Fünf geleakte Geheimdokumente zu Syrien, die man gelesen haben muss


Der Krieg in Syrien war keine Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände. Westliche Regierungsstellen haben die Eskalation schon Jahre vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen angestrebt. Dies belegen mittlerweile auch Dokumente.

Der Krieg in Syrien war keine Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände. Westliche Regierungsstellen haben die Eskalation schon Jahre vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen angestrebt. Dies belegen mittlerweile auch Dokumente.

In der US-Botschaft in Damaskus wird schon 2006 eine mögliche Destabilisierung Syriens erörtert, bereits 2011 bilden die USA Anti-Assad-Kämpfer aus, Google baut für US-Regierung und Al-Jazeera ein Propaganda-Tool: Geleakte Dokumente wie diese zeigen, mit wieviel Vorlauf der Westen auf den Krieg hinarbeitete.

Weite Teile der Bevölkerung in Großbritannien und den USA geben sich der Illusion hin, ihre Regierungen wollten in Syrien das Leben der dortigen Menschen schützen und ihnen nach fünf Jahren des blutigen Bürgerkriegs den Frieden wiederbringen. Eine Reihe im Laufe der letzten Jahre geleakter Dokumente legt hingegen die Annahme nahe, die USA, Großbritannien und deren Verbündete hätten im Syrienkonflikt eher die Funktion von Brandstiftern wahrgenommen.

Die geleakten und inzwischen frei zugänglichen Dokumente aus den Beständen von Geheimdiensten und Regierungsstellen bestätigen, dass die westlichen Mächte nie ein Interesse daran hatten, die Zivilbevölkerung in Syrien zu schützen. Es ging ihnen vielmehr von Beginn an um einen ganz gewöhnlichen „Regime Change“ von außen, den man dem Land aufzwingen wollte – unabhängig vom Willen der Bevölkerung. Davon zeugen verschiedenste Dokumente und Aussagen. Exemplarisch führen wir an dieser Stelle fünf davon auf, die besonders deutlich zeigen, dass der Krieg in Syrien kein Naturereignis war:

1. Britische und amerikanische Streitkräfte bildeten bereits im Jahr 2011 Anti-Assad-Kämpfer in Syrien aus.

Das belegen WikiLeaks-Veröffentlichungen, die sich auf einen reichhaltigen E-Mail-Verkehr im Umfeld des größten US-amerikanischen Informationsdienstes Stratfor beziehen. Eine davon wird dessen Vizepräsidentin für globale Analyse, Reva Bhalla, zugeordnet, die sich wie folgt äußerte:

Ich verbrachte fast den ganzen Nachmittag im Pentagon mit den Mitgliedern der strategischen Gruppe der USAF (US Air Force) – Jungs, die ihre Zeit damit verbringen, den Chefs der USAF ein vollständiges Bild über die Regionen zu vermitteln, in denen sie operieren. Da waren nur ich und vier andere auf der Ebene eines Oberstleutnants. Darunter ein Vertreter aus Frankreich und aus Großbritannien, die derzeit eng mit den USA zusammenarbeiten…

Nach einigen Stunden erklärten sie, dass SOF-Teams [Special Operations Force], vermutlich aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Jordanien und der Türkei, bereits für Aufklärungsmissionen und zur Ausbildung oppositioneller Kräfte vor Ort sind […]

Ich fragte, worauf dieses SOF-Team hinarbeitet und ob es eventuell zu einer Luftkampagne kommen könnte, um die Rebellen zu unterstützen. Sie haben sich sehr schnell von dieser Idee distanziert. Die „hypothetische“ Idee dahinter ist es, Guerilla-Angriffe und Attentate zu verüben, das Rückgrat der Alawiten zu brechen und so einen Zusammenbruch der Elite zu fördern.

Die Think Tank veröffentlicht Länderberichte sowie Analysen zu globalen und regionalen Konflikten. Im Jahr 2012 wurden mehr als fünf Millionen E-Mails des Unternehmens aus dem Zeitraum von Juli 2004 bis Ende Dezember 2011 veröffentlicht. Dabei zeigte sich, dass Stratfor Unternehmen wie Dow Chemical Co. Bhopal, Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon, aber auch das US-Heimatschutzministerium, die US-Marines und den militärischen Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten berät.

2. Saudi-Arabien sah sich gezwungen, das syrische Regime „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ zu stürzen. 

