Verehrte liebe Freunde in aller Welt, bei mir sind auch Frauen Freunde


Sie alle fragen, wie es mir geht? Gut. Die Zelle geht nach Westen, ich schaue auf grüne Bäume, nun schon 2 Monate lang bei schönstem blauen Himmel und Sonnenschein – oft 30 Grad.

Ich habe viel ungestörte Ruhe und jetzt die Ankündigung eines neuen Prozesses in Hamburg, am Mittwoch, den 12. September ab 9.00 Uhr.

Die Richterin schrieb in der Ladung:

„Die Anwesenheit der Angeklagten ist erforderlich zur Wahrheitsfindung“

Das ist ungewöhnlich. Bisher gab es nur die „offenkundige Tatsache“ und wann, wo, wie sie in einer Zeitschrift angeblich geleugnet wurde! Sollte es jetzt wirklich um die Wahrheitsfindung gehen, dann könnte sich manches ändern.

„Was ist Wahrheit“?, fragte Pilatus einst. Es gibt meine und deine Wahrheit und dann „Die Wahrheit“. Sie ist kein Besitz, es geht für uns zunächst immer um das Bemühen, wahrhaftig zu sein.

Bei Gericht begegnet uns auf Seiten der Anklage und des Richters, nur die Meinung der Siegermächte angelesen und geglaubt. Wie sollen die Nachgeborenen es besser wissen? Auch von den durchschnittlich 2000 Prozessen pro Jahr seit 2000, nach offiziellen Angaben, wird in den Medien die Stimme der Anklage wiedergegeben, aber selten, auch nur andeutungsweise, Äußerungen des Angeklagten.

Ich werde mich, so gut ich das, ohne meine Erinnerung noch einmal auffrischen zu können anhand meiner Unterlagen, vorbereiten und hoffe, daß mir eine geistige Macht die richtigen Worte eingibt.

Es ist auch höchste Zeit. Meine Augen lassen nach, mein Hören wird schlechter – alles ganz deutlich in den vergangenen 3 Monaten wahrzunehmen. Der Körper paßt sich dem Alter jetzt an. Er hat sehr lange, dankenswerterweise, alle Überbeanspruchung mitgemacht.

So viele haben mir zugerufen:

„Halte bitte aus, bleibe stark, die Wahrheit wird bald siegen.“

Ich danke allen herzlich. Ihr habt erkannt, es ist ein Geisteskampf, den wir durchstehen müssen. Das Jahrhundert der Lüge muß endlich einem Jahrhundert der Wahrheit weichen.

Danke auch für die Idee der Karte: „Es geht um den Preis, den man zu zahlen bereit ist.“ Das hatte der Panoramainterviewer 2015 für ein gutes Schlußwort gehalten und es auch gebracht.

Jetzt könnt Ihr sie mit einer 2. Karte ergänzen mit der Frage, die wir alle an uns selber stellen können: ohne Bild.

Warum habe ich das so lange mitgemacht?

Eure Ursula Haverbeck

JVA Bielefeld, 13.07.2018

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Quelle

Gruß an Ursula Haverbeck

TA KI

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Die Realität der mittelalterlichen Phantomzeit und ihre Konsequenzen


wer hat an der uhr gedreht

(Hier der Artikel in PDF- Format: Die Realität der mittelalterlichen Phantomzeit

Danke an Wilhelm)

 

von Adalbert Feltz, Erfurt und Deutschlandsberg 2007

„Eine Chronik schreibt nur der, dem die Gegenwart wichtig ist“ (Goethe 1826)

Zusammenfassung

Die Abhandlung betrifft die Notwendigkeit einer Geschichtskorrektur, die aus der Existenz einer im frühen Mittelalter anzusiedelnden Leerzeit von ca. 300 Jahren resultiert und die sich auf zahlreiche Fakten stützt, die bisher nicht widerlegt wurden. Es werden Tatsachen und reale Befunde zusammengestellt und Wege aufgezeigt, auf denen die Geschichtsmodifizierung zustande kommen konnte. Dabei wird weniger auf all das eingegangen, was auf Grund der herkömmlichen Geschichtsschreibung Spuren hinterlassen haben müsste, archäologisch aber fehlt, und ebenso bleiben architekturgeschichtliche Vergleiche und kunsthistorische Bezüge weitgehend ausgeklammert. Über derartige Basiserkenntnisse zur Existenz einer Phantomzeit im Mittelalter ist in der Literatur ausführlich berichtet worden.1 Im Mittelpunkt stehen gesicherte Fakten sowie historische Befunde und Ereignisse, deren Gesamtgefüge zu der Konsequenz führt: Wesentliche Teile der griechischen und die römische Antike einschließlich Christi Geburt rücken im Mittel um 297 Jahre näher an die für uns geltende Zeitskala heran. Die in diesem Fall einzufordernde Passfähigkeit historischer Ereignisse im beiderseitigen Randbereich der Phantomzeit wird im für die Fragestellung besonders relevanten europäischen Kulturkreis kommentiert. Die Eliminierung erfundener Geschichte aus unserem traditionellen Geschichtsbild wird als eine Aufgabe erkannt, die im Interesse der Glaubwürdigkeit und Wahrheitsfindung in der Geschichte in unserer Zeit zu bewältigen ist. Möge die vorliegende Ausarbeitung zur Versachlichung des weitgehend polemisch geführten Streits um eine Chronologierevision beitragen.

1. Über Wahrheitsfindung in der Geschichte und Akzeptanz

Objektive Erkenntnis in der Geschichte schließt wie in jeder Wissenschaft die Abstraktion von Einzelereignissen, die Gewinnung von Distanz zu subjektiver Bewertung und das Streben nach Verallgemeinerung ein, um zu den wesentlichen Ursache – Wirkungsbeziehungen vorzudringen, die eine Lehre sein können, die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft vernünftiger zu gestalten.

Spätestens seit dem 19. Jh. unterliegt eine wissenschaftlich begründete Geschichtsdarstellung derartigen Kriterien. Aber selbst bei ernsthaftem Streben nach größtmöglicher Objektivität auf der Suche nach historischer Wahrheit ist die Geschichtswissenschaft wohl stets durch die Werthaltungen der Gegenwart und durch das Wertesystem des Wissenschaftlers beeinflusst. Letzteres gilt umso mehr, je jünger bestimmte historische Ereignisse und Entwicklungen sind und in welchem Grad die Gegenwart zu dieser Vergangenheit in Beziehung steht bzw. den Bezug zu ihr bewusst aufgreift. Die Tücken der Mediengesellschaft sind bei der Durchsetzung bzw. der Blockierung einer Verbreitung und Akzeptanz von historischer Wahrheit heutzutage ein nicht unmaßgeblicher Einflussfaktor. Was sich gut „verkauft“, gewinnt an Wahrheit.

Es soll hier nicht die Rede sein vom Grad einer objektiven Bewertung der historischen Ereignisse und Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts, zum Beispiel jenem gescheiterten Versuch, dem etablierten Kapitalismus eine alternative Gesellschaftsordnung mit mehr sozialer Gerechtigkeit entgegenzusetzen oder etwa der Aufarbeitung einer den wahren Kausalitätsbeziehungen gerecht werdenden Geschichte der beiden deutschen Staaten, der BRD und der DDR. Der objektive Wahrheitsgehalt liegt da noch weitgehend im Verborgenen, zu intensiv wirken das subjektiv Erlebte, die wechselseitigen Feindbilder und ebenso all jene enttäuschten Hoffnungen nach.

Wesentlich, um mit der Zeit den Dingen „auf den Grund zu kommen“, ist aber doch die Erhaltung und ständige Schärfung der Methode, historische Abläufe kritisch zu hinterfragen, den Zweifel als Triebfeder für die Ergründung von mehr historischer Wahrheit zuzulassen, damit Irrtümer ausgeräumt werden können, insbesondere dann, wenn sie Gefahr laufen, sich in den Köpfen dogmenhaft festgesetzt zu haben. Man sollte erwarten, daß bei weit in die Vergangenheit zurück reichenden Geschichtsabläufen eine solche Dynamik in der Geschichtswissenschaft gepflegt wird und ein wissenschaftlich geführter Disput um eine widerspruchsfreie Sicht auf das tatsächliche Geschehen ständig stattfindet, indem man die Ergebnisse aus der neueren archäologischen und kulturhistorischen Forschung und ebenso die in Nachbardisziplinen gewonnenen Erkenntnisse aufgreift und in die Betrachtungen einbezieht.

Es existiert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten die durch bisher nicht in Frage gestellte Fakten erhärtete Erkenntnis, dass die Zeitachse unserer Geschichte, an die wir uns als etwas absolut Feststehendes gewöhnt haben, einer Korrektur bedarf. Unser traditionelles Geschichtsbild wurde im 12. und 13. Jahrhundert aus der geistigen Welt des Mittelalters heraus begründet, in der religiöse Offenbarung als Erkenntnis galt, wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Historikern, im wesentlichen gestützt auf urkundliche Dokumente, festgeschrieben, und in bestimmten Etappen bis in die Neuzeit chronologisch geordnet, wobei, war dieses einmal erfolgt, kaum noch Zweifel Gehör finden konnten, die auf Möglichkeiten einer alternativen Chronologie hinwiesen. Ebenso unterlag die Erkundung der antiken Welt entsprechend dem Wissensstand der jeweiligen Zeit einer zeitlichen Strukturierung, an der, einmal eingeführt, hinterher kaum noch gerüttelt wurde. Die Erkenntnis, daß der überwiegende Teil mittelalterlicher Urkunden Fälschungen darstellen, nahm in den zurückliegenden Jahrzehnten ständig zu. Umfangreiche Dokumentationen, z. B. die des Internationalen Kongresses der MGH über “Fälschungen im Mittelalter” (München 1986), liegen dazu vor. Eine Resonanz in Richtung einer Korrektur der Geschichtsbücher blieb aber in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten im wesentlichen aus, und so lernen Schüler bis auf den heutigen Tag im Geschichtsunterricht, daß der Kirchenstaat 754 eine Pippinsche Schenkung gewesen sei. Tatsächlich war es allenfalls ein Versprechen, das aber auf Grund gegebener historisch-politischer Umstände als konstruiert und daher als höchst zweifelhaft zu werten ist, zumal etwa um die gleiche Zeit auch die Konstantinische Schenkung erfunden wurde, die bereits Otto III. als Fälschung erkannte. Heute muss man es als erwiesen ansehen, dass die sogenannte karolingische Renaissance und ihre Repräsentanten eine „fromme Erfindung“ sind.

Es ist das Verdienst des Systemanalytikers Heribert Illig, dass er zu Beginn der 90-iger Jahre und mit ihm eine wachsende, aber immer noch kleine Schar weiterer Gelehrter erstmals unüberhörbar darauf aufmerksam machten, dass unsere Geschichtsbücher, soweit sie das frühe Mittelalter betreffen, zum Teil erfundene bzw. falsch eingeordnete „Geschichten“ enthalten.

Durch Vergleiche aus der Geschichte der Herausbildung unseres Kalenders, der Berechnung des Osterdatums, der Komputistik, aus archäologischen Befunden und vor allem auch aus analytischen Vergleichen der Architektur und Technik der Errichtung von Bauwerken und Ausführung zahlreicher weiterer Kulturdenkmäler und Kunstwerke, vielfach untermauert durch moderne, verfeinerte Untersuchungsmethoden, wurde ein Bündel von in sich konsistenten Befunden zusammengetragen, die im Widerspruch zur Geschichtsabfolge im geltenden Lehrgebäude stehen.

Um diesen Widerspruch aufzuheben, ist nach Heribert Illig [1,2,3] eine Korrektur um ca. 297 Jahre anzubringen, eine Leerzeit oder Phantomzeit, sehr wahrscheinlich zwischen 614 und 911, das heißt unsere Gegenwart befindet sich dann tatsächlich um diesen Zeitraum näher an der Antike. Dabei geht es nicht um die Änderung sämtlicher Geschichtszahlen bis in unsere Gegenwart, ist doch unsere konventionelle Zeitachse bezüglich des Koordinatenursprungs „Christi Geburt“ ohnehin um ca. ein Jahrzehnt unsicher, und außerdem wurde das Jahr Null nie mitgezählt. Es geht aber sehr wohl um die Akzeptanz der neuen Erkenntnisse in unserem Geschichtswissen, nämlich dass

  • da im frühen Mittelalter auf der uns überkommenen Zeitachse eine Leerzeit ermittelt wurde, in der in Wirklichkeit nichts stattfand, das Jahr 911 (+/- einige Jahre) als Folgejahr auf das Jahr 614 (+/- einige Jahre) eingestuft werden muss,
  • zahlreiche Angaben, die in den Geschichtsbüchern in dieser Zeit angesiedelt sind, demzufolge eine reine Erfindung darstellen, was dazu herausfordert, die Ursachen und Anlässe aufzuhellen, die zu derartigen Geschichtsfälschungen führten, wer sie veranlasste, warum und welchem Zweck sie dienten,
  • zahlreiche tatsächlich stattgefundene Ereignisse durch Vor- oder Rückprojektion verdoppelnd in die Phantomzeit hineingerieten, was wiederum die Frage nach der politischen Zweckmäßigkeit aufwirft, die man verfolgte.

Die bisherige Auseinandersetzung um die Notwendigkeit einer Revision der geltenden Chronologie folgt von Seiten der Gegner kaum den Grundsätzen einer wissenschaftlich geführten Argumentation. Es überwiegen fruchtlose Polemik bis hin zur Diffamierung und die Verengung der Sicht auf Details unter Außerachtlassung von bereits gesicherten Befunden, die eine Phantomzeit im frühen Mittelalter belegen. In gebündelter Form findet man diese Belege im Internet unter „Fantomzeit – Dunkelheit oder Leere im frühen Mittelalter“ zusammengefasst [4].

Es gilt der ethische Anspruch, die historische Wahrheit, das heißt die in der Geschichte tatsächlich stattgefundenen Ereignisse und deren Verknüpfung unter Einbeziehung sämtlicher Fakten zu erhellen, Urkundenfälschungen und erfundene Ereignisse und Unwahrheiten gerade auch dann als solche zu deklarieren, wenn sie Einfluss nahmen auf den weiteren Geschichtsablauf. Warum? Auf dass wir unsere Sensorik bewahren, sozusagen hinreichend empfindlich bleiben, Lügen gerade auch in der Zeitgeschichte unserer Gegenwart mit Entschiedenheit zu begegnen. Mögen Geschichtsverzerrungen und Unwahrheiten durch wachen und kritischen Geist bereits in der Startphase unterbunden werden und das Streben nach objektiver Erkenntnis auch in der Geschichtswissenschaft stets als ein oberstes Prinzip zur Anwendung gelangen.

2. Kalenderwirren und reale Befunde

Bekanntlich nahm Illig [1,2,3] die mit dem Beschluss zur Einführung des Gregorianischen Kalenders am 24.02.1582 verbundene Korrektur des Julianischen Kalenders [5] zum Anlass, erneut zu hinterfragen, warum die zeitliche Vorverlegung zur Herstellung der Übereinstimmung mit dem astronomischen (= tropischen) Jahr – Zurücksetzen des Frühlingsäquinoktiums auf den 21. März – nur 10 Tage erforderte (auf den 4. Oktober folgte damals unmittelbar der 15. Oktober) und nicht 12,7, also rund 13 Tage, wie es der seit der Einführung des Julianischen Kalenders am 1. Januar 45 v.Chr. durch Caesar verstrichene Zeitraum erwarten ließ.

Mit einer Länge des tropischen Jahres von 365,2422 = 365 d + 5 h + 48 m + 46 s und einer Länge des Jahres nach dem Julianischen Kalender von 365 d + 6 h (jedes 4. Jahr ein Schalttag) = 365,25 ergibt sich eine Differenz von 11,232 min, die sich in 45 + 1582 = 1627 a zu 12,69 d addieren, das heißt nach 1627/12,69 = 128,2 a bleibt der Kalender um einen Tag zurück. Der Gregorianische Kalender passt die Jahreslänge an das tropische Jahr durch Weglassen des Schalttages bei jedem vollen Jahrhundert, mit Ausnahme des durch 4 teilbaren an: (365 + ¼ – 3/400) = 365,2425 Tage bzw. 365 d + 5 h + 49 m +12 s.

Warum gelang die Gregorianische Kalenderkorrektur mit 10 Schalttagen, und was verursachte den möglichen Verzicht auf 2,7 bzw, rund drei Tage, um die Frühjahrstagundnachtgleiche wieder auf den 21. März zu fixieren? Dass in Rom bei der Einführung des Julianischen Kalenders mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für das Frühlingsäquinoktium gleichfalls der 21. März galt, stützt sich auf

  • die berühmte Augusteische Sonnenuhr , das Solarium, auf dem Marsfeld in Rom, bei der nur am 23. September, dem Tag des Herbstäquinoktiums und Geburtstags von Kaiser Augustus die Spitze des Schattens in gerader Linie auf den ihm zu Ehren errichteten Altar zulief [6,7], – daraus folgt für das Frühjahrsäquinoktium der 21. März,
  • Berichte, dass das in den ersten Jahrzehnten nach der Einführung des Julianischen Kalenders dreimal fehlerhaft, nämlich nach bereits drei Jahren, erfolgte Schalten, das die Vorwegnahme der 3 fehlenden Tage bedeutet hätte, durch Erlasse des Augustus korrigiert wurde, der das Schalten in den Jahren 5 und 1 v.Chr. sowie 4 n.Chr. aussetzte [8], wodurch der Schattenwerfer auf dem Marsfeld in Rom wieder auf das Frühlingsäquinoktium justiert werden konnte [9]. Fraglich ist aber, ob das Jahr der Einführung des Kalenders womöglich bereits ein Schaltjahr war.

