Vor EM in Frankreich: Kein Ende der Streiks in Sicht – Fußballfans droht ein Streik-Chaos


In diesem Liveticker bringen wir einen Gesamtüberblick über die Lage in Frankreich, vor und während der EM. Aktuelle Themen wie: Terrorgefahr, Unwetterkatastrophe, Streiks und Demonstrationen.

Der Countdown zur EM 2016 läuft: Von 10 Juni bis zum 10 Juli 2016 wird die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich statt finden.

+++ 06.06.2016 +++

Weitere Streiks in Frankreich 

Die Lage in Frankreich will sich auch vier Tage vor der EM nicht beruhigen. Vor allem die Arbeitskämpfe im Verkehrsbereich schüren Sorgen vor Auswirkungen auf das Sportereignis. Ausgefallene Züge, Versorgungsprobleme an Tankstellen, Zusammenstöße am Rande von Demonstrationen bei denen bereits mehr als 100.000 Menschen auf die Straßen gehen, sind zum Alltag der einstigen Grande Nation geworden. Seit Wochen prägen Streiks und Proteste den politischen Alltag in Frankreich.

Und das hat sich auch wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft am Freitag nicht geändert. Unklar ist, ob zentrale Konflikte vorher noch entschärft werden können – oder ob die Aktionen sich in die Zeit des Fußballturniers ziehen.

Die Besucher müssen sich jedenfalls auf mögliche Störungen einstellen. Im Konflikt um die Arbeitsmarktreform ist kein plötzlicher Burgfrieden zu erwarten, zumal der Senat just während der EM über das Gesetz berät. Für den 14. Juni ist ein neuer Protesttag angekündigt. Auch ist nicht entschieden, ob der am Mittwoch begonnene Streik der Eisenbahner rechtzeitig beigelegt wird. Bei der Air France ist für die ersten EM-Tage ein Pilotenstreik angekündigt.

Nachlässigkeit bei Gefahrenabwehr

Experten sorgen sich um die Sicherheit während des Turniers in Frankreich.  Der Sicherheitschef der Fußball-WM 2006, Helmut Spahn, warf den EM-Organisatoren Nachlässigkeit bei der Gefahrenabwehr vor. Erfahrungen und Expertise aus anderen Ländern seien nicht zurate gezogen worden, sagte Spahn der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nach Angaben der „Bild am Sonntag“ schließt das Bundespolizei-Präsidium Anschläge während der EM nicht aus und mahnte alle Polizei-Direktionen zur erhöhten Eigensicherung.

Auch die Streiks verkomplizieren die Sicherheitslage, so die „BamS“ und beruft sich dabei auf ein internes Dokument, das auf Hinweisen des Bundesamtes für Verfassungsschutz beruhen soll. Demnach habe der Islamische Staat dazu aufgerufen, den am Montag beginnenden Fastenmonat Ramadan zu Anschlägen im Westen zu nutzen. Damit sei möglicherweise auch die EM bedroht.

+++ 04.06.2016 +++

BKA-Chef: Keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne bei EM

Kurz vor der EM in Frankreich sieht das BKA keine konkrete Gefahr für Terror-Anschläge. Es gebe derzeit „keine Hinweise, die auf konkrete Anschlagsplanungen hindeuten“, sagte BKA-Präsident Holger Münch der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ . Jüngsten Medienberichten, die unter Bezug auf interne BKA-Berichte vor Terror-Attacken bei der am 10. Juni beginnenden Europameisterschaft gewarnt hatten, widersprach Münch. Das BKA habe keine Terrorwarnung für die EM ausgesprochen, sondern lediglich eine Gefährdungsbewertung erstellt, betonte der BKA-Chef. (dpa)

+++ 03.06.2016 +++

Ende der Streiks gefordert 

15:39 Uhr Jetzt, kurz vor dem Beginn der EM, fordert die französische Regierung ein Ende der Streikwelle. Verkehrsminister Alain Vidalies sagte dem Radiosender RTL am Freitag, die Arbeitsniederlegungen bei der Bahn müssten enden, berichtet „Reuters“. Er meinte auch, dass der geplante Pilotenstreik bei Air France „unverantwortlich“ sei.

