dieser Alphabetschrift gefunden zu haben. Für ihn stellen die drei gleichseitig angeordneten Punkte des Buchstabens „K“ für „Kopf“ ein Symbol für den Himmelsnordpol dar. Ihm steht heute der Polarstern im „Kleinen Wagen“ nahe. Vor etwa 4000 Jahren befand sich aber kein markanter Stern an dieser Stelle. Stattdessen wurde um 1800 v.Chr. der Himmelspol von Kochab, Thuban und einem weiteren Stern im Sternbild Drachen eingerahmt. In dieser Zeit oder nur wenig davor haben vermutlich die Bronzeleute diese Schrift erfunden [39].

Im Unterschied zur babylonischen Keilschrift und zu den ägyptischen Hieroglyphen wurden die Bronzezeit-Runen wahrscheinlich nicht für Verwaltungsaufgaben verwendet. Lediglich Priesterastronomen und hohe Würdenträger dürften diese Alphabetschrift beherrscht haben. Sie wurde nach derzeitigem Erkenntnisstand nur in heiligen Bezirken angewandt und auf Felsen oder bedeutenden Bauwerken eingeritzt. Den Weg zu den Berberstämmen fand die Schrift, weil sich Bronzeleute schon einige Jahrhunderte vor der Großen Wanderung in Nordafrika niederließen.

Wikinger der Bronzezeit

Eine einheitliche, hochstehende Kultur, die sich über viele Inseln und Küstengebiete ausbreitete, ist ohne eine gut entwickelte Schifffahrt nicht vorstellbar. Noch heute stellt es besondere Anforderungen an die Lotsen, innerhalb der gefürchteten Schären zwischen Jütland und Südschweden zu manövrieren. Die Bronzeleute müssen auf dem Meer in ihrem Element gewesen sein. Davon zeugt eine Vielzahl an Felszeichnungen in der südwestschwedischen Küstenlandschaft Bohuslän. Auf ihnen sind Tausende stilisierte, mit hohen Vorder- und Hintersteven versehene Schiffe und sogar ganze Schiffsarmadas dargestellt. Auf einigen Ritzungen sind kultische Handlungen auf dem Schiffsdeck zu erkennen [40].

Die schlanken, bis über 10 m langen Holzschiffe konnten ein bis zwei Dutzend Ruderer tragen und besaßen einen umlegbaren Mast. Im deutlichen Unterschied zu den Schiffstypen im Mittelmeergebiet waren die Steven mit Enten- und Schwanenköpfen, mitunter auch mit drachenähnlichen Köpfen verziert. Eine äußerst sinnreiche Erfindung für die Fahrt in Küstengewässern war ein doppelter Steven, der das Boot bei Unterwasserklippen federnd abfangen und vor Beschädigung schützen sollte.

Die Bronzeleute wagten sich ebenso auf die hohe See hinaus. Bei ihren einträglichen Handelsunternehmungen nach Britannien und Irland segelten sie wegen der starken Gezeiten in sicherer Entfernung zur Küste. Wahrscheinlich gelangten wagemutige Expeditionen bis nach Nordafrika, denn auf einigen schwedischen Felszeichnungen sind mit einiger Sicherheit exotische Tiere wie Giraffen, Strauße und Elefanten erkennbar [41]. Bereits A.Köster, ein hervorragender Kenner der antiken Seefahrt, zählte 1923 die Bronzeleute zu den „erfahrensten Seeleuten ihrer Zeit“.

Diese Einschätzung wird erneut bestätigt durch weitere Entdeckungen von Prof. B.Fell in den 1980er Jahren. Er stieß nämlich in der Nähe von Peterborough in Kanada auf jene Schriftzeichen, die er zuvor in Südschweden auf Felszeichnungen vorgefunden hatte. Eine der Einritzungen wies ihm neben der Gleichartigkeit der Schrift deutlich auf die Herkunft der kühnen Seefahrer hin: „Woden-lithi stor konungr hringriki kweid runa gneidi“. Diesen altnordischen Text deutete B.Fell als „Wotan-Lithi, der große König aus dem Ringreich, befahl, dass Runen geritzt werden sollen“ [42]. Man schloss aus weiteren Inschriften, dass die Schiffsbesatzung, beladen mit Kupfer aus einer nahen Lagerstätte, nach neunmonatigem Aufenthalt zurückkehren sollte. Die Heimat der Seefahrer war eine flussreiche Landschaft Norwegens nordwestlich des Oslofjordes, die heute noch die Bezeichnung „Ringerike“ (Ringreich) trägt [43].

