Die Stunde der Xenoarchäologen- SETA – Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen – Teil 8


Warum der Mond?

Bei alledem steht natürlich die wichtige Frage im Raum, warum eine außerirdische, kommunikationsfreudige Raumfahrtkultur ausgerechnet auf dem Mond eine Botschaft in Form eines Artefakts verstecken sollte. Ist es nicht sinnvoller, auf der Erde, etwa im Erdboden, in einem Fels oder auf einer Bergspitze ein Artefakt zu verstecken? Ein Gegenstand, der nur mithilfe von technischem Instrumentarium aufgespürt werden kann. Eine Nachricht, die nur ein Adressat zu lesen und zu verstehen vermag, der eine gewisse intellektuelle Reife erlangt hat.

la luna

Wenngleich grundsätzlich nicht auszuschließen ist, dass auf unserem Planeten außerirdische, mit einer Botschaft versehene Artefakte bislang unbemerkt ihr Dasein fristen, so gehen die meisten SETA-Experten davon aus, dass eine außerirdische Expedition solcherlei Botschaften vorzugsweise auf dem Mond deponieren würde. Prof. Arkhipov geht in seiner Interpretation noch einen Schritt weiter und sieht in dem Erdbegleiter extraterrestrisches Pflichtprogramm. „Es ist nachdrücklich zu betonen, dass die Landung auf dem Mond für extraterrestrische Intelligenzen keine Annehmlichkeit, sondern eine Notwendigkeit ist.“

Die Gründe hierfür liegen für ihn auf der Hand. Denn im Gegensatz zur Erde geht es auf dem Erdtrabanten auf exogeologischer Ebene höchst ruhig zu. Erosionen und Sedimentationen sind rare lunare Vorgänge. Nur Meteoriten verursachen Erosionen, aber bei weitem nicht so häufig und so wirkungsvoll wie allgemein angenommen. Unser Nachbar wird vergleichsweise selten von Meteoriten etc. heimgesucht. Impaktereignisse sind desgleichen rare lunare Vorgänge. Bereits während der Apollo-12-Mission ergaben seismologische Messungen, dass in einem Radius von 350 Kilometer im Schnitt nur einmal im Monat ein Gesteinsbrocken von der Größe einer Grapefruit auf dem Mondboden niedergeht. Vor allem aber erhöht die tektonische Inaktivität des Mondes die Überlebensrate von dort abgelegten Artefakten. Gebirgsverschiebungen, Erdbeben und Vulkanismus fallen als störende Quelle ebenso weg wie extreme Hitze, starke Magnetfelder oder Radioaktivität.

„Daher wird jede auf dem Mond zurückgelassene Nachricht, jede Spur oder jedes technisch aktive Objekt hier und heute noch vorhanden und ohne großen Kostenaufwand lokalisierbar sein“, sagt der weltweit bekannte australische Physiker Paul Davies vom Beyond Center for Fundamental Concepts in Science der Arizona State University in Tempe (USA). „Die Frage wird nunmehr sein, wie diese Objekte geartet und geformt sind. Und warum sie zurückgelassen wurden.“

Vier lunare Artefakt-Typen

Paul Davies und sein Kollege Robert V. Wagner glauben, dass Artefakt nicht gleich Artefakt ist. Vielmehr könnten diese in vier verschiedenen Varianten auftauchen. Das klassischste und attraktivste Artefakt schlechthin wäre – wie der Clarksche Monolith in „2001: A Space Odyssey“ – ein absichtlich vergrabenes oder gut geschütztes Kunstwerk mitsamt Nachricht, die nur eine intelligente, der Raumfahrt mächtige Spezies zu entziffern in der Lage wäre. Ihr Absender würde auf diese Weise signalisieren, dass er gewillt ist, sein Wissen und seine Weisheit mit uns zu teilen. „Eine Botschaft würde sehr wahrscheinlich dergestalt deponiert sein, dass sie relativ leicht zu finden ist. Sie könnte auch mit einer Art Funksignal versehen sein, so dass Mondsatelliten sogar vergrabene Objekte finden können.“

Sollten Aliens die Erde vor Tausenden von Jahren aufgesucht haben, würden sie den Homo sapiens als aufstrebende Kultur einstufen und daher ungefähr abschätzen können, wann unsere Nachfahren den Mond erobern. Sie würden dann die Nachricht entsprechend gestalten und verstecken, vielleicht in Form einer Kapsel am Rande eines Mondkraters. Andererseits müsste eine Nachricht für ferne Zivilisationen, um eine Million Jahre zu überdauern, tiefer im Mondboden vergraben sein. Nach Davies‘ und Wagners Meinung müsste in diesem Fall der Funkstrahl des Artefakts so stark sein, dass er mindestens mehrere Meter Regolith-Gestein durchdringt. Langwellige Radiostrahlen oder ein starkes Magnetfeld könnten uns zu dem Fundort des jeweiligen Artefaktes führen. Potentielle Fundorte könnten in den großen Kratern oder am Nord- oder Südpol des Mondes liegen.