Die Regierung habe der Bahn Zugeständnisse gemacht, etwa bei Ruhezeiten und nun wäre es an der Zeit wieder zu arbeiten, so Vidalies.

Bei Air France soll wegen der geplanten Gehaltskürzungen auch bald gestreikt werden. Es würde aber niemand verstehen, warum ausgerechnet zur Fußball-EM die Flüge entfallen müssten, so der Verkehrsminister. Die EM startet am kommenden Freitag, in den Tagen danach sollte auch der Air France Streik beginnen.

Seit drei Tagen wird bei der Bahn bereits unbefristet gestreikt. Rund die Hälfte der Züge fahren laut „Reuters“ nicht. Auch durch die Überschwemmungen ist der Schienenverkehr teils lahmgelegt.

ARD beklagt zu laxe Sicherheitsvorkehrungen 

10:48 Uhr Ein Reporter-Team der ARD hat bei einem selbst initiierten Sicherheitstest nach eigenen Angaben ungehindert mehrere Ketchup-Flaschen in ein französisches Fußball-Stadion schmuggeln können. Beim Testspiel von EM-Gastgeber Frankreich gegen Kamerun am vergangenen Sonntag in Nantes hätten die Journalisten zwei Plastikflaschen am Körper und eine in einer Handtasche in die Arena bringen können. Nur ein Reporter, der eine Halbliter-Getränkedose bei sich trug, sei von den Sicherheitskräften aufgehalten worden, berichtet der Bayerische Rundfunk in einer Pressemitteilung.

Die UEFA wies laut ARD daraufhin, dass das Stadion in Nantes keine EM-Arena sei und dass bei der Partie andere Sicherheitsvorkehrungen als bei dem Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli geherrscht hätten.

Hochwasser in Frankreich 

Doch das Land steckt tief in der Krise. Neben andauernden Demonstrationen gegen die Arbeitsreform der Hollande-Regierung, herrscht in Frankreich auch der Ausnahmezustand wegen möglichen Terrorangriffen. Darüber hinaus versinken einige Stadtteile wegen Dauerregen und dem Ansteigen des Wasserpegels der Flüsse in den Fluten.

Die Unwetter mit schweren Regenfällen haben große Teile Frankreichs getroffen. Präsident François Hollande rief für einige Regionen den Notstand aus. Paris und die nähere Umgebung der Hauptstadt sind besonders betroffen.

Der Pegelstand der Seine überschritt in Paris die Fünf-Meter-Marke, berichtet die „Tagesschau„. Es wird befürchtet, dass das Wasser heute noch auf sechs Meter ansteigt. Dies wäre der höchste Wert seit 15 Jahren. Uferstraßen stehen unter Wasser und sind gesperrt. Der Schiffsverkehr auf der Seine wurde gestoppt. Auch Touristenboote stehen still. Darüber hinaus wurden eine Metro-Strecke und eine Bahnlinie gesperrt.

Der Louvre bleibt heute auch geschlossen, weil Werke aus den unterirdischen Depots in Sicherheit gebracht werden müssen. Auch das am anderen Seine-Ufer liegende Impressionisten-Museum „Musée d’Orsay“ könnte heute geschlossen bleiben.

Rettungskräfte sind im Dauereinsatz. Seit Sonntag wurden etwa 10.000 Einsätze gemeldet. Dabei brachten die Einsatzkräfte mehr als 5000 Menschen in Sicherheit.