Ungeachtet dessen ist der 21. März als Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche im Jahr der Einführung des Julianischen Kalenders auch bestritten worden. Die Kalenderreform von 1582 habe den Frühlingsbeginn des Konzils von Nicäa 325 herstellen wollen – ein in den Dokumenten angeblich verankerter Hinweis. Dann würde die Korrektur um nur 10 Tage erklärt werden können, falls

  • im Jahr der Einführung des Julianischen Kalenders nicht der 21. sondern der 24. März der Frühjahrstagundnachtgleiche zugeordnet wurde, oder
  • im Jahr der Einführung des Julianischen Kalenders doch der 21. März für das Frühjahrsäquinoktium galt, die in den rund dreihundert Jahren bis zum Konzil von Nicäa eingetretene Verschiebung bemerkt und entweder in diesem Zeitraum korrigiert worden wäre oder auf diesem Konzil tatsächlich eine Kalenderreform stattfand, die die inzwischen eingetretene Verschiebung auf den 18. März wieder auf den 21. März rückte.

In beiden letzteren Fällen wäre eine Kalenderreform erforderlich gewesen. Dafür gibt es nicht den geringsten Hinweis in den erhalten gebliebenen Abschriften der Dokumente des Konzils, lediglich ein Sendschreiben Kaiser Konstantins, man habe sich geeinigt, die Christen im Reich sollen Ostern gemeinsam feiern [10,11, zitiert nach 12], und daraus wurde dann die verbindliche Vereinbarung, Ostern finde am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Es besteht aber nicht einmal die Sicherheit, dass zur Zeit Konstantins d. Gr. der 21. März mit der Frühjahrstagundnachtgleiche zusammenfiel.

Die exakte Himmelsbeobachtung war in der Spätantike aus der Mode gekommen. Tatsächlich galt im 4. Jh. als Frühlingsbeginn der 21. März – nur im weströmischen Reich der 25. März – allerdings in beiden Fällen ohne eine verbriefte und das heißt stets aufs Neue überprüfte Bindung an die Tag- und Nachtgleiche.

Da die Kalenderreform nur in der Einheit „Tage“ vorgenommen werden konnte, ergibt sich aus den 10 Tagen ein zu korrigierendes Zeitintervall von 1282 +/- 64 Jahre und somit eine Differenz von 1627 – (1282 +/- 64) = 345 +/- 64 Jahre. Es ist das Verdienst von Illig [1,2,3,13], diesen Befund mit den sogenannten „dunklen Jahrhunderten“ des frühen Mittelalters in Verbindung gebracht zu haben, in denen archäologische Funde weithin fehlen, um historische Ereignisse zu belegen, und diese sind darüber hinaus um so weniger dokumentiert als sich schriftliche Zeugnisse aus dieser Zeit, aber auch davor und ebenso danach bereits in der bisherigen Geschichtsschreibung vielfach als Fälschung erwiesen haben.

Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond einheitlich zu feiern, war mit der Aufgabe verknüpft, die Mondphasen mit dem Julianischen Kalender in Einklang zu bringen. Ohne stets erneute astronomische Beobachtung sollte durch Berechnung sicher gestellt werden, dass Ostern am richtigen Sonntag nach Frühlingsanfang in der Christenheit gemeinschaftlich begangen werden kann. Es bestand darin der entscheidende Beweggrund, sich mit dem Kalender intensiv zu befassen. Die Regeln zur Berechnung des Osterdatums wurden in sog. Kalendersteinen und Ostertafeln festgehalten.

Die Konsequenzen, die sich aus der Rekonstruktion der Mondphasen anhand der Kalenderberechnungen des Osterdatums und ebenso aus dokumentierten Sonnen- und Mondfinsternissen in den Jahrhunderten ergeben, wurden in der Literatur in Bezug auf das Defizit der 2,7 bzw. rund 3 Tage, die 1582 unberücksichtigt bleiben konnten, lange Zeit kontrovers diskutiert, und erst in jüngsten Publikationen von Andreas Birken [14] und Jan Beaufort [15,16] zeichnet sich die Herausbildung einer übereinstimmenden Auffassung ab.

Während Illig [1,2,3,13,17,18], Frank [19,20] und auch Pickel [21] aus der Geschichte der Komputistik das Fehlen von ca. drei Jahrhunderten in der überkommenen historischen Chronologie des frühen Mittelalters deduzieren, begründet Voigt [22] mit einer mathematisch korrekten Rückrechnung, eine mittelalterliche Kalendermanipulation sei äußerst fragwürdig. Auch Birken [23] verweist zunächst auf das porphyrene Fundament der Mittelalterthese fehlender Jahrhunderte. Lewin [24] bestätigt die von Voigt aus dem Kalenderstein zu Ravenna abgeleitete Schlussfolgerung „keine oder 532 Jahre Phantomzeit!“ – das gilt aber nicht, wenn dieser erst im 11. Jahrhundert angefertigt wurde, und er verweist darauf, dass z. B. in Trier während der Phantomzeit weder gebaut noch beerdigt und daher dort wohl auch nicht gelebt wurde. In gleicher Weise ist die Ostertafel des Hyppolytus, auf die Voigt [25] seine Argumentation stützt hinsichtlich ihrer zeitlichen Einordnung mehrdeutig. Illig [26] führt dazu an, dass die archäologische Fundsituation Beweise liefert, die bisher von der Mediävistik nicht widerlegt werden konnten.

Diese Beweise [siehe 4] in die Argumentation einzubeziehen, ist in Verbindung mit dem Anspruch an eine wissenschaftlich geführte Debatte unbedingt zu fordern. Von den Gegnern der Chronologierevision werden diese bisher aber weitgehend negiert [27]. Die Geschichte ist durch eine Leerzeit prolongiert worden, so dass die Schlussfolgerung, es habe eine Kalendermanipulation stattgefunden, zwingend nahegelegt wird.

Man sollte erwarten, dass weitere Beweise für die Richtigkeit der Illig’schen Phantomzeit-These auch aus physikalischen Zeitgesetzen deduziert werden können:

Die Radiokarbonmethode der Altersbestimmung liefert für aufgefundene Holzkohlereste in einem Küchenherd der ab 1930 ausgegrabenen Villa Augustea am Vesuv nur dann ein mit dem Vulkanausbruch am 24. August 79 übereinstimmendes Alter (Standardabweichung allerdings +/-185 Jahre), wenn unsere Zeitrechnung an die römische Chronologie um ca. 300 Jahre heranrückt oder umgekehrt die römische Chronologie um den gleichen Zeitraum verjüngt wird [28,29,30].

Die Radiokarbonmethode der Altersbestimmung basiert auf einem im zeitlichen Mittel des betrachteten Zeitraums Δt=t–t0 konstanten Ausgangswert N0 des 14C-Gehalts in der Atmosphäre (diese enthält 0,03% CO2). 14C wandelt sich mit einer Halbwertszeit von t1/2 = 5550 a unter β-Zerfall in 14N um. Der 14C-Gehalt resultiert aus einer 14N(n,p)14C-Reaktion in den höheren Schichten der Atmosphäre, kommt durch Einwirkung energiereicher Neutronen aus der Höhenstrahlung zustande, wobei sich ein stationäres Gleichgewicht zwischen Bildungsrate und Zerfallsrate einstellt. Unter der Annahme, dass dieser 14C-Pegel N0 im betrachteten Geschichtszeitraum als konstant angesetzt werden darf, ergibt sich in C-haltigen Stoffen, also auch vor allem in organischem Material, bei gesicherter Unterbrechung der 14C-Kontamination aus der Atmosphäre (z. B. Absterben von organischem Material und Versiegelung), ein Abfall der 14C-Radioaktivität von N0 auf Nt entsprechend dem Zeitgesetz Nt = N0*e-Δt*ln2/t1/2. Es handelt sich im Prinzip um eine Absolutmethode, denn Δt ist die einzige Unbekannte, d. h. man kann bei sorgfältiger Messung der Aktivitäten At = λ*Nt und A0 = λ*N0 mit λ=ln2/Δt und Ermittlung der Fehlerbreite das Alter bestimmen und mit anderen Datierungen vergleichen. Die Aussagekraft der Methode ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach überzogen worden, kriminell gefälschte Meßdaten eines Frankfurter Instituts [31] brachten sie zudem in Verruf, und die Verknüpfungen mit der Abfolge von Jahresringen alter Bäume und Hölzer (Dendrochronologie) haben außerdem zur Konfusion beigetragen. Die kritische Bewertung von Ch. Blöss und H.-U. Niemitz [32] lenkt die Aufmerksamkeit zu recht auf die bisher immer noch bestehende Unsicherheit der räumlichen Invarianz des 14C/12C-Verhältnisses in gleichzeitig stoffwechselnden Organismen. Falls diese nicht gesichert ist, entfällt auch die Möglichkeit einer Kalibrierung. Mangelnde und von Labor zu Labor variierende Korrektheit der Messung sind für diesen Befund als entscheidende Ursache in Betracht zu ziehen. Nach H.-Erdmann Korth [33] lässt sich die Abfolge von Jahresringen in Hölzern mit dem Phantom-Zeitintervall ohne weiteres in Einklang bringen: 299 Jahre.

Um die aus den Gezeiten resultierende Zunahme der Tageslänge und das damit verbundene Anwachsen der Mondbeschleunigung zu erfassen, hat R.R. Newton [34,35] astronomische Aufzeichnungen über Sonnen- und Mondfinsternisse der zurückliegenden 3000 Jahre analysiert.

Während der Umlauf der Erde um die Sonne im betrachteten Zeitraum mit höchster Präzision stattfindet, die Jahreslänge also zuverlässig als konstant angenommen werden kann, nimmt die Erdumdrehung auf Grund der Gezeitenreibung um einen geringfügigen Betrag stetig ab und die Tageszeit (Terrestral Time TT) gegenüber der auf eine Tageslänge von exakt 24 h im Jahre 1820 bezogenen Uhrzeit (Universal Time UT) um ΔT zu. Zugleich nimmt wegen der Abbremsung der Erdrotation die Winkelbeschleunigung des Mondes D’’ = Δu/Δt = rω2 mit Δu = u*Δφ, u = r*ω und ω = Δφ/Δt um einen geringen Betrag stetig zu, wobei sich der Trabant sukzessive um ca. 4 cm pro Jahr von der Erde entfernt, d. h. er wird größer, die Bahngeschwindigkeit u aber auf Grund des 3. Keplerschen Gesetzes vermindert – der Mond wird langsamer.

Gestützt auf Daten astronomischer Ereignisse, die im Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit sorgfältigst ausgewählt wurden, gelangt R. R. Newton im Ergebnis einer Ausgleichsrechnung zu Werten der Mondbeschleunigung D’’, die beim Auftragen über die Zeitachse einen physikalisch plausiblen, kontinuierlichen Anstieg ergeben. Die gemittelte Gerade weist im Bereich zwischen 500 und 1000 eine Stufe nach unten auf, so als hätte es eine Zeitspanne gegeben, in der die Zunahme von D’’ aussetzte. Im Zeitraum danach wächst D’’ mit dem gleichen Anstieg an wie im Abschnitt vor dieser Unstetigkeit. Werner Frank [36] konnte zeigen, dass sich, läßt man 300 Jahre zwischen 600 und 900 aus, die beiden Teilgeraden im Ergebnis einer einfachen Rechnung nahtlos zu einer Geraden mit einheitlichem Anstieg zusammenfügen lassen. Naturgemäß fällt D’’ von 614 bei einer Gleichsetzung mit dem Jahr 911 für letzteres zu niedrig aus – daher die Stufe!

Tausende babylonische Keilschrifttafeln des Britischen Museums enthalten astronomische Daten über Sonnen- und Mondfinsternisse mit exaktem Datum und Angaben des Standes am Fixsternhimmel in Grad – auch in Bezug auf die Konstellation zu Planeten -, wann die Verfinsterung eintrat und wann sie vollständig war, so dass eine Rückrechnung auf ΔT mitunter bis auf Bruchteile einer Stunde ermöglicht wird.

Die aus den Daten abgeleitete Verschiebung ΔT beträgt nach Stephenson [37,38] (kommentiert auch von F. Espenak [39]), über zweieinhalb Jahrtausende summiert ca. 4 Stunden. Die im Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit äußerst kritische Auswahl der Daten wurde verbrieft. Allerdings macht De Boer [40] eine Angabe von 15,2 h in 3000 Jahren, Petit [41] gibt wesentlich kleinere ΔT-Werte an.

Folgt man der Argumentation Stephensons, so ergibt sich bei Einbeziehung von chinesischen, arabischen und griechischen Aufzeichnungen bei der Auftragung von ΔT über die Zeit von –700 bis +1500 nach einer Ausgleichsrechnung in Übereinstimmung mit der physikalischen Erwartung die Darstellung einer flach gekrümmten Parabel. Überraschend wenige zuverlässige Beobachtungen liegen aus dem Europa der Spätantike und des frühen Mittelalters vor [40,42], und diese ergeben teilweise ΔT – Werte, die mit der Ausgleichsparabel nicht zu vereinbaren sind, eher einen geradlinigen Verlauf nahe legen, so als habe die Erde in dieser Zeit nicht mit konstanter Geschwindigkeit rotiert. Der naheliegende Schluss, diesen Befund mit der Phantomzeit zu korrelieren und durch diese zu korrigieren, führt aber eher zu weiteren Widersprüchen.

Hans-Erdmann Korth [28] konnte zeigen, dass Sonnenfinsternis – Ereignisse, die den Parabelverlauf von ΔT in den sog. dunklen Jahrhunderten in Frage stellen, auch zeitverschoben interpretiert werden können, so dass sie sich auf diese Weise in die Ausgleichsparabel einfügen lassen. So kann z. B. die von Theon von Alexandria dokumentierte Sonnenfinsternis vom 16. Juni 364, die nach Rückrechnung auf der Basis unseres heutigen Kalenders zu diesem Zeitpunkt angeblich tatsächlich stattfand und von Krojer [43,44] als Argument gegen die Chronologierevision verwendet wird, auch dem von Plutarch zitierten Theon von Smyrna zugeschrieben werden, der drei Jahrhunderte zuvor lebte. Er macht darauf aufmerksam, die Gültigkeit der approximierten Parabel ΔT = f(t) im gesamten Zeitraum von den babylonischen Beobachtungen bis in die Neuzeit könnte als ein Indiz dafür angesehen werden, daß der Einschub einer Phantomzeit im Frühmittelalter auf eine Veraltung der griechisch-römischen Geschichte beschränkt wurde, ohne dass davon babylonische Datierungen betroffen wurden. Das würde dann zugleich verständlich machen, warum die durch die Kriegszüge Alexanders initiierte Hellenisierung Vorderasiens sich in der Geschichte so verkürzt darstellt. Die rätselhaften, enormen Wirkungen, die von Alexander in der kurzen Zeit seiner 13-jährigen Machtausübung bleibend ausgingen, kämen dadurch einer Erklärung näher.

Die zeitliche Einordnung von Berichten über Himmelsereignisse wie Sonnen- und Mondfinsternisse aus der Archäo-Astronomie im Für und Wider der Phantomzeit–These ist gegenwärtig heftig umstritten.

Während Ronald Starke [45] in einer achtunggebietenden astronomischen Untersuchung antiker Sonnen- und Mondfinsternisse zur Ablehnung der Chronologierevision gelangt, dabei gut verständlich und in Übereinstimmung mit R.R. Newton [34,35] und F.R. Stevenson [37,38] den physikalischen Hintergrund des Zustandekommens der gezeitenbedingten Zunahme der Tageslänge um ΔT sowie der Mondbeschleunigung D’’ darstellt, sich aber insgesamt im Resultat eines akribischen Quellenstudiums wohl doch zu sehr im Detail verliert, räumt Krojer [44] immerhin ein, dass „in vielen Fällen die überlieferten Finsternisse mit den modernen Rückrechnungen beliebig zur Deckung gebracht werden können und sie sich deshalb überhaupt nicht zur Überprüfung der angeblich fiktiven 300 Jahre eignen.“ Heraus ragen die von Hydatius in Chiaves (Aquae Flaviae, Portugal) und ebenso in zahlreichen anderen Quellen bekundeten totalen Sonnenfinsternisse vom 19. Juli 418 und 23. Dezember 447 n.Chr., die sich im Abstand der 29,43 Jahre durch Rückrechnung nach dem konventionellen Kalender zwanglos bestätigen lassen. Nach D. Herrmann [46] ist die Duplizierung dieses Ereignisses auf Grund der gegebenen Himmelsmechanik in einem weiten zeitlichen Rahmen für diesen Ort nicht möglich, so dass die Berichte über die beiden Sonnenfinsternisse nicht so einfach außer Acht gelassen werden können. Hydatius gilt allerdings nachweislich als ein unzuverlässiger Geschichtsschreiber. Er datierte nach Kaiserjahren und Olympiaden, nahm es mit den Jahreszahlen dabei aber nicht so genau. Auch sind seine Aufzeichnungen nur aus Abschriften ab dem 10. Jh. bekannt. Hier gibt es offene Fragen, die durch weitere Forschung abzuklären sind.