Eine fremde Technologie könnte auf dem Mond auch wissenschaftliches Gerät installiert haben, vielleicht Roboter, Laser, Sendeanlagen oder ein Radioteleskop auf der Rückseite des Erdtrabanten. „Solche Instrumente würden allerdings weitaus schwerer zu finden sein als eine Nachricht, weil Aliens kein Interesse daran haben, dass diese leicht aufzuspüren sind“, so Davies.

Ins Kalkül gezogen müsse auch die Möglichkeit, dass sie nach ihrem Aufenthalt auf dem Mond schlichtweg Müll und Abfall oder nicht mehr brauchbares technische Instrumente abgelegt haben. Möglicherweise haben die Außerirdischen dabei nicht so verschwenderisch gehaushaltet wie die Apollo-Missionen, die das meiste Equipment einfach zurückgelassen haben, spekuliert das Forscher-Duo. Irgendetwas könnten sie dennoch hinterlassen haben, vielleicht kleine Artefakte wie weggeworfene Werkzeuge. Solche zu finden sei jedoch nahezu aussichtlos. Größere Strukturen wie etwa ein Habitat, eine Kuppel oder eine Solaranlage hingegen dürften noch Millionen Jahre später zu sehen sein.

mondauto

Vielversprechende Lagerstätten für Alien-Trash sind laut Davies erkaltete lunare Lavaröhren, die hunderte Meter lang sein können. Derlei natürlich entstandene Tunnel, die der japanische Mondsatellit Kaguya 2009 nachwies, gelten als sehr interessante Alternative für spätere Mondbasen, weil sie nahezu perfekten Schutz vor gefährlicher Weltraumstrahlung, extremen Temperaturen und Meteoriten bieten. Aus diesem Grunde könnten die Aliens in besagten Lavatunneln seinerzeit auch ihre Nachrichten und Artefakte gezielt deponiert haben.

„Die gleichen Faktoren, die diese Lavaröhren zu einem attraktiven Lebensraum machen, bewirken auch, dass alle Artefakte, die dort zurückgelassen wurden, nahezu unendlich lange erhalten bleiben, ohne zerstört oder durch Staub verdeckt zu werden“, so Davies und sein Kollege.

Zu guter Letzt könnten die Extraterrier auch auf dem Mond aktiv Bergbau betrieben und riesige Minenanlagen errichtet haben, um ihre Rohstoffdepots aufzufüllen. Die dabei von ihnen hinterlassenen Spuren könnten durch die Auswertung des vorliegenden fotografischen Materials, der Analyse der alten und neuen Satellitenbilder, leicht zu finden sein. Und genau diese Methode ist die zurzeit beste und zugleich effektivste, um extraterrestrische Artefakte auf dem Mond zu entdecken.

lava röhre

Die erste Suche

Bereits vor 50 Jahren fabulierte Carl Sagan über die Möglichkeit, künstliche Objekte außerirdischer Herkunft auf dem Mond mithilfe von Fotografien ausfindig zu machen. So wie sich vom Orbit aus mit modernsten Kameras beispielsweise Spuren irdischer kultureller Aktivität gut bestimmen und aufspüren lassen, könnten auch Satelliten in der Mondumlaufbahn fündig werden. Vor allem detektierte rechteckige Strukturen erhärten nach Ansicht von Sagan den Verdacht, künstlicher Abstammung zu sein. Prof. Arkhipov sieht dies ähnlich:

Rechteckige Muster, ob sie aus der Luft oder vom Weltraum aus entdeckt wurden, werden in der orbitalen Erdbeobachtung und Luftbildarchäologie als Zeichen menschlicher Kultur gedeutet. Es scheint daher naheliegend, nach rechteckigen Mustern auf dem Mond zu suchen.