Nachdem der Syrien-Konflikt tatsächlich ausgebrochen war, hatten die Saudis keine Wahl mehr. Sie mussten befürchten, dass sich ein siegreiches Syrien an dem Königreich und den Golfstaaten rächen würde. Dies zeigt ein internes Memo von Anfang 2012, das WikiLeaks veröffentlichte.

Es muss betont werden, dass in dem Fall, dass das syrische Regime seine gegenwärtige Krise in irgendeiner Weise übersteht, es sein primäres Ziel sein wird, Rache an jenen Ländern zu nehmen, die sich gegen das Land gestellt haben. An vorderster Stelle werden dabei das Königreich [Saudi-Arabien] und einige Länder des Golfes stehen. Wenn wir das Ausmaß an Brutalität und Bösartigkeit berücksichtigen sowie die Entschlossenheit, alle Mittel zu ergreifen, um Ziele zu verwirklichen, dann wird das hohe Maß an Gefahr deutlich, in dem das Königreich schwebt. Das Königreich muss danach streben, alle zur Verfügung stehenden Mittel zu ergreifen und alle notwendigen Wege zu beschreiten, um das gegenwärtige Regime in Syrien zu stürzen.

3. Das US-Militär warnte die Regierung in Washington schon im Jahre 2012 vor einer islamistischen Bewegung, sollte es zu einem Krieg in Syrien kommen.

Dies belegen als „geheim“ eingestuftes Dokumente der US Defense Intelligence Agency im Pentagon. Zwei Jahre später sah die Welt, wie die Terrormiliz Daesh (ISIS/ISIL) in Syrien immer stärker wurde.

A. Innenpolitische Konflikte werden zielgerichtet in einer konfessionellen Art und Weise aufgeladen.

B.  Die Salafisten, die Muslimbrüderschaft und AQI [al-Qaida im Irak] sind die wichtigsten Kräfte, die den Aufstand in Syrien antreiben.

C. Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen die Opposition; während Russland, China und Iran das Regime unterstützen…

8C. Wenn sich die Struktur weiter auflöst, besteht die Möglichkeit, dass sich vielleicht ein bekennender Salafist als Machthaber in Ost-Syrien (Hasaka und Der Zor) etabliert. Das ist genau das, was die Unterstützer der oppositionellen Kräfte wollen, um das syrische Regime zu isolieren…

8.D.1. ISI [Islamic State in Iraq] könnte infolge einer Vereinigung mit anderen Terrororganisationen im Irak und in Syrien einen islamischen Staat ausrufen…

4. Schon 2006 dachte man im Westen über die Unterminierung der syrischen Regierung nach.

Geleakte geheime Dokumente aus der US-Botschaft in Damaskus machen deutlich, dass Pläne zur Destabilisierung des Assad-Regimes schon lange vor dem Beginn des aktuellen Konflikts diskutiert wurden.

13. Dezember, 2006

Beeinflussung der SARG [syrische Regierung] Ende 2006

William Roebuck, Chargé d’affaires, US Botschaft, Damaskus

Wir glauben, dass die Schwäche Bashars darin liegt, wie er sich in gefährlichen Situationen verhält. Dazu gehören empfundene und tatsächliche Konfliktsituationen, Konflikte infolge wirtschaftlicher Reformen (aber nur begrenzt), Auseinandersetzungen über die Korruption, die Kurdenfrage und die potenzielle Bedrohung für das Regime durch die zunehmende Präsenz islamistischer Extremisten. Dies fasst unsere Einschätzung der Schwachstellen zusammen und legt nahe, die Wahrscheinlichkeit des Entstehens solcher Ereignisse durch entsprechendes Handeln, Aussagen und Signale zu fördern.

[…] Im Folgenden finden Sie eine Übersicht möglicher Schwachstellen und Mittel, die Sie anwenden können…

5. Google hat der US-Regierung dabei geholfen, Online-Tools zu erstellen, welche dabei helfen sollen, einen Regime-Wechsel in Syrien einzuleiten.

Das belegen die geleakten E-Mails von Hillary Clinton.

Bitte halten Sie das geheim. Mein Team plant am Sonntag, ein Tool zu starten, welches öffentlich das Versagen in Syrien verfolgen und erfassen soll. Auch, aus welchem Teil der Regierung das kommt…

Die Annahme dahinter ist, dass, während viele die Gräueltaten verfolgen, niemand das Versagen bildlich darstellt und erfasst. Das wäre aber unserer Meinung nach sehr wichtig, um der Regierung zu schaden und das Vertrauen in die Opposition zu stärken. Da es momentan schwer ist, Informationen aus Syrien zu bekommen, sind wir eine Partnerschaft mit Al-Jazeera eingegangen. Sie wird der primäre Eigentümer des Tools sein, welches wir aufgebaut haben, um die Daten zu verfolgen, zu überprüfen und sie wieder zurück nach Syrien zu übertragen…

Wir glauben, dass dies eine große Auswirkungen haben kann.

