Von Riesen und von Menschen.


von unserem Gastautor François de Sarre

Abb. 1 In den Mythen des Altertums und in der Bibel wird die Erinnerung an Riesen wach gehalten.

Abb. 1 In den Mythen des Altertums und in der Bibel wird die Erinnerung an Riesen wach gehalten.

In den Mythologien des Altertums und in der Bibel wird die Erinnerung an Riesen wach gehalten. Einige moderne Kommentatoren denken, dass es Riesen waren, die vor sehr langer Zeit Zivilisationen wie die unsere entwickelt haben, oder sogar solche, die uns weit voran waren. Andere Forscher vermuten, dass solche Riesen lange vor uns existiert haben, und dass sie ihr Wissen an Menschen übertragen haben, die kleiner waren als sie, und die nach ihnen gelebt haben.

Waren die Vorbilder und Initiatoren der heutigen Menschheit etwa Riesen? Oder waren’s Leute wie wir, nur etwas größer in der Durchschnittsgröße? Der Unterschied ist bedeutend. In einem Fall haben wir mit einer Zivilisation oder mit einer Geschlechtslinie von Riesen zu tun, im anderen, mit einzelnen Individuen, die später wegen ihrer Größe berühmt wurden.

Abweichend von meinen Gewohnheiten [wie etwa in früheren Artikeln der Gazette Fortéenne zu ersehen ist], würde ich mich hier eher auf die Seite der wissenschaftlichen Orthodoxie stellen. Meiner Meinung nach, waren die Riesen aus der Geschichte Menschen wie wir. Ihre Größe ist nur der Ausdruck der normalen natürlichen Variabilität in Bezug auf Größe, in einer biologischen Spezies wie der unseren: Homo sapiens.

Doch werde ich diesen Artikel nicht beenden, ohne etwas zu erwähnen, was schließlich zum «Beweis» der damaligen Existenz von Riesen auf Erde führen könnte. Soweit mir bekannt, wurde diese Erkenntnis in dieser Weise noch nie zum Ausdruck gebracht. Der nachstehende Beitrag wird das zusammenfassen, was ein Zoologe über die Riesenformen, sowohl bei Homo sapiens, als auch bei nah verwandten Spezies, die ausgestorben sind (oder als ausgestorben gelten) zu sagen in der Lage ist.
Geschichten über Riesen

Abb. 2 Der gigantische Philister Goliath, der im Zweikampf von David getötet wurde, ist der bekannteste der biblischen Riesen.

Abb. 2 Der gigantische Philister Goliath, der im Zweikampf von David getötet wurde, ist der bekannteste der biblischen Riesen.

Wir kennen alle solche Geschichten. Die Riesen (wie auch die Zwerge) sind häufige Gestalten in Kindermärchen. In vielen Volkssagen, in historischen Erzählungen oder im Mythos, trift man auf Riesen. Einsichtsvolle Forscher, wie Pascal Cazottes [1] oder Jean-Philippe Camus [2] berichteten darüber in gut dokumentierten Schriften.

Der berühmteste Riese aus der Bibel ist wohl Goliath. (Abb. 2) Dieser sehr große Philister-Krieger wurde in Zweikampf vom jungen David zur Strecke gebracht. In Zusammenhang mit diesem Vorfall werden keine andere Namen von Riesen erwähnt, doch die Bibel enthält diesbezüglich noch weitere Geschichten.

Wenn es eine Bibelstelle gibt, der von den Lesern der Gazette Fortéenne gut bekannt ist, ist es wohl folgende Passage, die von Autoren übernommen wurde, wie Jean Sandy, Denis Saurat, Jimmy Guieu, Robert Charroux oder Erich von Däniken: «Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.» [Genesis, VI, 1-4].

Die Erwähnung von riesengroßen Menschen ist in der Bibel nicht gerade selten, wie wir bereits in der Einführung bemerkten. Man kann an Individuen denken, die ausgesprochen groß und stark waren, und häufig von ihren kleiner geratenen Lebensgenossen bei Kämpfen geradezu in den Vordergrund gestellt wurden. So wurden diese Riesen Stellvertreter für ein ganzes Volk! Oft waren sie selbst leitende Führer. Auf diese Weise spricht man von Nephilim, Anaqim, Emim, Zouzim oder auch Raphaim.