Gesagt – getan. Der Erste, der auf der Suche nach Alien-Artefakten eine satellitengestützte Observation des Mondbodens konsequent verwertete, war der unverwüstliche SAAM-Papst Arkhipov in persona. Genauer gesagt durchforstete er mehr als 80.000 HiRes-Fotos (=High Resolution), die der US-Mondorbiter Mondsonde Clementine 1 im Jahr 1994 aufgenommen hatte. Ausgestattet mit der UV/Vis-Kamera, die im ultravioletten und sichtbaren Licht operierte, und einer Infrarotkamera, nahm die Sonde binnen 360 Orbits 1,6 Millionen Bilder auf.

raumsonde clementine

Unter Anwendung bestimmter Algorithmen fokussierte sich Arkhipovs computergestützter Suchlauf auf möglichst auffällige rechteckige Muster in der Clementine-1-Bilderserie. Hierbei verzeichnete der Ukrainer 128 Treffer, von denen 47 in die engere Auswahl kamen. Nachdem er alle Fotos in schlechter Auslösung aussiebte, blieben einige interessante Kandidaten im Rennen, die suspekte Strukturen wie Dammbau ähnliche Gebilde, Vierecke, seltsame Erhöhungen oder Vertiefungen offenbarten. Dabei sprang ihm eine sehr interessante ruinenartige Struktur ins Auge, die in der Nähe des Kraters Lovelace (117° W; 82° N) liegt (siehe Bild).

Das Bild LHD30055.080 scheint ein vielversprechender Kandidat für eine archäologische Erkundung zu sein. Diese Formation sieht aus wie eine isolierte quasi-rechteckige Anhäufung oder wie eine rechteckige Vertiefung. Ist hier vielleicht eine unterirdische Höhle eingestürzt?

In der Hoffnung auf eine baldige bemannte Mission zum Mond listet Arkhipov in seiner Studie alle vielversprechenden Fundstellen mitsamt deren Koordinaten auf. „Diese Funde erinnern an archäologische Fundstätten und moderne Entwürfe von Mondstationen. Es ist daher zu empfehlen, diese in situ auf potenzielle Artefakte hin zu untersuchen.“ Was auch immer sich dabei später herausstelle – letzten Endes seien all diese Erscheinungen eindrucksvolle Beispiele für eine ungewöhnliche lunare Geologie. Sie verdienen es, weiterhin erforscht zu werden. Aber noch mehr gelte dies für Lunar SETA, so der Ukrainer. Denn die bisher erreichten Resultate bei der Erforschung des Erdtrabanten zeigen deutlich, dass die Suche nach außerirdischen Artefakten auf dem Mond „eine vielversprechende SETI-Strategie“ ist, wenn sie einher geht mit ernsthaften lunaren Kolonisationsplänen.

Vorschlag für effektiveren Suchlauf

Wie eine noch effizientere Artefakten-Observation ohne größeren zeitlichen und finanziellen Aufwand funktionieren könnte, weiß kein Geringerer als Paul Davies. Zusammen mit Robert V. Wagner schlug er vorletztes Jahr vor, die Daten des Mondsatelliten Lunar Reconnaissance Orbiter LRO heranzuziehen und systematisch auszuwerten.

LHD 30055...

Die seit Sommer 2009 in der Umlaufbahn des Mondes operierende NASA-Sonde funkte bis heute zahlreiche detaillierte Bilder von der Mondoberfläche zur Erde, von denen die NASA derweil mehr als 400.000 veröffentlicht hat. Mit dem Ende der Mission sollen es eine Million sein. Von der Fülle des zurzeit vorliegenden Bildmaterials zeigen sich beide Physiker sichtlich beeindruckt:

Der Datensatz ist derart gut, dass bereits verschiedene Artefakte gefunden wurden, die sowohl in die Trash- als auch Instrumentenkategorie fallen. Allerdings wurden alle von Menschen erschaffen.

Tatsächlich schossen die zwei hochsensiblen LRO-Engwinkelkameras im Spätsommer 2011 die bislang detailreichsten Aufnahmen vom Mond. Auf den Fotos mit der beeindruckenden Auflösung von einem Viertelmeter pro Pixel sind deutlich Spuren menschlicher Aktivität auf dem Mond zu sehen. Nicht nur die Landeplätze von Apollo 12, 14 und 17, sondern auch die Fußspuren der einst dort werkelnden Astronauten sind schrittgenau zu lokalisieren. Dank der hohen Auflösung der Bilder konnten NASA-Mitarbeiter sogar einige der von den Astronauten zurückgelassenen Rucksäcke ausmachen und nicht zuletzt auch das wissenschaftliche Instrumentarium, das die Apollo-Besucher damals für Messungen abgestellt hatten.

apollo 14

Wenn es schon gelingt, mithilfe der sensiblen LRO-Instrumente kleinere irdische Artefakte auf dem Mond aufzustöbern, sollte dies bei lunaren außerirdischen Artefakten umso mehr klappen, so das Kalkül der Forscher. Schließlich haben die meisten LRO-Bilder eine durchschnittliche Auflösung von 50 Zentimeter pro Pixel. Ein Wert von dem Arkhipov 1995 nur träumen konnte. Seinerzeit merkte er kritisch an, dass ein Artefakt mindestens ein Meter groß sein muss, um mit Hilfe von Satellitenaufnahmen überhaupt entdeckt zu werden.