Danke, Jared Cohen/Director [Leiter der Google-Ideenabteilung]

Quelle: https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/40479-funf-geleakte-syrien-dokumente-man/

Gruß an die Erwachenden

TA KI

Inselstreit mit China – USA planen Entsendung von Kriegsschiffen


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Mit künstlichen Inseln will sich China die Vormachtstellung im Südchinesischen Meer sichern – sehr zum Missfallen seiner Nachbarn. Jetzt wollen auch noch die USA in dem Streit mitmischen.

Die US-Regierung plant offenbar eine stärkere militärische Präsenz in von China beanspruchten Seegebieten in Ostasien. Am Montag solle auf Hawaii zusammen mit 23 vor allem asiatischen Staaten über mögliche gemeinsame Marineübungen gesprochen werden, sagte ein Sprecher der US-Marine. China sei zu der Konferenz nicht eingeladen.

Das US-Verteidigungsministerium erwägt einem Regierungsvertreter zufolge zudem die Entsendung von Militärflugzeugen und -schiffen ins Südchinesische Meer. Damit könne der freie Schiffsverkehr gesichert werden in einem Gebiet, das wichtig für den Welthandel sei, hatte der Regierungsvertreter am Dienstag in Washington gesagt.

Mehr zum Thema: China – In drei Schritten zur globalen Führungsmacht

Hintergrund sind Bemühungen Chinas, seinen Einfluss in der Region auszubauen, indem etwa im Südchinesischen Meer künstliche Inseln als Stützpunkte geschaffen werden. Die Volksrepublik beansprucht große Teile des Seegebietes für sich. Vertreter westlicher und asiatischer Streitkräfte sorgen sich, dass China versuchen könnte, den Schiffs- und Luftverkehr dort einzuschränken.

Region ist ein Pulverfass

Auch Länder wie die Philippinen und Vietnam erheben Anspruch auf das Seegebiet. Territorialkonflikte gibt es auch im Ostchinesischen Meer etwa zwischen China und Japan. Auf der Konferenz auf Hawaii solle darüber gesprochen werden, wie man Landungsoperationen besser koordinieren könne, sagte der Vertreter der US-Marine.

Zunächst soll ein gemeinsames Manöver vorbereitet werden, hieß es. Eingeladen sind unter anderem Japan, die Philippinen und Vietnam. Es sei nicht „unüblich“, dass keine chinesischen Vertreter zu solchen Treffen gebeten würden, hieß es in US-Verteidigungskreisen. Das chinesische Verteidigungsministerium wollte sich nicht äußern.

Quelle: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/6639264/usa-planen-entsendung-von-kriegsschiffen.html

Gruß an die Vorbereiteten

TA KI

Tote, über die keiner spricht: Fukushima kostete bereits 1.700 Menschenleben


Mehr als drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima gibt es kaum Fortschritte bei den Aufräumarbeiten: Die Wasseraufbereitungsanlagen kämpfen mit technischen Ausfällen. Zudem häufen sich die Lecks in den Tanks, die das radioaktive Wasser auffangen. Zudem dürfen mehr als 130.000 ehemaligen Bewohner nicht zurückkehren und leben in Notunterkünften. Die Selbstmordrate steigt.

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Der jährliche „World Nuclear Industry Status Report“ ist erschienen. Die Folgen der Katastrophe von Fukushima sind noch längst nicht eingedämmt. Noch immer leiden Bewohner und Dekontaminierungsarbeiter unter den Bedingungen vor Ort. Publiziert wurde er von Nuklear-Experte Mycle Schneider. Er ist Energie- und Atomexperte und berät Politiker, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen.