Sieht man von der dadurch gegebenen Restunsicherheit ab, hat sich von allen Versuchen, die mögliche Beschränkung der Korrektur bei der Gregorianischen Kalenderreform auf 10 Tage zu erklären, allein die Berücksichtigung einer Leerzeit von ca. 300 Jahren – und zwar in Übereinstimmung mit der archäologischen Fundsituation – als tragfähig erwiesen. Diese „Phantomzeit“ oder „fiktive Zeit“ ist vermutlich durch eine Kalendermanipulation während des 10. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Einführung der Zeitrechnung „nach Christi Geburt“ (Inkarnationsrechnung, AD) in die Chronologie der griechisch-römischen Geschichte „hineingemogelt“ worden, indem diese von jener Generation der Macht ausübenden Hierarchie, die das Jahr 1000 in der Reichweite eigenen Erlebens rückte, um 297 Jahre veraltet wurde. Die dadurch zustande gekommene Leerzeit wurde mit erfundener Geschichte gefüllt.

Demnach wäre die Geburt Jesu Christi in dem für uns heute geltenden Kalender in das Jahr 292/93 n.Chr. einzuordnen, übrigens in glänzender Übereinstimmung mit der Großen Konjunktion von Jupiter und Saturn als Stern von Bethlehem, die zu diesem Zeitpunkt wesentlich eindrucksvoller ausfiel als 7 v. Chr [47]. Die Verknüpfung der Konjunktion von 7 v.Chr. mit dem Stern von Bethlehem und der Geburt Christi wurde bekanntlich von J. Kepler ins Gespräch gebracht und verbreitet.

3. Wann und auf welche Weise kam die Kalendermanipulation zustande?

Von Illig wurde in zahlreichen Publikationen [1,2,3,13] herausgearbeitet: Die archäologische und architektonische Evidenz grenzt den Zeitraum vom Ende der Regentschaft Justinians 565 einschließlich einzelner Bauten bis ins frühe 7. Jahrhundert auf der einen Seite und die Regentschaft Ottos I. ab 936, vor allem die Schlacht auf dem Lechfeld 955, auf der anderen Seite ein – nach Illig [48] auf 297 Jahre von 614 (Regierungsantritt von Herakleios I. in Byzanz) bis 911 (Regierungsantritt von Konrad I., König der Ostfranken). Nach dem unerwarteten Tod des letzteren 918 ging die Königswürde 919 bekanntlich auf den Sachsenherzog Heinrich I. über, den Vater von Otto I..

Diese konkrete Intervallangabe ist mit einer Unschärfe versehen: Pickel [21] grenzt auf 346 +/-64 Jahre ein, während Birken [23] eine fiktive Zeit von 304 Jahren begründet. In der von Illig [48] vorgenommenen Zusammenstellung der Randereignisse der Phantomzeit bildet sich eine Unschärfe von einigen Jahren um das Intervall von 297 Jahren ab.

614||911 bedeutet nach Illig, auf das Jahr 614 folgt in der uns überkommenen Geschichtsschreibung unmittelbar das Jahr 911.

Dabei ist zunächst offen, ob diese Leerzeit durch Veraltung – einer um ca. 300 Jahre zeitverschobenen falschen Einfügung – der in verschiedenen Zeitmaßstäben vermutlich zahlreich vorhandenen Chronologie-Fragmente historischer Ereignisse zustande kam oder ob die Gegenwart zum Zeitpunkt der Kalendermanipulation um diese Leerzeit nach vorne verlegt wurde. Die durch die Gezeitenreibung verursachte Zunahme der Jahreslänge und Einordnung astronomischer Ereignisse in diesen gesetzmäßigen Ablauf sprechen für den ersteren Fall:

Es kam zu einer Veraltung der römischen und Teilen der griechischen Geschichte um 297 Jahre.

Das Phänomen des Einschubs einer fiktiven Zeit erweist sich als eng verknüpft mit einer groß angelegten Aktion, das Nebeneinander verschiedener Zeitrechnungen zu überwinden und durch einen für die Christenheit einheitlichen Bezug der Zeitrechnung auf „nach Christi Geburt“, die Inkarnationszeitrechnung bzw. „Anno Domini“, AD, zu ersetzen. Die Konfusion war bis ins 10. und 11. Jahrhundert hinein und zum Teil noch weit später beträchtlich [11]. Dieser Aufgabe stellte sich nach Indizien, wie sie die neuere Geschichtswissenschaft feststellt [1,2,3,13] der hochgebildete Kaiser Konstantin VII. mit seinem Stab an qualifizierten Beamten und vermutlich ebenso auch in der Komputistik bewanderten Schriftgelehrten. Dabei wurden zwei Versionen einer auf der Bibel basierenden Zeitrechnung nach Schöpfung eingeführt, von denen eine bis 1456 Bestand hatte [49], und offenbar darauf aufbauend kam es unter dem Einfluss der Ottonen, insbesondere unter Otto III. und seiner Mutter Theophanu, die aus Byzanz stammte, im späten 10. Jh. im Zusammenwirken mit den von ihnen inthronisierten Päpsten Gregor V. (996, Brun von Kärnten) und dem gelehrten Sylvester II. (999, Gerbert von Aurillac) zur Durchsetzung der Zeitrechnung mit Bezug auf Christi Geburt.

  • Hatte Caesar die Kalenderwirren im republikanischen Rom [17] mit der Einführung des Julianischen Kalenders beseitigt, ergab sich wenig später die verbindliche Festlegung durch Varro, den Bibliothekar des Augustus, die Gründung Roms als Bezugspunkt der Geschichtsschreibung zu verwenden (nach christlicher Zeitrechnung 21.4.753 v. Chr). Erst von dieser Zeit ab schrieb man in der Kaiserzeit römische Geschichte bezogen auf diesen Starttermin.

Entsprechend einer traditionellen Gepflogenheit, die Jahre ab einem bedeutenden Ereignis zu zählen, gab es noch eine Reihe weiterer Zeitrechnungssysteme, die Illig in seinem Buch „Wer hat an der Uhr gedreht?“ [3] aufführt.

  • Die Philippinische Ära mit dem Bezugspunkt 12.11.324 v.Chr. (benannt nach Philipp Arrhidaios, dem Nachfolger Alexanders des Gr.) und ebenso die Ära nach dem Tod Alexanders des Gr. mit dem Start am 10.6.323 v.Chr. waren im Orient durchaus gebräuchlich.
  • Die Ära des Augustus mit dem Startdatum 30.8.30 v.Chr., dem Tag der Begründung seiner Alleinherrschaft durch die Einnahme Alexandrias: Oktavian erhob sich damit zum Nachfolger Alexanders, die Zählung mit diesem Bezug galt daher auch als Alexandrinische Ära, war in der Antike weit verbreitet und im Orient lange im Gebrauch. Zum „Augustus“ wurde er am 16.1.27 v.Chr. gekürt – 296/97 Jahre nach Alexanders Tod.

Eine Möglichkeit zur Entstehung einer Leerzeit ist nach Heinsohn und Illig [3, Seite 177] dadurch gegeben, dass eine irrtümliche oder bewusste Gleichsetzung von Geschichtszahlen, die nach der „Alexandrinischen Ära = Ära des Augustus“ datiert waren, mit der „Ära nach dem Tod Alexanders des Gr.“ zwanglos eine Veraltung um ca. 300 Jahre generiert haben könnte, ohne dass solches in der Öffentlichkeit bemerkt wurde.

  • Weithin eingebürgert war auch das Datieren nach Seleukidenära mit dem Startpunkt 1.10.312 v.Chr., dem Datum einer Schlacht zwischen Seleukos und anderen Diadochen. Vor allem als Basis für Geschäftskontrakte. Im täglichen Leben rechneten Juden fast tausend Jahre lang in Jahren nach Seleukidenära.
  • Schließlich initiierte die Regentschaft Diokletians, der das römische Reich mit drei Mitregenten (Tetrarchie, einem weiteren Augustus Maximian und den beiden Caesaren Galerius und Constantius Chlorus) mittels einer umfassenden Verwaltungsstruktur – Reform noch einmal straff durchorganisierte, eine bis weit ins Mittelalter gültige Zeitrechnung in Jahren „nach Diokletian“, der sog. „Diokletiansära“ = „Märtyrerära“ mit dem Bezugspunkt „Beginn der Regierungszeit Diokletians“ (nach christlicher Zeitrechnung 29.8.284 n.Chr.).

Der Beginn der Geschichtsaufzeichnung „nach Christi Geburt“ ist widersprüchlich verbrieft und kaum korrekt angebbar – durchgesetzt wurde diese Zeitrechnung sicher erst im späten 10. und dann vor allem im 11. Jh.:

  • Dionysius Philocalus [50] habe bereits 354 im Auftrag von Papst Damasus I. (305-384) einen christlichen Kalender verfasst, indem er ausgehend von der Zeitrechnung „nach Gründung Roms“ (urbe condita u. c.) – 754 (nach unserer Zeitrechnung) – ab 753 nach Christi Geburt“ datierte.
    Dabei wurde die Geburt Jesu auf den 25. 12., den Feiertag des unbesiegten Sonnengottes (Sol invictus, seit 274 durch Aurelian zum Reichsgott erhoben, Mithras–Kult), festgelegt, (Gegen 200 n.Chr. wurde Weihnachten am 18. November [51] begangen). Das Bezugsjahr dieser Kalenderrechnung, die Geburt Christi, war auf Grund unscharfer Überlieferung im Neuen Testament nur auf den Zeitraum 12 v.Chr. bis 2 v.Chr. eingrenzbar, und so wurde es auf den 1. Januar des 30. Regierungsjahres von Kaiser Augustus = 1.1.1 „nach Christi Geburt“ festgelegt:
    Ebenso ist aber überliefert, ein gewisser Dionysius Exiguus habe 525 als erster aus Protest gegen den Gottlosen und Christenmörder Diokletian nach der Geburt des Herrn datiert und dabei eine Ostertafel vorgelegt, in der die Ostertermine für die Jahre 532 bis 626 vorausberechnet waren. Zu ihm besteht aber auch die Auffassung, er sei eine Erfindung Kaiser Konstantins VII. Porphyrogennetos (615/913 – 662/959) [14,15], jenes gelehrten byzantinischen Kaisers, der die Beseitigung des Durcheinanders der verschiedenen Zeitachsen durch Einführung von Zeitrechnungen „nach Schöpfung“ anstrebte bzw. vornahm und dabei zugleich das Ziel verfolgte, auf einer solchen Zeitskala das Datum der Geburt Christi in Übereinstimmung mit den Konstellationen des Himmels zu fixieren. Dionysius Exiguus erwähnt in keiner seiner Schriften den Dionysius Philocalus.

Gesellschaftlich wirksam wurde die Zeitbezeichnung „nach Christi Geburt“ aber erst im Zusammenhang mit den Schriften eines englischen Benediktiners Beda. Dieser soll von 672 bis 735 gelebt haben. Er stellt sich aber in seinen Schriften durch Bezüge auf viel spätere Zeitereignisse selbst in Frage, so dass er, falls er überhaupt existierte, allenfalls ins 12. Jahrhundert gehört [3].

Parallel zu diesen Ansätzen und verschiedenen Versionen einer Datierung gab es ausgehend von einer jüdischen Tradition frühzeitig Bestrebungen, die Jahreszählung unter Verwendung von Zahlenangaben der Bibel „nach Erschaffung der Welt“, „nach Weltschöpfung“, vorzunehmen, die nach dieser jüdischen Datierung am 7.10.3761 v.Chr. stattgefunden haben soll.

Bereits 358/59 n.Chr. wurde in einer Aufzeichnung das Jahr 670 der Seleukidenära mit dem Jahr der Welt 4119 gleichgesetzt [52], Akzeptanz habe die Zählung nach Weltära aber nach der Jerusalemer Encyklopaedia Judaica erst um 500, nach der Berliner Encyklopaedia Judaica erst um 800 und nach anderen Quellen [53] gar erst im 12. Jahrhundert erfahren.

Um Abgrenzung von der römischen Zeitrechnung bemüht, wo die Jahreszählung nach der Ära des Augustus = Alexandrinische Ära, aber auch weiterhin mit Bezug auf die Gründung Roms (c.u. condita urbe) eingebürgert war, strebte man in Byzanz einen eigenen geschichtlichen Startpunkt an und ging dabei so weit wie möglich zurück, eben auf den Zeitpunkt „Erschaffung der Welt“, wie er aus dem Alten Testament deduziert werden konnte, allerdings nicht, ohne dass sich dabei Ungereimtheiten ergaben:

  • Die Alexandrinische Weltära, angeblich von Panodoros und Anianos, bereits vor 412 n.Chr. erschlossen, legte den Startpunkt auf den 25.3.5493 v.Chr. [3],
  • die Protobyzantinische Weltära auf das Anfangsdatum 21.3.5508 v.Chr. [9],
  • die Byzantinische Weltära auf das Datum 1.9.5509 v.Chr.

Erst ab dem 10.Jahrhundert setzte sich die Datierung nach der Byzantinischen Weltära durch. Selbst im 14. Jahrhundert war die Rechnung „nach Christi Geburt“ in Ostrom noch nicht endgültig akzeptiert [54].

Aus dieser Umstellung ergab sich eine zweite Möglichkeit zur Veraltung der Vergangenheit um ca. 300 Jahre, etwa indem man z. B. für das Jahr der Thronbesteigung Konstantins VII. 958 nach Seleukidenära (646 n.Chr.), bei der Umstellung auf Jahre nach Schöpfung unter Beibehaltung der alten Jahreszahl das Datum 5509 + 958 = 6467 n.Sch. zuordnete. 945 n.Chr. ist das Datum der Thronbesteigung nach unserer Zeitrechnung, das heißt 312 + 945 – 958 = 299 Jahre wären auf diese Weise mittels einer Rückverlegung des Bezugspunktes auf – 312 „stillschweigend“ dazu addiert worden.

Aber welche Beweggründe lassen sich für einen Römischen Kaiser wie Konstantin VII. Porphyrogennetos (905 – 959, Kaiser ab 913, autarkes Regime ab 945) anführen, Macht und Durchsetzungskraft unter Einstimmung der gesamten geistigen Elite seines Herrschaftsbereichs dafür einzusetzen, dass eine Beseitigung der Kalenderwirren durch Einführung einer für die Christenheit einheitlichen Zeitrechnung zustande kommt und zugleich die Rückverlagerung vorangegangener historischer Ereignisse um ca. 300 Jahre in Angriff zu nehmen? Immerhin bedeutete dieser Schritt, die eigene noch in Erinnerung befindliche Vergangenheit auf der Zeitachse um drei Jahrhunderte nach hinten zu verschieben.

Man hat Grund anzunehmen, dass es Konstantin VII. war, der in seinen Kanzleien binnen weniger Jahrzehnte die Ab- und Umschriftschrift sämtlicher Texte und Dokumente von der Majuskel in die Minuskelschrift veranlasste. Er ließ die Originale nach der Abschrift vernichten [55]. Unter seinem Dirigat und mit Hilfe der byzantinischen Verwaltungsadministration wurde die Aktion logistisch konsequent umgesetzt, das gesamte Schriftgut einer damals führenden Kulturnation neu abgefasst, wobei naturgemäß die Wertung und Wichtung entsprechend dem Zeitgeist einfloss. Die davor liegenden vielfältigen Ereignisse der griechisch–römischen Geschichte sind uns demzufolge nur durch das Filter dieser Aktion zugänglich.

Die Motivation kann entsprechend der geistigen Verfassung mittelalterlicher Gelehrter auf Bestrebungen in zweierlei Richtung zurückgeführt werden, die sich in ihrer Wirkung vermutlich synergistisch verstärkten.

Nach Jan Beaufort [15,16] liegt der eine Beweggrund in Bestrebungen, sich dem aus der Antike überkommenen Anspruch an ein einheitliches Weltbild auch in der Christenheit zu stellen. Und um die Ereignisse des Himmels mit dem geschichtlichen Ablauf in der Christenheit in einen Zusammenhang zu stellen, erwies sich die Berechnung des Osterdatums als der entscheidende Schlüssel.

Der 28-jährige Sonnenzirkel – in einer solchen Periode fallen im Julianischen Kalender die Wochentage wieder das ganze Jahr hindurch auf die gleichen Wochentage – ergibt in Verbindung mit den 235 synodichen Monaten (Abstand zwischen zwei Neumonden) des Mondzirkels, die recht genau 19 Sonnenjahren entsprechen, den großen Osterzyklus 28 x 19 = 532 Jahre, d. h. nach einer solchen Periode wiederholen sich die Mondphasen mit den Wochentagen, folglich auch den Ostersonntagen am gleichen Kalenderdatum. Auf einer solchen Basis konnte das Osterdatum im voraus berechnet werden.

Für Konstantin VII. und seinen Stab gelehrter Komputisten, tatsächlich im 7. Jh. nach Christus und Augustus lebend, ließ sich die astronomische Situation seiner Zeit mit dem großen Osterzyklus von 532 Jahren und zugleich mit dem historischen Christusgeschehen aber nur in Einklang bringen, wenn man das astronomische Jahr 235 mit 532 n.Chr. gleichsetzte, die Zeitachse also um 297 Jahre verlängerte. Damit wäre eine dritte Version als Motivation für das Zustandekommen der Veraltung der griechisch-römischen Geschichte in Betracht zu ziehen:

Manipulation der realen Geschichte zwecks Stützung einer vorgegebenen Ideologie – eine bis in unsere Zeit immer wieder getätigte Praxis.

Das ist die Kalenderreform des Dionysius Exiguus, der nach der Geburt des Herrn datierte und vermutlich eine Schöpfung Konstantin VII. oder einer seiner Mitstreiter war, der sich mit der Prolongierung der Zeitachse zugleich veralten ließ, was der Erhöhung seiner Autorität nur förderlich sein konnte.