Nach der hier entwickelten Aussicht handelt es sich hierbei wohl nicht um ‘Völker von Riesen’, sondern nur der König oder ‘Held’ war ein Riesen, wie der famose König Og aus Bashan (im Norden des heutigen Jordans). In der Bibel (Deuteronomium, III, 1), spricht man von der riesigen Größe dieses Königs. Pascal Cazottes trifft einen Vergleich mit Ogmios, dem gallischen Herkules; wahrscheinlich ist Og die Wurzel unseren Wortes ‘Oger’.

Bei den Griechen wurde dem Helden Herakles eine übermenschliche Kraft zugeschrieben, und er war selber sicher sehr groß. Er zog aus, um andere Leute zu bekämpfen, die auch sehr groß waren, wie Geryones, Cacus, oder den berühmten Antaios. Im Gilgamesch-Epos kämpfte dieser sumerische König gegen Enkidu, einen großen behaarten Menschen (etwa ein Urmensch?). Er lebte mit wilden Tieren zusammen. Dann wurden Gilgamesch und Enkidu Freunde, und zogen zusammen los, um einen Furcht einflößenden Riesen namens Huwawa zu töten.

Uns räumlich und zeitlich näher liegend, wurden 1987 bei Blieskastel, einer kleinen Stadt an der Saar, die Gebeine eines ‘keltischen Riesen’ entdeckt, der 2 m groß war. [3]

All dies bezieht sich auf Menschen, die sehr groß waren. Doch die Riesen des Altertums, oder noch jüngere, liegen im Bereich der natürlichen Veränderlichkeit des Homo sapiens von gestern und heute. Das hängt schließlich mit dem Blickwinkel zusammen, den man dazu einnimmt: für einen beruflichen Korbballspieler, ist 2 m wohl die mindeste Größe, die verlangt wird!
Anatomische und zoologische Kriterien

Abb. 3 Robert Wadlow (1918-1940) galt lange Zeit als 'größter Mensch der Welt'.

Abb. 3 Robert Wadlow (1918-1940) galt lange Zeit als ‚größter Mensch der Welt‘.

Wenn man ein populär-wissenschaftliches Buch öffnet, wie das Guinness Buch der Rekorde, werden interessante Angaben über menschliche Variabilität (Veränderlichkeit) ersichtlich. Der größte Mann, der medizinisch daraufhin untersucht wurde, war der 1940 verstorbene Amerikaner Robert Wadlow (Abb. 3), der die Höhe von 2,72 m erreichte. Der heute lebende größte Mensch war lange der Tunesier Radhouane Charbib mit 2,359 m. Er soll aber nun vom Chinesen Xi Shun, mit nur 2 mm Unterschied überholt worden sein!

Die Ärzte, die Xi Shun 2005 untersucht haben, haben kein Zeichen von Akromegalie entdeckt (ein pathologisches Längen-Wachstum der Knochen des Gesichts und der Gliedmaßen). Man hat nie erklären können, warum er so groß gewachsen ist. Bis zum Alter von 14 Jahren, war er normal groß, dann wuchs er bis zur Höhe von 2,361 m. Von der chinesischen Armee rekrutiert, ist er wegen seiner Begabung als Korbballspieler nun in die Innere Mongolei zurückgekehrt, wo er als Schäfer arbeitet. [4]

Was besagt die Biologie über solche Riesen? Die menschliche Spezies ist nicht die einzige, die solch große Formen entwickeln kann. Nehmen wir dazu die Haustiere als Beispiel: Hunde, Pferde und besonders Kaninchen weisen eine bedeutsame Veränderlichkeit in der Körpergröße auf, bis hin zu deren Verdoppelung.

