Runen Rad Runen Rat


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bei Germanenherz

Runen sind nicht einfach nur Schriftzeichen.

Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder Körperhaltung freisetzen kann. Runen sind wie Schlüssel zu bestimmten Energien… wenn du weisst wie du Energie lenken und kanalisieren kannst, dann musst du eigentlich nur den Schlüssel betätigen (durch die fuer dich passendste Methode) , dir Zugang zu dem Energie-Feld “hinter” der Rune verschaffen.

 

folgende Links nutzen. Die Runenbeiträge liegen noch auf  mein Google Blogspot werde sie aber die Tage hier im Blog einarbeiten
Buchvorstellung zum Thema Runen
Der kosmische Ursprung der Runen **
Runen wissenschaftliche Evolutionsforschung  **
Odins Runen – unsere Schrift **
Runen selbst herstellen **
Kleine Runenkunde
Am Anfang war das Wort
Runen 24er futhark  **

Runenmagie
Mittelalterliche Geheimrune n
Germanenherz_Toto_Haas_Runenrad Wenn du dich entschlossen hast dich mit den Runen zu beschäftigen so werden sie dich nicht mehr loslassen. Der Ruf der Runen ist sehr stark, das war er schon von alters her. Bereits unsere Vorfahren haben sich mit den Runen beschäftigt. Bei den Runen gibt es zwei verschieden Systeme sie zu benutzen. Das eine ist das sie als Schrift fungieren der zweite Aspekt, der meiner Meinung nach viel wichtigere, ist es sie als magisches System zu erkennen. Im magischen Sinne können Runen sehr viel tun. Mit ihnen kann man Dinge und Personen schützen oder Eigenschaften verändern.
Wenn du die Runen wirklich erkennen willst so musst du dahin gehen wo die Runen früher benutzt wurde. Finde alte Kraftorte, Eichenhaine, Hügelgräber oder Bergkuppen. An diesen Plätzen sind diese Symbole durch das viele Arbeiten mit ihnen immer noch präsent. Tausende Schamanen vor dir haben an diesen Plätzen ihr Wissen vertieft, weitergegeben oder gefunden. Im Beschäftigen mit der Natur erschließt sich die Bedeutung der Runen auch für uns. Runen sind Symbole für die Natur und für den Menschen. Auch für das Zusammenwirken von Mensch und Natur sind Runen ein Symbol.
Odin hing am Weltenbaum als er die Runen „fand“. Das bedeutet nicht dass du dich auch an einen Baum hängen sollst aber in die Natur musst du gehen. Verlasse die Stadt und mache dich auf um im Wald an einem Bach zu Meditieren. Finde deine Kraft unter einer mächtigen, tausend Jahre alten Eiche. Denke über die Natur nach und über das was die Natur dir mitteilen will. Finde deinen eigenen Zugang zur Natur, zu den Runen und zur geistigen Welt. Verbinde dich mit Odin, Thor, Thyr, Freya mit allen deinen Vorfahren und deren Göttern.
Den Einstig und Beginn der Runen findest du hier im Blog doch die Bedeutung für dich die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.
.
Gruß an die Wissenden
TA KI
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Odins Runenlied


In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden. Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er als Belohnung die Einweihung in die Runenmagie. Er empfing achtzehn mächtige Zauberlieder, von denen jedes einer Rune entsprechen könnte. Die Namen oder Formen der Runen werden in dem Lied nicht erwähnt, aber wenn man die Bedeutung der Runen kennt, erkennt man sie im Runenlied (altnordisch: Rúnatal) wieder.

Auf der linken Seite wird hier das altnordische Original wiedergegeben, auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung.

erdenbaum
Veit eg, að eg hékk
vindga meiði á
nætur allar níu,
geiri undaður
og gefinn Óðni,
sjálfur sjálfum mér,
á Þeim meiði,
er manngi veit,
hvers hann af rótum renn.

Við hleifi mig seldu
né við hornigi,
nýsta eg niður,
nam eg upp rúnar,
æpandi nam,
féll eg aftur Þaðan.

Fimbulljóð níu
nam eg af inum frægja syni
BölÞórs Bestlu föður,
og eg drykk of gat
ins dýra mjaðar,
ausinn Óðreri.

Þá nam eg frævast
og fróður vera
og vaxa og vel hafast.
Orð mér af orði
orðs leitaði,
verk mér af verki
verks leitaði.

Rúnar munt Þú finna
og ráðna stafi,
mjög stóra stafi,
mjög stinna stafi,
er fáði fimbulÞulur
og gerðu ginnregin
og reist Hroftur rögna,

Óðinn með ásum,
en fyr álfum Dáinn,
Dvalinn dvergum fyrir,
Ásviður jötnum fyrir,
eg reist sjálfur sumar.

Veistu hve rísta skal?
Veistu hve ráða skal?
Veistu hve fáa skal?
Veistu hve freista skal?
Veistu hve biðja skal?
Veistu hve blóta skal?
Veistu hve senda skal?
Veistu hve sóa skal?

Betra er óbeðið
en sé ofblótið,
ey sér til gildis gjöf.
Betra er ósent
en sé ofsóið.
Svo Þundur um reist
fyr Þjóða rök,
Þar hann upp um reis
er hann aftur of kom.

Ljóð eg Þau kann
er kannat Þjóðans kona
og mannskis mögur.
Hjálp heitir eitt
en Það Þér hjálpa mun
við sökum og sorgum
og sútum gervöllum.

Það kann eg annað
er Þurfu ýta synir
Þeir er vilja læknar lifa.

Það kann eg Þriðja
ef mér verður Þörf mikil
hafts við mína heiftmögu.
Eggjar eg deyfi
minna andskota,
bítat Þeim vopn né velir.

Það kann eg ið fjórða
ef mér fyrðar bera
bönd að bóglimum.
Svo eg gel
að eg ganga má,
sprettur mér af fótum fjötur
en af höndum haft.

Það kann eg ið fimmta
ef eg sé af fári skotinn
flein í fólki vaða,
flýgura hann svo stinnt
að eg stöðvigak
ef eg hann sjónum of sék.

Það kann eg ið sjötta
ef mig særir Þegn
á rótum rásviðar,
og Þann hal
er mig heifta kveður,
Þann eta mein heldur en mig.

Það kann eg ið sjöunda
ef eg sé hávan loga
sal um sessmögum.
Brennurat svo breitt
að eg honum bjargigak,
Þann kann eg galdur að gala.

Það kann eg ið átta
er öllum er
nytsamligt að nema.
Hvar sem hatur vex
með hildings sonum,
Það má eg bæta brátt.

Það kann eg ið níunda
ef mig nauður um stendur
að bjarga fari mínu á floti.
Vind eg kyrri
vogi á
og svæfik allan sæ.

Það kann eg ið tíunda
ef eg sé túnriður
leika lofti á.
Eg svo vinnk
að Þeir villir fara
sinna heimhama,
sinna heimhuga.

Það kann eg ið ellefta
ef eg skal til orustu
leiða langvini.
Undir randir eg gel
en Þeir með ríki fara,
heilir hildar til,
heilir hildi frá,
koma Þeir heilir hvaðan.

Það kann eg ið tólfta
ef eg sé á tré uppi
váfa virgilná.
Svo eg ríst
og í rúnum fák
að sá gengur gumi
og mælir við mig.

Það kann eg ið Þrettánda
ef eg skal Þegn ungan
verpa vatni á.
Munat hann falla
Þótt hann í fólk komi,
hnígura sá halur fyr hjörum.

Það kann eg ið fjórtánda
ef eg skal fyrða liði
telja tíva fyrir.
Ása og álfa
eg kann allra skil,
fár kann ósnotur svo.

Það kann eg ið fimmtánda
er gól Þjóðrörir
dvergur fyr Dellings durum.
Afl gól hann ásum
en álfum frama,
hyggju Hroftatý.

Það kann eg ið sextánda
ef eg vil ins svinna mans
hafa geð allt og gaman.
Hugi eg hverfi
hvítarmri konu
og sný eg hennar öllum sefa.

Það kann eg ið sautjánda
að mig mun seint firrast
ið manunga man.
Ljóða Þessa
mun Þú Loddfáfnir
lengi vanur vera.
Þó sé Þér góð ef Þú getur,
nýt ef Þú nemur,
Þörf ef Þú Þiggur.

Það kann eg ið átjánda
er eg æva kennig
mey né manns konu,
allt er betra
er einn um kann,
Það fylgir ljóða lokum,
nema Þeirri einni
er mig armi ver
eða mín systir sé.

Nú eru Hávamál kveðin
Háva höllu í,
allÞörf ýta sonum,
óÞörf jötna sonum.
Heill sá er kvað,
heill sá er kann,
njóti sá er nam,
heilir Þeir er hlýddu.

Ich weiß, daß ich hing
am windigen Baum
neun lange Nächte,
vom Speer verwundet,
dem Odin geweiht,
mir selber ich selbst,
am Ast des Baumes,
von dem niemand weiß,
aus welcher Wurzel er wuchs.

Sie boten mir
nicht Brot noch Met,
da neigt‘ ich mich nieder,
auf Runen sinnend,
lernte sie seufzend,
endlich fiel ich zur Erde.

Hauptlieder neun
lernt‘ ich von dem weisen Sohn
Bölthorns, des Vaters Bestlas,
und ich trank einen Trunk
des teuern Mets
aus Odhrörir geschöpft.

Zu gedeihen begann ich
und begann zu denken,
wuchs und fühlte mich wohl.
Wort aus dem Wort
verlieh mir das Wort,
Werk aus dem Werk
verlieh mir das Werk.

Runen wirst du finden
und Ratestäbe,
sehr starke Stäbe,
sehr mächtige Stäbe,
Erzredner ersann sie
und Götter schufen sie
uns sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Odin den Asen,
den Alfen Dain,
Dwalin den Zwergen,
Alswid den Riesen,
einige ritzte ich selbst.

Weißt du wie man ritzen soll?
Weißt du wie man raten soll?
Weißt du wie man finden soll?
Weißt du wie man erforschen soll?
Weißt du wie man bitten soll?
Weißt du wie man opfern soll?
Weißt du wie man senden soll?
Weißt du wie man tilgen soll?

Besser nicht gebeten
als zu viel geboten,
die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nicht gesendet
als zu viel getilgt.
So ritzt es Thundr
zur Richtschnur den Völkern,
dann entwich er
dahin, wo er herkam.

Lieder kenn ich
die kann die Königin nicht
und keines Menschen Kind.
Hilfe verheißt mir das erste
denn helfen mag es
in Streiten und Zwisten
und in allen Sorgen.

Das kann ich als anderes
des alle bedürfen,
die heilkundig heißen.

Das kann ich als drittes
des ich bedarf
meine Feinde zu fesseln.
Die Spitze stumpf
ich dem Widersacher,
mich verwunden nicht Waffen noch Listen.

Das kann ich als viertes
wenn der Feind mir schlägt
in Bande die Bogen der Glieder.
Sobald ich es singe
so bin ich ledig,
von den Füßen fällt mir die Fessel
der Haft von den Händen.

Das kann ich als fünftes
wenn ich sehe einen Pfeil gefährdend fliegen
übers Heer daher,
wie hurtig er fliege
ich mag ihn hemmen
erschau ich ihn nur mit dem Sehen.

Das kann ich als sechstes
so wer mich versehrt
mit harter Wurzel des Holzes,
und den andern allein
der mir es antut,
verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.

Das kann ich als siebentes
wenn hoch der Saal steht
über den Leuten in Lohe.
Wie breit sie schon brenne
daß ich sie noch berge,
den Zauber weiß ich zu zaubern.

Das kann ich als achtes
das allen wäre
nützlich und nötig.
Wo Hader zu entbrennen scheint
mitten unter Helden
da vermag ich ihn schnell zu schlichten.

Das kann ich als neuntes
wenn Not mir ist
vor der Flut das Fahrzeug zu bergen.
Ich wende den Wind
von den Wogen ab
und beschwichtige rings alle See.

Das kann ich als zehntes
wenn ich sehe Zaunreiterinnen
durch die Lüfte lenken.
Ich wirke so
daß sie wirre zerstäuben,
zu Gespenstern werden
als Gespenster schwinden.

Das kann ich als elftes
wenn ich zum Angriff soll
die treuen Freunde führen.
In den Schild fing ich’s,
so zieh’n sie siegreich,
heil in den Kampf,
heil aus dem Kampf,
bleiben heil wohin sie ziehn.

Das kann ich als zwölftes
als ich sah am Zweige hängend
vom Strang erstickt ein Toter.
Wie ich ritze
das Runenzeichen
so kommt der Mann
und spricht mit mir.

Das kann ich als dreizehntes
soll ich ein Degenkind
in die Taufe tauchen.
So mag er nicht fallen
im Volksgefecht,
kein Schwert mag ihn versehren.

Das kann ich als vierzehntes
soll ich dem Volke
der Götter Namen nennen.
Asen und Alfen
kenn ich allzumal,
wenige sind so weise.

Das kann ich als fünfzehntes
das sang Volkrörir
der Zwerg vor Dellings Schwelle.
Den den Asen sang er Stärke
den Alfen Gedeihn,
hohe Weisheit dem Hroptatyr.

Das kann ich als sechzehntes
will ich schöner Maid
in Lieb und Lust mich freuen.
Den Willen ich wandel
der Weißarmigen
und daß sich mir ganz ihr Sinn gesellt.

Das kann ich als siebzehntes
daß schwerlich wieder
die holde Maid mich meidet.
Dieser Lieder
magst Du, Loddfafnir,
lange ledig bleiben.
Doch wohl Dir, weißt Du sie,
Heil dir, behältst Du sie,
selig, singst du sie.

Das kann ich als achtzehntes
das ich aber nicht singe
vor Maid noch Mannes Weibe,
als allein vor ihr
die mich umarmt,
oder sei es meiner Schwester,
besser ist was einer
nur weiß
so frommt das Lied mir lange.

Des Hohen Lied ist gesungen
in des Hohen Halle,
den Erdensöhnen not,
unnütz den Riesensöhnen.
Wohl dem, der es kennt,
wohl dem, der es kann,
lange lebt, der es erlernt,
Heil allen, die es hören.

.

Quelle: http://germanenherz.blogspot.de/2012/06/odins-runenlied.html

Gruß an die Geschichte

TA KI

Runen Weisung


Germania_RunenkreisGermane_Runenkreis

Ich weiß, dass ich hing
am windigen Baum
neun lange Nächte,
vom Speer verwundet,
dem Odin geweiht,
ich selber mir selbst,
am Ast des Baumes,
von dem niemand weiß,
aus welcher Wurzel er wuchs.

Sie boten mir
nicht Brot noch Met
lernte sie seufzend,
fiel endlich zur Erde.

Hauptlieder neun;
da neigt‘ ich mich nieder
auf Runen sinnend,
lernt‘ ich vom weisen Sohn
Bölthorns, Bestlas Vater
und trank einen Trunk
des teuren Mets,
aus Odrörir geschöpft.

Runen wirst du finden
und Ratstäbe,
sehr starke Stäbe,
sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie,
Götter schufen sie,
sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Odin den Asen,
den Alfen Dáinn,
Dvalinn den Zwergen,
Álsvidur den Riesen,
einige schnitt ich selbst.

Weißt du zu ritzen?
Weißt du zu raten?
Weißt du zu finden?
Weißt du zu forschen?
Weißt du zu bitten?
Weißt du zu opfern?
Weißt du zu senden?
Weißt du zu tilgen?

Besser nicht gebetet
als zuviel geboten:
die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nichts gesendet
als zuviel getilgt.
So ritzt‘ es Thulur
zur Richtschnur den Völkern.
Dann entwich er
dahin, wo er herkam.

 Veit eg, að eg hékk
vindga meiði á
nætur allar níu,
geiri undaður
og gefinn Óðni,
sjálfur sjálfum mér,
á þeim meiði,
er manngi veit,
hvers hann af rótum renn.

Við hleifi mig sældu
né við hornigi;
nýsta eg niður,
nam eg upp rúnar,
æpandi nam,
féll ag aftur þaðan.

Fimbulljóð níu
nam eg af inum frægja syni
Bölþorns, Bestlu föður,
og eg drykk um gat
ins dýra mjaðar,
ausinn Óðreri.

Rúnar munt þú finna
og ráðna stafi,
mjög stóra stafi,
mjög stinna stafi,
er fáði fimbulþulur
og gerðu ginnregin
og reist Hroftur rögna.

Óðinn með ásum,
en fyr álfum Dáinn,
Dvalinn dvergum fyrir,
Álsviður jötnum fyrir,
eg reist sjálfur sumar.

Veistu, hve rísta skal?
Veistu, hve ráða skal?
Veistu, hve fáa skal?
Veistu, hve freista skal?
Veistu, hve biðja skal?
Veistu, hve blóta skal?
Veistu, hve senda skal?
Veistu, hve sóa skal?

Betra er óbeðið
en sé ofblótið,
ey sér til gildis gjöf;
betra er ósent
en sé ofsóið,
Svo Þundur um reist
fyr þjóða rök,
þar hann upp um reis,
er hann aftur um kom.

Runen sind nicht einfach nur Schriftzeichen .
Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder Körperhaltung freisetzen kann.
Runen sind wie Schlüssel zu bestimmten Energien… wenn du weist wie du Energie lenken und kanalisieren kannst, dann musst du eigentlich nur den Schlüssel betätigen (durch die fuer dich passendste Methode) , dir Zugang zu dem Energie-Feld „hinter“ der Rune verschaffen.
folgende Links nutzen

Der kosmische Ursprung der Runen **
Runen wissenschaftliche Evolutionsforschung **
Odins Runen – unsere Schrift **

Runen selbst herstellen **
Kleine Runenkunde
Runen 24er futhark **

Wenn du dich entschlossen hast dich mit den Runen zu beschäftigen so werden sie dich nicht mehr loslassen. Der Ruf der Runen ist sehr stark, das war er schon von alters her.
Bereits unsere Vorfahren haben sich mit den Runen beschäftigt. Bei den Runen gibt es zwei verschieden Systeme sie zu benutzen. Das eine ist das sie als Schrift fungieren der zweite Aspekt, der meiner Meinung nach viel wichtigere, ist es sie als magisches System zu erkennen.
Im magischen Sinne können Runen sehr viel tun. Mit ihnen kann man Dinge und Personen schützen oder Eigenschaften verändern.

Wenn du die Runen wirklich erkennen willst so musst du dahin gehen wo die Runen früher benutzt wurde. Finde alte Kraftorte, Eichenhaine, Hügelgräber oder Bergkuppen. An diesen Plätzen sind diese Symbole durch das viele Arbeiten mit ihnen immer noch präsent. Tausende Schamanen vor dir haben an diesen Plätzen ihr Wissen vertieft, weitergegeben oder gefunden.
Im Beschäftigen mit der Natur erschließt sich die Bedeutung der Runen auch für uns. Runen sind Symbole für die Natur und für den Menschen. Auch für das Zusammenwirken von Mensch und Natur sind Runen ein Symbol.

Odin hing am Weltenbaum als er die Runen „fand“. Das bedeutet nicht dass du dich auch an einen Baum hängen sollst aber in die Natur musst du gehen. Verlasse die Stadt und mache dich auf um im Wald an einem Bach zu Meditieren. Finde deine Kraft unter einer mächtigen, tausend Jahre alten Eiche. Denke über die Natur nach und über das was die Natur dir mitteilen will. Finde deinen eigenen Zugang zur Natur, zu den Runen und zur geistigen Welt. Verbinde dich mit Odin, Thor, Thyr, Freya mit allen deinen Vorfahren und deren Göttern.

Den Einstig und Beginn der Runen findest du hier im Blog doch die Bedeutung für dich die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.