Von Illig [2,3] wurde die Frage aufgeworfen, ob womöglich die zeitliche Absetzung jenes die byzantinische Christenheit zutiefst erschütternden Ereignisses, nämlich der Verlust des Kreuzes 911 durch die Einnahme Jerusalems von den Persern, von der eigenen Gegenwart in eine weit zurückliegende Vergangenheit 614 und die Erfindung einer rasch erfolgten Rückeroberung durch einen gleichfalls erfundenen bzw. zeitlich zurückgesetzten und umbenannten Kaiser Herakleios mit ein Grund dafür gewesen sein könnte, den dreihundertjährigen Einschub aufzugreifen.

Man konnte nach dieser Manipulation Kreuzessplitter zu Hunderten verteilen und den Reliquienhunger profitabel stillen, was tatsächlich geschah.

Nach Illig [2,3] ist auch ein dynastisches Motiv in Betracht zu ziehen. Die zeitliche Rückstufung und Abgrenzung von einer zweifelhaften Herkunft – womöglich Sohn des Kaisermörders Phokas (von 899 – 907 nach 602 – 610) zu sein – musste im Interesse Konstantin VII. liegen, dessen Vorgeschichte nur aus der eigenen Feder bekannt Ist und der in seinen Schriften stets so auffallend die eigene Abstammung als „Purpurgeborener“ (Porphyrogennetos) betont hat.

Jan Beaufort [15,16] verweist auf August Strobel [56], der in seinem Buch aufzeigte, dass sich die von Konstantinopel ausgehende 532-jährige Periode der Osterkomputation im Westen sieghaft durchsetzte, die Kalenderumstellung also offenbar mit der Geschichtsmanipulation verknüpft war.

Die maßgebende zweite Triebfeder, die eine derartige Geschichtsmanipulation hervorbringen konnte, liegt nach Illig [3] im Bestreben, die heilsgeschichtliche Dauer des Weltenlaufs zu erfassen. Iulius Africanus hatte bereits im dritten Jahrhundert darauf aufmerksam gemacht, dass – da vor Gott 1000 Jahre wie ein Tag sind – der siebentägigen Schöpfung sieben Welttage zu je 1000 Jahre entsprechen und die Erschaffung des Menschen am 6. Schöpfungstag der Geburt des Heilands gleichkommt: Christi Geburt wurde demzufolge in die Mitte des 6. Schöpfungstages auf 5500 n.Sch. platziert. Der 7. Schöpfungstag galt als Gott, dem Erschaffer der Welt, vorbehalten, und das sollte auch für den Sohn gelten. Daraus ergab sich die Erwartung, dass 500 Jahre n.Chr. im Jahre 6000 n.Sch. das endzeitliche christusbeherrschte Millennium anbrechen würde.

Ein solches Ereignis blieb bekanntlich aus, und so war es naheliegend, auf eine analoge Berechnung des Hl. Hieronymus (ca. 347 bis ca. 419) zurückzugreifen: 2242 a (von Adam bis zur Sintflut) + 942 a (von der Sintflut bis Abraham) + 2015 a (von Abraham bis Christi Geburt) = 5198 a [57].

457 wurde durch Victorius von Aquitanien unter Papst Leo I. mittels einer Mondrechnung der 25. März 5201 v.Chr. als Datum der Welterschaffung publik gemacht [57,58]. Christi Geburt wurde damit um 300 a auf 5201 n. Sch. vorverlegt, und als die neue Erwartung für ein christusbeherrschtes Millenium nach Schöpfung ergab sich das Jahr 801 n.Chr. In Verbindung mit diesem Schritt ist also eine vierte Version in Betracht zu ziehen, die das Aufkommen einer dreihundertjährigen Leerzeit in der Geschichte erklären könnte. Aber auch 6000 n. Sch. (= 800 n.Chr.) blieb der Übergang in ein Heils-Millenium aus. Daran konnte auch die erfundene Krönung Karls des Gr. nichts ändern.

So entschloss man sich, Christi Geburt nochmals vorzudatieren und zwar auf 5001, und darauf sollte ein voller Welttag von 1000 Jahren folgen, so dass nunmehr der Beginn des 7. Welttages 6001 mit dem Jahr 1001 zusammenfiel. Von Kaiser Otto III. (983 –1002) mit seiner geistig-kulturellen Verbindung nach Byzanz (Theophanu, seine Mutter war mit dem byzantinischen Kaiserhaus verwandt) und der engen Verbindung zu dem von ihm 999 eingesetzten hochgebildeten Papst Sylvester II. (Gerbert von Aurillac) wurde das Jahr 1000 n.Chr. in dieser Weise interpretiert und in das christliche Denken als der Beginn eines Heils-Millenniums eingeführt [2]: Otto III. änderte seine kaiserliche Titulatur Anfang 1000 in „servus Jesu Christi“, Anfang 1001 in „servus apostulorum“ – er wollte das tausendjährige Reich als verlängerter Arm Christi, als Endzeitkaiser, regieren.

Offensichtlich kam es im Zusammenhang mit der Schaffung einer einheitlichen und für die Christenheit verbindlichen Chronologie historischer Ereignisse mit Bezug auf Christi Geburt zur Herausbildung einer Zeitlücke von ca. 300 Jahren.

Aus einer tiefen Religiosität heraus waren die in ihrer Zeit hoch gebildeten Akteure, die diese Umschreibaktion vornahmen, bestrebt, sich im Konzept der Welttage des Herrn selbst gottgefällig zu platzieren.

Dabei wurden bei der Umrechnung der in den zahlreichen verschiedenen Zeitskalen dokumentierten Geschichtszahlen in die neue Zeitrechnung „nach Christi Geburt“ vor allem die Ereignisse der griechisch-römischen Geschichte mit um ca. 300 a geringeren Jahreszahlen versehen als es nach den Daten, die sich die damaligen Schriftgelehrten selbst zuordneten und die für uns bis heute gelten, erforderlich gewesen wäre – sie wurden also veraltet.

Ob es sich bei dieser höchst notwendigen „Flurbereinigung“ der verschiedenen parallel existierenden Datierungen von vornherein um ein Betrugsmanöver gehandelt hat, erscheint fragwürdig.

Die Leerzeit und Ereignisse an deren beider Zeitränder wurden aber je nach Bedarf und politischem Nutzen sukzessive durch erfundene und damit gefälschte Geschichte ausgefüllt bzw. modifiziert, und in diesem Zusammenhang treffen die Kriterien der Geschichtsfälschung uneingeschränkt zu.

Die seinem Sohn als Lehrbuch dienende Schrift „De administrando imperii“ von Konstantin VII. klammert die Zeit zwischen 600 und 866 aus, erwähnt aber für den Westen einen großen Frankenherrscher Karl, vermutlich Karl den Einfältigen, der 922 einem Kapetinger weichen musste [59].

Die Ausgestaltung der Fiktion Karls des Großen blieb dann wohl Otto III. (980–1002, Regentschaft ab 994) vorbehalten [1], dessen Mutter Theophanu am byzantinischen Kaiserhof noch zu Lebzeiten Konstantins VII. geboren wurde und die erfundenen Jahrhunderte in die Residenzen des ottonischen Kaiserhofes mitbrachte. Ottto III. mit seinem Ratgeberstab, dieser infolge hoher Bildung Maßstäbe setzende junge Herrscher – aufgebaut nicht zuletzt durch die Grande Dame Adelheid der ottonischen Renaissance und deren Schwiegertochter Theophanu -, entzog das Papsttum dem Gewohnheitsanspruch römischer Adelsriegen, indem er Brun von Kärnten als ersten deutschen Papst Gregor V. berief. Als dieser 999 starb, folgte ihm einer der gelehrtesten Köpfe der Zeit Gerbert von Aurillac als erster französischer Papst Sylvester II. nach.

Als Naturwissenschaftler und Philosoph auf dem Papstthron war er Ausbilder einer ganzen Generation von Gelehrten, Verbreiter neuer Techniken und als eine der Schlüsselfiguren bei der Umstellung der Jahreszählung auf „nach Christi Geburt“ engagiert [60].

Im Bündnis zwischen Sylvester II. und Otto III. ergab sich die Programmatik, am Beginn des neuen Heils-Millenniums, des siebenten Welttages, das christliche römische Reich zu erneuern und von Rom aus zu regieren.

Aus dem Zeitgeist heraus, eines zu Beginn des Heils-Millenniums neu definierten Anspruchs, der einen geistigen Aufbruch auslöste – Cluniazensische Reformen, Tausende Kirchen wurden in Mitteleuropa gebaut – kann der Ausbau der Legende Karls des Gr., die angebliche heimliche Öffnung seines Grabes in der Aachener Pfalzkapelle und Entnahme seiner Insignien durch Otto III, begriffen werden. Sie dienten der Tradierung der neu definierten Macht des Kaisertums.[3, Seite 194].

4. Zur Passfähigkeit historischer Ereignisse im beiderseitigen Randbereich der Phantomzeit

Die geschilderten Befunde, die den Einschub einer Zeitspanne von ca. 300 a, sehr wahrscheinlich 297 Jahren, in die Chronologie der für uns geltenden Zeitskala belegen, wobei eine Veraltung weiter Bereiche der Geschichte der Antike zustande kam, verlangen zwingend, die Passfähigkeit historischer Ereignisse im beiderseitigen Randbereich der Phantomzeit festzustellen. Im Ergebnis einer solchen Untersuchung sollte erfundene Geschichte, mit der die zeitliche Lücke ausgefüllt wurde, detektiert werden können.

Illig [2,3,13] weist in seinen Büchern und Publikationen in den Zeitensprüngen nachdrücklich darauf hin, dass in jedem Einzelfall sorgfältig zu klären ist, welche historischen Ereignisse in den beiden Randbereichen, die die Phantomzeit eingrenzen, bei der Dionysischen Kalenderreform auf der neu definierten Zeitachse um 297 Jahre in die Vergangenheit transferiert wurden und welche in das für uns seitdem gültige Kalendersystem richtig eingeordnet wurden. Dabei ist die archäologische Fundsituation und analytische Diagnostik als quasi experimenteller Prüfstein, wo es irgend geht einzubeziehen, damit es zur richtigen Ermittlung der Nahtstellen kommt.

Die Feststellung derartiger Verknüpfungen ist ungleich wichtiger als der mitunter „kleinkariert“ geführte Streit, ob für die Phantomzeit 299, 304 oder 297 Jahre anzusetzen sind. Illig hat 297 Jahre begründet [2,3,48] und dabei stets betont, dass sich damit eine Unsicherheit von +/- einigen Jahren verbindet, die von Fall zu Fall auch schwanken kann.

Vermutlich müssen wir damit leben, dass die Geschichtsdaten des ersten Jahrtausends und erst recht die weiter zurückliegenden Ereignisse bezüglich ihrer zeitlichen Einordnung im Einzelfall unsicher sind. Es sollte dies aber kein Hinderungsgrund sein, eine so große Unstimmigkeit wie das sehr wahrscheinliche Vorliegen einer ca. 300-jährigen Leerzeit in unserer Chronologie unangetastet zu lassen.

Es werden in dieser Abhandlung die Geschichtszahlen des frühen Mittelalters, und zwar die vor 614, im für die Fragestellung besonders relevanten mitteleuropäischen Kulturkreis durch Hinzunahme von 297 a korrigiert und auf diese Weise die reale zeitliche Distanz in der für uns ab ca. 1000 verbindlichen Chronologie zu den Ereignissen der römischen und Teilen der griechischen Geschichte hergestellt. Die durch die Phantomzeit vor 614 veralteten Geschichtszahlen werden folglich durch Addition von 297 in Geschichtszahlen ohne Phantomzeit „o.Phz.“ umgewandelt, d. h. an unser Kalendersystem herangeführt. Nach 614 = 911 entfällt diese Maßnahme, da diese Daten nicht veraltet wurden.

Die Inkarnations-Kalenderrechnung „n.Chr.“ ist für die so entstandenen neuen Geschichtszahlen hinfällig, da das für Christi Geburt traditionell festgelegte Datum (1.Januar im Jahr 1) gleichfalls um 297 a an unsere Zeitrechnung heranrückt, und das gilt ebenso für die Geschichtszahlen nach 911. Will man den zeitlichen Abstand eines Geschichtsdatums durch Jahre „n.Chr.“ ausdrücken, sind von den Daten unseres Kalendersystems stets 297 Jahre zu subtrahieren. Nur mit der Phantomzeit wird das geltende Geburtsdatum Christi, der 1.1. des Jahres 1, und damit der Ursprung des offiziellen Kalenders erreicht: Unsere Geschichtszahlen sind also in Wahrheit nicht mehr Jahre nach Christi Geburt, so dass „n.Chr.“ entfällt. Wir befanden und befinden uns auf einer relativen Zeitskala, die aber nur mit der Korrektur die realen zeitlichen Abstände zu den Ereignissen vor 911 richtig wiedergibt.

4.1. Römische Geschichte

Wurde die vor der dionysischen Kalenderreform liegende römische Geschichte im Zusammenhang mit der Einführung der Jahreszählung „nach Christi Geburt“ um die Phantomzeit (297 Jahre) in Richtung Vergangenheit verlagert, folgt unter Berücksichtigung der Phantomzeit („o.Phz.“) notwendigerweise die Addition dieses Zeitintervalls zu den uns für diese Zeit geläufigen Geschichtszahlen, wenn der reale Verlauf der römischen Antike und des frühen Mittelalters auf der für uns gültigen Zeitskala richtig erfasst werden soll, also beispielsweise

  • Kaiser Augustus –30 bis +14 n.Chr. = +267 bis +311 „o.Phz.“, und es gilt der 1. Januar des 30. Regierungsjahres, wie unter Papst Damasius und Dyonisius Philocalus festgelegt, als das Jahr von „Christi Geburt“ = 1.1.298 o.Phz. (tatsächlich ggf. – 7 v.Chr. bzw. 292 o.Phz“ – in beiden Fällen Große Konjunktion, Stern von Bethlehem)
  • Diokletian (Dominat-Tetrarchie) 284-305 n.Chr.= 581- 602 o.Phz., Begründung der Zeitrechnung nach Diokletian 29.8.284 bzw. 29.8.581 = 1 nach Diokletian.
  • Konstantin der Große 312–337 n.Chr.= 609- 634 o.Phz.: Toleranzedikt Mailand – Einführung des Christentums als Staatsreligion 313 n.Chr. = 610 o.Phz., Konzil von Nicäa 325 n.Chr. = 622 o.Phz.
  • 622 Hedschra: Es ging nach Jan Beaufort [15,16] um die Integration der auf dem Konzil verurteilten Arianer = Shi’iten (Shi’al Ali = Partei des Arius) in die islamische Gemeinschaft als getreue Anhänger Mohammeds, der „Eingott-Religion“ in klarer Abgrenzung zum aufkommenden Trinitätsdogma (Athanasius), das bei den Arianern als Vielgötterei galt.
  • Die Daten der Kirchenväter einschließlich Gnostiker, Donatisten, Arianern, Monophysiten wären um 297 Jahre an uns heranzurücken,
  • Theodosius d. Gr. 379-395 n.Chr. = 676-692 o.Phz, Reichsteilung 395 n.Chr. = 692 o.Phz.
  • Odoaker, Ende des Weströmischen Reiches 476 n.Chr. = 773 o.Phz.,
  • Justinian 527-565 n.Chr. = 824-862 o.Phz., Blüte des Ostreiches (Byzanz)
  • Konstantin VII Porphyrogennetos 608 bis 662 n.Chr. = 905–959 o.Phz., Verlust des Kreuzes Christi infolge Einnahme Jerusalems durch die Sassaniden. 614 n.Chr. = 911 o.Phz.
  • Das Neupersische Reich der Sassaniden 224 bis 651 n.Chr. wäre demnach o.Phz. mit 521 bis 948 zu datieren:
    • Chosrau I., Anuschirvan 531- 579 n.Chr. = 828–876 o.Phz. war der große Gegenspieler von Justinian I. [61]
    • Chosraus Sohn Hormizd IV. (579 – 590 n.Chr. = 886 – 887 n.Chr. o.Phz. führte den 572 (869) erneut ausgebrochenen Krieg gegen Ostrom weiter, wurde aber gestürzt und durch seinen Sohn Chosrau II. Parwez ersetzt: 590–628 n.Chr. = 887–625 o.Phz.
    • Der letzte große Krieg der Antike zwischen Ostrom und den Sassaniden tobte von 602 – 629 n.Chr. = 899–926 o.Phz., brachte dem byzantinischen Reich große Verluste: 614 n.Chr. = 911o.Phz. Eroberung Jerusalems und Raub des Kreuzes Christi, der wichtigsten Reliquie der Christenheit, 619 n.Chr. = 916 o.Phz. Eroberung Ägyptens, Verlust der seit der Vernichtung der Vandalen wieder erlangten Kornkammer des Reiches.

Damit wäre der Anschluß an die Lebensdaten von Konstantin VII. gegeben, in dessen Regierungszeit 944 -959 o.Phz. die Vernichtung des Sassanidenreichs 651n.Chr. = 948 o.Phz. durch die muslimischen Araber fiel [62] und der 943 selbst einen Sieg über die Araber hatte erringen können.

