Tradition der Ostereier


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Osterbrauchtum: Die Geschichte der Ostereier hat einen besonderen Ursprung in dem historischen Brauch der Pacht- und Schenkeier, Antlass Eier, Pysanka und Binsenmark Eier, welche im Mittelalter zwischen dem 4. und dem 15. Jahrhundert als Abgaben an Lehnsherren, Kirchenträgern und Lehrern übergeben wurden. Dennoch hat das eigentliche österliche Ei noch eine viel weitreichendere historische Bedeutung.

Das Osterei (Ostereier), welches zu Ostern verschenkt wird, ist im Ursprung aus den Schöpfungsmythen verschiedener Völker und Ur-Völker vor einigen tausend Jahren hervorgegangen. Seit mehr als tausend Jahren erzählen Mythen und Geschichten über die Entwicklung des Lebendigen aus dem Leblosen, was sich bei dem Ei auf ganz besondere Weise zeigt. Ein indischer Mythos besagt zum Beispiel, das Brahma, einer der Hauptgötter des Hinduismus, tausend Jahre in einem Ei hockte, es dann teilte und aus den beiden Hälften Himmel und Erde erschuf. Nach der griechischen Mythologie entstand die Erde aus der Eierschale, das Element Feuer aus dem Dotter und die Luft aus der kleinen Blase im Ei. Die Entstehung der Erde »ab ovo« (Lat. = vom Ei) begegnet man weiterhin in der ägyptischen Mythologie, welche das „Sonnenei“ kennt, sowie in der chinesischen, der japanischen und der altperuanischen Mythologie.

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Das zerbrochene bzw. das aufgeschlagene Weltei, welches in der niederländischen Kunst des Pessimismus aus dem 15. Jahrhundert vorkommt, steht für die Geburt des Abscheulichen, welches nur tote und sinnlose Inhalte hervorbrachte. (Hieronymus Bosch, Jacques Callot) In diesem Zusammenhang steht besonders das Ei der Reptilien, welches als die Verkörperung des Dämonischen betrachtet wurde. Für Alchimisten steht das Ei für Chaos, die »prima materia«, in dem die Weltseele eingeschlossen war. In vielen Totenkulten spielte das Ei als Lebenssymbol, als Zeichen der Rückkehr und zugleich als Wegzehrung in das Totenreich, eine bedeutenden Rolle.

In diesem Zusammenhang fanden Archäologen prächtig verzierte „echte“ Eier sowie verzierte Nachbildungen von Eiern aus Mamor, Ton und Alabaster in frühgriechischen, etruskischen, gallischen und nordischen Gräbern. Auch gefärbte Eier aus vorchristlicher Zeit sind bekannt, wenngleich diese auch nicht so bekannt sind, wie die Toneier aus Korinth, welche sich in europäischen Museen befinden. Auch noch in heutigen Tagen wird das Ei mit Lebenskraft und Fruchtbarkeit verbunden. In diesem Zusammenhang steht das Ei in besonderer Beziehung zum Frühling, der Jahreszeit, in welcher neues Leben in der Natur erwacht. Am 21. März, zum sog. Frühlingsanfang, beginnt die Sonne höher zu steigen – ein Ereignis, das in vielen Bräuchen gefeiert wurde und auch heute noch gefeiert wird.

In der christlichen Religion steht das Osterei als Sinnbild für den Sieg von Jesu Christi über den Tod durch die Auferstehung zu Ostern. So heißt es bei Ephräm, einem syrischen Kirchenlehrer im 4. Jahrhundert: „Gleich einem Ei springt das Grab auf.“ Das christliche Osterei wird seit dem 12. Jahrhundert am Ostersonntag in der Kirche gesegnet, wobei die »benedictio ovorum« mit der allgemeinen Speisenweihe nach der Aufhebung der Fastenverbote zusammenhängt. Die gesegneten Ostereier wurden einst an bevorzugter Stelle aufbewahrt. So wurde das Ei zum Symbol für die Auferstehung Christi: die zerbrochene Eierschale wurde als leeres Grab gedeutet. Die im Mittelalter übliche rötliche Färbung – man spricht von der liturgischen Farbe, erinnert an die Erlösung durch Christi Sterben und sein vergossenes Blut. In russischen und urkrainischen Legenden stehen die roten Ostereier für den Schmerz trauender Mütter.