Das einzige Problem sei indes die enorme Datenmenge, die es zu bewältigen gelte, verdeutlichen Davies und Wagner. Schließlich wartet allein jede LROC-Aufnahme mit 500 Megapixeln auf. Selbst ein auf dem Feld der Astrofotoanalyse geübter Experte würde bei der Fahndung nach künstlichen Strukturen für die genaue Auswertung eines einzelnen Bildes zwischen 30 Minuten und eine Stunde benötigen. Angesichts des ständig wachsenden Datenberges mache daher eine manuelle Suche, durchgeführt von einem kleinen Team, wenig Sinn, betonen die beiden Wissenschaftler. Sie favorisieren eine andere Vorgehensweise:

Es sollte möglich sein, den gesamten Datensatz über Crowdsourcing zu durchforsten, an dem einige Zehntausend User des Internets mitwirken. Tatsächlich geht die Website MoonZoo.org bereits so vor. Sie versucht, so viele verschiedene lunare Strukturen wie möglich zu klassifizieren. Hierbei nehmen sich die User einige LROC-Bilder vor und zeichnen auf, was sie gefunden haben.

Aber auch eine computergestützte Analyse unter Anwendung einer speziellen Software könnte dabei helfen, die Bilder der Mondoberfläche systematisch nach verdächtig aussehenden Strukturen abzutasten. Robert Wagner hat ein solches Programm bereits geschrieben und getestet. Es ist ausgereift genug, um 200 Bilder binnen einer Stunde zu überprüfen und zeitgleich alle verdächtigen Strukturen herauszufiltern. Käme es zu einem Treffer, würde ein Foto-Experte die Aufnahme nochmals mit Argusaugen studieren und entscheiden, ob hier möglicherweise ein Hinweis auf ein echtes außerirdisches Artefakt vorliegt oder nicht.

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Auch wenn der Mond nach Ansicht von Davies und Wagner ein „ausgezeichneter Platz“ ist, um Artefakte zu hinterlassen, stufen sie die Chancen, einen solchen Treffer zu landen, eher gering ein, nicht zuletzt aufgrund des zeitlichen Aspektes.

Wir räumen ein, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, eine Spur außerirdischer Aktivität auf dem Mond zu finden. Selbst wenn der Mond von einer Raumsonde oder einer Expedition besucht wurde, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass dies in jüngster Vergangenheit geschehen ist.

Störender Zeitfaktor

Der temporäre Faktor könnte in der Tat das größte Problem sein. Selbst an einem auf der Rückseite des Mondes vergrabenen Artefakt nagt irgendwann einmal der Zahn der Zeit. Im Verlaufe von Jahrmillionen summieren sich früher oder später die vereinzelten Metoriteneinschläge. In einer Studie aus dem Jahr 2008 berechnete ein amerikanisches Team, dass selbst ein Artefakt mit einem Durchmesser von einigen zehn Metern zwangsläufig der lunaren Erosion zum Opfer fallen würde.

Zwar vollzieht sich ein solcher Prozess über mehrere Hundertmillionen Jahre. Dennoch würde ein künstliches Gebilde mit der Zeit immer tiefer im Staub und dem Regolithgestein versinken, bis es gänzlich verschwindet. So verwundert es nicht, dass das Forscherduo dazu ermahnt, nicht in kurzen, sondern in langen Zeiträumen zu denken. In Zeiträumen, die zehn Millionen Jahre oder mehr betragen:

Wenn das Sonnensystem – sagen wir – vor zwei Milliarden Jahren besucht wurde, wird es äußerst schwierig, irgendwelche Spuren außerirdischer Technologie zu identifizieren, selbst über einen längeren Zeitraum. Wenn der Zeitraum – sagen wir – Hundertmillionen Jahre beträgt, erhöht sich für uns die Wahrscheinlichkeit, solche Spuren zu finden. Aber die größten Hoffnungen dürfen wir uns machen, wenn wir in Zeiträumen von einigen Millionen Jahren oder weniger rechnen.