Analog ist dann auch das Netz historischer Daten der Völkerwanderung um 297 Jahre näher an unsere Zeit heranzuführen, also beispielsweise

  • die Hunnen vernichten das Ostgotenreich Ermanerichs 375/376 n.Chr. = 672/ 73 o.Phz.,
  • Zerstörung Aquileias 452 n.Chr. = 749 o.Phz.,
  • 1. Plünderung Roms 410 n.Chr. = 707 o.Phz. durch Westgoten – Alarich, den Stilicho beim 3. Anlauf nicht abwehren kann, (Rheinarmee abgezogen): Eigentlich Wisigothe bzw. Gute Goten von gothisch ueso = gut
  • Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 n.Chr. = 748 o.Phz.
  • 2. Plünderung Roms 455 n.Chr. = 752 o.Phz. durch Vandalen unter Geyserich (vorher war Valentinian III und danach Aetius ermordet worden),
  • 3. Plünderung Roms durch Odoaker 476 n.Chr. = 773 o.Phz.
  • Theoderich der Große 493–526 n.Chr. = 790-823 o.Phz, Ostgotenreich in Italien (Ravenna), 493 – 552 n.Chr. = 790 – 849 o.Phz.: Eigentlich Ostrogoten bzw. Glänzende Goten von gothisch austro = strahlend
  • 4. Plünderung Roms 552 n.Chr.= 849 o.Phz.: Vernichtung des Reiches der Ostgoten in Italien durch Belisar im Auftrag Justinians
  • Langobarden (Alboin, Hauptstadt Pavia) dringen 568 n.Chr. = 865 o.Phz in Oberitalien ein, Zusammenbruch der oströmischen Herrschaft in Italien

4.2. Merowinger – Franken – deutsches frühes Mittelalter ohne Karolinger

Bekanntlich gelang dem Germanenstamm der Franken unter Chlodwig (um 465–511 n.Chr. = 762–809 o.Phz.) im 5. Jh./8. Jh. die Gründung des Frankenreichs in Gallien, indem sie

  • den letzten römischen Statthalter Syagrius in seiner Residenz Soissons (90 km nördlich von Paris) 487 n.Chr. = 784 o.Phz. ausschalteten,
  • sowohl die nach dem Abzug der römischen Legionen eindringenden Normannen (Saxones, Friesen) im Bereich der Normandie als die keltischen Bretonen (Exilanten aus England, die der Landnahme durch Angeln, Sachsen und Jüten ab 420 n.Chr, = 717 o.Phz in Britannien ausgewichen waren) mittels Zusicherung der Autonomie bei Anerkennung fränkischer Oberhoheit an sich banden,
  • expansiv Landnahme im Innern Galliens betrieben – so wurde das Gebiet am Niederrhein und das Moselgebiet in ihr Herrschaftsgebiet einbezogen.

Gallien war zuvor ca. 500 Jahre römische Provinz, römischer Lebensstil und Strukturen der Zivilverwaltung daher eingeführt, einschließlich der diesen oftmals zugeordneten religiösen Kulte. Letztere nahmen seit Theodosius I. (379-395 n.Chr. = 676-692 o.Phz.), der die neue Staatsreligion mit dem katholischen Bekenntnis auf der Grundlage der Schriften des Athanasius durchsetzte (II. ökumenisches Konzil von Konstantinopel 381 n.Chr. = 678 o.Phz., Vollendung des Trinitätsdogmas), christliche Bischöfe wahr. So war es für den Herrschaftsanspruch Chlodwigs und die Festigung seiner Macht vorteilhaft, den katholisch geprägten „Verwaltungsapparat“ der romanisierten gallischen Bevölkerung an der Basis zu übernehmen. Der Übertritt zum katholischen Glauben erschien zweckmäßig: Taufe Chlodwigs 496 n.Chr. = 793 o.Phz. Das von Theoderich (arianische Ostgoten in Italien) geknüpfte politische Gleichgewicht geriet dadurch ins Wanken. Im Bündnis mit Rom begründete Chlodwig damit den Aufstieg des Frankenreichs zu einem neuen Machtfaktor.

  • Der Arianismus, begründet durch Arius, einen aus Libyen stammenden alexandrinischen Presbyter (260-336 n.Chr. = 557-633 o.Phz.) besagt, Jesus sei dem Gottvater wesensähnlich „homoiusios“, aber nicht wesensgleich, „homousios“, d. h. er sei kein Geschöpf Gottes sondern Menschensohn – man beachte die streng monotheistische Grundposition dieser Glaubensrichtung und im Ansatz die Verwandschaft zum Islam. Und trotz Verurteilung auf dem Konzil zu Nicäa 325 n.Chr.= 621 o.Phz – Athanasius, der Gegenspieler, konnte sein Dreifaltigkeitskonzept einbringen, aber wohl noch nicht durchsetzen – kam es 20 Jahre später um 341 n.Chr. = 638 o.Phz. zu dem bekannten Aufbruch des westgotischen arianischen Missionsbischofs Wulfila mit Bibelübersetzung ins Gotische, die zur Christianisierung der Mehrheit der im römischen Reichsgebiet angesiedelten Westgoten führte. Deren Aufbruch zu Beginn des 5./8. Jh. nach Westen vermittelte den Vandalen, Burgundern, Sueben, Gepiden, Herulern, Ostgoten und Langobarden den Arianismus.
  • Im Ostgotenreich (493–552 n.Chr. = 790–849 o.Phz.) unter Theoderich d. Gr. (493–526 n.Chr.= 790–823 o.Phz.) mit Herrschaftssitz Ravenna war der Arianismus Staatsreligion. Nach dem Machtverfall ab 526 n.Chr.= 823 o.Phz. drangen die katholischen Franken sukzessive nach Süden vor – Bayern wurde bereits 536/537n.Chr. = 833/834 o.Phz. katholisch -, und vermutlich auch ausgehend von Noricum und Raetien (beide Gebiete gehörten zu Byzanz) fasste das katholische Bekenntnis ab 540 n.Chr. = 837 o.Phz. auch bei den Ostgoten Fuß. Es folgte 552 n.Chr = 849 o.Phz (4. Plünderung Roms) die Vernichtung des Ostgotenreichs in Italien durch Belisar im Auftrag Justinians (527–565 n.Chr. = 824 – 862 o.Phz.): Italien wurde oströmische Provinz, Statthalter Narses.

Konstantin VII. datiert in „De administrando imperii“, einer seiner bedeutendsten Schriften, die Landnahme der Ungarn in Pannonien ins Jahr 895, also in das ausgehende 9. Jahrhundert und in das gleiche Gebiet, das nach fränkischen Chronisten 598 von den Awaren – mitunter auch als Hunnen bezeichnet – okkupiert wurde. Manfred Zeller [63] begründet, dass nach schriftlichen Quellen wie den fränkischen Reichsannalen und nach archäologischen Funden die Identität von Awaren und Magyaren kaum bezweifelt werden kann. Zum gleichen Ergebnis kommt Klaus Weissgerber [65] bei seiner Erforschung der Geschichte des Karpatenbeckens. Auch ist über den Verbleib der Awaren in der Geschichte so gut wie nichts bekannt. Die Phantomzeit von 297 Jahren kann das erklären.

Der Ansturm der Awaren = Magyaren 567 n.Chr. = 864 o.Phz. drückte die arianischen Langobarden aus der Donauebene nach Italien: Langobardenreich ab 568 n.Chr. = 865 o.Phz. unter Alboin (Pavia) mit verbleibenden byzantinischen Exarchaten im Süden und Sizilien. Der Übertritt zum katholischen Glauben erfolgte durch „Missionierung“, – sie waren doch schon Christen, allerdings Arianer – unter Papst Gregor I., dem Großen. sukzessive bis ca. 616 n.Chr. = 913 o.Phz.

Das Frankenreich der Merowinger, nach dem Tod Chlodwigs unter 4 Söhne aufgeteilt, verfolgte die eingeschlagene Expansionspolitik weiter:

531 n.Chr.= 828 o.Phz. Unterwerfung Thüringens (damals bereits im Bündnis mit Sachsen) [64], 534 n.Chr. = 831 o.Phz. Einverleibung Burgunds, 536 n.Chr. = 833 o.Phz. Übernahme der Provence von den Ostgoten und im selben Jahr Unterwerfung bayerischer und alemanischer Gebiete.

Es kommt noch einmal zur Einigung des Reiches unter einem der Söhne: Clothar I. 558 n.Chr. = 855 o.Phz., danach 561 n.Chr. = 858 o.Phz. Dreiteilung und alsbald politische Wirren, mit denen das Erstarken von Adelsfamilien einhergeht:

  • Austrien mit Reims (Childebert II, unter Vormundschaft seiner Mutter Brunichild),
  • Neustrien mit Soissons (Clothar II unter der Vormundschaft seiner Mutter Fredegunde und Protektion seines Oheims Guntram,
  • Burgund mit Orleans unter Guntram (Aquitanien und die Provence unter Childebert und Guntram aufgeteilt),
  • Die einzige vorphantomzeitliche Geschichtsquelle der Merowingerzeit des Gregor von Tours endet 593/594 n.Chr. = 890/891 o.Phz., letzte politische Eintragung betrifft die Taufe des Knaben Clothar 591. Dieser sei 584 im Alter von 4 Monaten als König im Erbreich seines Großvaters, dem Regnum Clotharii, eingesetzt worden.
  • 570 – 584 bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen den ehrgeizig regierenden Müttern.

Birken [66] macht darauf aufmerksam, dass die Situation vor 911 auf dem Gebiet des ehemaligen Merowingerreiches der vor 607 sehr ähnlich ist. Es bestehen drei Teilreiche:

  • Westfranken, ab November 911 unter Einschluss des Regnum Clotharii, mit schwacher Zentralgewalt,
  • Ostfranken mit Bayern, Kärnten, Thüringen – und Sachsen an der unteren Elbe nach Westen ausgreifend sind dazugekommen, im gesamten Gebiet schwache Zentralgewalt ( Ludwig das Kind 900-911),
  • Burgund

Offenbar ist nach 584 n.Chr. = 881 o.Phz. – spätestens nach dem Tod Guntrams – die Merowinger-Herrschaft völlig zusammengebrochen – die aufmüpfigen Großen waren nicht mehr bereit, die minderjährigen Knaben weiterhin als Könige zu akzeptieren. Es folgte im November 614 n.Chr. = 911 o.Phz. Konrad I. aus einer einflussreichen main-fränkischen Kaufmannsfamilie als König der Ostfranken:

Die Herzöge von Sachsen, Schwaben und Bayern wehrten sich gegen die Wiederherstellung einer starken Königsmacht. Die Sachsen lenkten 915 ein, Konrad starb 918 auf einem Feldzug gegen Arnulf von Bayern.

Danach geht die Königsherrschaft im Ostfrankenreich auf den Sachsenherzog Heinrich I. (919 –936) über, und es folgen die Ottonen als deutsche Könige und römische Kaiser

Otto I. (936 – 973) Otto II. (973 – 983) Otto III. (983 – 1002)

Die Abwehrkämpfe Heinrichs I. gegen die Magyaren sind historisch verbrieft (Sieg bei Riade 933), und Otto I. gelang schließlich auf dem Lechfeld 955 der entscheidende, in Europa viel beachtete Schlag zur Ausschaltung der jährlich einfallenden plündernden Reiterscharen. Zwischen diesem Ereignis und der Befriedung durch Sesshaftwerden und Integration in die Feudalstrukturen des Mittelalters liegen nur wenige Jahrzehnte, markiert durch Christianisierung und Gründung des Erzbistums Gran durch Otto III. und die Verleihung der Stephanskrone am 1.1.1001 an Stephan I. (997 – 1038) durch Papst Sylvester II., was Otto III. vor seinem frühen Tod noch in die Wege geleitet hatte.

Das Langobardenreich, dessen Gründung nach tradierten Geschichtsbüchern 568 n.Chr. erfolgte, mit Berücksichtigung der Phantomzeit aber auf 865 o.Phz. anzusetzen ist, endete offenbar 961 o.Phz mit der Vereinnahmung durch Otto I. bereits nach knapp einhundert und nicht erst nach vierhundert Jahren.

Auf seinem 2. Zug nach Italien (Hilferuf von Papst Johannes XII. wegen der Lombarden) ließ Otto I. sich 961 in Pavia huldigten und setzte sich die eiserne Königskrone der Langobarden aufs Haupt, ein Vorgang, dessen Scenario sich nach der Legende vom Großen Karl 300 Jahre zuvor bereits einmal abgespielt haben soll – offenbar eine Rückprojekion der Ereignisse um Otto I. in jene Leerzeit, die es mit Geschichte zu füllen galt: Otto I. ggf. Urbild für den erfundenen Karl!

Illig arbeitete den Zusammenhang heraus [67]. Die letzte Bastion der Langobarden auf der Insel San Giulio im Lago d’Orta fiel nach der Kaiserkrönung 962 im Kampf gegen Berengar II, und während der Belagerung wurde 962 Wilhelm von Volpiano geboren, einer der Hauptvertreter der cluniazensischen Reform, die um 1000 einsetzte und mit der ersten Benediktinerbewegung in Europa den geistigen Aufbruch der mittelalterlichen Christenheit im Verein mit Kaiser und Papst kennzeichnet.

Berengar hielt nach der Niederwerfung König Lothars von Italien Adelheid – Kind des Königs von Hochburgund und einer schwäbischen Herzogstochter, inzwischen verwitwet – gefangen. Otto I. ehelichte die langobardische Würdenträgerin – zur Aussöhnung fungierten der Überlieferung nach beide als Taufpaten für Wilhelm von Volpiamo – seine Mutter war mit Berengar und Adelheid verwandt.

Adelheid avancierte zur Grande Dame der Ottonischen Renaissance, Erzieherin von Otto II. – seine Vermählung mit Theophanu, einer Verwandten des byzantinischen Kaiserhauses, diente vor allem auch dem Abbau von Vorbehalten, die in Byzanz gegen das mit Otto I. neu erstandene Kaisertum im Westen bestanden Durch die Verbindung kam aber vor allem jener hohe Bildungsstandard, wie ihn Konstantin VII. repräsentiert hatte, an den Kaiserhof der Ottonen, und zweifellos wurde die Erziehung Otto III, Sohn von Otto II. und Theophanu, dadurch maßgebend beeinflusst.

Nach dem Tod Otto I. (973), des Sohnes Otto II. (983) und Theophanu (991) übernahm Adelheid für den minderjährigen Enkel Otto III. (geb 980) von 991–994 die Regentschaft, war regierende Kaiserin. Gerbert von Aurillac (Papst Sylveseter II.) pries sie, Otto III. verbannte sie nach Schwertleite . Sie starb im Kloster Selz 999.

4.3. Saxones gleich Normannen gleich Wikinger und die Anfänge der englischen Geschichte

– Reduktion der Zeit ständiger Angriffe der Normannen um ca. 300 Jahre

Bekanntlich hatten bereits die Römer Abwehrkämpfe zu bestehen gegen seefahrende Völker, die von Nordosten kommend an der Küste Galliens entlang auf Handels- und Beutezüge gingen. Unter den „Nordmännern“ waren die Saxones berüchtigt. Sie siedelten anfangs im Bereich des westlichen Schleswig-Holstein, östlich davon angrenzend die Angeln. Beide Völker drangen im frühen 3. Jh n.Chr. = 6. Jh. o.Phz. nach Südwesten vor, breiteten sich beiderseits der Elbe und bis in das Gebiet der Rheinmündung aus [68].

  • Constantius kämpfte gegen Nordmänner 288 n.Chr. = 585 n.Chr. mit phz., 294 n.Chr. = 591 n.Chr mit phz. und 313 n.Chr. = 610 o.Phz. [69], Julian Apostata 358 n.Chr. = 655 o.Phz. und Valentinian 370 n.Chr. = 667 o.Phz. [70],
  • Die ständig bedrohte nordwestliche Küste im Bereich der heutigen Normandie bezeichneten die Römer als „Sachsengestade“, unterhielten hier eine gestaffelte Verteidigungslinie, die um die Mitte des 5. Jh. n.Chr. = 8 Jh. o.Phz. nach dem Abzug der Rheinarmee und der Legionen aus Britannien – diese benötigte Stilicho zur anfangs erfolgreichen Abwehr der Ostgoten (Alarich) – zusammenbrach.

Folgerichtig lohnte sich ab 408/10 n.Chr. = 705/07 o.Phz. ohne große Gegenwehr eine Invasion nach Britannien, das bis 442 n.Chr. = 739 o.Phz. in wesentlichen Teilen unter die Herrschaft der Sachsen gelangte [71], und ebenso kam es zur Landnahme an der nordgallischen Küste, stationären Lagern, von denen aus weitere Angriffe bis weit nach Süden vorgetragen wurden.

  • Landnahme durch Sachsen 450 n.Chr. = 747 o.Phz. an der Loire, 455 n.Chr. = 752 o.Phz. Bedrohung der Bretagne, 469 n.Chr. = 766 o.Phz. Belagerung von Angers, 490 n.Chr. = 787 o.Phz. von Nantes, drangen 475 n.Chr. = 672 o.Phz bis zur Garonne vor – mehr als 50 Jahre dauerten die Abwehrkämpfe der Franken, die teilweise als föderierte Generäle der Römer agierten, ohne dass sie der Lage Herr wurden.
  • Ab 440 n.Chr. = 737 o.Phz kamen keltische Bretonen aus England als Siedler in die Bretagne, ein durch die Sachseninvasion in England initiierter Flüchtlingsstrom.

Im Einklang mit der neueren französischen Geschichtsforschung gelang es nach Armin Wirsching [72] Chlodwig, die normannischen Zuwanderer in der Bretagne und Normandie, Sachsen und Friesen, um 490 n.Chr. = 787 o.Phz. zu befrieden, idem er mit ihnen nach römischem Vorbild Bündnisverträge abschloss, die bei Anerkennung der fränkischen Oberhoheit Autonomie gewährten. Es wurde Land zugewiesen, damit war die Übernahme des christlichen Glaubens wohl in der Regel verbunden, und die Romanisierung der „wilden Nordmänner“ konnte starten. Dass die weitere Aufsiedelung durch Normannen bzw. Wikinger, ggf. auch aus Dänemark und Skandinavien, danach erst richtig in Gang kam, liegt auf der Hand.