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An anderer Stelle wird gesagt, dass bemalte Ostereier erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt werden: So war nach den Fastenvorschriften der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten „Karwochen-Eier“ zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen „Jahres-Eiern“ unterscheiden. Die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.

Als besonders ausgefallen und traditionell gelten die „Sorbischen Ostereier“ der katholischen Sorben aus der Lausitz in Sachsen. Um Ostern finden Sie in der Lausitz viele alte und neue Bräuche. Während die Osterprozessionen der katholischen Sorben weit über die Region hinaus bekannt sind, wird das Ostersingen, das Waleien, das Osterwasserholen und das Abbrennen der Osterfeuer leider nur noch in einigen dörflichen Gemeinschaften und Familien gepflegt.

 

Die Tradition des Ostereier-Verschenkens

kathas-ostereiDie Tradition des Ostereier Verschenkens geht vermutlich auf den älteren Brauch der Abgabe von Zins- und Antlaßeiern im Mittelalter zurück. In der mittelalterlichen Naturalwirtschaft wurden den Grundherrn (auch Lehnsherrn) die Steuern und Abgaben unter anderem mit Naturalien bezahlt. Flurnamen wie „Eierzins“ oder „Eierwiese“, als Bezeichnung für Grund und Boden, erinnern an diese Pflicht, die auf dem Grundstück lag. Mit der Reformation im 16. und 17. Jahrhundert trat eine grundlegende Änderung in der Tradition des Eier Verschenkens ein. Es wurden nicht mehr nur die Grundherrn, Pfarrer und Lehrer mit frischen Eiern bedacht, sondern auch Patenkinder und Freunde, denen man die dem Ei innewohnende Fruchtbarkeit und Lebenskraft übertragen wollte. Die historische Aufwertung des Eierverschenkens im 16. Jahrhundert führte zur künstlerischen Gestaltung der jeweiligen Ostereier. Noch heute lassen sich nach der Art der Ornamentik und der Verzierungstechnik europäische Ostereier-Landschaften voneinander unterscheiden. Farben und Mustersymbolik sind seit Jahrhunderten überliefert worden. So stehen z.B. Bänder und Wellenlinien für das ewige Leben, Dreiecke für Formen der Dreifaltigkeit wie Vater, Sohn und heiliger Geist, die Familie, Luft, Wasser und Himmel, Kreuze erinnern an den Sieg Christi über den Tod, Sonne und Sterne an das Leben, Pflanzen und Blumen an Liebe, Güte und Wohlwollen.

Der Theologe Dr. theol. Manfred Becker-Huberti aus Köln schreibt in seinem Aufsatz „Ova paschalia – über den Sinn österlicher Eier“ über das Schenken von Ostereiern: „Das Schenken von Eiern zu Ostern durch Christen lässt sich schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in Armenien nachweisen. Hier war das Osterei kein Frühlingsopfer, diente nicht als Grund- und Bodenzins und war auch nicht das Ergebnis eines Eierverbotes in der vorösterlichen Fastenzeit. Die christlichen Ostereier symbolisieren das neue, übernatürliche Leben. In Österreich war das rote Osterei bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges die Regel. In der Westkirche setzte das Bemalen von Ostereiern im 12./13. Jahrhundert ein. Neben den roten Eiern traten die Farben grün, blau, gelb, schwarz auf, aber auch silber und gold. Die Eier waren bald nicht nur einfarbig, sondern wurden verziert, besprenkelt, ausgekratzt, beschrieben, beklebt, bemalt, ausgeblasen und gefüllt. Einzelne Landschaften haben unterschiedlichen Ostereierschmuck hervorgebracht. In Russland taucht man gekochte Eier in flüssigen Bienenwachs und legt sie dann in Farbbäder. Andere bemalen die Eier mit flüssigem Wachs und färben sie dann. Mehrere Farbbäder hintereinander bringen Schattierungen und Muster hervor. „Pysanka, die Geschriebene”, wird das mit grafischen Mustern in Batiktechnik kunstvoll verzierte Osterei in der Ukraine genannt. Die Pysanky werden durch Ornamente und Figuren mit – früher magischer jetzt – christlicher Bedeutung geschmückt. In Österreich ist es Brauch, gefärbte Eier mit einer in Salzsäure getauchten Stahlfeder zu ätzen. Auf diese Weise lässt sich auf den Eiern zeichnen. Berühmt sind die sorbischen Ostereier, die durch Kratz- und Ätztechniken oder durch Batik entstehen. In Mittel- und Ostdeutschland werden Binsenmark-Eier hergestellt, indem man fadendicke Mark der Binsen in Kringeln und Spiralen auf ausgeblasene Eier klebt. In Mähren stellt man Stroh-Eier her. Durch Einweichen von Strohhalmen, die man aufschlitzt und zu Bändern bügelt, gewinnt man das Material, mit dem man die Eier beklebt. Ausgeblasene oder gekochte Eier werden mit Rechtecken und anderen Mustern beklebt.”