Ausserdem gibt es «Gesetze» (oder Grundregeln) in Biologie. Zunächst gibt es das so genannte „Cope’sche Gesetz“ (oder Gesetz der nicht-Spezialisierung der Stammformen). Jede Urform (oder Stammform) besitzt die anatomischen Eigentümlichkeiten, die späterhin zur Weiterentwicklung der spezialisierten Formen Anwendung finden, die im Laufe der Evolution innerhalb desselben Phylums (Entwicklungslinie) nach und nach entstehen.

Das bedeutet, dass man die Herkunft jeder Tiergruppe in einer Ursprungsform suchen muss, die als Generalistenform [orig.: forme généraliste] bezeichnet wird. Als Beispiel davon wird meist [5] die Gattung Phenacodus (Abb. 4) aufgeführt, ein Säugetier (zu den Condylarthra gehörend) aus dem oberen Paläozän (vor ca. 55 Millionen Jahren), das zugleich der Vorfahr der grasfressenden und der fleischfressenden Säuger gewesen sein soll.

Abb. 4 Die Urformen der heutigen Pferde, wie Phenacodus (Bild) waren noch vergleichsweise kleinwüchsige Huftiere.

Abb. 4 Die Urformen der heutigen Pferde, wie Phenacodus (Bild) waren noch vergleichsweise kleinwüchsige Huftiere.

Es sei hier auch darauf hingewiesen, dass im theoretischen Rahmen der ursprünglichen Zweifüßigkeit (bipédie initiale) der Mensch selbst als die vermutliche Stammform und Vorahne der Primaten – wohl auch aller Säuger insgesamt – betrachtet wird. Man kann annehmen, dass eine progressive Spezialisierung in den verschiedenen Säugerentwicklungslinien stattfand – Condylarthra einbegriffen –, die auf einen Urstamm von Bipeden mit Säugercharaktern zurückzuführen seien; diese säugerhaften Bipeden hätten sich evolutionsmäßig selbst aus einem vorherigen aquatilen Stadium entwickelt. [6]

Daraus kann man entnehmen, dass die Ahnenformen zwangsläufig nicht-spezialisierte Formen sind!

Ein weiteres biologisches Gesetz ist das Gesetz der Spezialisierung der Entwicklungszweige. Es kann am Beispiel der Equidae (Pferde) dargestellt werden. Man nimmt gewöhnlicherweise an, dass die Familie der Pferde unter den oben erwähnten Condylarthren ihren Ursprung genommen hat. Sie waren durch den Besitz von Gliedmaßen mit 5 Fingern und 5 Zehen gekennzeichnet, die dem Sohlengang angepasst waren. Im unteren Eozän (vor 50 Millionen Jahren) war der früheste bekannte Pferdeartige Hyracotherium (Eohippus) von geringer Größe (wie ein Fuchs), versehen mit Gliedmaßen mit 4 Fingern und 4 Zehen. In der weiteren Folge bemerkt man eine generelle Tendenz zur Zunahme an Größe und zum Verlust von Fingern und Zehen. Das geht zusammen mit einer Spezialisierung des Gebisses: Die Pferdeartigen werden zu Graßfressern in offenen Graßlandschaften.

Abb. 5 Rekonstruktion eines Australopithecus afarensis

Abb. 5 Rekonstruktion eines Australopithecus afarensis

Wenn man die Geschichte eines Phylums (Entwicklungsreihe) rekonstruiert, sei es bei Tieren oder auch bei Pflanzen, wird man vom Phänomen einer progressiven Spezialisierung beeindruckt, die zur Entstehung von Seitenzweigen führt, die wie die Zweige eines Baumes entlang des Stammes, entlang der Hauptachse des Phylums gelegen sind.

Dabei denkt man unweigerlich an die Australopithecinen (Abb. 5), und ganz besonders an die robusten Australopithecinen, deren Kiefer und Gebisse durch die Nahrungsspezialisierung geradezu riesengroß geworden waren. Sie ernährten sich vorwiegend von zähen pflanzlichen Substanzen: Nüsse, Wurzeln und Wurzelstöcken.

