Gefährdung der Familiengesundheit


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Quelle: http://www.praxisvantreek.de/vortrag/Gef%C3%A4hrdung%20der%20Familiengesundheit%20-%20Medizin%20als%20Krankheitsursache%20-%20Vortrag%20vom%2013.05.2000.pdf

Dieser Artikel erschien hier bereits am 28.03.2015

Gruß an die Forscher

TA KI

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Schlaganfälle bei Kindern bleiben oft unerkannt


Schon Kinder und sogar Ungeborene im Mutterleib kann ein Schlaganfall treffen – nur werden viele Fälle nicht oder sehr spät diagnostiziert. Dabei ist schnelles Behandeln für die Kleinen sehr wichtig.

Von Yuriko Wahl-Immel

Foto: picture-alliance / gms Langfristige Folgen eines Schlaganfalls – bei betroffenen Kindern müssen Lähmungen der Arme oder Beine und Probleme beim Sprechen therapiert werden 

 Lyn ist ein quirliges Mädchen – und ein tapferes. Die Siebenjährige hat in ihrem kurzen Leben bereits rund 50 Behandlungen in mehreren Krankenhäusern hinter sich. Als sie ein Jahr alt war, erlitt sie innerhalb weniger Tage drei Schlaganfälle hintereinander. „Ihre Hand hatte sich damals komisch verkrampft“, erinnert sich ihre Mutter Pea Hollender. Sie fuhren sofort ins Krankenhaus – und wurden dort wieder nach Hause geschickt. „Da wäre wohl am Handgelenk das Radiusköpfchen verrenkt, wurde uns gesagt.“

Erst zehn Tage – und zwei weitere Schlaganfälle – später erfolgte endlich die Diagnose: „Medialer Hirninfarkt, ihre rechte Gehirnhälfte war schon komplett vernarbt.“ Da war wertvolle Zeit aber bereits vertan. Die Konsequenz: Das kleine Mädchen war linksseitig völlig gelähmt. Noch vor drei Jahren saß sie fast bewegungsunfähig im Rollstuhl. „Bis Lyn viereinhalb Jahre alt war, konnte sie nicht laufen, konnte nicht sitzen, die Sprache war ganz weg“, sagt ihre Mutter.

Heute erinnern äußerlich zunächst nur Schienen an Lyns Hand und Bein an diese Zeit. Doch mit den Folgen der drei Schlaganfälle wird das Mädchen zeit seines Lebens zu kämpfen haben. „Gegen die Krampfanfälle braucht Lyn lebenslang Medikamente, die Orthesen müssen regelmäßig angepasst werden“, sagt ihre Mutter. Außerdem wachse das linke Bein nicht richtig. Im vergangenen Jahr musste auch deswegen Lyns Achillesferse operativ verlängert werden. Das fröhliche Mädchen ist außerdem in seiner geistigen Entwicklung etwas zurück. Daher besucht sie mittlerweile einen Förderschulzweig der Waldorfschule in Essen. „Sie lernt nicht so intensiv, ihre Sprache ist tagesformabhängig“, sagt Pea Hollender. Außerdem sehe ihre Tochter zunehmend schlechter.

Herzfehler sind ein Risiko

 

So wie Lyn ergeht es jedes Jahr rund 300 Kindern in Deutschland: Sie erleiden einen Schlaganfall. Ein Drittel von ihnen trifft es bereits im Mutterleib oder sogar während der Geburt. Ein Loch im Herzen des Ungeborenen und eine hohe Blutgerinnungsneigung bei Mutter und Kind erhöhen das Risiko für einen solchen Vorfall. Bei zwei Dritteln der Betroffenen kommt der Schlaganfall etwas später im Kindesalter. Wahrscheinlich sind noch weitaus mehr Kinder betroffen, als die Zahlen glauben lassen, vermuten Experten.

Denn der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zufolge wird nicht jeder Fall korrekt diagnostiziert. Das Problem ist nämlich: Angesichts von jährlich 280.000 Schlaganfällen bundesweit vor allem bei älteren Menschen ist nur wenigen Laien und zum Teil auch Ärzten bewusst, dass Kinder ebenfalls betroffen sein können. Welche Auswirkungen ein Schlaganfall in so jungen Jahren haben kann, hängt unter anderem davon ab, ob er vor oder während der Geburt auftritt oder aber im Kindesalter, erklärt Ronald Sträter vom Uniklinikum Münster.

Gerade wenn der Schlaganfall so früh auftritt, ist es selbst für Experten sehr schwer, ihn als solchen zu erkennen. „Das Dilemma ist, dass man den Kindern nach der Geburt den Schlaganfall nicht ansieht, weil sie meist nur unspezifische Symptome zeigen, etwas inaktiv sind, trinkschwach oder schlapper“, sagt Sträter. Eltern falle dann häufig innerhalb der ersten Lebensmonate auf, dass die Bewegungsfähigkeit der Kleinen auf einer Körperseite besser ist als auf der anderen.