[Quelle: ↑religioeses-brauchtum]

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Das 18. Jahrhundert ist die Wiege des künstlerisch und handwerklich gefertigten Ostereies, welches in der Folgezeit ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten erfahren hat. Aus der Form des einfachen Ei wurden Luxusgegenstände aus den kostbarsten Materialen. Ausschlaggebend dafür war die Mode des Ostereierschenkens, der man besonders an den europäischen Höfen mit Spitzenprodukten künstlerischen Handwerks und Könnens huldigte. Der französische Hof unter Ludwig XV. ließ Ostereier von Malern wie Watteau, Lancret und Boucher mit zeitgenössischen galanten Szenen (erotischen Szenen) bemalen. Der russische Hofjuwelier Farbergé stellte jedes Jahr ein sog. „Überraschungsei“ für die Zarenfamilie her.

Die Tradition der Osterhasen

Mit der Blüte des Ostereier-Schenkens im 18. Jahrhundert hielt der Hase als Überbringer Einzug in die Tradition. Diese Tradition entwickelt sich zuerst am Oberrhein, dem Elsaß und der Pfalz. In anderen Gegenden wurden die Ostereier vom Hahn, dem Storch, dem Kuckuck und sogar vom Fuchs gebracht. Die Verbreitung, dass der Osterhase die Ostereier bringt, ist wohl auf die Erklärungen für die Kinder zurückzuführen. Obwohl der Hase schon im Altertum ein Symbol für Fruchtbarkeit und Zeugungskraft war, kann man davon ausgehen, dass die Tradition aus dem Erklärungsbedarf für „ bunte Ostereier“ hervorgegangen ist. Zur Zeit des Biedermaier wurde aus dem Ostereier-Verschenken ein Ostereier Versteckspiel mit Süßigkeiten und Zuckerbäckerein. So berichtet Friedrich von Matthisson, ein Freund Goethes, 1783 von einem Kinderfest bei Weimar. „Die muntere Jugend, worunter auch kleine Herder und Wielande waren, zerschlug sich durch den Garten und balgte sich bei dem Entdecken der schlauversteckten Plätze (für Plätzchen) nicht wenig…“ (Goethe)

Laut dem Heiligenlexikon entwickelten evangelische Familien im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten. Der Osterhase „sollte die Ostereier bemalen, verstecken und legen.“ Damit wollten sich die Protestanten von den Katholiken distanzieren, weil sie die Fastenbräuche und die „Eierweihe“ (siehe oben) der katholischen Kirche ablehnten. Die vierzigtägige Fastenzeit der römisch-katholischen Liturgie ist als „Österliche Bußzeit“ bestimmt. Die Österliche Bußzeit dient der Vorbereitung auf die Osterfeier.