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Gruß an die Aufgeklärten
TA KI

Briefträger und Paketboten treten in unbefristeten Streik


Der genauen Starttermin will Verdi noch bekannt geben. Foto: Paul Zinken/Archiv

Der genauen Starttermin will Verdi noch bekannt geben. Foto: Paul Zinken/Archiv

Millionen Briefe und Pakete werden in den kommenden Tagen wohl wieder verspätet ankommen. Bei der Deutschen Post beginnen noch am Montag unbefristete Streiks. Das kündigte die Gewerkschaft Verdi in Berlin an. Die Post habe sich in sechs Verhandlungsrunden keinen Millimeter auf eine Lösung des Konflikts hinbewegt, sondern ein Angebot der Gewerkschaft ignoriert, erklärte Verdi-Vize Andrea Kocsis. „Wir müssen den Druck nun massiv erhöhen.“

In dem Tarifkonflikt geht es um Bezahlung und Arbeitszeit für rund 140 000 Beschäftigte. Kern der Auseinandersetzung ist aber der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Die dort beschäftigten rund 6000 Paketboten werden nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern erhalten die oft niedrigeren Löhne der Logistikbranche.

Verdi will erreichen, dass sie tariflich unter das Dach der Post zurückkehren. Im Gegenzug wollte die Gewerkschaft für 2015 auf eine lineare Lohnerhöhung verzichten, forderte aber eine Einmalzahlung von 500 Euro und ein Lohnplus von 2,7 Prozent für 2016.

Diese Forderung lehnte die Post am Montag ab. Dies leiste keinen Beitrag zur Zukunftssicherung für Mitarbeiter und Unternehmen, begründete Personalchefin Melanie Kreis. Zudem bedeute der Verdi-Vorschlag eine Mehrbelastung von rund 300 Millionen Euro. Das sei „sogar eine spürbare Verschärfung unseres bestehenden Wettbewerbsnachteils“, erklärte Kreis. Die Post zahle doppelt so hohe Löhne wie die Wettbewerber.

Quelle: https://de.nachrichten.yahoo.com/streiks-bei-der-post-ab-montagnachmittag-115902173.html

Gruß an das Chaos

TA KI

Ab Sonntag könnte das Benzin an Tankstellen knapp werden!!


…Es fährt kein Zug nach niergendwo…

Das Benzin an Tankstellen könnte knapp werden

Bundesbahn plakat_neu

Die Lokführer bestreiken Personen- und Güterverkehr. Die Logistikbranche rechnet schon mit Engpässen an den Tankstellen. Ab Sonntag könnten Kraftstoffe knapp werden. Die aktuellen Infos im Liveticker.

Deutsche Bahn will GDL-Streik juristisch stoppen

 

Die Deutsche Bahn geht juristisch gegen den Streik der Lokführer vor. Es werde eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Frankfurt beantragt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Man nehme mit großem Unverständnis zur Kenntnis, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) das Bahn-Angebot für eine Schlichtung abgelehnt habe. Um dennoch großen Schaden von den „Kunden, dem Unternehmen sowie dem Wirtschaftsstandort Deutschland abzuwenden“, habe sich der Bahn-Vorstand entschieden, gegen den angelaufenen Rekordstreik der GDL den Erlass einer einstweiligen Verfügung zu beantragen. Das Frankfurter Arbeitsgericht will noch am Donnerstag darüber entscheiden, ob der Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn untersagt werden kann. Über den Antrag des Unternehmens auf eine einstweilige Verfügung solle um 16.30 Uhr mündlich verhandelt werden, teilte das Gericht mit.

es fährt kein zug nach niergendwo(…)

 

Logistikbranche rechnet mit Kraftstoff-Engpässen an Tankstellen

 

Die Logistikbranche rechnet angesichts des Rekordstreiks bei der Bahn mit Engpässen bei der Kraftstoffversorgung und Produktionsausfällen in der Auto-, Stahl-, und Chemiebranche. Bei der Kraftstoffversorgung „wird es aus meiner Sicht auf jeden Fall Engpässe geben, zumal ja auch das Aufkommen im Individualverkehr erhöht sein wird“, sagte Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik dem Sender MDR Info. Raffinerien hätten Probleme, die Tankstellen zu beliefern. Gburek rechne mit Engpässen „spätestens Sonntag oder Montag“.

Besonders hart werde der Ausstand die Auto-, Stahl-, und Chemiebranche treffen. Es werde „auf jeden Fall Produktionsausfälle“ geben. Wenn die Logistikkette ins Stocken gerate, werde es bis Mitte der kommenden Woche dauern, bis sich die Abläufe wieder normalisiert hätten, betonte Gburek.