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Gruß an die alten Bräuche
TA KI

Die Wilden Götter – Sagenhaftes aus dem hohen Norden Kapitel 4


Heimdalls Söhne

heimdallEin Mann der sich Rig nennt, geht am Strand spazieren. Auf grünen Pfaden ist er durch ganz Mitgard gewandert. Er ist groß und blond und überall wird er als Gast willkommen geheißen. Noch nie hat ihm jemand das Dach über dem Kopf verweigert. Die Männer suchen seine Freundschaft, und die Frauen wissen ihn als Liebhaber zu schätzen, obwohl er wenig spricht und selten lacht. Würde er nämlich seine Zähne zeigen, dann könnten alle sehen, dass er kein Mensch ist. Rig ist nicht Rig, sondern Heimdall, der Gott der bei Nacht ebenso gut sieht wie am Tag, der das Gras auf der Wiese und die Wolle auf den Schafen wachsen hört, und seine Zähne sind aus schierem Gold.
Aber warum hat er seinen Wachposten auf der Regenbogenbrücke verlassen, die von Asgard nach Mitgard führt? Warum wandert er als Mensch verkleidet durch die Welt? Odin der Götterkönig hat ihn geschickt, mit einem Auftrag, der so geheim ist, dass die Trolle und die Riesen nichts davon erfahren dürfen.
Nie sind die Asen mächtiger gewesen als heute, doch macht Odin sich Sorgen wegen der alten Feindschaft, die zwischen Asen und Riesen herrscht. Er weiß, dass es Feuer gibt, die nie verglühen. Manchmal fallen sie in sich zusammen und brennen so niedrig, dass es aussieht, als wären sie erloschen. Doch unter der Asche glimmt es weiter, und die kleine rote Glut wartet nur darauf, dass man sie mit neuem Holz und neuem Reisig schürt, und schon zischt und knistert es, und das Feuer beginnt von neuem zu lodern. Ein solches Feuer ist der Hass.
Odin weiß sehr wohl, dass die Asen in der Minderheit sind, und dass sich Riesen und Trolle vermehren wie die Karnickel. Er hört den Fenriswolf, der bald so groß gewachsen ist wie ein Pferd, unter den Sternen heulen. Er liegt an der Kette, aber was ist, wenn die Kette reißt? Auch denkt Odin an die giftige Mitgardschlange, die sich um die ganze Welt ringelt. Die Asen hatten sie ins Meer geworfen, aber was ist, wenn sie ans feste Land kriecht? Ist ihm nicht geweissagt worden, dass sich alle Mächte der Finsternis versammeln, und wie ein Sturmwetter über die Erde hinziehen werden. Nicht nur , dass die Feinde der Asen in Mitgard, der Heimat der Menschen, einfallen, diese ausplündern und zerstören werden; sie werden auch versuchen, die Steine, die die gewaltige Burg Asgard schützen, zu lockern, und die Festung zu stürmen.
So heißt es, und Odin geht dieser Gedanke nicht aus dem Kopf. wenn es aber eines Tages dazu kommt, sind die Asen dann dem Ansturm gewachsen? Ist ihr Heer stark genug, um den Feind zu schlagen? Dazu braucht Odin viele kräftige Kämpfer. Aus diesem Grund hat er seinen Sohn Heimdall nach Mitgard geschickt. Er will, dass er mit den Frauen dort Kinder zeugen soll, als Stammvater eines neuen stärkeren Menschengeschlechts. Heimdall sieht sich lange um, bevor er sich entscheidet. Dreimal wählt er, und seine Wahl ist recht sonderbar. Die erste Frau, mit der er sich einlässt, heißt Edda. Sie ist alt und grau, arm und in Lumpen gekleidet, und wohnt mit ihrem Mann in einer baufälligen Kate. Es stört Heimdall nicht, dass sie bereits Urgroßmutter geworden ist, als er ihr begegnet. Nach dem Abendessen, darf er zwischen den Eheleuten in ihrem Bett schlafen. Drei Tage hält er es dort aus, bevor er weiterzieht. Das zweite Mal trifft Heimdall es schon besser, denn Amma, die Bäuerin, die er nun wählt, ist eben erst Großmutter geworden. und die dritte, die mit einem Häuptling verheiratet ist und Mor heißt, ist sogar so jung, dass sie zwar eigene Kinder, aber noch keine Enkel hat.
Jedes Mal macht Heimdall sich auf dieselbe Art und Weise an die Arbeit. Er teilt Tisch und Bett mit seinen Wirtsleuten und bleibt drei Tage und drei Nächte lang bei ihnen. Kurz nachdem er sich verabschiedet hat, merken die Frauen, dass sie ein Kind erwarten. Neun Monate später werden drei Jungen geboren. Eddas Sohn Trell ist groß und stark, Ammas Sohn Karl hat rote Haare und klare Augen, und Mors Sohn Jarl fängt schon als kleines Kind an, mit Schild und Speer zu spielen.
Es sind diese drei Kinder, aus denen ein neues Menschengeschlecht hervorgehen soll. Daher kommt es auch, dass die Dichter und Sänger uns heute noch die Söhne Heimdalls nennen.

 

Unterdessen ist in Asgard allerhand geschehen. Der Frühling ist gekommen, und die große Wiese blüht. Eine junge Frau wandert barfuss über das weiche Gras, singt vor sich hin und pflückt die ersten Blumen. Es ist Iduna. Ihr Mann ist Brage, der Gott der Dichtkunst, aber alle in Asgard wissen, dass Iduna es mit der Ehe nicht so genau nimmt; sie treibt ihre Liebesspiele auch gern mit andern. Trotzdem wirkt sie immer wie ein unschuldiges kleines Mädchen. Keiner, auch Brage nicht, macht ihr Vorwürfe oder versucht sie zu ändern. Denn sie besitzt einen kostbaren Schatz, den wertvollsten, den es in Asgard gibt; einen Schrein mit magischen Äpfeln. Wer von ihnen isst, der altert nicht; er bleibt ewig jung. Ohne Idunas Äpfel wären die Asen schon längst zahnlos und altersschwach.
Allerdings müssen die magischen Äpfel sorgsam gehütet werden, denn leider ist Iduna vergesslich. Sie kann sich einfach nicht daran erinnern, wo sie sie gepflückt oder gefunden hat. Das sieht ihr ähnlich, denn sie weiß nie, was sie früher getan hat, und macht sich keine Gedanken über das, was ihr bevorsteht.
Doch noch reichen Idunas Äpfel für alle. Deshalb führen sich die Asen auf, als wären sie jung. Ausgelassen, ja sogar übermütig sind sie auf Mutproben und gefährliche Abenteuer aus und jederzeit bereit zu einem Flirt oder einer neuen Liebschaft. Sie halten sich an Freia, die Liebesgöttin, die ihnen gern ihr Ohr leiht und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es um solche Sehnsüchte geht.
Nur sich selbst kann Freia nicht helfen. Jede Nacht weint sie sich in den Schlaf. Sie hat Liebeskummer, weil ihr Mann Od sie verlassen hat, Sie weiß nicht, wo er ist, und vermisst ihn schmerzlich. Es ist schon lange her, dass er sich aus dem Staub gemacht hat, aber sie denkt immer noch an ihn. Wenn sie einen andern umarmt, schließt sie die Augen und träumt, dass es Od ist. In diesem Frühjahr ist es noch schlimmer als sonst Freia weint Tränen aus purem Gold, und manchmal vergisst sie sogar, ihre Katzen zu füttern.
Die andern Frauen besuchen sie auf Folkwang, ihrem Sitz, und versuchen sie zu trösten. Drei von ihren Freundinnen kennen sich besonders gut in den Künsten der Liebe aus. Die erste kann einen Mann und eine Frau dazu bringen, dass sie sich ineinander verlieben; die zweite kann Paaren helfen, die ein widriger Umstand daran hindert, sich zu treffen. aber was nützen Freia ihre Gaben? Verliebt ist sie ja schon, und keine feindliche Macht ist daran schuld, dass sich Od von ihr getrennt hat. Vielleicht kann die dritte etwas für sie tun, die es mit der Treue hält; sie weiß, was sich alle Liebenden geschworen haben, sie vergisst nichts, und sie kann dafür sorgen, dass sich jeder Verrat rächt. „Ich werde deinen Mann bestrafen“, ruft sie wütend, „er hat sein Gelübde gebrochen.“
„Und was hätte ich davon, dass er bestraft wird und leiden muss?“, fragt Freia, „Ich will ihn doch nur zurückhaben!“ Sie ist derart außer sich, dass sie sich die Kleider vom Leib reißt, und nackt wie eine läufige Katze miauend, untröstlich unter dem Mond umherirrt, während die Tränen wie ein goldener Regen ihr zu Füßen auf die Erde fallen.
Auch Odin kann nicht schlafen. Er denkt über die Liebe nach, über die Macht, die sie nicht nur über die Menschen, auch über die Asen und Trolle hat. Wie ein Sturm fällt sie her über alles, was atmet und lebt. Dass sie die Menschen überwältigt, ist vielleicht nicht so merkwürdig, denn die Menschen sind schwach, und ihr Leben ist kurz. Aber Freia, die Liebesgöttin, die schon tausende von Jahren gelebt hat! Wie kommt es nur, dass sie dieser Leidenschaft nicht Herr wird? Odin hört sie heulen und rufen, und er weiß, dass auch er nicht imstande ist, ihr zu helfen.
Er betrachtet seine Frau Frigga, die friedlich neben ihm schläft, und er erinnert sich, wie er einmal von einer Reise zurückgekehrt ist, die viele Jahre gedauert hatte. Damals musste er entdecken, dass sie sich inzwischen mit seinen Brüdern Wile und We zusammengetan hatte. Das ist lange her, und die beiden Brüder sind schon längst nicht mehr am Leben. Und doch spürt er einen kleinen Stich ins Herz. Odin beugt sich über Frigga und streichelt sanft über ihre Wangen. Draußen aber hört er Freia jammern, als bräche ihr das Herz vor Kummer.
Am andern Morgen, ist sie in Asgard das Gespräch des Tages. Die meisten Asen finden, dass sie sich ungebührlich benimmt. Ihr Bruder gerät in eine Rauferei, als er sie gegen die Schandmäuler verteidigen will. Ihr Vater versucht, ihr Vernunft zu predigen. Aber Freia will nicht auf ihn hören, sie knurrt und zischt ihn an.

 

Odin hat das Ganze satt. Der Klatsch der Asen ödet ihn an. Er macht sich wieder einmal auf eine seiner Wanderungen. Denn die Welt ist groß, und es gibt immer noch vieles zu entdecken. Diesmal bittet er den schlauen Loki und seinen alten Gefährten Huhne, ihn zu begleiten.
Die drei Asen ziehen über die Ödmark und in die Berge. Dort kann man allerdings verhungern. Starke Leute wie die Asen werden auf die Dauer von Beeren und Wurzeln nicht satt. Deshalb sind die Wanderer froh, als sie in einem Tal auf eine Rinderherde stoßen. Sie fackeln nicht lange und töten einen Ochsen. Dann lassen sie sich im Schatten einer großen Eiche nieder und graben eine Grube, in der sie Feuer machen. Das Fleisch kocht und kocht, aber es will nicht gar werden. Plötzlich hören sie eine Stimme: „Der hier oben sitzt sorgt dafür, dass euer Fleisch roh bleibt.“
Die Asen blicken empor und sehen einen riesigen Adler im Geäst hocken. „Wenn ihr wollt, könnt ihr bald essen, aber nur, wenn ihr versprecht, mit mir zu teilen.“
„Meinetwegen“, antwortet Odin, und schon flattert der Adler herunter und macht sich über das Fleisch her. Aber was ist das für ein gieriger. Vogel! Schon hat er zwei Keulen und zwei Schulterstücke verschlungen. Loki wird wütend. Er greift nach einem langen Pfahl und drischt auf den Adler ein. Der weicht zurück, doch der Stock bleibt im Rücken stecken. Loki will nicht loslassen, der Adler aber versucht, sich in die Luft zu erheben, und zerrt den kleinen Gott mit sich. Loki hängt an ihm und schreit: „Willst du mir die Arme aus dem Leib reißen?“
Der Adler ist nicht stark genug, um ihn davonzutragen. Auf halber Höhe schleppt er Loki mit, über Stock und Stein.
„Lass mich los!“ bettelt er, und der Adler antwortet: „Nur wenn du mir eines versprichst.“ – „Alles, was du willst.“
„Schwör mir, dass du mir Idunas Äpfel bringst!“ – „Ich schwör’s dir“, schreit Loki, der um sein Leben fürchtet. Da kehrt der Adler um und bringt ihn zu den anderen zurück, die unter der Eiche lagern. Dort wird Loki endlich losgelassen. Ziemlich mitgenommen und ganz schwindlig im Kopf fällt er zu Boden. Die drei Asen machen sich auf den Heimweg. Aber in Asgard ist immer noch keine Ruhe eingekehrt. Nach wie vor ist Freia das Tagesgespräch. Sie hatte es satt, auf Od zu warten, und hat sich ihrerseits auf den Weg gemacht, um ihn zu suchen. Lange Jahre werden die Asen sie nicht wiedersehen.
Doch bald werden sie von ganz anderen Sorgen heimgesucht. Wieder einmal hat Loki sich eine Suppe eingebrockt, die er nun auslöffeln muss. Er geht zu Iduna und versucht, sie zu beschwatzen. „Ich war unterwegs, und in einem fernen Wald habe ich ein paar merkwürdige Apfelbäume gesehen. Die Äpfel, die dort wachsen, duften genau wie die deinen. Vielleicht haben sie auch dieselbe Zauberkraft? Du weißt doch, dass wir alle fürchten, eines Tages könnte dein Vorrat zu Ende gehen. Lass uns der Sache nachgehen! Komm mit mir, nimm deine Äpfel mit, damit wir sie vergleichen können, und alle werden es dir danken.“
Iduna ist eine treuherzige Seele. Sie glaubt Loki, holt ihre Äpfel aus dem Schrein und zieht mit Loki hinaus in den Wald. Auf einer Lichtung geschieht es: Ein dunkler Schatten, ein Flattern in der Luft, und schon hat der riesige Adler Iduna gepackt und davongetragen. Nach Nordosten fliegt er, zu einem großen Hof im Gebirge, der Trymheim heißt. Dort wirft der Adler seine Vogelgestalt ab und zeigt, wer er ist: der gefürchtete Riese Tjatse.
„Jetzt gehörst du mir“, sagt er zu Iduna, „und mit deiner Hilfe werde ich bald der Mächtigste auf Erden sein. Denn ohne deine Äpfel ist Odin verloren. Mitsamt seinem ganzen Göttergesindel wird er alt werden und sterben. Sogar Thor wird zu kraftlos sein, um seinen Hammer zu schwingen. Aber wir beide, du und ich, wir werden ewig leben!“
Die Asen ahnen noch nichts von der Gefahr. Nur Brage merkt, dass seine Frau Iduna verschwunden ist. Er wartet vergebens auf sie. Obwohl sie so zerstreut und unbekümmert ist, findet sie gewöhnlich doch nach Hause, bevor es dunkel wird. Aber diesmal muss Brage alleine schlafen.
Auch Heimdall kann er nicht fragen, ob der seine Frau gesehen hat. Denn der Wächter der Regenbogenbrücke ist nach Mitgard geritten. Er will nachsehen, wie es seinen drei Söhnen geht. Sie sind inzwischen erwachsen und haben selber schon Kinder. Trell, dem Bauern, und Karl, der Schmied geworden ist, gibt sich Heimdall nicht zu erkennen. Er weiß, dass sie ihr Auskommen finden werden. Aber gespannt ist er, was aus seinem dritten Sohn Jarl geworden ist. Odin hatte es doch besonders auf Krieger und Häuptlinge abgesehen! Heimdall lauert ihm hinter einem Baum versteckt auf. Als Jarl ihm entgegen reitet, regt sich der Stolz auf diesen Sohn in ihm, denn der ist stark und ohne Furcht.
„Ich bin Rig“, begrüßt er ihn, „und du weißt wohl, was dieser Name bedeutet – soviel wie König. Du bist mein Sohn, und so wie ich ein König bin, so werdet auch ihr, du und deine Nachkommen, unter den Menschen die Ersten sein.“
Und dann bringt er ihm alles bei, was er selber versteht, und das ist nicht wenig. Auch die Runenschrift lehrt er ihn. Das sind mächtige Zeichen, die gegen seine Feinde helfen sollen und die das Leben leichter machen können.
So wie Heimdall es beschlossen hat, so geschieht es. Jarl wird Land gewinnen und der Herr über achtzehn Höfe sein. Seine Söhne werden ihn an Kühnheit noch übertreffen, vor allem der Jüngste. Der wird stärker sein als acht gewöhnliche Männer, und an Weisheit und Runenkunst wird er es so weit bringen, dass er sogar die Sprache der Vögel versteht. Das alles sieht Heimdall voraus, und er weiß, dass er Odins Auftrag erfüllt hat.

 

Aber nach Asgard zurückgekehrt, merkt er bald, dass es dort nicht zum Besten steht. Seit Iduna verschwunden ist, sind die Asen bekümmert, und man sieht es ihnen an. Wie steif und morsch sie geworden sind. Die Frauen stehen vor dem Spiegel und zählen ihre Falten und ihre grauen Haare.
Endlich reißt Odin die Geduld, und er beruft eine Ratssitzung ein. „Wo ist Iduna hin? Was ist mit den Äpfeln geschehen? Wer hat was gesehen? Weh dem, der mir etwas verschweigt!“ Einer von den kleineren Göttern rückt mit der Sprache heraus. „Ich habe einmal Loki mit ihr gesehen.“, sagt er, „Mit ihm zusammen hat sie Asgard verlassen.“
Nun ist Loki in der Klemme. Zuerst versucht er noch zu leugnen. Aber es hilft ihm nichts. „Schluss mit deinen Ausflüchten.“, sagt Odin, „Wo hast du sie hingeführt?“
„Das war nicht ich“, windet Loki sich, „Ein Adler hat sie geraubt. Ich habe versucht sie zu verteidigen, so gut ich konnte. Aber der Adler war stärker, und was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht.“ – „Und warum hast du uns das verschwiegen?“ – „Weil ihr immer, wenn etwas Schlimmes passiert, einen Sündenbock braucht, und der bin ich.“
Aber damit geben sich die Asen nicht zufrieden. „Jetzt spielt er auch noch den Beleidigten.“, sagen sie, „Das geht zu weit! Wir reißen dir Beine und Arme aus, wenn du nicht gestehst. Und wenn du Iduna nicht nach Asgard zurückbringst, machen wir dich um einen Kopf kürzer.“
Loki sieht ein, dass ihm nichts anderes übrigbleibt. „Ich will sie suchen und wiederbringen. Ich verspreche es“, fleht er, „Aber dazu brauche ich Freias Falkengestalt.“
„Gut“, sagen die Asen, aber sie trauen ihm nicht über den Weg und begleiten ihn nach Folkwang. Die Herrin des Hauses ist nicht da, sie ist immer noch auf der Suche nach ihrem Mann. In der großen Halle liegen ihre verlassenen Katzen herum. Doch ihre beiden Töchter können aushelfen. Sie wissen, wo das Falkenkleid liegt, und erlauben Loki, es sich auszuleihen. Sofort verwandelt er sich in einen Falken und fliegt davon. Es ist weit nach Trymheim, aber gegen Abend kommt Loki im Haus des Riesen an. Iduna ist allein, denn Tjatse ist hinaus aufs Meer gefahren um zu fischen. Loki verzaubert die Göttin in eine Nuss, packt sie mit seinen Klauen, und flattert auf und davon. Den Schrein mit den Äpfeln trägt er im Schnabel. Aber es dauert nicht lange, da kehrt Tjatse von seinem Fischzug heim und findet das Haus leer. Er begreift sogleich, was geschehen ist, wirft sich die Adlergestalt über und setzt dem fremden Falken nach.
Aber es ist nicht so leicht, Loki einzuholen. Er hat seinen Vorsprung genutzt und ist schon in Sichtweite von Asgard, als der Adler hinter ihm herjagt. Einer der Asen hat die Vögel kommen sehen und die anderen Götter herbeigerufen. Sie wissen, was zu tun ist. Eilig sammeln sie Holzspäne und häufen sie an den Mauern der Festung auf. Kaum ist der Falke sicher in Asgard, gelandet, da zünden sie die Späne an. Der Adler kann in seinem Sturzflug nicht ausweichen und stürzt in die himmelhoch lodernden Flammen. Seine Schwingen fangen Feuer, und der große Vogel schlägt mit versengten Federn vor Asgards großer Pforte auf. Jetzt ist es kein Kunststück mehr, ihn zu ergreifen, und ohne zögern, schlagen sie ihn tot.
Nun ist Loki wieder ganz der alte. Stolz wie ein Hahn kräht er: „Ich bin doch der Schlaueste von euch allen. Was würdet ihr nur ohne mich anfangen?“ Aber niemand hat Lust, mit ihm zu zanken, auch Iduna nicht, die sich wie immer an nichts erinnern kann. Außerdem, denkt Odin, wer weiß, ob Loki nicht recht hat? Vielleicht geben wir ihm wirklich oft die Schuld, wenn uns wieder einmal etwas Unangenehmes passiert ist? Jedenfalls sind alle in Asgard glücklich, dass Iduna wieder da ist, und dass sie alle Tage von ihren Äpfeln naschen können.