Literaturhinweise:

  • Dr. Joana Roch-Strübler, Hartman International „Das Ei ist Leben“
  • Becker, Albert: „Zur Geschichte der Osterhasen und seine Eier“ in Zeitschrift für deutsche Volkskunde, 35,36 1925/26
  • Blobel, Brigitte: Das Osterbuch, München 1983
  • Graff-Höfgen: „Ostereier zwischen Kunst und Kommerz“, in Volkskunst, Mai 1986
  • Heim, Walter: Osterbrauchtum, Freiburg 1997

Quelle: http://www.killikus.de/ostereier-ostern-tradition/

Gruß an den Osterhasen

TA KI

Allerlei vom Osterei


Von den vielen Oster- und Frühjahrsbräuchen, die man grundsätzlich in Feuer- und Fruchtbarkeitsbräuche einteilen kann, ist wohl am bekantesten der Ostereierbrauch, der ein ausgesprochener Fruchtbarkeitsbrauch ist. Damit das folgende Allerlei vom Osterei auch von jungen Leuten gelesen wird, beginne ich meine Schilderung mit der Beziehung zwischen Osterei und Liebe. Wir wissen, auf Ostern gibt das Deandl ihrem Buam a rot’s Ei, manchmal am Kammerfenster in der Nacht vom Ostersonntag auf Ostermontag (im Oberland), manchmal beim Hoagarscht (Heimgarten), manchmal auch beim abendlichen Ausgang. Die Zahl der gespendeten Eier wird von der Tiefe der Liebe bestimmt. Eins, drei, ja, wenn’s recht arg is’ auch 5 und 7 Oar, aber immer eine ungerade Zahl Eier wird gegeben. Eine gerade Zahl zu schenken, würde eine große Beleidigung, in Liebesangelegenheiten sogar eine Absage bedeuten. Wie die Zahl, so ist auch die Farbe bestimmt. Ursprünglich schenkten die Deandln nur rote Eier. Wenn im Laufe der Zeit auch andersfarbige Eier gespendet wurden, so ist dies eine Verwässerung des alten, ursprünglichen Brauches. Wie es in der Liebe nun einmal ist, manchmal wird der Bua, der sich am Fenster sein rotes Ei zu holen eingefunden hat, auch schwer enttäuscht. Statt eines guten Eies, bekommt er ein faules oder auch ein mit Sand gefülltes. Dann allerdings weiß er, wieviel’s g’schlag’n hot.

Doch in den meisten Fällen ist es anders, ja das verliebte Madl gibt nicht nur schöne, rote Eier, es versieht sie auch noch mit heißesten Liebesgrüßen, um gleich auf den ersten Blick seine große Zuneigung erkennen zu lassen. In mühevoller Arbeit werden die roten Eier mit Sprüchen versehen. Ein Zündholz oder eine Stricknadel werden in heißes Schmalz getaucht und damit vor dem Färben das Ei beschrieben. Bei der nachträglichen Färbung nehmen die mit Schmalz bestrichenen Stellen (das Schmalz ist inzwischen eingetrocknet) seine Farbe an, der Liebesspruch der Schönen glänzt dem Liebsten so feurig entgegen, wie ihm hinterm Mieder das Herzchen entgegenschlägt. Leider muß ich allerdings feststellen, daß dieser schöne Liebes- und Eibrauch sowohl in Ober- wie in Niederbayern und auch in der Oberpfalz in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Wenn auch viele dieser Eierverse nachgeschrieben waren, sie ließen doch tiefe Einblicke in die Volksseele zu, und es wäre zu begrüßen, wenn dieser Brauch wieder aufleben würde.
Von meinen vielen, seit Jahren gesammelten Eierversen will ich nun eine kleine Auswahl bringen:

Mein Herz brennt wie Feuer,
drum schenk i dir die Eier.
Dieses kleine Angedenken,
will ich dir zu Ostern schenken.
Dieses Ei ist kugelrund,
Ich denke Dein zu jeder Stund.
Liab’n und net hab’n,
is hirter wia Stoan trag’n.
Mein Herz brinnt als wie a Gluat,
es fragt, was das deine tuat?
Zum Dank der Lieb’und ewigen Treu’ Verehr’ ich dir das Osterei.
Wenn dein Herz ist wie das mein’, Wird die Lieb’ beständig sein.
Nimm hin dies kleine Osterei,
Denk’, das beste ist dabei.
Dieses Ei zeigt rosenrot,
Ich liebe dich bis in den Tod.
Das Ei zerbricht, meine Liebe nicht.
So klein auch diese Gabe scheint,
Sie ist doch gut gemeint.
Die 3 Eier schick ich dir,
Ein gutes Busserl möcht ich dafür.
Der Himmel ist blau, die Eier sind rot, ich will dich lieben bis in den Tod.
Lieben und sich nicht sehen,
Ist härter als auf Dornen gehen.