B.Fell datierte den aus astronomischen Anhaltspunkten abgeleiteten Zeitpunkt der Expedition auf 1700 v.Chr. Die Anwohner der Nordsee waren somit mindestens seit dem frühen 2. Jtsd. v.Chr. in der Lage, den Atlantik routinemäßig zu überqueren. Das stellt eine einmalige nautische Leistung dar, die erst ein Jahrtausend später durch andere Völkerschaften, die Phönizier, wiederholt wurde [44].

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse ist es nicht unwahrscheinlich, dass die nordischen Seefahrer auch zu anderen Gebieten in der Neuen Welt gelangten und Zeugnisse ihrer Anwesenheit hinterließen. Im brasilianischen Urwald entdeckte der Franzose Homet beispielsweise vor einiger Zeit Steinkreise, Großsteingräber und Dolmen. Die Ähnlichkeit der Megalithbauten am Amazonas mit denen in Nordwesteuropa ist nicht zu bestreiten [45]. Die Bezeichnung „Atlantik“ wurde demnach nicht zu Unrecht vom Namen des legendären Inselreiches abgeleitet.

Jenseits der Säulen des Herakles

Platon zufolge herrschten die Atlanter „seit vielen Menschenaltern“ nicht nur über die Königsinsel Basileia und ihre unmittelbare Umgebung, sondern auch über einige weitere europäische Küstenländer und Inseln und sogar über Teile von Nordafrika: „Auf dieser Insel Atlantis also entstand eine große und bewundernswerte Macht von Königen, welche die ganze Insel beherrschte sowie viele andere Inseln und Teile des Festlandes. Außerdem beherrschten diese Könige noch von den Ländern am Binnenmeer Libyen bis nach Ägypten und in Europa bis nach Tyrrhenien“. Und der nachgeborene Zwillingsbruder des Atlas „erhielt den äußersten Teil der Insel von den Säulen des Herakles bis zum Gadeirischen Land“, das demnach jenseits der Straße von Gibraltar lag.

Die erwähnten Territorien gehören alle zum Verbreitungsgebiet der Megalithkulturen während der Jungsteinzeit. So darf mit einiger Sicherheit angenommen werden, dass auch die nicht erwähnten Königreiche zu diesem Kulturkreis gehörten. Seit etwa 5000 v.Chr. siedelten von Norwegen bis Spanien und von Irland bis Deutschland Menschen, deren religiöse Vorstellungen und kultischen Bräuche sich sehr ähnelten. Vor allem war bei ihnen die Sitte verbreitet, aus tonnenschweren Steinen große Grab- und Wohnanlagen zu errichten. Die Megalithleute bewohnten vorzugsweise küstennahe Regionen und Inseln des Nordatlantiks. Eine Vorliebe hatten die alten Baumeister für Rundtempel aus Holzpalisaden und meist kreisrunde, seltener auch ovale Graben- und Wallanlagen. Diese Anlagen spiegeln in ihrem Grundbauplan die „Trojaburg“ im Zentrum der Insel Basileia wider, die aus insgesamt fünf konzentrischen Ringen bestand. Eine spätere Variante der Trojaburgen mit labyrinthischen Gängen ist besonders häufig in Südschweden anzutreffen.

Folgende Gebiete können mit großer Wahrscheinlichkeit zum Einflussbereich der Atlanter gezählt werden :