 

Aber damit ist die Sache mit Tjatse, dem Riesen noch nicht aus der Welt. Denn der hat eine Tochter, die wenigstens so wild und kriegerisch ist, wie ihr Vater. Nicht umsonst heißt sie Schad. Als sie erfährt, dass die Asen den alten Tjatse umgebracht haben, holt sie Helm und Harnisch hervor und macht sich auf den Weg nach Asgard.
Dort empfängt Odin sie, der keine Lust hat, mit ihr und ihrer Sippschaft eine Blutfehde anzufangen. Er versucht, den Streit zu schlichten und bietet ihr einen Haufen Gold als Wergeld an. Aber die Riesin lacht ihn aus. „Ihr wisst wohl nicht wer mein Vater war?“, ruft sie, „Der Sohn des reichsten Riesengeschlechts, das je gelebt hat. Als er sich mit seinen Brüdern die Erbschaft teilte, da haben sie für ihren Goldschatz – ein Mundvoll – als Maß genommen, und obwohl sie das Maul aufrissen, bis sie sich beinah die Kiefer ausgerenkt hatten, mussten sie tagelang ihre Münder aufsperren, bis der ganze Schatz zwischen ihnen nach Recht und Billigkeit aufgeteilt war. Und da wollt ihr mir Eindruck machen mit eurem bisschen Gold? Ich verzichte auf eure Almosen!“
Schließlich, nach langem Hin und Her, macht Schad den Asen einen Gegenvorschlag. „Ich will Frieden geben, aber unter zwei Bedingungen.“, sagt sie, „Erstens will ich mir einen Ehemann unter den Asen aussuchen. Und zum andern müsst ihr mich wenigstens einmal zum Lachen bringen. Das ist gar nicht so einfach. Lasst euch etwas einfallen. Dann soll der Streit begraben sein.“
Was bleibt Odin anderes übrig, als sich mit diesem Handel abzufinden? Aber er besinnt sich und fügt der Abmachung noch eine Klausel hinzu. „Von dem Mann, den du auswählst, sollst du nur die Füße sehen, mehr nicht. Sonst wird nichts aus deiner Hochzeit.“
Murrend geht die Riesin darauf ein, und sogleich ziehen die Männer ihre Schuhe aus. In einer langen Reihe stellen sie sich hinter einem Wandbehang auf, der ihr Gesicht und ihren Leib verdeckt. Nun schreitet Schad langsam das Spalier ab. Ganz genau studiert sie bei jedem Rist, Knöchel und Zehen. Sie versucht zu erraten, welche Füße Baldur gehören, dem schönsten Mann in Asgard; denn ihn möchte sie haben.
Endlich bleibt sie vor einem Paar Füße stehen, die ihr besonders schön vorkommen. „Den hier wähle ich zum Mann.“, ruft die Riesentochter, „Das muss Baldur sein, an dem alles ohne Fehl und Makel ist.“ Der Wandteppich fällt, und sie muss einsehen, dass sie sich getäuscht hat. Nicht Baldur ist es, den sie sich ausgesucht hat, sondern Njord, der älteste der Wanen, der einst nach dem großen Krieg als Geisel nach Asgard kam. In den alten Zeiten hatte er seine eigene Schwester geheiratet und mit ihr einen Sohn und eine Tochter gezeugt: keine andern als Frei und Freia, die mit ihm in die Burg der Asen kam.
Nun steht Schad mit rotem Gesicht vor den Göttern, die vor Lachen nicht aus und ein wissen. Nur Odin, der Kluge, dämpft ihre Heiterkeit. „Was habt ihr nur?“, sagt er, „Schad hat doch eine gute Wahl getroffen. Und was Njord betrifft, unsern alten Witwer – der hat lange genug, ohne eine Frau auskommen müssen.“
Aber Schad gibt sich nicht so leicht geschlagen. „Ihr vergesst wohl, dass ich auch eine zweite Bedingung gestellt habe.“, sagt sie, „Wenn ihr sie nicht erfüllt, gibt es Krieg!“ Also müssen die Asen alles versuchen, um sie zum Lachen zu bringen. Sie denken sich allerlei Späße und Narreteien aus, aber Schad verzieht keine Miene dabei. und die Götter sind schon nahe daran, aufzugeben. Da springt Loki in die Bresche. Er zieht sich splitternackt aus, holt einen Ziegenbock aus dem Stall und wickelt eine lange Schnur auf. Das eine Ende knüpft er an den Ziegenbart, das andere bindet er an seinem Schwanz fest, und sogleich fängt der Bock an, daran zu zerren. Loki gibt nicht nach. Er schreit, der Bock meckert, das Tauziehen geht weiter, bis Loki endlich dem Bock um den Hals fällt. Da kann auch Schad nicht ungerührt zusehen, und sie hält sich den Bauch vor Lachen.
Die Nacht bricht an, und mit einem großen Fest wird der Friede gefeiert. Auch Loki ist wieder in Gnaden aufgenommen. Mag er auch dann und wann eine Pest und eine Plage sein, sagen sich die Asen, am Ende müssen wir doch froh sein, dass wir ihn haben. Odin will auch Njords Braut etwas Gutes tun, um sie zu versöhnen. Er reißt ihrem toten Vater beide Augen aus und wirft sie an den Himmel, wo sie sich augenblicklich in zwei Sterne verwandeln. Dort leuchten Tjatses Augen bis auf den heutigen Tag, und wer will, kann sie im kleinen Bären finden. Aber mit der Ehe zwischen Njord und Schad wird es kein gutes Ende nehmen. Denn Njord will in Noatun wohnen, ganz nah am Meer, und Schad hat sich in den Kopf gesetzt, im Gebirge zu bleiben, auf Trymheim, dem Hof ihres Vaters. Vielleicht könnten sie sich darauf einigen, hin und herzuziehen, neun Nächte an der Küste, neun Nächte im Gebirge! Aber dort kann Njord nicht schlafen, weil dort die Wölfe heulen, sobald es dunkel wird, und Schad beklagt sich, dass sie morgens immer vom Geschrei der Möwen aufgeweckt wird. Es wird ihnen wohl nichts anderes übrigbleiben als die Scheidung. Dann kann Schad in die Berge ziehen. Dort geht es ihr am besten, denn am liebsten nimmt sie ihre Skier und geht mit Pfeil und Bogen auf die Jagd. Auch wenn sie in Trymheim wohnt, wird sie nach wie vor zu den Asen gezählt, weil sie immerhin mit einem der Götter verheiratet war, und seither gilt sie als Schutzherrin der Skifahrer.

 

freyja katze

In Asgard ist das Leben inzwischen zur Ruhe gekommen. Jeder der Asen kümmert sich um seine eigenen Angelegenheiten. Nur Odin ist wieder einmal rastlos und ungeduldig. Er schickt Hugin und Munin, seine beiden Raben, nach Süden und nach Westen aus, und wenn sie heimkehren, stellt er ihnen jedes Mal dieselbe Frage: „Ist die Zeit reif? Was ist mit Heimdalls Söhnen? Sind sie zahlreich geworden?“ Otf sitzt er auch im Schatten der großen Esche Yggdrasil und grübelt. Auch übt er sich in der Runenkunst und denkt daran, die Toten zu erwecken. Immer wieder dringt er darauf, dass sein Lieblingsprojekt Walhall fertig gestellt wird. Es soll ein riesenhaftes Gebäude mit sechshundertvierzig Türen werden. Aber die Asen haben wenig Lust, sich an die Arbeit zu machen. Sie fragen sich, wozu ein so gewaltiges Gästehaus gut sein soll. Für wen denn? Trotzdem schreitet der Bau voran. Odin lächelt, wenn er sieht, wie die Sonne sich in den goldenen Schilden auf dem Dach spiegelt. Die Asen begreifen, dass dieses Haus als Herberge für Krieger gedacht ist. Aber woher will Odin so viele Soldaten nehmen? Loki versucht Odin auszuhorchen, aber der schweigt, und auch Heimdall, der alles weiß, stellt sich taub. Und was die Raben sagen, kann ohnehin nur Odin verstehen.
Eines Tages steht ein altes, buckliges Weib vor Bifrost, der Regenbogenbrücke, und begehrt Einlass. Heimdall will sie fortjagen, aber das Weib will nicht weichen. Es fuchtelt mit den Armen und deutet mit dem Finger auf die Burg der Götter. Heimdall versteht nicht, was sie will, denn ihre Stimme ist dünn und heiser, wie ein Vogelschrei. Die Asen, die oben auf der Mauer stehen, lachen die Frau aus und machen sich über Heimdall lustig, der es nicht fertigbringt, sie zu verscheuchen.
Da mischt sich Odin, der den Lärm gehört hat, unter die Zuschauer. Sobald er die alte Frau erblickt, erkennt er, wer sie ist. Er läuft über die Brücke, nimmt sie auf den Rücken, und trägt sie hinauf in die Götterburg. Dort weiß auch der alte Njord sogleich, wer die Fremde ist, und kaum wittern die Katzen auf Folkwang ihren Geruch, kommen sie gesprungen, und schmiegen sich um ihre Beine, denn das alte Weib ist Freia, die Liebesgöttin. Viele, viele Jahre ist sie umhergestreift, ohne Idunas Äpfel zu schmecken, und so ist sie alt und grau geworden. Es ist ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebt.
Allmählich kommt sie wieder zu sich, und erholt sich von den vielen Abenteuern, die sie erlebt hat. Unter fremden Namen, hat sie viele Länder durchwandert und manches durchgemacht, von dem sie nicht erzählen will. Nur eines ist klar: Ihren Mann Od hat sie vergeblich gesucht. Er ist für immer verschollen.
Doch wenn sie sich auch selber wortkarg gibt, die andern flüstern und tuscheln. Es ist vor allem der große Halsschmuck, den sie Brisingam nennt, was ihre Neugier weckt. Wie Feuer glüht und flammt er um Freias Hals. Wie immer ist es Loki, der das große Wort führt. Nicht nur, dass ihm kein Gerücht in Asgard entgeht, er lauscht auch auf das Gerede der Riesen und der Unterirdischen.
„Ach, dieses Brisingam! Wisst ihr wirklich nicht, wie sie zu dem gekommen ist? Ich will es euch verraten.“, flüstert Loki, „Vier Zwerge haben ihn geschmiedet. Freia ist auf ihren Wanderungen ganz zufällig auf ihre Schmiede gestoßen, und kaum hat sie gesehen, woran sie arbeiten, da war sie schon wie verhext. Das Geschmeide wollte sie haben, koste es, was es wolle! Aber die Zwerge wollten es nicht für gute Worte und auch nicht für Gold und Silber hergeben; denn davon, sagten sie, hätten sie selber genug. Nein, aber wenn sie jedem von ihnen eine Nacht lang Gesellschaft leisten wollte, ja dann ließe sich darüber reden. Und obwohl die Schmiede ziemlich hässlich und am ganzen Leib behaart waren, war unsere Freia so scharf auf den Schmuck, dass sie sich auf den Handel einließ. Vier Nächte lang schlief sie mit den Zwergen, mit einem nach dem andern. Und dann gehörte der Brisingam ihr.“
Die meisten Asen sind empört über diese Geschichte. Nur Odin weist ihn zurecht. „Wer wirft hier den ersten Stein?“, sagt er, „Ihr wisst doch so gut wie ich, dass Freia bei weitem nicht die einzige ist, die sich hier und da mit Trollen und Zwergen eingelassen hat. Und du, Loki, bist wahrhaftig der letzte, der das Recht hätte, über andere herzuziehen! Du tätest gut daran den Mund zu halten.“
Trotzdem, viele gehen in dieser Zeit Freia aus dem Weg, so schwach und zerzaust wie sie ist. Nur in Odins Augen wird sie mit jedem Tag schöner und vertrauter. Die beiden sehen sich jetzt öfter als früher. Odin hat das Gefühl, dass sie ihm näher steht als die anderen Asen. Sie hat, wie er, den Wahnsinn im Blut und wird nie müde, nach neuen Ufern zu streben. Immer, wenn er sie in Folkwang besucht, merkt er, wie die andern hinter seinem Rücken tuscheln. Er weiß auch, dass Frigga es nicht gerne sieht, wenn er aushäusig ist. Trotzdem kann er nicht davon lassen. Denn mit Freia versteht er sich, ihr kann er von seinen Wünschen, seinen Hoffnungen, aber auch von dem erzählen, was er fürchtet und wovor ihm graut. Sie reden über die Liebe und über den Tod- über alle Rätsel dieser Welt.

 

Da gibt es vieles, was schwer zu verstehen ist. Muspilheim und Niflheim zum Beispiel, die beiden Orte, die älter sind als alle andern, und die es schon lange, lange gab, bevor Odin und seine Brüder den Rest der Welt erschufen. Muspilheim mit seinem ewigen Feuer, und Niflheim, wo alles nur Eis und Nebel ist. Oder Yggdrasil, den Weltenbaum, der mit seinen drei Wurzeln, die ganze Erde zusammenhält, die Teile, die man kennt, ebenso wie die unbekannten. Aber am meisten beschäftigt die beiden Hel, die Königin der Toten. Einst haben die Asen sie verbannt in die tiefsten Abgründe des Nordens. Doch dort hat sie sich in der Einöde des Eises eingenistet; ihre Macht nimmt zu, seitdem sie die Herrschaft über das Totenreich angetreten hat. Alle, die durch die Krankheit oder durch das Alter ums Leben kommen, ruft sie zu sich, und ihr Ruf trägt bis in die entlegensten Gegenden. Alle müssen dieser Stimme gehorchen. Aus der ganzen Welt kommen sie, wenn sie ruft, durch tiefe und finstere Täler, bis an die Ufer des Totenfluss Gjöll. Dort führt eine goldene Brücke hinüber, auf die andere Seite, wo hinter einer gewaltigen Pforte alles grau und düster ist: Hels Saal heißt Triefnass, ihr Tisch Durst, ihr Messer Hunger, ihr Lager Siechtum. Neue Orte gibt es in ihrem Reich, und einer ist kälter und feuchter als der andere.
Von solchen Dingen sprechen Odin und Freia am Kamin, dessen Flammen flackernde Schatten an die Balken werfen, während die Katzen sich schnurrend an ihre Beine schmiegen. Sie malen sich aus, wie gierig diese Hel ist, wie groß das Heer von willenlosen Leichen ist, mit dem sie, wenn sie, wenn sie nur wollte und wenn sie es wagte, die Asen bedrohen könnte. Odin reut es, dass er sie damals, als sie noch ein Kind war, nicht umgebracht hat.
Aber auch Odin kann die Toten zu sich rufen, wenn er will, denn er denkt daran, ebenfalls ein Totenheer aufzustellen. Eines Tages wandern die beiden über die große Wiese, und er erzählt Freia von dem geheimen Auftrag, mit dem er Heimdall zu den Menschen geschickt hat „Ein neues Menschengeschlecht wird tapfere Krieger für uns hervorbringen“, sagt er, „Alle, die im Kampf fallen, alle, die durch das Schwert sterben, sollen sich unserer Streitmacht anschließen. Wir werden weniger Kämpfer haben als Hel, wenn es zum Krieg kommt, aber die unsrigen werden mutiger sein.“
Er zeigt ihr Walhall, die große Herberge, die jetzt bereitsteht, um Heimdalls Söhne aufzunehmen. Auch Hugin und Munin, die beiden Raben, sind wieder da. Sie setzen sich auf Odins Schultern und sagen ihm ihre Botschaften ins Ohr. Er lächelt. „Heimdalls Saat ist aufgegangen.“, sagt er. „Nun werden wir ernten. Meine Raben berichten mir, dass die Zeit reif ist.“
Dann versammelt er die Asen um sich und erklärt ihnen, was geschehen ist und was getan werden muss. „Unsere Krieger haben noch viel zu lernen.“, sagt er, „Mit einem von euch will ich die Verantwortung teilen.“ Alle halten den Atem an. Wen wird er dazu ausersehen? Wer wird ihm zur Seite stehen? „Die eine Hälfte des Heeres soll bei mir in Walhall bleiben“, entscheidet er, „die andere aber…“ Viele Blicke richten sich nun auf Thor, andere schauen sich verstohlen nach Tyr und nach Heimdall um. „Die andere aber soll Freia auf Folkwang befehlen.“ Ein ungläubiges Murmeln geht durch die Reihen. Manchen steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, andere können ihre Verbitterung nicht verbergen. Loki sieht Freia an und lacht. Freia errötet, doch der Götterkönig erhebt die Hand. „Ich habe gesprochen!“, ruft er, „Es geschieht wie ich gesagt habe.“
Schon am anderen Tag reitet eine Schar junger Frauen hinaus über die Regenbogenbrücke. Sie tragen Helm und Harnisch, Schild und Speer. Ihre Pferde bewegen sich ebenso geschwind auf dem Wasser oder in den Lüften. Es sind die Walküren, die aufgebrochen sind, um auf dem Schlachtfeld über Leben und Tod zu entscheiden. Wo immer es zum Kampf kommt, nehmen sie teil und wählen die besten Krieger aus, um Asgard zu verteidigen.
Eine neue Zeit hat begonnen, für die Götter ebenso wie für die Menschen. Odin bleibt auf der Burgmauer stehen, bis die letzte Walküre hinter den Wolken verschwunden ist. Freia steht neben ihm. Nie ist sie ihm schöner erschienen.

 

Quelle:
Den Text stellte Peter Trouvain vom Forum „Nordische Mythologie“ dankenswerterweise zur Verfügung.
Website: nordische-mythologie.aktiv-forum.com

Quelle: http://www.manfrieds-trelleborg.de

Gruß an die Leseratten

Der Honigmann

Die alte Sitte


Peter Walthard

Für unsere germanischen Vorfahren war die Welt von Lebendigem durchdrungen. In den tausendjährigen Eichen der Urwälder, in klaren Quellen und tiefen Seen, in Auen und Wasserfällen, auf Bergeshöhen und im nebligen Moor, überall spürten sie Leben, mit dem sie sich verwandt fühlten, und dem sie in ihren Sagen Gestalt verliehen. Es war ratsam, den gewaltigen Riesen aus dem Wege zu gehen, und die freundlichen Landwichte nicht zu verärgern.

Wer etwa das Wasser verpestete, heilige Bäume fällte oder sich sonst rücksichtslos gegenüber dem Land und seinen Bewohnern verhielt, zog sich ihre Unfreundschaft zu und wurde mit Krankheit, Gift und Unfruchtbarkeit gestraft.

In den Bergen, in Gletscher, Fels und Firn lebten Riesen, Türsten oder Jetten genannt. Sie waren nicht böse, doch in ihrer Wildheit verwüsteten sie die Fluren der Menschen mit Hochwasser, knickten ihre Wälder im Sturm und begruben ihre Häuser unter Lawinen und Murgängen. Die Jetten waren das älteste Geschlecht der Erde. In der Urzeit, als nichts war, ausser Feuer und Eis, wuchs aus dem Tau, den diese beiden Elemente bildeten, der erste Riese. Er war ein Zwitter und vereinigte alle Gegensätze. Die Götter töteten ihn und schuffen aus ihm die Welt, aus seinen Knochen die Berge, aus seinem Fleische die Erde, aus seinem Blut das Wasser und aus seinem Hirn die Wolken.

Den Menschen und Göttern freundlicher gesinnt waren die lichten Elbe. Sie wohnten unter Hügeln, in Schluchten und eigentümlichen Felsen. Sie sorgten für fruchtbare Fluren und gesundes Vieh. Im Winter feierte man ihnen zu Ehren ein grosses Fest. Die schwarzen Elbe, verschlagene, hässliche Gestalten, lebten tiefer in der Erde, in Klüften und Höhlen gruben sie nach Gold und Edelsteinen. Sie horteten riesige Schätze und schmiedeten verzauberte Waffen für Götter und Helden.

Auch manche Menschen wurden nach ihrem Tod zu Elben. Sie lebten in ihren Grabhügeln, und Fro, der Gott der Fruchtbarkeit und des Reichtums war ihr Herr. Die verstorbenen Mütter wurden Itisen genannt. Sie schützte die Kinder ihrer Sippe, wirkten ihnen ein gutes Schicksal und sorgten für fruchtbare Felder und Herden.

Manche Verstorbene geisterten aber auch als Bôtzen herum. Sie waren unschön aus dem Leben geschieden, hatte noch offene Rechnungen zu begleichen und terrorisierten nicht selten ihre Nachkommen, bis ihrem Anliegen genüge getan wurde. Nicht minder furchterregend war der Zug der Toten, der in finsteren Nächten gesehen werden konnte. Die im Kampf gefallenen Krieger ritten mit Wuodan des Nachts als wilde Jagd über Wald und Weid, und es graute denen, die ihnen begegneten. Doch auch sie brachten den Feldern, über die sie sprengten, Segen. Ein Gefühl der Verbundenheit und Verwandschaft mit dem Leben auf der Erde, und nicht minder mit den Toten, deren Lebenskraft nicht verloren, sondern in die grosse Natur eingegangen war, prägte unsere heidnischen Vorfahren. Das Göttliche verehrten sie in den Erscheinungen einer vielfältigen, sich immer erneuernden und doch immer gleichen Natur.