Wir sehen schon aus dieser Kostprobe, daß diese Eierverse volksechte Liebesgefühle widergeben. Besonders fällt auf, daß meistens von „roten“ Eiern die Rede ist. Wir erkennen eben, daß ursprünglich nur das rote Ei im Osterbrauch vorkam.Es gibt nun auch Eierverse, die gerade nicht von Liebe sprechen und alles andere sind als Liebeserklärungen. Zum Beispiel:

 

Dieses Ei hat die Henn’ gesch…..
Von dir will ich nix mehr wissen.“

„Die Liebe hat die Katz’ gefressen,
Auf dich hab’ich schon lang vergessen.“

 

Das Ei kommt weiter vor in der heimischen Volkssprache: „An Oa is a ganze Goa (Gab)“, sagt der Oberpfälzer und will damit ausdrücken, dass mit einem Ei etwas ausgerichtet ist, daß das Ei einen besonderen Nährwert hat. „Dem legt sogar der Gockel Eier“, sagt man bei einem, dem bei jeder Gelegenheit das Glück in den Schoß fällt. Im gleichen Sinne wird gesagt: „Dem seine Oar hab’n zwoa Dotter.“ „Wer’s Oa zum Fester raus wirft, braucht’s nimmer aufheben.“ Das heißt, wer sich so aufführt, daß er gleich alles von vornherein zerstört, braucht sich nicht zu wundern, wenn er keinen Erfolg hat.„Um a ung’legtes Oa soll man sich nicht kümmern.“ Damit will gesagt sein, man soll sich nicht schon um Sachen grämen, die noch in weiter Ferne liegen.„Jungfrau’n und Oar soll ma nöt lang aufheb’n.“ Hierzu ist keine Erklärung notwendig. Jeder Leser wird dem Spruch beistimmen. Unter den Ostereiern gibt es nun hinsichtlich ihrer Wertschätzung im österlichen Brauch ganz verschiedene Abstufungen. Die am Gründonnerstag gelegten Eier sind die „Antlaßeier“, auch „Olaßeia“ und „Dudlaseier“ genannt. Sie gelten als heilsam, dienen vielfach als Schutzmittel gegen Krankheit in Haus und Hof, sie kommen noch vereinzelt bei der Ernte in die erste Garbe und sollen niemals verderben. Ihnen wird besondere Kraft zugemessen. Man gibt sie Schwerarbeitern zum Schutz gegen Leibbruch. Auch das Feuer können sie bannen, und früher warf man sie vielfach in die lohende Brunst. Vergräbt man Antlaßoar unter der Türschwelle, kann weder die Drud noch die Hex in Haus und Stall. Antlaßeier einer Henne untergelegt, gibt Hühner, die alle Jahre neue und andersfarbige Federn bekommen. (Niedb.) Als die besten Olaßoar gelten die von den schwarzen Hennen. Im Isarwinkel gibt die Bäuerin den jungen Hühnern zerhackte Antlaßoar, damit sie der „Hennerstößer“, der „Hühnerhabicht“, nicht erwischen kann. Auch im Hausgebälk, besonders auch im First, werden solche Eier gegen Blitzschläge eingelassen. In Oberaudorf gelten die am Gründonnerstag gelegten Eier ohne weiteres als geweiht. Im Inntal wurden die Gründonnerstagseier erst am Ostermontag des folgenden Jahres verspeist. Bekannt ist, daß gerade die Antlaßoarschalen in den Felderecken zum Schutz gegen Hagel und Bilmesschneider neben dem „Palm“ vergraben werden. In der Umgebung von Passau fand ich, daß man um Ostern zwei gekreuzte Fadennudeln und ein Antlaßei in den Barren legt. In der Oberpfalz aß man diese Eier mit der Schale und schrieb dieser Übung besondere Körperkraft zu. Sie sollen auch gegen Sand- und Gries-Leiden gut sein. Bei Waldmünchen ist man der Meinung, daß viele Antlaßeier Unglück brächten. Die 