Zu Fukushima schreibt der Report:

Diese Einschätzung beinhaltet Analysen der Vor-Ort-Herausforderungen, die bei der Katastrophe vom 11. März 2011 entstanden und noch drei Jahre nach dem Beginn der Katastrophe signifikant sind:

Die Herausforderungen vor Ort: In einer sehr positiven Entwicklung wurden seit November 2013 bis Mitte Juli 2014 mehr als drei Viertel des verbrauchten Brennstoffs aus dem Becken in der schwer beschädigten Anlage 4 in ein gemeinsames Becken gebracht. Bis Ende 2014 soll diese Operation beendet werden. Das radioaktive Material soll durch die Bergung möglichst keiner weiteren Gefährdung ausgesetzt werden, wie etwa Erdbeben oder Gefahren durch Unwetter.

Die wichtigsten Parameter bleiben jedoch weitgehend unverändert wie im Vorjahr. Die Strahlungswerte innerhalb der Reaktorgebäude der Einheiten 1 bis 3 machen weiterhin direkte menschliches Eingriffen fast unmöglich. Große Mengen an Wasser, etwa 360 Tonnen pro Tag, werden noch in die zerstörten Reaktoren gepumpt, um die geschmolzenen Brennstäbe zu kühlen. Dieses Wasser, sowie eine ähnliche hohe Menge an Grundwasser, sickern in die Keller der Reaktorgebäude, ein Teil davon wird zu einem gewissen Grad dekontaminiert und dann erneut in den Kreislauf gebracht. Die Menge des radioaktiven Wassers, welches nicht wiederverwendet werden kann, nimmt stetig zu. Zum Stichtag des 15. Juli 2014 wurden mehr als 500.000 Tonnen in prekären Speicher gelagert, dazu kommen etwa 90.000 Tonnen in den Kellern des Kraftwerks.

Die Kapazität der Tanks wird bis Ende März 2015 auf 800.000 Tonnen erhöht. Über zahlreiche Lecks wurde Bericht erstattet, einschließlich der Entdeckung im August 2013 über ein 300-Tonnen-Leck aus einem Tank mit hochradioaktivem „Water12“, dies entspricht Stufe 3 der „International Nuclear Event Scale“ (INES) und ein 100-Tonnen-Leck aus einem anderen Tank mit noch höherer Aktivität, Stufe 13. Es stellte sich heraus, dass Hunderte von 1.000-Kubikmeter-Tanks noch nicht einmal mit Messgeräten ausgestattet sind. Mehrere hundert Tanks, die nur zusammengeschraubt wurden, werden nach und nach durch verschweißte ersetzt.

Die hochentwickelten Wasserdekontaminationssysteme kämpfen mit technischen Ausfällen, sollen aber noch für eine längere Zeit in Betrieb bleiben. Eine viel beworbene 500 Millionen US-Dollar teure unterirdische Eis-Wand, die entworfen wurde, um den Wassereinlauf in die Keller zu verhindern und bis März 2015 fertiggestellt sein soll, hat eine ungewisse Zukunft. Bei einem Testversuch konnte der Abschnitt nicht so eingefroren werden, wie es geplant war.

In der Zwischenzeit hat Tepco eine Vereinbarung mit lokalen Fischerverbänden erreicht, so dass „Grundwasser-Bypass“ im April 2014 aktiviert werden konnte, um die Entladung ins Meer zu ermöglichen. Es wird erwartet, dass diese Maßnahme das Eindringen von Wasser in die Keller auf rund ein Viertel beziehungsweise rund 100 Kubikmeter pro Tag reduzieren kann.

Rund 32.000 Arbeiter, 28.000 von ihnen sind Leiharbeiter, arbeiteten seit dem Unfall vom 11. März 2011 an und in Fukushima – dabei sind Feuerwehr, Polizei und Militär nicht mit eingerechnet. Mit Mai 2014 lag der Tagesdurchschnitt der Arbeiter vor Ort bei 4.200 Personen und somit um 40 Prozent höher als im Jahr davor. Die Rekrutierung von neuen Arbeitern wird allerdings immer schwieriger.

Im Dezember 2013 beschloss Tepco die Schließung der Blöcke 5 und 6 von Fukushima Daiichi (I). Die vier Reaktoren in Fukushima Daini (II), 15 Kilometer von Daiichi entfernt und innerhalb der Sperrzone, bleiben offiziell „betriebsfähig“, aber die tatsächliche Inbetriebnahme ist völlig unrealistisch.

Die Herausforderungen außerhalb von Fukushima: Mit März 2014 sind offiziell immer noch mehr als 130.000 Menschen aus der Präfektur Fukushima evakuiert. Rund 100.000 Menschen sind aus gekennzeichneten Evakuierungszonen. Viel mehr Einwohner haben den Bereich freiwillig verlassen. Weitere 137.000 Personen sind noch immer in Notunterkünften, die auf sieben Präfekturen verteilt sind.