Diese körperlichen Folgen könnten mit Krankengymnastik in der Regel gut abgemildert werden, so der Mediziner. Medikamente seien dann in aller Regel nicht nötig. Kommt es jenseits des Säuglingsalters zum Schlaganfall, ist die Situation eine andere. Dann treffe es ein zuvor neurologisch unbeeinträchtigtes Kind, wie der Mediziner erklärt.

Kinder können nicht äußern, was ihnen fehlt

 

Kinder mit einem Herzfehler etwa hätten ein erhöhtes Risiko, im Kindesalter einen Schlaganfall zu erleiden. Und: „Eine Rolle spielen auch Blutgerinnung und Gefäße, die bei Kindern ebenfalls krank sein können.“ Fatal sei, dass sich Schlaganfälle mehrfach ereignen können, die Kleinen aber noch nicht in der Lage sind zu äußern, was ihnen fehle.

Beim kleinsten Verdacht, so rät der Arzt, sei daher eine genaue neurologische Untersuchung nötig. Bestätigt sich der Verdacht, dass ein Schlaganfall vorlag, müssen die Folgen abgeklärt werden. Die Kinder müssen außerdem dauerhaft Blutverdünner einnehmen, um weiteren Hirninfarkten bestmöglich vorzubeugen.

Die 13-jährige Isabel erlitt, anders als Lyn, einen vorgeburtlichen Schlaganfall. Es vergingen Jahre, bis er diagnostiziert wurde, sagt Anja Gehlken, eine der beiden Leiterinnen der Selbsthilfegruppe Schaki, die Isabel von Geburt an kennt. „Uns ist schon mit einem halben Jahr aufgefallen, dass sie ihre rechte Seite nicht nutzt. Beim Kinderarzt wurden wir aber nur belächelt“, sagt sie. Immer wieder hakte sie bei verschiedenen Medizinern nach, forderte Therapien ein.

Schließlich wurde im Alter von drei Jahren eine Halbseitenlähmung, später dann auch eine nicht richtig ausgebildete Hüfte erkannt. „Heute sieht man ihr auf den ersten Blick nichts an. Sie hat eine Spastik im Arm, und manchmal verhärten sich plötzlich ihre Muskeln, dann kann sie nicht mehr laufen“, erzählt Anja Gehlken. Aber Isabel geht aufs Gymnasium, trotz motorischer Handicaps. „Es gibt sehr viel schwerere Verläufe“, so Gehlken.

Das Gehirn kann ein wenig kompensieren

 

Eltern, deren Kinder ein solches Schicksal ereilt hat, wünschen sich mehr Unterstützung. „Wir suchen uns alle Infos selbst zusammen“, schildert Pea Hollender. Im Gedächtnis geblieben ist ihr die Zeit vor der Einschulung ihrer Tochter. „Vor Schulbeginn bekamen wir ein Schreiben mit Adressen von drei Sonderschulen“, sagt sie. „Wieder reines Schubladendenken, aber keine nützlichen Tipps.“

Auch finanziell wäre Unterstützung mehr als willkommen. Bei Ergo- oder Physiotherapien etwa zahle die Familie deutlich zu, weil die Krankenkasse nur ein unzureichendes Minimum übernehme, so Hollender. „Und wir brauchen Aufklärung, damit Berührungsängste und Vorurteile abgebaut werden.“

Infos für Interessierte und Betroffene gibt es zum Beispiel bei Schlaganfall-Kinderlotse Marco Vollers vom Neurologischen Reha-Zentrum Friedehorst in Bremen. Er gehört zu einem Expertennetzwerk, das die Schlaganfall-Hilfe aufgebaut hat. Um mehr Wissen und eine optimale Behandlung geht es Sträter, der ein Register mit den medizinischen Daten von 1000 kleinen Patienten angelegt hat.

So schrecklich ein Schlaganfall in so jungen Jahren ist – es gibt auch einen Vorteil: „Das kindliche Gehirn hat eine hohe Plastizität“, sagt der Jugendmediziner. „Intakte Regionen im Gehirn können daher Funktionen geschädigter Areale zum Teil mit übernehmen.“ Das erklärt wohl auch die Fortschritte der kleinen Lyn. „Sie übertrifft momentan alle Prognosen“, sagt ihre Mutter. „Mein größter Wunsch ist, dass sie ein selbstständiges Leben führen kann.“

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Quelle: http://www.welt.de/gesundheit/article127642574/Schlaganfaelle-bei-Kindern-bleiben-oft-unerkannt.html

Gruß an die, die das Hirn ihrer Kinder schützen

TA KI