Alle Welten wurden zusammengehalten durch den grossen Weltenbaum, die Irmansûl. In seiner Spitze lebte ein Adler, an seinen Wurzeln nagte ein Drache, in den Blättern weideten sich Hirsche. Am Fusse dieses leuchtenden Bildes des Lebens sprudelte eine Quelle, deren Wasser der Tau aus den Blättern der Weltenesche war. Der Wurtbrunnen, so hiess er nach dem alten Wort für „Schicksal, Geschick“, war die Quelle allen Lebens, allen Schicksals und allen Wissens. Drei Nornen sassen an seinem Ufer, schöpften sein heiliges Wasser und begossen damit den Stamm der Irmansûl, die vom Sinter weiss glänzte. In der Tiefe des Quells aber lag das eine Auge Wuodans, dass er dem Riesen Mimer zum Pfande gegeben, um einen Schluck der Weisheit aus dem Brunnen der Erinnerung zu trinken.

Von der Heiligkeit des Schicksals

In einer Welt, die während eines halben Jahres in Schnee und Eis, in Dunkelheit und Kälte erstarrte, in einer Natur, die dem Menschen nur während eines kurzen, lichten Sommers die Möglichkeit gibt, sich von ihr zu nähren, wo die Heimstätten der Menschen zwischen wildem Gletschergebirge und der am Lande nagenden See, zwischen undurchdringlichen Urwäldern und tückischen Mooren lagen, war das Leben ein kostbares Gut, dass man sich täglich zu erkämpfen hatte. Um in diesen Breiten zu bestehen, brauchte man vorallem eines: Kraft. Körperkraft, um zu arbeiten, geistige Kraft, um sich den Anforderungen dieser rauhen Welt zu stellen, und schliesslich auch Zeugungskraft, denn wer keine Kinder hatte, um den war es arg bestellt. Die Menschen, die in dieser Welt heranwuchsen, machten sich keine Illusionen über Gut oder Böse. Die Gesetze der Natur waren unnachsichtig. Wer durch Nachlässigkeit die Ernte verdarb, hungerte im Winter. Ob gerecht oder ungerecht, was mochte das für eine Rolle spielen? Im Norden zu leben hat immer geheissen, sich dem Unvermeidlichen zu beugen, die Chancen zu nutzen, die sich boten, und das, was zu tun war, möglichst gründlich zu tun. Was die Natur des Nordens unseren Vorfahren gelehrt hatte, finden wir in ihren Mythen.

Unerbittlich wie der einfallende Winter erscheint uns hier das Schicksal. Alles, was geschieht, ist, oft auf verhängnissvolle Weise, miteinander verwoben. Eine Tat führt zur anderen, alles kommt, wie es kommen muss. Dem Menschen bleibt, zu tun, was zu tun ist. Wuodan weiss von seiner Niederlage in der letzten Schlacht, Palter träumt von seinem Tod. Sigfrid, der grosse Held, weiss von Anfang an um den unheilvollen Gang der Dinge. Doch erstaunlicherweise finden wir in dieser Welt, in der alles gezählt und gewogen ist, keine Spur einer Revolte gegen das ungerechte Schicksal, keine enttäuschte Abkehr von der brutalen Welt. Es gab auch keinen zynischen Nihilismus, keinen Rückzug in die Befriedigung privater Gelüste, wie man vermuten könnte. Die Figuren, die uns in der germanischen Mythologie entgegentreten, erfüllten ihr Schicksal mit Verve, sie waren voller Lebensenergie, aktiv, selbstbewusst. Nicht, dass sie sich in ihr Los schickten, nein, sie schienen ihr Schicksal förmlich zu lieben.

Warum?

Eine wahre Lebenswut wohnte diesen Menschen inne. Sie waren vom Kampfgeist beseelt. Das Leben war ihnen heilig, und das Schicksal, das „Gewordene“, wie es in germanischer Tradition so treffend heisst, war das Leben, das Sein, an und für sich. Es wurde dem Menschen mit seiner Geburt gegeben, und er hatte ein Leben lang daran Teil, wurzelte als Individuum im ewigen Urgrund des Seins. Er wusste, dass in ihm etwas Heiliges lebte, jene Kraft, die sein Herz und seine Lenden belebte. Dies machte ihn würdig zu Leben und sein Leben lebenswürdig. Dies war die Grundlage seines Mutes und seiner Ehre.

So war es geradezu eine religiöse Pflicht, sich dem Heiligen in sich würdig zu erweisen, indem man eine starke und bewundernswerte Persönlichkeit zu werden versuchte. Es war die Lebensaufgabe eines alten Germanen, zu dem zu werden, was er war. Da er am Heiligen Teil hatte, musste er dieses Privileg durch seine Taten rechtfertigen. Selbstverachtung oder gar Selbsthass wären ein eigentliches Sakrileg gewesen.

Die Götter

Wenn die heidnischen Götter auch nicht Weltenlenker im eigentlichen Sinn waren, so kam ihnen doch grosse Bedeutung zu. Sie waren die Freunde und Beschützer der Menschen und wurden mit Opfern und Liedern geehrt. In den Göttergestalten der germanischen Sage erkennen wir unschwer die Götter jenes rätselhaften Volkes, dass einst nicht nur ganz Europa, sondern auch Asien und Indien besiedelte, der „Indogermanen“, wie sie ein unglücklicher Fachbegriff nennt.

Auf Felsenzeichnungen aus der Bronzezeit finden wir schon die Themen, die die Germanen bis zum Abbruch ihrer kulturellen Entfaltung durch das Christentum beschäftigte. Die in Skandinavien niemals brennend heisse, stets milde und segenbringende Sonne nahm einen wichtigen Platz in ihrer Symbolik ein. In unzähligen Variationen finden wir das Thema der heiligen Hochzeit, dass noch in drei eddischen Liedern mitschwingt. Schiffe, Pferde, Schweine und Zwillingspaare deuten ebenfalls auf die zentrale Rolle, die die sommerliche Fruchtbarkeit in jenen Gegenden spielte. Eine der ältesten Gottheiten der Germanen war Nerde, die Muttergöttin, die Frieden und Fruchtbarkeit schenkte. Sie hatte ein männliches Pendant, den skandinavischen Njörd, den Gott des Reichtums. Beide gehören zum Göttergeschlecht der Wanen. Diese waren lichte und beliebte Götter des Wachstums, des Reichtums, des Überflusses, der Liebe und des Friedens. In jüngerer Zeit traten Fro und Frouwe in den Mittelpunkt des Wanenkultes.

Ebenfalls uralte Götter waren Ziu und Wulder. Beide mussten in ältester Zeit weit grössere Verehrung genossen haben als zur Wikingerzeit. Wulder war der Gott der Eide und Schwüre, Ziu der Gott des Rechts und des Dings, der germanischen Landsgemeinde. Wie zu Ziu der helle Taghimmel, der Sommer gehörte, so war Wulder der Gott der Nacht und des Winters. Beide waren Götter, die Werte wie Mut, Ehre, Wahrheit und Recht schützten.

Diesen Zug teilten sie mit Donar, der bei den nordischen Adelsbauern wohl der beliebteste Gott war. Der kraftstrotzende, mit unbändigem Appetit gesegnete, ehrenhafte, aber aufbrausende Rotbart war geradezu das Urbild bäuerlicher Lebenskraft. Wie sein Name verrät, war er Herr über Blitz und Donner. Mit seinem Hammer kämpfte er gegen die Türsten und Jetten und schützte die Saaten der Menschen. Seine Kinder hiessen Mut und Kraft. Der mächtigste der Götter war aber Wuodan, der Gott der heiligen Wut. Er war der Meister der Magie und des geheimen Wissens. Er hatte sich selbst geopfert und im Weltenbaum aufgehängt. Nach neun endlosen Tagen der Folter waren ihm so die Runen offenbart worden. Um den Zugang zum Brunnen der Erinnerung zu erhalten, musste er dem Riesen Mimer ein Auge opfern. Die dritte Quelle seiner Weisheit war sein Met „Wutreger“, den er mit List und Tücke der Jettenmaid Guntlada entwunden, und nun mit Göttern und ausgewählten Kriegern teilte. Wie Donar und Ziu war Wuodan auch Kriegsgott. Doch kämpfte er nicht selbst, wie Donar, und unterstützte auch nicht stets die Gerechten, wie Ziu. Sein Krieg war magischer Art. Er blendete, fesselte, erschreckte Gegner, er versetzte die eigenen Krieger in rasende, übernatürliche Wut und liess oft gerade die besten sterben, um sie in seine Schar auserlesener Totenkrieger aufzunehmen. Man rief ihn um Sieg an und opferte ihm zum Dank die geschlagenen Feinde.

Wuodan war ein düsterer, unberechenbarer Gott, ohne die von ihm verliehene Lebens-, Liebes- und Kampfeswut hätten die Mensche im Norden aber nicht überleben können. Die Germanen sahen in ihm den Vater aller Götter und Menschen und den Erschaffer der Welt. Neben diesen wichtigsten Göttern erzählen uns die Mythen noch vom lichten Palter, vom verschlagenen und hinterlistigen Loder, der diesen ermorden lässt, von der weisen Göttermutter Frîja und von der Totenkönigin Hellia. Für eine ausführliche Darstellung der germanischen Mythenwelt ist an dieser Stelle wenig Platz. Halten wir fest, dass die Germanen Götter des Rechts und der Ehre, der Lebenslust, der Lebenskraft und der Lebenswut verehrten. Nie erscheint uns eine Gottheit ruhend oder gar transzendent. Wie ihre Verehrer waren die nordischen Götter ständig aktiv und führten ein rauhes, aber leidenschaftliches Leben.

Eine Religion der Praxis

Wenn die Religion der Germanen in diesem Artikel „Alte Sitte“ und nicht etwa „Alte Lehre“ genannt wird, hat das seinen Grund. Denn diese Religion bestand in der Tat ausschliesslich aus symbolischen Handlungen und Ritualen. Es existierte kein Gebäude esoterischer Lehren, kein Dogma, keine Gebote, keine Bekenntnisse. Es gab keine Gottsucher und keinen Mystizismus. Die Mythen, die uns bekannt sind, sind kunstvoll gedichtete Variationen überlieferter Sagen. Sie sind kein heiliges Buch, keine letzte Wahrheit und keine Offenbarung. Von grösserer Bedeutung war das überlieferte Recht, dem sakraler Charakter zukam. Es wurde bei der Versammlung der Freien, dem Ding gesprochen. Diese Landsgemeinde beschloss und pflegte Recht und Gesetz, hielt Gericht und bestimmte in Kriegszeiten den König. Sie war auch eine heilige Zusammenkunft, die von Opfern begleitet war. Dass das Ding in der Regel auch Markt, Börse und Volksfest war, tat dem nach germanischer Auffassung nicht den geringsten Abbruch.

Daneben bestand die religiöse Praxis hauptsächlich aus Festen. Das germanische Opferritual hiess Pluostar. Wenn die Götter gepluostart wurden, wenn ihnen also Opfer gebracht wurden, wurde ihre Macht gestärkt. Ziel des Opfers war nicht, einen Gott gnädig zu stimmen, sondern in ihm einen starken Verbündeten zu finden, denn die Menschen, wenn Not am Mann war, in die Pflicht nehmen konnten. Selten wurde einem Gott allein geopfert, im allgemeinen war es Brauch, das Opfer der ganzen Göttersippe darzubieten. Nicht minder als die Asen und Wanen wurden auch die Idisen und Elbe mit Opfern gestärkt. Ein Pluostar bestand in der Regel darin, dass zu Ehren der Götter ein Tier geschlachtet wurde. Das Blut wurde in einem heiligen Kessel gesammelt und war für die Götter bestimmt. Die Haut wurde an einen Baum gehängt, das Fleisch aber in grossen Kesseln gekocht und von der ganzen Gemeinschaft verzehrt. Dem zu opfernden Blut kam magische Kraft zu, es verband die Welt der Lebenden mit der Welt der Toten, die Menschen mit den Göttern. Runenzweige wurden in den Kessel geworden, um das Wurt zu erforschen. Zum folgenden Gelage, dem Hunsal, gehörte auch Bier und Met. War das Fleisch genossen begann das „ernsthafte Trinken“. Ein Horn mit Met wurde gereicht und auf die Götter, die Lebenskraft der Sippe, das Glück des Königs und das Andenken der Ahnen getrunken. Der Met versinnbildlichte die Lebensessenz, das Horn den Brunnen der Wurt. Die Trinkenden erinnerten sich grosser Taten, die vollbracht waren, und schworen heilige Eide für die Zukunft. Im Ring der Trinkenden herrschte geweihter Friede. Die Erinnerung an die Ahnen und die selbst vollbrachten Taten, der kühne Gedanke an die Zukunft, das prasselnde Feuer in der Mitte der Halle und der süsse Met, mit seiner begeisternden, Herz und Zunge beflügelnden Wirkung gaben den Feiernden Mut, Kraft und Zuversicht, das Gefühl, vom Leben und den mächtigen Kräften geliebt zu werden. Dreimal im Jahr kam man zu einem solchen Fest zusammen. Zu Beginn des Winters, wenn die Erntearbeit getan und die Vorräte üppig waren, in der Mitte des Winters, wenn der Toten gedacht und die Fruchtbarkeit beschworen wurde, und im Frühling, wenn man um Sieg opferte, um Erfolg im Kampf, auf dem Ding und in der Arbeit. Dreimal im Jahr kehrte der gemanische Mensch zurück in den Kreis seiner Sippe und seiner Genossen, feierte die Gemeinschaft mit Lebenden und Toten, mit den Göttern und Elben, feierte bei Tanz, Honigwein und Schweinefleisch nicht zuletzt auch sich selbst, vorallem aber die pure Lebenskraft, die ihn ihm wohnte. Um sie drehte sich in dieser Religion mit all ihren Mythen, Bräuchen und Sagen letztlich alles. Die grosse Esche im Zentrum der Erde, die Quelle allen Lebens, allen Schicksals und aller Weisheit war das höchste Weihtum, das Leben an sich das Allerheiligste unserer Alten Sitte.

Quelle: http://www.eldaring.de/pages/artikel/heidentum/alte-sitte.php

Gruß an die alten Sitten

TA KI

Die germanische Religion vor ihrem indo-europäischen Hintergrund


Kurt Oertel

Germanische Religion ist kein isoliertes Phänomen, sondern eng verwandt mit den Religionen der anderen indo-europäischen Völker von Europa bis Indien. Hier werden zahlreiche genaue Parallelen aufgezeigt, was für viele Interessierte ganz neu sein dürfte.

Vorbemerkung

Man kann immer wieder feststellen, dass viele Menschen nur eine sehr vage Vorstellung davon haben, dass es im vorchristlichen Europa überhaupt Religion gegeben hat. Erst bei näherem Nachdenken fallen einigen dann vielleicht jene Namen aus der griechischen Mythologie ein, die sie im Zusammenhang mit populären Versionen griechischer Sagenstoffe schon einmal gehört haben (Zeus, Herkules, Aphrodite usw.). Auch römische Gottheiten wie Iuppiter, Mars, Saturn usw. erzielen leichte Wiedererkennungseffekte, allerdings weniger auf Grund mythologischer Kenntnisse, sondern deshalb, weil diese Namen auch in unserer Kultur immer noch in vielen Zusammenhängen präsent sind. So tragen z.B. alle Planeten immer noch die Namen römischer Gottheiten, und auch alle Monatsnamen haben noch ihre alte römische Bezeichnung. Auch ein tieferes Verständnis der europäischen Kunst- und Literaturgeschichte ist ohne Kenntnis der antiken Mythologien undenkbar. Umgekehrt hat aber gerade das auch oft dazu geführt, dass z.B. die germanische Götterwelt weit mehr aus der extrem verzerrten Perspektive ihrer Rezeptionsgeschichte (wie z.B. den Opern Richard Wagners) bekannt ist, als aus den Quellen selbst. Und den wenigsten dürfte bewusst sein, dass sie noch täglich die Namen germanischer Gottheiten in Form unserer Wochentagsnamen im Mund führen.

Aber auch jenen, die tiefere Kenntnis der Materie haben, ist kaum bekannt, dass es sich hier nicht um verschiedene Einzelreligionen gehandelt hat, sondern um eine ursprünglich einheitliche Religion, deren Ausprägungen nicht nur ganz Europa, sondern auch Indien und den Iran umfassten. Diese zunächst einmal erstaunlich klingende Aussage bezieht sich natürlich auf die gemeinsame indoeuropäische Herkunft all dieser Völker. Wem diese Zusammenhänge unbekannt sind, tut gut daran, zuerst den Artikel „Die Indoeuropäer und ihre Entdeckung durch die Wissenschaft“ zu lesen (ebenfalls auf dieser Website zu finden), in dem die geschichtlichen Hintergründe allgemeinverständlich beleuchtet werden.

Genauso, wie sich alle indoeuropäischen Sprachen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückverfolgen lassen, so verhält es sich auch mit der Religion. Und genauso, wie sich die Sprachen im Lauf der Jahrhunderte auseinanderentwickelt, dabei aber große Übereinstimmungen behalten haben, so auch die Religionen. Wenn die römischen Autoren in ihren verstreuten Berichten über die germanische Religion deren Götter mit den eigenen namentlich gleichsetzen, so spricht dies eben nicht für hilfloses Unverständnis, sondern im Gegenteil dafür, dass sie in den germanischen Gottheiten problemlos jene griechisch-römischen Götter erkannten, die sie selbst auch verehrten.

Die Auseinanderentwicklung lag natürlich nicht nur an den ungeheuren geographischen und zeitlichen Räumen, sondern auch daran, dass viele sprachliche und religiöse Elemente der vorgefundenen eingeborenen Kulturen ihren Weg in das ursprünglich einheitlichere indoeuropäische Erbe fanden.

Hier sollen nun einmal die markantesten Beispiele für diese oft bis ins Detail übereinstimmenden Mythen aufgezeigt werden. Es muss betont werden, dass es sich dabei weder um vereinzelte Zufälligkeiten handelt, wie sie in ähnlicher Form in allen Religionen der Welt auftreten können, noch um Übernahmen von einer Religion in die andere, sondern um Gemeinsamkeiten, die ganz klar auf den gemeinsamen Ursprung der Indeoeuropäer zurückzuführen sind.

Nun ist die vergleichende Mythologie eine recht komplizierte Materie, und Fachleute mögen mir verzeihen, wenn manches hier recht vereinfachend und plakativ dargestellt ist. Es geht hier aber gerade darum, diese meistens nur Spezialisten bekannten Tatsachen möglichst so allgemeinverständlich darzustellen, dass sie auch bei jenen Menschen zu einem Erkenntnisgewinn führen, denen dieses Wissen bisher vorenthalten wurde.

Die Quellen

Wenn wir uns hier hauptsächlich auf drei geographische Räume beschränken, nämlich Skandinavien, Indien-Iran und Griechenland, liegt das einzig und allein an der Quellenlage. Die ist für Indien und Griechenland hervorragend. Die mustergültig überlieferten indischen Traditionen auch aus ältester Zeit stellen einen wahren Glücksfall dar, hier vor allem der Rig-Veda und die anderen Veden. Auch das überlebende griechische Schrifttum ist beträchtlich. Als vorzügliche Quellen haben wir Homer und vor allem den fast gleichzeitig mit ihm lebenden Hesiod, der – ähnlich wie Snorri Sturluson mit seiner Edda – eine systematische Gesamtdarstellung griechischer Mythologie in seiner „Theogonie“ geliefert hat. Aber auch das weitere griechische Schrifttum bietet durchgängig viele Informationen über Weltbild und Gottheiten.

So berechtigt man einerseits die Quellenlage der germanischen Religion beklagen mag, so ist man andererseits damit doch noch reich beschenkt, wenn man sie mit der keltischen, slawischen und baltischen Mythologie vergleicht. Im Fall der Kelten kennen wir zwar etliche Namen von Gottheiten aus dem gallischen Bereich, sowie zahlreiche Heldensagen aus dem irischen Mittelalter, in denen auch Götter vorkommen. Leider sind diese Quellen aber zu lückenhaft, widersprüchlich und entstellt, um auch nur annähernd eine zusammenhängende Mythologie liefern zu können.

Im Fall der slawischen Religion ist das Bild noch düsterer. Auch hier sind einige Götternamen und Volksbräuche überliefert, mehr jedoch nicht. Die schriftlichen Quellen der slawischen Welt beginnen erst lange nach der gründlichen Christianisierung zu fließen, so dass man die meisten Details über die Religion der Slawen als endgültig verloren ansehen muss.