Auch der führende SAAM-Spezialist Alexey V. Arkhipov hofft. Er hofft, dass bei all jenen Geologen, Geophysikern, Geochemikern und Astronomen, die aktive Mondforschung betreiben und die praktisch für jede wie auch immer geartete und geformte neu entdeckte Struktur fachbedingt immer eine natürliche Erklärung parat haben, endlich ein Umdenken stattfindet, eine Sensibilisierung für das Undenkbare. Selbst Bioastronomen haben seiner Einschätzung nach den Mond bis heute sträflich vernachlässigt, streng genommen sogar ignoriert. Es bedarf schon der Fähigkeit eines Kriminalisten, um natürliche Formationen auf dem Mond von einem echten Artefakt zu unterscheiden. Aber genau diesen Spürsinn vermisst Arkhipov auf interdisziplinärer Ebene schmerzlich. „All dies rechtfertigt meine Behauptung, dass der Mond hinsichtlich der Suche nach außerirdischen Artefakten auf seiner Oberfläche praktisch noch unberührt ist.“

mondlandung fake

So groß der Frust bei den SETA-Anhängern derweil auch sein mag – ihre Stunde wird irgendwann schlagen. Spätestens dann, wenn im Rahmen einer bemannten Mond-Mission erstmals gezielt nach den Quellen der bislang verzeichneten Anomalien gesucht wird. Vielleicht schlägt schon in der nächsten Dekade erstmals die Stunde der Xenoarchäologen. Vielleicht waten diese eines Tages durch den grauweißen samtenen Mondstaub, um eine pyramidenartige Struktur in Augenschein zu nehmen, die nicht von dieser und ihrer Welt ist.

Arthur C. Clarke verklärte dieses Szenarium bereits vor 62 Jahren in seiner Kurzgeschichte „The Sentinel“ auf literarische Weise. Sein Protagonist entdeckte auf einer Erhebung eine künstlich angelegte Hochebene, auf der ein pyramidenförmiges, zweimal mannshohes Gebilde „wie ein gigantischer Edelstein mit vielen Facetten“ in den Fels eingelassen war. Er begegnete einem Artefakt einer außerirdischen Intelligenz, das absichtlich auf dem Mond und nicht etwa auf der Erde aufgestellt wurde. Und dies aus einem ganz bestimmten Grund, wie Clarkes Hauptfigur zu erzählen weiß:

Ihren Erbauern ging es nicht um Rassen, die noch dabei waren, sich aus dem Stadium primitiver Wilder heraus zu kämpfen. Unsere Zivilisation interessierte sie erst dann, wenn wir bewiesen, dass wir überlebensfähig waren – indem wir den Weltraum durchquerten und so die Erde, unsere Wiege, verließen.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/38/38367/3.html

Gruß an die Mondlander

TA KI

 

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem und die Suche nach ihnen- SETA – Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen – Teil 2


Als das Kürzel SETA (Search for ExtraTerrestrial Artifacts) 1983 kreiert wurde, waren alle bis dahin durchgeführten offiziellen wissenschaftlichen Suchläufe nach außerirdischen Artefakten bereits wieder Geschichte. Seither startete kein Forscher mehr ein im Rahmen der SETI-Initiative angelegtes SETA-Programm. Doch nach Jahren des Stillstands und der Gleichgültigkeit mehren sich die Stimmen, die eine verstärkte Suche nach extraterrestrischen Artefakten im Sonnensystem fordern. Dass dies durchaus Sinn macht, lehrt der Blick in die kurze SETA-Historie. Schließlich waren die bisherigen „Observationen“ nicht mehr als vorsichtige erste Gehversuche auf neuem Terrain. Mithilfe der heute zur Verfügung stehenden Technik und den neuen Beobachtungsmethoden jedoch könnten die SETA-Wissenschaftler in Zukunft bei der Fahndung nach Relikten von Aliens einen gewaltigen Sprung nach vorne machen.

nasa caltech

Beim Blättern im Buch der Wissenschaftsgeschichte fällt auf, dass dem vermeintlich geistigen und technologischen Fortschritt oft kühne, bisweilen sogar bizarr anmutende Ideen vorausgegangen sind, die zeitweise ins Esoterische zielten. Ins Auge springt vor allem, dass praktisch jeder Vor- und Querdenker, der einst bewusst gegen den Mainstream wetterte und sich auf dem inflationären Markt der Theorien mit einer gewollt scharf formulierten These zu positionieren versuchte, in der Regel heftige Kritik erntete.

Raue Zeiten für Aliens

So hätte etwa ein Astronom noch vor 20 Jahren mit der Behauptung, dass nahezu alle Sterne im Universum ein eigenes Planetensystem besitzen, fraglos den Unmut der herrschenden Mainstream- Wissenschaftsgemeinde auf sich gezogen. Schließlich galt damals für viele das unerschütterliche Dogma, dass bestenfalls Asteroiden, Sterne und Galaxien den Raum mit materiellem Leben erfüllen – und sonst nichts. Von exoplanetaren Sterntrabanten seien mitnichten irgendwelche Spuren erkennbar, von Lebewesen außerhalb der Erde natürlich ganz zu schweigen.