  • das „Reich des Atlas“: das Verbreitungsgebiet der Nordischen Bronzekultur mit dem Zentrum Althelgoland; ein weiteres astronomisches Zentrum waren die Externsteine bei Detmold;
  • das „Reich des Gadeiros“: Südspanien um die Hafenstadt Cadiz (Gades); außerdem Portugal; ein Zentrum war die südspanische Ortschaft Los Millares (ab 2900 v.Chr.)
  • England und Schottland; hier gibt es die größte Dichte an megalithischen Kultanlagen; Zentren waren z.B. Stonehenge (1. Bauphase ab 3100 v.Chr.) und die Anlage von Avebury
  • Irland; das Gangkammergrab in New Grange ist das älteste erhaltene Bauwerk der Welt (3250 v.Chr.);
  • Nordwestfrankreich und Gebiete zwischen den Flüssen Garonne, Loire und Rhône; Zentren waren die Steinreihen bei Carnac und steinzeitliche Anlagen bei Gavrinis (ab 4800 v.Chr.)
  • Nordafrika; Atlas-Gebirge; Gebiet der Tuareg (Libyen)
  • Inseln des westlichen Mittelmeeres (Balearen, Sardinien, Korsika, Malta) und Küstengebiete am Tyrrhenischen Meer
  • Atlantikinseln vor der Straße von Gibraltar (Kanarische Inseln, Madeira)
  • Mitteleuropa; Verbreitungsgebiet der Kreisgrabenanlagen; um 5000 v.Chr. erbaute Kultanlagen, z. B. bei Goseck (Sachsen-Anhalt); Kyhna (Sachsen); Osterhofen-Schmiedorf (Bayern)

Atl02_30Abb. 5:
Das Verbreitungsgebiet der Megalithbauwerke und Kreisgrabenanlagen in der Jungsteinzeit sowie das Gebiet der Nordischen Bronzekultur um 1500 v.Chr.

Das Siedlungsgebiet der Megalithleute erstreckte sich über ein riesiges Territorium und war somit „größer als Libyen und (Klein-) Asien zusammen genommen“. Es entstand nicht durch kriegerische Expansion eines starken Kernlandes, sondern religiöse Vorstellungen, Bräuche und Architekturideen fanden auf friedlichem Wege durch Händler und Seefahrer Verbreitung und wurden so zum Allgemeingut dieser Menschen.

Die Megalithkulturen-Theorie hat in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Allerdings schlagen einige Anhänger nicht die Insel „Basileia“ in der Helgoländer Bucht, sondern andere Orte als Hauptzentrum vor. H.Tributsch favorisierte 1986 das Gebiet rund um Carnac in der Bretagne, der Holländer de Meester dagegen Stonehenge und seine Umgebung. Einen Nachteil haben diese von Spanuth abweichenden Vorstellungen jedoch. Die erstgenannte Hypothese kann den Untergang von Atlantis nur als Fata Morgana und die andere gar nicht erklären.

Sachverhalt
(bzgl. Hauptinsel und Umland)
Azoren 1) Kreta/Thera Tartessos3) Tunesien
Sch.El Djerid
Althelgoland/
NBK/MKn
Hauptvertreter der Theorie I. Donelly S. Marinatos A. Schulten P. Borchardt J. Spanuth
Jahr der Veröffentlichung 1875 1938 1925 1930 1953
Untergang um 9000 v.Chr. nein nein nein nein nein
Untergang im 14./13. Jhd. v.Chr. nein ja / nein 2) nein nein ja
archäologische Funde aus dem 14./13. Jhd. v.Chr. nein ja nein nein ja
jenseits der Straße von Gibraltar ja nein ja nein ja
Übereinstimmung mit Lage der Phäakeninsel Scheria nein nein nein nein ja
westlich und/oder nördlich von Sizilien (laut Diodor von Sizilien) ja nein ja nein ja
größer als Libyen u. Kleinasien zusammen nein nein nein nein ja (MKn)
370*560 km große Ebene nein nein z.T. (kleiner) / um Cadiz nein ja (Dän./ Norddtl.)
hohe, schöne Berge im Norden der Ebene nein nein ja (Sierra Morena) nein ja (Berge der norw. Fjorde)
an der Mündung großer Flüsse gelegen nein nein z.T. (Gua-dalquivir) z.T. (Triton-Fluss) ja (Weser, Elbe, Eider, …)
Schlamm-Meer nach Untergang nein nein nein nein ja/ Wattenmeer
Bevölkerung führte Krieg gegen Ägypten, Griechenland und Kleinasien nein nein nein z.T. (Libyer gegen Ägypter) ja (Nord-/ Seevölker)
Oreichalkos (Bernstein) vorhanden nein nein nein nein ja
gediegenes, schmelzbares Kupfer nein nein ja ja ja
große Bauwerke mit Ringstruktur nein nein nein nein ja
Elefanten nein nein nein ja nein