GDL-Chef Weselsky fühlt sich bedroht


Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, sieht seine Privatsphäre bedroht. „Ich bin auch bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun. Ich habe allerdings gestern Abend die Polizei verständigt, weil es hier in einer unglaublichen, nennen wir es einfach Verletzung meiner Privatsphäre, nicht mehr um die Sache geht“, sagte Weselsky am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Für Personenschutz habe er bislang aber „keine Notwendigkeit gesehen“.

Deutscher Beamtenbund kritisiert Lokführergewerkschaft

 

 

Der Deutsche Beamtenbund (DBB) hat das kompromisslose Vorgehen der Lokführergewerkschaft GDL im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn kritisiert. Die GDL habe die Schlichtung mit der Bahn abgelehnt, „das war nicht abgestimmt mit uns“, sagte DBB-Chef Klaus Dauderstädt am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Ich hätte der GDL empfohlen, sich auf eine Schlichtung einzulassen.“ Der Beamtenbund steht bislang hinter der GDL und unterstützt deren Streik finanziell.

 

Viele Zugausfälle im Osten


Reisende in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen sich ab Donnerstag auf massive Zugausfälle einstellen. 80 Prozent der Nahverkehrszüge fielen aus, sagte ein Bahnsprecher am Morgen. Im Fernverkehr sei die Lücke noch größer. Ein Ersatzfahrplan sei eingerichtet und stabil angelaufen.

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Not-Personenverkehr rollt stark ausgedünnt an

Der Fern- und Regionalverkehr ist nach dem Streikstart im Personenverkehr am Donnerstagmorgen laut Bahn „ausgedünnt, aber weitgehend stabil“ angerollt. Für Donnerstag und Freitag sind die Ersatzfahrpläne bereits öffentlich. Für Samstag stünden ab 12 Uhr Informationen online bereit, für Sonntag sei die Veröffentlichung am Freitagmittag vorgesehen.

Im Regionalverkehr sind die Streikauswirkungen laut Bahn unterschiedlich spürbar. In West- und Norddeutschland stünden über 30 Prozent des üblichen Zugangebotes zur Verfügung. In Süddeutschland verkehrten etwa 40 Prozent der Züge. In Ostdeutschland stünden 15 bis 30 Prozent des üblichen Zugangebots zur Verfügung. Für die S-Bahnen in München, Nürnberg, Stuttgart und Rhein-Main werde ein Stundentakt angeboten. In Berlin und Hamburg fahren einige Linien auch alle 20 Minuten.

In Berlin fährt ein Drittel der S-Bahnen



In Berlin bedient die S-Bahn ein knappes Drittel ihres Netzes, die Regionalbahnen nach Angaben der Deutschen Bahn etwa ein Fünftel. Da es immer wieder Abweichungen von den Notfahrplänen geben könne, bittet die Bahn ihre Fahrgäste, sich jeweils vor Fahrtantritt zu informieren. Bei der Berliner S-Bahn wird der Ring mit den Linien S41, S42, S45 und S47 nicht bedient. Die S46 fährt alle 20 Minuten zwischen Königs Wusterhausen und Südkreuz. Zwischen Oranienburg und Potsdam Hauptbahnhof soll die S1 alle 20 Minuten fahren. Die S7 ist nur auf der Strecke zwischen Friedrichstraße und Strausberg im Einsatz. Die S5 verkehrt auf der Teilstrecke zwischen Alexanderplatz und Marzahn, die S3 zwischen Erkner und Ostkreuz.