Sehr viel besser verhält es sich mit den baltischen Quellen, denn die Balten waren für lange Zeit wortwörtlich die letzten Heiden Europas. Seit dem 19. Jahrhundert sind dort von einheimischen Volkskundlern und Heimatforschern buchstäblich Tausende von Liedern aufgezeichnet worden, die sehr reiches mythologisches Material bieten. Das Problem ist, dass dies international noch kaum ausgewertet ist. Das liegt zunächst daran, dass außer den Balten selbst kaum jemand die litauische Sprache beherrscht (die übrigens die noch heute urtümlichste aller indoeuropäischen Sprachen ist, weit mehr als das Sanskrit). Das zweite Problem liegt in der politischen Geschichte, denn die baltischen Länder waren über Jahrhunderte Spielball der Großmachtinteressen, was dazu führte, dass die kulturelle Identität der Litauer und Letten stets unterdrückt wurde, und dass gerade im 20. Jahrhundert durch die gewaltsame Sowjetisierung kaum ausländische Forschungen vor Ort oder unzensierte internationale Publikationen litauischer Wissenschaftler möglich waren. So steht die Einbeziehung baltischer Mythologie in das Netz indoeuropäischer Zusammenhänge erst am Anfang, von der für die Zukunft aber sehr viel zu erhoffen ist. Das Wenige, das wir über die Religion der Kelten, Slawen und vor allem der Balten wissen, zeigt aber dieselben indoeuropäischen Parellelen.

Bleiben noch die lateinisch-römischen Quellen zu erwähnen, die ja ebenfalls äußerst reichhaltig sind. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Römer zur Zeit der Verschriftlichung bereits mehr oder weniger komplett die griechische Mythologie übernommen hatten. Die Griechen hatten schließlich vor dem Aufstieg Roms über lange Zeit die völlige kulturelle Herrschaft über große Teile Italiens ausgeübt. Was die Römer nicht von den Griechen übernommen haben, das stammt wiederum von den nicht-indoeuropäischen Etruskern im Norden Italiens, so dass wir außer dem alten Iuppiter kaum etwas besitzen, das sich als wirklich eigene römische Gottesvorstellung bezeichnen ließe.

Letztlich muss Ähnliches allerdings auch von der griechischen Mythologie gesagt werden. Die indoeuropäischen Vorfahren der Griechen stießen bei ihrem Eindringen auf alteingesessene Völker, die teilweise auf sehr viel höherem kulturellem Stand waren und von denen sehr viele Eigenheiten in die griechische Religion Aufnahme fanden. Auch dort ist Zeus die einzige Gottheit, die mit absoluter Sicherheit als indoeuropäisch angesehen werden kann.

Der Ursprung der Welt

Die germanischen Quellen berichten über den Zustand vor dem Werden der Welt von einem „gähnenden Abgrund“ (ginnungagap), der aber mit einer magischen Kraft gefüllt war.

Die Edda sagt:

„In uralten Zeiten, da gab es nichts, weder Sand noch Meer, noch nasskalte Wellen. Erde war nirgends und kein Himmel oberhalb davon, nur gähnender Abgrund.“

Vergleichen wir damit nun die folgenden Zeilen aus dem Rig-Veda (X, 129 ff.):

„Nicht existierte Nicht-Seiendes, noch auch existierte Seiendes damals, nicht existierte der Raum, noch auch der Himmel oberhalb davon. Exisitierte das Wasser? Nein, nur ein tiefer Abgrund.“

Dieser Abgrund war der Ursprung allen Seins, denn aus ihm entstand ohne Zutun irgendeiner Gottheit die Schöpfung des Kosmos. Die Edda sagt:

„Und der gähnende Abgrund wurde dort so warm wie die windlose Luft. Und wo sich der Reif und der heiße Luftzug begegneten, da taute und tropfte es. Und aus diesen Gischttropfen entstand Leben.“

Der indische Text:

„Es begann zu atmen, windlos, durch eigene Kraft. Der Keim, der von Leere bedeckt war, kam als Einziges zum Leben durch die Macht einer Hitze.“

Es ist schwer zu glauben, dass zwischen der Abfassung der beiden Texte nicht nur Tausende von Kilometern, sondern auch fast 2000 Jahre liegen. Sie sind nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Wortlaut her fast noch identisch.

Der Grieche Hesiod berichtet ebenfalls dasselbe (Theogonie 116):

„Zuerst war nur die gähnende Leere des Raumes (Chaos), danach die breitbrüstige Erde (Gaia), weiter entstand das Liebesbegehren (Eros).“

Auch hierzu ein identisches Detail aus dem Rig-Veda:

„Das Begehren bildete sich da im Anfang, das als Same des Denkens als erstes existierte.“

Jeder wird erkennen, dass hier nicht nur inhaltliche, sondern teilweise sogar wörtliche Übereinstimmung besteht, woraus man entnehmen kann, dass hier uralte Kultdichtung aus gemeinsamer indoeuropäischer Zeit in treuer Bewahrung überlebt hat. Dass die altnordische Version kein „vereinzelter Zufall“ oder eine Erfindung des Völuspa-Dichters ist, wird durch Bruchstücke aus dem süddeutschen Raum belegt. Obwohl es bereits aus christlicher Zeit stammt, haben sich in dem sogenannten Wessobrunner Gebet ebenfalls diese alten Kultzeilen über den Zustand der Welt vor ihrem Beginn erhalten:

„Es gab weder Erde, noch Himmel oberhalb davon, noch Baum, noch Berg. Auch schien keine Sonne, noch leuchtete der Mond, noch gab es das herrliche Meer.“

Einen weiteren Beleg finden wir in der Kirchengeschichte Adams von Bremen (IV, 39), der ebenfalls von dem leeren Abgrund der germanischen Urzeit berichtet („immane baratrum abyssi“), dessen Namen „Ginnungagap“ er aber falsch verstanden mit „Ghinmendegoþ“ wiedergibt.

Spätere indische Erläuterungen geben detailliertere Auskunft über diesen ursprünglichen Zustand: Die Urmaterie befindet sich im Zustand der „Weltenruhe“. Sie besteht aus drei Grundsubstanzen: „Sattva“ (leicht, Freude bewirkend), „Rajas“ (beweglich, Schmerz hervorrufend) und „Tamas“ (schwer, dunkel und hemmend). Diese drei Substanzen halten sich im Gleichgewicht, werden dann aber erschüttert, beginnen dadurch gegeneinander zu wirken und sich miteinander zu vermischen. Auf diese Weise entsteht zunächst feine, dann immer festere und grobere Materie, aus der nicht nur die Denktätigkeit der Lebewesen und Gottheiten, sondern auch die fünf Elemente (Wasser, Feuer, Erde, Luft und Äther) hervorgehen.

Nachdem der Beginn der Schöpfung dergestalt in Gang gekommen ist, entsteht aus der Erde ein Urwesen. In der Edda ist das Ymir, ein Urriese, der sich von der Milch einer Urkuh ernährt, die genauso in der indischen wie auch persischen Überlieferung auftaucht. Der Ahnvater allen Lebens trägt dort sogar denselben Namen: Yima. Tacitus berichtet uns bei den kontinentalen Germanen von dem „erdgeborenen“ Tuisto.

Nun ist die Bedeutung all dieser Namen genau dieselbe: Zwitter bzw. Zwilling. Nicht ohne Grund, denn er zeugt mit sich selbst ein weiteres männliches Wesen, bei den kontinenetalen Germanen Mannus, bei den Indern Manu, bei den indoeuropäischen Phrygiern in Anatolien Manus genannt. Von diesem Sohn des Urwesens stammen im Altnordischen sowohl die Riesen, wie später auch die drei Götter Odin, Vili und Vé ab, bei den kontinentalen Germanen die Stammväter der Ingväonen, Istväonen und Herminonen.

In der griechischen Version ist es der Riese Kronos, der mit dem Urwesen vergleichbar ist, denn auch er wurde von der Erde (Gaia) und dem Himmel (Uranos) gezeugt, zusammen mit dem weiteren Riesengeschlecht der Titanen. Kronos ist zwar kein Zwitter, wohl aber ein Zwilling, denn mit seiner Schwester Rhea zeugt auch er die drei ersten Götter Zeus, Poseidon und Hades. In der Edda erschaffen diese drei Götter das erste Menschenpaar aus zwei Bäumen, den Mann aus einer Esche, die Frau aus einer Ulme. Bei Hesiod findet sich ebenfalls der Rest des altgriechischen Mythos von der Erschaffung des ersten Menschen aus einer Esche.

Nun aber passiert Unerhörtes: Die erste Tat der Götter besteht darin, dass sie das riesige Urwesen, dem sie letztlich ihre Existenz verdanken, töten. Das aber ist kein hinterlistiger Meuchelmord aus niederen Motiven, sondern gerade aus der indischen Variante geht hervor, dass es sich um die erste heilige Opferhandlung handelt. Vor allem aber dient der Körper des Urwesens dazu, dass die Götter aus seinen Teilen die Welt formen, wie wir sie kennen.

Die isländische Edda berichtet:

„Sie nahmen den Ymir und schufen aus ihm die Erde: aus seinem Blute das Meer und die Seen. Das Festland machten sie aus seinem Fleisch, die Berge aber aus seinen Knochen, und Gestein und Geröll aus seinen Zähnen. Sie nahmen auch seinen Schädel und schufen den Himmel daraus und stülpten ihn mit allen vier Ecken über die Erde“.

Im indischen Rigveda liest sich das 2000 Jahre früher so:

„Der Mond wurde aus seinem Geist geschaffen, aus seinem Auge wurde die Sonne. Aus seinem Nabel wurde die Luft geschaffen, aus einem Kopf entstand der Himmel, aus seinen Füßen die Erde. So schufen die Götter die Welt.“

Im Indischen entstehen aus der Zerteilung des Urwesens auch die verschiedenen Menschen, das sind die drei indoeuropäischen „Kasten“, zusätzlich der für Indien charakteristischen vierten Kaste der Einheimischen. Das wiederum erinnert an die kontinentalgermanische Variante von der Herkunft der Ingväonen, Istväonen und Herminonen, obwohl es sich hierbei nach allgemeiner Anschauung nicht um Kasten, sondern um Kultgemeinschaften handelt.

Im Griechischen finden wir von diesem Motiv nur Anklänge. Dort ist es Kronos, der seinen Vater Uranos durch Kastration mit einer Sichel tötet. Dieses Detail scheint aber aus dem Kumarbi-Zyklus der hurritischen Mythologie übernommen worden zu sein. Im Persischen hat sich ebenfalls das Wissen erhalten, dass das Urwesen Gayomart (auch hier ist der Name Ymir noch gut zu erkennen) durch drei göttliche Brüder getötet wurde.

Die verblüffenden Übereinstimmungen all dieser Überlieferungen sind nicht nur in der reinen Abfolge zu sehen: „Urknall“ im namenlosen Nichts, Lebensfunken und erdgeborenes Urwesen, daraus Riesen, Götter, Menschen. Wie wir sehen, stimmen auch die einzelnen Details überein.

Deshalb sei hier noch auf eine seltsame Übereinstimmung dieser Vorstellungen mit denen im chinesischen Taoismus hingewiesen. Das Tao (Weltgesetz) ist der Urgrund (!) der Welt, aus dem alles entstanden ist. Vor dem Beginn der Weltentstehung wird ein Zustand des „Nichtseins“ vorausgesetzt. Aus diesem transzendenten „Urgrund“ geht das Sein hervor, d.h. der Zustand der All-Einheit, in welcher alle Unterschiede noch ungetrennt sind. Diese Einheit erzeugt die geschlechtliche Zweiheit von Yang und Yin. Aus dem Dualismus dieser zweigeschlechtlichen Urkraft entsteht der „Lebensatem“, der die Harmonie der beiden Kräfte bewirkt, die wiederum die fünf Elemente erzeugen (die identisch mit den oben erwähnten indischen sind). Die jetzt vorhandenen „Sieben“ bringen als weitere Faktoren Himmel und Erde hervor und haben sich damit zu einer „Neunheit“ entwickelt. Diese Neunheit ist insofern wieder eine Einheit, als sie zusammen den gesamten Kosmos bildet.

Wenn man die Enstehung des zweigeschlechtlichen Urriesen im indoeuropäischen Bereich bedenkt (Yin und Yang), sowie die Tatsache, dass auch die germanische Kosmologie aus neun Welten besteht, ist diese Übereinstimmung der Schöpfung so verblüffend, dass man sich fragen muss, ob hier nicht eine Verbindung besteht. Der Taoismus wird nun zwar nicht zu den indoeuropäischen Religionen gezählt, es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass bei dessen Entstehung ca. im 5. Jahrhundert v.Chr. die zu diesem Zeitpunkt schon weitaus älteren vedischen Vorstellungen des eng benachbarten Indien bekannt gewesen sind, so dass hier eine Übernahme oder Beeinflussung keineswegs ausgeschlossen werden kann.

Die Vorstellung von dem äußeren Aufbau der Welt unterscheidet sich bei den Indo-Europäern allerdings kaum von dem aller anderen Völker, was daran liegt, dass diese Anordnung der Dinge dem Augenschein zu entsprechen scheint: die Erde wurde als vom Meer umgebene Scheibe gedacht. Darunter befinden sich Unter- und Jenseitswelten, darüber stockwerkartig die Welten der Götter und anderer himmlischer Wesen, woraus sich insgesamt das zwiebelschalenförmige Modell eines „Welteies“ ergibt. Allerdings gehen bereits die frühen indischen Texte wie selbstverständlich davon aus, dass es unzählige solcher bewohnten „Welteneier“ im Universum gibt. Eine erstaunliche Erkenntnis! Die Griechen wiederum waren die ersten, die die Kugelgestalt der Erde entdecken und bereits erste Versuche machten, ihren Umfang zu berechnen. Beide Fälle waren aber keine Vorwegnahme des Kopernikanischen Weltbildes, denn nach wie vor wurden Sonne, Mond und Sterne als um die Erde kreisend gedacht. Und bei dem indischen Beispiel hatte jedes dieser „Welteneier“ natürlich eine eigene Sonne und Sternenwelt, die sie schichtweise umgab, genau wie eine eigene Göttersphäre.

Das höchste Weltprinzip

Allen indeoeuropäischen Religionen ist der Glaube an ein höchstes Weltgesetz gemeinsam, das sich in dreifacher Form manifestiert:

  1. Als natürliche Ordnung der Dinge, die die Pflanzen wachsen lässt, die Jahreszeiten und das Wetter bewirkt, sowie die Himmelslichter in den zugewiesenen Bahnen hält.
  2. Als sittliche Ordnung, die allen Wesen ein ihnen gemäßes Verhalten und Einhaltung der Pflichten vorschreibt.
  3. Als magisch-rituelle Ordnung, welche die heiligen Handlungen und Opfer gebietet, die für den richtigen Verlauf des Lebens unerlässlich sind.

Dieses Urgesetz ist das letzte, nicht weiter zurückführbare Weltprinzip, das in und über allem waltet. Im Altindischen wird dieses Prinzip als Dharma (Gesetz) bezeichnet (in jüngeren – vor allem buddhistischen – Texten hat das Wort aber die Bedeutung „Lehre“ angenommen). Auch das chinesische Wort „Tao“ hat genau dieselbe Bedeutung. In den als „Brahmana“ bezeichneten priesterlichen Erläuterungstexten zu den Veden taucht dieses ewige All-Eine, das den Urgrund allen Seins bildet, unter dem ganz unpersönlich gedachten Begriff „Brahma“ auf, die heilige Macht, die dem Opfer seine wirkende Kraft verleiht, und die als innerster Kern alles Existierenden auch in allem verborgen ist. Da ein winziger Teil dieser Kraft auch in jedem Einzelwesen wirkt, denn alle Wesen sind mit diesem kosmischen Urgrund verbunden, bezeichnete man diesen Brahma-Funken in jedem Lebewesen als „Atman“. Und das Wort ist völlig mit unserem „Atmen“ verwandt. Die Wichtigkeit des Atems und seiner vielfältigen Techniken in den indischen Religionen ist ja bekannt. Im Altindischen hat das Wort dann auch die Bedeutung „Geist“ schlechthin angenommen (wie auch im Ehrentitel Gandhis „Mahatma“ = großer Geist). Dieses Konzept eines göttlichen Funkens in uns allen hat übrigens seine genaue Entsprechung in dem frühchristlichen Gnostizismus, der dann auch prompt als schlimme Ketzerei bekämpft wurde, da das Christentum diese Vorstellung ablehnt. Diesem Konzept liegt aber auch der indische und buddhistische Gedanke zugrunde, dass der Mensch aus eigener Kraft zur Erleuchtung und Selbsterlösung gelangen kann, was das Christentum ebenfalls strikt leugnet.

Auch die Ethik wird auf diese der Welt immanenten Ordnung gegründet. Selbst der große Philosoph Immanuel Kant kam übrigens ganz unabhängig davon im Europa des 18. Jahrhunderts zu einer identischen Überzeugung, nämlich dass die Erkenntnis dieser Wirkmächtigkeiten („der gestirnte Himmel über mir und das sittliche Gesetz in mir“) völlig ausreicht, um ein ethisch einwandfreies Leben führen zu können. Ein Gesetzestext, wie die Zehn Gebote des Alten Testaments, existiert in den indoeuropäischen Quellen nicht. Er wäre auch mehr als überflüssig, denn wer die in den Zehn Geboten aufgeführten Forderungen – von den ersten beiden (Eingottglaube und Sabbatheiligung) einmal abgesehen – nicht auch ohne ausdrücklichen göttlichen Erlass verinnerlicht hat, ist für das menschliche Zusammenleben absolut ungeeignet.

Der Begriff der „Sünde“ war den Indoeuropäern unbekannt. Natürlich entschied man auch hier sehr wohl nach guten und schlechten, ehrenhaften und unehrenhaften Taten. Im Gegensatz zur „Sünde“ aber (von der man sich durch Reue oder Beichte reinigen kann, bei der man sich auch immer mit den Versuchungskünsten des „Teufels“ herausreden kann), ist das bei unehrenhaftem Tun nicht ganz so einfach. Hier ist man absolut selbst für seine Taten und deren Wiedergutmachung verantwortlich. Keine Gottheit bietet hier „Vergebung“ an.

Entscheidend ist nun, dass auch die Götter diesem Gesetz unterworfen sind, denn die Götter der indeoeuropäischen Religionen sind weder allwissend noch allmächtig, und auch nicht unsterblich. Auch sie haben „menschliche“ Fehler und laden Schuld auf sich. Das finden wir bei den indischen Gottheiten genauso, wie bei den griechischen und germanischen. Sie haben die Welt ja auch nicht aus dem Nichts geschaffen, sondern entstanden erst danach und ordneten die Welt nur aus dem schon reichlich vorhandenen Baustoff des Urriesen und sonstiger Materie. Und natürlich verehren die altindischen Götter dieses höchste und weit über ihnen stehende Weltprinzip ebenfalls und opfern ihm auch.

Dieses Detail scheint auf den ersten Blick in den germanischen Quellen unbekannt zu sein, denn in der Sekundärliteratur wird auf diesen Aspekt nie eingegangen. Und doch gibt es drei bisher unbeachtete Stellen, die tatsächlich einen Hinweis darauf liefern könnten.

In der Völuspa wird berichtet, dass die Asen als eine ihrer ersten Taten „Heiligtum und Altar“ errichten. Aber für wen? Menschen, die hier die Asen verehren könnten, sind noch nicht erschaffen. Zudem wird das Heiligtum in Asgard, also dem Reich der Götter, errichtet. Dass die Götter sich hier in Zeremonien selbst verehren und Opfer bringen, kann man wohl ausschließen. Wenn diese Stelle nicht ein „geistiges Versehen“ des Dichters ist, was man in dem so ungemein kunstvoll komponierten Gedicht aber ausschließen kann, ist das tatsächlich ein Hinweis darauf, dass sich auch die germanischen Götter einer höheren Macht verpflichtet fühlten.

Die zweite Stelle befindet sich im Hyndla-Lied, wo direkt in der ersten Strophe ebenfalls auf ein ganz bestimmtes „Heiligtum“ in Asgard Bezug genommen wird. Hier ist der Zusammenhang der, dass Freyja die Riesin Hyndla zum Mitkommen nach Asgard bewegen will. Da Riesen dort aber nicht willkommen sind, erwähnt sie dieses Heiligtum als „sicheren“ Ort für die Riesin, denn wie auch in allen anderen Kulturen galten Heiligtümer als ein Ort der Zuflucht, vor dem der Arm des Gesetzes (hier die Furcht vor dem Riesentöter Thor) Halt machen musste, wie wir es auch heute noch vom christlichen Kirchenasyl her kennen.

Die dritte Stelle findet sich in Snorris Edda, und dort erfahren wir genau dasselbe. Zu Beginn des Textes wird als Motiv für die Reise König Gylfis zu den Göttern ausdrückliches folgendes genannt:

„Er [Gylfi] wunderte sich sehr darüber, dass die Asen so beschlagen waren. Er überlegte, ob das von ihrer eigenen Natur herrühre, oder ob ihre Götter daran schuld seien, denen sie opferten“.

Was in der Völuspa und dem Hyndla-Lied nur angedeutet ist, finden wir hier von Snorri unmissverständlich ausgesprochen. Und da diese identische Information aus drei sehr unterschiedlichen und nicht voneinander abhängigen Quellen kommt, darf man ihr folgenden allgemeinen Wert zubilligen: Es gab eine Macht über den Asen, denen auch sie opferten. Und wir finden im Altnordischen auch ein Wort, das bis ins letzte dem aus indischen Zusammenhängen bekannten Urgesetz entspricht: „Ørl?g“. Das wird zwar in vielen Texten als „Schicksal“ übersetzt, ganz wörtlich aber heißt es „Urgesetz“ (im althochdeutschen „urlag“). Auch die römisch-griechischen Götter kennen dieses obere Prinzip, das dort ebenfalls als „Schicksal“ (fatum) bezeichnet wird.