Tabelle 1:  Die bedeutendsten Atlantis-Theorien im Vergleich [57]

(NBK= Gebiet der Nordischen Bronzekultur; MKn= Gebiet der Megalithkulturen)
Bem. 1) entsprechend den realen Gegebenheiten um 9000 v.Chr. bzw. 14./13. Jhd. v.Chr.
2) ja, falls Vulkanausbruch um 1220 v.Chr.; nein, falls Vulkanausbr. um 1628 v.Chr.
3) phönizische Gründung (= Cadiz ?) in S-Spanien, von 1100 v.Chr. bis 500 v.Chr.

Frühe Astronomen und Erdvermesser

Die Seewege zwischen den einzelnen Kulturen und vor allem die Fahrten zu den entlegensten Inseln erforderten frühzeitig überdurchschnittliche nautische Leistungen. Den Menschen der Jungsteinzeit und Bronzezeit standen zwar keine modernen Navigationsinstrumente zur Verfügung, doch sie waren ausgezeichnete Naturbeobachter. Sie orientierten sich auf dem Meer tagsüber am Sonnenstand und des nachts an den jahreszeitlich vorherrschenden Sternbildern [46]. Wahrscheinlich nutzten sie schon den später bei den Wikingern gebräuchlichen Sonnenkompass. Mit diesem einfach handhabbaren Navigationsgerät konnte man ziemlich exakt während eines bestimmten Jahresabschnittes zu jeder Tageszeit die Nordrichtung feststellen [47].

Zunutze machten sie sich ein über Jahrtausende hinweg von Priesterastronomen angesammeltes Wissen. Gerade der europäische Norden bietet einige ungewöhnliche Himmelserscheinungen, die dem Betrachter auf der geographischen Breite des Mittelmeeres verwehrt bleiben :

  • Nördlich des Polarkreises geht die Sonne über einen längeren Zeitraum nicht auf bzw. unter.
  • Der Himmelspol steht fast im Zenit. Daher kann nur ab ca. 65° n.Br. die Vorstellung von der Himmelsstütze und vom Riesen Atlas entstehen, der das Himmelsgewölbe auf den Schultern trägt.
  • Alle knapp 19 Jahre treten extreme Mondstellungen auf, die auf einer nördlichen Breite von ca. 61° auch von astronomischen Laien beobachtbar sind. Dabei steht der Sommervollmond bei seiner Kulmination extrem niedrig über dem Horizont bzw. berührt ihn (9 oder 10 Jahre später dagegen beträgt die Kulminationshöhe reichlich 10°). Ebenso wird der Wintervollmond alle 19 Jahre zirkumpolar.
  • Die Schifffahrt auf langen Distanzen ist an der W-Küste Norwegens zwangsweise N-/S-gerichtet, dagegen im Mittelmeer vorzugsweise O-/W-gerichtet. Die Abnahme der Polhöhe von 71° in Nordnorwegen bis auf 54° bei Helgoland lässt daher eher den Gedanken an eine Kugelgestalt der Erde aufkommen.

Es darf daher nicht verwundern, dass Diodor von Sizilien über die Atlanter und ihre astronomischen Fähigkeiten berichtet:

„Atlas, der erste König auf der heiligen Insel und Ahnherr des dort herrschenden Geschlechts hat viel Mühe und Fleiß auf die Kenntnis der Gestirne verwendet und mit großem Scharfsinn herausgefunden, dass der Himmelsbau eine Kugel sei. Atlas … hat die Bewegung der himmlischen Gestirne erfasst und den Menschen offenbart. Dadurch entstand die Sage, dass er den Himmel auf seinen Schultern trüge. …Als ein fleißiger Beobachter der Gestirne sagte er Vieles, was am Himmel geschah, voraus. Das Volk lehrte er nach der Bewegung der Sonne das Jahr, und nach der des Mondes die Monate bestimmen.“ [48].