Mehr als 1.700 Tote in Verbindung mit der Katastrophe wurden offiziell anerkannt, entweder aufgrund psychischer Ursachen oder mangelnder medizinischer Versorgung während der Evakuierung. Die Selbstmordraten steigen.

Im April 2014 erhielten ein paar Hundert Einwohner zum ersten Mal die Erlaubnis, zu einem zuvor evakuierten Bereich zurückzukehren. Schätzungen zufolge gehen allerdings nur ein Viertel der Anwohner zurück. Die anderen pendeln von den angrenzenden Regionen.

Eine von der japanischen Regierung in Auftrag gegebene Studie zur Atomkatastrophe in Fukushima wurde über sechs Monate geheim gehalten. Die Strahlungs-Einwirkung wird in den gesäuberten Gebieten den Grenzwert für die normale Bevölkerung überschreiten. Dieser liegt bei einer maximalen Jahresdosis in Höhe von einem Millisievert (mSv). Die maximal erlaubte Jahresdosis für Dekontaminierungsarbeiter liegt bei 20 mSv.

Insgesamt wurden 101 Gemeinden in acht Präfekturen sind als „geplante Kontaminations-Begutachtunszone“ festgelegt. Dort wird eine jährliche Dosis zwischen 1 mSv und 20 mSv prognostiziert. Lokalen Behörden sind für die Dekontaminierungsarbeiten verantwortlich.

Darüber hinaus ist die Zentralregierung zuständig für die Dekontaminationspläne in elf Gemeinden in der Präfektur Fukushima, einer Fläche von 235 Quadratmeter, wo die jährliche Strahlungsdosis 20 mSv überschreiten. Die Arbeiten sind weit hinter dem Zeitplan, vor allem wegen technischen Schwierigkeiten, Mangel an Abfalllagern und Arbeitskräftemangel.

Streitigkeiten über die Kostendeckung zwischen dem Umweltministerium, das offiziell verantwortlich ist, und Tepco, dem Betreiber von Fukushima, führen zu weiteren Verzögerungen. Das Drei-Jahres-Budget für die Dekontamination im Zeitraum 2011 bis2013 umfasste 1,3 Billionen Yen (rund 13 Milliarden US-Dollar), aber nur ein Drittel davon wurde ausgegeben und von diesem wiederum erstattet Tepco weniger als 20 Prozent. Eine Mehrheit von Unternehmen und Subunternehmern arbeitet unter obskuren Umständen.

733 Unternehmen und 56 Subunternehmen haben einen Vertrag mit dem Umweltministerium, berichtet Reuters. Einige von ihnen rekrutieren Obdachlose für Arbeiten in den kontaminierten Bereichen. Die Yakuza, die japanischen Mafia, ist den Berichten zufolge auch im System involviert.

Bis zum 11. Juli 2014 wurden mehr als 2,2 Millionen Ersatzansprüche von Einzelpersonen, Unternehmen, Gewerkschaften und lokalen Regierungen eingereicht. Tepco hat rund 40 Billionen Yen (rund 40 Milliarden US-Dollar) für rund zwei Millionen der Forderungen gezahlt. Zahlreiche Klagen gegen Tepco sind im Gange, darunter eine von einer Gruppe US-Matrosen, die direkt nach dem 11. März 2011 bei einer US-Marine-Operation der Strahlung ausgesetzt waren.

Im März 2014 haben mehr als 4.000 Bürgerinnen und Bürger aus 39 Ländern eine Sammelklage gegen Atom-Produzenten eingereicht, darunter Hitachi, Toshiba und General Electric, um die Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima zu entschädigen.

Mycle Schneider  wurde 1959 in Köln geboren. Er ist Energie- und Atomexperte und berät Politiker, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen. Von 1998 bis 2003 war er Berater für das französische Umwelt- und das belgische Energieministerium. Nach 2000 arbeitete er zehn Jahre auch für das deutsche Umweltministerium. Schneider gibt jährlich den unabhängigen World Nuclear Industry Status Report heraus. 1997 erhielt er zusammen mit Jinzaburo Takagi den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis).

Mycle Schneider im DWN-Interview über die katastrophalen Zustände in Fukushima.

Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/22/tote-ueber-die-keiner-spricht-fukushima-kostete-bereits-1-700-menschenleben/

Gruß an die Japaner

TA KI