Die Runen


Die Runen

Runen-Futhark
Nordische Runen
Angelsächsische Runen

Die Runen

DIE RUNEN sind jene rein germanischen Schriftzeichen, die zwischen 100 und 1050 und etwas spärlicher in den Jahrhunderten danach verwendet wurden.

Runen werden in eine als FUTHARK bekannte Zeichenreihe zusammengefaßt. Der Name FUTHARK wird aus den Lautwerten der ersten 6 Runen gebildet.

Runische Schriftzeichen heißen RUNENSTÄBE oder einfach STÄBE. Das Futhark gilt als eine der erhabensten Schöpfungen unserer heidnischen Ahnen. Die Runen sind heilig, da sie von Odin stammen.

Sie sind insofern einmalig, als jede Rune ihren festen Platz in der Futharkfolge hat und einen eigenen anlautenden Namen wie z. B. WUNNA besitzt; einmalig auch, weil jedem Runennamen ein tiefer, ureigener Sinngehalt innewohnt.

RUNENKUNDE ist das Bemühen um Runenwissen und die so erworbenen Kenntnisse. Der Runenkundler sucht Antworten auf Fragen wie:
Wann, wo und wie entstanden die Runen ? In welchen Sprachen ritzte man sie ? Was ist die Bedeutung der Runennamen ? usw.

Die Bedeutung des Wortes RUNE

Das altgermanische Wort RUNA wurde im 17 Jh. durch damals schon tätige Runenkundler, z. B. Öle Worm in Dänemark, wieder eingeführt. Einst hatte das Wort die Bedeutung „Geheimnis“ und „geheime Beratung“ – Gotisch, Althochdeutsch und Altsächsisch RUNA / Altenglisch u. Altnordisch RUN – , und es entwickelten sich die niederdeutschen Formen GERAUNE und RAUNEN, denen ein mittelenglisches ROUN (briddes roun = Vogelsang) zur Seite steht.

So hatte RUNA die Sinnbestandteile GEHEIMES RAUNEN und LIEDHAFTES VORSPRECHEN.

Und genau dieses geheime, liedhafte Raunen schwingt mit in den Runennamen FEO, UR, THURS, ASA, RIT, KAAN …..

Man sollte den Begriff „Geheimnis“ nicht im heutigen Sinne auslegen. Unseren Vätern waren die Runen etwas Heimeliges und Vertrautes jedoch dem Fremden Dunkles und Unergründliches. Die schon in alter Zeit entlehnten Wörter RUNO im Finnischen und RUNAT im Lettischen bedeuten heute jeweils „Lied“ und „sprechen“.

Die Runen waren anfangs geraunte, heimelige Worte tiefen Sinngehalts und galten als von den Göttern herrührend, also – heilig. Die Stäbe sind deren augenfällige und schöne Versinnbildlichung.

Auf dem schwedischen Runenstein von Noleby (600 n. T.) steht zu lesen:

r u n o f a h i r a g i n a k u d o

Runen male ich götterentstammte

Das Gemeingermanische Futhark (GGF), auch Älteres Futhark genannt, zählt 24 Stäbe, die in drei Achtergruppen oder Geschlechter eingeteilt sind:

Unter jeder Rune ist der jeweilige Lautwert angegeben: f, u usw.

Die GGF-Runen wurden von allen Germanen zwischen etwa 150 und 750 nach Teutoburg (n. T.) geschrieben und gelesen.

DIE RUNEN ALS HEILIGE ZEICHEN

Lange Zeit hat man in den Runen eine Buchstabenfolge zu reinen Mitteilungszwecken erblickt. Das findet seine leicht ver­ständliche Begründung in einer Reihe von Inschriften, bei denen mit dieser neuzeitlichen Auffassungen entsprechenden Vorstellung auszukommen war. Auf dem Goldhorn nennt sich Hlewagast als Verfertiger des Kunstwerks. Es lag nahe, den Fall mit vielen anderen des Mittelalters zusammenzustellen, wo die Meister sich voll Stolz zu ihrem Werk bekannt haben. Auch die Runeninschrift eines der Weserknochen „Uluhari machte“ schien diesem Brauch zu entsprechen. Die zweite Zeile der Spange von Freilaubersheim ist meist gedeutet worden: „Dich, Dalena, beschenkte er.“ Hier lag der Gedanke an eine Widmung nahe. Wenn auf der Scheiben­brosche von Bülach im Züricher Museum gedeutet worden ist: „Frifridil hat mich erworben“, so scheint das auf die Betonung des Besitzes zu zielen.