Das astronomische Wissen der Megalithleute war in der Tat erstaunlich. Sie kannten die genaue Jahreslänge, unterteilten sie in 16 Monate zu je 22 und 23 Tagen und richteten ihre Steinsetzungen nach den Auf- und Untergängen heller Sterne aus. Am bemerkenswertesten aber war ihre Kenntnis des 18,6 jährigen Zyklus‘ bei der Abfolge der Mond- und Sonnenfinsternisse. Diesen so genannten Meton-Zyklus kannten die Erbauer der Stonehenge-Anlage mindestens seit 1800 v.Chr. Die Kenntnis einer ähnlich langen Zeitdauer zur Finsternisberechnung, die Sarosperiode, wird den Babyloniern erst um 600 v.Chr. zugeschrieben.

Ein anderer Anreiz zu intensiver astronomischer Betätigung entstand durch den Übergang unserer Vorfahren von der nomadischen Lebensweise zum Ackerbau. Um den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte bestimmen zu können, war erstmals die genaue Kenntnis des jährlichen Sonnenlaufs erforderlich. Während es anfangs noch genügte, die Aufgangspunkte zur Winter- und Sommersonnenwende mit einfachen Pfostenreihen zu markieren, entstanden später runde Sonnentempel, in denen man an ganz bestimmten Tagen im Jahr Feste feierte. Besonders verbreitet waren die astronomisch orientierten Kreisgrabenanlagen und mehrfachen Holzpalisadenringe in Mitteleuropa. Hier siedelten ab 5300 v.Chr. die Bandkeramiker, die wahrscheinlich ersten Bauern auf unserem Kontinent. Eine über mehrere Jahrtausende währende Beschäftigung mit den Himmelsereignissen lässt sich im mitteldeutschen Raum nachweisen. Um 5000 v.Chr. wurde die Kreisgrabenanlage in Goseck errichtet, und nicht weit davon entfernt legte man um 1600 v.Chr. einem hohen Würdenträger der Aunjetitzer Kultur die berühmte Sternscheibe von Nebra ins Grab.

Bewundernswert sind ebenfalls die vermessungstechnischen Fähigkeiten dieser Menschen in so früher Zeit. Sie wahrten bei ihren Steinsetzungen und Kreisgrabenanlagen bestimmte Proportionen, die bei Umfang und Durchmesser runde Maßzahlen in ihrem Maßsystem ergaben. Die praktische Anwendung des Lehrsatzes des Pythagoras war ihnen bereits vertraut, wie beispielsweise Steinsetzungen in Odry (Westpreußen) und in der Bretagne zeigen [49]. Es wurden sogar vorgeschichtliche Heiligtümer über große Entfernungen hinweg geradlinig oder in einem besonderen Winkel zueinander angeordnet. Während in Südengland schon seit längerer Zeit so genannte Ley-Linien aufgespürt wurden, gelangen K.Bedal und H.Zschweigert ähnliche Entdeckungen vor einigen Jahren auch in Oberfranken und Schleswig-Holstein [50]. Die vorgeschichtlichen Vermesser benutzten beim Errichten ihrer Bauwerke eine einheitliche, von A.Thom nachgewiesene Maßeinheit, das „Megalithische Yard“ (MY) von etwa 83 cm Länge [51]. Wahrscheinlich wurde bereits für größere Distanzen die später auch in Griechenland gebräuchliche Maßeinheit „Stadion“ (ca. 185 m) verwendet und der Erdumfang mit 216.000 Stadien bestimmt [52]. Sollte dieses erstaunliche Wissen tatsächlich vorhanden gewesen sein, dann ist die Vermessung der 2000 mal 3000 Stadien große Ebene sicherlich von den dort lebenden Menschen selbst vorgenommen worden. Auch wenn eine Überinterpretation archäometrischer Fakten nie ganz auszuschließen ist, so dürften doch die mathematischen und astronomischen Fähigkeiten dieser Menschen höher gewesen sein als noch vor Jahrzehnten angenommen.