Trotz der inhaltlich ganz genauen Entsprechung des Wortes „Ørl?g“ ist dieses im Altnordischen aber mehr mit dem persönlichen Schicksal des einzelnen Menschen verbunden (und scheint sogar einige Parallelen zum Begriff des Karma aufzuweisen!). Für das über allem waltende Schicksal gab es aber noch weitere Begriffe.

Da ist zunächst das altnordische Wort „mj?tuðr“ (altsächsisch „metud“). Das ist mit unserem Wort „messen“ verwandt und bezeichnet die „zumessende“, also schicksalbestimmende Macht. Das Leben als Ganzes wird nicht als ein von den Göttern bestimmtes, sondern als von einer inneren Gesetzmäßigkeit gelenktes Los gedacht. Die germanische Vorstellung sah darin also eine gleichsam äußere wie innere Kraft, was sich durch die Verbindung dieser Kraft mit Bestandteilen der eigenen Seele ausdrückt. Begriffe wie „Ørl?g“, „hamingja“ und „fylgja“, die sowohl Teile des eigenen Selbst, aber gleichzeitig davon losgelöste Bestandteile sind, geben davon Zeugnis. Die außerordentlich komplizierte Seelenvorstellung der germanischen Religion, mit denen diese Begriffe zusammenhängen, ist allerdings ein Kapitel für sich, worauf in einem anderen Beitrag gesondert eingegangen werden wird.

Ein weiterer Begriff dieser Schicksalsmacht war „urðr“, althochdeutsch „wurt“, welches wörtlich unserem Begriff „das Gewordene“ entspricht. Dass es solch verschiedene Begriffe für dieses Konzept gibt, legt nahe, dass die Vorstellungen davon sehr viel differenzierter und vielschichtiger gewesen sind, als es uns heute aus den spärlichen Quellen noch ersichtlich werden kann.

Natürlich hat es immer wieder verständliche Versuche gegeben, dieses Prinzip auch mit einer personellen Vorstellung zu verbinden. So entstand die Vorstellung der Schicksalsfrauen, die meist als Dreiheit auftreten: bei den Griechen waren das die Moiren, bei den Römern die Parzen und bei den Germanen die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld. Diese drei Nornen sitzen unter dem Weltenbaum an einer heiligen Quelle und bestimmen von dort das Schicksal. Sie sind wesentlich älter, als die Götter. In der Völuspa werden sie als Töchter der Riesen geschildert (wenn diese Interpretation der drei Riesentöchter als Nornen in Vsp. 8 denn richtig ist!), allerdings genauso bei den Griechen, wo sie Töchter der Nacht sind und ebenfalls den Riesen (Titanen) zugerechnet werden. Gegen die Entscheidungen der Schicksalsfrauen sind auch die Götter machtlos, die Götter sind ihnen sogar genauso unterworfen, wie die Menschen. Selbst Zeus kann lediglich am Ausschlag seiner goldenen Waage erkennen, dass sich das Schicksal seiner Lieblinge (Herakles, Hektor) dem Dunkel zuneigt, so wie auch Odin den Tod seines Lieblingssohnes Baldr zwar voraussehen, aber trotz aller Versuche nicht verhindern kann.

Bei den Germanen scheint die Vorstellung dieser Schicksalsfrauen allerdings eine Vermengung ursprünglich anderer Vorstellungen zu sein. Denn die Nornen galten gleichzeitig als Geburtshelferinnen und erscheinen nicht immer in Form dreier Frauen. Sie waren bei der Geburt jedes Kindes anwesend und bestimmten ihm Gutes wie Böses. In dieser Form treten sie noch gut erkennbar zu Beginn des Märchens von Dornröschen auf. Ihre Funktion überschneidet sich außerdem teilweise mit der der Walküren, die ja auch über Leben und Tod entscheiden, und der Nornenname Skuld ist auch als Walkürenname belegt. Weiterhin dürfte es eine Verwandtschaft zu den aus dem keltisch-germanischen Grenzgebiet bekannten Matronen geben, die ja auch stets in Form einer Dreiheit verehrt wurden. Auch die Disen (dísir), im Altnordischen ein nicht ganz klarer Begriff für weibliche Schutz- und/oder Fruchtbarkeitsgottheiten, dürften dieser Kategorie von Wesenheiten angehört haben.

Die altnordischen Disen (und deutschen Idisen, wie sie noch im Ersten Merseburger Zauberspruch auftreten) haben übrigens ihre genaue sprachliche und inhaltliche Entsprechung in den indischen „Dhisanas“, die uns nicht nur ebenfalls als „Reichtum erzeugend, Gaben und Güter verteilend, beglückend“, beschrieben werden, sondern genau wie die Matronen auch in Form einer weiblichen Dreiheit verehrt werden.

Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema: Wenn man dieses besagte Urgesetz, den Urgrund aller Dinge, nun personifiziert, wie es zeitweise auch in der indischen Tradition ansatzweise passiert ist (nämlich dadurch, dass das unpersönliche Brahma-Prinzip zu einem Gott wurde, aber auch in der Gestalt Vishnus), ist man gar nicht mehr so weit von der Gottesvorstellung entfernt, wie sie von Christentum, Judentum und Islam vetreten wird.

Es ist nämlich ein grundlegender Irrtum, der bis heute von christlicher Seite besteht, die Wesensart der indoeuropäischen Götter mit der ihres einzigen Gottes gleichzusetzen und darin einen unauflöslichen Gegensatz zwischen Monotheismus (Eingottglaube) und Polytheismus (Vielgottglaube) zu sehen. Schließlich haben auch die Christen, Juden und Muslime genaue Entsprechungen zu den indoeuropäischen Göttern: die große Zahl von Engeln, Erzengeln und anderen himmlischen Heerscharen mit genauer Abstufung ihrer Kompetenzen. In älterer christlicher Zeit war diese „Angelogie“ sogar eine ganz eigene theologische Spezialdisziplin. Im Katholizismus kommt noch die gewichtige Schar der Schutzheiligen hinzu. Und deren Funktionen entsprechen auch sehr viel mehr z.B. denen der indischen bzw. germanischen Gottheiten. Das Fehlen dieser simplen Erkenntnis hat dem Dialog der Religionen oft völlig unnötige Grenzen vorgeschoben, die allerdings stets von Seiten der monotheistischen Religionen aufgebaut wurden. Natürlich ebnet diese Erkenntnis keineswegs die weiteren (sehr erheblichen) Unterschiede ein, aber sie hätte zumindest die grundsätzliche Verständigung etwas erleichtert.

Dennoch gibt es auch bei der Erkenntnis dieser Zusammenhänge einen unüberbrückbaren Gegensatz. Das indoeuropäische „Urgesetz“ ähnelt eher einem unveränderlichen Naturgesetz. Sein Wirken ist unabhängig davon, ob man daran glaubt oder nicht, genauso, wie es z.B. der Schwerkraft völlig egal ist, ob man an sie glaubt (deren Wirken bekommen „Ungläubige“ genauso zu spüren, nur meistens etwas schmerzhafter). Im Gegensatz dazu muss die Vorstellung von nur einem einzigen und allmächtigen Gott zu dem Glauben führen, dass jede natürliche Ordnung der Dinge gerade durch die Allmacht dieses Gottes jederzeit wieder durchbrochen und rückgängig gemacht werden kann (oder wenigstens könnte).

Das Problem dabei ist, dass zwischen dem monotheistischen Gott auf der einen Seite und seiner Schöpfung (= Welt, Pflanzen, Tiere, Menschen) auf der anderen Seite eine unüberbrückbare Kluft besteht. Gott und Schöpfung sind von unvereinbarer Unterschiedlichkeit, was in den indoeuropäischen Religionen gerade nicht der Fall ist. Dort sind Menschen, Tiere, Gottheiten, ewiges Weltgesetz und Schöpfung untrennbar miteinander verbunden, da ja auch die Gottheiten selbst Teil der Schöpfung sind. Fairerweise muss man aber zugeben, dass heute auch die meisten Christen Probleme mit der Ferne dieser biblischen Gottesvorstellung haben und viele sich in einem Prozess ökologischer Bewusstseinswerdung und Einsicht dem „heidnischen“ Gottesverständnis annähern, ohne dass ihnen aber bewusst würde, wie radikal sie sich dabei von den Grundlagen des christlichen (und hier vor allem evangelischen) Gottesbildes entfernen.

Die monotheistische Doktrin, dass Gott gleichermaßen allmächtig, wie auch die Verkörperung reinster Liebe ist, hat denn auch zu dem Grundproblem der Christen schlechthin geführt: Wie ist es nämlich dann zu erklären, dass diese Welt so unvollkommen ist? Warum gibt es so viel Leid und Unglück, das vorzugsweise über „Unschuldige“ hereinbricht, wenn dieser allmächtige und liebevolle Gott doch mit einem winzigen Willensakt das Paradies auf Erden verwirklichen könnte?

Auf die Beantwortung dieser Frage (die man mit dem Fachbegriff „Theodizee-Problem“ bezeichnet) ist von christlicher Seite seit nun fast 2000 Jahren großer Scharfsinn verwandt worden, ohne dass man eine befriedigende Antwort gefunden hätte. Schon daraus wird deutlich, dass die Gottesvorstellung christlicher Prägung in sich unstimmig ist und nicht befriedigen kann. Ein scheinbar genialer Schachzug bestand darin, dass man zur Erklärung dieses Problems den Teufel als Verkörperung des „Bösen“ schlechthin erfand. Dieser heute nur noch bei christlichen Fundamentalisten populäre Kinderschreck löst das Problem aber auch nicht, da er Gott ja unterlegen ist. Auch alle anderen Erklärungsversuche laufen ins Leere und beschränken sich letztlich auf die resignierende Feststellung, dass Gottes Wege unergründlich seien.

Nun gibt es natürlich auch in den indoeuropäischen Religionen Kräfte, die den Göttern feindlich gegenüberstehen. Im Indischen gibt es unzählige Dämonen, mit denen die Götter in ständigem Kampf liegen, und auch in der germanischen und griechischen Religion gibt es die Riesen, auch sie auf gewisse Art Gegner der Götter. Diese Riesen aber haben wenig gemeinsam mit jenen dummen und tolpatschigen Gestalten, wie wir sie aus den Volksmärchen kennen. Die Riesen der Edda sind im Gegenteil äußerst schillernde Gestalten, uralt und mächtig, sehr zauberkundig und von großem Wissen. Die Götter stammen ja überhaupt erst von ihnen ab, und später finden wir sogar Ehen zwischen Göttern und Riesinnen.

Die Gefährlichkeit, die diesen Riesen eigen ist und gegen die Thor fortgesetzt kämpft, liegt eben nun gerade nicht darin, dass sie das Prinzip des „Bösen“ verkörpern, wie der christliche Teufel. Sie sind vielmehr ein gelungenes Bild für die gefährliche Seite der Natur. Auch im modernen Sinn sehen wir jene Seite der Natur, wie sie durch Flut- und Wetterkatastrophen, Erdbeben, Vulkanausbrüche usw. repräsentiert wird, zwar als gefährlich, aber nicht als „böse“, sondern eben auch als „natürlich“ an. Einen heutigen Naturbegriff, der sich ausschließlich auf die schöne, romantische, harmonische und idyllische Seite der Natur beschränkt, kannte man früher nicht. Es gibt im Germanischen auch kein Wort, das unserem Begriff „Natur“ entsprechen würde, denn allein diese Wortbildung würde eine grundsätzliche Abgrenzung des Menschen von der Natur bedeuten, ein Konzept, das sich erst in der Neuzeit entwickeln konnte. Insofern ist auch die oft zu findende pauschale Behauptung, die Germanen hätten „die Natur verehrt“, historisch gesehen Unsinn oder zumindest grob missverständlich. Natürlich sah man in einzelnen Manifestationen der Natur auch das Göttliche, eine allgemeine Verehrung der Natur als solche aber ist schon deshalb undenkbar, weil die Natur gerade früher höchst lebensbedrohlich für die Menschen war. Jeder Winter war eine Sache auf Leben und Tod, jede Wetterkatastrophe und Überschwemmung bedeutete wegen der daraus folgenden Missernte das sichere Todesurteil für viele Menschen. Jeder Gang in den Wald konnte in einer tödlichen Begegnung mit damals noch existierenden Tierarten enden (Bär, Wolf, Wisent, Auerochse).

Entscheidend aber ist nun, dass das Leid in der Welt – und dabei vor allem das durch Menschen verursachte – in den indoeuropäischen Religionen keiner Erklärung durch göttliche Mächte bedarf. In einer erstaunlich modernen Weise ist dort die Tatsache menschlicher Unzulänglichkeiten wie Habgier, Neid, Dummheit und Kleingeistigkeit als Erklärung völlig ausreichend. Man muss die Schuld nicht auf die Götter oder auf einen Teufel schieben. Insofern ist auch die in christlichem Zusammenhang oft gestellte Frage, warum z.B ein Unglück ausgerechnet einen Menschen trifft, der es unserer Meinung nach nicht „verdient“ hat, während ein anderer, der es „verdient“ hätte, ungeschoren davonkommt, sehr viel weniger relevant. Sie stellt sich im Grunde gar nicht. Der griechische Dichter Aischylos hat die Essenz der menschlichen Existenz in der Erkenntnis zusammengefasst: „Wer handelt, der leidet“.

Zu einem Problem konnte diese Frage allerdings erst in einer modernen Gesellschaft werden, die den Tod aus ihrem Bewusstsein verdrängt hat, was Hand in Hand mit einer schleichenden „Entreligionisierung“ einherging, die z.B. in Frankreich schon Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzte. Die sehr pointierte Formulierung „Alle wollen in den Himmel, aber niemand will sterben“, ist nicht wirklich auf das Christentum zu beziehen, sondern nur auf seine spießbürgerliche Fratze der Neuzeit, die sich oft genug auf reine Fassade beschränkt. Dass der Tod lediglich das Tor zu einer anderen, neuen und interessanten Welt war, daran „glaubte“ man früher nicht, sondern das wusste man. Bezeichnend ist ja auch, dass man heute bei der Geburt eines Kindes nicht die geringsten Gedanken darauf verschwendet, woher dessen Seele denn kommt, während man sich in furchtsamer Spekulation (oder meistens Verdrängung) darüber ergeht, wo die Seele nach dem Leben wieder hingeht.

Natürlich finden wir auch in der altnordischen Literatur Beispiele dafür, dass Menschen auf Grund von schlimmen Schicksalsschlägen mit den Göttern hadern, ja sogar vom Glauben abfallen. Das ist nur allzu menschlich. Und auch hier findet sich die Erklärung, dass uns die langfristigen Pläne der Götter verhüllt bleiben. Nur hat von diesen Göttern ja auch niemals jemand behauptet, sie seien allmächtig, fehlerfrei und bestünden aus reiner Liebe den Menschen gegenüber. Und erst recht geht nicht „jedes Blatt, das vom Baume fällt“ auf einen direkten Willensakt der Götter zurück, so wie es in der Bibel von Jahwe, dem christlichen Gott, gesagt werden muss, weil neben ihm ja keine anderen Kräfte existieren dürfen. Bei aller Erhabenheit, die das christliche Gotteskonzept natürlich auch hat, stellt es in Hinsicht auf Welterklärungsmöglichkeiten aber eine Verarmung dar, die in scharfem Gegensatz zu den alten vorchristlichen Konzepten steht. Die nämlich sind gerade vor dem heutigen Hintergrund einer modernen, pluralistischen Gesellschaft und Weltentwicklung sehr viel überzeugender und stimmiger.

Der Weltenbaum

Ein weiteres und sehr schönes kosmologisches Bild ist ebenfalls weit außerhalb des germanischen Kulturraumes nachweisbar, das Bild des gewaltigen Weltenbaumes, der die gesamte Schöpfung durchzieht, die verschiedenen Welten der Gottheiten, Menschen und anderer Wesenheiten miteinander verbindet und Stütze und zentrale Achse der Welt ist. In den altnordischen Quellen wird er gemeinhin Yggdrasill genannt, er scheint aber auch andere Namen gehabt zu haben (Læráðr, Hoddmímir). Am Fuß des Baumes findet sich der Schicksalsbrunnen (und weitere Quellen mythologischer Flüsse und Gewässer).

Dort sitzen und wirken auch die Nornen. Von dem Baum tröpfelt konstant eine lebensspendende Flüssigkeit herab, und auch einige mythologische Tiere sind mit dem Baum verbunden. In dem Astwerk leben vier Hirsche, an der Spitze sitzt ein Adler, der wiederum einen Habicht trägt, und an den Wurzeln nagen verschiedene Schlangen, unter ihnen auch der Drache Niðh?ggr, den wir aus der Völuspa kennen. Das Eichhörnchen Ratat?skr („Rattenzahn“) läuft als kleiner Intrigant den Stamm hinauf und hinab und stiftet Unfrieden zwischen dem Adler und dem Drachen, indem es jedem von beiden Unwahrheiten über den anderen erzählt.

Auch im Iranischen und Indischen haben wir den Weltenbaum. Im Iranischen wird er „Baum des Adlers“ genannt, weil in seiner Krone der Sonnenvogel sitzt. Zu seinen Füßen entspringt die Wunderquelle Ardwi Sura. Die Hirsche gehören dort ebenfalls zu dem Bild, wie uns aus iranischen Bilddarstellungen bekannt ist.

Die indischen Quellen geben uns auch besseren Aufschluss über die Art der lebensspendenden Flüssigkeit, die von dem Baum tropft. Man ahnt es schon: es handelt sich um „madhu“, das indische Wort für Met, der ja als kultischer Rauschtrank auch beim Opfer eine besondere Bedeutung hatte. Andere indische Quellen bezeichnen den Baum als „somaträufelnd“ („somasavana“). Soma war die heiligste Kultdroge der altindischen Quellen, und wir wissen bis heute nicht genau, woraus sie bestanden hat.

Bei den Griechen war der Weltenbaum unter dem Namen „Baum der Hesperiden“ bekannt. Auch zu seinen Füßen finden wir das lebensspendende Wasser, und um seinen unteren Stamm ringelt sich eine Schlange. Der Baum wird im Griechischen auch „Spindel der Notwendigkeit“ genannt, denn an seinem Fuße sitzen ebenfalls die drei Moiren und spinnen das Geflecht des Schicksals. Sogar das Eichhörnchen scheint auch hier dazuzugehören, denn sowohl griechische wie auch indische Traditionen kennen den Streit zwischen dem Adler in der Spitze des Baumes und der Schlange an seinem Fuß. Noch in der Spätantike findet sich der Nachhall dieser alten Vorstellung in einer Fabel des Phaedrus, wo es eine Katze ist, die zwischen Adler und Wildschwein Feindschaft stiftet, die auf demselben Baum wohnen.

Die altnordische Bezeichnung Yggdrasill für den Weltenbaum hat einige Rätsel aufgeworfen. Wörtlich übersetzt heißt das „Pferd des Ygg(r)“, wobei Yggr (der Schreckliche) ein belegter Beiname Odins ist. Dafür müsste man aber die nicht belegte Urform „Yggsdrasill“ annehmen. Erklärt wurde diese Bedeutung mit dem Selbstopfer Odins, bei dem er „neun Tage am Baum hing“. Der Baum hätte dann deshalb die bildhafte Umschreibung „Pferd“, weil auch der Galgen als „Pferd des Gehängten“ bezeichnet wurde. Nun gibt es allerdings auch noch die Form „askr Yggdrasills“ was wörtlich „Esche des Pferdes von Ygg“ bedeuten würde.

Ein wenig Licht auf dieses Rätsel könnte der indische Name des Weltenbaums werfen, der „asvatta“ (Pferdestätte) lautet. Dort finden wir nämlich die Vorstellung, dass an den obersten Teil des Weltenbaums die Sterne genauso angebunden sind, „wie Rosse an einen Pfahl“. Eine sehr poetische Vorstellung. Und deshalb kreisen die Sterne auch um seine Spitze (den Polarstern). Wenn wir diese Vorstellung auch für die germanische Welt für möglich halten, wogegen nichts spricht, wäre das eine bessere Ursprungserklärung für den Namen des Baumes, als es der Hinweis auf das Selbstopfer Odins wäre.