30 übersteigende Zahl dieser Eier warf man über’s Hausdach. Ähnliche brauchtümliche Bedeutung hat das am Karfreitag gelegte Ei. Dasselbe übers Haus geworfen, zerbricht nicht. Vielfach gehen in den Kartagen die Kinder mit kleinen Karfreitagsratschen (Holzklappern) und einem Korbe von Haus zu Haus und erbetteln sich „Oar“; z. B. in der Gegend von Tann in Niederbayern. In Oberbayern fand man 1902 n. übl. Ztr. noch, daß am Ostersonntag der erste Knecht vor dem Taganläuten im Auftrag der Bäuerin mit einem weißen Ei im Munde durch alle Stallungen, Schupfen und Kammern ging, damit die Hühner nicht verlegten. Ähnliches stellte ich einmal auch noch in Niederbayern fest. Daß das Ei beim „G’weichten“ am Ostersonntag nicht fehlen darf und dabei aufgeschlagen sein muß, damit die „Weicht“ hineingeht, ist in ganz Altbayern Brauch und nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt. Weniger mehr in Übung ist ein niederbayerischer Brauch. Dort bekommen die Firmlinge drei Jahre lang von ihren Paten an Ostern Eier geschenkt. Und nun zum Schluß noch etwas von den „Eierspielen“: Eierspiele kennt man fast überall. Wir selbst erinnern uns – vorausgesetzt, daß wir auf dem Lande aufgewachsen sind – an das „Eierspacken“, „Eierpicken“, wie wir gegenseitig mit einem Ei bewaffnet aufeinander lospickten, Eispitze gegen Eispitze, und wie wir dann vorher als richtige Lausbuben ein Ei ausbliesen und es mit Pech anlaufen ließen, damit wir immer dem anderen seine Eispitze einschlagen konnten. Gehörten doch alle diese angebrochenen Eier dem, der sie anpickte. In der Gegend von Grafenau heißt man das Spiel „Eierverebbsen“. Man spielt eben auf „ebbs“. In der Oberpfalz warf man die Ostereier in die Höhe, z. B. auf der Rödelwiese bei Nabburg und fing sie wieder auf. In Nieder- und Oberbayern kennt man dann das „Oarkugln“ bzw. „Oarringln“, das „Oarwoigln“ und „Oarscheiben“ oder „Oarwerfen“. Beim „Eierkugeln“ läßt man die Eier auf zwei schräggestellten Latten oder Regenstangen herunterlaufen. Stoßen die Eier unten an die dort liegenden anderen Eier an, gehören die angestoßenen Eier dem Spieler. Beim „Oarringeln“ wird in den Rasen im Halbkreis eine Anzahl Eier gelegt. Zwischen zwei schief gestellten Brettchen läßt man einen Ring ablaufen. Das Ei, welches der Ring berührt, gehört dem Spieler. Beim „Oarwoigln“ läßt man von einem schief gestellten Brett Geldstücke auf den Boden ablaufen. Am Boden liegen in Abständen Eier. Die Eier, die vom Spieler getroffen werden, gehören dem Spieler. Beim „Oarwerfen“ nimmt man in der Gegend von Oberaudorf ein Ei mit zwei Fingern in die Hand, so, daß die Hälfte des Eies hervorsteht. Der Spieler wirft nun mit einer Münze nach dem Ei. Trifft er das Ei, gehört es ihm.Image  Damit schließe ich meine Plauderei „Allerlei vom Osterei“, obwohl ich noch manches ausführen könnte. Doch ich möchte nicht einen alten Waldlerspruch auf mich angewendt haben, der da heißt: „Drei Wocha vor Ostern geht’s Weiberg’schmatz on,

Sagt oane zur andern:

„Leg’n deine Henna schon.“

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=64:allerlei-vom-osterei-&catid=6:jahreslauf&Itemid=25

Schöne Ostern

TA KI