Die „Heilige Insel“ Basileia

Die Archäologen kennen schon seit längerem einige bedeutende jungsteinzeitliche Kultanlagen und Ansiedlungen der Megalithleute und Bandkeramiker. Es muss jedoch darüber hinaus ein Ausstrahlungszentrum gegeben haben, das ordnend in das Gemeinleben aller zehn Königreiche der Atlanter eingriff. Anders ist beispielsweise die Ausbreitung des „Megalithischen Yard“ in halb Europa nicht erklärbar. Auch für Prof. W.Schlosser bedeutet die Existenz und strenge Einhaltung der „megalithischen Elle“ als Grundmaß in einem so großen Gebiet eine fast hochkulturelle Durchstrukturierung zumindestens in der Geometrie [53]. Billigt man dem Atlantisbericht auch in diesem Punkte Wahrheitsgehalt zu, dann kann diese „Maßgebende“ Rolle nur die mehrfach hervor gehobene „Heilige Insel“ Basileia gespielt haben. Hier trafen sich alle fünf oder sechs Jahre die Könige der weit verbreiteten Gemeinschaft zu kultischen Handlungen und berieten über die von allen einzuhaltenden Gesetze.

Bisher ist es noch nicht gelungen, die genaue äußere Gestalt dieser Insel zu ermitteln. Zumindestens aber gibt es Anhaltspunkte für ihre ungefähre Lage. Schon frühzeitig erkannte man, dass das heutige Helgoland nicht die gesuchte antike Bernsteininsel gewesen sein kann. Nach einer Untersuchung der geologischen Gegebenheiten durch E.Wasmund im Jahre 1937 konnte sie sich nur über dem Südstrandrücken in Richtung Eiderstedt erstreckt haben. Das Zentrum von Atlantis war demnach eine relativ große zusammenhängende Insel, die von Helgoland bis zu einer Stelle reichte, an der sich später zeitweilig die separate Insel „Südstrand“ befand. Der aus Platons Angaben für Basileia abgeleitete Durchmesser von 127 Stadien (23,5 km) erscheint glaubhaft, weil einige im Mittelalter zerfallene nordfriesische Inseln ursprünglich eine ähnliche Größe hatten.

Ein strittiger Punkt ist noch die Frage nach dem Mittelpunkt der bronzezeitlichen Insel, wo sich „ein allseits niedriger Hügel“ mit den wichtigsten Kultanlagen befunden haben soll. J.Spanuth war stets davon überzeugt, ihn 50 Stadien östlich der Düne auf dem etwas höher liegenden Steingrund gefunden zu haben, wo auch seine wichtigen Tauchfunde gemacht wurden. W.P.A.Fischer nimmt dagegen als Zentrum eine zweite untermeerische Erhebung etwa 11 km nö. vom Steingrund an. Nur hier war seiner Meinung nach genug Platz für eine annähernd runde, große Insel mit über 10 km Radius. Für diese Annahme spricht der Verlauf der 20 m – Tiefenlinie, die etwa den bronzezeitlichen Küstenverlauf widerspiegelt. Allerdings wurden bisher noch keine Unterwasserfunde gemacht, die den Mittelpunkt genau an dieser Stelle belegen, und andere Forscher teilen eher Spanuths Auffassung.

Ebenso sind bei der detailreichen Beschreibung der „Königsinsel“ hinsichtlich der Größenangaben und der Ausstattung einiger Bauwerke Zweifel angebracht. Es wird beispielsweise von einem 93 m breiten und 31 m tiefen und mit Kupfer ausgelegten Kanal berichtet. Der Haupttempel soll Ausmaße von 185 mal 93 m gehabt haben. G.Kehnscherper vermutete daher, dass Platon nur ganz allgemein sein Wissen über die nördlich der Alpen lebenden Völkerschaften zusammengefasst hat und die Insel Basileia mit nur ganz wenigen „echten“ Bausteinen ausstattete. Die zentrale Trojaburg mit insgesamt fünf Land- und Wasserringen und einem Außendurchmesser von 27 Stadien (5 km) wäre seiner Meinung nach nur die ins Überdimensionale vergrößerte Kultanlage von Stonehenge gewesen [54].

 

Atl08Abb. 6:
Aufbau des Zentrums der Insel Basileia, rekonstruiert nach den Angaben Platons (Dialog „Kritias“);

Neuere Überlegungen machen es allerdings wahrscheinlich, dass die gefangenen Philister den Ägyptern doch relativ genaue Ortsbeschreibungen gaben. Einige in Museen ausgestellte Fundgegenstände aus dem Gebiet der Nordischen Bronzekultur verraten dazu erstaunliche Einzelheiten, die bisher nur unbefriedigend gedeutet werden konnten. Die Ornamentik mehrerer fast 1 m großen Rundschilde stellt nach Auffassung von H.Zschweigert nichts anderes als das Zentrum der Insel Basileia künstlerisch dar [55]. So erkennt man die Land- und Wasserringe rings um den Inselmittelpunkt mit dem ovalen Burghügel, die Überbrückungen über den schmalen Schleusen, den äußeren langen Kanal bis zum Meer und auf einigen Schilden auch Schwäne, die heiligen Vögel der Hyperboreer.

