Organspende nach Hirntod: Zweifel an Qualität der Diagnostik


War die Frau hirntot oder nicht? In Bremerhaven wurde eine Organentnahme abgebrochen, weil es Zweifel an der Diagnose gab. Ein Skandal, der eine alte Diskussion neu entfacht: Sind Ärzte gut genug ausgebildet für diese folgenschwere Diagnose?

Quelle: http://www.netzplanet.net/organspende-nach-hirntod-zweifel-an-qualitaet-der-diagnostik/20109

 

Jörg Przybilla ist 62 Jahre alt, fit, sportlich. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Seit zehn Jahren lebt er mit einem Spenderherz. Er war darauf angewiesen, dass ihm ein anderer Mensch, für den es keine Rettung mehr gab, sein Herz spendete. Jetzt kann Jörg Przybilla sogar wieder Tennis spielen. Es ging ihm nie so gut wie heute, sagt er.

Rund 11.000 Schwerkranke warten in Deutschland auf lebensrettende Organe. Doch die Zahl potentieller Spender geht zurück. Skandale in der Transplantationsmedizin haben das Vertrauen vieler erschüttert. So wie jetzt der Fall aus Norddeutschland: Im Dezember musste in Bremerhaven eine Organentnahme abgebrochen werden, weil plötzlich Fehler in der Hirntod-Diagnose aufgefallen waren.

Strengere Regeln für die Hirntod-Bestimmung

Offenbar nicht der einzige Fall, in dem es Ungereimtheiten rund um eine Hirntod-Diagnose gibt. Aktuell prüft die Bundesärztekammer elf Fälle bundesweit. Und steht selbst in der Kritik: Seit Langem fordern Experten strengere Regeln für die Hirntod-Bestimmung und eine bessere Ausbildung der Ärzte. Doch noch ist nichts passiert, seit Jahren arbeitet die Bundesärztekammer an einer Aktualisierung der Richtlinien.

Patientenvertreter drängen jetzt auf die Bildung von Kompetenzteams für die Hirntod-Bestimmung, die unter staatlicher Aufsicht stehen sollen. Bei Diagnosen, die über Leben und Tod entscheiden, darf es keine Zweifel geben – zum Schutz der Spender und weil es um das Leben derer geht, die auf Spenderorgane angewiesen sind.

Organentnahme – Das fordert das Gesetz:

  • Ausschlaggebend für die Möglichkeit einer Organentnahme ist immer der Hirntod, also das vollständige und unwiderrufliche Erlöschen der Hirntätigkeit, welches den Todeszeitpunkt markiert.
  • Die Attestierung erfolgt nach einem genau festgelegten Prüfverfahrung – siehe unten – durch zwei speziell qualifizierte Ärzte. Beide untersuchen unabhängig voneinander und unabhängig vom Transplantationsteam.
  • Organentnahme, -vermittlung und -transplantation sind organisatorisch und personell voneinander getrennt. Die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant, die in den Niederlanden ansässig ist, organisiert die Verteilung der Organe. Wer von den vielen Menschen auf der Warteliste ein Organ erhält, wird nach einem sehr komplizierten Verfahren entschieden, in das medizinische Gesichtspunkte genauso eingehen, wie etwa die räumliche Entfernung zwischen Spender und Empfänger.