Ob es sich in allgemein-germanischer Vorstellung bei dem Baum tatsächlich um eine Esche handelte, ist eher fraglich. Diese Bezeichnung taucht nur in isländischen Quellen auf. Isländische Texte sind aber bis in jüngere Zeit dafür bekannt, dass Baumnamen dort häufig verwechselt werden, was ganz einfach daran liegt, dass es auf Island kaum Bäume gibt, wodurch sich das genaue Wissen um Baumarten dort teilweise verloren hatte. Die Bezeichnung „immergrün“, sowie die Beschreibung des heiligen Kultbaumes bei dem Tempel von Uppsala als Nadelbaum, hat etliche Forscher zu der Annahme gebracht, dass man sich den Weltenbaum ursprünglich als Eibe gedacht hat, deren kultische Bedeutung auch in vielen anderen Zusammenhängen belegt ist. Auch den Namen Yggdrasill hat man aus den ur-indoeuropäischen Wörtern *igwja (Eibe) und *dher- (stützen) als „Eibensäule“ zu deuten versucht.

Die Gottheiten

So wie das maßgebliche Göttergeschlecht der Germanen Aesir (Asen) genannt wurde, hat das Sanskrit für göttliche Wesenheiten schlechthin die Sammelbezeichnung Asura. Auch hier haben wir also noch genau dasselbe Wort.

Unter den Gottheiten selbst haben wir nun die augenfälligste Übereinstimmung zwischen dem in den indischen Veden maßgeblichen Gott Indra und dem skandinavischen Thor. Die Parallelen erstrecken sich bis in die kleinsten Details: Beide sind von riesenhafter Stärke, und ihre wichtigste Tätigkeit ist der Schutz und die Verteidigung der Welt gegen Trolle, Dämonen und Ungeheuer. Beider Hauptfeind ist eine drachenartige Schlange (bei Indra Vritra, bei Thor die Midgardschlange), beide Monstren sind an das Element Wasser gebunden. Beide Götter sind außerordentlich beachtliche Esser und Trinker, beide sind Wagenfahrer, sie tragen einen roten Bart, den sie schütteln, wenn sie in Zorn geraten, und sie befinden sich in ausgesprochenem Gegensatz zu den göttlichen Vertretern der geistigen Fähigkeiten und des Zaubers (in der Edda Odin, im Veda Varuna). Beide kämpfen mit einer Blitzwaffe, die von zauberkundigen Wesen geschmiedet wurde, und die nach Gebrauch in die Hände des Werfers zurückkehrt (genauso wie der Wurfstein des irischen Gottes Dagda). Natürlich ist auch der griechische Blitzeschleuderer Zeus niemand anderes, als eben genau derselbe Gott.

Der andere germanische Hochgott Wodan/Odin hat eine recht wechselvolle innergermanische Geschichte durchlaufen, deshalb ist eine klare Parallele mit den indischen Quellen nicht ganz so einfach herzustellen, sie verteilt sich dort nämlich auf zwei Götter.

Was die Äußerlichkeiten angeht, hat er seine beste Entsprechung in dem indischen Gott Rudra. Dessen Name bedeutet „der Schreckliche, Furchtbare“, und genau diese Bedeutung hat auch Odins Beiname „Yggr“. Sie teilen einen weiteren Beinamen, den des „Lärmers“ („Ómi“ bei Odin, „uccairghosa“ bei Rudra). Beide lieben es, ihre Gestalt zu wechseln, und wie Odin hat auch Rudra nur ein Auge. Während Odin dies durch einen tief herabgezogenen Schlapphut verbirgt, trägt Rudra eine tief in die Stirn herabreichende Binde. Rudra wird als „kavi“ bezeichnet, d.h. jemand, der das geheime Zauberwissen besitzt, was auch die wohl maßgeblichste Eigenheit Odins ist. Beider Attribut ist der Speer, der bei Rudra allerdings drei Spitzen hat. Weiterhin ist Rudra Gottheit des „vrata“, des durch ein Gelübde auf diesen Gott eingeschworenen menschlichen Kriegerbundes. Der hat im Indischen sein Gegenstück in den himmlischen „vratas“, die Rudra in seinen mythologischen Kämpfen zur Seite stehen. Das ist eine weitere und ganz auffällige Übereinstimmung mit Wodan/Odin, der ebenfalls Herr der irdischen Kriegerbünde, sowie der himmlischen „einherjar“ in Valhall ist.

Der zweite indische Gott, mit dem Odin verglichen werden kann, ist Varuna. Der bildet in Indien zusammen mit Mithra ein Herrscherpaar, wobei der eine die weltlich-rechtliche, der andere die magisch-sakrale Seite des Königtums repräsentiert. Dem Mithra würde bei den Germanen dann Tyr/Teiwaz entsprechen, dessen Rolle aber in der altnordischen Literatur schon sehr verblasst ist. Denn zur Zeit der altisländischen Quellen ist Odin unangefochtener Götterkönig.

Nun haben wir in den skandinavischen Quellen aber zwei sehr seltsame und schon damals wohl nicht mehr richtig verstandene Mythenfragmente, in denen es um eine zeitweilige Abwesenheit Odins geht. Die Umstände sind recht turbulent, aber der Kern der Geschichte ist, dass Odin seine Stellung auf bestimmte Zeit einem gewissen Mithotyn überlassen muss, der uns schon vom Namen her auffällig an den indischen Mithra erinnert. In der zweiten Version wird er von einem Ollerus vertreten, hinter dem man wohl Ullr vermuten darf. Es könnte sein, dass hier eine uralte Erinnerung an das zweigeteilte Herrscheramt durchschimmert, vor allem, da ja auch in Ullr eine früher weitaus prominentere Himmelsgottheit vermutet wird.

In allen indoeuropäischen Kulturen hat der Name des alten und ursprünglichen Himmelsgottes überlebt. Der muss ursprünglich ungefähr „Dyaus“ gelautet haben, was einfach nur „Himmel“ bedeutet hat. Daraus aber wurde schnell der „Dyaus pitar“ der „Himmelsvater“. Dieses Wort hat sich zu folgenden Varianten gewandelt: im Griechischen zu „Zeus pitar“ (Vater Zeus), im Römischen zu „Dispiter“ (daraus später: „Iuppiter“), im Germanischen zu „Teiwaz“, im Baltischen zu „Dievs“ und im Indischen zu „Deva“. Interessant ist, dass schon früh damit nicht mehr nur ein bestimmter Gott verbunden war, sondern dass das Wort zu einem allgemeinen Begriff für „Gott/Götter“ schlechthin wurde, so im lateinischen „deus“, im griechischen „theos“, im baltischen „dievs“, im indischen „deva“ und im altnordischen „tiv“ (Plural: „tivar“), wobei der eigentliche Gott Teiwaz parallel dazu als Tyr weiterexistierte. Und heute ist es so, dass der Name des uralten indoeuropäischen Himmelsgottes im Baltischen als „Dievs“, im Französischen als „Dieu“ und im italienischen und spanischen „Dio“ auf eine sehr viel jüngere Gottheit übertragen worden ist, deren eigentlicher Eigenname „Jahwe“ lautet.

Der Konflikt zwischen Asen und Wanen

In den germanischen Quellen taucht außer den Asen noch ein weiteres Göttergeschlecht auf, von dem völlig unklar bleibt, woher es stammt: die Wanen. Nach Ordnung der Welt durch die Asengötter kommt es zu einem Konflikt dieser beiden Götterfamilien, der in einen Krieg mündet, durch den die Asen zu anschließendem Friedensschluss und Verbrüderung gezwungen werden. Die Hinweise darauf sind in den Quellen aber so vage und lückenhaft, dass man aus den Hintergründen nicht recht klug wird.

Lange glaubte man, darin die historische Erinnerung an den Aufeinanderprall der eindringenden Indo-Europäer und den einheimischen Ackerbaugesellschaften Norddeutschlands zu sehen, wo eben auch zwei unterschiedliche Religionen und somit Gottheiten aufeinandertrafen, die bäuerlich-bodenständige Familie der wanischen Fruchtbarkeitsgötter und die eher kriegerische Familie der Asen, die dann zu einer neuen Gesellschaft und Religion verschmolzen sind.

Diese Erklärung ist faszinierend und auch heute noch in vielen Büchern zu lesen. Aber sie ist deshalb problematisch, weil die Spuren dieses Konfliktes nicht nur in den germanischen, sondern auch in den indischen und römischen Quellen auftauchen. Wenn die Interpretation dieser parallelen Quellen richtig ist, kann es sich also nicht um die Erinnerung an historische Vorgänge handeln, die in Nordeuropa stattgefunden haben.

In den Quellen der Edda präsentiert sich der Mythos so, dass die Wanen eine Frau zu den Asen schicken, Gullveig, die man als Verkörperung der Goldsucht ansehen darf. Als Odin die Gefahr bemerkt, versucht er sie zu töten, sie aber kehrt stets wieder zum Leben zurück und treibt es unter dem Namen Heid noch ärger. Wegen der versuchten Tötung Gullveigs durch die Asen verlangen die Wanen aber eine Entschädigung, es kommt zur kriegerischen Konfontation, bei dem sich die Wanen als stärkere Partei erweisen und die Asen zu einem Friedensschluss gezwungen werden, so dass Schlimmeres verhütet wird. Die Wanen werden als gleichberechtigte Gottheiten aufgenommen, während Götter der jeweils einen Gruppe in die andere überwechseln.

Diese Erzählung hat nun eine sehr augenfällige Parallele zu dem römischen Mythos vom Raub der Sabinerinnen. Auch dort ist ein Krieg die Vorbedingung dazu, dass Römer und Sabiner einen staatlichen Zusammenschluss bilden. Auch dort wird im letzten Moment vermittelt, so dass der eigentlich drohende Krieg abgewendet wird. Lange hat man diese Erzählung für eine rein historische Erinnerung gehalten, erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts dämmerte dem französischen Indogermanisten George Dumézil die Erkenntnis, dass es sich hierbei um einen Mythos handelt, eine Erkenntnis, die heute weitgehend akzeptiert ist.

In der indischen Variante sind es die Asvins (auch Nasatyas genannt), Fruchtbarkeitsgottheiten, die erst zu dem Somagelage der Götter zugelassen wurden, nachdem Indra sich gegen seinen Willen dazu gezwungen sieht. Die Übereinstimmungen gehen soweit, dass auch in den letztgenannten Varianten eine Art von Gullveig-Gestalt auftritt: bei den Römern die vom Sabinergold geblendete Vestalin Tarpeia und in Indien Mada, die die Macht der Trunkenheit symbolisiert.

Wie ist dieser Götterkonflikt nun religionshistorisch einzuschätzen? Der Mythos ist zu lückenhaft, um endgültige Klarheit zu gewinnen. Es spricht insgesamt aber mehr dafür, dass hier das Schichtenmodell der indo-europäischen Gesellschaft selbst Pate gestanden hat und nicht die Verschmelzung der Indo-Europäer mit einer gänzlich anderen Kultur. Es ist nämlich bezeichnend, dass in allen Varianten nicht die Darstellung des Krieges die Hauptsache ist, sondern ganz im Gegenteil der Friedensschluss. Der mythische Krieg, der ja gar nicht erst wirklich ausbricht, ist nur eine erzählerisch nötige Vorbedingung des Vertrages, auf dem die Gesellschaftsform selbst beruht. In diesem Fall wäre der Mythos sehr viel älter, als man bisher anzunehmen wagte. Auch in historischer skandinavischer Zeit schimmert noch die grundsätzlich unterschiedliche Verehrung der beiden Götterfamilien in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen durch. Und es mag schon immer so gewesen sein, dass es die Bauern eher zu den Vanen, Krieger und Adel eher zu den Asen hingezogen hat. Bindeglieder und Mischformen aber waren stets möglich, wie gerade die starke Stellung Thors als typischer Bauerngott zeigt.

Die indischen Asvins sollen hier aber noch etwas näher beleuchtet werden, da sie uns möglicherweise bei einigen Rätseln der germanischen Religion weiterhelfen können. Die Asvins werden als Zwillinge gedacht, und ihr Name bedeutet „Pferdeleute“. Ihre Funktionen sind mannigfaltig, aber sie sind in erster Linie friedfertige Schutzgottheiten. Sie heilen Krankheiten und stehen für die ewige Jugend. Sie werden bei der Hochzeit angerufen, um der Braut Fruchtbarkeit zu verleihen. Diese Fruchtbarkeitseigenschaften haben sie im Indischen sehr mit den Elementen der Natur verschmelzen lassen. Als ihr Aufenthaltsort werden abwechselnd Erde, Wasser, Luft oder das „Himmelsmeer“ genannt. Sie sind die Kinder des Himmels(gottes) und sind beide mit einer gemeinsamen Frau verheiratet, der Tochter der Sonne, die gleichzeitig ihre Schwester ist. Wir sehen nun, wie auffällig diese Asvins den germanischen Wanen entsprechen. Nicht nur in ihren unkriegerischen Schutzfunktionen, sondern auch in dem Detail der Geschwisterehe, was ebenfalls den germanischen Wanen nachgesagt wird.

Dasselbe Motiv finden wir in der baltischen Mythologie, wo die „Dieva deli“, die beiden Himmelssöhne, mit einer „Saules meita“ (Sonnenmädchen) verheiratet waren, die ebenfalls ihre Schwester gewesen sein muss, da der Himmelsgott Dievs die Sonne („Saule“) zur Frau hatte.

Dieses göttliche Zwillingspaar taucht in den indeuropäischen Mythen wiederholt auf, meistens mit einer weiblichen Gestalt verbunden und mit ganz deutlichen Hinweisen auf ihr pferdegestaltiges Wesen. Im Griechischen sind das die sogenannten Dioskuren („Zeussöhne“) Kastor und Polydeukes (römisch: Castor und Pollux), die ebenfalls eng mit ihrer Schwester Helena verbunden sind. Zumindest Kastor hat ebenfalls eine Beziehung zum Pferd, denn er gilt vor allem als geschickter Rossbändiger. Andere Hinweise aber deuten darauf hin, dass man sich auch die griechischen Dioskuren insgesamt als pferdegestaltig vorstellte.

Nun aber zur möglichen Verbindung der indischen „Pferdezwillinge“ mit der germanischen Religion. Tacitus berichtet uns:

„Bei den Naharnavalen wird der Hain eines alten Kultes gezeigt. Den Vorsitz hat ein Priester in Frauenkleidung. Die Götter nennt man nach römischer Ausdrucksweise Castor und Pollux, denn sie sind diesen Alcis genannten Göttern an Macht gleich. Sie haben keine Götterbilder und nichts deutet auf den Einfluss fremder Religionen, dennoch werden sie als Brüder, als Jünglinge verehrt“ (Germania 43,3).

Der Name „Alcis“ ist nicht ganz sicher geklärt. Er kann im Germanischen (*Alhiz) einerseits einfach „Schutzgötter“ bedeuten, er kann aber auch mit dem durch Caesar überlieferten Wort „alsces“ (Elche) zusammenhängen, wodurch dann die Interpretation als pferdegestaltiges Brüderpaar naheliegt, zumal sich aus völkerwanderungszeitlichen Bilddarstellungen dieses pferdegestaltige Dioskurenmotiv bei den Germanen sicher nachweisen lässt. Die seltsame Nachricht eines Priesters in „Frauenkleidung“ hat nun deutliche Parallelen zu den vagen Hinweisen, die wir über die tatsächliche Wanenverehrung noch aus skandinavischer Zeit haben. Auch dort gibt es verstreute Hinweise auf „weibisches“ Gebaren der Wanenverehrer. Es ist also gut möglich, dass wir in den Alcis eine frühe Ausprägung des Wanenkultes haben. Ob die noch mit einer ihnen anverheirateten Schwester verbunden waren, weiß Tacitus uns nicht zu berichten. Die aus späterer altnordischer Zeit belegte wanische Geschwisterehe von Freyja und Freyr aber lässt diese Vermutung sehr wohl zu.

Das bringt uns letztlich zu dem Punkt des angeblichen Doppelkönigtums, das uns in den Abstammungsmythen der völkerwanderungszeitlichen Germanen selbst belegt ist. Dabei handelt es sich in allen Fällen um angeblich ursprüngliche Könige, die aber erst in späterer Überlieferung genannt werden. Das finden wir z.B. bei den Vandalen, am markantesten aber bei den Angeln, deren Anführer bei der Übersiedlung nach England ein Paar namens Hengist und Horsa gewesen sein sollen. Beide Namen bedeuten „Pferd“, teilweise werden sie auch als „Hengst“ und „Stute“ gedeutet. Es spricht einiges dafür, dass es sich dabei nicht um historische Häuptlinge gehandelt hat, sondern um die bei germanischen Adelsgeschlechtern übliche Rückführung auf Gottheiten als Stammväter des eigenen Geschlechts. Hinter denen dürften wir in diesem Fall dann genau jene pferdegestaltigen Zwillinge vermuten, die wir von den Naharnavalen als Alcis und aus Indien als Asvins kennen, und die uns noch bis in neueste Zeit von den Giebeln norddeutscher Bauernhäuser entgegenblicken.

Dass die als wanische Gottheiten mit so einem kriegerischen Unternehmen nicht zusammenpassen, ist als Argument nicht sehr schlagkräftig. Denn zum einen mag es sich um die persönlichen Gottheiten der späteren Königsfamilie gehandelt haben, also um eine Rückprojektion bereits friedlicherer Verhältnisse. Zudem sind gerade die Angeln als Nerthus-Verehrer ausdrücklich erwähnt, was gerade bei ihnen eher einen eher wanischen Hauptkult vermuten lässt. Vor allem aber dürfte die strikte Trennung zwischen angeblich friedlichen „matriarchalischen“ Wanen und kriegerischen „patriarchalischen“ Asen eher ein Klischee der heutigen Zeit sein. Vergessen wir nicht, dass die Wanen im Krieg gegen die Asen Sieger blieben und die Asen klein beigeben mussten.

Die Erlangung des Rauschtrankes

Ein bekannter altnordischer Mythos ist die Erlangung des Dichtermets, des heiligen Rauschtrankes Oðr?rir („Ekstase-Aufrührer“). In Snorris Skáldskaparmál (einem Teil der Prosa-Edda) ist es Odin, der es auf den Met abgesehen hat, welcher sich bewacht im Innern eines Berges befindet. Nachdem Odin durch verschiedene Listen in seinen Besitz gelangt ist, verwandelt er sich in einen Adler, und es gelingt ihm die Flucht mit dem Met, auch wenn er von Suttung, dem Wächter des Trankes, hart verfolgt wird und nur knapp sichere Gefilde erreicht.

Im altindischen Rigveda (IV, 27) ist der Rauschtrank (Soma) nicht in, sondern auf einem hohen Berg gefangen. Der personifizierte Soma erzählt hier selbst von seiner Errettung. Ein Falke ist es, der ihn von dem Berg hinwegträgt, und dieser Falke ist niemand anderes als der verwandelte Indra. Der Wächter des Soma bringt den Falken durch Pfeilschüsse noch in höchste Gefahr, aber auch hier glückt die Entführung.

Snorri erzählt, dass der Met in drei Gefäßen aufbewahrt wurde, deren Namen schwer zu deuten sind (was auf ein hohes Alter schließen lässt). Auch das hat seine genaue Entsprechung, wenn in der indischen Mythologie drei Becher erwähnt werden, in denen der Soma für Indra gepresst wird.

Vom griechischen Zeus kennen wir übrigens dieselbe Tat: Auch er entführt in Gestalt eines Adlers den Mundschenk Ganymedes zu den Göttern des Olymp. Hier ist der Rauchtrank bereits ganz personifiziert.

In der altnordischen Variante hat die Entstehung des Dichtermets eine lange Vorgeschichte. Beim Friedensschluss zwischen Asen und Vanen spucken beide Parteien in ein Gefäß, und aus diesem Speichel entsteht das Wesen „Kvasir“, das alle Weisheit der Welt in sich trägt.

Der Name Kvasir ist recht durchsichtig, Noch im heutigen Russischen („kvas“) und Norwegischen („kvase“) bezeichnet er vergorenen Beerensaft. Und die Methode, bei zerkauten Pflanzenteilen durch den Speichel einen Gärprozess anzuregen, findet man bei allen Naturvölkern. Kvasir wird in der Edda später von zwei heimtückischen Zwergen zerstückelt, woraus der göttliche Met entsteht.

Nun müssen wir abermals jenen indischen Mythos erwähnen, in dem es zum Konflikt zwischen den Göttern um Indra und den Asvins kommt. Wir kennen letztere bereits als Fruchtbarkeitsgottheiten, die den Wanen ähnlich sind. Die indischen Götter haben Vorbehalte, sie in ihre Gemeinschaft aufzunehmen.

In der indischen Version kommt den Asvins nun ein mächtiger Weiser zu Hilfe, der ein Wesen namens Mada (Trunkenheit) erschafft (was der nordischen Gullveig und der römischen Tarpeia entspricht), das den gewaltigen „Metvernichter“ Indra letztlich zum Einlenken zwingt. Die Asvins werden in die Götterfamilie aufgenommen. Genau wie in der Edda, wird das Rauschwesen nun in jene Bestandteile zerstückelt, denen nach indischer Auffassung Rauschcharakter zukommt: Trunk, Frauen, Glücksspiel und Jagd. Auch dies eine klare Parallele zu dem germanischen Kvasir.