Auf mehreren Speerspitzen stehen Namen, so auf der jahre­lang verschollenen und jetzt in Berlin befindlichen Lanzen­spitze von Kowel (Wolhynien) und auf der im Müncheberger Museum liegenden von Dahmsdorf (Mark Brandenburg), die 1865 gefunden worden ist. Auf ersterer steht das Wort ,,Tilarids“, auf letzterer „Ran[n]ja“. Da auch sonst der Besitzer auf Waffen vermerkt erscheint — vergl. die Beowulfstelle S. 58 —, sah man lange in den beiden Wörtern Besitzernamen und deutete „Tilarids“ als „schneller oder tüchtiger Rei­ter“ und „Rannja“ als „Renner“.

Auf dem kleinen Stein von Jällinge in Jütland steht zu lesen: „König Gorm machte dieses Denkmal für seine Frau Thyra, Dänemarks Gebieterin“ — was die Auffassung des Denkmals als eines Gedächtnissteines begreiflich macht.

Aber nach 1900 stellte sich je länger je deutlicher heraus, daß diese nüchterne Auffassung der betreffenden Inschriften als einer Alltagsanwendung nicht überall zutreffen konnte. Auf den beiden Lanzenspitzen sind die Runen verschwistert mit den unzweifelhaft heiligen Zeichen des Hakenkreuzes, der Sonnenringe, des Dreischenkels, des sog. Blitzzeichens usw. Diese Vergesellschaftung bekommt einen höheren Sinn, wenn die Runen ebenso wie die Heilszeichen die Wirksamkeit der Waffe steigern, sie selbst also weihen sollten. So betrachtet, dürfte der entsprechende Name auf die Waffe selber gehen und „Tilarids“ aufzufassen sein als „der Schnell-dahin-Fahrende“, also etwa als der „Anstürmer“ oder „Angreifer“ so­wie „Rannja“ als „Anrenner“. Dazu würde stimmen das „Raunijas“ der Lanzenspitze von Övre Stabu mit dem ver­mutlichen Sinn von „Erprober“.

Auf nicht wenigen Denkmälern nennt sich der Runenbildner. Die Ansicht, daß darin eine Äußerung des Künstlerstolzes zu sehen sein könnte, wird diese Fälle kaum ausschöpfen. Viel­mehr dürfte zutreffen, daß der Runenbildner sich eine beson­dere Wirkung davon versprach, eine Weihung oder Bannung durch seine Runen. So mancher Grabstein mit nur einem Na­men gibt garnicht den Namen des Toten an, sondern den des Runenmetzen.

Diese Erkenntnis ist 1937 so ausgesprochen worden:  „Die Runen waren dem Germanen lebendige, kraftgeladene Wesenheiten, die er wie Krieger aufmarschieren lassen konnte, wenn er um sie das rechte Wissen hatte.“

Diese hohe Schätzung der Runen ist wohl ausgegangen von den Marken auf den Losstäbchen, wenn sie, wie anzunehmen ist, mit den Futharkrunen wesenseins waren. Galten diese Zeichen doch für so machtvoll, daß selbst die Nornen und die Götter sie befragen mußten. So ist denn 1938 gewiß mit Recht geurteilt worden: „Die Runen waren von Hause aus alles eher als ein Verständigungsmittel. Ihre Ritzung hat eine ähnliche Glaubensgrundlage wie die uralten Felszeichnungen und einen ähnlichen Zweck: Verstärkung und Verewigung. Es ist etwas Übernatürliches, eine heilige Kraft in diesen Zeichen.“