Arbeitgeber stellen Lkw-Sonntagsfahrverbot infrage

Als Reaktion auf den Rekordstreik bei der Bahn bringen Niedersachsens Metallarbeitgeber ein einmaliges Aussetzen des Sonntagsfahrverbots für Lkw ins Spiel. „Wenn man hier schnell zu einer bundesweiten Lösung käme, könnte die Gefahr von Produktionsausfällen zumindest teilweise abgeschwächt werden“, sagte NiedersachsenMetall-Chef Volker Schmidt. „Das wäre eine unkonventionelle, vor allem aber eine pragmatische Antwort auf das unverantwortliche Treiben der GDL im aktuellen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn.“

Logistikbranche rechnet mit Kraftstoff-Engpässen an Tankstellen

Die Logistikbranche rechnet angesichts des Rekordstreiks bei der Bahn mit Engpässen bei der Kraftstoffversorgung und Produktionsausfällen in der Auto-, Stahl-, und Chemiebranche. Bei der Kraftstoffversorgung „wird es aus meiner Sicht auf jeden Fall Engpässe geben, zumal ja auch das Aufkommen im Individualverkehr erhöht sein wird“, sagte Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik dem Sender MDR Info. Raffinerien hätten Probleme, die Tankstellen zu beliefern. Gburek rechne mit Engpässen „spätestens Sonntag oder Montag“.

Besonders hart werde der Ausstand die Auto-, Stahl-, und Chemiebranche treffen. Es werde „auf jeden Fall Produktionsausfälle“ geben. Wenn die Logistikkette ins Stocken gerate, werde es bis Mitte der kommenden Woche dauern, bis sich die Abläufe wieder normalisiert hätten, betonte Gburek.

Hamburger S-Bahn fährt trotz Streik

 

Die Deutsche Bahn erwartet, dass etwa jeder dritte Zug trotz des Streiks fahren kann. Der Nahverkehr auf den Strecken Kiel-Hamburg, Lübeck-Hamburg und Lübeck-Kiel soll von Donnerstag bis Sonntag im Stundentakt bedient werden, die Verbindungen Kiel-Flensburg, Neumünster-Flensburg und Kiel-Husum alle zwei Stunden. Die Hamburger S-Bahn fahre auf den Linien S1, S3, S21 und S31 alle 20 Minuten.

 

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Der Streik der Lokführer im Güterverkehr hat vor anderthalb Stunden begonnen und trifft auch die beiden großen deutschen Häfen Hamburg und Bremen. Die Auswirkungen seien aber schwer vorhersehbar, sagten mehrere Experten am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Einerseits wird ein Drittel des Bahngüterverkehrs in Deutschland von privaten Unternehmen abgewickelt, die nicht bestreikt werden. In den Häfen liegt der Anteil noch höher. Das stabilisiert die Lage. Andererseits sind die logistischen Systeme und Prozesse, die Lieferketten und Just-in-Time-Systeme eng verknüpft und sehr komplex. Das macht sie anfällig für Störungen. „Die genauen Auswirkungen sind noch nicht abzuschätzen“, sagt Daniel Hosseus, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS).

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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert die Deutsche Bahn auf, gegen den Lokführerstreik der GDL vor Gericht zu ziehen. „Eine Klage wegen Unverhältnismäßigkeit des Streiks ist im Interesse der Bahnkunden, der Beschäftigten und der Aufrechterhaltung der Güterversorgung in Deutschland geboten“, sagt Dobrindt. Der viertägige Streik sei unverhältnismäßig, die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Tarifauseinandersetzungen werde deutlich überstrapaziert. „Die Deutsche Bahn muss ihre Rechtsposition wahrnehmen und alle Rechtsmittel ausschöpfen“, so Dobrindt. Die Bahn befindet sich zu 100 Prozent in Staatsbesitz.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert an das Verantwortungsbewusstsein aller Parteien im Tarifstreit bei der Bahn. Es müssten Lösungen gefunden werden, „die auch für uns als Land einen möglichst geringen Schaden haben“, sagt sie. „Streiks sind eine Möglichkeit der tariflichen Auseinandersetzung, sie haben aber immer die Verantwortung auch verhältnismäßig zu sein.“ Merkel betont, dass ein Streik bei der Bahn Millionen Bürger und auch die Wirtschaft treffe. „Es gibt eine Gesamtverantwortung“, sagt die CDU-Chefin. Sie verweist auf die Möglichkeit einer Schlichtung. „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Wege gesucht werden, die die Verhältnismäßigkeit möglichst gut wahren“, sagt sie.