Bereits ab 490 n.Chr. = 787 o.Phz. und nicht 125 Jahre später 911 nach einem Vertragsabschluß mit einem erfundenen Wikinger Rollo, der – wie es in den Geschichtsbüchern verankert ist, die sich auf 100 Jahre später entstandene fränkische Annalen stützen [73] – die Normandie angeblich 911 von „Karolus Simplex“ zugewiesen erhielt und dadurch befriedet wurde.

Für die angebliche Zerstörung Kölns durch die Normannen 881 gibt es archäologisch keine Anhaltspunkte [74] und ebenso hat die Zerstörung von Worms durch Normannen 891 nie stattgefunden [75]. Dasselbe gilt für Duisburg, Xanten, Koblenz und Aachen [76] Auch ist der Abwehrkampf gegen Normannen in dieser Zeit sowie Alfred der Große selbst (angeblich 871–899) wie der Große Karl eine mittelalterliche Erfindung [3]. Dagegen sind die Wikingereinfälle 994 in Niedersachsen, also nach der Landnahme in der Normandie 787 wohl verbrieft [77]. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die Herrschaft der dänischen Normannen über England unter Knut dem Großen (1014-1042).

Die sog. „Normannenplage“ dauerte also nach realen historischen Aufzeichnungen von 288 n.Chr. = 585 o.Phz. (Constantius) bis um 1000 o.Phz., immerhin ca. 400 Jahre, nicht aber 700 Jahre.

Die endgültige Befriedung der Normannen ist also um das Jahr 1000 o.Phz. eingetreten, als auch die Ungarn sesshaft wurden, und sie liegt damit in jener Zeitspanne des großen Aufbruchs der abendländischen Christenheit, der durch die cluniazensische Reform, verbunden mit der Errichtung vieler Kirchen, Klöster und Bistümer. und der Einführung einer neuen Zeitrechnung „nach Christi“ verbunden war.

1066, nur 280 Jahre nach Zuerkennung der Normandie durch Chlodwig, brachen die nunmehr romanisierten Normannen unter Wilhelm dem Eroberer, erneut nach Britannien auf, um ihren „Kulturschub“ einzubringen, wie er sich zum Beispiel in der englischen Sprache nur allzu deutlich widerspiegelt.

Etwa um die gleiche Zeit ab 1017 traten Normannen als politische Kraft in Unteritalien auf:

  • Angeblich zogen Ritter aus der Normandie, die als Pilger aus Jerusalem heimkehrend dem von Sarazenen belagerten Salerno halfen weitere Normannen nach, Eroberung Siziliens unter Roger I (1061-1091).
  • 1059 ergab sich daraus das von Papst Nikolaus II. akzeptierte Lehnsangebot (Robert Guiscard 1015 – 1085), Apulien, Kalabrien und das noch sarazenische Sizilien umfassend.

Daraus ging schließlich das unteritalienische sizilianische Reich hervor: Roger II. (1101–1154), und nach der Heiratsverbindung mit den Staufern (Heinrich VI. 1190–1197) sah sich der Papst von seinem mittelalterlichen Kontrahenten im Kampf um die Macht eingekreist, was bekanntlich zur Eskalation der Auseinandersetzung zwischen Papst und Herzögen auf der einen Seite und der mittelalterlichen Zentralmacht des Kaisers auf der anderen führte und im Interregnum 1256 bis 1273 endete.

4.4. Slaweneinwanderung

Es besteht in der Literatur wohl Einmütigkeit in der Auffassung, dass die Slawen den in der Völkerwanderung nach Süden und Westen abziehenden germanischen Stämmen nachrückten. Sie setzten sich aus ihrem angestammten Gebiet, das durch den Oberlauf von Weichsel und Oder bis zum Oberlauf von Dnjestr und Dnjepr mit Kiev, Lemberg und Pripjet umrissen wird [78], angetrieben oder mitgeführt von den aus Osten einfallenden Turkvölkern, den Hunnen und später Awaren, etwa zeitgleich im Zeitraum der Völkerwanderung 375–568 n.Chr oder wenig versetzt in Bewegung: Einfall der Goten auf dem Balkan (Schlacht bei Adrianopel 378, Valens gefallen) bis Gründung des Langobardenreichs in Oberitalien 568. Mit Anschluß an unsere Zeitskala, d.h. mit Berücksichtigung der in den Daten n.Chr. enthaltenen Phz. verschiebt sich die Völkerwanderung auf 672-865 o.Phz.

Die Besiedlung durch zahlreiche verschiedene Stämme erstreckte sich von der Elbe und Ostsee über den Balkan bis nach Griechenland, wobei die Südslawen sich mit der Gründung des Bulgarenreiches als erste zu einer eigenen staatlichen Ordnung erhoben und 917 mit Ostrom hart kollidierten.

Dokumentiert sind Operationen der Slawen im Verein mit den Awaren = Magyaren, einem Turkvolk, dass ursprünglich nomadenhaft nördlich des Schwarzen Meeres lebte und alsbald nach Pannonien eindrang, um die Gepiden und Langobarden zu verdrängen und von dort aus die Grenzen des Reiches zu attackieren (Fall der Stadt Sirmium 879 o.Phz.)

Mit den Awaren schloss Justinian 558 n.Chr. = 855 o.Phz einen Vertrag zur Abwehr anderer Stämme. Aus dieser Zeit ist auch erstmals von Slawen (Sklavenoi) als Angreifern aus dem Raum nördlich der Donau die Rede. 626 n.Chr. = 923 o.Phz. belagerten Awaren mit Slawen und Protobulgaren Konstantinopel.

Die frühesten Nachrichten über Slawen stammen von byzantinischen Schriftstellern aus dem 6. Jh. n.Chr.

Jordanes berichtet um 550 n.Chr.= 847 o.Phz in seiner Gotengeschichte unter anderem über die Siedlungsgebiete der Venethi und Sclaveni, und Prokop, Historiker am Hof Justinians, erwähnt in seiner Geschichte der Gotenkriege, dass die Sklawinen oft mit den Awaren (fälschlich als Hunnen bezeichnet) verbündet agieren [79,80]. Theophylakt berichtet, die Sklawinen seien oft Bundesgenossen der Awaren. Die Zeit vom 620 bis kurz nach 800 n.Chr. erweist sich als weitgehend fundleer [80,81]. Slawische Texte liegen erst aus dem 10. Jh. vor, als echte Dokumente erst aus dem 11. bis 12. Jh.

Man muss aber in Betracht ziehen, dass sich in diesem Zeitraum die kulturelle Identität der Slawen erst herausgebildet hat. Noch im 10. Jahrhundert waren die Ostslawen erst im Entstehen begriffen [82,83].

Uwe Topper [80] vertritt die einleuchtende Auffassung, dass der kulturelle Einigungsprozess mit der Einführung der von den aus Tessaloniki stammenden Brüdern Kyrill (827-869) und Metod (815-886) geschaf-fenen Liturgiesprache und –schrift eng verknüpft war. Das Gotische des Wulfila (608-680 o.Phz.) erschien in der Formstufe des 10. Jh. als Altkirchenslawisch, Grundlage aller heutigen slawischen Sprachen.

924 fand eine Synode in Split statt, auf der ein slawischer Bischof für die neue Liturgiesprache eintrat, und für 929 ist der Märtyrertod eines Wenzelaus in Böhmen belegt, weil er für die Einführung der slawischen Kirchensprache stritt.

Unter dem Aspekt der etwa zeitgleichen Herausbildung des Slawentums und angesichts einer durchaus unscharfen Abgrenzung von den Germanen – bekanntlich waren Germanen für die Römer der Sammelbegriff für alle rechtsrheinischen Völker – lassen sich Slawen auch als Ostgermanen begreifen, die im Unterschied zur römisch-fränkischen Identitätsstiftung eine eigene kulturelle Identitätsfindung unter byzantinischem Einfluß erfahren haben.

Uwe Topper [80] schreibt dazu:

„Die in der Völkerwanderungszeit als Germanen bezeichneten multikulturellen Stammesverbände (Ethnien) der Goten, Rugier (= Rus), Wenden usw. gehen in Osteuropa durch die Christianisierung ab dem 10. Jh. in Slawen über.“

Für die Nordwestslawen wird von Manfred Zeller [84] hervorgehoben, dass nach Dendrodaten slawische Wallburgen vor 900 in größerer Zahl nicht nachweisbar sind, anfangs nur mit Holzabstützung, in der zweiten Hälfte des 10. Jh. unter sächsisch-fränkischem Einfluss auch mit Steintrockenmauern. Frühe slawische Keramikfunde vom Prager oder Sukow-Szeligi-Typ in der Lausitz sind vom 6./7. Jh. ins 8./9. Jh. zu platzieren, in Mecklenburg ins 9. und beginnende 10. Jh.

Mit dem Artikel von Alexander Glahn [85] ergibt sich Übereinstimmung, wenn man die Rekonstruktion der Geschichte der Mecklenburg nach Peter Donat bestehen lässt: Die „Slaweneinwanderung“ nach Norddeutschland fand in Verbindung mit der kulturellen Herausbildung des Slawentums nicht im 5. Jh. n.Chr. sondern unter Berücksichtigung der Phantomzeit auf der für uns geltenden Zeitskala im 9. und 10. Jh. statt.

Bis ins 10. Jh. lag die Ostgrenze des fränkischen Gebietes an Elbe und Saale und damit dort, wo sie bereits bei den Merowingern gelegen hatte. Erst danach stießen die Ottonen erfolgreich vor und gründeten ausgehend von Magdeburg unter Otto I. die ersten Marken wie Zeitz, Merseburg, Meißen, wobei das Herrschaftsgebiet (Tributpflicht) bis zur Oder ausgedehnt wurde. Der große Slawenaufstand 982, der für Otto II. mit der Aufgabe ostelbischer Gebiete verbunden war, kann somit als ein Ausdruck einer inzwischen erstarkten slawischen Identität begriffen werden.

Mit der Übernahme des Christentums 988 und der Einführung der kyrillischen Schrift sowie Gründung eines Staatswesens wird die byzantinische Kirche zum Träger der Einigung Russlands: Orthodoxe Christen, kyrillische Schrift und slawische Sprache in Osteuropa stehen von nun ab auf dem Plan der Geschichte. Der Konflikt mit der römischen Kirche – 1054 das Schisma – ist nun auch nicht mehr fern.

4.5. Westgotenreich und Islam

Die Einwanderung der Westgoten mit dem Zentrum in Südgallien im Jahr 415 n.Chr. = 712 o.Phz. (Hauptststadt Toulouse 419) gilt als sicher dokumentiert [86], ebenso die Mitwirkung bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 n.Chr. = 748 o.Phz., in der es im Verein mit römischen Truppen und Burgundern gelang, die Hunnen unter Attila zum Rückzug zu zwingen – der Westgotenkönig Theoderich I. fiel in dieser Schlacht. Seit Eurich 466 – 484 n.Chr. bzw. 763 – 781 o.Phz. waren die Westgoten unabhängig von Rom, und das änderte sich auch zehn Jahre später nicht nach dem Untergang Westroms 476 n.Chr. = 773 o.Phz., obwohl seitens Byzanz mehrfach der Versuch unternommen wurde, die Westgoten „heim ins Reich“ zu holen, zuletzt unter Justinian und, wenn der aus Karthago stammende Herakleios eine historische Person und keine Erfindung des Porphyrogennetos ist, auch in Attacken ab 610 n.Chr = 907 o.Phz., die von ihm initiiert wurden.

Chlodwig setzte in der Schlacht bei Portiers 507 n.Chr. = 804 o.Phz. die endgültige Auswanderung der Westgoten nach Spanien durch, nachdem die Hauptstadt bereits 460 n.Chr. = 857 o.Phz. nach Toledo verlegt worden war. Dieses westgotische Reich umfasste die iberische Halbinsel mit Ausnahme des Nordwestens (Asturien) und eines zeitweilig byzantinischen Südens.

In Spanien und damit auch im Reich der Westgoten wurde fast ein Jahrtausend lang nach einer eigenen Zeitrechnung datiert, der ERA mit dem Bezugsdatum 1. Januar 38 v.Chr. [87] Ein solches Startdatum wurde der Umsetzung in die Inkarnationszählung „n.Chr.“ in Katalonien 1180, in Kastilien 1383 und Portugal 1422 zugrunde gelegt. In Katalonien wurde zur Gotenzeit nach römischen Konsuln datiert, parallel dazu auch nach dem Regierungsjahr des Königs. Zahlreiche Grabsteine und Inschriften belegen die vorislamische Geschichte bis 731 ERA = 693 n.Chr. [86], ein Datum, das auf das Jahr 990 o.Phz und damit zu weit in die Zukunft führt. Ein beträchtlicher Teil der westgotischen Grabsteine und Kircheninschriften mit ERA – Datierung ist aber als gefälscht erkannt worden [88], und auf Grund der Jahrhunderte später erfolgten Umschrift durch die katholisch – christliche Geschichtsschreibung in Jahre „n.Chr.“ ist in zahlreichen Einzelfällen wohl auch das Bezugsdatum der ERA – Rechnung durchaus unsicher.

Die Geschichte des frühmittelalterlichen Spaniens ist mit der des Islam, seines Vordringens auf der iberischen Halbinsel und dem damit verbundenen Untergang des westgotischen Reiches verknüpft, einem Ereignis, das nach herkömmlicher Geschichtsschreibung 711 n.Chr. stattgefunden haben soll: Von den Abbasiden vertriebene Omaijaden (Umayaden) unter Abd ar Rahman seien über Nordafrika bis nach Spanien gelangt, wo sie angeblich 756 n.Chr. das Emirat von Cordoba errichteten , das erst von Abd ar-Rahman III. 929 zum Kalifat erhoben worden sein soll. Archäologische Funde der Mauren sind jedoch in den ersten Jahrhunderten einer angeblichen Islamisierung kaum nachweisbar, treten erst zu Beginn des 10. Jahrhunderts auf [89].

Teile der Moschee zu Cordoba erweisen sich als kaum identifizierbar [3, Seite 106], und einziges Relikt in Toledo ist eine Moschee aus dem Jahr 999 [90]. Dokumentationen über die Eroberung Iberiens in der lateinischen Literatur des west-gotischen Spanien sind kaum vorhanden, stützen sich auf arabische Vorlagen wie die Byzantinisch-arabische Chronik von 741, zitiert nach [91], bzw. auf eine Chronik auf arabischer Seite von Ibn al Hakam aus Ägypten (gest. 871), die in ihrer märchenhaften Ausschmückung als Geschichtsdokument kaum ernst zu nehmen ist [92].

Als unstrittig wird angesehen, dass die gotische Sprache auf der iberischen Halbinsel, wohl weil der prozentuale Anteil der Goten an der Bevölkerung nur einige Prozent betrug, bereits am Ende des 6. Jahrhundert verschwand [93]. Auch liegen archäologische Funde für die Westgoten in Spanien in Gräberfeldern nur bis ins 6. Jahrhundert vor [89,93,94]. Tatsächlich kann überzeugend begründet werden:

Der Untergang des westgotischen Reiches fand nicht 711, sondern bereits 632 n.Chr. bzw. unter Berücksichtigung der Leerzeit 929 o.Phz stattfand, und erst danach sind die Mauren in Spanien historisch präsent.

Die eine Argumentationslinie verfolgt Manfred Zeller [96,62], der aus einer Analyse der Geschichte des Kalifats der Omaijden und deren Einbettung in Ereignisse des byzantinischen und persischen (sassanidischen) historischen Umfelds zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die omaijadische Datierung 711 n.Chr. = 89 n.H. (Hedschra) um 78 Jahre näher an die Antike heranzurücken ist, so dass gilt 711 – 78 + 296 = 929 o.Phz.. bzw. in Übereinstimmung mit Illigs ERA-Rechnung 711 + 38 = 749 ERA + 258 = 1007 –78 = 929 o.Phz. [89] (auf 614 n.Chr. folgt 653 ERA und 911 – 653 = 258).

Nach Heinsohn [90] verschwinden die Westgoten 612/21 im Nachrichtenloch. Davor sind zeitgenössische Texte, Gräber Artefakte und Münzen vorhanden, danach fehlen Texte, Gräber, Bauten, Artefakte fast gänzlich für Westgoten und völlig für Juden, keinerlei Gräber – also auch hier eine Bestätigung der Phantomzeit.

Die für die Geschichte Spaniens daraus zu ziehende Schlussfolgerung verlangt die Streichung oder Gleichsetzung von Namen in der Auflistung westgotischer Könige des 7. Jh. n.Chr mit solchen aus der Zeit davor, führt zur Kürzung der Königsliste von Asturien und Leon, einschließlich von Alfonso III., dem Großen, bis zum ersten König von Leon Ordono II. (914-924), da davor alle quellenlos sind [90], und ebenso schrumpft die Zusammenstellung der Herrscher der Omaijaden in Cordoba, deren erster wohl Abd ar Rahman III. ist, der 932 o.Phz = 632 n.Chr. mit der Einnahme Toledos den Untergang des westgotischen Reiches herbeiführte.

Die Westgoten herrschten in Spanien nur ca. 150 und nicht 250 Jahre – nur vier Worte aus dem Gotischen lassen sich im Spanischen heute noch nachweisen [89].