Atl09Abb. 7:
Einer der 16 in Schweden gefundenen „Herzsprung-Schilde“ aus der Bronzezeit mit stilisierter Darstellung des Zentrums von Basileia (?)
(Foto: H.Zschweigert)

Bedeutsam ist ferner, dass diese in Schweden gefundenen Bronzeschilde fast identisch verziert sind wie die zwei aus Herzsprung in der Prignitz stammenden Schilde [56]. Die so genannten Herzsprung-Schilde fand man nicht nur im Gebiet der Nordischen Bronzekultur, sondern auch auf den Britischen Inseln, in Mitteleuropa, Spanien, Griechenland und auf Zypern. Die Verbreitung dieser Schilde zeugt von der überregionalen Bedeutung und Verehrung der wichtigsten Insel der Atlanter.

Einige bis zu 12 cm große, vornehmlich von Frauen getragene Gürtelscheiben erinnern ebenfalls in ihrer künstlerischen Darstellung an das Zentrum der „Säulen- und Königsinsel“: eine mit einem kleinen Sporn versehene, leicht erhabene Mittelfläche ist umgeben von mehreren Ringen, von denen jeder zweite mit einem Wellenband dargestellt wurde. Auch beim Sonnenwagen von Trundholm ist die vergoldete Scheibe nicht ideal glatt, wie für eine Sonnendarstellung zu erwarten wäre, sondern mit einem ähnlichen Ring- und Wellenmuster verziert.

Zu den „echten“ Bausteinen bei der Beschreibung der Insel zählen sicherlich auch die mit Bernstein bedeckte zentrale Säule, auf der Stiere geopfert wurden, die warme und kalte Quelle, die „barbarisch“ aussehenden Tempel, der Heilige Hain, mehrere Häfen und das „Kaufmannsviertel“. Wahrscheinlich steckt selbst in den angeblich mit Kupfer ausgelegten Kanälen eine noch nicht richtig deutbare Information, denn einer alten Helgoländer Sage zufolge soll auf dem Steingrund einst eine unermesslich reiche Stadt mit kupfernen Kanälen gelegen haben.

Anlage Gebiet Bauzeit
v.Chr.
Außen-Ø
in m
Anzahl Ringe Besonderheiten / Anmerkungen
Basileia / Althelgoland Deutsche Bucht vor 5000 1) 4995
(27 Stadien)
5 3 Wasser- und 2 Landringe;
Tempel u.a. Heiligtümer im Zentrum
Avebury Südengland 2700 427 1 + 2 mit 2 kleineren Innenringen, (Steinkreise);
größte erhaltene Anlage
Birkendegaard Seeland /DK 1000 (?) 320 3 mit Steinsäulen (wie bei Stonehenge)
Kyhna Sachsen 5500 150 4 3 Tore
Stonehenge Südengland 3100 /
ab 2600
104 /
30
Erdwall
4 2)
erhaltene Steinkreise; in Hufeisenform aufgestellte 5 Trilithe
Quenstedt Sa.-Anhalt 2200 95 5 5 Holzpalisadenringe, 3 Tore
O.-Schmiedorf Bayern 4800 75 3 2 Tore
Goseck Sachsen-Anhalt 5000 74 2 früheste Anlage mit nachgewiesener astronomischer Ausrichtung; 3 Tore

Tabelle 2:  Die Kreisgrabenanlage auf Basileia im Vergleich zu anderen bedeutenden Anlagen in Europa

Bem. 1) Laut Platon war die 1. Ausbaustufe (ohne Schleusen und Kanäle) „vor Beginn der Schifffahrt“
2) Steinkreise z.T. nicht vollständig geschlossen

 

Quelle: http://www.eichner-dresden.de/atlantis/

Gruß an Die Atlantider

TA KI

 

 

Christensklaven als Beute nordafrikanischer Piraten- und weiterführendem Link(!!!)