 

Die Deutsche Bahn will während des Streiks der Lokführer etwa die Hälfte ihres Schienen-Güterverkehrs aufrechterhalten. Das sagte Markus Hunkel, Vorstand Produktion bei der Gütersparte DB Schenker Rail, der Nachrichtenagentur dpa. Für die Kunden im In- und Ausland bedeute der Ausstand Verspätungen und Einschränkungen des Bahn-Angebots. Man werde aber erneut alles tun, um in enger Kommunikation mit den Kunden die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Im Schnitt sind werktags etwa 5000 Züge von DB Schenker Rail in ganz Europa unterwegs.

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Wegen des Lokführerstreiks verlegt der Autobauer Audi Transporte von der Schiene auf die Straße. „Einzelne, wichtige Lieferungen versuchen wir schon jetzt von der Bahn umzuleiten, zum Beispiel auf Lastwagen“, sagt ein Audi-Sprecher. Der Konzern wolle je nach Streikverlauf und Bedarf entscheiden, ob noch mehr Verlagerungen nötig sind. Pro Arbeitstag fahren laut Audi etwa 15 Güterzüge der Deutschen Bahn vom und zum Werk Ingolstadt.

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Die deutsche Wirtschaft warnt vor gravierenden Folgen des gut viertägigen Bahnstreiks für die Unternehmen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, sagt: „Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland.“ Streiks im Güterverkehr führten bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen, weil Bahntransporte oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden könnten. „In Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie ist die Produktionskette komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet.“

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SPD-Chef Sigmar Gabriel attackiert die GDL ungewöhnlich scharf und fordert einen Schlichter zur Beilegung des Konflikts. Der Wirtschaftsminister wirft der GDL Missbrauch des Streikrechts vor. „Das Streikrecht wurde in den letzten 65 Jahren in Deutschland von den DGB-Gewerkschaften immer verantwortungsbewusst genutzt – und nur dann, wenn es um Arbeitnehmerinteressen ging“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Die GDL hat sich von diesem Prinzip verabschiedet.“ Den Funktionären gehe es nicht um höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen, sondern um Eigeninteressen.
„Ich appelliere an die Funktionäre der GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukommen“, sagte Gabriel. „Was derzeit passiert, ist ein Missbrauch des Streikrechts.“ Nötig sei jetzt Verantwortungsbewusstsein auf allen Seiten und ein Schlichter oder Vermittler, um den drohenden volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Die SPD steht dem Gewerkschaftlager und vor allem dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gewöhnlich sehr nahe.

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Mitten im Arbeitskampf meldet sich die Bahn zum Thema Kundenservice. Die schlechte Nachricht: Wer mit Paypal oder Kreditkarte zahlt, muss künftig eine Gebühr in Höhe von fünf Prozent (maximal drei Euro) extra in Kauf nehmen. Das gilt für innerdeutsche Fernverkehrsverbindungen und den Kauf der Bahncard. Die gute Nachricht: Die Bahn setzt auf kostenloses WLAN in den Zügen. Allerdings erstmal nur in der 1. Klasse des ICE. „Perspektivisch“ dann auch für die 2. Klasse. Also vielleicht in zwei, drei oder fünf Jahren.  

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Der Bundesverband für Groß-, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) kritisiert den Streik der GDL als vollkommen unverhältnismäßig. „Auf dem Rücken unbeteiligter Kunden und Unternehmen einen gewerkschaftlichen Konkurrenzkampf auszutragen, wird sich als Bumerang erweisen“, erklärt BGA-Präsident Anton Börner. Wegen des Streiks drohten Produktionsausfälle und damit erhebliche Einbußen. Die gesamte Logistikkette könne ins Stocken geraten.Besonders betroffen von einem Bahnstreik sei etwa der Chemiehandel, fügt Börner hinzu. Aber auch für die deutschen Stahl- und Metallhändler oder die Automobilzulieferer sei die Schiene wegen der zu transportierenden Masse unverzichtbar. Ausweichmöglichkeiten gebe es kaum. Es werde daher zu starken Verzögerungen in der Lieferkette kommen.