Ein drittes Gesetz ist das Gesetz der Zunahme an Größe in den Entwicklungslinien, welches man auch das „Depéret’sche Gesetz“ nennt. Man bemerkt ganz allgemein eine Zunahme an Größe bei den Vertretern eines gleichen Zweiges, und zwar verläuft sie von den ältesten Formen zu den Jüngeren hin. Das klassische Beispiel hierfür ist das der Titanotherien, das 1929 von H.F. Osborn beschrieben wurde.

Abb. 6 Rekonstruktion eine Gigntopopithecus im Größenvergleich mit einem Menschen.

Abb. 6 Rekonstruktion eine Gigntopopithecus im Größenvergleich mit einem Menschen.

Man merkt eine deutliche Zunahme an Größe, wenn man allmählich von einem Vertreter des unteren Eozäns, wie Eotitanops, zu einem Vertreter des unteren Oligozäns, wie Brontotherium hinüber geht, etwa über Protitanotherium und Manteoceras aus dem oberen Eozän. Darüberhinaus wird die Zunahme an Größe bei den Titanotherien von einer progressiven Entwicklung der Nasenvorsätze begleitet, die paarigen Hörnern ähnlich sehen können.

Ähnliche Beispiele können auch bei Dinosauriern gefunden werden, wo die Entwicklungsreihen des Mesozoïkums zu immer größeren Formen geführt haben. Dies lässt sich lediglich dadurch erklären, dass man, umso größer man wird, immer weniger angreifbar durch Raubtiere ist… es sei denn, diese werden gleichzeitig auch immer größer, wie im Falle des Tyrannosaurus rex.

Bei vielen Tiergruppen, können lokale Zwergformen entstehen. Man kennt den Fall der Zwergelefanten (Elephas melitensis) aus dem Pleistozän von Sizilien, von Malta und von Zypern. Man hat sogar von kurzem eine Zwergform aus der menschlichen Entwicklungslinie, Homo floresiensis, entdeckt, aber im vorliegenden Fall werden wir unsere Aufmerksamkeit eher den riesengroßen Primaten zuwenden, wie Gigantopithecus (Abb. 6), Meganthropus und (zum Teil)… Homo sapiens!

Auf jeden Fall macht die strikte Anwendung der oben zitierten biologischen Gesetze aus Riesenformen eher spezialisierte Wesen, die sich am Ende der jeweiligen Entwicklungslinien befinden, und zwar auf Entwicklungszweigen, die von unserem abweichen. Daher fällt es einem schwer, auch wenn es so von einigen Autoren erörtert wurde, die Riesen schlicht an den Ursprung unserer Evolution zu setzen, oder gar als die Urheber unserer Zivilisation!
(…)

Anmerkungen und Quellen

  1. CAZOTTES, Pascal : « Les Géants dans l’Histoire », Les Mystères du Temps, 3 : 18-29, janv. 2004
  2. CAMUS, Jean-Philippe : « Le Règne des Géants », Le Monde de l’Inconnu, 298, nov. 1999; oder unter: http://www.onnouscachetout.com/themes/mythes/geants.php
  3. ↑ Siehe: MAGIN, Ulrich: « Goblins and Giants in Europe », Le Clin d’œil, 19 : 17-21, Nice, février 1988 – sowie: http://www.saarlandbilder.net/orte/blieskastel/wolfersheim.htm
  4. ↑ Guiness World Records, unter: http://www.guinnessworldrecords.com
  5. GAUDANT, Mireille et Jean: « Théories classiques de l’évolution », Dundo, Paris, 1971.
  6. SARRE, François de: « L’homme est-il né debout », La Gazette Fortéenne, vol. 1, 2002.

Bild-Quellen

(1) World of Meln, unter: stonegiant

(2) John P. Pratt, unter: The Timing of David and Solomon’s Reigns

(3) World’s Tallest Man – Robert Wadlow Video, unter: Robert Wadlow with two girls

(4) Wikimedia Commons, unter: Datei:Phenacodus.jpg

(5) Wikimedia Commons, unter: File:Australopithecus afarensis.JPG

(6) Nephiliman.com, unter: Australian Giants

Quelle: http://atlantisforschung.de/index.php?title=Von_Riesen_und_von_Menschen…

Gruß an die Riesigen

TA KI