Einer, der sich in den Chor der unnachgiebigen Gegner der extraterrestrischen Hypothese einreihte, war der Evolutionsbiologe Heinrich K. Erben. In seinem 1984 erschienenen Buch „Intelligenzen im Kosmos“ giftete Erben mit unerbittlicher Polemik gegen außerirdische Mikroben und Intelligenzen. Es sei „überastronomisch unwahrscheinlich“, dass sich die komplexe irdische Evolution auf irgendeinem anderen Planeten ein zweites Mal exakt wiederholt habe. In Verkennung der Tatsache, dass außerirdische Lebensformen auch eine ganz andere Evolution durchlaufen haben könnten, bezifferte er die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sich alles fernab der Erde in der gleichen Abfolge mit dem gleichen Ergebnis wiederholt haben könnte, auf null. Während dieser Zeit teilte das Gros seiner Kollegen seine Ansicht. Nur wenige Wissenschaftler wie Frank Drake oder Carl Sagan übten sich dagegen in Optimismus.

Frank Drake

Umso überraschender ist es, dass in diesem „lebensfeindlichen“ Klima der von Frank Drake 1960 gepflanzte Baum der SETI-Idee überhaupt gedeihen konnte, ja bis 1984 sogar erste Früchte trug – in Form von 47 offiziell dokumentierten SETI-Suchprogrammen, die diverse Forscherteams rund um den Globus bis dahin initiiert hatten. Insbesondere aber überrascht, dass die SETA-Idee ihre Geburtsstunde zu einer Zeit erlebte, als extrasolare Planeten eher in der Fantasiewelt von Science-Fiction-Autoren eine feste Größe waren.

Erster SETA-Suchlauf

Angefangen hatte das SETA-Abenteuer im Jahr 1973 in der beschaulichen Kleinstadt Shepperton in Südostengland. Seinerzeit machten die beiden britischen Astronomen Anthony T. Lawton und Sidney J. Newton Nägel mit Köpfen und wandelten als Erste auf den Spuren Clarkes, Bracewells und Neumanns (…).

mond nasa

Bestückt mit einer leistungsstarken, im Durchmesser sechs Meter großen Helix-Antenne führten sie eine Serie von Experimenten durch, um das Radarecho bzw. das Rufsignal einer extraterrestrischen, in einer Erdumlaufbahn driftenden kommunikationsbereiten Sonde einzufangen. Nach Abschluss der Studie zeigte sich, dass alle registrierten reflektierten Signale rein physikalischer Natur waren. Dennoch regten beide Autoren kurze Zeit später an, künftig auch zielgerichtet und aktiv Radiosignale in Regionen zu senden, in denen Alien-Sonden theoretisch stationiert sein könnten. Ein eingehendes Weckrufsignal könnte, spekulieren die Forscher, eine dort abgestellte Sonde zu einer Reaktion veranlassen.

Stunde des SETA-Papstes

Der in Bezug auf Bracewell- und Von-Neumann-Sonden ambitionierteste Forscher jedoch war der US-Physiker Robert A. Freitas Jr. (Santa Clara, Kalifornien). Professionell wie kein anderer näherte er sich diesem Phänomen mit Begeisterung, stellte es erstmals in einen SETI-Kontext, spielte das Szenarium derartiger „Maschinen-Zellen“ ausführlich in der Theorie durch, plädierte für eine Fahndung nach Artefakten, publizierte fleißig über dieses Thema und leitete darüber hinaus sogar zwei von bislang vier offiziellen Suchläufen nach extraterrestrischen Sonden respektive Artefakten im Orbit.

Von August bis September 1979 spähte er mit dem 76-Zentimeter-Cassegrain-Telekop der Leuschner-Sternwarte in Lafayette (Kalifornien) nach außerirdischen Raumsonden. Es war weltweit der erste offizielle wissenschaftliche Suchlauf nach außerirdischen Artefakten bzw. interstellaren Sonden in einer stabilen Erd-Mond-Umlaufbahn im sichtbaren Licht, der auch in einem renommierten Fachmagazin expliziert wurde. Bei besagter Studie konzentrierte sich Freitas zusammen mit seinem Astronomie-Kollegen Francisco Valdes von der University of California in Berkeley (Kalifornien) während einer 30-stündigen Observation auf die L4- und L5-Librationspunkte.

gravitationskräfte in position zur erde

Nach Meinung von Freitas und Valdes eignen sich beide Punkte bestens für eine Spurensuche nach alten interstellaren Archen von einigen Metern Größe, die dort irgendwann einmal absichtlich geparkt wurden. Um die vermeintlichen Objekte im optischen Licht besser aufzulösen, führten die Astronomen die Hälfte aller Observationen während mondloser Nächte durch und belichteten jedes der aufgenommenen 90 Fotos zehn Minuten lang – mit einem wenig erfreulichen Ergebnis:

Die Beobachtungen waren alle negativ. Unsere Daten zeigen, dass kein urzeitliches Raumschiff oder ein anderes Objekt […] von der Größe Skylabs oder noch größer am L4- und L5-Punkt abgestellt worden war – oder in irgendeinem der vorhergesagten Halo-Orbits im Erde-Mond-System.[1]

Dennoch sei es sinnvoll, so der Rat beider Autoren, auch in Zukunft weiterhin alte extraterrestrische Artefakte mit noch besseren Teleskopen in noch höherer Auflösung ins Fadenkreuz zu nehmen. Doch trotz Freitas’ und Valdes’ energischem Plädoyer für eine Suche nach künstlichen Raumfahrzeugen extraterrestrischer Herkunft quittierten viele Wissenschaftler diesen Vorschlag mit Gleichgültigkeit.

marsgesicht

Die Artefakt-Hypothese

Als Freitas und Valdes 1981 und 1982 bei einer zweiten, insgesamt 70 Stunden währenden Observationssequenz die Lagrangepunkte L5 und L1 (Sonne-Erde-Bahn) anvisierten und dort nach Spuren extraterrestrischer Fusionsantriebe spähten, versahen sie ihr Projekt erstmals mit dem Akronym SETA (Search for ExtraTerrestrial Artifacts).

Dass sich die heutige Suche nach außerirdischen Artefakten nicht mehr allein auf Monolithen oder Skulpturen beschränkt, ist in erster Linie Robert A. Freitas zu verdanken. Er fasste den Begriff Artefakt viel breiter und definierte ihn weitläufiger. Seine 1983 näher explizierte Artefakt-Hypothese, die bei eingefleischten SETA-Anhängern beinahe Kultstatus genießt, geht davon aus, dass bestimmte technologisch hochstehende extraterrestrische Gesellschaften Langzeitprogramme für die interstellare Erforschung etabliert haben, bei denen materiell-stoffliche Artefakte vorzugsweise in ausgewählten Sternsystemen deponiert werden. Sofern diese Objekte nicht absichtlich getarnt wurden und für technisch gereifte Spezies gut lokalisierbar und beobachtbar sind, sollten unsere Wissenschaftler sie „bei entsprechender Anstrengung“ auch finden können.

nasa raumsonde

Freitas unterscheidet zwischen zwei Artefakt-Typen: passive und aktive. Passive außerirdische Artefakte könnten sich beispielsweise hinter Denkmälern, inaktiven Blöcken, kunstvoll geformten Monolithen oder Skulpturen verbergen, fernerhin in eingeschlossenen Datenbanken verstecken. Es könnten ebenso gut hochsensible Reflektoren sein, die jeden Lichtstrahl in Richtung seines Absenders zurückwerfen.

Die Aussichten, Strukturen wie diese im Raum ausfindig zu machen, stuft Freitas allerdings als gering ein. Nur wenn diese Objekte energiereiche Radiostrahlen, Lichtsignale oder andere signifikante Zeichen von sich gäben, bestünde eine Chance, sie zu lokalisieren. Ihre Erschaffer hätten sie absichtlich in fremde Sternsysteme eingebracht – so wie aktive Artefakte, zu denen Freitas in erster Linie einen bestimmten Raumsondentyp zählt:

Aktive, sich selbst reparierende interstellare Sonden bilden die wahrscheinlichste Klasse von ETI-Sonden innerhalb des Sonnensystems. Dieses Ergebnis erlaubt uns, ein besonderes Beobachtungsprogramm zu planen, um experimentell die Richtigkeit der Artefakt-Hypothese zu überprüfen.

Eine intelligente Alien-Sonde würde höchstwahrscheinlich abseits störender Sonnenflares oder Mikrometeoriten in eine stabile Mond- oder Erdumlaufbahn einschwenken – oder auf einem der Lagrangepunkte L1, L2, L4 bzw. L5 parken und die Sonne systematisch als Energiequelle nutzen. Bei Bedarf würde sie ihre Selbstheilungskräfte aktivieren, um für lange Zeit einsatzbereit zu bleiben.

Zielregion: Asteroidengürtel

Genauso gut könnte die Menschheit innerhalb des Asteroidengürtels unseres Sonnensystems, der sich zwischen Mars und Jupiter erstreckt und in dem bis zu 1,9 Millionen Kleinplaneten mit einem Mindestdurchmesser von einem Kilometer driften sollen, auf außerirdische Artefakte stoßen.