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Zusätzlich zur allgemeinen, gebührenpflichtigen Servicenummer 0180-6996633 schaltet die Deutsche Bahn ab Dienstagabend unter der Telefonnummer 08000-996633 eine kostenlose Hotline. Außerdem können sich Bahnreisende auf der Internetseite unter www.bahn.de/aktuell informieren. Dort sowie über die Smartphone-App DB Navigator ist der Ersatzfahrplan für Donnerstag, den ersten Streiktag, ab Dienstagabend um 19.00 Uhr einsehbar. Der Ersatzfahrplan für Freitag und die weiteren Streiktage soll laut Bahn ab Mittwochabend um 18.00 Uhr abrufbar sein.

 

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Der Streik der Lokführer fällt mit den Berliner Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum zusammen. Touristen werden schlecht per Zug zu den Feiern zum Fall der Mauer vor 25 Jahren in die Hauptstadt kommen. In Berlin selbst wird der S-Bahn-Verkehr von dem insgesamt mehr als viertägigen Streik betroffen sein.

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Auf die Kunden der Deutschen Bahn kommt der längste Streik in der Geschichte des Unternehmens zu. Von Donnerstag, 2 Uhr, an wollen die Lokführer im Personenverkehr bundesweit für vier Tage die Arbeit niederlegen. Betroffen sind Fern- und Regionalzüge sowie die S-Bahnen der Deutschen Bahn. Im Güterverkehr hat der Ausstand schon am Mittwochnachmittag um 15 Uhr begonnen. Das Ende des Streiks ist für Montag, 10. November, um 4 Uhr geplant.

Es ist der sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994. Betroffen sind auch die Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Wochenende in Berlin, wo bislang Hunderttausende Gäste erwartet wurden. Die Tourismusbranche in der Hauptstadt sprach von einer „egoistischen Entscheidung von einigen Wenigen auf Kosten sehr Vieler“.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) begründete die Aktion mit der Weigerung der Bahn, über einen eigenständigen Tarifvertrag auch für Berufsgruppen zu verhandeln, die nicht Lokführer sind. Ein Einigungsversuch beider Seiten war am Sonntag gescheitert. Dabei ging es um Spielregeln für die künftige Zusammenarbeit zwischen der Bahn, der GDL sowie der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

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Busunternehmer bereiten sich auf Ansturm vor

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner griff Weselsky an. „Er schadet nicht nur der Bahn, er schadet der Gewerkschaftsbewegung, weil er eine andere Gewerkschaftslandschaft haben will“, sagte Kirchner im Hessischen Rundfunk. Die EVG sieht aber auch ein von der Bundesregierung geplantes Gesetz zur Tarifeinheit kritisch. „Es mag Bereiche und Branchen geben, wo das Gesetz hilft, Konflikte zu befrieden, bei der Eisenbahn wird das nicht der Fall sein“, sagte Kirchner am Dienstag bei einem Kleinen Gewerkschaftstag in Fulda.

In dem Tarifkonflikt bei der Bahn geht es auch um mehr Geld für die Beschäftigten. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit. „Es muss Schluss damit sein, dass die Kollegen wegen maßloser Überstunden schon im September ihre Jahresarbeitszeit erfüllt haben und ihnen zustehende Freizeit dauerhaft entzogen wird“, sagte Weselsky.

Die Busunternehmer reagierten erfreut auf die Streik-Ankündigung. Sie bereiteten sich auf einen Ansturm der Reisenden vor, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer mitteilte. Einzelne Fernbus-Betreiber kündigten schon zusätzliche Fahrten an.

Notfallnummer, Ersatzfahrplan, Entschädigung: Alles was Sie zum Bahnstreik wissen müssen, finden Sie hier.

Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article133982806/Rund-zwei-Drittel-aller-Zuege-fallen-aus.html

Gruß an die, die die Zeichen der Zeit erkennen und vorgesorgt haben

TA KI