Max und Moritz- Zweiter Streich


Max und Moritz

Eine Bubengeschichte in Sieben Streichen
von Wilhelm Busch


Zweiter Streich

Als die gute Witwe Bolte

 

Sich von ihrem Schmerz erholte,

 

Dachte sie so hin und her,

 

Daß es wohl das beste wär‘,

 

Die Verstorb’nen, die hienieden

 

Schon so frühe abgeschieden,

 

Ganz im stillen und in Ehren

 

Gut gebraten zu verzehren. –

 

-Freilich war die Trauer groß,

 

Als sie nun so nackt und bloß

 

Abgerupft am Herde lagen,

 

Sie, die einst in schönen Tagen

 

Bald im Hofe, bald im Garten

 

Lebensfroh im Sande scharrten. –

Ach, Frau Bolte weint aufs neu‘,

 

Und der Spitz steht auch dabei. –

 

Max und Moritz rochen dieses;

 

„Schnell aufs Dach gekrochen!“ hieß es.

Durch den Schornstein mit Vergnügen

 

Sehen sie die Hühner liegen,

 

Die schon ohne Kopf und Gurgeln

 

Lieblich in der Pfanne schmurgeln. –

Eben geht mit einem Teller

 

Witwe Bolte in den Keller,

Daß sie von dem Sauerkohle
Eine Portion sich hole,
Wofür sie besonders schwärmt,
Wenn er wieder aufgewärmt. –
-Unterdessen auf dem Dache
Ist man tätig bei der Sache.
Max hat schon mit Vorbedacht
Eine Angel mitgebracht. –

Schnupdiwup da wird nach oben
Schon ein Huhn herauf gehoben.
Schnupdiwup! jetzt Numro zwei;
Schnupdiwup! jetzt Numro drei;
Und jetzt kommt noch Numro vier:
Schnupdiwup! dich haben wir!!
Zwar der Spitz sah es genau,
Und er bellt: Rawau ! Rawau !

Aber schon sind sie ganz munter

 

Fort und von dem Dach herunter. –

 

-Na! Das wird Spektakel geben,

 

Denn Frau Bolte kommt soeben;

 

Angewurzelt stand sie da,

 

Als sie nach der Pfanne sah.

Alle Hühner waren fort

 

„Spitz! !“ -das war ihr erstes Wort. –

„Oh, du Spitz, du Ungetüm ! !

 

Aber wart ! ich komme ihm ! ! !“

Mit dem Löffel, groß und schwer,

 

Geht es über Spitzen her;

 

Laut ertönt sein Wehgeschrei,

 

Denn er fühlt sich schuldenfrei. –

-Max und Moritz im Verstecke

 

Schnarchen aber an der Hecke,

 

Und vom ganzen Hühnerschmaus

 

Guckt nur noch ein Bein heraus.

Dieses war der zweite Streich…

Quelle: https://germanstories.vcu.edu/mm/mm2.html
Doch der dritte folgt …

nächsten Sonntag.

Gruß an die Gespannten

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TA KI

 

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Max und Moritz- Erster Streich


Mancher gibt sich viele Müh‘

Mit dem lieben Federvieh;

Einesteils der Eier wegen,

Welche diese Vögel legen,

Zweitens: weil man dann und wann

Einen Braten essen kann;

Drittens aber nimmt man auch

Ihre Federn zum Gebrauch

In die Kissen und die Pfühle,

Denn man liegt nicht gerne kühle. –

Seht, da ist die Witwe Bolte,
Die das auch nicht gerne wollte.


Ihrer Hühner waren drei

Und ein stolzer Hahn dabei. –

Max und Moritz dachten nun:

Was ist hier jetzt wohl zu tun? –

-Ganz geschwinde, eins, zwei, drei,

Schneiden sie sich Brot entzwei,


In vier Teile, jedes Stück

Wie ein kleiner Finger dick.

Diese binden sie an Fäden,

Übers Kreuz, ein Stück an jeden,

Und verlegen sie genau

In den Hof der guten Frau.

Kaum hat dies der Hahn gesehen,

Fängt er auch schon an zu krähen:


Kikeriki ! Kikikerikih ! !

Tak, tak, tak! – da kommen sie.


Hahn und Hühner schlucken munter

Jedes ein Stück Brot hinunter;


Aber als sie sich besinnen,

Konnte keines recht von hinnen.


In die Kreuz und in die Quer

Reißen sie sich hin und her,


Flattern auf und in die Höh‘,

Ach herrje, herrjemine !


Ach, sie bleiben an dem langen,

Dürren Ast des Baumes hangen. –

-Und ihr Hals wird lang und länger,

Ihr Gesang wird bang und bänger;


Jedes legt noch schnell ein Ei,

Und dann kommt der Tod herbei. –

Witwe Bolte in der Kammer
Hört im Bette diesen Jammer;


Ahnungsvoll tritt sie heraus:

Ach, was war das für ein Graus !


„Fließet aus dem Aug‘, ihr Tränen!

All mein Hoffen, all mein Sehnen,

Meines Lebens schönster Traum

Hängt an diesem Apfelbaum! !“


Tiefbetrübt und sorgenschwer

Kriegt sie jetzt das Messer her;

Nimmt die Toten von den Strängen,

Daß sie so nicht länger hängen


Und mit stummem Trauerblick
Kehrt sie in ihr Haus zurück. –

Dieses war der erste Streich, …

Quelle: https://germanstories.vcu.edu/mm/mm1.html

Doch der zweite folgt sogleich…am nächsten Sonntag

Gruß an die Kindgebliebenen

 

 

 

TA KI