Der mit Planetoiden reichlich gesegnete Gürtel entstand vor 4,6 Milliarden Jahren. Er besteht aus just jenen Kleinkörpern, die sich in kosmischer Urzeit nicht zu einem Planeten verdichten konnten. Anstatt als stattlicher kugelförmiger und halbwegs großgewachsener Planet den Heimatstern zu bezirzen, fand sich die Restmaterie als höchst unförmiges und recht klein geratenes Gebilde wieder: eben als Planetoid bzw. Asteroid. Dass dies bis auf den heutigen Tag so geblieben ist, bedingt die enorme Schwerkraft des größten Planeten unseres Sonnensystems.

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Kein Wunder demnach, dass der US-Astronom Michael D. Papagiannis von der Boston University (US-Bundesstaat Massachusetts) bereits 1978 vorschlug, bei der Spurensuche nach außerirdischen Relikten in unserem Sonnensystem das Augenmerk stärker auf den Asteroidengürtel zu richten.

Viele der dort lokalisierten Gesteinsbrocken könnten nämlich ebenso gut Überreste von Kolonien sein, die dort ehemals existiert haben. Bauschutt, Trümmer und Abfälle eines gigantischen Schlackehaufens, zurückgelassen von einer extraterrestrischen Schwerindustrie, könnten das Bild in dieser Region bestimmen.

Vielleicht gewann hier eine Superzivilisation einst Rohstoffe und verschiffte wichtige Mineralien und Eisen als Baumaterial gen Heimat oder tankte auf der Durchreise ihre interstellaren Archen nur auf. Angesichts der Vorteile, die der Asteroidengürtel einer galaktischen Gesellschaft bietet, die ihren Fortbestand auf Weltraumkolonien sichert, könnte diese Zone einst ein Hort des Lebens gewesen sein oder noch sein, so Freitas:

Sollten irgendwelche extraterrestrische Kolonien in unserem Sonnensystem existieren, dann scheint mir der Asteroidengürtel die logischste Region zu sein, in der wir suchen sollten.

Fahndung nach Botschaften in Raumkapseln

Im Bann außerirdischer Artefakte und Monolithen stehen auch die Wissenschaftler Christopher Rose vom „Wireless Information Network Laboratory“ (WINLAB) der Rutgers University in Piscataway (US-Bundesstaat New Jersey) und der dort ansässige Physiker Gregory Wright.

voyager

Unter Einbeziehung einer selbst kreierten Formel kamen beide Forscher 2004 zu dem Ergebnis, dass kompakte, in Raumkapseln verfrachtete Botschaften à la Voyager oder gut versteckte Artefakte die ideale kosmische Flaschenpost wären. Licht- oder Radiowellen hingegen seien viel zu teuer und würden nur unnötig viel Energie verbrauchen und mit zunehmender Entfernung immer schwächer werden. Stehe der Faktor Zeit nicht im Vordergrund, sei eine auf irgendeinem Material eingeschriebene Botschaft in jeder Hinsicht effektiver als die Kommunikation mit elektromagnetischen Wellen.

Analog einer irdischen maritimen Flaschenpost wäre für das kosmische Pendant der Faktor Zeit unerheblich. Schließlich könnte ein solches Gebilde theoretisch Jahrmillionen in einem fernen Sonnensystem auf einer stabilen Umlaufbahn kreisen. Rose und Wright schlagen deshalb vor, die Anstrengungen, fremde Artefakte im All zu finden, zu verstärken.

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In Erinnerung an Arthur C. Clarkes Monolithen sei es durchaus denkbar, erklären die beiden Wissenschaftler, dass außerirdische Botschaften bereits auf der Erde oder auf dem Mond als Artefakte lagern oder den Jupiter beziehungsweise die Sonne als absichtlich getarnte Sonden umkreisen.

Insbesondere in Jupiternähe, im Umfeld des größten Planeten des Sonnensystems, könnte eine außerirdische Botschaft schon seit Jahrtausenden treiben. Sie könnte weniger erodiert sein als ein gewöhnlicher Asteroid. Daher sollten Astronomen mit Radarstrahlen vor allem nach jenen Objekten suchen, die über eine auffallend „glatte“ Radarsignatur verfügen. Was die Abspeicherung der Information anbelange, sei vieles denkbar. Theoretisch könnte die Botschaft in ein Objekt „eingraviert“ worden sein oder als eine Art DVD vorliegen. Das Fazit der Autoren gerät zum Tipp für spätere SETA-Protagonisten:

Unsere Ergebnisse untermauern, dass die sorgfältige Suche nach ETs in unserem eigenen planetaren Hinterhof genauso erfolgsträchtig ist wie das Studium entfernter Sterne durch Teleskope.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36260/1.html

Gruß an die ET’s

TA KI