In einer zweiten durchaus unabhängigen Argumentationslinie greift Klaus Weissgerber [97] die bereits von Manfred Zeller geäußerte Schlussfolgerung auf, wonach die Regierungszeit der Omaijaden um 78 Jahre auf 544 n.Chr zurückzudatieren ist. Auch Mohammed müsse entsprechend früher gelebt haben. Weissgerber zitiert Ali Dashti [98], einen kritischen Islamisten des frühen 20 Jh., der in seiner Mohammed-Biographie darauf verweist, dass nach der Niederlage abessinischer Truppen, die Mekka im „Jahr des Elefanten“ bedroht hatten, Araber ihre Daten von diesem Ereignis ausgehend gezählt haben.

Tatsächlich zog der abessinische König Abraha 543 unter Mitführung eines Elefanten gegen Mekka, um die Kaaba zu zerstören, scheiterte aber 544 n.Chr. wegen einer Seuche im eigenen Heer. Die Koran-Sure 105 „Der Elefant“ nimmt darauf Bezug, und ebenso berichten at Tabari [99] im Mohammed-Buch seiner Weltgeschichte sowie der byzantinische Historiker Prokopios von Caesarea in seinem Werk „De bello Persico“ [100] ausführlich über das Ereignis.

Die frühislamische Zeitrechnung begann demnach nicht mit der Hedschra (konv. 622 n.Chr.) sondern mit Bezug auf unsere Zeitrechnung 544 n.Chr = 841 o.Phz.[96].

Die Geschichtsangaben in den zitierten Werken müssen dann aber gleichfalls veraltet worden sein.

Tatsächlich entstanden die erzählenden Quellen erst im 8. und 9. Jh. [101]. At-Tabari (gest. 923) – er war ca. 20 Jahre jünger als Konstantin VII. – faßte die islamische Geschichte in einem umfangreichen Werk zusammen [99,101], das Konstantin VII. bei seiner Umschrift der abendländischen Geschichtsliteratur zusammen mit anderen arabischen Quellen vorlag und die er mit verarbeitete und wohl zu einem Teil auch seinen Interessen entsprechend „zurechtbog“ [89].

So wissen die islamischen Quellen zum Beispiel nichts von der Rückeroberung Jerusalems durch Herakleios, und an Stelle von diesem wird im „letzten großen Krieg der Antike“ [102] stets Phokas genannt, was darauf schließen lässt, dass die Eroberung Jerusalems durch die Perser bereits früher stattfand: Wir kennen die Geschichte nur durch die „Brille“ des Konstantin VII. Porphyrogennetos.

Offenbar haben enthusiastische Gläubige das Jahr des Elefanten mit dem Geburtsjahr Mohammeds verknüpft.

Das kann aber kaum richtig sein, wenn man das Sterbedatum von Mohammed 632 als gültig ansieht, heißt es doch, dass er im besten Mannesalter starb. Dann kann er aber nicht 544 geboren worden sein. Auch gelangt man ausgehend von dieser Datierung mit der Phantomzeit zu weit in die Zukunft.

Ist aber die Religionsstiftung des Islam mit der Hedschra 622 im Zusammenhang mit dem Konzil von Nicäa 325 n.Chr. = 622 o.Phz.. und der Verurteilung der Arianer erfolgt (Integration der Shi’at`Ali = Partei des Arius in die islamische Gemeinschaft [15,16,], dann sind die drei Jahrhunderte der Phantomzeit in den diesbezüglichen herkömmlichen Daten bereits enthalten. Nach Klaus Weissgerber [97] wurde die Datierung nach Hedschra = 622 n.Chr. von Theophanes Confessor [103,104] im 11.Jh. erfunden und danach von der islamischen Welt übernommen. In diesem Fall bedeutet die Angabe 622 n.Chr in Wirklichkeit 622 o.Phz.

Die frühislamische Zeitrechnung wäre danach von der Zeitrechnung nach Hedschra als abgekoppelt zu betrachten.

Tatsächlich wurde der Text des Korans in der vorliegenden Fassung erst im 10. Jahrhundert fixiert [101,105], und nur in dieser Form ist er uns heute bekannt.

In seinem Kern dürfte der Korantext schon in einem sehr viel früheren Zeitraum entstanden sein [106]. Nach Lüling [107] und Luxenberg [108] erweist sich der Koran in seinen ältesten Teilen als ein aus judenchristlich-arabischer schriftlicher Tradition vorgegebener Text, der vom Propheten neu interpretiert und kommentiert und erst im 9. und 10. Jh. dogmatisch festgelegt wurde.

Mohammed hat das Glaubensgut der Ebioniten, jener streng monotheistischen christlichen Sekte, die aus dem Judenchristentum (in der Abgrenzung zum Heidenchristentum, Paulus) hervorging, übernommen [105], d.h. der Islam war in seinen Anfängen eine jüdisch-christliche Sekte, deren Anliegen es in erster Linie war, die Bibel ins Arabische zu übersetzen, um den Monotheismus unter den Arabern zu verbreiten. [109,110]. Nach Illig [105] hatte die Islamisierung der arabischen Stämme im 4.Jh. n.Chr. (7.Jh. o.Phz.) zunächst nur lokalen Charakter.

Interessant erscheint der Gedanke: Wenn der Islam vor der Dogmatisierung seiner Lehre eine jüdisch-christliche Sekte war, dann war auch erst nach seiner dezidierten Trennung vom Christentum um die Jahrtausendwende ein Anlaß für die katholischen Kreuzzüge gegeben [109].

Es ergibt sich daraus der Schluß, dass der Islam stark vom streng monotheistischen Arianismus beeinflusst war oder sogar aus ihm hervorging [101]. Bekanntlich stand man in Nordafrika der Vereinnahmung der christlichen Lehre durch die römische Staatsmacht ab 323 n.Chr. = 620 o.Phz. stets ablehnend gegenüber: Häresie der Donatisten. Auch hinterließen die Vandalen als Arianer aus der Zeit ihrer Herrschaft in Nordafrika 429–534 n.Chr. = 718-831 o.Phz. in der Basisbevölkerung zweifellos arianisches Glaubensgut, das der Ausbreitung des Islam nach 622 förderlich war. Für die im 5. Jh. n.Chr. = 8.Jh. o.Phz. im Abwehrkampf gegen die katholischen Franken stehenden Westgoten waren muslimische Prediger, die von Afrika herüberkamen, in einem solchen Kontext willkommene Gäste. Die Invasion im 10. Jh. durch Abd ar-Rahman III. mit der Gründung des Kalifats von Cordoba 929 und der Auslöschung des westgotischen Reiches 932 mit der Einnahme von Toledo und der raschen Ausbreitung des Islam über die iberische Halbinsel mit Ausnahme des christlich bleibenden Nordwestens hätte dadurch eine langfristige Vorbereitung erfahren. Bereits ab 1087 setzte dann die Reconquista ein, die bekanntlich bis 1492 andauerte.

Uwe Topper [92] entwirft, gestützt auf das Lebenswerk des spanischen Historikers Ignaz Olagüe [111], ein gegenüber der offiziellen Darstellung alternatives Bild von der frühen Geschichte Spaniens:

“Die angebliche arabische Invasion Spaniens 711 n.Chr., tatsächlich also mit ERA und o.Phz. 929, wurde durch christliche Historiker in die Welt gesetzt, indem sie einige obskure arabische Legenden dazu ausbauten und als Fakten vorbrachten, um einer katholischen Rückeroberung den Boden zu bereiten.“

Tatsächlich gab es in der Endphase des westgotischen Reiches nach dem Tod von König Witiza [702-710 n.Chr. bzw 928 mit ERA und o.Phz.) bürgerkriegsähnliche Zustände und 711 auch eine Schlacht in Südandalusien zwischen Cadiz und Algericas. Daraus wurde die arabische Invasion gezimmert, deren geistiges Fundament die Abwehrschriften der Kirche gegen das Ketzertum des Arianismus waren.

Der innere Zwist am Ende des Westgotenreichs habe es einigen Berberstämmen, die von den Goten in Andalusien und Nordafrika als Hilfsheere benutzt wurden, ermöglicht, einen großen Teil der iberischen Halbinsel unter ihre Herrschaft zu bringen, und erst im Laufe der Zeit danach kam eine sunnitische Islamisierung Andalusiens ausgehend von Cordoba zustande.

5. Zu den nicht stattgefundenen Ereignissen der Geschichte des frühen Mittelalters, die zu streichen sind.

Die Geschichtswissenschaft des frühen Mittelalters steht heute vor der Aufgabe, jene Geschichten, die in das Reich der Fama und Märchenbücher gehören, klar abzugrenzen von den Ereignissen und historischen Abläufen, die tatsächlich stattfanden. Standardwerke jener Zeit sind neu zu schreiben und von all den Unwahrheiten und Lügen zu entrümpeln, an die wir uns gewöhnt haben. Der jungen Generation in Schulen und an Universitäten ist Geschichte zu vermitteln und mitzuteilen, wann der Boden der Tatsachen verlassen wird, Unsicherheit besteht oder gar Märchenstunde angesagt ist.

Die römische Antike und mit ihr die enormen Leistungen einer Kolonisierung weiter Teile Westeuropas sowie des Nahen Ostens liegen um drei Jahrhunderte näher an unserer Zeit. Es rücken damit zugleich auch die Ereignisse um die Stammesverbände der Völkerwanderung und die aus deren Wechselwirkung mit dem Römischen Reich erwachsenen gesellschaftlichen Strukturen, die in Staatsgründungen des Mittelalters einmündeten, um drei Jahrhunderte näher an uns heran. Die Religionsstiftungen des Christentums und des Islam sind in den Anfängen aufs engste miteinander verwoben. Sie reflektieren in der Abgrenzung des von den Römern hart gestraften Judentums das Ringen um die Durchsetzung eines konsequenten Monotheismus in der Auseinandersetzung mit katholischer Vielgötterei (Trinitätsdogma. Muttergotteskult etc.) und haben sich etwa zeitgleich bzw. zueinander zeitlich wenig versetzt herausgebildet.

Das Frankenreich der Merowinger ab 797 o.Phz. endet zu Beginn des 10. Jh. Konrad I. nimmt 911 in Ostfranken das Heft in die Hand und überträgt 919 die Königswürde an den verbündeten Sachsenherzog Heinrich I., woraus ab 962 das neue Kaisertum der Ottonen hervorgeht, die mit dem Anspruch der Erneuerung und Nachfolge des Römischen Reichs das „Heilige Römische Reich“ repräsentieren, das Deutschland, Italien und Burgund umfasst. In Westfranken erstarkt das Königtum ab 987 unter den Kapetingern.

Da ist kein Platz für die zahlreichen Karolinger unserer Geschichtsbücher. Sie sind überwiegend zu streichen, haben sie doch außer gefälschten Urkunden nichts Greifbares hinterlassen – dafür einen Mythos, der allenfalls für Preisverleihungen tauglich ist, wohl aber auch massenhaft von Klöstern, Städten, Personen, vor allem Adligen, zwecks Aufpolierens der Herkunft bzw. Aufbesserung des eigenen Stammbaums missbraucht wird.

Das ist ähnlich wie mit Bonifatius, dem Schutzpatron der deutschen Bierbrauer – übrigens auch von Erfurt -, von dem erwiesen ist, dass seine Figur von Eberhard von Fulda um 1150 in der Klosterzelle erfunden wurde [112,113]. Man sollte doch also bitte damit aufhören, den Kindern in der Schule seine angeblichen Untaten bei den Friesen zu schildern, für die er mit seinen Mannen dann erschlagen worden sein soll. Das gehört in die Märchenstunde und nicht in den Geschichtsunterricht.

Gleiches gilt für die Schlacht bei Tours und Portiers, in der 732 das christliche Abendland angeblich durch das Eingreifen von Karl Martell, den Großvater vom Großen Karl, gerettet wurde, indem er 375 000 Sarazenen aus Südfrankreich zurückschlug [114]. Eine solche Auseinandersetzung hat nie stattgefunden, allenfalls 507 n.Chr = 804 o.Phz. die Vertreibung der auf Grund ihres arianischen Bekenntnisses als Ketzer verschrienen Westgoten aus Aquitanien durch die inzwischen zum Katholizismus übergetretenen Merowinger mit ihrer Herrschaftsadministration katholischer Bischöfe in Franken. Es gab um diese Zeit auf der iberischen Halbinsel noch keine Muslime, die angeblich 711 n.Chr. über die Meerenge von Gibralter eingedrungen waren, das westgotische Reich zerstörten, um bereits 21 Jahre später mit einem riesigen Heer in Südfrankreich einzufallen – wohl aber in der Abgrenzung zur katholischen Staatsreligion der verhassten römischen Kolonialmacht in Konstantinopel ein in der Bevölkerung verwurzeltes arianisch – christliches Glaubensbekenntnis, das dem Islam, als er von Nordafrika nach Spanien sukzessive übergriff, durchaus nahe stand. Ist das Datum 711 aber als omaijadisch zu interpretieren und für die richtige Relation zu unserer Zeitskala um 78 Jahre zurückzusetzen und sodann durch die Phantomzeit zu korrigieren, dann ergibt sich das für das Auftreten des Islam in Spanien (Gründung des Kalifats von Cordoba) zutreffende Datum 929.

Im frühmittelalterlichen Spanien sind folglich in der herkömmlichen westgotischen Königsliste ca. 11 Herrscher als nicht existent zu streichen, vermutlich ab Gundemar (610–612 n.Chr. = 907–909 o.Phz.) – er verteidigte sich angeblich noch gegen Angriffe des Herakleios – bis Wittiza, dessen Regierungszeit 702-710 bei omaijadischer Interpretation mit Phantomzeit auf 921-929, das erste nachgewiesene Auftreten der Araber in Spanien, führt, womit das Westgotenreich endet. Parallel dazu sind von den 13 quellenlosen Königen von Asturien und Leon zwischen 717 und 913 n.Chr., die im 17./18.Jh. noch genannt wurden, 9 bereits gestrichen worden. Lediglich 4 weitere werden noch aufgeführt, davon drei Alfonsos, die einschließlich Alfonso III. dem Großen gleichfalls der Fama zuzuordnen und daher aus der geschichtlichen Darstellung zu eliminieren sind [90].

Für das frühmittelalterlichen Italien ergibt sich unter Berücksichtigung der Phantomzeit mit der Errichtung des Langobardenreichs 865 o.Phz. zwangsläufig die Streichung sämtlicher Prätendenten des nach christlicher Zeitrechnung fiktiven 7., 8. und zum Teil auch 9. Jh. – diese beziehen ihre Abstammung auf nicht existente Karolinger –, und ebenso sind die Päpste und die ihnen zugeordneten Fabeln einschließlich „Konstantinischer Schenkung“ und „Pippinscher Schenkung“ als historische Fälschungen einzustufen [115,116]. Nach den Gründungsvätern des Langobardenreichs (Alboin etc.) ist Berengar I. als König von Friaul 891–924 eine greifbare historische Figur, und erst jetzt dringen die Franken mit Arnulf von Kärnten, einem natürlichen Merowinger – vom Papst in der Auseinandersetzung mit Langobarden herbeigerufen – über die Alpen vor. In den Wirrungen nach seinem frühen Tod, kriegerischer Auseinandersetzung und Versöhnung mit Hochburgund gelangt Adelheid, die Tochter Rudolfs von Hochburgund an den Königshof in Italien, und auf ihre Bitte hin – sie ist inzwischen eine Gefangene – interveniert Otto I. 951 und beendet die eigenständige Herrschaft der Langobarden auf seinem zweiten Italienzug im Zusammenhang mit seiner Kaiserkrönung 962.

In Byzanz verbindet sich mit der von Konstantin VII. (Kaiser 911–959, autark regierend ab 944) installierten Absetzung seiner Zeitgeschichte und der daran geknüpften Veraltung der römisch-griechischen Antike um 297 Jahre die vermutlich sukzessive Erfindung von 25 Kaisern einschließlich Mitkaisern, die auf Grund der heute vorliegenden Erkenntnisse aus der Geschichte zu streichen sind. Er selbst „Porphyrogennetos“ trägt sich als Sohn des erfundenen Kaisers Leon VI. in die Geschichte ein [59], ist aber selbst möglicherweise ein Abkömmling von Kaiser Phokas (602-610 n.Chr. = 899-907 o.Phz.), der seinen tatkräftigen Vorgänger Maurikios (582-602 n.Chr. = 879-899 o.Phz.) vom Thron stieß und mit seinen 5 Söhnen ermorden ließ, außenpolitisch große Verluste in der Auseinandersetzung mit den Sassaniden hinnehmen musste und schließlich nach der Geschichtsschreibung des Konstantin VII. von Herakleios (610-641 n.Chr. = 907 – 938 o.Phz.) hingerichtet wurde. Herakleios, ehemals Flottenadmiral und Sohn des Exarchen von Karthago, der angeblich wahre Wunder der Kriegskunst vollbrachte, könnte im Zusammenhang mit der Zurücksetzung der Geschichte aber auch eine Erfindung des Porhyrogennetos sein [59]. Auch seine Gleichsetzung mit Romanos Lakapenos, jenem Emporkömmling (ebenfalls Flottenadmiral), der Konstantin VII. zwei Jahrzehnte lang die Wahrnehmung seiner Kaiserrechte verwehrt haben soll oder gar, dass Herakleios = Lakapenos gegebenenfalls als der Vater von Konstantin VII. anzusehen ist, sind in Betracht gezogen worden. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass Phokas länger regierte, benennen doch persische Quellen in der Beschreibung von Ereignissen im “letzten großen Krieg der Antike“ [97] stets nur Phokas als Gegner.