Christensklaven 1.1Christensklaven 2Christensklaven 3.3Christensklaven 4Christensklaven 5Christensklaven 6Christensklaven 7Christensklaven 8Christensklaven 9Christensklaven 10Christensklaven 11Christensklaven 12Christensklaven 13Christensklaven 14Christensklaven 15Christensklaven 16Christensklaven 17Christensklaven 18Christensklaven 19Christensklaven 20Christensklaven 21Christensklaven 22Christensklaven 23Christensklaven 24Christensklaven 25Christensklaven 26Christensklaven 27Christensklaven 28

.

 

Quelle: http://www.romanistik.uni-wuerzburg.de/fileadmin/99050602/user_upload/Mitarbeiter/Ruhe/Ruhe_Aufsaetze/christensklaven159-172.pdf

Weiterführender Link zu diesem Thema (!!)

Gruß an die Wissbegierigen

TA KI

Frankreich stellt Nato-Jäger…- Russische Bomber trainieren Flüge über Nordeuropa


Mirage

Frankreich wird die Nato-Truppen in den Baltischen Ländern durch vier Jäger verstärken, meldet der Chef des französischen Generalstabes, Pierre de Villiers, am Donnerstag bei seinem Besuch in Washington.

 

„Sie nehmen an der Mission über den Baltischen Ländern teil und werden in Polen stationiert“, sagte er.

Vier Flugzeuge, Mirage 2.000 oder Rafale, werden schon diesen Sonntag zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus will Frankreich ein mit dem AWACS-System ausgestattetes Flugzeug für die Patrouille des rumänischen Luftraums entsenden.

.
Quelle: http://german.ruvr.ru/news/2014_04_24/Frankreich-stellt-Nato-Jager-fur-Patrouille-des-baltischen-Luftraums-bereit-1129/

___________________________________________________________________________________________________

Russische Bomber trainieren Flüge über Nordeuropa

1 / 2

Tu-95MSMiG-31

Russische strategische Raketenträger Tu-95MS haben in Begleitung von Kampfjets MiG-31 Flüge über neutralen Gewässern der Nordsee trainiert, wie der Sprecher der Luftstreitkräfte, Oberst Igor Klimow, Journalisten am Donnerstag mitteilte.

Die Fernfliegerkräfte Russlands absolvieren regelmäßig Flüge über neutralen Gewässern der Arktis, des Atlantiks, des Schwarzen Meeres und des Pazifiks. Nicht selten löst das Empörung von Nachbarländern, zum Beispiel Japans, aus, das allein seit Anfang April mehrmals seine Fliegerkräfte alarmiert hat.

Das russische Verteidigungsministerium betont ständig, dass alle Flüge über neutralen Gewässern in strikter Übereinstimmung mit den internationalen Flugregeln erfolgen, ohne die Luftgrenzen anderer Staaten zu verletzen.

„Die Route des Fluges verlief über neutralen Gewässern der Nordsee, entlang der Kola-Halbinsel. Die Flugzeuge legten über 12 000 Kilometer zurück. Die Flugdauer betrug mehr als 16 Stunden“, so Klimow.

Die Besatzungen trainierten Flüge über dem orientierungslosen Gelände und die Luftbetankung. Die Bomber waren von zwei Kampfjets MiG-31 begleitet. Das Zusammenwirken erfolgte mit Hilfe des „fliegenden Radars“ A-50 (Il-76).

Tu-95 (Nato-Codename „Bear“) ist ein russischer strategischer PTL-Bomber und –Raketenträger, der ein Symbol des Kalten Krieges geworden ist. Die Modifikation der Tu-95MS, die auf der Basis  der Tu-142MK entwickelt worden war, ist die Grundlage der strategischen Fliegerkräfte Russlands. Das Flugzeug ist Träger von Marschflugkörpern X-55 und ist für die Vernichtung wichtiger Objekte im Hinterland des Gegners zu jeder Zeit und unter jeglichen Witterungsbedingungen bestimmt.

.

Quelle: http://de.ria.ru/security_and_military/20140424/268346422.html

Gruß an die Völker

TA KI