Nun gibt es noch eine weitere und sehr unterschiedliche indische Variante der Erlangung des Rauschtrankes, die im Rigveda nur aus verstreuten Andeutungen ersichtlich ist (IV, 18,10-12; III 48,1-4; VIII 7,24). Aus diesen kann man herauslesen, dass die Gewinnung des Trankes offenbar damit einhergeht, dass hier ein Gott seinen Vater umbringt. In dieser Variante spielt Indra ebenfalls die Hauptrolle, entscheidend dabei ist aber, dass er dabei aber von einem anderen Hochgott begleitet wird (einmal Vishnu, das andere Mal Trita).

Und diese indische Variante findet dann tatsächlich ihre erstaunlich genaue Entsprechung in einem Lied der älteren Edda. Und erst diese Erkenntnis macht Einzelheiten des Liedes verständlicher. Es handelt sich um das Hymir-Lied.

Als man bei dem Meeresgott Aegir ein Gelage abhalten will, fehlt es an einem geeigneten Kessel für das Getränk. Also zieht Thor in Begleitung von Tyr los, um für d[…Textpassage fehlt…]

Erstaunlich aber ist nun, dass hier der Riese Hymir als Vater von Tyr/Teiwaz genannt ist, was allen anderen Quellen widerspricht. Auch hier geht die Geschichte also mit dem Detail einher, dass der alte Blitzschleuderer bei der Erlangung des Rauschtrankes (und als nichts anderes darf man diese Kesselaktion bewerten) von einem weiteren Hochgott begleitet wird, und dass bei dieser Unternehmung ein Gott seinen Vater tötet. Und gerade diese verblüffende Parellele zum indischen Material macht deutlich, dass hier ein Jahrtausende altes Motiv getreu bewahrt worden ist, auch wenn es im altnordischen Kontext keinen genealogischen Sinn mehr ergibt.

Aber nicht genug damit: Durch diese germanische Version wird nämlich abermals die Brücke zurück zur indischen Mythologie geschlagen, denn eine weitere indische Variante über den Rauschtrank berichtet von der Suche nach einem geeigneten Gefäß, bei dem der Beherrscher der Gewässer (wie der altnordische Aegir) ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Man sieht, dass die Erlangung des Rauschtrankes ein bei den Indoeuropäeren wohl sehr beliebtes Thema war. Gerade der zahlreichen Variationen wegen aber erstaunen die über Jahrtausende treu bewahrten parallelen Details bei Indern und Germanen.

Ende und Neugeburt der Welt

In den Quellen der Edda wird uns das Ende der Welt recht genau beschrieben. Die Sonne verfinstert sich, ein mehrjähriger Winter bricht herein, die Menschen verlieren Anstand und Moral und es kommt zum sinnlosen Morden aller gegen alle, und in einer gewaltigen zum Himmel lodernden Feuersbrunst geht die Welt unter. Aus allen Richtungen ziehen dämonische Kräfte und Wesen heran und es kommt zu einem letzten Kampf der Götter gegen die zerstörerischen Kräfte des kosmischen Geschehens, bei dem die Götter unterliegen und ebenso sterben, wie alles andere auf der Welt. In düsteren und mächtigen Bildern wird uns das ausgemalt.

In den altrömischen Sibyllinischen Weissagungen finden wir dieses Ende und den Weltenbrand nun mit teilweise identischen Formulierungen beschrieben wie in der Edda. In der römischen Quelle heißt es u.a.:

„Wenn aber einst auf der Erde Erdbeben mit schrecklichem Blitzstrahl gemengt sein wird, flüchtiger Wölfe rasende Wut und Männer-Ermorden […], dann wird des siebenhügeligen Roms gewaltiger Reichtum zugrunde gehen, von stark loderndem Feuer verzehrt und der Flamme des Vulkan. Aber die sämtliche Welt mit all den unzähligen Menschen tötet einander in rasender Wut. Und in der sämtlichen Welt wird es so an Menschen mangeln.“

Aber nach dieser totalen Vernichtung steigt eine neue Erde aus dem Nichts empor. Jene Götter, die schuldlos blieben, werden wiedergeboren. Es ist von einem „Mächtigen“ die Rede, der „von oben“ kommen und alles gut lenken wird. Und auch ein Menschenpaar hat überlebt, indem es sich im Holz des Weltenbaumes versteckt hat. Es wird auch die neue Erde wieder mit Menschen bevölkern. Die mehrfache Überlieferung dieser Tatsache (Völuspa, Vafþruðnismál und Gylfaginning) macht deutlich, dass es sich hierbei nicht nur um eine individuelle Eingebung des Völuspa-Dichters handeln kann.

Auch in den römischen Quellen finden wir das passende Gegenstück:

„Goldene Zeit mit gefahrlosem Frieden wird wiedergeboren. Huldreich kehrt endlich zur Erde zurück, ohne Zeichen der Trauer, Themis [Göttin der Gerschtigkeit, die die Erde aus Trauer über die Ungerechtigkeit der Menschen als letzte verlassen hatte]. Es folgen glückliche Zeiten. Während der Gott hier die Völker regiert, lässt die arge Bellona [Göttin des Krieges] rückwärts die Hände sich binden.“

Über lange Zeit konnte man nicht anders, als dieses Bild für eine direkte Übernahme christlicher Vorstellungen zu halten. Zu ähnlich war die Darstellung den apokalyptischen Bildern aus der Offenbarung des Johannes. Zu offensichtlich schien in „dem Mächtigen von oben“ der christliche Gott durchzuschimmern, der nach dem Untergang des Heidentums zur Herrschaft kam, und zu offensichtlich erinnerte die neue Erde an das Paradies oder das „himmlische Jerusalem“.

Erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts brachte die Bibelforschung Erkenntnisse zu Tage, die früher nicht einmal gedacht werden durften. Zunehmend wurde klar, dass die Verbreitung dieser Vorstellungen genau umgekehrt verlaufen war. Diese Vorstellungen von einem solchen Ende und Neubeginn entstammen nicht den biblischen Quellen, sondern das Judentum hat sie von den indoeuropäischen Iranern übernommen. Sie sind also indeoeuropäisches Erbe. Bezeichnenderweise tauchen sie auch im gesamten Alten Testament nicht auf, sondern erst in einer extrem späten Zeitphase. Zum objektiven Beleg dafür zwei Zitate von international angesehenen Religionswissenschaftlern:

„Die Frage stellt sich, wie das altisländische Endzeitszenar sowohl mit dem biblischen übereinstimmen kann, als auch offensichtlich mit dem im iranischen und indischen Kulturbereich überlieferten. Die nordischen Vorstellungen zu Schöpfung und Urzeit können dabei beiseite bleiben, da ja nicht ‚christentumsverdächtig‘, aber die folgenden Überlegungen stützen helfen. Die Antwort wird dann lauten müssen: Es ist mit einem indogermanischen (gemeinsamen) Grundstock eschatologischer Vorstellungen, einem indogermanischen Endzeitszenar zu rechnen, die im germanischen und im iranischen (und indischen) Raum unter je bestimmten historischen Bedingungen aktiviert wurden. Im Zuge der engen kulturellen Berührung Israels mit Persien (Palästina war über 200 Jahre lang Teil des Persischen Großreiches) sind dieselben Vorstellungen, ist dieses selbe Szenar auch Bestandteil der jüdischen und später christlichen Apokalyptik geworden. Die Gemeinsamkeiten zwischen nordgermanischer und christlicher Eschatologie ergäben sich dann aus einer gemeinsamen (indogermanischen) Quelle, nicht primär aus christlicher Beeinflussung.“ (Hasenfratz, S. 125 f.)

„Die persische Vorstellung von einem Weltdrama, das mit der Schöpfung beginnt und mit der Vernichtung alles Bösen seinen Abschluss findet, weist eine Reihe von Zügen auf, die vom Judentum übernommen wurden und aus diesem in das Christentum und in den Islam übergegangen sind. Die Juden haben diese Vorstellungen sich zu eigen gemacht, in angemessener Weise umgebildet und ihrem Geschichtsschema eingefügt. Diese kosmische [indogermanische] Eschatologie ist also die Wurzel, aus welcher die Geschichtskonstruktion der westlichen Religionen erwachsen ist.“ (Glasenapp, S. 228 f.)

Vor allem aber sind die indischen Quellen der beste Beweis für den indoeuropäischen Kontext, denn hier finden wir abermals wieder die genauen Parallelen zu den germanischen Quellen. Das Weltende zeichnet sich ebenfalls durch einen Untergang von Moral und Anstand ab. Beim Untergang der Welt erscheint „von oben“ Vishnu („der Mächtige“) auf einem weißen Ross, um jedem Menschen die karmischen Belohnungen oder Strafen für seine Taten zuzuteilen. Und diese Parallele zu dem „Mächtigen, der von oben kommt“ aus der germanischen Völuspa ist nun so augenfällig, dass auch hier der Verdacht auf christlichen Einfluss ziemlich zu schwinden beginnt.

Nun ist die indische Anschauung aber noch viel weitergehender. Sie unterscheidet zwischen dem ständigen Untergang einzelner „Welteneier“ (also Planeten und ihrer Bewohner) und dem endgültigen Untergang des gesamten Kosmos. Aber auch hier kommt es in beiden Fällen zu einer Neugeburt. Man geht von einer ständigen Neuentstehung von Planeten aus, die wiederum Wohnstätte für inkarnierte Seelen bilden. Aber auch nach dem Untergang des gesamten Kosmos erfolgt eine Rückbildung in jene undifferenzierte Urmaterie, wie wir sie am Anfang in Form des „Abgrundes“ kennengelernt haben, die aber nach einer langen Pause völliger Ruhe in einem identischen Schöpfungsprozess einen neuen Kosmos bildet, den neue Götter und Lebewesen bevölkern werden.

Verblüffend ist dabei nicht nur, dass hier in exakt angegebenen Zeiträumen gerechnet wird, die in die Jahrmilliarden gehen und somit den tatsächlichen Gegebenheiten nahekommen, sondern auch, dass diese uralten religiösen Vorstellungen unglaubliche Ähnlichkeiten mit modernsten kosmologischen Modellen der Astronomie aufweisen: Urknall, Expansion des Kosmos, der irgendwann wieder in sich zusammenfällt, was zu einem neuen Urknall mit anschließender Neuentstehung des Kosmos führen wird.

Wenngleich es auf Grund der Quellenlage etwas verwegen wäre, für die germanische Welt ähnlich durchdachte Feinheiten anzunehmen, haben wir doch genug Hinweise auf dasselbe zyklische Weltbild von Werden, Vergehen und Wiedergeburt als ewigem Kreislauf, wie es für alle indoeuropäischen Religionen typisch gewesen zu sein scheint. Dieses zyklische Weltbild steht aber in unvereinbarem Kontrast zu dem linearen Weltbild der monotheistischen Religionen, das von einem einmaligen Anfang der Schöpfung durch Gott zu einem endgültigen Ende aller Dinge verläuft.

Schlussbemerkung

Die hier behandelten Zusammenhänge sind nur die Spitze eines Eisberges. Sie ließen sich beliebig vertiefen und vermehren. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist der Artikel auf die markantesten Beispiele begrenzt worden. Er dürfte aber auch in dieser Form seine Funktion erfüllen, denn die dargestellten Zusammenhänge sind in der Regel nur professionellen Religionswissenschaftlern oder Indogermanisten bekannt. Leider! Das Klischee, dass die vorchristlichen Religionen Europas „primitiv und barbarisch“ gewesen seien, ist immer noch weit verbreitet. Bezeichnenderweise aber macht niemand den noch heute existierenden indoeuropäischen Religionen diesen Vorwurf, sondern die werden gerade ihrer philosophischen Tiefe wegen oft bewundert.

Das bringt uns zu der Frage, welche indoeuropäischen Religionen denn überhaupt noch überlebt haben. In Europa keine, zumindest nicht offiziell. Natürlich hat sich ein unübersehbarer Strom dieses Denkens im Untergrund fortgesetzt. Nicht nur alle Märchen sind voll davon und viele Volksbräuche gehen auf vorchristliche Traditionen zurück, sondern gerade der Katholizismus ist in vielen seiner Dogmen und Ausformungen (die weniger auf jüdische, sondern sehr viel mehr auf spätantike Strömungen zurückgehen) sehr viel heidnischer, als es seinen offiziellen Vetretern (und Kritikern!) recht sein mag. Genau das war ja das entscheidende (und gewissermaßen völlig brechtigte!) Argument des Protestantismus gegen den Katholizismus.

Wie aus dem gesamten Artikel schon deutlich werden sollte, ist Indien mit fast einem Drittel der Weltbevölkerung bis heute eine der tragenden Kräfte indoeuropäischen Religionsverständnisses. Andererseits aber handelt es sich beim heutigen Hinduismus nicht um EINE Religion, sondern der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für alle Traditionen des indischen Subkontinents, die in sich teilweise äußerst widersprüchlich sind. Die uralte vedische Schicht der indischen Tradition ist heute durch vielfältige andere Einflüsse überlagert, so dass es falsch wäre, die heutigen religiösen Ausprägungen indischen Denkens aus einer rein indoeuropäische Quelle abzuleiten.

Sehr viel berechtigter aber ist es, eine frühe Weiterentwicklung alt-indischen Denkens als typisch indoeuropäisch anzusehen: den Buddhismus. Der entspringt gänzlich der alten indoeuropäischen Weltsicht, und auch alle Texte des frühen Buddhismus sind in Pali, einer dem Sanskrit sehr ähnlichen, altertümlichen indoeuropäischen Sprache verfasst. Allein schon deshalb muss man ihn zu den indoeuropäischen Religionenen zählen.

Kleine Reste indoeuropäischer Religionen haben im iranischen Kulturbereich überlebt, darunter auch die der kurdischen Yesidi, deren Religion allerdings eine Art Geheimlehre ist, die gegenüber Außenstehenden abgeschirmt wird. Das entspricht bitterer Erfahrung, denn sie werden nicht nur staatlicherseits ihrer kurdischen Identität wegen verfolgt, sondern zusätzlich vor allem von den anderen (muslimischen) Kurden als „Götzenanbeter“ diskriminiert.

Eine weitere iranische Religionsgemeinschaft sind die Parsen. Dabei handelt es sich um die alt-iranische Religion schlechthin, wie sie vor der Islamisierung des Landes Staatsreligion war, jener Religion, die Zarathustra ca. 800 v.Chr. aus den alten indoeuropäischen Traditionen in eine neue Form gebracht hatte. Der Begriff „Persien“ leitet sich aus ihrem Namen ab. Sie sind heute in ihrer Heimat ebenfalls eine verfolgte Minderheit. Prominentestes und religiös bekennendes Mitglied dieser Religion war übrigens Queen-Sänger Freddy Mercury.

Der Mythenschatz, den all diese Religionen hervorgebracht haben, ist von einer unermesslich reichen und schönen Ausformung, von der wir auch in den alten europäischen Quellen noch zahlreiche Beispiele finden. Der Untergang und das Vergessen dieser reichen Mythologie wäre ein unersetzlicher Verlust des kulturellen Erbes großer Teile der Menschheit.

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Literatur

Das Problem beginnt schon bei den Quellen. Es gibt keine Gesamtübersetzung der Veden, sondern nur kleine Auswahlbände:

Paul Thieme: Gedichte aus dem Rig-Veda. Stuttgart: Reclam 1993

Arthur A. MacDonell: A Vedic Reader for Students. Oxford University Press 1917 (bis heute immer wieder nachgedruckt)

Walter Ruben: Texte der indischen Philsophie. Bd.1: Aus den Veden. Berlin 1961

Die Texte der Veden sind für „Uneingeweihte“ aber noch weitaus schwieriger und unverständlicher, als es die Lieder-Edda für Anfänger ist. Deshalb sind Sekundärwerke zur vedischen Religion grundsätzlich der bessere Einstieg. Die allerdings sind leider oft nur für Fachleute verständlich.

Für die griechischen Quellen ist Hesiods Theogonie zu erwähnen, die in einer preiswerten Neuübersetzung von Otto Schönberger 1999 im Reclam Verlag erschienen ist. Auch Hesiods Schrift „Werke und Tage“ bietet vereinzelte Hinweise. Das Maßgebliche aber muss man sich leider aus zahlreichen anderen Quellen und Handbüchern zusammensuchen.

Vor allem aber gibt es kein Einzelwerk, in dem die Parallelen so systematisch aufgeführt werden, wie es in diesem Artikel erstmals versucht worden ist. Man muss sich das Material auch hier buchstäblich aus Dutzenden von verstreuten Spezialwerken zur Indogermanistik heraussuchen. Von den auch für Laien verständlichen Werken, in denen einiges davon erwähnt wird, seien folgende Titel genannt:

Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Berlin 1956/57

Herbert Gottschalk: Lexikon der Mythologie. München 1993

Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1984

Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen. München 1998

Hans-Peter Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen. Freiburg 1992

Norbert Oettinger: Isländische Edda und indische Veden. Ein mythologischer Vergleich. In: Große Werke der Literatur, Bd.1. Augsburg 1990

Heinrich Zimmer: Abenteuer und Fahrten der Seele. Ein Schlüssel zu indogermanischen Mythen. München 1977 (sowie zahlreiche andere Arbeiten dieses Verfassers)

Gruß an unsere Geschichte
TA KI

Ragnarök


Ragnarok

Ragnarök bezeichnet das letzte Geschick der Götter, dessen Verlauf in der Edda auf visionäre Weise beschrieben wird. In der Völuspa (der Seherin Weissagung) wird von einer alten Völva ein Weltenentwurf geschildert, der vom Anbeginn der Schöpfung bis zu ihrem Untergang handelt. Die Vorzeichen des nahenden Weltenendes äußern sich zunächst in bedrohlichen Naturerscheinungen, wie dem drei Jahre andauernden Fimbulwinter, auch Riesenwinter genannt. Hungersnöte, Mord und Totschlag bestimmen das Bild und gemahnen der Auflösung des sittlichen und sozialen Gefüges der Menschen. In den Welten der Götter, Riesen und der Hel krähen drei Hähne und verkünden den Beginn des allesentscheidenden letzten Gefechts. Der Himmelswächter Heimdall stößt in sein Gjallarhorn und signalisiert die Ankunft der herannahenden Riesenheere, die über die Bifröstbrücke auf Asgard zumarschieren. Der Weltenbaum erzittert, und die entfesselten Elemente brechen von allen Seiten auf Midgard herein. In Asgard sammeln sich die Götter, die Pforten Walhalls öffnen sich, und aus 540 Toren rücken je 800 Einherjerkrieger gegen die anstürmenden Feinde vor. Walvater Odin, mit Goldhelm, Brünne und dem Speer Gungnir bewaffnet, reitet auf Sleipnir dem Wolf entgegen und wird von diesem verschlungen, doch sein Sohn Widar rächt ihn unverzüglich. Der Donnergott Thor erschlägt die Jörmungand, vermag aber nur noch neun Schritte zu tun, bis auch er, vom Gift der Schlange tödlich verwundet, zu Boden sinkt. Der Kriegsgott Tyr und der Höllenhund Garm töten sich gegenseitig, ebenso Heimdall und Loki, die hierauf endlich ihre alte Feindschaft beenden. Der Fruchtbarkeitsgott Freyr unterliegt dem alles versengenden Schwert Surts, da er die eigene Waffe entbehren muss. Nachdem die Götter besiegt sind, schleudert der „Schwarze“ sein Feuer über die ganze Welt. Die Sonne verdunkelt sich, die Erde sinkt ins Meer, vom Firmament schwinden die Sterne und heiße Lohe bedeckt den ganzen Himmel.

Soweit die Schilderung der Ragnarök, deren wörtliche Übersetzung „Verhängnis“ oder „Endschicksal der Götter“ lautet. Durch einen Übersetzungsfehler, bei dem man „rök“ (Verhängnis) mit „rökkr“ (Dämmerung) verwechselte, kam der allgemein bekannte Begriff der Götterdämmerung zustande. Das die germanische Eschatologie bereits von der christlichen Lehre der Offenbarung beeinflusst ist, wird offensichtlich, zumal man die niedergeschriebene Fassung auf die letzten Jahrhunderte des ausgehenden Heidentums datiert. Dennoch gilt das Gedicht als typisch nordisch, über dessen Ursprung sich allerdings nur mutmaßen lässt. Als Vorbild für die beschriebenen Erscheinungen dienten dem auf Island lebenden Verfasser vermutlich all die Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Erdbeben, welche die Insel auch in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt heimgesucht haben und dortigen Ansässigen zuweilen wie ein „Weltuntergang“ vorgekommen sein müssen.

Quelle: http://www.wodanserben.de/ragnaroek.php

Gruß an den Wandel

TA KI