Im Ergebnis einer umfangreichen Studie von Klaus Weissgerber [117,118] ist die Existenz einer Phantomzeit in der Geschichte des zu Byzanz benachbarten Bulgarien auf Grund archäologischer Befunde und ebenso aus der Analyse schriftlicher Primärquellen gleichfalls eindeutig belegt. Die turksprachigen Altbulgaren bildeten den Kernverband des hunnischen Attilareiches und agierten nach dessen Untergang 453 n.Chr.= 750 o.Phz. in Südosteuropa weiter, konnten nach dem Abzug der Ostgoten unter Theoderich nach Italien 489 n.Chr.=786 o.Phz. regelrecht nachrücken: Landnahme und Gründung des altbulgarischen Reiches durch Asparuch 528 n.Chr. = 825 o.Phz. Mit einer Leerzeit von 614 bis 911, in der weder archäologische Funde noch zuverlässige schriftliche Dokumente feststellbar sind – diese fehlen zwischen 626 und 813 n.Chr. völlig –, ergibt sich eine geschlossene Herrschaftsabfolge, deren Daten vor 614 durch Hinzunahme von 297 Jahren Phantomzeit an unsere Zeitskala herangeführt werden kann.

Ähnlich überzeugend sind die Belege zum Vorhandensein einer ca. dreihundertjährigen Leerzeit in der Geschichte der Besiedlung des Karpatenbeckens nach dem Abzug der Hunnen 454 n.Chr. = 751 o.Phz. Zunächst nutzten bekanntlich Langobarden, Gepiden und zum Teil Ostgoten das „Vakuum“. Sie wurden durch die heranrückende Welle der Awaren und Ungarn, ggf. Awaren = Ungarn [63,119], bereits 100 Jahre nach dem Tod Attilas um 555 n.Chr.= 852 o.Phz. veranlasst, weiter zu ziehen: Langobarden gründeten 568 n.Chr. = 865 o.Phz auf den Trümmern der heruntergekommenen Ostgotenherrschaft ihr Reich in Norditalien. Die Landnahme der Ungarn unter Arpad aber wird in der „Ungarischen Bilderchronik“ [120] unter der Jahreszahl 600 n.Chr. datiert. In der Nestorchronik [121] heißt es, dass die Ungarn 898 Kiew passierten – dazwischen liegen 298 Jahre. Und Konstantin VII. dokumentiert in seiner Geheimschrift „De administrando imperio“ 948 Gespräche mit dem Urenkel Arpads: 955 Schlacht auf dem Lechfeld! Stephan I. gehört nach Weissgerber [119] der 4. Generation nach Arpad an. Die Kriegszüge des Großen Karl gegen die Magyaren passen da nirgendwo hinein, sind also erfundene Stories.

Bemerkenswert ist, dass in der Geschichte Polens die Flurbereinigung des frühen Mittelalter zwischen 550 bis ca. 920 von zwölf fiktiven Königen und einer Königin, die von Chronikschreibern des Hochmittelalters erfunden wurden und die bis 1780 jedes Schulkind zwischen Schwarzem Meer und Ostsee auswendig hersagen können musste, bereits zur Zeit der Aufklärung wirksam verfolgt und durchgesetzt werden konnte [122]. Im Auftrag des Königs, eine polnische Geschichte für die nationalbewusste Erziehung der nachwachsenden Elite zu schreiben – Polen wurde gerade geteilt -, verwarf Adam Naruszewicz [123] in seiner „Geschichte des polnischen Volkes“ Bände II bis VII, die zwischen 1780 bis 1786 erschienen, das erlogene Panorama der Frühzeit. Polens quellengesicherte Geschichte beginnt seitdem mit Mieszko I. aus dem Stamme der um Gnesen beheimateten Polanen, geboren um 921, der 966 das Christentum annimmt und Kaiser Otto III. 986 den Vasalleneid leistet. Seitdem spricht in Polen niemand mehr über jene erlogenen Märchen, die einst Schulbücher füllten und als wahre Begebenheiten in die Köpfe hineinprojiziert wurden.

Auch in Schweden hat die Aufklärung reinen Tisch mit Fiktivherrschern gemacht [124]. Friedrich Rühs [125], 1802 Privatdozent in Greifswald, also Untertan von König Gustav IV. Adolf, ab 1810 in Berlin und später Historiograph Preußens, löschte mit nüchternem Verstand 42 Herrschernamen aus, die seitdem aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sind, einst aber Unterrichtsbücher füllten, die in Wirklichkeit größtenteils erfundene Geschichten, also Märchen enthielten.

So schließt sich der Kreis, indem nochmals die Normannen angesprochen werden, die als seefahrende Nomaden raubend und plündernd 700 Jahre lang Städte bis tief ins Binnenland überfallen haben sollen, andrerseits aber als Geschäftspartner, die den Fernhandel repräsentierten, auch willkommen gewesen sein müssen. Die Reduktion dieser Zeitspanne auf ca. 400 Jahre wurde bereits begründet. Dass aber die Horrorgeschichten von Brandschatzungen diverser Städte, deren Stadtchroniken von derartigen Überfällen berichten, gleichfalls Fälscherwerkstätten entstammen, weil sie sich in keiner Weise belegen lassen, zumal, wenn sie in der Phantomzeit 614 bis 911 n.Chr. liegend datiert sind, zeigt Fabian Fritzsche in seiner Abhandlung „Wikinger in Deutschland“ [76]. Er kommt zu dem Schluss: Weder die Hammaburg, noch Xanten, Duisburg, Köln, Worms, Koblenz, Trier, das Kloster Prüm oder Aachen, die sämtlich in Jahren, die der Phantomzeit zugehören, dokumentieren, wenigstens einmal von den Wikingern geplündert und gebrandschatzt worden zu sein, wurden jemals überfallen: Keine Brandspuren, keine Gebäude, keine Gräber mit entsprechenden Grabbeigaben oder sonstigen Hinweise. Dienten diese Scheindokumentationen der Kaschierung, sollten doch in der Phantomzeit, die auf dem Papier mit erfundener Geschichte gefüllt wurde, später keine Bauwerke zu finden sein, weil sie bei Plünderungen angeblich der Zerstörung anheim gefallen seien?

England blieb bis 1066 der skandinavischen Welt der Saxones = Wikinger verbunden entsprechend der Herkunft der Sachsen Jüten und Angeln, die etwa ab der Mitte des 5. Jh. bzw. 8. Jh. o.Phz. in weiten Teilen der Insel mit Ausnahme von Wales und Schottland ihre Herrschaft errichteten. Norweger und Dänen folgten ihnen in mehreren Wellen nach, siedelten sich besonders an der Ostküste und weiter nördlich an. Der Fortbestand politischer Zersplitterung wurde dadurch befördert. Die Christianisierung der keltischen Basisbevölkerung einschließlich Wales erfolgte der Überlieferung nach bereits zu römischer Zeit im 4. Jh. bzw. 7. Jh. o.Phz., in Irland im 5. bzw. 8. Jh. durch Patrick , eines in Gallien erzogenen römischen Bürgers in Britannien. Die Missionierung der Angelsachsen soll ab 600 n.Chr.= 900 o.Phz. durch vom Papst abgesandte Mönche zustande gekommen sein. Die Herrscherliste angelsächsischer Könige weist zwischen 514 und 802 nach herkömmlicher Datierung eine ca. dreihundertjährige Lücke auf [126]. Berücksicht man die Phantomzeit, kann allenfalls Ethelstan 924–939 n.Chr. als erste reale historische Person angesehen werden und seine Vorläufer einschließlich Alfred der Große, dem ähnlich märchenhafte Kulturleistungen angedichtet wurden wie dem Großen Karl, sind aus den Geschichtsbüchern zu streichen [siehe auch 3, Seite 96]. Eine Blütezeit wird unter König Edgar 979-975 n.Chr. dokumentiert: Kirchenreform Erzbischof Dunstans von Canterbury, volkssprachliche angelsächsische Literatur. Sein Nachfolger Ethelred II unterliegt dem Däneneinfall, und unter Knut dem Großen (1016–1035 n.Chr.) gelingt endlich die Überwindung der politischen Zersplitterung in England. Die Entwicklung mündet nach erneuter Übernahme der Macht durch die angelsächsische Dynastie unter Eduard, dem Bekenner 1042–1066 in die Bindung Englands an die Normandie, und wieder sind es die – nunmehr allerdings romanisierten – Normannen, die den weiteren Geschichtsablauf auf der Insel prägen.

6. Schlussbemerkungen

Dass die Geschichte des Mittelalters voller Fälschungen und erfundener Histörchen ist, die oftmals in Legenden einmünden, in denen sich Dichtung und Wahrheit unentwirrbar durchdringen, ist allgemein bekannt und anerkannt.

Heribert Illig [2,3] entwickelt in seinen Büchern in eindrucksvoller Weise die in jedem untersuchten Einzelfall zweckgebundenen Beweggründe für die Abfassung erfundener Geschichte, und er macht auch die offenbar professionellen Zentren aus, die Geschichte für die auszufüllende Phantomzeit erfanden oder umschrieben. Es gab schließlich Auftraggeber, die sich zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele, z,. B. im Investiturstreit, mit entsprechenden Argumenten und Dokumenten glaubten rüsten zu müssen. Eine dieser Fälscherwerkstätten mit weitreichenden Verbindungen war zweifellos das Kloster von Saint-Denis bei Paris. Zu der gleichen Auffassung gelangt auch Stephan Albrecht [127], der in seinem Buch „Die Inszenierung der Vergangenheit im Mittelalter – Die Klöster von Glastonbury und Saint Denis“ aufzeigt, wie man Geschichte von der Architektur bis zu den Dokumenten und Grabinschriften konstruierte, um im Wettstreit, wer ist älter und mit seiner Vergangenheit näher an den Anfängen der Christenheit, zu bestehen – hingen daran doch bedingt durch Pilgerströme wirtschaftliche Einkünfte, z. B. Reliquienhandel, um nur zwei Beweggründe zu nennen.

Erlogene Geschichte, z. B. die „Konstantinische Schenkung“, hielt sich bis ins 19. Jh., obwohl bereits Otto III. den damit begründeten territorialen Anspruch des Papstes als Fälschung bezeichnet hatte, was im 15. Jh. ausdrücklich bestätigt wurde. Ebenso ist das 756 als Pippinsche Schenkung verzeichnete Versprechen, Basis für die Begründung des Kirchenstaates, als eine Fälschung einzustufen, die in den Schreibstuben des Lateranpalasts entstand, wurde doch dem Papst nach diesen Urkunden praktisch ganz Italien und Korsika mit Ausnahme der Lombardei zugesprochen [128]. Es ist eigentlich unverständlich, dass ungeachtet dessen die sogenannte Pippinsche Schenkung immer weiter kommentarlos in Geschichts-büchern wiedergegeben wird – auch im Grossen Ploetz von 1999 [126, Seite 378] und dann natürlich auch in Schulbüchern – bleibt eigentlich unverständlich: Schulkinder reagieren mit fragenden Blick, wenn man ihnen sagt, die Pippinsche Schenkung sei erwiesenermaßen eine Fälschung. Natürlich resultierte aus dieser Selbstbedienung des Vatikan reale Geschichte – der Kirchenstaat entstand damals und besteht in seiner geographisch miniaturisierten Ausgestaltung bis heute. Er entstand aber ganz anders, sehr wahrscheinlich durch päpstliche Aneignung von Konkursmasse aus dem zusammenbrechenden arianischen Reich der Ostgoten in Italien nach Theoderich. Generiert eine Lüge historische Realität, die sich auf den weiteren Geschichtsablauf nachhaltig auswirkt, bleibt man bei der Lüge! Muß das so sein?

Ein weiteres Beispiel von ggf. dreisterer Art ist das Privilegium Maius, das Rudolf IV. von Habsburg 1358/59 offenbar aus Frust darüber, dass das Haus Habsburg keinen Platz im 1356 (Karl IV., Goldene Bulle) definierten Kurfürstenkollegium zugesprochen erhielt, offerierte, wonach Habsburger als Erzherzöge von Geburt an Anspruch haben, als deutsche Könige und Kaiser gewählt zu werden.– Petrarca war ob solcher Unverschämtheit besonders erbost. Zwar nicht sofort, aber ab 1438 mit Kaiser Albrecht II. setzte sich dieser Anspruch bis 1740 in ununterbrochener Folge durch und mit der Pragmatischen Sanktion Karls VI. für Maria Theresia noch weit darüber hinaus bis zum Ende der Monarchie 1918. Obwohl völlig ungerechtfertigt, wurde den Habsburgern der aus dem Erzherzogstitel resultierende Anspruch, Thronfolger zu sein, bis in unsere Zeit nicht aberkannt. Inzwischen ist die Geschichte darüber hinweg gegangen.

Beide Beispiele zeigen, wie schwer es selbst sogar in ganz offensichtlichen Fällen ist, der historischen Wahrheit im öffentlichen Bewusstsein Geltung zu verschaffen. Um wie viel mehr muss das für eine derartig grundlegende und umfassende Korrektur der Geschichte des Mittelalters gültig sein, die Heribert Illig durch sein systemanalytisches Vorgehen auf die Tagesordnung gesetzt hat.

Aus Gründen der Wahrheitsfindung und anzumahnenden Ethik in der Geschichte als Wissenschaft wäre es aber wohl an der Zeit, das Totschweigen und Übergehen der bahnbrechenden Erkenntnisse von Heribert Illig und der Mannschaft zu beenden, die um ihn herum unermüdlich Stein auf Stein setzt und immer wieder objektiv zu dem Ergebnis von ca. drei leeren Jahrhunderten im Mittelalter gelangt, die artifiziell und bei im allgemeinen politischer Zweckbindung mit erfundener Geschichte ausgefüllt wurden.

Warum gelang zur Zeit der Aufklärung die Streichung vergleichsweise umfangreicher erlogener Phasen der nationalen Geschichte in Polen und ebenso in Schweden, unterstützt von den damaligen Regierungen und dann auch von der Öffentlichkeit aufgenommen und verinnerlicht? Wird in unserer Zeit kritischer Geist, bei der Ergründung komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge der Vergangenheit in die Tiefe zu denken und nach objektiver Erkenntnis zu streben, von der Flut an Informationen, die uns täglich überschütten, erstickt und bildet sich infolge der dabei erzeugten Oberflächlichkeit, die nur noch „Spaß“ kennt, womöglich eine Art von besonders verstocktem Konservatismus heraus?

Es ist eine Erfahrung in der Geschichte der Wissenschaft, dass sich bedeutende Erkenntnisse und Einsichten, die eine Entwicklung auslösten und die Menschheit voranbrachten, sehr häufig gegen retardierende Kräfte anzukämpfen hatten – meistens waren es Personen und Institutionen, die ihre Pfründe in Gefahr sahen und die neue Wahrheit aus Bequemlichkeit oder egoistischen Motiven nicht wahrhaben wollten. Die Durchsetzung der realen Erkenntnis des Kopernikus über unser Sonnen- und Planetensystem, die Überwindung der Phlogiston-Theorie zur Erklärung von Verbrennungsprozessen durch das Konzept der Oxidation mittels Sauerstoff oder der lange Kampf um die Anerkennung des atomaren Aufbaus der Stoffe in der Auseinandersetzung mit den Energetikern des 19. Jahrhunderts sind dafür beredte Beispiele. Neben sachlicher Argumentation kam und kommt dabei nur allzu häufig ein ganzes Arsenal von Methoden zur Unterdrückung des Neuen und Unkonventionellen zur Anwendung. Anstelle von Folter, Abschwören, Hausarrest und Schreibverbot der Frühzeit sind heute in der Regel das Ausüben von moralischem und/oder wirtschaftlichem Druck, sog. „Mobbing“, getreten, auch Berufsverbot, oder man wird von der betreffenden Gilde, die das Sagen hat und die öffentliche Meinung reglementiert, einfach totgeschwiegen.

In einem solchen Kontext ist die Lektüre „Preußen von gestern und der Islam von morgen“ im zweiten Heft der Zeitensprünge 2007 durchaus bedrückend, in der Günter Lüling [129] den Zeitgeist einer antiquierten erzkonservativen Fachgilde an deutschen Hochschulen schildert, die ihn als namhaften Islamisten persönlich sowie seine grundlegenden neuen Erkenntnisse über den Urkorantext jahrzehntelang unterdrückt haben. Möge seine wachsende internationale Reputation dazu beitragen, dass das Wirken jener Dunkelmänner alsbald der Vergangenheit angehört..

Fabian Fritzsche [130] deutet in seiner Heribert Illig gewidmeten “Geburtstagsapotheose” den Vergleich mit der Situation von Alfred Wegener an, der ab 1912 nach Bekanntgabe seiner Theorie von der Kontinentaldrift und Plattentektonik unseres Planeten mehr als vier Jahrzehnte lang verhöhnt wurde – heute gilt seine Erkenntnis als eine allgemein akzeptierte Theorie über die Evolution unserer Erde.

Ebenso gewiss ist, dass sich die von Heribert Illig begründete Erkenntnis einer notwendigen Korrektur unser Kulturgeschichte im frühen Mittelalter durchsetzen wird. Möge der Start in eine neue Aufklärung, die sich auf reale, für die Gründung der Zukunft tragfähige Geschichte stützt, nicht zu lange mehr auf sich warten lassen.


1In allgemeinverständlicher komprimierter Form wurde der Themenkomplex von Heribert Illig 2007 auch in der Zeitschrift P.M. History abgehandelt [131].

(…)

Quelle: http://www.fantomzeit.de/?p=212

Gruß an die Geschicht-s-ENschreiber

TA KI